IENTRALORGAN PER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion uno wrwaltung mag xiukcnovailiwon am. Administration Teterow sw«. HERAUSGEBER■ SIEGFRIED TAUB. CHEEREOAKTEURi WHHEIM NIESSNER. VERANTWOETUCHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STRAUSS, PRAO. Bineiprei* TftUMer (oinachliofilich S Hotter Pefto) 14. Jahrgang Freitag, 22. Juni 1934 Nr. 144 Scheinbare Aussöhnung Papen und Goebbels zeigen sich dem Volk Miller war allein In hleiiflecK/ Die Dlllerenzen nur vertagt Berlin, 21. Juni. Die nervöse mnerpolitische Stimmung in Deutschland erhielt neuerliche Nahrung durch den heutigen Besuch des Kanzlers Hitler im ostpreußischen Sommrrsitz des Reichspräsidenten Hindenburg in Reudrck, von dem Hitler bereits wieder nach Berlin zurückgelrvrt ist. Obwohl bisher leine genauen Informationen über daS Ergebnis der Unterredungen deS Kanzlers mit dem Reichspräsidenten bekannt sind, wird als sicher angenommen, daß außer der Berichterstattung über den Besuch in Brnedig und der Demission de» deutschen Botschafters in MoSIan, Nadolny, am Programm der Unterredung hauptsächlich d a S zerrüttete BerhältniS zwischen den Nationalsozialisten und de« konservativen Kreisen st and, daS vorderhand sich in dem Konflikt Papen-Goebbels auSkristallisirrte. Freilich muß hinzugefügt werden, daß nach dem Urteile vieler dieser Konflikt noch nicht lösungSreif ist. Daher können auch von den Neudecker Besprechungen keinerlei sensationelle Neuerungen erwartet werden. Schacht verlangt Rückgabe der Kolonien die Möglichkeit naher und wichtiger Entscheidungen schließen. Die Rede, die der Vizekanzler von Papen am vergangenen Sonntag in Marburg hielt, war durchaus keine Entglci- s u n g oder etwa der Ausdruck einer nicht nicht zuriickzudännnendcn Empörung. Zu Aeußcrun- gen der Empörung hätte der Mann, der die Po- temba-Mörder zum Tode verurteilen liest und ihren jetzt so hochgestellten Beschützer verdammte, schon mehrfachen und immer bedeutenderen Anlast gehabt. Die Rede ist vielmehr als eine Aktion in dem Programm zu werten, das die historische Reaktion, gestützt auf daS Junkertum und die voni immer gefährlicher werdenden National- bolschcwismus der SA geängstigte Industrie, oben jetzt auszusiihren beginnt. Sie scheint sich stark genug zu fühlen, die unliebsamen Männer der NSDAP auszuschaltcn. Papen ist viel zu klug und vorsichtig, als dast er eine solche Rede wie die in Marburg ohne Rückendeckung gehalten hätte! Man weist nicht, wie das Spiel enden wird, das jetzt begann. Die Einsätze sind aus beiden Seiten hoch. Die Fronten sind nicht klar, vor allem ist nicht abzusehen, wieweit die Bestrebungen der Konservativen auch vou Kräften inner- halb der NSDAP. etwa vom Kapitalistenschütz- ling Gycring, unterstützt werden. Die Welt sieht mit großer Aufmerksamkeit auf diese wichtigen Begebenheiten, die ein Aus- druck der Krise sind, in der sich der Hitlersascis- mus befindet. Es ist nicht ausgeschlossen, dast schon die nächsten Tage einige Klarheit bringen. Ausland für eine Herabsetzung des Deutschland geborgten Kapitals oder der Zinsen entscheiden müssen. In den von ihm selbst a>S„aggressiv" bezeichneten Ausführungen erklärte weitrrS Dr. Schacht an die Adresse Englands, Deutschland werde einen englisch-deutschen Clearing nicht annrhmen und lieber die Handelsbeziehungen mit Ländern, die diktieren wollten, a b b r e» ch e n. Auf den Einwand, dast Deutschland in den letzten Monaten seine Rohstoffimportc zwecks militärischer Aufrüstung erhöht habe, sagte Dr. Schacht ausweichend, diese Frage würde nicht existieren, wenn die übrigen Staaten aligerüstet hätten. Nicht ein Quadratzenflmeter... Barthou über Frankreichs Hille Bukarest, 21. Juni. In der gemeinsamen Festsitzung des Abgeordnetenhauses und der Kammer, in der B a r t h o u zum Ehrenbürger dcü Königreiches Rumänien ernannt wurde, führte Barthou in seiner Danlredc u. a. aus: „Der Friede hat Ihnen die Gebiete zurückgebracht, die Ihnen gehört haben, und diese Gebiete werden Ihnen verbleiben. Wer Ihnen davon, sei eS auch nur einen O-uadratzentimeter nehmen wollte, der würde auf Ihren Widerstand stoßen, aber eS wäre nicht Ihr Widerstand allein, denn auf Jher Seite wäre auch dieStimme, die Hilf« und daS Herz Frankreichs. Die Rede wurde mit stürmischem, langanhaltendem Beifall ausgenommen. Ganze Wagenladungen von Sprengstollen beschlagnahmt Wien, 21. Juni. Das dieser Tage von der Polizei auSgeforschte nationalsozialistische Waffen» nnd Sprrngstofflager in der Reubaugnsse im 7.Be» zirk, war eineS der größten dieser Art. DaS Lager unterhielt mehrere Zweigstellen, von denen sich eine in einem Kohlrngeschäft«nterdem Viadukt der Stadtbahn am Währingergür- tel befand. Allein in diesem Geschäft wurden Sprengstoffe und Chemikalien in solchen Mengen gefunden, die genügt hätten, um ganze Häuserviertel in die Luft zu sprengen. Insgesamt geht es um e i n i g e W a g g o n- ladungen von Sprengmitteln, die in diesen Tage» die Polizei beschlagnahmte. Unabhängigkeit der Richter aulgehoben l Wie die„ReichSpo st" meldet, wurde in das VerfaflungSübergangsgesetz auch folgende Bc- Bestimmung ausgenommen: In der Zeil bis zum 30. Juni 1936 können Richter, deren Verbleib auf ihrem Dienstposten oder im richterlichen Dienste überhaupt der Rcchtspslege offenbar zum Abbruch gereicht und insbesondere die Unparteilichkeit der Rechtsprechung nicht gewährleisten würde, vou Amts wegen, ohne dast eS eines richterlichen Erkenntnisses bedarf, aneineandere Stelle oder in den Ruhestand versetzt Iverden. Maßnahmen im Sinne dieser Bestimmung werden vom Justizminister nach Anhörung des Präsidenten des Obersten Gerichtshofes «der des zuständigen OberlandesgerichteL getroffen. Sowletiabrili in die Luit geflogen! T a l l i n n, 21. Juni,(bub.) Wie auü Moskau gemeldet wird, hat sich am 16. Juni in einer der größten chemische» Fabriken der Sowjetunion, dem chemischen Werk„Frunse", ein furchtbares Explosionsunglück ereignet. Ein vierstöckiger Seitenflügel der riesigen Fabriksanlage wurde vollkommen zerstört. Genaue Zahlen über die Toten und Verwundeten liegen bisher noch nicht vor, jedoch sollen 78 Personen getötet, bzw. verletzt worden sein. DaS Unglück, daS bisher von de» Behörden geheim gehalten worden war, scheint durch einen Sabotageakt verursacht worden zu sein. Rach den bisherigen Mitteilungen sind bereits mehrere Ber- haffunge» vorgenommen worden, darunter auch von einigen Direktoren und Ingenieuren, die für daS Unglück verantwortlich gemacht werden. Eine amtliche Verlautbarung über die Katastrophe wird im Laufe'des Freitag erwartet./ DaS chemische Werk„Frunse" stellt hauptsächlich Chemikalien für Industrie und Landwirtschaft her, jedoch sollen in dem Werk auch Kampfmittel für den chemischenKrieg hergestellt werden. WaS den Konflikt Papen-Goebbels betrifft, so hatten heute die Auslandsjournalisten Gelegenheit, beide Minister direkt über den tatsächlichen Stand der Dinge zu befragen. Dies geschah bei der Rezeption im Propaganda-Ministerium, wo der Reichsbankpräsident Dr. Schacht über das Transfer-Problem vortrug. Mit großem Interesse konnte der demonstrativ- freundschastlicheTon beobachtet wer, den, mit dem sich die beiden erwähnten Kabinettsmitglieder begrüßten und die dann Seite an Seite die Anfragen der Journalisten über die Gründe, entgegennahmen, die den Minister Goebbels zu dem Verbot der Veröffentlichung der sonntägigen Kundgebung dcü Vizekanzlers geführt haben. Die Antwort erteilte lediglich Dr. Goebbels. Die Kundgebung des Vizekanzlers Papen sei nur für einen engen Zuhörerkreis be st immt, nicht aber für die breite Oeffentlichkeit geeignetgewesen. Vizekanzler von Papen hörte den beredten Ausführungen seines Kollegen aufmerksam zu, doch nahm er selbst z» dieser Angelegenheit nicht Stellung. Als Pape» dann später gefragt wurde, ob er sich zum Reichspräsidenten Hindenburg nach Rru- deck begeben werde, antwortete er ausweichend und meinte, daß er in den nächste» Tagen sich nach Hamburg zum deutschen Derby begeben werde und er noch nicht wisse, wie sich sein späteres Programm gestal- ten werde. Die Nachrichten, die in den letzten Tagen und noch gestern über die inncrpolitische Ent. Wicklung Deutschlands cinlicfen, lassen auf bedeutsame Vorgänge hinter den Kulissen und auf Die heutigen Ausführungen des Rcichsbanl- pn-sidenten Dr. Schacht vor den Vertretern der Auölandspresse überraschten durch den gereizten Ton, mit dem er auf die Unzufriedenheit der verschiedenen Staaten mit der Einstellung der deutschen AuSlandszahlungcn reagierte Für die Gesundung der Währungsverhält- niffe in Deutschland sei notwendig, daß Deutschland die eingeführte» Rohstoffe in Mark bezahlen könne. DaS bedeute die Notwendigkeit der Rückgabe der Kolonien an Deutschland. Falls die Auslandsgläubiger von Deutschland Ratenzahlungen erhalten wollen, müssen sie Deutschland die Möglichkeit eines erhöhten Exportes verschaffen. Außerdem werde sich das HochverratsprozeB gegen SPD-Kämpfer Eine verratene Reise nach Prag . Bor dem Leipziger Reichsgericht begann Mittwoch der Hochvcrratsprozest gegen einige führende Funktionäre der SPD. wegen illegaler Parteiarbeit. ES find dies der stellvertretende Chefredakteur deS Berliner„Vorwärts", Genosse K l ü h S— ein Freund August Bebels—, der ehemalige NeichStagSabgcordncte Krüger- Potsdam und der Parteiangcstellte N e» d e ck c r. Sie werden beschuldigt, in Verbindung mit der Prager SPD.-Zentrale gestanden zu sein und de» verbotenen„Neuen Vortvärtü" in Deutschland verbreiteten haben. KlühS ist nach einem Besuch in Prag in Berlin verhaftet worden. Den Angeklagten drohen hohe Strafen, falls daS Beweismaterial ausreicht. DaS DonnerStag gefällte Urteil lautet gegen beide Gciwssen auf je zwei Jahre und ne>m Monate Gefängnis. Von Paris Dis Anhara Nach der Bukarester Konferenz Die Beratungen der Kleinen Entente haben in der letzten Zeit wesentlich a>t Bedeutung ge- Wonnen. Die Kleine Entente erweist sich als ein Block, der etwas mehr ist, als ein bloßen Augenblicksinteressen dienender Zweckverband. Seitdem es einen Pakt der Kleinen Entente gibt, wurde dieser regionale Verband zum koinpaktesten und konstruktivsten Organismus, den das Europa des Nachkricgs kennt. Die Kleine Entente wurde zu einer Organisation, welche zu konkreten Resultaten führte, deren Beratungen etwas mehr bedeuteten, als eine Aneinanderreihung von DincrS und Empfängen und in deren Konnnu- niquees man nicht nur Friedensbeteuerungen, sondern reelle politische Anhaltspunkte finden kann. Es gibt zwischenstaatliche Verbände und Allianzen, an deren Handlungsfähigkeit weder die eigenen Mitglieder noch die unbeteiligten Zuschauer glauben. Die Kleine Entente ist ans einem andern Holz geschnitzt. Ihre Bukarester Tagung hat zivei wesentliche politische Ergebnisse, die im Lause des letzten Halbjahrs erzielt wurden, verbuchen können, den Abschluß des BalkanpaktcS und die Normalisierung der Beziehungen mit der Sowjetunion. ES kann keinen Zweifel geben: hier handelt es sich um Taten, die sich wohltuend von all den Worten unterscheiden, die von den Usern des Genfer Sees zu uns herüber tönen. Weder der eine noch der andere Erfolg wird ein Abschluß sein, mit dem inan sich auf Jahre hinaus zufrieden geben wird, die Staatsmänner der Kleinen Entente haben ost genug betont, daß sowohl die bisherige Form der Balkonententc, als auch die Ausnahme der Beziehungen zur Sowjetunion, nicht das Ende, sondern den Ausgangspunkt einer Entwicklung zu bedeuten haben. Sowohl der Abschluß des Balkanpaktes, als auch die erzielte Einigung mit der Sowjetunion sind zwei Elemente einer großen Politischen Generallinie, deren wesentliche Zielsetzung die Herstellung einer großen europäischen Allianz ist, zu der zwar im Prinzipe alle berufen, aber nicht alle ihre Auscrlcsnng erwirken. So wird die neue Allianz zu einer Frie- densorganisation gegen die sascistischcn Staaten die allerdings im gegenwärtigen Stadium der internationalen Entwicklung gleichbedeutend mit den revisionistischen sind. Wie man sich in der Vergangenheit de» regionalen Ententen gegenüber eingestellt hat, das kann heute nur noch von sekundärer Bedeutung sei», maßgebend ist, daß die Kleine Entente zwei Hauptgrundsätzcn einer jeder sozialistischen Außenpolitik dienstbar ist: dem Frieden und dem Grundsätze der Demokratie im Verkehr der Völker untereinander. Gäbe cs keine Kleine Entente, gäbe cs kein Bündnis zwischen ihr und der sranzösischen Republik und beständen nicht Tendenzen aus Erweiterung dieser Zusämmonorboit auch mit andern Staaten, die eine ähnliche außenpolitische Konzeption besitzen, so wären die Aussichten dos Fascismus sicher weit größer, als sie es infolge der eingeschränkten diplomatischen Aktionsmöglichkciten tatsächlich sind. Wenn der Frieden trotz aller drohender Gefahren gewahrt bleiben wird, so deshalb, weil sich die am Frieden interessierte» Staaten um jenen festen Kern herumgruppic- ren, den Frankreich mit der Kleinen Entente bildet. Der Balkanpakt hat Griechenland und vor allem die Türkei dieser pazifistischen Konzentrierung zugesührt. Schon wird von einem zweiten Balkanpakt gesprochen, der auch Bulgarien umfassen und so erst das Werk einer politischen Einigung des Balkans krönen wird. Man kann einweirden, daß cs sich hier zum Teil uni Staaten nist zumindest halbdiktatorialem Regime handelt, aber dabei ist zu erwägen, daß alle diese Länder bildlich gesprochen ihre Revolution von 1789 noch vor sich hoben und daß sie in der gegenwärtige» internationalen Situation eine rr. Amk NM «t m Zwei Todesurteile in Kowno K«vno, 21. Juni. Da- zur Aburteilung der Putschisten gegen die litauische Regierung gebildete Feldgericht hat zwei neue Urteile gegen die Teilnehmer des Putschcs gefällt. Der Beamte der Geheimpolizei D r u s k i s, der zahlreiche Agenten der Geheimpolizei an die Putschisten ausgeliefert hatte, wurde zum Tode verurteilt. Die gleicht Strafe wurde gegen den Reserveoffizier der Tank» abteilung und stellvertretenden Führer der Jungschützen aus Mariampol, GerdzunaS, verhängt, der zur Teilnahme an dem Putsch nach Kowno gekommen war und einenTankgcgendie Polizei geführt hatte. Das Gericht erklärte sich in diesen Fällen mit der Begnadigung der Verurteilten zu lebenslänglichem schweren Kerker einverstanden. von den fascistischen Staaten unterschiedliche Rolle spielen, da der wahre Balkan heute nicht mehr südlich der Donau, sondern zwischen Rhein und Weichsel liegt. Wen» zu all den kleinen Na. tionen, die den Frieden erhalten wollen und zum demokratischen Frankreich der Ricsenverband der Sowjetrepubliken hinzutritt, so bedeutet dies nicht nur eine tatsächliche Stärkung dieser Entente, sondern auch eine moralische Unterstüt- zuug von größter Tragweite. Die Kleine Entente wird, so darf man hoffen, nach ihrer Bukarester Tagung eine Aera des Ausbaues ihrer Beziehungen zur Sowjetunion beginnen, deren erster Ausdruck nun auch die Anerkennung Rußlands durch Jugoslawien sein wird. Diese wird das beste Zeichen dafür sein, daß der einheitliche po- litischc Wille der Kleinen Entente der einzige maßgebende Faktor ist, aber weder dynastische Bedenken, noch die Hintertreppenpolitik der weiß, gardistischen Emigration. Ihre Initiative am?lbschluß des Balkan- Paktes beweist, daß die Ausschließlichkeit nicht zu den Grundsätzen der Kleinen Entente gehört. Da die Kleine Entente weit darüber hinausgewach, sen ist, bloß der Verhütung einer Habsburger- rcstauration zu dienen, hat sic eine europäische Mission erhalten, die sich im Kommuniguec der letzten Tagung recht deutlich ausdrückt, wenn es darin heißt, daß die Kleine Entente den Abschluß von Regionalpakten untersüitzen wird. Damit hat sie einen Teil ihres Zukunftsprograinmcs fest- gelegt und man kann durchaus annehmen, daß die Außenminister der Kleinen Entente am Zu- standekommen eines Mittelnwer- und eines Ost- Paktes, welche immerhin in den Bereich der Aktu- asität rücken, führenden Anteil nehmen werden. Das Ende der Bukarester Konferenz fiel mit der Ankunft Barthous in der rumänischen Hauptstadt zusammen. Es ist dies die zweite große politische Reise, die der französische Außenminister während seiner kurzen Amtszeit unternimmt. Diese sich ncucntsaltcnde französische Aktivität liegt im Interesse einer wirksamen Gegenaktion gegen die dunklen Machinationen der fascistischen Commis Voyageurs. Paris ist der ruhende Pol im Blocke der Fricdensstaaten Von Paris führt der Weg nach Prag zur Klei- nen Entente und von dort weiter über Moskau bis noch Ankara. Dies ist zur Zeit die Friedens, und Schicksalslinie Europas. W. K. Pressenovelle modifiziert Prag, 21. Juni. Da» Lubkomitre drS verfassungsrechtlichen Ausschusses hat sich heule nachmittags in Gegenwart des Justizministers über gewisse Linderungen deS Pressegesetzes geeinigt. Nach einer genauen Textierung dieser Linderungen durch ein Redaktionskomitee wurde die Vorlage in dieser Fassung auch noch vom AuSschntzplcnum angenommen. Die ist damit für das Plenum verhandlungöreif gemacht worden. Die Aendrrungen sind in der Hauptsache folgende: Die Ermächtigung an die Regierung zur zeitweisen Einstellung von Zeitungen wegen gewisser anderer als im bisherigen Paragraph 3-1 angeführten Delikte wird doch begrenzt, und zlvar auf zwei Jahre; nach Ablauf dieser Frist kann die Ermächtigung zur Einstellung aber neuerdings durch Regierungsverordnung auf dieselbe Zeit ausgesprochen werden. Im Paragraph 17 a wird die Verpflichtung zum Abdruck gewisser Kundgebungen der verfassungsmäßigen Faktoren auf Zeitungen ausgedehnt, die mindestens dreimal(bisher: fünfmal) wöchentlich erscheinen; einen eventuellen Auszug muß aber die Behörde selbst Herstellen; sie kann die Veröffentlichung auf der ersten oder zweiten Seite vorschreiben. Die Verpflichtung erstreckt sich auf 800 Worte (bisher: eine Zeitungsspalte), wobei der Text in der Staatssprache maßgebend ist. Für Zeitungen, die solche Kundgebungen freiwillig veröffentlichen, entfällt jeder Zwang. Durchgreifend wird der Paragraph 18 a geändert, der das Verbot der Berichterstattung über gewisse vertrauliche Dinge enthält. Verboten ist demnach die Beröftentlichung von nach der Geschäftsordnung vertraulichen Verhandlungen des Parlamentes, seiner Ausschüsse oder: Kommissionen, und de» Inhalts von Akten, die Gegenstand von solchen Verhandlungen sind, wenn er nach dem Gesetz vertraulich ist. Verboten ist ferner die Veröffentlichung von Verhandlungen der Regierung oder der zentralen Aemter oder von Akten, die Gegenstand solcher Verhandlungen sind oder sein sollen, obwohl der Betreffende wußte, daß die Regierung oder da» betreffende Amt sie geheim hält und daß die Veröffentlichung ein wichtige» öffentlicheSJn« teresse bedroht. Ebenso bleibt der Punkt 2(Verbot der Veröffentlichung von wissentlich unrichtigen Darstellungen über Maßnahmen der verfassungsmäßigen Faktoren) in Kraft. Im Paragraph 18b wird der Absatz 8 gestrichen, der das Verbot der Veröffentlichung von Morden ete. auf der ersten oder letzten Seite enthielt. Es bleibt aber bei dem Verbot der sensationellen Aufmachung solcher Dinge, das überdies auch auf Inserate ausgedehnt wird, die Aergerni« erregen oder die Scham verletzen. | Genosse Johl im Senat: Ermächtigung-Sache des Vertrauens Prag, 21. Juni. Der Senat nahm heute > nach einer lebhaften, von acht Rednern bestrittenen ! Debatte das Ermächtigungsgesetz an. Für unsere Fraktion«rahm Genosse Johl zu der Vorlage positiv Stellung. Er befvstte sich vor allem mit der p o l i t i s ch e n Seite der Angelegenheit und erklärte, die Vorlage sei zweifellos eine Sache deS Vertrauens. Wir billigen den Oppositionsparteien ohne weiteres das gute Recht zu, gegen da» Gesetz zu stimmen, aber dir Sache steht für un» so, daß wir unsere« Vertrauensmann in der Regierung habe« und daß uns dadurch die Möglichkeit gegeben ist, jede Vorlage, die durch das Ermächtigungsgesetz in Straft gesetzt werden soll, entsprechend beeinflussen zu können, daß wir also die Grenzen obstecken und feftftrllen können, inwieweit jede derartige Vorlage für un» tragbar ist. Wir könne« daher mit ruhigem Gewissen für die Vorlage stimmen, und dies um so mehr, alS ja die Oppo- sitiouSparteirn keinerlei durchschlagenden Beweis dafür gebracht haben, daß da» Ermächttgung»- gesrtz in der Vergangenheit mißbraucht worden wäre. Zu den AuSfühningen der deutschen Oppositionsredner, soweit e» sich um den„scharfen Wind" handelt, der jetzt gegen die deuffche Bevölkerung wehe, erklärt Genosse I o k l, den Herren sei da ein kleiner Irrtum unjer- laufen, insofern, al» sie hier den Begriff „Deutsche" verwechseln mit„staatsfeindlicher deutscher Jrredenta". Wir stellen fest, daß wenn auch gegen kulturelle Einrichtungen eingeschritten werden muß, e» sicherlich nur in dem Falle geschieht, daß diese Einrichtungen zu irredentisttschen Bestrebungen mißbraucht worden sind. Wir können nicht dulden, daß irgendwelche Einrichtungen, die für da» Volk geschaffen worden sind,«inseitig mißbraucht werden, um staatsfeindliche, antidemokra- rische, anttrepublikanische Tendenzen zu fördern und zu unterstützen! Unsere Notstandsforderunsen: In seinen weiteren Abführungen wandte sich Genosse Jokl der Besprechung der Trockenheitskatastrophe zu, die unserer Landlvirtschaft droht, und hob hervor, daß man in dieser Stunde aber auch auf die Not der Arbeiterschaft nicht vergessen dürfe. Die Dürre bringt zweifellos die Gefahr einer Verteuerung aller Lebensmittel mit sich und e» ist schon jetzt ein Anziehen der Preise auf den Märkten zu konstatieren, obwohl, soweit da» Getteide in Betracht kommt, man auf dem Weltmärkte von einem Mangel noch immer nicht reden kann, wenn auch der Ueberfluß, der unS bis vor kurzem in Atem gehalten und die Welt beherrscht hat. bald in einen Mangel umschlagen kann. Eine Teuerung wäre geeignet, Zustände zu schaffen, die für die Arbeiterschaft, sowohl für die beschäftige, aber insbesondere auch für die Kurzarbeiter und die Arbeitslos«, absolut nner- >trüglich find. Deshalb appellieren wir an die 41 Unsere Töchter, die Maxinen Roman von Hermynia Zur NOMm „Ja, es kann doch nicht so weitergehen. Noch vor einer Woche haben wir geglaubt, daß der Führer nicht weiß, was geschieht. Noch vor einer Woche haben wir ihm vertraut. Aber jetzt ... Das neue Gesetz... die Todesstrafe für alle, die die Wirtschaft stören... Die Großindustriellen, die noch immer an der Macht sind... Und die Kameraden, die sie ins Konzentrattonslager geschleppt haben... Ist das die deutsche Revolution? Ist das unsere Revolution?" Die jungen Züge vor mir verzerrten sich. Ich hatte noch nie auf einem Gesicht einen solchen furchtbaren Hatz gesehen. „Ich bin ein Prolet," sagte er.„Ich bin in Köpenick aufgewachsen, wir waren acht Kinder und sechs davon arbeitslos. Da sind sie gekommen mit ihren Versprechungen und ich habe ihnen geglaubt. Die Marxisten und die Juden sind an allem Schuld, haben sie gesagt, und ich habe ihnen geglaubt. Adolf Hitler wird die Arbeiter befreien, wird ihnen Arbeit und Brot geben, haben sie gesagt, und ich habe ihnen geglaubt. Die Kommunisten haben den Reichstag angezündet, haben sie gesagt, und ich habe ihnen geglaubt. Schlagt die Feinde des deuffchen Arbeiters tot, haben sie gesagt, und ich... ich habe es getan. Sie haben meinen Bruder, der Kommunist war, auf der Flucht erschossen. Er war ein braver Mensch, ich hatte ihn lieb, aber ich habe ihnen noch immer geglaubt. Ich Narr! Wir Narren!" Und mit einem Mal begann er zu schluchzen. »Wissen Sie, ivas das hcitzi, wenn alles zu- sammenstürzt? Wenn man begreift, was geschehen ist? Wenn man sicht, wofür man Verbrechen begangen hat? Er war unsere letzte Hoffnung..." Er lachte böse, verbittert: »So sieht sie auS, unsere letzte Hoffnung." Ich schwieg noch immer. Ich nahm ein Tuch und wusch ihm die Wunde. Er lachte wieder. „Ja, die haben mir die P—Gs geschlagen. Unsere P. GS. Weil ich gefordert habe, daß die Versprechen eingelöst werden, die sie unS an die tausendmal gemacht haben. Und wenn sie mich er« wischen, komme ich zuerst ins Braune Haus, und wenn nachher noch etwa» von mir übrig bleibt, so kommt dieses Etwas mit zerschlagenen Knochen, vielleicht einäugig, vielleicht halbtot, inS Konzentrationslager. Ich iveitz es, ich habe es ja selbst gesehen, bin dabcigestanden, wenn Menschen zu Krüppel geschlagen worden sind. Und habe mir gesagt: das mutz so sein. Die Späne müssen fliegen, wie der gute P. G. Gocring gesagt hat. Der brave, der sozialistische P. G., der in einer schönen Billa wohnt und ein Landgut kaufen will. Der Wahnsinnige, dem wir nachgelaufen sind. Der uns alle mit seinem Wahnsinn angesteckt hat. Mein Gott..." Er ballte die Hände zur Faust. „Wenn ich sie nur hier hätte, die Führer, alle, die großen und kleinen. Ich möchte sie bei lebendigem Leib zerreißen. Ich möchte..." „Nicht so laut," sagte ich, denn nun schrie er bereits, und ich fürchtete, Seppel könnte aufwachen und hereinkommen. Ich trat an die Wasserleitung und brachte ihm ein Glas Wasser. Er trank gierig. Dann blickte er mich fragend an. „Glauben Sie mir? Oder haben Sie noch immer Angst vor mir?^ „Ich habe überhaupt keine Angst," erwiderte ich ärgerlich. Er schien zu staunen. „Sie haben keine Angst? Wissen Sie dmn nicht.. Und nun schien ihm Plötzlich ein anderer Gedanke zu kommen. „Ich geh," sagte er.„Ihtb ich danke auch schön für alle»." Ich hätte froh sein müssen, aber ich wollte ihn nicht gehen lassen. Nun glaubte ich ihm bereits, und wenn er das Hau» verläßt, so geht er vielleicht in den Tod.* „Warum wollen Sie auf einmal gehen?" Sein blasses, mageres Gesicht rötete sich. „ES ist ja doch eine Schweinerei," meinte er. „Sie sind eine alte Frau, ich bringe Sie in Gefahr. Ich habe schon genug aus dem Gewissen." Und in diesem Augenblick öffnete sich leise die Tür, und Toni trat ein. Sie sah den jungen Mann, aber es war schon zu spät. Er hatte sie ebenfalls erblickt. „Wer ist da»?" rief er aufgeregt. Und meine Toni fragte ganz ruhig zurück: „Wer sind Sie? Was suchen Sie hier?" Er nahm ohne ein Wort das schmutzige Flugblatt vom Tisch und reichte ei Toni, als würde dadurch alles erklärt. Sie la» es langsam» einmal, zweimal. Dann fragte sie: „Sind Sie der Franz Krüger au» Berlin?" Der junge Mann schrak zusammen. „Sie kennen mich? Werden Sie mich verraten?" „Ich weiß, was heute Nacht geschehen ist," entgegnete Toni.„Ich werde Sie nicht verraten." „Und Sie glauben mir?" -Ja." Toni blickte mich an. „Ob man ihn über die Grenze bringen kann?" meinte sie zweifelnd.„Wenn wir doch noch daö Motorboot hätten." „Ich will nicht über die Grenze," rief der junge Mann.„Ich bleibe in Deutschland. Ich will helfen, den Kameraden die Augen zu öffnen." Er lächelte befangen und wandte sich zu mir: „Sie glauben bestimmt, daß ich ein Feigling bin. Ich habe mich auch gefürchtet. Aber jetzt ist wieder alles in Ordnung." Regierung, diesbezüglich rechtzeftfg alle Vorkehrung« z« treff«, um die Lebensmöglichkeit« der Arbeiter- schäft voll und ganz zu siche«! Mit allem Nachdruck müssen wir auch damuf verweisen, daß eS notwendig wäre, das Gtüt» zungSgetreide für dir Arbeitslose» und Kurzarbeiter hemnznzieh«. Der Spekulation mit Brotgetreide mutz rechtzeitig ein Riegel vorgeschoben werd«. Wir hab« wiederholt erklärt, daß wir berrft sind,.Hilfsmaßnahmen zur Linderung der Krffe in der Landwirtschaft zuznstimmrn, wir verlang« aber, daß auch alle Vorie-rnng« zur Hilfe für die Arbeiterschaft sofott und restlos getroffen werde»! (Beifall.) Die Opposition bestritt die Notivcndigkrit, bzw. die Verfassungsmäßigkeit einer Ermächtigung Überhaupt. In letzterer Richtung bewegten sich u. a. auch die Einwände deS Christlichsozialen S t o l b e r g, der auch die deutsche Gewcvbepartei unter seine Fittiche nahm. Der neue Senator aus der Zips, Varga, sprach ebenfalls gegen die Vorlage; er protestierte auch gegen die Aliftassung des deutschen Gymnasiums in Leutschau. Ein Vertreter der Slowaken operierte mit der Behauptung, cö sei nicht möglich, mif die Dauer ein System aufrcchtzuerhaltcn, bei dem ein großer Teil des slowakischen Volkes(das heißt: nur die Hlinkaparteil) nicht direkt in der Regierung vertreten sei. Der Nationaldcmokrat Havlin sekundierte ihm hiebei. Den Gegnern der Vorlage schloß sich auch der Gewerbeparteiler S l a m a und der unvermeidliche Mikuliöck an, dessen Fanfaren trotz seiner rhetorische Geschicklichkeit meistens schon sehr abgedroschen und hohl klingen. Außerdem nahm der Senat noch die abermalige Verlängerung des provisorischen AutomobilgesetzcS bis spätestens 31. Dezember d. I. und die PensionSversickern ngsnovelle an, die gleichfalls eine ganze Reihe von Rednern auf den Plan rief. Endlich wurde noch die Neuwahl des Mündigen Ausschusses vorgenommen, dem Genosse Nießner als Ersatzmann angehört. Die deutsche pädagogische Akademie Gegenstand einer Aussprache im Kulturausschuß Im KulturmiSschuß brachte Genossin Kirpal Beschwerden über die Durchführung der MaturitätS- prüfung der Schüler der deutschen pädagogischen Akademie in Prag vor. Es könne leider nicht geleugnet werden, daß zwischen der pädagogischen Akademie und der Lehrerbildungsanstalt, an der die Reifeprüfungen stattfinde» nlüsscn, weil die Akademie noch kein OeffentlichkeitSrecht hat, eine gewisse Rivalität besteht, die ein Zusammenarbeiten der beiden An- statten stark erschwert. Schon vor zwei Jahr« liefen Beschwerden ein; auch heuer wurde in einem bestimmten Falle Beschwerde beim Schulministerium eingelegt. Dec Ausschuß beschloß hierauf, daß das Schulministerium diese Beschwerden streng untersuchen und, fäll- sie sich als begründet erweisen, die Verleihung de- OesfentlichkeitSrech« t e S an die deuffche pädagogische Akademie in Erwägung ziehen möge, insofern nicht über ihre Verstaatlichung entschieden werden wird. Der KulturauSschuß protestierte ferner gegen die Beschränkung der Aufnahme von Schülern in die ersten Mittelschickklassen und die Erschwerung des UebergangeS au» der Bürger- in die Mittelschule und urgierte u. a. auch die Vorlage über die Aufnahme von Aspiranten in den Staatsdienst. „Sie müssen nach Berlin zurück," sagte Toni.„Dort wird man Sie nicht so leicht finden. Hier, in unserer kleinen Stadt, können Sie nicht bleiben." Er nickte. „Aber mit der Uniform dürfen sie nicht aus die Straße. Mutter, du hast noch zwei Anzüge vom Vater. Gib einen her. Er wird ihm zur Not passen. Kommen Sie ins Schlafzimmer, dort können Sie sich umkleiden," sagte sie zu dem jungen Mann. „Nein," rief ich.„Er soll sich hier umkleiden. Ich bringe den Anzug." Toni sah mich erstaunt an. Dann ging sie selbst ins Schlafzimmer und kam nach einer kleinen Weile mit dem Anzug zurück. Der junge Mann kleidete sich um. Er sah ganz anders aus, als er im Anzug meines Anton vor mir stand. „Wir gehen zur nächsten Statton," erklärte, Toni.„In einer Stunde fährt ein Zug nach dem Nord«." „Sie wollen mitkommen?" stammelte der junge Mann. Toni lachte. „Wir werden nicht auf der Landstraße gehen. Und Sie kennen die kleinen Wege nicht." In mir regte sich ein unschönes Gefühl. Hckbc ich schon diesem SA-Mann einen Anzug von meinem Anton gegeben, habe ich ihn hier gelassen, so mühte das eigentlich genügen. Aber daß meine Toni sich nun seinetwegen wieder in Gefahr begibt, als ob es nichts wäre, mit einem Menschen, der verfolgt wird, zu gehen, einem Menschen, der ja doch noch vor kurzer Zeit... „Toni," sagte ich leise. Sie lächelte: „Arme Mutter. Aber cs muß sein. Nachher bleibe ich zwei Tage bei dir und schlafe mich aus." Sie griff nach dem Flugblatt. „Versteck das gut. Wir können es brauchen." (Forffetzung folgt.), Was jeder Gemeindevertreter wissen mußt Unter diesem Titel wird vom 2. Juli d. I. «»gefangen, über mehrfachen Wunsch, in der Freien Gemeinde je ein Artikel über die wichtigsten Fragen der Gemeinde geschrieben werden. Diese Artikel sollen vor allem den neuernannten Gemrindevertretern zur Einführung in die Gemeindepolitik dienen und sie mit den primitivsten Regeln, die in der Gemeinde beobachtet werden müssen, vertraut machen. Geschrieben wird über dieGeschäftSordnuilg, den Wirkungskreis der Gemeinde, den Wirkungskreis der Gemeindevertretung, die Finanzwirtfchaft der Gemeinden, den Loranschlag, daS Armen- rrcht, die Bauordnung, daS Gesundheitswesen, daS Schulwesen, daS VolkSbildnngS- und Lüchereige- fetz und die Gemrindegedenkbücher. Die Artikelserie umfaßt also die Ausgaben der „Freien Gemeinde" vom 2. Juli biS Ende Dezember. Wenn der Zweck dieser Schulungsarbeit erreicht werden soll, dann muß dafür Sorge getragen werden, daß dir in den letzten Wochen in die Gemcindestuben neu eingetretenen Genossen und Genossinnen auch die„Freie Gemeinde" abonnieren und lesen. Wir bitten deshalb, die neuernannten Gemrindrvertrrter auf die Artikelserie und deren Bestimmung aufmerksam zu machen und mit allem Nachdruck für die Gewinnung dieser Aemeindefunktionürc alS Leser der„Freien Gemeinde" zu sorgen. Soweit und die Adrrsien dieser Genossen mitgeteilt werden, erhalten dieselben die„Freie Gemeinde" von» 2. Juli gratis zugesandt. Mit dieser Ausgabe ist gleichzeitig eine Aufforderung zum Bezüge der kommunalpoliti- schm Zeitschrift verbunden. Wallisch, der„Bonze“ Ein Akt christlicher Nächstenliebe ES gehört zu drin echt christlichen Charakter des österreichischen FascioniuS, daß nunmehr der Frau Wallisch, welche ihren Man»» und ihre Gesundheit verloren hat, auch daS letzte.Hab und Gut weggenominrn wird. Die aus dem Besitz deS Hingerichteten Hochverräters stamincnden Möbel fir»d beschlagnahmt und sollen denmächsl um einen Bettel versteigert werden. Wenn Frau Wallisch gesund n»ird und dir bevorstehende einjährige Kerkerhaft lebend übersteht, braucht sie ja keine Bettstatt, darauf sie ihr schwergeprüftes Haupt betten kann... AlS die Schergen des Hrrm Dollfuß dir Möbel beschlagnahmten, erlebten sie eine große Uebrr- raschung. Sie waren sehr verdutzt darüber, wie einfach die Wohnung eines„marxistischen Bonzen" eingerichtet war. Der Wert der ganzen Habe war ursprünglich mit 8000 Schilling angegebm, d i e AmtSorgane schätzten sie aber «u r auf 2400 Schilling(etwas über 10.000 Kronen). So legt der Märtyrer der obrr- stcirischm Arbeiterschaft selbst im Grade noch Zeugnis von seinem lauteren Idealismus ab. Der christliche Käufer der Wallisch.Aiöbrl wird dieses Geschäftes nicht froh werdm. Der Pendub gegen die Hunnen Bei dem Kongretz des Penclnbs. der in Edinburgh tagt, hielt der englische Dichter und Historiker H. G. Wells als Präsident des Klubs eine programinatischc Rede, in der er erklärte, daß der Penclub sich heute mit den Problemen des literarischen Schaffens nicht befassen könne, ohne sich mit den politischen Ereignissen zu beschäftigen In mehreren Ländern, zuletzt auch in Oesterreich, sei der Versuch gemacht worden, das geistige Schaffen mit gewaltsamen Glcichschaltnngsmaß- nahmcn zu unterdrücken. Vor allen» aber miiss» der Penelub der Katastrophe in Deutschland seine Aufnierlsamkeit widmen. Wells erinnerte an die stürmischen Auseinandersetzungen bei der vorjährigen Tagung des Pcnclubs, als die Berliner Delegierten den aus Deutschland vertriebenen Dichter Ernst Toller am Reden verhindem wollten. Ji» der Folge habe es sich als unmöglich erwiesen, mit der reichsdeutschen Sektion des Pen- elubö noch weiter zusammcnzuarbeitcn. Mit einem Regime, daS Bücher verbrennen lasse u»rd Schriftsteller verfolge, nur weil sie jüdischer Herkunft sind oder«eil sie die Ideen des Friedens oder des Kommunismus verteidigen, könne der Penrluv als Wahrer der gei- ftigen Freiheit keine Beziehungen aufrechterhalten. Unter dem Beifall der Versammelten erklärte Wells: Wir können den Plan erwägen, für die auS Deutschland emigrierten Schriftsteller in Paris oder London ein neues Zentrum zu schaffen; wir hoffen aber, daß wir bald mit einem wiederanferstehrnden Prnrlub in Deutschland werden zusammenarbeiten können. Am Ende seiner Rede erklärte Wells, er werde in nächster Zeit nach Rußland fahren, um mit den dortigen Schriftstellern Fühlung zu nehmen. Die Sowjetunion mache jetzt eine deutliche Wendung nach dem Westen. Deshalb hoffe er, mft seinen Bemühungen in Rußland Erfolg zu haben. 19 fl£» gebung in Hietzing, die von der Negierung! Regime und sein« Krieg-Vorbereitungen seiner Mei-,»rag mit Albanien und kinige Immunitäten.— I streng geheimgehalten und deshalb bis jetzt nicht| nung nach gerechtfertigt find; wenigstens schilderte I Nächste Sitzung Dienstag, den 26. d„ um 18 Uhr. da« der | Ministerpräsidenten und Außenminister Barthou , Besprechungen hatte, stattete am Mittwoch dem Generalsekretär des Quai d'Orsay Leger einen Besuch ab. verurteilt und im April des Jahres 1020 h i n« «richtet. Weitere vier rote Soldaten zu Venen dauernde Zusammen* arbeit mit den Kommunisten Beschluß des französischen Partrivorstai»deS. Paris, 21. Juni. Das Präsidium der sozialistischen Partei genehmigte gestern abends den Entwurf der Redaktioi»skon»mission, der sich gegen eine dauernde Zusammenarbeit der Sozialisten mit den Kommunisten ausspricht, aber einen gemeinsamen Kampf aller Parteien des Proletariates gegen den FasciSmuS nicht ausschließt. nen Vorlagen des Abkommens betreffend die Arbeitslosenversicherung fort. Der tschechoslowakikche RegicrungSdelegierte Dr. Kolar, Sektionschcs im LandwirtschaftSmini- stcrium, nahm sich der Landarbeiter»varm an und sprach sich dafür aus, daß daü ArbeitSlosenver» sicherungSabkommen auch die Landarbeiter betreffen möge. In diesem Sinne sprach sich auch die ArbeitSkouferenz, und zwar mit 70 gegen 39 Stimmen aus. In der Nachmittagssitzung wurde nach längerer Aussprache mit 76 gegen 9 Stimmen der Schlußentwurf des Abkommens über di« Sicherung von Entschädigung oder Unterstützung für unfreiwillige Erwerbslose angenommen. Wien, 21. Juni.(Eige»»bcricht.) Der österreichische SicherheitSministcr Fey hat SamStag an die Sicherhcitadirektoren einen schriftlichen Befehl, mit der Aufschrift„streng reservat" ergehen lassen, den man kaum anders den»» als einen verzweifelten Hilferuf ausfassen kann. In diesem Befehl heißt eS wörtlich: Die Ereignisse der lebten Tage und das umfangreiche Material, das der Regierung zuge- gangen ist, beweisen» daß diepermanrnte Revolution indiednoLandgera. tenist, eine ernste Gefahr für den Bestand deS Staates bildet. Ein Ber- sagen der Staatsmacht im Kampf gegen das verantwortungslose Verbrechertum würde nicht nur für den Staat selbst, sondern auch für die Exekutive unabsehbare Folgen haben... Es zeigt sich, daß durch das aufopfernde Vorgehen der Exekutive in den Frbertagen nur ein Teil des Kampfes um die Neuordnung des Staates gewonnen wurde. Der schwerste Teil liegt noch vor uns und wird den Einsatz aller Kraft und aller Aufopferung erfordern.... Der österreichische Sicherheitsminister, derselbe MaNn, der am 13. Feber die Kanonen gegen die Wiener Arbeitcrhäuser ausfahren ließ, muh jetzt also zugeben, daß die blutige Barbarei, die er im Namen der„Ruhe und Ordnung" anrichtete, nichts a»»deres erreicht hat, als das Land in eine permanente Revolution zu stürzen. Bo»» dem Umfang dieser Revolution macht man sich, obloohl die Regierung es selbst nicht inchr wagt, alle Sabotagcanschlägc und oppositionellen Kundgebungen zu leugnen, kaum eine Vorstellung, besonders da Herr Dollfuß, der sich dem Ausland als patentierter„Nazibckämpfer" anpreisen will, alle illegalen sozialdemokratischen Kundgebungen verheimlichen läßt. So ist eS kaum bekannt, daß täglich in mehreren Gemeindehäusern UeberfallsautoS mit Polizcimannschast vorfahren, um die immer zahlreicheren eickitterten Arbeiterdemonstrittionen gegen das neue Wiener Regime zu zerstreuen. SamStag abends kam es im Hanuschhof im dritten Bezirk, zu besonders stürmischen Kundgebungen, bei welchen fast der ganze riesige Gemeindebau mit roten Fahnen und Standarten, die Kanrpfparolen gegen die Regierung verkündeten, geschmückt war. Als die Po» lizei gegen die Demonstrantenmeirge, die etwa 800 bis 1000 Personen zählte, vorging, kam eü zu schweren Zusammenstößen, bei welchen ein Polizist leicht verwundet wurde. Fast zur gleichen Stunde kam eS zu Zusammenstößen im A u st erlist h o f im gleichen Bezirk, wo die Bewohner eine Puppe, die dem Bundeskanzler täuschend ähnlich nachgebildet war, an einer Lichtleitung aufgehängt hatten. Noch ernstere Folgen hatte eine Maffcukund- öffcntlich bekannt wurde. An der Ecke der Hietzinger Hauptstraße und der Mantlerstraße, der Stelle, an der Münichreither am 14. Feber verhaftet wordci» war, fand am 14. Juni eine große sozialdemokratische Strass cnkundgebung statt, bei der zahlreiche rote Fahnen entfaltet und Reden gegen die Gewaltregierung gehalten wurden. Die Polizei War von der.Kundgebung völlig überrascht worden und schickte erst als diese schon in vollem Gange war ein UebcrfallSauto. Zwischen den Polizisten und den Arbeitern kam eS zu so schweren Zusammenstößen, daß ein Wachmann mit lebensgefährlichen Verletzungen vom Platz gebracht wurde. Böla Gabor, Schriftsetzer, Schwerinvalide, wurde am 21. Juni d»»rch das MiSkolczer Gericht zum Tode durch den Strang verurteilt. Gabor hat angeblich vor 15 Jahren im Juli 1019 sechs Bauern durch Rotgardisten erschießen lassen. Die Konstruktion der Anklage ist so unsinnig, die Beweise gegen Gado» so durchsichtig verlogen, daß eS gar keinem Zweifel unterliegt, daß die Machthaber der ungarischen Konterrevolution in ihrer Blutgier wieder einen Justizmord begehen wollen. Gabor ist ein hundertprozentiger Kriegü- invalider, Besitzer der großen goldenen und silbernen und zlvei kleinen silbernen Tapferkeitsmedaillen. Ein Granatschuß verletzte sein Bein, so daß er stark hinkend blieb, ritz ihm die H ä l f t e derSchädeldecke weg. Seine linke Hand ist gelähmt und nach ärztliche»» Befund ist er unzurechnungsfähig. Während der Rätcdiktatur bekleidete Gabor in seiner Heimat in Mezöcsat eine gm»z untergeordnete Stellung und> kam gar nicht daz»i, Hinrichtungen auzuordneu■ oder durchzuführen. In Mezöcsat»vurden aber am' 80. Juli 1019 tatsächlich sechs konterrevolutionäre! Bauern hingerichtet. Nach dem Zusammenbruch! der Räterepublik mußte Gador wegen dem wütenden weißen Terror die Flucht ergreifen. Wegen der Hinrichtungen wurden zehn ehemalige rote Soldaten verhaftet. Die Verhafteten haben bei de» Untersuchung und Ha»»ptverhandlung im Jahre 1920 zu ihrer Entlastung vor Gericht Gador mit der Anordnung der Hinrichtungen belastet.-Sie ließen Gador— der 15 Jahre hindurch in Wien in der Emigration gelebt hat— vertraulich verständigen, daß sie ihn nur aus dem Grunde beschuldigen. da e r im Ausland in S i ch e r« h e i t lebe und außerdem auf Grund seiner ärztlichen Zeugnisse unzurechnungsfähig sei und daher ihm ja nichts geschehen könne. Biele Genossen und der Vorstand der Vilagossagruppc haben diese Briefe gelesen. Der gutinütigc Gador hat im Jntcrresse der Verhafteten niemals öffentlich gegen die Beschuldigung protestiert. Trotz der Belastung Gadorü wurde de» Rotarmist, Drehergehilfe DöneS Bach zum Tode g_ 1 5 Iahren und 5 Rotarmisten zu 1 0, bzw. 1*-’ Prag, 21. Juni. Das Parlament hat heute nach kurzer Debatte die Vorlage über die Regelung deS Militärbudgets in beiden Lesungen angenommen. Die dcutschbürgerlichc Opposition hatte keine n R e d n e r in die Debatte geschickt, tvohl auS dem Grunde, um auf tschechischer Seite den Eindruck der verschiedenen Loyalitätserklärungen nicht abzuschwächen. Auch die deutschen Christ- lichsozialen schwiegen sich aus, obwohl sie in ihrer Presse die Vorlage zu heftigen Angriffen gegei» die deutschen Sozialdemokraten auogenützl hatten. Die Kommuni st en gebärdeten sich zur Abwechslung wieder mal als Antimilitaristcn. Seit der Herstellung eines freundschaftlichen Verhältnisses zwischen der Tschcchoslowalei und Rußland müßten sic aber das größte Interesse daran haben, daß dieser neue Bundesgenosse der Sowjetunion gegen einen fascistischen Ucbcrfall rüstet ist. würden ihn schon retten. Gador hat sich verzweifelt verteidigt. Bc- zc ichnend für den Geisteszustand des unschuldigen Schwerverletzte»» ist der Umstand, daß der Präsident deS Gerichtshofes und der StaatSantvalt dem Unglücklichen einige Male zurufen mußten,„er solle sich doch nicht so verwirrt verteidigen, eS sei doch sinnlos und hätte keinen Zusammenhang mit dem'Prozeß, was er s p r i ch t." Die Zeitungen berichten, daß man „daS wirre Zeug, das Gado» zusammenredete, gar nicht v e r st a n d". Natürlich»var eS wirr, wenn ein llnschuldiger und noch dazu Unzurechnungsfähige» tage«>md wochenlang in Untersuchungshaft und bei der Gerichtsverhandlung gepeinigt wird. Neber alle Sozialisten der Welt hinaus, müssen alle gerechten Menschen stammenden Protest erheben gegen den Justizmord an Bkla Gador» der verheiratet und Vater zweier unmündiger Kinder ist. Nach 15 Jahren in einer Angele- er mit Begeisterung, wie Hitter-Deutfchland herrliche Autostraßen, Betondeckungen für Mannschaften und Geschütz« an den Grenzen ausbaut, wie eS die Arme« und die Waffen- und Munitionserzeugung organisiert und forderte dann unsererseits militärische Gegenmaßnahmen, die den Barwert aller Rüstungsfondsrate»» bis 1948 zusammengenommen wohl noch erheblich übersteigen»oürden. Eine klein« Hetze gegen die deutschen Beamten einiger großer Jndu- striewerke, di« für die Nationalverteidigung von Wichtigkeit sind, Ivurde nachträglich auS dem offiziellen Bericht der Parlamentskorrespondenz eliminiert. Als einziger Redner von Koalitionsseite sprach der Nationalsozialist David in seiner Eigenschaft als Vorsitzender deS WchrauSschusscs. Er konstatierte, daß im WehrauSschuß alle Koa- littonSparteien zu der Vorlage einen positiven Standpunkt eingenommen haben und daß sie dies uni so mehr tun konnten, als die Politik der Tscheche- stowakei seit der Gründung immer eine Politik des Friedens war und mich in Zukunft bleiben will. David verwies dann ausdrücklich auf die Erklärung deS Verteidigungsministers im WehrauS- fchutz, daß neben der strengen Kontrolle deS Fonds, die vom Finanzministerium, vom Obersten Rech- »»ungSkontrollamt und der parlamentarischen Sparkommission durchgesührt wird, auch daS Präsidium deS WehrauSfchuffeS wie' dessen Plenum ordentlich über die Verwendung das Fonds informiert werden wird. Die kommunistischen Abänderungsanttöge wurden als nicht zur Sache gehörig vom Präsi, dium nicht zur Abstimmung zugelaffen und die Vorlage sodann in beiden Lesungen angenommen. Erledigt wurde dann noch der Handelsver- Genffer Arbeitskonferenz Drei Abkommen angenommen Genf, 21. Juni. Die Internationale Ar« bcitSkonferenz verhandelte heute den Schlutzan- trag des Abkommens betreffend die Arbeitszeit und die Ruhepausen in den Glasfabriken zur Erzeugung von Tafelglas. Der Antrag wurde mit 87 gegen 28 Stimmen angenommen. Bon der tschechoslowakischen Delegation stimmten zwei Regierungsvartreter und der Vertreter der Arbeiterschaft für das Abkommen. Dr. Bankk, der Vertreter der Unternehmer enthielt sich der Abstimmung! Das Abkommen betreffend die Entschädigung der durch Berufskrankheiten betroffenen Arbeiter wurde mit 104 gegen 11 Stimmen angenommen. Für dieses Abkommen Die permanente Revolution“ in Oesterreich Uehdmbelelil reu«:„Da« Schwerste liegt noch vor uns Rüstungsfond angenommen Streune parlamentarische Kontrolle gesichert Ribbentrop noch immer In Paris Paris, 21. Juni. Der deutsche Abrüstungs- genhrit, in welcher'ein Soldat' schon hingerichtet| bevollmächtigt- von Ribbentrop, der sich fest-ini. wurde, andere v Männer zu schwerem Kerker f g«" Tagen in Paris aufhält und u. a. mft dem verurteilt, einen unschuldigen u»»d schwachsinni gen Menschen» einen Kriegsbeschädigten zu jus». fizirrrn, das wäre die schändlichste der Schand taten, mit welchen sich die ungarische Konterrevo lution ohnehin schon belastet hat Entscheidungsschlacht Im Urwald? London, 21. Juni. Wie Reuter aus Santiago de Chile meldet, ist im Chaeo eine Schlacht im Gange, die voraussichtlich die Entscheidung in dem Urwaldkrieg zwischen Bolivien und Paraguay bringen dürfte. Insgesamt 80.000 Mam» liegen sich in der„Grünen Hölle" in erbittertem Kampfe gegenüber. Der Referent V i l a n e l knüpfte an gestrige Komuluniquee über die Ratstagung Kleinen Entente an und verwies auf die revisionistischen und sonstigen Tendenzen, die heute Europa beunruhigen m»d Maßnahmen zur Sicherung des eigenen Staates erforderlich machen. In dieser Beziehung ist die kürzliche nachdrückliche Ablehnung aller revisionistischen Bestrebungen durch Titulescu in ihren möglichen Konsequenzen von großer Bedeutung. Dem Nationaldemokrate»» S p a k e k lvar oirek» di« Freude vom Gesicht zu lesen, daß seine früheren ebenso überflüssigen wie hetzerischen Brandreden gegen das damals noch demokratische und friedliebende Deutschland durch das jetzige fascistische 4 I a h r« n Kerker verurteilt. Nach den Feberereignissen in Wien fuh» Gador— trotz Mahnungen seiner Genossen— nach Ungarn.„ES kann mir ja nichts geschehen, ich bin unschuldig", erklärte er vor seiner Ab fahrt. An der Grenze hat man ihn verhaftet. In der Verhandlung hcchen die Zeugen— die Ver wandten der Hingerichteten B a u e r n, die seit 18 Jahren, so la»»ge, bis sie eS selber glaubten, hörten, daß Gador die Hin richtung befohlen hat,»md di« im Jahre 1920 Verurteilten, die sich vor neuer Vcr»! stimmte die gesamte tschechoslowakische Delegation, folgung fürchteten, alle gegen Gador auSgesagt. Die Konferenz setzte sodann die langtvierigc Die letzteren glaubten, die ärztlichen Zeugnisse Aussprache und die Abstimmung über die einzel- würden ihn schon retten. r--•.»,<. Justizmord an einem Schwerinvaliden In Ungarn Freitag, M. Jmr! 1934 Mr. m Grotzfeuer in Böhm-Kamnitz Bier Häuser vernichtet 25 Jahre Pensionsversicherung Prag, 21.\Kiiiti. Jin Sitzungssaale des neuen Gebäudes der Allgeincincn Pensionsanstalt wurde Donnerstag vormittags des 2öjährigen Bestandes der„Pensiansanslalt fiir Angestellte" gedacht, die am 1. Jänner 1909 ihre Tätigkeit aufnahm. Der Präsident der Anstalt Dr. Hototvetz erinnerte einleitend an die langjährigen Bestrebungen der Privatbeamten, die mit ihren Führern sich um die Gcsetzwerdung dieser Versicherung am meisten verdient gemacht haben. In seiner weiteren Rede schilderte Dr. Hotoweh die gesamte Entwicklung der Anstalt von ihrer Entstehung an. Vom Jahre 1909 bis Ende des Jahres 1933 stieg die Zahl der Versicherten von 40.000 aus 331.000» die der Arbeitgeber von 15.000 aus 68.000, der Betrag der jährlich vorgeschriebencn Prämien von 15.5 auf 458.5 Millionen AL» die Zahl der Rentner von 2600 auf 48.000 und der Betrag der jährlich ausbezahlten Renten und Zuwendungen von 1 Million auf 402 Millionen AL. In dem erwähnten Zeitraum wurden an Renten und freiwilligen Zuwendungen mehr als 1800 Millionen AL anSbezahlt. In dieser Zeit wurden 58 Millionen AL für die Heilfürsorge zugunsten der Anstaltsversicherten, 50 Millionen AL für Arbeitslosenunterstützungen, mehr als 37 Millionen AL für die Krankenversicherung der Rentner nnd fast 2 Millionen AL für Sondcruntcrstützun- gen aus dem sogenannten Masaryk-Fonds aufgewendet. Insgesamt wurden Anleihen in der Höhe von fast 3 Milliarden AL getvährt. Die Anstalt verfügt heute über rund 800 Millionen AL an Staatspapiercn und etwa 570 Millionen AL an anderen pupillarsichercn Papieren, insgesamt also über Wertpapiere im Werte von fast 1.5 Milliarden AL. Zusammen mit den Anleihen, die die Ersahinstitute in der Höhe von mehr als 600 Millionen AL und eingerechnet deren Besitz an Wcrtpapiereir im Betrage von über 850 Millionen AL, hat also die PensionSvcrsicherung von ihren Einnahmen an Versicherungprämien rund 6 Milliarden AL der Wirtschaft zu produktiven Zwecken rückerstattet. Tann ergriff Minister für soziale Fürsorge Dr. Meißner das Wort zu einer Rede, in der er einleitend an die Zeit vor 25 Jahren erinnerte, da die Pcnsionsanstalt ins Leben trat. Der Minister betonte, daß die Anstalt ihre Aufgabe nicht nur von der technischen und administrativen Seite auS betrachtete, sondern die ihr anvertrauteAufgabc von einem weit großzügigeren Standpunkte auS auffaßtc und sich bemühte, auS der ihr vom Gesetze übertragenen Vollmacht alles das zu schöpfen, was zum Wohle der versicherten Personen dienen konnte. Deshalb hat sich die Anstalt nicht nur auf die Auszahlung der Invaliden- und Altersrenten beschränkt, sondern widmete eine große Aufmerksamkeit der Fürsorge für die Erhaltung der Gesundheit der Versicherten. Die Anstalt führte eine durchgreifende Hcilfiirsorge ein und unterstützte in bedeutendem Maße die Aktionen zur Beschaffung gesunder und billiger Wohnungen. Zum Schluß sprach Minister Dr. Meißner allen jenen seinen herzlichsten Dank auS, die an der Pensionsversicherung mitarbeiten. An der Festsitzung nahmen außer dem Minister für soziale Fürsorge Dr. Meißner der Minister für öffentliche Arbeiten Dr. Czech teil. kommunistische»Demonstrationen*. Die Blätter der kommunistischen Partei, sowohl daS „Rude Prävo"(Prag) als auch der„Vorwärts" (Rcichenbcrg) sind gestern mit mehrspaltigem Titel erschienen:„Die Arbeiter in den Prager Gasten, zwei Stunden stand Prag unter dem Eindruck des Rufes nach dem Generalstreik." In dem Artikel wird von„Massendemonstrationen" erzählt, die in einigen Gassen in der inneren Stadt, vornehmlich am Graben nnd am WenzclSplah stattgcsundcn haben sollen. Der ganze Bericht ist nur deswegen geschrieben worden, um in Moskau den Glauben zu crlvcckcn, daß die kommunistische Partei eine große Aktivität entfaltet nnd Massen auf die Beine zu bringen vermag. Wer die Demonstrationen selbst mit angesehen hat, mußte staunen, wie das„Rude Prävo" die Wahrheit auf den Kopf stellt. Wenn man über den Wcn- zelsplatz gegangen ist, hat man nichts anderes gesehen, als daß vereinzelt einige junge Leute von Wachleuten in die Nebengassen des WcnzelS- platzcs gedrängt worden sind. Von Masten war nicht die Rede und cs muß sehr traurig um eine Bewegung bestellt sein, die zur Aufrechterhaltung ihres Prestige glaubt, z» derartige» handgreiflichen Unwahrheiten greifen zu müsse». Vom Rundfunk Empfehlenswerte» em» de» Programmen» Samstag. Prag: Sender L.: 6.00 Gymnastik. 10.05 Deutsche Nachrichten. 18.40 Brahms: Ungarische Tänze. 15.15 Konzert des Salonorchesterü. 16.40 Lustiges Weekend. 18.05 Ilebertragung aus Friedland von den Wallenstein-Festspielen. 18.55 Deutsche Rreffe. 20.20 Klavierkonzert. 22.15 Tanzmusik.— Sender St.: 14.00 Marionettenspiel« in Ferien. 14.20 Deutsche Sendung: Musikalische Zeitgeschichte.— Brünn: 11.00 Schallplatten. 17.45 Deutsche Sendung: Ein Johannisnacht-Traum. 21.00 Hausmusik.— Mähr.- Oftran: 20.20 Balalaika-Orchester.— Preßbnrg: 20.45 Operette auS dem Studio.— Kascha»: 17.20 Kinderstunde. 20.20 Liederkonzert. B.-Knimiiti, 21. Juni, lEigenbericht.) In der Nacht von Mittlvoch aus Donnerstag wurden inmitten der Stadt, gleich neben dem Marktplatz in der Spitalgaste, vier Häuser durch Feuer vernichtet: das Haus des FleischcrmeisterS L. Schiefner, der Druckerei Fleck, des Herrn Schicht und des Herrn Jäckel. Die Flammen griffen mit solcher Schnelligkeit von einem Haus auf das andere über, daß binnen kurzer Zeit alle vier Häuser in Flammen standen. Zum Glück ist in der Nähe des Brandherdes genügend Master\ TagcsncuigKcltcn Grubenkatastrophe im Beuthener Revier Sieben Bergleute verschüttet B e u t h e n, 21. Juni. Gestern nachmittags gegen 18 Uhr ereignete sich auf der 774-Meter- Sohle des Nordfeldes der Karsten-Zen» trum grübe ein schweres Grubenunglück. Bei einem heftigen Erdstoß ging eine in Eisen ausgebaute Strecke zu Bruch. Unter den einstür- zenden GestrinSmassen wurden ein Steiger und sechs Bergleute verschüttet. Zwei in der Nähe der Einsturzftelle befindliche Bergleute wurde» verletzt, davon einer schwer. Sir konnten sofort geborgen werden. Die Rettungsarbeiten wurden sofort eingeleitet. Im Laufe der Rächt wurde der Häuer P i l» t h und der Abteilungsführer Gru- benstetger Köhl als Leichen geborgen, tteber das Schicksal der noch einge- schlostrnrn Bergleute besteht keine Gewißheit. Der Erdstoß— es handelt sich um ein sogenanntes tektonische- Beben— wurde im ganzen Beuthener Grubenrevier verspürt. Rach Auskunft der Bergrevierämter wurde auf den verschiedenen Grube» nirgends nennenswerter Schaden angerichtrt. Anglück auf dem Protznitzer Flugplatz -Olmütz, 21. Juni. Heute um 10.30 Uhr havarierte südöstlich vom Proßniher Flugplatz ein vom Piloten Aiilitärakademiker O t a Veli n s k h gesteuertes Flugzeug. Belinsky wurde schwer verletzt". Er erlitt einen doppelten Bruch des rechten Schienbeins und kleinere Rißwunden. Die Ursache der Havarie war der durch fehlerhaftes Manövrieren verschuldete Geschwindigkeitsverlust. Zwei Todesopfer des Deutschlandflugs. Stettin. Am crstenWettbewerbs- 1 a g deö Deutschlandfluges stürzte ein Sportflugzeug aus bisher unbekannter Ursache bei Hohenschönau im Kreis Naugard ab, wobei die zwei Mann der Besatzung den Tod fanden Außerdem mußte ein anderes Wett,- bewcrbflugzeug bei Großpychow, Kreis Belgard, eine Notlandung vornehmen, bei der der Flugzeugführer verletzt wurde. Blutrache in Karpathorußland UZhorod, 21. Juni. In der Nacht auf gestern wurde in einer Hütte auf der Weide der Gemeinde H a r j a n a bei UZhorod der 32 Jahre alte Hirte Georg Holinka erschoffen. In seiner Gesellschaft befanden sich noch drei Hirten, die durch die Schußdetonation auswachten. Den Täter konnten sie aber nicht festnehmen, da er in der allgemeinen Verwirrung spurlos verschwand. Holinka wurde in die linke Hüfte getroffen und verschied nach einigen Minuten. Er war vor einigen Tagen aus dem Gefängnis des Kreisgerichtes UZhorod zurückgekchrt, wo er eine lf^ jährige Strafe wegen Totschlages seines Nebenbuhlers Georg Romana aus der Gemeinde Horjana, den er am 11. Jänner 1932 Var den: Gasthaus in Horjana nach einem Streite bei einem Trinkgelage, wo sie ihren Lohn nach der Auszahlung vertranken, crschostcn hatte. Es handelt sich ivahr- scheinlich um Blutrache. Zwei Selbstmorde— in Wirklichkeit»in Selbstmord» »ersuch Prag» 21. Juni. Mittwoch abends sprang ein sechzehnjähriges Lehrmädchen aus unbekannten Gründen von der Prager Karlöbrücke in die Moldau. Sie blieb, da der Wafferstand sehr niedrig ist, ün Schlamm stecken und wurde von einem Wachmann und dem Schneider Heinrich Peska rechtzeitig ans Ufer gebracht. Jnterestant ist, daß Pastanten, welche den Selbstmordversuch vom Ufer aus beobachteten, die Polizeikommistariate auf der Klcinscitc und in der Altstadt, also In den beiden Stadtteilen, welche durch die KarlSbrücke verbunden werden, verständigten, daß eine'mbekannte vorhanden, sonst wäre daS Unglück unabsehbar geworden. Gegen 4 Uhr früh war es den vereinten Bemühungen der Feuerwehren, welche mit etwa 20 Schlauchleitungen dem Feuer zu Leibe rückten, gelungen, den Brand soweit einzudäm- mcn, daß eine weitere Gefahr für die Nachbarhäuser nicht mehr bestand. In der Nähe des Brandherdes befindet sich auch eine Waffenhandlung mit einem Pulvermagazin. Zum Glück gelang eS, dieses Objekt zu schützen. Frau ins Wasser gesprungen sei. Da die Polizeikommissariate miteinander keine Verbindung hatten, gab es am nächsten Morgen zwei verschiedene Meldungen über Selbstmorde von Frauen. Zum Glück waren beide falsch. Sechs weitere Opfer des„Nelson" gefunden Ossel, 21. Juni. Heute wurde im Rel- sonschacht das Revier V geöffnet, in welchem zur Zeit der Explosionskatastrophe 17 Bergleute beschäftigt waren. Der Streckengrwinn betrug etwa 500 Meter. Man fand 6 Leiche», die im Laufe deS Tages geborgen und auf den Offeker Friedhof gebracht wurden, wo ihre Identifizierung erfolgen wird. I» der neu grwältigten Strecke wurden starke Explosionswirkungcn festgestellt. Die Temperatur betrug 35 Grad CelsiuS. Dor Schmerz über den Verlust des einzigen Kindes wahnsinnig geworden Am Sonntag nachts verschied in K l ö st e r l e die einige, 10 Jahre alte Tochter des Pächters des Schießhausrestaurants, Ferdinand Weber, an Diphterie. Der Verlust des über alles geliebten Kindes machte den Vater wahnsinnig. Er mußte noch vor dem Begräbnis des Töchterchens in die I r r e n a n st a l t nach Dobschan gebracht werden. Wie man berühmt wird. ES ist eines der Grundgesetze in der„Bohemia"-Redaltion, die deutsche Sozialdemokratie nach besten Kräften tot zuschweigen. Was auch geschieht im weiten Bereich unserer politischen, gewerkschaftlichen, genossenschaftlichen und Kulturorganisationen, eS vermag in den Spalten dieses quasi demokratischen Blattes nicht das Licht der Welt zu erblik- len. Turneraufmärsche, Jugendtago, Kundgebungen mit Tausenden von Teilnehmern, soweit sie von Sozis besucht worden, werden von dieser Sorte bürgerlicher Journalistik. grundsätzlich ignoriert. Den Gesamtberatungen der sozialistischen Arbeiterjugend, die stets mindestens so ge- haltvoll waren, wie die Reden der Herrn Hacker und Toni Köhler, ist noch nie eine Zeile gcwid- inet worden. Wir beabsichtigen nicht, diesen für uns so ehrenvollen Zustand etwa zu bekritteln. Da sei unser guter Geschmack davor. Ein sarka- stisches Lächeln läßt sich aber schwer unterdrücken, wenn die„Bohemia" nun beflissen den Leutchen von der„Sozialistischen Aktion" das Prädikat einer„rebellierenden Jugend" verleiht. Eine verdiente Diskreditierung. Hätten die betreffenden Studenten den Weg der zwar nüihc. vollen, ober immerhin notwendigen Mitarbeit in der Partei gewählt, nie wären sie würdig be- sunden worden, die Spalten der„Bohemia" zu zieren.' Zwei Blättchen opposit. Gcraunzes Bremen, 21. Juni. Der Passagierdampfer „Dresden", der Mitglieder der Aktion„Kraft durch Freude" an Bord hatte, ist bei S t a v a n- g e r i» den norwegischen Schäre» auf Grund gelaufen. Zwei Rettungsboote de: „Dresden" kenterten unmittelbar, nachdem sie aus daS Wasser niedergelassen waren, wobei zwei Frauen verunglückten. Sie sind auf einen norwegischen Dampfer, der sich bei den Rettungsarbei- ten beteiligte, an Herzschwäche gestorben. Vermißt wird keiner der Passagiere mtb keiner der Schiffsangehörigen. 14 Frauen u:U> der K o ch befinden sich mit l e i ch t e r e n V e r l e tz u n- g e n im Hospital in Stavanger. Der Koch hat Rippenbrüche davongetragen, rin« Frau Arm- und Beinbrüche. Die„D r e s d e n" ist gesunken. Rach einer Mitteilung des deutschen Konsulates iu Stavanger konnte die eine der verunglückten Frauen als Frau EmmaErzheimer auS Otterberg in der Rheinpfalz festgestellt werden. Die andere Berm:glückte ist ein junges Mädchen, dessen Name bisher nicht zu ermitteln war. Di« Zahl der in: Krankenhaus befindlichen Verletzten der„Dresden" beträgt 15. Bericht eines Augenzeugen Stavanger, 21. Juni.(Reuter.) Einer der Passagiere des deutschen AuSflugdampferS„Dresden", der bei Stavanger auf Grund lief, schildert den Unfall folgendermaßen: und schon— eine„rebellierende Fugend"(die am 1. Mai keine rote Nelke zu tragen wagt). Noch ein bißchen Schiinpferei auf den Parteivorstand— die„Bohemia" wird sie in Leitartikeln als politische Genies feiern. Und so weiter.— Ja, man kann als Sozialdemokrat in bürgerlichen und komnlunistischcn Blättern nur berühmt werden, wenn man der eigenen Partei in den Rücken fällt. Leute, denen es nur auf die Be- rühmtheit ankommt, wird dieser saure Beigeschmack nicht hindern können, den billig verdien- ten Ruhm mit Behagen zu schlürfen.— Die „Bohemia" grämt sich sogar, daß die Sozialdemokratie anscheinend auf die Mitarbeit von Stu- dcnten nicht mehr so großen Wert logt. Bis zur Präsidentenwahl legte das ehrenwerte Blatt allerdings besonderen Wert darauf, die Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker als ganz bösartige Bolschewiken hinzustellen. Jenes halbe Bäckerdutzend, welches sich nun der Ehre dieses BürgcrhasseS als unwürdig erwieS, wird durch die Aufsage der Mitarbeit in der sozialdemokratischen Partei endlich für die Mitarbeit in der „Bohemia" reif.— Uebrigcns: Die Dciüsch. demokraten können sich leicht ihre Köpfe zerbre- chon, denn sie haben weder eine Fugend zu verlieren, noch zu gewinnen. Ihre Partei kanngarnichtmehrinGefahrkom- m e n. Unsere Partei wird umso leichter mit einer sogenannten„Rebellion" fertig werden, je mehr liebevolles Verständnis die„Bohemia" für diese Sorte sozialistischer Intellektueller aufbringt, welche zum Glück in der sudetendeutschen So- zialdemokratie so spärlich vertreten ist, daß sie vorübergehend Raritätswcrt erlangt. Der Chef der Parlamentsbibliothek, Dr. Zdknek B. Tobolka ist gestern 60 Jahre alt geworden. Er ist nicht nur einer der hervorragendsten Bibliothekare der Tschechoslowakei und Dozcni der Buchwiffenschast an der tschechischen Universität in Prag, sondern auch ein bedeutender Historiker. Er hat eine Reihe bemerkenswerter wissenschaftlicher Arbeiten geliefert, die sich auf die Ge- scknchic deö tschechischen Volkes im allgemeinen und auf die Geschichte der tschechischen Arbeiterbewegung im besonderen beziehen. Sein größtes Werk ist eine Darstellung der tschechoslowakischen Geschichte von 1848 bis zur Gegenwart, wovon bisher drei Bände erschienen sind. Tobolka war früher auch politisch tätig, er war 1011 bis 1918 jungtschechischer Abgeordneter, ist dann aus der Partei ausgetreten und steht heute der sozialistischen Gedankenwelt nahe. Kommt Rege«? Wahrscheinliches Wetter Freitag, den 2 2. Juni: In den böhmischen Ländern und in den mittleren Teilen des Staates nach vorübergehendem Ausklären vom Westen her erneut Zunahme der Bewölkung, später stellenweise auch Rcgenneigung. Mäßig kühl, tagsüber jedoch etwas wärmer, Westwind. Im äußersten Osten ziemlich bewölkt und namentlich in höheren Lagen noch Regenschauer, relativ kühl, Nordwestwind. Wetteraussichten fürSamstag, den2 3. Juni: Noch unbeständig. Vorgeschichtliche Grabstätte bei Brüx. In einer Schottergrube in Pohlcrad bei Brüx wurde eine vorgeschichtliche Grabstätte gefunden. Die Ucberprüfung der Gefäße und der Vorgefundenen Skelette durch den Direktor des Archäologischen Institutes in Prag, Professor Dr. Buchtela, ergab, daß cö sich um schnurkeramische Hockergräber aus der Zeit von 2800 bis 2000 vor Christi handelt. Die Gefäße konnten fast unversehrt geborgen werden. Blitzschlag. In dem polnischen Städtchen Siodlee, wurden während eines Gewitters drei Personen dnrch Blitzschlag getötet. „Der Dampfer fuhr vollkommen ungestört seines Weges, als wir plötzlich eine heftige Erschütterung verspürten, als ob das Kiel des Schiffes auf einen Mecresfelsen aufgestoßen sei. Mit einem Schlage erloschen alle Lichter. Infolgedessen trat eine Panik ein. Männer und Frauen stürzten zu den Rettungsbooten. Das erst« Ret- tungöboot, in tvelchem 20 Frauen Platz genommen hatten, stürzte um, als eS ins Meer gelassen wurde und man vernahm verzweifelte Hilferufe. Zahlreiche Passagiere verloren die Ruhe und sprangeir über Bord in die Wellen. Der Augcnzcngc schloß seine Schilderung mit de» Feststellung, daß allen Reisenden nahe gelegt wurde, über die Katastrophe nicht- zu erzählen» weshalb der Passagier die Angabe seines Namens ablehnte. Drei Frauen» mit denen das Rettungsboot umgestürzt war, kamen ums Leben» 15 Personen wurden verletzt» darunter 3 schwer. Der Kapitm: und die 50 Mann der Besatzung der „Dresden" blieben bis zum letzten Augeickilick an Bord. Die Schiffsoffiziere bestreiten, daß es zu einer Panik kam, während viele Augenzeugen behaupten, daß die Offiziere geradezu mit Gewalt unter den verzweifelten mid in Schrecken versetzten Frauen, die größtenteils zum erstenmal auf hoher See waren— sie stammten aus dem Saargebict — Ordnung schaffen mußten. Die Augenzeugen behaupten auch, daß das Verhalten der Offiziere tadellos war. Deutscher Dampfer gesunken Todesopfer und Verwundete bei der Panik an Bord «v. Hd Wrt&t«, n. Start 1934 Wer fürchtet sich vor'm roten Mann? „GrcuelmArchen“ Ober die sozialdemokratische Gewerbelelndllchkelt Britische Flugzeuge gegen chinesische Piraten Gefecht.—>- Sieben Gefangene befreit. Sckwnghai, 21. Juni.(Reuter.) In diesen Tagen passierte es das erste Mal, dah britische Flugzeuge zur Verfolgung und Einschüchterung von chinesischen Piraten verwendet wurden. Es lann gesagt werden, dah es dank diesem Eingreifen der Flugzeuge ermöglicht wurde, sieben Menschen aus der Gefangenschaft der Piraten zu befreien. Zwischen hen Piraten und den sie verfolgenden Wasserflugzeugen sand ein Feuer- gefe.cht statt, svohei die Piraten Verluste erlitten. ES ist allerdings nicht bekannt, welchen Umfang diese Verluste cereichen. Erst als die Besatzung der Flugzeuge mit einem Bombardement drohten, liehen sich die Piraten herbei, sieben Gefangene in leichte chinesische Boote zu sehen, von wo sie dann in Sicherheit gebracht wurden. Äusser fünf britischen Staatsbürgern wurden auch ein I a p a n e r und der ehemalige chinesische JnncnministerSun» i i n l i n aus der Gefangenschaft befreit. Die übrigen noch in den Händen der Räuber befindlichen Gefangenen sind Chinesen. Der stille Terror Ammer neue Opfer An der Berliner Staatüoper war bi- vor kurzem der Kapellmeister Heiden« reich beschäftigt. Eines Tages entdeckte man, dah Heidenreich kein reiner Arier war und man brschloh seine Entlassung. Diese Entlassung wurde Heidenreich Mitte Juni in der Form mitgeteilt, dah eines Morgens am Eingang der StaatSoper ein Anschlag hing:«Herrn Kapellmeister Heidenreich ist das Betreten der StaatSoper verböte nl" Heidenreich ging nach Hause und erschoh sich! Sisenbahukatastrophe in Mühlhanse« Paris, 21. Juni. Auf dem Bahnhof i« Mühlhausen fuhr am Donnerstag früh ein Eisenbahnzug gegen einen Prellbock. Die ersten vier Personenwagen schoben sich in einander und wurden zertrümmert. Nach den bisherigen Feststellungen sind vier Personen getötet und vier schtver verletzt worden. Zahlreiche andere Personen erlitten Verletzungen leichterer Natur. WSlfe überfalle« ein Dorf Sofia, 21, Juni. Auü dem bei BurgaS gelegenen Dorfe Dischudek trifft die Meldung ein, dah dort in der Nacht auf heute ein Rudel von infolge Hungers rasenden Wölfen in den Ort eindrang, unter denen auch einige von Wut befallene Wölfe sich befanden. Die Wölfe drangen in die Ställe ein, würgten an 100 Ziegen, 40 Schweine, 266 Stück Rindvieh und zerrissen 60 Hunde. Die Lauern, die einige Stunden lang aus Angst nicht wagten, ihre Hütten zu verlassen, fassten schliesslich dennoch Mut und gingen mit Jagdgewehren und Heugabeln bewaffnet, gegen die Wölfe los, töteten einige derselben und jagten die übrigen in die Flucht. Eine wichtige Entscheidung über den Kran- kengeldbezug. DaS VersicherungSgcricht rn Prag hat am 21. November 1038 unter G. Z. Cro 197,38/14 eine Entscheidung getroffen, dass ein Erkrankter das Krankengeld bis zur Dauer eines Jahres zu erhalten hat, auch wenn sich während der Erkrankung herausstellt, dah der Betroffene im Verlaufe der Krankheit invalid geworden ist. Deutsch« Justiz! Das Gondcrgericht in der Pfalz verurteilte kürzlich den RechtSantvalt Theobald Schulz aus Ludwigshafen zu einem Jahr Gefängnis, weil er in einem Plaidoycr den Nazi» Gauleiter in Pirmasens„beleidigt" haben soll. Der Rechtsanwalt hatte vor dem Frankenthaler Sondergericht einen»Staatsfeind" verteidigt, der denselben Bauführer„geschmäht" und„herabgewürdigt" hatte. Weil er in seinem Plaidoyer dem Gauleiter in„ungeziemenden Ausdrücken" entgegengetreten sei, wurde ein Verfahren gegen den Rechtsanwalt eingcleitet, das jetzt mtk der ungeheuerlichen Strafe von einem Jahr Gefängnis endete. Als Kuriosum sei mitgeteilt, dass der von dem verurteilten Rechtsanwalt verteidigte „Staatsfeind" wegen des gleichen Delikts nur sechs Monate erhalten hat!—„Verteidigung" im Lande der Barbaren I Eine„Kulturtat" amerikanischer Rassrn- schützler. In der Stadt Kirbyville in Texas kam cs zu wüsten Ausschreitungen, die in der Lyn- chung des 30jährigen Negers Griggs ihren Höhepunkt fanden. Der Neger war in Gesellschaft eines 17jährigen weihen Mädchens gesehen worden. Darauf wurde er und das Mädchen verhaftet und in das Gefängnis eingeliefert. Da eine mehrhundertköpfige Volksmenge das Gefängnis zu stürmen versuchte, wollte die Polizei den Neger in einem Kraftwagen nach einem Nachbarort bringen. Die Menge hielt jedoch den Wagen an, entriss den Neger den Händen der Po- kizeibeamten und hängte ihn an einem Baum auf. Während der Neger an dem Baume hing, wurde aus der Menge 17mal auf die Leich« geschossen. Schliesslich tvurde die Leiche von dem Baum heruntergenommen, an einen Kraftwagen gebunden und längere Zeit durch die Strassen der Stadt geschleifi Wenn uns nicht ein freundlicher Leser daS Blatt zngcschickt hätte, wüssten wir gar nicht, dass die deutsche Äcwcrbepartei uns in ihrem„Hauptorgan" angegriffen und die im„Verbände dec Gewerbetreibenden und Kaufleute" organisierten Gewerbetreibenden gewarnt hat, den„roten Ge- wcrberettern" auf den Leim zu gehen. Die deutsche Gewcrbcpartei weiss zwar selbst nicht, ob sie ii b c r h a u p t n o ch l e b t, sie hat keine Ahnung, ob ihre Mitglieder hundertprozentig oder nur 76- prozentig zu Henlein übcrgegangen sind, sie kennt sich selbst noch nicht auS, ob sie eigentlich noch die Gewcrbcpartei oder schon der Ständebund für Handel und Gewerbe ist, aber auch in dieser Situation versteht sie cS noch, die Arbeit der Sozialdemokraten zu verleumden und zu schmähen. Und daü in einem Aufsatz, der ein Echo der im Vormonate stattgcfundenen Tagung des Verbandes der Gewerbetreibenden und Kaufleute in Saaz ist und der neben alten Schlagern auch neue enthält, die offenbar für die Bestreitung der gcwcrbcparteilichen Agitation gegen uns in der nächsten Zeit bestimmt sind, darum sei ausnahmsweise einmal auf die Sache eingegangen. Also was haben wir denn schon wieder verbrochen, dass cS uns den Zorn der Herren Tichi und Stenzl eingetragen hat? Unter den zahlreichen Verbrechen, die Genosse Dr. C z e ch von "einer Amtszeit als Fürsorgeminister her auf dem Kerbholze hat, befindet sich nach der Meinung der „Gewerbe- und Handelszeitung" auch die Tat» äche, dah die Selbständigenversiche- rung noch nicht in Kraft gesetzt wurde. Nun ist eS zwar richtig, dass das bereits im Jahre 1026 vom Parlamente verabschiedete Gesetz über die Sozialversicherung der selbständig erwerbstätigen Personen noch nicht in Kraft getreten ist. Aber die Herren von der Gewerbepartei wissen "ehr gut, dah dies nicht die Schuld des Genossen Dr. Czech oder eines anderen Ministers für soziale Fürsorge ist, sondern dass die Schuld daran auf ganz anderer Seite liegt. Abgesehen davon, dass für die Durchführung des Gesetzes noch die notwendigen statistischen und versicherungsmathematischen Unterlagen fehlen, lehnt eine, den Gewerbetreibenden sehr nahestehende Gruppe, nämlich die agrarische, die Einführung der AlterSver- lichcrung der selbständig eriverbStätigen Personen bisher ab und dem Herrn Tichi ist es wohl bekannt, dass eS bisher nicht gelungen ist, den ablehnenden Standpunkt der Landwirtschaft zu überwinden. Für diesen Standpunkt aber den Genossen Dr. Czech verantwortlich zu machen, der erst gelegentlich der letzten Budgetdebatte im Senate wörtlich gesagt hat: .Da» Fürsorgeministeriüm hat bereits wiederholt erklärt, dah es den Anträgen auf Aktivic- runa der Sclbftändigenversicherung grundsätzlich positiv gegenüber st eh t, dass aber vorher die Verständigung der beiden Interessentengruppen. die Novellierung des Gesetzes und die Sicherstellung der finanziellen Grundlagen d«S neuen BersicherungSzweiges notwendig erscheint." — daS ist doch ein zu starkes Stück! Dann muh die Geschichte mit dem Gesetze über die Einheitspreisgeschäfte herhalten, mit der sich Herr Tichi schon einmal die Finger verbrannt hat. DaS Ministerium für soziale Fürsorge, an dessen Spitze damals ein deutscher Sozialdemokrat stand, habe die Gesetzwerdung der Vorlage zu Ungunsten der Gewerbetreibenden verzögert. DaS ist wenigstens nicht hundertprozentig gelogen. DaS Ministerium für soziale Fürsorge hat nämlich auch verlangt, und schliehlich auch durchgesetzt, dah Unter Brüdern! Als angenehme Begleitmusik zu den Venediger Schnäbeleien der Dikta» toren kann ein in den schrillsten Dissonanzen ge- ührter Disput zwischen den„amtlichen" Presseorganen der römischen und der Berliner Diktatur verzeichnet werden. Der Chefredakteur des „Deutschen", des Organs der„Arbeitsfront" des Dr. Leh, Herr Busch, hatte eine italienische Reise unternommen und dabei wenig erfreuliche Eindrücke gewonnen. Er stellte in seinem Blatt fest, dah der FasciSmuS„im luftleeren Raum schwebe" und nicht ins Volk gedrungen sei. Das italienische Bolt sei„rassisch rnindcrwertig", faul und leide an einem sehr auffälligen Mangel an Tatkraft. Darauf hat nun die„Lavora Fascista" sehr grob geantwortet. Sie fovdert den Herrn Busch rauh, aber herzlich auf, sich Eselsohren aufzusetzen, und ersucht ihn, seine ganze traurige nationalsoziali» sfische Mystik über Bord zu werfen. Im übrigen sei die von ihm so gepriesene„deutsche Arbeitsfront" nichts anderes als ein„kümmerlicher Feierabendvercin" l Wenn sich Betrüger in die Wolle geraten, kommen immer einige Wahrheiten heraus! Aufruhr tu der Kirche. In der orthodoxen Kirche von Rowno in Wolhynien kam eS zwischen den Gläubigen, die stürmisch verlangten, dass bei dem Gottesdienst die russische Sprache verwendet werde, und den Anhängern der Benützung der ukrainischen Sprache zu einer Rauferei. Der Geistliche Czajkowski geriet hierbei derart in Aufregung, dah er vom Schlage getroffen wurde und auf der Stelle starb. Streiks polnischer Seiden arbeiter. Nach einer Meldung der„Gazetta Warszawska" ist in L o d z die Belegschaft von 86 Seidenfabriken in den Ausstand getreten. Als Ursache werden Lohnstreitigkeiten angegeben. Der Streik soll sich auf insgesamt 00 Fabriken auSdehnen. die Rechte der Angestellten der Einheitspreisgeschäfte gewahrt, ihnen ein Kollektivvertrag und ein BetriebSauSschuh gesichert und sie überdies der PensionSvcrsichcrungSpflicht unterworfen werden. Für diese„Verzögerung" werden die Gewerbetreibenden, die in den Reihen des Saazer Verbandes stehen, sicherlich volles Verständnis haben. Der Hauptschlager ist aber, dah Fürsorgeminister Dr. Czech nicht die in Not befindlichen Gewerbetreibenden in die ErnährungSak« t i o n des Ministeriums für soziale Fürsorge einbezogen hat. DaS ist nun allerdings wahr, das lässt sich nicht leugnen. Aber eS ist nun eben so, dass Gewerbetreibende und Handwerker nicht in den Schussbereich des Ministeriums für soziale Fürsorge, sondern in den deSHandelSmini- st e r i u m S fallen, so dah schon auS diesem Grunde das Fürsorgeministerium irgendwelche Hilfsmassnahmen zugunsten der durch die Krise sicherlich vielfach in Not geratenen Gewerbetreibenden nicht treffen konnte. Die arbeitslosen Arbeiter wenden sich ja auch nicht, wenn sie eine Unterstützung beanspruchen, an daS Handelsministerium und wenn ihnen der HandclSminister diese Unterstützung nicht geben kann, weil er dazu nicht berechtigt ist und hiefür auch keine budgetären Mittel besitzt, würden sie ihn auch nicht beschimpfen und verleumden. Anders die Herren von der Gewerbepartei. Sie wissen sehr gut, dass über die Ausnahme in die Ernähruugsakiion, die ausdrücklich„Ernährungsaktion fürarvcrtslose und beschränkt arbeitende Personen" heisst und nichts anderes darstellt, als eine Ergänzung des Genter Systems, dessen ja die Gewerbetreibenden auch nicht teilhaftig werden können, nicht das Ministerium für soziale Fürsorge entschieden hat, sondern die Regierung, die diese Aktion als eine für die arbeitslosen Arbeiter bestimmte inS Leben gerufen und die für die Aktion geltenden Richtlinien fest« gesetzt hat, die von dem Bewerber daS Vorhandensein eines ArbeitSvcrhältnisseS verlangen. Das alles wurde schon hundertmal festgestellt, daS haben die Herren Tichi und Konsorten schon tausendmal gehört, daS ist ihnen alles sehr gut bekannt, aber sie verschmähen auch das hundertmal Widerlegte nicht, Ivcnn es ihnen darum geht, gegen den ihnen verhassten„marxistischen" „Verband der Gewerbetreibenden und Kaufleute" zu Hetzen. ES verschlägt ihnen dabei nichts, dass die staatliche Ernährungsaktion fi'ir Arbeitslose eS in vielen Arbeiterdörfern allein zuwegebrachte, die Konsumkraft der Arbeiter wenigstens bis zu einem gewissen Grape aufrechtzuerhalten und dass dadurch auch d i e G e w c r b c t r e i b c n d c n im einem sehr reichen Masse profitieren, ja. dah viele Kaufleute schon zusammengcbrochcn wären, wenn der verhasste Dr. Czech nicht die Er- nährungSaktion für Arbeitslose durchgesesst hätte! „Von dieser(unserer! Seite haben die Gewerbetreibenden keine Rettung zu erwarten!" ruft TichiS Organ pathetisch auS. Aber offenbar von der politischen Führung, die selbstnichtweih, wohin sie ihreAn- hänger führt und die nur einen„Gedanken" kennt: den Hass gegen die Arbeiter, gegen ihre Partei und gegen ihre sozialen Errungenschaften. Auf diesem Wege werden ihr die Gewerbetreibenden, die den Weg zur Arbeiterschaft gefunden haben— und ihre Zahl nimmt täglich zu— im Bewusstsein ihrer Verbundenheit mit dem Schicksale deS Proletariates nicht folgen. Ein MaharaHcha in Pystian. Mittwoch ist in Pistyan der Maharadscha von' Baopa l, Hadschi Navab Hamid Ullah B a h a d u r mit seiner sehr zahlreichen Begleitung, so u. a. auch seines Leibarztes Ansari, ehemaligem Vorsitzenden des indischen Kongresses, cingetroffen. Roosevelts Enkel bedroht. Die Tochter deS amerikanischen Präsidenten Roosevelt, die sich jetzt anlässlich ihrer Scheidung im Staate Nevada aufhält, erhielt Drohbriefe, wodurch die Sicherheit ihrer Kinder gefährdet wird. Sie er» llärte, die Autoren der Briefe seien entweder Fanatiker oder Kindercntfiihrer. Ihre Wohnung wird sorgfältig bewacht. Mordaufklärung«ach zwanzig Jahr««. In Köln wurde nach 20 Jahren der Mord an dem Gendarmeriewachtmeister Gerhart in Hilgen aufgellärt, der bei der Verfolgung einer dreiköpfigen Verbrecherbande erschossen worden war. Die Ortspolizei von Wermelskirchen hatte mit Unterstützung der Landeskriminalpolizei Köln die Täter ermittelt. ES handelt sich um drei Kölner, die jetzt im Alter von 43, 46 und 49 Jckhren stehen. Ihr Strafregister weist bedeutsame Zuchthaus- und Gefängnisstrafen auf. Zwei von ihnen befanden sich seit einiger Zeit in Strafhast, der dritte wurde jetzt festgenommen. Alle drei haben ein G e st ä n d n i S abgelegt. Ei« Erdbeben, begleitet von einen: Schneesturm und einem darauf folgenden Regenguss, vernichtete das türkische Dorf Mughla zur Hälfte. Raupenplage in Talakfelder«. In der Gemeinde Strabikovo bei Räkoöln(Bezirk Munkakewo) zeigte sich auf den Tabakfeldern die Raupe des Eulenschmetterlings(AgrotiS trittst), die den Stengel der Tabakspflanze ein bis eineinhalb Meter über dem Boden durchblitzt, fo dah die Pflanze eintrocknet-. Die Raupen, die nur in der Nacht fressen, vernichten in einer Nacht etwa 20 bis SO Pflänzchen. Bei Tage halten sie sich versteckt. Wenn wir Großmütter erwachen... Ein in Norddcutschland amtierender P f ar» r c r hat, wahrscheinlich mit Hintergedanke», eine Anzahl Notschreie jener gemarterten Rassesucher veröffentlicht, die auf der Jagd nach ihren karrieresichernden Ahnen den Pfarrer um Hilfe an- gehen. Da heisst eS: „Heute komm« ich zu Ihnen mit einer Angelegenheit, die Sie ober gar nichts angeht, ich brauche nämlich meine Großmutter, aber amtlich ist cs noch nicht gefordert." „Um meine arische Abstammung nachzuweisen, bitte ich. meine arische Abstimmung nachzuweisen." „Da ich arabischer Abstammung bin, wollen Die mir solches bescheinigen." „Ich bin agrarischer Herkunft", teilt ein ganz Gerissener mit,„was ich zu beglaubigen bitte." Nett ist auch, was ein Misstrauischer zu fragen hat: „Mein Schwiegervater gibt an, arisch zu sein, mündlich will man das nicht wissen, aber schwarz auf weiß kann man daran nicht zweifeln". Ein Sehnsuchtsvoller meldet sich: helfen Sie mir bitte zu meiner arischen Großmutter, sie muß sich im dortigen Kirchenbuch« befinden". Und so fort: „Senden Sie mir bitt« meine arische Großmut» ter, sie ist schon 1871 verschieden". —„Für meinen Stammbaum such« ich«in« Grenadier." ,Lnm Zwecke meiner arischen Abstammung such« ich mein« Großmutter, aber nicht die amtlich vorgeschrieben«."„Zwecks allgemeiner„Umwälzung" brauche ich den amtlichen Nachweis meiner Geburt". „Da ich in Hannover keine Kenntnisse besitz«, komme ich mit meiner Geburt zu Ihnen". „Senden Sie mir bitte meine Geburt. Zwert ist die Eheschließung". „Nähere Angaben kann ich nicht machen, da meine Mutter schon 1878 starb und mich als einziges Vermächtnis zurückließ". Sodann bitte ich um gefällige Auskunft, ob in den dortigen Sterberegistern mein Großvater erscheint. Er starb von 1821 bis 1860". Es kfingt so ungemein komisch, und ist doch so erichüttenid traurig.... So haben die braunen Blütbiktatörest ein ganzes Völk geistig' und moralisch hcruntergewirtschaftct! Komotau, 21. Juni.(Tsch. P.-B.) Am 31, d, M. fand in Komotau die ordentliche Gcncral- versammmlung der ManneSmann-Röhrenwerk» A.-G. statt, in welcher der Rechnungsabschluss für daS Geschäftsjahr 1933 genehmigt und dem Vcr» waltungSrate die Entlastung erteilt wurde. AuS dem Geschäftsberichte ist zu entnehmen, dass im Jahre 1933 eine Erhöhung deS Absatzes an Röhrenerzeugnissen, verursacht durch vermehrten Export, um etwa 18 Prozent zu verzeichnen war, während der Jnlandsabsatz noch einen Rückgang gegenüber dem Vorjahre um zehn Prozent erfahren hat. Der bis jetzt abgelaufcne Teil deS Jahres 1934 lässt die Hoffnung zu, dass der langsame Aufsfieg anhaltcn wird. Die Bilanz für daS Jahr 1033 weist unter Berücksichtigung der Unkosten, Steuern sowie der vollen Abschreibungen und nach Abzug der Zuweisung an den ordentlichen Reservefonds einen Reingewinn von 100.264.10 XL aus. Es wurde beschlossen, diese, zuzüglich deS Gewinnvortrages ans dem Vorjahre in Höhe von 2,205.811.15 KC mit zusammen Kt 2,308.005.25 auf neue Rechnung vorzniragen. Die auS dem BenvaltungSrate statutengemäss ai»S- scheidende» Mitglieder Oberdircktor Heinrich Bklo- htibek, Generaldirektor Dr. Heinrich BierwcS, Generaldirektor Dr. Jng. Zdenko Hokovskn und Gc« Heimer Kommerzienrat Max Stcinthal wurden ans drei Jahre wiedergewählt. Ebenso wurde die Neuwahl der Rechnungsrcvisoren und deren Ersatzmänner für daS Jahr 1934 vorgenommen. Neuerliche Besserung bei den tschrchoslowa- fischrn Eisenbahnen. Die tschcchoflowalischen Staatsbahnen geben eine» Bericht über die Entwicklung deS Eisenbahnwesens der Tschechoslowakischen Republik im März heraus. Danach sind die Einnahmen um 11.7 Millionen UL(5.12 Prozent) höher, die Ausgaben aber 19,9 Millionen KC(7.65 Prozent) niedriger gewesen akS im Feber. Gegenüber März des Vorjahres wurden im heurigen März um 1.2 Millionen(8.23 Prozent). Personen mehr befördert, Eilgut und. Frachtgut iourden 3.6 Millionen Tonnen verladen, daS ist um 294.000 Tonnen oder 9.05 Prozent mehr als im Vorjahre. Die Anzahl der.Angestellten betrug Ende März 132.601 und war gegen März deS Vorjahres um 13,166(9.03 Prozent) niedriger als im Riärz des vorigen Jahres....v Freitag, 22. Juni 1834.«r. 144 Heimkehr des Globetrotters Bon Gerda Morbergrr. Gleich nach dem Umsturz verließ Otto das ,> Elternhaus". Das war die große schöne Wohnung auf dem Landstraßcr Ring. Ivo seine Mutter nun ganz allein verblieb. An den Karpaihcugräbern lag der Vater. Es ivärc geheuchelt und gelogen, Ivollte jemand ernstlich behaupten, der Siebzehnjährige hätte sich darüber Gedanken gemacht, ivai nun werden solle. Die Mutter sprach da waS von Zimincrver- mieten wollen und sic sprach das in ihrer unentschlossenen Art. Sie war eine ältere Frau, merkwürdig rasch verblüht, obwohl ihre wirtschastlichen Verhältnisse hundertfach unterboten werden konnten. Eine» Tages war der Junge weg. Und nach einem halben Jahre kam eine»arte aus— Abessinien. Frau Anheuser gewöhnte sich allmählich daran, aus allen Weltteilen Postkarten zu erhalten, die. Zeit verging, und auch sie schrieb nur ganz kurz und nicht im entferntesten daran denkend, diesen Sohn einmal zu bitten, nach Hause zu kmn- men. Als Otto dreißig Jahre alt wurde, beschloß er doch, heimzurcisen. Zumal da die Zeiten schlecht waren und auch die unterschiedlichen Posten, die er so pcriodenwcise innegehabt hatte, sehr rar wurden. Er sah ganz nach„Vorschrift" aus, hochgc« wachsen, braungebrannt und etwas ausfallend gekleidet. Er hatte auch richtig mit ein paar Maharadschas Elefanten gejagt, er hatte mit einem Weltflieger einen Ozcanflug mitgemacht, er hatte sich Karawanen angeschlossen und war mit Nord« landsfischern auf Walfang gewesen. Er hatte Menschen kennengelernt, in all ihrer Güte und NMesse, ec konnte ihre Bosheit verspüren und sah hinter glatten Gesichtern Heimtücke und Gier. Frauen aller Raffen und Wesensart, Frauen aller Schichten hatte er zu lieben vermeint. Keine aber vermochte es, ihn lange an sich zu feffeln. Jetzt war er froh darüber— wiewohl er sich irgendwie schämte, so arm und„einschichtig" vor die Mutter treten zu müssen. Ja, die Mutter. Ach, Otto machte ffch keinesfalls lesebuchhaste Vorstellungen von der Heimkehr und dem„Mütterlein, das traulich strickend im Erler soß". Gott nein, die Mutter hatte ihm ja vor einigen Monaten etwas ausführlicher als sonst geschrieben:„Ich führe jetzt einen Mittagütisch für Herrschaften, lauter bessere Leute, es ist eine gut bürgerliche Küche mit einem Stich ins Gourmand- haste." Otto lächelte. Ja, so war seine Mutter. Sie saunte das j!che» nicht. Die hielt sich nach immer für die Frau Major, gut« alte Dame. Hell war der Tag, an dem Otto in Wien mrkam. Rasch eilte er das kleine Stück Weges von der Bahn zum Wohnhaus. Eine nette, graphisch hübsche Tafel hing neben dem HauStor.„Erstklassiger Mittagstisch auf Wunsch vegetarisch und diät. Frau Magda M. Anheuser." Otto nahm mit jugendhaftem Nebennut zwei drei Stufen auf einmal. Plötzlich lief ein Lächeln über seine Züge. Fein, Junge, wird gemacht. Werdens mal ausprobieren. Das Mutteraug hat ihn doch gleich erkannt. Dein Gepäck ist noch auf der Bahn— jetzt ist es halb zwei Nhr, du bist Mittagsgast. Allright. Auf sein gleichgültiges Klingeln öffnet ihm ein hübsches Diädchcn. Schwarzweiß, in Ordnung, denkt Otto.„Ist noch Platz, Fräulein?" sagte er leichthin, überreicht Stock und Hut und geht ins Speisezimmer. Die Tische sind fast zur Gänze belebt, das Geschäft scheint zu gehen. An der Anrichte steht— Herrgott, steht dieMuttcr. Nun übermannen den hartgesottenen Sünder beinahe Tränen. Tas ist die Mutter, denkt er unaufhörlich. „Ja, gut, Fräulein, Ragout, bitte? Aber wie Sie wollen..." Otto besinnt sich. Nein, er starrt« nicht mehr hin. Das ist die Mutter. Die alte nette Dame seiner Träume. Diese geschminkte lund wie dirnenhaft geschminkte) Frau mit den modisch rotfarbenen Haaren; wie die matronenhafte Fülle in Gummi und Bänder gepreßt sein muß, Wülste stehen da und dort heraus, der Ausschnitt gewagt tief, offenbart Ansätze nicdergemarterten Fleisches. Oh, der Mann weiß genau, daß die Frau auf die Gäste durchaus nicht diesen peinlichen Eindruck macht, mein Gott, heutzutage will halt jeder jung und jugendlich wirken, nicht tvahr?" Nun seht sich die Mutter zu einem kleinen Ecktischchcn, wo zlvci sehr heikle Stammgäste sitzen müssen. Otto entgeht nicht, wie sorgsam denen alles dargcreicht wird, mit welcher Unterwürfigkeit diese beiden Zitterichc bedient werden müssen. Das süßliche Lächeln seiner Mutter schneidet ihm ins Herz. Er wünscht sich«in DonneAvetter vom Himmel, Erdbeben; waS hier nur für eine Hitze ist, ach, wie sie jetzt aufstcht— sie geht einen Augenblick hinaus, frisch gepudert und mit atropinglänzenden Augen kommt sie wieder, geht von Tisch zu Tisch, scheinbar die Menschen anblickend, aber immer die Handreichungen der Mädchen scharf überwachend. Steh still, mein Herz, fetzt komnit sic zu mir. Nachbar ist ein kleines Dämchen, anscheinend Konser- vatoristin.„SchmecktS, mein Töchterl, Aber Lisa, Lisa«... Der Herr wohl das erstemal bei uns, hoffe... Ach. Herr Hofrat gehen schon, bitte schön, stehe zur Verfügung", und schon ist sie weg, kesse ist ihr Sprechen, less« singend, wie die Menschen in Schweden sprechen— was für eine Sehnsucht in ihm ist, nach Güte und Sauberkeit. Nein, sie bat ihn nicht erkannt— mach dir. keine Gedanken. wie sagst du doch immer so schön, Otto? Man muß mit Enttäuschungen rechnen, dann können sie einen nicht dauernd erschüttern. Ist doch Ouassch. Er ist aber erschüttert, er ist, er ist einfach fertig. Jetzt muß er der Frau Mutter zahlen. Ein heftiger Trotz steigt in ihm auf. Und ich geh— und ich kann nicht bleiben. Wer weiß, wie ich sie enttäusche. fast niöchte er die Banknote auf den Tisch wersen und gehen, aber es ist etwas in ihm, eine zehnjährige Hoffnung, der zehnjährige Wunsch nach einer Traumcrfüllung. Ich will jetzt zu ihr bingehen und Konversation machen. Wie schön eS hier in Wien ist. Wenn man so in der Welt herumgondelt. Sie auch, wird sie sagen, auch ich habe einen Sohn, mein Junge, wird sie zärtlich murmeln. und eine Träne... Schon steht er bei der Ordner für die Oltzmpiade mögen sich melden. Um unseren Geiwssen aus der Pdovinz, welche zur Olvmpiade nach Prag kommen, behilflich zu sein, müssen wir Ordner stellen, die jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Der Ordnerdienst wird vom 20. Juni bis 0. Juli gebraucht. Wer also während dieser Zeit auch nur an einem Tage einige Stunden opfern will, möge dies möglichst bi» Montag schriftlich unter genauer Angabe von Tag und Stunde dem Genoffen Kurt Schrader. Prag ll, Fügnerovo nämLstt 4, bekanntgeben. Deutsche staatliche Bolksschul« in Prag VH. SimäLkova 14.(Schulsprengel Prag VH, VIII, IX, XIX.) Einschreibungen am 28. und 25. Juni von 8 bis 12 Uhr. Voranmeldungen täglich. Telephon 72872. Das Telegraphenbauamt in Prag wird Montag, den 25. d. M., nachmittag» nach 5 Uhr, eine Umschaltung der Kabel infolge Rekonstruktion de» Leitungsnetze» in Prag II., Havliktovo nämLstt, bor- nehmen, weshalb die Tekephonstationen ab 5 Uhr nachmittags bis in die Nachtstunden in Prag II., Havlikkovo nämLsti, in den Häusern Rr. 17, 18, 18 und 20 unterbrochen sein werden. In der natnrgeschlchtUche« Abteilung des Museums in Prag wird Samstag, den 28. Juni, im Kinsty-Garten eine in acht Sälen untergebrachte Ausstellung der jugosiawischen Volkskunst eröffnet werden. Die Sonderausflugszüge nach vlansko, Karlsbad und Marienbad sind gesichert. Die Staatsbahndirektion teilt mit, daß der Sonderausslugszug nach Marienbad und Karlsbad ftlr KC 121.— pro Person bestimmt abgefertigt werden wird. Fahrkartenausgabe heute Freitag von 10 bis 18 Uhr bei Kassa Nr. 18, Prag Masaryk-Vahnhof. Nachträgliche Anmeldung ist möglich. ticrlditssaal An„Kurzsichtiger" Originelle Ausflucht«ine» AuSlagendirbeS. Prag, 21. Juni. In der Nacht vom 20. Mai fing ein Wachmann einen jungen Menschen gerade dabei ab, als er sich in verdächtiger Art an einer der Auülagescheiben der Verleger» und BuchhandlungS- firma TopiLzu schaffen machte. Der Verdächtige stand auf dem unteren Rahmen der Auslage und manipulierte an deren Schloß herum. Bei der Durchsuchung des Festgenommenen fand man eine nur harmlos aussehende M e s s i n g r ö h r e, die sich indessen bei näherer Besichtigung als raffiniert konstruierter Nachschlüssel herauSstellte. Die Innenseite deS Rohre» war nämlich derart ausgebahrt, daß die Ausnehmungen genau in den McchaniSnmS des AuS- lagenschloffe» paßten. Der Verhaftete war der Polizei nicht unbekannt. Es tvar ein gewisser Franz K o l i n s k v,' 80 Jahre alt und bereits mehrfach wegen Diebstahls vorbestraft. Kolinstq leugnete indessen jede Schuld und bediente sich zur Erklärung der sonderbaren Situation, in der er angetrosfen worden war, einer originellen Ausrede. Er erklärte nämlich, er sei«in großer Dücherliebhaber, aber leider sehr kurzsichtig. Er sei daher, um die AuS> läge der Buchhandlung besser besehen zu können, aut deren Rahmen gestiegen, habe aber keineswegs die Absicht gehabt, sie aufzubrechen. Er hatte eine Ent- lastungszrugin mitgebracht, vermutlich eine Freundin, die aber vor Gericht wenig Entlastende» miSzu- sagen wußte, wa» den Angeklagten sehr in Harnisch bracht«. Da» Gericht glaubte weder ihm. weder seine Kurzsichtigkeit, noch seine besondere Liebhaberei für Bücher und am allerwenigsten seine behauptete Harmlosigkeit. Dafür zog e» in Betracht, daß die in der Auslage ausgestellten Bücher zusammen keinen größeren Wert hatten al» etwa» Wer 400 Xi und verurteilte Kolinskn nur wegen Uebertre- tnng de» nicht vollendeten Diebstähle» mit einem Schaden-wert von unter 500 Xi zudreiWochen strengeuArreste». rb. Kunst and wissen Orgel Abend der Deutschen Musskakademie. Da die Prager Deutsche Musikakademie noch immer an dem notwendigsten Mangel leidet, also auch keine eigene Orgel besitzt, müssen diese Orgelschüler der Musikakademie in die Kirche gehen, um ihre Kunst der Oeffentlichkeit zu-eigen. In dem Orgel- Abend, der Freitag abends in der Kleinseitner Maltheserkirche stattfand, hörte man zum erstenmale Schüler de» bisher al» Pianisten und Cembalisten geschätzten Professor» Josef Langer, der nun auch die Leitung der Orgelklasse in der Deutschen Musikakademie übernommen hat. Zwei angehende Orgel- Anrichte. Mit zögerndem Lächeln legt er den Schein auf den Tisch. Plötzlich spürt er, daß er nicht reden kann. ,,Wa» zahle ich?" würgt er hervor.«2.80 Schilling", sagt di« Frau, ihre Blicke streifen prüfend und nervös durch da» sich allmählich leerende Zimmer, dann ein kurzer Blick auf das ernste Gesicht de» Zahlenden.„Ich fürchte, es hat Ihnen nicht geschmeckt, mein Herr?"—„Nein", sagt er laut und langsam,„es hat mir nicht geschmeckl, meine Dame." Und läßt der verblüfften Frau den Zehnschillingschein in der Hand. Ergreift Hut und Stock und— rast, rast fort. „Ja", sagt mit süßem Lächeln Frau Anheuser zum zittrig-heiklen Hofrat:„In Valparaiso ist er jetzt. An die dreißig wird er wohl, mein Otto, ich muß ihm doch mal schreiben, ob er so gar keine Sehnsucht hat, sein alte» Mutter! zu besuchen."— „Aber, gnaädige Frau", lächelt der alt« Lebemann galant. Mister kamen zu Gehör: Artur Franz und Anton Fritsch, die in alten und neuen Werken von Georg Böhm, Joh. Seb. Bach, CLsa Franck, Fidelio Finke und Mar Reger ihr Können zeigten. Im Pedalsviel, in der Manualtechnik und in der Kunst der Registrierung sind beide gleichwertig; die Plastik de» Vortrage» scheint bei Artur Franz vollkommener. Zwischen den Orgelvorträgen hörte man eine Kantate für Gesang, Flöte und Orgel von PH. Telemann, eine mehr weitschweifige, als interessante Komposition, um deren wirkungsvolle Interpretation sich die Sopranistin Paula Rauscher, der Flötist B r ö m s e und A. Franz als Orgelspieler bemühten. Der auffallend gute Besuch gerade dieses Orgelabend» bewies, daß Konzerte selten zu hörender Instrumente da» Publikum doch noch interessieren. E. I. Heute H. Absolvrntenabend der Musikakademie, 20 Uhr, in der Produktenbörse. Spielplan de» Neuen deutschen Theaters. Freitag, halb 8 Uhr:„Das Kamel geht durch da» Nadelöhr."(Gastspiel Kramer-Glöckner. D 2.) Spielplau der Kleinen Bühne. Freitag:„P a- riser Potpourri"(volkstümliche Vorstellung). Sporl• Spiel• Körperpflege Tie Rodsportmeisterschaften de» 2. Aruk-Krei- se» wurden am Sonntag in Schönlinde zur Austragung gebracht. Am frühen Morgen erfolgte der Start zum 50 Kilometer-Straßenrennen, das Alfred Feistauer-Karbih in 1:88:48 Std. gewann und damit Kreismeister wurde. Ihm folgten Erich Just-Krochwitz in 1:41:45 und Josef Kohlert- «chreckenstein in 1:45:08 Std. Just lag mit Koh- lert lange Zeit an der Spitze, hatte dann aber Kettenbruch, Während Kohlert sich verfuhr, so daß Feistauer dadurch erfolgreich bleiben konnte. Am Vormittag wurden dann noch auSgefahren: 20 Kilometer Tcmposahren für Motorradfahrer, das als Sieger und KreiSmeister bei nur zwei Strafpunkten Josef Adler-WarnSdorf gewann. In» 10 Kilometer-Tempofahren für Radfahrer siegte Oskar Klinger-Gärten mit 5.5 Strafpunkten und wurde KreiSmeister, DaS 80-Met«r-Langsamfahren holte sich Franz Wienopal- Rixdorf in 7:54 Min. und damit den Kreismeister- titel. Um halb 2 Uhr fand ein Festzug statt, an welchen sich auch der AtuS Schönlinde mit Fahne, die Lokalorganisation der Partei und die Freiwillige Feuerwehr Schönlinde beteiligten. Auf dem Marktplatze hielt der Kreisobmann Genosse Franz eine Ansprache. Nachmittags wurden im Deutschen Hause vor rund 600 Zuschauern die KreiSmeisterschaften im Saalradsport auSgctragen. Die neuen KreiSmeister lauten: Viererschulreigen für Schülerinnen: Kroch- Witz 55.5; Schüler: Steinschönau 58; Sportler: Pölitz 60.5 Pnnfte.— Sechser,Schulreigen für Schüler: Steinschönau 61; Sportler: Steinschönau 56.5 Punkte.— Vierer-Kunstreigen, Sportler'Kl. B): Warnsdorf 50.26 Punkte.—, Vierer-Einradreigen: Sportler: BünaWurg 57; Schüler: BünaWurg 40.37 Punkte.— Einer-Kunstfahren für Schüler: Teichstatt 8.85 Punkte.— Zweier-Kunstfahren für Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab., 1884 da» täglich erscheinende Zentralorgan der deutsche« sozialdemokratischen Arbeiterpartei „Gortaldenrottat" Verwaltung Prag Xll., Fochova tr. 62, zum Preise von 16 XL monatlich, und sende diese« Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Name: ,,,,,,,,, Genaue Adresse:,, Letzte Post: Unterschrift: ,,,,,,,,, Schüler: Teichstatt 0.54; Sportler: Steinschönau 18.02 Punkte.— Gruppen-Kunstfabren, Sportler: Steinschönau 14.48 Punkte.— Zweier-Einradpolo: BünaWurg 2 Punkte.— Dreier-Radball: Türmitz (ohne Spiel). Demission nicht angenommen. Der österreichi- sche bürgerliche Fußballkapitän Hugo Meist hatte au» Anlaß der Niederlagen der Länderelf bei der Weltmeisterschaft seine Demission eingereicht. Der Verband befaßte sich mit dieser Angelegenheit und Meist hat nun die Genugtuung, daß seine Demission nicht zur Kenntnis genmnmcn wurde. Da» war ja vor« auSzusehei» und unter StarhembergS„Führung" braucht dem Siände-Sport vor weiteren Mißerfolgen nicht bange zu sein— dafür kann Meist dein» besten Willen nichts... Der DFB.-Meister TSV. Saaz schlug am Dienstag in Saaz den Wiener WAE. mit 4:1(2:1). Dabei kam es zu großen Demonstrationen gegen den Schiedsrichter, der die Wiener zu offen benachteiligte. vcrcinsnadirlditcn Ortsgruppe Prag. Sonntag, de« 24. Juni: Zusammenkunft um%8 Uhr vor dem Vysokaner Bahnhof. Auf allgemeinen Wunsch Wiederholung der letzten Tour. Fahrt nach Meäice. Wanderung zum Badeplah an der Elbe. Herrlicher Sandstrand. Wolleyballspiel, Baden. Rückfahrt von Neratovice. Aehzeit 2% Stunden insgesamt. Fahrpreis 8.40 Xi. Führer Schal. Arbeiter-Olhmpiade. Die Mitglieder werden ersucht, sich zur Führung für die Olyntpiade bereit zu stellen. Anmeldungen jeden Freitag von 6 bis >/L8 Uhr in der Geschäftsstelle Prag kl., Narodni tr. Nr. 4, 2. Stock. Telephon Nr. 48860. „Blurnen-Zauberdung", das Blütenwunder Blumen an allen Fenstern! Welche FreWe für den Besitzer wie für den Beschauer! Wenn Sie Ihre grünen Lieblinge kräftigen und zu reichem Blühen bringen wollen, verwenden Sie„Blumen-Zauber- düng", ein erprobtes, billiges Düngemittel, ei« wahrer Wundertrank für Ihre Blumen. Jetzt müssen Sie mit dem Dungguß beginnen! Bestellen Sie sofort ein Paket bei der nachsteheW angegebenen Adresse unb legen Sie den Betrag von XL 5.60 i« Briefmarken bei. Alle Bestellungen richten Sie an die Verwaltung„Die Unzufriedene", Prag XH., Fochova ti. 62. Urania-Kino, Klimentsliä 4. Ab Kreitaq: „Met Mel- Sritzet SW" T»ll» Paa». Prager Eisen-Zndustrie-Gesellschaft Die stimmberechtigten Herren Aktionäre der Prager Eisen-Jndustrie-Gesellschaft werden hiemft zur 7L OMIiKtll MMssMlW eingeladen, welche am 7. Juli 1934, um 12 Uhr vormittags im SitzungSsaale der Zivnostenskä banka Prag H, Panskä 7, stattfinden wird. 2504 Tagesordnung der Generalversammlung: 1. Rechnungsabschluß zum 81. Dezember 1088, Bericht der Rechnungsrevisoren und Antrag veS Verwaltungsrates zu»n Ergebnis des abgelaufenen Jahres. 2. Bestätigung der Kooptierungen, Wahlen in den VerwaltungSrat. 8. Wahl der RechnungSreviforen und ihrer Ersatzmänner für das Jahr 1084. Stimmberechtigt sind nicht nur jene Aktionäre, welche wenigstens zehn Aktien besitzen und diese samt den nicht fälligen Kupons mit einfachem Nummernverzeichnis entweder bei der "Böhmischen ESkomptebank und Kreditanstalt in Prag oder bei der Zwnostenstä banka in Prag, oder bei der Berliner Handelsgesellschaft in Berlin, oder bei der Niederöster-eichischen ESkompte- Gesellschaft in Wien spätestens bis 28. Juni 1084 hinterlegen, wogegen ihnen die Legitimationskarte eingehändigt wird, welche auf Nanren lautet, die Zahl der hinterlegten 'lkiien und die darauf entfallende Stimmzahl ausweist und nur für die bezeichnete Person oder Heren Bevollmächtigten gilt. PKAGBR ZB1TBMG Bezugsbedingungen: Bei Zustellung»nS Hau» oder bei Bezug durch die Poft monatlich XL 16.— vierteljährig XL 48- halbjährig XL 06.—. gauziährig XL 102.—— Jnieraie werden lau: Tarif billigst berechnet. Bei öftere« Einschaltungen Preisnachlaß._ Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bet Einsendung der Retourmarken.— Die ZeirrmgSfrankatur wurde von der Post» und Telegraphendirektion mit~’„Orbis" Druck- Verlags» uW ZeitungS-A.-G.. Prag.