Einzelpreis 70 Heller 14. Jahrgang Freitag, 15. Juni 1934 Nr. 138 RSCHHNT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xiu fochova ia. Telefon jw. aonnwmtion iwon am. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR, WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS, FRAG. UNTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK Transfer völlig eingestellt Gewundene Bankrotterklärung Dr. Schachts Auch die Dawes- und Young-Anleihe betrollen Berlin, 14. Juni. In der brütigen Sitzung dcS ZcntralauÜschuffcS der RelchSlmnk machte ReiihSbankpräsident Dr. Schacht die Mitteilung von einer„Arndrrung" der Trans- ferregelung mit Wirkung vom 1. Juli, dir darin besteht, das? für alle lang» und mittelfristigen deutschen Ausländsanleihen bis Ende dieses Jahres ein volles Transfermoratorium in Kraft tritt. Die Besitzer von Zinöscheinen können diese in„FnndierungSbonS" umtauschen, die erst 1945 fällig werden, oder sie— jedoch erst nach dem 31. Dezember— zu 40 Prozent ihres Nominalwertes an die Rrichsbnnk in Devisen verlaufen. Dr. Schacht erklärte, daß jetzt, nachdem durch dir Entwertung der Währungen der Haupt- sächlistrn Konknrrenzländer und durch ständige Zollcrhöhungen und Einfubrkontingrntr der deutsche Absatz immer mehr geschmälert wurde, der Zeitpunkt gekommen sei, wo der Valuta- tranSfer auf die noch bestehende AuSlandSvers chuldung Deutschlands zur völligen ll n- m ö g l i ch k e i t(?) geworden sei. Möglich sei, daß sich anS der Erschwerung Dentschlando, Rohstoffe zu kaufen, neue Schwierigkeiten für die deutsche Volkswirtschaft ergäben. Im Anschluß ML dir Mitteilung der Rrichsbanl hat der ReichSfinanzminister der BIZ in Basel mitgeteilt, daß auchfürden Dienst derDawrS» undAoung» Anleihe„vorübergehend" bis auf weiteres Devisen nicht mehr verfügbar sind. Dieser Mitteilung sind noch Eingabe» über die unveränderte Weiterzahlung drS AnlrihrdiensteS in Reichsmark beigefügt. Der Außenhandel Im Mal Stärker als Im Mal 1933, aber schwächer als Im April 1934 Das statistische Staatsamt veröffentlicht so» eten die Ziffern über den Außenhandel im Mai 1034. Danach betrug die Einfuhr im reinen Warenverkehr rund 623 Millionen, dir Ausfuhr rund 639 Millionen KL, die Handelsbilanz war also mit rund 16 Millionen KC aktiv. Sowohl Einfuhr als auch Ausfuhr übersteigen den Außenhandel in der gleichen Zeit des Vorjahres. Im Mai 1933 war nämlich die Einfuhr nmd 476.5 Millionen, die Auüfuhr 465 Millionen, die Handelsbilanz war als» mit 10.5 Millionen KL passiv. In den ersten fünf Monaten 1934 war die Einfuhr 2554.5 Millionen, die Ausfuhr 2569 Millionen wieder durchweg- höher als 1933, da die Einfuhr 2121 Millionen, dir AuSfuhr 2179.5 Millionen betrug. Allerdings ist der Außenhandel im Mai 1934 geringer alS im April 1934, da im reinen Warenverkehr(ohne Edelmetalle und Münzen) die Einfuhr 575 Millionen, dir Ausfuhr 550 Millionen betrug. Graf Moltke muS für Goebbels Intervenieren Warschau. 14. Juni. Herr Goebbels, dem die plötzliche Abfahrt des Staatspräsidenten aufs Land und die ebenso plötzliche Erkrankung des Rarschalls Pilfudski ausgerechnet an dem Tage, an dem sie ihn empfangen wollten, äußerst peinlich sind, da dies die wirklichen Erfolge seiner AuS» landspropaganda und die»Herzlichkeit" der neuen polnisch-deutschen Freundschaft so eindeutig kundtut, hat heute früh den deutschen Gesandten Grasen Moltke in Bewegung gesetzt/ um dennoch einen Empfang wenigstens durch Pilfudski zu erreichen. Pilfudski ließ sich schließlich auch herbei, sein »Krankenbett" zu verlassen und Goebbels etiva 30 Minuten in Audienz zu empfangen. Halbamtlich wird bekanntgegeben, dass die Besprechung rein privater und gesellschaftlicher Natur war. Beim Staatspräsidenten konnte sich Goebbels jedoch nnr in das Audicnzbuch Einträgen. Ein peinliches Gastgeschenk Höchst peinlich musste es gleichfalls auf Herrn Goebbels wirken, daß die polnischen Behörden ausgerechnet heute für ganz Polen die A u f l ö s u n g der polnischen nationalsozialisti- schen Arbeiterpartei, die ein der deutschen nationalsozialistischen Partei ähnliches politisches Programm vertrat, angeordnet haben. Die Zugehörigkeit zu der aufgelösten Partei soll in Zukunft gerichtlich verfolgt werden. rrankrelchs Zahlungs ablehnung Grundsätzliche Anerkennung der Schulden. Paris, 14. Juni. Die Regierung veröffentlichte in den späten Abendstunden des Mittwoch den Wortlaut der französischen Note in der Schuldenfrage an Amerika. In dieser Note wird darauf hingewiesen, daß seit Dezember 1932 kein neuer Faktor hinsichtlich der Regelung der zwi- schenstaatlichen Schulden eingetreten sei und daß sich die französische Regierung deshalb nicht in der Lage sehe, die Zahlungen am 15. d. M. wieder aufzunehmen, die sie seit dem 15, Dezember 1932 infolge des Moratoriums gezwungen gewesen sei, hinauszuschieben. Die französische Regierung, macht jedoch gleichzeitig darauf aufmerksam, daß sie die Schulden an sich nicht bestreite mrb nach wie vor bereit sei, mit der amerikanischen Regierung eine Regelung anzustreben auf einer Grundlage, die den gegenwärtigen Umständen Rechnung trage. Sie gibt ferner der Hoffnung Ausdruck, daß eine solche Regelung in Kürze gefunden werden könne. Inflatlonsstlmmuns Im Dritten Reich Reuter meldet ans Berlin, daß die Reichsbant eine Ablvertung der Mark um vierzig Prozent plane. Der Berliner Korrespondent des Londoner„Daily Herald" erhielt zivar von der Reichsbank die Auskunft, daß sie diese Meldung dementieren müsse, aber aus Berliner Finanzkreisen erfuhr er, daß nian dort davon überzeugt sei, daß Schacht unter dem Eindruck der sinkenden deutschen Ausfuhr, des katastrophalen Devisenmangels und des ständig wachsenden Defizits tatsächlich zu einer rigorosen Abwertung der Reichsmark entschlossen sei. Man spricht davon, daß Schacht die Baseler Internationale Bank bereits über sein Vorhaben unterrichtet habe. Widerspruch in Paris Paris, 14. Juni. Die Mitteilung der deutschen Regierung, daß Deutschland den Ziuscudicnst der DawcS- und der?)oung-Anleihe nicht zahlen wird, hat in Pariser parlamentarischen Kreisen sowie in der Presse lebhafte Proteste hervorgerufen. In den Parlamentskouloirs wurde darauf verwiesen, daß sich Frankreich nicht damit zufrieden geben werde, diese neuerliche Verletzung der deutschen Verpflichtungen einfach zur Kenntnis zu nehmen. Der französische Botschafter in Berlin hat bereits vor einigen Tagen die deutsche Regierung nachdrücklich auf die Konsequenzen aufmerksam gemacht, welche Frankreich aus diesem Verhalten Deutschlands ziehen würde. Man Venedig, 14. Juni. Reichskanzler Hitler kam heute vormittags um 10 Uhr im Flugzeug von München auf dem Flugplatz San Nicolo in Venedig an. In seiner Begleitung befanden sich Reichsaußenminister von Neurath, der RcichSpressechef etc. Hitlers Maschine wurde von einer italienischen Fliegerstaffel begleitet. Auf dem Flugplatz wartete Mussolini, der Hiller„herzlich" die Hand schüttelte und ihn dann im Motorboot bis zum Grandhotcl begleitete, wo Hitler untergc- bracht ist. Am Nachmittag begab sich Hitler in die Villa Pisani in Stra, Ivo ihm Mussolini wieder entgegenkam. Nach einem Essen begann um 15 Uhr die erste Unterredung, über die amtlich nur folgendes Kommunique ausgegeben wurde: „Der Chef der italienischen Regierung hat dem deutsche» tltcichskanzler heute ein Frühstück in der Billa Pisani in Stra gegeben. Rach dem Frühstück haben dir beiden Regierungschefs eine über zweistündige Unterredung gehabt. Die Unterredung wird morgen fortgesetzt werden." Wie das DNB dazu noch erfährt, fand die Unterredung unter vier Augen statt. glaubt, daß dies bereits bei der Wiederaufnahme der franzöjisch-dculschcu Handclsvertragsverhand- lungeu, die in den nächsten Tagen in Berlin erfolgen sollen, in Erscheinung treten wird. DaS Ministerium sür auswärtige Angelegen, Helten veröffentlichte abends eine Note, in der eü heißt, daß die französische Regierung sich mit der Angelegenheit befaßt und die entsprechenden Maßnahmen zur Sicherung des Schutzes der Interessen der sranzösischcu Inhaber dieser Anleihen treffen lvcrdc. England hlhrt Clearing verkehr ein London, 14. Juni.(Reuter.) Vor sieben Wochen hat die Regierung Groß-Brilannienü der deutschen Negierung mitgelcilt, daß sie mit der größten Gewissenhaftigkeit alle Vorschläge betreffend ein Moratorium für den Transfer von Zahlungen aus die Dawes- und die Noung-An- leihc prüfen würde. Diese angekündigte Aktion wird voraussichtlich so durchgesührt werden, daß ein obligatorisches E l e a r i n g h o u s e sür den Handclsvcrlchr Deutschlands mit Groß-Britan- nien errichtet werden wird. Die Zahlungen, welche auf die Dawes- und die Uouug-Anleihc geleistet werden sollen, werden von jenen Beträgen in Ab- rechuuug gebracht werden, welche in das Clca- riughouse als Entgelt für deutsche Erzeugnisse abgcführt werden werden. Der Kanzler deS Staatsschatzes tvird morgen im llntcrhausc eine Erklärung über das deutsche Moratorium abgeben. Mehrere Pariser Blätter haben ihre Sonderberichterstatter nach Venedig entsandt, welche ausführlich den ostentativen Empfang schildern, der Hitler von Mussolini, den italienischen Behörden und der italienischen Oeffentlichkeit bereitet wurde. Hitler wohnt im Grandhotel, wo er die auserlesensten Appartements bewohnt, die sonst den Herrschern und den königlichen Prinzen Vorbehalten sind. Weeden die 400.000 streiken? Pittsburg, 14. Juni.« das Grab, um Abschied zu nehmen. Aus dem Rasen waren die Schritte unhörbar. ES war, als ob alle guten Geister der Menschlichkeit und deS Rechts geschwebt- kämen, um den Garten zu segnen. ES wurden keine Grabreden gehalten, daS wäre zu gefährlich gewesen. nur der alte Mann, der die rote Fahne gebracht hatte, sagte leise, als er sie aus der Erde uahm und wieder versteckte: „Lebt wohl. Wir werden Euch nicht vergessen." In der Dunkelheit drückten fremde Hände die meinen; ich konnte die Gesichter nicht unterscheiden, aber ich wußte, daß ich zu ihnen gehörte. Und als der alte Man«« zu mir trat, ihn erkannte ich an dem gebeugten Rücken und den schleppenden Schritten, sagte ich: „Wenn ihr mich braucht... mich und alles, waö ich habe... Ich glaube, ich habe jetzt das Recht von Euch zu fordern, daß auch ich helfen darf." Sie tvaren so gut zu mir, diese halb unsicht- bareu Gestalten. Am meisten rührte eS mich, als der Vater des jungen Toten mir zuflüsterte: „Ich bii« Freidenker, aber wenn Sie ein Gebet spreche» wollen..." Ich konnte nur erwidern: „Die einige Gerechtigkeit schütze und hüte Euch alle und befreie unser Land voi« dem Uebel." Schatten huschten durch die Nacht. Der Garten wurde leer. Nur Fritz und Seppel blieben zurück und glätteten die Erde über dem Grab, damit keiner von den Feinden wisse, wo unsere Kinder liegen. Am Morgen hätte niemand sehen können, daß unter der jungen Linde zwei Menschen be graben lagen. Aber ich wußte es, und ich blickte zu dem starken junge«« Baum empor, der seine duftenden knospenden Arme in den blauen Himmel reckte, kühn und kräftig, als könne kein Sturm und lein Blitz ihn vernichten... Seit jener Nacht sind viele Tage verflossen. Die Linde hat das geheime Grab mit chren Blüte«« bestreut, und die verschwenderische Pracht des Sommer- blüht im Garten. Wir sind abgeschlossen von der ganzen Welt. Keine ausländische Zeitung kommt ii« unser Land, wir dürfen nicht Ivisse««, was geschieht. Aber wir wissen dennoch um das Grauen, das die Sommersonne verdunkelt. Wir tvisse«« von dei« Gefolterten in den Konzentrationslagern, wir wis<- sei« von den„Auf der Flucht erschossene««, von den Leichen, gemordet von„unbetaniiten" Tätern. Wir wisse««, wenn ein Nichtarier st« den Tod getrieben wird. Wir tvissen, daß ehrliche Priester verschleppt werden. Wir wissen, daß ein Kamps gegen das kleine Oesterreich eingesetzt hat, das sich nicht„gleichschalten" lassen will. Quälende Ängst verpestet die Luft. Wenn Fritz einige Minute«« später heimkommt, wen» ich nicht weih, wo Seppel ist, wenn Kaki mich au einem Tag nicht aufgesucht hat... Wie entsetzlich Ware«« die Nächte, da ich sie drei Tage laug nicht gesehen hatte, und weder Fritz noch Seppel etwas von ihr wußten l Ich ging stundenlang im Garten umher; ich wartete zitternd auf das furchtbare Geschrei, das immer etwas Böses verkündet. Ich eilte am zweiten Morgen in ihre Wohnung, aber sie war nicht da. Und ich durfte nicht nach ihr fragen. Ich wußte ja nicht, wem ich trauen tonnte. Die wildesten Gedanken kamen mir: ich werde zu Hellsdorf gehen, werde ihn erpressen. Es gibt etwas i>« seiner Vergangenheit, das er verbergen lvill. Ich«verde zu Frau Doktor Feldhüter gehen, sie ist eine Frau, sie muß Erbarme«« haben. Mit Mühe hielten Fritz und Seppel mich von diesen unüberlegte«« Schritten ab. Endlich, in der Nack't des vierici« Tages erschien Kati, müde, verstaubt, wie iiach einer langen Wanderung. Sie lachte mich aus, als ich ihr voi« meiner Sorge um sie erzählte. „Wir können doch nicht die Hände in den Schoß legen", sagte sie,„wir müssen arbeiten". Wenn ich doch nur um zehn Jahre jünger wäre, damit auch ich an dieser Arbeit teilnehmcn könnte. So sitze ich hier, eine unnütze alte Frau und zittere um das Leben der mir liebe«« Meu- scheu und sie sind mir alle Lieb geworden, die verfolgt werde««, die leiden, die sterben. Einmal durske ich etwas tun, durfte mit dem Motorboot Nachricht hinauöbrlngen, in die Schweiz, und einen Menschen konnte ich noch über die Grenze retten. Jetzt jedoch, vor einer Woche, haben sie mir das Boot beschlagnahmt. Ick sehe es bisweilen unter der Hakenkreuzfahne über den See dahinrasen und frage mich, für wen es, das zum Retten auScrse- hcn Ivar, Unheil bedeutet? Sonst freilich lassen sie mich in Ruhe, lind das ist gut. Habe ich doch immer von««eucm et- «vaS zu verbergen: Flugschriften, verbotene Zeitungen, hin und wieder auch in der kleinen scn- sterloscn Kammer hinter dem großen Schrank einen Mensche««, aus den Jagd gemacht wird. Neulich. wie gerade so ei» Mensch bei mir war, erschien freilich ein S. A.-Mam« und wollte Haussuchung halten. Ich war zermürbt von den Ercig- ««issen der letzten Woche, ich hatte Angst, daß ich die Fassung verlieren könnte. Der S. A.-Mam« sah nicht sonderlich bedrohlich aus. Ich bemerkte, daß er mit gierigen Augen die Zigaretten auf meinem Tisch betrachtete. Ich überwand mich und bot ihm eine an. Er rauchte die eine und dann eine zweite. Schließlich brummte er: „Ein gutes Kraut, das können wir uns nicht leisten." „Bei Ihrer Löhnung?" fragte ich harmlos. Er machte ein wütendes Gesicht. «WaS, Löhnung! Wir habe«« seit vierzehn Tagen leinen Pfennig erhalten.". (Fortsetzung folgt) 9tr. 188 JVrritag, 15. 3u>ti 1034 Seite 3 Keine Aufhebung von Hochschulen I Beschlüsse des KulturanSschuffeS. Der Kulturausschutz des Abgeordnetenhauses verhandelte heute in Gegcnlvart des Schulmini* fier» Dr. K t nt d f elf Petitionen, in denen ge« gen die Aufhebung von Hochschulen protestiert wird. Der Hochschulprofessor Jng. Zahoksky, tschechischer Nationalsozialist, erstattete ein über« sichtliches Referat, in dem er abschlietzend vor feder Aushebung von Hochschulen warnte, weil wir in Zukunft wieder das aufbauen mützten. was wir heute anfhebcn. Minister Dr. Krkmär betonte die Grundsätze der Schulverwaltung, datz unser Schulwesen erst im Ausbau begriffen und noch nicht fertig aus« gebaut sei, so datz es erst in der Zukunft stabilisiert tvcrden könnte. Jeder Eingriff in die Ent« Wicklung würde die Stabilisierung nur hinaus* schieben. Es sei richtig, datz niedrigere und mittlere Schulen errichtet wurden, die heute nicht not« lveiwig sind, denn eS hat sich namentlich für einige Fachschulen die Situation grundlegend geändert. Die Hochschulen sind aber nicht nur Lehr« anstalten, sondern vor allem wissenschaftliche und Forschungsinstitute. Es entscheidet daher nicht nur die Zahl der Hörer in diesem oder jenem Gegen- stand. Die Hochschulen bilden ein gewisses Ganzes, so datz z. B. eine juristische oder philosophische Fakultät ein Stückwerk wäre, ebenso ist die medizinische Fakultät in engster Beziehung zur natur« wissenschaftlichen Fakultät. Allerdings seien kleine Hochschulen nicht haltbar, ebenso wenig wie eine Hochschule von gigantischem AuSmatze. Man dürfe die Rationalisierung der.Hochschulen nicht ver« geffen und eS ließe sich viel an dem Betrieb ersparen. Nach der Ansicht des Ministers müsse für die Aufhebung von Hochschulen vor allem das llmversitätSgesetz von 1820 in Betracht kommen. Anschlictzend an die Erklärung des Ministers entwickelte sich eine ausführliche Debatte. Schließ» lich wurden zu den einzelnen Petitionen die Anträge des Referenten angenommen, datz die Regierung an der Zusammensetzung der bisherigen Hochschulen nichts ändern wird, namentlich auch, was die tschechische Universität und die tschechische Technik in Mähren betrifft. ver Kampf um die Jugend im sudetcndeutschm Bürgertum. Die deutsche Turnerjugend ist fast restlos in die Henlein-ront cingeglicdcrt und der Bund der Landjugend wurde zu einem Anhängsel der Henlein-Front, so datz auf einem großen Sektor des sudctendeutschen Jugcndlcbens der Totalitätsanspruch Henleins verwirklicht ist. Gegen das weitere Vordringen Henleins in die Kreise der fugend wehren sich vor allem die Christlichsozialen mit großer Kraft. DaS kam auch aus dem Reichsparteitag der Christlichsozialen deutschen Volkspartei und insbesondere in der Rede des Partei- docsitzendcn Hilgenreinec zum Ausdruck. Der christlichsozialc Parteitag hat drei Leute aus der Jugendbewegung in den Parteivorftand berufen. Die Christlichsozialen lassen nun diese Jungen auch als Sprecher der Partei auf den einzelnen Parteitagungen auftreten. So hat der Reichs- fugcndführer Hoffmann auf dem Kreisparteitag in Wekelsdorf ein politisches Referat erstattet; in einer gröberen Versammlung in Rei- chenberg sprach der Landesjugendführcr Heinrich Schubert. Diese Bemühungen der Chrisllichsozialen um die Jugend verdienen getoitz unsere Aufmerksmn- leit; nicht weniger aber die Methoden, die diese jungen Leute im politischen Kampfe an- Wenden. Der„Reichsjugendführer" hat sich zu nichts anderem aufschtvingen können als zur Wiederholung der Phrasen, die gegen die beiden deutschen Regierungsparteien in den letzten Tagen von der „Deutschen Presic" vorgebracht werden. Er sagte u. a.:„Aber ebenso energisch geben wir auch unterem Unwillen Ausdruck über die Leute, die sich zwar auch deutsch nennen, die sich aber durch ihre übergroße Loyalität eine deutsche Position um die andere rauben lasse n." Wenn die junge Generation der Christlichsozialcn genau den gleichen Unernst, genau die gleiche Demagogie zum. Ausdruck bringt wie Herr Hilgenreiner, dann werden die„Er- ncuerungsbestrcbungcn" der Hoffmann und Schubert kaum Aussicht auf Erfolg haben. Lin Standgerichtsprozeß in Salzburg Wien, 14. Juni. Das Wiener Standgericht begab sich heute nachmittags nach Salzburg, wo morgen der Prozeß gegen die fünf Nationalsozialisten beginnen wird, weiche am 10. Juni in Liefering bei Salzburg in den Saal, wo gerade die dortige katholische Jugend versammelt war, eine GaSbombe warfen. Der Hauptangeklagte ist der 22jährige Josef Fieber, seine Kompliren sind der 33jährige Beter Bernegger, der Istsährige Rudolf Ortner, der 38jährige Josef Kein und der 34jährige Ludwig Maier. Ermächtigungsgesetz angenommen gut Rede i letzt« gerade welche sowie notwendig« Landesprodukte zu er- Preisen erhält! Eine zentrale Be» der Lebens, und Futtermittel müßte sozialen Gesichtspunkten erfolgen. Ent. Ge- die wortreiche wankend machen, rin Interesse daran der neue wertvolle durch keine innere ge» bat in die Mitarbeit der und mittel st ändischen Dem Herrn Kollegen N a j- u. a. der und der H o d a£, der haarklein Redner beteiligt«, daS Ermächtigungsgesetz in Form, angenommen. Referent war der frühere Innenminister Dr. Slavik, der neuerlich als Sprecher der Koalition ein Gelöbnis auf die Demokratie ablegte: „Unsere Demokratie ist al» eine der sozusagen eine Ausnahme, fir hat irdoch in diesen außerordentlichen Berbältniks«, unter dem Einfluß der NachkrirgSpsnchose, der moralisch« und materiell« Krise steh«, ihre historische Miffion. Wir bekenn« und zur Demokratie nnerschütterlich und in dem fest« Glauben, daß die Demokmtie die einzige gerechte und dem BolkSwiklen am best« zum Ausdruck bring«de Instituts« ter menschlich« Gesellschaft ist. Unsere Pflicht ist es, die Demokratie zu ver- bcsse« und sie zu eine« wirksam« und fähigen Jnst«m«t zur Uederwindung der variidergehen- dm Schwierigkeit« auszugeftalt«. Wir glaub« Genosse Jaksch: Nach der Annahme des Ermächtigungsgesetzes in beiden Lesungen gab das Haus noch die Zu- stimmung zu einer vicrlvüchigen Fristerstreckung an den sozialpolitischen Ausschuß zum Zwecke der Durchberatung der Regrcßvorlage. Dadurch ist. lvie Ivir schon gestern andeutcten, die Vorlage praktisch auf den Herbst vertagt. In der nächsten Sitzung, die morgen um 11 stattfindet, soll die Novelle zum Über die Prag, 14. Juni. DaS Parlament hat heute nach ganztägiger Debatte, an der sich zehn seiner neu« biS Ende Juni 1V3S terminierten an den Endsieg und die Festigung der Demokratie, nicht bloß bei uns, sondk« in der ganz« gebil- j detrn Welt. Slavik verwies dann u. a. auch noch darauf,> datz da» bisherige EmtächtigungSgesetz gezeigt bat,! daß alle Befürchtungen, die bei der ersten Beschlußfassung seinerzeit geäußert wurden, sich al» unbegründet herausgestellt haben. Während der! Dauer des Gesetze» wurden 87 Regierungsverordnungen erlassen; in derselben Zeit hat da» Parlament 46 und der Senat 48 Regierungsanträge durchberaten. Für die Nationalversammlung bleibt also genug zu tun übrig. Von Koalitionsseite hatten außer deut Referenten auch der Landbündler Böhm und zum Schluß der tschechische Agrarier M a i a t a auf die drohende Mißernte und ihre Konseguenzen hingewiesen und HilfSinaßnahmen verlangt. Für demokratische Krisenlösung Die Demokratie helBt auch für die Landbündler Farbe bekennen I di« ständisch-sasristifchen Abenteuer der Hrimat- sront mitmachen? In diesem Punkte tut«ine Klarstellung not, denn die ernste Situation der heutigen Zeit«rsordrrt rin offene» Bekenntnis zur Demokratie! Die Krise der Diktaturen, die sich riirg» um un» abspielt, bezeugt eü, daß w i r auf dem richtigen Wege sindl Wunder kann auch der Herr Hitler nicht vollbringen; die Krise ist vielniehr nur zu bannen durch ehrliche, mühevolle Aufbauarbeit. Nur eine Demokratie, und zwar ein« antikapitalistisch orientierte Demokratie, kann jene Aufgaben erfüllen, die uns die Krise d«S kapitalistischen Wirtschaftssystems gestellt hat. Der demokratische Wille der Arbeiterschaft kann e» aber allein nicht schaffen, wenn er nicht den Willen zur ehrlichen demokratischen bäuerlichen Schichten vorfindet. m a n, der beute von hier auS die Sozialdemokraten in Bausch und Bogen für alles verantwortlich macht hat, möchte ich die Fragen stellen: WaS der Mittelstand dadurch gewonnen, daß er Deutschland und in Oesterreich mitgeholfen hat, Demokratie zu vernichten? Sind unser« mittelständischen Kreise an einer Balkanisierung unsere» Lande» interessiert, wie sie sich heute in Oesterreich abspielt und Handel rind Wandel lahmlegt? Wenn der Boden der Demokratie einmal derlaflen ist, dann beginnt die Konjunktur der Abenteu rer. Aber die Konsequenzen sozialer, wirtschaftlicher und politischer Natur für die große Mnfle der Bevölkerung, die sind sehr schtver zu ertragen l ES müssen eiurnal auch die Herren im bürger- sichen Lager zur Kenntnis nehmen, daß die Krise mit rein kapitalistischen Methoden nicht mehr zu überwinden ist. Die Entscheidung steht heute zwischen kapitalistischer Katastrophe und sozialer Er- nenerung der Wirtschaft und Gesellschaft! Untere Zustimmung zum lßrmächtigung»- gefetz besagt, daß wir Staat und Wirtschaft im Interesse der Arbriterkloste vor Kataftrovhen bewahren und alle Möglichkeiten ouStchöpfen wollen, nm diese Republik al» Boden der friedlichen Arbeit, de» sozialen und kulturellen Aufstiege» der arbeitenden Massen zu erhalten«nd zu sichern.(Lebhafter Beifall.) Die Opposition gegen das Gesetz bestand vornehmlich aus drei Kommunisten, die auf einmal entdeckt hatten, daß auch bei uns gewisse sozialpolitische Errungenschaften der Arbeiterschaft bestehen. die der Verteidigung auch durch Rrrcvo- lutionärc bester moslotvitischcr Prägung ivcrt sind. Zu ihrem Leidwesen mußten sie, wie Genosie Fatsch ironisch fesisteilte. diesmal wenigstens die Phrasen von den„imperialistischen Kricgövmve- reituugeii gegen Soivjctrußland" unter den Tisch fallen lassen, da das angesichts der Annäherung. zwischen Rußland einerseits und Frankreich und der Kleinen Entente andererseits doch etwas gar zu deplaciert geklungen Halle. Dem Kommunisten Klimcnl vor allem wäre ein kleiner Aufenthalt in Deutschland— vielleicht in einem Konzentrationslager— bestens zu empfehlen, damit er doch einmal den llnterschied zwischen der tsche- choslowakischcn Demokratie und dem Hitlerismns kennen lernte; hcnie hatte er nämlich kühn behauptet, daß eS gar keinen solchen llnterschied gebe. Auf diese Herrschaften paßt wirtlich nur die Bezcich'.ung„P arasitcn dccDcmo- k r a t i e", die Genosse Falsch in ehrlicher | rüstnng über solches unzurechnungsfähiges i schwefel ihnen gab. Bon der sonstigen Opposition sprachen ! der frühere Eiscubahmuinisier N a j m a n, ’ antimarristischc Komplexe abreagierte, ! Nationaldemokrat Dr. 7 bewies. daß dem Parlament durch das Ermächtigungsgesetz Rechte entzogen tvürden, die ihm die 7". Dabei hat Herr I Hodaö samt seinem Klub schon zivcinial für das t! Die deutsche Opposition hatte sich aus eine kurze, natürlich ab- lehnende Erklärung beschränkt, die S t e>l z e l mokratie, der Jugend zu helfen, wir betonen bortrug. aber auch die Pflicht der demokratischen Regie-1 runggparteien, die Jugend zu warnen vor den Sirenenklängen, dir anS der fafcistischrn Nachbarschaft zu unS herüberdringen. Es wäre nur zu wünschen, datz sich gerade die deutsche Agrarpartei endlich dazu aufrafft, i einen klaren Trennungsstrich zwischen ihren demo kratischen und ihren fasristischrn Elemente» zu ziehen! Wollen di« Agrarier demokratische Uhr ftrisenlösungen durch eine Zusammenarbeit der Pressegesetz eingebracht werden, Arbeiter und Bauern'? Oder wollen Sie die onti- einige Blätter bereits ausführliche Informationen marxistische EinkreisungSpolitik eine» Henlein«nd auS angeblich sicherer Quelle bringen. „Wichtige" Beratungen zwischen Feh und GömböS? Bndo,''rst, 14. Juni. Der österreichische Sicherhcitsminister Fel) hatte gestern nachmittag eine mehr als cinstündigc Unterredung mit dem Ministerpräsidenten GömböS, wobei nach verläßlichen Informationen>v i ch t i g e(?) Fragen erörtert worden seien. Nach dem heutigen Diner sind die beiden zu einer neuen Beratung zusam« mengetrcten. Am Abend ist Feh mittels Flugzeug nach Wien abgcrcistl— Die österreichischen Bundesbahnen sind ihm anscheinend schon zu unsicher geworden! Auch der Sprecher unserer Frottion, Genosie I a I s ch, kam auf die drohende Mißernte zu sprech««nd erklärte unsere Bereitwilligkeit zu Hilfsmaßnahmen, falls sie ausschließlich unter s o z i a- len Gesichtspunkt« erfolgen. Andererseits hielt Jakfch den Kommunist« und später noch mehr den Landbündler»» eine aus- schlutzreichr Borlesung über das Kapitel„Demokratie". Während er dir Kommunist« selbstredend mehr ironisch abtot und sich um ihre gelrg«flich« StörungSversuikte nicht kümmerte— die Abfuhr besorgten schon unsere anwesenden Genossen— stellte Jaksch andirdeutschen Agrarier die sehr ernste Frage, ob sie in ihren eigenen Reihen nicht doch einmal eine reinliche Scheidung zwischen Fascistrn und Demokraten durchführen wolle». Eine klare Stellungnahme wäre hier wirklich allerhöchste Zeit! Genosie Jaksch stthrle u. a. aus: Die Vorlage soll der Regierung die Möglichkeit geben, wichtige Wirtschaft-« und finanzpolitische Vorkehrungen, die sich im Zusammenhang mit der Krisenbekämpfung als nötig erweisen, ohne Verzug zu treftrn. In der Urberzrugung. daß di« Abwehr wirt- schaftlicher und pofltischrr Katastroph« nicht nur im höchst« Interesse der deutsch« arbeitend« Brvölke«ng diese» Lande», sondem auch im Interesse der Demokratie und des Sozialismus in Mittekeuropa überhaupt liegt, stellen wir schwer- wiegmde formale Bedenken zurück und nehm« zu dieser Vorlage ein« positiven Standpunkt rin. Dabei lassen wir un- durch Kritik der Kommunisten nicht Eigentlich müßten sie jetzt selbst haben, daß die Tschechoslowakei Bundesgenosse Sowjetrußlands, Erschütterung geschwächt wird. Der Schutz der demokratischen Stabilität diese» Lande» bedeutet ja auch eine Stärkung der Verteidigungsfront der Sotvjetunion. Ich begrüße e» mit Genugtuung, daß die kommunistischen Redner es diesmal wohlweislich unterlassen haben, da» Ermächtigungsgesetz als ein Mittel zur Vorbereitung de»„imperialistischen Feldzüge» gegen di« Sowjetunion" hinzustellen. Wir können auch die Kommunisten beim besten Will« nicht emft nehm«, wmn st« sich heute ans dieser Tribüne als die Betteidiger der sozialistischen Errungenschaften der Arbeiterschaft ausspiel«. Jahrelang hab« die Kommunist« bm Arbeitern erzählt, datz diese sozialpolitisch« Errungenschaft« ein„so- zialfasristischer Schwindel" sei«; nun auf einmal haben sie dir„revolutionäre" Bedeutung der Sozialpolitik entdeckt! Wenn eb auf die kommunistische Partei ongekomm« wäre, dann hätten ja dir Arbeiter diese» Staate» überhaupt keine Alter»- und Jnvali- denversiche«ngl Unsere sozialen Forderungen Was die Handhabung de» Ermächtigungsgesetze» anlangt, haben wir wesentliche Forderungen vorzubringen. Wir stehen noch immer vor einer Dauerarbeitslosigkeit, welche die Menschen schon durch drei, vier und fünf Jahre Heimsucht. Mit den Mitteln der sozialen Fürsorge ist dem Not- standsproblem in unseren Industriegebieten auf die Dmier nicht mehr beizukonnnen. Not tun tiefgreifende soziale Krisenlösungen, wie sie Dr. Czcch seinerzeit al» Jürsorgeminister vor dem Budgetausschutz der Nationalversammlung immer wieder al» dringlichste Aufgabe hinstelltc. Redner urgiert die endliche Durchführung der Fünftagewoche, die planmützige Regelung de» Arbeit»markte» und die durchgreifende Reorganisierung derJndustrlc, die mit einem erhöhten Mitbestimmungörecht der Arbeiter und Angestellten in der Produltion verbunden sein muß. Der Staat muh ein erweiterte» Zugriftürecht auf die Konzentrations- und StillcgungSpolitik der Industrie erhalten. Auch zu einer besser« Organisierung de« Exporte» sollte dir Regierung dir vorlirgmdr Ermächtigung ausnütz«. Die japanische Konkurrenz, unter der Europa heute stöhnt, schöpft ihre Durchschlagskraft nicht allein au» Hungcrlöhnen der japanischen Arbeiter, sondern auch aus der besseren Organisation de» japanischen Exporte». Dem müssen auch wir ein Svstem zielbewußter Ervortförderung und Export« organisation«tgegenstellen. Auch bezüglich der K r e d i t w i r t s ch a f t, aus die die Ermächtigung au-gedehnt wird, hat die Regierung noch große Anfgaben zu erfüllen. Vielfach droht die produktive Arbeiislosenfürsorgc an dem ungelösten.Kreditproblem zu scheitern, da die beteiligten Selbswerivaltungskörper keinen Zivischcnkrcdit aufbringen können. Beim Problem der landwirt- schaftlichen Umschuldung werden die zu treffenden Hilfsmaßnahmen auch den Häuslern und arbeitslosen Kleinhausbesitzern zustatten kommen müssen. Auch für die ausreichenden Industriekredite muß Sorge getragen werden, damit e» nicht mehr vorlomme, daß Auslandsaufträge au» Mangel an flüssigem Betriebskapital abgelehnt wer- den müssen. Steuerungen Segen die MOcrnte Genosse Jaksch verweist aus dir anhaltende Trockmheit, welche die E«te in weit« Landfittch« gefährdet«nd die Gefahr heraufbeschwört, datz zu der biobettgen Wirtschaftsnot auch noch eine ausgesprochene Hungersnot hinzukommr. Au» verschiedenen Gegenden wird bereit» F u t« erMittelmangel, verbunden mit Panikver« t verkaufen von Vieh gemeldet. ES besteht die Gefahr, datz zu dem Heer der hungernde«» Arbeitslosen auch noch das Heer der vernichteten kleinbäuerlichen Eri» stenzeit stößt. Der kandtoirifchaftlichc Monopolplan des Ministers Dr. HodZa hat infolge dessen ganz andere Voraussetzungen erhalten: E» geht jetzt um die Erntesicherung im um- gekehrten Sinne, nämlich darum, datz die Brvöl- kerung die schwingllchen wirtschaftung jedoch unter Dazu ist vor allem notivendig die Sicherstellung des Nahrungsbedarfes für die Krifcnopier, die Sicher stellung des kleinbäuerlichen Futtermittelbedarfs, die unentgeltliche Beistelluug von Saatgut für di«- Not standsgebiete und die Abwehr einer spekulativen Ver teuerung. Sollten unsere inländischen Vorräte nicht ausreichen, um die Folge»» einer Mißernte anszu- glcichen, dann mützten natürlich auch Einfuhr- erleichterungen für Geireide und für termittel geschaffen werden. Agrarier und DemokraUe In einer Replik auf die vorausgegangene des Landbündler» Böhm, der u. a. nach Arbeite- Möglichkeiten für die Jugend gerufen hatte, quit- tiette Genösse Jaksch«» mit Anerkennung, datz Bö tun die Behebung der Wirtschaftsnot und die Linderung der Agrarkrise doch nicht ausschließlich von der Ein-, Verfassung garantiert habe, führung einer„ständischen Ordnung" abhängig ge-sHodaö samt seinem Klub schk macht hat, wie eS draußen in den Versammlungen Ermächtigungsgesetz gestimmt der deutsche»» Landbü»»dler leider geschieht. kitian batte i»rf> auf eine fm Wir bekenne»« un» zurPfkichtder Xe- Seite 4 ftrcilrtn, 15. Juni 1934 Nr. 138 Vom Arbciter-lnrn- und Sport-Verband Olympiade Prall AuS den bisherigen Meldungen zu schließen, wird unsere Teilnahme sehr stark sein. 70 Vereine haben bisher leider erst gemeldet. Bei der Teilnahme der Kinder ist es besonders wichtig, nochmals ans die Fahrpreisermäßigung hinzuweise». Dieselbe beträgt 6« Prozent, also drei Kinder ans eine normale Fahrkarte. Ji» je zehn Kindern kann ein Begleiter beigestellt werden, angefangene zehn gelten als voll. Diese Begleitperson hat 60 Prozent Ermäßigung. Als Ausweis werden an den Stationskassen oder bei uns„Pkihlasky"(Kinder-Gruppenfahrtlcgltimatio- nenl auSgcgeben. Diese sind zweifach auSzufertigen und auf der Rückseite di« Namen aller Kinder und der Begleitpersonen anzusühren. Begleitpersonen bei Kindern zahlet» den vollen Festbcitrag von 25 XL. Diese Festtarte gilt aber bis 9. Juli. Die Fahrpreisermäßigung gilt auch bei über 200 Kilometer für Schnellzug. Die Meldung, daß für den 8. Juli Z u- fchlagSkartenzu 5 Ke notwendig find, bezieht sich nur auf S i h p l ä tz e. Wir haben für uns 200 solche Plätze reservieren lassen. Alle PerbandSmitglicder sollen sich s o f o r i bei ihrem Funktionär, soweit dies noch nicht geschehen ist, melden. Ebenso alle Parteigenossen und Parteigenossinnen bei den zuständigen Turnvcrcinslunk- tionären. Am 15. Juni ist Meldeschluß! Weisungen bezüglich JugSbenühung folgen noch, sobald die genaue Zahl der Gemeldeten feststcht. Die B u n d e S l e l t u n g. Wieder eine Hinrichtung in Berlin Berlin» 14. Juni. Richard Hüttig aus Berlin, geboren 1908 in Bottendorf, ist heute früh im Hofe des Strafgefängnisses zu Plötzcnfec hingerichtet worden. Der preußische Ministerpräsident hat von dem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht, weil es sich bei der Tat nm einen feigen Ueberfall aus zwei SS-Männer gehandelt habe, bei dem der SS-Mann von der Ahe den Tod fand. Warnung! In den verschiedenen Selrclaria- tcn wird wahrscheinlich in den nächsten Tagen ein Mann namens Josef K n f f n e r, der aus Würzburg sein will, vorsprcchen. Nach den bisherigen Erhebungen hat der Mann kein Recht, die Hilse hiesiger Parteistellen in Anspruch zu nehmen, da er nie Sozialdemokrat gewesen ist. Wir warnen alle OrganisationSstcllcn, ihm lveitcr zri helfen. Das Repräsentantenhaus in Washington nahm eine Wohnnngsvorlage an, die weitere 1500 Million en Dollars für den Ban von kleineren W o h n u n g e n, für Beamte nnd Arbeiter bewilligt. von üer iniernatimiÄen Vrbeikkoniorenr Bon einem Teilnehmer. Genf, in» Juni. Seit vorigen Mittwoch arbeiten die Kommissionen, die die einzelnen Ber- handlungsgegcnsiände für die Beschlußfassung durch das Plenum vorzubcreiten haben. Die größte Aufmerksamkeit wendet sich begreiflicherweise den Verhandlungen der Kommission für die Arbeitszeit zu. Obwohl der Antrag der Arbeitcrgruppe, die Frage der Einführung der Vierzigstundenwoche, einem Ausschüsse mit dem Auftrage zuzuweisen, über den von» Arbeitsamt vorgeschlagcnen Ent- ivurf eines dahingehenden llebcrcinkommcnü schlüssig zu werden, mit 71 gegen 22 Stimmen, also mit weit mehr als Zweidrittelmehrheit, im Plenum angenommen wurde, ist dessen Schicksal noch reckt ungewiß. Die Arbcitgcbcrgruppe lehnt bis auf den italienischen Unternehmer geschlossen eine Verkürzung der Arbeitszeit ab.(Die Arbeitgeber nehmen auch an den Kommissionsverhandlungcn nicht teil!) Was da in der tagelangen Aussprache im Plcnuin von den llnternchmervcrtrctern alles an Einwendungen gegen die Vierzigstundenwoche vorgctragcn wurde, ist durch die Erfahrungen iin Laufe der wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung bereits so gründlich widerlegt, daß cS fast mitlciderwcckcnd wirkt, immer wieder die alten Redensarten aus dem Munde von„Industrieführern" anhörcn zu müssen. Was soll man dazu sagen, wenn auf einer Weltkonfcrcnz, wie es die Internationale Arbeitskonsercnz tatsächlich ist, allen Ernstes behauptet lvird, die von den Arbeitern und Angestellten verlangte Verkürzung der Arbeitszeit auf vierzig Stunden in der Woche fei lein Mittel, Beschäftigungslose in die Produktion zurückzusührcn, sondern würde die Arbeitslosigkeit noch lveitcr steigern. Seit Jahresi steht die Frage der Verkürzung der Arbeitszeit als Mittel zur Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit auf der Tagesordnung. Zweimal hat sich bereits Vie Internationale Arbeitskonsercnz damit beschäftigt, einmal in einer außerordentlichen Tagung und dann auf der ordentlichen Tagung iin vorigen Jahre. Umfragen bei den Regierungen der Völ- lerbundstaatcn nnd Erhebungen haben ausreichende Unterlagen für die endliche Bereinigung dieser dringlichen Notwendigkeit ergeben. Die Unternchmergruppe ans der heurigen Arbcitslon- fcrcnz aber verlangt neue Untersuchungen über die wirtschaftliche Lage in den beteiligten Staaten und über den Stand der Arbeitsgesetzgebung. Ihr ganzes Bemühen ist darauf gerichtet, das Zustandekommen einer internationalen Konvention zu verhindern, cs hängt daher von der Regierungsdelegierten der Konferenz allein ab, ob diesmal ein entscheidender Schritt in Sachen der Verkürzung der Arbeitszeit getan wird. In den übrigen Kommissionen gibt cs keine besonderen Reibungen. Nur macht es sich stark bemerkbar, daß aus einer Reche von Staaten keine, oder ganz unzureichend Arbeiter nach Genf delegiert worden sind. Von den 46 Mitgliedsstaaten, die in Genf vertreten sind, haben nur 29 eine vollständige Delegation, 17 dagegen nicht. So ist Heuer auch Oe st erreich nur durch die zwei Regierungsabgeordneten vertreten. Unter dem neuen Dollfuß-Regime haben die österreichischen Arbeiter auf den Internationalen Akbcitskonfe- rcnzcn eben nichts mehr zu suchen, die Arbeitgeber brauchen deshalb nicht dort zu fein, weil deren Vorteile ohnehin von der autoritären Regierung im Lande ausreichend gewahrt werden. Das Fiasko der Einheitsgewerkschaft Ein Gewerkschafter schreibt dem OND aus Wien: Die fascistischc EinhcitSgclverlschaft hat nun selbst die Niederlage des neuen Regimes eingestanden. Die RegicrungSpresse berichtet, daß sich zum Eintritt in die fascistischc Einheitsgewerkschaft im ganzen 100.000 Arbeiter und A n g c st e l l t c angemeldet hätten. Diese Zahl ist angesichts genauer Berichte, die tvir bekommen, falsch. ES haben sich nicht mehr als 70.000 Arbeiter zum Beitritt gemeldet, und zwar vor allem Arbeiter und Angestellte solcher Betriebe, die öffentliche Aufträge haben und bei der Auftragserteilung gezwungen werden, den Beitritt zur Einhcitsgclvcrkschaft zu vollziehen. Aber selbst wenn die Zahl von 100.000 Neubcitrittcn richtig wäre, so hätte die fascistischc Organisation noch immer weniger Mitglieder als die christlichen und die deutschnationalcn Gewerkschaften vor dein Feber hatten. Die RegicrungSpresse behauptet ferner, daß etlva Zwcidrittcl der Mitglieder der Ein- heitögcivertschaft früher freien Gewerkschaften angehört hätten. Danach wären also etwa 60.000 Frcigctverkschafter ihren Beitritt zu Einheitsge» Werkschaft angemcldet hätten, so wäre das ungefähr ein Zehntel des Mitgliederstandes der freien Gewerkschaften. Neunzig Prozent der Mitglieder der freien Gewerkschaften haben also ihren Organisationen trotz fascistischem Terror die Treue gehalten. In Wirklichkeit ist die Blamage der Einheitsgewerkschaft noch größer als diese, von der Re- gierungspresse zugcgebenen Zahlen zeigen. Die Arbeiter stehen dem austrofascistischen System und seiner gelben GcwcrkschaftSorganisation in unversöhnlicher Feindschaft gegenüber! Tagcsnculglicltai Für Koloman Wallisch Der OND erfährt aus Leoben(Ober- Steiermark): Nachdem die Gendarmerie wochenlang versucht hatte, den Zugang zrun Grabe des von der Regierung Dollfuß Hingerichtetei» Vorkämpfers der steirischen Arheiter- schast. Kolonial» Wallisch, zu sperren, ist nui» endlich der Zutritt zu der allen österreichischen Arbeiter»» teure»» Stätte endlich freigegeben worden. Bisher wurde der Versuch, Blume»» auf dem Grab WallischS niederzulegen, mit Polizeiarrest bestraft. Nun dürfen die Arbeiter ungehindert zum Grab ihres Märtyrers gehen. Das Grab ist mit Steinplatten eingefaßt worden. Ein Berg von Blumen türmt sich auf den» Erdhügel.— Dieser Tage fand man auf dem Grabe das folgend«, von einen» Brücker Arbeitslosen verfaßte schlichtschöne Gedicht: Du warst rin Kämpfer sondergleichen, Du warst ein Held im schönsten Sinn. Grostest wolltest Du erreichen Nnd Dein Herz war stark und kühn. Armen Menschen warst Du Bater» Andre fürchteten Dein Wort, Einer freien Zeit Berater, Gegen FinsteniiS ein Hort. Weil Du Mensch und menschlich warft, Mnsttest Du gewaltsam sterben, Doch die Zeit ehrt Dich, den Toten, Freie Menschen sind die Erben. Dein Vermächtnis wird erstehen. Denn die Zeit baut selbst den Plan. Freies Menschentum zu schaffen Ist und bleibt kein leerer Wahn. Blumen, die der Frühling gab,- Großer Held, so nimm sie hin! Frühling spriesst aus Deinem Grab, Einer späteren Zeit Gewinn. Hör' auS Fernen nun ein Klingen, Geisterhaft»ind herzlich schön: Sieh daS graste Bölkerringrn Und der Menschheit Auferstrhn! Firmung— Tanz— Totschlag Kascha», 14. Juni. In der Gemeinde Petroviani im politischen Bezirk Prcsov fand eine Fir- mungsfcier statt, an die sich im Ortsgast- Hause eine Tanznntcrhaltung anschloß, auf der es zwischen den Angehörigen von zwei Familien zu einer blutigen Schlägerei kam, in die auch die Dorfburschcn cingrifsen. Es wurde mit allem, was erreichbar war, gekämpft; a»>ch mehrere Schüsse wurden gewechselt. Plötzlich stürzte der I. K o v a l a mit einer Hacke in der Hand ins Zimmer und versetzte dem 20jährigen Socho- r o v s k y einen Hieb, worauf dieser tot zu Boden sank. DreischwerverlctztejungcBur- s ch e n mußten ins Krankenhaus transportiert werden. Kovala wurde verhaftet. Kirchturm in TovaLov eingestürzt Gefährlicher Brand der Kirche. In den erste»» Morgenstunden deö Mittwoch geriet aus bisher nicht aufgeklärten Ursachen der Turm der St. Wenzels-Kirche in Tovakov(Slowakei) in Brand. Die Löschversuchc der Feuerwehr gestalteten sich außerordentlich schwierig, da der Zugang zum Turm von innen durch den Rauch unpassierbar lvurde und man sich darauf beschränken mußte, den Brand von außen zu bekämpfen. Gegen 10 Uhr vormittags stürzte der Turm zusammen, doch hatte man dies vorauSgcschen, so daß die Löschmannschaft sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatte. Der Brand, der einen in Hun- dcrttausende gehende»» Schaden verursacht hat, lvurde erst nach stundenlanger Mühe bewältigt. BrantannlM slowakischer Gemeinde« Kascha», 14. Juni. In der Gemeinde Bu- datinskäLchota im politischen Bezirk Ky- suckc Novö M»'sto vernichtete am Mittwoch ein Feuer 15 Häuser. Zahlreiches Vieh und Geflügel ist in den Flammen umgekommen. 7 0 Personen sind o b d a ch l o s. Es ist dies seit Beginn deSJahres 19 3 4 bereits der sechste Brand in dieser Gemeinde. Durch eine große Feuersbrunst in der ärmsten Gemeinde des Zcmpliner Gebietes, in M a ö- k o v c e(Bezirk Hnmannc), wurden 6 1 F a m i- lien obdachlos. Nur drei der Abbrändler waren gegen Brandschaden versichert. Der Be- zirkshauptmann von Humannö Koväk lvidmete als erste Hilfe einen Betrag von 3000 Xö, für welchen Betrag den betroffenen Familien Lebensmittel gekauft wurden. Der Landeskülturrat und das Landcsamt in Prcßburg organisieren eine weitere Hilfsaktion. Els Mensche««o« eine« Blitz getötet Rew Uork, 14. Juni. In einem Landhause im Staate Oaxaka in Mexiko wurden durch einen Blitzschlag sieben Männer und vier Frauen getötet. Durch denselben Blitzschlag wurden noch dreißig StückVieh erschlagen. Theodor Dtznbler gestorben AuS St. Blasien im Schwarzwald kommt die Nachricht, daß dort der Dichter Theodor D ä u b« l e r im Alter von 58 Jahren einem Lungenleiden erlegen ist. Dem großen Lescpublikum war der Verstorbene kaum bekannt. Seine lyrischen Gesänge, die „kosmische" Erlebnisse in.hymnischem Stil gestalteten, sein mythisches Dichtwerk„Nordlicht", sein Roman„L' Africana" und seine ästhetisch-philosophischen Schriften haben nur einen kleinen Kreis ehrfürchtiger Anhänger erfaßt, die in dem aus Triest stammenden Dichter einen Mittler zwischen romanischem Formgcfiihl und germanischem Tiefsinn sahen, den Künder einer über Zeitgeschehen und literarischen Kampf erhobenen sinnenberausch- tcn Welt-Vision. Die eigenwillig formstrcnge Lyrik Stefan Georges, die klangvoll-bewegte VerSkunst Rilkes und die formulierende Rhythmik der Zcitdichter hat die Lyrik Däublerö weder an Bedeutung noch an Wirkung erreichen können. Dabei hat cS dem Dichter aber an Anerkennung nicht gefehlt: er wurde zum Mitglied der Preußischen Dichteraka- demic ernannt und war eine Zeitlang Vorsitzender deö deutschen PenclubS. In Prag war er als Schwager dcS Kunstakadcmieprofessors Willi Nowak häufig zu Gaste. Theorie nud— Jerusalem! Stavsky, Propagandist der jüdisch.fascistischen Revisioni- stcnbewegung, der Mörder dcS jüdisch.sozialistischen Arbeiterführers Arlosorosf, wurde zumTodcdurch Erschießen verur- teilt. Die in Tel Aviv verübte blutige Tat, die, nach allsascistischcin Rezept, iin nächtlichen Dunkel und von hinten verübt wurde, hatte seiner- zeit ungeheure Erregung im ganzen Lande her- vorgerufen. Dos Leichenbegängnis deö hingemor- deten Sozialisten wuchs sich zu einer wahren BolkSdcmonstration aus. 60.000 Palästinenser folgten den» Sarge ArlosorofsS. Inzwischen treibt der jüdisch-palästinensische FascisinuS sein provokatorisches Unwesen Wester. Ueberfälle auf Arbeiterheime, Attentate auf sozialistische Kinderfeste, Versammlungs-Sprengungen durch ebenfalls braunhenidige BravoS sind an der TagcSord- nung. Selbst ein Streicher könnte hier lernen, wie närrisch(neben der unsagbaren Widerwärtig- kcit und Roheit diese Heye) die„ideologische" Grundlage seiner Judcnsrcsscrei ist und wie überzeugend sichtbar die politische Scheidung querdurch alloRasscnundKonfcs- s i o n e n hindurchgeht. Aber Individuen dieser Art wolle»» ja aus den Tatsachen nicht lernen. Für sic ist der Antisemitismus keine Ueberzeu- gungssache, sondern ihr Geschäft— also ein nationalsozialistisches Politikum l Ein Baumeister deS neuen Wien im Konzentrationslager! Bor einigen Woche» haben bekannte englische Intellektuelle und Männer und Frauen des öffentlichen Lebens, unter ihnen Lord Snowden und Lord A l l e n, in einem Dries an Bundeskanzler Dollfuß ftir die Freilassung des Bürgermeisters Seitz und des StadtratcS Weber, des Leiters der Wohnbautätigkeit der Gemeinde Wien, interveniert. Seitz»vird lveitcr im Kerker gehalten, obwohl fein Gesundheitszustand zu Besorgnissen Anlaß gibt. Stadtrat Weber lvurde auö der Haft im LandeSgcricht entlassen. Einige Tage später wurde Stadtrat Weber, obwohl vom Gericht enthaftet, von der Polizei festgenom- men und nach Wölkersdorf in das Konzentrationslager gebracht. So demonstriert die austrofascisti- sche Diktatur ihre Gleichgültigkeit gegenüber der Meinung aller zivilisierten Europäer. Sven Hedin am Ziel. Sven Hedin hat das Ziel seiner Expedition inChina erreicht. Er ist in Uruntschi in der Provinz Sinkiang eingetrofsen. Die übrigen Mitglieder der Expedition und die Kraftwagen befinden sich in Lop Nor. In einigen Tage»» beabsichtigt Sven Hedi»» die Rückreise nach Schweden a»»zutrcten. Die Aufgabe der Expedition bestand darin, Untersuchungen darüber anzustellcn, ob der Dan einer Kraftwagenstraße zur Verbindung Uruntschis mit dem eigentlichen China möglich ist. Unbeträchtliche Zunahme des Index der Großhandelspreise. Der nach dem Stande vom 1. Juni d. I. ermittelte I n d c x d e r Großhandelspreise weist eine unbeträchtliche Zunahme um 0.3 Prozent von 658 auf 660 aus. Der Index der Nahrnngs- und Genußmittel erhöhte sich- um 1.2 Prozent von 641 auf 649, ebenso festigte sich der Futtcrmittelindcx um 4.9 Prozent von 432 auf 453, so daß der Gesamtindex der Nahrungö-, Genuß- und Fnttermittel gegenüber 630 im Vormonate 638 beträgt. Dagegen sank der Index der Jndustriestoffe und-Erzeugnisse von 689 aus 684, also um 0.7 Prozent. Fachberatung im Saazer Hopfenbaugebtet Sonntag, den 17. Juni, findet im Cizkahof bei Wo» ratschen eine Versammlung der Hopfenbauern aus dem Saazer Gebiete statt, in der über die Organisierung der Aktion zur Rettung der heurigen Hopfenernte beraten werden soll. Diese Bersanunlung wird von den Hopfenorganisationen veranstaltet. Die Referate über Bewässerung werden Fachleute der staatlichen, landwirtschaftlichen Forschungsanstalten halten. Dozent Dr. Janota wurde um«in Referat Wer seine uwdernen Methoden der Waffersuche ersucht, die sich im Saazer Gebiet bereits gut bewährt haben Die Landwirte werden das neue Bewässerungssystem in den Hopfengärten, das mittels sogenannter„Wasserkanone" durchgeführt wird, besichtigen.' Vom Rundfunk Wichtige Entscheidung des Ministeriums des Inner« über Borfllhrungsgenehmigungen Laut Jnforniationen der Monaiürevuc„Pkeh- led Rozhalsu" gibt das Ministerium des Innern mit einem Rundschreiben vom 14. Mai l. I. Nr. 14.390 den Landes- und Bezirksämtern die Bestimmung bekannt, das; konzessionierte Radiohänd- lcr sofernc sie in ihren Geschäftsräumen ihren Kunden Rundfunkempfänger vorführen— leine VorführungSgcnchmigung seitens der zuständigen politischen Behörde benötigen, da cs sich in diesen Fällen um keine öffentliche Rundfunkwicdc»- gabe handelt. Dagegen wird mit der Rundfunl- lviedergabc in Zuckcrbäckcreien und Friseurgescbä- ten der gleiche Zlveck verfolgt, wie in öffentlichen Gasthäusern und Kaffeehäusern und es ist daher grundsätzlich an der Forderung der Vorführnngs- genchmigung für diese öffentliche Verbreitung der Rundfunkprogrammc festzuhalten. DaS Ministerium des Innern überließ jedoch der freien Erwä- gung der untergeordneten Vcrlvaltungsämter, an der Forderung einer besonderen VorführungSgc- nehmigung nicht zu bestehen, falls eS sich um kleine Zuckerbäckcreien und Friseurgcschäfte handelt, die nur geringen Betrieb haben, und wo die Rnud- funlcmpfangsstation vor allem dem Inhaber dec Empfangskonzession dient. Ein Großsender in Athen. Die italienische Mar- coni-Gescllschaft hat der griechischen Regierung das Angebot gewacht, in Athen mit einen! Aufwande von 60 Millionen D r a ch in e n eine große moderne Sendcstation nach dem Muster der römischen oder Moskauer Station zu errichten. Diesen Betrag von 60 Millionen Drachmen bietet hiebei die Marcoui- Gcsellschaft als längfristigc Anleihe an, die beglichen werden lviirde durch Abzahlungen aus dem Erträgnis der FuNkgcbührcn, der Eirasen der Schwarzhörer und hauptsächlich aus den Einnahmen deö Studio, in dein auch ein großer Konzertsaal sich befinden würde, der 2000 Konzertbcsuchcr saßt. Empfehlenswertes aus den Programmen: Samstag: Prag, Sender L.: 6: Gymnastik, 10.05: Deutsche Nachrichten, 12.10: Schallplatten, 13.35: NrbeitSmarkt. 17.10: Bach: Sonate für Violine und Klavier, 18.05:DeutfcheSen- dung: Demokratie und Jugend, Hörbericht für die Jugend, 21: Orchesterkonzert.— Sender S.: 14.80: Liederstündchen. 15.10: Deutsche Sendung: Da ward Liebe zu Leide, altdeutsche Balladen. 10.20: Italien: Chansons auf Schallplatten.— Brünn 17.10: Schavplatten. 17.45: Klavierkonzert, 18.80: Kinderchor.— Möhr.-Ostrau 16.05: Orchcsterkon- zert, 17.10: Wa..derlieder.— Preßburg 16.45; Kindervorstellung. fett8 Freitag, 1b Juni 1934 Sette 8 Wer zahlte Frau Sesers Reise? (Sopade.) Die deutsche Regierung hat in ihrem Rachefeldzug gegen den früheren sozial» demokratischen ReichötagSabgeordnetcn Gerhart Seger eine schwere Niederlage erlitten. Sie muhte Frau Seger und ihre 20 Monate alte Tochter, die sich seit Jänner d. I. als Geiseln in dem Konzentrationslager Rohlau bei Dessau befanden, freilasscn, nnd die englische konservative Abgeordnete Mrs. Täte setzte auch die Ausreise» gcnchmigung für die beiden Freigelassenen nach London durch. Nm daS stark ramponierte Ansehen der deutsche» Regierung wieder etwas zu verbessern, erklärte das Propagandaministerinm den englischen Pressevertretern, dass die deutsche Regierung die Kosten für den Flug von Berlin nach London übernommen habe. Jetzt stellt sich heraus, dost diese Behauptung eine neue Lüge ist. DaS Reisegeld ist nämlich nicht von der deutschen Regierung zur Verfügung gestellt worden, sondern eS wurde vorher bei Gerhart Se» gerbeschlagnadmt. Seger hatte, um seine Frau vor Repressalie» zu schützen, den Versuch gemacht, ditrch einen Dessauer Rechtsanwalt die Scheidungsklage einzuleiten. Der Rechtsanwalt erhielt von Seger einen Kostcnvorschuh in Höhe von 142 Reichsmark. Dem Rechtsanwalt wurde aber von seiner nationalsozialistischen StandcS- organisation die Vertretung Segcrö in diesem Zi- vilprozess untersagt, und er sandte daraufhin mit Genehmigung der Devisenstelle dcit empfangenen Kostenvorschuh an Seger zurück. Auf dem Des» sauer Postamt wurde der Betrag jedoch nach der Einzahlung von der politischen Polizei beschlagnahmt, und jetzt verwendete man diesen Betrag, um den Flugpreis für Segers Angehörige zu zahlen. Diese Handlungsweise zeigt besser als lange Darlegungen den moralischen Tiefstand, der die heute in Deutschland regierenden Männer aus- zcichnet. Sie können nicht einmal eine Niederlage anders liquidieren als mit einer neuen Lüge gegenüber den Vertretern der Weltpresse. Herr Lehmann ist isoliert Faschistische Sehnsucht nach deutscher Rohkost Herr Dr. Emil Lehmann, der Volks» bidungüfachmann der weiland nationalsozialistischen Partei, sucht und findet wie alle emeritierten Hakenkrcuzler Anlehnung und Unterschlupf in der SHF. In He n l e i n s„R u n d s ch a u" führt er bittere Klage über die„geistige Isolierung", in der tvir— will heihen: er und seinesgleichen — uns neuerdings befinden. Schon die Zollmauern seien ein Uebcl, erklärt Herr Dr. Lehmann, ohne allerdings ein Wort darüber zu verlieren, dah sein Drittes Reich zur Erhöhung dieser Mauern wesentlich beigetragcn, dah vor allem dessen Vorläufer unter dem Druck der Hitlcr- Fedcr-Rosenbergschcn Autarkie-Propaganda den Reigen der Schutzzöllner angeführt haben. „Aber noch war bisher über alle binneneuro- paischen Mauern der Weg für die Bildung und für das Geistesleben frei. Erst in der letzten Zeit scheint ei eine weitere Errungenschaft un» seres Abendländer zu werden, dah zu der wirtschaftlichen Selbstgenügsamkeit auch schon von Mittelstädten die geistige Absperrung hinzukommt." Wird Herr Dr. Lehmann jetzt gegen den FasciSmuS und gegen die geistige Kontumaz des Dritten Reiches protestieren? Gegen Bücherverbrennungen, Prcffcverbotc, Absetzung von Pro» fessoren, Vertreibung von Gelehrten und Künstlern, gegen die ganze Gleichschaltung der Firma Goebbels? Es fällt ihm nicht im Traum ein. Rur die»Mittelstaaten" sollen geistigen Freihandel treiben und auch die nur, wenn die Importware jascistisch istl Die Naivität, die Herr Lehmann spielt, wäre rührend, wenn sie nicht so d r e i st wäre. Er beklagt sich irber die Verbote von Zeitungen, Zeit» schriftcn und Büchern: »Ja es sind nicht nur Einzewerbote, sondern ganze Berbotsliste»... Man verbietet anscheinend wahllos alle Arten von Druckerzeug» niffen: von positisch eingestellten Werken bis zu unentbehrlichen Behelfsschristen, Kinderzeitungen, Fachveröffentlichungen..auch das Börsenblatt der deutschen Buchhändler... Mit einer eigenen BerbotSliste, einem ganzen Index, hat man die öffentlichen Büchereien beglückt." DaS schmerzt die Herrschaften um Lehmann, Ivie wir längst wissen, ganz besonders. ES war doch so schön, im Rahmen der demokratischen Gesetze, mit dem Gelde der Gemeinden, gestützt auf die Autorität des demokratischen Staates, die Saat des FasciSmuS' anSzustreuen und die Gemeinde- bibliotheken mit dem Mist der Berliner Propa- gandazcntralen zu füllen. Wenn die Herren jetzt fortwährend ihrer Entrüstung über die umfänglichen Verbotslisten Ausdruck geben, vergessen sie nur zu erwähnen, dah die Listen so umsangreich sind, weil die Zahl der fascistischen Bücher so groh war, weil einzelne Büchereien in den letzten Jahren nur noch Hitler-Literatur einstellten. All das. waS aus den Listen steht, wurde eben in zahlreichen Bibliotheken vorgefunden, lind manche Bibliothekare begnügten sich nicht mit einem Exemplar. Bi» zu fünf Exemplare von Hitler«»Mein Kampf" und ähnlichem Zeng wurden für teures Geld an- .geschafft I Aber wen» man die Absperrung und Isolierung schon bedauert, so dürste man in der Kühnheit seiner Anklagen denn dock« nicht so weit gehen wie Lehmann, der den Ursprung der Praxis übersieht und mit einem großen Ge- dankensprung zu den in der Folge erst nötig gewordenen Abwehrmassnahme« kommt: »Die Tschechoslowakei marschiert mi t . an der Spitze dieser neuen europäischen Errungenschaft. Rur Oesterreich scheint noch rascher voranzuschreitrn..." Rur Oesterreich also. Dah in Italien diese Praxis seit zehn Jahren geübt wivtz, weih Herr Lehmann wohl nicht. Dah nicht nur ,,m i t an der Spitze", sondern sMechthin voran Deutschland marschiert, davon hat Lehmann nichts gehört? Liegt Reichenberg so weit von der deutschen Grenze entfernt, dah die Kunde von Verbotslisten,»Reinigungen", Büchervcrbren, nungen nicht dahin gedrungen sein solle! Grosse deutsche Verlage muhten zusverren und ihre Lager verramschen, ivaS in Deutschland noch erzeugt wird, ist unter dem Niveau, auf dem sich selbst bescheidene Leser halten, die namhaften deutschen Autoren schreiben und verlegen in Holland, st» Frankreich, in.der Schweiz. Lehmann klagt, bald werde man in der Schulen keine Goethe» und Schiller-AuSgaben meh^ anschaffen dürfen, weil derlei im Inland nicht erzeugt wird. Vielleicht halten wir bald dabei, dah e»—er noch bei uns erzeugt lverden kann, denn der de'"'sic Buchvec« lag ist ja mit Goebbels. Hir ir, Karl May und den Memoiren sämtlicher Fememörder derart überfüllt, dass er für den Knlturtwsschewikcn Goethe und den Erfinder von Grcuelmärchen Friedrich Schiller(siehe Tell, Räuber, Kabale und Liebe, FieSco uswl) keinen Raum mehr haben wird. ES ist ein starkes Stück, als bekannter Parteigänger des Goebbels über Beschränkung der GeistcSfcciheit zu klagen, ei» stärkeres, sich mit dem Brustton der Nebcrzengung über demokratische Abwehrmatznahmen aufzuregen und so zu tun, als wüsste man nicht, wer sie nötig gemacht, wer daS S y st e m begründet hat, dessen schtvache und im Rahmen der Gesetzlichkeit sich bewegende Nachahmung man an klagt. Herrn Lehmann ist eü nickt recht, daß hierzulande Behörden und Gerichte Bücher und Zeitungen verbieten. In Deutschland kann eS jeder braunbehemdete Bandit. Und in Deutschland»verdcn Zuwiderhandelnde mit Zuchthaus bestraft oder auf der Stelle erschossen. Aber davon weiß Lehmann nichts. Er beklagt sich ja auch, dass man»über die g e lv a l t i g e n Strukturveränderungen der grossen europäischen Nationalstaaten" nicht informiert wird. .Alan muh'doch wenigstens wissen, was in diesen Staaten vor sich gehl. Man mn»sich doch unterrichten können." Man sollte eS sogar! Aber man kann eS I nicht, wenn man liest und glaubt, ivas drüben unter dreifacher Zensur und im Schatten des Schaffoits gedruckt wird. Gerade, weil man sich l über die»lebendigsten Entwicklungen" drüben— 1 rind da« sind fast'durchwetzs solche, die geradrtvegS zum Sterbe»»'führen— unterrichtet» muss, kann mau den Zustrom der Literatur nicht dulden, die aus den Lügenquellen des Prapagandaministe« riums flieht. Wir empfehlen Herrn Lelnnaiin fürs erste nur e i n Buch, eine kleine Schrift, in dec er sich über ewige..Stnikiurverändcrungcn" in unserem Nachbarstaat unterrichten kann. Er wird eS nicht glauben wollen, Ivie sehr sich seil Kant und Hölderlin die Struktur Deutschlands geändert hat, wie weit der Weg von Weimar bis Oranienburg war. Er lese Gerhard Segers Tatsachenbericht: Oranienburg, nnd er wird dann erst begreifen, ivic recht er mit seiner Behauptung von der Isolierung der Kultur bat. Die abendländische Kultur ist tatsächlich verflucht isoliert. Nicht durch die VcrbotSlist«, die Lehmann« Freunde immer wieder zu umgehen wissen, sondern durch den Sieg einer barbarischen Lebensform jenseits der Grenzen dieseSLandes, in dem es—»wenn das so writcrgeht" wie Lehmann sagt, der eine Acnderung auch hier herbeisehnt—- eines noch gibt: die Möglichkeit des freien Bekenntnisses zur Kultur des Abendlandes, während drüben der Schrei nach der Kultur in der Regel der letzte ist. den ein Mensch noch ausstöht. weil die toiirgende Hand des Mörders ihm den nächsten in der Kehle erstickt! Röhms Tagesbefehl Stillgestanden! In dreien abzählen l Ich habe euch folgendes zu befehlen: Dir gehen jetzt alle mit wcchselicken Serien erstmal in Ferien. Ich auch. Ta ich meine Gesundheit verscherzte, will ich den Ratschlägen meiner Aerzte mich ausnahmsweise gnädig erweisen und schnellsten« verreisen. Weil inan da» heute leicht mieSversteht, will ich euch sagen, worum sich» dreht. ES dreht sich— daS habt ihr euch einzuschärfen— nur um die Nerven. Vielleicht ist der Darm auch ein wenig verbogen. Doch alle« weitere ist erlogen. Nach meiner Heilung wird garantiert weiter marschiert. Wir sind als Garanten der Revolution das Schicksal der ganzen deutschen Nation. Wir sind de« Führer« getreue SA. Wir bleibxn da! Wir kämpfen also nach kurzer Stundung weiter um die deutsche Gesundung. Den wolln wir sehn, der uns das verwehrt. Abteilung kehrt I Der RoteHan«. Fünf Kinder ihres Ernährers beraubt. Mittwoch abends wurde der 34jährige arbeitslose Maurer Rewald aus Meierhöfen, als ec mit seinem Fahrrad eine Kurve oberhalb des Karlsbader Golfplatzes passierte, von einem in entgegengesetzter Richtung fahrenden Autos aus Schlan erfasst und zu Boden geschleudert. Rewald erlitt hiebei schwere Verletzungen der Schädeldccke und st a r b nach wenigen Minuten. Er hinterläßt süns unmündige Kinder. DaS Geheimnis um Kuramoto. Wie Reuter aus Nanking meldet, befindet sich der japanische Mzckonsul Kuramoto am Leben. Er wurde dort bei den Gräbern der Ming-Dynastie aufgefun- bcn. Kuramoto war nach den mehrtägigen Strapazen, die er durchmachen mußte, vol'tommen cnt- lmstct. AnS seinem ganzen Verhalten ist zu ent» nehmen, das, diese*' onfr-'willige Abenteuer«puren einer seelischen Depression hinterließ, wenn n'cht sogar ernstere seelische Störungen. Elbe-Durchstich bei Dessau. Am Mittwoch nachmittags wurde der Elbe-Durchstich am. Kurzen Wurf" bei Roßlau vollzogen. Durch den neuen Flußlauf wird ein weiter Bogen der Elbe abgeschnitten. Die Freigabe des neuen FlußlaufeS für den «chistahrtsverkehr wird etappenweise erfolgen. Selbstmordland Bulgarien. Ans Sofia wird berichtet: Die Zahl der Selbstmorde nimmt mit jedem (fahre in Bulgarien zu. Während im Jahre 190V 136 Personen-drn-Freitod suchten und fanden, 4üeg diese Anzahl im Jahre 1933 bereits auf 749 Personen. Im Laufe der ersten drei Monate des Jahres 1934 machten 162 Personen ihrem Leben freiwillig ein Ende gegenüber 166 Personen im gleichen Zeitraum d«S Vorjahres. Zwei Drittel der Selbstmörder entfallen auf die Männer, der Rest auf die Frauen. Die Ursache für die Begehung von Älbsunorden liegt hauptsächlich in Zerwürfnissen der Familien, unglücklicher Liebe, verschiedenen Krankheiten, so z. B. unheilbarer Geisteskrankheit und in letzter Zeit auch Arbeitslosigkeit. EingeMRdet Ole ResreSvorlage Die Regreßvorlage über die Rückforderung der llnierstützungen, di« seinerzeit nach den Bausürde» rung-gesetzen von 1919 bi« 1924 gegeben worden sind(Regreß). bedroht die Existenz zahlreicher Baugenossenschaften. Dreißig Millionen KC jährlich sollen damit hereingebracht werden. ES liegt auf der Hand, daß das eine blanke Unmöglichkeit ist. Würde diese Vorlage zum Gesetz«, so würde sie nicht nur Tausende von Familien ins Elend stürzen, sondern auch zahllose Mieter und Genossenschafter, die Einlagen bei Baugenossenschaften gemacht haben, unter llmständen auch die Hypothekargläubiger empfindlich schädigen. Die Deutsche Hauptstelle für WohnungS- und TiedlungSfürsorge hat unter Mitarbeit der besten sachverständigen auf dem Gebiete der AohnungS- politil soeben eine Denkschrift über die Regreßvorlagc herausgegebcn, die für alle Beteiligten, insbesondere Genieinden und Baugenossenschaften von größter Wichtigkeit ist. Diese Denkschrift legt dar, daß der Zeitpunkt für die Rückforderung der Unterstützungen nach den gegebenen Zusicherungen noch nicht gekommen ist und daß ei» vorzeitiger Regreß von den verderblichsten Folgen begleitet wäre und nicht nur die Baugenossenschaften und ihre Mieter, sondern auch den Annuitätendienst der staatlich garantierten Darlehen und damit den Hypothekenmarkt gefährden wurde. Da nicht zu erwarten ist, daß die ganze Re» gienu.gSvorlage abgelehnt wird, macht die Denkschrift«ine Reihe von Vorschlägen, um wenigstens die ärgsten Härten zu mildern und die Regreßvor« läge vielleicht einigermaßen erträglich zu machen. Diese Vorschläge haben nur dann Aussicht auf Erfolg bei der Beratung der Regreßvorlage im Parlament, wenn sie nicht nur von den unmittelbar Beteiligten, sondern auch kn den breiten Kreisen der Bevölkernng beachtet, verstanden wtb mit jenem Nachdruck vertreten werden, welcher der Größe der Gefahr entspricht. Die Denkschrift ist der Regierung und allen deutschen Parlamentariern borgelegt worden. Sie wird von der Deutschen Hauptstelle für WohnungS» und Siedlungsfürsorge in Prag IV., Na Välec NC 288/1 gegen Einsendung von 6 stä übersendet. Da die Vorlage in kürzester Zeit erledigt werden soll, ist sofortige Bestellung geboten. Hitlers Sterne Astrologie und Politik Der preussische Minister des Innern Frick brachte unlängst st» Erinnerung, dass eS in Deutschland überall einen„Gaukelei"-Paragraphen gebe und dass gewisse Tätigkeiten wie Prophezeien, Kartenlegen, Horoskopstellen, Hcllschen unter Strafe stehen, wenn sie zu erwerblichen Zwecken ausgenutzt werden. Er hat Weisung erlassen, den Gaukeleiparagraphen in jedem Falle mit voller Strenge anzuwenden. Diese Verfügung hat überrascht. Man weiss, dass die Machthaber des Dritte» Reiches, mit Ausnahme von Frick, abergläubisch sind wie die Höckerweiber des germanischen Urwaldes. Hitler hat gleich zwei Lieblingshoroskopisten. er hört auf „Wahrsager",.Hellseher, Traumdeutcr und ändert Pläne ab oder verschiebt deren Ausführung, wenn irgendein«Zukunftskünder" ihm Missgeschick voraussagt. Sie lvaren fast alle, die Obcrbonzen, Freunde des verbrecherischen CharlatanS Hanussen. der umgebracht lverden musste, weil er zu viel wusste und wahrscheinlich bei zu vielen Schändlichleiten als Inspirator mitgewirkt hat. Zudem hatten die astrologischen Zeitungen— wie Pilze schossen sic von 1930 an aus der Erde— viel für Hitler getan. Die Sterne kündigten merkwürdigerweise immer„Heil" für das Dritte Reich und die vielen Gläubigen des astronomischen Unfugs wagten nicht mehr, den»„Gebot" der Pla» ncten zu trotzen. Hitler war dankbar. Er lvollte, auf Anregung einiger neuzeitiger Magier. Lehrstühle für„astrologische Forschung" an den Universitäten errichten, stiess dabei aber auf so vehementen Widerspruch der Fakultäten, dass die Sterne— nach Auskunft eines astrologischen „Fachmannes: es selbst für geraten fanden, dieses Vorhaben zu vertagen. Als Fricks Erlass hcrauskam, gab' es einen Petitivnssturm bei ihm und Hitler, beim Kultusminister Rust und im Propagandaministerium. Frick sah sich gezwungen, seinen Erlass durch In» terpretation abzuschwächen. Nur die„unwissen» schaftliche" Horoskopie, die laienhafte Handhabung dcS Wahrsagens, HellschenS usw. sollte der Strafe verfallen. Die astrologischen Zeitschriften, auf deren Beseitigung eS Frick hauptsächlich abgesehen hatte, blieben bestehen. Warum auch nicht? Sie sind und bleiben treu-glcichgeschaltct. Nummer für Nummer entbieten sie die Bundesgenossenschaft der Sterne für das Dritte Reich, lassen es dank dieser Allianz zum ewigen Reich erblühen. Num» mer für Nummer und mitunter gleich an mehreren Stellen lassen sie Frankreich als Grossmacht zugrunde gehen, prophezeien sic alles zu Staub und Asche, was gerade dem Hitler-Regime zur Zeit besonders unbequem ist. Es sind aber doch schon mehrere Verurteilungen auf Grund des verschärf» ten Gaukeleiparagraphen erfolgt, in Köln eine auf zwei Jahre Gefängnis gegen einen Horoskopisten. Zn einem Teil sind die„Okkultisten"— unter diesen» Namen vereinigt man alles, was Hellsehcn. Prophezeiung. Horoskope usw. betreibt — tatsächlich in Ungnade gefalle«». Nicht, um dem Aberglauben, nickt un» der Charlatanerie und der Ausbeutung von Aberglaube«» und Dummheit zu Leibe z»» gehen. Wahrhaftig nicht. Mai» hat aber behördlicherseits im Okkultismus eine Politische Oppositionsmöglickkeit gesehen und dagegen wollen die„Führer" das Scharfmachcrtum bei den Gerichten anfbieten. Sehr viele deutsche Astrologen und Okkultisten sind mit ihren Kollegen von der arnttich zu- gelassenen„Fach"-Presse unzufrieden. Sie behaupten. die dort aufgcstclltci» Horoskope«'eien samt und sonders Fälschungen oder grobe Irr- tüiner. Hitler, Goebbels, Gocring und das ganze nationalsozialistische Regime hätte«» einen sehr „unglücklichen Stern". Ihre Herrschaft könne nur noch ga«»z kurze Zeit dauern. Was diese lknglücks- | sterne in» einzelnen sagen, das soll eben nickt weiter gesagt werden, denn sonst kann es ja passieren dass die Astrologie ihnen nunmehr in den» gleichen Masse schadet, tvie sie ihnen vor der Machtergreifung geholfen hat. Die ungünstige Prognose soll aber auch deshalb unterbunden lverden,»veil Hitler und Konsorten sich vor ihr fürchte«» wie abergläubische Wciver vor dein Dreizehnten, der auf einen Freitag fällt. Entsetzen hat bei ihnen eine Geschichte erregt, die jetzt i«r Deutschland hcrnmerzählt wird. Ein Schwcrindustrieller fährt im Auto von Bremen nach Hamburg. Unterwegs begegnet er zwei hübsche»» Zigeunermädchcn. Der Her»' hat eine „Schwäche" für diese Personen. Da sic eine Strecke geineinsam haben, lädt er sie zur Mitsahrt ein. Aus ihren„Prophezeiungen" erfährt er für sich nichts Wichtiges. Dani» fragt er über Hitler. Er hört, dass der Reichskanzler noch diesen Herbst stiirzen werde. Der Jndustricmagnat lächelt. Die Zigeunerin sagt:„Das ist so ivahr, Ivie Sic heute noch ii» Ihrem Auto eine Leiche haben werden." Die Mädchen steigen ab. Fünfzig Kilometer lvei- ter wird das Auto von einer Gruppe SA-Leute zum Halten genötigt. Es hat zwischen einigen von ihnen eine Prügelei gegeben nnd ein Schwächerer griff z»«m Dolch. Sein Gegner wird in das Auto gebracht. K»»rz vor Hamburg ist er gestorben. Das wird heruinerzählt. Ob's stimmt, tveiss mau nicht. Jedenfalls haben sie„oben" eine Heidenangst. Bekanntlich sind Thranncn niemals Menschen getvogen, die llnglücksbvtschasten überbringen und verbreiten.„Ich berichtete daS Unheil, doch ich richtete eS nicht aus", sagte der Bote Kleopatraö. Sic strafte ihn doch. Für unser- einei» ist diese abergläubische Schlotterangst der Regiesiihrer des Dritten Reiches n»«r zu verstand» lick. Wer lvic die Hitler und Goebbels keine Ahnung von den acsetzlichen Zusammenhängen ge» sellsckaftlicker Vorgänge hat. wer aus ihnen nicht kommende Entwicklungen vorausschcn kann, der »nuss diese Zusammenhänge in ganz andere Bereiche verlegen. In den Karten, in die Sterne, in die Träume ustv. Dann falle«» die Narren dei» Narren zmn Opfer. ES gibt ein TollhauS..Hitler-Deutschland ist der geographisch-geschichtlich« Tummelplatz dieser Tollhäuslec PRAGBB ZMTBMG Jntemationaler Kindertag. Die Volkssing- gemeinde Prag beteiligt sich laut Beschluß der „Sängerbesprcchung" korporativ unter der Leitung ihres Chormcisters Genossen Edlvin I a n e t s ch e k an dein Koste j>cs Kindertages unserer Prager Bc- zirksorganisationl Ort und Zeit: Sonntag, den 17. Juni, auf dem DTJ-Sportplatz, Pohotclecer Schanzen. Beginn: 2 Uhr nachmittags. Da die Bolkssinggcmcindc mit einem Bcgrüssungschor den Nachmittag unserer Jugend eröffnet und einige Chöre zum Dortrag bringt, werden alle SangeSbrüder er» sucht, pünktlich und koniplett zu erscheinen. Angehörige und Freunde willkommen. Bon den deutschen Mittelschulen Prags: Einschreibungen und Aufnahmsprüfnngen fiir das Schuljahr 1034/35: a) StaatS-RealgyMnasium in Prag I I., Stipänskä 20, Sta>cl>en-Reformrealghmnasium in Prag II., Charvätova 5, und StaatS-Realschule in Prag II., Mikulandskä 5: Am 22. und 28. Juni d. I. von 9 bis 12 Uhr, b) StaatS-LchrerbildungS- anstalt in Prag III., Knrmelitskä vom 21. bis 28., eventuell auch noch am 25. Juni d. I. von 8 bis 12 Uhr. Hiebei sind vorzulegen: Die Geburtsurkunde, daS letzte Schulzeugnis des Schülers, sowie ein Rachtveis der Staatsbürgerschaft. Bei Vorhandensein besonderer Gründe ist die Aufnahme auch nach den Ferien möglich; die Anmeldung hat in diesem Falle bis 8. Juli 1084 zu erfolgen. Eine Studien- und Gesellschaftsreise nach Rußland wird vom Einheitsverband der Privatangestellten, und ztvar in zwei Gruppen veranstaltet. Grupp« A.(0. bis 20. September): Prag— Warschau— Moskau— Dnjevrostroj— Kiew— Zdelbunow— Prag. Gruppe B.(9. bis 25. September): Prag— Warschau— Moskau— Dnjeprostroj— Sebasto- pol— Aalta— Odessa— Kiew— Zdelbunow— Prag, ft« nach den Interessen der Reiseteilnehmer wird die Besichtigung bestimmter Unternehmungen geschehen. Auskunft durch den Einheitsverband, Prag 11., Jungmaiinova 378, Tel. 242140. ticrlchtssaal Kommunistische Wandmalerei am Borabend der Präsidentenwahl Gerichtliche Diskussion um eine unvollendete Parole Prag, 14. Juni. Unter Anklage des Vergebens nach Paragraph 14 des SchntzgeseheS(Aufreizung gegen den Staat, bzw. seine demokratischrepublikanische Form) stand heute vor dem Senat P e t r i k der Lackierergehilfe Miroslav S e k h r k a aus B r a n i k. Sekhrka ist Kommunist und hat am Abend vor der Präsidentenwahl eine Mauer unterhalb des Krankenhauses auf dem Karlov mit der Parole bemalt:„N i ch t Masarhk, sondern Le". Beenden konnte er den Satz nicht, weil er durch einen Schutzmann in seiner Arbeit gestört wurde. ES ist noch in frischer Erinnerung, dah die kommunistischen Parlamentarier die Wahlseierlich- keitcn um die Wiedertvahl unseres Präsidenten, des hervorragendsten Repräsentanten der europäischen Demokratie, durch lärmende Zwischenrufe:„Nicht Masarhk, eS lebe Lenin!" gestört haben. Diese Parole ist von den Kommunisten überhaupt als Schlager fiir die Präsidentenwahl auögegeben worden und war als solcher allgemein bekannt. Die von Staatsanwalt S i b a vertretene Anklage folgert daher, das; das Wortbruchstück„Le" nichts anderes bedeuten könne, als die ersten zwei Buchstaben des Wortes ,fi t n i n". Der Angeklagte bestreitet allerdings diese naheliegende Deufting und beteuert, daß die Fortsetzung lauten sollte:„— lepsi Zivot(ein besseres Leben)". Abgesehen von der stilistischen und logischen Absonderlichkeit einer solchen Losung, ist noch in Betracht zu ziehen, das; die Silbe„Le" mit grob em An fan gsbuch st aben geschrieben war, was der Rechtschreibung nach unsinnig wäre, wenn das unvollendete Wort wirklich„l e p ö i (ein besseres)" hätte lauten sollen. Die Auslage führt nun, indem sie als erwiesen annimmt, das, die Silbe„Le" nichts ande res bedeuten konnte, als den Namen Lenins, wörtlich des tveiteren aus:„Der von dem Angeklagten aufgeschriebene Satz stellt zwei Programme und zwei Staatssysteme vor. Der Name Lenin ist eine Negation der Prinzipien und der Ordnung, die der Slawe Masarhk vorstellt." DaS Gericht schloss sich der Ansicht deS Staatsanwaltes an, erkannte den Angeklagten schuldig des Vergehens, nach Paragraph 14 des Schutzgesetzes und verurteilte ihn zu drei Wochen strengen Arre st es und 100 fii G e l d st r a f e. Die Strafe wurde un bedingt ausgesprochen, da bei Verstössen gegen daS Schutzgesetz die bedingte Verurteilung überhaupt ausgeschlossen ist. rb. Der falsche Pilot mit der falschen Lebensversicherung Prag, 14. Juni. Der achtmal vorbestrafte La- dislav S l a m a, 84 Jahre alt und entgleister Privatbeamter, stand heute zum neunten Male vor einem Strafsenat des hiesigen KreiSgerichtes. Sein Opfer war diesmal ein Fräulein, dem er sich als Ingenieur und Zivilipilot vorstellte und das er alsbald um ein Darlehen anzugehen begann. DaS Fräulein lieb sich von dem hartgesottenen Gauner blenden und lieh ihm 12.200 Kd, allerdings ans prachtvoll erscheinende Sicherstellung. Der„F l i e- g c r" rkläric nämlich, auf 250.000 Kd lebenS- versichert zu sein und auf eine solche LebenS- versicherungSpolizze lassen sich schon 12.200 Kd borgen. Ein solches Dokument aus Nichts hervorzuzaubern, ist natürlich nicht so einfach. Aber der„Pilot" wusste Rat. Er erklärte seiner„Braut"(denn die Ehe hatte er ihr natürlich versprochen), dab die BersicherungSpolizze beim Arbeitsministerium deponiert sei, dem„seine" Fluglinie unterstehe. Ilm die Arglose zu überzeugen, schrieb er vor ihren Augen einen Brief an dieses Ministerium, worin er mitteilte, datz er die 250.000-Kd-Polizz« zu Bürgschaftszwecken dem Fräulein N. N. abtretc. lind die Braut Ivar tatsächlich naiv genug, dieses„BctveiS- dokument" gelten zu lassen. Natürlich wanderte dann dieses Schriftstück ganz wo anders hin, als in den Brieflasten. Als weitere„Sicherstellungen" übergab der„Pilot" Slama aber auch tatsächlich ztvei wirkliche Polizzen— gegen Einbruch. Solche sind natürlich an sich absolut wertlos und zu Sicher» stellunghzweaen üherhaupt nicht geeignet. Aber das ahnungslose Fräulein lieb sich durch das wert- papiermässige Aussehen täuschen. Dann sind noch zwei ganz kleine, aber sehr bezeichnende Fälle eingeklagt. Slama hat zwei arme, arbeitslose Näherinnen unter V o r s p i e g el u n g von Arbeitsbeschaffung um zusammen 850 Kd geprellt, die er sich als„K a u» t i o n" erlegen lies;. Der Gerichtshof des GR. Petkik verurteilte den Angeklagten nach durchge- führter Verhandlung zu zehn Monaten schweren und verschärften Kerkers und sprach die Anhaltung in der Zwangs- arbeitSanstalt nach verbüßter strafe aus. rb. Kunst and wissen Die Hauptdarsteller der Wallensteinsestspiele 1VS4 in Eger Für die am 17. Juni beginnenden Wallcnstein- festspiele in Eger konnten für die Hauptrollen folgende Darsteller verpflichtet werden: Wallenstein: Maximilian Wesolowski (Stuttgart, Württembergisches Staatstheater) und Franz Scharwenka( Graz, städt. Bühnen) Octavio Piccolomini: Friedrich Richter(Prag). Max Piccolomini: Felix Stein böck(Dresden, Staatstheater) und Fritz Diez(Baden-Baden, städt. Schauspiele). Terzky: Max N e m e tz(Leipzig, städt. Bühnen) Jllo: Walter Ebert G r a s s o w (Weimar). Jsolani: Josef HLbn e r(Wien). Buttler: Willy Volker(Prag, Neues Deutsches Theater). Questenberg: Alfred Kühne(Reinhardtbühnen).,, Herzogin: Elfriede Bringolf (Graz, städt. Bühnen) Thekla: Susanne Eng el- hart(Düsseldors, Schauspielhaus), Gräfin Terzky: Hedwig Bleibtreu(Wien, Burgtheater), Wrangel: Viktor Heinz Fuchs(Wien), Gordon: Julius K o b l e r(Hamburg, Staatliches Schauspielhaus). Schwedischer Hauptmann: Hans Baumann(Wien, Deutsches Volkstheater). Rittmeister Neumann: Viktor Sordan(Breslau, Städt. Bühnen).. Eine der tvichtigsten BorbereiftmgSarbeiten zu den Egerer Wallensteinfestspielen, die mit einer groben Massenaufführung am Sonntag, den 17. Juni l. I. ihren Anfang nehmen, bestand in der Errichtung einer fiir die Bewältigung der Massenszenen von Schillers„Wallenstein" geeigneten Bühne. Dem Architekten des StadthochbauamteS in Eger Jng. Otto Schütz ist«S gelungen, in der Riesenfest- halle auf der Egerer Burgwiese eine zweckentsprechende Klassikerbühne zu schaffen. Ein riesiges Spitz- bogengewölhe von 10 Meiern Höhe und 18 Metern Spanwveite bildet den Hauptteil der Bühne. Ihm ist estvaS niedriger eine breite Vorbühne vorgelagert, der Schauplatz der Haupthandlung. Zwei seitlich an- I gelegte Spitzbogengewölbe schliessen sich harmonisch in die Gesmntansicht. Sie tverden der Schauplatz der Zwischenhandlungen und Keiner Szenen sein. Von der Anbringung eines Vorhanges für diese allzu gewaltige Bühne wurde Abstand genommen. Die Funktion des Vorhanges erfüllt ein mächtiges Schiebetor zwischen Vor- und Hinterbühne, das völlig geräuschlos und mit der gewünschten Raschheit sich öffnet und schliesst. Der Ausblick in di« gctvaltige Tiefe der ofsenen Bühne, die sich in klassischer Grösse zum ge- schlosseuen Raume wölbt, ist frei von allen störenden Beiwerken an Kulissen, Soffitte», Stofshintergrün- den, Vorhängen u. dgl. Deutsche Musikakademie: Heute 20 Uhr 1. Absolventenabend im Saale der„Urania", Prag I., Klimentskä. Karten zu 8, 6 und 4 Kd. Montag, den 18. Juni: Oeflentlicher Abend. Am Programm Mozart, Konzert fiir Waldhorn, Quartett für Oboe und Streicher, Schumann, Fantasiestücke fiir Klarinette, R. Strauss Duett aus„Rosen- kalavier", Beethoven, Trio fiir Klarinette, Cello und Klavier. Mittwoch, den 20. Juni, 20 Uhr: Geistliche Abcndniusik in der Maltheser-Kirchc, Prag III., Maltdzkö mim. Di« Mozartgemeinde veranstaltet Mittwoch, den 20. d. M., um 20 Uhr, einen Mozart-Abend im Garte» der Bertramka,— Mitwirkende: M. Pirova, Jclizaveta Nikolska, Drozdov, Pirnik, Ballett des Rat.-Theaters, und L. Vondracek. Programm: Waldhornkonzert. Arien und Lieder, Gavotte auö der Oper Jdomeneo, Menuett a»S Don Juan. Spielplan des Renen Deutschen Theaters. Freitag, halb 8 Uhr: S t r a ss e n m u s i k. Dl. 0: N a ch t s e r e n a d e im Fürstenberggarten.— Samstag halb 8 Uhr: Der I a k o b i n e r, B 2.— Sonntag halb 8 Uhr: Die keusche Susanne, A. A.(Alle Vorstellungen bis aus Sonntag, den 17. d. M. finden im Rahmen des Prager Frühling statt.) Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag, abends 8 Uhr: Ho—-rück, Baukbeämtr und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: Wo war ich heute Nacht?, Erstaufführung.—(Alle Vor- i stellungcn bis auf Samstag, den 16. d. M. finden im Rahmen des Prager Frühling statt.) Der Kindertag in Prag findet am Sonntag, den 17. Juni, auf dem Pohofrlre(also nicht in Zbraslav!) statt Beginn um 2 Uhr nachmittags. Im Festprogramm: Radiolibertragungen, turnerische Borfiihnlngrn, Sprech- und Ge- sangochörr, Ansprachen, Kinderspiele. ES nehmen alle dentschm proletarischen Organisationen Pragü an dem Kindertag teil. Sport• Spiel• Körperpflege Bürgerlicher Sport Prager Ligapokalkonkurrenz. Am Donnerstag fanden im Dannerstadion ztvei Spiele statt. Der Pilsener SK. spielte mit Bohemians 1:1(1:0) uno Viktoria Zijkov. die mit einer stark verjüngten Elf antrat, kam mit 4:0(0:0) zu einem unverdienten Erfolg über den BSK. Gablonz, dessen Stürmer das Schiessen verlernt hatten. Vienna Wien schlägt D2B. Saaz. Die Wiener spielten Donnerstag in Saaz und siegten nach einer torlosen Halbzeit sicher und verdient über den DFB.-Meister mit 8:1. Neuer Frauen-Weltrekord in der Leichtathletik. Bei einem am Donnerstag in Prag stattgefundenen Meeting lief die tschechische Hochschülerin K o u b- kova über 800 Meter in 2:16.4 Min. eine neue Weltbestleistung. Die letzte Titelhalterin war die Deutsche Radtke. Varclnsnadirlditcn e Ortsgruppe Prag. Samstag, den 16. Juni, Alt-Prag-Führung. Zu- unmenkunft mn 4 Uhr beim Pulver- urm.— Sonntag, de» 17. Juni, Zusammenkunft um halb 7 Ilhr vor dem wy,oiauer Bahnhof. Fahrt nach Mdsice. Wanderung nach Elbe-Kostelec; bei heissem Wetter Baden in der Elbe, herrlicher Sandstrand. Bei kühlem Wetter Wanderung»ach Brandeis, Mtbunzlau und in die Jserlvälder. Fahrpreis zirka 5 Kd. Führe: Kapuschinssi.— Arbeiter-Olympiade. Wir ersuchen alle Mitglieder, sich zur Führung während der Olympiade zur Verfügung zu stellen. Anmeldun- > gen jeden Freitag von 6 bis halb 8 Uhr in der Geschäftsstelle in Prag II, Rärodni tr. 4, 2. Stock. Telephon 48860. Gebrauchsgymnastik für Angestellte (Zehn Hebungen, zusammengestellt und erprobt dom österreichischen Bundeskommissär für Sport.) Wenn du noch einen Posten hast, so danke Gott und sei zufriedenk Doch willst du vorwärts— aufgepaßtk Da hilft nur eins hlenieden: Gymnastik! DaS Können wiegt heut gar nichts mehr. Den Rücken beugt! Noch mehr! Roch mehr!! BIS ihr ihn schNetzen könnt zum Kreis und selbst belächeln euren Steiß! Den Rücken beugt! Könnt dieses ihr auö dem FF, dann ist gewogen euch der Chef. Hoch klingt das Lied vom braven Mann, der tief nach rechts sich biegen kann! Bon links nach rechtS! Und wenn der Prokurist euch kündigt, habt ihr auch niemals euch versündigt, dann müht ihr Ihm ein Danklied singen und möglichst hoch vor Freude springe»! Ächtung— los! Vielleicht, daß sich sein Herz erweicht und er gerührt die Hand euch reicht. Denn eS ist alles relativ.... Am besten hält man sich jetzt schief! Brust hinein! Die lleberzeugung ist Ballast. Drum schmeißt sie weg! Frisch— angepabft Waö hohl und leicht ist, schwimmt oben. Der Herr wird seine Diener loben! Kopf hoch! Angepaßt l Niemals erlahme euer Eifer! Betätigt euch als Urber-Läufer! Kriecht vor der Chefin anf dem Bauch! So ist es Untertanenbrauch. Für euch gibt'S kein Gesetz der.Stajik! Drum übet Mastdarmakrobatik, und ist daS Hindernis auch Nein— die Augen zu! Ihr müßt hinein! Treibt Ihr dies klug und nicht zu hastig, dann bringt Erfolg euch die Gymnastik. Sport Heil! h. Mitteilungen aus dem Publikum. Von der Russiger Handelsakademie. Die Einschreibungen in die vierklassige Handelsakademie und in die zweiftassigen Handelsschulen für Knaben und Mädchen erfolgen vom 28. bis 80. Juni. Die Aufnahmsprüfnngen finden mn 80. Juni um ¥jO Uhr für die Handelsakademie und un: halb 10 Uhr für die Handelsschulen statt. Einschreibungen In den Abiturientenkurs haben bis 1. September unter Vorlage des Reifezeugnisses zu erfolgen. Auch schriftliche Anmeldungen sind zulässig. Prospekte und Auskünfte durch die Direktion der Anstalt. Win« überaus wirksame Broda zanda»I deute dem moderner «eschlstlsmami In der Anieig« in dl« Land gegeben. SI< wirkt am meinen in Dllst- lern der oraan. Urbester unt arbeitet für ibn, ebne dab er arob« auslaaen bat und— das Wichtigste— SrsoIabat Ne Immer! Klassen* Lotterie! Treffer gibt’s tu jeder Klasse Bei Ges sie r, Troppau, Turnergasse 2429 Also: heute noch bestellen! Urania Kino, Klimentshä 4. Ab ftrcitnn bis einschließlich Montag: Her ftdju ani deiner Unheil Lustwiel mit Vlasta Burlan. MliOtl MMMr. Alademier^liistiabmrvrstlunnen 30. Juni, 1. Sevlember. KO Ubr(diu. gwrMalstne Handelsschule flit Nnaden stwelktasstne Handelsschule stlr Mädchen ttnsaadmtvrüsnnnen 30. rumi. 1. Sevlember. vorm. >410 Ubr. AblturlentenkurS stlr SUalnranlen! Anmeldungen bls 1. Sevlember.— Weste« ilttökünsle erteilt die 3405 Direktion. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung mS Haus oder bei Bezug durch dm Post monatlich Kd 16— vierletiälirig Kd 48 balbiährig Kd t.'O- ganziähng Kd IN2-- Jmerair werden iam Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bet Einsendung der Relounnarken— Die ZeltungSfrankatur wurde von der Post» und Telegraphen- direftion mit krlaß Nr. 18.800/VII/1VÜ0 bewilligt.— Druckerei:.^OrbiS" Druck- Verlags- und ZeitungS-A.-G. Prag.