*• älnlaica akademie Praha 1 Hybernslca ul, EtaMUMkr (elntchll.Blicb SttaMar-Forto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME OES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xit., fochova«. nuron am. adrmnmtration rukn sm, HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR, WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURt DR. EMIL STRAUSS, FRAG. 14. Jahrgang Sonntag, 10. Juni 1934 Nr. 134 Endlich Anerkennung SowietruBlands Durch Notenwechsel BeneS-utwinow vollzogen Rumänien schließt sich an— Jugoslawien folgt in kurzer Zeit Prag, 9. Jnni. Heule haben in Genf der Bolkskommissär Litwinow und Mini ster des Aeußere» Dr. Benes gleichlautende Schriftstücke untereinander ausgetauscht, durch welche normale diplomatische Beziehungen zwischen der Tschechoslowakischen Republik und der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken ei« geführt werden. Schriftstücke gleiche« WortlmttrS hat mit Litwinow auch der rumänische Außrumimster Titulcscu anSgetauscht, wodurch die diplomatischen Beziehungen auch zwischen Sowjetrußland«nd Rumänien augeknupt wurde». Die jugoslawische Regierung wird über ihr Borgehe« nach dem Referate des Austen- Ministers JevtiL«ach der Rückkehr von sei«« Reise«ach Paris, welche er heute augetreteu hat, ihre Entscheidung treffe«. Der Austausch dieser Dokumente erfolgt«! nach mehrtägigen Verhandlungen aller Mit glieder des Ständige« Rate« der Kleinen Entente mit dem Bolkskommissär Litwinow«ach emmütigem Beschlüsse des Ständige« Rates und auf Grund der Entscheidungen der zuständige« Regierungen. „...für immer normal und ircundsdiafOKh“ Der worttaat des BHelwedisels Der Text der von den Ministern Dr. Benes und TituleScu an den VollS- kommissär Litwinow gesandten Dokumente ist folgender: G«« f» am 9. Juni 1934. Herr Bolkskommissär! Sch habe die Ehre, Ihnen folgendes mit» Zuteilen: Bei der Konferenz der Kleinen Entente in Zagreb am 28. Jänner 1934 beschlossen die drei Minister für auswärtige Angelegenheiten, daß der geeignete Zeitpunkt gekommen ist, damit die Mitgliedsstaaten der Kleinen Entrne normale diplomatische Beziehungen mit der Union der so- zialistischen Sowjetrepubliken anknüpfen, sobald hiefür die notwendigen diplomatische» und politischen Bedingungen bestehen werden. Rach meinen» mit Ihnen, Herr BolkSkommis- sär, in de« ersten Juni-Tagen gepflogenen Unterredungen hat der Ständige Rat der Kleinen Entente in Genf festgestellt, daß die politischen «nd diplomatischen Bedingungen nunmehr gestatten, daß ein jeder derMitgliedSstaaten der Kleinen Entente im geeigneten Momente im Sinne deS Zagreber Beschlusses vorgehe. Ich bin glücklich, daß im Hinblick darauf die tschechoslowakische Regierung nach meinen mit Ihnen geführten Berhandlungen beschlossen hat, normale diplomatische Beziehungen mit der Negierung der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken anzuknüpfen und einen außerordentlichen Gesandten uud bevollmächtigten Minister zu ernennen. Ich bin vollauf überzeugt» daß die so angeknüpften Beziehungen für imm e r n o rm a l und freundschaftlich'bleiben und daß unsere Nationen auch in Hinkunft für ihr gegenseitiges Wohl an der Erhaltung deS Friedens in der Welt Zusammenarbeiten werden. Nehmen Die, Herr Bolkskommissär, die Ler- fiiherung meiner Hochachtung entgegen. Dr. E. Benes. An Herrn M. Litwinow, Bolkskommissär für auswärtige Angelegenheiten. Der Bolkskommissär Litwinows sandte an den Minister Dr. ch. Benes und den Minister für TituleScu gleichlautende Schreiben folgende» Inhaltes: G e« f, 9. Juni 1934. Herr Minister, Ich bi« glücklich, Ihnen mitteile» zu können» daß die Regierung der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken infolge unserer Unterredungen beschlossen hat» normale diplomatische Beziehun- fltn mit der Regierung der Tschechoslowakischen Republik ldrS Königreiches Rumänien) anzuknüpfen und einen außerordentlichen Gesandten uud bevollmächtigten Minister z« ernennen. Ich bin fest überzeugt» baß die so angeknüpften Beziehungen für immer normal und freundschaftlich bleiben und unsere Nationen auch in der Zukunft für ihr gegenseitiges Wohl an der Erhaltung deS Friedens in der Welt Zusammenarbeiten werden. Rehmen Sie» Herr Minister, die Bersicherung meiner Hochachtung entgegen. M.Litwinow. An Herr» Dr. Ed. Benes.(R. Titulcscu). * Die endliche de jure-Anerlennung Sowjct- russlands durch die Tschechoslowakei, die bereits durch die gestrige Meldung aus Genf als unmittelbar bevorstehend bezeichnet lourde und mit dem heutigen Tage nunmehr Wirklichkeit geworden ist, loird nicht nur von der gesamten Arbeiterschaft der Tschechoslolvakei, sondern bis weit in die Kreise des Bürgertums hinein herzlich begrüßt werden. Die Anerkennung ist sicher in politischer wie in lvirtschaftlicher Beziehung ein überaus toichti- ger Schritt, der allerdings durch die betrübliche Tatsache etwas entwertet wird, dass er um reichlich ein Dutzend Jahre zu spät kommt. Die Arbeiterparteien der Tschechoslowakei tragen daran keine Schuld. Sie haben imnier wieder mit größtem Nachdruck die Anbahnung normaler Beziehungen zu dem grossen Sowjetstaat gefordert, die auch vom rein wirtschaftlichen Standpunkt unseres Staates aus gesehen seit jeher von eminenter Wichtigkeit war, aber eine Gruppe des tschechischen Bürgertums, vor allem die N a- tionaldemokratcn mit Dr. Kramäi an der Spitze, hat über ein Dutzend Jahre diese Anerkennung mit den lächerlichsten„Gründen" zu verhindern gewusst. Herr Dr. Kramäb trämte immer noch seinen panslawistischen Traum, in den ein Russland der Sowjets nicht hineinpaffen Pressezensur in Spanien Madrid» 9. Juni. Die Regierung erliess eine Verordnung, durch die die Zensur für alle Preffe- nachrichten eingeführt wird. Aus Granada wurde Militär nach der Provinz Jaen entsendet, um dort die Ordnung wieder herzustellen. Kuta souverän Washington, 9. Juni. Zwischen den Bereinigten Staaten und Kuba fand am Samstag der Austausch der PazifikationSurkundcn des kürzlich abgeschlossenen politischen Vertrages statt. Damit ist Kuba ein vollkommen souveräner Staat geworden. wollte, und alle Versuche der Linksparteien und dec vernünftigen Eleniente auch im bürgerlichen Lager! diesen lächerlichen Widerstand zu brechen, blieben vergebens. Erst der Austritt der Nationaldemokraten aus der Regierung im Gefolge der Kronendevalvation machte endlich auch für die Anerkennung Russlands die Bahn frei. Dass die Anerkennung so lange hinauSge- schoben wurde, so dass selbst das stockreaktionäre Ungarn uns mit einer Nasenlänge geschlagen hat, hatte offenkundig schwere, nicht wieder gut zu machende Folgen. DaS Russcngeschäft, daS zwar Wechsel auf lange Sicht bringt, die aber bisher noch immer pünktlich bezahlt wurden, ist in die- senJahren zum allergrössten Teil von anderen Staaten gemacht worden, die nicht so lange zögerten, und viele Arbeiter haben diese national- demolratische Kaprize mit dem Verlust ihrer wirtschaftlichen Existenz bezahlen müffen. Es ist sicher ein grosses Verdienst unseres Aussenministers, bezw..dcr gesamten Regierung, dass sie wenigstens jetzt die Schlussverhandlungen rasch beendet und nicht erst auf den dritten Partner aus der Kleinen Entente, auf Jugoslawien gewartet haben, das sich dem Beispiel der Tschechoslowakei und Rumäniens erst in einigen Wochen anschliessen will, denn sicher hätte in der Zwischenzeit von bornierter nationalistischer Seite wieder ein reges Qnertreibcn eingesetzt. Nun ist die Tat, nach der die Linksparteien seit so viel Jahren unablässig gerufen haben, endlich gesetzt. Ein neuer Abschnitt in den Beziehungen zu Russland setzt ein. Versäumtes wird sich hoffentlich wenigstens zum Teil noch nachholen lassen. Wir hoffen ehrlich, dass diese Beziehungen „für immer normal und freundschaftlich" bleiben Iverdcn, wie es in dem beiderseitigen Notenwcch- sel vorausgesetzt wird. Was die Sozialdemokratie dazu beitragen kann, wird sie tun! Günstige Aufnahme In Genf Genf, 9. Juni. Die heute in Genf verbreitete Nachricht über die Einführung normaler diplomatischer Beziehungen zwischen dec Tschechoslowakei, bzlv. Rumänien und der Sowjetunion wurde sowohl bei den Staatsmännern, die noch zu der am Vormittag staitgcfundcnen Abrüstungsberatung in Genf verblieben waren, als auch in den Kreisen des Völkerbundes selbst durchwegs günstig ausgenommen. Es loird namentlich hcr- vorgehobcn, dass dies der beste Beitrag der Staaten der Kleinen Entente zur politischen Konsolidierung und zur grösseren Befriedung in Siidost- c uropa ist. Ausserdem halten die Freunde Russlands, die dem vorbereiteten Eintritt der Sowjetunion in den Völkerbund günstig gegcnüberstehcn, diese Annäherung Russlands an die Staaten der Kleinen Entente für eine positive Politik, die die natürliche Entwicklung der europäischen Ereignisse mit klugem Verständnis verfolgt. Mussolini-Hitler am 14. und 15.3unl In Venedig Paris, 9. Juni. Die Begegnung Hitler- Mussolini soll am 14. und 1ö. Juni 1934 in Venedig stattfinden. An römischen amtlichen Stellen wird hiezu versichert, dass die Unterredungen der beiden Staatsmänner nicht geheim sein Iverden und dass Frankreich eingehend informiert werden wird. Bon Berliner amtlichen Stellen wird erklärt, dass zwar Erwägungen in der Richtung einer Zusammenkunft Mussolini-Hitler schweben, dass aber Abschliessendes über Zeit und Ort der Zusammenkunft noch nicht bekannt ist. Giacomo Matteotti Zum 10.3unl, dem zehnten Jahrtag seines Todes Von Oda Olberg Zehn Jahre sind es her, und sein Tod ist noch ungerächt. Zehn Jahre, und der Fascismus» der unter der Schuldlast dieses Mordes zusam- menbrechcn sollte, hat die Fahne der Diktatur nach Deutschland und nach Oesterreich getragen. Eine unübersehbare Reihe Ermordeter, die für ihre Ueberzeugung hingeschlachtet wurden, folgt unscrm Toten. Don den Richtstätten» aus den Kerkern, aus den Konzentrationslagern ertönen letzte Worte der Treue, Schreie des Protestes und der Jammer der Gefolterten. Gewalt stampft über die Länder alter Kultur. Mo Welt rüstet zum Kriege: die einen, um die Barbarei zu bringen, die andern um sie abzuwehrcn. Müssen wir nicht, angesichts dieses Bildes, das Opfer MattcottiS für vergeblich halten? Sollte nicht das grelle Licht, daS das an ihm begangene Verbrechen über den FasciSmuS und fei» Wesen warf, der Welt zeigen, was sich in Italien vorbereitete, und sie aufrufen zur Ab- wehr gegen die drohende Schlammstut? Wo bleibt die Abwehr, zu der ein so gewaftigcs Opfer den Auftakt geben sollte? Wir haben das Recht, voll Trauer, nicht aber mit Kleinmut auf dies Jahrzehnt zu sehen, daS seit MattcottiS Tode verflossen ist. Dass cS Italien, Deutschland und Oesterreich Vorbehalten sein würde, durch diese Hölle der Qual und Er- nicdrigung zu schreiten, hat niemand vorauS- schen können. Als sich der ganzen Well daS italienische Regime als eine Verbrecherorganisation zeigte, konnte man den Wahn hegen, dass cS diese Enthüllung, diese Blossstellung nicht überleben würde. Erschien es doch als ein krankhaftes Gebilde, das dem NachkriegSchaos entstiegen war, eine Schöpfung einzelner Individuen, die einzig in Italic» Gestalt gewinnen konnte. Die Welt durfte erwarten, dass der Fascismus der Bcla- stung durch die Mattcottilrisc nicht gewachsen sein würde. Heute wissen wir mehr über den Fascismus, mehr als der Fascismus damals von sich selbst wusste. Vor allem wissen wir, dass er nicht die Schöpfung einzelner Führer ist und auch kein italienisches Nationalprodukt, sondern eine internationale Form der Abwehr des Kapitalismus gegen den Vornmrsch des Proletariats. Diese Abwehr, deren erste Geldgeber bekanntlich die nordamerikanischcn Trusts waren, konnte freilich nicht unter den Enthüllungen zusanimcnbrechen, die den italienischen Regierungschef als Auftrag, gcbcr der Mörder MattcottiS zeigten. Für die- feit Fascismus als den geschichtlichen Botcngän- gcr des Kapitalismus galt das damals von einer italienische» Zeitung geprägte Wort, das die Er- mordung unseres Genossen als eine„gassc" bezeichnete. An einer„moralischen Frage" konnte eine solche Bewegung nie zugrunde gehen: siir sie gab cs überhaupt dergleichen nicht, sondern nur Missgriffe. Und über diese trug sie die Welle der geschichtlichen Konjunktur hinweg. Eine Wirtschaftsordnung, deren Führer beinahe die Existcnzmittel der Menschheit in Händen haben, hat Mittel und Wege, mit ganz anderen Dingen fertig zu werden als es die Ermordung eines Abgeordneten int Auftrage eines Regierungschefs ist. Heute ist cS wohl klar, dass der Fascismus seinen Weg toeitergcgangen wäre, auch wenn man damals Mussolini als Mandanten eines Mordes vor Gericht gestellt und verurteilt hätte. Dem Vormarsch der Arbeiter hätte sich dann die Gewalt der herrschenden Klasse unter einem andern Führer entgegengcstellt. Wenn zehn Jahre nach MattcottiS Tod der Fascismus noch steht und sich ausbreitet, so be- deutet das nicht, dass dieser Tod vergebens war. Haben wir damals glauben können, dass sich ein Abgrund auftäte, der den Fascismus verschlingen würde, so zeigt das nur unsere Unklarheit über dessen Wesen und geschichtliche Bedeutung. iStfteS Sonntaq. 10. Jrnri 1931 Nr. 1ÄI Gerade Mafteofti war nicht in dieser Unklarheit befangen. Leine Werte zu den belgischen Sozia- listen zeigen deutlich, das; er den italienischen Aascisnllls als eine internationale Bewegung erkannt hatte.„Wahrte urceigeneFrei- heit. Das i st d i c b c st e H i l f e, dieihr dem italienischen Proletariat bringen könnt." Aus diesen Aorten spricht auch eine zweite Erkenntnis, daß nämlich jeder nur durch eigene Kräfte befreit werden kann. Matteotti ist sehenden Auges in den Tod gegangen, hat Wochen vorher gemuht, daß man ihn ermorden würde und hat von allem, was ihm Gegenstand der Liebe und der Sorge war, schmerzlich Abschied genommen. Diese langen bittern Stunden hat ihm aber sicher nicht der schöne Wahn verklärt, daß er durch seinen Tod das italienische Proletariat befreien könne. Er wußte, daß man die Freiheit nicht verschenken kann.»Es wird noch viel Blut stießen müssen", hat er in jenen Tagen gesagt. Als eine so kurze Abrechnung mit Soll und Haben erschien Matteotti die Geschichte nicht, daß er für die Preisgabe seines Lebens diese oder jene Summe von Befreiung erwartet hätte. Ihm galt cs, seine Ueberzeugung auch im Tode zu bewähren, der Uebcrmacht der rohen Gewalt die Unbesiegbarkeit der Idee entgegenzu- stellen. Ohne diese todesmutige Ueberzeugung befreit sich ein Volk nicht. Matteotti hegte nicht den Wohn, der Erlöser zu sein im biblischen Zinne, der für die andern tut und leidet, was sie nicht vermögen. Er war Wegweiser und Fackel. Wer wagt es, zu sagen, daß ihm niemand gefolgt wäre? Lucetti und Gortan, die vier Hingerichteten Slaven und der Anarchist Schirru, Bovone und Sbardelotti, der Mann des Todesfluges über Rom, Lauro Te Dosis— sind sie nicht alle auf Matteottis Bahn geschritten? Und die Bekenner in den deutschen Folterkammern und Konzentrationslagern? Und»die von des Freihcitskampfes Drang am weitesten Getragenen", die österreichischen Sozialdemokraten, deren sittliche Größe wie ein Leuchtturin aufragt in die Finsternis unserer Zeit? Es ist ein großes Heer des Heldentums, das hinter Matteotti getreten ist in diesen zehn Jahren, ein Heer mit vielgenannten Namen und mit unbekannten Soldaten. Mit von klügeln durchbohrten Körpern und mit dem Strick uin den Hals, mit zersetzten Leibern und zertretenen Gesichtern reihen sie sich ein, besiegt und unbesiegbar. Nie wird das Heldentum einzelner ein Volk erretten, aber nie wird ein Volk das Zeug zur Freiheit und Selbstbestimmung haben, daS nicht solche Bannerträger des Ideals hervorbringt. Tie melden die geschichtliche Anwartschaft auf Freiheit an. Wehe dem Volke, das die Stunde verpaßt, in der es gilt, den Besten voranzuschik- ken: ein solches Volk erläge der Gewalt in seiner eignen Seele, glitte viel tiefer ab von dem Pfade, auf dem die Menschheit aussteigt, als je äußere Gewalt es hcrabstoßen könnte. Daß der Sozialismus Menschen zu den Seinen zählt, wie Matteotti und Wallisch, wie die Tausende Unbekannter, die um ihrer Ueber- zeugung willen leiden und sterben, das ist nicht als unfruchtbares Heldentum zu buchen, dem man Bewunderung zollt, ohne ihm praktische Folgen für den harten Kamps des Tages zuzu- schreibe». Dies Heldentum hat praktische Folgen von ungeheurer Tragweite. Es gibt den Unter- drückten mit dem Glauben an die Menschheit den Glauben an sich selbst zurück. Hier ist der Quell, aus dem die Käinpfcr trinken. Meint man wirklich, daß niaterielle Ge- walt, Kassenschränke und Tanks, Maschinengewehre und Flammenwerfer, Kanonen und Giftgase der Entwicklung den Weg iveiscn? Der Jascismus hat heute in drei Ländern die Herrschaft über dies alles und arbeitet daran, auch andre Länder in seine Krallen zu bekommen. Aber er weiß nicht, wie es in den Köpfen und Herzen aussieht, w e i ß n i ch t, a u f w e l ch e m Vulkan vonHaßundEmpörunger seine grotesken Tänze aufführt. Er wir^t im Dienst von riesenhaften Interessen: Klassenherrschaft und Kapital!s- mus stchenund fallenmitihm. Nicht eine Welle moralischer Entrüstung wird ihn wegspülen, auch wenn diese Wellen viel höher schlügen als sic dies in unserer an Greuel gewöhnten, abgestumpften Zeit tun. Was in der Menschheit ethischen Wert, Vernunft und Willen hat, wird die Pfeiler seines Gewaltbaus unterhöhlen und zermorschcn. Und diese Arbeit geht im Stillen und fast unsichtbar vorwärts, trotz aller Horcher und Schergen, die die Diktatoren ausschicken, um sie zu verhindern. Jedes fascistische Land hat sein eigenes Ausnahmegericht, um die«Feinde des Regimes" zu verfolgen, und doch wird keines je mit ihnen fertig werden. Matteotti wäre nur dann uinsonst gestor- ben, wenn das Proletariat, wenn die Menschen der Arbeit und des Gedankens ihr Joch willig trügen. Dann könnte der FasciSmuS abrüstcn, dann wäre er der Sieger. Dann brauchte die Dik tatur keine Waffe mehr, Freiheit und Dcniokratie brauchten keine Helden. Zur Freiheit könnte man dann alle sittlichen Werte, das Andenken an Matteotti und Wallisch, an alle unsere Getreuen, die Treue mit ihrem Blut bestegelten, auf den Scheiterhaufen werfen..Aber diese Stunde wird nie kommen, wie sehr auch der FasciSmus seinen Panzer aus Eisen und Gold verstärkt. D i e ideenlose Gewalt ist tot, aber die gewaltlose Idee ist lebendig. wie Flattcottl ermordet wurde Am 10. Juni 1924, kurz nach 4 Uhr nach« mittags, hielt am Tiberkai in Rom ein Auto an; einige Männer sprangen blitzschnell heraus, bemächtigten sich eines in Gedanken eilig dahin gehenden Mannes und schleiften ihn, trotz lebhafter Gegenwehr, in den Wagen, der ebenso schnell wieder verschwunden wie er erschienen war. Einen Monat später fand man den Entführten als Leichnam, schon halb verwest und mit einer abgebrochenen Feile in der Brust, notdürftig verscharrt in der Ouartarella. einem Buschwald der Umgebung, auf. Es war Giacomo Matte o t t i, der 39jährige Partcivorsitzende der Ein- hcitSsozialislen. Abgeordneter der Landschaft Po- lesine, der gefürchtete Ankläger des fascistische» Wahltcrrors im Parlament. Wenige Tage zuvor, am 30. Mai, hatte er in meisterhafter Rede nachgewiesen, daß diese Wahlen keine Wahlen, sondern ein Manöver gewesen waren und mithin von der Kammer nach Fug und Recht nicht ratifiziert werden konnten. Natürlich wußte Matteotti genau, daß die künstlich geschaffene fascistische Mehrheit niemals den Ast absägen werde, auf dem sie saß, noch mehr, daß der blindwütige Haß des gereizten Gegners ihn treffen werde. Trotzdem sprach er mit scharfer Pointierung als Ankläger des fascisti- schen Terrorismus überhaupt. Und die Angeklagten fühlten sich getroffen, sie fühlten den ihnen moralisch, menschlich und logisch überlegenen Gegner, sie wußten, hier stand der Sprecher einer in Jahren blutigen Bürgerkriegs niedergekämpften, aber noch lange nicht völlig besiegten Arbeiterklasse, der Antvalt der Ausgebeuteten und Entrechteten, der Ermordeten und Terroristen, das Geioisten der Nation. Geifernd schrieb„Popolo d'Jtalia", das Organ des Ministerpräsidenten, die Rede sei«unglaublich provokatorisch" gewesen und Matteotti hätte ivahrlich„fühlbareres"(di piu tangibile) verdient, als lediglich den Zwischen ruf des fasci- stiscken Deputierten Giunta. Das„Fühlbarere" blieb nicht aus. Das Auto, dar Matteotti entführte, trug die Nummer 54.1216. Bald hatte die Polizei festge- stcllt, daß der Wagen seltsamerweise dem Herausgeber eines der größten rcgimetreuen Blätter „Corrierc Jtaliano", Herrn Filipelli, gehörte. Alsbald führte die Spur dann weiter; von Zili- pelli über einige andere maßgebende Persönlichkeiten des FasciSmus geradewegs zu Cesare Rossi, damals Chef des Presseamtes des Ministerpräsidenten. Bon der Angst gepackt, fallen gelassen zu werden, spielte Rossi guten Freunden ein Memorial in die Häitde, daS die Zusammenhänge der grausigen Bluttat eindeutig enthüllte. Später entfloh er ins Ausland, wurde dann jedoch von Lockspitzeln bei Lugano auf das Gebiet einer italienischen Enklave gelockt, verhaftet und zu 1b Jahren Kerker verurteilt. Rossis Memorial, das sich in der 1924 noch erscheinenden Oppositionspresse zu einer furchtbaren Anklage gegen das Regime verdichtete, entfesselte die sogenannte Matteotti-Krise, die schwerste Erschütterung, die der FasciSmus in seiner wechselvollen Geschichte erlebte. DaS Land geriet in Erregung. Der letzte Rest rechtsstaatlichen Bewußtseins der italienischen Bourgeosie bäumte sich auf gegen den Meuchelmord als politisches Mittel, die ehedem so starke Angst vor dem„Bolschewismus", dem Schreckgespenst der Kleinbürger, schwand dahin, die Arbeiter faßten wieder Mut und zitternd härten die Männer auf der Rcgie- rungSbank in der noch atemlosen Befangenheit einer unsicher vorgetragenxn Erklärung zu dem noch nicht aufgeklärten Berschtvindcn Matteottis, den donnernden Anklageruf des republikanischen Abgeordneten Fr. C h i e s a:„Jl governo e com- plice"(„Die Regierung ist mitschuldig"). Doch der Ruf verhallte, der Schrecken der Fascisten ivich, da die in dreierlei Richtungen und Parteien gespaltene Arbeiterklasse die Schwäche des Gegners nicht machtpolstisch zu werten und zu nutzen verstand, zu keinem Vorstoß ausholtc, der allerdings auch das monarchistische System hätte treffen müssen. Ter Terror setzte wieder ein, Redaktionen wurden verwüstet, der konstitutionelle Oppositionsführer G. Amendola überfallen und tödlich verletzt und zuletzt gaben Heer und Krone den Ausschlag; der totalitäre, absolutistisch- tcrroristische Staat trat seine Herrschaft an. Die Angelegenheit Matteotti wurde still liquidiert. Erfüllt von der Leidenschaft der Ueberzeugung, jugendlicher Tatkraft, unbestechlich in Urteil und Charakter war Matteotti notwendigerweise unversönhlicher Gegner einer Bewegung, in der nur Skrupellosigkeit, Brutalität und Gerissenheit zum Erfolg führt. Sein Leichnam, schrieb einst der greise Sozialistcnführer T u r a t i, symbolisiert den Opfcrtod von Hunderten, sein Geist den aller Opfer des FasciSmus. In seinem Gedenken ehren wir heute daS Andenken aller gefallenen Kämpfer an der fascistische» Front, die namenlosen Landarbeiter der Po-Ebene, die Opfer des Naziterrorismus. ebenso wie die Toten des Feber-Aufstandes der österreichischen Arbeiter. R. W. Vorsicht, Chrlstllchsozlalc! Wir möchten der„Deutschen Presse", die unbekümmert weiter in nationaler Demagogie macht, ein wenig Zurückhaltung dringend empfehlen. Wenn daS Blatt wegen der Abstimmung über eine recht farblose Resolution von einem „Fiasko dcS heutigen Rcgierungsaktivismus" spricht, so genügt es wohl, dem eine Aeußerung des Abg. I e j e k gegenüberzustellen, der, n a ch der entgegengesetzten Seite übertreibend, erklärt: „Das Verhältnis der Deutschen zu den Tschechen äußert sich praktisch im Zeichen ständiger tschechischer Zugeständnisse an die deutsche Politik", Wir können also, wie gestern, so auch heute, mit stiller Heiterkeit konstatieren, daß sich die chauvinistische Hetze von hüben und drüben gegenseitig abohrfeigt. Aber von den Christlichsozialen ist cs recht unvorsichtig, vom„heutigen" RegierungSaktivis- muö zu reden. Die Erinnerung an den seinerzeitigen RegierungöaktiviSmuö Marke Mayr-Harting wird dadurch allzusehr aufgefrischt. Weil tvir gerade beim Kapitel Sozialversicherung sind, bitten wir die geehrten Herren von der„Deutschen Presse", einmal daS Sozialversicherungsgesetz in der Fassung der Novelle vom Jahre 1928 aufzuschlagen. In diesem Gesetze gibt eS einen 8 93, durch den in der Ar- bc i t ersozialver s i ch erung Landesstellen errichtet werden, keines- tvcgS national sektionierte, sonder» solche, wie der ursprüngliche, aber nicht beschlossene Antrag Dubickh sie gewünscht hat. Und im 8 03 b7 desselben Gesetzes wird den Krankenkassenverbänden mit dem Tage der Errichtung dieser Landesstellen ihr obligatorischer Wirkungskreis entzogen, d. h. praktisch, der Wirksamkeit der Verbände ein Ende bereitet. Vielleicht weiß man in den Kreisen der„Deutschen Presse", daß es ztvei große deutsche Krankenkassenverbände gibt, von denen einer unter bürgerlicher Leitung steht, also tvahrhaftig keine„marxistische" Position ist. Hier handelt es sich nicht um bloße Amtsstellen, sondern um wirkliche Korporationen der Selbst- verlvaltung, die auf freiwilligem Zusammenschluß beruhen und deren Bedeutung für die Versicherten wesentlich größer ist, als die der Amtsstellen. Und diese Verbände haben die Christlichsozialen unbekümmert preiSgegcben. Freilich, die LandcSstellen der Zentralsozialversicherungsanstalt sind nicht errichtet worden, weil die sozialistischen Parteien imstande waren, den Ausschub der Verwirklichung dieser Gesetzesbestimmung durchzusehen. Aber sie ist geltendes Gesetz und eine Regierung, der etwa wieder, wie bei der Schaffung dieses Gesetzes, der Herr Mayr-Harting angehört, könnte national nicht sektionierte LandcSstellen der Zentralsozialversicherungsanstalt errichten, deren Wirkungskreis sich nicht auf zehntausende, sondern auf hunderttausende deutscher Arbeiter erstrecken würde, und zugleich der Wirksamkeit der Verbände ein Ende machen, ohne das Parlament zu fragen, während daS, was aus der Resolution Dubickh hcrauS- gelesen werden kann— aber nicht muß— erst durch ein neues Gesetz verwirklicht werden könnte. Mit anderen Worten, die deutschen Sozialdemokraten haben für eine Resolution nicht g e st i m m t, in der gar nicht steht, daß die deutschen Landesstellen aufgehoben werden sollen, sondern in die daS nur hineininterpretiert tverden kann, die deutschen Christlichsozialen haben für ein Gesetz g e st i m m t, durch das national nicht sektionierte LandcSstellen errichtet werden und das den Krankcnkaffcnverbändcn den obligatorischen Wirkungskreis und damit alle Bedeutung nimmt. Und nun bitten wir zu entscheiden, welches Recht diese deutschen Christlichsozi- alen besitzen, den Mund mit nationalen Phrasen so voll zu nehmen! * Das Spiel seht weiter Was wir vorausgesagt haben, ist eingetroffen: die Nationaldemokraten bemühen sich aus Leibeskräften, aus der Resolution über die Organisation der Pensionsvcrsicherung ein Sprengpulver der Koalition zu machen. Im Grunde geht cs ja die Nationaldemokraten, die heute außerhalb der Koalition stehen, gar nichts an, wie die Mehrheitsparteien die Koalitionsdisziplin regeln, Ivcil aber die„Närodni Listy" darauf gar so sehr hcrumreiten, ist es doch am Platze, ein Ivenig daran zu erinnem, wie sich die Nationaldemokraten, die ja lange genug und ost genug Regierungspartei gewesen sind, in der Koalition benommen haben. Man sollte meinen, daß die Partei, die im Jahre 1927 beim höchsten Staatsakt, bei Vom 15.—22.3uni Auflage der ständigen Wählerverzeichnisse in allen Gemeinden Genossen I Sorgt dafür, daß jedem Wähler das Wahlrecht gesichert wird! der Wahl des Präsidenten der Republik, leere Stinnnzettel abgegeben hat, an, rvcnigstc» berechtigt ist, eine Regierungspartei zu kritisieren, weil sie nicht für eine Resolution gestimmt hat. Oder haben die„Närodni Listy" etwa vergessen. wie die Herren Dr. Kramär und Dr. Hajn der Außenpolitik der Regierung, in der sie vertreten waren, geradezu grundsätzlich Opposition gemacht haben? Nicht genug an dem, der Abg. Dr. Matousek hat als Berichterstatter im Bud« gctausschuß gegen daS Voranschlagskapitel referiert, das zu vertreten seine Aufgabe war. Aber wozu polemisieren? Es genügt zu zitieren. Im Oktober 1931 sagte Dr. Kramär in einer Rede im Außenauischuß: „Ich möchte mich dafür bedanken, daß ich im Namen der Koalitionsloyalität genötigt sein sollte, alles gutzuheißen und zu allem ja zu sagen, waS die Regierung sagt und was die Regierung tut". lNär. Listy, 28. Oktober 1981.) Tamft können wir die Debatte über die Koalitionsdisziplin mit den Nationaldemokraten wohl abschließen. Weil aber die „Lidovö Listy" wiederum in dasselbe Horn stoßen, möchten wir den Herrn Sadecky freundlichst daran erinnert», daß es einmal ein FeicrtagSgesctz gegeben hat, also keine bloße Resolution, sondcm eine Regierungsvorlage, bei deren Beratung die katholische Volkspartei mit demMinister Srämek an derSpitze den Saal verließ, weil sic nicht für das Gesetz stimmen wollte. Dieser Exodus, bei dem ein aktiver Minister von der Regicrungöbank verschwand, sollte die Klerikalen doch Wohl veranlassen, von „Verletzung der KoalUionSpolitik" ein wenig vorsichtiger zu reden, als es die„Lidovö Listy" tun. Das Spiel mag also ruhig weitergehen, cs kann ja doch nur dazu führen, daß die Herren, die cS treiben, sich dabei die Finger verbrennen. Wir würden im Interesse der wichtigeren Aufgaben, die es zu lösen gibt, seine Beendigung wünschen. Wem» eS aber fortgesetzt werden soll, sind wir auch für die weftere Auseinandersetzung durchaus gerüstet. Der Gesundheitszustand des Präsidenten der Republik Die intensive Arbeit der ersten Monate dieses Jahres und das Leiden awfangs Mai, über welches des Oeffentlichleit Mitteilung gemacht wurde, habe»» den Präsidenten der Republik in dem Maße erschöpft, daß die Anstrengung am Tage der Wahl, welche in die beginnende Rekonvaleszenz fiel, eine ungewöhnliche Anspannung der Kräfte erforderte. Der Präsident der Republik hat sich aber jetzt schoi» in einein solchen Maße erholt, daß er wiederum zu arbeiten beginnt, täglich spazieren geht u»»d Ausfahrten unternimmt. Die vorübergehende Erkrankung des linken Auges, welches in der zweiten Hälfte des Monats Mar durch eine»» Krampf der Blutgefäße in einem kleinen Segment der Netzhaut ausgetreten war und durch allzuviel Lesen und Schreiben verschuldet wurde, hat sich bereits auch ivesentlich gebessert, legt aber bisher dem Präsidenten der Republik Schonung der Augen aus. Prag, 9. Juni 1934. Dr. Adolf Meixner. Sieden grove Jugend- kundgebungen In Wien Dein O3iD wird aus Wien berichtet: Für den 27. Mai hat die Regierung Dollfuß Jugendkundgebungen verai»staltet. Während die offizielle»» Kundgebungen trotz den» Regierungsterror schwach besticht wäre»» und vor allem völlig stim- mungslos verliefen, waren die Gegenkundgebun- gen, die die Sozialistische Jugend am Tage vorher vera»»staltet hatte, glänzend besucht und von zuversichtlicher Kampfstiinmung getragen. Auf sieben Plätzen in den verschiedenste»» Teilen Wiens sammelten sich überraschend Jugendliche« entrollten rote Fahnen, sangen Kampflieder, brachen in stürmische Freiheit!-Rufe auü. Polizei zerstreute die Versaminlungen, nachdem der Zweck der überraschenden Demonstrationen erreicht war. Am Tage der Jugend explodierten in Wim mindestens fünfzig Böller, obwohl erst am Tage vorher das Standrecht auch auf daS Böllerwerfcn ausgedehnt und die Todesstrafe auch für dieses I Delikt airgedroht worden war. Ma. IM Smmt-s. TO. Wmti TOSk Das Dorferienprogramm der Koalition Prag, 0. Juni. Nach beut Dubicky-Inter« wczzo der letzten Tage ist bereits wieder eine völlige Beruhigung dec inncrpolitischcn Atmosphäre eingctrcten. Die ganze Angelegenheit hat mit einer Blamage der nationalsozialistischen Streife geendet, die da glaudten, die Koalition di« rett in ihrem Bestände erschüttern zn können. Sie Hecken nichts erreicht. Der Zwischenfall, der so viel Staub aufgcwickbclt hat, ist erledigt, trotzdem die Nationaldemokvaten von der tschechischen und unsere Christlichsozialen von der -äitschen Seite her nichts unversucht liehen, um namentlich den Sozialdemokraten Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Die Sozialdemokraten haben diese Angriffe abgewchrt. Aus der ursprünglichen Resolution Dubicky wurde eine hannlose Schrctbeübung. Die Herren Nationaldemokraten und ihre christlichen .Gegenspieler auf deutscher Seite mögen aus dem neuen Text herauslescn, bzw. in ihn hineininter- prcticren, was sie wollen, das eine steht fest: an dem Bestand der bekämpften Einrichtungen wird nicht gerüttelt werden! Nunmehr ist der Weg zur Durchführung des restlichen BorfcrienprogrammeS der Koalition frei. In den letzten Tagen ist eine Verständigung über die Verlängerung des Ermäch- tigungsgesehesund der Press e- Novelle erfolgt. Die fornmle Genehmigung durch den Ministerrat wird diesen Montag erfolgen, worauf dann die Vorlagen sofort der par- lamentarischen Verhandlung zugcleitet werden sollen. Offen ist noch die Frage, ob die beiden Vorlagen neuerdings terntiniert werden sollen oder nicht. In politischer Hinsicht wird an deut Ermächtigungsgesetz überhaupt nichts geändert werden, die Aenderungcn in wirtschaftlichen Dingen sind nicht von Belang. Gewisse Ergänzungen erwiesen sich jedoch als notwendig, um die Zweifel an dem Geltungsbereich des Gesetzes in Wegfall zu bringen, die im Anschluß an gewisse Entscheidungen dcS Obersten Gerichtshofes aufgetaucht sind. Auf sozialpolitischem» bzw. wirtschaftlichem Gebiet kam eS in der Vorwoche zur Vorlage des sehr umstrittenen Regreßentwurfes; die Parteien werden in der kommenden Woche die Möglichkeit hüben, ihre eventuellen Bedenken in den Ausschüssen und im Parlamentsplenum zur Geltung zu bringen. Gleichzeitig mit dem Regreß soll auch die bereits früher eingebrachte Vorlage über Steuerbegünstigungen bei .Hausreparaturen verhandelt werden, gegen die im letzten Augenblick gewisse Bedenken bei den größeren Städten aufgetaucht sind, die ihre Einkäufe aus der Hauszinssteuer nicht schmälern lassen wollen. Im Fürsorgeministerium wurde eine Vorlage über die Verlängerung derWirt- samkeit der bestehendenKollck« ti Überträge ausgearbeitet, über die jetzt mit den zuständigen Refforts verhandelt wird. Man ist bestrebt, schon im Laufe der kommenden Woche darüber eine Einigung herbeizuführen und diese Vorlage noch vor den Ferien zu verabschieden. Was die Einführung der Vierzig-Stundenwoche betrifft, so gehen die Bemühungen tveiter, dieses Problem auf dem Wege von Verhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern vorwärtszubringen. Angesichts der Haltung der Unternehmer, die von vornherein auf leinen Fall eine gesetzliche Lösung zugestehcn wollen und nur eine gewisse Bereitwilligkeit zeigen, von Fall zu Fall eine konkrete Entscheidung zu treffen, stehen die Arbeitnehmerorganisationen diesen Verhandlungen sehr skeptisch gegenüber. Charakteristisch ist, daß die Unternehmerverbände auch im internationalen Maßstab auf der jetzigen Arbeitskonferenz in Genf gegen die 40-Stundenwoche Sturm laufen. So haben sie, wie wir schon berichteten, angckündigt, daß sie sich an den Beratungen dcS vom Konfercnzplenum eingesetzten Ausschusses zur Vorbereitung der 40-Stunden-' Woche«richt beteiligen wollen. Also Sabotage der Arbeitszeitverkürzung durch die Unternehmer sowohl im Inland wie auch im Weltmaßstab! In Genf mußten die Unternchmervertrctcr die Beschämung einstecken, daß allein der italienische Vertreter auf Geheiß Diussolinis sich die Einwilligung erwirkt hat, aus dieser Unternehmerfront ausspringett und an den Ausschußberatungen doch teilnehmcn zu dürfen. Im Senat wurde mittlerweile die Vorlage gegen die Machenschaften bei öffentlichen Lieferun« gelt verabschiedet. Wahrscheinlich werdeit die Unternehmerverbände nun auch noch im Parlament alles daransehcn, um die Verwirklichung der Vorlage noch in letzter Stunde durch politische Machenschaften zu vereiteln. Wenn es darum geht, die Staatskasse als gute Melkkuh weiter bcizubehal- ten, da kennen die Herren Unternehmer eben keine Rücksichten! Einett breiten Raum in den Koalitionsverhandlungen nehmen auch die Beratungen über die Bewirtschaftung der neuen Ernte ein; über die ersten überschwänglichen Projekte des Landwirtschaftsministcriums hinweg ist matt jetzt zu einer anderen Grundlage für die Erntesicherung gelangt» die von einer m o n o p o l a r t i g e n Gesellschaft besorgt werden soll, ohne daß aber dabei der Monopolcharakter bis in alle Kon- feguenzen ducchgefühct würde. Auf dieser Basis zeichnen sich bereits die Umrisse einer Einiguttg ab, die um so notwendiger ist, als ja diese Maßnahmen in den nächsten Wochen getroffen werden müßten, falls sie nicht für die diesjährige Ernte illusorisch bleiben sollen. Neue Vorlasen des Arbeiten* Ministeriums Auch daS Arbeitenministertum Hai in den letzten Tagen eine Reihe von wirtschaftlichen und sozialen Vorlagen fcrtiggestellt. ES handelt sich zunächst um das neue Automobilgesetz, das bereits mit 1. Juli in Kraft treten müßte. Wahrscheinlich wird eine kurzfristige Verlängerung deS bestehenden Provisoriums doch nicht zu vermeiden sein» zumal die Absicht besteht, gleich« zeitig mit der Vorlage auch die notwendige Durch- führungSverorditung in Kraft treten zu lassen. Zwei weitere Vorlagen des Arbcitenm.iniste- riums betreffen die Elektrizitäts- und Gaswirtschaft; auch sie sind bereits für das interministerielle Verfahren fertiggestellt. Ebenfalls fertig sind die Vorlagen über die Grubenaufsicht. Ein Entwurf betrifft die Bcrgwerkinspektion; hier ist die van den Gewerkschaften seit langem geforderte Arbeiter- Inspektion eingegliedert. Weitere Entwürfe betreffen die Novellierung dcS Gesetzes und der Durchführungsverordnung über die Betr ür.fi S- räte int Bergbau. Einerseits werdeit hier die Normen über die Grubeninspektion durch die Funktionäre der Betriebsräte in entsprechender Weise neu geregelt und ergänzt, andererseits wird auch die soziale und rechtliche Stellung der Betriebsräte im Bergbau einer Verbesserung und Ausgestaltung unterzogen. Sotvohl das neue Automobilgesetz wie auch die Elettrifizierungevorlagc enthalten eine ganze Reihe wichtiger sozialer Vorkehrungen zugunsten der in diesen Zweigen beschäftigten Arbeiter und Angestellten(Arbeitszeit, Pensionsversicherung, Mitwirkung der Chauffeurverbändc bei den Chausfcurprüfungen usw.). Es läßt sich denken, daß einige Ressorts gerade diesen sozialpolitischen Dkaßnahmcn harten Widerstand entgegensetzen, tvährend der fachliche Teil dieser Vorlagen bereits bereinigt ist. CS ist aber zu hoffen, daß diese sozialpolitischen Maßnahmen wenigstens zum großen Teil in diesem Rahmen zur Verwirklichung gelangen werden. Aus all dem ist zu ersehen, daß in der Koalition an der Verwirklichung eines umfangreichen Borferienprogrammes eifrig gearbeüet wird und daß alle Bemühungen der Gegner, diese Arbeft von außen zu sabotieren, vergeblich sind. Widerspenstige Bauern In Hannover h. b. Auch die Welfen rühren sich. Während ihr LandcSvater Ernst August von Cumberland Herrn Hitler einen Treuschwur nach dem andern leistet, versammeln sich seine Getreuen in finstern Wäldern, um für Thron und Vaterland zu kämpfen. So wurdeit in diesen Tagen in Oberg bei Peine(Hannover) eine Reihe von chemcÜigen Mitgliedern der Deutsch-Hannoverschen Partei, unter ihnen der Rittergutsbesitzer Leßmann aus Oberg und der Dentist Henne aus Peine verhaftet. Sie wurden bei einer geheimen Tagung, die sie in einer versteckten Waldhütte abhielten, von der SS überrumpelt und sehen schweren Strafen entgegen. DaS Hannoversche Naziblatt, die„Niedersächsische Tageszeitung", meldet über diesen Vorgang: „Am 8. Mai setzte sich der Ortsgruppenleiter von Obevg, Pg. Warmbold, mit der Peiner SS telephonisch in Verbindung und teilte mü, daß in der Jagdhütte des GutÄesitzerü Leßmann eine Zusammenkunft von etwa 30 Mitgliedern der aufgelösten Hannoverschen Partei stattfntdc, während welcher aufrührerische Reden gehalten und Gelöbnisse zur Zusammenarbeit gegen den heutigen Staat abgelegt würden. Rittergutsbesitzer Leßmann stellte in seiner Rede fest, daß Adolf Hitlerzwar sehr viel, aber alles fürsich und seine Partei geleistet habe. Leß- mann ermahnte im Anschluß daran die Anwesenden, ihre Treue dem Welfenhause zu geloben. Ein anderer Redner, dessen Name noch nicht feststcht, hetzte in übelster Weise gegen die Errungenschaften des Nationalsozialismus auf dem Gebiete der Wirtschaft und gegen die Erfolge, welche int Kampfe gegen die ArbeüSlosigkeit errungen wurden. Er brach abschließend in die Worte aus, es komme der Tag, an dem die wel- fischen Bauern mit derMist- gabel gegewden Unrat des Dritten Reich eskämpfcn mühte n." Bombenregen über Oesterreich Zahlreiche Anschläge gegen Eisenbahnen Wien, S. Juni. Bei Böcklamarkt in Oeberösterreich ereignete sich heute nach 2 Uhr früh auf der Eisenbahnbrücke der Südbahn eine Bombenexplosion, und zwar kurz nach der Abfahrt des Pariser Schnellzuges. Die Brücke ist ziemlich beschädigt und der Verkehr mußte unterbrochen werden. Ebenso hat sich auf der Südbahnstreckc im Semmering-Gebiet bei Adlihgraben ein Anschlag auf die dortige Eisenbahnbrücke ereignet. Auch hier wurde großer Schaden verursacht. Gleichzestig wird ein weiterer Angriff, diesmal ans die Strecke der Wachaubahn zwi- fchen den Stationen Spitz und Aggsbach gemeldet. Hier wurden durch eine Explosion die Eisenbahnschienen beschädigt. Der Verkehr mußte unterbrochen werden. Die heutigen Aktionen werden im Zusammenhang mit dem Jahrcütag der behördlichen Auflösmtg der nationalsoziakisttschen Partei in Oesterreich gebracht, der auf den 11. Juni fällt. Das Attentat briVöcklamartt(ursprünglich wurde unrichtig Vöcklabruck gemeldet) rreigettte sich nm 2 Uhr 10 Minuten früh ans der Brücke deS Wrstbahn in der Station Redl- Z i p f. Die Brücke wurde durch die Explosion zum großen Teil zerstört. Die Reparatur wird einige Tage in Anspruch nehmen. Der Schnellzug Paris—Wien passierte 10 Minute» vor dieser Explosion die Station; es gelang recht zeitig, den Schnellzug Wien—Paris aufzuhalten. Die Explosion bei Adlihgraben am Semmering erfolgte zwischen den Stationen Breitenstein und Semmering, knapp vor dem letzten Semm«. ring.Tunnel. Durch die Explosion wurde die Strecke sehr beschädigt. Sie wird aber in einigen Stunden, wahrscheinlich schon heute mittags repariert sein. Kraftwerk bei Bregenz gesprengt Nach einer Meldung aus Bregenz wurde um Mitternacht die Druckrohrleitung des großen Spullerscrwerkes, die die Arlbergbahn mit Strom versorgt, durch einen Anschlag gesprengt. Der Schaden dürste 250.000 Schilling betragen. Beide!stohrleituugra des Werkes wurden beschädigt, die Rohre weisen an drei Stellen kopsgroßc Sprenglöcher aus. Der Anschlag erfolgte ungefähr in der Mitte der 000 Meter lauge« Rohrleitung. Das Maschinenwcrk selbst blieb unbeschädigt. Nach vier der Tat verdächtigen Männern wird gefahndet. Der Verkehr aus der Arlberg- streckr wird dnrch Entnahme des Stromes vom Netzwerk in Tirol aufrechterhalte«. Aus Lneg in Tirol wird gemeldet, daß dort heute Nacht eine Schntzkorpopatrouillr von Nationalsozialisten überfallen wnrtze, wobei ein Schuhkorpsmann fHeimwehrmana) erschossen wurde. Die Schießerei in der Umgebuttg des L u e g- P a s s e S, der Salzburg mit Tirol verbindet, ereignete sich bei der Verteidigung der Strecke durch eine Patrouille des SchutzkorpS gegen Attentäter, die, als sie betreten wurden, das Feuer eröffneten. Ein Verteidiger, ein Mitglied deS Schutzkorps, wurde getötet, ein zweiter schwer verletzt. Amtlich wird hiezu gemeldet: In der Stacht zum 8. Juni wurde auf die im Lucg-Paß Dienst versehenden HilfSgendarmen Otto Rchpaß und Johann Leiricht ein Sprengstosfattentat verübt. Leirich wurde getötet, während Rehpaß lebensgefährlich verletzt und ins Krankenhaus von Werfen gebracht wurde. Die Attentäter sind vermutlich in den Hilfsarbeitern Johann und Konrad Straffer und Storberl Knauseder zu suchen. In den Mittagsstunden wurde eine Reihe weiterer Sprengstoffanschläge und Attentate gemeldet: In N u ß d o r f im XIX. Wiener Bezirk und in K r e m» explodierten heute früh a n de» Landungsbrücken der Donaudampffchiffahrtgeselkschaft Petarden, die jedoch keinen Schaden anrichteten. In S P i tz in der Wachan explodierte im Donauhasen rin Sprrngstosskörper. Einzelheiten hiezu sind noch nicht bekannt. Auch aus anderen Stellen der Wachau werden Explosionen von Petarden und Sprengstoffkörper und aus dem Semmering-Gebiet die Beschädigung einer Autostraße an mehreren Stellen gemeldet. Die Straße ist an einigen Stellen unpassierbar geworden. Zwischen den Gemeinden Wörgl und St. Johann in Tirol wurde das iuternationale Te lephonkabrl durch Bombenexplosion zerstört. Wie au« Linz gemeldet wird, wurde der Heimwchrsührcr Franz K o p a l von einem Nationalsozialisten überfallen und durch Messerstiche schwer verletzt. Gestern abends wurde der Oberbau-Arbeiter Franz Glaser im Sticgenhaus seiner Wohnung in Wien 18. Bez. Nr. 12, von dem arbeitslosen Schneidergchilfcn Leopold Stix von rückwärts mit einem Schlagring überfallen und verletzt; er mußte ins Krankenhaus gebracht werdeit. St!x ist nationalsozialistischer Parteigänger. Bei seinem Verhör erklärte er, er wollte Glaser einen Denkzettel geben, loeil er bei der Aufdeckung einer nationalsozialistischen Gruppe, der Glaser früher selbst angchört hatte, mitbchilflich gewesen ist. Tränengasbomben in der Oper Wien» 0. Juni. Kurz nackt Beginn der heutigen Festvorstellung in der Wiener Staats- oper, die von zahlreichen Fremden besucht war, platzte um 10 Uhr 10 Min. in der 9. Parkettreihe eine starke Tränengasbombe. ES entstaitd eine große Panik. Alles drängte zu den Ausgängen. Die Feuerwehr wurde berufen un«mußte das ganze Haus durchlüften, waS nach zirka 50 Minuten gelang. Nach 8 Uhr konnte die Vorstellung fortgesetzt werden. Selbst im Bundeskanzleramt eine Bombe In einem Kanzleiraum des Bundeskanzleramtes iit Wien fand heute ein Beamter dieses Hauses, namens Friedrich, eine Bombe, die rechtzeitig unschädlich gemacht werden konnte. Die Bombe wär in einen Raum oberhalb der Kanzlei des Vizekanzlers Starhcmberg gelegt wordcit. Zwei Standgerichts verhandlungen Wien» 9. Juni. Die Urheber der letzten zwei Bombenanschläge Iverden sich am Montag kom- ntendcr Woche vor dem Standgericht in Wien zu verantworten haben. Im ersten Fall handelt es sich um den 20jährigen Sloffer Rotter, der den bereits gemeldeten Bombenanschlag auf den Transformator des Elektrizitätswerkes in der Aspernstraße durchgeführt hat. Im ziveiten Falle um Roman K ö r b e r l aus Wels, der eine Bombe gegen das dortige Militärdepot warf. Die beiden Attentäter sind Angehörige der nationalsozialistischen Partei. Auf Befehl aus München? Im Verfolg der Aktion zwecks Aufklärung der in der letzten Zeit in Salzburg verübten Sprengstoffanschläge hat die dortige Polizeidirektion eine Hausdurchsuchung in der Wohnung des als Nationalsozialisten bekannten Alfred Braun vorgenommen. Dabei wurde eine von Brann an die LandcSlcitung der nationalsozialistischen Partei in München gerichtetes Schreiben vom 28. Mai d. I, gefunden, das folgenderntaßen lautet: »»Aktionen durchgeführt kaut Befehl. .%5 Uhr Erzbischof Lbcrredcr 8.30. Verhaftungen vier Gruppenführer, ztvei Sturmführer. Br. A." Durch diescit Brief wurde Braun nach Ansicht der Polizei der Täterschaft an dem Böllcran- fchlag im fiirsterzbischöflichcn Palais und an dem Gasthause Oberreder in Salzburg überwiesen. Die Polizcidircktion hat die Anzeige beim Standgericht erstattet. Geschmuggelte Sprengkörper Heute um 8 Uhr früh tvurde vom Gendar« mcrtcobcrinspcktor Hackel des Postens Ober« lapl im Mühlkreis in einem Walde etwa ein Kiloinetcr von der deutschen Grenze ciitfenit, ein Paket mit 68 Stück Sprengkörpern, die in einem bayrischen Salzsack cingeivickclt waren, gefunden. In dem Salzsack Iva ren auch vier Rollen Zündschnüre enthalten. Das Sprcngmaterial wurde zweifellos aus Bayern nach Oesterreich geschmuggelt. 6dte4 Sonntag, 10. Juni 1034 Nr. 134 Das erste Kreiskinderturnfest in Teplitz-Schönau Die feierliche Eröffnung der imposanten Massenveranstaltung Der Kampf um „Mein Kampf* Bor der ersten Kammer des Handelsgerichts ta Paris fand am Montag der Termin in dem bekannten Prozeß statt, den der nationalsozialistische Parteiverlag Frz. Eher, München, gegen den französischen Verlag führt, der Hitlers„Mein Kampf" in einer ungekürzten llcbersetznng her- anSgegebcn— nnd sich damit zweifellos ein Verdienst um daS französische Volk erworben hat; denn jedem Franzosen, der dieses„Werl" in seiner Originalfassung liest, werden die Augen über daö Wesen des Nationalsozialismus gründlich geöffnet.— Die Anwälte des Ehcr-Verlagcs machten geltend, dah der Druck der unautorisierten Kebersetzung gegen die internationalen Urheberrechts-Abkommen verstieße und beantragen ein Verbot der tveiteren Verbreitung dcü Buches; für jeden Kall der Zuwiderhandlung FrS. 1000 Geldstrafe.— Die Anwälte der französischen VerlagS- firma beantragten Abweisung der Klage; zur Begründung führten sic— neben besonderen, in der französischen Zivilprozeßordnung liegenden, formalen Gründen— hauptsächlich Folgendes an: Das Buch Hitlers sei kein literarisches Erzeugnis im«inne des Urheberrechts. Es sei vielmehr ein— wenn auch recht umfangreiches — Parteiprogramm. Der Nachdruck, bzw. die Uebcrsetznng eines solchen unterliege nicht dem Urheberrecht, bzw. sei nicht an die Ermächtigung des Autors oder seines Verlages gebunden. Ganz besonders nicht im vorliegenden FaUc, in dem cs sich um das Programm der heute in Deutschland aUcinherrschcnden Partei handle, daS in der unverfälschten Originalfassung leimen zu lernen im Interesse jedes Franzose» liege. Die Anwälte wiesen darauf hin, daß die im Ausland erscheinenden Ucberschungen von„Mein Kampf", soweit sie autorisiert auch verfälscht seien. So enthalte z. B. die englische Ausgabe nicht die Stellen, in denen Hitler gegen die Juden hept, und seine Rassenlehre verkündet; die italienische Ausgabe nicht die Stellen über den Anschluß. Tas Gericht fällte kein Urteil; ein Termin für dessen Verkündung wird demnächst bekanntgegcben. Ausscheiden der Ullsteins Berlin, 0. Juni.(D9W.) lieber Veränderungen im Verlag Ullstein gibt der Verlag folgende Erklärung auS:„Wie bereits im Herbst vergangenen Jahres aus Anlaß der Generalversammlung der Ullstein A.-G. verlautbart wurde, ist die Mehrheit der Aktien, die sich bis dahin in aussiblicßlichem Besitz der Familie Ullstein befand, in andere Hände übergegangen. Nunmehr hat die Familie Ullstein die Durchführung ihres im vergangenen Jahr gefaßten Entschlusses auch den ihr verbliebenen Minderhcitsbesib durch die deutsche Bank- und Diskontogescllschaft an ein unter Führung dieser Bank stehendes Konsortium verkauft. Im Zusammenhang mit dieser Veränderung werden die Mitglieder der Familie Ullstein, die noch in der Verwaltung des Unternehmens tätig waren, aus ihr ausscheidcn. Andere wesentliche Aenderungen in der Leitung des Unternehmens sind nicht beabsichtigt. Juden-Konzentratlonslaser In Madagaskar! Ein Irrsinniger und sein Programm. Herr Julius Streicher, der Pogrom- «St ü r m c r" von Nürnberg, hat in seinem Sn- delblatt die„Lösung der„Jndenfragc" positiv in die Hand genommen; er stellt eine Art„Programm" auf, in dem kurz und schlicht unter anderem verlangt wird: Konfiskation dcü Judenver- mögrns in aller Welt(die konfiszierten Gelder sollen wahrscheinlich den darbenden braunen Bonzen zngcführt werden), Anlegung von internationalen Judenkartcien, rücksichtsloser, unbarmher- ziger Jndenboykott. planmäßige Entrechtung der Inden, Zwangsansiedlnng aller Juden unter arischer Kontrolle in Madagaskar, sowie Einschränkung der Bürgerrechte aller Judenmischlinge". Seine menschenfreundlichen Vorschläge kommentiert der geisteskranke Beherrscher Frankens in folgender anmutiger Weise: ..Inden sind geborene Verbrecher. Als solche hassen sie zwangsläufig jede göttliche nnd menschliche Ordnung. Erbmäßig veranlagte Verbrecher aber sondert man von der menschlichen Gesellschaft ab. Man setzt sic in die Z u ch t h ä u- s e r, k ö p f t sic oder setzt sie auf den elektrischen Stuhl. ES zieht der Tag herauf, an dem die Völker Gericht halten werden über den Wcltgangster Al Judaü". „Programm-Thesen" und jkommentar scheinen so etwas wie die„Richtlinien für den inter- n a t i o n a l e n A n t i s e m i t e n k o n g r c ß" darzustellen, den Herr Streicher für September nach Nürnberg einberufen hat. Sehr bezeichnend für den Abscheu, den der tobsüchtige Hitler-Intimus in aller Welt erregt, ist, daß selbst die fasci- stischen Gesinnungsgenossen die Einladung des „Frankenführers" znrückgcwicsen haben. Mussolini hat dem Pogromhelden nicht geantwortet, und Sir Mosley, der englische Hitlerlopist, hat daü freundliche Angebot in einem sehr kurz gehaltenen Schreiben abgelehnt. So skrupellos, brutal und blutgierig auch die übrigen FasciSmen sind, mit Hitlers Streicher möchten sie nun doch nicht an einem Tische sitzen l WorauS,zu ersehen ist, daß der HitlerfasciS- muS in jeder Art menschlicher Gemeinheit weit an der Spitz« steht l Teplitz-Schönau, 0. Juni. Schon heute kamen mit den fahrplanmäßigen Zügen lind auf Fahrrädern Hunderte Turner u. Turnerinnen und Gäste, vor allem aber eine stattliche Anzahl Jungens und Mädels nach Teplitz-Schönau und gaben dem Stadtbild ihr Gepräge. Im Laufe des Nachmittag trafen dann die Sonderzüge aus Komotau, Aussig, Bodenbach, Bensen und Rumburg ein. Tausende Kinder marschierten mit ihren Helfern und unzähligen roten Fahnen vom Hauptbahnhos auf den Festplatz. Gegen 0 Uhr abends versammelte sich die große Schar auf dem Schmcykalplatz und nahm bezirksweise Aufstellung. Einige Minuten vor 7 Uhr setzte sich der machtvolle Zug, geführt vo>> einigen Musikkapellen, in Bewegung. Wir zählten bereits am Abend nahezu 6000 Kinder und Helfer, die Lieder singend und Grüße rufend auf den städtischen Spielplatz zogen, um ihr erstes Kreisfest würdevoll und feierlich zu beginnen. Der imposante Zug erregte ungeheueres Aussehen. Die Jungens und Mädels in ihrer schmucken Tracht schwenkten Fahnen und Wimpel. Es Ivar ein prächtiges Bild froher Gemeinschaft. Auf dem Fcstplatz hielten mittlerweile ehijg.- Hundert Wchrsportler und Ordner einen Appell ab, der vor allem der Arbeit und den großen Aufgaben der Veranstaltung gewidmet war. Hunderte und Hunderte Genossinnen und Genossen standen auf dem Platz und crivartctcn die Kinder. Diese zogen bald daraus in musterhafter Ordnung ein. stellten sich bezirksweise, umsäumt von den Wehrsportlern, Ordnern und Turnerinnen auf. Ein kurzer Gruß dcü Genossen H i c b s ch und die Kolonnen marschierten vortvärtü. Nahezu 10.000 Menschen waren bei der Eröffnung antvesend. Obmann Genosse E r l a ch e r und Erzieher Genosse H e i b c r sprachen zu den Jungens und Mädels herzliche Worte der Begrüßung. Ein vieltaufcnd- stimmigeS„Freiheit!" rollte über das Land. Da stieg auf dem großen Mast die rote Kreisfahne des Tagcsncuigltfltcn Mord-Aufklärung nach zwee Jahren lijhorod, 0. Juni. Tic Gendarmerie verhaftete den 20jährigen Dcrcvljanla, den 62jährigen Petr Tudil und den 2:!jährigcn Pavel Lendranic, durch deren Verhaftung die Aufklärung eines Mordes und Mordversuches auS dem Jahre 1031 gelang. In der Nacht zum 7. Juli 1031 wurde nämlich in der Scheune seines Gutes Jiii Deren l j a n l a in der Gemeinde Otichovce auS dem Hinterhalt mit einem Schrotgewehr erschösse n. Ain 6. Oktober desselben Jahres wurde in der Mühle in einer Einschicht nahe Oiichovce durch das Fenster der Müller Michäl L c n d r a n i c in den Hais, ebenfalls mit einem Schrotgcivchr, angcschosien. Er wurde aber von seiner s ch tv c r e n Verletzung geheilt. Schon damals wurden der Sohn Dcrevjankas und dessen Frau festgcnommcn, aber mangels an Beweise» wieder srcigclasscn. Jetzt wurde erhoben, daß der junge Dcrcvljanka und der Bruder des Millers Lendranic, Pavel, sich verabredeten, sich durch einen Mord gegenseitig in den Besitz des Gutes und der Mühle zu setzen. Ter alte Tcrcvljanla wurde von Lendranic erschossen, tvährcnd der Müller von dem j» n g c n Dcrcvljanka erschossen tverden sollte. Tudil beschaffte ihnen die Waffen. Lendranic tvnrdcn außerdem ßiö 1000 versprochen. Minister für soziale Fürsorge Dr. Meißner besichtigte am Freitag, den 8. d. M. das Lager der jugendlichen A r b c i t S g c m e i n s ch a f t in T h c r c s i c n st a d t nnd desicn Einrichtungen sowie die von den Lagcrinsasscn durchgcführ- ten Arbeiten. Wie zwei vom»Nelson" starben Bergmannsolidarität bis zum Tode. Donnerstag wurden weitere zwei Tote im „Nelson"-Schacht gefunden. Es sind dies der 31- jährige Bergmann Wilhelm Keller nnd der 53- jährige Wächter Anton P e h, die z» der Gruppe gehörten, welche am Unglückstage in der Nähe des Luftschachtcs arbeitete und sich zum Teil rette» konnte. Das Ende der beiden Verunglückten ist wahrhaft tragisch. Als die letzte» sechs Lebenden zmn Wetterschacht flüchteten» verließen Peh die Kräfte. Keller nahm ihn auf de» Rücke» nnd trug ihn bis zu den Leitern, die durch de» Ramin anS Tageslicht führten. Sie erreichten«S nicht. Keller mußte den Kameraden unten lassen, um Hilfe holen zu können. Dam» begann er die Leiter» hin- aufzusteigr». ES war zu spät. Während vier Mann sich noch retten konnten, wurde Keller von den giftigen Gasen erreicht und stürzte betäubt in de» Schacht zurück, wo ihn ebenso wie Peh der Tod ereilte. Freitag wurden sie auf dem Ossrker Friedhof bestattet. Atuü in den Abend. Brausende Grüße entboten die Tausende ihrem Symbol. Nun brachte Bürgermeister Genosse R u s s y im Namen des Tcplitzcr StadtrateS und der sozialdemokratischen Fraktion herzliche Willkommgrüße. Ein Bczirköchor der Arbeitersängcr sang unter der Leitung dcü Genossen Z c l e n l a den wuchtigen FrcihcitSchor„Tord Foleson", worauf Genosse H e i tz c r an die zehn Bezirke die Frage richtete: Wo kommt ihr he r? lind nacheinander marschierten zehnmal drei Kinder unter Trommelwirbel und Fanfarenklän- gcn auf die Bühne, grüßten den Sprecher mit Handschlag und verkündeten in kurzen eindrucksvollen und ergreifenden Worten, woher sic kamen. Es war eine halbe Stunde tiefsten Erlebens. Auf der Bühne hatte eine große Zahl Kinder Aufstellung genommen, die nnn das schöne Lied sangen: „Wenn wir marschieren." Nun folgte ein eindrucksvoller, inhaltsreicher Sprcchchor, der in ein Fcstsviel mündete, das die Arbeit symbolisier». Hinter der Bühne stieg ein großes Transparent empor:«Die Arbeit, sie erhält die Welt!" Noch ein Chor der Arbeitersängcr, das„Trotzlied", und zwei?lbteilu»gcn Wchrsportler marschierten mit Fackeln auf die Bühne. Roter Schein des bengalischen Feuers umspielte die roten Fahnen. DaS herrliche Fest war eröffnet. Bon den technischen Leitern wurden rasch die Ouarticre eingeteilt nnd um 9 llhr marschierten die Abteilungen zu ihren Gastgebern, um neue Kraft zu schöpfen für den heutigen großen Festtag unserer Jugend. Die würdige und grandiose Er- dsfiinng dieses ersten Krcis-KindcrturnfcstcS wird allen,.die sic erlebe» durften, in dauernder Erinnerung bleiben. Heber den Verlauf der gesamten Veranstaltung berichten wir ausführlich an» Dienötag, wo tvir auch die einzelnen Reden auszugsweise nachtragen werden. Amerikas kleinste Ernte seit 40 Jahren Washington» 9. Juni. Den Schätzungen deS Landwirtschaftsniinistcriums zufolge dürfte die heurige Wcizcncrntc annähernd 500 Millionen Bushcls ergeben. Daü wäre die kleinste Ernte seit dem.Fahre 1893. Die Ernte m» Wintcrweizen wird auf-100,357.000 Bushcls, d. i. um 231 Millionen 70-1.000 weniger geschäht, während an Sommer-Weizen ungefähr 100 Millionen Bushcls geerntet tverden. Gin»Scherz" wird zum Todesschutz Kascha», 9. Juni. In einem NahrungSmit- telmagazin in Lcmesany im politischen Bezirk Prcsov fand eine T a n z u n t e r h a l t u n g statt. Gegen Mitternacht schoß von der Straße aus in daü Lokal der Sohn des Ort?bürger- meisterS Andrej Sabol. Das Projektil drang dem Bauernsohn Jan S e k e r ä k in die Stirn, der sofort tot zu Boden sank. Die anwesende Arbeiterin K u r b i c o v ä, Mutter von vier Kindern, wurde leichtverletzt. Der Täter gab an, er hätte aus Scherz den Schuß in die Luft abgeben wollen, doch sei dieser früher, als er sich dessen bewußt werden konnte, loSgcgangcn. Scclcnsänger auf verlorenem Posten. Die krampfhaften Versuche der Hahncnschwanz-Fasci- sie», ihren Kanoncn-Krcuzzug auf Arbcitcrwoh- nungcn durch einen Seelen fang ordinärster Art zu krönen, haben sich als Fiasko erwiesen. Die Arbeiter, die man mit Granate» nicht mürbe bekam, irritiert auch das Zuckerbrot der getarnten Rcklamereisenden der Dollfuß und Fey nicht. Herr Winter, der das Experiment wagte, in den Arbeitervierteln Wiens für daü Mordchristcntum Stimmung zu machen, erzielte nichts anderes als eine diplomatische Grippe am Schluß seiner wo- chenlangcn, aber hoffnungslosen Darbietungen. Doch die Scelenkänfer, die aus aufrechte», treuen Charakteren Sklaven der Konjunktur— und was für einer unsicheren— machen wollen, werben nicht nur im roten Wien; auch in der Provinz gehen sie ihrem dunklen Handwerk nach. Die „Innsbrucker Volkszeitung", die sich im Unter- titel„Unabhängiges Organ" nennt und unab- hängig von jeder Wahrheit ist, bringt unter dem fetten Titel:„Die Vormacht des Kapi- tals muß gebrochen werde n" einen Bericht über eine„vaterländische" Veranstal- tung der Textilarbeiter, auf der der Dollfußia- ner Altenburger den Proleten Lohnabbau, Kapi- talsoffensive und Kanoncnchristentum schmackhaft zu machen versuchte. Das Niederträchtige an die- sei» Seelenjagdcn der Gloichgcschaltetcn ohne Massen ist nicht ihr Bestreben, ihre Pleitekassen mit den Beiträgen der sozialistischen Arbeiter aufzufüllen, sondern die grenzenlose Unehrcn- haftigkeit, mit der diese Kstcchte des Unternehmertums die Parolen der ehrlichen Diener am Volke äußerlich mlfnehmen, um das tiefe Mißtrauen der Massen einzuschläfern. Der treffliche III. ndiosMIsdie MM ARBEITER-OLYMPIADE PRAG /1.Juli/ 5. bis8Juli Mit beut.Uinbcrtng nm 1. Juli wird die III. Arbeit'r-Olympiade eröffnet. Vom Verband der D T I. werden rund 19.0 00 B u b e n»»n d Mädel, die alle aus Böhmen sind, zu den Hebungen antreten. Außerdcn» wird die A t u s- I u• g c it b erstmalig in größerer Anzahl auftreten. Die Kinder werden in Massen quartieren, die sich auf 2 7 Prager Schulen erstrecken, untergebracht. Für die A t u S- und ausländische!» Kinder ist daö Quartier in der Schule in Prag VII., Stroßmayerovo»Mm. Die Gültigkeit der ermäßigten Fahrkarte»» zur Olympiade Ivurde vom Eisenbahmninisterium für die S ch ü- lerbis 1 5. I u l i(der letzte Tag»nitcingerechnet) festgesetzt. Arbcitertonristen aus Bulgarien. Zu den Ländern, die ihre Teilnahme zur Arbeiter-Olympiade be- kanntgabe», gesellt sich nun auch Bulgarien, das durch eine Gruppe von 30 Arbeitertourislcn vertreten wird. Herr Altenburger, den die Fascisien gegen den Willen der Textilarbeiter zum Reichsobmann der Textilarbcitcrgcwerkschaft ernannt haben, besaß den Zynismus„vom Herabsinkcn der Löhne und Gehälter auf ein beschämendes und für das Leben der Arbeiterschaft gefährliches Maß" zu sprechet». Daraus aber die einzig möglichen Konsequenzen zu ziehen, vermied er, da es gegen seinen Allftrag gewesen wäre. Die Konsequenzen würden bedeutet haben, daß er eben dieses bc- schämenden Lohnniveaus wegen, zum schärfsten Kampf gegen das Regime der autoritären Lohn- drücker und ElendSproduzcntcn aufgerusen hätte. Ach nein. Der Honorarempfänger der Ausbeuter ist ja auch nur dagegen,„daß das Unternehmer- tun» stärker und einflußreicher wird, als cS nach rechtlichen und sittlichen Vorstellungen sein darf". Ein ctlvaS magerer Bissen, den der famose Herr den sozialistischen Textilarbeitern da bescherte! Es Paßt so ganz zum Stil dieser plumpe» und unsagbar verlogenen Demagogie, daß der Agent deS kleinen Dollfuß auch die antisemitische Seite der Sache nicht vergaß, und von„gewissen jiidi- scheu Methoden" sprach, uin die gleichen Metho- den seiner frommen christlichen Auftraggeber vcr- gesscn zu machen. Die Debatteredner gaben nach dem glcichgeschaltctcn Blatt ihrer Auffassung offen Ausdruck, so offen anscheinend, daß die„I. V." darauf verzichtet, allzu offen zi» werden. Wie man sicht— auch in Innsbruck kämpfen die See- lenfängcr auf verlorenem Postel»! Tod unter» Autobus. In Preßburg wurde der 62jährige Privatbcamte Josef Meyer von einem städtischen Autobus erfaßt und so heftig zu Boden gestoßen, daß er auf dem Wege ins Krankenhaus starb. Er soll den Unfall selbst verursacht haben. Daö Wetter. Nach Mitteleuropa strömt noch immer mäßig kühle Lust ans Nordwesten, wo in den letzten Tagen höherer Luftdruck liegt. Bei etwas nnternormalen Temperaturen ist das Weiter weiterhin einigermaßen nnbeständig. Verschiedentlich treten Regenschauer, vereinzelt in Gewil- terbcgleitung, auf; besseres und wärmeres Wetter herrscht in Westeuropa. In Frankreich Ivurden SamStag,»nn 14 llhr stellenweise 27 Grad Celsius verzeichnet. In unseren Gegenden kann jedoch noch keine stärkere Erwägung erwartet werden. — Wahrscheinliches Wetter heute Sonntag: Wechselnd betvölki, mäßig warm. Im Nordosten— namentlich tagsüber— noch stärker bewölkt nnd vereinzelte Neigung zu Schauern; überwiegend nordwestliche Winde.— Wetter- a u S s i ch t e n für übermorgen Montag: Keine durchgreifende Aenderung. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programmen» Montag: Prag, Sender Liblitz: 10.05 Deutsche, Presse, 10.40: Schallplatten, 12.10: Sängervereinigung mährischer Lehrer, 13.45: Schallplatten, 16.45: Kinderscndung, 18.20: Deutsche Sendung: Pädagogischer Funk, 18.35: Dr. Popper: Vorschau auf das Mnsikprogrannn der tschechoslowakischen Sender, 16.40: Heidrich: Die Sudetenbühne, 10.25: Den» Frühjahr zum Gruße, 20.40: Konzert, 22.15: Deutsche Presse, 22.35: Dr. Klepetak: Deutsches politisches Relief.— Prag» Sender St.: 14.30: Schallplatten, 15.15: Deutsche Sendung: Viertelstunde der Frmi, 15,30: Schallplatte», 10.10: Opernmusik auf Schallvlatten.— Brünn: 18.05: Bros. Festa: Filmschöpfungen der Gegenwart, 10.25: Populäre französische Volkslieder, 10.50: Salonor- chestcr, 20.40: Musik auf alten Instrumenten.— Kaschanr 11.30: Opernmusik auf Schallplatte».— Mähr.-Ostrau: 17.10: Klavierkonzert. Dienstag» Prag, Sender Liblitz: 10.05: Deutsche Presse, 10.15: Rundfunk für deutsche Schulen, 12.15: Schallplatten, 12.35: Mittagokonzcrt, 17.45: Klavierkonzert, 18.15: Deutsche Sendung: Daö Experiment des Dr. Cuuninghani, Hörspiel, 18.55; Deutsche Presse, 10.25: LIederkonzcrt, 20: Orchesterkonzert.— Sender Str.: 14.30 Walzer-aufSchallplatten, 15.10: Deutsche Sendung. Dr. Mikolaschek: Vulkanismus und Wirtschaft, 15.45: Deutsche Presse, 10.10: Aeigcnsolo auf Schallplatte«.— Brünn: 16.50: Jugendfunk, 17.10: Beethoven: Sonate in C-Moll, 8.210: Deutscher Arbeiterfunk: S o z i a l e Informationen. S ch m i d t: D e r L a n d m a»» n i n d e r D i ch t u n g.— Preßbnrg: 17.35: Dvokak: Legenden. Sottttto«, 20. AM IVA Katastrophe beim Aquädukt-Bau Madrid, 8. Juni. Bei Hucsco stürzte ein in Bau befindlicher Aquädukt ein, anf dem 60 Arbeiter beschäftigtIvaren. MehrcrcArbeiter ertranken, die Zahl der Verletzten ist grob. Richt 160, sondern„nttt* 130 Jahre alt Jstambul, 8. Juni. Zaru Agha, der älteste Rann der Welt, ist nach einem Bericht türkischer «leczte nicht 160, sondern„nur" 120 Jahre alt. Während seiner Behandlung in einem Krankenhaus hatte» die Äerzte die Behauptung Zara Aghas angezweifelt, dah er 80 Jahre vor der Schlacht von Trafalgar geboren sei. Sie machten mehrere Röntgenaufnahmen seine» Knochenbaues, aus denen hervorgehen soll, dah sein wirkliches Alter nur 120 Jahre beträgt. Die Röntgenaufnahmen sind an den Verjüngungsspezialisten Dr. Loronow in Paris zur Begutachtung gesandt worden. Zara Agha hatte seinerzeit ein A n g e- b o t Dr. Woronows abgelehnt, sich durch eine Behandlung mit Affendrüsen verjünge« zu lass en. Ein Arbeiter wird Ehrendoktor. Eine seltene Auszeichnung ist einem Schweizer Arbeiter zuteil geworden, der noch im Betriebe arbeitet. Der Metallarbeiter Paul Baumann, ein aktiver Gewerkschaftler in Bern, ist von der Universität Bern zum Ehrendoktor der juristisch-staatswissenschaftlichen Fakultät ernannt worden. In seinen freien Stunden, die ihm die Berufsarbeit lieh, mehrte er sein Dissen und beschäftigte sich hauptsächlich mit Fragen des ArbeitürcchteS. Durch sein gründliches Dissen konnte er der Arbeitcrbelvegung manchen wcrwollcn Dienst leisten. Als in einem Streike in der Metallindustrie ein Unternehmer wegen Tarifbruch klagte, pflichtete das BundcSgcricht den Auffassungen des Arbeiters Baumann bei. Als Mitglied des ZenlralvorstandcS des Metall- und llhrcnarbeiterverbandeS und als dessen Vertreter aus GetvcrkschaftSkongressen bot sich ihm Gelegenheit zur praktischen Vcrtvertnng seiner Kenntnisse, die er aus dem täglichen Leben schöpfte. Nun hat eine Universität diese Arbeit Baumanns durch Ernennung zum Ehrendoktor geehrt. Sie hat damit nicht nur dem schlichten Arbeiter und der Gewerkschaftsbewegung, sondern sich selbst ein schönes Zeugnis ausgestellt. AL 14,840.463.10 hat die Deutsche Jugendfürsorge in Böhmen(Deutsche Landeskommission und Deutsche BezirkSjugendfürsorgen) laut dem jetzt erschienenen Jahresberichte im Jahre 1888 aufgebracht und damit 248.821 hilfsbedürftigen deutsche» Kindern Hilf« in irgendeiner Art bitte» können. Bon der Deutschen Landeskommission wurde im Jahre 1888 für 2874 Kinder direkte Fürsorge geleistet, und zwar für 412 Kinder in den eigenen Fürsvrgeanstalten, 186 Kinder in Familienpflege (Kolonien), 4 Kinder in ftemder Anstaltspflege, 145 Kinder durch laufende Erziehungsbeiträge, 100 Kinder durch einmalige Unterstützungen, 08 Kinder durch Krüppelfürsorge, 182 Kinder durch andere Förderung und 1886 Kinder durch Fahrtbegünsti- gung auf den Eisenbahnen.— Dazu kommen: 75.716 Kinder in der ErnährungSfürsorge, 14 Kinder in der ErholungSfürsorge im AuSlande, 128 Kinder in inländischen Erholungskolonien, 8742 Kinder durch Bekleidungsfürsorge, 88 Jugendliche in LehrlingSerholungöheimen, 86 Jugendliche durch Bariderbeihilfen. 785 Jugendliche in Heimstätten für Arbeitslose und 477 Abiturienten von Mittelund Fachschulen durch Berufsberatung.— Bon den Zweigvereinen(Deutschen Bezirksjugendfürsorgen) wurden in diesem Jahre 164.460 Kinder betreut, und zwar: 88.614 Kinder in 418 Mütterberatungsstellen, 886 Kinder in Heilanstalten, 8720 Kinder in Erholungsfürsorge, 18.788 Kinder in Beklei» dungSfürsorge, 8106 Kinder durch Schulzahnpflege, 28.070 Kinder durch die Generalvormundschaft, 11.885 Kinder durch eigene Familienfürsorge, 2767 Kinder durch freucke Familienfürsorg«, 1058 Kinder durch Aufnahme in Waisenhäuser, 486 Kin- fom Prager Dondlunk Zu Beginn der Berichtswoche hörte man nach einem einleitenden Vorträge deutsche Chorlieder aus ältester und neuester Zeit, gesungen von den Hörern der deutschen pädagogischen Akademie. Für die Leitung nannte daS Programm Univ.-Prof. Dr. Bek» king, Heller und Dr. Rieh. Der Hörer hatte seine Freude an der sorgfältigen chorischen Ausarbeitung einer Reihe ganz prächtiger Gesänge.— Am Sonntag waren au» heftigen Störungen der beunruhigten Atmosphäre gerade noch des Genossen Josef Hofbauer brüderlich warme Worte für die .Dichter ün Exil" vernehmbar. Emil Zola, Victor Hugo, Blasco Ibanez... die Dichter deS Vormärz ... die Kämpfer von 48 und die ins Exil verjagten Grossen der Gegenwart. Arnold Zweig, Feucht« wanger, Toller, Döblin, die Brüder Mann usw.... sie alle bestätigen, dass wahre und ernste Dichtung nur in der Freiheit gedeihen kann. Ihr Weg in die Verbannung war keine Flucht auS der Nation; er war die natürliche Konsequenz einer unbeugsamen Ueberzeugung; da» ehrliche Bekenntnis einer Gesinnung, die auch um den Preis der Heimat nicht an sich selbst zur Lumperei werden konnte.— Die nachfolgenden Sonntagssendungen gingen leider im Waffengerassel drohender Wetter unter(und eS blieb doch wieder viel Lärm mn nichtsl).—Am Montag hatte der deutsche Sängerbund Jisef Aurich als Werber für daS Sängerfest der 5000 in Teplitz-Schjinau entsandt. Er pries die vom Geiste Beethovens und Richard Wagner» gesegnete Stadt, schilderte die historische Sängerwiese im Schlossgarten al» Schauplatz kommender Festtage und betonte mit begeisterten Worten die besonderen Aufgaben de» deutschen Männergesanges, das deutsche Lied als Schatz des deutschen Volke» zu hüten. Dass an den Festtagen .Jelle und Hammer beiseite gelegt" und„alle Klas- der durch Aufnahme in Fürsorgeheime, 240 Kinder durch Aufnahme in andere Erziehungsanstalten, 42.504 Kinder durch die Schuhauflicht und 4275 Kinder durch die Berufsberatung.— Die Deutsche Landeskommission dankt allen Freunden, Gönnern und Förderern der deutschen Jugendfürsorge herzlichst und bittet, ihr auch weiterhin die Treue zu halten, damit sie gerade in der jetzigen schweren Zeit ihre Aufgaben voll erfüllen kann. Flammentod. In der Hütte einer spanischen Holzfällerfamilie bei Anderra brach nächtlicher« weile ein Brand au», der sehr schnell um sich griff. Während sich die Mutter mit dem jüngsten Kind in Sicherheit bringen konnte, kamen drei ältere Kinder in den Flammen um» Leben. Judenboukott mm Hiller felbü arrangier! Bon Hans Rheinländer, Berlin. In einem früheren Briefe haben wir dargelegt, wie unsinnig die Behauptung ist, dah Hitler von all den mißlungenen oder boshaften Unternehmungen nichts wisse, daß er sie jedenfalls mißbilligen tvürde. Die vielen Bonzen, die vom Nationalsozialismus leben, haben da» größte Interesse an seinem Fortbestand. Da sie nun sehen, wie jetzt schon alles ins Wanken kommt, weil mit den Errungenschaften des Dritten Reichs außer ihnen niemand zufrieden ist, geben sie zu, „daß viele Fehler gemacht und Ungerechtigkeiten begangen wurden, aber Hitler wisse davon nichts." Wir haben früher darauf hingcwiescn, daß Hitler selbst gesagt habe,„ohne mein Wissen geschieht nichts." Nun kommt Dr. Josef Goebbels, ein ebenso gewissenloser, wie teuflisch raffinierter Musterarier— man nennt ihn in Deutschland seiner jämmerlichen Gestalt uwd eines Klumpfußes wegen den Schrumpfgermanen— und veröffentlicht aus seinen Tagebüchern Aufzeichnungen, weil er wahrscheinlich nicht Lust hat, für die Dummheiten anderer dauernd verdächtigt zu werden. So zeigt Goebbels, als ob er sich gar nichts Böses dabei denke, seinen Herrn und Meister Hitler ganz nackt: Der Judenboykott im vorige« Jahre sei Hitlers eigenste persönliche Erfindung gewesen! Nun weiß man also aus dem Munde eines der besten Freunde Hitlers, daß auch jene Scheußlichkeit, die viele unglückliche Menschen zum Selbstmord und deren Familien in Not und Verzweiflung getrieben hat, auf niemand anders als Hitler selbst zurückzuführen ist. Man muß das Buch dieses Psychopathen und seine Reden gelesen haben, um zu wissen, dah ihm jede Gemeinheit zuzutrauen ist. Abgesehen von den Nazibonzen, müßten mindestens doch die Bauern zufriedenge- st e l l t sein, so sollte man annehmen. Innerhalb eines Jahres ist die Indexziffer der von der deutschen Landwirtschaft verkauften Gcsamterzeug- niffe um 18 Prozent gesfiegen. Einige landwirtschaftliche Produkte sind ganz ungeheuerlich im Preise hinaufgetrieben worden. So sind gestiegen die Kleinhandelspreise für Fleisch um 0.8 Prozent, für Gemüse um 10.4 Prozent, für Eier um 14.7 Prozent, für Butter um 28 Prozent. Da die Ausgaben der Landwirte, also die Löhne, die Steuern, die Soziallastcn in diesem Jahre fast unverändert geblieben sind, ja sogar teilweise durch besonders billige Arbeitskraft gestellt wurden, müßte die Lage der Landwirte sich doch wesentlich gebessert haben. Weit gefehlt: die Bauern klagen fast noch mehr als alle übrigen Berufsstände. Früher haben sie für ihre schlechte Lage die Juden verantwortlich gemacht— natürlich, für was wären die Juden nicht verantwort- senunterschiede" aufgehen werden in der Brüderlichkeit de» deutschen LiÄcS, war Wohl eine etwas kühne Prophette, erstanden au» der fiebrigen Begeisterung deS Sprecher», an dessen persönlicher Ueberzeugung nicht gezweifelt werden soll. Nicht unbe- mcrkt aber kann e» bleiben, dass man gerade für die Schönheit de» Gesänge» und die Macht de» Liede» einen Werber mtt so auftallend schlechter Aussprache gewählt hatte. Mit welchen Äeftehlen.soll da die Betreuerung von Teplitz-Scheenau den versprochenen Zerstreiungen entgegensetzen?— Kaum hatte man vernommen, welche Bedeutung der Chorgesang für unsere Zeit habe, empfing man von Kaplan Petru» M ö h l e r die Versicherung, dass die Bedeutung des hl. Norbert für die Gegenwart noch grösser sei. Der hl. Norbert, der Erzbischof von Magdeburg und Stifter de» Prämonstratenserordenü. war der Herold der Erneuerungen, mit welchen Gregor VH. die Reform der Kirche durchführte. Sein Werk, die volle Herrschaft Christt zu«rechten, gipfelte in drei Forderungen: Festigung de» kirchlich-religiösen Leben». Ordnung des gesellschaftlichen Leben» und Sicherung der Rechte und der Freiheit der Kirche. DaS tu« auch heut« in erster Linie not. Sagt Kaplan Möhler.— Der Dienstag brachte ein wirtschaftliche» Relief von Walter Wannemacher. ES zeigte die geringe Nachhaltigkeit der Exportankurbelung, und eine Erflärung für diese Enttäuschung der Devalvation der tschechoslowakischen Krone, die freilich nicht mehr leisten konnte. Entscheidend für die Wirtschaft wird erst eine Steigerung der Einfuhrmöglichkeiten sein.— Dann hiess es im Programm:„Mozart und Goethe in Smichov". Pjxsen Vortrag von Dr. R i e g e r konnte man mit fiebriger Unrrche kaum erwarten. Da glaubt man. doch auch etwa» vom Leben der Grossen zu wissen und nun Smichov und Goethe?? Man hat Smichov so ost in Verbindung mit aufregenden Fussballereignissen nen- ' neu hören— ja... aber... Smichov und der AuS Deutschland auSgewtesen. Aus Berlin wird bekanntgegeben, daß auf Grund der strafgesetzlichen Bestimmungen in den letzten Tagen insgesamt 50 unerwünschte Ausländer aus dem deutschen Reichsgebiet auSgewiesen worden sind. Die Ausweisungen betrafen Fälle, die in den Monaten Oktober 1888 und im Jänner 1834 sich ereigneten. Bei den AuSgewiesencn handelt cs sich um Staatsangehörige der an Deutschland angrenzenden Länder. Die Ausweisung erfolgte hauptsächlich wegen Bettelei, Landstreicherei, Paßvergehens, aber auch wegen Rückfalls und Widerstandes gegen die Staatsgewalt. licht—, jetzt schimpfen sie auf Hitler. In einzelnen Provinzen ist eS schon zu schweren Kämpfen zwischen Bauern und Nazis gekommen. So wird wieder aus Traunstein in Oberbayern, das nicht weit von der Residenz Hitlers liegt, berichtet, daß eS zu wüsten Schlachten-wischen Landwirten und uniformierten Naziabeilungen gekommen ist. Auf beiden Seiten gab es viele Schwerverletzte. Die Bauern sind wütend, weil sie zur Ablieferung ihrer Produkte behördlich gezwungen worden sind. Am meisten aber reizt sie das sogenannte Erbhofgesetz, mit dem die Nazi ein- für allemal jede Bauernnot beseitigen wollten. Das Erbhofgcseh macht den ältesten Sohn zuni alleinigen Erben, während alle anderen Kinder fast leer auSgehcn. Ein solcher Erbhof kann nicht verkauft werden, er wird, wie bei den junkerlichen Großgutbesitzcrn, ein unantastbares Fideikommiss. Das hat zur Folge, daß ein solcher Erbhofbesiher keinen Pfennig geliehen bekommt, daß auch Handwerker, Kaufleute und Viehhändler jeden Kredit verweigern, weil der Gläubiger keine Möglichkeit hat, die Zahlung zu erzivingen. Die Erbhofbesiher bieten jetzt schon die höchsten Preise für den Nachweis, daß einer ihrer Vorfahren jüdisches Blut in den Adern hatte, weil der, dem jüdische Abstammung nachzuweisen ist, als minderwertig gilt, ein Erbhof kann ihm deshalb nicht zufallen. Das Naziwundcr der angeblichen Baucrnrcttung ist also zu einem Fluch geworden. Das Dritte Reich wandelt sich allmählich zu einem Tollhause. Man erinnert bereits an ein treffliches Wort des Marburger Psychologen Prof. Dr. Kretschmer. Dieser hat in seinem 1828 erschienenen Buche„Geniale Menschen" über die Roll e der Psychopathen in der Politik" folgende» geschrieben:»Die Psychopathen sind immer da. Aber in den kühlen Zeiten begutachten wir sie, in den heißen beherrschen sie unS.7— Der Professor hat den Hitler kommen sehen. AuS zuverlässiger Quelle erfahren wir auch, daß in der Berliner ReichSdruckerei Tag und Nacht eine Binnenmark gedruckt wird, die nur im Jnlande verwendet werden soll. Das„soll" ist sehr gut, denn das Ausland wird sie ohnedies nicht in Zahlung nehmen. Fast noch bedeutsamer als der Druck der Binnenmark ist der Druck von Brot- undKart offclmarken. Es Witt» also für den kommende» Krieg Vorsorge getroffen in Deutschland nicht nur durch die Herstellung von Mordwaffen, sondern auch von Lebensmittelmarken für daö eigene Volk. Die grausigen KriegSjahrc steigen wieder vor unseren Augen auf— Kartoffeln, die den Frauen und Kindern zugezählt werden: eins, zwei, drei, vier— so, nun aber Schlußl Und Brot aus Sägcspähnen. Konzentrationslager, Zuchthäuser und Galgen, Pest« und Cholerabazillen, Giftgase, Explo» sionSgeschosse und Flugzeuge— das i st das Ergebnis einer einjährigen Raziherrschaft. Olymp? Run, e» stellte sich heraus, dass eS sich mn einen zweibändigen Goethe handelt, der auf einem Schreibtisch steht und die Lyrik auf Dünndruckpapier bewahrt. Er teilt die Einsanikeit eine» nachdenklichen Menschen im Landhause an der Bertramka. Wenn der stille Gast Rieger über da» Stadtbild blickt, dann erwachen die Frauengestalten au» Goethe» Leben. Don Giovani» Melodien dürften dann wohl leise erklingend die Mustk machen zu diesen seltsamen Spaziergängen einsamer Gedanken. E» stuft etwa» Poetische» darinnen!— Wesentlich realistischer war die Aufgabe des Prof. H a r t k, zu „Aktuellen Fragen der bildenden Kunst" und dem „Hilfswerk für die deutsche bildende Kunst in der Tschechoslowakischen Republik" zu sprechen. Er schilderte die Verelendung in den Kreisen der bildenden Künstler und di« volkswirtschaftliche Bedeutung diese» Niederganges(beispielsweise für die GlaS- und Keramindustrie). Volk und Kunst müssen sich wieder zu einer bewussten Einheit zusammenschlietzen. Dieser Aufgabe dient der ReichSverbaNd deutscher bildender Künstler, der in den Monaten Juni und Juli ein grosses Hilfswerk, verbunden mit eine: Volkssammlung durchführen wird.— Am Mittwoch stand ich selbst im Programm der deutschen Arbeitersendung mit dem Portrage„DaS Schulkind vor und nach dem Kriege". Kann mmi an Och selbst Kritik üben? ES wäre unbescheiden, wollte ich den eigenen Vortrag schätzen; anderseits wäre e» im Grunde un- verftoren, vorzutragen ohne die innere Ueberzeugung, damit einer Sache dienen zu können! Ich will also beiden Vorwürfen begegnen mit dem Hinweis' darauf, dass ich die Diskussion über pädagogische Themen für sachlich ungemein wichtig halte.— Der Donnerstag brachte eine sehr schöne„Jugendstunde mit Musik" unter Leitung der Frau Prof. S t u ch l i k- Deutelmoser. Die beiden Sängerinnen Lon- g i n und Meyer machten uns im Duett mtt eini- gen ganz reizenden Maienliedern aus alter und Seide S Ullstein empfiehlt: »Neues fürs Bücherbrett" ' Don den gleichgeschaltctcn Ul Ist ei ii-Erzcüg- nissen ist zum Glück in der Tschechoslowakei nicht mehr viel zu merken. Doch insgeheim versucht dieser in der Agonie liegende, einst so rührige und konjunkturbeflissene Verlag noch immer, sein' Scherflein auch jenseits der braunen Grenzen ins Trockene zu bringen. Flattert da meiner tschechischen Freundin, gestern früh ein Brieslein ins Haus— schmales,, nobles, mattblaues Kuvert, so, als' ob immer, noch die seligen Zeiten schwindelnd-hoher Auflagen wären— das zwar keinen Firmcnaufdruck trägt, dessen Inhalt aber jedoch schnell verrät, daß eS sich um eine geheime Reklame-Aktion der Brü-i der Ullstein handelt. „Neues fürs Bücherbrett" nennt sich der fleine Katalog, der in gediegener und' geschmackvoller Aufmachung dem noblen Umschlag' entfällt. Interessiert nehme ich das Ding in die' Hand. Man erinnert sich der Ullsteinschen Bücherproduktion von friiher noch ganz gut. Da gab es viel Dreck, nrit dem aber höchst unsentimcntal verdient wurde. Daneben jedoch: Remarque, Feuchtwanger, Brecht, die in ausgezeichneten Ausgaben, herrlich-schlicht in graues Leinen gebunden, wundervoll gedruckt, auf den Büchermarkt der ganzen Welt kamen. Da gab eS den Propyläen-Verlag mit seinen köstlichen Goethe-, Stendhal- und Dostojewsly-AnSgabetr. Immerhin— das waren noch Zeiten. Was produziert der gleichgcschaltete und vor dem Ruin stehende Verlag im Jahre deS Unheils 1834?' Hört es euch an: Als erstes wird ein Werk des Herrn Dr. Sack, jenes ex-officio-Verteidigerü von T o r g- ler angekündigt:„Der Reichstagsbrand-Prozeß". Man kann sich vorftcllcn, wie sich in Hexrn Dr. Sacks Augen dieser Monster-Prozeß widerspiegelt. Man braucht das Buch nicht gelesen zu haben. Man weiß auch so, was darin steht. ES genügt, wenn man Herrn Dr. Sack gekannt hat. Den weinseligen, monokel- und schmissebehasteteir Kösencr SC-Studenten, der eS auf liebenswürdige Art allen recht zu machen versuchte. Wer befindet sich in der Gesellschaft deS. Herrn Dr. Sack? Kein geringerer als der im Dritten Reich als Held gefeierte Erzberger-Mör- der Erich K i l l i n g e r. Sein„Wert" trägt den vielversprechenden Titel:„Flucht um die Erde!" Sind Sie neugierig,>vas ein Mörder schreibt« dann lesen Sie eü. Wenn er mit der Feder so gewandt unizugehen versteht wie damals hinterlistig mtt der Waffe?... Als dritte in dieser Reihe schliesstflch T s ch e-^-i na win:„Mit Mann und Kind der G. P. U." entflohen"— ein wütender, unsachlicher Anti- Sowjet-Roman— würdig diesem Bunde au.. Wenn man weiß, dass Frau Tschenawin die Lieblingsmitarbeiterin des„Neuen Wiener■ Journals" ist, so besagt dies mehr als jede Krittt. Sonst empfehlen sich noch folgende„neudeutsche Dichter": Der unvermeidliche Werner' Bcumclburg, der wieder einmal in seinem Werk«Eine ganze Welt gegen uns" den„frischfröhlichen" Heldentod und das„Stahlbad" des Krieges verherrlicht. Weiter Georg van der Bring:„Schwarzer Jäger Johmma", ein Titel, der ohne weiteres verrät, woher der Wind weht. Damit dem„kleinen Mann" aber vor so viel Ullsteinscher Kriegsbegeisterung nicht gar zu sehr daS Gruseln überkommt, hat man kurz entschlossen noch ein paar alte Schmöker, belanglose Unterleibsprobleme behandelnd, aus der Mottenkiste guter alter Zeiten hervorgczogen und empfiehlt sie in trautem Verein mit einem„Garten- Lexikon", einem„kleinen Gcflügelbuch" und. einer Broschüre„Winke für den Angler". Heiliger Ullstein, was ist aus dir geworden? Katja. neuerer Zeit bekannt.— Nachher gab eS in der landioirtschaftlichcii Sendung„Grnrifuticr als Helfer in der Not".(Vielleicht kommt's noch so weit?)! — Ueber.Ziele und Wege der Berufs«! beratung" sprach am Freitag Univ.-Doz. Dr« Franz S e o l a. Die Berufsberatung geht ans von der Ueberzeugung, dass jeder Vtensch zu irgend einer Tätigkeit im Gesellschaftskörper geeignet ist und dass er das beste nur an richtiger, seinen Fähigkeiten am meisten entsprechender Stelle zu leisten vermag. Wunsch und Fähigkeiten treffen nun aber keineswegs immer zusammen und auch zwischen den Fähigkeiten und den(den meisten Jungen nicht geiiügeird bekannten) Anforderungen deö Berufes muss ein Ausgleich gesucht werden. Durch persönliche Aussprache, mit Zuhilfenahme besonderer Fragebogen und durch die exakt experimentelle Untersuchung kann die Berufsberatung wesentlich dazu beitragen, Fehlentscheidungen zu vermeiden. Der Vortragende vertoies auf die Berufsberatung der deutschen Haupt st elle für Kinderschutz und Jugendfürsorge in Prag, die allen Jugendlichen ko st en los offen st eh t.— In der Arbeitersendung am Freitag sprach Walter K o l a r z über aktuelle Ereignisse. Er beschäftigt« sich vor allem mit Genf, wo eine ganze Reihe internattonaler Problem erfolgreich behandelt wurtzp, daö Saarproblem und Ungarns Beschwerde über Ingo« flawien, Litwinows und Barthous Reden und ihre Felgen wurden gekennzeichnet als Ereignisse besonderer Art. Als sehr beachtenswert verwies der Sprecher darauf, dass sich der Balkan zum ersten Male als politische Einheit deklariert hat. Die Genfer Konferenz wird sich, auch wenn sie in der Abrüstung versagt, doch in ein Gericht vertvandcln! der Schuldige wird der Abwesende sein!— Walter Kolarz erwies sich wieder als fesselnder, klarer und sprachlich Ivertvoller Sprecher. Ernst T h ö n e r. CMfei „Sozialdemokrat" Sonntag, 10. Inn! 1934. Nr. 134 Abonnements- Bestellschein. PRAGER ZEITUNG I Name:. Genaue Adresse: Letzte Post: Unterschrift:. I für die Zeit von: Mai Verhaftet Ivurde er auf das ihn auf dem Wen- „Braut" hatte ihm, als r o g? Man soll nichts von alledem tun. Denn er genügt, zur Kenntnis zu nehmen, datz es sich um einen Ufa-Film handelt,—cis— reits etliche neue Strafanzeigen warteten. Da er kurz vorher bereits rechtskräftig verurteilt worden ist, bekam der Gauner heute nur«ine Zusatzstrafevon weiteren 10 Monaten schweren und verschärften Kerkers. rb. Hilversum— holländischer BundrSmelster im Fußball. Zum erstenmale seit dem Bestehen der holländischen Bundesorganisation wurde zu Pfing- sten in Utrecht um die Bundesmeisterschaft im Futz- ball gespielt. Bon den sieben Kreismeistern siegte nach einem selten schönen Kampf, nachdem daö Spiel verlängert werden mutzte, Hilversum gegen Apeldoorn mit 8:0. Eine grotze begeisterte Anzahl von Zuschauern umrahmte den prächtigen Sportplatz und folgte dem spannenden Spiel, das gerade dadurch zu einem grotzen Teil beitrug, für die Idee des Arbeitersports zu werben. Drei Werbeversammlungrn— 020 neue Mitglieder. Dieses Ergebnis hat der Arbeiterfchwimm- verein Utrecht in Holland zu Verzeichnen, worauf er mit Recht stolz sein kann.— Auch die übrigen Vereine hatten mit ihren Versammlungen, in denen Flugzettel verteilt, Vortrtäge gehalten und Filme vorgefiihrt wurden, grotze Erfolge zu verzeichnen. Varlingen Sie In Jeder Verkaufsstelle des Konsumvereine* SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN Bri Darmträgheit, Leber- und Gallenleiden, Fettsucht und Gicht, Magen- und Darmkatarrh, Geschwülsten der Dickdarmtvand, Erkrankungen des EnddarmeS beseitigt das natürliche„Franz-Josef"» Bitterwasser Etmiungen in den Unterleibsorganen rasch und schmerzfrei. Aerztlich bestens empfohlen. 2106 1. Absolvrnten-Abend der Deutschen Akademie für Musil und darstellende Kunst in Prag, Freitag, den 15. Juni, 20 Uhr im Saale der„Urania". Auf dem Programm Werke für Flöte, Klarinette, Kontrabaß und Harfe mit Streichquartett, Flöte und Klarinette. lsttrten 8, 6 und 4 Kü. Mitteilungen aus dem Publikum. Bon der Ausstger Handelsakademie. Die Einschreibungen in die vierklassige Handelsakademie und i>t die zweiklassigen Handelsschulen für Kitaben und Mädchen erfolgen vom 28. bis 80. Juni. Die Aufnahmsprüfungen finden am 80. Juni um %0 Uhr für die Handelsakademie u>td um halb 1V Uhr ftir die Handelsschulen statt. Einschreibungen in den Abiturientenkurs haben bis 1. September unter Vorlage des Reifezeugnisses zu erfolgen. Auch schriftliche Anmeldungen sind zulässig. Prospekte und Auskünfte durch die Direktion der Anstalt. ArarUa-Mno „Was ist die Welt". Großer Kulturtonsilm. Letzte Vorführungen heute% 11 und morgen Montag 549 Uhr. „Der unbekannte Gast." Szöke Szakall, Lucie Englisch in einem reizenden Lnstspiel. Heute 4, 6, und 540 Uhr. Klimentskä 4. Fernsprecher 61623. Deutsche Volksschule in Bubentsch-Tejvitz. Es ergeht neuerlich au alle deutschen Eltern in Bu- bentsch und Desvitz, da» Ersuchen, die Kinder, die heuer schulpflichtig werden und für den Besuch der ■ neuen deutschen Privawolksschule mit Oeffent- lichkcitSrecht in Betracht kommen, unverzüglich im Deutschen Haus, Zimmer 16, bedn ZeniralauSschutz zur Pflege des deutschen Schulwesens für das Schuljahr 1984/85 anzumelden. Die Eröffnung der ersten Klasse ist nach den bisherigen Anmeldungen gesichert und«ine zweite Klasse loahrscheinlich. Ebenso ist der Betrieb des Kindergartens in be- stmuute Aussicht genommen. Für die Kinder von minderbemittelten Eltern sind halbe Freiplähe bei rechtzeitiger Anmeldung noch zu erreichen. Errichtung eines gelegentlichen Postamtes anläßlich der lll. Tschechoslowakischen Arbeiter-Olympiade in Prag 1084. Anlässlich der lll. Arbeiter- Olympiade wird auf dem Stadion am Strahov ein gelegentliches Post-, Telegraphen- und Telephonamt errichtet, welches die Bezeichnung„Praha— III. Dölnickä Olympiäda keskoslovenskä" führen und gleichzeitig ein Filialpostamt des Postamtes Prag I sein lvird. Seine Tätigkeit wird sich erstrecken auf die Annahme voll gewöhnlichen sowie bescheinigten Briefpostsendungen, von Postanweisungen wtb Posterlagscheinen, den Wertzeichenverschleiss sowie den Telegraphen» und Telephondienft und auf die Zustellung von gewöhnlichen und bescheinigten Briefpost- sendungen auf dem Stadion. Die Amtsstunden werden von 7 bis 20 Uhr festgesetzt. TaS Goldene Herz, das Symbol der deutschen Jugendfürsorgearbeit in der Tschechoslotvakischen Republik, ist in Prag bei der Deutschen Hauptstelle ftir Kinderschutz und Jugendfürsorge zum Preise von Ki 1.— per Stück erhältlich.— Alle deutschen Vereine und Korporationen, welche diese Aktion zur Linderung deutscher Jugendnot unterstützen wollen, werden gebeten, die goldenen Herzen durch die Kanzlei der Hauptstelle Prag I., Mali nänt. 11, 2. Stock, Tel. 815.14 zu beziehen. Konst end Wissen Die Staats-Bttdergalerie Wieder einmal ist die Frage eines würdigen Baues für die Staatgalerie in den Vordergrund getreten und die Regierung wird sich in der nächsten Zeit mit den verschiedenen Projekten zu befassen haben. Die Moderne Galerie und die Sammlungen der jetzt in der Prager Städftschen Bibliothek untergebrachten Bildergalerie der Vaterl. Kunstfreunde, die systematisch ergänzt werden, stellen einen reichen Besitz dar, dessen Unterbringung sorgfältiger Erwägung bedarf. Das seinerzeit preisgekrönte Projekt des Arch. Goäar, der die Galerie auf der Insel Kampa vorgesehen hatte, ldie Grundstücke dort wurden bereits angekauft), scheiterte an dem Widerstand der Fachleute, die die nahe Moldau als Gefahr für die Bilder durch Näffeeinwirkungen bezeichneten. Die beiden anderen Projekte sehen die Bauten für die StaatSgalerie auf dem Belvedereplateau vor. DaS erste Projekt betriftt den Platz in der Nähe der Studentenkolonie, der billiger wäre, doch stehen dem sofortigen Angriff des Baues Schwierigkeiten im Wege. Das dritte Projekt nun umsaht die Grundstücke in der Nähe des beweglichen Gehsteiges am Belvedere, die aber entweder vom Bodenamte oder Staatlichen statistischen Amte angefordert werden, obzwar dieser Platz für die StaatSgalerie, in den Belvedere-Anlagen mit Aussicht auf Prag, am geeignetesten erscheint, wenn man vom Kampaprojeft absieht. Die Frage eines eigenen Gebäudes der StaatSgalerie ist auch vom kulturellen Standpunkte aus eine aktuelle. Der unermetzliche künstlerische Wert der beiden Sammlungen liegt unauSgenüht, da so schwer zugänglich und dem eigentlichen Zwecke, zur künstlerischen Bildung der breiten Volksschichten beizutragen, entzogen. Denn nur dadurch würden die Auslagen gerechtfertigt, dei der Staat für den Ankauf und Erhaltung der Bilder und Kunstschätze anlegt. m- i. »»SW Selchwaren der Fa.HEQNER• Cie.,PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN I AllWkl MklMkMik. Atademlc: Ausnabmevrüsunqeu 30. Juni, 1. September, W Ubr feilt). Htvettlalllqe Handelsschule für zinoben llweiklalliae Handelsschule Mr Mädchen AusnabmSprülttnaen so. Juni, 1. September, Poem. -/,lll uvr. dlbilurieutenlurS Mr Maturanten: klnmeldunacu bis 1. September.— Weitere ÄuüMnste erteilt die Livs Dlreltian. Abonniere ab.» 1084 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutsche« sozialdemokratischen Arbeiterpartei „GoaialftemoVrat" Verwaltung Prag XII., Fochova tk. 62, zum Preise von 16 Kä monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. HanS Multerer, der Heimatdichter aus dem Böhmerwald, kommt am 18. Juni mit seiner Laienspielschar nach Prag, und zwar mit seinem„Spiel vom Leben und Sterben des Baueril". Freitag, 9 Uhr, Nachtserenade im Fürstenierg- Garten! Dirigent: Szöll. Eintrittspreis ftä 10.—, Abonnenten Kä 5.—. Vorverkauf ab Montag! Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Sonntag halb 8 Uhr: DerJakobiner, AI.— Montag: geschlossen. Dienstag halb 8 Uhr: Josua, VI. Philharmonisches Konzert, Erstaufführung, A A. '— Mittwoch 7 Uhr: F a u st, Ga^^'iel Ewald Balser, Bl.— Donnerstag halb 8 Uhr: Die Blume von Hawai, volkstümliche Vorstellung, A A.— Freitag halb 8 Uhr: Stratzenmusik, Dl. 0: Nachtserenade im Fürst en- berggarten.— Samstag halb 8 Uhr: Der Ja kobiner, B2.— Sonntaghalb 8 Uhr: Die keusche Sus-nne, AA.(Alle Vorstellungen bis auf Sonntaa, den 17. d. M. ftnden im Mahnten des Prager Frühling statt.) Wochenfpirlplan der Kleinen Bühne. Sonntag 8 Uhr: Terzettzuviert, 8 Uhr: Str-, tzenmusik.— Montag 8 Uhr: Lady Windermeres Fächer, Bankbmmte und freier Verkauf.— Dienstag 8 Uhr: Stratzen- lnusik.— Mittwoch 8 Uhr: Pariser Potpurri, volkstümliche Vorstellung.— Donnerstag 8 Uhr: LadyWindermere. Fächer.— Freitag 8 Uhr: H o— ruck, Bankbeamte und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: Wo war ich heute Nacht?, Erstaufführung.—(Alle Vorstellungen bis auf Samstag, den 16. d. M. finden im Rahmen t.? Prager Frühling statt.) Vcrclnsnadirlditcn BolkSsinggemeinde. Montag, 8 Uhr abends, autzerordentliche Ausschutzsitzung im Odb. düm, Bericht über die Teilnahme an der Olympiade.— Dienstag wichtige Probe zur Olympiade im Probelokal. FEUER-, EINBRUCH-, STURZ-, SPRENG- UND SCHMELZSICHERE „AJAX“- PANZERKASSEN Erstklassige und bewahrte Konstruktion- Prima Zeugnisse Ober erfolglose Elnbruchsversnche Feuer- un I diebessichere Bücherschränke, geheime MauerschrBnkchen, Geldkassetten usw. PANZERKASSEN- UND KASSETTEN-FABRIK loh. Otto Großer, Bodenbach a. E GEGRÜNDET 1907- PRIMA REFERENZEN- MEHRFACH PRÄMIIERT Bae Kindesmord? Prag, 0. Juni. Die Geschworenen hatten heute darüber zu entscheiden, ob die 26jährige Rosa K n o t« k ihr am 21 Jänner d. I. geborenes Kind kurz nach der Geburt getötet hat. Die Angeklagte lebt mit dem FriedhofSlvächter Ernst L ö w i t aus Maleschitz in Lebensgemeinschaft. DaS im Jänner d. I. geborene Kind ist ihr drittes. Eines ist tot zur Welt gekommen, das zweite lebt und hat eben das dritte Lebensjahr erreicht und von dem dritten behauptet die Anklage, datz die Mutier«S nach der Geburt erstickt hat. Die KindeSleiche wurde in einem Kübel aufgefunden, eingewickelt in blutige Fetzen. Nach dem Obduktionsbefund war eS ein lebensfähiges Kitck) und ist angewaltsamerErstickung gestorben. Die Anklage leitet auS den Begleitumständen die Tötungsabsicht der Mutter ab. Die Angeklagte behauptet demgegenüber, sie sei von derGeburtüberrascht worden und sie habe sichhöchstenS einer Fahrlässigkeit bei der Behandlung des Neugeborenen schuldig gemacht. Ihr Lebensgefährte Löwit wusste nichts von, der Schwangerschaft, waS die Angeklagte damit.erklärt, datz sie ihm, dem schwer Herzleidenden, die Aufregung ersparen wollte. Löwit äußerte demgegenüber Zweifel an seiner Vaterschaft, obwohl er mich bei den borgebörenen Kindern matrikengemätz al« Vater feftgestellt ist. ES war eine recht unklare Sache. Die Geschworenen stellten sich schlietzlkch auf die Seite des öffentlichen Anklägers und erkannten die Angeklagte gerade mit der erforderlichen A ch t- stimm enmehrheit für schuldig. Der SchwurgerichtShof des GR. Dr. Mareäek verurteilte sie hierauf unter Anwendung des ausseror« deutlichen Milderungsrechtes zu vierzehn Monaten schweren Kerkers. Die Zusatzfrage auf Unehren- hafftgkeit der Motive wurde von den Geschworenen verneint. rh. Kindertag Der Kindertag kann nicht, wie geplant gewesen, in Zbraslav stattfinden. Die Vertreter der Prager Organisationen treffe» morgen, Ptontag abends 7 Uhr im Parteiheim, Närodni tt. Rr. 4, zusammen, um neue Beschlüsse zu fassen. Nieinand fehle! Provokationen durch einen deutschen Gesandtschaftsbeamteu Ein Leser schreibt unS: In einer hiesigen Pension wohnt seit längerer Zeit ein Beamter der Nachrichtenabteilung der Deutschen Gesandtschaft mit Namen Wilde- g a n s, der es anscheinend darauf abgesehen hat, die Prager Bevölkerung zu provozieren und mit den Segnungen des Hitlcr-SystemS zu befreun den. Dieser Nachrichtenmann des deutschen Pro paganda-Ministeriums, dem natürlich in der Bot«j noch den Bräutigam wieder, bis sie ihm durch Zu sckiaft die in der Republik verbotenen M«,f dem WenzelSplatz begegnete. 5" Bezugsbedingungen: Bet Zustellung mS SauS oder bei Bezug durch dte Poft monatlich AS 16.—. vierteljährig US 48—, halbjährig Kä 96.—. ganziähng Kä 192.—— Jnierme werden laut Tarif billigst berechnet. Bet öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bet Einsendung der Retourmarken.— Die ZetmngSfrankatur wurde von der Post- und Telegraphen- -tnn mit krlatz Nr. 18.800/Vn/1080 bewilligt.— Druckerei: ,/vrbiS" Druck- Verlags« und ZettungS-A.-G. Prag. Sport• Spiel• Körperpflege 25 Jahre Atus Der ertveiterte Bundesvorstand hielt vor kurzem eine zweitägige Sitzung ab, in welcher alle wichtigen organisatorischen und sportpolitischen Fragen beraten wurden. Das Arbeitsprogramnt für das zweite Halbjahr wurde festgesetzt. In diesem nimmt daS 25jährige Bestandjubiläum des Verbandes einen wichtigen Platz ein. Alle Vereine werden am gleichen Tage Festabende mit gleichem Programm abhalten. Auch das Radio wird in den Dienst der Feier gestellt. Wichtig ist ferner der Beschlutz, an den sogenannten Volkswehrtagen mit den Wehrsportlern teilzunehmen. Die Teilnahme an der PragerOlympiade wurde besonders beraten und die letzten Vorkehrungen getroffen. Die Organisation des AtuS steht trotz der schwierigen Verhältnisse festgefügt und a k t i v da, wenn auch durch die Arbeitslosigkeit ein Abgang an Mitgliedern zu verzeichnen ist. Ein grotzeS Frauen-KreiSfest int 6. Egerländerkreis, welches am 6. Juli stattfindet, soll die Frauen, dieses Kreises in vollständig selbständiger Arbeit auf den Plan bringen. Man rechnet mit der Teilnahme von einige» tausend Turnerinnen und Sportlerinnen. ticrlchtssaal Zwölf arme Frauen Dieb und Hriralsschwindler Prag, 0. Juni.„Herr GerichtSrat, dieser Mann gehört«»den Galgen! A n d e n G a l g e n gehört er!" Diese deutschgesprochenen Worte schrie heute vor dem Senat Waldmann eine Frau dem Angeklagten Josef PodhorskhinS Gesicht, einem berufsmässigen Dieb und Betrüger mit nicht weniger als achtzehn Vorstrafen. Drei dieser Vorstrafen lauten auf je zwei Jahre schweren Kerkers. Der Angeklagte betrachtete ironisch lächelnd seine prachtvoll manikürten Fingernägel. Er ist 86 Jahre alt, ehemaliger Privatbeamter, ein Mann von miSgesuchter Eleganz, mit HornbrU«, ausgezeichneten Manieren und einem sicheren, leisen und formvollendetem Auftreten. Zwölf geschädigte Zeuginnen treten auf. Kleine, armselige Existenzen. Bedienerinnen, Verkäuferinnen, Hausgehilfinnen. Die Anklage lautet teils auf B ctrug, teils auf Diebstahl. Diese Hyäne hat auch noch auS der Aratut Geld zu münzen gewusst. Er suchte sich nicht die Jüngsten aus und nicht die Schönsten. Er redete von Heirat und schwindelte den einsamen Frauen ihren letzten Heller ab, oder raubte ihnen, nachdem Per Film Die Freundin eine» grotzen Mannes Soll man sich über die Dmmnheiten wundern, die hier geredet und gesungen werden? Soll man die Geschmacklosigkeit rügen, die hier aus den Nöten eines KleinftadtthcaterS eine krampfhafte Komödie macht? Soll man eS den Autoren Übelnehmen, dass ihnen nichts Gescheites eingefallen ist? Oder, soll man die Mitwirkenden bedauern: den Schauspieler Paul Wegener, der die mittelmätzige Regie mit seinem Namen gedeckt hat, die einstmals hoftnungS- volle Käthe von Nagy, die sich hier lächerlich macht, den sichtlich heruntergekommenen Theodor L o o S und die talenfterte, aber hier mit aufdringlichen Uebertreibungen auftrumpfende Jeffie V i h- er tage- und wochenlang bei ihnen schmarotzt hatte, ihre Wohnung auS. Wo eS sich schickte, bestahl er auch die Nachbarn. Die Frau, die den Aufichrei auSstietz, datz er„a n d e n G a l g e n gehöre", ist eine Bedienerin auS T c p l i tz. Er hat bei ihr gewohnt und, als sie eines DageS ihrer Beschäftigung nachging, ihre Wohnung völlig ausgeplündert. Wäsche, Kleider, Betten uiü>— fünfzehn Kronen, ihren ganzenDesitz an Bargeld! I Aehnlicher Art sind mich die anderen eingeklagten Delikte, mit denen die Anklageschrift zehn Maschinenseiten füllt. Insgesamt beträgt der Schaden 16.000 Kä"~ bis Dezember v. I. Verlangen eines Opfers, zelsplatz erkannte. Diese er ihr klagte, datz er Hunger und nichts zu essen habe, einen Ring„für einen Tag" geliehen, auf den er sich angeblich etwas ausborgen wollt«, um ihn am nächsten Tage zurückzubringen, i Natürlich sah die Leichtgläubige weder den Ring, .——.-Li-., t—-—.z r,j. verbotenen^ fall auf dem WenzelSplatz begegnete. Die Polizei reichsdeutschen Zeitungen zugänglich erkannte in ihm einen alten Bekannten, auf den be» sind, setzt sich mit einer Frechheit über die tschecho-' slowakischen Gesetze hinweg, die ihresgleichen sucht. Anstatt, wie cs das Gesetz befiehlt, die ver botenen Zeitungen im Gebäude der Botschaft zu lesen, nimmt sic Herr WildegmtS mit aus dem HauS. breitet den„Völkischen Beobach te r", die»B e r l i n e r I ll u st r i c r t c Z e i« t u n g" provokatorisch in der S t r a tz e n b a b tt aus, und v e r t e i l t sic dann mich noch an andere Leute. Schon mehrfach ist es mit diesem Hitler- Propagandisten zu Reibereien gekommen, weil die tschechoslowakischen Bürger nicht cinsehen, datz dieser Wildcgans die Gesetze des Staates mihachtcn darf. Zl, 10.478/84-1. Lehrerbildungsanstalt, Biolin- und Gesangsunterricht. Ausschreibung. Bei der städtischen Lehrerbildungsanstalt«st Koedukation in Aussig gelangt mit Beginn deS Schuljahres 1031/85 eine interne LeyrfteNe für die Erteilung des Gesangs- und Biolinunter» richteS für Lehrpersonen ntit voller Befähigung auS diesen Fächern für Mittelschulen und Lehrerbil- dungsanstalten vertragsmässig zur Besetzung. Die Aufteilung der Lehrverpflichtung mrf die übrigen städtischen Lehranstalten wird Vorbehalten. Die Entlohnung erfolgt nach den Grundsätzen deS Gesetzes Slg. 104/26. Bewerbungen, denen der Nachweis der bollen Lehrbefähigung, das Personalblatt und ein kurzes curriculum Vitae beizuschliessen ist, sind geschlossen mit der Aufschrift„Lehrerbildungsanstalt Lehrstelle Zahl 10.478/84-1" bis 80. Juni 1084 beim Stadtamt Aussig einzubringen. Stadtrat Aussig, am 6, Juni 1084. 2425 Der Bürgermeister: Leopold Pölzt. verlanget überall DoHuziinder!