IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg XII., eochova«. nwow atm. AMummMiON nurON am. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUS. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHE» REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Ehiielprefc TV’fUlfcr (einschließlich 5 Heller Pofto) 14. Jahrgang Samstag, 16. Juni 1934 Nr. 139 Hitlers Canossa-Gang: Verzicht auf den Anschluß Loudon, 15. Juni. Der Scrirfjterftnftrr des Reutrrbüros meidet aus Venedig: Der italienische Ministerpräsident Mussolini und drr deutsche Reichskanzler Hitler einigten sich aus die v o l I e A» e r k e n n u n g d e r N>< a b h K ng i g k e i t O e st e r r e i ch s. Drr Vorstand des PressedeparlrmentS des itnlirnischi RinistrrpräsidiumS Eiano teilte den Journalisten mit, dasi zwar lein Vertrag unterzeichnet u.irde, da st es sich aber nm ein Abko in in e n bandle, dao die„G e s i n n u n g" gegenüber Oesterreich zum Ausdruck bringt,-ludere Einzelheiten teilte er nicht mit, erklärte aber dennoch ausdrücklich, da st Deutschland praktisch aus den Anschluß verzichtet. Bei einem Presse-Empfang erklärte Ciaui, der Pressechef und Schwiegersohn Mussolinis, noch folgendes: Amnestie-Entwurf Sozialversicherungsnovelle und Kollektiv* vertrüge im Verordnungswege Prag, 15. Juni. In der heute nachmit- tagö stattgefundenrn Sitzung des Ministcrrates n-»rdc die Zustiminnng zu dem Antrag auf Er- laffuug einer A m n e st i e ausgesprochen, den der Austizminister dem Präsidenten der Republik zur Entscheidung vorlege» wird. Beschlossen wurde ferner auch die Novellie- rang der Sozialversichernng und die Verlänge- rong drr ltzültigkeit kollektiver Arbeilsvertrage, beides durch Regierungsverordnung nach dem Ermächtigungsgesetz. Angenommen wurden n. a. auch die vom ssrbeiienmjnistemum auSgcarbcitrte Regierungsvorlage über das Fahren mit Motorfahrzeugen wirksameren Schutz der Sicherheit oder des Ansehens der Republik und ihrer Verfassung und des allgemeinen Friedens dien Kreis der Straftaten, derentwegen die Einstellung periodischer Druckschriften nach 8 34 möglich ist. auf gewisse aufgezählte Tatbestände de» SchntzgesetzeS zu erweitern und die Dauer der Einstellung auf drei bzw. bei Wochenblättern auf sechs Monate zu erstrecken, wird auf unbestimmte Zeit verlängert. Bei Druckschriften, die vor Ablauf eines JahreS seit dem Ende der Verbotszeit wiedererschei- nen, kann die neuerliche Einstellung auch bei Tag» blättern auf sechs Monate augeorduet werden; gleichzeitig werden für diesen Fall die Einspruchs- und ReknrSfrist aus drei Tage verkürzt und Vcrschlep- pungSvcrsuche abgcschnitten. Kolportage- und Delörderungs- vcrbol Im zweiten Teil tvird eine Novellierung des Pressegesetzes 120/33 vorgenommen. Demnach kann nicht nur die Kolportage von Druckschriften, die die Selbständigkeit, vcriafsung»- müßige Einheit, Integrität, die demokratisch-republikanische Staatssorm oder die demokratische Ordnung der Tschechosloivakischcn Republik untergraben oder fchmähen, das Schamgefühl grob verleben, oder nach 8 2, Abs. 2. die öffentliche Ruhe und Ordnung bedrohen, verboten werden, sondern auch die Verbreitungen in Trafiken und anf Bahnhöfen. llnvcriodischcn Druckichristen dieser Art können auch die Begünstigungen für die Post- oder Bahnbeförderung aberkannt, bczlv. das Recht auf Beförderung überhaupt entzogen werden. Dieselbe Eutzichung der Begünstigungen, bezw. der Post- und Bahnbesörderung überhaupt droht auch veriodifchen Druckschriften längstens auf die Dauer von zwei Jahren. Voraussetzung ist, daß ein Strafgericht in Verhältnis mäßig kurzer Zeit wiederholt entscheidet, daß durch den Inhalt der betreffende» Druckschrift die oben aufgezählten Straftaten begangen wurden. Zuständig ist das Innenministerium, bczlv. das Landesamt. Ausländisch« Druckschristen dieser Art können auf zwei Jahre verboten lverden. Amtliche Presseberichtigungen Die Bestinnnungen über amtlich« Vressebrrick- tigungen werden auch auf Berichtigungen des Präsidenten der Republik und der Minister ausgedehnt. Eine solche Berichtigung kann ein Mindestauümaß von einer halben Zeitungsspalte haben; es können darin auch Tatsache» angeführt werdend die nicht unmittelbar mit der berichtigten Meldung zusammcnhängen, jedoch der völligen Aufklärung der Angeleaeicheit dienen. VerOflenlllchung offizieller Kundgebungen Neu Ist der Ztvang zur Berösfentlichung von offiziellen Kundgebungen des Präsidenten der Republik und der Negierung. Politische Tageszeitungen kü n« neu zum Abdruck solcher Kundgebungen verhalten werden, wenn sic ihnen die Kanzlei de» Präsidenten, beziv. daS Ministerratspräsidium mit Berusung auf diese Bestimmung cinsendet. Die Veröffentlichung muß binnen drei Tagen ohne Aenderung und ohne jede Beifügung in normaler Schkift erfolgen. Nur wenn die Veröffentlichung, eine ZeitungSspaltc überschreiten sollte, kann sie sinngemäß gekürzt lverden. Gegen Indiskretionen und lendenzrneidungen Weiters wird wegen Vergehen» mit Gefängnis von drei Tagen bi» zu drei Monaten oder mit Geldstrafen von 800 bi» zu 8000 KC bedroht: Wer den Inhalt eines Aktes oder einer Verhandlung einer gesetzgebenden Körperschaft,«ine» Ausschußes oder einer Komillion. eines Kollegiums oder eine» Amte», das die öffentliche Verwaltung auS- iibl, oder eines Gerichtes veröffentlicht, falls das Schriftstück, bezw. die Verhandlung nach dem Gesetz geheim ist oder ausdrücklich als v e r t r a u l i ch erklärt wurde; lver den Inhalt der Verhandlungen eine» Gerichtes oder Disziplinarkollcgiums, soweit dabei die Ocffcntlichkcit ausgeschlossen war, oder einen Bericht über die Abstimmung des Gerichtes, beziv. des DisziplinarkollegiumS veröffentlicht. 2. Wer eine Meldung als Entscheidung. Maßnahme oder Kundgebung de» Präsidenten der Republik oder der RcgicrungSmitglieder ausgibt, obwohl er wußte, daß sie ganz oder zum Teil unrichtig ist, oder hinreichende Gründe hatte, sie für unwahr zu halten. Gegen die Sensationspresse richtet sichrer neue 8 18 b, wornach unter dieselbe Strassanktion auch die Veröffentlichung vmr Berichten. Artikeln oder Abbildungen aus dem täglichen Leben gestellt wird, die eine bestimmte Strastat gegen das Leben, die Person oder das Eigentum oder aber scruelle Dinge betreffen und die durch den Titel, die Art der Darbietung oder die äußere Ausmachung grober Sensationsgier oder sexueller Aufreizung dienen. Derartige Prcssccrzeug'nisse fallen auch unter die Bestimmung über das Kolportageverbot, bczlv. unter die Einstellung, Ucberhanpt dürfen Meldungen, beziv. Abbildungen solcher Straftaten weder auf der Titel- noch auf der letzten Seite einer periodischen Druckschrift veröffentlicht werden, widrigenfalls das Blatt konfisziert und der Drucker mit 50 bi» 1000 KL bestraft lvird. Die Bestimmungen. wornach schon die Bedrohung der öffentlichen Rübe und Ordnung durch die Presse mit Kolportage-, bezw. VerbreitungSvcrbot in Trafiken oder Entziehung der Postbegünstigungrn, Zusammenkunft Hltler-PllsudskR Warschau, 15. Juni. Wie der heutige„Wicczor Warszawsli" meldet, hat Minister Goebbels während der gestrigen Audienz bei Marschall Pii- sudski diesem den Vorschlag einer Begegnung mit Reichskanzler Hitler gemacht. DaS Blatt behauptet, daß Marschall Pilsudski auf diesen Vorschlag leine A n t w o r t erteilt habe. Berliner Meldungen behaupten dem gegenüber, daß von polnischer Seite-war zunächst keine große Bereitwilligkeit bekundet worden sei, auf diesen Gedanken cinzugchcn, doch hätten die„Befürchtungen vor der eventuellen Entlvicklung in Europa" schließlich die polnischen Kreise zn einer Aenderung ihrer Ansicht bewogen. Dadurch erkläre sich der schließliche Empfang des Ministers Goebbels durch Marschall Pilsudski. Bei diesem Besuch sei die Znsanuuenkunft Hitlers mit Pilsudski grundsätzlich ve r e i n b a r t worden, ihr genaue» Datum soll aber erst nach der Rückkehr Hitlers aus Venedig festgesetzt werden. bezw. der BeförderungSmöglichkeiten überhaupt bedroht ist, werden bis 80. Juni 1085 befristet. * Im Plenum des Hauses Ivurdcn vier bereits vom Senat genehmigte Gesetzentwürfe s Machenschaften bei Lieferungen, Impfzwang für Mili- tärpersoncn, Steuerbefreiung ausländischer Motorfahrzeuge und Verlängerung deck Währungsschutzes) durchwegs o h n e D e b a t t c angenommen. Dann wurden Immunitäten erledigt und die N e u w a h l des Ständigen Ausschusses vorgcnommen. dem für unseren Parlamcntsklub Genosse Taub als Mitglied und Genosse H a ck c n b c rg als Ersatzmann angehören., Nächste Sitzung Dienstag, den 19. Juni, nm 15 Uhr. Das Wunder der Treue Die schlesischen Arbeiter srUBen die Fahne der Internationale Am Sonntag fand in O d r a u ein Bezirksarbeitertag der Bezirksorganisation W i g st a d t l statt, der sich zu einercherrlichcn Manifestation der nordmährisch-schlesischcn Arbeiterschaft gestaltete. Odra», früher eine Mustcrorganisation im westen Umkreis, ist bei der Spaltung ganz in die Hände der Kommunisten gefallen. Der BczirkSarbciter- tag. verbunden mit einem roten Spartentag der Arbciterturner, galt nun der moralischen Stärkppg-des sozialdemokratischen Aufbaues in diesem Jndustrieort: Obwohl gerade der Bezirk Wigstadil zu den am schwerste» heimgesuchtesten Krisengrbirten der Republik gehört, übertraf die Beteiligung alle Erwartungen. die vormittägige Fcjttundgcbung scharte Taufende von Zuhörern um die Tribüne, von welcher Bürgermeister Genosse Made r-Wigstadtl, Kreiü- sckrctär Kutsch a«Troppau und Abgeordneter Genosse I a k s ch Ansprachen hielten. Mit Jubelstürmen wurde die Fahne der Internationale empfangen, welche rin Schutzbündler von Brünn zum BezirkSarbritertag gebracht hatte. Der Höhepunkt dieser in allen Teilen gelungenen Veranstaltung war der nachmittags veranstaltete F e st z u g. In endlosen Kolonnen mar schierten Rote Wehr, uniformierte Wehrsportler, Turnerinnen, Jugendliche, Rotfalken und nicht zuletzt mit der Parteigenosscnschaft die in weißen Einheitsblusen erschienenen wackeren Arbeiterfrauen von Wigstadil über den Marktplatz und die engen Gassen des StädtleinS zur Sportanlage, wo sich sodann daS sportliche Programm abwickelte. Schon die Begrüßungsfeier am Samstag abends zeigte die Kulturorganisationen der näheren und ferneren Umgebung in edlem Wettstreit. Gut zwei Drittel der Teilnehmer des Ar- beitertageS waren Arbeitslose, mindestens die Hälfte Frauen und Mädchen. Viel Jugend belebte diese proletarische Veranstaltung, die einen tiefen Eindruck bei Freund und Feind hinterließ. Äundenweit waren die Braven mit leeren Taschen und Mägen herbeigecist, um der Fahne der Internationale zu huldigen und sich offen zur totgesagten Sozialdemokratie zu bc- jtenncn. Diese Arbeiterbewegung im nordmäh- risch-schlesischcn Krisengebiet ist ein Wunder derTrenezurfozialistischenSache. ein großes Beispiel tapferer Selbstbehauptung in schtverster Zcst. In der ganzen Heimatfront lebt nicht so viel Idealismus, wie in der einen sozialdemokratischen Bezirksorganisation Wigstadil. »7 Unsere Töchter, die Maxinen Roman von Hermpnta Zur NfMen Ich hatte meine Börse neben mir liegen. Nun entnahm ich ihr einen Hundertmarkschein und spielte damit. Ter SA-Mann starrte mit den gleichen Blicken auf daö Geld, mit dem er vorher auf die Zigaretten gestarrt hatte. Ich öffnete die Hand und der Schein siel aus den Boden. Der Mann hob ihn ans und zögerte einen Angenvlick. Dann reichte er ihn mir. Ich lächelte. „Der ehrliche Finder," sagte ich und drückte ihm daö Geld in die Hand. Gerade noch in der letzten Sekunde, denn gleich darauf trat ein zlveiter SA-Mann ein; sie dürfen anscheinend nie allein Haussuchung machen. „Nichts gefunden," brummte der erste.„Ich weiß gar nicht, was man bei dem alten Weib, das nch kaum rühren kann, immer sucht. Dieses blöde Herumhrtzen. Wir haben doch wirlfich Wichtigeres zu tun." Er Ivandte sich an mich. „Geben Sie dem Kameraden ein paar Zigaretten. WnS brauchen Sic in Ihrem Alter noch zu rauchen." Der„Kamerad" erhielt eine ganze Schachtel und ich machte mich ganz klein und wackelte mit dem Kopf, damit das„alte Weib" stimme. Als die beiden gegangen touren, wurde ich nachdenklich. Sie haben feit vierzehn Tagen keine Löhnung erhalten... Was bedeutet das? llnd >vie werden Menschen, die nur nm der Löhnung willen zur SA. gegangen sind, darauf reagieren? Und wenn sie keine Löhnung erhalten, bedeutet dies, daß kein Geld mehr da ist? Weiß Gott, sie haben für ihre Feste genug und übergenug verpulvert. Und auch mit dem Export soll cö hapern. Wird die Rettung von dorther kommen? Wir wissen ja, was Entsetzliches geschieht, wenn auch nicht alleü, aber Ivie es wirtlich um die Wirtschaft steht, das wissen wir nicht. Wir lesen von neuen Einstellungen, aber wir lesen auch von vielen, vielen Kündigungen, und ich weiß, daß selbst in unserer kleinen Stadt eine große Anzahl Menschen erwerbslos ist, eine noch größere als früher. Wie mag es in den großen Städten, in den Jndustriebezirken wirtlich aussehen? llnd auch die Fremden, die Ausländer, kommen nicht. Die Promenade am See ist ganz leer, die Hotels und Gasthöfe, die sich so viel von der Tausend- marksperre versprochen haben, erwarten vergeblich Gäste. Und die Preise der Lebensmittel steigen. Dav Dritte Reich: die Armen sind noch ärmer als zuvor, und sie müssen schweigen. Und jeder, der ein menschliches Herz hat, muß schweigen. Und jeder, der»icht zu den neuen Herren geht, ist verloren. Das Dritte Reich: es ist ein Höllenkreis, der Kreis des Eiseö, in dem alles erfriert und stirbt. Nein, daö ist nicht wahr. Nicht alles, das Gute und die Gerechtigkeit können nicht sterben. Irgendwo verborgen leben sie weiter, wirken sie weiter. Wir wissen es. Wir glauben fest daran. Was immer geschieht, was wir jetzt erleben müssen, ist nicht daö Ende. Ist vielleicht ein grauenvoller Anfang einer anderen Zeit, aber immerhin ein Anfang. Ich blicke auf die Jahrhunderte zurück und sehe in ihnen die gleichen Verfolgungen und die gleichen Qualen Unschuldiger. Aber ich sehe auch, wie die Ungerechtigkeit und die Grausamkeit zusammenbrechen und einer neuen Zeit Platz machen. Inmitten dieser wilden Horde, die sich„Deutsche" nennt, lebt ein anderes Volk, daö wahre Deutschland. Und weil es wahr und echt ist, wird es siegen. Und alles, was in den anderen Ländern wahr und echt ist, wird ihm helfen. Muß ihm helfen. Wir dürfen nicht unsere Stimmen erheben, wir dürfen nicht nach Hilfe rufen, aber eines schreit lauter als unsere erzwungene Stummheit: die Toten, die Gefangenen dieses schauerlichen Dritten Reiches. Die Steine schreien, auf der ihr Blut geflossen ist, und der blaue Himmel, der ihre Leiden gesehen hat. Und diese Stimmen werden innner lauter und lauter. Sie dringen über die ganze Welt. Wir aber, die Gefangenen dieses Landes, wir warten. Wir warten auf die Rettung. Wir warten, wir warten... Genossin Grnber erzählt Wenn doch endlich der Herbst käme; diese Sommernächte sind so kurz, was kann man in den paar dunklen Stunden schon auSrichten? Und es gibt so viel zu tun. ES-ist nur ein Glück, daß die SA in den letzten Wochen etwas sauber geworden ist und später aufsteht. Zuerst kam sic um vier und fünf Uhr morgens Haussuchung machen. Jetzt erscheint sie fast nie vor sechs. Diese Haussuchungen! Ich weiß gar nichi mehr, wie oft sie bei mir ivare». Wie oft sie das Unterste zu overst gekehrt haben. Man müßte schon daran gewöhnt sein, aber jedesmal überkommt mich doch eine leise Angst: mir ist, als könnten die leeren Laden und Fächer verraten, was noch vor wenigen Stunden in ihnen gelegen hat., Außerdem weiß man ja nie, was heutzutage ein Verbrechen, was ein hochverräterisches Dokument ist. Sind doch selbst katholische, weiß Gott wie sanfte Zeitungen beschlagnahmt und verboten worden. Eine Zeitlang konnten wir getrost Druckschriften und Flugblätter bei der Gräfin Agnes verstecken, aber seitdem ihr das Motorboot beschlagnahmt worden ist, wagen wir nicht mehr, die Villa als Versteck zu benützen. Die alte Frau ist so harmlos, sie kann so leicht einem Spitzel hineinfallen. Eü wäre unrecht, sic dieser Gefahr auszusehcii. besonders jetzt, da sic seit Fritzens Verhaftung ganz allein mit dem Mädchen und Fritzens Frau wohnt. Der arme Fritz, wir wissen nicht, wohin sie ihn gebracht haben, wir wissen nicht, ob er noch lebt. Wenn ich bedenke, daß man noch vor etwa fünf Jahren die Nazis in unserem Städtchen an den Fingern der beiden Hände zählen konnte. Wenn cs so weiter geht, lvird man das bald bei den Unfern tun können. ES ist wie im Krieg, nur daß jetzt keine Verlustlisten auSgcgeben werden. Zumindest in Deutschland. Wenn nicht die Naziweiber wären, die häufig nicht den Mund halten können, wäre es noch ärger, aber die plaudern bisweilen, aus Bosheit oder aus Dummheit, etwas aus. Und dann gibt cs noch einige, die nicht zu uns gehören, die sich aber von dem Treiben der Nazis abgestoßen kühlen und doShalb anständig sind. Wie die alte Generalin Hainitz. Die hat mich vor ein paar Tagen kommen lassen, sie habe ein Seidenkleid zum Waschen, ein sehr empfindliches seines Kleid; sie müsse mir ganz genau erklären, wie man cS waschen solle. Als ich dann in ihrem Schlafzimmer Ivar, gab sie mir ein altes Fähnchen, an- dem wirklich nichts zu verderben war und ich dachte mir: was diese reichen Leute doch für Geschichten machen. Die Generalin stand am Fenster und drehte mir halb den Rücken. „Kann ich daS Kleid bald haben?" fragte sie. Und als ich bejahte, fuhr sic fort: „Ich weiß ja, daß bei Ihnen alles so ordentlich ist, Frau Gruber. Und nicht wahr, Ordnung ist die Hauptsache im Leben? Man darf nie etwas hcrnmliegen lassen." Sie drehte sich zu mir um und blickte mir fest in die Augen: „Ja, Frau Gruber, nur nie etwas heruni- liegen lassen. Deshalb soll man auch nicht fremde Leute bei sich wohnen lassen. Die machen Schmutz, die räumen nicht auf, die lassen Sachen Herumliegen. Es gibt einige unordentliche Leute in dieser Stadt. Einen kenne ich. den Seppel Schneider.", Und dann sagte sie wieder sehr laut:„Also, ich bekomme morgen das Kleid, nicht wahr?" (Fortsetzung folgt.) Ar. 139 DamStag, 16. Juni 1634 «ettr 8 Elnanrleller 2u§ammendruck ries Bezirkes Graslitz Unter t>cn Bezirken, die unter den Folgen des GesedeS zur Regelung der Finanzen in den autonomen Körperschaslen und der Verwalinngs resorm am meisten zu leiden Italien und die durch die Wirtschaftskrise vollends um das finanzielle Gleichgewicht gebracht tvnrdcn. ist der Bezirk Graslitz wohl einer der am meisten getroffenen, lieber den Instand der Finanzen dieses Bezirkes tvnrden den Vertretern der Presse in den lebten Tagen vom Bezirtshauplmann in Graslib Mitteilungen gemacht, die den Bezirl in einem geradezu trostlosen Bilde erscheinen lassen. Darnach stehl der Bezirk vor deut ivirtschasllichen Zusammenbruch und wird in den nächsten Jahren nur noch die gesetzlich vorgezeichneten Berpslichtnngen erfüllen können; darüber hinaus tvird er weder für den Berlehr, noch für die Kultur, noch für die soziale Fürsorge irgendwelche Maßnahmen treffen können. Diese Voraussage tvird verständlich, wenn man tveist, das; das Erträgnis ans den Bezirls- umkagen im Jahre ittütt noch l,'227.000 Krotten betrug, im Jahre l!>:l!i aber nur noch-102.000 Kronen. Die Gesamteinnahmen beliefen sich 1080 auf 1,350.000 Kd, int Jahre 19.33 aber mir auf 689.000 Kd. Die Ausgaben des Bezirkes betrugen 81.3.000 Kd int Jahre 1929. 091.000 Kd im Jahre 19.33. Also tvährend die Einnahmen nm 800.000 Kd znrückgingen. stiegen die Ausgaben nm säst ztveimat hnnderttansend Kronen. Dazu lonnnt noch, das; innerhalb der letzten sechs von Kd ge- um Arbeit also und weniger ,o- r A r b e t> ö- sind die schlimmsten Folgen der des Bezirkes Graslitz. Alle Hvn- Bczirk Graslitz tätigen Mensche» einer grostzügigcn A 11 i o n d e s von der man erwartet,>>e werde bringen. Ob Lahre der Tchuldendieust des Bezirkes 808,000 Kd im Jahre 1020 ans 595.000 im Jahre 193.3 stieg. Es reichen also Henle radc die gesamten Einnahmen des Bezirkes, den Schnldendienst zu decken. Die Folge dieses katastrophalen Zustandes der Bezirtssinanzen tvird die Drosselung a 11 c r A n s g a b e u des Bezirkes sein, die nicht auf einem gesetzlichen Titel beruhen. K e i n e 2 u b tz e n t i o u e u mehr für soziale und kulturelle Zwecke, leine zeitgemäße Betreuung, dec Einrichtungen des Bezirkes und der Bezirlsstra- s;en mehr. Jetzt schon müssen vier 2 t r a ste n- Wärter e n t l a s s e n werden, weil die 2ut- tel zur Bezahlung der Löhne fehlen, es wird aber auch leine Neuaulage, und keine Verbesserung der Bezirksstrasten geben, tveil das Geld hiezu eben» salls fehlt. Weniger i. zlale Fürsorge bei v e r in e h r t e l o s i g k c i 1, Finanzmiserc nung der im beruht auf Staates, eine Regelung des Schutdeudieuste.. sie lonnnen tvird tveis; vorläufig noch ntetnano, alle aber glauben an sic. Katastrophale Futtermittelknappheit Unsere Parlamentsfraktion verlangt Hilfsmaßnahmen Prag, 15. Juni. Die Genossen L e i b l, 2 ilt>v e i rfi n r t, Fatsch und Hackenberg haben hente int Parlament eine Interpellation eingebracht, in der sie die Auftnertsamkeit der Re- gicrnng ans die voransstchtlichc M i st e r n t e und namentlich ans die l a t a st r o p h a l e F n 11 ermittelt ttapph eit lenken, die in vielen Gcgcttdcn bereits besteht, nnd die Regierung fragen, welche Mastnahmcn sie zu ergreifen gedenke, um den gesährdetc» Kleinlandwirten Hilfe zu bringen. Dir Interpellanten selbst schlagen vor, dast diese schleunigst zu rrgrctfcndctt Hilfsmaßnahmen vor allem in der B e s ch a f f n n g v o n billigen Futtermitteln und Saatgut bc- steltcn mtisttrn, die aus den Jntcrventionsbestän-\ de» entnommen werden. Soweit die inländischc» Vorräte nicht hinreichrn, miisttr dir Einfuhr^ erleichtert nttd durch zeitweiligei SnSpendierung der Zölle verbilligt werden. Ansterdem tväre zur Milderung des Notstandes der Klcinlandtvirle und Häusler notwendig: t. Die Gewährung zureichender Steuerabschreibungen und angemessener Unterstützungen aus dem Elcmentarschäden-Fonds. 2. Mastnahnten gegen spekulative Preiöstei- gerungen bei Futtermitteln. 8. Die Wiederherstellung des Kündigungsschutzes für die Pachtverträge von landwirtschaft- lichen Kleinpächtern. <1. Schaffung und Vermehrung der Arbeitsgelegenheiten für Kleinbauern nnd Häusler, die infolge der Mißernte ans ihrer znm Lebensunterhalt ohnedies nicht zureichenden Landwirtschaft leinen Ertrag erwarten lönncn. 5. Bereitstellung von Streit- und Futtermitteln aus den staatlichen Wäldern und Grost- forsten. 6. Gewährung von Frachicrmästiguugen für den Transport von Futtermitteln in die Notstandsgebiete. Zue Begründung tvird u. a. angeführt, dast die Saaten jeglicher Art nnd besonders die Klee» und Juiterbestände stellenweise furchtbar schütter, ja oftmals ganz ausgebrannt oder abgcfroren sind. Diese Umstände bringen eS mit sich, dast jetzt zur Zeit der Heuernte nnd der Grünfütternng in vielen Gebieten Futtermangel besteht nnd Futtermittel zugekanft werde» müssen. Dir wirtschaftlichen Organisationen nnd die GenossenschaftS- verbänd« werden mit Anfragen und Futtermittelbestellungen überhäuft. Der Zentralverband der drutschen Kleinbauern und HäuSler hat in den letzten Wochen bei mehrere» Mühle» für seine Mitglieder weder Kleie»och Futtermehle auftreiben können, sine Fnttermittelknappheit sondergleichen droht. Tie Preise für Futtermittel steigen daher von Tag zu Tag. Die materielle Lage der Kleinbauern und Häusler ist durch die Wirtschaftskrise ohuedies in erschreckendem Maste beeinträchtigt worden. Sie wcrdetl infolgedessen nicht in der Lage sein, die notwendigen Futtermittel zu kaufen, und werden da-' her gezwungen sein, thrVieh zu btt- äust, er ti, was infolge des grasten Angebotes voraussichtlich zn einem neuen Preissturz des Viehes nnd der tierischen Produkte führen wird. Damit aber wäre dieExistenz tausender Klein- Ian d w i r t e vollständig vernichtet. Mildes Standgericht Salzburg, 15. Juli. Das Wiener Standgericht verurteilte die wegen Werfens einer Ranchbombe während einer Unterhaltung des RcichS- sttgcndbundcs angeklaglen Nationalsozialisten Josef Fieber zu einer schivercn und verschärften Kerlerstrase in der Dauer von sechs Jahren, Peter Pcrnegger zu einer Kerlerstrase in der Dauer von acht Jahren und Rudolf Ortner zu sünsein- halb Jahren schweren Kerker. Bezüglich zweier anderer Angeklagter wurde das Verfahren an das ordentliche Gericht verlviesen. Auch Dollluft meldet die Bundesbahnen Aufrüstung Ungarns durch Mussolini Das Mlrtenbcrger Arsenal schon Uber der Grenze Paris, 15. Juni. Der heutige sozialistische„P o p u l a i r r" kehrt in einem„Italien rüstet Ungar» aus" betitelten Leitartikel zu der Hirtenbcrgcr Angelegenheit vom Jahre 19.32 zurück. Das Blatt erinnert daran, dast die anf dem Schmnggclwrge über Oesterreich nach Ungarn transportierten und in Oesterreich angrhaltene» Waffen nach Italien zuriickgebracht werden sollten. Diese Waffen verblieben jedoch in Oesterreich, wo sie im Arsenal von Kaiser- eberodorf unweit von Wien hinterlegt worden sind. Nun hat Miissokini in der letzten Zeit Bundeskanzler Dr. Dollfust gedrängt, d i e s e W a s- scn nach Ungarn zu schicken, waö denn auch im Laufe des vergangenen Monates geschehen ist. Der„Populaire" führt das Datum des 8. Mai an, an welchem Tage nm 14 Uhr in 10 Lnstantomobilrn 200 Kisten zu je 24 Gewehren und 21 Kisten zn je zwei Maschinengewehren, demnach 4800 Gewehre und 42 Mnschinengrwchrr, ans Kaiser-Ebersdorf andieungari- sche Grenze transportiert wurden. Bis zur ungarischen Grenze hin begleitete die- *cit Waffentransport eine österreichische Militäreskorle unter dem Kommando eines Offiziers, "lm 11. Mai ging eine weitere Sendung von 5000 Gewehren, am 15. Mai ebenfalls von 5000 Gewehren ab, dann folgten Sendungen am 18. und 22. Mai. Im ganzen gingen anster- drm 438 Maschinengewehre nach Ungarn und die Sendungen wurden fortgesetzt. Im gegenwärtigen Augenblick kann man damit rechnen, dast das gesamte Waffenmagazin bereits nach Ungarn gesandt worden ist. DaS Blatt wirft nun dir Frage auf, weichen Standpunkt die Großmächte zu dieser ausgesprochenen Bcrletznng der Frirdcnsverträge und der im Borjahr übernommenen Brrpflich- tungen der beteiligten Regierung rinnrhmcn. Meeh zwei Tote für Morst Wessel Goebbels braucht Blut, um einen Zuhälter reinzuwaschen Deutsche Justiz am Scheideweg Berlin, 15. Jnni. Im Horst-Wrssel-Prozrst wurde am Freitag nachmittag unter großer Spannung das Urteil verkündet. Die Angeklagten Salln Epstein und Hans Ziegler werden wegen Mordes znm Tode und zn lebenslänglichem Ehrverlust verurteilt. Der Angeklagte Peter Stoll erhält wegen Beihilfe znm Mord sifbcneinbalb Jahre Zuchthaus nnd zehn Jahre Ehrverlust. In der Begründ u n g des Urteils führte der Vorsitzende ans: Durch daö Ergebnis der Beweisaufnahme ist festgestellt, dast sich die Angeklagten Epstein nnd Ziegler im Sinne der Anklage des gemeinschaftlichen Mordes schuldig gemacht haben. Das Gericht tonnte keine Rücksicht anf dir Strafen nehmen, die das Gericht während des ersten Horst Wessel-Prozesses im Jahre 1980 verhängt hatte. Wir hatten, so erklärte der Vorsitzende, nach dem Eindruck zu urteilen, den diese viertägige Verhandlung vermittelt hat- nie Hintergründe des Prozesses Der Berliner Rechtsanwalt Dr. Apfel, der vor der! Jahren Horst Wessels Mörder Ali H ö h- l e r verteidigte, hat vor kurzem über die Hintergründe des eben zu Ende geführten Prozesses gc- schrievcn. Aus den Darstellungen Dr. Apfels gehl hervor, dast die Z u h ä l t c r r o l l c, die Horst Wessel gespielt hat, in dem Prozes; gegen Ali Höhler klar erwiesen worden ist. Zahlreiche Nationalsozialisten haben sich nach Beendigung des Prozesses bei Dr. Apfel dafür bedankt, das; er den peinlichen Beruf Horst Wessels vor Gericht niit solcher Zurückhaltung behandelt hat. Ali Höhler lvurde seinerzeit nicht wegen M o r d c s, sondern wegen Totschlages zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Selbst der T 1 a a t s a n>v a l 1, der den Antrag auf Verurteilung lvegen Totschlags stellte, war der Ueberzcugiing, das; es sich bei dieser Mordtat um einen Streit zwischen zivei Zuhältern gehandelt hat und das; die Polini mit dem Mord nicht das geringste zu tun hatte. Horst Wessel lvurde von Goebbels mittlerweile zum NationalhcroS gemacht. Wenn die Klänge des Horst-Wcsiel-Liedes ertönen, müssen sich selbst die Diplomaten von ihren Sitzen erheben. Obwohl sich die amtliche Propaganda eifrigst bemüht hat, das Andenken Horst WesselS rcinzulvaschcn, ist eS in Tcutschland allgemein bekannt, das; den Nationalheldcn sein Zuhälterberuf zn Falle gebracht hat. So hatte das Propa- gandaministcrium daö Bedürfnis, neuerdings den „Beweis" zu liefern, das; das Geranne über die Zuhälterrollc des Horst Wessel nnbegrüiidct ist. Dieser Beivciö sollte durch die Verurteilung angeblicher Teilnehmer an der Ermordung Horst i Wessels erbracht werden, die man angeblich erst jetzt aussindig gemacht hat. Es handel, sich um eben die drei Angeklagten, von denen zwei jetzt zum Tode verurteilt lvurden. Ilm die Schmach ganz zu begreifen, die die deutsche Justiz mit diesem ungehcuerlichcu Urteil aus sich geladen Hal, must mau bedenken, dast die > jetzt Verurteilten, die die Teilnahme an der Tat überhaupt leugnen, zum llutcrschicdc vom lvirk- lichen Täter wegen v o r s ä blichen Mordes— vier Jahre nach dem Verbrechen und uacki abgeschlossenem Prozcstl— angellagt worden sind. Mit diesem ilricil, das in der Rechtsgeschschtc ! aller Länder einzig dastehen dürfte, hat die deutsche Justiz selbst ein Verbrechen begangen, daS alle bisherigen Schandtaten der Hunnen weit übertrifft. Denn dieses Urteil tvird alsRech 1 S- f i ii b n ii g bezeichnet, lvurde von Menschen im Talar gesprochen, die Gelegenheit hallen, sich von I dem Tatbestand der schon durch den ersten Prozes; festgestellt worden lvar, zu überzeugen. Daö Bild, das man sich jetzt von der deutschen Justiz machen kann, lvird abgerundet durch den im Zuchthaus vollzogenen Mord an Ali Höhler. Dieser Hauptzeugc, der ein kraftstrotzender Mensch lvar, ist vor kurzem plötzlich gestorben. Er hätte über die Zuhälterrolle Horst WesselS am besten und eindruckvollsten aussagen können. Auch eine frühere Mitangeklagte namens Else Cohn, die geucku Bescheid wustte, hat man vor kurzem in Brcölau ermordet. Zwei Menschen werden um des Zuhälters Horst Wessel willen aus das Schaffst geschickt, rin dritter tvird im Zuchthaus zugrundegerichtct werden, Goebbels tvird mit diesem llrteilsspruch das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung erreichen. Das Blut seiner Opfer lvird über ihn kommen! Das Sprengstofflager Im Kleiderkasten 23 Bomben zu je 2,6 Kilo Ammonit Wien, 15. Juni. Bei den letzten BerhaftNn- gen und Haussuchungen bei Wiener Nationalsozialisten entdeckte die Polizei, lvic bereits gcmel- det, in der Wohnung des 21jährigen Medizinstudenten Alois Wein tu a n n in der Sobieski- Gasie im 9. Bezirk grostc Vorräte von Crplokiv. materiak, besonders Ekrasit. Wie nun amtlich mit- geteilt wird, lvurde bei fachmännischer Prüsnuä des ganzen Lagers festgestellt, daß Weinmann 23 adjnstirrtc Höllenmaschinen bei sich hatte, von denen jede 2.00 Kilo- glomm Ammonit enthielt. Jede dieser Bom. den hätte die Grnndmnuern eines normalen Wohnhauses durschlngen können. Zn einem besonderen Zwecke war eine große 0.90 Kilo! gramm wiegende Bombe bestimmt. Ansterdem wurde bei Weinmann eine g r o h e Menge Chemikalien gefunden, waü darauf hindentet, das; Weinmann schon längere Zeit für die nationalsozialistischen Terroristen Explosivkörper herstellte und das; in seiner Wohnung lvcitere Attentate vorbereitet lvurden. Auch daS bei diesen Durchsuchungen im Hause deS Nationalsozialisten Nämüstek in einer Garlenkolonie entdeckte Wafsenlager bildete eine ähnliche terroristische Zentrale. Es lvurden dort 121 Handgranaten, ansterdem zahlreiche Bomben, Zünder, ilhren, Ehemitalien usw. gefunden. Der Inhaber dieses Materials ist ein geivisier Friedrich Allmann, der mit zwei Komplizen ge- slüchtet ist, wahrend sich der Wohnungsinhaber Rämistcl in Hast befindet. Lezen die Transfer-Einstellung Deschlagnahme der deutschen Eiportüberschüsse Wien, 15. Juni. Buudestauzler Dr. Doll- suh ist um 10 Uhr 15 auf dem Flugplatz in Aspern, aus Budapest kommend, eingctrofsen. Stahlhelmabzeichen verboten Berlin, 15. Juni. Die BundcSlcitung deS Nationalsozialistischen deutschen Frontkämpfer- buudcs(der frühere Stahlhelm) lveist darauf hin, das; ,,zur Bekämpfung von Mihbrauch" die alten Abzeichen deS Stahlhelm(Bund der deutschen Frontsoldaten> nicht verkauft und anch nicht unentgeltlich an Dritte wcitcrgcgcben werden dürfen. Die Landesverbände sind angewiesen worden, ihren Bedarf an Abzeichen des deutschen FrontkämpserbuudcS beschleunigt beim Stahlhos. in Magdeburg unzufordern, um die Bundesmitglieder anstelle des Skahlhelmabzeichen mit dem neuen Abzeichen zu versehen. Innerhalb der Stadt Berlin ist das Tragen des alten Stahlhelmabzeichens verboten. London, 15. Juni. Der britische Schatzkanzler Neville Chamberlain gab heute im 11»- tcrhanse seine mit der größten Spannung erwartete Erklärung Uber daS deutsche Traiiöfermora- lorinm ab. Er teilte mit, daß die britische Regierung demnächst eine Gesetzesvorlage riub innen wird, nm der Regierung zn ermöglichen, ein englisch- deutsches C l e a r i» g a m t zn errichten, daß sie jedoch bereit ist, davon ab- znseheu, diese Bollmachten auszuübcn, wenn eine befriedigende Vereinbarung über eine Bchandinng der britischen Bonsinhaber und den britischen Handel vordem 1. I n l i abgeschlossen werde» kann. Paris, 15. Juni. Ter morgige Kabinettö- rat lvird sich mit der durch das deutsche Moratorium bezüglich der Bezahlung des Zinsendienstes der Uouug- und der Tawesanleihc geschafsencu Lage befassen. Da die französisch-deutsche Handelsbilanz an 400 Millionen Francs zugunsten Deutschlands auflveist, ist cö nicht ausgeschlossen, dast die Regierung ersuchen lvird, die zur Sicherung der Forderungen der französischen Inhaber der beiden Anleihen nollvcndigeu Summen im Clearingverfahren zurückzuerhalten. •tHt« Nr. MO SamStag, 18. ftitnl 1034 Das Ende-es Helden von Steyr Wie Zofef Ahrer ermordet wurde Bon einem Augenzeugen Es Ivar am 12. Feber. Seit viernndzlvanzig Stunden schon sckuvirrten wilde Gerüchte durch die overösierreichische Stadt Stenr, man wußte, daß es am Lag vorher zu blutigen Znsammen- fkößen zwischen Arbeitern und DoUfußbrigadcn in Linz gekommen war, daß die Negierung Maschinengewehre und Haubitzen gegen die Arbeiter dort hatte ansfahrcn lassen. Die Arbeiter der Steyrer Wafscnfabrik hatten auf diese Nachrichten hin die Arbeit niedergelegt, dic unerträgliche Spannung, die schon seit Monaten über uns allen lag, hatte ihren Höhepunkt erreicht, als uns die Parole erreichte: Generalstreik. Freiheitskampf mit alle» Mitteln l In diesen entscheidenden Stunden begann der erschütternde Heldcnkampf des 26jährigen Arbeitslosen Josef Ähre r, der erst vom Henker der Dollsußchristen beendet wurde. Am Rande von Steyr liegt die Arbeitervorstadt Ennslcithen. Hier vor allem hatten sich die Schutzbündler, unter ihnen Josef Ahrer verbarrikadiert. Drinnen in der Barackcnwohnung war seine junge Frau, die seit sieben Monaten sein Kind unter dem Herzen trug, draußen arbeitete er in fiebernder Eile an der Fertigstellung der Barrikaden. Noch war kein Schuß gefallen, da sah Ahrer plötzlich, wie der Hcimwchrmann Zehetner, der mit ihm in der gleichen Baracke wohnte, auf ihn anlcgtc. Ahrer riß die Pistole aus der Tasche, drückte zweimal ab, aber die Waffe versagte. In diesem Augenblick kam ihm ein ztvcitcr Genosse zuhilfc: er zog seine Waffe und gab einen Schuß ab, durch den der Hcimwchrmann nicdcrgcstreckt und dessen Braut, die hinter ihm stand, verwundet wurde. Unmittelbar darauf kam cs auch an anderen Stellen der Ennslcithen zu Zusammenstößen mit Heimwehrlcuten, die in den Baracken wohnten, aber bald gelang cS, die gelben Bcrrätcr zu überwältigen und gefangen zu nehmen. Für Ahrer aber war nicht die Zeit, sich seines mit knapper Not geretteten Lebens zu freuen. Kaum eine Stunde später brach rund um dic Ennslcithen die wahre Hölle los. Dic Regierung hatte gegen uns Haubitzen, Maschinengewehre und Minenwcrfer ausfahren lassen. Die Wirkung war furchtbar: Häuser und Baracken tvurdcn unter den Volltreffern von Granaten und Minen buchstäblich in Trümmer geschossen, stürzten ein und begruben ihre Bewohner unter sich. Aber Ahrer harrte aus. AIS Leiter einer der schwersten und gefährdetsten Stellungen blieb er zäh rind mutig an seinem Posten. Achtundzwanzig Stunden lang, vom 12. Feber mittags bis vier Uhr nachmittags des 13. Feber, führte er an der Spitze seiner Schutzbundabteilung den Verzweiflungskampf um die Freiheit seiner Klasse, lag er hungernd und frierend im Schnee und Dreck der Barrikaden, überschüttet von den Minen und den Schrappnells der christlichen Regierung. Und dann kam der furchtbare Augenblick, in dem die Kampfleitung die Weisung ausgcbcn mußt«, den aussichtslosen Kampf einzustellen. Verzweifelt, hungernd, frierend schlugen sich noch ein paar Dutzend Schutzbündler, unter ihnen Josef Ahrer durch die hcranstürmendcn Regierungstruppen durch, erkämpften sich den Weg durch dic Wälder bis auf die Höhen des Dammbcrgs, der hinter der Ennsleithen liegt. Tag und Nacht verbrachten sie dort, zu Tode ermattet, ohne einen Bissen Nahrung, ohne Uebcrkleidung im bloßen Schnee liegend in quälcndcr.Sorge um das Schicksal ihrer Angehörigen und der zurückgebliebenen Genossen. Schon war Ahrer vier Wegstunden von Steyr entfernt, schon durfte er sich fast in Sicherheit glauben— da trat er freiwillig den Rückweg nach Steyr an: er wollte seiner schwangeren Fran die Arbeitslosenkartebringen, damitsienicht hungern müßte... abführten, rief der Heimwelniuann Löschenlohl, der in der gleichen Baracke wie Ahrer gewohnt hatte, den eskortierenden Hcimlvehrlern zu:„Laßt ihn nicht aus. das ist der Mörder, der den Heim- wehrmaun Zehetucr erschossen hat." Zwei Tage später, am 19. Feber, stand Ahrer bloß aus die Verleumdung dieses Heim- wehrhelden hin vor dem Standgericht. Jeder Mensch in der EnnSleithcn wußte, daß er den Heinuvehrmann nicht erschossen hatte, aber den Standrichtern genügte dic Aussage der Familie Löschenlohl, die es aus ihren Meineid nahm, daß Ahrer den tödlichen Schuß abgegeben habe A h r c r>v n r d c z u m Tode durch den Strang verurteilt. Mail fragte ihn, ob er noch einen letzten Wunsch habe. Ahrer hatte den Wunsch, vor seinem Tode noch einmal seine Fran zu sehen und sich noch einmal satt zu essen. Die Bitte, s eine Frau sehen zu dürfen, wn rde a b g c s ch l a g e n. Eine Stunde später schritt der Schutzbündler Aosef Ahrer, den Namen des Genossen, der den tödlichen Schuß abgegeben hatte, sehr genau kannte, aufrecht zum Galgen. Ein Priester trat zu ihm und bot ihm geistlichen Beistand an. Ahrer Ivars ihm das Krnzisir vor die Füße und rief ihm zu:„2n fünf Minuten werde ich wissen, ob es einen Herrgott gibt!" Dann legte er sich selbst isLcsneuiSHcUen Sieben Ertrinkungssälle bei Salesel im heurigen Gommer A n s s i g, 15. Juni. Gestern unternahmen die 2 ch u l k i n d e r aus DolniBekkoviec eine» Ausflug nach Salesrl, wo sie am Elbeuser mit einem Ball spielten. Einer der Schüler, der den während des Spieles inö Wasser gefallenen Ball holen wollte, lief ins Wasser, kam in eine tiefe Stelle und ertrank. Obwohl eS mit Hilfe der Gendarmerie gelang, den Körper des Schülers aus dem Wasser zu holen, waren alle Wiederbelebungsversuche umsoizst. Ein anderer Unglücksfall ereignete sich am anderen Ufer der Elbe bei Salesrl, wo der 1 4- jährige Heinrich Fiedler aus Welk- mitt von der Strömung ersaht wurde und unter dem Wasserspiegel vor den Augen seines Paters verschwand, der nur zirka drei Meter von ihm entfernt stand und ihm keine Hilfe brinkru konnte. ES ist dirS heuer bereits der siebe nteFall, daß an dieser Stelle Badende ertranken. Höllenmaschine eines Irrsinnigen Aufregende französische P o st s e n d u n g e». Paris, 15. Juni. Drei große Pariser Firmen sind am Donnerstag Postpakete zugcgangcn, die, tvie sich beim Ocssnen heranüstclltc, Höllenmaschinen enthielten. In sämtlichen Fällen hat jedoch der M c ch a n i s m u s versagt. Empfänger war dic Pariser BerlagSanstalt M a ch e t t, eine Parfümfabril und die Rundfunkgescllschaft Radio- P a ri s. Eine gleiche Sendung ist einer Keksfabrik in Nanterre zugegangen. Bereits am Mittwoch ist der Vorsitzende der französischen Komponi st en- Vereinigung mit einer solchen Sendung bedacht worden, die bereits aus dem Postbureau explodierte, wobei mehrereAngestellte verletzt wurden. Die Polizei ist der Ansicht, daß dic Konstruktion sämtlicher Höllenmaschinen dic gleiche ist und daß deshalb als Absender sämtlicher Pakete die gleiche Person in Frage kommt. Aus dein v e r w o r r e n e n T e x t der beiliegenden Briese schließt man, daß es sich um einen Irrsinnigen handeln müsse. 12 Lote, 80 Verletzte... Weltkriegö-Siachbilanz! Schon sind die Lager in aller Welt wieder übervoll für den nächsten Krieg, schon produzieren die RüstungSindustriellen mit Hochdruck für den kommenden Massenmord, und noch erfüllen die Granaten des letzten Krieges ihre blutige„Schuldigkeit"! In Tallsinn in Lettland fanden Kinder eine alte, nichtcxplodierte Granate, die aus Wclt- kriegsbeständcn stammen soll. Die Ahnungslosen, in ihrer fröhlichen Jugend, an die„Herrlichkeiten" dieser Welt nicht gewöhnt, spielten mit dem gefährlichen Fund, als ob sie mit Puppen spielten. Als sie das Geschoß auSeinandernehmcn wollten, explodierte eS und zerriß sieben von ihnen. 22 wurden aufs schwerste verletzt, einige von ihnen ringen mit dem Tode. In einer Rcvaler Kgdettenanstalt bewies sich fast zur selben Stunde die Kraft dcö alten un- von der Duplizität der Ereig- Bevor er noch dic wurde er verhaftet. AIS EnnSleithcn erreichte, die Heimwchrleute ihn' hennlichcn Worte dic Schlinge um den Hals und stieß den Schemel mit dem Fuße fort.... Ich schwöre der Welt mit meinem Blute und meinem Leben als Augenzeuge, daß Josef Ahrer von den Dollsnßschcrgcn unschuldig hinge- richtct worden ist. Oer Galgen, an dem Ahrer starb nissc anfs neue. Ein Kadctte stöberte eine Granate auf, die ebenfalls ein Errinnerungsstück der „großen Zeit" Ivar. Er zeigte sie den Kameraden, die den Fund mit größtem Interesse betasteten. Ein unvorsichtiger Handgriff genügte, um die Granate explodieren zu lassen. Dic Wirkung Ivar fürchterlich. Fünf der jungen Menschen lvurdcn bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, weit über zwanzig brachte man schwer verletzt ins Krankenhaus. Dies ist die Weltkriegsnach- b i l a n z eines Tages, fast sechzehn Jahre uack' seiner Bcgndigung: 12 Tote, annähernd 5 0 A c r l c tz t ei ES ist eine Bilanz, die sich auch in diesen Tagen, da das Menschenleben leinen Pfifferling gilt, sehen lassen kannl Die Demokratie für die Kinder Ferienaktion. Die Aktion„Die Demokratie für die Kinder", an deren Spitze Dr. Karl ikapek steht, arbeitet derzeit an der Erweiterung der bisher bestehenden Einrichtungen der Feriensür- "arge für Kinder. Gemeinsam mit den Verbänden, die diese Fürsorge bisher betrieben haben, soll versucht werden, eine große Zahl bedürstiger Kinder, vor allem wieder Kinder von Arbeitslosen, im Smnmcr aus« Land zu bringen. Die Durch- führnug ist in vrschicdencr Weise gedacht. Da die bestehenden Heime nicht ausrciche», sollen Kinder in Familien untcrgebracht, eü sollen aber auch kleine Kollektive gebildet werden. Zur Finanzierung sollen vor allem diejenigen beitragen, die selbst ein Kind auf einige Wochen zu sich nehmen können, oder dic Kreise, dic immerhin einen Ver- pslegStag für ein Kind( 4 bis 6 Kö) aufbringen können. Zur Propaganda lvird im weitesten Maße der Rundfunk herangezogen werden. Bedürftige Kinder sind von ihren Elter» oder den caritativen Vereinen so bald als möglich unter Angabe von Alter, Geschlecht, sozialer und gesundheitlicher Situation des Kindes den Landesstellen für Jugendfürsorge, eventuell auch den Ortsvercincn der Jugendfürsorge bekannt zn geben. Selbstverständlich soll die Aktion auch der Völkcrvcr- st ä n d i g u n g dienen und darum tschechische Kinder in deutsche Familien, deutsche in tschechische bringen. Rassischer Änrzschlnß. Herr Streicher hat wirklich Pech. Sein„Stürmer" wird einen neuen, diesmal sportlichen Ritualmord erfinden müssen, um der Blamage der eigenen krausen Theorien bcizukommen. Der rassische Untermensch Max Baer, der durch technischen k. o. seinen Widersacher Carnera bezwungen hat und so Boxweltmeister geworden ist, droht das ganze, ach so unsagbar dürftige Weltbild der Berufs- antisemiten auseinandcrzusprengen! Wie? Haben wir denn nicht tausendmal gehört, daß die Semiten feige, kriecherisch, körperlich und geistig bis auf die Wurzel degeneriert seien?! Hat eS in Hitlers Gazetten nicht förmlich gerauscht von Ausdrücken der Verachtung fiir diese Krämerseelen, die entweder Jntelligcnzbestien mit perversen Hornbrillen oder feilschende Kränierseclen mit krimineller Erbmasse waren und dic zitternd wie Espenlaub umsielen, wenn sich ein arisch gestärk- ter BicopS in ihrer Nähe zeigte?! Konsequent, wie sie sind, haben die Nazis seinerzeit den Max-Bacr-Film verboten, weil der Anblick dieses Juden ihrem hochrassigon Gefühl» wie cs die Filmprüfstelle dem Sinne nach in köstlicher Schlichtheit motivierte, schlechthin unerträglich war. Aber damit, daß sie dic keuschen Blauaugcn abwenden, ist eS doch schließlich nicht getan—. An die sudetendeutsche Arbeiterschaft! Genossen und Genossinnen! Am 5. und ü. Juki werde» in Prag, der Hnnptstndt unseres Landes, einige zehytaufcnd Arbeiterturuer und-Tnrnerinncu Zusammenkommen,»m durch dic III. tschechoslowakische Arbeiter, olympinde Kunde zn geben von ihrem turnerische» und sportlichen Könne» und von ihrem Bekenntnis zum SozialiSmnö und zur Demokratie. In dem faseiftifchen Meer, dnö die Tschechoslowakische Republik umgibt, gewinnt die Olympiade besondere Bedeutung. Sie wird der gesamten Arbeiterschaft unseres Landes Gelegenheit geben, aufs neue für Freiheit und Demokratie ein- zutrrten. Darum gilt der Rnf zur Teilnahme an der Hl. tschechoslowakische» Arbeitrrolympiadc nickst nur den Arbeiterturnern und-Sportlern, sondern allen Arbeitern unseres Landes. Wir geben diesen Rnf unserer Turner weiter. Seht alles daran, Genossen und Genossinnen, um die Arbeiterolympiade zu einer gewaltigen Kundgebung sozialistischen und demokratischen Wollens zu gestalten. Der Parteivorstand der Deutschen sozial- demokratischen Arbeiterpartei. Die Meldungen für die Teilnahme an der Olympiade mögen bei den Vertrauensleuten des Atus erstattet werden. Wenn der Arier und Italiener Carnera in der elften Rnnde den Ringrichter um Abbruch des Kampfes bitten mußte, nachdem er zehnmal am Boden gelegen hatte, so sagt das gewiß nicht das inindcstc weder für noch gegen das Juden- tum! Ein McisterschaftSbicops ist keine Leistnng, die uns als„rassischer" Oualitätsbeweis dient. Aber BaerS triumphaler Sieg über den Mann aus dem Lande der diktatorialcn Volksertüchti- gung sagt alles gegen die bösartigen Narren, die sich ihre Argumente aus der Gosse ihrer geistigen Untertemperatur zusammenlesen und die immer lvieder schaudernd erleben müssen, wie die Tat- fachen ihre künstlichen Produkte auseinander- fegen. So gefährlich kann man eben nur in die Enge geraten, wenn man an Stelle der eigenen Leistung die längst vermoderten Gebeine der seligen Großmutter setzt! Flieger-Unglück. Unweit der französische» Stadt Renneö stürzte ein Militärflugzeug nach dem Verluste eines Flügels ab. Der Pilot-Unteroffizier kam hiebei ums Leben, der mit an Bord befindliche Leutnant erlitt tödliche Verwundungen. Eine riesige Brandkatastrophe. In einem ägyptischen Dorf ereignete sich ein Brand von riesigem Ausmaßen. Dabei kamen 10 Personen ums Leben, Ivährcnd 40 Personen schwere Brandverletzungen erlitten. 200 Behausungen wurden durch daö Feuer vollkommen zerstört. Hoch klingt da» Lied vom braven Weib. Die bekannte Filmschauspielerin Sophie Tucker, die sich in Brentford(Großbritannien) mit einer Filmgesellschaft zum Zwecke der Herstellung eines Films aufhält, rettete unter Hint- anstellnng des eigenen Lebens ein Kind, das unter ein Automobil gelaufen toar. Die Schauspielerin wurde hiebei selb st leicht verwundet. Das Kind kam ohne Schaden davon. Rauschgift-Diebe. Der Sonderkommissär für die Aufsicht über den Rauschgifthandel in Washington, Louis Ruppel, veröffentlichte eine Mitteilung darüber, daß in den letzten zwei Jahren in den Bereinigten Staaten Rauschgifte im Werte von einer halben Million Dollars gestohlen worden seien. Der Kommissär wendet sich an die Aerztc und Apotheken mit der Aufforderung, sie mögen ihre Bestände an Narcotica besser vor Dieben schützen. Jugendherberge in Prag. Während der S o»>- m e r f e r i e n(von Ende Juni bis Mitte Septem- bcr) unterhält die Ortsgruppe Prag im Verbände für deutsche Jugendherbergen in Prag kl, Krakauergasse 16, eine Jugendherberge, die für Mitglieder aller in und ausländischen Herbergsverbände zugänglich ist. Nächtignngsgebühren ö und 5 K<5. Noch keine Aussicht auf ergiebige Regrnsälle. Das Hochdruckgebiet über der Nordsee und Dänemark verstärkt sich und breitet sich über das Binnenland aus. Sein Einfluß dürfte sich bereits Samstag In den böhmischen Ländern in einer Abnahmeder Bewölkung äußern.— Wahrscheinliches Wetter von Samstag: Nord- bis Nordosttvind, in den böhmischen Ländern Abnahme der Bewölkung, verstärkte nächtliche Abkühlung. Im Karpathengedtct veränderlich, etwas kühler, zunächst noch zeitweise windig.— WetieranSsichien für Sonntag: Im Westen der Republik im ganzen schön, allmähliche Erloärmung, in den östlichen Ländern zeitweise unsicher. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programm»»» Sonntag Prag, Sender L.: 6.80: Gymnastik. 11: Or- ' chesterkonzert der tschechischen Philharmonie. 17.80: I Opernarien. 17.58: Deutsche Sendung aus Brünn. 18.85: Deutsche Presse. ,20.15: Jurist: Onkel aus Amerika, Lustige Geschichten. 22.20: Schallplatte». 22.80: JazzmusU.— Sender S.: 14.80: Deutsche l Sendung: Landwirtschaftsfunk.— Brünn: 10.05: Zitherkonzert. 17.55: Deutsche Sendung: Das kulturelle Jglau.— Möhr. Ostrau: 16: Nachmittagsunterhaltung. 17.55: Klavierkonzert.— Kaschaur 12.15: Orchestcrlonzerk. «r. 189 16. 1934 QMtt 8 Arbeitslosen-Tragödie bei Oderberg Bier Menschen beim Schmuggeln angeschoffen Hungersgefahr im heimgesuchten Gan Salvador Sa« Salvador, 18. Juni.(Reuter.) Die Hauptstadt der Republik ist durch Hunger bedroht, da alle Verbindungen mit dem Binnenlande und mit den Häfen vernichtet sind. Tausende Mann arbeiten fieberhaft an der Wiederherstellung der Straßen, die zu deu Häfen führen, in lvclchen Schiffe mit Nahrungsmitteln an Bord eintreffen. Jin ganzen Lande tvurde derAusnahms- zustand verhängt. Der Großteil der großen Städte ist ohne Licht. Bon der Stadt Ocotepeque blieb nur die Kirche stehe». Der Box. Weltmeisterschastökamps im Schwergewicht zwischen dem italienischen Titelverteidiger Primo Carncra und seinem amerikanischen Her» auSsordercr Max Baer endete mit einem überrascheirden Siege Max Baers in der 11. Runde durch technischen k. o. Ter Kanrpf sand im mit 80.000 Zuschauern voll besetzten New Dorker Madison Square-Garden statt. Max Baer hat durch diesen unerwarteten Sieg den höchsten Titel im Boxsport wieder in amerikanischen Besitz gebracht. Vierzig Millionen Schallplatten sind nach einer Anordnung der Sowjctrcgierung im Jahre 1037 herzustellen. Bis jetzt wurde in der Sowjetunion das Grammophon als rin Luxus betrachtet. Die dort stark zuirchmendc Borliebe für Jazzmusik muh sich mit alten ausländischen Platten begnügen, allerdings tvachsen die Jazzbandcn wie die Pilze aus der Erde. Rußland hatte weder dir Maschinen noch das Rohmaterial, um selbst Schallplatte» zu erzeugen. Jetzt aber hat die Gramntophonindustrie ihre» Platz im ztveiten Fünfjahrplan erhalten. Nach einem Berichte Spike Hughes', der eben das große Leningrader Mufik- feft mitgemacht hat, im„Daily Herald" find die sowjetischen Sachverständigen nicht überoptimistisch in bezug auf die Güte der zu erwartenden Riesenproduktion. Neben der russischen und der klassischen Musik sollen die Lieder und Tänze der 160 Völker ausgenommen»»erden, die in der Sowjetunion leben, aber nicht russisch sprechen. Ab 1087 sollen jährlich zweieinhalb Millionen Grammophone und eine Biertclmillion Akkordione erzeugt werden. Saiten sollen nicht weiter aus Frankreich und Italien cingesührt werden, die in Rußland hergcstell- ten sind aber kläglich ebenso ttric die inländischen Mundstücke für Holzblasinstrument«. Der groß« Virtuos Jascha Heisctz hatte den Musikern von Leningrad eine Menge Diolinsaiten und Mundstücke mitgebracht und ist dadurch sehr populär geworden. London baut die Waterloo-Vrücke. Das Londoner„Counly-Couiicil"(das seit der Neuwahl im März von der Labour-Party beherrschte Stadtparlament) hat mit 76 gegenüber 47 Stimmen den Neubau der Waterloo-Ärücke beschlossen, der sich schon seit zwölf Jahren als notwendig erwiesen hat, aber immer wieder von den Konser- tvtiben hinausgeschoben wurde, die aus Furcht vor einer Steucrerhöhung die Erneuerung der baufälligen, für deu Londoner Verkehr überaus wichtigen Brücke sabotierten. Noch vor wenigen Tagen haben sic im Unterhaus den Antrag, für den Neubau Staatsmittel zu gelvähren. entschieden abgclehnt. Herbert Morrison, der Führer der neuen Londoner Stadtverwaltung, hat nun er» llärt, daß die Waterloo-Brücke auch ohne Staatszuschuß in spätestens sechs Jahren errichtet sein wird. Der Bau wird nur ein Teil deS großen Programms sein, nach dem die Labour-Party erneuern will. Morrison hat besonders betont, daß die Beseitigung der„Slums"(der Londoner ElendSlvohnungen) ebenso entschlossen in Angriff genommen werden wird wie der Brückenbau. Kirsernrnhosmanrcren gegenüber Frauen, lieber die Art. ivie in Deutschland Frauen und Mädchen, die als Landhelfcrinnen vorgesehen sind, ärztlich„auSgemustert" werden, gibt ein Bericht aus Pankow Aufschluß. Die Frauen und Mädchen wurden in Fünfergruppen untersucht. In. fünf Minuten waren zehn Personen vom Stadtarzt als gesund und tauglich befunden; Atteste der Hausärzte wurden nicht beachtet; aus die Erklärung einer Frau, daß sic an Eierstockentzündung leide, antwortete der beamtete Arzt: „Faule Brut". Personen, die als untauglich vom Lande bereits zurückgckoinincn waren, wurde» abermals als tauglich befunden. Aus der Schlinge gerettet. Der frühere tür- lische Staatsangehörige Wolf(Willi) Rose, der seit sechs Jahren mit einem sogenannten Jnte- rimspaß für Staatenlose in Deutschland lebte, wurde am 31. Mai. nachdem er im Feber verhaftet worden Ivar, von Beamten der Feldpolizei(der sog. weißen SA) über die tschechische Grenze geschafft. Wie die ,.A. I. Z." berichtet, zwang die SA ihn, die tschechische Grenze in Abwesenheit deü Grenzbcamten zu überschreiten, sich an einen Baum zu stellen, dann auf einen Koffer zu steigen und sich eine Schlinge um den Hals legen zu lassen, die an einem Ast des Baumes befestigt worden war. Nach diesen Vorbereitungen stießen die Beamten den Koffer fort und flüchteten. Da die SA ihren Mordversuch in aller Eile durchführten, war die Schlinge zu RoseS Glück schlecht geknüpft und riß. Rose konnte flüchten und sich bis Prag durchschlagen. SA-Mord. Am 10. Mai, dem Himmelfahrtstage, mittags 1 Uhr, brachte der Berliner Rundfunksender'die Kurzmeldung, daß in Hohenschönhausen bei Berlin ein Mord an einem Mit- Aus Oderberg wird uns geschrieben: Mittwoch früh gegen drei Uhr versuchten 14 Schmuggler aus dem Heere der Arbeitslosen, die aus Not den gefährlichen Beruf von Paschern ergriffen haben, Waren über die Grenze bei Antoschowitz im Oderberger Gebiet zu bringen, stießen jedoch auf eine Patrouille der Grenzlvache, die den Schmugglern den Befehl gab, stehen zu bleiben. Die Schmuggler rannten jedoch, vom Selbsterhaltungstrieb bestimmt, in ein in der Nähe gelegenes Kornfeld, um aus dem Blickfeld der Häscher zu kommen. Daraufhin gaben die Grenzwächtcr einige Schüsse auf die Fliehenden ab und bald ertönten die markerschütternden Schincrzcnsschrcie der armen Opfer, denn vier von ihnen, darunter eine Fran, wälzten sich in ihrem Blute. Vladimir Simon aus Schlcsisch-Ostrau wurde unterhalb des linken Schulterblattes getrosfeik und die Kugel drang ihm bis zur Luftröhre; es ist fraglich, obermit dem Leben davon t o ni m t. Bohumil M a t i e a s auö Hrufchan wurde in den rechten Schenkel getroffen, Mikular P e r t i l l e erhielt eine schwere Fußverlehung und die 28jährige Frieda Osnamska be- glied der Artistensamilie Reinsch verübt worden sei. Die Mordkommission sei an der Arbeit, und ausführliche Meldungen würden um 22 Uhr durchgcgcben werden. Weder folgte dieser Bericht, noch berichtete die Presse über den Fall. Inzwischen ist es gelungen, die Hintergründe dieses Mordes aufznklären Der Ermordete, seit 1928 Mitglied der NSDAP, hatte am 8. Mai eine tätliche Auseinandersetzung mit dem Sturmführer der SA 13/20 gehabt. Am 0. Mai stürmten 20 biö 23 SA-Männer in daö Zelt des Varietees, in dem Reinsch ausgetreten War; sie hatten den Schluß der Vorstellung abgcwartct und streckten den noch anwesenden Reinsch durch sieben Revolverschüsse nieder. DaS Drriundzwonjigft«. In einem Dörfchen in der Nähe von Savona meldete der 7 2 jährige Dauer Dennie die Geburt feinet 28. Kindes beim StandeSamte an. Die Verlosung der Kalender'PrSrm«-5k«p»ne der tschechoslowakischen Staattbahnm. Die Direktion der Staatslotterie in Prag hat am 13. Juni um 15 Uhr die öffentlich« Verlosung der Pränueiikupon», die dem Taschenkalender der tschechoslowakischen Siaatü- bahnen beigefügt waren, unter zahlreicher Beteiligung des Publikums vorgenommen. Drei Haupttreffer, Freikarten 8. Klaffe Schnellzug für eine Strecke von 2000 Kilometer, entfielen auf die Kupone Nr. 11.578, 46.865, 118.212. Weiter wurden 75 Treffer für je eine Freikarte mit dem Schnellzug für eine Strecke von 600 Kilometer und 75 Treffer für eine Reife von 600 Kilometer zum halben Fahrpreis aut- gelost. Ein detailliertes Verzeichnis der Treffer wird bei den Jahrkartenausgabestellen auf allen Bahnhöfen und Haltestellen auSgehängt werden.— Die Gewinner mögen ihren Kupon mit der eingetragenen Reise der nach st en Staatsbahndirektion einsenden, die die gewünschte Anweisung aus- stellt und zusendet. Das Eisenbahnminijterium nimmt die auSgelosten Kupons nicht entgegen. Eine Au-ftellung von Gartrnblumen, Zier« gefkügel und fremdländischen Vögeln wird in Z v o l e bei Wran an der Moldau(Braus nad Vltavon) Sonntag, den 17. Juni, eröffnet und bleibt den ganzen Sommer hindurch an Wochen- sowie an Sonn- und Feiertagen für Liebbaberbesnche. Korporationen und Schulen zugänglich. Sie enthält u. a. Denk- würdigkeitS- und Nutzpflanzen aller Weltteile, Giki-, Ussischki« laßt die Taube frei Von Erich Gottgetrr«(Jerusalem). „Purim in Tel-Aviv, Pcssach in Jerusalem, Schwuoth in Haifa" heißt cs in Palästina. Gleichzeitig mit dem religiösen Schwnoth-Fcst, dem Gedenken an die Offenbarung aus dem Berge Sinai, wird in Haifa daö in seiner Symbolik mit der gelebten Gegenwart verbundene„Chag Habiku- rim", daö Fest der jungen Früchte, gefeiert. Zchntausende konimcn aus allen Teilen dcö Landes und des Auslandes sogar: der Kapitän eines französischen Dampfers klagte, daß die Passagiere ihn zur Eile antreiben wollten, weil sie fürchteten zu spät einzutrefsen... Kein Zimmer war frei. Ich bekam einen Dachplatz: zwanzig Matratzen lagen hier unter Mond und Stern, ähnlich sah co auf vielen anderen Dächern aus. Haifa wächst den Carmel Berg hinauf wie ein breiter Turin, llnscr Hotel stand auf halber Höhe, auf dem Hadar-Hacarmel. Aufs lustige Notlager gebettet schien cö, als ob man auf dem Grunde eines märchenhaften Meeres treibe. Tie Nacht uinfloß uns in tiefblauen Wellen. Lichter zitterten auf und ab ivie abenteuerliches Sccge» wachs. Dunkle Schatten der Palmen und Pinien schlvanimen in diesem Bild wie seltsame Meerestiere. An der einen Seite deü Hotels brandete unter flanuuenden Lichterkctten die Herzl-Straßc. Die Häuser vcrivandclten sich vor unseren Augen: überall wurden Teppiche hcrauS- gehängt, von Fenster zu Fcnster schwang man Girlanden. Stand man auf der anderen«eite des Daches, so sing sich auch hier der Blick in einem Wald rauschenden Lebens: Tausend und Abertausend saßen in einem breit ausladenden Amphl- iheater. Wie Offiziere auf der Kommandobrücke hatten wir das Mcnschenlchiff unter uns. Ain Bug kam einen Schuß in das linke Dein. Durch diese Verletzung trat ein so großer Blutverlust und schließlich auch Brand ein, so daß ihr das Bein abgenommen werden muhte. Auch sie liegtimSterben. Bier Menschen also, die, von der Not zum Schmuggeln getrieben, zu Tode oder zum mindesten zu Krüppeln gemacht wurden. lieber diese Behandlung armer Teufel herrscht im Oderberger Gebiet ungeheure Aufregung, die um so begreiflicher erscheint, als erst im Vorjahre ein Bruder des jetzt angeschossc» neu Pertille von der Finanzwache erschossen wurde, und vor kaum drei Monaten ein jugendlicher Arbeiter, der ein Kilogramm Margarine bei sich hatte. So wohlfeil sind im Oderberger Grenzgebiet die Menschenleben l Statt Brot den Tod, so rufen die Arbeitslosen, denen die.Kunde von dem grausigen Angriff auf die Arbeitslosen gebracht wird, und eS ist nicht mehr als eine selbstverständliche Forderung. wenn die entscheidenden Staatsstellen auf- gerusen werden, dem blutigen Treiben der Finanz- wache in Oderberg ein Ende zu bereiten. Heil- und Binnenweidepflanzeii und Gewächse für Schulsanimlungen, blau«, gescheckte und Schwarz- slügelpsauen, Silber-, Gold-, Amherst«, Königs», Bunt-, Weiß». Glanz-, Schwarzrücken-, Swinhoe» und andere Zierfasane, außerdem Schwäne, Zierenten, Wachteln, Wellensittiche. Don der Haltestelle Jarov sowie von Brant n. Dlt. ist Zvole in einer halben Stunde zu Fuß erreichbar. Der AutobuS Prag—Jilovs fährt vom Rathaus am BySehrad direkt nach Zvole. Rodiotklegeaphisten in der Arktis. Die Administration der sogenannten Rordpassage in Leningrad hat 85 Radiotelegraphistcii an die Küste deü TschuchodskvmeereS in Ostijbirien entsandt. Diese. 85 Personen haben Spezialkurse absolviert, wo fie nicht nur in den fachlichen Handgriffen ausgebildet wurden, sondern mich«inen besonderen LehrkurS über die besonderen Bedingungen in den arktischen Ländern durchmachen mußten. Bor uttttigig Jahren Dir Wrberunruhe« in Schlesien 1844 ES sind gerade neunzig Jahre seit dem Aufstand der schlesischen Weber verflossen, der nicht nur mir der Geschichte d«S proletarischen Befreiungskampfes, sondern auch auS dem Jugenddrama Gerhart HmiptmannS bekannt ist. Ein Leser stellt uns mit diesem Anlaß den Bericht zur Verfügung, der über das Ereignis in der „Illustrierten Zeitung"(Leipzig) am 20. Juni 1814 erschienen ist. Obwohl die Notiz ganz in bürgerlichem Sinne gehalten ist. kann sie doch nicht verschweigen, daß die revolutionären Weber sich weder betrunken noch gestohlen haben. In der Provinz Schlesien haben in den ersten Tagen deS Monats Juni sehr beklagenswerte Auftritte stattgefunden, nm so beklagenswerter, als die vielbesprochene Not der armen Spinner nnd Weber der erste Anlaß dazu war. Gegen tausend Webergcsellen zogen am Dienstag, den 4. Juni, zuerst vor das Haus des Fabrikanten Wagenknecht zu Pcterswaldau bei Reichenbach, in der Absicht, die Gebäude nnd Maschinen zu zerstören, indeß gelang es namentlich der alten Mutter W.'S, durch Vertheilung von Geldgeschenken und durch gute Worte die Weber zst besänftigen nnd sie zogen von dort ab nach der Fabrik von Zwanziger Söhne. Hier hausten sie fiirchtbar; mit Mühe rettete man Frauen und Kinder, indem man sie durch Betten gegen die Steinwürfe schützte und sic sodann»ach dtr Stadt Reichenbach schaffte. Den Buchhaltern gelang cö, das Hauptbuch und andere wichtige Papiere zu retten. Aber ungefähr tausend Thaler Papiergeld, das Buch, in welchem das an die Weber gelieferte Garn, sotvie die von ihnen geleisteten Cantionen eingetragen standen, sind vernichtet worden. Man sandte nach der Festung Schweidnitz und bat um niilitärtschcn Beistand, erhielt aber den Bescheid, daß erst Verhaltniigöbefehlc vom Gouverneur aus Breölan abgcwariet werden müßten. Darüber vergingen 21 Stunden, die von den Aufrührern gehörig benutzt wurden. Daö Werk der Zerstörung wurde systematisch fortgesetzt, ohne daß die rasende Menge. Weiber und Kinder mit einbegriffen, auch nur einer Tropfen Branntwein oder Weins, den sie in Menge vorräthig fanden, angcrührt hätten. Sie begnügten sich damit, Alles zu zertrümmern; selbst gestohlen wurde anfangs nichts, bis später allerlei Gesindel, das nicht zu den Webern gehörte, sich ihnen angeschlossen hatte. Sie deckten die Dächer ab und warfen die Borräthc an Garn nnd Indigo, sowie alle fertigen Werften, Spulen etc. in den vorbeisließenden Bach.— Am Mittwoch erschienen endlich zwei Compagnien und besetzten Pcteröwaldan, inzwischen waren aber die Weber nach Langenbielau gezogen, wo sic das Etablissement der Herren Hilbert und Andritzly zerstörten und sich zu dem des Herrn Christian Dierig begaben. Hier wäre wahrscheinlich Alles glücklich bcigelegt worden, denn der Fabrikherr ließ Geld unter sie vertheilen; da kam der Major, welcher PeterSwaldau besetzt hielt, von dort mit 50 Mann Soldaten an und mischte sich in die Sache, in dem er die Leute auseinander gehen hieß. Die Weber rissen ihn scdoch vom Pferde und mißhandelten ihn sowohl, als daö übrige Militär. 20 Jaeonetstühl«, die schöne Trocken- maschine. 2000 Thaler an Werth, sowie das sämklichc Mobiliar und die für die Frankfurter Messe fertigen Waren wurden darauf zerstört. Die Dampfmaschine nebst dem dazu gehörigen Gebäude verdankt ihre Erhaltung der Energie des Werkmeisters, der den Empörern drohte, sowohl sich selbst als" die rebellischen Haufen dadurch zu vernichten, daß er sämtliche Ventile zum Äeranslasfcn der heißen Dämpfe und deS siedenden WasserS öffnen würde. Nachdem sic mehrere Soldaten durch Steinwürfe hart beschädigt hatten, gebot der inzwischen cingetrosfcnc Gendarmerie-Wachtmeister, Feuer zu geben; von den Aufwieglern blieben 12, worunter eine Frau, todt auf dem Platze, 30 andere wurden verwundet. und es gelang, die Ucbrigen zu zerstreuen. Abends langten mehrere Compagnien Füsiliere von Schweidnitz an. In Reichenbach, wo viele Güter aus Langenbielau und der Ilmgebuiig ausgespeichert liegen, traten 500 Burger unter Waffen, um ihre Häuser gegen die etwa eindringen- den Weber zu verteidigen, doch waren auch ans den umliegenden Dörfern Husaren nebst Artillerie ausgestellt. Die Weber haben sich ins Hochgebirge zurückgezogen, wo sich böhmische Pascher und anderes Gesindel ihnen anschlicßcn. Ihre Absicht ging dahin sämtliche Maschinen zu zerstören. Unter den Webern war allgemein ein im Volkston gehaltenes Lied verbreitet, das nack der Melodie: „Es liegt ein Schloß in Oesterreich" gesungen und worin der Ausstand gegen die Fabrikhcrren gepredigt wurde. schillerte die Bühne. Die Schauspieler, in langen Gewändern alte Israeliten darstellend, sprachen ein klingendes, dichterisch schwingendes Hebräisch. Ihr Spiel zeigte die historische Szene der Abgabe des„Zehnten" an die Priester des Volks: der zehnte Teil desien. was auf dem Felde wuchs, gehörte ja den als Führern anerkannten Verkündern des Gebotes. Schafe, Ziegen, selbst Kamele trotteten im Zug der Israeliten. Gegen Mitternacht schloß daö Schauspiel unter Musik und Tanz. Die Melodie deö Haupt liedeö folgte uns in den Schlaf und am Morgen weckte sie uns wieder: jetzt füllten Kinder das Thcatcrschifs, nur Kinder, alle waren weiß gekleidet. Blumen, Aehren oder Oelzweige umkränzte die Kopse. Jede Schule brachte im Rahmen eines hübsch erdachten Spiels ihre Gabe dar, Blumen, Früchte, Hühner oder Schafe, nnd zwischen den Kulissen aus Pappe und Holz wuchs ein kleines Paradiek. Aber an diesem goldenen Morgen feierten nur die Kinder. Während sie daS Lied von Saat und Ernte sangen, schlugen aus den HanSneubauten rechts und links des Theaterschiffs die Arbeiter die Hämmer im Takt. Die Betonmaschineii rasselten. Mittags endeten die Haifaner alle alltägliche Arbeit. Der Tag deö Landscgcna sand in einer! feierlichen Frnchtprozession seinen Höhepunkt. Der: ganze Emel und der halbe Scharon fuhr festlich> auf. Jede Kolonie zeigt, waS ans ihrem Boden gedeiht. Langsam gleitet die grüne Welt zwischen den Zuschanermasscii, die sie jubelnd begrüß!, hindurch; große hebräische Namensschilder verkünden jeweils die Herkniisl deS Segens. Kincreth, Ha- schonier Hazair, Bethania: Kartoffeln, Kohl, Tomaten, Gurken. Mischinah-Hacmet. Tel-Josef: Mais! Chazilim, Kischnim. Dazwischen, zum Teil meisterhaft auf Pferden reitend, Kinder: daö' Schönste, was das Layd hervorbringt. Nahalal hat ein Kornfeld anfgebant. Chcdera, Ksac Baruch' einen Wald. Ans Ramath-Tavid thront im Käsig ein Kälbchen. Ksar Joschuah, Jagnr: Orangen,! Grapcfrüchte. Givad Chaim— jeder in der Menge kennt die Fortsetzung deö NamenS: Givad Chaim Arlosorosf. Das Bild des ermordeten, unvergessenen, nnersetzten Führers wird dem Wagen der Kolonie voraiigelrageii. Auf dem Auto: ein weißes Wassertürmchen, ein kleiner Pardeß, das Modell eines ArbcitersiedlnngShauseS und, mit dem Gewehr im Arm, patrouentascheiiinngürtet, ein Wächter.... Alle klatschen, wie sie den Wächter sehen. Tic politische Spannung dieser Tage ist sehr scharf, jede Geste des festen Willens löst rasenden Beifall aus. In wenigen Tagen wird in Palästina ein jüdischer Generalstreik gegen die die Arbeiterknappheit vcrschärseudcn Eimvandernng-bestini- innngen der Regierung protestieren. Noch mehr Kolonien soll der Fiühlingsjcstzug kommender Jahre umfassen! Noch mehr kann er umfassen! Genug Land liegt brach, und Huiidei ttauiende von Juden in aller Welt fiebern danach, es zu bebauen. Seht doch die Sehnsucht— öffnet das Toi l Am Ende der Herzl-Straße ist eine Tribüne errichtet. Auf ihr steht llssifchlin. Präsident dcö Keren-Kajeincth. Abgesandte der Kolonien bringen dem verehrten Bodenvatcr des Landes die Frucht der Arbeit dar wie vor Jahrtausenden ihre Ahnen den Zehnten dein Priester.... Jetzt singen sie die Hatikwah. Nnd die nächste Minute webt einen Schleier der Stille über die lärmende Straße: Ilssischlin spricht. Eine Taube hält er in der Hand—: „.., I» vielen Farben schinnnert das jüdische Bolt wie diese Taube... Frei, ganz frei zn sein, sehnt sich daö jüdische Boll wie diese Taube... Es wird frei sein wie diese friedliche Taube!" nnd da fliegt der Bogel hoch- über die jubelnde Menge.-—- die Blicke folgen ihm aber jetzt sehen wir nur nach den Himmel. CMte« „Sozialdemokrat- enmffn», 16.^tmt490C 5äk»WW PRAGKR ZEITUNG E. I. 7. Aas der Partei Verclnsnadirlditcn I MMRMMRHMHMRMMtMHHHR Sport• Spiel• Körperpflege II- Zierlinic in die Parklandschast Die Was der Laut einer Mitteilungen aus dem Publikum. Wie neugeboren fühlt inan sich nach einer leichten Einreibung mit dllpa-Franzbranntwein. Regel« mäßige Massagen mit Alpa machen den Körper Ividerstandssähig, erfrischen bei Ermüdung, reinigen die Hautobersläche und regen den Blutkreislauf an. lasse sich durch diese stille Legende •—cis— der dieser Film einfach auS kindischen Scherzen zu« sannnengesetzt ist, läßt den Schluß zu, daß der Aufenthalt int Dritten Reich auch auf Leute schädlich lvirkt, die nnr durch Einheirat dort fcstgchalten und durch geschäftliche Erwägungen dorthin gelockt werden. Die Routine ist freilich tveder dein Star noch dein Regisseur abhanden gekommen. Die Ondra wird wiederum mit einer Doppelrolle spielend fertig:.sie karikiert eine unausstehliche Mondäne mit derselben Drolligkeit, mit der sie die schlichte Naive markiert, und sie wandelt auf Stelzen ebenso sicher wie sie auf Schlittschuhen zappelt und purzelt. Dazwischen gibt cS aber immer noch Blicke, die den Verdacht erwecken, daß sie eine anmutigere und nachhaltigere Heiterkeit schaffen könnte als den bloßen Lachcffekt. llnd ähnlich liegt der Fall Lamak. Daß dieser geschickte Manu technische Kunststücke fertigbringt und Karnevalsszenen arrangieren kann, wissen wir nun zur Genüge. Aber wir ahnen, daß er auch mehr könnte als so einen Film, der, obgleich er mitten im Winter spielt, doch nur für den Som- merspiclplan geeignet ist.—eiS—- Wir empfohlen das HOTEL-DAX, Bratislava Stefanikstraße 31. 8 Minuten vom Bahnhof. Bdrgl. Haus, MenOs Ke 6», Fremden/immer von KÖ12'- an falschen Zwillinge vielgewandie Regisseur K arel L a- in a 5 und der bewegliche Star A n n» O n d r.< als neuestes Produkt ihrer reichhaltigen Filmserie zu- slaudegcbracht habe«, ist kein Lustspiel geworden, sondern nur ein litt für anspruchslos Lachlustige: der Dialog lebt von Kalauern, die Handlung von einer hartnäckigen Verwechklunh, die Komik besteht in jener artistischen Geschicklichkeit, die sich ungeschickt stellt— und das happ» end darin, daß eine falsche Lad» ans dem Umweg über einen erschwindelten Ge- fängniSanseuthalt einen richtigen Gentleman bekommt. ES wäre Acschichtsfnlschnng zn behaupten, daß die Firma Ondra—Lamak jemals das Geistreiche zu ihrer Spezialität gemacht hat—, aber die Art, in Turnern und zehn Turnerinnen bestritten. Die Meter: Kugel: Meter; je 1.20 Außer Bewerb: Weiner: 00 Meter: 0.0 Sek., 4.0l Meter, Hochsprnng: 1.20 Meter; Drei es gehört zuein- Mittwoch, 8 II br:„L ad» Minder-- "(B 2);!I Uhr: Rachtsere« Don« T r i st a n n n d I s o l d e" .....?( U, a s Kamel geht (Gastspiel Kramer- liigli-Eleiiienlir Versieherungs- Aktiengesellschaft in Wien Direktion für die C.S.R.In Prag General-Agentschaft Reichenberg empfiehlt sich zum Abschluß von Feuer- Unfall-, Haftplicht-, Einbruch-, Auto-,Transport-, Pferde- und Vieh Versicherungen zu kulanten Preisen. 22sr> Bargarantiemittel in der CSR. 66 Millionen. Büros: Prag, Ndrodnl tk. 17. Reichenberg, Schützeng, Nr. 21 Brünn, Theatergasse Nr. 6. den Hokclec. Essen mitnehmen. Dienstag, 10. Juni, 8 Uhr: Gruppenabende: SJ. Holleschowitz: 20 Jahre sei Welt« kriegSbeginn; SJ. Weinberge: MonatSversgmm« lnng; SJ. Zentrum: Bunter Abend; SJ. Smi- chov: 20 Jahre seit WeltkriegSbeginn. Behende schlüpfen sie über die Wege. Man sieht die wetlenförniigen Sprünge ihres reizenden Körperchens im Grase, das Wehen der schräg getragenen Sdsiveifslagge. hört ein flinkes Kratzen auf Baumrinde, und tvährend man sich bemüht, den Kletterer zu entdecken, lugt oben ein llngeS SchallSgeiicht mit pinselförmigen Ohrbüscheln ui» den Stamm. Ein Husch— Baumzweige rauschen, und weg ist der rotbraune Geist. Nach und nach aber sind sic zutraulich ge- worden. Einige wenigstens. Sie haben gemerkt, daß die Spaticrgängcr im Baumgarten nickits Böses im Schilde führen. Sic tvagen sich in kleinen, ruckweisen Sprüngen bis heran an die Hand, die ihnen eine Erdnuß darbietet, und zuletzt, in wahrer Anstrengung zum, Mut, heben sic sich einen Ruck, nehmen die Gabe aus der Hand und huschen blitzschnell davon. Dann sitzen sic possicrlich unter den Bäumen und knabbern zierlich ans den winzigen Pelzhändchen die Nuß. Sic sind ein graziöses, bctvcgliches Orna-, ment der Natur, das bald hier, bald da einen j Banin'chinückt und eine schnelle Licht- und Schattenfcldcr der zeichnet. Bei ihrem Anblick erinnert l u A.”'' i& c 6 111 L? u!’ 0 c»: Bei Zustellung ms Haus oder bei Bezug durcki die Polt mouailich l.1. Schwab und M. Engel Meter"'“-—■ Kugel. I.V'VUn^LllilU.'l.wV.VILIl l, Ä ll l a kämpf: Rost Schwab 180 Punkte, 2. A. Bloch 174, 3. M. Engel 172, 4. Tcnkrat 161, 6. Keimt 168; außer Bewerb: Weiner 176 Punkte.— Turner: 200 Meter: 1. Hoffmann und Rosset je 26 Sek.; Kugel: Nossek 10.68, 2. Sarel 0.55 Meter; Weitsprung: I. Nossek 5.50, 2. Pakisek 6 Meter; Speer: 1. Gründauer 33.10, 2. Nossek 33 Meter; Hochsprung: I. Pakisek 1.50, 2. Nossek und Sarel ie 1.45 Meter; Fünfkampf: 1. Nossek 326.5 Punkte, 2. Hoffmann 203, 3. Pakisek 201, 4. Saxel 285.5, 5. Bcrtz 280, 6. Kreist 278 Punkte. Getarntes koiuninuistisches Sportlertreffen. In Paris soll in diesem Jahre ein Internationales antifascistischcs Sportlertressen" stattfinden. Hiezu teilt das Büro der SASJ. mit, daß es sick> um eine Veranstaltung der Kommunisten handelt und eine Teilnahme der SASJ.-Verbände und ihrer Mitglieder abzulchncn ist. „Unsportliches" ans dem Dritten Reich. Der deutsche Arbcitcr-Turn- und Sportbund hatte in Leipzig aucki eine eigene Druckerei, die mif das modernste eingerichtet war und in der die technischen Lehrbücher und Zeitschriften gedruckt wurde». Diese Druckerei wurde seinerzeit mit der Schule pon den Nazis für das Völk„übernommen". Nun tvird mitgeteilt, daß die Maschinen abgerissen und verkauft werden I Die Schule, jetzt heißt sie„Landcssport- schnlc von Sachsen", soll sehr verwahrlos: sein. Das Schwimmbecken z. B. ist durcki die unfachinäßigc Behandlung unbrauchbar getvorden. Der„Treuhänder" Rechtsanwalt Wirbels macht weiterhin in den Räumen des Bundeshauses seine Geschäfte. Frühere Funktionäre erhalten noch immer Rechnungen von ihm, damit er ans seine 16prozentige Provision nicht verzichten muß. Kunst und Wissen Schwedische Sänger>n Prag Im Gartensaale des Waldstei P a l a i s auf der Kleinseite fand vorgestern nach- niiliags ein.Konzert des Stockholmer„S l u- d e n i e n- G e s a n g v e r e i n s" statt, der sich gegeuwäriig auf einer Konzertreise durch Schweden, Deutschland, die Tschechoslowakei, Ungarn und Oesterreich vesindel. Historisch gesehen entbehrte es nicht einer gewissen Pikanterie, schtvedische Sänger im Patasie Wallensteins als Gäste zu sehen. Die Bekannlschafl mit den schwedischen Studcntensängern lvar überaus lohnend. Denn man lernte in ihnen einen Männerchor kennen, der alle Tugendeii eines künstlerisch geschulten Chorvcreincs besitzt: Vorbildliche Ausgeglichenheit des in allen Stinnngruppcn gleich werivollcn Stinnnenniateriales, innstergüliig gleichmäßige Atemfikhrung, zuverlässigste rhlsthmische und dtznanlische Disziplin, ausgezeichnete Wortbehandlung und einwandfreie Phrasierung und Vor- iragskunst. Die meisten dieser ChorgesangStngendcn gehen auf Rechnung des Dirigenten.Einar Ralf, eines Chorleiters, der feine Sänger nicht nur glänzend gefchnli hat, sondern sie auch ausgezeichnet in der Hand hat, um sie seinen Intentionen gefügig zu machen. Sehr schön war auch das Programm dieses Gartcn-Licderkonzcrtcö, obwohl auch etliche richtige Liedertafelchürc darin zu finden waren: Vor allem ein echtes schwedisches Volkslied(„Ter illichtertanz") und die volkstümlichen Chöre interessierten in ihrer melodischen und harmonischen Eigenart. Auch Chöre von dem Dirigenten der schwedischen Studcntensän- ger Einar Ralf wurden gesungen, Chöre, die braves satztechnischcs Können zeigten und die praktischen Der Kindertag in Prag findet am Sonntag, den 17. Juni, auf dem Pohokrlcc(also nicht in Zbrnslnv!) statt. Beginn nin L Uhr nachmittags. Im Festprogramm: Rndioüvcrtragungcn, turnerische Vorführungen, Sprech- und Ge- snngSchörc, Ansprachen, Kinderspiele. ES nehmen alle deutsche» proletarischen Organisationen PrngS an dem Kindertag teil. filme in Praaer Liihtsnielhäusern Urania-Kino, Klimentska 4:„Der Adjutant Seiner Hoheit".— Adria:„M a r i a".— Alfa: „Die falschen Zwillinge".— Avion:„Voruntersuchung".— Feniz:„Nicht eifersüchtig sein!"— Gaumont:„Soldatenleben— ein lustig Leben".— Hvkzda:„II. S. 311".— Julis:„Soldatenleben — ein lustig Leben".— Koruna:„Anton Spelec, der Scharfschütze".— Kineina, B.-Th.: Jour»., Lustspiel, Reportage.— Kotva:„DeS Kaisers Wort".— Liicerna:„Des Kaisers Wort".— Othnipic:„Zum heil. AntöninS".— Radio:„ES war einmal ein C h a p l i n".— Svktozor:„Soldatenleben— ein lustig Leben".— Baikal:„Wiener Flirt".— Carlton:„Ter Hüttenbcsitzer".— Konvikt:..Das Fcnsterchcn".— Lido:„Männer int Offside".— Louvre:„Nur wer die Sehnsucht kennt...".— Maceska:„Nur wer die Sehnsucht kennt...— gloz»:„Nacht wie Adam".—Staut:„Ans Liebe". Der Film Marie Mehrere Jahre ist dieser Film alt. Doch er verdient, denen gezeigt zu werden, die ihn noch nicht kennen— und die sich seiner erinnern, werden ihn noch einmal sehen. Noch cinmat die Geschichte der ungarischen Ticnsimagd, noch einmal die nnsagbat anmntige Gestalt der A n nabelt a, die hier in Einfachheit und Innerlichkeit ihre schönste Leistung schuf, nnd die behutsame, dem Alltag nahe und dem Traum verwandte Regie, mit der Paul F e j o s seinen Gipfelpunkt erreichte. Auch wer den legendären, dem„Litiom" allzndcutlich entlehnten AuS- ktang dieses Films nicht für geglückt hält, wird nick« bezweifeln, daß er eins der seltenen Werke ist, mit denen der Film den Bezirk der Kunst betreten bat. Hier ist nichts von falschem Prunk nnd leeren Scherzen. Die Geschichte einer Magd tvird erzählt, die geschunden, verführt nnd gescholten wird, die vom Glück der Welt, von der Güte der Menschen nnd vom Erlöser im Himmel träumt. Wir sehen— im ungarischen Kolorit— die Stationen ihres Schicksals: den Gutshof, die Kneipe, die Straße und die .Kirche. Wir sehen die Vornehmen mit den harten und die Verstoßenen mit den guten Herzen. Wir sehen ein armes Leben nnd einen ergreifenden Tod, eine Grctchentragödie auf dem Lande— und wir sehen eine wunderbare Schauspielerin, die— ohne Eitelkeit und Effekthascherei— die Schönheit, die Leidenschaft, den Haß und das Dulden Zeines hilflosen Menschen lebendig macht. Wer unter dem Eindruck der Kinö-Spektakel den Glauben an die Möglichkeiten des Films verloren hat, der bekehren. Jugendbewegung Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Sonntag. 17. Juni: Kindertag auf dem DTJ.-Platz, Bo- V nm 0 Uhr vormittags gestellt sein. man sich aller Missetaten, die ihnen angetan werden. Man sicht sie verzweifelt zwischen den Gittern eines Käfigs bin- nnd hcrspringen, in Wirtshaiisgärtcn, tvo sie den Kindern der Gäste zur Kurzweil cingc- sperrt sind. Man sicht sie wie irrsinnig auf den Sprossen eines schwirrenden Tretrades auf der Stelle rennen. lind ein Feldwcbcllcntnant fällt mir ein. der hinter der Front mit einer Flinte durch die polnischen Wälder strich und Eichhörnchen zn Dutzenden hernntertnalltc; er ließ die kleinen Felle präparieren nnd schickte sic mit der Feldpost seiner Frau zn einem Pelzmantel. Als ich ihm seine barbarische Schießerei zum Vorwurf machte, lachte er und sagte:, ...Halten Sie das für schlinuncr als die Soldatenfriedhöfe?" „Nein", sagte ich, ander". Die Eichhörnchen habest schon ihre Gründe, dem Menschen lieber anszutveichen. Durch Jahrtausende hat sich das Mißtrauen als Instinkt in ihnen vererbt, nnd cS mag nicht leicht zu überwinden sein. Ain ehesten nähern sich die fuchsroten Kerlchen den Kindern, die ihnen mit schmeichelnden Rusen und sehr ungcsck)ickt die Futterspende cntgcgcnhaltcn. Sic rufen die Tiere beim Rainen wie Personen:„Eichhörnchen, konunl" Wenn Tiere der freien Natur und Kinder sich einander nähern, begegnen sich recht sonderbare Wcscnsgegensähc: Ta sitzt daS Eichhörnchen, fächert den buschigen Schweis hinter sich wie die Rückenlehne eines Polstersessels nnd funkelt listig mit den Perlenaugen. Es muß erst langsam und unter tief eingelebten Hemmungen lernen, daß cs manchmal auch vertrauen darf, wenn ein Mensch sich ihm nähert. Und da kauert das Kind, ohne Begriff dafür. das; dieses wunderbare lebendige Spielzeug sich vor ihm sürchtct, und voller Vertrauen zu altem, was lebendig ist— cS wird langsam und unter schiveren Enttäuschungen lernen müssen, daß cs nicht jedem vertrauen darf, der sich im Leben ihm nähern wird. Momentan gleichen sich die Spannungen noch glücklich aus. DaS Eichhörnchen macht einen Heinen Sprung, erwischt die Nuß und ist— huschI— blitzschnell davon. Und das Kind klatscht glückselig in die kleinen Hände. Manfred. Xlsssen- Lotterie! Treffer gibt's In jeder Klasse Bei Gessler, Iroppau, Turnergasse 2420 Also: heute noch bestellen! Riesiger Reingewinn der englischen Post London, 7. Juni.(AN.) Der Gcncralpost- incistcr(Postnnnistcr) Sir KingSlc» Wood legte im Unterhaus den Jahresbericht über die finanziellen Ergebnisse seines RcsiortS vor, wobei er erklärte, daß die Agenda der Post, Telegraphen und Telephone als Maßstab für die Beurteilung der Gesamtprosperität dcS Volkes im letzten Berwal- tungöjahrc einen großen Fortschritt aufweisen. Die finanziellen Ergebnisse übertrafen alle E w a r t u n g c n. Bor allem müsse Hervorgchoben werden, daß die ständige Abnahme des telegraphischen Verkehrs im letzten Finanzjahre aufhörte und das verflossene Finanzjahr M inländischen telegraphischen Verkehr seit dem Jahr 1010 zum erstenmal eine Zunahme aufwicS. Das verflossene Jahr sei auch ein Relordjahrini Telephonverkehr gewesen. Der veranschlagte R c i n g e w i n n dcS Postininistcriunis werde fiir dieses Jahr etlva 1 2,3 0 6.0 0 0 Pfund Sterling betragen. Trotz der Erhöhung des Portos seien in diesem Jahre über 100 Millionen Briefe mehr geschickt worden. Es sei die Zeit zu der notwendigen wesentlichen Herabsetzung der Telephon a e b ü h r e n gekommen, um auch den breitesten Schichten die Benützung des Telephons zu ermöglichen. Diese Herabsetzung dec Gebühren lverde im Oktober d. I. erfolgen. Brüxer Stadtthcater gesperrt? Mitteilung dcS RegierungSkommissärS in Brüx tvird das Ttadttheater dort für die Spielzeit 1084/35 ee- fperrt werden, weil sich die Mittel zur Weiterfüh- rung der Bühne nicht auftreibcn lassen. Man hatte schon einen Pächter für das Theater gefunden; da aber das Bürgermeisteramt mit ihm gar nicht erst I ernstlich verhandelte und der Termin, den der Pächter gestellt hatte, ungenützt verstrich, ist auch diese Aussicht verloren. Zwar sind die Verhandlungen über das Theater noch nicht abgeschlossen, aber die augenblickliche Lage lässt kaum den Schluß zu, daß Brüx 1034/35 eine Thealersaison haben werde. Die Wallenstein-Feiern in Eger. Sonntag lverden in Eger die Wnllcnstcin-Feicrn aus Anlaß des 300. Jahrestages der Ermordung Albrecht von Wallenstein in Eger stattfinden. Auf dem Programm steht: 13 llhr Einzug der Wallenstein-Söldner in die Stadt, nm 14 llhr„Wallensteins Lager" von Friedrich Schiller in dem landschaftlich schön gelegenen Theater im historischen Burghof und um 18 llhr „Wallenstein"(Piccolomini und Wallensteins Tod) von Friedrich von Schiller. Tie Spiele werden immer Samstag nnd Sonntag bis zum 12. August d. I. wiederholt werden. Wochenspielplan de- Neuen Deutschen Theaters. Samstag, halb 8 Uhr:„Der Jakobiner" tB2.— Sonntag, halb 8 Uhr:„Die keusche Susanne"(A. A.).— Montag, halb 8 Uhr: „Spiel vom Leben n n d'S t e r b e n des Bauer n"(Hans Multerer mit seiner Laienspielschar, A.?!.).— Dienstag, halb 8 Uhr:„Iosua" (A. 91.) mereS Fächer nade im Fü rst e n b e rg g a r te n. nerStag, halb 7 Uhr:„!~‘’ (Gastspiel Ann» Konetzni—Gotthelf Pistor — Freitag, halb 8 Uhr: d n r ch das Nadelöhr" Glöckner, D 2). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Sanis- lag, 8 Uhr:„Wo war ich heute Nacht?"