14. Jahrgang Dienstag, 19. Juni 1934 Nr. 141 UNTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN PER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME MS MONTAG TÄGLICH FRÜH. rcoaktion UNO Verwaltung fug xii., fochova u. uufon san. aomlnlswlation nwow am. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR■ WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: 0«. EMIL STRAUSS, FRAG. EIwNpftH 70lMter (oinschl löblich 5 HtHtP Porto) Niemals Revision I Eine Gömbös-Rcde und die Antwort ans Bukarest i Budapest, 18. Juni. In einer Versammlung inOedenburg hielt Ministerpräsident Göm- b ö S eine außenpolitische Rede, in der er die Die zweite Sitzung dauerte von 17 Uhr 30 bis IS Uhr 30. Sie war der genauen Prüfung der allgemeinen internationalen Situation gewidmet. Um 20 Uhr 30 wurde in» Ministerium des Aeußern ein Gala-Banlett gegeben; nach dem Bankett fand eine Rezeption statt. Beitritt Amerikas zum Internationalen Arbeitsamt Genf, 18. Juli. Der von der Regierung der Bereinigten Staaten nach Genf entsandte Beobachter Andrews hat dekanntgegrben, das? der Kongreß der Bereinigten Staaten den ihm vorliegenden Gesetzentwurf bezüglich des Beitritte- der Bereinigten Staaten in die internationale Arbeitsorgani- saion mit großer Blehrheit angenommen hat. Wie verlautet, fall der Beitritt noch während der gegenwärtig im Gange befindlichen Tagung der diesjährigen Konferenz vollzogen werden. Wien, 18. Juni. Wie die amtliche„Wiener Zeitun" verlautbart, hat der Ministerrat daS angekündigte Bundesgesetz über die Wiedereinführung der Todesstrafe im ordentlichen Verfahren und über eine weitere Umgestaltung» d. h. A b b a u der Geschworenengerichte beschlossen. Nach diesem Gesetz ist im ordentlichen Verfahren die Todesstrafe in folgenden Köllen angeordnet: Bei Hochverrat für die Urheber, Anstifter, Rädelführer und die unmittelbar Mitwirtenden; bei vollbrachten Morden für den unmittelbaren Mörder, den Besteller und die unmittelbar Mitwir- kenden; beim räuberischen Totschlag alle, die bei der Tötung mitgelvirkt haben; beim Verbrechen der öffentliche» Gevalttätigkeit durch boshafte Beschädigung fremden Eigentums oder durch boshafte Handlungen oder Unterlassungen unter besonders gefährlichen Verhältnissen für den Fall, daß die Handlung den Tod eines Menschen zu oFlge hatte und der Täter dies Voraussehen konnte; bei Sprengstofsverbrechen unter den gleichen Voraussetzungen und bei Brandlegung für den gleichen Fall, sowie für den Fall, das? der Brand durch besondere auf Berhörung gerichtete Zusammenrottung bewirkt worden ist. An die Stelle der Geschworenengerichte treten, soweit es sich um Bebrechen handelt, die mit dem Tode mit lebenslänglichem oder mit mehr als 10 Jahren bedroht sind, Schwurgerichte, die aus drei Richtern und drei Schöffen bestehen. Die politischen Verbrechen, die mit Rücksicht auf die Höhe der angedrohten Strafe nicht vor die Schwurgerichte gehören, sowie die politischen Vergehen werden einem aus zwei Richtern und zwei Schöffen Amerikanischer Protest detten die deutsche Zahiungs- elnstciluRd W a s h i n g t o n, 18. Juni. Der Botschafter der Bereinigten Staaten in Berlin William Edward Dodd wurde beauftragt, gegen dadeutsche Transfermoratorium zu protestieren. Der Botschafter wird deshalb sein tiefes Bedauern darüber anssprechen, daß die amerikanischen Gläubiger und Eigentümer deutscher Obligationen ein« Einbuße erleiden. Bastbausverbot Mr eingefleischte Nazi Die Bezirkshauptmannschaft in Melk hat zahlreichen ausgesprochen nationalsozialistisch ge- sinnten Personen den Besuch der Gasthäuser und anderer Lokale nach 8 Uhr abends verboten Gleichzeitig wurde einigen dortigen Gasthäusern, in denen Nationalsozialisten verkehren, aufgetragen, um 8 Uhr abends zu schließen. Am Sonntag wurden auf Grund einer erstatteten Anzeige im Hause Wien, Fasanengarten- straße 105, eingehende Perlustrierungen der Hausparteien wegen Verdachtes nationalsozialistischer Betätigung vorgenommen. In der Wohnung deS OberlandeögerichtSra- t e K(I) Julius N e i I i r ch wurde zahlreiches nationalsozialistisches Propagandamaterial beschlagnahmt und Neilirch verhaftet. Hochschule lür Bodenkultur gesperrt Die Landwirtschaftliche Hochschule, die in der letzten Zeit der Schauplatz wiederholter natio- nalsoziälistisckier Bombenanschläge gewesen ist, wurde Montag auf Anweisung deS Regierungskommissärs geschlossen. schwächen wolle, weil ein geschwächtes Ungarn sich mit seiner jetzigen„ungerechten" Lage abfinden müsse. Ungarn sei aber nicht gewillt, seine Unabhängigkeit und seine(revisionistischen) Bestrebungen um ein Linsengericht zu verkaufen. Heute könne der Ministerpräsident Ungarns mit Ruhe„die schönformulierten", aber gewöhnlich allzu einseitigen Angebote BeneS' und TikulesenS anhören: Bleibt Ihr Ungar« in Euerem verstümmelten Zustande und wir werden gute Freunde sein! Meine Antwort, sagt« GömböS, ist:„Gebt unS Revision; dann setzen wir uns an den grünen Tisch, um zu verhandeln. Ungarn bietet Frieden an und sucht Frieden, aber immer unter der Bedingung: Bolle Gerechtigkeit und volle Gleichberechtigung." Bukarest, 18. Jimi. Die Antwort auf die GömböS-Rede in Oedenburg erfolgte prompt, und zwar durch den rumänischen Außenminister T i- t u l e s 1 u bei einer Veranstaltung der Kleinen Presse-Entente, die in Bukarest tagte. Titulesku wies auf die Erfolge dec Kleinen Entente in der Abwehr der revisionistischen Angriffe hin. Der Organisationspakt der Kleinen Entente vom Feber 1933 sei eine energische Ä n t w o r t auf die revisionistischen Versuche gewesen. Die Kleine Entente sei zur Zusammenarbeit mit anderen Staaten im Donanbrcke» nach wie vor bereit, sie möchte aber genau wissen, wie die anderen Staaten sich diese Zusammenarbeit vorstellen. Die Kleine Entente erkläre laut>md vernehmlich: Wir sind zu jeder Zusammenarbeit in Mitteleuropa bereit, niemals aber werden wir als Bedingung dieser Zusammenarbeit die Berkrüppe- lung unserer Heimatländer annehmen i Die Bukarester Rats tagung Bukarest, 18. Juni. Der Ständige Rat der Kleinen Entente trat um 10 Uhr 30 im Mini, sterium für auswärtige Angelegenheiten nnter dem Vorsitz des Außenministers Titu lesen zusammen. Die Sitzung dauerte bis 12 Uhr 30. Nassenverhatlungen von Oppositionellen Warschau, 18. Juni. Heule ist eine Ver ordnung des Präsidenten der Republik erschienen. mit welcher die Isolierung von Personen, deren? Kleine Entente angriff, die Ungarn wirtschaftlich Tätigkeit die Sicherheit, Ruhe und öffentliche Ord- nung im Staate bedroht, in Konzentra tionslagern zugklassen wird. Der Entschluß betreffend die Unterbringung der angehaltenen Personen in den JsolierungSla- gern wird über Antrag der Verwaltungsbehörden vondem zuständigen Nntersn» chunqsrlchter getroffen. Die Festhaltung wurde prinzipiell auf die Dauer von drei Monaten festgelegt, cS besteht jedoch die Möglichkeit, diese Zeitspanne z u ver längern. Die Isolierten können in den Kon zentrationslagern durch Zwangsarbeit be schäftigt werden. Wie die Rachrichtenagentnr„Jiskra" meldet, wurden im Laufe der letzten Tage in mehreren Ortschaften Polens zahlreiche Berhastungen nnter den Mitgliedern und Führern von politischen Par teien vorgenommen, die in der letzten Zeit eine „die öffentliche Ruhe und Ordnung gefährdende" Aktion entfalteten. Unter anderem wurden stl Warschau über 100 Mitglieder der radikal-natio nalistischen Partei verhaftet. nimslerprflsldenl übernimmt radl Innenministerium Der Präsident der Republik ernannte den Ministerpräsidenten Professor Leon Kozlowfti an Stelle deS verstorbenen Ministers Pieracki zum Minister des Innern. Kozlowfti behält auch wei terhin daS Amt des Ministerpräsidenten. Dollfuß will wieder Galgen sehen Todesslrale auch Im ordentlichen Verfahren brennen von Hakenkreuzfeuern betreten und verhaftet. Wiener Standgericht «III nicht amtieren Sämtliche nationalsozialistischen Bombenan- schtäge und andere Terrorakte, die am vergangenem SamStag dem Standgerichte in Wien zur Anzeige gebracht worden waren, wurden dem zuständigen ordentlichen Gerichten zugewiesen. Wer begünstigt die Bomben Wan? I» Mauer bei Wien Hai Dollfuß am Sonntag bei einer Kameradschaftsfeier der Kriegerverbände darüber gejammert, daß„nationale Kreise" dem„nationalsozialistischen Verbrechertum" Unterschlupf bieten. ES sei jetzt die Psiicht der betont nationalen Kreise, sich endlich zu erklären und sich rechtzeitig in die vaterländische Front und damit in die Staatsgestaltnng einznfügen. Mit Täuschungsmanövern, indem einzelne einfach erklären, sie seien nicht nationalsozialistisch praktisch aber Nationalsozialisten beherbergen, werde aufgeräumt werden. Jeder Verein, jede Organisation, die eine betont nationale Note tragen, würden in kurzer Zeit sich entscheiden müssen, ob sie diese Verbrechen und die Angehörigen dieser Verbrecher in ihren Reihen dulden wollen. Halbheit und Lauheit gebe es in einer so schweren Zeit nicht. Sicherheitsitomitee ohne Italien Genf, 18. Juni. Heute nachmittags hat der Sonderausschuß für Sicherheitsfragen ein tech nisches Komitee geschaffen, daS über sämtliche die Sicherheit betreffende Fragen beraten soll, die dem Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz unterbrei tet Ivurden. In diesem Komitee sind neun Staaten bestehenden Schöffengericht zugewiesen. vertreten; außerdem hat auch die Kleine Entente I Das Gesetz'wird gleichzeitig mit dem Verfas- daselbst einen Sitz. i sungS-UebergangSgesetz am 1. Juli l. I. in Kraft Italien lehnt eS ab, an den Arbeiten diese- lech- treten. »»,»..»«». i Dfe tauchen Anschläge I Im Theater an der. Wien wurden Samstag nach Beginn der Vorstellung von unbekannten Tätern, vermutlich von der 2- Galerie, drei Tränen- gaSbomben in den Zuschauerraum geworfen. Die Vorstellung muhte für eine halbe Stunde unterbrochen werden. In der Nacht zum SamStag wurde in"der Nähe von Lendorf(Bezirk Spittal) ein Papierböller zur Explosion gebracht. Auf dem Patzenkofel wurden zwei Nationalsozialisten beim Ab- DBlkSDDlitili oder fflandatadiadier? Der sudelendeutsdie llatinnalismus und dm nolslandsprobiem Soviel scheint festzusteheii, daß der Bund der Landwirte, trotz ministerieller Lippenbekenntnisse zur Demokratie, mit vollen Segeln auf ein möglichst vorteilhaftes Wahlbündnis mit der Heimatfront znsteuert. In Konsequenz dessen wird also die Partei de§ Herrn Spina in den nächsten Monaten der Oeffentlichkeit dieses Lan- des das gewiß nicht alltägliche Schauspiel bieten, daß sie in der Regierung mit den sozialdemokra- tischen Parteien beider Nationen zusammenarbei- tet und sich gleichzeitig mit dem sudetendeutschen Nationalismus gegen Demokratie und Sozialist mus verbündet. Dergestalt organisieren die landständischen Führer die Opposition gegen sich selbst und sie geben sich wohl der Täuschung hin, daß sie sich eines Tages als Heimatfrontler mit funkelnagelneuem Programm etablieren und vor derBevölkerung verleugnen können, daß sie fünf Jahre lang mit den demokratisch.sozialistischen Parteien gemeinsame Verantwortung getragen haben. Den Ausgang dieses halsbrecherischen Abenteuers können wir mit kühler Gelassenheit abwarten. Jedenfalls kann keine Verschlechte, rung der sozialdemokratischen Position im stide- tendeutschen Lager eintreten, wenn sich künftig der landständische AktivismuS mit dem Nationa- lismus kompromittiert und wenn der furiose Nationalismus der ehemaligen Nationalsoziali- ston im Büßergewande des reuigen Sünders, Schulter an Schulter mit einer bisherige» Regierungspartei austritt. Der ständische Heerbann wird also in der nächsten Zeit reichlich mit inneren Sorgen beschäftigt sein, niit der Austragung der massen- hast angemeldeten Führungsansprüchc und Man- datswünsche. Fraglich bleibt indessen, wie lauge sich die schwergeprüfte sudetendeutsche Bevölke rung gefallen lassen wird, in ihrer Krifeunol Deklamationen über parteipolitische Gliederungsfragen und das Eigenlob selbsternannter Führer vorgesetzt zu bekommen. Der Notstand in den Grenzgebieten wächst von Tag zu Tag. Tie von vieljähriger Dauerarbeitslosigkeit zermürbte Bevölkerung steht unter dem deprimierenden Eindruck der fürchterlichen Dürre und der schon unabwendbar gewordenen Mißernte. Bei jeder Eisenbahnjahrt bietet sich das trostlose Schauspiel ausgebrannter Acckvr und Wiesen dar. Die Fut- termittel steigen sprunghaft im Preise. Im Saa- zer Lande haben die Schleuderverkäufe von Vieh begonnen. Die ersten Anzeichen einer Lcbensmit- tclteuerung werden sichtbar. Mehl zieht im Preise an. Die sozialen Konsequenzen dieser Entwicklung sind nicht abzusehen. Hunderttanscndc von Menschen vegetieren schon bisher von unzureichender Arbeitslosenunterstützung oder von den Hungerrationen der Ernährilngskarten. Wohin soll das führen? Wird durch die Mißernte auch noch die Existenz zehntausender Kleinlandn-irtt vernichtet, wird die restliche Kaufkraft der Landwirte zerstört, wird auch der arbeitslose Häusler um die Hoffnung betrogen, auf seiner Parzelle einige Sack Kartoffeln ernten zu können, werden die kleinen Leute int Dorfe gezwungen sein, die einzige Ziege oder die letzte Kuh schlachten zu müssen— dann ist von der Krise zur allgemei- ncn Hungerkatastrophe nur ein kleiner Schritt. Und diese Gefahren tvcrden sich vielleicht durch neue Parteigründungcn, durch vorsorgliche , Wahlbündnisse bannen lassen? Warum schweigen sich Henlein und seine Trabanten über die sozia- ' len Probleme des SudctcndeutschtnmS so hart. ®«tte2 Dirn«»«, IS. Jhml 1834 Nr. 141 Der„neue Ion" in der sudetendeutschen Politik nackig aus? Warum ist es das Privileg tschechisch-agrarischer Minister hie und da ein verständnisvolles Wort über die Notlage der Ar beitslosen zu sagen? Der siidetendcutschc Nationalismus hat die seelische und materielle Not der armen Volksgenossen eh und je ignoriert. Er kann sich in keine Erörterung der NotstandSprobleme einlassen, denn sonst mühte er die Fiktion fallen lassen, daß der Marxismus und die freie Arbeiterbewegung die Erbfeinde der Nation find. Eher kaffen sich die Henlein und Konsorten mit glühenden Zan- gen foltern, bevor sic eingestehen, das; der Haupt- feind deS sudentendcutschen Arbeiter- und Klein- bauernvolkeS die beispiellose Krisennot ist, her, vorgerufcn auS weltwirtschaftlichen Umschichtungen, vertieft durch das Versagen der kapitalistischen Wirtschastsmetboden und neuerdings noch verstärkt durch das Wüten feindlicher Naturgewalten. Wir wetten tausend gegen eins, das; die Agitatoren der Heimatfront schließlich auch die japanische Konkurrenz als eine Folge der sozialdemokratischen RegierungStcilnahme hinstellcn werden, daß sie auch noch für die Dürre und Mißernte den Marxismus verantwortlich machen. Die soziale Unfruchtbarkeit des sudetendeutschen Nationalismus hat ihn von Niederlage zu Niederlage geführt. Auch LodgmanS Vc- mühen nach Schaffung einer ständisch geglieder- ten völkischen Einheitspartei— übrigens von den Landbündlern seinerzeit wütend bekämpft und blutig verhöhnt— ist an sozialem Unvcr- ständnis unserer national sein wollenden Bür- gcr und Intellektuellen gescheitert. Henlein hat nichts zu riskieren. Seine Gefolgschaft ist daran gewöhnt, seit Jahrzehnten mit tönenden Phrasen abgespeist zu werden. ES fragt sich nur, ob di» sudetcudeutschen Bauern in ihrer heutigen Lage den Ausgang des ständischen Experiments abwarten können. In den nächsten Wochen und Monaten werden ganz andere Fragen auf der Tagesordnung stehen. Für eine wahrhafte Volks- Politik kann eS heute nur ein Thema geben: Die Bekämpfung des gemeinsamen Notstandes der Arbeiter und Bauern und die Abwehr der drohenden Katastrophen. Wir Sozialdemokraten bekennen uns unerschüttcrt zumPr'nnat der wirtschaftlichen und sozialen Aufbauarbeit. Wir brauchen keine Front zu ändern, denn wir bleiben nach wie vor in den vordersten Reihen deS Exi- stcnzkampfeS der aus Arbeitern und Klein- bauern bestehenden sudetendcutschen Dolksmchr- heit. Mag Herr Henlein den großen Notstand unserer arbeitenden Schichten ignorieren, mögen einzelne Führer deS Bundes der Landwirte ihre Mandatsschmerzen über das VolkSinteresse stel- len— die Herren mögen zur Kenntnis nehmen. Nicht sie werden bei der konimenden Rechnungslegung als Ankläger auftrcten dürfen, sondern sie werden vor dem Tribunal der arbeitenden Bevölkerung angeklagt sein, daß sie politischen Machtgelüstcn nachliesen, während die Menschen in unseren Notstandsgebieten vor ihren Augen zugrunde gingen. Der Entscheidungskampf, ob sich die Sudetendcutschen zu einer sozial schöpferischen Demokratie bekennen, oder ob sie sich in den Sumpf einer kapitalistischen Diktatur locken lasie«, wird die geschloffenen Reihen der Arbeiterbewegung nicht erschüttern, er wird innerhalb der Landbevölkerung anSgetragen werden! Die-Rundschau" hat auf den in unserem Blatte vor einer Woche erschienenen Artikel -Spina, Henlein und Hitler" geantwortet. Sie redet um unsere Feststellung, daß st« sich mit ihrer Erllärung vom deutschen Nationalsozialismus nicht distanziert hat, mit wortreichen Phrasen herum und verweist darauf, daß mau das kulturelle Leben eines Volkes nicht ausschließlich werten könne-nach den Formen seines politischen Kampfes in Revolutionszeiten". Wir find freilich der Meinung, daß auch diese -Erllärung" mit einem Distanzieren von der Hit- lcrbarbarei nicht das geringste zu tun hat sie ist vielmehr der Versuch, sie zu e n t s ch u l d i g e n. Da darf inan denn doch srageir: in welche Kategorie der Revolutionen will denn die„Rundschau" die Hitler-,.Revolution" einreihcn? Sie erfolgte so, daß ein eidbrüchiger Reichspräsident dem Hitler die Macht auSlicferte; die Gewalttätigkeiten, die daun folgten, wurden nicht etwa ini Zuge von Kampfhandlungen begangen, in deren Verlaus manche Grausamkeit verständlich wäre, sondern die Opfer dieser Gewalttätigkeiten waren wehrlose politische Gegner, die man-friedlich" systematisch und mit Ucbcrlegung gequält und in hunderten Fällen zu Tode gefoltert hat. Ein Jahr nach der feierlichen Erklärung Hitlers, daß die Revolution abgeschlossen und die Herrschaft der Nationalsozialisten auf viele Jahrzehnte gesichert sei, sind di» deutschen Konzentrationslager noch überfüllt! Ein Jahr naHher nimmt ein Mitschuldiger der Hitler- Barbarei, der Vizekanzler von Papen, die Gelegen- heit wahr, öffentlich anzuklagcn: durch Terror, sagte er, kann man ein Volk nicht einigen.— Was den Papen empört, ist der-Rundschau" noch lange nicht Anlaß zur Kritik, sondern Anlaß zur Beschönigung. Ja, noch mehr: zur verächtlichsten Verleumdung. Denn die-Rundschau" hat die Stirn, jenen HintveiS auf die-Formen des politischen Kampfes in Revolutionszeiten" mit der folgenden-Wertung" der Kulturtätigkcit unserer Wiener Genossen zu verbinden: „Genügt vielleicht für die ausschließliche Wertung der Kulturtätigkeit der sozialdemokratischen Wiener Gemeindeverwaltung die Tatsache, daß sie Wohnhäuser von vornherein als Festungen anlegte, daß sie in Kindergärten und Schulen heimlich Maschinengewehre einbaute, genügt cS vielleicht für die Wertung der Kulturarbeit der Wiener Sozialdemokraten, daß einzelne von ihnen die Barbarei begingen, unschuldige Kinder im Maschinengewehrfeuer auf die Balkon« zu stellen und dann,, hinter den.Leibern dieser Kindergedeckt, die Polizisten ruhi g(1) abzuknallen?"' Daß die-Rundschau" noch einmal das Märchen von den Wiener»Festungsbauten" austischt, stellt der Intelligenz ihrer Redakteure kein gutes Zeugnis auS. Haben doch die Baumeister, die die Wiener Wohnbauten aufgeführt haben, unter der Zustimmung selbst reaktionärer Blätter diese alberne Lüge des Dollfuß widerlegt, die er verbreiten ließ, um die Kanonade auf cbxn diese Wohnbauten zu rechtfertigen. Die-Rundschau", die in Verlegenheit käme, wenn sie auch nur in einem Fall nachtveisen sollte, daß die Wiener Sozialdemokraten sich im Maschinengewehrseuer -ruhig" hinter Kindern deckten, findet freilich an der Kanonade deS christlichen Kanzlers auf Frauen und Kinder nichts auSzusctzen. Wie könnte sie, da sie sich auf«ine solche moralisch« Ebene hinuntergelogen hat, auch etwa empört sein darüber, daß Dollfuß, den sie willig in die deutsche Kulturgemeinschaft einbezieht, einen Gchwerlranlen henken ließ? Die Arbeit der Wiener Sozialdemokratie galt vor allem dem proletarischen Kind:«hm haben die Roten Licht und Sonne und Freiheit gebracht. Kein Henlein wird diese Großtat der Wiener Sozialdemokratie, die in der ganzen Welt geachtet und geehrt wird, hinweglügen. Die Grausamkeiten, die in den Febertagen begangen wurden, gehen auf Konto deü Dollfuß, deren Schergen übrigen« in keinem Falle gezögert hätten, auch auf die-Kinderdeckungen" zu schießen. (Mit Maschinengewehren pflegt man ja ohnehin nicht genau auf-Deckungen" zu zielen.) Es sind ja genug Kinder imKanpnenfeuer gefallen. Man denke aber nicht, daß nur die Henlein« Journal! st en so„argumentieren". Auch der Mann, den sich Henlein als Goebbels bestellt hat, Herr S a n d n e r, bringt es zuwege. Er hat am Freitag in einer Versammlung in Grottau gesagt, die deutschen Sozialdemokraten hätten-in den acht Jahren" auf sozialem Gebiete nichts erreicht; die Lage der Arbeiter sei nie schlechter gewesen als jetzt. Wohl aber hätten die Sozialdemokraten Krankenkassen-Paläste gebaut. Meint Herr Sand- ner die acht Jahre sudetendeutscher RegiexungS- beteiligung überhaupt, so müßte er sich in erster Linie wohl cm seinem Freund und Berater Spina wenden, der die acht Jahre schon so ziemlich voll hat. Meint aber Sandner die letzten vier Jahre, so hat er sich geirrt oder hat bewußt gelogen. Die Arbeitslosen verdanken die Fürsorge, die sie haben, nicht Sandner und seinesgleichen, sondem der sozialistischen Bewegung und daß cS ihnen heute schlechter geht denn je, ist eine Folge der kapitalistische«« Krise. Wer den Arbeitern helfen will, muß gegeir den Kapitalismus fein. Aber Sandner schützt ihn zusaminen mit jenem Doktor Rosche, dcffen Klaffengenoffen für den Niederbruch der sudetendeutschen Industrie— wir erinnern nur an Rothau und Holeischen!— in erster Linie verantwortlich sind und bisher jede Fürsorgemaßnahme aus egoistischen Gründen be- käinpst haben. Die„.Krankenkassenpaläste", die Pari«, 18. Juni. Der Vertrauensmann HitlerS in den Fragen der Abrüstung, v o n Ribbentrop, weilte am SamStag p r i v a t in Paris und hatte am Abend eine längere Unterredung mit dem franzöflfchen Außenminister B a r t h o u» die sich auf dir Frage der französisch-deutschen Beziehungen und auf den Austausch der Ansichten über die Abrüstungsfrag« bezog. Zu der— rein informativen— Unterredung wird von maßgebender Stelle mitgeteilt, daß Barthou dem Vertrauensmann Hitlers die französische Note vom 17. April nachdrücklich in Erinnerung brachte, in welcher dargclegt wird, daß Frankreich zu einer Verletzung der Frie» drnsverträge seitens Deutschlands nicht seine Zustimmung geben könne und daß die französische Politik rS ablrhne, eine Aufrüstung Deutschlands zuzulaffen, da sie diese als eine Gefahr'für den Weltfrieden betrachte. die Sozialdemokratei« gebaut haben, können sich meistens keineswegs mcffen mit denen, di« von den national vertvaltcten Kaffen errichtet wurden, auf keinen Fall aber mit den Braunen Häusern, aus denen Sandner seine anti- marxistischen Argumente zu beziehen scheint. ES bleibt noch zu vermelden, daß die-Rundschau" über den Führer der saarländischen Freiheitsfront, den Genossen MaxBraun, folgendes schreibt: „Seit dem vergangenen Jahr« verlegt«» di« Franzosen ihre Hoffmurgen auf das Wirken landesflüchtiger Elemente, die sich in stattlicher Anzahl im Saargebiet niederließen, und vor allem auf die Umtriebe, die der GottSöberste der Saar- ländifche» Sozialdemokratischen Partei, der sattsam bekaante Matz Braun, in die Wege leitete. Dieser Don Quichotte reißt sein Mundwerk sperrangelweit auf und hat längst vergessen, daß er noch Anfang 1830 in der Halbmonatsschrift „Der Weg zur Freiheit"«. a. schrieb:„Die Baar bat keine Minderheitenfrage und kein Spra- chenproblem. Fast hundertprozentig wird die Saar, bevölkerung für Deutschland stimmen. Sie lrhnt alle anderen politischen Lösungen aiS dir restlos« Rückkehr unwiderruflich ab." Und allein solcher völkischer Zwitter wegen werden besondere Gerichtshöfe eingesetzt, ihretwegen wird eS noch aller. Hand Mißverständnisse geben..." Dies ist nett und rund aus einer Nazi« z e i t u n g geschnitten! Woher als aus Naziblättern sollte denn Henlein den„Matz" Braun kennen, den er hier vorstcllt? Max Braun ist ja, was die ganze Welt weiß und— außer den Nazis und Henlein— zugibt, nach wie vor f ü r die Rückkehr der Saar nach Deutschlm«d. Allerdings für die Rückkehr zu einem freien Deutschland, weshalb er das Verschieben der Abstimmung verlangte. Wenn der Henlein ein Saarländer toärr, dann, ja dann würde er mit dem„Matz" Brau» so kurzen Prozeß niachen, wie er eS in seiner «Rundschau" andeutet nnd er würde sich, wie er das in seiner«Rundschau" andeutkk, begeistert und vorbehaltlos für daS Dritte Reich erflären. Aber Henlein ist nicht Saarländer, sondem Tschechoslowake. Wie sein Herz für die Nazi-Saarländer beweist, ein Z w e ck»Tschechoflo» wake. Die leichtgläubigen Tschechoslowaken, die daS demokratische Bekenntnis HrnleinS ernst nehmen, sollten sich dei« Artikel der«Rundschau" über«Matz Braun" über den Schreibtisch hängen... Auch von der Rückkehr Deutschlands in den Völkerbund und zur Abrüstungskonferenz wurde gesprochen. Barthon verhehlte nicht,- daß diese Rückkehr günstig aufgenomme«« werden würde und daß Frankreich nichts tun werde, waö die Rückkehr Deutschlands nach Genf erschweren könnte. Diese Rückkehr dürfe aber keineswegs irgend ei««em nrnen Feilschen zum Borwande dienen. Deutschland habe Genf ans freiem Willen ver- laffen und seine Rückkehr nach Genf, wenn man diese wünsche, müsse ebenfalls auf Grund seiner eigenen freien Entschließung erfolgen. Im ganzen beharrten, wie es scheint, beide auf ihren Standpunkten. Roch einer halbamtlichen Berliner Verlaut- barnng ist Ribbentrop Montag nachmittags auch von Ministerpräsident Donmergue empfangen worden. Hitlers Unterhändler bei Barthou informative Fühlungnahme anscheinend ohne Ergebnis - 39 Unsere Töchter, die Nazinen Rjman von Harmonia Zur Mühlan Ich muß ja sagen, daß auch ich froh bin, wenn ich eine kleine Arbeit für die Unser«: leisten kann. Eo gibt Dinge, die eine alte Frau leichter tu«« kann, als junge Menschen. Sie fällt weniger auf. Und ich kenne alle Wege und Stege hier, bin ich doch vor Jahre«« so viel«nit meinem Anton gewandert. Es ist so seltsam, wem« inan über die Schweizer Grenze koinint. Mai« atmet auf. Die Luft ist ganz anders. Dort ist ein Mord noch ein Mord, und keine ruhinvolle Tat. Dort, i«ur wenige Schritte vo>« uns entfernt, herrscht Frieden. Drei Schritte und mal« ist i«« einer andere«« Welt, und staunt darüber, daß es noch so etwas gibt. Aiifangü waren die Schweizer auch sehr anständig; sie ließen, ohne viel zu fragen, di« Flüchtlinge durck«. Jetzt aber scheint daü anders zu werden. Jetzt muß man auch in der Schweiz Geld haben, um sein Leben rette«« zu können. Bisweilen fragt man sich angswoll, ob der Wahnsinn, de« bei uns auSgebrochen ist, auch die übrige Welt erfassen wird. Und wir erfahre«« mit jedem Tag weniger aus dem Ausland. Die deutschen Zeitungen lügen oder verschweige«« die Wahrheit. So hieß es zuerst, daß dieser Rosenberg in London einen großen Erfolg gehabt habe, dann aber hörten wir von einein Engländer, der viele Jahre in Deutschland gelebt hatte und auch in diesem Sommer in unser Städtchei« kam, das sei nicht wahr: das englische Volk habe seinen Abscheu vor dem Abgesandten der Mordrrgierung offen gezeigt. Der junge Mann wußte gar nicht, wie seh« er uns durch seine Worte beglückte: es gibt also dennoch eine Solidarität, cs gibt Menschen, die «visscn, was hier vorgeht und die un» helfen möchten. Wenn solche Nachrichten zu uns dringen, so ist das imincr wie ein Becher kühles Wasser, der einem Verdurstenden gereicht wird. Wir sind dann tagelang froh und getröstet. Wir wissen, daß «vir nicht von allem auf der Welt im Stich gelassen werden, wir wissen, daß e- eine Solidarität gibt, die stärker ist, alles andere. Aber wir fühle«« auch mit schmerzlicher Bitterkeit, daß diese Solidarität sich in dem einen Land, von dem viele von uns alles erwartet haben, auf Radiovorträge beschränkt. Und auf Bestellungen bei unserer Regierung! Toni meint, ich verstiinde das nicht; vielleicht hat sic recht, aber ich fürchte, viele, sehr viele werden eS nicht verstehen, es wird vielen, sehr vielen den Mut rauben. Und wir brauchen Mut. Leben wir doch mitten unter Feinden, kann doch jeder Tag unser letzter, der letzte unserer Kinder sein. Gestern sprach nian noch mit einem Menschen, heute ist er ver- schwunden und wir haben alle auS dem Braunen Haus Schreien und Stöhnen gehört; wir wissen, lvas dort vorgeht. Sie haben ihre«« Anhängern Brot und Arbeit versprochen, sie geben ihnen statt dessen die Freiheft, zu morden und zu rauben. Davoi« wird man auf die Dauer nicht satt. Sie haben eine«« Feind, der auch in ihrem Lager umgeht: den Hunger. Den können sie nicht ins Konzentrationslager verschleppen, den können sie nicht auf der Flucht erschießen, der wird kein««« Selbstmord begehen. Unser aller Feind ist zu unserem Verbündeten geworden. Und wenn wir nicht satt werden, so wissen wir, daß auch viele andere hungern, auch bei den Nazis und daß dieser Hunger ihnen zuschreit: Deutschland erwache. Es wird ein furchtbares Erwachen sein. Fast glaube ich. die cm der Spitze«ihnen es schon. Fast glaube ich, daß viele der neuen Ge- sctzc nur der Angst entspringen. Bloß Menschen, die von heimlicher Angst gefoltert werden, können ! so handeln. Was anders bedeutet der Kampf ge gen die zweite Revolution? Es gibt auch schon Nazis, die sich das fragen. Die sich das mit jedem Tage lauter fragen. Das sind die ehrlichen, di» verblendeten Menschen, die, wie«neine Toni, an den Führer geglaubt hatten. Sie kommen ins Konzentrationslager wie die Marxisten» wie die Juden. Wie mag ihnen dabei wohl zumute sein? Wir wissen, weshalb lvir kämpfen und leiden und sterben, aber diese Menschen? Und dann gibt es noch eines, das für sie furchtbar fein muß: das Mißtrauen. Vielleicht haben sie wirklich eingesehen, wie sehr sie betrogen worden sind, vielleicht möchten sie gutmachen, vielleicht möchten sie zu denen zurücklehren, zu denen sie gehören. Aber wer glaubt es ihnen? Sie werden für Spitzel gehalten, für Provokatcur.e. Wir können ihnen ja nicht ins Herz sehen. Sie hchben niemand, zu dem sie gehören. Sie werden von allen gehaßt. Warum hat sich»««längst der junge Naziflieger von seinem Flugzeug hinuntergestürzt? Warum hat sich ein einstiger Kollege meines Anton, der schon seit acht Jahren bei den Nazi» ist, vor den Augen seiner Frau erschossen? Meine Toni behauptet, e» gäbe in jeder Zeitung etwas Wahres; das seien die Berichtigungen. Wenn es heißt: die S. A. hat in Frankfurt a. M. nicht gemeutert. da«Ä können wir gewiß seü«, daß sie e» getan hat. Und in der letzten Zeit wird sehr viel berichtigt. Aber freilich, solange eS noch Posten zu vergeben gibt, solange Menschen, die Jahre hindurch arbeitslos waren, als Nazi» Arbeit bekommen, solange wird sich vielleicht die Macht der Regierung noch halten. Aber schon heute sehen wir gelbe Blätter an den Bäumen, noch zlvei Monate, dann ist der Herbst da und dann folgt der Winter. Ich weiß nicht weshalb, aber ich habe den festen Glauben, daß der Winter unS retten wird. Doch nur, wenn wir arbeiten, wenn wir aufklären, lvenn wir zusaminenhalten. ES ist ja lvahr, was die Gräfin Agnes sagt: Deutschland ist un« Jahrhundert« zurückgefallen. Es lebt im Mittelalter. Wir müs» sei« es herauSreißen, wir müssen ihm die Wahrheit zeigen. Einerlei um welchen Preis. Wenn ich so die langen Nächte hindurch aus Toni warte, so denke ich häufig an jene, die über die Grenze gcflohci« sind. Wie mögen sie Ivartci« und bangen,«oic mögen sie jeden Tag nach den Nachrichten über Deutschland greifen. Heute bringen die Nachrichten eine Hoffnung, morgen wieder eine bittere Enttäuschung. Und sie müssen immer fürchten, daß ihre dort draußen gesprochenen und geschriebenen Worte eine Gefahr für die Ihren daheim bedeuten könne». Unsere Regierung nimmt ja'jetzt Geisel wie in einem Krieg. Sie haben auch Scppcl Schneiders Mutter in Schutzhaft genommen, weil sie nicht sagen wollte, wo ihr Sohn ist. Und vor sechs Tagen klopfte es nach Mitternacht an meine Tür, und als ich öffnete, stand der Seppel vor mir. »Ich habe nicht gclvagt, heimzugehcn. Aber ich muß endlich wieder einmal schlafen", sagte er. Er konnte sich vor Müdigkeit kaum auf den Füßen halten. »Wie gcht's der Mutter?" fragte er und sie! fast auf einen Sessel. »Gut", log ich.»Ich werde ihr morgen erzählen, daß du da warst." Er hörte kaum meine Worte; er schlief be- reits, auf dem harten Sessel sitzend. Ich empfand große Angst: wenn jetzt semand käme und ihn sähe. Er wird schon seit Wochen gesucht. Dabei sah ich ihm an, daß er schlafen müsse, daß er, müde, wie er war, nicht die Krasi hatte, im Notfall zu fliehen. Ich verlöschte das Licht, dani« rückte ich meinen Sessel vor die jÄichcn- tür und saß lauschend da. Bor SeppelS Kommen war die Nacht so still gewesen, jetzt jedoch hörte ich die ganze Zeit über Geräusche. Es knackte und knarrte unten auf der Treppe. Türen wurden geöffnet und geschloffen. Schritte wurden kaut. . sFortsetzung fokat.) Htm «-M-»«. 3hnA1984 «eite 3 Papen öffentlich gegen Gegen NaxHerror, Byzantinismus und Goebbels neuen Propagandafeldxug Goebbels Rundfunk- und Presseverbot gegen den Vizekanzler Berlin, 18. Juni. In Berliner politischen Kreisen hat die Nachricht Sensation hervorgerufen, daß der deutschen Presse verboten wurde, die Rüde zu vcrösfcntlichcn, welche Vizekanzler von Papen am Donntag an der Marburger Universität hielt und in der er die innervolitische Situation'Deutschlands behandelte. Da» Verbot ist unzweifelhaft deshalb erlassen worden, weil Vizekanzler von Popen öffentlich in seiner Rede seine Nichtübereinstim- mung mit dem Reichspropagandaministrr Gorbbel» und dessen„Feldzug gegen Kritikaster und Miesmacher" zum Ausdruck brachte. erfolgreiche Betriebs ausschußwahlen bei der Firma Schmieder In Zwodau Bei der Betri ebSauSschußwahl am Freitag, den 15. Juni, in der Textilwarenfabrik in Zwo- dau erhielten: Union der Textilarbeiter 648 Stimmen und 7 Mandate(1883 695 Stimmen und 7 Mandate), die Freie soziale Vereinigung (früher Hakenkreuzler) 159 Stimmen, 2 Mandate(1983 151 Stimmen, 2 Mandate), die Christlichsozialen 139 Stimmen, 1 Mandat(1933 129 Stimmen, 1 Mandat). Die Kommunisten tonnten trotz wütender Agitation und einer Flut von Flugblättern lein Mandat erhalten. Ihre Stimmenzahl ging sogar von 84 auf 69 Stimmen zurück. Die Wahl hat den Beweis erbracht, daß die überwiegende Mehrheit der Arbeiterschaft im Lager der Sozialdemokratie steht, di« in den bürgerlichen Zeitungen immer und immer wieder totgcsagt wird, aber kräftig weiter lebt. Nakenkreuzterror Im Krigeblrge Unternehmer im Dienste der Henleinfrvnt Der Karlsbader„BolkSwille" macht in seiner Sonntagsausgabe geradezu aufsehenerregende Mitteilungen über die neueste TerrorwcUc, die von den Hakenkreuzler» auf dem Wege über die Henleinfrvnt imWeiperter Gebiet über die Sozialdemokraten hercingcbrochen ist. Die Sozialdemolraten des oberen Erzgebirges führen gegen die Fafeisten feit jeher einen harten Kampf, wissen sie doch, daß der Hunger unter den Arbeitern im Erzgebirge noch größer werden müßte, wenn die Nazi an'S Ruder kämen. So haben sie auch eine Versammlung der SHF. in DörnSdorf mit ihrem Besuche zu einem für die Henleinleute unangenehmen Ende gebracht und besonders seit diesem Tage tobt sich der Terror gegen die Sozialdemokraten in der Wcipcrter Gegend aus. So hat man unsern dortigen Bezirks« selretär, den Genossen Siegmund, mit„Umlegen" innerhalb von vierzehn Tagen bedroht und auch dem BezirkSvcrtraucnSmann unserer Partei das gleiche Schicksal angekündigt. Bei der Firma Isidor Hackl-Weipert wurden eine Reihe von Arbeitern entlassen und der Aufseher Potta erklärte einem Gendarmen gegenüber, daß diese Entlassungen wegen Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei erfolgt seien. Aus denselben Gründen wurden bei der Firma Elster in Schmiedcberg Arbeiter entlassen, aber auch die Landwirte schließen sich diesen Terrorakten an und verweigern den Arbeitern jede Berdienstmöglichkeit. Außerdem werden sozialdemokratischen Arbeitern die Wohnungen gekündigt und Drohungen aller Art gegen sie auSgc, stoßen. Das ist also der Geist der neuen„Volksfront!" ES ist der Geist, der drüben im Reiche herrscht und die Menschen zu tausenderlei Qualen verurteilt. ES ist der Geist des Nationalsozialismus. der sich über Henlein wieder Bahn zu brechen versucht! Nfi0l(cr ntichgang der Arbeitslosigkeit in NorOböhmen Nach einem Bericht der Landeszentrale für Arbeitsvermittlung in Reichenberg ist die Anzahl der angemeldeten Arbeitslosen im Laufe des Monates Mai in Nordböhmen von 129.478 auf 119.444, also um 19.934, d. i. um 7.74 Prozent gesunken. Im Vergleiche mit dem 12prozentigen Rückgänge der Arbeitslosigkeit im ganzen Staate zeigt dies einen bedeutend kleineren Rückgang, wobei allerdings nicht übersehen werden darf, daß Nordböhmcn indirekt zur Besserung der Lage in anderen Gegenden des Landes und des Staates überhaupt beiträgt, weil hier auch Heuer doch noch Saisonarbeiter aus anderen Gegenden beschäftigt werden. Im Vergleich mit Mai 1983 ist die Anzahl der Arbeitslosen um 38.269, d. i. um 24.27 Prozent gesunken, im Vergleich mit Mai 1932 um 9928, d. i. um 6.29 Prozent. Dabei bleibt jedoch in einer Reihe politischer Bezirke die Arbeitslosigkeit noch sehr groß. So wurden mit Ende Mai noch auSgclviesen(in den Klammern erscheinen die Zahlen vom Ende Mai 1983): Reichcnberg 11.559(14.889), Gablonz a. N. 9899 (15.445), Tetschen 9791(14.932), Teplitz- Schönau 9619(12.515), B.-Leipa 8899 (19.459), Aussig a. E. 8354(8114), Komotau 8177(8649), Brüx 8748(19.792), Dux 7729 (8272) usw.; den Berufsgruppen nach handelt es sich um 21.628(29.766) Textil-, 19,217 (24.632) Hilft-, 18,621(24.597) Glas-, 11.183(15.958) Metall«, 19.256(13.698) Bau- und 9627(12.788) TageSarbeiter usw. Die Arbeitslosenunterstützung mit dem StaatSzuschuß erhielten: 84.597 gänzlich Arbeitslose(um 3431, d. i. um 9.65 Prozent weniger als im April und um 6152, d. i. 15.16 Prozent weniger als im Mai 1933) und 14.899 zellweise aus der Arbeit Ausgesetzte(d. i. um 147, also nur fast 1 Prozent weniger als im April und um 7652, d. i. um 36.94 Prozent weniger als im Mai 1933). In seiner Rede hatte Papen von einem g e- heimnisvollcnDunlel gesprochen, welcher über der Stimmung in Deutschland lagere, auf den Widerspruch zwischen den Zielen und der täglichen Praxis der deutschen Revolution verwiesen und die Meinung obgelehnt, daß sich durch Terror die Einigung einer Nation vollziehen lasse. Er fand auch scharfe Worte gegen den Byzantinismus. In feinen weiteren Ausführungen warnte er davor. daß Deutschland nicht zu einem Ausflugszug ins Blaue werden dürfe, der ins Unbekannte sah« und von dem niemand wisse, wohin er fahre und wo er stehen blechen werde. Schließlich sprach Papen davon, daß der große BertraucnSschatz, welchen daS deutsche Volk der gegenwärtigen Regierung entgegengebracht habe, bedroht fei und bekannte, daß er mit dem„begonnenen Feldzug MS Antwort auf die Verbrüderung der Henlein« und Landstandfascisten in Äischoftei- n i h hatte unsere Bezirksorganisation T a ch a u für vergangenen Sonntag eine Kundgebung mit dem Thema:„Arbeiter, Bauern und H e i m a t f r o n t" einberufen. Sie war von ubtt 1660 Arbeitern, Kleinlandwirten und Bauern besucht. Landstand und Heimatfront hatten trotz öffentlicher Aufforderung keine Redner gestellt. Genosse Iaksch setzte sich mit der ständischen Einkreisungspolitik auseinander und charakterisierte sie als W a h l m a n ö v e r. Demgegenüber erklärte er, daß cs angesichts des wachsenden Notstandes der Arbeitslosen, der Kleinlandwirte und Gebirgsbauern heute für die sudetendeutsche Politik nur ein Thema geben könne: Abwehr der Hungersnot. Zur Sicherstellung der VolkSernährung, zur Versorgung der von der Mißernte heimgesuchten Gebiete mit Futtermitteln und Saatgut, zur Regelung des Schuldenproblems, zur Rettung der arbeitslosen Jugend, zur Bekämpfung des Jndu- striesterüenS streben tpir eine engere demokratisch« Zusammenarbeit der Arbeiter und Bauern an. Desertieren aber die Landstandsührer vor ihrer Ausgabe und wollen sie die Landbevölkerung in fascistische Abenteuer verstricken, dann wird dieses Manöver der sozialdemokratischen Arbeiter« und Kleinbauernbewegung keinen Abbruch tun. Wir werden in den Bauerndörfern den Kampf ausiragen zwischen demokratisch-sozialer Aufbauarbeit und der Mandats ft reberei derStändefasciften. Unter großer Bewegung der Versammelten teilte anschließend der Kreisobmann der Kleinbauern und Häusler, Genoss« S t r e n z l, mit, daß er kürzlich in seinem Anwesen in Zlvingau nächtlicherweile von jungen Agrarfascisten überfallen und durch ein Steinbombardement durch die Fenster mit Weib und Kindern am Leben bedroht wurde. Kreissekretär Genosse W a n k a vertrat in einer Ansprache den Lebensanspruch der Arbeiterund Kleinbauernjugend und ihren Willen nach sozialer Erneuerung der Gesellschaft. Ein kommuni- stsscher Redner, welcher diese Auseinandersetzung mit dem FasciSmus für seine Parteizwecke mißbrauchen wollte, wurde von den Versammelten einmütig abgelehnt. Walirtan In Lettmerltz Der am Sonntag in Leitmeritz abgehaltene W e h r t a g gestaltete sich zu einer großen gemeinsamen Kundgebung der deutschen und tschechischen Bevölkerung deS Elbegebictcs. Mini« ster B r a d a L unterstrich in einer Ansprache ».000 Hoicnarbclter treten Ole Arbeit an San Francisco, 17. Juni. Heute wurde der Streik der 15.000 Hafenarbeiter, der fünf Monate gedauert hatte, durch einen Vergleich bcige- legt. des ReichSpropogandaministers Dr. GoebbrlS gegen Kritikaster und Miesmacher" nicht überein stimme. Man dürfe nicht jedes Wort der Kritik als Böswilligkeit auslegen, vaterlandsliebende Volksgenossen, die verzweifeln, dürften nicht als Staatsfeinde bezeichnet werden. Die Bevölkerung wisse, daß man von ihr noch große Opfer verlangen iverde. Die Stimmung und das Vertrauen können aber nicht durch Aufpeitfckuing der Leidenschaften und durch Drohungen gehoben werden, sondern nur durch brüderliche Liebel!) und durch gegenseitige Ach tung. Die doktrinären Fanatiker müssen verstummen, wenn die bescheidenen Reste dessen, das gerettet wurde, erhalten bleiben sollen. Die Rede PapenS gipfelte in der Warnung. Deutschland könne es sich nicht erlauben, die überkommenen Werte leichtsinnig umzustürzen. den defensiven Charakter unserer Webrpolitik. Bürgermeister Krcpek und Minister Spina traten in ihren Reden für eine Vertiefung der tschechisch-deutschen Zusammenarbeit ein. Minister Dr. Cern* für soziale Demokratie In Königgräh fand Sonntag der Gaukongreß des Nachwuchses der Republikanischen Partei statt. Innenminister Dr. Cerny hielt hier eine Rede, in der er u. a. die Annahme eines Getreide Monopols ankündigte und über die Einigung aller Koalitionsparteien hinsichtlich der Sozialversicherung berichtete. »Dir Krise der landwirtschaftlichen Pro» duftion", führte Innenminister Ceruh weiter aus, hat auch in dem Rückgang deS Fleisch» kvnsumes einen ihrer Gründe, der seinerseits wieder mit der Arbeitslosigkeit zusammenhängt. Mit der Lösung der FragrdrrArbeitSlofigkeit werden wir zum Teil auch die Frage der landwirtschaftlichen Krise gelöst hab« n." Zum Schluss« befaßte sich der Minister mit der Bedeutung der Demokratie für den tschechoslowakischen Staat und sagt, selbst wenn alle anderen diese Staatsform verlassen würden, so müssen wir e r st recht bei ihr bleiben. Wir sind eine kleine Nation, die in Anbetracht ihrer Bildung niemals eine Diktatur ertragen würde. Vergessen wir nicht, daß der tschechische Mensch jahrhundertelang gegen jede Diktatur kämpfte." Genf, 18. Juni. Die Internat. Arbeitskonferenz hat mit 66 gegen 25 SUmmen den Antrag betreffend Abschlusses eines internationalen Abkommens über die Regelung der Arbeit, des Schichtwechsels und der Ruhepausen in den selbständigen Glasfabriken zur Erzeugung von Tafelglas angenommen. Die Glasfabriken nlüssen mindestens vier Arbeitsschichten beschäsli- gen. Die wöchentliche Arbeitszeit darf 42 Stunden nicht übersteigen, wobei die Arbeiter nicht länger als acht Stunden ohne llntcrbrcchung arbeiten dürfen. An> Nachmittag behandelte die Konferenz die Frage des Borbotü der Frauenarbeit untertags und beschloß einmütig, daß dieses Verbot auf Grund eines internationalen Abkommens imd nicht durch blosse Anempfehlung durchgeführt werden. Ohne Opposition wurde mit 83 Stimmen ein Text angenommen, der genau die Ule journaiistischeii Exzesse Oer Chrlstilchsozialen nehmen ihren Fortgang; an: Sonntag ist die „D rutsche Presse" mit einem Leitartikel auSgeriickt, um die„Pressefreiheit" gegen die— Sozialisten zu verteidigen. Wir selber haben schon auf eine Notiz ähnlichen Inhalts, die die „Deutsche Presse" tagsvorbcr veröffentlicht hatte, erwidert, wie grotesk cs lvirkt, jetzt die Christlichsozialen, die Partei- und Gesinnungsfreunde der blutbefleckten,„autoritären" Dollsußianer, als ex offo-Berteidiger demokratischer Wüunsche zu sehen, deren demokratischester ja nicht einmal mehr laut werden dürste» wenn die sudctendcutfchen Christlichsozialen nach ihrem Herzen handeln und Politik treiben könnten— denn dann würde auch hierzulande die Sozialdemokratie hinweggesegt werden, eben damit mit dieser ehrlichsten und kämpferischesten Sachwalterin der Demokratie diese selbst restlos beseitigt werden könnte! Wir denken nicht daran, uns aus das Niveau der„Deutschen Presse" hinabzubcgeben, deren Leitartiel genügend gekennzeichnet ist. wenn man scststellt, daß er aus dem„Gedanken" basiert, den„sozialistischen Bonze n" gehe es nm nichts anderes als um die „Futterkrippe". Wer wie die„Deutsche Presse" in diesem Eutscheidungskampf zwischen Demokratie und FasriSmuS solcher Methoden sich bedient, verrät zu deutlich, aus ivelcher Seite er steht! Und nur weil die anderen, tschechischen sozial!stischcn Pa r t e i e n vielleicht die deutsch-chrisllichsozialcn Ergüsse im Original»ich! lesen und loeil das Folgende alle sozialistischen Parteien angcht, soll hier wiedergegebcn werden, lvie sich das Organ des Exministers Mahr-.tzar- ting und des Herrn Senators Hilgenrciner über die Absicht der Gesetzgeber äußert, in die neue Vorlage auch Bestimmungen gegen die Sensation-- und Schniutzpreffe auszunchmcn; die ehrbaren Väter oder Jünglinge in der„Deutschen Presse" schreiben darüber: „Zu wünschen wäre, daß diese einzige trotz ihrer Motive begrüßenswerte Absicht des Gesetzes auch gegen jene Presse de» sozialistische« Regle- rungSlagerS Anwendung finde, die an Schmutz und Schund SttlbrnhS Presse noch weit über- trifft." Sollte sich unter den christlichsozialen Politikern wirklich nicht einer finden, der den Versasser dieses Artikels bei den Ohren nähme und ihm sagte, daß solche haltlose und nichtswürdige Pau- schalvcrdächtigung den guten Sitten nicht nur der anständigen Presse, sondern überhaupt mitteleuropäischer Menschen tvidcrspricht? Freilich, von Leuten, die bei Herrn Feh und bei den österreichischen Henkern in die Schule gehen, kann man gute Sitten in keinem Falle verlangen... Noch ein Fasclstenprozcß Gestern hat in Brünn vor ciucm Strafsenat unter Vorsitz des GR. Dr. Hagel der zweite FafeistenProzeß gegen 24 Teilnehmer an dem Ucbcrfall auf die Schimitzec Kaserne unter Führung des inzwischen verurteilten Kobsinek begonnen. Die 24 sind wegen Vorbereitung von Anschlägen gegen die Republik nach Paragraph 2 deS SchutzgesctzcS angeklagt. Alle Angeklagten sind mit den Autobussen, die die Fafeisten nach Brünn brachten, gefahren. Einige erklärten, daß sie sofort nach ihrer Ankunft wieder umgelchrt wären, an dere wollen erst in Brünn bei der Ansprache des Kobsinek erfahren haben, worum cS sich in Wirl- lichleit handle. Daraufhin seien auch sie nicht mit in die Kaserne eingedrungcn, sondern zum Teil schon nach der Rede Kobsincks in Bauniverstecke ge gangen. Zum Teil seien sie während dcö Mar- schcs gegen die Kaserne entwichen. In der 'Verhandlung wurden die Anklageschriften verlesen und ein Teil der Angeklagten vernommen. Die Zeugen sind für Mitttooch und Donnerstag vor- ! geladen. t Aufenthalt Darthous In Wien Paris, 18. Juni. Außenminister Barl Hou ist heute um 20 llhr nackl Bukerast und Belgrad abgereist. Er lvird auf dieser Reise vom jugoslawischen und voni rumänischen Gesandten in Paris begleitet. Er wird unterwegs morgen kurze Zeit in Wie n verweilen. Arten von llntcrnchmungen bestimmt, in denen die Untertagöarbcit der Frauen verboten werden soll. Weiter behandlcte die Konfrenz nach längerer Debatte und sehr lebhaftem Meinungsaustausch die Vorschläge, die die Erweiterung des Abkommens über Entschädigungen an Arbeiter betreffen, die von Berufskrankheiten betroffen wurden. ES handelt sich mn die Revision deö im Jahre 1025 abgeschlossenen Abkommens. Neben der Silikose(einer Krankheit der Atmungsorgane) dehnt die vorgeschlagene Revision den Schutz aus Personen ans, die an Bcrgis- tungen durch Phosphor und Arsenik oder an Uebeln leiden, die durch Radium und ähu- liche Stoffe verursacht wurden. Der Vorschlag der Sondcrlonnuissiou beiresfend die Revision des Abkommens lvurdc mit 71 Slimen gegen eine Stimme genehmigt. Die Rede des Vizekanzlers wurde Sonntag im Rundfunk verbreitet und sollte nach dm ursprünglichen Disposstionm Montag in dm Rundfunksendungen wiederholt werden. Mit Spannung erwartet man, wie dieser Konflikt-wischm den beidm Mitgliedstern der Rkich-regirrung gelöst werden wird. Der politische Sonntag Abrechnung mit dem Stttndeffasdsmus In Tachau Tchechlsch-deutscher Wehrtag In Leitmeritz Minister Dr. Cerny Uber Tagesfragen Wichtige Konventionsentwürfe der Arbeitskonferenz Tafelglasfabriken— Frauenarbeit untertags— Berufskrankheiten vie in seiner Durchführung einzigartiger Einbruch verübt. Die Einbrecher drangen durch einen in die Elbe mündenden Kanal, der infolge des niederen WasserstandeS sehr leicht war, in den Laden, indem sie durch tvochcnlange Arbeit etwa vierzig Meter von der Straße weg den»anal durch einen Stollen bis zu dem Hause, iw dem sich der Julvclierladen befindet, verlän gerten und von unten auf durch eine Fußboden- össnuug in den Laden kamen. So meisterhaft die Vorarbeit für den Einbruch war, so stümperhaft war dieser selbst:'denn die Einbrecher vermochten Gold nicht von Double und Glas nicht von Diamanten zu unterscheiden und rafften infolgedessen Wohl viel, aber meist nur Willige Sachen zusam men.' MD etwa 20:000 KL....,, stücke, von denen ein eittzclttcö den Werl des gan». von ihnen wurden mif der Stelle getötet und zen DiebSgutcö gehabt hätte, unbeacluet liegen., die sechs anderen verletzt. Von den Einbrechrn fehlt bisher noch jede Spur. Die Schatzgräberei hat in Bodenbach und der Um gebung begreifliches Aufsehen hcrvorgernfen. die die kleinbürgerlichen Spictzerrcaktionäre rund ums Hakenkreuz erst auf die Tyrannensitzo geschoben hat, veranlaßte den Herrn von Pa* Pen zu diesem Verzweiflungsschritt. Was er ris- kiert? Vielleicht setzen ihn die guten braunen Kameraden mit schlichtem Abschied an die Luft, als erste Etappe gleichsam auf dem dornenvollen Wege zum bitteren Endziel des Konzentrations- lagerö. Aber intmerhin, heute ist er noch Vizekanzler. Doch das nützt ihm nichts. Der Reichs- propagandannnister verhängt die Zeitungsfcm« über ihn. Welch eine Groteske! Die Oppositionsrede, durch den Rundfunk verbreitet, darf von den hörigen Gazetten nicht publiziert werden. Ncudeutsche Spässe der echten Führer, die sich zur schallenden Heiterkeit des Auslandes vor aller Welt in die Haare geraten. Ein wirklich homogenes Kabinett, in dem sich die illustrcn Stützen der Gesellschaft in dieser Weise im Stra- ßengrabcn Prügeln. Herr Hitler pflegt sich be- kanntlich gern als starker Mann aufzuspielen, dessen Autorität blindlings akzeptiert wird, komme, waS mag. In Wahrheit ist er nur eine hin und her dirigierte Puppe zynischer Unter- bonzcn, die jetzt ohnmächtig zuschcn muß, wie der ausgerutschte Propagandaminister sein autoritäres Regime bis auf die Knochen blamiert. Herr Mussolini wird sich wundern, wenn er er- fährt, wie grandios der Führer seine Kamarilla an der Kandare hält. Vor dem Chef dieses Ka- sperlthcaters hat er seine schwarzen Garden paradieren lassen. Das arme deutsche Volk aber, das unter der Fuchtel dieser dilettierenden Schrei- Hälse leben muß, wird wieder reichen Stoff zum MieSmachen hoben. Und mag sich den Unter- tanenkopf darüber zerbrechen, weshalb cs wohl nicht im Morgenblatt erfahren darf, was es am Abend laut und ausführlich, aus feinem Rund- funk gehört hat. Disziplin, Ordnung und Ver- nunft im fascistischen Staat... Da sind wir im demokratischen Staat doch vielleicht die besseren Menschen—! Die Hitzwelle hat besonders Frankreich ergriffen. Das Thermometer zeigte am Sonntag in Paris im Schatten 31 Grad. Aus allen Provinzen werden ähnliche Temperaturen gemeldet. Die starke Trockenheit läßt für die Ernte die schlimm st en Befürchtungen aufkommen. In mehreren Stadtvierteln von Lille herrschte am Samstag und Sonntag so großer Wassermangel, daß die Bewohner sich daß Wasser aus anderen Vierteln holen mußten. Die Stadtverwaltung hat die Bevölkerung aufgcfordert, sparsam mit dem Wasser umzugehen.— Großbritannien ist andauernd in der Zone eines ausgedehnten Anti- Neudeutsche„Führer"-Riugkämpfe. Es geht wirklich„führer"mäßig zu im autoritären Drit- | tcn Reich! Da hat der Vizekanzler von P a p e n an der Marburger Universität eine Rede gehal tcn, in der er, kiihn gemacht durch seine ministerielle Position, den kleinen Propagandatcufel des reiselustigen Cäsar nicht eben leise zu kitzeln wagte. Die wilde Miesmacherei des Dr. Goeb- bels, sein Sturnl im Wasserglas gegen die Reak- tion, von der ihn übrigens nichts trennt als die Demagogie, deni Volke einzureden, daß er nicht zu ihr zu zählen sei, das immer anmaßcndere Auftreten der Totalen gegen die verkümmernden Amphitheatralisch angeordnet, bietet er 8 0 0 0 Zuschauern Platz. Einen großen Teil der Halle nimmt der Bühnenraum ein, der gänzlich von der üblichen Guckkastenbühne alnvejcht und durch einen mächtigen Spitzbogen, von zwei kleineren Spitzbogen flankiert, die Einheit des Gesamtraumes betont. Eine große Vorbühne, nach hinten durch gewaltige Schievetore abschließbar, schafft einen eigenen Schauplatz. Wenn Massenszenen es erfordern, dann öffnen sich die Tore und erlveitern den Bühnenraum, den eine monumentale Treppe gestaltet. Szenen intimen Charakters sind in die kleinen kapellenartigen Räume an die Seite verlegt. So stehen dem Spielleiter vier Szenerien zur Verfügung und so kann er durch den Wechsel der Schauplätze jede erwünschte Schattierung und Stimmung der Wirkung erzielen. Diese szenische Lösung ist ohne Zlveifel glücklich. Sie räumt mit der Trennung der dramatikchen und der Welt des isolierten Schauspieler- gänzlich auf, ist sie imstande, das Publikum unvergleichlich stärker als bisher im Bannkreis des Spiele- einzubeziehen. Modes hat sich dabei an die zahlreichen Versuche, die in dieser Richtung seit langem gemacht wurden, gehalten und sein Instinkt für die Notwendigkeiten de- MaffentheaterS hat ihn richtig beraten. Eine andere Frage allerdings ist es, ob und wie weit sich die Reden des Schillerschen Wallenstein- für diese Inszenierung eignen. In den immensen Dimensionen solcher Räume ist die agierende Einzelperson verloren. Mgcht es der Stimme schon Schwierigkeiten, überall verständlich zu sein, so werden Schritte, Gestik und Mimik des Schauspieler- erst recht von der Distanz verschlungen. Auch ist die Voraussetzung vollendeter Sprachkenntnisse hier unerläßlich und leider nicht immer gegeben. Von solchen Mängeln, die im Wesen der Ausgabe liegen, abgesehen, vermochte die Auf» sührung jedoch starken Eindruck zu machen. Den Reizen der Bühnenwirkungen der Monumentalität und der starken Bewegtheit der Bilder konnte sich niemand entziehen.. Die Schauspieler bewältigten ihre übermenschlichen Aufgaben nach menschlichen Kräften; Wesolowski als Wallenstein, dem die Gestaltung der einheitlich großen Profilierung nicht gegeben ist, am schwersten. Ihre Problematik, ihre Reflexion, ihre Unentschiedenheit erschien schwächer, als e- die gigantischen Maaße und die Maaße des Milieus erlauben. Um so stärker traten Max Piccolomini(Fritz Dietz), Buttler(Willh Volker). Gräfin Tczkh(Hedwig Bleibtreu), Octavian Piccolomini(Friedrich Richter) hervor. Die große Reihe der übrigen Darsteller fügte sich mit ausgezeichneten Leistungen in das Gesamtbild. Die Erinnerung bewahrt freilich den stärksicnEindruck durch das Werk der Regie und damit dürfte auf da- Grundproblem hingewiesen sein: Ob ein Sprach» kunstwerk überhaupt das gegebene Thema eines Maffenfestfpielc- in solch riesigem Rahmen sein kann ohne entweiht zu werden. I. B. At«»«Schwimmeri» rettet einem Lehrling da« Lebe« Am Sonntag geriet der in der Konditorei Keßler in Tctschen beschäftigte etwa 15jährige Lehrling E t t r i ch aus Stimmersdorf beim Baden in der Elbe oberhalb der Nordbahnbrückc in Bodenbach in die Strömung und wurde von den Wellen mitgeriffen. Des Schwimmens unkundig, begann er alsbald zu sinken und wäre zweifellos ertrunken. Im letzten Augenblick bemerkte ihn noch die A t u s- S ch w i m m e r i n Gertrud H a n n i ch aus Bodenbach und eilte ihm zu Hilfe. Es gelang dem mutigen Mädchen, den bereits Bewußtlosen zu erreichen und ans Land zu bringen. Im Verein mit einein Turngenossen unternahmen sie dann an dem jungen Burschen Wiederbelebungsversuche, die nach einer Stunde Erfolg hatten. Ohne die Entschlossenheit des mutigen Mädchens wäre der Junge ertrunken. Ein Bravo dem tapferen Tur- nermädcll Selbstmord eines Zugsführers aus Angst vor Strafe Der nach Vanicc im pol.'Bezirk Vysokö Mhto zuständige Zugsführer Bohumil Zamastil in Prag hat sich um 8 Uhr aus seiner Dienst- pistole erschossen. Zamastil hatte sichmm 16. dS. abends eigenmächtig aus dem Dienst des Bereitschaftskommandanten entfernt und war erst um 2 Uhr nachts zurückgelehrt. In der Zwischenzeit geriet er in Dejvice in der Dejvickä mit Zivilpersonen in einen Streit, und als er vom Revier- polizeiinspektor verhaftet wurde, entriß er sich ihm und flöh, ohne daß er sichergestellt werden konnte Nacb seiner Rückkehr wurde er vom Kasernenaufsichtsoffizier einvernommen, der jedoch bis dahin über den Auftritt mit der Polizei nichts wußte Während der Einvernahme lvurdc telephoniert, daß nach einem Zugsführer gefahndet wurde, der einen Exzeß hervorgerufen hatte. Als Zamastil die Entgegennahme der telephonischen Meldung vernahm, wartete er deren Ende nicht ab, sondern entfernte sich schnell und gab einen Schuß auü seiner Pistole gegen sich ab. Es handelt sich also sichtlich um Selbstmord aus Angst vor der drohenden Strafe. Wal-brL«-e Montag gegen 1 Uhr brach beim Sorghos ober halb von Kammerdorf in der Nähe von. Fran zensbad ein Waldbrand aus, der infolge der großen Trockenheit mit außerordentlicher Schnellig keit etwa 10 Hektar Wald, meist Jungholz, erfaßte und gefähliche Formen anzunehmen droht«. Nicht nur alle Feuerwehren aus Eger und der Umgebung, son dern auch Militär, Gendarmerie und Polizei rückten zur Bekämpfung des Feuers ans. Bon 200 Mann der j Ggerer Garnison wurden Gräben in dem bedrohten' Reste der deutschiiational biirgerliche» Reaktion Immerhin hat die Beute eine» Wert von i.,...„„ o. Dagegen ließen sie Schmuck-- ExplosioneinerMine überrascht. Bier . 2°lnu, 18. Juni, vor einem Strafsenat des«£ hiesigen Kreisgerichtes hatten sich der 20jährige Absolvent der deutschen Landwirtschaftlichen Schule Fr. I r s ch i k und der 18jährige Maurer K. P r I n a aus Neustift bei DaLice wegen Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit i und Vergehens der Störung des allgemeinen Friedens zu verantworten. Tie beiden Genannten beinnlten mit Hakenkreuzen und den Wor» len ,.H eil Hitler" dir tschechische staatliche Miuderhcitcnschule in Nenstift und außerdem auch I alle Meilen st eine auf den Straßen der! Umgebung. Ferner wurde ihnen zur Last gelegt, daß sie eines Nachts einen Draht über die Straße zogen, auf den ein Personenauto ausfuhr, wobei dank dem Umstände, daß es geschloffen war, die Insassen des Autos unverletzt blieben. Tie Angeklagten verteidigten sich vor Gericht damit, daß sie v o n z wc i R e i s e n d e n. von denen einer aus Komotau und der andere aus Deutschland war, zu ihrer Tat a n g e st i f t e l l wurden. Das Gericht verurteilte Jrschik zu-1 Mo- natcn sckuveren Kerker und Prkna zu 3 Monaten! schweren Kerker. Beide Strafen wurden unbedingt j ausgesprochen. Der erste Kanonenschuß läßt de» friedlichen OUVVil Marktplatz von.Eger ein wenig zusaminenschr-cken. * Krach und als das Wallensieinsche KriegSvoU zu Fuß, zu Roß und mit Wagen, Frauen und Kindern Bagage, Geschützen und unter Gesang zu beiden Set- teit des Stockerl einzieht, fühlt man sich schon mitten drin im kriegerischen 17. Jahrhundert und die architektonische Szenerie de- alten Markte- trägt daihrige dazu bei. Im Gegensatz freilich-ur Zeit vor 300 Jahren stehen die Egeraner, die damals, fluchend die Pest der Soldateska hcreinkommen gesehen haben mögen, heute rund nm die Arkebusiere, Dragoner und Kürassiere und begrüßen in den malerisch koslüniierten WaUcnslcinern ihre Freunde. Für die andern, die Auswärtige sind, ist die Sache in der MittagSglut weniger amüsant. Aber sie trösten sich damit, daß es die Soldaten-in ihren Wämsen, Kollern und Eisenbrünnen und Helmen noch wesentlich undequcnier haben. Was immer mit dem Militär zusammenhängt, bedeutet vorerst: warten. So wartet man also geduldig, bis sich der Zug von ein paar hundert schwitzeirden Reitern und Fußgängern wei- terbcwegt, zur Kaiserburg zu. Dort im Burghof der alten Staufxnpsalz sieht man eine"Freilichtbühne hergcrichtet, auf der nun„W a l l e n st e i n S L a g e r" in Szene geht. Und diese Szenen lassen in der Tat an Stilreinheit nichts zu wünschen übrig: das romanische Maucrtverk ringsum mit einigen prachtvollen Resten mittelalterlicher Baukunst, der gewaltige schwarze j Turni zur Seite, vor dem Grün der Bäume und t unter dem reinen Blau des Soinmerhimmels, unten der Fluß und rundum die Landschaft des Egerer Landes— einen schöneren Rahmen kann' man sich für das farbenfrohe Gcwinnncl des Lagers freilich nicht wünschen. Die Massenkomparserie begleitet die Abraham a Sancta Clara-Predigt des Kapuziners (Josef Hübner) und der sich anschließende Sol- datenrat, in dem Han- Baumann als wallonischer Kürassier hcrvorragt, leitet zu dem eigentlichen Drama über. Zu dessen Betvältigung mußte sich der Meister de- Spieles, der St. Gallener Intendant Dr. Mode-, de- entgegengesetzten Prinzipc- bedienen, j Gibt die Darstellung des Lagers, im Freien, unterstützt von der Wirkung der Natur und der freien Bewegung der Massen einein sinngemäßen Realismus Raum, so nötigt die Wiedergabe der Teile, di« Wallensteins Tod darstellcn, iin geschloffenen Raum und ohne Unterbrechung gespielt, zu stärkster Komprimierung und Stilisierung. Mode- hat die beiden Dramen in fünf Akte zusannncngesaßt, hat die rethorische Breite geopfert und durch„Begrenzung der poetischen Verklärung" de- Helden unter Verzicht auf die»»historische Idealisierung den echten Wallenstein deutlicher zu charakterisieren versucht. . Ein Problem für sich bildete der Raum de- Theate.rp, die riesige Fe st Halle auf der Burgwiese. Weftböhmischer Arbeitersport vom Sonntag ' Im Vordergrund der sportlichen Betätigung stand Sonntag da- Schwimmen. In allen Flüssen und Teichen Westböhmen- waren Arbeitersportler sichtbar. . Der KreiSschwimmauSschuß tagte Sonntag in Falkenau und beschloß für den 15. Juli einKrei-» sch Wimmertreffen in Heinrich-grün her Rotbau. Alle Äezirk-schwimmwarte waren zugegen und berichteten über Bezirk-Veranstaltungen. In Altrohlau beteiligten sich im Rahmen eines Bezirkskindertages 205 Kinder an einem Wetturnen. NachinittagS wurden Kindervorübungen auü den Olympiade-Tänzen der Kinder al- Vorprobe für die Olympiade mit Musik geturnt. Im Fußball gab es nur Freundschaftsspiele. Die große Hitze stellte kolossale Anforderungen an die Spieler. Resultate: FFK. Falkenau gegen ASB. Neudek 6:2, Unterreichenau gegen Franzensbad 8:1, Drahowitz gegen Sodau 8:3, Turner Neurohlau gegen FB. Horn 4:2, Sobrowitz gegen Unterreichenau 6:2, Zettlitz gegen FK. Braunsdorf 4:0, Rote Elf Ehodau gegen AFV. Eger 1:4, Theuffau gegen GraSIih 4:0. Zyklons. Im Laufe des vorigen Sommers lvar in London nur ztvcimal ein meßbarer Niederschlag zu verzeichnen. Insgesamt betrug die Niederschlagmenge einen halben Millimeter Wasser. Ende der vorigen Woche erreichte an vielen Orten England- die Temperatur die Höhe von 31 Grad Celsius, d. i. das Maximum seit dem vorigen August. Obzwar vorläusig in Londoir und Umgebung die Wasserbelicfcrung nicht eingeschränkt werden muß, so wurde dennoch die Bevölkerung ausgefordert, soviel als möglich mit dem Wasicr zu sparen. In zahlreichen Gegenden auf dem Lande hat die D ü rrc große Befürchtungen her- vorgcrufen. An manchen Orten herrscht auch bereits-tatsächlicher Wassermangel. Zum dauernden Gedenken an dir Grubenkatastrophe auf dem Nelsonschachte wurde von der Gemeindevertretung von O s s e k einstimmig beschlossen, den 8. Jänner in Zukunft al- Unglücksund Gedenktag zu begehen. An diesem Tage dürfen keine Lustbarkeiten abgehalten werden. Selbstmord aus Enttäuschung über Prag. Die siebzehnjährige Hausgehilfin Diarie Trävni- öek verübte Freitag in der Wohnung ihrer Arbeitgeber in Prag II Selbstmord. Das Mädchen hatte nach vieler Mühe ihr Ziel, aus ihrer Heimatstadt Easlau nach Prag zu kommen, erreicht, doch fühlte sie sich in der Großstadt verlassen. Ihre Enttäuschung steigerte sich bis zum Lebensüberdruß, der sie nun zum Selbstmord führte. Eine moderne Badeanlage in Podersam. Am Sonntag wird in Podersani ein aus dem Sladt- sonds geschaffenes errichtetes BolkSbad feierlich eröffnet werden» an dessen Errichtung deutsche und tschechische Einwohner der Stadt teilgenommen haben. DaS Bad befindet sich beim Eintritt in den S t a d t p a r k, der jetzt mit einem großen Aufwand adaptiert wurde. Die Gesamtfläche deS Bades beträgt 5000 Quadratmeter, eS besteht auS drei Teilen. Ein Teil mißt 2000 Quadratmeter, ist 2 Meter tief und fiir Schwimmer bc- stiiumt. Dieses Bassin ist 50 Meter lang. Ein zlvcitcS Bassin in der Länge von 35 Metern, etwa 1.2 Meter tief, ist für Nichtschwimmer bestimmt. Der Rest der Wasserfläche in der Länge von 25 Metern ist ein Bassin für Kinder. Der Fußboden deS BadcS ist aus undurchlässiger Tonerde hergestelli und mit feinem Flußsand bedeckt. An der breitesten Seite des Bades befindet sich ein«, aus Brettern hcrgestcllte Sonnenprome- n a d e in der Länge von 45 Metern und in der Breite von 5 Metern. Ferner enthält das Bad einen 110 Meter langen und 7 Meter breiten S a n d st r a n d für Sonnenbäder. DaS durchfließende Wasser liefert der Podersamer Bach, dessen Lauf im Parktcil reguliert worden ist. Tas Wasser wird durch natürliche und Maschinensiltcr gereinigt. Die Wärnrelvelle hat sich vom Westen her auf Mitteleuropa ausgedehnt. In Böhmen ist die Temperatur zum erstenmal in diesem Jahre an zahlreichen Orten über 30 Grad Celsius gestiegen. Prag hatte um 16 Uhr pluS 32 Grad. Unter dem Einfluß von D r u ck st ö r u n g e n über Skandinavien dreht nunmehr der Wind nach Westen. Da er auf einem Gebiet weht, i» dem eS noch trocken und warm ist, dürfte vorläusig keine wesentliche Acnderung deS allgemeinen Wct- tercharakters eintretcn. Wahrscheinliches Wetter von Dienstag: Ziemlich heiter bis wechselnd bclvöltt, auch im Osten der Republik sehr war m. Bis auf ganz vereinzelte Gewitter trocken. Wind aus westlichen Richtungen. Wetteraussichten fiir Mittwoch: Wetterlage unsicher. Vom Rundfunk Empfehleuomerte« ans den Programmen» Mittwoch. Prag: Sender L.: Gymnastik. 10.05 Deutsche Nachrichten. 12.80 Konzert deS Salonorchesters. 17.40 Schallplatten. 18.20 Deutsche Sendung: Arbeiters unk: Aktuelle zehn Minuten. 18.80 Dr. Robert B a u m g ä r t e l: Todesstrafe und' soziale Justiz. 18.50 S o z i a l i n f o r m a t i o n en. 18.55 Deutsche Presse. 10.50 Violinkonzert. 20.10 Konzert eines russischen Gcsangschores. 22.15 Berichte der Dritten Arbeiterolympiade.— Sender St.: 14.25 Deutsche Sendung: Auf Ferienwanderung im Böhmerwald.— Brünn: 15.15 Orchesterkonzert. 17,46 Deutsche- Sendung: Moral der Werbung und des Verkaufes.— Mähr-Ostrau: 22.10 Tanzmusik.— Prestburg: 12.30 Orchesterkonzert. 10.80 Violinkonzert. fe. ltt DienStag, 19. Jstmi 1934 -Seils- 8-- Weltrekord eines 15jährigen Moskau, 18. Juni.(Taß.) Wie ans Nowosibirsk gemeldet wird, stellte der 15jährige Ma- s a r o w mit seinen« Fliigzeugmodell einen neuen Weltrekord auf. Er erreichte«nit dem Flugzeugmodell eine Höhe von 150 Metern und tonnte sich eine Stunde und vierzig Minuten in der Luft halten. Er legte eine Strecke von über viertausend Metern zurück. Das Kastrierungsgericht arbeitet mit Volldampf Seit 18. Mai 388 Kastrierungen angeordnet! Berlin, 18. Juni. Seit dem 15. Mai d. I. hat da- Berliner Gesundheitögericht in 20 Sitzungen die Durchführung der beantragten Sterili- sierungen in 325 Fällen beschlossen, während in 23 Fällen die Unfruchtbarmachung abgelehnt wurde. In rund 44 Prozent aller Fälle ist der Antrag auf Sterilisierung von den Kranken selbst gestellt worden, in sieben weitere«« Fällen vom Vormund des Kranken, in 31 Fällen vom Amtsarzt, in sechs Fällen vom Gcrichtsarzt und in 138 Fällen von Anstaltsleitern. Die Verteilung nach dem Lebensalter und Geschlecht ergab, daß die Sterilisierung häufiger bei Männern als bei Frauen beschlossen tvurdc. In 13 Fällen waren die unfruchtbar zu Machenden unter 20 Jahre alt, währerrd da- Hauptkontingent mit über 250 Fällen, von den Altersstufen zwischen de««« 20. und dem 39. Lebensjahr gestellt wurde. Elf der Unfruchtbar zu Machenden waren mehr als 50 Jahre alt. Der Einbrecher bei den Nonnen Aufregung im Prager Kloster der Karmeliterinnen Die Pförtnerin des Karmeliterinnen-Klo- stcrS in Prag I V machte in der Nacht auf gestern die Polizei a««fmerlsam, das; ein Einbrecher aus dein Boden des Klostergebäudes sei. Die Polizei tonnte jedoch nur feststellcn, daß der Dieb die Gefahr rechtzeitig gemerkt hatte und geflohen war. In« Kloster herrschte inzlvischen große Aufregung, denn den Nonnen dieses Ordens ist cS verboten, einen Mann anzuschen und eS besteht die Vorschrift, daß sie sich, wenn trotz dcS Verbotes ein Mann in das Kloster gelangen sollte, mit dem Gesicht auf dei« Erdboden zu«verfen haben, bis die »Gefahr" vorüber ist. Für Karmeliterinnen ist also ein Einbrecher eine doppelte Sensation. Adel verpflichtet... PariS,'18. Juni. Das Gericht von Pcniiorsc verurteilte an«'Samstag dei« Grafen Wilhelm de Sigurn zu einem Jahr Haft unbe« dingt, zu einer Geldstrafe von 500 Francs und 2000 Francs Schadenersatz, der am 22. Mai im angeheiterten Zustande mit seinem Auto eine Frau überfahren und dann die Flucht ergriffen hatte. DaS Gericht erkannte dem Verurteilten, der der Repräsentant einer der hervorragendsten französischen Adelsfamilien ist, einige mildernde Umstände zu, insbesondere Belastung durch AlkoholiSmuS. Gras Wilhelm de S4gur ist der Gatte der bekannten Schauspielerin Cöcile Sorel, Drei Todesurteile in Dessau. Das Anhal- tische Schwurgericht hat da- Urteil über die vier des Mordes und Raubes an dem Grubcndirektor Wiederhold aus Bitterfeld angeklagten Personen gesprochen. Albert Lehmann, 23 Jahre alt, Fritz Gehre, 24 Jahre alt, und Theodor Wolf, 18 Jahre alt, wurden zum Tode und zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Hans Lehman«« erhielt als Jugendlicher nur eine Gefängnisstrafe. Die Kafferbauern in Panama, unter ihnen auch zahlreiche britische Staatsangehörige, ersuchten, datz die Einfuhr nach Deutschland verboten werden möge, da sie befürchten, Vom Prater Rundtun!« Am vorvergangenen SamStag gab cs ein Gespräch zwischen Quartanern über„E n t jl e h u n a des Tonfilmes". Man kann nicht sagen, da« solche Liebhaberplaudereien einen klaren Einblick in die Geheimnisse der Filmtechnik vermittel«',. Rein äußerlich wirkt der Wechsel zlvischen Frage und Antwort in seiner mechanischen Unnatürlichkeit keincS- ivegS schön. Ist also der Zweck deS Ganzen nicht recht einzusehen.— Konzertsängerin Clanner-En- gelshofen vermittelte mit sehr kultiviertem Singen und intelligentem Bortrage unbekannte Lieder sudetendeutscher Komponisten. Vertreten wäre««: Reisner, Auentraut, Gerhardt, Kühnel, Nick, Preis und Horn. Die Sendung war reichen Dankes wert. Mariann« Biedermann wirkte als vorzügliche Begleiterin auf dem Flügel.— Am Sonntag hörte man in der Strafchnitzer Arbeitersendung einen von Genossen Dr. Brügel gelesenen Vortrag über das »Gesetz Aber die M i n i st e r v e r a n t tv o r t- lichkeit". Er beschäftigte sich mit den Bestimmungen über die Strafverfolgung, die Anklage und die Berteidigustg. ZweifellöS gab' der Vortrag für viele Hörer Aufklärung über ein wichtiges Kapitel der Staatsbürgerkunde. Aehnliche Vorträge sind nur zu empfehlen; denn gerade die Demokratie muh Ihre Grundlagen in den staatsbürgerlichen Kenntnissen aller Zugehörigen sichern. Anschließend sang Prof. Josef Prachner„Alte Lieder zur Laute". Aus den vergessenen Schatzkammern der Vergangenheit hebt der vortreffliche Sänger wahre Perlen aller« Vorsicht mit Tintenstifte«! Nur mit Schutzhülse tragen Von Professor Dr. B. Lieblein. In dem ausgezeichneten Werk„75 Jahre Erste Prager Krankenversicherungsanstalt der Handels- und Privatangestellten 1858—1988" befindet sich der nachstehende Aussatz des bekannten Prager Chirurgen, der als ein Mahnwort an die Mitgliedschaft der Kassa gedacht ist, aber auch von andere«, Angestellten und nicht nur von diesen gelesen werden sollte. Ich habe immer wieder die Beobachtimg machen können, datz die männlichen Mitglieder unserer KrankenversicherungSanstalt, wenn sie direkt ans dem Berufe kommend das Ainbulato- rium aufsuchten, ihre scharf gespitzten Kopierstifte ungeschützt m der linken Westentasche oder äußeren Rocktasche trugen, ohne auch nur im entferntesten daran zu denken, wie leicht sie sich auf diese Weise eine gefährliche und schlecht heilende Verletzuitg zuziehen können. ES scheint, als ob die Mitgliedschaft über die Gefährlichkeit solcher Verletzungen noch immer nicht genügend informiert ist, trotzdem die Kenntnis dieser Verletzungen so alt ist, als wie der Gebrauch des Tintenstiftes selbst. Die Kasuistik dieser Verlehunge«« zeigt aber auch, datz nicht bloß dem ungesicherten Tragen, so««dern auch großer Unvorsichtigkeit beiin Gebrauch des Tintenstiftes Schuld für die Entstehung derartiger Verlehunge«« beigemeffen werden muß. Jedes Jahr haben wir mehrfach Gelegenheit bei unserer Mitgliedschaft lvegcn derartiger Verletzungen operativ einzugrei- fcn und tvenn cs vielleicht auch in den letzten Jahren weniger Fälle gewesen sind als wie früher, so sind es im heurigen Jahre(1938) bis Ende Oktober doch schon«nieder acht Fälle gewesen, welche wegen einer derartige«, Verletzung ein operatives Eingreifen erforderten. Eine Verletzung mit einem Tintenstift ist ganz anders zu werten als eine solche mit dem alten Graphitblcistift. Wenn bei letzterem ein Stück der Bleistiftspitze in daS Getvebe eingedrungen tvar, so heilte nach Entfernung die Stich- tvunde rasch auö, aber auch ohne seine Entfernung kam eS«veiter zu keine«« Komplikationen, da das kleine Graphitstiick reaktionslos im Getvebe einheilte. Als Kuriosität berichtet Glaß, daß er ge» zlvungen Ivar, bei einem 67 Jahre alten Manne eine kleine Gcsckschtvulst an dem Handrücken z,« entferne««, di« sich um eine abgebrochene Graphitbleisti ftspitzc gebildet hatte, welche vor sechzig Fahren in den Handrückcn bcS'damals sieben Jahre alten Knaben eingedrungen«var. Im Gegensatz dazu heilen Spitzen von Tintenstiften niemals ein, sondern es entwickelt sich nach derartigen Verletzungen ein charakteristisches Krankheitsbild, daS von Glaß, Erdheim«md anderen mehrfach beschrieben wordei, ist. Die Ursache hiefür ist darin gelegen, daß der Färb st off d e S Tintenstiftes, gewöhnlich ist eS das Mcthylviolctt, ein heftiges Zellgift ist, das durch seine große chemische Affinität zum Zelleib und Zellkern zur Verfärbung des Gewebes u««d zum Untergang desselben führt. Der Verlauf der Verletzung geht gewöhnlich in der Weise vor sich, daß die Spitze deS Bleistiftes bei der Verletzung abbricht, im Gewebe liegen bleibt und in der Gewebeflüssigkeit aufgelöst wird. Diese farbstoffhaltige Lösung diffundiert immer weiter in die Gewebe hinein und führt zu einem ausgedehnten Ab st erbender Gewebe,«vovon nicht bloß das Un- terhautzcllcngewebe, sondern auch die Muskulatur, die Sehnen, ja sogar auch der Knochen betroffen werden kann. Eine Heilung tritt erst da««n ein, wen«« nicht bloß der etwa noch vorhandene Freindkörper, sondern auch das ganze violett verfärbte, also abgestorbene Gclvcbe auf operativem Wege entfernt ist, sofern nicht der Entfernung durch die Rücksicht auf wichtige Gewebe, die erhalten werden müssen(Sehnen, Nerven), ein Halt geböte«« lvird. Auch die A b t r a- gungcinesFingerS mußte in einem Falle wegen einer Tintcnstistverletzung auSgeführt werden. In seltenen Fällen wurden auch schwere Allgcineincrscheinungen(beeinträchtigtes Allgemeinbefinden, Magen-, Darmstörungen, Gelbsucht) beobachtet. So sehen«vir denn, daß wenn sich auch nicht iinmcr schlvcrc Erscheinungen anschlicßen müssen, eS sich doch immer um Verletzungen handelt, die einen operativen Eingriff erfordern und oft lange Zeit zur Heilung brauchen,«vährend welcher der Träger der Verletzung arbeitsunfähig ist. ES würde daher gewiß der Gedanke am nächsten liegen, durch eine Entfernung der Kopierstifte aus den Arbeitsräumen die Entstchlmg derartiger Verletzungen überhaupt unmöglich zu macken. Da aber heutzutage der Tintenstift aus der Berufsarbeit nicht«««ehr fortzudenken ist, so muß die Möglichkeit solcher Verletzungen möglichst eingeschränkt wcü>en. Der Tintenstift muß bei Nichtgebrauch stets mit einer Schuhhülse versehen getragen werden, welche Hülse nur zu««« Gebrauch des Stiftes herabgcnommen werden darf. Beim Gebrauch des Stiftes ist vorsichtige- Hantieren ein- zusckärfen, um nicht andere z>« verletzen. . Bei cingetretener Verletzung ist sofort operative Hilfe ci««zuholen,«velche allein die Heil«n«g der Verletzung in der kürzesten Zeit gctvährleistet. Diejenigen unserer Mitglieder, welche Familienväter fi««d, möchte ich davor«varnen, den Kindern die Möglichkeit zu geben, sich in dei« Besitz eines TintcnstisteS zu setzen. Tintenstifte gehören nickt in Kinderhände! da» sie 22.000 Pfund Sterling anläßlich des unlängst verkündeten deutschen Moratoriuin« verlieren würden. Die Behörden in Panama werden wahrscheinlich diesem Ansuchen stattgebcn und auch mit Gegenmaßnahmen gegen das Moratorium mit dem Hinweis protestieren, daß daS deutsche Moratorium einen direkten Bruch der Klausel über den freien Warenaustausch nach dem Handelsvertrag, den die beiden Länder im Jahre 1930 abgeschlossen haben, bedeute. Bier schreckliche Tage. Aus Panama wird berichtet:- Die 17 vermißten Be- satzungsnlitglicder des Schiffes „Knut Hamsun" sind jetzt, nachdem sie mehr als vier Tage mit ihrem Boot auf dem offenen Meer getriebe«« waren, auf der Höhe vpn Santa Cruz del Sur gerettet«vordcn. Die Geretteten waren dem Verschmachte«« nahe, da sie weder WassernochNahrungsmittel im Boote hatten. Besonders hart hatten sic unter den Unbilden der Witterung zu leiden. In der Mündung deS Gelben Flusses überfielen Piraten den Dampfer„Suntien", der nach Tschefu untertvcgs»var, und nahincn einen englischen Staatsangehörigen, drei amerikanische Marineoffiziere und eine«« europäische«« Mechaniker gefangen. Außerdem verschleppten sie 20 Chinesen. Ein überaus heftiger Wirbelsturm richtete in Mississippi und Louisiana schweren Schaden an. Nach den bisherige«« Meldungen sind sechSPersonen getötet und etlva hundert verletzt. Man rechnet jedoch damit, daß die Zahl der Todesopfer sich bedeutend erhöhen«vikd, da die Berichte aus den entlcgcne- ren Landesteilcn noch ausstchcn. leide* SU Oft RauckechaiaccU? SU»mIm abo, di« Wulumg eraiaami mIm, Et tthOtll >utz»«dM> vor Huh«, HaiMritoil uod H«l*«nli0ndungM>, Id wohlttlnnecltand und«rfrltcltl dte Altnwrgr. «dwel|IM-- mt I« OrifMpttdar— ioMt m Ibra om«idol« twi«, ao«mm M Mtfa mt Mi dx wiuOrr- >,«tr» hutiiMU kMMa. i«Im Aportnlrtn u. Dra^rän MiwniHg. G«n.-D«po4t ’rtuMI Apotholc« Löw««", Präg R, Pültepf 14. Ein saubarer Gouverneur. Der Gouverneur von Nord Dakotah, Langer, und vier«vettere Personen, darunter der Staatsstraßenlom- missär Vogel, wurde«« vom Fcderalgericht dec Defraudation staatlicher Gelder übcrtviesen. Die Genannten«varei« beschuldigt, Staatsangcstellte gezwungen zu haben, einen gewisse«« Prozentsatz ihrer Gehälter für die Finanzierung der voi« Langer herausgegebenen Zeitschrift„The Leader" („Der Führer") hcrzugeben. Butter zum Achsenschinieren! Wie dem «Daily H c r a I d" berichtet ivird, schmiere«« litauische Bauer«« ihre Wagenachsen jetzt mit der Butter, die sie nicht mehr, wie früher immer, an das nachbarliche Deutschland verkaufe«« können. Ihre einzige Hoffnung ist jetzt, daß sie ihre Butter nach England schicken können. Um diese Verhandlungen zu fördern, verliert Deutschland wieder einen Absatzmarkt, zumal es seit der neuen Freundschaft«nit Polen sich feindlich gegen den früheren Verbündeten Litauen stellt. AntiseinitiSmus in Amerika. Wie Associated Preß,aus M o n Ire al meldet,.sinh,die sranzö- sisch. lanadiscken Aerzteäiitriärtor iii zwei großen Krankenhäuser«« in den Streik getreten, weil ein jüdischer Arzt angcstcllt«vordcn ist. Fernöstliche Banditen. Ans Charbin«vird gemeldet: 25 Meilen westlich der Stadt Kailin überfielen Banditen einen Militärzug, brachten ihn zum Entgleisen und eröffneten auf ihn Gewehr- und Maschinengewehrfeuer. Bei dem Kampfe wurden vier Banditen und zwei Eisenbahnangestellte getötet«ind zwei Soldaten verletzt. 78 Jahre Erste Prager Krankenvcrsschc- rungsanflalt. Die Erste Prager Kranlenversiche- rungsanstalt gibt»««läßlich ihres sünfundsiebzig- jährigen Bestehens eine Festschrift heraus, die ein großes Buch von etwa 300 Seiten ist. Es sind darin zahlreiche Beiträge enthalten,«voraus«vir vor allein die Geschichte der Anstatt, geschrieben von deren Direktor Wildman n, hervo« heben. Außerdem ist eine Reihe von«vertvollcn medizinischen Arbeite«« der Aerzte der Kajsa darin veröffentlicht. Dao auszerordcntlich gelungene Werl bietet ein« Ucbersicht über großartige Leistungen dieses Sozialinstitntes. schönsten Volksliedgutes und mit erläuternden Worten bringt er sie uns näher. Wir bedürfen dieser wundervollen Poesien mehr denn je und so beseelt gesungen möchte man sie gerne öfter im Programme der Sendung finden.— Ain gleichen Tage kam noch die Ucbertragung des Festkonzertes von«„Sänger- f e st der 5000" ans dem Schloßgarten von Tcplitz- Schönau. Unter Leitung der Gauchormeister Max Ruinler und Prof. Mattauch brachten die vereinigten bürgerlichen Gesangvereine dreier Gaue eine Reihe von Chorlverken zum Bortragc. Bei imposanter Klangfülle erreichten sie beachtenswerte künstlerische Höhe. Vorbildlich war die deutliche Aussprache, die dem Radiohärer die genaue Verfolgung des Textes ermöglichte. Ein Chor freilich fiel der Gefahr des lvkassensingens völlig zuin Opfer, Auffallend schlecht war daS zum Feste berufene Orchester.— Wir erkennen neidlos und gerne an, daß ein Sängerfest von so ungetvöhnlichem Umfange die Berbreiwng durch den Rundfunk verdient; wir sind aber dennoch neugierig, ob die deutsche Sendung des Prager Radiojournals einem Arbeiterfeste mit gleicher Bereitwilligkeit eine Stunde Sendezeit einräumen«vird, wenn dieses Verlangen einmal gestellt würde! Diese Frage drängt sich auf unter dem Eindrücke der hämischen Bemerkungen,«nit denen„deutsche Sangesbrüder" den Festzug deutscher Arbeiterkinder bedachten, die zum AtuS-Kinderturnen am gleichen Tage nach Tep- litz gekommen waren. Deutsche Sänger und deutsche Kinder! Das hätte einen festliche» Gleichklang gegeben, oder doch«venigstenS jeden recht unfestlichen Mißklang ausschließen müssen— wenn eben nicht dort Menschen der Vergangenheit, und hier Menschen der Zukunft marschierten.— Ain Montag sprach im pädagogischen Funk Fachlehrer Theo Keil von „Großer Fahrt mit Schulkindern". Er pries niit begeisterten Worten die gesundheitlichen und erziehlichen Vorteile der Wanderfahrten«nit Kindern. Sie sind«vohl unbestritten. Daß aus Wanderfahrt Gemeinschaften sich fest zusanimenschließen und echte nienschliche Werte schaffen, ist eine unleugbare pädagogische Wahrheit, die gerade iin demokratischen Staate die Schulbehörden veranlasse«« sollte, alles zur Förderung solcher Wanderungen Nötige zu veranlassen. Der unternehniungslustige Mut des einzelnen Lehrers kanns nicht schaffen, den» cS stehe«« mehr Schivierigkeiteir im Wege, als Kollege Keil in seinem Vortrage zugestanden hat oder zugestchen wollte. Eine Armee untergeordneter Organe sperrt die Wege, die auS der Schule hinausführen in da» Erleben d«v Lebens.— Die Vorschau aus daS Musikalische Programm der Funkwoche gab mit schätzenswerten Erläuterungen Dr. Popper.— lieber die Ziele, den Sinn und die Sorgen der„Sudetenbühne" sprach an« Montag Walter Heidrich. Diese Wanderbühne.will eine dem Volke entsprechende und doch der ewjgen Kunst ergebene Rückkehr zum ThespiS- theater anstreben, ohne dein schwer ringenden stehenden Theater eine Konkurrenz z«« bedeuten. Auch von den besonderen Tchlvierigkeiten dieses KunstwandcrnS erzählte W. Heidrich seinen Hörern.— In der Arbeitersendung am Mittwoch sprach Genosse Dr. W i e- nct über die Bestimmungen der Novell« zur So- ziawersicherung und erläuterte derc>« Vorteile. Genosse Wiener betonte ausdrücklich die irrige Auffassung,«s sei eine Aufhebung der beiden deutschen Anstalten geplant! In den anschließenden„Sozial- informationen" erläuterte Oberloinmissär Dr. Ernst Krasny einige«vesentliche Bestimmungen über die öffentliche Armensürsorge, betonie insbesondere die unbedingte Pflicht der Gemeinden, für alle in ihr HeimatSberechtigtcn zu sorgen, Ivcnn diese kein Eigentum und kein Einkommen haben. Bei Versagen dieser pflichtgemäßen Hilfe sind die Beschlvcrden an daS Bezirksamt in erster, an die Landesbehördc in zweiier und letzter Instanz zu richten.— Sehr schön«vor der für die SamStagsendung von Archivrat Tr. M o n ch a zusammengestcllte Hörbericht„Demokratie der Jugend" oder daö„Fest des menschlichen Herzens". Eindringliche, zum Herzen sprechende Wort« verbanden ein künstlerisch ungemein wertvolles Programm, da» ausklang in den Ruf nach Brüderlichkeit aller Menschen. Leider verzeichnete daS Programn, nicht die Namen der Künstler, die der edlen Sache mit dem Einsätze ihre» Könnens gebient haben.— Am Sonntag hörte man im landwirtschaftlichen Fnnl von Univ.-Prof Dr. Schneeweiß allerhand übed Volksglauben und Volksbrauch der JohlmniSnacht.' In der Arbeiterscndung widmet« Genosse Willi Hocke herzliche und ernste Worte den« Tage d«S proletarischen Kindes. Aus der Not von Millionen löst sich der Ruf, mit ganzer Kraft und Leidenschaft den Kindern zu helfen, deren Leben verwüstet zu. werden droht. Leiten muß dabei der Glaube an die Menschheit und an uns selbst. Denn eS muß der Tag koni- men, der alle Not u««d allen Haß begraben und auch den Aermsten glücklich machen«vird. E r n st T h ö n e r. ertt« „Sozia ldemokrat* DienStag, IS. Jnnt 1934. Rr. 141 Es ist Zeit für Sommerschuhei flaüa Luftige Leinenschuhe halten die Fülle frisch und belasten nicht den Beutel.— Für Kinder ab Kc 5*-, Damen Kc 9*-, Herren Kc 12.- PRÄGE« IglTBMG Tragikomödie deö Zufalls. Prager Innenstadt, nachts gegen einhalbzwei Uhr... Auf den stufen eines höchst dekorativen, höchst soliden Geschäftseingangs sitzt ein Mann und schläft. Ein Mann, aus dessen zerfurchtem Antlitz die ganze Hoffnungslosigkeit des Verfalles spricht, der Hunger des Arbeitslosen, die Gchetztheit des Obdach- suckendcn... Er schläft dumpf. sein Atem geht stoßwcißc, schwer, als ob ein zentnerschtverer Alp auf seiner Brust läge... Bon Zeit zu Zeit stöhnt er leise auf. Die Grausamkeit des Zufalls hat sich einen bösen Witz mit dem armen Menschen erlaubt. Er schläft dictN vor den eisernen Gittern eines LotieriegeschäfteS. Verschwenderisch sind Hundert- und Tausendkroncn-Schcine hinter der Spiegelscheibe auSgcgossen... Plastische Kundenwerbung, über die man sehr geteilter Meinung sein kann. Und die allzu schmissige Reklame krönt ein« märchenhafte Verheißung, phantastisch und gefährlich, lockend und doch so naiv. Sie sagt schlicht und eindringlich, fast wie ein kategorischer Imperativ: Hier werden Sic Millionär! Der Obdachlose schläft lvciter in seiner unruhigen, traumbedrängten Bewußtlosigkeit. So nah dem Platz der Millionäre und doch so unendlich weit davon entfernt! Ein Gitter aus Eisen und eine Schaufensterscheibe. Gewiß nicht viel... Aber immerhin doch genug, um schlechthin entscheidend zu seinl—re. Die Victoria Regia im Botanischen Garten N a S l u p i wird am Dienstag, den 10., und Mittwoch, den 20. Juni, aufblühen. Der Botanische Garten ist bis 22 Uhr zugänglich. BolksbUdungShauS Urania hält Freitag, den 22. Juni, abends halb 7 Uhr, eine Kuratori umssitzung mit folgender Tagesordnung ab: 1 Bericht über die Gcsamtlätigkeit 1033, 2. Bericht über den Bau. 3. Antrag auf Erweiterung des Präsidiums, 4. Allfälliges.— Daran anschließend um 7 Uhr abends Hauptversammlung mit der Tagesordnung: 1. Bericht des Präsidiums und Kuratoriums, 2. Satzungsänderung(§ 12), 3. Allfällige Vorschläge der Mitgliederversammlung.— Daran anschliessend um halb 8 Uhr Mitgliederversammlung. An1(MSM0l Warum manche Dienstgeber Zeugnisse verweigern Der Mißbrauch von Angestellten zu„höheren Diensten". Prag, 18. Juni. Vor dem Arbeitsgericht werden immer lvicder, und zwar in immer steigender Zahl, Klagen von Arbeitnehmern verhandelt, denen der Dienstgeber nach erfolgter Entlaffung die Ausstellung eines den gesetzlichen Vorschriften entsprechenden Zeugnisses verlveigert. Auf den ersten Blick erscheint es unbegreiflich, dass ein Dienstgeber, und sei er auch noch so schäbig gegen seine Angestellten, ein solches billiges Verlangen abschlagen kann, das ihm doch keinesfalls irgendwelche besonderen Mühen verursacht, warum er keine AntvaltSkoften scheut, um sich irgendwie aus dieser ihm von gesetz- wegen obliegenden Pflicht heraziSzuwinden, Sieht man indessen näher zu, so must mgv ZU- gestchen, dast Arbeitgeber dieser Sorte ihre guten Gründe haben, der Ausstellung eines Zeugnisses auszuweichen, wie sie nur können. Tenn solche Prozesse betreffen regelmäßig Dienstverhältnisse, bei denen niedere Angestellte zu„höheren Dien- st e n" herangezogen werden, ohne indessen die Stellung wirklich zu erhalten, die die Verrichtung solcher „höheren Dienste" nach den» Handlungsgehilfengesetz gewährleistet. Als ein Beispiel für viele mag hier ein Fall angeführt sein, in welchem vor dem Gericht deö GR. D i t t r i ch ein I n k a s s i st klagen mutzte, der mehrere Jahre seine Stellung zur völligen Zufriedenheit bekleidet batte, bis man ihu abbaute, oder, zutreffender gesagt, aufs Pflaster warf, ohne ihm ein Zeugnis über seine Tätigkeit misstellen zu wollen. Warum die hartnäckige Weigerung der Dienstgeberfirma? Einfach genug! Der Jnkassist war während seiner ganzen Dienstzeit nicht zurPensionS- ver sicher nng angemeldet gewesen. Als er dann ein seinen Verrichtungen entsprechendes Zeugnis begehrte, hatte der Herr Dienstgeber tausend Einwände. Der Kläger sei„e i g e n t l i ch" n u r D i e- ner, habe nur„gelegentlich"(in Wahrheit durch mehrere Jahre) den Jnkassisten vertreten u. dgl. Der Herr Dienstgeber fürchtete mit Recht, dast er mit Ausstellung eines entsprechenden Zeugnisse- für diese Versäumnis zur Rechenschaft gezogen würde. Also lieber einen kostspieligen Prozeß und etliche tausend Kronen Anwaltkosten! Der Fall mutzte vorläufig vertagt werden. Entscheidend aber ist, dast solche Fälle keineswegs mehr Ausnahmen bilden. Diese Unterneb- mertaktik hat sich heute in unglaublichem AuSmaste eingelebt. Eine ebenso schlaue als„humane" Taktik! Man läßt einen Angestellten, der nach aussen bin nicht zur Verrichtung„höherer Dienste" qualifiziert ist, solche verrichten, erspart die Versicherungsbeiträge an die Pensionsanstalt, kann den Arbeitnehmer in kürzerer Frist hinauSwerfen, braucht ihm nicht den längeren Urlaub der„höheren" Angestellten cinzuräumen und, wenn die Sache platzt, verweigert man das Zeugnis. Erfreulicherweise hat sowohl daS Arbeitsgericht als auch die zweite Instanz in solchen Fällen bisher stets das Manöver des betreffenden feinen Arbeitgebers zu vereiteln verstanden. ES wäre alleroingS wünschenswert, daß solche Machinationen unter strafrechtliche Sanktion gestellt würden, rb. Kunst und wissen Wo war ich heute Rächt? Unter diesem Titel spielt man jetzt Olga Scheinvflugovas„Okönko" in der Kleinen Bühne; em dezentes, humoriges Lustspiel, zu gutem Teil in jenes voltsstückartige Genre gehörig, das jetzt, sehr zum Vorteil des Theaters, wiederum sehr gepflegt wird. Es wimmelt zwar in diesem Stück von Unwahrscheinlichkeiten und Unmöglichkeiten; aber sie sind mit so leichter Hand und so anspruchslos geschrieben, daß man sich kaum einen Augenblick lang ärgert. Mit den Schauspielern freut sich das Publikum an der Entwicklung und„Lösung" der mcrkwür- digen Geschichte von dein arnien Privatdozcnten, der den Freudenrausch über eine Universalerbschast— die ihn dann auch wieder nur seelisch reicher macht — zum erstenmal in seinem Leben dnrch Alkohol verlängert und vergröbert und sich dann morgens so hergenommcn sieht, daß er keine Ahnnng hat, Ivo er den Rest der durchzcchten Nacht verbrachte, und sich also einreden läßt, daß er. der große Elhiker, eine Verführung und eine Brandlegung sich habe zuschulden konnnen lassen. Eine Liebesgeschichte, von der HauSmeisterSwohnung her, sorgt für die lyrische und zugleich derb-volkstümliche Note; auch zwei Pülcher gibt es da— ohne solche Figuren geht es anscheinend gar nicht mehr. Unter Renato Mordos Regie gibt es einen sehr vergnügten Abend, dessen AnziehnngSkrast durch das Gastspiel Frau Pepi Glöckner- Kramers erhöht wird; die urwüchsige Wiener Volksschauspielerin bringt als verschlagene Hausbesorgerin eine originelle Mischung von Derbheit, Draufgängertum, Dummschlauheit, Rührseligkeit und echtem Gemüt zustande; mit dem Ausbruch echter Bkütterlichkeit erzielt sie starke Wirkung; aber das eingelegte Lied, für dessen dummen Text Beda verantwortlich; für dessen eingängige Melodie Bernhard Grün nicht ganz verantwortlich ist, hätte man der Künstlerin ersparen müssen!— Als Ergebnis einer ungewöhnlich raschen und erfreulichen Entwicklung ist die Leistung Fräulein JaneTildenS zu werten, die als Hausbesorgerstöchicrchcn inniges, natürliches und charmantes Wesen ausstrahlte und bei aller jugendlichen Lebendigkeit scelcntiefer als der Lustspiclton erschien, so daß man also auch den Verlust dieses aufblühenden Talents als schmerzlich fiir unsere Bühne ansehen muß. Ganz ausgezeichnet wie- der Herr W a l t e r T a u b, der wahre Komiker, der aus den Nöten und Irrungen der menschlichen Seele schöpft; fast immer ist dieser Schauspieler die intcr- cffantestc Figur im Spiel, die menschlich nächste auch dort, wo in Fällen über jede Glaubwürdigkeit hinaus gespielt wird. In einer Episode hat S ch ni erzen r e i ch verdienten Erfolg, die Herren D e m e l, Reiter, Stadler und I a n i t s ch c k sind mit viel Können und Humor bei der Sache, und Dörner und Padlesak zwei so verblüffend echte Galgenvögel, daß man im Parkett versucht war, sich die Taschen zuzuhalten, um nicht das Börse! an die ztvci Brüader einzubüßen. Das Publikum nahm Stück und Darstellung sehr vergnügt und herzlich auf. L. G. „Dir keusche Susanne." Die Operette, die heuer am Prager Deutschen Theater ein nicht eben glänzendes Leben führt, kam Sonntag abends mit einer Wiederaufführung des Singspieles„Die keusche Susanne" von Jean Gilbert zur Geltung. Gilbert gehört zu den talentiertesten Meistern der älteren und jazzlosen Operette vom Stamme Lehars, die wirkliche Einfälle haben, schön geformte Ensembles schreiben und interessant und witzig zu instrumentieren verstehen. Seine Operette„Die keusche Susanne" kommt in der Gediegenheit einzelner Nummern dem Charakter deö Singspieles sehr nahe. Auch textlichinhaltlich ist sie sehr unterhaltend, obwohl sie nur eine neue Variante der auch im Leben so oft zu beobachtenden Doppelgesichtigkeit der Menschen ist, die zu Hause Tugend Vortäuschen, in Wirklichkeit aber Luderchen sind. Die Aufführung des liebenswürdigen Werkes, das Fritz Rieger musikalisch betreut hatte (ohne immer im richtigen Einvernehmen mit den Künstlern auf der Szene zu sein) und dessen Spielleitung in den Händen Dudeks lag, zeichnete sich vor allem durch flottes Tempo und sichtliche Spielfreudigkeit aller Mitwirkenden aus, während das rein Gesangliche etwas zu kurz kam. Gesanglich bewährte sich vor allem Frau Else L o r d als Gast in der Titelrolle, die auch darstellerisch eine teniperamentvolle, allerdings auch ein wenig zu stark aufgetragcne Leistung bot. Unter ihren Mitspielerinnen und Mitspielern sind zu nennen: Padlesak als fescher und liebenswürdiger Leutnant, Janitschek als köstlich grotesker Parfümfabrikant und Reserveoffizier, Dudek als doppelgesichtiger ehrbarer und bummelfester Vater, Schmerzenreich als sein schüch terner und moralisch erblich belasteter Sohn, Frau Reiter als tugendhafte Gattin und Mutter, Frau Carpen tier als vcrgniigungsneugierige Tochter, Janisch als drastisch wirkender Opcrettcnintrigant, Stadler als gerissener und diskreter Oberkellner und Kammerdiener und Fräulein Hagen als fesche Binnnilerin. Ter schlechte Besuch des Operettenabends wird durch das schöne Sommerwetter erklärlich und durch die Ilnklugheit, ihn außer Abonnement zu geben. E. I- II. Absolventen-Abend der Deutschen Musikakademie mit Orchester Freitag, den 22. Juni, 20 Uhr in der„Produktenbörse". Mendelssohn Violinkonzert, Boccherini Cellokonzert, Prokofieff Klavierkonzert und Lieder von R. Strauß. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theater-. Heute, Dienstag, 10. Juni, halb 8 Uhr:„I o sua" (A. A.).— Mittwoch, 8 Uhr:„Lady Windermeres Fächer"(B 2); v Uhr: Nachtserenade im Fürstenberggarten.— Donnerstag, halb 7 Uhr:„T ristan und Isolde" (Gastspiel Anny Konetzni—Gotthelf Pistor, A. A.). — Freitag, halb 8 Uhr:„Da- Kamel geht durch daS Nadelöhr"(Gastspiel Kramer- Glöckner, D 2). Wochrnspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Dienstag, den 10. Juni, abends 8 Uhr:„Lady Windermere-Fächer".— Mittwoch, 8 Uhr: „Straße n m u s i I".— Donnerstag, 8 Uhr: „W owarichheuteNach t?"(Kulturvcrbandö- freunde und freier Verkauf).— Freitag:„P a- riserPotpourri"(volkstümliche Vorstellung). Aus der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Heute, acht Uhr, Gruppenabende: SJ. Hollcschowitz: 20 Jahre seit WcltkriegSbcginn; SJ. Smichow: 20 Jahre seit Weltkriegsbeginn; SJ. Weinberge: Monatsversammlung. Sport• Spiel• Körperpflege DTJ. Byöehrad Hazena-Meifter de» 1. Kreises. DaS Endspiel um die Hazcna-Mcisterschaft des Prager Kreises brachte einen scharfen Kampf, aber auch einen sicheren und überlegenen Sieg der DTJ. Vyse- hrad über DTJ. Prag VII mit 15:1(7:1), Das leichtathletische Meeting DTJ. Wysotschan —DTJ. Reratowiy endete mit einem Siege Wysot- schanö, das mit 58:30 Punkten gelvann. Erwähnenswert sind folgende Ergebnisse: Goth(SB.) sprang 6.32 Meter weit und erreichte im Dreisprung 12.85 Dieter. I. Schöps(N.) erzielte im Kugelstoßen 11.68 und im Diskuswerfen 83.28 Meter. Die Olympische Staffel lief Wysotschan iv 2:82.4, während Neratowih 2:47 Min. benötigte. Bürgerlicher Sport Die Saison deS Mitropacup hat begonnen. Nach der Weltmeisterschaft wieder eine Konkurrenz, bei btt Sport und Geschäft nicht voneinander zu trennen sind. Mitropacnpteilnehmcr zu sein, das heißt heute bei etwas Glück einige Hnndcrtaausende verdienen zu können und für viele der Profiklubs geht es auch um nichts anderes. Dieses Jahr hat man bekanntlich die Zahl der Vereine von zwei auf vier erhöht. Aber alle werden, wohl nicht über die erste Runde kommen... Der Sieger dcü Vorjahres, Austria Wien, konnte auf eigenem Platz nicht bestehen und mußte II jpett Budapest mit 1:2(1:2) den Sieg überlassen. DaS wäre die erste, die jedoch nicht die letzte lleberraschung war, denn Admira Wien erreichte daheim gegen den FC. Napoli nur ein torloses Unentschieden. Bon den tschechoslowakischen Tcilnehniern hat bisher Sparta einen 5:4(4:3)-Sieg gegen Hungaria Budapest aufzuweisen und hat im Prager Rückspiel gute Gewinnchancen. Der T e p l i tz e r FK. fuhr hoffnungSlo- nach Turin, um so mehr überrascht das günstige Abschneiden mit 2:4 gegen JuventuS. Ob der Vorteil des eigenen Platzes das Manko von zwei Toren wettmachen kann, das bleibt eine Frage. SK. K l a d n o erzielte im ersten Gang auf eigenem Platz gegen A m b r o f i a n a Mailand ein Unentschieden von 1:1(0:1). Ein Erfolg, der sich aber wahrscheinlich im italienischen Milieu schtver wiederholen lassen wird. 8:0(5:0) lautet daS Ergebnis der Budapester Begegnung FerencvaroS— F AC Wien und bleibt damit ein ganz hoffnungsloser Fall für die Wiener. In Bologna gewann der dortige FC. gegen BocSkay Debreczin 2:0(2:0). DaS Treffen S l a v i a Prag gegen Rapid findet erst heute in Prag statt. In der DFB.-Meisterschaft der 1. Klaffe gelangte am Sonntag die Vorschlußrunde zur Austragung. In Reichenberg schlug der RFK. den DFC. BudweiS hoch mit 8:2(8:1) und in Komotau gewann VfB. Teplitz gegen den DFK. mit 4:2(4:0) Die Nirderlagen-Srrie des Prager DFC. fand am SamStag ihre Fortsetzung. Der StaatSamateur- meister verlor gegen BohemianS, die ein paar Tage vorher schon ein Spiel absolviert hatten, glatt mit 2:5.. Kein Sonntag ohffe.Wild-Wrftgau! In Bleistadt fand Sonntag das Spiel deS Ortsvereines mit dem DSV. Drahowitz zehn Minuten vor Schluß ein gewaltsames Ende. DaS„Publikum" drang nämlich in den Platz und verhaute einen Drahowitzer Spieler, der dann verletzt ins Spital s«» schafft werden mußte. Der Schiedsrichter flüchtete vor der„Begeisterung" der Menge und einem Drahowitzer Knaben wurden einige Zähne eingeschlagen. DaS war nicht alles: ein weiterer Drahowitzer Spieler wurde ehenfalls tüchtig verprügelt. DaS meldet daS„Pr. MontagSblatt", daS seinen Bericht u. a. damit schließt, daß diese Zu stände schon nicht mehr in die Kompetenz der Sportbehörden fallen und daß von feiten des DFB. rein gar nicht dagegen unternommen wird... Sonstige Fuftballergebuiffe. Pilsen: Vienna Wien gegen Viktoria 8:1(1:1), Samötag.— Königgrätz: SK. gegen AFK. Kolin 4:1(2:1). — Brüx: DSV. Saaz gegen SK. Most 5:2(8:1). — Karlsbad: KFK. gegen WAC. Wien 2:1 (1:0).— Aussig: SpVg. Bodenbach gegen DFK. 6:0(2:0).— Gablonz: BSK. gegen Viktoria Ziskov 4:3(1:0).— Kopenhagen: Schweden gegen Dänemark 5:8(8:2). DaviS-llup. In Mailand blieb die Tschechoslowakei über Italien knapp mit 3:2 Sieger. Neue tschechoslowakische Schwimmrrkorbe erzielten bei einem Meeting in Wien die S ch w i m m e- r i n n e n Freud(PTE. Preßburg) über 100 Meter Rücken in 1:26.4 Min. und Schramek(Brünn) über 200 Meter Freistil niit 2:47.8 Min. filme In Frnger LtihtspIelhHuxem Urania-Kino, Klimentska 4:„Der Adjutant Seiner Hoheit".— Adria:„M aria".— Alfa: „Die falschen Zwillinge".— Avion:„Voruntersuchung".— Fenix:„Nicht eifersüchtig seinl"— Gaumont:„Soldatenleben— ein lustig Leben".—. Hvizda:„II. S. 811".— Julis:„Soldatenleben — ein lustig Leben".— Koruna:„Anton Spelec, der Scharfschütze".— Kinema, B.-Th.: Journ., Lustspiel, Reportage.— Kotva:„Des Kaisers Wort".— Lucerna:„Des Kaisers Wort".— Olympic:„Zinn heil. Antonius".— Radio:„Es war einmal ein Chaplin".— Svitozor:„Soldatenleben— ein lustig Leben".— Bajkal:„Wiener Flirt".— Carlton:„Der Hüttenbesitzer".— Konvikt:„Dar Fensterchen".— Lido:„Männer im Offside".— Louvre:„Nur wer die Sehnsucht kennt...".— MaceSka:„Nur wer die Sehnsucht kennt..."— Roxy:„Nacht wie Adam".—Staut:„AuS Liebe". Mitteilungen aus dem Publikum. 25 Jahre Tätigkeit der GroßeinkaufSgefellschaft der ftlenoffenschaften, deS größten Handels- und Pro- duktionSuuternrhmenS der Genoffenschaften in der Tschechoslowakischen Republik. Die Großeinkaufsgesellschaft der Genossenschaften wurde im Jahre 1000 gegründet und entwickelte sich auS unscheinbaren Anfängen heraus bald zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor unseres Konsumgenossen- schastswesenS. Die Entwicklung und Tätigkeit der genannten Gesellschaft wird anläßlich ihres 25jähri- gen Jubiläums im Palais der Praller Mustermesse in dem großen, 800 Quadratmeter messenden Aus- stellungSsaal veranschaulicht. Neben graphischen Darlegungen werden den Besuchern auch die Erzeugnisse von 20 durch die Gesellschaft betriebenen Produktionszweigen vorgeführt. Ein laufendes'Band wird die Erzeugnisse der Genoffenschaftsfabriken— etwa 800 Sorten— enthalten. Die Ausstellung selbst wird aber nicht nur einen lieberblick über die Tätigkeit gewähren, sondern zugleich auch die Vervollkommnung der Erzeugung in bezug auf hygienische Verpackung und ihre nioderne Aufmachung dokumentieren. An der graphischen AuSsMttmig hat Architekt Solar mitgearbeitet, so daß die veranstaltete Ausstellung der Oeffentlichkeit, namentlich aber die Fachkreise, voll zufriedenstellen wird. Die Gebäude der GroßeinkansSgesellschast niit ihren Fabriksbetrieben werden in Miniatur-GipSmodellen zu sehen sein, so daß sich jeder Besucher ein umfassendes Bild von der Ausdehnung des Unternehmens wird machen können. Die Ausstellung ist vom 20. Juni bis 10. Juli d. I. geöffnet und kann durch die Interessenten den ganzen Tag über von 8 Uhr früh bis 6 Uhr abends besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. An die Besucher der Ausstellung gelangen Muster der diversen eigenen Erzeugnisse zur Verteilung,«S werden ihnen Informationen erteilt und vor allem erhält jeder ein« Broschüre, die eine anschauliche plastische Darstellung deS Unternehmens und der Produkte enthalten wird. 2560 Verlanget überall Volkszünder Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab., 1084 da täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „Goaialftemoffrat" Verwaltung Prag XU,, Fochova tk. 62, zum Preise von 16 Kä monatlich, und sende diesen Vetrag nach Erhalt deS Erlagscheines ein. Name:...»s, Genaue Adresse:, Letzte Post: Unterschrift:......... Bezugsbedingungen: Bei Zustellung tnS Haus oder bet Bezug durch die Post monatlich Kö 16.—, vierteljährig KC 48.—. halbjährig KC 06.—, ganziährrg KC 102.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manistripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post» und Telegraphen» direktion mit krlatz Nr. 18.800/VII/1980 bewilligt.— Druckerei:.^OrbiS", Druck». Verlags» und ZettungS-A.»G„ Prag.