14. Jahrgang Sonntag, 17. Juni 1934 Nr. 14« UNTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEIN f MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xi!., fochova a. tk&on sm. Administration wwfoh swt. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR> DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Etaafprels 70 Heiter (•hwchllaMIch 5 Halltr Port«) Die politische Amnestie für Versehen nach dem Schutzsesetz Del Freiheitsstrafen bis zu einem Monat generelle, darüber hinaus nur Individuelle Begnadigung Prag, 15. Juni. Dir angekündigte Amnestie ist heute durch eine Entschliessung des Präsidenten der Republik bereit« Tatsache geworden. Sie schließt generell politische Bergehen und Urbertrrtungen nach dem Schuhgrsetz rin, die mit einer Freihtöstrafe von nicht mehr al« einem Monat geahndet wurden. Bei einem höheren Strafausmaß sind individuelle Begnadigungen» bzw. Abolitionen» vorgesehen» wobei insbesondere an solche Personen gedacht ist» die nur unüberlegt gehandelt haben oder von anderen verführt wurden. Die Amnestie bezieht sich nur ans Bergehe» etc.» die vor dem 1. Jänner 1834 begangen wurden» und schließt auch grwisie Pressrdelikte rin. Die Entschließung de« Präsidenten der Republik hat folgenden Wortlaut: Artikel I. 0er Warschauer Mord Vom THter nur Mantel und Hut Befunden Warschau, 16. Juni. Das Leichenbegängnis des ermordeten polnischen Innenministers Pieraeki findet Montag vorniittags auf Staatskosten mit militärischen Ehren» wie sie einem Brigadrgeneral gebühren» statt. Rach der Lrichenfeior in Warschau werden die sterblichen Ncbarreste drS Ministers in seine Geburtöstadt Nowy Socz überführt» wo am Dienstag die Beisetzung auf dem dortigen Friedhöfe erfolgt. Die vom Deutschen ökachrichtenbüro»erbrütete Nachricht, daß der Mörder bereits verhaftet worden sei, hat sich als falsch erwieset». Sie dürfte darauf zgrückz« führen sein, daß in einem Hause der OkolnU-Straße unweit deS Tatortes der MantelundderHutdesMör» derS gefunden worden sind. ES wurde bereits fcstgestellt» daß der Mörder» der muli dem Anschlag auf den Minister flüchtete, sich alsbald in dem genaimten Hause seine« Mantels und seines HuteS entledigt hat. DaS Innenministerium hat inzwifchet» eine ganz genaue Personenbeschreibung des TiiterS vcröffeiUlicht. Bon den Attentätern fehlt aber auch weiterhin jede Spur. Dir Behörden hoffen, daß die Festsetzung der hohen Grldbelohnung von 100.000 Zloty zu einer rascheren Ergreifung deS Alten- töterS und seiner beiden Komplizen führen werde. Tie Untersuchung in der Angelegenheit deS Alten, tateS ergab«. daß der Attentäter außer dem Revolver amh eine Bombe mit sich führte, die er jedoch auf der Flucht von sich warf, ohne daß sie zur Explosion kam. Die Pflsudski-Anhänger veranstalteten in Aarschau Protestkundgebungen und erzwangen die Schließung sämtlicher BcrgnsigungSlokale bis nach dem Begräbnis. Auch die Kinos wurden zum Teil geschlossen. In den Redaktionen dreier nationaldemokratischen Blätter wurden die Fenster eingeschlagen. Abstlmmunsskommisslon ernannt Genf, 16. Juni. Das Völkerbundsekretariat gibt heute offiziell bekannt, daß die Abstimmungskommission für das Saargcbiet ernannt worden ist. Auf Vorschlag deS DreierkomitceS hat der Präsident des VölkcrbundrateS nach vorheriger Fühlungnahme mit den anderen Ratsmitgliedern folgende Persönlichkeiten bestimmt: Den Schweizer Viktor Henry, Kommissar deS Berner Jura und Präfekt des Bezirkes Pruntrut; den Holländer D. d e I o n g, früherer Generaldirektor der RcgierungSnnternehmungen und öffentlichen Arbeiten in Niederkändisch- Jndien; den Schweden AlanRhode, Gouverneur der Provinz Gotland. Zur gleichen Zeit hat der Rat als technischen Sachverständigen der Kommission die Amerikanerin Miß Sarah Wambaugh beigeordnet, die nötigenfalls auch ein MUglied der Kom- missjon vertreten kann. Miss Wanbaugh war Vertreterin der peruanischen Regierung bei der Vorbereitung der Abstimmung von Tacna und Arica und ist die Hermlögeberin verschiedener Schriften Uber nach dem Kriege stattgefundene Abstimmungen. Frankreichs Außenhandel Paris, 16. Juni. Während der ersten fünf Monate 1034 wurden nach Frankreich Waren im Werte von 10.650 Millionen Franken eingeführt, währen der Wert der Ausfuhr 7848 Millionen beträgt. Im Vergleich mit derselben Periode des Vorjahres ist die Einfuhr um 2048 Millionen, die Ausfuhr um 180 Millionen Franken zurückgegangen. Di*. Benes nach Bukarest abgereist Prag, 16. J:mi. Der Minister des Auswärtigen Dr. Eduard Benes ist in Begleitung des Lcgationsrates Dr. Vladimir Kuiera Samstag abends nach Bukarest zur Tagung des Ständigen Rates der Kleinen Entente abgereist. 1. Jenen Personen, welche vor dem Tage dieser Entschließung von den Zivilgerichteu wegen eines vor dem 1. Jänner 1034 begangenen Vergebens oder einer Uebertrrtung nach dem Gesetze zum Schutze der Republik zu einer Freiheitsstrafe von nicht längerer Tauer als einem Monat rechtskräftig vernrteUt worden sind, sehe ich diese Strafe (den Rest der Strafe) unter der Bedingung nach, daß sie nicht wegen einer innerhalb von zwei Jahren vom Tage dieser Entschließung an begangenen Straftat neuerlich zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden. 2. In dem Ilmsang und unter der Bedingung, wie sie im Absatz> angeführt sind, sehe ich auch Geldstrafen nach, falls an ihre Stelle im Falle der Uneinbringlichkeit nicht eine einen Monat überschreitende Freiheitsstrafe treten soll. 3. Tie Tauer der für den Fall der Uneinbringlichkeit der GeldtNcbenlsirafe verhängten Freiheitsstrafe ist bei Anwendung des Absatzes kl) der verhängten FreiheitSlHanptlstrafe hinznznrechnen. Artikel kl. 1. Wenn der vor dem Tage dieser Entschlie' Hang von einem Z i v i l g» r i ch t«egen eines vor dem l. Jänner 1034 begangenen Vergehens oder einer Uebertretung nach dem Gesetze zum Schutze der Republik zu einer strengeren Strafe als der im Artikel I angeführten rechtskräftig Verurteilt« bei dem Gericht l. Instanz b i» 15. Juli d. I. ein Gesuch nm Nachsicht oder um Milderung der Strafe einbringt und er weder strafgerichtlich verfolgt wird, noch vor dem Tage dieser Entschließung wegen einer nach dem 1. Jänner 1034 begangenen Straftat verurteilt worden ist. ist der Vollzug der Strafe bis zur endgültigen Entscheidung über sein Gesuch aufzuschieben»der wenn mit dem Strafvollzug bereits begonnen wurde, zu unterbrechen. 2. Die Gesuche um Nachsicht oder Milderung der Strafe dürfen in den im Absatz l angeführten Fällen von den Gerichten nicht abgclehnt werden, sondern sind dem Justizministerium mit einer Begutachtung vorzulegen. 3. Der Justizminister wird mir die Gesuche jener Personen, welche sich einer ans Unbesonnenheit oder unter dem Einfluß anderer Personen begangenen Tat schuldig gemacht haben, mit seinem Antrag zur Entscheidung verlegen. Artikel Hk. 1. Wenn der Angeschuldigte bi? zum 15. Juli d. I., und wenn die Einleitung des Strafverfahrens erst nach dem 1. Juli d. I. erfolgt, 15 Tage nachdem ihm die Vorladung zu seiner ersten gerichtlichen Einvernahme als Beschuldigter eingehändigt wurde, bei der Staatsanwaltschaft ein Gesuch um Abolition deS Strafverfahrens wegen eines vor dem 1. Jänner 1034 begangenen Vergehens oder einer Genf» 16. Juni..Heute sprach auf der in- ternationalm ArbeitSkonferenz zu dem Bericht des Direktors Butler auch der tschechoslowakische Re- gierungSvertretor Dr. K o l ä k, der sich sehr eingehend mit der heutigen Wirtschaftslage befaßte und sagte, daß das End« der Krise erst nach einerErhöhung der Kaufkraft der breiten wirtschaftlichen Uebertretung nach dem Gesetze zum Schutze der Republik einbringt, und er weder strafgerichtlich verfolgt wird, noch vor dem Tage diese Entschließung wegen einer vor dem 1. Jänner 1034 begangenen Strastat verurteilt worden ist, ist das Strafverfahren vor den Zivilgerichien bis zur endgültigen Entscheidung über dieses Gesuch inzwischen nicht fortzu setzen. 2. Tie Gesuche nm Abolition dürfen in den im Absatz 1 angeführten Fällen von den Slaatsan- walischaflen und Lbcrsiaalsanwalischasten nicht abgelehnt werden, sondern sind dem Justizministerium mit einer Begiiiachiuim vorzulegen. 3. Ter Justi nninister wird mir die Gesuche derjenigen Personen, weich« sich einer au» Unbesonnenheit oder unter dem Einfluß anderer Personen begangenen Tat schuldig gemacht haben, mit seinem Antrag zur Entscheidung vorlegen. Artikel IV. Wurde eines der in den Artikeln l bi» Ilf angeführten Vergeben durch den Inhalt einer Druckschrift begangen, so gelten die Bestimmungen der angeführten Artikel auch für Uebertretungen und Vergeben der Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge. Artikel V- 1. Die Entschließung findet keine Anwendung aus Personen, welche neben einer Uebertretung oder einem Vergehen gegen das Gesetz znm Schuhe der Republik oder einem auf Uebertretung des Gesetzes znm Schube der Republik sich beziehenden Vergehen oder einer Uebertretung der Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge verfolgt werden oder durch das gleiche Urteil oder ein ans Grund deS ß 265 der Strafprozeßordnnng ergangenes Urteil oder ein zur Grundlage der Bemessung einer Gesamtstrafe nach 8 517 flovakischer Strafprozeßordnnng dienendes Urteil auch wegen einer anderen Strastat verurteilt wurden. 2. Auf Personen, welche wegen miteinander konkurrierenden Uebertretungen oder Vergehen nach dem Gesetze zum Schutze der Republik oder auf Uebertretungen des Gesetzes zum Schutze der Republik sich beziehende Uebertretungen oder Vergehen der Vernachlässigung der pflichtgemäßen^ Obsorge verfolgt werden, oder in der in Absatz 1. angeführten Art verurteilt wurden, kann diese Entschließung nur dann Anwendung finden, wenn deren Bedingungen bei jeder der konkurrierenden Straftaten erfüllt sind. Wurde wegen derartiger konkurrierender Straftaten ein Urteil nach 8 265 Strafprozeßordnung gefällt oder eine Gesamtstrafe nach 8 617 flov. Strafprozessordnung verhängt, so entscheidet für die Beurteilung der Frage, ob Artikel> oder Artikel kl Anwendung finden, soll, die Dauer der ursprünglichen Strafe zusammen mit der Zusatzstrafe oder die Dauer der Gesamtstrafe. Ltnh, 16. Juni 1084. T. G. Masarhk m. p. Dr. Dkrer m. P. D ch i ch t e n, d. h. bei einem besseren Ertrag der Produktion dank der Regelung deS Angebotes und der Nachfrage eintrete» werde. Der Wohlstand der ganzen Wett hänge von dem Verständnis der Menschheit für eine wirkliche wirtschaftliche So- lidarität und besonders von einer Besserung der Verhältnisse der brei- ten s o z i a l schwache« Rasse» ab. Me Bilanz von Venedig Wer zahlt Hitlers Defizit? Der pompöse Empfang, den der Duce seinem Schüler Adolf in Venedig bereitet, die umständlichen Sicherhcitsvorkchrungon, mit denen er das kostbare Leben des Berliner Kollegen umhegt hat, scheinen sich gelohnt zu haben. .Hitler bringt von Venedig nichts mit, als was er nicht ohnehin schon besessen hätte: die Unterstützung Italiens in der Rüstungsfrage, und er hat aus das verzichtet, was seit Monaten das stärkste austonpolitische Aktivum deS alldeutschen Imperialismus gewesen ist, auf die Eroberung Oesterreichs für das Dritte Reich. In dürren Worten wird mitgetcilt, das; Hitler und Mussolini sich über die„Unabhän gigkcit Oesterreichs" geeinigt haben.„U nab hängigkcit Oesterreichs", das heisst aber seit dem 17. Feber, seit der Niederwersung der Schutzbundrcvolte, die Abhängigkeit O o st c r r e i ch S von Italien. Der Verzicht auf eine Einmischung. ist ganz einseitig ein Verzicht Deutschlands. Denn die Einmischung Italiens ist durch die römischen Verträge, durch das Regime Doll- sutz-Fey-Starhembcrg durch die saktiscsse Macht Italiens in Oesterreich längst gegeben und besiegelt. Mit diesem Verzicht Hitlers bricht der zweite Pseilcr seiner Austonpolitik zusammen. Zuerst hat er, um sich auf das schwächere Oester- reich werfen zu können, aus die Expansion in Polen verzichtet. Die Hetze gegen den polnisstien Erbfeind wurde abgcblascn, der auf zehn Jahre vertraglich festgelegtc Verzicht aus jede Revision der Ostgrcnze bahnte den Weg zur deutsch.Pol- nischcn Freundschaft. Jedem Kanzler der Wei- marer Republik, der dieses Ostlocarno g schlossen hätte, wäre die Kugel eines braunen Mörders als„Rächers der deutschen Ehre" sicher gewesen. Ulster dem Druck des FasciSmus verwandeln sich alle Fakten der Vorzichtspolitik in grostartige Erfolge. Die Emissäre, die im Korridor und in Schlesien frei wurden, schickte Hitler nach Oesterreich. Von der Münchener Propagandastelle ans begann die Offensive gegen den schwächsten Nachbar. Der Anschluss oder wenigstens die Gleich- schaltung Oesterreichs sollte den deutschen Nationalismus für den Verzicht im Osten ent- schädigen. Nun ist auch diese Offensive zu Ende. Was keine Regierung der Republik auszusprechcn gewagt hätte, die des Dritten Reiches bringt cs dem deutschen Volk als grossartigen aussenpoii tischen Erfolg: den Verzicht aus den Anschluss Oesterreichs an Deutschland! Aber wer bezahlt dieses täglich wach- sende Defizit der Hitlerschen Aussen polst il? Zu nächst einmal d i e D e u t s ch c n s e l b st, die um so stärker unterdrückt werden, je geringer die Erfolge sind, die Goebbels und Rosenberg und nun auch der Führer selbst aus dem Aus- land heimbringen. Um den Peinlichen Eindruck der Niederlage zu verwischen, wird der deutsche Fascismus einfach seinen innerpolitischen Druck steigern. Noch weniger Freiheit, noch schärfere Massnahmen gegen Miesmacher und Kritikaster, das wird das nächste Ergebnis der Canossafahrt dos Kanzlers sein. Zu den Leidtragenden aber müssen wir auch dieösterreichischenNationalsozia. l i st e n rechnen, die für Hstler und seine nationale Idee ihre Haut zu Markte getragen haben und die jetzt der deutsch-italienischen Freundschaft geopfert werden. Sie alle, die mit Revolver und Bombe gegen Dollfuss und Fey gckämpst haben, waren wie man nun erkennt, nicht mehr als ein Austauschob jek't der Hitlerschen Politik. Die Nationalsozialisten, die in den Kämpfen mit der Heünwehr gefallen sind, die Oer tschechoslowakische Reglerungsdeleglerte in Genf: Erhöhung der Kaufkraft der Massen die erste Voraussetzung für ein Ende der Krise Tomi tag, 17. Juni 1034 MO Tausenden ehrlichen Leute, die an bcnt nationalen Kampf im guten Glauben teiluahmen, die Nazi, die in den ruhrvcrseuchtcn Konzentrationslagern des Fey saßen, sic merden jetzt als das Ergebnis ihres Kampfes!m besten Fall den Eintritt einiger Hitlerkommifsäre in die autoritäre Regierung der Hciiiuvehren buchen können. Auch das ist noch fraglich. Aber selbst, wenn die Versöhnung, als Hitlers Verzicht auf Oester- reich, in dem Eintritt der Nazi in die Dollfuß- regicrung zum Ausdruck kommt, wird das nichts daran ändern, das; Oe st erreich eine KolanieMussoliniS bleibt und daß der Traum von der Ausbreitung dcS Dritten Rei- chcs nach Südasten zu Ende geträumt ist. llnsere sudetendcutschcnNazi mögen sich an dem Schicksal ihrer österreichischen Parteigenossen ein Beispiel nehmenI Wer auf Hitler vertraut, der hat auf eine ganz besonders tückische Sorte Schwemmsand gebaut I Und abermals betragen sind selbswer- stündlich die Deutschen Südtirols. Die Offensive des deutschen Nationalismus gegen Oesterreich erschien manchen van ihnen wohl als die nahe Rettung. Nun ist der Führer über das verratene Südtirol hinweg nach Vene- dig geflogen und in Venedig hat er seine Freundschaft nut Mussolini, mit dein Würger des südtiroler Deutschtums, besiegelt. Die Rech- nung dieses zweifelhaften Geschäfts dürfen unter anderem die Tiroler bezahlen. Düpiert sind auch jene jugoslawischen Kreise, die in der jüngsten Zeit auf den Leim Goebbels gegangen sind und bereits allerhand Phantasien über die Teilung Oesterreichs und das deutsch, jugoslawische Bündnis gegen Italien anstellten. Mussolini sitzt fester als je an der Donau und in den Alpen. Hitler hat sich in die Teilung Mit- teleuropaL gefügt, gewisse Kreise auf dem Bal- kan hat er dabei ebenso als Werkzeug, als Tauschware, benützt wie seine eigenen österreichischen Parteigänger. Bedroht find durch den Pakt van Vene- dig natürlich alle, denen die Ausrüstung Deutschlands gilt. Bedroht ist in erster Linie die Tschechoslowakei, weil sie nach der Versöhnung HitlcrS mit Palen und seinem Verzicht auf Oesterreich allein als Gegenstand seiner mit- teleurapäischen AuüdehnungSpolitik übrig bleibt. Sie wird unter stärkeren Druck gesetzt werden. Bedroht find Fr a n k r e i ch und Rußland, denen Hitlers Rüstungen gelten, bedroht fiitd die B a l k ä n st ä a t e n und die Türkei, auf die sich Mussolini, den Rücken gedeckt durch das ausgerüstete Deutschland, nun Programm- gemäß werfen wird. Ohne Zweifel ist Mussolini der eigentliche Nutznießer der Hitler- Politik. Er hat, seit in Berlin die nationalen Helden dcS Dritten Reichs regieren, alles erreicht, waS er in seinen kühnsten Träumen er- sehnt hat. Er ist in den mitteleuropäischen Raum eingebrachen, hat Frankreich und Deutschland von der Donau verdrängt, er rüstet selbst fieberhaft und hält Frankreich durch die deutschen Rüstungen in Schach, er hat einen Bundes- genossen, der sich wie eben bewiesen, diese Freundschaft etwas kosten läßt und dem er dafür nichts bringt, als was ihm selbst nützt. Denn die deutsche Aufrüstung, die Mussolinis einziger Gegendienst ist, braucht Mussolini selbst am dringendsten, weil erst sic ihm Bewegungsfreiheit gegen Frankreich schafft. DaS Ende vom Lied? Wenn Hitler diese 2««tummel', desto sröBere Lettern Die„Deutsche Presse" über» schreibt ihren Bericht über den neuen Presse- Gefehentwurf in Dreispalterbreite und in riesenhaften Lettern mit der„Erkenntnis":„G l«i ch- schaltung nach fascistischcm Mu» st e r". MS vor wenigen Wochen hätte man daS nach für einen christlichsozialen Freud e S» a u s b r u ch halten müssen— denn die Herren haben ja, eben bis in die jüngste Zeit, ganz außer» ordentlich viel Geschmack erst nm FasciSmuS in Deutschland und dann am AustrosasciömuS gesunden. Inzwischen haben sic eü aber doch für richtiger gefunden, sich in der Tschechoslowakei für die Demokratie zu entscheiden. Wir haben daS seinerzeit mit Genugtuung verzeichnet, aber immerhin Bedenken offen gelassen, weil eben erst abgewartet werden muß, ob und wie die Christlichsozialen sich positiv zur Demokratie und zu ihrer Verteidigung einskellen werden. Die Behandlung nun, die sie dem neuen Entwurf zuteil werden lassen, ist keineswegs demokratisch, sondern vielmehr geeignet, die christlichsozialen Leser gegen die Demokratie einzunehmen, indem die„Deut- Atlßenpolitik sartsetzt, dann wird er im cntschei- denden Augenblick einer kriegerischen Auseinandersetzung auch von Mussolini verlassen werden. DaS wird dem Nationalsozialismus zwar den Kragen kosten, aber dem deutschen Volk seine Existenz. DaS Defizit des deutschen FasciSmuS wird die deutscheNation mit dem Einsatz ihres ganzen Seins zu bezahlen haben. sche Presse" nämlich ihren Lesern vormachen will, daß die Tschechoslowakei sich faseistischer Methoden zu bedienen beginne. DaS nennt man einen rechten B ä r e n d i e n st an der Demokratie, bei dem die frommen Christen übrigens keinen gerin» geren allerchriftlichen Demokraten als den Herrn Dr. Bacher aus der„B o h e m i a" zur Seite haben— einen Mann und ein Blatt, die doch wahrhaftig hinlänglich den Beweis erbracht haben, daß sie den FasciSmuS bis aufs Messer zu bekämpfen entschloßen sind! Wir haben unsere eigenen Bedenken über geivisse Punkte deS neuen Entwurfes schon geäußert und wären die letzten, die einen oppositionellen Standpunkt nicht zu begreifen imstande lvären. Aber der Ton macht die Musik— und der Ton der„Deutschen Presse" ist durchaus nicht demokratisch,^ben deswegen, weil sie daS Wort und den Begriff„faseistisch" mißbraucht. Wir wollen aber trotzdem hoffen, daß die Demokratie auch in den Dingen, um die eS da geht, daü richtige Maß finden wird, so sehr auch die Versuchung nahe liegen mag, etwas schon deshalb als richtig demolratisch anzusehen, weil so unsichere Demokraten wie die Herren Christlichsozialen es als„faseistisch" ansehenl Lum Kindertag! Heute feiern die Sozialisten in allen demokratischen Ländern den Tag des proletarischen Kindes. In vielen Städten werden sich die Kinder versammeln, um gemeinsam zu spielen und, an geleitet von sozialistischen Erziehern, über sich und ihre künftige Berufung nachzudenken. Und mit den Kindern werden die Erwachsenen versammelt sein, deren ganzes Sinnen und Trachten darauf gerichtet ist, ihren Kindern eine befiere Zukunft zu zimmern. Die Angehörigen aller sozialistischen Organisationen finden sich bei diesem Kindertag. Wie kaum ein anderer sozialistischer Fest» und Kampftag bringt er zum Ausdruck, was uns allen gemeinsam ist. Die Sorge um das Kind, um das proletarische, von Hunger gequälte, vom Schicksal entrechtete Kind— sie schweißt uns zu einer festen Gemeinschaft zusammen. Die Kinder werden heute ihre Lieder nicht nur für sich singen, sondern auch für ihre jungen Brüder und Schwestern in den faseistischen Ländern, die in die faseistischen Jugendorganisationen gezwungen werden, um dort hassen zu lernen. Unsere Kinder werden derer gedenken, mit denen sie in internattonalen Kinderrepubliken vereinigt waren und bei ftüheren Kindertagen Grüße tauschten. Und ihre Sehnsucht, wieder mit ihnen vereinigt zu sein, ist die Sehnsucht nach einer schöneren Welt, die wahrhaft eine Welt de» Kindes sein wird, weil sie eine Welt der Gerechtigkeit und der Freiheit sein wird. Sie ist unser aller Sehnsucht. So wird der Kindertag unü allen zu einem Gelöbnis: noch fleißiger, noch zielbewußter, noch zäher wollen Wir sein. Wir Proletarier lieben nicht minder als die anderen unsere Kinder, sie sind unsere Hoffnung und unsere Freude. Heute iverden sie den Geist der sozialistischen Gemeinschaft ahnen, morgen werden sie kämpfend an unserer Seite stehen. Kinder, wir grüßen euchl 38 I Untere Töchter, die Naxlnen Roman von Nerinynla Zur MUhlen Ich hatte sie verstanden und flüsterte: »Danke, Frau Generalin." Da veränderte sich plötzlich ihr Gesicht; es war, als stürze in ihr etwas zusammen. Sie trat ganz nahe zu mir und sagte fast unhörbar: „Meinen Enkel, der beim Stahlhelm ist, haben sie auch verhaftet. Jetzt kommen wir dran." Dann gab sie mir die Hand, was sie, ich wasche schon seit Jahren für ihre Tochter und sie, wenn sie zu Besuch ist, früher nie getan hat. Ihre Augen standen voller Tränen. „Ich bin nur froh," flüsterte sie,„daß mein Mann das nicht mehr erlebt hat." Ich ging rasch nach Hause und machte Ordnung. Als am nächsten Tag wieder einmal Haussuchung war, fanden sie nichts, llnd ich konnte auch mit gutem Gewissen schlvören, daß ich nicht wiffe, wo der Seppel Schneider steckt. Auch meine Toni war nicht zu Hause. Meine Toni, meine gute tapfere Tochter. Ich habe ja immer gewußt, daß sie zu uns zurückkommen wird. Und der erste Mai war trotz allem ein Festtag für mich, weil sie mir am Abend sagte: „Ich habe mich geirrt, Mutter. Furchtbar geirrt. Aber jetzt Iveitz ich, daß die ganze Bewegung ein Betrug ist. Und ich glaube, schon in den nächsten Monaten werden viele es erkennen." Sie lachte ein wenig. „Deutschland erwache", sagte sie.„Dieses Wort muffen wir den Feinden nehmen. Diese Worte müßen wir verkünden: Deutschland erwache! Mach die Augen auf, und sieh, was dir geschehen ist!" Und dann blickte sie mich fast schüchtern an und fragte: „Willst du nicht wieder Vaters Bild in mein Zimmer hängen, Mutter? Er wird mit mir zufrieden sein." Ja, mein Anton kann wirklich mit seiner Tochter zufrieden, er darf stolz aus sie sein. Ueber- all, wo eL eine gefährliche Arbeit gibt, ist meine Toni mit dabei. Sie hat vor nichts Angst, sie gönnte sich keine Ruhe, es ist, als hätte sie lein eigenes Leben mehr, als führe sie nur das Leben der Unfern. Auch ich bin stolz auf sie, aber bisweilen, wenn sie von daheim fortgeht und sqgt: „Mach dir keine unnützen Sorgen um mich, Muter; ich weiß nicht, wann ich wiederkomme", preßt sich mir dennoch das Herz zusammen. So eine Nacht, wenn man vergeblich auf die vertrauten Schritte lauscht, wenn man vergeblich darauf wartet, daß eine liebe Hand die Türklinke niederdrückt und eine liebe Stimme sagt:„Da bin ich wieder, Muller", so eine Nacht ist endlos. Und dabei weiß ich nicht einmal, was ärger ist: tveun Toni zu Hause oder wenn sie fort ist. Ich weiß ja nie, waS die Menschen, die im gleichen Haus mit unö wohnen, tun Iverden. Die Nachbarin und ihr Mann tragen das Hakenkreuz. Als ich das zum erstenmal bemerkte, wollte idi ohne Gruß an der Frau vorüber gehen; sie jedoch hielt mich an und zog mich in die Küche. „Ich weiß, was du glaubst", sagte sie.„Aber was sollen wir tun? Wir haben vier Kinder, und mein Mann würde seine Arbeit verlieren, wenn er nicht..." Ich schtvieg. Ich wußte ja, daß die Leute schon immer mit der Not zu kämpfen gehabt hatten. „Wir sind im Herzen noch die gleichen", erklärte sie, fast bittend. WaS hätte ich ihr sagen sollen? Konnte ich von ihr verlangen, daß sie ihre Kinder hungern läßt? Sich selber kann man zum Hungern verdammen. aber kleine Kinder? Ich muß auch zugeben, daß sich die Binders! anständig benehmen, nicht wie die Familie des Postbeamten im dritten Stock, die immer wieder die SA. schickt. Aber das hat auch seine Gründe. Vor einigen Jahren hatte der Postselretär ein Auge auf meine Toni geworfen, obwohl er verheiratet ist, und er kann eS ihr nicht verzeihen, daß sie ihn damals einfach auSgekacht hat. DaS ist ja daü Schreckliche: ein jeder, der zu den Nazis übergelaufen ist, kann jetzt unter dem Deckmantel der Bewegung seine Rache an jenen auSlaffen, die ihn einmal geärgert haben. Und da eS in unserem Lande kein Recht mehr gibt... Ja, es gibt kein Recht, keine Gerechtigkeit mehr, aber eS gibt sehr viel Mut, sehr viel Aufopferung. Ich glaube, in den anderen Ländern ahnen die Menschen nicht, waS es bedeutet, wenn hier ein Flugblatt, eine verbotene Zeitung erscheint, wenn auf einer Mauer ein sozialistisches Losungswort steht, wenn über Nacht drei Pfeile oder der Sowjetstern, in roter Farbe leuchtend, erscheinen. Vielen draußen mag das kindisch vorkommen, aber wie viele sehen ihr Leben aufs Spiel, ihre Freiheit, um den Genossen zu verkünden: wir sind noch da, wir leben, ßir kommen wieder! ES heißt, daß die Führer der beiden Arbeiterparteien im Ausland einander noch immer bekämpfen. Bei uns ist das anders. Wir wissen, daß I wir Zusammenhalten müssen, alle Arbeiter, nein, noch mehr, alle anständigen Menschen. Sogar die christlichen Arbeiter haben daS eingesehen. Zumindest in unserer Stadt. Ich muß allerdings hinzufügen, daß wir hier einen sehr anständigen alten Pfarrer haben und daß viele in seinem Beichtstuhl knien, die nicht ihre Sünden bekennen, sondern über ganz andere Dinge sprechen. Bis jetzt hatten die Nazis sich nicht recht an ihn herangewagt; er macht aber auch wirklich mit seinem freundlichen Lächeln und seinem dicken Bäuchlein einen äußerst harmlosen Eindruck. Früher hat er gegen die Kommunisten gepredigt; jetzt tut er eS nicht mehr. Er hat zugelernt, auf seine alten Tage. Wir haben alle zugelernt. llnd in einer harten Schule. Ich zum Beispiel habe ja immer gewußt, daß Preußens Justizverwaltung dem Reich überantwortet Berlin, 16. Juni. Die Aufsaugung Preußens durch das Reich ist heute wieder ein gutes Stück vorwärts gekommen: Es hört nun auch das preußische Justizministerium auf zu bestehen, da der jetzige Minister Kerrl dieses Amtes enthoben und der Reichsminister für Justiz Dr. Gürtner mit der Wahrnehmung der Geschäfte dcü preußischen Justizministers betraut wird. Dem Leidtragenden Kerrl wird die Demission dadurch versüßt, daß er preußischer Staatsminister bleibt und außerdem zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich ernannt wird. In dem amtlichen Bericht wird erneut betont, daß Goering, seitdem er durch das Vertrauen des Reichskanzlers an die Spitze der preußischen Staat»- regierung gestellt worden ist, sich unablässig bemüht habe, die Vereinheitlichung und Erneuerung de» Reiches im nationalsozialistischen Sinne von Preußen aus voranzutragen. In dieser Richtung liege auch der nunmehr von Goering al» Ministerpräsidenten dem Reichskanzler unterbreitete und von diesem angenommene Vorschlag, die Justizverwaltung de» Reiches mit derjenigen Preußens zu verbinden. Verurteilt« Pfarrer Schwerin, 16. Juni. Das hiesige Sondergericht hat gestern abends im Prozeß gegen sieben mecklenburgische Pfarrer, die nach der Verordnung„zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Regierung der nationalen Erhebung" angeklagt waren, das Urteil gefällt. Die drei Hauptangeklagten wurden zu sechs, bzw. vier und drei Monaten Gefängnis verurteilt, zwei weitere zu 1000, bzw. 780 Mark Geldstrafe. 20 Sozialdemokraten ans WOllersdorl entlassen Wien, 16. Juni. Heute wurden aus dem Konzentrationslager in WöllerSdorf sieben Sozialdemokraten aus Wien und 13 aus der Provinz freigelaffen. Unter den Freigelaffenen befindet sich der ehemalige Abgeordnete Seidel. Die ehemaligen Abgeordneten Glöckel und A l l i n a und der ehemalige Stadtrat Weber werden am 1. Juli freigelaffen werden, wovon ihre Familien amtlich verständigt wurden. Die Entlastung der übrigen im Konzentrationslager in WöllerSdorf befindlichen Führer wurde auf spätere Zeit, hauptsächlich auf den 1. September d. I., festgesetzt. Habicht bloß„beurlaubt“ Innsbruck, 16. Juni. Die hiesigen Blätter berichtigten die Nachricht der„Reichspost" über die Absetzung Habichts als„LandeSinfpckteur" der österreichischen Nationalsozialisten. Habicht trete nur einen Urlaub an, während besten er von Frauenfeld vertreten werde. Schwere Explosion in der Hochschule für Bodenkultur Wien, 16. Juni. In der Hochschule für Bodenkultur wurde in den Abendstunden ein Spreng- küruer zur Explosion gebracht, durch den, wie sogar der offizielle Preffedienst einmal zugibt, großer SachSchade hervorgerufen wurde. eS gemeine Menschen gibt, aber daß so etwas wie die Feldhüters lebt, das wußte ich nicht. Neulich hat die Tochter Hochzeit gefeiert, ein Riesenfest. Und nach der Kirche sind sie in daSHauS gegangen, aus dem sie unseren Doktor Bär vertrieben haben, so weit vertrieben, daß er nie mehr zurückkommen kann. Zwei von Lieselottes alten Spielgefährtinnen haben bei ihrer Hochzeit gefehlt: meine Toni und Claudia. An diesem Tage wußte ich nickst, wo Toni war. Claudia aber lag in Frieden unter der jungen Linde, der konnte nichts mehr geschehen. Ich dachte daran, wie verzweifelt wir beiden alten Frauen gewesen waren, als unsere Töchter„Na- zinnen" wurden, und auch wie verschieden die zwei sich freigemacht hatten. Claudia wie eine Wahnsinnige, verbrannt von Scham und Ekel, Toni still und ruhig, sicher und überlegen.. Ich sehe ja auch den gleichen Unterschied zwischen meiner lieben Gräfin Agneö und mir. Sobald es sich um andere handelt, ist sie schlau und listig, aller wenn es nur sie betrifft, kann sie sich nicht beherrschen. So kommt zu meiner Sorge um Toni auch noch die Sorge um die alte Frau hinzu. Sie will nicht begreisen, daß sogar ihr Leben für uns noch einen Wert besitzt und daher gehütet werden muß. Alü die Gewerkschaften aufgelöst wurden, war sie wie toll. Dabei glaube ich fast, daß sie ein halbes Menschenalter hindurch gar nicht recht gewußt hat, was die Gewerkschaften sind. Toni suchte sie an diesem Tag auf und erzählte nachher, wie schtver eS gewesen sei, sie zu beruhigen. „Wir werden sie wieder aufbauen", sagte Toni schließlich zu ihr. Aber die alte Fran sah nur die Zerstörung und wollte sich nicht beschwichtigen lassen. Auch ich lvar erschüttert, aber auch ich wußte gleich Toni, daß Ivir das Zerstörte wieder aufbauen werden. Das war noch vor Claudias Tod. Jetzt ist die große Bitterkeit und die große Schande nicht mehr da, um die alte Frau zu quälen, jetzt hat sie nur den einen Gedanken, helfen und wiederum helfen. Sie ist so dankbar, wenn sie etwas tun darf. I Lonntag. 17. Juni 1934 «ehe 3 «r. 140 einen Teil der Schulden und Zinsen prellen zu können, wie sie aus politischem Gebiet ungr- strast die Vertragspartner von Versailles geprellt haben! Teilerfolge sind ihnen schon geworden und sie ermuntern Berlin auf das Ziel loszuschießen. Die Zerrisienheil der kapitalistischen Welt, die wirt» schaftlichen und politischen Gegensätze zwischen den einzelnen Staaten erlaubt der Reichsregierung, die unglaublich tolle finanzielle Mißwirtschaft fortzusetzen, für die KriegSrllstung zu Lande, auf dem Walser und in der Lust Milliarden Reichsmark auSzugeben und gleichzeitig zu erklären: wir sind zn arm: wir ISnnen nicht zahlen! *) Die vollen Namen können mit Rücksicht auf die Familie nicht genannt werden. . Der Name des Botschafters Nadolny wurde anläßlich der Genfer AbrüstungSberaiungen in der breiteren Oeffentlichkeit bekannt, wo er bis zum Austritt Deutschlands ans der allgemeinen Abrüstungskonferenz Chef der deutschen Delegation war. In Deutschland gilt NcLolny als eine sehr einflußreiche Persönlichkeit, einerseits wegen seiner freundschaftlichen Beziehungen zum Reichspräsidenten Hindenburg und dessen Umgebung, andererseits wegen seiner ausgedehnte» Beziehungen zu deutschen industriellen Kreisen. Die Moskauer Tätigkeit des zurückgetretenen Botschafters war nur von kurzer Dauer. Nadolnh hat seinen Poften erst vor einem halben Jahr angetreten. Man bezweifelt, daß Nadolnh, der sich zur Zeit offiziell auf Urlaub befindet, in nächster Zeit ein neue- verantwortliches Amt übernehmen wird. Während noch vom nahen StephanSplatz die Musik ertönt und Kommandorufe anzeigen, daß die große Feierlichkeit zur Ehre und zum Wohlgefallen des Allerhöchsten noch im Gange ist, blättern wir in der Zentrale der„Gesellschaft der Freunde" in den Aktenstücken der Feber-Ereignisse. Dieser Kataster wird noch einmal eine geschichtliche Rolle spielen. Schon die IlebersichtSliste gibt furchtbaren Aufschluß.„Tot",„schwer verwundet", „tot",„verwundet und entlassen",„tot", so wiederholen sich die Vermerke bei einer langen Reihe von zweieinhalbtausend Namen, Wiener Arbeiter, Arbeiterinnen und Kinder. Da steht der Name eine» braven Eisenbahner» A.,*) der erschossen wurde und seine Frau mit zwei Kindern zurückließ, hier der Name Fr., dessen Träger gefallen und die Frau schwer verwundet wurde. Da wie der stehen die Namen von drei Kindern, deren Eltern verhaftet wurden, ohne daß man sich um sie gekümmert hat, bis sich die„Quäker" ihrer angenommen haben; hier der Name eines Schwerverletzten, der nach dreieinhalbmonatiger Spital»« Pflege ungeheilt entlassen wurde, ein Bein einbüßt, den Arbeitsplatz verlor und jetzt, nachdem seine Eltern arbeitslos sind, im Obdachlosenheim Unterkunft suchen mußte. Da steht der Name deS Arbeiters S i m r a t h, der in der Siedlung „Gartenstadt" verhaftet, im Polizeiamt in Floridsdorf wahnsinnig geprügelt wurde, so daß er sich in einem unbewachten Moment zum Fen st er hinab st ürzte und mit gebrochenem Schädel und Gliedern am Pflaster liegen blieb, hier der Name P o k o r n h ein Schutzbündler, der, nachdem er sich selbst stellte, derart mihhan» Berlin, 16. Juni. Der deutsche Gesandte in Mo-kau Nadolny hat feine Demission gegeben und hat bereits seinen WirkungSort ver- lasien. Nach Ueterzeugung Berliner politischer Kreise ist der Grund für die Demission in der Nichtübereinstimmung deS Botschafter- Nadolnh mit der offiziellen deutschen Politik gegenüber der Sowjetunion zu suchen. Den letzten Anstoß zur Demission hat wahrscheinlich der ablehnende Standpunkt gegeben» den die Berliner Regierung-kreise gegenüber dem russischen Vorschlag eine- osteuropäischen Locarno eingenommen habe:». ES verlautet wenigsten-, daß Botschafter Nadolnh während seinekürzlichen Aufenthalte- in Berlin sich vergeblich bemühte, eine Aenderung in den Ansichten der deutschen Regierung-kreise in dieser Frage Herbeizufuhren. Wie weiter in offiziellen Kreisen behauptet wird, sott die Demission RadolnyS nicht vereinzelt bleiben. Auch der derzeitige deutsche Votschaf- dclt wurde, daß er in da» Irrenhau» überstellt werden mußte. Da steht noch der Name der tapferen Frau M ü n- n i ch r e i t e r, die mit ihren ztvei Kindern nach Rußland ging, nachdem ihr die christlichen Heu- ler den schwerverwundeten Mann ermordet und de» Kardinal Jnnitzers Besuch ihren Jammer höhnte; hier der Name der Genossin B.. die mit ihrem Mann ein Maschinengewehr bediente und aushielt, nachdem der Mann schon gefallen war, bis sie und ihre zwei Kinder schwer verwunde! in der durch eine Sprenggranate zertrümmerten Wohnung liegen blieben. Man würde dieser heldenhaften Familie ein Denkmal setzen, wenn sie sich-nicht für die Freiheit, sondern für die christliche Regierung geopfert hätte. So könnte man die Reihe der Namen der wirklichen Helfen ans den Arbeiterbezirken fortsetzen, die sich unter den bisher in die Fürsorge der„Gesellschaft der Freunde" aufgenommenen 3020 Wienern und rund 5000 Menschen aus den anderen Bundesländern befinden. (Fortsetzung folgt.) Aus dieser Zentralausschußsitzung der Reichsbank hat der Reichsbankdirektor Dr. Schacht behauptet: Er werde die Reichsmark stabil halten und habe die Macht dazu. Trotzdem kann er nickst verhindern, daß die Reichsmark an den internationalen Börsenplätzen die seltsamsten Tänze aufsührt, daß sie schon um 6 Prozent und mehr in Paris, Prag usw. entwertet ist; und daß die übrigen Marisorten, mit denen durch die deutsche Devisenpolitik das Ausland seftliegt, ganz bedenkliche Awvertungen zu verzeichnen haben. Die fortgesetzten Versicherungen des Dr. Schacht vermögen übrigens niemanden mehr zu beruhigen. Weder im Ausland noch im Inland! Im Ausland hält sich trotz allen Dementis hartnäckig das Gerücht, daß die Reichsinark bis zum 1. Juli um 10 Prozent abgewertet werden soll, womit sie wieder in ihr früheres Wertverhältnis zum Dollar gebracht würde, vorausgesetzt, daß der Dollar keine merkliche Abwertung erfahrt. In Deutschland abar ist eine Flncht auS der Ntark bereit- im Gauge. Der Rückgang des SvaremlagenüberschusseS ist dafür ein Beweis, noch mehr aber die Tatsache, das« daS Auhän- fen von Lebensmittelvorräten und der Kanf von Sachwerten und Artikeln, die erst später einmal gebraucht werden, eingesetzt hat. Die deutsche Bevölkerung sieht auch an der fortschreitenden Preiserhöhung das Zusammen- schrumpfen ihrer Ersparnisse und sucht sich vor den Folgen einer neuen Inflation durch Vorrats- und Angstkäufe zu retten. Diese Erscheinung ist übrigens auch typisch für die a l l g e in e i n e E r s ch ü t t e r u n g deS Vertrauens zur Hitler- regierungund ihrer Politik und stellt den Anfang einer Entwicklung dar, an deren Ende der Sturz deS auf Terror und Betrug gestützten Systems stehe.« wird. Botschafter Nadolny quittiert den Dienst —— 7 Eindrücke aus dem autoritären Oesterreich Von L. Pölzl Da» offizielle. Wien feierte daS traditionelle Fronleichnamsfest. Was Macht und Würden be sitzt oder vortäuschen will, war dabei. Bor dem mit einem roten Tuch überspannten Hauptportal der neuen Hofburg am Heldenplatz stand der zweite Altar der für das klerikale Wien, das aller dings kaum ein Viertel der Bevölkerung ausmacht, - zur prunlhasten Heerschau gewordenen Fronleich- namsprozession. Vor dem roten Tuch sich abhebend leuchtete ein großes weiße» Kreuz über den wei ten Platz. Polizei und Militär hielt vorsichtig und energisch die gläubig-neugierige Menge in zwan zig Meter Entfernung von der Straßenmitte. Langsam, in protziger Pracht der gold- und silbergestickten Gewänder, ordenbehängten Was- senröcken, herausgeputzten Damen, befrackten Herren und schweren Kirchenfahnen kroch der Prozessionszug daher. Die Honoratioren postierten sich nm den Altar. Salbungsvoll tönte des Kar dinal fürsterzbischofs Stimme durch den Lautspre cher. Weihrauch stieg in die sonnenwarme Früh- lingsluft. Ein Baon der Deutschmeister schoß eine Salve ab und quittierte damit den Segen des Kardinals. Und alle die da in nächster Nähe her umstanden und daü Knie beugten und sich schon vor acht Uhr früh in der Stefanskirche eingefun den hatten, sind diesen Segen wert: MiUas mit seinem Stab, Dollfuß, Fey und Starhemberg mit ihren Adjutanten und Sekretären, die Minister, Bürgermeister, LegationSräte, Sicherheitsdirekto ren, Polizeipräsidenten, Präsidialchefs, Malthe- serritter, Adelsvertreter, kurz die Sieger des Fe ber. Sie dankten dem allmächtigen Gott und der Vorsehung dafür, daß die Maschinengewehre und Kanonen noch einmal loügingen und vor den zer schossenen und geplünderten Ruinen der sozial demokratischen Arbeiterheime die Heimwehr Wache halten kann. Wer nicht hinter die Kulissen zu blicken vermag, könnte fast glauben, daß den Wie nern nicht mehr zu helfen ist. Doch hinter diesen offiziellen mit Kirchen fahnen, Baldachinen, Allerheiligsten, mit Heim wehr, christlichsozialen Freiheitsbund, christlich deutschen Turnern, Sturmscharen(im VolkSmund »Lelbergindianer" genannt) drapierten autoritä ren Wien, befindet sich draußen in den Arbeiter bezirken daS wirkliche, das schaffende, dem Geist modriger Vergangenheit feindliche, da» soziali stische Wien. Durch die Gewalt der Waffen, mit dem Rüstzeug der Barbaren, hat man diese» bes sere Wien vorläufig in der Oefsentlichleit zum Schweigen gebracht. Körperlich und seelisch schtver verwundet, drangsaliert, gefesselt, steht daS pro letarische Wien vor den zerschossenen Stätten jahrzehntelanger Arbeit, vor der zertrampelten, täglich aufS neue geschändeten Freiheit, in Sorge um die tausenden Opfer des heroischen Kampfes um die demokratischen Errungenschaften der Republik, denen die Infamie und Rachsucht der Sieger und ihrer Büttel mehr mitspielt als die Geschosse aus den Kanonen und Gewehren der Vollstreckungs organe der Exekutive. Der Herr Fey hat 1000 silberne Medaillen für den Brudermord ausgeteilt und läßt die »marxistischen Verbrecher" in den Gefängnissen zugrunde gehen. Die Polizei diktiert auftragsge mäß ohne ordnungsmäßiges Verfahren gegen po litisch Verdächtige monatelange Polizeistrafen. Der gegen den Willen von mehr als zwei Drittel deS Volles von Wien ernannte Bürgermeister Dr. Schmitz macht im Einvernehmen mit dem Dr. Ernst Karl Winter, der noch vor zwei Jahren seine Artikel, die er in der»Reichspost" nicht un terbringen konnte, in der»Arbeiter-Zeitung" ver öffentlichte, hunderte Arbeiterfamilien arbeitS- und wohnungSlo». Daneben gibt eS jeden Tag Ehrenbürgerernennungen, Festessen. Wehrmann- und Heldendenkmalsammlungen mit Musik und Fahnen. Die alten Offiziere der im Weltkrieg jämmerlich zerfetzten Monarchie stolzieren oder hinken mit klingenden Orden durch die Straßen. Feste, Musik, Fahnen und Religion sollen den ent rechteten Bürgern die Liebe zum Ständestaat ein pauken. Aber das alles kann die Arbeiter nicht zermürben. Kein Locken mit der.Bruderhand", an der noch das Blut klebt, kann die Wiener Pro leten ködern. Sie sind wach, mehr wach und tätig als den Herren lieb sein kann, die durch den Vize luftmarschall Borton in der Londoner„TimeS" berichten ließen, daß sie»der Lage mehr al» ge. wachsen sind". Wirkliche Helden Wenn im privaten Leben ein Schuldner den Gläubigern erklärt, daß er nicht imstande ist, seine Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen, ivenn er die Gläubiger um die Bewilligung eines Zahlungsaufschubes ersucht, die Gläubiger aber dieses Ersuchen ablehnen und der Schuldner dann tatsächlich nicht zahlt, dann gilt dieser im guten alten Sinne als bankrott. In der am Donnerstag stattgefundenen Sitzung des ZentralauSfchusieS der Reichsbank hat der Reichsbankpräsident deS Dritten Reiche» verkündet, daß Deutschland alle seine Zahlungsverpflichtungen, die ihm aus seinen össent- lichen und privaten Auslandsschulden erwachsen, nicht erfüllen wird. Vom i. Juli bis 31. Dezember 1934 wird jede Barüberweikung auf das deutsche Schulden» und Zinsentilgungskonto ins Ausland unterbleiben. Da» ist die finanzielle Bankrotterklärung einer Regierung, die mit verlockenden Versprechungen begonnen und dir noch im vorigen Monat aus der Traiirsrrkonfereiiz versucht hat, dir Gläubigrrvertretrr für eine Verschleierung de» Bankrott- zu gewinnen. Jetzt ist dieser Bankrott offenkundig! Aber es ist merkwürdig: die Erklärung der Zahlungsunfähigkeit eines der größten kapitalistischen Länder der Welt wird mit einem Gleichmut hingenommen, als handle eö sich um nicht mehr, als um eines der vielen Ereignisie, die so rasch inS Meer der Vergessenheit versinken. Vielleicht wird da§ eine oder das andere Gläubigerland eine Protestnote nach Berlin senden— sonst aber werden die Bankrotteure deS Dritten Reiches von den Regierungen aller Länder als gleichwertige Partner weiterbehandelt werden, wie ja auch die geschworenen Meineide und die Massenmorde der Hitler, Goering und Goebbels ihrer Salonfähigkeit bei der internationalen Diplomatie keinen Abbruch tun. Ja, diese nationalsozialistischen Bankrott« Politiker provozieren die ganze Welt. Denn auch diese Bankrotterklärung ist eine dreiste Provokation. Deutschland und seine Kapitalisten verfügen über die Devisen— und über noch mehr!— dir notwendig sind, um die ausländischen Zah- lnngSver.iflichtungen zu erfüllen. Aber diese im Inland und zum Teil im Ausland sichergestellte Reserve hält sich die Hitlerregierung für größere „nationale" Aufgaben bereit. Immer wieder und mit aller Schärfe muß eS gesagt werden: so schwer die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten Deutschlands durch die Katastrophenpolitik der Naziregierung I sich entwickelt haben— e» handelt sich um die Er« I klärung deS betrügerischen Bankrotts! Schacht und seine Auftraggeber spekulieren, die Gläubiger um I vle politische Woche Prag, 16. Juni. Auch-die letzte Woche stand vorwiegend im Zeichen der Außenpolitik, wo durch die Annäherung Rußlands an den Ml- kerbund. bztv. an Frankreich und die Kleine Entente neue Konstellationen sich am Horizont abzeichnen. Daß dafür auch im Inland Verständnis ist, zeigt u. a. auch der Umstand, daß die Ausnahme normaler diplomatischer Beziehungen zu Sowsetrutzland auch in der Jnlandpresse— von den in dieser Hinsicht unzurechnungsfähigen Nationaldemokraten abgesehen— durchwegs günstig beurteilt wurde. In der Innenpolitik traten die Bemühungen, die demokratischen Einrichtungen des Staates zu sichern, in den Vordergrund. Das kam in der Beratung und Verabschiedung de» Ermächtigungsgesetze» zum Ausdruck, bel welcher Gelegenheit der Sprecher der Koalition ein unzweideutige» und klar formulierte» Bekenntnis zur Demokratie ablegte. Der Sicherung der demokratischen Einrichtungen gegen eine gewisse verantwortungslose Presse soll auch die neue Presse Novelle dienen, die allerdings erst noch im Parlament geprüft werden dürfte, kB sie nicht in einzelnen Detail» weitergeht, al» gerade unumgänglich notwendig ist. Ein gutes Zeichen für die innerpolitische Konsolidierung des Staates ist es jedenfalls auch, daß die Regierung bereit» den Zeitpunkt für die Erlassung einer Amnestie für gegeben erachte» konnte, die sich aus Vergehen und llebertretungen gegen da» Schutzgeketz erstreckt und vor allem jenen Personen zugute kommen soll, die unüberlegt gehandelt haben oder von anderen verführt wurden. Wirtschaftlich stehen vor allem die Bemühungen im Vordergrund, die zur Sicherung der Ernte unbedingt notwendigen Or- ganssation» formen so rasch wie möglich in» Leben zu rufen. Dabei sollen natürlich auch die berechtigten Interessen der Konsumenten in weitestgehender Weise getvahrt und auch ein finanzielles Risiko deS Staate» möglichst ganz auSge- schaltet oder wenigsten» auf da» geringste Ausmaß herabgedrückt werden. In diesen Problemen liegen hauptsächlich die Schwierigkeiten, die noch zu überivinden sind. In sozialpolitischer Hinsicht ist die gestern vom Ministerrnt beschlossene B r r l ä n g e r n n g der Wirksamkeit der Kollektiv, v e r t r ä g e bis 30 März 1935 für die Arbeiterschaft van großer Wichtigkeit. Auf Einschreiten der ütewerkschaften wurde auch, dir Bestimmung ein- bezogen, wonach in Fällen, in welchen die Kol- leltivverträge bereit» abgelnufen sind, der gegenwärtig geltende Lohn unter die g l e i ch r n Siche, rungen wie dir KoUrktivvvrträgr gestellt werden soll. - Wir bereit» gestern kurz mitgeteilt wurde, wird in der nächsten Woche auch eine Vorlage über die G a s w i r t s ch a f 1 voraussichtlich dem Senat vorgelegt werden, die den ersten Versuch darstellt, analog der Eleltrizitätüwirtschaft auch die GaSwirtschast zu regeln. Ea handelt sich um jene Gaswerke, die mindestens zu 60 Prozent dem Staat oder den Selbstverwaltungen gehören; ihnen sollen durch verschiedene Maßnahmen(Enl- eignungsrecht. Recht zur Ausgabe von Tcilschuld- verschreibungen usw.) gewisse Begünstigungen eingeräumt werden. Ueber die vom Arbeitenministerium fertig- gestellten Entwürfe, den Schutz der Grubenarbeiter betreffend, über die wir bereits in der Vorwoche referiert haben, haben in den letzten Tagen eine Reihe von interministeriellen Verhandlungen staltgesunden, die einen nicht un» günstigen Verlauf nahmen, aber noch nicht abgeschlossen sind. DaS neue A u t o m o b i l g e f e tz wird ebenfalls in der komnienden Woche dem Senat zugeleitet werden; gleichzeitig wird sich aber eine letzte Verlängerung der bisher geltenden Bestimmungen bis Ende des Jahres als notweirdig erweisen, um die parlamentarischen Beratungen ' über die definitive Vorlage ohne llebereilung durchführen zu können. Tie rein technischen Bestimmungen der Vorlage sind ja bereits seit längerer Zeit sertiggestellt und nicht mehr strittig. Schwierigkeiten machten bis in die letzte Zeit hinein verschiedene sozialpolitische Fragen, wie I Arbeitszeit, Altersversicherungen usw., deren Lö sung im Gesetze selbst von den Chausseurverbän den gefordert wurde. Diese Forderungen werden s im Laufe der parlamentarischen Verhandlungen erneut angemeldet und ihre Verwirllichpng im Rahmen der einschlägigen sozialpolitischen Gesetze erstrebt tverden. Bei der angestreinen Lösung der erwähnten Probleme, die angesichts der vorgerückten Zeit fast ununterbrochene Verhandlungen erfordern, die wieder an die Unterhändler große Anforderungen chson rein physischer Natur stellen, treten die wirtschaftlichen Interessengegensätze zwischen den einzelnen Gruppen mitunter natürlich recht scharf in Erscheinung; die sozialistischen Parteien spornen alle Kräfte an. um in diesen Verhandlungen die Interesse» der ihrem Schutz anvertrauten Bevöllerungskreise nachdrücklichst zu wahren. In der nächsten Woche wird eS sich klären müssen, tvaS von den erwähnten Vorlagen und Entwürfen noch ins Borferienprogramm kommt und was auf den Herbst verschoben werden wird. Die Nationalversammlung wird jedenfalls uo,b bi» Ende dieses Monat» trotz dem Ermächtigungsgesetz noch Arbeit genug borfinden! ter in Washington, der ehemalige Reichsbankvrä-1 sident Dr. Luther, wird von seinem Urlaub nicht mehr in sein Amt zurückkehren. «eite« Sonntag, 17. Juni 1034 Rr 140 be- das> des sei. Die und wollte, stürzte Jng. Bc-5t.it c nen Scjstl, mit dem chel der rechten Hand wurde ihm angebrochen. Durch Röntgenaufnahmen soll fcstgcstellt werden, Ivelche Verletzungen der Exweltmeister außcrdcn» noch erlitten hat. Postamt Friedland in Böhmen zur Zeit der Wallenstein-Feiern. Während der Zeit der Wolle». stein-Gedenkfeiern in Friedland i. B. in den Tonen vom 28. Juni bis 1. Juli l. I. wird an der Stelle, wo die Feier veranstaltet wird, ein interimistischer Schalter des Postmntes Friedland i. B. errichtet, der einen Stempel mit der Legende verwenden wird: „Frydlant v Cechach— Friedland in Böhmen- Baldöiejnske pamitni slavnosti— Wallenstein-Ge» denkfeier". Die Tätigkeit des Schalters wird iich auf die Entgegennahme von getvöhnlichen und rekoni- inandierten Postsendungen, auf den Verkant von Wertzeichen und Entgegennahme von Telegrammen beziehen. Ein alter Bursche. Tao Geologische Jnnitui der Akademie der Wissenschaften in Leningrad l.,n-je Arbeiten an der Restituierung des von einer»atur- tvisscnschaftlichen Expedition vor drei Jahren an der unteren Wolga aufgefundencn Schädels eines mam- mntartigen Elefanten abgeschlossen. Dieses SSnidel- exemplar eines Tieres, das 80.000 Jahre vor unserer Aera lebte, ist daö einzige auf der Welt. Ter restituierte Sckmdel wird im AuSstellungösaal der Akademie der Wissenschaften ausgestellt werden. CelbflMMk am Grabe der Mutter Prag, 16. Juni. Heute früh fand der Wärter in der Abteilung 5 des Wolschaner Friedhofes die Leiche eines ungefähr dreißigjährigen Mannes. Er konnte bald als ein gewisser Jaroslaus JcZdil aus den Weinbergen identifiziert werden. Der Mann war offenbar schon zeitig früh auf den Friedhof gekommen, um sich am Grabe seiner Mutter daß Leben zu nehmen. Neben ihm wurde eine leere Weinflasche gefunden, auch eine Schachtel mit Patronen lag neben dem Grabe, Drei Briefe hat er hinterlassen. In einem fordert er, daß die Versicherungssumme von 10.000 Kc in jedem Fall seiner Frau ausgezahlt werden müsse, auch für den Fall ihrer Wiederverheiratung.— Die Ursache des Selbstmordes dürfte darin liegen, daß JeZdik in schwere finanzielle Schtvierigkeüen geraten, war und sich keinen anderen Rat mehr wußte, als seinem Leben ein Ende zu bereiten. Diktatoren auf Reisen! Die Diktatoren sind nicht nur gewalttätige, sondern auch vorsichtige Leute. Wenn man sie so unterwegs sicht—, zu Paraden, zu Festessen, zu Freundschaftsschwü- reu, die nicht ernst gemeint und zu Konspirationen gegen den Frieden Europas, die hinwiederum sehr ernst gemeint sind, so ist nian erstaunt, welchen Wert sic auf die exklusivsten Per- kehrSmittcl legen, A d o l f, der Führer, zum Beispiel, haßt die biedere alte Eisenbahn deS Normalreisenden wie die Pest und er hat eine heilige Scheu vor ihr, selbst wenn er noch so viel Zeit hat. Für ihn kommt nur ein vielfach gesichertes Bombenflugzeug in Frage. Das geschieht gewiß zum Teil aus der Großmanns- sucht des Parvenüs, der modern bis auf das Berkchrstempo sein will, in der Hauptsache jedoch aus Furcht vor Attentaten. Wer so von der heißen Liebe seines Volkes überzeugt ist wie der„Füh- rer", riskiert es nicht, sich auf entsprechende Experimente einzulassen. Als Goebbels nach Warschau fuhr, benutzte er ein Flugzeug. Dem Vernehmen nach hat die Gestapo dreimal nach, gesehen, ob sich vielleicht ein unfreundlicher Un- termensch zwischen den Propellern oder unter Josefs Sitz versteckt hatte. Der Miniaturkanzler Dollfuß kann keine Eisenbahn benutzen, weil er, von allen anderen Momenten gmiz abgesehen, die ihm die Bahncnthaltsamkcit diktieren, vor lauter aufgerissenen Schienen nicht mehr weiter kann. Was aber den grimmigen UnsicherheitS- Minister Fey angeht, der sich gern mit gestraffter Hcldenbrust und martialischen» Kinnansatz photographieren läßt, so ist nur mit leisem Schmunzeln zu benierkcn, daß er sich nur noch auf sein Privatauto verläßt. Woher das wohl kommt?! Sind nicht die Herren in Reden und Proklamationen sämtlich davon überzeugt, daß das gesamte Volk hinter ihrer„Führung" steht? Sic sagen es inmier so selbstbewußt, daß man de» falschen Zungenschlag bereits beim ersten Ton bemerkt. Sie haben, um cS auf eine schlichte Formel zu bringen, Angst-, ganz nackte„Fi'ch- rer"-Angst. Sic zittern vor der Abrechnung. Selbstmord eine- Rottmristers. In der Nacht auf gestern hat sich in der Kaserne aus dem Spielberg in Brünn der öOjährige Roitmcistcr Josef St. ersckwssen. Die Ursache der Verzweiflungstat sind finanzielle Schwierigkeiten. Liquidierung der Zentralbank dementiert. Von der tschcchosloivalischen Reeskomptc, und Lonwardsielle wird mitgetcilt, daß ihr von einer Liquidation der Centralbank der deutschen Sparkassen, wie sie von einigen Blättern gemeldet wird, nichts bekannt ist. England betet um Regen. In sämtlichen Kirchen Londons wird am Sonntag auf Wunsch des Bischofs von London um Regen gebetet werden. — Das Wasseramt wurde veranlaßt, einen besonderen Ausschuß zu ernennen, der Vollmachten zu sofortige» Notstandsmaßnahmen besitzt, falls eine ernste W a s s e r n o t in London einsetzen sollte. Strastrnbahnunglück in Wien. Freitag nachmittags hat sich in Wien, in der Ncubangasse nächst der Burggasse, wo derzeit GcleiSarbciten verrichtet werden, ein Straßenbahnzusainmcnstoß ereignet: bei dem 1-3 Personen verletzt wurden. Bei Sprengarbeiten für eine Wasserleitung bei Sabiese nmvcit von Sitten i Walli«) ereignete sich eine Explosion. Drei Arbeiter wurden getötet und zwei schwer verletzt. Die Brände. In dem kleinen ruthenischen Dorf NiZnic Eabiny im Bezirk von Medzilaborce brach uni Mitternacht ein Brand auS, dem acht Wohngebäude mit 13 Wirtschaftsgebäuden, in denen sich Heu und Stroh befand, zmn Opfer fielen. Auch einige Stück Vieh und landwirtschaftliche Geräte-verbrannten: Zwölf Familien such obdachlos. Der Schaden,-der bedeutend ist, ist nur zum geringen Teil durch Versicherung gedeckt. Bei den Rettuugöa'rbeiken würde die Bäuerin Iwanowa so schwer verletzt, dah sie ins Krankenhaus gebrächt werde» mußte. Die Gendarmerie untersucht die Ursache des Brandes, da es b i n n e n d r e i T a g e n das z>v e i t e g r o ß e F e u e r ist. Im ganzen sind durch die beiden Brände 2 0 H ä u s e r u n d 4 3 Scheunen verbrannt. Der geschlagene Boxweltmeister Carnera, der in der Nacht zum FreUag von seinem Herausforderer Max Baer im Kampf« um. die Weltmeisterschaft im Schwergewicht durch technischen knock out geschlagen wurde, hat, wie sich nunmehr her- auöstellt, bei dem Boxkampf e r h e b l-i ch e Verletz u n g e n davongetragen. Dem Italiener wurde das Nasenbein eingcschlagen, außerdem erlitt er mehrere RippenbÄche und auch der Knö- Drr Tonristenverein„Die Naturfreunde", Sitz Aussig, hat allen Ortsgruppen-, Bezirks- und Gauleitungen ein Sonder-Rundschreiben mit Fragebogen zugesandt und mögen die Interessenten darin Eiichlick nehmen bzw. die Anmeldung sofort tätigen. Das Festabzeichen für die Dauer vom 5'. bis 0. Juli kostet 23 Kü und vom 7. bis st. Juli 18 Kd, Kinder 5 XL. Die Fahrtlegitimation zur Erlangung der östprozentigen Fahrtermähigung kostet 1.50 Xi. Wanderungen und Reisen werden gemeinsam mit den tschechischen Arbeiterwuristen geführt. Amneldin»gen sind bei den Ortsgruppen vorzunehmen. Weitere Auskünfte sowie Iestabzeichen, Fahrtlegitimationen usw. nur durch die Geschäftsstelle deS Touristenvereines„Die Naturfreunde", Aussig a. E., Marki- platz 11. Todesurteil in Kascha« u»d schwerste g«chtha«»ftrafea Kascha«, 16. Juni. Rach viertägiger Dauer fällte daS Schwurgericht gegen die Mörder des Bauern Joses T k ä k aus Majerovcc das Urteil. Der 33jährige JofefMikota aus Mascrovce, der gegen einen Lohn von 300 Kilogramm Getreide,. 1100 Xä, einem Stückchen Feld und einer lebenslänglichen Rente den Josef Tkäi erschoß, wurde zum Tode verurteilt. Die Mutter des Liebhabers der Frau Tkäkova. Marie AlZova, und die eigene Frau hatten den Mörder gedungen. Sic wurden daher wegen Beihilfe zum Mord verurteilt, und zwar Marie Tkäiova, die Frau deS Ermordeten, zu ILJahrenZuchihauS, deren 23jährigcr G e l i« b t e r, der Knecht Jan AlZo. zu lebenSlänglichemZucht» Haus. Der Ermordete hatte einige Jahre in Amerika gearbeitet und sein« Frau hatte in dieser Zeit ein Verhältnis mit dem Knecht Aljo. Tkäkova wollte-sich ihres Mannes entledigen daher hatte sic den Mörder gedungen. Aussig, 16. Juni. Am Donnerstag abends unternahm die 25jährige Bla st a BcStäkin Schön priesen einen Selbstmordversuch, indem sie eine größere Menge Lysol zu sich nahm. Sie starb im Aussiger Krankenhaus. Der Bruder der Verstorbenen, der 30jährige Heizer 2 t c p h a n B e s t ä k, der sich in Böhm.- Skalib aufhielt, wurde telegraphisch verständigt, daß seine Schwester ernstlich erkrankt sei. In der Annahme, daß es sich um eine andere Schwester handle, die kürzlich operiert wurde, fuhr er zunächst nach Predlitz, wo er nichts erfahren konnte. Bei seiner Mutter in Schönpriesen erfuhr er dann, daß seine Schlvester Vlasta bereits verstorben war. Stephan Bcätäk liebte seine Schwester sehr, und weil er annahm, daß sie sich auS unglücklicher Liebe vergiftet habe, weil sie der 35jährige Jng. Wenzel Kotek aus der Schönpriesener Zuckerraffinerie nach vierjähriger ernster Bekanntschaft verlaffen hatte und eine Zeitlang später ein anderes Mädchen heiratete, mit dem er bereits ein Kind hätte» nahm er aus der elterlichen Wohnung ein langes Küchenmesirr und begab sich mit diesem in die Wohnung des Jng. Kotrk in Schönpriesen, Hamburger Straße. Als ihm aiif sein Läuten niemand öffnen zerschlug Bcätäk die Wohnungstür und erregt in die Wohnung hinein, wo er Kotek vorfand. Dieser ergriff, alü er mit dem Messer in der Hand erblickte, er den Angriff avwehrcn^ Sa« Salvadors Heimsuch««g Santiago de Ehile, 16. Juni. Die Gegend von Santiago de Chile wird zur Zeit von überaus s ch w c r e n U e b c r s ch>v c m m u n g e n heimgesucht. die durch anhaltende starke Regengüsse verursacht worden sind. Mehrere Personen sß-d in den Fluten ums Leben gekommen. Der Sachschaden ist beträchtlich.— In der MagalhacS-Meerenge lvütet ein großer Sturm, der zu erheblichen Störungen in der Schiffahrt geführt hat. Reue» SlratosphSrenballon I» der Sowie.»«io« In Leningrad wurde mit dem Bau eines neuen Stratosphärenballons„O s o a v i a ch i m Nr. 2" begonnen. Die Ballonhülle tvird aus Seidenstoff hergestellt und ist fiir«ine Steigfähigkeit des Ballons bis zu 25 Kilometer berechnet. Bei der Vorbereitung des dritten StratosphärenflngeS lind die sow- jctrnssischen Gelehrten besonders ans Verbessenmg der wissenschaftlichen Geräte bedacht. Die bei den ersten Flügen wahrgenommenen Unzulänglichkeiten wurden abgestellt. So werden die Geräte znr Beseitigung der Feuchtigkeit umkonstruiert; es wird die zweckmäßigite JsolierungSmethode auSgearbcitet, um die Gerät« gegen di« Einwirkung der Sonnenstrahlen zu schützen. Von besonderem Interesse sind die. Ar- l>e!tcn an einem n e n a r t-lg en Th erm ome- t e r, das die Außentemperaturen mittels seiner Platinfäden filieren wird, da diese von den Sonnen- strahlen nur unbedeutend beeinflußt werden. Schließlich werden Geräte konstruiert, die die Temperatur der Gasfüllung festftellcn, wie auch solche, die mit größter Genauigkeit die Geschwindigkeit deS Ausstieges und insbesondere des Abstieges fixieren. Ter dritte Stratosphärenflng soll, wie die vorherigen, in der Nähe von Moskau erfolgen. Einen Monat vor dem Start wird die Stratosphäre mittels unbemannier Erknndungsballons durchforscht werden. Diese Vorbereitungen sollen über die eventuelle Flugrichtung des Stratosphärenballons Aufschluß geben. wollte. Bcätäk schob jedoch den Sessel zur Seite und stach J>tg. Kote! einmal in den Kopf und verursachte ihm eine lange Schnittwunde ans der rechten Seite deS Halses, Hierauf verließ Bcätäk die Wohnung des Jng.. Kotek. Der Schwerverletzte legte sich blutüberströmt auf das Sofa in der Küche. Die Nachbarcn wurden alarmiert und veranlaßten die Uebcrführung des Jng. Kotek in das DczirkskrankenhauS. Nach der Operation wurde Jng. Kotek vom Herrn Polizeirat Dr. Kalis protokollarisch einvernommen. Nach Aussage dcü Herrn Primarius ist die Verwundung am Halse lebensgefährlich. Stephan Bcätäk begab sich nach der Tat in die Wohnung seiner Mutter,.wo er von der Sicherheitswache verhaftet und dem Polizeikommissa- riat cingeliefert und noch in der Nacht einem Verhöre unterzogen wurde. Er bestreitet in mörderischer Absicht gehandelt zu haben und gibt an, daß er obsichtigtr, Jng. Kotek zu veranlassen, er auch ihn töte, wenn er schon Ursache TvdeS seiner Schwester Vlasta gewesen Jng. Kotek dagegen behauptet, daß ihn Bcätäk schon mehrmals auf der Straße belästigte und ihm auch mit dem Tode drohte und daß er auch an» kritischen Abend, als er gegen ihn mit dem Messer vorging, geschrieen haben soll:„Ich muß Dich töten I" Nach heutigen Informationen im Krankenhaus geht cS Jng. Kotek etwas besser,- obzwar seine Verwundung ernster Natur ist und sein Zustand»och zu weiterer Besorgung Anlaß gibt. Bcätäk wird nach Beendigung der Voruntersuchung in die Haft deS Aussiger DezirkS- gerichieS cingeliefert. km litelrtu- uni M-VtiH Olympiade Prag An alle Vereine! Zum Kinderfest in Prag! Das Kinderfest des 5. Kreises hat bewiesen, daß der Mädcltanz eine sehr schöne und Wirkung», volle Vorführung ist. Wir werden daher„Tornrös. chenS Brnutfahrt" auch bi Prag zur Vorführung bringen! Wir machen olle Vereine darauf aufmerksam, mit dem Ersuchen, in den nächsten UebungSstimden den Tanz eingehend zu behandeln, er ist nicht schwer und wenn die Turnwarte ihre Pflicht tun, machen sie den Kindern eine große Freude. Der Tanz wird in Prag im Dirndl oder sonstigen bunten Kleidchen vorgeführt. Bel de» Freiübungen der Knaben ist die ziveiic und dritte Zwischcnübung besonders eingehend und streng nach dem Uebungsverzeichnis(streng im Takt!) zu üben. Bei der„Bank" haben die Jungen ganz flach in den Unterarmstütz auf den Boden zu gehen, bei der Zütermühle sind die Arme gestreckt zu halten und ist das Drehen in einem entsprechenden langsamen Tempo auSzuführcn. Bei allen Freiübungen der Knaben und Mädchen ist besonders auf gute Haltung und richtige Ausführung(Uebungsverzeichnis znr Kontrolle zur Hand nehmenl) zu trainierenk Für den Kinder-Tnrnanlschnß: Grasse. Vom Rundfunk MM de« Montag Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten. 18.80: ArbcitSmarkt. 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Koberg: Pestalozzis Bedeutung für die Gegenwart. 18.85: Direktor Fiedler: Dcntsch-knliurcllc Arbeit in Mähren. 18.55: Deutsche Presse. 21,80: Tanzmusik. 22.16: Deutsche Nachrichten, Prof, Dr. Steinhard: Die Mnsiksaison 1084 in der Tschechoslowakischen Republik. 22.80: Schallplaiteu.— Sender S.: 14: Konzert den Salonorchesters. 14.30:'Deutsche Sendung: Viertelstunde der Frau.— Brünn: 17.15: Deutsche Sendung: Dozent Steinermaher: Bücher für Reise und Sommerfrische. 18:. Dr. Frankl: Deutsche kulturelle Arbeit in Böhmen. 21.30: Schallplatten.— Mähr. Ostrau: 15.10: Orchestcrkonzcrt. 18.20: Deutsche Sendung: Arbeiters»--k: Körner: Die Intelligenz und die Intellektuellen.— Käschan: 15,15: Zigeuncrmnsik. Dienstag Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 15.15: Orchesterkoi^ert. 18.20: Deutsche Sendung: Benda: Wirtschaftliches Relief. 18.30: Oökar Baum: Halbe Stunde Hausmusik von heute.— Sender S.: 14: Junge Menschen betrachten die Welt. 11.25: Deutsche Sendung: Hille: Radwanderungen i» der Heimat. 14.40: Volkslieder.— Brünn: 18.20: Deutsche Sendung. 18.20: Soziale Informativ neu. 18.25: Siiasich: Proletarische Festkultur. 18.40: Landwirtschaftsfunk. 18.55: Deutsche Nachrichten.— Mähr. Ostrau: 17.40: Schallplaiteu. 10.80: Der Zigemierbaron, Opcrelie von Johann Strauß.— Kaschan: 15.15: Orchesterkonzert. Der Kindertag im Rundfunk .Heute nachmittag« nm 14.45 Uhr spricht über den Sender S t r a ö n> c r(Prag II) Genosse Willi Hocke znm Kindertag. Den Veranstaltern des Kindertages wird empfohlen, einen GcmeinschaftSempfang durch znfnhren und zu diesem Zwecke bei den KindertagSzusammenkünstrn eine« guten Empfänger mit Lautsprecher beizustellru. Tagcsncaigkcltcn Blutige Zusammenstöße in Paris U«b wlrku««»volle Invaliden. Demonstratio««» Puris, 16. Juni. In ColombcS, der Pariser Vorstadt, kam es gestern abends zu Zusammenstößen zwischen der äußersten Linken und Organisationen der Patriotischen Iu- g end, die eine Versammlung abhiclt. Zehn Polizisten wurden von den LinkSmaniscstqn- lcn verletzt, 26 Exzedenten wurden vcrliastet. Amputierte Kricgsinvalidc wiederholten gestern auf den großen Boulevards ihren Manifestationsumzug und verlangten, daß die herabgesetzten Invalidenrenten wieder hinaufgcsctzt werden. In der Umgebung der Oper hatten die Invaliden die Absicht, sich auf den Gehsteigen nie- derzulassen, um so auf ihre Forderungen hinzuweisen. Der städtische Dienst hatte jedoch die Gehsteige stark besprengen lassen, so daß die Invaliden ihre Absicht erst beim Tor St. Denis' durchführen konnten. Dort ließen sie sich auf den Gehsteigen und teilweise auch in der Fahrbahn nieder, nahmen ihre Prothesen ab und legten für mehr als eine Viertelstunde jeden Verkehr lahm. Es verlautet, daß die Regierung die Absicht habe, diesen Schwcrinvaliden ihre Renten auf die ursprüngliche Höhe zu restituieren. Ein Mord im Grenzgebiet Trtschen, 16. Juni. Freitag, de» 15. d. M., wurde in S ch m i l k a, gmiz nahe der tschechoslowakischen Grenze eine gewisse Martha H ö l z e I aus Schmilka ermordet. Die Gendarmerie aus SckMuda verdächtigt der Täterschaft einen 24jäh- rigcn Mann, namens Wilhelm S t e l z i g auö Kamnitzlciten, pol. Bezirk Tctschen und hat auf seine Ergreifung eine Prämie von 1000 Reichsmark ausgesetzt.— Die verhältnismäßig hohe Prämie läßt vermuten, daß es sich um keinen ge- Ivöhnlichen Mord handelt, sondern daß dahinter noch etwas anderes steckt. Rächer seiner Schwester Blutiges Drama in GchSnprlese« ».140 Sonntag, 17. Juni 1834 Verlehungxn Das badische Jahre alten I Norden, in Kairo gelandet ist. Zioch in den letzten Tagen der vergangenen Woche wartete das Zliner Flugzeug tief im englisch-ägyptischen Sudan die Beruhigung der Stürme ab, die der Regenperiode vorauSgingen., Am Mittwoch startete daS Flugzeug in Malakal über Chartum und Wadi-tzalfa nach Kairo. Die Expedition wird von hier au», anstatt den Rückweg anzutreten, den Flug über Port Said, Jerusalem und Beyrüt nach Damaskus, Bagdad und dann bis BaSra antreten, wo die Expedition Geschäftsangelegenheiten erledigen wird. Die Rückkehr des Flugzeuges nach Mn wird sich durch diese asiatische Tour allerdings verzögern; sie wird erst Ende dieses Monates erwartet. Der Pilot des Flugzeuges Forejtnik hat bei der Landung in Kairo bereits den längsten tschechoslowakischen Flug, über 30.000 Kilometer. absolviert. Bautätigkeit im 1. Vierteljahr 1034. Nach den von 05 Städten mit mehr als 10.000 Einwohnern beim Statistischen Staatsamt eingelangten Berichten wurden in diesen Städten im 1. Vierteljahr d. I.' 871 Neubauten beendet, 448 UmändcrungSbauten durchgeführt und die Abtragung von 86 Häusern bewilligt. Durch diese Bauten wurden 1120 neue Wohnungen gewonnen und 218 Wohnungen aufgelassen, so daß der Reinzugang in den angeführten Gemeinden für das 1. Vierteljahr 805 Wohnungen beträgt. In den ersten drei Monaten deS Jahres wurden größtenteils die im Vorjahre begonnenen Bauten beendet, so daß die gewonnenen Ergebnisse eher die vorjährige Bautätigkeit kennzeichnen,«IS daß daraus auf die Entwicklung, im heurigen Jahr geschlossen werden könnte. Im Vergleich mit demselben Zeiträume der Vorjahr« in denselben 05 Städten wiederholt sich daher nur da» Bild, daß unS die Statistik für da» ganze. Jahr 1083 gab. Während im ersten Vierteljahre 1084 780 Neubauten kollaudiert wurden und im Jahre 1038 sogar 056, sank Heuer ihre Zahl auf 871, d. i. beinahe auf ein Drittel. Der Zugang an Wohnungen, der im ersten Vierteljahr 1032 3604 und im Jahre 1088 2751 betrug, verringerte sich Heuer auf 005, d. i. weniger al» ein Drittel der im Vorjahre erreichten Zahl. Regelmätzigoc Schiffsverkehr Schwarzes Reer—Hamburg. Aus Moskau wird gemeldet: In diesen Tagen.wird der regelmäßige Schiffsverkehr Mischen den foiojetrussifchen Häfen im Schwarzen Meer und Hamburg ausgenommen. Die Sowjcidampfer werden jeden Monat von Noworossijsk, Vatu, Odessa ausfahren. Der erste Dampfer, der die Fahrt nach Hamburg antritt, ist der Dampfer„Katajama". Weiter wird gemeldet, daß der Dampfer„Kalinin" mit einer Warenladung von 4000 Tonnen von Odessa nach New Dori abgchcn wird. Neue Gegner für den neuen Box-Weltmeister. Der ehemalige Weltchampion aller Gewichtsklassen, der Deutsche Max S ch m e l i» g, und der deutsch« Schwergewichtsboxer Walter N e u« s e I haben einen Vertrag unterzeichnet, daß sie in Hamburg, voraussichtlich am 26. August, einen stampf austragen werden. Gleichzeitig verpflichtet sich der Sieger bei diesem Kampfe gegenüber der Leitung des New Iorler Madison Square Garden, daß er den gegenwärtigen Weltchampion der Schwergewichtsklasse M a x B a a r zum stampf um den Titel des Weltmeisters aller Gewichtsklassen herausfordern wird. Der kubanische Präsident wurde durch eine Bombe, welche ein„kommunistischer" Attentäter in dem Augenblick Ivarf, als der Präsident bei einem Festmahl einen Vortrag hielt, an der Hand leicht verletzt. Ein Stenograph sand den Tod, neun Personen trugen davon. Drakonisches ZuchthauSurtril. Sondergericht verurteilte den 29 Friedrich W. aus Daxlanden wegen Eiitsührung und Verbreitung sozialdemokratischer Druckschriften(„Neuer Vorwärts",„Freiheit",„Sozialistische Aktion") zu zwei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus und wegen Waffenbesitzes zu weiteren seck- Monaten Gefängnis. Beide Strafen wurden zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und acht Monaten Zuchthaus zusammengezogen. Zu diesem drakonischen Urteil bemerkte das Gericht in seiner Begründung, daß auf eine höhere Strafe nur deshalb nicht erkannt worden sei, weil W. bisher„unbescholten" gewesen sei und„in der An- nahine, daß materielle Interessen nicht vorgelegen haben". ' Kampf gegen Streikbrecher. I» Philadelphia wurde ein Auto, das Arbeiter aus einer Fabrik unter Polizeibedeckung nach Hause führte, von Streikenden überfallen, denen sich eine mehrtauscnd- löpfige Menge anschloß. Die Polizei benützte die Gummiknüppel. ES kani zu einer Schießerei, wobei einige Personen verletzt wurden. 17 Exzedenten wurden verhaftet. Die neue Wiener ReichSbräck«, di« ak» Kettenbrücke gebaut wird, wird zu den modernsten Brücken Europa» zählen. Die Kettenbrücke wird aus zwei Hauptpfeilerm ruhen, von denen der eine auf der Landseite und der zweite Pfeiler im Donaustrom errichtet wird. Zu diesem Zwecke wurde in den Strom ein Caisson gesenkt, der eine Grundrißfläche von rund 460 Quadratmetern und«in Gewicht von rund 8000 Toimen hat und in seiner Art zu den größten Bauwerken auf den» europäischen Festlande zählt. Zu dem Bau der Brück«, für Arveit-Iöbne, Materialbeschaffung u. dgl. sind rund 24 Millionen Schilling av»ge setzt. Funkeutekegraphischer Stapellauf. Das 17.000 Tonncn-Doppelschraubenmotorschifs„Bloemfontein" wurde am Sonnabend auf der Werft der Nederland- schc Schccp-bouw-Wly in Amsterdam von P r e t o> r i a(Südafrika) au» auf funkentelegraphischem Lege vom Stapel gelosten. E« ist die» das erstemal in der Geschichte der Technik, daß der Stapellauf eines Schiffes auf funkentelegraphischem Wege vollzogen wurde. Die Feier fand in Anwesenheit de» holländischen Ministerpräsidenten Dr. Colijn, des! Gesandten der Südafrikanischen Union, de» Bürger-- meister» von Amsterdam und zahlreicher geladener Gäste statt. Der General H e r tz o g, der Mini-‘ sterpräsident der Südafrikanischen Union, hatte sich ani Sonnabend Vormittag in die niederländische Gesandtschaft in Pretoria begeben. Dort hielt er die Weiherede, die auf drahtlosem Wege nach Anisterdam übermittelt wurde. 12 Uhr holländischer Zeit drückte er in Pretoria auf einen Knops. Dadurch wurde in Amsterdam ein ungeheuer komplizierter Mechanismus in Tätigkeit gesetzt und da» Schiff glitt unter i deni Jubel der^llenschen ins Wasser. Ein ungarischer Spion. Der Strafsenat de»| KreiSgerichteS in Berehovo verurteilte Ludtvig| Nagy auä MaroSIIget in Ungarn wegen Spionage zu fünf Jahren Kerker unbedingt. Nagy war au» Debreczin nach Berehovo gekommen, wo er über Auftrag der dortigen militärischen Nachrichtenabteilung Kundschaftcrdienste versah. Bei der Verhaftuitg fand man bei ihm einen chiffrierten Brief an diese Nachrichtenabteilung mit Angaben über die Armee. In der Untersuchung hatte Nagy ein Geständnis abgelegt. Die persische Kaiserin auf dem Wege nach Westeuropa. SamStag früh passierte die persische Kaiserin Nteleleh Pahlevi mit ihren drei Töchtern, dem Chef des Protokolls und mit ihrer Begleitung auf der Reise nach Lausanne die Stadt Warschau. Auf dem Bahnhof fanden sich zur Begrüßung der Chef der Kanzlei des Präsidenten der Republik als Vertreter des Staatsoberhauptes, der Gehilfe des Ministers für Auswärtige Angelegenheiten Szembek, der Chef des diplomatischen Protokolls und der persische Gesandte in Warschau ein. Quer durch Afrika und zurück. Samstag traf bei den Bata-Werken in Zlin ein Telegramui ein, in dem der Führer der afrikanischen Handelsflugexpedition bekanntgab, daß die Expedition auf dem Flugzeug„Kap der guten Hoffnung" nach der. zweiten lleberfliegung Afrika», Bor der Rationierung des Waffers Dir Folgen der Regenarmut in England England, das selbst im Krieg die Lebensrnittel nur wenig zu rationieren brauchte, steht jetzt vor der Möglichkeit einer Wasterrationicrung. Seit 150 Jahren hat England unter keiner derartigen Wasserannut gelitten, die nun Stadt und «Land bedroht. Von allen Ecken und Enden des Landes treffen Meldungen über ausgetrocknete ! Flüsse ein, und mit steigender Besorgnis blicken !die Weizensarmer in diesen kritischen Wochen nach dpm«wjg grauen und ewig.unfruchtbaren Himmel. Such..... der Wasscrverkauf von Dorf zu Dorf, wie sonst nur in südländischen Regionen, ist schon keine Seltenheit mehr. Im Moor- und Ginsterlande wüten Hcidebrände. und Norfolk leidet wohl zum ersten Mal« in der neuen Geschichte Englands unter einer Flicgcnplage. DaS Wohlsahrtsminifterium hat sich mit! Notstandsbefugnisscn. sowie mit einer Million, Pfund auSrüstcn lassen, die für die Besserung der\ ländlichen Wasserversorgung benutzt werden. In-. folgedeffen wird fieberhaft an der Errichtung neuer! RerservoirS und VcrbindungSlcitungen gearbeitet.! während gleichzeitig die viel zu lleincn örtlichen Distrikte zur Zusammenarbeit angchaltcn werden. Wenn eS auch noch nicht zu einer allgemeinen I Wasserbcschränkung gekommen ist, so sind ihre Vorboten schon da. In Kingston bei London ist z. B. daS Sprengen von Rasenflächen verboten. Andere Gemeinden stellen ihre Wasserleitungen für die Dauer der Nacht ab, und ein altcS Fräulein, das ihr Goldfischbassin mit dauernd fließendem Wasser versorgen zu müssen glaubte, wurde mit fünf Pfund bestraft. Die Zahl der Wasserin- spcktorcn wurde verstärkt, und sie sind Tag und Nacht auf den Beinen. um dir Wassrrverschwender ausfindig zu machen und zu verwarnen. Ja, sogar der große Rennplatz in Epsom, wo daS Derby gelaufen wurde, durfte nicht gesprengt werden. Wenn cs irgendetwas gibt, um dem englischen Volk den Ernst der Lage vor Augen zu führen, so war cS dieses Verbot. Trotzdem werden, wenn nickt bald ein ergiebiger Regen cinsctzt, weit schärfere behördliche Maßnahmen nicht zu umgehen sein. Denn die 40 Gallonen(1 Gallon— 4% Liter), die auf den Kopf der Londoner Bevölkerung kmnmcn, sind zu hoch, wenn der Wasserstand der Themse bei Tcd- dington im Mai von einer DurchschnittSmcnge von über eine Milliarde Gallonen auf 840 Millionen Gallonen gesunken ist und nachdem Loudon schon 90 Millionen Gallonen seiner Reserven angreifen mußte. Es muß gespart werden, und wenn nicht freiwillig, so unter behördlichem Zwange. Die Appelle, die jetzt von der Wasscrverwaltung an den Gemeinsinn der Bevölkerung gerichtet werden, dürften somit die letzten sein. Der Engländer wird sich in diesem Sommer daran gewöhnen müssen, weniger zu baden und weniger Blumen zu züchten. Der Tag kann schon nahe sein, da cS Gebot tvird, dem allgemeinen Wasserschatz der Nation nicht mehr zu entnehmen, als zur unmittelbare» AauShaltungsversocgung unentbehr- dleSmal von Süden nach lick ist...- PRAHA WIEN OSTIA PADOVA n JU ROMA W Vural, sw», Re- •• möglich lat,«loh 'N SKODA selbst auf da. E« verliess Prag am und frühstückte be- -->n In Rom. Vor- “ b*r ,,b"" und verbraohte den Dia RüokreIse trat naoh 30-stUndlger -—.—..*.) an der vollkommen frlsoh In Prag ein. _ neuer Beweis für die “•’Onnelllgkelt der Kleinwagen&KODA. Oer bekannte Sportsman Herr■. *® r ln,rMm•riolgreloh R Prooh‘« k«. Ser -m Wagen Skoda-480 1... dureh Amerika mit «'«'Ohan amtlich plombierten*»'.' Ub,rbr* oht< mit natteam aum WeNmelstereohslw.in^!' des„Autoklub r6s" und?"?° m<,,e Ebr,n' Skodawerke und Asap Wnh.i<1en^"derkranr der kordlelstung hat er bewiesen* unbesorgt mit dem Kleinwage,, weitest. Weekend«u begeben. S.m.t.g m früher Morgenstunde und fr r«lts am Sonntag mit unseren Landsleute, Journalist., .. unsren■ sohenke, wohnte dem Final, bei Abend Im Kreise unserer Sportler «• Montag 8 Uhr früh an und traf S.. m~R 1 ön| r nrtOhnUn’ Aufenthalten In Rloolona und Rimini— Vöi •ohon am Dienstag um V Uhr früh Dieses.,280« Mallen-Weekend- Ist ein VerlMsallohkett Löwen belagern eine» Bahnhof Abenteuerlicher Eisenbahnbau in Ostafrika— 23 Tote in einer Woche! Durch ein« eingleisige Bahn, die von Mapele »ach Bisue geführt wird, soll jetzt eine» der wildesten und geftirckstetsten Gebiete Britisch.Oslasri- ka» erschlossen werde». Der Batt dieser Bahnstrecke stößt ans ungeheure Schwierigkeiten, insbesondere im berüchtigten„Simba Dahti", wo es von Löwen geradezu wimmelt. Mit welchen Gefahren die Tätigkeit der Ingenieure und Arbeiter in diesem Distrikt verbunden ist, geht aus einem Bericht hervor, der kürzlich von der Baustelle eingetroksen ist- „Simba" holt sich seinen Tribut Sckon der Auftakt zu diesem großen Werk war von unheilvollen Zwischenfällen begleitet. In einer Entfernung von etlva 200 Kilometern hinter der AuSgangSstation Mapele wurde ein Bahnhofsgebäude errichtet, das mit den anderen Baustellen in telegraphischer Verbindung stand. AlS die Arbeit am Bahnbau Iveiter fortgeschritten war und die schwarze Belegschaft weiter in den Busch vordrang, wurde das Gebäude vorübergehend geräumt. Nur ein bewaffneter weißer Telegraphist blieb in der Station zurück. ES vergingen keine 48 Stunden, als die Bauleitung in Mapele einen verzweifelten telegraphischen Hilferuf des Beamten erhielt. DaS Telegramm lautete: „Sendet sofort Hilfe. Lölven belagern daS Haus. Habe bereits vier Stück erlegt. Höchste Gefahr!" Eine halbe Stunde später kam ivieder ein SOS-Ruf. Inzwischen Ivar aber bereits eine Lokomotive, auf der sich drei Löwcnjägcr befanden, nach der Ilrwaldstation abgedampft. Ihre Hilfe kam aber zu spät. Als die Männer die Lokomotive verließen und sich vorsicktig an dar Haus heranpirschten, war von Löwen nichts mehr zu sehen. Sie riesen nach dem Beamten, erhielten aber keine Antwort. Beim Nähcrkommen bemerkten sie, daß das Fenster der Telegraphenstation zertrümmert war. Der ganze Raum war in einen wüsten Trümmerhaufen verwandelt. Blutspuren ließen auf den Hergang der Tragödie schließen. Zweifellos waren die Löwen in das Zimmer des Telegraphisten eingedrungen, hatten diesen gepackt und in den Busck fortgcsckleppt. Jäger werden gejagt. Eü sollte aber noch schlimmer kommen. AlS die Arbeiten im„Simba Dahti" in Gang kamen, wurden eines Nachts zwei Neger von den Löwen! geraubt. Die Bestien, die nun einmal auf den Geschmack gekommen waren, ließen von diesem Augenblick an den Arbeitskolonnen keine Ruhe, j Sic holten bald daraus einen weißen Ingenieur aus seinem Zelt. Fürchterlich gellten die Schreie d«S Unglücklichen durch di« nächtliche Stille, aber bis ihm die anderen zu Hilfe eilen konnten, vcr- schlvand der Räuber mit seinem Opfer in der Dunkelheit. Die Ucbersällc der Raubtiere häuften sich in erschreckendem Maße. Vergeblich suchte der Chefingenieur dieser Plage beizukommen. Die ganze Nacht hindurch brannten Feuer rings um den Lagerplatz. Hinter Stackcldraht und Wolfsgruben suchten die verschüchterten Arbeiter in der Nacht Schutz. Aber alle Maßnahmen erwiesen sich als erfolglos. ja, in einer Nacht drangen mehrere Löwen sogar in eine Krankcnstation ein und trugen zwei Patienten davon... Streit! Der Chefingenieur Disbcr beorderte einige tüchtige Löwcnjägcr ins Arbeitslager. Aber auch diese konnten mit den Tieren nicht fertig werden. Die Zahl der Opfer stieg, so daß in einer Woche nicht weniger als 28 Tote zu verzeichnen waren. Die schwarzen Arbeiter wurden von panischem Schrecken ergriffen. Sic wären am liebsten geflüchtet. aber ihre Angst vor den Löwen Ivar zu groß. Eines Tage» verweigerten sie aber jede Arbeit. Sie erklärten, nickt länger in dieser schrecklichen Gegend bleiben zu wollen, wo die Löwen sie nach und nach auffräßen. Versuche, die Schwarzen zu einer Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen, verliefen ohne Erfolg. Es blieb schließlich nichts übrig, als die ganze Arbeit abzubrechen und di« Schwarzen nach Mapele zurückzubringen. Die Leiter des Eiscnbahnbaucö befinden sich in arger Verlegenheit. Kein Neger will niehr als Arbeiter in den„Simba Dahti" gehen. Die-sacke mit den Löwen hat fick schnell im Lande hcrumgc» sprachen und selbst die Aussicht auf doppelt hohe Löhne vermochte bisher die Sckwarzen nicht umzustimmen. Man null jetzt zunächst einmal die Gegend durch Löwcnjägcr säubern lassen, dte eine Abschußprämie von fünf Pfund für jeden erlegten Löwen bekommen. verlanget überall Oolhniinder! «ehe« »Sozialdemokrat" Sonntag, 17. Juni 1034. Nr. 140 PHAGBlt ZBITIJNG Filmskandal der Verrohten Bei der Freitagabend-Ausführung des Anna« bclla-Filmü„M als liebliche Beigabe gewertet wurde, ohne die aber Iviederum diese Art edlen Massengefühls, das sich da «instellte, nicht denkbar wäre. Overnchef S z c l l brachte diesmal Bläser-Kammermusik von Mozart und Richard Strauß, drei Stücke aus Mendelssohns.Sommcrnachtstraum", den.Künstlcrlcbcn"-Walzer von Johann Strauß und den»Furiant" aus der..Verkauften Braut". Im allgemeinen zart abgetöntes, diskretes Musizieren, sehr geschmackvoll. Eigentlich war's sonderbar, zu beobachten, wie die bieten Hunderte rings um das Orchester in regungsloser Aufmerksamkeit standen, obwohl er sich da doch um ein Konzert handelte, wie eS in anderen Städten fast ctivas alltägliches istl Aber dem dcutfchen Prag hat eben solcher bisher gefehlt. und um so mehr tvünscht man, daß er auch hier eine schätzenswerte Häufigkeit werde. Vielleicht darf man aber auch aus dicker Veranstaltung lernen, daß man an solche» Abenden schon kräftiger, ungebundener kommen kann. Der weite Raum vertrüge ganz großes Orchester: Zartheit und Sauberkeit klangvoller Kammermusik,hat in dieseui Milieu gewiß viel für sich; aber gewiß Ivärc es auch herrlich, an solchem Ort einmal alle Getvalt großer Musik erleben zu dürfen. L. G. Deutsche Musiknkademie. Morgen, Montag 20 llhr, Oefientlicher Abend in der„Urania" mit Werken von Mozart Schinna»» R. Strauß nnd Beethoven.— Zu gleicher Zeit werden in der AtoWaui.9. StUtnbtt Urjt Dr. 91.®nubc S Phys, dtätet. Heilanstalt für all« innere« u. Stoffwechselkrankheiten» rheumatisch« Erkrankungen, Ischias, Nervenkrankheiten ProlptN« 8 u. Auokvnsu durch dl« Verwaltung. gelelon 32 „Urania" die ersten Schülerarbeiten der Bühnenbild klasse Pirchan ausgestellt. Die Ausstellung kann auch noch am Dienstag von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden. Mittwoch, um 20 Uhr„Geisüiche Abendmusik" in der ivkaltheserkirche. Werke von Ä. Böhm, Bach, Cesar Frank, F. F. Finke und Reger. Bon der Deutschen Musikakademie. Vorgestern abend nahmen im großen„Urania"-Saale die musikpädagoaischen Abschlußkonzerte der Prager Deutschen Musikakademie ihren Anfang. Als künstlerischen Rechenschaftsbericht über die Lehr- und Lerntätigkeit an diesem Musikinstitut während des zu Ende gehenden Studienjahres kommt ihnen die größte Bedeutung für die Musiküffentlichkeit auch außerhalb Prags zu, da die Prager Deutsche Mustk- akadeniie die einzige Musikhochschule des Staate- ist und also auch die innigsten künstlerischen Beziehungen zur sudetendeutschen Provinz unterhält. Der vorgestern veranstaltete erste Absolventenabend gab absolvierenden Instrumentalisten Gelegenheit, ihr erlangtes künstlerisches Können und ihre geistig-nlusikalifch« Reife vor der Oeffentlichkeit zu erweisen. ES spielten: der Flötist Wilhelm S ch u g, der Kontrabassist Eduard Kremser(auch als Klavierbegleiter sich betätigend), der Klarinettist Johann Gräf und die Harfenistin Maria Re- ze e n y. Als VortragSaufgaben dienten ihnen Konzerte von Heinrich Hoffmann und Serge Kussewitzky, eine Sonate von Johannes Brahms und ein Kammermusifftück für Harfe, Streichmiartett, Flöte und Klarinette von Maurice Ravel. Die aus den Au-bildung-klaffen der Professoren Kliepera, Tomfchitschek, Jirt- s ch a k und Frau Tietz stammenden Absolventen zeigten durchweg- neben dem erforderlichen technischen Können auch die entsprechende allgeineinkünstlerische Reife, so daß ihr Eintritt inS praktische Musilleben unter den besten Voraussetzungen erfolgen kann. E. I. Wochenspielplan deS Renen Deuffchr« Theater-. Sonntag, halb 8 Uhr abends:„Die keusche Susanne"(A. A.).— Montag, halb 8 Uhr: „Spiel vom Leben und Sterben der Bauern"(HanS Multerer mit seiner Laienspielschar, A. A.).— DicnStag, halb 8 Uhr:„Iosu a" (A. A.).— Mittwoch, 8 Uhr:„Lady Windermere S Fächer"(B 2); v Uhr: Nachtserenade im Fürstenberggarten.— Donnerstag, halb 7 Uhr:„Tristan und Isolde" (Gastspiel Anny Konetzni—Gotthelf Pistor, A. A.). — Freitag, halb 8 Uhr:„DaS Kamel gehl durch daS Nadelöhr"(Gastspiel Kramer- Glöckner. D 2). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag, 8 Uhr abends:.Lad» Windermeres Fächer".— Montag, 8 Uhr:„Wo war ich heute Nacht?"(Gastspiel Glöckner; Bankbeamte nnd freier Verkauf).— Dienstag, 8 Uhr:.Lady Windermere-Fächer".— Mittwoch, 8 Uhr: „S t ra ßenmusi k".— Donnerstag, 8 Uhr: „W owarichheuteNach t?"(KnlturverbandS- srcimde und freier Verkauf).— Freitag:„P a- riserPotpourri"(volkstümliche Boxstellung). Karl Kraus in Prag Die berühmten Werke des grosien wiener Dichten, unenchro ebenen Publieiiten, Satyriker nnd Vorkämpfer für Wahrheit, Recht und Sittlichkeit im öffentlichen Leben, in Literatur, Kunet und Journalistik, die lyrischen Sammlungen von KARL KRAUS, seine Theaterstücke, Essays, Epigramme, Aufsktse, Polemiken, simtliche Nacbkriegn.Jabrglinge der FACKEL u. v. a., kurs das Gesamtlager des wiener Fackel-Verlags wurde vom Verlag MELANTRICH, Prag in Generalkommission übernommen und kann dort- selbst durch jeden Buchhlndler sur direkten und prompten Lieferung bezogen werden. beauftragen Sie Ihren Buchhändler! »er Film Der Hof der Sünde Herr Beck-Gaden, der Schöpfer dieses FilmS, ist seit Jahren bemüht, in Deutschland Leinwandpropaganda für die katholische Kirche zu treiben. Er zeigte mit frommen Eifer, wie Wilderer. Smugg- ler und Trunkenbolde durch Schicksalsschläge und geistlichen Zuspruch zum Glauben und zur Tugend zurückgebracht werden— und wen er durch die Einfalt seiner Einfälle nicht entwaffnete, den brachte er durch den Dilettantismus seiner Regie zmn Schweigen. Jetzt aber hat sich das Bild verändert. Da der reichsdentsche Film in den Sumpf der Verlogenheit und des rohen Klamauks versunken ist, erscheint der Filmapostel Beck-Gaden schon beinahe wie ein reines Licht über einem Abgrund. Wenn er in diesem Film vom„Hof der Sünde" mit Eifer gegen die schlimmen Folgen der zweiten Heirat und des Ehebruchs demonstriert, dann erscheint die Umständlichkeit und Unwahrscheinlichkeit der Handlung, die komische Uebertricbenheit der Darstellung und die Leerheit der frommen Selbstgespräche nicht mehr so indiskutabel wie einst— und die unbeholfene Nachahmung des RnssenfilmstilS wirkt fast wie ein« ernste künstlerische Bemühung. Beim Anblick dieses FilmS langweilt man sich nur— während man sich bei den anderen Produkten'aus dem Dritten Reich mich noch ekelt.—cis— Bezirksorganisation Präs der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Kindertag am 17. Juni am Sportplatz der D.T.J. Po, hokeleher Schanzen(Elellrische Nr. 1). Wir ersuchen unsere Mitglieder, an dem Kindertag, der von allcit proletarischen Organisationm veranstaltet lvird, teilzunehmen. Beginn 2 Uhr, Ordner haben pünktlich dreivicrtel 2 Uhr am Platz gestellt zu sein.(Blaues Hemd.) Filme In Praner Llditsnliilltäusern Urania Kino, Klimentska 4:„Der Adjutant Seiner Hoheit".— Adria:„M aria".— Alfa; „Die falschen Zwillinge".— Avion:„Voruntersuchung".— Fen ix:„Nicht eifersüchtig seinl"— Gaumont:„Soldatenlehen— ein lustig Leben".— Hvkzda:„U. S. 811".— Juli-:„Soldateickeben — ein lustig Leben".— Koruna:„Anton Evelec, der Scharfschütze".— Kinema, B.-Th.: Jonrn., Lustspiel, Reportage.— Kotva:„DeS Kaisers Wort".— Lncerna:„Des Kaiser- Wort".— Olympier„Zum heil. Antonius".— Radio:„ES war einmal ein Ehaplin".— Svktozor:„Soldatenleben— ein lustig Leben".— Bajkal:„Wiener Flirt".—» Earlton:„Der Hüttenbesitzer".— Konvikt:„Da- Fensterchen".— Lido:„Männer im Offside".—. Louvre:„Nur wer die Sehnsucht kennt...".— Mace-ka:„Nur wer die Sehnsucht kennt..."— Roxy:„Nacht wie Adam".— Skaut:„Aus Liebe". milteilungen der„Urania“ Heute halb 11 Uhr:„WaS ift die Welt?" Der mit großem Beifall anfgenommene Kulturtonfilm wird heute und morgen Montag,%9 Uhr, wiederholt. Kleinste Preise. 3tamio"fttao „Der Adjutant Seiner Hoheit." Ein Vlasta Burian-Lustspiel. Else Lord, Gretl Theimer in den weiteren Hauptrollen. Heute 4, 6 A0 Uhr. Kli- mentskä 4, Fernsprecher 61628. ■aufandM Inserat bringt laufenden Abiatil Klassen* Lotterie! 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