IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEM REPUBLIK IRSCHBNT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion UND Verwaltung mag XII., fochova tr. thefon sam. Administration tekton sxm. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Einzelpreis 70 MH» (olntchlioSllch 5 Holler Porto) 14. Jahrgang Donnerstag, 14. Juni 1934 Nr. 137 Abrüstung Henlein-Mann als Hitler-Kurier! niscrahcl getarnt! Westböhmische Mitglieder der Sudetendeutschen Heimatfront— ehemalige DNSAP-Leute wegen staatsfeindlicher Hltlerpropaganda verhaftet! ohne Kontrolle Genf, 13. Juni. DaS von» Hauptanoschusi der Allgemeinen Abrüstungskonferenz mit der Prüfung der Turchfülirungög«rantien bezüglich des AbrüstungSabkominrnö betraute Tonder- komitee hat heute nachmittags hier unter dem Borsil« drS belgischen Delegierten Bourquin seine Arbeiten eröffnet. Ja der allgemeinen AuSsprache legte dor französische Drlcgiortc Albert dm Stand- vunkt der französischen Regierung dar. Der Ber- kreier JnpanS, Jokojama, betonte, das« Japan mit dem Prinzip der Abrüstungskontrolle nicht über- einstimme und denselben Standpunkt in bezug auf doS Problem der Garantien vertrete. Der japa- nifche Delegierte wird deshalb in diesem Komitee bloß die Rolle eines Beobachters rinnehmm. Dem» gegenüber machte der russische Delegierte Stein darauf aufmerksam, daß alle Verpflichtungen, bc> trcffmd die Kontrolle und die Garantien allgemeinen Charakter haben müfsm. An der weiteren Debatte beteiligtm sich der Vertreter der Bereinigten Staaten Wilson und der Vertreter Polens Komarnicki. AuS der Aussprache der rrstm Sitzung drS genannten Komitees geht hervor, daß einige Regierungrtc die Möglichkeit der Rüstungskontrolle überhaupt nicht in Betracht zu ztehm bcabsichtigm und daß sie nicht die Absicht haben, Garant!m für die Erfüllung der Verpflichtungen eines künftigen Abtonnncns auf sich zu nehmen oder zu geben. ES entsteht somit di« Frage, ob eö unter diesm Umständen rinm Zweck hat, die Le- ratungm in Genf in Sonderauöschüffm der All- zemeinm AbrüstungSkonfermz fortzusetzen. Italien baut zwei Großkampfschiffe Rom, 11. Juni. Die italienische Regierung hat beschlossm, in diesem Jahr zwei Panzerkreuzer von je 35.000 Tonnen auf Stapel zu legen. Die über diesen Beschluß auSgrgebme amtliche Meldung hat folgendm Wortlaut: Rach dem Vertrage von Washington hat Italien daS Recht» 70.000 Tonnen an Panzrrkren» zern zu Sauen. Aber eS hat sich biiHer dcs Baurs enthalten, um nicht die etwaigm Ergebnisse der Jlottenkonserrnz im besonderen und der Abrü- siungskonfcrcnz im Mgemrinrn zu beeinträchtigen, vrel Milliarden kür neue Befestigungen Freitag Debatte in der französischen Kammer Paris, 13. Juni. Die Kammer hat auf das Programm ihrer Freitag-Sitzung die Genehmigung der außerordentlichen Ausgaben von drei Milliarden Franken für Zwecke der BefcstigungS- und Sicherungsarbeiten militärischen Charakters für das Kriegsministerium, das Marine- und daS Luftfahrtministerium gesetzt. Die Radikalen haben beschlossen, daß sie f ü r die Annahme dieses Nach- tragSbudgetS stimmen werden. /urtel Regierungsdelegierte auf der Arbeitskonferenz Genf, 13. Juni. Auf der Internationalen Arbeitskonfercnz in Genf wurde heute festgestcllt, daß die Zahl der Delegationen, denen weder Arbeiterdelegierte noch Vertreter der Arbeitgeber angehören, wieder gestiegen ist. Im Jahre 1SS3 gab es 12 derartige Delegationen, während ihre Zahl heute auf 19 gestiegen ist. Der britische Arbeiterdelegierte.Hahdah beschwerte sich wegen der unberechtigten Begünstigungen, die sich aus diesem Umstande für He Negierungsdelegation bei Abstimmungen ergaben. Es wurde auch darauf verwiesen, daß Oesterreich nur einen Regierungsdelegierten entsairdte und daß überhaupt niemand die österreichischen Arbeiter vertrete, was sich nur als eine ungesunde Erscheinung in der Politik bezeich- . neu lasse. Heute wurde die allgemeine Aussprache über den. Bericht dcS Direktors des Internationalen Arbeitsamtes Buller eröffnet. Karlsbad, 13. Juni.(Eigenbericht.) Vorige Woche wurde an der sächsischen Grenze bei Markhausen der zwanzigjährige, in Zwodau wohnhafte Bauzeichner Bruno Herz von einer Gendarmeriepatrouillr gestellt und zur AuSwriö- lristung aufgefordert. Rach langem Zögern zog er alS einziges Dokument eine Parteilegitimation der Sndetendeutfchen H e i m a t f r o n t hervor. DaS unsichere Wesen deS Herrn veranlaßte die Gcndarmm, feine nähere Durchsuchung vorzimchmeu. wobei Mitteilungen gefunden wurden, welche keinen Zweifel darüber ließen, daß hier der Gendarmerie ein Kurier in die Hände gefallen war. U. a. halte Herz zwei u n f r a n k i e r t e B r i e f r» die erst in Klingenthal zur Post gegeben worden sollten, bei sich, welche an dir beiden nach Deutschland geflüchteten Falkenauer Haken kreuz- l e r Hinke und Alfred Bodem adressiert waren. Außerdem fand man bei Ihm die Texte znLiedernmit dirrkthoch- vcrrSterischcm Inhalte. In diesen Liedern werden dir jungen Sudrtrn- Warschau, 13. Juni. Die der Regierung nahestehende Nachrichtenagentur Jiskra meldet, daß Marschall Pilsudski leicht erkrankt ist und das Bett hüten muß. Aus diesem Grunde wird wahrscheinlich die für morgen angekündigte Audienz deS Ministers Dr. Goebbels beim Marschall entfallen. Wie verlautet, wird auch die vorgesehene Audienz GdrbbelS beim Präsidenten der Republik morgen entfallen und der Minister wird sich lediglich in daS Audieuzbuch auf dem Königsschloß eintragen. Der Besuch Dr. Goebbels findet heute lediglich in der oppositionellen Presse ein lebhaftes Echo. Die regierungsfreundliche Presse veröffentlicht vorläufig keinen Kommentar. Bon der oppo- sttionellen Presse ergeht sich besonders daS Hauptorgan der sozialistischen Partei„Robotnik" in den schärfsten Angriffen, der Minister Goebbels als auch die Initiatoren seines Besuche- in Warschau deutschen aufgerufen, sich bereit zu halten und sich zu rüsten z u m K a m p f e, um Volk und Land vom Slawen joch zu befreien. Diese Lieder trugen den Vermerk: Gewidmet meinem F r e u n d H i n k e. Die Oeffnung der Briefe ergab, daß diese von FranzPlrier auS Zwodau stammten. ES wurde darin der' Freude Ausdruck gegeben, daß die an- deren drüben fein können. Sie möchten i nur oft schreiben. Plrier leugnete arst hartnäckig und erllärte ganz frech, weder dm Herz zu keu- nen, noch dm Brief geschrieben zu habm. Die weitere Nntersuchung ergab jedoch, daß Plcier so schlau gewesen war, die Briefe von seiner Frau schreiben zu lassen. Nachdem dieü festgestellt war,| bequemte sich Plcier zu einem Geständnie. Auch P l e i e r ist M i t g l i e d der Sude»! tendeutschrn Hei matfront. Früher waren beide, Herz und Plcier, in der aufgelösten Hakenkreuzpartei tätig. Tie beiden wurden zuerst nach Eger emgelicfert und dann dem KreiS- geeicht in Pilse» überstellt, welches die weiter« Untersuchung durchführen wird. angreift. Selbstverständlich werden auch in der jüdischen Presse heftige Angriffe gegen Goebbelü gerichtet. Die katholische Presseagentur, veröffentlicht heute rin Kommuniqure, in welchem eö u. a. heißt, daß trotz den aufrichtigen Wunsches zur Aufrechterhaltung friedlicher Rachbarbeziehungen mit Deutschland die katholische Oeffentlichkeit Polens sich nicht ohne Vorbehalt zu dem Besuche Dr. Goebbels verhalte. Die Ursache dieser Vorbehalte liege in der bekannten Ideologie deS Nationalsozialismus, in der Brrfolgung der katholischen Kirche in Deutschland, der Einkerkerung katholischer Geistlicher, in der Nichteinhaltung des Konkordaisvertrages ufw. Trotz allen Vorsichtsmaßnahmen kam es in den späten Abendstunden seitens der sozialistischen Arbeiterschaft in der Warerka-Gassr und seitens der jüdischen Bevölkerung Warschaus in dem jüdischen Stadtviertel zu Ttraßmdemonstrationen. Herr Konrad Henlein hat die ihni zuge- wiosene Aufgabe,— von wem ist nicht schwer zu erraten— seine„sudetcndeutsche Heimat- front" zum Auffangbccken der Mitglieder der aufgelösten Nationalsozialistischen Partei zu machen, zur Not ausreichend damit getarnt zu haben geglaubt, daß er versicherte, auf dem Do den dcs tschechoslowakischen Staates zu stehen, und bestritt, daß seine Gründung eine Fortsetzung der Partei der Jung und Krebs sei. Nicht nur sein Gefolge wußte es anders, auch die tschechische Oeffentlichkeit brachte seinen mitunter bis zur Speichelleckerei gesteigerten Lotzalitätsbcknn- düngen Mißtrauen entgegen. Daß die tschechische Demokratie sich bisher gegen die von ihm betrie. bene und Hitler sorgfältig abgelauschte Nazi- Propaganda nicht energisch zur Wehr gesetzt hat, liegt daran, daß Henlein der nicht nur von uns, sondern auch von tschechischen Blättern an ibn immer aufs neue gestellten Frage, wie er zu Hitler stehe, absolutes Schweigen entgegensetzte und so dem fascistisch infizierten Teil des„Deut- scheu LandstandeS" ermöglichte, seine Hand schift, zend über der Hcnleinsront zu hatten, mit der so mancher der Landständler sogar ein Znsam- mengehen bei den nächsten Parlamentswahlen erträumt. Henlein hätte sein Schweigen noch weiter fortgesetzt, wenn nicht die ihn deckende» Landständler endlich doch cingeschcn hätten, das; ihre Mithilfe bei Verschleierung der wahren Ziele und Absichten Henleins sich mit ihrer Rolle als der einer demokratischen Regierungspartei schleckt verträgt und wenn sic ihn daher nicht durch ihre Presse aufgcfordert hätten, doch endlich die„fal- schen Generalisierungen" der sozialdemokratischen Presse hinfällig zu machen. Der sich selbst zum„Führer" des Sudeten- dcutschtumS erkürte Herr Henlein hat daraus in seiner„Rnndschan" eine Erklärung veröffentlicht, die er vielleicht als ein Meisterstück der Psissig- kcit und der Rabulistik anschen mag, die aber alles eher ist als eine Lüftung seines Hauptbc- Helses, der Tarnkappe, und eine offene Absage an Hitler. Man darf neugierig sein, ob die land- ständische Hinneigung zu.Henlein auch nach diesem von ihm aufgesührten Eiertanz aufrecht bleibt. Mag sein, das; der mit besonderer Vor- liebe betonte Aktivismus dieser deutschen Regierungspartei sich auch jetzt noch begrisssftitzig, blind und taub stellt; um ihm nun bei dem Ringen nach Klarheit, zu dem er sich doch verpflichtet fühlen müßte, zu Hilfe zu kommen, wollen wir ihm vorsühren, waS sich am gestrigen Tage in einem Prager Gcrichtssaal zugetragen hat. Ein Hcnleinfrontler, der Rcchtsanlvalt Dr. Adolf Kellner, Gründer der Trautenauer Ortsgruppe der„Sudetcndcutschcn Heimatsfront", hat die Unvorsichtigkeit begangen, an drei Artikeln unseres PartciblatteS, des„Trautenauer Echo", Anstoß zu nehmen, die sich im September und -Oktober vorigen Jahres polemisch mit der da- mals frisch aufgezogenen Gründung des Herrn Henlein befaßten. Herr Dr. Kellner fühlte sich bemüßigt, den Verantwortlichen Redakteur deS „Trautenauer Echo" u. a. wegen eines Artikels zu klagen, in dem ansgcsührt wurde, die„Su- dctcndeutsche Heimatsront" sei nichts anderes, als eine Tarnung der soeben aufgelösten, bezw. eingestellten nationalsozialistischen und Nationalpartei. Henlein wird über diese Entgleisung seines Anhängers wenig erfreut sein, denn der Beklagte bot den Wahrheitsbeweis für diese Behauptung an und stellte durch seinen Rechtsanwalt unifas- sende Bcweisanträgc, mit denen sich das Pressegericht zu befassen haben wird. Es wurde unter Beweis gestellt, daß der Privatklägcr Dr. Adolf Kellner selbst bis zur Auflösung der national- sozialistischen Partei deren Mitglied und Mandatar gewesen ist. Noch am 26. September v. II., also unmittelbar vor ihrer Auflösung wurde Dr. Kellner von dieser Partei in die Rcchtskom- mission der Trautenauer Stadtvertretuug entsendet und ebenso in den Ortsschulrat. Schon in den ersten Oktobertagen hat Dr. Kellner bereits als Goebbels triumphaler Einzug In Warschau Fiasko Goebbels Straßendemonstrationen in Warschau Empfang ohne den Staatspräsidenten und Pilsudski «ette« 9h. 187 Donnerstag, 14. Juni 1034 Hintergründe des lettischen Pnlsches FascIsmus nach deutschem Muster Warum kämpften die Arbeiter nicht? In der„Internationalen Information" schreibt ein in der Illegalen Arbeit stehender lettischer Genosseu. a.: Als offizielle Begründung für den Staatsstreich gilt die angebliche Gefahr eines Bürgerkrieges, der durch einen Aufstand der„Legionäre" feiner fafcistifchcu Gruppe) zu befürchten Ivar, die Unfähigkeit des Parlaments, eine energische Wirtschaftspolitik zu machen, und der Kampf gegen Korruption. Jedes Kind weist jedoch in Lettland, dast die„Legionäre" eine bedeutungslose Gruppe sind, die keinerlei Gefahr darstellcn konnten, dast für die Wirtschaftspolitik die bürgerliche Mehrheit des Sejm verantwortlich ist,— in erster Linie der Bauernverband selbst—, und dast der Bauernverband und speziell sein neugebackener „Führer" lllinaniö am allermeisten in schmutzige KorruptionSaffärcn und Schwindeleien verwickelt sind. Wie es scheint, wird sich UlmaniS nicht mit der Machtergreifung begnügen, sondern er wird einen„totalen Staat" errichten wollen. Sowohl in der Phraseologie, wie im ganzen Vorgehen ahmt der lettische FasciSmuS Hitler und Dollfutz sklavisch,— bis ins Komische— nach. Es ist aber zweifelhaft, ob eS Ulmanis gelingen wird, einen „totalen Staat" zu etablieren. Trotz der Kapitu- lation aller bürgerlichen Parteien, ist die soziale Basis dieser Regierung austcrordentlich schwach, cS stehen keine Massen hinter ihr. Sic geniestt auch in keinerlei Weise die Sympathie der Bevölkerung. Immerhin ist die Möglichkeit des Anwachsens einer fascistischcn, nationalsozialistischen Massenbewegung nicht ausgeschlossen. Die auhcnpolitischc Orientierung der neuen Regierung ist noch nicht ganz klar. Eö wäre aber ganz falsch anzunehmcn, dast der Umsturz auf den Kampf gegen den„Nationalsozialismus" in den baltischen Ländern anSgehen soll. Die einzige Trägerin der antihitlerischcn Bewegung war in Lettland die Sozialdemokratie. Der lettische FasciömuS wird allenfalls Deutschland gegen Sowjctruhland unterstützen. Gegenwärtig herrscht in Lettland sascistischer 1 Terror, Passanten werden in das sozialdemokratische Bolkshaus,— das jetzt„Ajssargow Haus" heisst— geschleppt und dort unmenschlich geprügelt. Ebenso werden zufällig verhaftete Arbeiter in den Polizeilokalen gepriigelt. Hunderte von Personen, unter denen sich viele befinden, die mit der Arbeiterbewegung nichts zu tun hatten, wer-> den unter schrecklichen Bedingungen gefangengc« halten. Die Gefangenen werden häufig geschlagen. Der Vorsitzende des Sejm P. K a l n i n soll einen Hungerstreik angckündigt haben. Aber warum hat die Arbeiterklasse den Fasci« sten keinen Widerstand entgegengesetzt? Zunächst must festgcstellt werden, dast eS sich nicht um gleichstarke Gegner gehandelt hat. Auf der einen Seite befanden sich die Polizei, die Ajsiargi und die Mehrheit der Armee—, auf der anderen eine wenig zahlreiche, schwach organisierte infolge Arbeitslosigkeit und durch die Spaltung geschwächte Arbeiterschaft. Trotzdem hat die Sozialdemokratie wiederholt erklärt, dast sie unabhängig von den Aussichten auf Erfolg einen Versuch eines Staatsstreichs durch den Aufruf zum Generalstreik und zum bewaffneten Aufstand beantworten wird. Wenn das nicht eingetroffen ist, so vor allem weil der Putsch so unerwartet aus« gebrochen ist, dast selbst einige Minister davon erst durch die Zeitungen erfahren haben. Auherdem hat die Verhaftung aller Führer die Bewegung sofort enthauptet. Aber auch die eigenen Fehler der Partei haben sich in erheblichem Maste ausgewirkt: unzulängliche konkrete Vorbereitung für den Kampf, ungenügender Kontakt mit den Arbeitern in den Betrieben, Unbeweglichkeit und Unselbständigkeit der unteren Instanzen des Parteiapparates I Die sozialdemokratische Arbeiterbewegung ist jetzt vollständig desorganisiert und führerlos. lDie Kommunisten, die schon von früher her einen aktionSfähigcn illegalen Apparat hatten, haben unter den gegenwärtigen Verfolgungen nicht viel gelitten.) Die Massen sind passiv, trotzdem ist sich die lettische Sozialdemokratie bewusst, dass der heutige Sieg des FasciSmuS noch nicht den Ab- schluh dcS Kampfes bedeutet. Sic rüstet zum weiteren Kampf. ES wird eine neue, illegale Organisation ausgebaut. Eö sind schon mehrere illegale sozialdemokratische Flugblätter erschienen. In diesem ihrem Kampf hoffen die lettischen Sozialdemokraten auf die Unterstützung der ausländischen Genossen, vor allem durch Entlarvung der Lügen der lettischen offiziellen Depeschenagcntur, durch wirtschaftlichen Druck auf Lettland(letzteres betrifft besonders England— als Hauptabnehmer der lettischen Butter) durch Brandmarkung der Verbrechen des fascistifchen Regimes. Auf diese Weise können auch die Sozialisten in Westeuropa den Befreiungskampf des lettischen Proletariats wesentlich fördern. Maßnahmen gegen den Streik der Metallarbeiter In Amerika Washington, 13. Juni.(Reuter.) Die amerikanische Regierung bereitet, wie verlautet, eine äußerst dringliche Resolution vor, durch die Roosevelt zwecks Bekämpfung der Gefahr des Streiks von 400.000 Metallarbeitern mit besonderen Vollmachten anSgcstattet iverden soll. Gründer der Trautenaucr Ortsgruppe der„Su- detcndeutschcn Hciiiiatfront" sich betätigt und liest in einer Trautciiauer Zeitung verkünden, dast Beitrittserklärungen zu der neuen„Bewegung" in seiner Advokaturskanzlei entgcgcngenoninicn würden. Zum Beweis, daß es sich keineswegs um einen einzelnen Fall von politischer Eguilibristik und zauberhaft schnellen„Gesinnungswandels" handelt, mag die Tatsache dienen, dast auch der jetzige Obmann der„Sudetendeutschen Heimat- front", Dr. Karl Wenzelides, Mandatar der Na tionalsozialisten gewesen ist und noch im September 1933 von der nationalsozialistischen Partei in die Prcssekommission der Stadt Trautenau entsendet wurde. Meint jemand, dast das alles ist? Die Tarnung der Heimatfront durch Hinterhältigkeiten, Unklarheiten und heuchlerische Loyalitätsbeteue- rungen mag einige Geschicklichkeit beweisen, doch wer die Leute ins Auge fasst, die das Rückgrat der Gründung Henleins bilden, der erkennt, wie schlecht die Tarnung gelungen ist, denn der Apparat der aufgelösten Nazipartei wurde mit ihnen zu einem sehr wesentlichen Teile ohne Scham und Scheu einfach übernommen. Inwieweit die auf ein breites Bewcisthema gestellten Beweisanträgc der Richtigkeit entsprechen, wird das Gericht zu überprüfen haben, jedenfalls wurde unter Beilage ausführlichen Materials der Beweis dafiir angetreten, dass bei— was nur ein kleiner Ausschnitt ist— 38 Ortsgruppen der „Sudctendeutschen Heimatfront", und zwar aus allen Gebieten des Staates, in Böhmen, Mäh- ren und Schlesien, die Leitung in den Händen von Angehörigen der aufgelösten Parteien liegt, in den wettaus meisten Fällen in den Händen „ehemaliger" Nationalsozialisten. Einige dieser Orte seien hier genannt. Es sind dies: Kroch- witz, Losdorf, Altstadt, Riegersdorf, Braunau, Märzdorf, Hermsdorf, Niedergrund, Schönlinde, Odrau, Hirschberg, Niemes, Reichstadt, Böh. mischdorf. Man wird nach allem verstehen, warum Henlein so ängstlich bemüht ist, ein mystisches Dunkel um sich herum zu verbreiten und auf die Frage: wie stehst du zu Hitler, keine andere Antwort weiss, als: Hitler ist Kanzler des Deutschen Reichs und der Führer des NattonalsozialiSmuS. Würde er nicht durch sein ganzes Verhalten in seiner Gefolgschaft die Ueberzcugung bestärken, dass seine Loyalität nur Mittel zu seinen wahren Zwecken ist, so wäre seine Front ein dürftiges Gebilde. Nur weil die ehemaligen Nazis wissm, dass sic es mit Lippenbekenntnissen Henleins zu tun haben, die keine ehrliche demokra- tische Gesinnung zur Grundlage haben, sind sie ihm in hellen Haufen zugelaufen. Bleibt nur noch die Frage: wie steht eS nun mit der Konzeption Spina-Hcnlein? Kann sie noch weiterhin ein Problem für den angeblich so regierungstreuen Landstand bleiben? Zünfftlerlscher„Gemeinnutz** Unter dem Titel ,,Hic Ständebund— dort Heimatfront" bringt das„Novdb. Tagblatt" einen mit T—t gezeichnetenArtikel, der nur wahreHym- nen auf Henlein darstellt und mit dem kategorischen Sat> schliesst:„Das deutsche Handwerk und der Kaufmannstand gehören in die Sudetendeutsche Heimatfront". Woher der Wind weht und worin das eigentliche Ziel der Heimatsrontler ist, verrät nachstehende Stelle des Artikels drastisch genug: „Betrachten wir wt» einmal die Gemeindestuben. Die Erhalter der Gemeinden, das sind die Erwerbsteucrzahler des Handwerkers uitd Handels, werden sehr häufig von Parteisekretären oder Konsum« nge st«ll- t e n vertreten, die die Nöte der freien Schaffenden nicht entsprechend, kennen. Diese Leute beschließen, was mit dem Gelde der anderen zu geschehen hat. Wer dabei am nieistcn dranfgezahlt hat, ist der Kaufmann und der Handtverker. Als junger Meister konnte er sich Hilfskräfte leisten und heute auf die alten Tage will es nicht mehr ztim Leben reichen, nicht zuletzt durch die Fabrikantentätigkeit mit Großhandel der marxistischen Parteien. Da hilft mir eines: Weg mit den alten Parteien, die nicht fähig waren, unseren Le- benSraum, den gesetzlich gewährleisteten Platz zu erhalten." Nack'dent man vorher das bekannte Nazi- wort zitiert hatte„Gcincinnutz geht vor Eigennutz", stellt eS sich heraus, dass eS dem HeimatS- frontler T—t dock um dr Eigennutz dec Zünftler Aus der Partei Einige sozialistische Studenten haben«nter dem Titel„Sozialistische Aktion" rin „OpposittonSblatt" herauSgcgcben, mit dessen Hilfe sie, wie sie ankündigen, der programmatisch zerfahrenen Opposition einen Sammelpunft geben wollen. Dass sie dabei gegen die Partei und einzelne Parteifunktionäre in niedrigster Weise losziehen, ist bei derartigen Unternehmungen üblich. Hinter dem Blatt steht buchstäblich kein Arbeiter«nd kein Vertrauensmann der Partei, sondern einzig und allein eine Handvoll von Studenten. Um allen Versuchen einer Irreführung der Parteiöffentlichkeft vorzubengen, wird mitge- teilt, dass der Parteivorstand gegen die Herausgeber de» Blattes einstimmig das Ausschlussverfahren eingcleitet hat. geht, die ihren„gesetzlich gewährleisteten Platz", ihren„LebcnSraum", ihren Einfluss in den Gc- meindestuben etc. gegen die verdammten— Marxisten wiederhcrgcstcllt haben möchten. Und das Witt) Henlein, dieser„aufrechte, grade deutsche Mann ohn Falsch", als„Retter" besorgenl Die Radikalisierung der slowakisch-autono- mistischen Jugend. Wie die„Lidovö Noviny" berichten, sind die radikalen Strömungen unter der autonomistischcn Jugend in der Slowakei stärker geworden. Diese Richtung gruppiert sich um das Blatt„Nästup", in welchem die Umwandlung der Tschechoslowakei in einen dualistischen Staat propagiert wird. Die gemeinsamen Angelegenheiten hätten sich nur auf den Staatspräsidenten, auf die auswärtige Politik und auf die Landesverteidigung zu beschränken. Alles andere müßte in die Kompetenz des slowakischen Landtages fallen. Diesem Landtag müsste die flowakische Regierung verantwortlich sein. DaS Streben dieser Richtung ist eö, einen autonomistischcn Block in der Slowakei mit Einschluss der Magyaren zu schaffen. Bürgermeisterwahl in Tannwald. Die durck den Rücktritt des dcutschbürgcrlichcn Bürgermeisters Fritsch, den die Treibereien im eigenen Lager die Weiterarbeit unmöglich machten, notwendig gewordene Ersatzwahl wurde Freitag, den 8. Juni, vorgcnommcn. Gewählt wurde im zweiten Wahlgang zum Bürgermeister der tschechische Genosse D o u b e t mit 16 Stimmen, zum ersten Vizebürgermeister der deutsche Sozialdemokrat Genosse U l l m a n n mit zehn Stimmen und zum zweite» Vizebürgermeister der tschechische Nationalsozialist W e d r a l mit zehn Stimmen. Mit unseren Genossen, die sich selbstverständlich in der Wahl zwischen dem Dcutschbürgerlichrn und dem tschechischen Genossen nur für diesen entscheiden konnten, stimmten auch vier Kommunisten für Genossen Doubek als Bürgermeister. Der Senat hielt gestern eine 15 Minuten- Sihung ab, in der lediglich ein Zusatzprotokoll zum Handelsvertrag mit den Niederlanden verhandelt wurde, das die Verzollung von gewissen Pflanzen, Bäumen und Sträuchern sowie von frischem Kraut, das aus Holland eingeführt wird, regelt. Die Referenten wiesen darauf hin, dass unser Export nach Holland in den letzten Jahren stark gesunken ist, so daß unsere Handelsbilanz Holland gegenüber heuer bereits passiv ist.— Nächste Sitzung Dienstag, den 10. Juni um 16 Uhr. Tagesordnung: Novelle über die Schiedsgerichte der Arbciterunfallvcrsicherung, zweite Lesung, Immunitäten. 35 Unsere Töchter, die Nazinen Roman von HMmynla Zur Mühlen Claudia schrie die SA-Männer an: „Laßt den Alten los, ihr Bestien, ihr Mörder?" Der alte Huber sagte hastig: „Gehen Sic, mein Kind, gehen Sie. Mir ist nicht zu helfen." Claudia aber klammerte sich fester an ihn und schrie über den ganzen Platz: „Könnt ihr den» nicht helfen? Seid ihr alle Feiglinge?" Sie riß das das Hakenkreuz von ihrer Brust und warf es dem Anführer des Trupps ins Gesicht. „Euer Mordabzeichcn. Das Abzeichen der Feigen I" Und dann schrie sic wieder: „Rettet den alten Mann. Schlagt die Bestien tot." Eine große Menge hatte sich plötzlich ange- sammelt. Die Menschen schienen aus der Erde zu wachsen und den Zug zu umgeben. Ein junger Mensch sprang vor, stellte sich neben Claudia und den alten Huber und zog ein Messer hervor. Und nun kamen die Menschen immer näher, schwarz, drohend. Ein paar Stimmen begannen die Internationale zu singen. Schon waren die SA-Männer umringt. Aber die Unseren, jetzt darf ich es wohl wagen, die Unseren zu sagen, hatten keine Waffen. Und dann knallten die Schüsse, die ich gehört hatte. Der erste traf den jungen Menschen, der zweite Claudia. Der Zug schritt weiter und liess die beiden Toten liegen. Sie wurden von den Unseren aufgehoben und sortgetragen. Am Abend brachten sie mir mein Kind. Liebevolle Hände hatten die Wunde in Claudias Stirn gereinigt und ihre Kleidung in Ordnung gebracht. Fremde Menschen kamen zusammen mit Fritz und Scppel. Sie drückten mir die Hand, einige alte Frauen und junge Mädchen küssten mich. Kaki bestand darauf, die Nacht bei mir zu verbringen. ES wäre nicht nötig gewesen. Ich fass bis zum Morgengrauen neben Claudias Bett. Nun hatte ich mein Kind Ivieder. Nun Ivar ich bei allem Schmerz glücklich, weil ich um eS weinen durfte. Sie war sehr schön, meine Claudia. Ueber ihren Zügen lag eine wundervolle Ruhe, und ich sah, vielleicht zum erstenmal, wie edel ihre Stirn war. Und auch die Hände, die ich immer an ihr geliebt hatte, die Hände, die von Mut und wahrer Vornehmheit sprachen, hatten nicht gelogen. Die Fenster standen offen, und aus dem Garten duftete der Jasmin in das stille Ziipmcr. Das Gewitter, das spätnachmittags auSgebrochen war, hatte sich verzogen; über dem See leuchteten die Sterne. Nur in weiter Ferne hörte man noch ein leises Donnergrollen. Ich hielt die kalte Hand in der meinen und dachte: sie hat den weiten Weg zu mir rasch zu« rückgclegt, meine Claudia, viel rascher, als ich zu hoffen gewagt hatte. Und ich dachte auch: sie ist die Letzte unseres Stammes und sie hat ihm im Tode Ehre gemacht. Armes verwirrtes Herz, armer verwirrter Kopf, als es in euch hell zu werden begann, konntet ihr nur sterben, aber sterben im Dienste einer guten Sache. Andere wären vielleicht klüger gewesen, andere hätten sich nicht fortreissen lassen und hätten lebend gegen die Feinde gekämpft. Du, mein Kind, konntest nur durch deinen Tod kämpfen. Aber auch das ist etwas, ist viel. Und ich bin stolz auf dich. Die Sichel des zunehmenden Mondes kam hinter einer Wolke hervor und beleuchtete silbrig Claudias weißes stilles Gesicht. Es sah au», als schlafe sie. Ihr Mund schien zu lächeln, und dieses Lächeln war, als sagte sie: „Ich bin müde, Mutter, ich muß schlafen. Aber du schläfst nicht, du wirst alles tun, was ich jetzt versäume. All das gut machen, was ich schlecht gemacht habe." Und ich drückte die schmale kalte Hand und versprach er Claudia. Kati, die die ganze Nacht im Nebenzimmer gesessen hatte, kam, sobald es zu dämmern begann. Sie staunte, als sie mich sah. Ich Ivar nicht erschöpft, ich war wohl traurig, aber nicht verzweifelt. Fast schien es mir, als habe Claudia mir ihre noch ungebrauchten Kräfte geschenkt. Am frühen Morgen ging ich zu den Eltern des jungen ManneS, der getötet worden war. Ich wusste nicht, wie sie hießen, sie kannten mich nicht, aber wir fühlten, dass wir dennoch zusammen gehören. Ich glaube, ich habe hier in der kleinen Stube dieser Arbeiter, viel bitterlicher geweint, als neben Claudias Totenbett. Der Tote war so jung, noch nicht zwanzig; ihm hatten sie viel mehr geraubt, als Claudia. Jahre, die glücklich hätten sein können. Und wie vielen, wie vielen haben sie solche Jahre der Zukunft geraubt! Wie vielen werden sie sie noch rauben? In den stillen Stunden der Totenwacht neben Claudias Bett hatte ich das Gefühl einer Vollendung, einer Erfüllung empfunden. Aber hier, bei diesem halben Kind, diesem noch fast unreifen Leben, das nie Früchte tragen würde, überkam mich ein anderes Gefühl. Zuerst ein wilder Hass, der mir das Blut in die Wangen jagte, einen roten Schleier vor meine Augen legte, den Puls in meinen Schläfen hämmern liess. Hass und Rachsucht. Es diefcn Menschen zurückzahlen, nein, nicht einmal diesen Menschen, den Tätern, sonder» den Anstiftern, denen, die Mord und Gewalt gegen Wehrlosen predigen, die mit ihren Worten Sinn in Wahnsinn verkehren, Menschlichkeit in Bestialttät. Wer sie doch er reichen könnte, diese grossen und kleinen Führer, diese aus der Nacht cmporgestiegenen Gespenster der Grausamkeit und der Heuchelei. Wer dock ihnen das antun könnte, ivas sie den andern antun. Wer doch die Mörder eines ganzen Landes töten könnte... Mein Blick fiel auf die Eltern des jungen Toten, und mein Zorn und Hass machte einen, Gefühl der Beschämung Platz. Aus ihren Zügen sprach unendliches Leid, aber auch etwas, das ick nicht zu deuten verstand: eine Entschlossenheit, eine tapfere Unbeugsamkeit, die stärker war als der Tod. Mir war, als sehe ich dem Leben ins Gesicht, dem unbesicglichen, unzerstörbaren Leben, dem Leben, daS nach dem harten Winterfröstcn von neuen Knospen treibt, die zu Blüte und Frucht werden, dem Leben nicht der Menschen, sondern der Idee. DaS hier" war nicht daS sinnlose Aufbrausen meiner Claudia, die ohne zu denken, von Ekel getrieben, nur dem Gcfiihl gehorchend in den Tod gestürzt war. ES war auch nicht die ohnmächtige Wut einer alten Frau, die aus einem Geschlecht stammte, das lange Jahrhunderte Herr über die andern gewesen war und nicht glauben konnte, dass eS für sie etwas Unmögliches gebe. Das, was ich sah, war das geduldige Ausharren einer Klasse, die in sich die Zukunft trug und die deshalb allem zum Trotz nicht überwunden werden konnte. Ich sprach voll Ehrfurcht mit diesen beiden Menschen, mir war, als liessen sie sich zu mir, zu der Vergangenheit, herab. Die Mutter des jungen Toten zeigte nur eine kleine menschliche Schwäche, die ich so gut begriff. „Wenn wir ihn nur nicht auf dem Friedhof begraben mühten", sagte sie mit erstickter Stimme.„Wer weiss, wer neben ihn zu liegen kommt." Auch ich hatte schon diesen Gedanken gehabt und erwiderte nun ein wenig schüchterns (Fortsetzung folgt.), Wr. tW DonnerSta«, 14. 9imi 1934 CWte 8 Roosevelt nimmt Zahlungen ___ Ä L.? tlf Ein Interessanter Vorschlag aucn in waren an Tauschhandel en gros Weitgehende Vollmachten für Roosevelt Neuer Konfliktstoff in Spanien Katalonien kämpft um sein Recht auf Bodenreform für beide Teile annehmbar und befriedigend wäre. Jede Art von solchen oder ähnlichen Anträgen würden, wenn sie für beide Teil« nützlich zu sein versprächen, sorgfältig geprüft werden-» dem Zwecke, nm fie gegebenenfalls dem amerikanischen Kongreß vorlegrn zu können. Dieser Vorschlag Roosevelts hat in New Doü großes Interesse hcrvorgerufen. Wenn dieser Vorschlag vorläufig auch nur an England gerichtet war, so ist man dennoch der Ansicht, daS man ihn auf alle Schuldner werde anwenden können und daß er vielleicht einem Kompromiß den Weg ebnen werde, durch daS die Vereinigten Staaten Kautschuk, Zinn, Radium usw. erhalten werden, also Rohstoffe, die sie selbst nicht oder nicht in genügender Menge besitzen. Bor allem dürste Kautschuk für die amerikanische Automobilindustrie sehr erwünscht sein. Handelsabkommen dürfen mit etwa 29 fremden Staaten abgeschlossen«erden, und zwar wünscht man folgende amerikanisch« Erzeugnisse in größerem Umfange auSzuführen: Baumwolle, Petroleum, Rohtabak, Weizen, Mehl, Kohl«, Chemikalien, Maschinen, Automobil«, Fleisch- waren und Fette. AlS Gegenleistung plant«an, u. a. folgend« Waren nach Amerika zu günstigeren Bedingungen hrreinzulaflrn: Zucker, Mangan, Farben, Uhrwerke, Zigarrendeckblätter, Quecksilber, Steingut, Porzellan, Banmwollstickereien, Spitzen, Leinenwaren, Teppiche, Pelze, Perlen, gewisse optische Instrumente, Olivenöl, Rohgummi, Kaffer, Tee, Zinn, Bananen. Diese Vereinbarungen dürfte« nicht über Rächt abgeschlossen werden, sondern mehrmonatige Nachprüfungen und Verhandlungen sind erfor- derlich. Trotz Standgericht—Sabotageakte Eisenbahnattentat— Schiesserei auf Helmwehr Wien, 13. Juni. DaS Geleise der Bahn Wie»—Preßburg, u. zw. noch im Stadtbereiche, weiters daS Geleise der R o r d b a h n bei Deutsch-Wagram und die Schienen der S ü d b a h n bei Riklaüdorf in Ober.Steiermark wurde» durch dir Explosion von Sprengstoffen beschädigt. Der Schaden konnte angeblich bald gutgrmacht werden, so daß der Verkehr nirgends eine Unterbrechung erlitt. Im Burgenland wurdrn an mehreren Stellen Telephon lcitnn- genzerstört. AuS Innsbruck wird gemeldet, daß dortfelbst durch die Behörden rin neues nationalsozialistisches Magazin mit Propagandamaterial und Waffen ausgedeckt wurde. Drei Personen wurden in Haft genommen. Washington, 13. Juni. Die amerikanische Regierung hat auf die englische Rote, in der mitgeteilt wird, daß England auch dieSmal keine Ratenzahlung auf die Kriegsschulden leisten wolle, In einer eigenen Note geantwortet, in der der englische Standpunkt scharf zurückgrwie- sen, gleichzeitig aber in versöhnlicher Form ein AuSwcg durch die Zahlung der fälligen Rate in Waren deS britischen Weltreiches angrdeutet wird. ES heißt darin u. a.r „Wenn die britische Regierung irgendwelche neuen Vorschläge für die Wiederaufnahme der Zahlungen zu machen wünsche, so werde sie die amerikanische Regierung bereitwilligst in Erwägung ziehen und über sie verhandeln. So z. L. seien der amerikanischen Regierung bisher keine Vorschläge zugegangen, die Schuldenraten in Waren abzutragen, n. zw. in einer Form, die Dazu kommt, daß daS gesteru abends von Roosevelt unterzeichnete Zollreformgesetz den Präsidenten gleichsam zum Zolldiktator macht und eS ihm ermöglicht, fortan mit allen fremden Ländern Handelsverträge von dreijähriger Dauer abzufchlirßen, denen er Zollzugeständniffe fast nach Belieben gewähren darf, ohne daß die Verträge dem BundeSkongreß vorgrlegt zu werden brauchen. Die einzige Beschränkung ist, daß er die Zölle um nicht mehr alS 50 Prozent erhöhen »der herabfetzen und daß er keine Waren von der Freiliste nehmen oder auf fie setzen darf. Der Präsident wird nunmehr versuchen, den Urber- schuß an USA-Erzeugnissen im Auütausch gegen ausländische Waren abzustoßen, die in Amerika nicht oder nicht wirtschaftlich hergestellt werden. Festgclegt ist in dem Zollrrstormgesetz die strenge Durchführung der MeistbegünstigungS- bedingungen. Madrid, 13. Juni. Der Konflikt zwischen der spanischen Zcntralregierung und dem katalanischen Parlament, der gestern zu dem ExoduS von 21 Abgeordneten der katalanischen Linken und der baskischen Abgeordneten aus dcnl Madrider Zen- tralparlamcnt geführt hat, hat sich nunmehr noch loeiter verschärft. Die Ursache deS Konfliktes liegt darin, daß die Zcntralregierung ein vom katalanischen Parlament beschlossenes Gesetz in Sachen der Bodenreform vor den StaatSgcrichtühof gebracht hat. der dieser Tage entschied, daß dem katalanischen Parlament in dieser Frage ein GesehgebungSreckt nicht zustehe. Dieses Urteil hat in Katalonien große Erregung hcrvorgerufen. Für Dienstag wurde das katalanische Parlament nach Barcelona einberufen, das ein»neueü" LandwirtschaftSgeseh abstimmte, das dem alten vom Staatsgerichtshof abgelchntcn bis in alle Einzelheiten völlig gleicht. Die Annahme dieser neuen Vorlage erfolgte e i n st i m- in i g. Diese Sitzung gestaltete sich zu einer noch nie gesehenen Massenkundgebung für die autonome Regierung und den katalanischen Präsidenten. StraBenkampf in Paris Paris, 18. Juni. In Saint Etienne kam es gesiern abends vor und nach einer Versammlung der Organisation der ehemaligen Frontkämpfer zu Zusammenstößen mit den Kommunisten. Die Kommunisten stürzten einige Straßenbahnwagen um und verbarrikadierten sich in einer Straße. Erst einer verstärkten Bereitschaft der berittenen Polizei und Gendarmerie gelang es vor Mitternacht, Ordnung zu schaffen.' Vierzig Personen wurden verletzt, darunter fünf Gendarmen. Mehr als 30 Personen wurden verhaftet. Exposee Tltulescus in Gegenwart von Barthou, Benes und Jevtii Bukarest, 13. Juni. Außenminister Titu- lesen wird vor dem rumänischen Parlament ein auosührliches Exposee über die letzten Ereignisse, insbesondere über die Aufnahme der Beziehungen mit der Sotvjetregicrung halten. Es ist möglich, daß dieses Exposee an dem Tage stattfinden wird, an welchem der französische Anßcnministcr Barthou und die Außenminister Dr. Benes und I e v t i l in Bukarest anwesend sein werden, so daß sie der betreffenden Sitzung beiwohnen werden. Die Sitzung würde auf diese Weise ein- Kundgebung der Kleinen Entntc sowie der voll- ständigen Uebereinstimmung mit Frankreich sein. Hunderte von katalanischen und separatistischen Fahnen wogten über der vieltausendköpfigen Menschenmenge, die bei Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses brausende Hochrufe auf Katalonien ausbrachte. Diese Abftimmnng bedeutet eine Gehör- samSverweigerung und eine Aare Kampfansage an die Zentrakregierung in Madrid. Angesichts der ohnedies bestehenden starken separatistischen Strömungm in Katalonien können Weiternn- gen von größter Tragweite eintreten. Um Zn- sammenstöße zwischen dem anSschlietzlich der spanischen Regierung unterstellten Militär nnd der Bevölkerung zu vermeiden, wurden die Truppen in ganz Katalonien in die Kasernen zusammengezogen. Bemerkenswert ist noch die feindselige Stimmung der Menge gegen die Angehörigen der katalanischen Rechten, die. weil sie in der Behandlung der LandwirtschaftSfragc auf Seiten der Zentralregierung standen, als»vaterlandslose Gesellen" gebrandmarkt wurden. Deutschlands getarnte Luftrüstungen Der„Blihluftverkehr" der Lufthansa. Berlin, 13. Juni. Die Deutsche Lufthansa macht große Propaganda für ihren neuen»B t i tz- 1 U f t v c r l e h r", der am 1b. Juni zwischen dem Städtevicreck Berlin, Frankfurt a. M., Köln und Hamburg eröffnet tvcrden soll. Es werden Schnellverkehrsflugzeuge vom Muster Heinkel»He 70" für die Personenbeförderung eingesetzt werden, die eine fahrplanmäßige Reisegeschwindigkeit von über 300 Stundenkilometern gestatten. Die reine Fahrzeit Berlin—Hamburg wird 50 Minuten, Hamburg—Köln 70 Minuten, Berlin—Frankfurt 85 Minuten und Köln—Frankfurt 35 Minuten betragen. Solche Flugzeuge können im privaten Flugverkehr unmöglich rentabel sein, da ja die Motoren ganz ungewöhnlich stark und deshalb auch entsprechend teuer sein müssen. Es handqjlt sich vielmehr um eine nur schlecht getarnte militärische 2 u f t a u f r ü st u n g, denn Flugzeuge mit einer DurchschnittSgcschwindigkcit von über 300 Kilometern sind militärisch natürlich außerordentlich brauchbar. So tvird also Goerings Reichslustfahrtministerium der Flughansa entsprechende Subventionen zahlen, um für den Ernstfall erstklassige Verfolgungsslugzeugc zu haben. Schtvere Bombenflugzeuge stehen ia bekanntlich schon seit langem seitens der Flughansa für den„Sckmell- frachtcnvorkchr" auf der Strecke nach Königsberg in Verwendung. Heut« wurden ferner am Ufer des Wiener DonaukonalS fünf Handgranaten aufgefunden. Rach einer Waffensuche im Gebäude der Landwirtschaftlichen Hochschule wurden weitere zwanzig Handgranaten aufgrfunden. Morgens explodierte eine Blechschachtel, die Schießpulver ent- hielt; die Explosion bewirkte die Zerstörung einer Telephonsprechstrlle im 3. Wiener Bezirk, Land- straße. Heut« morgend wird aus Salzburg die Ex- plofion von zwei Petarden gemeldet. In einem Tunnel bei Bad Fschel wurde heute eine Schutzkorpspatrouille beschossen. Ein Schutzkorpsmann namens Josef Heinzel wurde durch ein Dumdumgeschoß schwer verletzt. Am 12. Juni wurde der Tischlergehilfe Emil Paukner im 12. Wiener Bezirk zur AuSweiü- leistung angehalten. Ja seinem Besitz wurden drei Blechdosen, die mit Schtvarzpulver im Gewicht von drei Kilogramm gefüllt waren, vorgesundcn. Bei der in der Wohnung PauknerS vorgenommenen Revision wurden zahlreiche Hakenkreuzfahnen und Propagandamaterial beschlagnahmt. Paukner war Zellenoibmann der nationalsozialistischen Arbeiterpartei. Der Verein»Deutsche Rothflfc", unter dessen Deckmantel die österreichischen Nationalsozialisten ihre illegale politische Tätigkeit fortsetzten, wurde heute aufgelöst. An« eben denselben Gründen wurde in Salzburg die deutsche Burschenschaft»Teutonia" und in Lend bei Salzburg der Arbeitergcsangverein aufgelöst. Bregenz, 13. Juni. Der Direktor des Sicherheitsdienstes in Vorarlberg hat nach den von den Nationalsozialisten verübten Terrorakten die Bewilligung für den sogenannten Keinen Grenzver- kehr zwischen Vorarlberg und Bayern aufgehoben. Dollfuß' Tase gezählt? Ein Kenner der österreichischen Verhält- niffe hat einem Redakteur der„Lidovt Roviny" eine Erläuterung der gegenwärtigen Situation in Oesterreich gegeben, der wir folgende« entnahmen: »Amerikanische Zeitschriften baden vor zwei Monaten eine Unterredung mit Frauenfeld, dem Führer der österreichischen Hakenkreuzler gebracht, der damals in einem Wiener Krankenhaus inter- Damlt Ist gar nichts klargestellt I Berlin, 13. Juni. Das deutsche Nachrichtenbüro meldet:„Zu dem bei Telfa bei Innsbruck gemachten Spreng st off-Fund, das angeblich die Aufschrift„Beriin-Eharlottenburg Reichswehrministerium, Prüfungsstelle" trägt, wird amtlich mitgeteilt, daß eü eine„Prüfungsstelle" genannter Einrichtung im Reichswehrministerium nicht gibt und nicht gegeben hat. Damit ist flargestellt. daß es sich um eine bewußte Fälschung handeln muß." Die»Deutsche Glaubens* bewegung“ In Deutschland AuS Berlin wird uns geschrieben: Altgermanisches Brauchtum hat bekanntlich in den letzten Monaten bedeutende Verbreitung erfahren. Nunmehr wird der Versuch unternommen, solches in vollem Maße auch auf dem Gebiete der Religion zur Geltung zu bringen, und zlvar in der Form des sogenannten„Deutschen Glaubens", dessen Anhänger die Rückkehr zum Hcideniult nach dem Muster der alten Germanen predigen. An der Spitze dieser Bewegung steht Wilhelm Hauer, der bereits in früheren Jahren allgermanische Bräuche, Feiertage und ähnliches propagierte. Der Killt des neuen Heidentums ist bisher noch nicht genau festgclegt und es ist auch noch nicht sicher, ob aus dem altgermanischen Kult auch die Verehrung von Tieren und ähnlichem überilommen werden wird. Den Anhängern deö„deutschen Glaubens" wird vorderhand an erster Stelle anempfohlen, germanische Sitten zu pflegen und wiederum germanische Feierlichkeiten einzuführen. Die Bewegung meldet sich zum Nationalsozialismus. In scharfer Opposition stehen der Bewegung sowohl die Katholiken als auch die Protestanten gegenüber. 2 Milliarde» Arbeitslosenhilfe In USA Washington, 12. Juni.(Reuter.) Die Regierung der Bereinigten Staaten wird für die direkt« Arbeitslosenhilfe zum 1. August den Betrag von zwei Milliarden Dollar« austvenden. Ansichten au- amtlichen Kreisen zufolge werde sich im kommenden Jahre dieser Aufwand noch um eine Milliarde erhöhen. nicrt war. Frauenfeld sagte damals:»Heute find wir Hiüerianer eingespcrrt. aber im August werden statt uns die gcgenlvärtigen Machthaber in Oesterreich da« Sträslingskleid an ziehen".Frauenfeld führt auch jetzt die Propaganda gegen Oesterreich von München aus. Die innere Schwäche des österreichischen Regimes ist den Deutschen bekannt. ES ist nicht wahr, daß die Aktionen der Haken- lrcuzler in Oesterreich Taten einzelner Personen sind, in Wahrheit steht ein großer Teil der Bevölkerung des Landes dahinter. Dollfuß weiß das und möchte sich gern mit Berlin verständigen. Er ist bereit, den Nationalsozialisten eine Vertretung in der Regierung zu geben, aber die Hakenkreuzler wollen kein Kompromiß, sondern die ganze Macht. Die Regierung getraut sich auch nicht, die Nazis vor das Standgericht zu stellen und sie zum Tode zu verurteilen, denn daS wäre der Beginn des Bürgerkrieges. Das österreichische Heer ist nicht zuverlässig und sympathisiert mit den Hakenkreuz- lern. Die Regierung wird diesen Zustand keinen Monat mehr aushalten. Die Tage Dollfuß' find gezählt, Mussolini hat zum österreichischen Kanzler kein Vertrauen mehr. Oesterreich selbst kann auS innerer Kraft seine Unabhängigkeit nicht ausrechterhalten und eS wird Italiens Aufgabe sein, für die Aufrechterhaltung der Selbständigkeil Oesterreichs Sorge zu tragen." Die Verantwortung für diese Darstellung muß den„Lidove Roviny" bzw. deren Gewährsmann überlassen werden. Bürgermeister Seitz schwer krank Wie dem OeND. auS Wien berichtet wird, hat Bürgermeister Seit? durch die beinahe vier | Monate dauernde Haft an seiner Gesundheit schweren Schaden genommen. Ein Herzsprzialist stellte bei Seitz bedenkliche BerlalkungSrrscheinun- gen fest. Außerdem hat Seitz seit vielen Jahren rin schwere« Magenleidrn. Da« Röntgenbild zeigt Narben von Magengeschwüren und einen hyper- trophischrn Darm. Seitz hat nur eine Niere, so daß jede Krankheit, von der er befalle» wird, schwerer ist. In der Haft hat Seitz sieben Kilogramm«»Gewicht verloren. Sein Gesundheitszustand ist also sehr schleck». Trotzdem wird er im Kerker gehalten, ohne daß der HochverratSprozrß angesetzt wird. 1000 Sozialisten eingekerkert im faseistifchen Lettland. Kurz nach seinen Berliner Verhandlungen hat der lettische Minislerpräsidcut U l m a n i s einige verfassungstreue Beschlüsse der Landtagsmehrheit benutzt, um sich ihrer und der bevorstehenden Neulvahlen durch einen Militärputsch zu entledigen. Sofort wurden massenhaft Linkapartei- ler verhaftet. Rund 1000 sozialistische Funktionäre sitzen in den Gefängnissen, ebenso nicht wenige Intellektuelle der Minderhcitsvölkcr, besonder« Juden. Da die Kerker nicht ausrcichcn, hat man nach bclvährtcm Muster ein Konzentrationslager eingerichtet, u. zw. im Kricgs- hafengebict von Liban. Es ist auch sckon in Benutzung. Sofort nach dem nächtlichen Putsch des lllmaniö und der cidbrccherisckicn Militärs Hai inan die 40 deutschen Emigranten in ihrem Rigaer Heim ürterniert. Da sie nicht auSgehcn dürfen, haben sie die mühselig erworbenen Existenzen verloren. 10 österreichische Schutzbündler, die von unseren lettischen Genossen ausgenommen ivordcn sind, trieb man unter Soldateneslorte durch die Straßen. Die Suche nach den furchtbaren Waffen, die sie durch die ÜSR. und Polen nach Leitland mitgebracht haben sollten, blieb ergebnislos. Die lettische Nazipartci„Perkontrust" ist zwar scheinbar verboten, kann aber gegen Zahlung einer gewissen Polizcigcbühr, einer Art Vergnügungssteuer, auf die Juden Ivsgehcn. Von den politischen Gefangenen stehen nur die Ivcnigsicn in Untersuchung. Soweit da« der Fall ist, wird der Kautschukparagraph 100 des zaristischen Strafgesetzes benutzt, genau>vic die polnische Diktatur diesen Paragraphcir zur Verurteilung der Oppositionsführer verwendet hat, nachdem man sic der Folter Brcst-Lilotvst ausgcliefcrt hatte. Der innere Zusammenhang des lettischen FascismuS mit dem deutschen und Polnischen ist klär. Eine Gesellschaft von Aerzten und Journalisten, di? von einer Studienreise aus der Sowjetunion hcimkehrtcn, mußten an der Grenze tage. langc Verhöre dnrch die lettischen Behörden bc- l stehen, ehe sie lveitcrreisen konnten. «Mtei Donnerstag, 14. Juni 1934 Nr. 187 öle Vorlage Uber den RegreB stand gestern im sozialpolitischen Ausschuß deS Abgeordnetenhauses zur Verhandlung. In der Deliatte ergriff auch Minister Dr. Meißner das Wort. Im Anschluß an verschiedene in der Debatte vorgetragene Einwendungen machte er darauf aufmerksam, daß die Vorlage nicht ausschließlich vom finanziellen Standpunkt beurteilt werden dürfe, sondern daß man von der finanziellen Tragfähigkeit jener auSgehcn müsse, die von dem Regreß betroffen würden. Man dürfe auch nicht die gesamte Baufnmme, für die der Staat garantiert hat, als Ausgabe deS Staates ansehcn, weil in dieser Summe auch Löhne enthalten sind, die dem Staat wieder ArbcitSlosen- nnterstützungcn erspart haben, weiter die Verdienste der Baugewerbe, aus denen der Staatskasse wiederum Steuern etc. zuslossen, und anderes mehr. Nach durchgeführter Debatte wurde ein Sublomitee gewählt, das die schwierige Materie ausführlich durchbcraten soll. Der Ausschuß wird das Plenum des Hauses um Fristerstreckung voraussichtlich für vier Wochen ersuchen. Das würde bedeuten, daß der Regreß aller Wahrscheinlichkeit nach crst im Herb ft zur parlamentarischen Verabschiedung gelangen könnte. Der LandesausschuB korrigiert die Landesbehörde Die Loudesbehördc für Böhmen hat am 28. Feber 1034 einen Erlaß an die Bezirksämter herauSgegcbcn, in welchem darauf aufmerksam gemacht lvurdc, daß die Gemeinden über Beschluß des LandcSausschusscS nur dann einen Landesbeitrag zum Ausgleich des Budgets zu erwarten haben, wenn sie sämtliche ihnen zugänglichen Bc- deckungSquellen auSnühen. Bor allem wird mit diesem Erlaß von den Gemeinden verlangt, daß sie alle Gemeindcabgaben, insbesondere die Miet- zinSabgabc, zu den Höchstsätzen ein führen. Dieser Erlaß hat in den Gemeinden eine große Bestürzung hcrvorgerufen, weil gerade jene Gemeinden, die um den Landesbeitrag«»gesucht haben, am schwersten unter der Krise und Arbeitslosigkeit leiden und deshalb auch außerstande sind, alle Abgaben zu den Höchstsätzen einzuführen, und weil insbesondere die Einführung der Miet« zinoabgabe zmn Höchstsätze, das sind entweder 50 Ke pro benützten Raum und Jahr oder 28 Prozent vom MictzinS oder Mietwcrt, die Rot der Menschen bis zur Unerträglichkeit steigern Ivürdcn. Deshalb hat dieserErlaß nicht nur große Erregung, sondern auch den heftig st en W idcrstand nicht» urbeidenArbei- tcrn, sondern auch bciweitenSchich- ten des Mittel st andeS hervorge- rufen. In einer Reihe von Gemeinden wurden gegen den rigorosen Erlaß der Landesbehörde Kundgebungen veranstaltet und auch unsere Partei hat in einer Reihe von Gemcindevertrcterkon- ferenzen zu dem Erlaß Stellung genommen und in allen dieser Konferenzen erklärt, daß die Weisungen der Landesbehörde für die Arbeiterschaft unannehmbar sind. Wohl in erster Linie aus diesem Grunde hat sich der LandeüauSschuß in der Sitzung vom 13. Juni mit dem Erlaß der Landesbehörde, in dem der seinerzeitige Beschluß deS Landesaus- schnsseS in vollständig veränderter Form zum Ausdruck gebracht tvurdc, beschäftigt und cü wurde »ach langer und teilweise sehr ernster Aussprache von dieser Körperschaft erklärt: Ter Landesbeiirag an die Gemeinden kann nach eingehender Prüfung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der einzelnen Gemeinde auch dann gewährt werden, wenn nicht alle Abgaben zu den Höchstsätzen eingcführt wurden, das heißt Also, die Forderung der Landesbehörde, daß alle Gemcindcabgabcn linear und allgemein eingeführt tvcrdcn müssen, bevor der LandcSbeitrag über- tviesen wird, ist durch die Stellungnahme des LandeSauSschusses vom letzten Mittwoch h i n- fällig gelvorden. Der Landesbeitrag wird also für das Jahr 1934 auch dann gelvährt, wenn die Landesbehördc nach reiflicher Prüfung zu dem Urteil kommt, daß in der einzelnen Gemeinde bei der Ei»Hebung der Gemeindeabgaben auf Grund der sozialen und wirt- schastlichen Verhältnisse bis an d i c G r e n z e d e S M ö g l i ch e n g e g a n g e n >v u r d c. Diese Erklärung deS LandeöauSschusseS tvird tvohl in den meisten Gemeinden, die um einen Landesbeiirag angesucht haben, mit sichtlicher Befriedigung zur Kenntnis genommen werden. "Der böhmische LandeöauSschutz erledigte in der gestrigen Sitzung neben einer Reihe laufender Angelegenheiten 100 Gcmeindcbudgets und bcivilligte 193 Gemeinden die Einhebung verschiedener Gebühren und Abgaben. Genehmigt wurde der Beschluß der Zentralveriretung der Hauptstadt Prag, mit dem der Prager Gemeinde zur Herabsetzung des bisherigen Aktienkapitals der Prager Mustermesse A.-G. auf die Hälfte und zur Zeichnung von neuen Aktien für 1,250.000 aus eigenen Reserven, die Zustimmung gegeben wird; ferner wurde der Beschluß der gleichen Vertretung, betreffend den Abschluß einer Kommunalanleihe von 1 Million Kö für Regulierungen vor dem neuen Gebäude deS Allgemeinen Pensionsinstituts sowie der Beschluß zur Regelung der Mietzinse in den Gemeindehäusern genehmigt. Für die Restaurierung deS Karolinums wurde eine Subvention von 25.000 K£ bewilligt. | TobeSwetter in Mittel und . Südamerika totttmöe Dyfer R e w N o r I, 13. JUni. Die Nachrichten über schwere Unwetterkatastrophen in Mittelund Südamerika nehmen in den letzten Tagen in ganz ungewöhnlicher Weife zu. Die Stürme und Wolkenbrüche inSanSalvador und Honduras sind die allerschwersten seit vielen Jahren. Allein im Gebiet rund um de» Ocotopeque-Fluß wurden 2500 Tote gezählt. In Honduras z. B. ist der Sachschaden unermeßlich. 1000 Personen sind umS Leben gekommen. AuS Santiago de Chile wird gemeldet, daß die Stadt Coneepeion von einem neuen katastrophalen Tornado, dem zweiten innerhalb knapper 14 Tage, heimgefncht worden ist. 50 Häuser sind zerstört. In Mittelargentinien, wo bereits seit zwei Wochen völlig abnorme Wettervrrhältniffe herrschten, wurde am Dienstag ein Gebiet von mehr als 47.000 Quadratmrilrn von einem überaus heftigen Erdbeben erschüttert, das sich bereits vergangenen Sonntag bemerkbar zu machen begann. Das Erdbebengebiet reicht von Cordoba bis Sa» Louis und Santa Fke. In den Anden wüten große Schnee st ürme. BuenoöAires liegt unter dichten Schnee wölken. AuS dem Golf von Mexiko traf am Dienstag der erwartete Tropensturn« in Tampico rin. Er hatte jedoch an Stärke verloren, so daß der Schaden glücklicherweise nnr gering war. Grauenhafte Schiffskatastrophe iss Leiche« geborgen Shanghai, 13. Juni. Eine furchtbare Keffelexplofion ereignete sich vor Kanton auf einem ch in esi sch en D a m p f« r. Ein Teil deS Dampfers versank und riß die Mensche» an Bord mit sich in die Tiefe. Bisher konnten 16 8 Leichen geborgen werden. Der Kessel war ü b er h e i z t worden. TagcsncngltcNcn Der beschlagnahmte „Menschenfresser" Die Regierung deS Herrn Pilsudski hat am Dienstag einen kleinen Rekord geschlagen. Sie hat, an einem Tag, drei Tageszeitungen und eine Wochenrevue von der Polizei beschlagnahmen lassen, nur um die zarten Nerven deS Herrn ReichSpropagandanlinisterS Goebbels nicht zu gefährden. Die Revue hatte, ein etwas drastischer, aber nur allzu wahrer Vergleich, anläßlich des Warschauer Gastspiels des nationalsozialistischen Propagandaministerö, die famose Warschauer Veranstaltung, auf der Herr Goebbels Nazipropaganda machen soll, als ein„Bankett der Vegetarier zu Ehren eines Menschenfressers" bezeichnet. Und das Motto dieses höchst lesenswerten Aufsatzes war:„Intellektuelle verehren einen Bücherverbrenner I" Die Wahrheit ist stets dann besonders unbeliebt, wenn sie die jeweiligen Schachzüge der Usurpatoren zu stören geeignet ist. Aber die Schmach, einen Geistmörder vor Intellektuellen ohne Gleichschaltung brillieren zu lassen, tvird dadurch nicht abgewaschen, daß man eine Wochcnrevue verbietet. Im Gegenteil, sie wird dadurch nnr vor aller Kulturwelt unter- st r i ch e n l Blutige Liebestragödie in Tttttsch Schüsse auf dir Geliebte— Täter richtet sich selbst In Tillifch ereignete sich in der Rocht auf Dienstag eine grausige Bluttat. Der 28jährige Karl Jetschniv drang nachts in die Wohnung seiner Geliebten Anna Bund, feuerte auf die Nichtsahnende zwei Rrvolvrrschüsse ab. Dann floh er. Durch die Schüffe tvurde das Mädchen in die rechte Schulter getroffen. Der unglückselige Täter, der wohl annahm, daß er das Mädchen, an dem er sehr hing, daö aber in der letzten Zeit nichts mehr von ihm»villen wollte, getötet habe, erhängte sich«n- »veit des Tatortes in einer Scheune. Durch dir Schüsse erwachten die Nachbarn, die die Gendarmerie verständigten. Die Verletzungen des Mädchens sind schwer, man hofft aber, sie am Leben zu erhalten. Brandserie in und bei Komotau Komotau, 13. Juni. In den letzten zwei Tagen tourden in Komotau Stadt und Bezirk nicht Iveniger als neun Brände verzeichnet, die zuin Teil durch Funkenflug, zmn Teil durch un» achtsam weggeworfene brennende Zigaretten entstanden sind. In Komotau brach durch Funkenflug auf dein Bauplatz des Baumeisters Martin ein Brand aus, der einen Schaden von nahezu 100.000 KC verursachte. Heute entstand in einem Wald bei Schönlind ein Feuer, durch das 8000 Quadratmeter Waldbestand schwer beschädigt tourden. Der Schaden ist bedeutend. An der Strecke Koinotau—Domina—Schönlind entstanden heute fünf weitere Waldbrände, die von den Feuerwehren und vom Militär in gemeinsamer Löscharbeit bekämpft wurden. Erdbebe« in Statte« Mailand, 18. Juni. In» toöeanisch-emiliani- scheu Apeningebiet tvurde am Mittwoch vormittag |cin sehr starkes Erdbeben verspürt. Der Bevölte- ‘ rung bemächtigte sich eine heftige Panik. ES sollen nur leichte Schäden an einigen Neubauten entstanden fein. Das Observatorium in Prato(ToScana) berichtet, daß den ersten Feststellungen zufolge der Herd des noch andauernden sehr heftigen Bebens sich nordöstlich von Prato in einer Entfernung von rund 100 Kiloinetcrn befinden müsse, d. h. in der Gegend zwischen Spezia und Meduna. Auch in Genua, Savona und Salsomaggiore sind heftige Erdstöße verspürt worden. Außer Sachschaden an Neubauten soll auch hier kein.Schaden entstanden sein. Eß« Amokläufer Hilledgeville(Staat Georgia), 13. Juni. (Reuter.) In einem Anfall von Raserei nahm ein Insasse der hiesigen Anstalt für A e i st e s- k r a n k c in jede Hand ein Messer und stürzte sich in seiner krankhaften Vorstellung, daß er sich gegen Angreifer zur Wehr setzen müßte, auf jeden, der sich ihm in den Weg stellte. Er v e r w u n d et e mit den beiden Messern, ehe er noch unschädlich gemacht werden konnte, z e h n P e r s o n c n, von denen drei ernstere Verletzungen davoutrugen. Ei« toller Blitz Mailand, 18. Juni. Am Dienstag abends gingen in verschiedenen Teilen Ober-Italiens erneut starke Gewitter mit Hagelschlägen nieder, die große Verheerungen an der Ernte anrichteten. Ei»» ganz eigenartiges Spiel trieb ein Blitz auf einem G e h ö f t in der Nähe von Man- t u a. Dort schlug ein Blitz in den Kamin des Zimmers, in dem 2 2 K i n d c r saßen. Vom Kamin sprang dann der Blitz ab, fegte kreuz und quer durch das Ziinmcr, wobei die Eßgeschirre, Gläser und Fenster zersprangen und Stühle und Bänke umgeworfen wurden. Alle 22 Kinder tourden zu Boden geschleudert und mit Ruß dicht bedeckt. Den auf daö Schreien der Kinder herbeieilenden Bauern bot sich der Anblick eines„Ne- gerstammes". Der Blitz nahin durch das Fenster den WeginsFrcie, ohne weiteren Schaden anzurichten. Kein Kind hat irgend eine Verletzung davongetragen. Der„Oberste Führer Gustav Hacker". Un- ter diesem wahrhaft imposanten Titel wird im Bericht der„Westböhmischcn Stimmen" über die BischofteinitzcrBerbrüderung zwi- schen Landstand, und Henlcin-Fascisten ein deutschagrarischer Jugendstlnktionär vorgeführt. Tiefen Respekt! So was hat dcil Sudeten deut, schen lange genug gefehlt. Nun, im Zeichen der ständischen Erlösung, löst sich daö vielbesprochene Führcrproblem auf die denkbar einfachste Weise. Die Führer ernennen sich selbst. Henlein hat sich vom politischen Titulariitfanteristen eigenhändig zum Heimatfront-General befördert. Hacker folgt dem hehren Vorbild. Man kann ihm die Aner- kennung nicht versagen, daß er in der Wahl der Rangbezeichnung über kleinliche Bedenken hinwegschritt. Hitler hat immerhin 14 Jahre troin- meln müssen, ehe er„Oberster Führer" wurde. Mussolini ließ noch nach dem siegreichen Marsche auf Rom einige Fahre verstreichen, ehe er sich Duce nannte. Dem Herrn Hacker ist wohl ein Engel im Traum erschienen, mit Pofauncnschall verkündend:„Junger Mann, wenn Du morgen früh daö Nachthemd ausziehst, wirst Du hinter dem Bett anstelle des Nachttopfes eine Führer- kröne vorfinden". Hacker glaubt an die Botschaft deS Engels. Er nennt sich nicht ohne Selbstzufriedenheit„Oberster Führer". Ein schöner Jn- dianerschmuck für den Mandatskampf ün Land- stand, fürwahr! Die Obersten und die Untersten Führer deS Landstandes mögen verzeihen, daß wir lächeln... Die„ständische Ordnung". Die Innsbrucker „Volkszeitung" schreibt über den ständischen Schwindel des Herrn Dollfuß u. a.:„Die berufS- ständische Ordnung, die in Oesterreich Einkehr halten soll, hat nach den Worten des Bundeskanzlers vor allem die soziale Gerechtigkeit zum Inhalte. Dem Arbeiter soll in Zuku»»ft, so will es »der Führer des österreichischen Staates und der III. IMMW HKIIER-BLWIIIE PRAG ✓ 1. Juli Z 5. bis 8. Juli Sonderzüge zum Kindertag am 1. Juli Airkunft in Prag: Von Teplitz-Schönau, Abfahrt 30 Juni um 14.24 Uhr Uber Aussig; Ankuft in Hollefcholvitz 17.30 Min.— Von Lobositz, Abfahrt 30. Juni um 16.05 Uhr, Ankunft in Bubentsch 18.24 Uhr. Von Randniha. E., Abfahrt 39. Juni um 17.10 Uhr, Ankunft in Bubentsch 10.04 Min.— Von König« rätz. Abfahrt 80. Juni um 15.40 Uhr Ankunft Denisbahnhof 18.13 Min.— Von Pil s e n kommen folgende Züge: Nr. 0102, Abfahrt 30. Juni nm 10.20 Uhr, Ankunft in Smichow 12.50 Uhr; Nr. 0104, Abfahrt 30. Juni um 11.03 Uhr, Ankunft in Smichow 13.40 Uhr; Nr. 0106, Abfahrt 30. Juni um 12.16 Uhr, Ankunft in Smichow 15.08 Uhr; Nr. 9108, Abfahrt 80. Juni um 14.05 Uhr. Ankunft in Smichow 16.34 Uhr; Nr. 0110, Abfahrt 80. Juni um 14.40 Uhr, Ankunft in Smichow 17.07 Uhr.— Von Brüx, Abfahrt 30. Juni um 17 Uhr, Ankunft in Smichow 20.11 Uhr. Von Rakonitz, Abfahrt 30. Juni um 13.55 Uhr über Luschna-Lischan,. Ankunft in Bubentsch 15.50 Uhr.— Von Tnrnau, Abfahrt 80. Juni nm 14.26 Uhr, Ankunft Wilsonbahnhof 17.14 Uhr.— Von Böh m.»TrÜba u, Zug-Nr. 801, Abfahrt 80. Juni um 18.80, Ankunft Masarykbahnhof 17.05 Uhr. Rückfahrt von Prag: Nach Teplitz-Schönau, Abfahrt 2. Juli von Holleschowitz um 14 Uhr, Ankunft in Tevtitz- Schönau 17.41 Uhr.— Nach Lobositz. Abfahrt 2. Juli von Blchentsch um 14.45 Uhr, Ankunft in Lobositz 17 Uhr.— Nach Raudnih, Abfahrt 2. Juli von Bubentsch um 15.15 Uhr, Ankunft in Raudnih 16.50 Uhr.— Nach König« räh, Abfahrt 2. Juli vorn Denisbahnhof um 18 Uhr, Ankunft in Kvniggrätz 20.51 Uhr.— Nach Pilsen Iverden von Smichow am 2. Juli abgefertigt: Nr. 0102 um 14.27, Ankunft 16.40 Uhr; Nr. 0104 um 15.55 Uhr, Ankunft 18.21 Uhr; Nr. 0106 um 16.45 Uhr, Ankunft 10.17 Uhr; Nr. 0108 um 15.20 Uhr. Ankunft 17.54 Uhr; Nr. 0110 nm 18.51 Mr. Ankunft in Pilsen 16.26 Uhr.— Nach Brüx, Abfahrt von Smichow um 14.80 Uhr, Ankunft in Brür 17.40 Uhr.— Nach Rakonitz, Abfahrt 2. Juli von Bubentsch um 18.50 Uhr, Ankunft in Rakouib 15.48 Uhr.— Nach Tnrnau, Abfahrt 2. Juli vom Wilsonbahnhof nm 18.02 Uhr, Ankunft in Tnr- nm: 21.24 Uhr. Bundesregierung, der gerechte Lohn für seine Arbeit werden. Man sollte nun glauben, daß die öffentlichen Dienstgeber, zum Unterschied von den privaten Unternehmern, diesen Worten gemäß handeln würden. Das ist nun keincötvcgS der Fall. Wir wissen im Gegenteil, daß zum Beispiel die Bundesbahnen eine Lohnpolitik betreiben, die die Schmutzkonkurrcnz unter den Unternehmern, die eine schwere Schädigung der Arbeiter bedeutet, geradezu fördert." Doppclsclbstmord in B.-Kamnitz. Zwei blühende Menschenleben sind einem verhängnisvollen Geschick erlegen. Der erst 20 Jahre alte, in der Papierfabrik Fuchs beschäftigte Arbeiter Johann Schlunze aus Ober-Kamnih, ein fleißiger Fußballer und die ebenfalls erst 20 Jahre alte Emilie Lehnert auö Niedcr-Kamnitz wurden am 12. Juni abends zwischen Kornfeldern beim KinSkyschen Flugplatz tot aufgcfunden. Beide halten Schüsse iin Kopse. Die Tat geschah nach ärztlichem Gutachten bereits früh. Schlunze hatte zuerst das Mädchen und dann sich selbst getötet. Er hielt noch lrampfhaft einen Handspiegel in der Hand, der ihm das Zielen auf seinen Kopf erleichterte. An Geld hatte er nur zirka 2 KL bei sich. Tas Motiv der Tat ist ohne Zweifel Licbestum- mer. Es heißt, daß ihrer jungen Liebe Schwierigkeiten entgegenstanden. Sprung auö dem 2. Stock. In der Nacht vom 11. zum 12. Juni, hat in der Bergstraße in Tetschen eine Frau A. P. ihrem Leben in gräßlicher Weise ein Ziel gesetzt. Infolge jahrelanger Krankheit lebcnsüberdrüssig geworden, sprang sie vom Fenster des Stiegcnhauses aus den» zlveiten Stock in den Hof. Sie erlitt derart schwere Verletzungen, daß sie unmittelbar nach den: Sturze stavb. Dampfer gesunken New Nork, 18. Juni.(Reuter.) Der Kapitän des amerikanischen Dampfers„Zacapa" meldet, daß er den Kapitän und 16 Mann der Besatzung deö norivegischen Dampfers„Knut Hamsun" gerettet hat, auf welchem Sonntag unweit der Küste von Honduras ein Brand ausbrach, woraus daö Schiff unterging. 17 Mann der Besatzung deS „Knut Hamsun" werden noch vermißt. Vom Rundfunk Empfehlenowerte» au» de» Programm«»: Freitag Prag, Sender L.: 10.05.: DeutscheNach- richten, 10.45: Schulfunk, 12.10: Opernfanta- sie«, 18.20: Deutsche Sendung: Heinrich Weinhuber: Rat des Obersten Gerichtes a. D.: Das Recht des Alltages, 18.45: Arbeiterfunk, 18.55: Deutsche Presse. SenderS.r 14.30: Sportmärsche 15.10: DeutscheS ndung: Frauenfunk, 18.40: Jugostawische Lieder.— Brünn 11: Schallplatte», 16. Orchesterkonzer» 19.80: Ueber- tragung aus dem Brünner Landestheater: HanS Königreich, Musikspiel.— Mähr.-Ostrau 18.80: Deutsche Sendung: Rbsb: Die Philosophie deS Grafen Kayserling. fc. tar Sette 5 Donnerstag, 14. Jun^1934 GUIDO K. BRAUD Geschichte der Deutschen Literatur der Gegenwart 0330—1933)/ Werden und Wandlung Mit 01 Abbildungen auf 48 Kunstdruck, tafeln, 672 Seiten, in Leinen gebunden nur Kt 45'— Durch die Zentralstelle für das Bildungs- wesen PRAHA XII., SlezskÄ 13 Dringende Warnung! Lhermann> Ullinann, der Fledderer der Emigration. ES gilt, vor einer Hyäne des literarischen Schlachtfeldes zu warnen, die, unter der Maske der Emigration, niitder sie nicht das mindeste zu tun hat, naive Zeitgenossen und ahnungslose, mittellose Emigranten- schriststeller nach allen Regeln der Fledderei auS- zuplündern pflegt. Es handelt sich um einen gewissen Jo L h e r m a n n, der vor mehreren Jahren in Berlin wegen übelster Affairen und einer vollendeten Kassendefraudation mit den Moabiter Kriminalbehörden Bekanntschaft machen mutzte. Er verschwand, tauchte jedoch Anfang vorigen JahreS als Herausgeber der„Blauen Hefte" in Paris auf, wo es ihm gelang, in Verbindung mit einfluhreichen französischen Kreisen zu treten, die ihn finanzierten. Er ermunterte, jetzt unter dem Namen Ullinann, hungernde Emigranten, für seine blauen Gaunerhefte zu arbeiten, ivobei er jedoch nicht unterlietz, die Opfer des Hitlerterrors systematisch um ihr Honorar zu betrügen. Davon ernährte er sich ztoar unredlich, aber eindringlich, aber diese Gelder genügten ihm noch nicht. So verlegte er sich darauf,„Geschäfte" mit Banken zu tätigen, indem er die Stempel auf den Zahlungen deutscher Kunden fälschte. Als die Sache herauskäm, floh er Aber Deutschland in die Tschechoslowakei, wo er anscheinend bestrebt ist, sein unsauberes Handwerk fortzusetzen. Zuletzt hielt er sich wahrscheinlich unangemeldet in B r ü n n auf. Dieser Tage wurde er in Paris in Abwesenheit zu vier Jährest Gefängnis und 8 0 0 0 Franken Geldstrafe verurteilt, seine Komplizin und Geliebte, die im Augenblick noch Redaktionssekretärin einer Prager Zeitschrift ist, zu zwei Jahren Gefängnis und 2000 Franken Geldstrafe. ES Et notwendig, im Interesse der geschädigten Schriftsteller auf den gemeingefährlichen Burschen aufmerksam zu machen und alle literarischen Kreise vor ihm zu warnen. Ein Schwein gleich fünf Touristen. Der Handel zwischen den einzelnen Ländern findet nicht nach Angebot und Nachfrage statt, sondern wird einer immer engeren Regelung unterworfen. Die neuen Schutzzölle genügen nicht mehr, sie werden verschärft durch daS Kontingentsystem. Die Einfuhr eines Staates, der dieses System eingeführt hat, regelt sich nach der Menge, die der betreffende Vertragspartner aus heimischer Erzeugung sich abzunehmen verpflichtet. Und so kommen teilweise sonderbare Kuriositäten zustande. In den Handelövertragsverhandlungen zwischen Polen und Oesterreich wurde z. B. bestimmt, datz Polen sich verpflichtet, für jedes polnische Schwein, das Oesterreich abnimmt, fünf polnischen Touristen ein kostenloses Visum für eine Reise nach Oesterreich zu erteilen.— Zu solchen Blüten treibt das Kontingentsystem. Exotischer Gast in London. Der Emir von Transjordanien Abdullah Ibn Huffein ist gestern zu einem dreiivöchigen Besuch in London einge- trofsen, wo er Gast der briiffchen Regierung sein wird. Französisch in Russland obligat? Wie „Oeuvre" meldet, hat die sowjetrussische Regierung die Wiedereinführung der, französischen Sprache alö Pflichtfach in allen Schulen beschlossen, während seit Abschluß des Rapollovertrages Deutsch Pflichtfach gewesm war. Ein Fachkurs für Gefangenenaufseher. Durch Kundmachung v. 22. Mai 1034, Nr. 27.458/84—13 gab das Justizministerium bekannt, datz es vom 1. November 1034 bis 81. Januar 1985 im Gefange- nenhanS für Männer inKarthauS einen neuen dreimonatigen Fachkursus für Gefaugenenmlfseher abhalten werde und datz die Gesuche»ach Aufnahme in den Kurs unter den in der Kundmachung angeführten Bedingungen bis zum 80. Juni 1084 beim Vorstand des am nächsten gelegenen GefaugeuenhauseS der staatlichen Besserungsanstalt und dem KreiSgerichtL- gefangenenhauS einzubringen sind. Schiff in Flammen. An Bord des deutschen 8990-Tounen-Dampferö„SososiriS" ist Dienstag nachts auf der Schelde querab von Bath im Kohlenraum Feuer aufgekommen. Der Brand nahm rasch groben Umfang an und griff auf das Mittelschiff über. Der vorbeifahrende deutsche Dampfer,Kepler" der Neptun-Linie eilte dem brennenden Schiff zu Hilfe und übernahm die Passagiere. Später trafen noch mehrere Dampfer aus Antwerpen zur weiteren Hilfeleistung ein. Der Brandherd konnte in den Vor- niittagsftunden des Mittwoch so eingedämpft werden, datz die„SosostriS" in Begleitung mehrerer Schleppdampfer langsam nach Antwerpen herausfahren tonnte. Die„SosostriS", die halb als Paffagierschiff und halb als Frachtendampfer eingerichtet ist, befand sich mit einer Ladung Schiffsgüter auf dem Wege von Mexil« nach Antwerpen. RuMGe Reise VH. Die Kunst der Propaganda Bon Josef Lilina Warum treffen eigentlich die Diktaturen die Propagierung ihrer Ideen viel beffer als die Demokratien? Wenn es auch richtig ist, datz ein diktatorisches Regime immer beivuht einseitig handelt, ivährend die Demokratie sich bemüht, einen Ausgleich der verschiedenartigen Interessen herbeizuführen, so kann sie doch offensichtlich nichts nutzer ihrer eigenen Phantasielosigkeit daran hindern, für ihre Idee und damit siir die Grundlage ihres Seins die notwendige Propaganda zu entfalten. In Rußland ist alles Propaganda. Sie beginnt schön an der Grenze: die Eisenbahngeleise führen unter einen mächtigen Tor hindurch, deffen Stirnseite in russischer Sprache die Aufschrift„Proletarier aller Länder vereinigt Euch" trägt. Die Wartehalle des Grenzbahnhofes Negoreloje ist mit zahlreichen Wandgemälden geschmückt, welche den Aufschwung der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion in den SotvjetS zeigen. Ztvei getvaltige Karten der Soivjetunion weisen auf die Erfolge der Fünf- jahreSpläne hin. Da wir eben vor dem 1. Mai nach Moskau fuhren, sah man allenthalben die Bahnhöfe mit Aufschriften aller Art, mit Bildern von Lenin und Stalin, mit Fahnen und Blumen geschmückt. Wenige Tage vorher waren die österreichischen Schutzbündler durchgesahren und noch erinnern viele Tafeln mit deutschen und russischen Aufschriften an die Propagandawirkung, die man mit dieser Durchreise verknüpfte. Der Riesenplatz vor dem Moskauer Bahnhof mutz auf naive Gemüter geradezu einen ungeheueren Eindruck machen. Wir sahen dies besonders bei den bürgerlichen Teilnehmern unserer Reisegruppe, die offenbar ziemlich lange brauchte, ehe sie sich der zwingenden Kraft der hier konzentrierten Propaganda entziehen konnten. Auf riesigen Transparenten finden wir in russischer, Deutscher, englischer und französischer Sprache Zitate von Marx, Lenin, Stalin und anderen, dazwischen immer wieder die Parole„Proletarier aller Länder, vereinigt Euchl" Allüberall auch die Bilder von Lenin und Stalin, pschologisch sehr geschickt aufgemacht: im Hintergrund das grotze Profil Lenins und in dieses hineingezeichnet, ge- wiffermahen in seinem Schatten jenes von Stalin. Wer kann daran zweifeln, daS Stalin der rechtmäßige Erbe Lenins ist, da ihm dieö ununterbrochen eingehämmert wird? Man begegnet dann auch noch öfters zioei Bildern, und wie toir später erfahren, ist es Kaganowitsch, der Stellvertreter Stalins, und Woroschilow, der. BvlkSkommissär für Kriegswesen, deren Popularität so gefördert wird. Deutlich werden so vor aller Welt die Machwerhältniffe demonstriert. An erster Stelle steht der Generalsekretär dec Partei, dann sein Stellvertreter und der Kriegsminister. während die übrigen Mitglieder der Regierung nahezu vollständig in den Hintergrund treten. Da eS den Leuten relativ schlecht geht, mutz mau ihre Hoffnungen auf die Zukunft richten. Infolge deS neuen Wirtschaftssystems sind die meisten Kaufläden überflüssig geworden. Man benützt nun die Auslagensenster für die Propaganda. Ueberall sieht man Pläne, Diagramme, Zeichnungen, Modelle von Jndustriewerke», Wohnhausbauten ufw. Sie erregen allgemeines Jntereffe. die Menschen stauen sich davor, bctvnn- dern und besprechen die Leistungen des Regimes, freuen sich daran. Ost sieht man einen Bauplatz und sonst nichts. Davor ccker eine Bretterivand mit herrlichen Zeichnungen, wie diese Gegend auSsehen wird, wenn alles fertig ist. Moskau baut gerade eine Untergrundbahn. Die Strahenbahn genügt für die Riesenstadt mit ihren 3J4 Millionen Einwohnern nicht mehr, die Wagen sind überstillt und die Menschen hängen oft wie Trauben an den Trittbrettern. Von dieser unangenehmen Erfahrung aller Mitbürger ausgehend, wurde die erste Propaganda eingeleitet. Den Leuten wird gezeigt, datz die geplante Arbeit zu ihrem Wohl bestimmt ist. Nach genügender psychologischer Vorbereitung wird mit der Arbeit begonnen. ES wer- den Gruppen von„Subotnik" gebildet, freiwillige Arbeitsabteilungen von Menschen, die einen oder mehrere ihrer Ausgehtage der Gemeinschaft widmen. So werden hunderttausende Arbeitstage gewonnen; regulär arbeiten gegen 90.000 Menschen an diesem Dau. Ueberall, wo sich später Stationsgebäude der U-Bahn befinden werden, sind heute Holzbaracken, welche teils als Arbeitsschuppen dienen, daneben aber auch einer ausgiebigen Propaganda. Alle Errungenschaften der Lichtreklame kommen hier zur Anwendung; mau sieht Schlangenlinien der sich bewegenden Züge, Stationsnamen leuchten auf, die Kilometerzahl, die Fahrtgeschwindigkeit, die ZngSdichte, die Zahl der beschäftigten Arbeiter, daS alles wird in verwirrender Folge dargestellt und die Leute freuen sich daran. 65 Kilometer Länge soll die U-Bahn fpäter einmal haben, bis zu den Revolutionsfeierlichkeiten im Oktober sollen die ersten 11 Kilometer fertig und im Betrieb sein. DaS Volk wird an seiner eigenen Arbeit interessiert und im positiven Sinne geleitet. Der Arbeitseifer ivird mit dem System der„Ndär. niky", der Stotzbrigadler, angespornt, deren Bilder wir dann besonders in der Ukraine, in Charkow und Kietv, allenthalben in den Parkanlagen und an sonstigen geeigneten Plätzen fanden. Farbige Glasbilder über den Aufbau in allen Teilen der Sowjetunion regen die Phantasie an, erwecken den Wunsch, es den andern gleichzutun, ebenso grotze Photographien, welche die kulturelle Arbeit auf allen Gebieten darstellen. Wie geschickt man Zeitereigniffe mit der Propaganda zu verbinden versteht, das bewies die Ausnützung der heldenmütigen Rettung der Tscheljufchkinleute. Diese Sache hat das russische Bolt autzerordentlich gepackt und mit so ungeheurem Selbstbewusstsein erfüllt. Ueberall sieht man die Bilder der heroischen Rettungsmannschaft, aber die grotze Tat dient auch der Volks« begeisterung für einen Ausbau der Luftflotte. An einer grotzen Kirche hat man ein Riesenflugzeug aufmontiert, es hängt ungefähr in der Mitte über dem Portal und wirkt besonders im Schein» werferlicht mit dem von roten Fahnen gebildeten Untergrund geradezu unerhört kühn und originell. In einem der großen Moskauer Arbeiterklubs besuchten wir ein Kino. Auch hier dient alles der Propaganda. Man zeigte zunächst einen ziemlich albernen Film, wo die Macht des Bank- und Industriekapitals in den kapitalistischen Ländern dargestelli wurde. Uns schien-'bie Art-des Films gerade in Rußland deplaciert, da-sich die Leckte unter Königen und Bankmagnaten Wohl nur schwer etwas vorstcllcn können. Der Film wurde auch ziemlich teilnahmslos aufgenomnien und nur dort, wo sich groteske Situationen ergaben, belacht. Aber dann folgten Bilder aus dem betreffenden Wohnbezirk, wo das Kino lag. Ta sah man alte, verfallene Hütten— Moskau war ja vor dem Kriege ein groheö Dorf, das zu 6 Prozent aus Holzbaracken bestand— wo die Menschen geradezu in Löchern hautzen, ohne Licht und Luft. Keine Wohnungen, sondern Höhlen, fehle Betten, sondern ein Haufen von Lumpen auf dem Futzboden. Und dann neue, moderne WohnhauSbauten, aber keine Wunschträume von irgendwo, sondern eben aus diesem Rayon, den die Leute kennen. Saubere Wohnungen, lichtdurchflutete Höfe, spielende Kinder. Dann Fabriksbauten, Maschinenhallen, arbeitende Menschen, die zuweilen von Zuschauern alö Bekannte agnosziert wurden; kurz Bilder auö dem unmittelbaren Leben der Beteiligten, die naturgemäß sehr stark auf jene einwirken, deren Dasein sie betrafen. Und die Nutzanwendung: es ist nicht alles so, wie wir es haben möchten, aber ihr seht, was schon geschaffen wurde. Helft uns also, arbeitet mit und eü wird uns allen beffer gehen. Und daS Volk versteht tatsächlich diesen Appell, es versteht, datz es um seine eigenen Interessen geht. So ivird die Liebe zum„Vaterland" geweckt und vertieft und manche Episode überzeugte uns davon, datz der Grotzteil der Menschen mit allen Fasern zu diesem Regime steht und bereit ist, eS mit allen Mitteln zu verteidigen. Ziel» bewutzte Propaganda, verbunden mit aufopferungsvoller Arbeit haben zustandegebracht, was dem Zarismus nie gelingen konnte: nämlich: eine nationale Begeisteruyg, die mindestens in den Städten herrscht und die beweist, datz man jeden Versuch nach einem Rückfall in frühere Ausbeutungsmethoden mit Klauen und Krallen abzuwehren bereit ist. Besonders die machtvolle Militärparade am ersten Mai und die Art, wie diese 80.000 bis 90.000 straff disziplinierten Soldaten aller Waffengattungen, wie die etiva 2500 Maschinengewehre, Haubitzen, Geschütze und Tanks soivie die rund 1500 Flugzeuge von der Menge begrüht und bejubelt wurden, reden eine deutliche Sprache, die auch von den anwesenden Militärattaches der fremden Mächte offensichtlich verstanden tvurde. Neue Zerstörungsapparate Während der Völkerbund Mittel und Wege sucht, die Gefahren der Maffenmörderung durch die schon in Hülle und Fülle existierenden todbringenden Maschinen und Apparate zu vermindern, bemüht sich das menschliche Genie unaufhörlich, neue und noch schrecklichere Mittel der Beförderung vom Leben zum Tod in die Hände der Men- schen zu spielen. So berichtet jetzt die kriegstechnische Presse Englands über ein neues Maschinengewehr, das von einem japanischen Ingenieur erfunden wurde. Dieses Maschinengewehr schicht ohne Pulver. Die Kugeln werden von dieser Maschine auSschlietzlich mittels Zentrifugalenergie geschlendert, die sie durch die schnelle Drehung der Trommel bilden. Die Trommel wird von einem elektrischen oder Benzin-Motor in Bewegung gesetzt. Sie macht 200 Wendungen pro Sekunde, wobei jede 20 Wendungen eine Kugel hinansgeschleudert wird, so datz dieses neue Gewehr 600 Schüsse in einer Minute abgibt. Die Anfangsschnelligkeit der Kugel ist 850 Meter pro Sekunde, höher also, als sonst bei den Maschinengewehren. Die Vorzüge des japanischen Maschinengewehrs sind sehr grotz. Da es lautlos und ohne Aufblihen arbeitet, bleibt es länger unauffindbar für den Feind. Außerdem ist die Verwendung dieses Maschinengewehrs, das kein Pulver braucht, viel billiger. DaS neue Maschinengewehr ist schon in allen japanischen Regimentern eingeführt. Andererseits konnte Sir Robert Hearfield, der Vorsitzende der englischen Metallurgie-Gesellschaft Headfield LTD. in dec letzten Bersamm- lung der Aktionäre die Mitteilung über ein neues Geschoß von ungeheurer Kraft machen, das die Ingenieure der„Hcadfield-Werke" hergestellt haben. Dieses Projektil, dem„kein Panzer aus der Welt widerstehen kann", ist eine Tonne schwer. Bei den Versuchen wurde dieses Projektil gegen einen Stahlpanzer abgegeben, deffen Stärke, dem Kaliber der Kanone glich. DaS Geschah hat den Panzer nicht nur durchbohrt, sondern eS konnte noch weitere l0 Kilometer durchfliegen. Die Energie, die es beim Anschlag an den Stahlpauzer enttvickelte, glich 14 Kilogramm-Meter. DaS Geschoß Headsieldü explodiert nicht beim Einschlagen: eS wirkt ausschließlich Kraft ihres Gewichts. Tas Projektil ist so hart, datz beide abgcschoffencn Projektile, nachdem sie ihre Zerstörungsarbeit vollführt haben, wiederum verwendet werden konnten. lieber eine noch schrecklichere Erfindung, die wie eine Sensation wirkte, konnte der Präiideut des Kongresses der Erfinder, Burns, der in Omaha lAmerika) sich verfammelt hat, Mitteilung machen. Ein gewisser Dr. Antonio Langorio auS Cleveland, der Elektrotechniker und Physiker ist,- hat„Todes-Strahlen" entdeckt, die über eine unwiderstehliche Kraft verfügen. Laut den Erklärungen Burns, der den Versuchen Langorias beiwohnte, töteten diese„Strahlen" Kaninchen, Hunde und Vögel aus einer Entfernung von einigen Hundert Metern. Die Regierung hat Langorio die weiteren Versuche mit dieser Erfindung verboten und Langorio verweigerte den Mitgliedern des Kongresses jede Auskunft. Nur im Falle eines Krieges ivird er feine Erfindung der Regierung zur Verfügung stellen. Zr. „Besuchen Sie das rrerre Deutschland!" Im DrUten Reich wcitz die rechte Hand nicht, was die linke tut. Und umgekehrt. Das ist nichts Neues. Das ist bekannt. Bon der Hetze gegen Frankreich und gegen die Franzosen lebt der kümmerliche Nest der einst so stolzen deutschen Preffe. Da ist es immerhin interessant sestzu- stellen, mit welcher MaSke man sich jenseits der Grenze dem„Erbfeind" nähert. Eine französische Zeitschrift ist mir da zufällig in die Hand gekommen.„L'Jllustraiion". Ein ftinkfeineS Blatt. Die Annoncen allein riechen nach allem, was gut und teuer und lasterhaft ist. Das Papier glänzt, das Format, die Photographien und Kupfertiefdrücke schreien dir entgegen:„Wir können's uns ja leisten,>vir haben's ja dazu." In dieser Zeitschrift also findet sich zum Schluß ein ganzseitiges Inserat. Es stellt dar: den Rhein mit seinen Burgen, blühende Bäume den Strom überschattend, ein Mädchen im Nachen macht das Idyll vollkommen. Ueberschrift, Schlag zeile in großen Kursiv-Lettern:„Voner voyer la nouvelle Allemagne“.(Wörtlich übersetzt: Kommen Sie das neue Deutschland zu sehen.") ES folgen in schwärmerisch-poetischen Formulierungen Anpreisungen der Schönheiten Deutschlands, man spart auch nicht mit Adjektiven über die Gastfreundlichkeit der Bevölkerung, wobei immer wieder besonders betont wird, datz alle Schönheiten der Landschaft und alle guten Eigenschaften der Deutschen sich erst unter der Aera des Herrn Hitler voll entfalten konnten. Schreiberin dieser Zeilen vermag nichts zu finden, datz der Rhein früher anders geflossen, die Bäume weniger lieblich geblüht und die Burgen weniger romantisch-verfallen gewesen wären. Was die Gastfreundlichkeit deS deutschen Volkes betrifft, so konnte sich Herr A m a n u l l a h, König von Afghanistan, gewiß nicht beklagen, alö ihm bei seinem Besuch in Berlin die republikanische Reichöregierung ein ganzes Palais, die Auto- sirmen ihre schönsten Wagen gratis und franko und die Modesalons der Berliner Haute Couture Frau Amanullah ihre köstlichsten Modelle zu dem gleichen Preis vor die orientalisch-kleinen Füße legten. Zu den unangenehmsten Eigenschaften eines Menschen gehört es, sich mit fremden Federn zu schmücken. Wenn diese Eigenschaft aber von einer ganzen Partei übernommen ivird. so ist dies schlichtweg zum K I Macht nur Reklame für das Land, das ihr bedrückt und unterjocht, das unter eurem Terror stöhnt, braune Banditen I Ihr müßt Devisen haben um jeden Preis, lind um diesen Preis lügt und heuchelt ihr, datz sich die Balken biegen. Was heißt da„Erbfeind", wenn es umü Geld gehtl Da wird man zum Speichellecker, da verbeugt man sich, da lädt man ein, da bittet man warum auch nicht, businetz iS busiueß— den Feind persönlich durch seine pickfeinste Zeitschrift an den Rhein. Die Franzosen sind ein Volk von Gcntlemen. Sie sollten euch, Mordbrenner, die gebührende Antwort geben. Die Antwort eines Menschen mit guten Manieren: sie sollten diese Seite in der „Illustration" schweigend umblättern, llnd den Besuch Deutschlands für eine spätere Zeit vormerken. Für eine Zeit, in der ihr nicht mehr sein | werdet. Katja. Seite 8 »Sozialdemokrat* Donnerstag, 14. Juni 1V34. Nr. 187 PKAGBB ZtITIJMG ■ Ine Ü6fraus wirksame Drova- ganda Iss beul« dem modernen GesSLliemann In der Ameise In die Hand aeaeden. Sie wirkt am mellten In VILt- lern der oraan. tlrdeller und arbeitet IOt ihn, odne dog er nrode MiLlaaen hat und— da» wlidtlaNe— Srtola d-t N« Immer! Der reiche Heilmittelschatz(Eisenmineralmoor, Mineral- und Glaubersalzquellen) des Weltkurortes FRANZENS BAD bringt bei»rauen- u. Herzleiden. Glthf, Rheuma, Magen-, Darm-, Leber- und Stoffwechselkrankheiten, Diabetes, Erkrankungen der Niere und Harnorgane, des Blutet und der Nerven tausendfach erwloionen Heilerfolg. Kurzeit 1. Mai bi* Milte Oktober. Auskünfte und Prospekte durch die Kurverwaltung. 2*88 Betrügerische Sammelaktion. Die Post- und Tclegraphen-Tircktivn in Prag teilt mit: In diesen Tagen werden die Prager Tclephontcilnehmer von zwei bisher unbekannten jungen Leuten mittlerer Statur besucht, die sich als Angestellte des Tele» phon-Rcchnungsbureaus ausgeben und Geldspenden einheben. Da derartige Aktionen den Postangestellten verboten sind, ist es klar, das; e- sich um Betrüger handelt, die der Polizei übergeben werden sollten. «aas! und wissen «Sauft" In der Inszenierung Friedrich HölzlinS und mit den Dekorationen der Ausführung aus dem Goethejahr ging der erste Teil„Faust" in Szene. Es ist schwer zu sagen, woran eü liegt, dass in der zweiten Halste der Ausführung die Gretchentragödic alles andere über» schattend in den Vordergrund tritt, menschlich erschütternd in der ureinfachen Tragi! des Mädchen» schicksals. Von der Problematik des„Faust" bleibt wenig bcstchcn, Faust selbst wird beinahe zur Ne» bsnfigur. Zum Teil mag der Faust dcS Abends, Herr Elvald Balser vom Burgtheater, die Schuld an der Verschiebung des dramatischen Schwerpunktes tragen. Er spricht die Rolle, als wäre sie aus einem modernen Konversationsstück übernommen und läßt in den Gretchenszenen wenig von der faustischen Tragik selbst ahnen. Zudem wirkte das Kostüm, das Herr Balser trug, eigenartig genug. Man mutz nicht gerade historisch stilcchtcn Kostümen das Wort reden, aber dieser glattrasierte junge Mann mit dem weiten Halsausschnitt und dem Spitzenvorstotz am schwarzen Wams wirkte bei flüchtigem Hinsehen wie eine Dame. Von dem ehemals gerühmten Sprcchstil des Bürgt Heaters, dec ja längst mehr Sage als Wirklichkeit war, ist anscheinend unter der starken Hand des auwritären Herrn Röbbeling wenig mehr übrig geblieben. Herr Balser mindestens verschluckt ganze Verse, flüstert andere und sagt sprichwörtliche Sentenzen so nebenbei, datz sie gerade dadurch nicht vielleicht organisch und unaufdringlich, sondern nun erst recht als„Zitat" wirken. Ein weit stärkerer Eindruck war der Mephisto des Herrn V a l k. Von der glatten Dämonie war hier nur das Symbol, die rote Hahnenfeder, geblieben, sonst aber war der ganze Kerl, nicht nur in Farbe dcS Kleides, aus Lehm gemacht, irdisch, naturtvüchsig. Auch V a l k behandelt die Knüttelverse sehr eigenwillig, aber er steigert die Wirkung, seine Sprache ist wie die Figur selbst aus einem Guss. Ergreifend war das Gretchen der Frau Carola Behrens und man bedauert nun um so mehr, datz diese Künstlerin nicht wieder verpflichtet wurde. Auf der Prager Bühne stand seit Sonik Rainer kein so rührendes Gretchen. In den LicbcSszcnen und in der Folge der Reueszenen war sie glcichcrmatzen echt. Ais Marthe Schwcrtlein gastierte Frau Frank. Sie legte starke Farben auf, betonte das Groteske in der Mimik mehr als gut und tvar im Tonfall nicht gmiz frei vom Einflutz des Sprechstücks, Ivo es an der Grenze des Jargonstücks hält. Interessant Ivar die Hexe Walter T a u b s, sehr nett das Lieschen des Frl. Tilden, gut gesprochen die Stimme des Herrn (Demel). Im grotzen ganzen eine befriedigende und, wo die Behrens austrat packende, Ivo Valt 'aus die Bühne kam überaus fesselnde Aufführung. Das gut besuchte Haus nahm sic beifällig auf. Hoffentlich ermuntert daö die Bühncnleitung, im nächsten Jahr das klassische Schauspiel mehr zu pflegen als Heuer. E. F. Reine Raffe Uraufführung eines Lustspiels von A. Slonimskh im Ständetheater Den HeiterkeitSauSbrüchen und den durch wiederholtes Beifallsklatschen unterbrochenen Extempores nach zu schlicken, hat das tschechische Publikum die etwas derb und stark aufgetragenen Weltanschan» nunsbestrebnngen wohl verstanden, die da von der Bühne in dem zeitgemätzen Stück deS polnischen Autors klangen. Der rötlich-blonde Hitlergruppen- fiihrcr Haus von Stuck, der nach Polen konunt, um feine rassenreine Abstammung väterlicherseits zu suchen,(die arische Mutter und auch Grobmutter mütterlicherseits stehen fest), findet den gesuchten Vater in dem etwas stark rotblonden jüdischen Müller Rosenberg— wohl verstanden nicht von Rosenberg. lind mit diesem Vater auch das Ende seiner Karriere im Hitlerreichc, die er durch strammes Wesen nnd überlaute Deklamation deS nationalsozialistischen Wörterbuches veranschaulicht. Im Mittelpunkt dcS Stückes steht ein finanziell herabgekommener polnischer Gutsherr, der den Grafentitel nicht benützt— ein metaphysischer Edelmann, der seine Kartoffeln den Arbeitslosen aus der Stadt schenkt, weil der Verkaufspreis die AnSgralmngSkosten nicht deckt und der seine Dorfbanern mit dem Klopfen seiner Peitsche duckt. Einen ihm zu Gast von, der Regierung angebotenen sowjetrussifchcn Kommissär lässt er sich nicht aufdrängen, empfängt ihn aber in seinem Schlosse, obwohl der Kommissär der Sohn einer jüdischen Händlerin aus dem Dorfe und nebenbei— sein eigener ist. Dieser etwas wunderliche, ironisierende Lebemann— dessen Kinder haufen weise nicht nur im Dorfe herumlaufen— ist am Schlüsse auch etwas anderes, als er zu fein glaubte. Der um seine rassenrein« Abstammung betrogene Hitlerführcr und der nm seine proletarische Abstammung durch Mnttcrsünde gebrachte Sowjetkommissär, sie beide verfallen am Schlüsse dem Zauber der trägen polnischen Landschaft, die alles in Dunst hüllt; mir der polnische Gutsherr findet in sich die Merkinale aller Rassen. Herr Karen spielt den Nationalsozialisten. Hans von Stuck mit Betonung des Glaubens an alles Reinrasiige, wodurch die landläufigen jüdischen Merkinale dann stärker hervortreten. Herr P r ü ch a gab dem Sowjclkommisfär die richtige Zurückhaltung und Frau Vrchlickä der poetisch angehauchten alten Jungfrau Geschmack und heitere Note. Herr V y d r a bot die ganze Skala seiner Kunst auf, um den polnischen Edelmann, durch Bon mäts die Rassentheorie zu Boden schlagen zu lasten. Der Äntor weis; die Einwirkungen der aufiau- chcnden Bewegungen auf die gedankenlosen Hirne gut zu veranschaulichen. Datz sich aber Polen für ein Sanatorium für diktaturenmüde Menschen eignet? — Dunst. m. st Morgen, Freitag, 9 Uhr, Rachtsrrrnade im Für» strnierg'Gartent Programm: Mozart: Bläsersere- nadc in Es-dur; Mendelssohn: Drei Stücke aus „Sommcrnachtstraum"; Richard Strautz: Bläserserenade; Johann Strautz: Walzer„Kiinstlerlcben"; Smetana: Furiant. Dirigent: Szäll. Einheitspreis: Kä 10.—, Abonnenten nur Kä 5.—. Verkauf an der Theaterkasse täglich! „Tristan nnd Isolde" mit Anny Konetzni von der Berliner Staatsoper und Kammersänger Gotthelf Pistor am 21. Juni. Spielplan des Renen Deutschen Theaters. Donnerstag, den 14. Juni, halb 8 Uhr: Die Blume von Hawai, volkstümliche Vorstellung, A A.— Freitag halb 8 Uhr: Stratzenmufik, Dl. 0: Nachtserenade im Fürstenberggarten.— Samstag halb 8 Uhr: Der Jakobiner, B 2.— Sonntag halb 8 Uhr: Die keusche Susanne, A. A.(Alle Vorstellungen bi» auf Sonntag, den 17. d. M. finden im Rahmen der Prager Frühling statt.) Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag 8 Uhr: Lady Windermer e s Fächer.— Freitag 8 Uhr: Ho— ruck, Bankbeamte und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: W 0 war ich heut« Nacht?, Erstaufführung.—(Alle Vorstellungen bi» auf Samstag, den 16. d. M. finden im Rahmen de» Prager Frühling statt.) ticrlchtssaal Langjährige Blutschande mit der minderjährigen Tochter Fünf Jahre schweren Kerker».— Die letzte Verhandlung de» Schwurgericht». Prag, 18. Juni. Bon der heutigen Schwurge- richtsverhandlung, der letzten der Sommersession, darf nur sehr wenig berichtet tverdcn; nicht einmal alle» das, was nach der geheimen Verhandlung durch da» öffentliche Urteil bekannt wurde. Denn eine der hauptbeteiligten Personen ist ein siebzehnjährige» Mädchen, also eine Jugendliche im Sinne des Gesetzes über die Jugendgerichtsbarkeit. Solche jugendliche Personen genictzen nach dem Gesetz eine AuSnahmSstellung gegenüber gewöhnlichen Angeklagten. Die Berichterstattung über solche Prozesse mutz nicht nur die direkte Namensnennung des Jugendlichen venneiden, sondern auch jede nähere Bezeichnung der Familicnvcrhältnisse, örtliche Umstände und andere Tatsachen, welche Rückschlüsse auf die Person des jugendlichen Täters ermöglichen könnten. Da» Gesetz kennt auch in solchen Fällen nicht die Unterscheidung nach Verbrechen, Vergehen und Uebertretuugen, sondern bezeichnet das Delikt stets nur als„Verschuld en". Als Strafe wird auch nicht Kerker und Arrest verhängt, sondern„B e r s ch l i e tz u n g". Natürlich gelten auch andere Strafsätzc und Strafvollzugsvorschriften. Angeklagt waren also vor dem heutigen Schwurgericht eine 17jährige Jugendliche aus einem Dors und ihr Vater, ein löjähriger Kutscher. Die Anklage lautete für das Mädchen auf das Verschulden der Blutschande, für den unnatürlichen Vater auf die V e r b r c ch e n der B l u t s ch a n d e, der Notzucht durch Geschlechtsverkehr mit einer Minderjährigen, des Betruges, der versuchten V e r- lei tung zur falschen Zeugenaussage und der leichten Körperverletzung. Veranlassung zu dem Verfahren hat die Anzeige der jugendlichen Angeklagten gcgehen, die ein schreckliches Bild der Verkommenheit entrollte. Im April 1020, als die Tochter kaum zwölf Jahre alt war, vermag sich ihr Vater, der mit | seiner Frau in unglücklicher Ehe lebte, zum erstenmal an ihr. Seit Juli 1080 unterhielt er dann ein regelrechtes Verhältnis mit ihr, das jahrelang dauerte. Er mitzhandelte dabei das Kind auf die brutalste Weise, teils um sich seine Tochter durch Angst gefügig zu erhalte», teils weil er sie mit geradezu krankhafter Eifersucht verfolgte. Eine Nachbarin erzählte z. B., datz er ihr in einem Eifersuchtsanfall mit einem Bügeleisen ein Zeichen in» Gesicht brennen wollte, um die Dörfburscheir abzuschrecken, die sich an das Mädchen heranmachtcn. Schliesslich hielt es die inzlvischen 17 Jahre Gewordene nicht mehr aus und erstattete die Anzeige, ungeachtet dessen, datz sie sich damit selbst vor das Gericht bringen mutzte. Als nian den üblen Vater in Haft nahm, versuchte er, einen Zellengenossen anzustiften, die Schuld auf sich zu nehmen. Wegen dieser Sache wurde er der versuchten Verleitung zur falschen Zeugenaussage angeklagt. Dann halte er sich noch unter einer gewöhnlichen BetrugSanklag« zu veranttvorten. Im Vorjahr suchte er eine Haushälterin. Es meldete sich eine Frmi, der er versprach, sie nach Abfchlutz seiner im Zuge befindlichen Ehescheidung zu heiraten. Die Frau lieh ihm im Vertrauen auf dieses Eheversprcchen 1000 Kä, worauf er verschwand, ohne das Geld zurückzuzahlen. Die Verhandlung war natürlich geheim. Die Geschworenen iejahtm hinsichtlich de» Bater» mit Einstimmigkeit sämtliche Schuldfragen. Die angeklagte Minderjährige wurde mit elf Stimmen de» Verschuldens der Blutschande schuldig«r- kannst Gleichzeitig aber bejahten die Geschworenen mit zehn Stimmen die Zusatzfrag« auf«nwidersteh- lichen Zwang. Da» Mädchen wurde demnach freigesprochrn. Der Vater wurde zu fünf Jahren schweren und verschärften Kerker» verurteilt. rb. Der Kindertag in Prag findet am Sonntag, den 17. Juni, auf dem Pohokrlee(also nicht in Zbraslav!) statt. Beginn um 3 Uhr nachmittags. Im Festprogramm: Radioübertragungen, turnerische Vorführungen» Sprech- und Ge- sangöchöre, Ansprachen, Kinderspiele. ES nehmen alle deutschen proletarischen Organisationen PragS an dem Kindertag teil. Sport• Spiel• Hörperpflege Radsport-Meisterschaften in Saaz Der 1. Kreis des Aruk veranstaltete am 0. und 10. Juni in Saaz ein Kreistreffen, aus welchem Anlaste die Kreiümeisterschaften in allen Radsportarten ausgefahren wurden. Die Veranstaltung litt durch daü Zusammentreffen mit dem AtuS-Kindertag in Teplitz-Schönau und dem Wehrtage in Komotau. Trotzdem gestattete sich daS Treffen in technischer Beziehung zu einem vollen Erfolg. Am SamStag eröffneten die Wehrsportler die Wettkämpfe, denen sich jene im Reigen- und Kunstfahren anschlossen. Am Sonntag morgen» starteten die Rennfahrer um die Kreismeisterschaft im Stra- tzenrennen. Dieses Rennen gewann dadurch, datz Glöckner(Neudek) und Just(Krochwitz) zum Start erschienen Ivaren. Damit kam dieses Rennen einer Ausscheidung um die BundeSmeisterschaft gleich. Just gewann daS Rennen sicher. Glöckner gab zirka 80 Nieter vor dem Ziele auf. Al» Zweiter kam Schönfelder(Komotau) als erster Fahrer auS dem 1. Kreise ein und wurde dadurch KreiSmei» ster 1084. In kleinem Zeitabstande folgten den Rennfahrern die Leistungsprüslinge über die gleiche Strecke. Auf dem Sportplätze begannen hierauf die Wettbewerbe im Langsam- und im Tempofahren der Motorradfahrer. Die Wettkämpfe wurden mittags durch den Fcstzug unterbrochen. Danach brachten die neuen Kreismeister im Saalradsport Sonder- und Werbevorführungen; eine zahlreiche Zuschauermenge verfolgte interessiert die Darbietungen. Dann traten die Radballer in Aktion. Komotau festigte auch weiterhin seine führende Stellung. Beide Kreismeistertitel fielen diesem Vereine zu. Auf der Straße starteten währeiwessen die Rennfahrer zum 1-Kilo- meter» und 10«Kilometer»FIiegerrennen. Beide Nennen gewann Schönfelder(Komotau), der sich damit alle drei Meistertitel holte. Die Ergebnisse im Saalsporst Vierer-Schulreigen: Schülerinnen: Ud- witz 68 Punkte; Schüler: lldwitz 66.6 Punkte; Sportler: Turn 64.5 Punkte.— Vierer-Einrad- reigen: Eichwald 63.0 Punkte.— Einer-Kunstfahren: Schüler: Udwitz 8.00, Brüx 6.17 Punkte; Jugend: Kosten 12.40 Punkt«; Sportler: Turn 14.10, Kosten 18.27 Punkte.— Zweier-Kunstfahren: Schüler: Kosten 12.22, Brüx 0.45; Sportler: Kosten 17.06, Brüx 0.57, Kleinaugezd 8.55 fünfte.— Gruppenkunstfahren(Sportler): Kosten 15.08 Punkte.— Zweier-Radball(Kreismeisterschaft): Turn gegen Komotau 0:11.— Dreier- Radball(Krcismeisterschaft): Komotau gegen M- stritz 4:1. Die Resultate im Strahensport. 20 Kilometer-Rennen: Jugend: Richter-Ko- motau 82:85 Min.; Haupt klasse: 1. Just« Krochwitz 81:10 Min.; 2. Schönfelder-Komotau 81:11; 8. Grotzmann-Komotau 81.12; 4. Drak-Ko- motau 81:18; 6. Fliescher-Ratsch 81:17 Min. Drei Fahrer aufgcgcben.— 10-Kilomcter Fliegerrennen: 1. Schönfelder-Komotau 10:26; 2. Rudolf-Wistritz 11:22; 8. Fleischer-Ratsch 11:22.5 Min.— Ein- Kilometer-Fliegerrennen:.1. Vorlauf: Grotzmann- Komotau; 2. Vorlauf: Schönfelder-Komotau; Endlauf Schönselder.— 100-Meter-Langsamfahren: 1. Richter-Komotau 8:47 Min.; 2a. Enderl-Komotau 4:28; 2b. Niederle Josef, Kosten, 4:28; 8. Dietz- Kosten 4:15; 4. Baumgartl-Neudek 4:08; 5. Nie derle Fritz, Kosten, 4:02.5; 6. Kobek-Tischau 8:26; 7. Götz Siegfried 8:10; 8. Dürschmann-Udwitz 2:58 Min.— 5-Kilameter-Tempofahrrn der Motorradfahrer(25 Stundenkilometer): 1. Richter-Komotau 8.5 Strafpunkte; 2. Haufe-Tum 28; 8. Hart-Tum 84.5; 4 Schiller-Wteln 46.5 Strafpunkte; Kugler- Saaz in der zehnten Runde aufgegeben. Lus«er Partei 3ugenbbewes««g Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Heute, 8 Uhr im Parteiheim: Funktionärarbettsgemeinschaft. Referent Genosse I a k s ch. Per Film De» Kaiser» Wort DaS Interessanteste,— nein, das einzig Jn- tereffantc an diesem französischen Film ist daS Wiedersehen mit Pola Negri, die, al» Erscheinung noch immer eindmcksvoll, in Augenblicken stummen Spiel» und in Soloszenen an ihr« mhmreiche Vergangenheit erinnert. Der Film aber, in dem sie spielt, erinnert allzusehr an die.Mientopp"-Dramatik jener Tage: ein hiswrische» Schauspiel, daü mit Kostümen, Tänzen und höfischer Herrlichkeit aufwartet und diese Ausstattungsstücke durch eine schwülstige Handlung von Vaterlandsliebe und Verschwö- rung, von groher Leidenschaft und galanten: Abenteuer zusammenhält. Der Regisseur Gaston Ra, v e l hat weder die Handlung spannend noch die Pariser Welt de» zweiten Kaiserreichs fesselnd gestatten können. Und die Schauspieler: ein bartKvirbelnder Monsieur Rozenberg als Napoleon Hl., eine leer lächelnde Madame Lafayette als Kaiserin Eugenie und ein eindmckSloser Jüngling namens Willm als Partner der Negri machen den altertümlichen und unbeholfenen Film vollend» langweilig. Dian vermag nicht einzusehen, wamm man ihn spielt, wäh- rcnd andere französische Filme wie die„Miserables" nach Bietor Hugo, der„Cvainquebille" nach Anatol France, die„Eskimo»" von Van Dyke, der Pabst- Film„Von oben nach unten" und der„Liliom"« Film von Fritz Lang hierorts noch unbekannt sind. Im Vorprogramm kann man zum ersten Male eine Prob« der neuesten amerikanischen Farbfilm-Mode betrachten: eine gezeichnete Mär- chengroteSke, halb Bilderbuch und halb Micky-Maus. Sie beweist nicht» für die realistischen Möglichkeiten des farbigen Films, aber sie überzeugt von der Verwendbarkeit der Malerei für den Film. Wahrscheinlich ist hier eine neue Gattung der Filmkunst im Weichen.—ei»— Literatur Tschechische Geschichte Der Leiter der Prager ParlamentSbibliothck Dr. Zdenkk T 0 b 0 l k a, der bereits eine Reihe bedeutender Darstellungen aus der neueren tschechischen Geschichte veröffentlicht hat— von ihm stammt die beste Darstellung dec Anfänge der tschechischen Arbeiterbewegung sowie eine Geschichte der tschechischen Politik im Weltkriege— lässt soeben ein umfangreiches, mehrbändiges Werk über die tsche- choslowakische Politik von 1848 bi» zur Gegenwart erscheinen. Der erste Band behandelt die politische Geschichte der tschechoflowakischen Nation von 1848 bis 1860, der zweite die Zeit von 1860 bis 1870 und der soeben erschienene dritte Band die Epoche von 1870 bis 1801.(Politickä dfijlny Ceakoslo- vensköho näroda od r. 1848 a2 do ckueSnl doby. DU III,&st 1. Praha 1034. Näkladem„Cesko- slovensköho Kompasu“, Smtchov, Plzefiskä 79. Preis Kä 50.—). Der letzierschienene Band weist alle Vorzüge der früheren Geschichtswerke Tobolkas auf: gründliche Beherrschung deS Stoffe», klare Darstellung, kritische Würdigung der Geschichtsereignisse, treffende Charakteristik der wichtigsten behandelten Persönlichkeiten.' Den Inhalt deS Bandes bildet die Schilderung der tschechischen Politik zur Zeit der Regierung Taaffe, da die Alttscheche» das Fernbleiben vom Abgeordnetenhause, das sie durch sechzehn Jahre betrieben hatten, ausgaben, und den Ausgleich von Deutschen und Tschechen von 1800, die sogen. Punktationen. Nicht minderes Interesse erweckt die Darstellung der Anfänge der selbständigen Partei der tschechischen Arbeiter so- tvie der tschechischen Bauern und de» Einflusses der Realisten" auf die tschechische Politik. Plastisch tritt die Charakterisierung der Persönlichkeiten Masa- rykS, ÄaizlS, Brass, KramäkS u. a. hervor. Es ist zu wünschen, das; der Autor sein Werk, daS für die Geschichte der Zeit, die darin dargc- stellt wird, grundlegend sein wird, bald vollendet. E. St. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung in» Sau» oder bei Bezug durch die Post monatlich Kä 16.—. vierteljährig Kä 48— halbjährig Kd 06.—. gauziährig Kd 102.—.— Jnteraie werden laut Tank billigst berechnet. Bet öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retournmrken.— Die ZemmgSfrankatur wurde von der Post» und Telegraphen- dtrektion mit s-rlatz Nr. 18.800/VII/1080 bewilligt.— Druckerei:„OrbiS" Druck». Verlag», und ZeitungS-A.-G., Prag.