ZEHTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME MS MONTAG TÄGLICH HUH.»cdAktion uno whmwng cm« DLioCHOtt« nhmmk.> Miii—no»»wcw otvt. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEMEOAKTWR. WIIHRM NIESSNER. VRANTWCRNITCHER REDAKTEUR: DR. BMI STRAUSS, MAO. r» tM?IN|nVrS IVIWf (•iwDcHiGNkk ft IWUe Dorto) 14. Jahrgang Samstag, 23. Juni 1934 Nr. 145 »er Bankrotteur wird abgekanzelt Scharfe englische Note an Deutschland London, 22. Juni. Auf dir deutsche Transferuote vom 14. Juni 1934 hat die eag- lische Regierung dem deutschen Botschafter in London, am 21. Juni eine Antwortnote überreicht, die nunmehr veröffentlicht wird. In der Note betont dir britische Negierung eingangs, daß sie zu ihrem Bedauern die Wahrnehmung machen müsse, daß die Note keinen praktischen Gedanken darüber enthalte, wir der weitere Anleihrdirnst für die Dawes- und die Aonng- nnlrihc vorsichgchen sollt. Die britische Regierung würdige die Schwierigkeiten der deutschen Regierung in der Drviscnfragr, sei aber n i ch t der Ansicht, daß diese eine vollständige Aufhebung des gesamten Transfers für die Schulden Deutschlands im Gefolge haben müßten. Der Kampf um die Scc- autrilstung beginnt England will eine neue Schlachtflotte und 30 neue Kreuzer London, 22. Juni. Der diplomatische Korrespondent des„Daily Herold" will wisse», das« ter britische Marinrminister Sir Bolton E>) r r o- M o n s r l l am Donnerstag im AuS» wärligrn Amt den amerikanischen Marinrsachvcr» ständigen eine Denkschrift über die technischen Be» tnrsnisse der britischen Kriegsmarine überreicht babr, deren Inhalt aufsehenerregend sei. Norman Davis habe das Schriftstück nach Masyington wri- lergrgebcn. In der Denkschrift würden die technischen Br< türfniffc der Adniiralität folgendermaßen darge» slcllt: Die Verteidigung des britischen Reiche» und ter britischen Handelvschiffayrtswege erfordern: 1. den Bau einer neuen Schlachtflotle sofort »ach Nngültigwrrdrn der Einschränkungen de» Washingtoner Bertrage»; 2. den Bau von 30 neuen Kreuzern, um die Krruzerflotte auf insgesamt 70 Fahrzeuge, bisher SO, von drnen aber 10 Kreuzrr veraltet sind; 3. den Bau einer großen Anzahl neuer Zer- ßörer und 4. den Ban neuer Flu-zeugmutter- schiffe. Im„Daily Telegraph" wird über die bevor- iiehendeBildung einer besonderenAbteilung innerhalb der britischenLuftstreitmacht zumStudiumdeS LuflkampfcS und der damit zusammenhängenden Probleme berichtet. Dieser neuen Abteilung würden ein Stab von Sachverständigen und die besten Flngzeugsührcr der Luftwaffe angehören. Man rechne mit einer Verstärkung der britischen Luft- itreilmackt in den nächsten Jahren. Zwar lverde cS noch drei Jahre dauern, bis die neuen Kampfgeschwader in Dienst gestellt werden, aber cS sei dringend wünschenswert, rechtzeitig die besten ltlassen und die besten Typen auszuwählen. Auch Nacdonald gegen Deutschland Für den Aufschub der Abrüstung verantwortlich! London, 22. Juni. Macdonald sandte an den Nationalen Friedenskongreß in Birmingham Henle ein Manifest, in dem er u. a. schreibt, daß eine lveitere Verschiebung in den Verhandlungen betreffend eine AbrüstungSkonvention die Schuld Deutschlands wäre. Jedwede Verantwortung für weitere Verzögerungen würden zu Lasten Deutschlands gehen, dessen Ausscheiden aus der Abrüstungskonferenz im Vorjahre nach allgemeiner Ansicht unbegründet und unberechtigt war und für dessen Rückkehr in die Abrüstungskonferenz die Türen immer noch okjen seien. Zum Glück scheint eü aber, daß statt des Zusammenbruches der Konferenz upd der allgemeinen Verwirrung in den internationalen Beziehungen in den Konfcrenzarbeiten wird fortgefahren werden können und es besteht die Hoffnung, das; endlich doch noch eine Konvention vereinbart werden wird. Rapen heute zu Hindenburg Paris, 22. Juni. Der Berliner Korrespondent des„Journal" bestätigt, daß eS sich bei der Zusammenkunft drS Reichskanzlers Hitler mit dem Reichspräsidenten von Hindenburg in Rru- beck um einen Meinungsaustausch im Zusammenhang mit der sonntägigen Rede PapenS gehandelt habe. Paprn, der von der Industrie unterstüht wurde und daö volle Bertrauendes Rcich»Präsiden«en genießt, werde von Hindenburg am Sawstag empfangen werden. Bon Paprn habe eine sehr scharfe Nnterre- vung mit Hitler gehabt, die Gerüchte über eine Beseitigung Paprns aus der Negierung seien aber verfrüht. Nichsdestowcnigrr erwägt man N e n- vernnge» i» der Regierung, die einen konservativen Charakter erhalten soll. Die Vertreter der Gläubiger hätten Gründe I für die Annahme gefunden, daß das augenblick- iiche scharfe Fallen der Reicku-bankrescrven wenigstens zum Teil die Folge von außergewöhnlichen Belangen< Beschaffung von Kriegsmaterial!!) sei, die später Berichtigung finden würden, und daß gewisse f russische l) Deviseneingänge zu erwarten seien, die überhaupt nicht in Rechnung gestellt wären. Die britische Note betont dann, daß die Gläubiger bereit gewesen wären, die gesamte Nicht- Reich S s ch n l d zu fundieren, vorauöge- setzt, daß die Zinsen für die DatveS- und die Nounganlcihc voll gezahlt würden. Die finanziellen Folgen hiervon wären gewesen, dass man lediglich 00 Millionen Mark jährlich inbarhättetransferierenmüssen. Der Vorschlag bedinge also keine große Beanspruchung der verfügbaren Devisenbestände. ES bestehe auch keinerlei Begründung für die Behauptung, daß eine völlige Aussetzung des Transfers auf sechs Monate unbedingt notwendig wäre. Dir Wrigrrung der RrichSregierung, auf dir Bedingungen der Gläubigervrrtrrtrr einzugeben, könne dir britische Regierung nicht als gerechtfertigt anrrkrnnrn, denn dir britische Regierung sehe in dirsrn Bedingungen eine für Deutschland' äußerst günstige Lösung. Die Darlegungen der deutschen Note über den Handel hindernde Maßnahmen, die gewisse Gläubigcrländer gegen deutsche Waren angewen- det hätten, treffen auf Großbritannien nicht zu. Die Einfuhr auS Deutschland in das Drr- einigte Königreich sei stetS größer gewesen, als die Einfuhr von britischen Produkten nach Deutschland. Der Ueberschuß genüge, nmdieZinsensämIlicherinLon- don aufgelegten deutschen Anleihen mehr alS dreifach, und d i e Zinsen des Londoner Anteiles derDawrS-und der Aoungan- leihemehralSzehnfachzudecken. Explosionen In Oesterreich Wien, 22. Juni. In Ried(Qbcrösterreich) nmrde heule nachts von nnbekannicn Tätern eine Bombe gegen das Haus des Bürgermeisters geworfen.— Tas HauS wurde stark bcsckmdigt. In Kcmaien explodierten mehrere Explosivkörper. Hiebei wurden am meisten die Schule und das Pfarrhaus beschädigt. In einem Schrebergarten am Laaer-Berg lvurden vier Kisten mit Dynamo», Dynamit und Ekrasit und Zündschnüren ansgcgrabcn. Im Laufe der Freitag-Nacht sind in Graz vor einem Möbelgeschäft, in Linz vor einem Kaufhaus und in Lustenau in Vorarlberg vor einem Bauernhof Sprengkörper zur Explosion gebracht worden. Es wurde überall beträchtlicher Schaden angerichtet. Flucht In den Strom Innsbruck, 22. Juni. Der Assistenzarzt Dr. I. Sprenger wurde vorgestern abends in Innsbruck wegen nationalsozialistischer Propaganda verhaftet. Bei seiner Eskortierung auf das Polizeikommissariat riß er sich von den Detektiven los und sprang in den Inn, der Hochwasser führte. Die Detektive sprangen ihm nach und es gelang ihnen, ihn aus dem Wasser hcrauSzuziehen und in die Untersuchungshaft zu befördern. Die Note weist dann darauf hin, daß England an der Wiederherstellung des deutschen Wohlstandes und des deutschen Kredits gelegen sei und hierfür Opfer, z. B. in der Reparationsfrage, gebrach! habe. Diese Bemühungen wären jedoch vergeblich, wenn Deutschland auch weiterhin s o handelte, daß sein Kredit zerstört werde. Die britische Regierung behalte sich vor, Maßnahmen zu treffen, um die materielle Diskriminierung der britischen Gläubiger zu verhindern. Die britische Regierung sei jedoch bereit, Erörterungen über die Möglichkeit anszunehmen, um eine Einigung über die Behandlung der britischen Gläubiger zu erzielen, damit die Notwendigkeit eines DevisenelearingS überhaupt sortsiele; oder auch darüber zu verhandeln, aus welche Weise ein derartiges Clearing mit einem Mindestmaß von Störung für den Handel beider 2än» der göhandhalu werden könnte. Sie schlägt daher vor/ bevollmächtigte Vertreter zu solchen Verhandlungen nach London zu entsenden. London, 22. Juni. lAR.) Gestern vormittags wurde der Text des Gesetzes über die Ein- führung drs Clearingverfahrens„DrptS elraring offiee» and im.'iort restrirtions reprisals art 1034" veröffentlicht, das im Zusammenhang mit der deutschen Ertlärnng Uber das Zahlungsmoratorium betreffend dir DawrS- und Aounganlkihe angewandt werden fall. Der„Art" tritt automatisch in Güttigkrit, wenn dir Verhandln«» gen mit Deutschland nicht zu einem brfrirdigen- den Ergebnis führe» sollten. Frankreich Konfisziert deutsche Dargeldbeständc Paris, 22. Juni. Die französische Regierung hat heute Maßnahmen getroffen, welche ermöglichen, daß. falls Deutschland den Transfer des Zinsendienstes der Dawes- und der?)oung- Anleihe nickt zahlen wird, die deutschen Bargeldbestände in Frankreich konfisziert lverdcn. Das Standgericht an der Arbeit Graz, 22. Juni. Im Standgcrichtsverfahren wurden heute die lvegen Verbrechens gegen das Sprengmittelgcsetz angeklagten Kommunisten Gottfried Wrctzko und Franz Peycrl zu 15, bzw. l8 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Gerlchtsverlahren ohne Untersuchung Wien, 22. Juni. lAN.) Der Ministerrat hat heute ein Gesetz beschlossen, das für alle Verbrechen gegen das Sprengslossgesetz ein beschleunigtes Verfahren einrichtet. Eine gerichtliche Voruntersuchung wird nur durchgesührt, wenn die polizeiliche Untersuchung nicht binnen vier Wochen eine zur Anklagccrhcbnng ausreichende Klärung des Tatbestandes hcrbcisühren kann. Erpreßte Staatsfreue Bregenz, 22. Juni. Nach einer Meldung der„Politischen Korrespondenz" wendet sich der Landesleiter des Hcimatdiensteö gegen jene Richter, die bis heute kein positives Bekenntnis zum Staate abgelegt haben. Vereine, die sich nicht vorbchallslos zum Vatcrlande bclcnnen, sind auf- zulöscn. Tarn Prozeß Klfflis Von Friedrich Stampfer Der Prozeß gegen den früheren zweiten Chefredakteur des„Vorwärts", Genossen Franz K l ü h L, und gegen den früheren Landtags- abgeordncten, Genossen Wilhelm K rüge r. vor dem Reichsgericht in Leipzig, hat mit der Verurteilung der Angeklagten zu je zwei Jahren und neun Monaten Gcsängnis geendet. Man kann in einer Zeit, in der Recht und Menschlich, leit in einem großen Teil Europas täglich mit Füßen getreten werden, von der Welt nicht mehr erwarten, daß sie sich über Einzelsälle empört. Sic weiß, das; in den Kerkern, den Konzentra- tionslagern der diktatorisch regierten Länder Zchntauscnde Männer und Frauen liegen, deren einziges Verbrechen cs ist, eine Ueberzeugung zu vertreten, die den augenblicklichen lüewalt- Habern mißsüllt. Tie Welt weiß auch, daß die Richter dieser Länder längst nicht mehr Reckt sprechen, sondern nur die Befehle aussnhrcn, die ihnen eine verbrecherische Regierung zuni Zweck ihrer Sclbsterhaltung in Form angeblicher Gesetze erteilt. Durch solche Befehle sind die höchsten Richter Deutschlands gehalten, Gesängnis, Zucht- Haus, ja sogar Todesstrafe zu verhänge», über diejenigen, die im Ausland gedruckte Wahrheiten über das Regime verbreiten oder die eine verbotene Partei weiter fortzusühren versuchen. Diesem Befehl folgend, der n. a. auch die Unter- schrift eines d e u t s ch n a t i o n a l e n Reicks- justizministrrs trägt, haben die Rcichsrichtcr Klühs und Krüger verurteilt. Ist also das Urteil an heutigen deutsckrn Zuständen gemessen, nickts Ungewöhnlickes mehr, so fällt der Prozeß dock in doppelter Beziehung aus dem Rahmen des lieblichen heraus. Zunächst sind die beiden Angeklagten keine Unbekannten. Franz Klühs zumal war einer der hervorragendsten Vertreter der sozialdemokratischen Journalistik und genoß in der ganzen den! scheu Presse verdientes Ansehen. Seit vielen Jahren war er in der Gewerkschaft der deutschen Journalisten, dem Rcicksvcrbnnd der' deutschen Presse, führend tätig. Das geistige Deutschland hat wahrlich alle Ursache, wehmütige Betrachtungen darüber anzustellen, was die deutsche Presse bedeutete, als sie Franz Klühs noch an hervorragender Stelle vertrat, und was sie jetzt bedeutet, wo er im Gejäiignis sitzt. Bei den verdienten Sympathien, die er wegen der Lauterkeit seines Wesens und der Echtheit seines Gemein- sinns weit über die Kreise der Partei hinaus genießt, kann eine starke politische Wirkung dieses rcichsgcrichtlichcn Urteils nicht ausblcibc». Aber wirkt dieser Prozeß in nützlicher Weise über» die Arbeiterbewegung hinaus, so wirkt er nicht weniger nützlich in sie Hine in. KlühS hatte sich ans Treue zur Partei, aus kameradschaftlicher Gesinnung vielleicht weiter herausgewagt, als unbedingt notwendig war — Fehler dieser Art sind in der ersten Zeit mehr gemacht worden— aber sein Mut hat Vorbild- lich gewirkt. Hier bot sich der Anblick eine» echten sozialdemokratischen Kämpfers, der nie cttva» für sich gewollt, aber alles für seine Sache geopsert hat. Als junger Parteisekretär in der Kaiserzcit hatte Franz Klühs die deutschen Gefängnisse schon gründlich kennengelernt. Nun sieht er sie als bald OOjähriger wieder. Er hat sie in demselben Geist heroischer Pflichterfüllung betreten, wie in seinen junge» Tagen, in derselben ungebrochenen Gesinnung, derselben Treue zu der großen heiligen Sache, der er sein ganzes Leben gewidmet hat. So wird er zmii Fahnenträger der vielen Zehntauscstde, die gesinnt sind wie er und die jetzt wieder jeden Tag bereit sind dasselbe zu tun, was er getan hat, die vielen Zehntausende, die alle aufzuspüren keine geheime Staatspolizei findig genug und die alle auszunehmen kein Konzentrationslager groß genug ist! Es kann heute offen ausgesprochen werden: Der Prozeß siel in eine Zeit, in der die Keine Ruh« in Oesterreich «Brite 2 «nmflfn«. 23. Inns 133» «r. 1« tVer bekämpft den Fascismus? Das Versagen der Kommunisten wird von Moskau festgestellt Streikbewegung in der Porzellanlnduslrlc ,\n bet Porzellanfabril bet Firma Epiag in E l b o g e n ist Donnerstag bie gesamte Peleg- fdxift in ben Streif getreten, nachdem sie Vorher in einer Betriebsversammlung einstimmig den diktierten Lohnabbau von ein bis fünf Prozent abgelednt hatte. Der Arbeitgeberverband der Porzellanindnstrie bat auch in der Vereinigten Porzellanfabrik A. G. in M e i e r h ö f e n einen fünfprozentigen Lohnabbau angeordnet, und da >hn die Firma nicht zurücknahm, hat auch hier di' gesamte Belegschaft am Freitag die Arbeit niedergelegt. Es scheint, das; die Streikbewegung immer größere Formen annimmt, weshalb Zuzug von Po rzellan-ar beiter n fernzu» halten ist. LefhargiederdenfschenArbeiter- b e w e g n n g überwunden ist. Diese Lethargie hat länger gedauert, als der längst schon verschwundene Glaube der Bauern und der Mittelschichten an die Erlösung durch daß Hakenkreuz. AIS es dort schon vernehmlich murrte, war es in den Arbeitennassen fast noch still. Das Entsetzen über die unvorstellbare Katastrophe, der Terror und die Vertrauenskrise schienen vorerst alle Kräfte gelähmt zu haben. Damals waren es nur wenige, die fest an der Parole des ideologischen Widerstandes dielten, die den Kopf hoch trugen und den Glauben an die unzerstörbare Kraft der Bewegung keinen Augenblick verloren. Zu diesen Wenigen hat Franz Klühs gehört und dafür muh er jetzt büßen. Aber er kann in seinen Kerker die Gewißheit mitnehmen, daß er noch einmal, wie in seiner Jugend, Porkämpser und Bahnbrecher geworden ist. Neues Leben regt sich in den Massen. Aber so neu es ist, und so neu es sein soll, so muß eS doch an das anknüpfen, was heute für Deutschland alt und vergangen ist. Klühs hat den Arbeitern ein schönes Blich über A u g u st Bebel geschenkt. Er hat in einem anderen den grandiosen A u s st i e g der d e u t s ch e n A r b e i< terbewegung geschildert und waS er brachte: Meinungsfreiheit, Bildungsfreiheit, Koalitionsireihcit, politische Gleichberechtigung, modernes Arbeiterrecht, Arbeitslosenversicherung, tariflich geschützte Löhne— für daS heutige Deutschland lauter gewesene Dinge! Heute wo in Deutschland arbeitslose Buchdrucker umhcrziehen, um gegen freie Verpflegung und ein kleines Taschengeld Arbeit zu erbetteln, kann jedermann den Unterschied ermessen, zwischen dem was einmal war und dem waS jetzt ist. So beginnen die deutschen Arbeiter auch wieder zu begreifen, daß sie ihrer eigcnenVergangenheittreu jein niüssen. wenn sie für eine bessere Zukunft kämpfen«vollen. Damit ergibt sich aber auch wieder die lebendige Verbindung mit jenen Ländern der s o z i a l i st i s ch e ii I n t e r n o t i o• nolc, die noch in der glücklichen Lage sind, Rechte und Freiheiten ihres Volkes wirksam verteidigen zu können. Der Prozeß Klühs signalisiert das Wie- dererwachen der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Das ist seine geschichtliche Bedeutung. Die deutsche Arbeiterbewegung war hoch gestiegen, sie ist tief gestürzt. Der letzte große Aufstieg steht noch vor ihr. 42 Unsere Töchter,, die Maxinen, Roman von Hemnnie»Wr MUfHan Dann gingen sie in die Nackt hinaus. Und ich kniete ivieder vor dem Fenster und wartete ans meine Toni. Wartete zwei Stunden, von Angst gepeinigt, glaubte in der Stille Schüsse zu hören, marschierende Schritte. ES begann zu dämmern. Das graue blasse Licht erschien mir so feindselig. Noch eine Stunde, und dann ist es Tag, dann erkennt man die Menschen auf der Straße. Eine Stunde,>vie rasch vergeht die. Ich rechnete nach: eigentlich müßte Toni schon zurück sein. Aber freilich, der Weg geht bergauf, da kann man nicht so schnell gehen. Und der junge Mann war müde. Nun konnte ich schon verschwommen den Küchenherd und den großen Tisch unterscheiden. Die alte Uhr tickte so rasch wie nie zuvor. Am liebsten hätte ich den Pendel angehalten. Die Knie taten mir tveh, aber ich Ivollte nicht fort vom Fenster; mir tvar, als sei Toni weniger gefährdet, solange ich hier kniete und auf sie wartete. Endlich, endlich kam sie. Mit schweren Schritten durch das Halbdunkel gehend. Endlich Härte ich ihre Schritte auf der Treppe. Endlich trat sie ein. „Alles in Ordnung," sagte sie kurz. Dann sah sie mir ins Gesicht. „Arme, liebe Mutter. Hast du dich sehr geängstigt? Aber ich mußte es tun. Einer mehr, der mit uns kämpfen tvird." Sie umarmte mich und sagte lächelnd: „Deutschland erwacht." Dann ging sie in die Schlafkammer zu Sep- vel, und ich blieb in der Küche zurück. Ich wollte die Kinder allein lassen. Sie hatten sich lieb, und In Moskau hat kürzlich eine internationale Redakteur-Konferenz der kommunistischen TageS- presse stattgefunden, lieber die dort gehaltenen Referate wird jetzt in der von der kommunistischen Internationale heranSgegebenen„Rundschau" < Basel) ausführlich berichtet. Die Kernfrage der Referate tvar, Ivie die kommunistische Tagespresse in ihrem Kampf gegen dieSozial- d e m o k r a t i e zu höherer und besserer Lei- stimgSfnhigkeit gebracht werden könnte. Der Kam Pf gegen den internationalen Fascismus rangierte er st in zweiter Linie! Das zeigt sich äußerlich darin, daß in dem Hauptreferate Böla Kuns der Sozialdemokratie doppelt soviel Anstrengungen und Umfang gewidmet waren, als dem Fascismus.' In Moskau ist man mit der Hetze der kommunistischen Blätter gegen die Sozialdemokratie in allen Ländern noch immer nicht zufrieden! Darum bekamen die kommunistischen Redakteure aus Frankreich, der Tschechoslowakei und den anderen Ländern auf der Konferenz Anweisungen, wie sie es künftig zu machen hätten. Es soll nicht mehr so geschrieben werden, „daß der sozialdemokratische oder reformistisch organisierte Arbeiter annehmen kann... daß bürgerliche Demokratie und Fascismus dem lommunistischen Redakteur gleich seien, daß es ihm gleichgültig sei, ob die bürgerliche Diktatur in der Form deS Fascismus oder der parlamentarischen Diktatur auSgeübt wird... als ob die tlommunisten der Meinung wären, die Sozialdemokratie lüge, wenn sie behauptet, daß die bürgerliche Demokratie bester sei, als der Faseismus, der FaseismuL schlechter sei als das Shstem der parlamentarischen Demokratie". Allerdingo, nichts geringeres, als daß die Sozialdemokratie lüge, daß fic Verrat betreibe, haben die Kommunisten ihr bisher vorgeworfen, wenn sie dies behauptete und bewies. Und sie haben in mehr als einem Lande das parlamenta- rische Snstem diskreditieren helfen, haben fich vorübergehend mit den Fascisten verbunden, um es zu stürzen. Die Wirklichkeit bestätigte jedoch so durchschlagend die Richtigkeit dieser sozialdemokratischen Beurteilung, daß das Geschrei der Kommunisten in der Arbeiterschaft keinen starken Widerhall fand. Um so mehr, als sie in ihrem KampfcS- eifer gegen die Sozialdemokratie recht oft den Kampf gegen den Fascismus völlig vergaßen! Selbst BslaKun mußte ev- klären, dass er in der Frage der Bekämpfung des Fafcis-s mus durch die kommunistische Preffe am wenigsten von Fortschritte« sprechen könne". Das ist ein die internationale kommunistische Preste kennzeichnendes Eingeständnis, das noch unterstrichen wird durch einige Feststellungen Bsla Kuns: esfehlten in den konununistischen Blättern„meistens sogar die Informationen über den„eigenen" Fascis- mns(im eigenen Landei Die Red.). „Es gibt bis heute leine einzige kominu- niftifche Zeitung, die eine mehr oder weniger richtige Anaktzs« des Fascismus im eigenen Lande gegeben hätte." Ein anderer Redner. Pjatnizki, fügt hinzu: wer weiß, wie lange sie einander noch sehen können? Wer weiß? Am folgenden Tag ereignete sich etwas Seltsames. Als ich einkaufen ging, begegnete ich zwei SA-Leuten, die ich nicht kannte. Sie blieben einen Augenblick stehen, dann lächelten sie, blickten sich um und grüßten mich. Und der jüngere schritt dicht an mir vorüber und flüsterte taum hörbar: „Danke." Mein Anton, der bisweilen gern Reisebeschreibungen las, hatte mir erzählt, daß die Menschen, die in der Wüste fern von einander leben, irgendwie Nachricht erhalten, was geschehen sei. Man weih nicht, woher die Kunde kommt, weiß nicht, wer sie gebracht hat, aber sie ist da. Ein Dorf weiß von dem andern, als ob die Nachricht durch die Luft geflogen käme. So ist es jetzt auch in dieser Wüste, die Deutschland heißt. Man weiß nicht, wer wem Kunde bringt, man weiß nicht, woher die Flugblätter und Zeitungen kommen, aber sie sind da. In der ersten Zeit war es, als ob uns eine feste Mauer umschließe, jetzt jedoch scheint sie an allen Ecken und Enden abzubröckeln und allerhand durchzulasten. Und auch das Radio ist verräterisch geworden. Wir hören empörte Stimmen, die Uber das Ausland schimpfen und wir wiffen bereits, was das bedeutet. Wir hören wüste Hetzreden gegen Oesterreich, und wir lächeln froh: das kleine Land hält sich noch, es hat der Hitler-Regierung die erste Schlappe beigebracht. Die erste, aber nicht die letzte. Glauben die Herren dort oben, daß wir wirklich schon so verdummt sind, daß wir nicht begreifen, was ihre Worte verbergen? Ich muß oft über die Gräfin Agnes lächeln; die sitzt den ganzen Tag vor dem Apparat und wartet. Und wenn ich zu ihr komme, hat sie so viel zu erzählen. Aber freilich, ihr geht alles zu langsam. Ich glaube, die gute Alte wacht jeden Tag mit der Hoffnung auf: die Regierung ist gestürzt. Sie können nicht warten, diese Menschen, die aus einer anderen Zeit und einer andern Klaste stammen. „WaS fehlt aber in der Parteipreste? ES fehlt der ideologische Kampf gegen die Fascisten. In der Parteipreste wird kein stetig« ideologischer Kancpf geführt, es wird den I Massen nicht nuSeinandergesetzt, daß die Versprechungen der Fascisten vor ihrer Machter- greifung und ihre Taten» nachdem st« ans Ruder gekommen find, zwei ganz v«schiedene Dinge find... Die Parteipreste nützt dieses Mat«ial über die fascistischen Länder noch wenig aus, um zu beweisen, daß die Fascisten, zn welch« Demagogie fie auch greisen mögen, stets die Politik d« Grostbourgeoifie durch- führen." Wort für Wort ist die für die kommunistische Presse vernichtende Kritik richtig! Man hat den Eindruck, Pjatnizki habe.dabei den Reichenberger „Vorwärts" und das„Rudi Prävo" in der Hand gehabt. Aber solange die Kommunistische Internationale die irrsinnige These aufrechterhielt, die Sozialdemokraten seien„Sozialfascisten" und darum die„Hauptstütze der Bourgeoisie" und damit der„Hauptfeind der Arbeitcrklaste"— solange wird es aus den kommunistischen Zeitungen nicht miders herausklingen können. Da man von einem Verzicht auf diese These noch nichts gehört hat, so erwächst diese treffende Kritik nur aus dem Wunsche» mit einer geschickteren Taktik bessere Erfolge unter den sozialdemokratischen Arbeitermassen für die Kommunisten heraiiSzu- holen. Die Moskauer Meister müssen nämlich einsehen, daß eS so„den kommunistischen Parteien nickt lenkst fallen wird, Fortschritte zu machen". Pjatnizki stellt die Frage: „Hat unsere Parteipreffe es verstanden, In dieser ganzen Periode von 1918 bis heute, zu beweisen, daß die Taktik der Sozialdemokratie für das Proletariat schädlich, unsere Taktik aber richtig ist? Offenbar hat sic es nicht v«mocht, denn bedeutende Arbeitermaffen leisten noch d« Sozialdemokratie Gefolgschaft, kommen noch in sehr beschränkt« Anzahl zu uns." . Dem„Rudö Prävo", das sick nach der letzten Reinigung um die besondere Gunst Moskaus bewirbt, wurde attestiert, daß es im .Kampf gegen die Sozialdemokratie„nachahmenswert" sei. Aber es treibt„keine gute AntikrtegS- propaganda" und der Referent Kuorin zählte das „RudöPrävo" zu jenenZeitun- gen, von denen wir nicht behaupte n k ö n n c n",- a h.s i e„d e n Dur ch- schnitt- les e r b e f riedige n". Diese Einschätzung findet unsere und der Mehrheit der sozialistischen Arbeiterschaft ungeteilte Zustimmung! Nur wird dieses empfindliche Manko nicht ausgeglicken, durch einen noch hes- tigeren.Kampf gegen die Sozialdemokratie, wie er als Forderung in allen Referaten wiederkehrte. Solange die Kommunisten nicht einsehen, daß der Kampf gegen den international««dringende» Fascismus nicht dnvch den Bruderkampf gegen die sozialdemokratifckien Arbeitermasten geschwächt werden daaf, solange w«den fie weder die Ent- artungserscheinmigen ihrer Bewegung und ihr« Preste beseitigen noch verhindern können, daß fie immer wieder in die engste Waffenbrüderschaft mit den Fascisten geraten. Sie wissen nicht, was es bedeutet, auS dem Kleinsten aufzubauen, und wenn der Bau einstürzt, von neuem zu beginnen. Wir kennen daS. Man hat uns häufig unsere grenzenlose Geduld vorgeworfen, aber jetzt erweist sie sich als etwas Gutes. Alles ringsum ist eingestürzt, wir selbst sind zu Boden geschlagen worden, aber wir beginnen uns langsam wieder zu erheben. Wir sehen die Trümmer ringsum, aber jedes Stück ist ein Stein, den wir zum neuen Aufbau verwenden können. Nichts ist zu klein, nichts zu geringfügig; wir können alles brauchen: eine gedruckte Zeile, ein Wort, ein Bild, llnd wir haben in diesen Tagen des Grauens wieder gelernt, waö Zusammenhalten heißt. Wirklich Zusammenhalten. Wenn wir das früher getan hätten... Aber tvozu über das Vergangene klagen? Alle unsere Taten, unsere Worte und Gedanken müssen der Zukunft gehören. Ich denke oft an den jungen Mann in der S. A.-Uniform, der in meine Küche eindrang. Denke an sein haßverzerrtes Gesicht und seine Verzweiflung. Und auch daran, daß er nicht der einzige ist. UnS hat man überfallen und gemordet, diese Menschen aber hat man betrogen, waS wird geschehen, wenn sie die ganze Größe des Betrugs erkennen? Diese Menschen hat man gelehrt, Wehrlose zu töten, wie tvird eS sein, wenn sie, die Menschenleben verachten gelernt haben, sich gegen ihre Führer wenden? Sogar die Bauern, die früher so für Hitler waren, beginnen nachdenklich zu werden. Die Preise steigen noch immer, aber der kleine Bauer hat nichts davon, denn wer von uns kann die teueren Lebensmittel kaufen? Ich gehe bisweilen in die Dörfer; eS leben in der Umgebung noch bäue'rliche Verwandte von meinem Anton. Sie haben lange Zeit nichts von mir wissen wollen. Jetzt hingegen bin ich bei ihnen willkommen. Ich muß erzählen, wie eS in der Stadt nusfieht und warum so tvenig gekauft wird. Der alte Mathias, der Onkel von meinem Toni, kratzt sich den weißen Kopf. Jede Betriebsausschusswahl— ein Erfolg der freien Gewerkschaften Es fällt der bürgerlichen Presse nicht ein, über BetriebSauSschußtvahlen zu berichten. Sie würde dadurch selbst das Lügengewebe zerreißen, das sie zur Irreführung der Oeffentlichkeit spinnt, indem sie ihr ununterbrochen erzählt, daß die Arbeiter von der Sozialdemokratie nichts wissen wollen und ihr in Scharen davonlaufen. Sie müßte bei objektiver Berichterstattung eingestehen, daß die Arbeiter in ihrer überwiegenden Mehrheit hinter den sozialdemokratischen Gewerkschaften stehen und daß alle Versuche, in die Reihen der Arbeiter Verwirrung zu tragen, an dem gesunden Instinkt der Massen scheitern. Donnerstag war Betrieboausschußwahl bei der Firma Bohemia A.-G. in Neurohlau. Die Gelbe» haben nach alten Methoden den Wahl- kamps geführt, doch ist ihre Hoffnung, diesmal die Mehrheit im Arbeiterbetrieböausschutz zu erlangen, schmählich zerstoben. Bon 332 gültigen Stimmen entfielen auf die Liste deö Verbandes der Glas- und Keramarbeiter 234 Stimmen und fünf Mandate, auf die Liste der deutschen Arbeitergewerl- schait bloß 98 Stimmen und zwei Mandate. Die freigewerlschaftliche Liste erzielte gegen die vorige Wahl einen Gelvinn von 23 Stimmen. Auch in Arno« dürfte die BetriebtauS- schußwahl bei der Firma Eichmann den Hakenkreuzlern eine arge Enttäuschung gebracht haben. Von 619 Stimmen erhielt der bewährte Fabrikarbeiterverband 588, während es die christlich-germanische Mischung nur auf 77 brachte. Die Wahlzahl betrug 69 Stimmen. Es erhielt der Fabrikarbeiterverband 7 Mandate und die andere gegnerische Liste ein Mandat. Dem Ausfall dieser Wahl kommt eine besondere Bedeutung zu, weil er zeigt, daß die Pa- pierarbefter erkannt haben, wer ihre Interessen am besten vertritt. Nur keine Moralheuchelei! In der alberne» und unwürdigen Kainpagne, die ein Teil d« tschechischen Presse seit Monaten gegen die Emigranten führt, die au« Deutschland oder Oesterreich in die Tschechoslowakei geflüchtet sind, kehrt immer die moralische Entrüstung darüber wird«, daß Emigrantinnen durch Abschluß einer Scheinehe mit einem tschechoslowakischen Staatsbürger automatisch die tschcchoflowakische Staatsbürgerschaft zu erlangen die Möglichkeit haben, während sie sie auf dem normalen Wege der Uebecrei- chung eines Gesuches nie uiib nimmer erhalten würden. Sogar das„Tests Slovo", von dem man doch etwas mehr Besinnung erwarten durste, hat sich über ein Inserat entrüstet, in dem sich ein deutscher Akademiker zum Abschluß ein« Scheinehe gegen nachherige Scheidung bereit erklärt. Es sei eine„aufgelegte UnsittlitPeit und Charakterlosigkeit", für die sich dieser Student— offenbar ein Hungerleider— da offeriert und das Blatt nift darnach, daß man gegen einen solchen„Schwindel" ein Mittel suchen soll, das ihn zu unterbinden geeignet ist. Wir wollen die Sache einmal sine ira et studio betrachten. Zunächst: Die sozialdemokratische Frauenbewegung bat inimer dagegen gekämpft, daß die Staatsbürgerschaft der Frau als minderwertig gegenüber der des Manne« angesehen wird, und daß sie durch Eheschließung einfach untergeht. Scheinehen, die zu dem Ztvecke, eine besttmmte Staatsbürgerschaft zu erwerben, geschlossen werden, hat es schon immer gegeben und nicht erst seit dem Einsetzen der Eniigra- „Ja, ja" sagt er.„Was du da sagst, das kann schon stimmen. Wenn die Leute kein Geld haben, womit sollen sie einkaufen?" Er wirft einen giftigen Blick auf seine Frau und seinen ältesten Sohn. „Ihr habt mir ja nie glauben wollen. Für Euch war der Hitler der Heiland. Aber wo bleibt denn jetzt die Erlösung?" Und die Frau und der Sohn, die früher den Mund so voll genommen haben und den alten Mann nie zu Worte kommen lassen wollten, sind ganz still und bescheiden. „Es wird schon wieder anders kommen", brummt der alte Mathias," es tvird schon wieder anders kommen. Und daS sag ick Euch, dann zieh ich alter Mann mit meiner Sense aus, aber nicht um Korn zu schneiden." Ich bringe alles, was ich erfahre, meiner Toni heim. Die tveiß schon, wie es zu verwerten ist. Neulich mußte ich ja doch lachen, als ich wieder zu den Verwandten ging. Der Alte saß vor dem Tisch, die große Hornbrille auf der Nase, vor sich die Bibel. „Seit wann liest der Vater die Bibel?" fragte ich den Sohn. Der zuckte die Achseln. „Eine schöne Bibel", brummte er. Und als ich dem alten Mathias über die Schulter blickte, sah ich, daß in der Bibel ein Flugblatt lag, das mir gut bekannt war. „Lach nicht", sagte der Alte böse.„Das ist sehr gescheit, was da steht, tvirklich gescheit. Ich hätte nie gedacht, daß die Städter so viel Verstand haben. Ich möckt dem Mann, der das geschrieben hat, ein paar Eier schicken und ein Stück Butter. Umsonst, verstehst du, Kati." Er blickte mich forschend an. „Ich gebe sie dir auf alle Fälle mit. Vielleicht kennst du den Mann." '(Fortsetzung folgt. «r. 14» Sam-taff, SS. 3mif 1934 ®ette» tion und auch die hiezu einladenden Inserate konnte man im»Prager Tagblatt" seit jeher lesen. Der Unterschied war nur, daß man früher derartige Fälle nicht zu einer politischen Hetze mißbrauchen konnte. Wir verstehen schon, das? eine Unterbindung solcher Möglichkeiten im Interesse de» Staates gelegen ist, aber wie soll man einen Vorgang verhindern, der gar 'kein„Schwindel" ist, sondern sich in streng legalem Rahmen abspielt und bei dem alle gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt erscheinen? Soll man den Leuten, die zum Auskunft-mittel der Scheinehe greisen, vorschreiben, das; sie niit dem anderen Eheteile doch eine gewisse Zeit zusammenleben müssen und das; eine Scheidung nicht zulässig ist? Kann das de» Abschluß> von Scheinehen verhindern? Wo ist denn eigentlich die Grenze zwischen wirklicher Ehe und Scheinehe? Damit sind wir beim Kern des Problems angelangi. Was ist das für eine moralische Entrüstung, die sich dagegen wehrt, daß man durch Abschluß einer Ehe eine Staatsbürgerschaft erwirbt, die einem nicht gebührt und die es ruhig hinnimmt, daß man durch Abschluß einer Ehe, die nur zu diesem Zwecke geschlossen wurde, in den Besitz eines Bermiigens gelangt? Wo hat jemals die bürgerliche Gesellschaft nach dem Zwecke eines Eheschließens gefragt? Wo hat sie darauf gedrängt, daß nur tatsächliche Zuneigung zweier Menschen zueinander und nicht Erwägungen geschäftlicher Natur ehestiftend wirken sollen? ES ist eine widerliche Moralheuchelei, die das alles nicht nur toleriert, die die Eheschließung ohne weiteres al» Geschäft ansieht, ja im eigenen Inseratenteil solche Geschäfte noch entriert, aber auf der anderen Seite eine vollkommen analoge Erscheinung zum Anlaß einer pathetischen Aburteilung tvegen„llnsittlichkeit und Charakterlosigkeit" nimmt. Nichts dal Der Abschluß von Scheinehen zur Erwerbung einer Staatsbürgerschaft kann nicht verwerflicher sein als das, was sich Tag für Tag in der bürgerlichen Welt ganz offiziell begibt! I. W. B. Liebe„Neue Weltbühne"! Du behauptest, daß ein führender nortvegischer Sozialdemokrat für Ansichten eintritt, die denen der deutschen Nationalsozialisten ähneln, berufst dich bei dieser Behauptung auf ein bürgerliches norwegisches Blatt und. stellst dann an Fritz Adler, den Sekretär der Sozialistischen Arbeiterinternationale, die Frage, ob ihm die Vorgänge in der der Sozialistischen Arbeiterinternationale angegliederten „Norwegischen sozialdemokratischen Partei" bekannt seien.—Du willst, liebe„Weltbühne", mit dieser Anfrage sowohl Fritz Adler als auch die Sozialistische Arbeiterinternationale diffamieren. Aber du hast dich nur so blamiert, wie es Besserwissern und Klugschlieferln deiner Art des öfteren passiert. Denn in Norwegen gibt es keine„Nor- lvegische sozialdemokratische Partei", sondern nur eine„Norwegische Arbeiterpartei". Die aber ist der Sozialistischen Arbeiterinternationale nicht angeschlossen. Sie ist entstanden au» der Vereinigung der Norwegischen sozialdemokratischen Partei mit der Kommunistischen Partei Norwegens und gehört seit dieser Vereinigung keiner internationalen Gemeinschaft an. Hättest du, liebe „Weltbühne", auch nur eine Ahnung von diesen allerdings„nebensächlichen" Dingen, so wüßtest du vielleicht auch, daß die Norwegische Arbeiterpartei vor der Uebernahme der Regierungsgewalt steht und daß sie bereits ein Regierungsprogramm beendet hat, das denn doch etwas ander» aus- fieht als die von dir behaupteten Ansichten des norwegischen Parteiführer». Seltsam, daß eine solche Partei jetzt plötzlich nach Führern vom Schlage Hitler» rufen soll! Wir dachten, liebe „Weltbühne", daß du das Geschäft, die Sozialdemokratie zu verleumden und zu schmähen, doch mit etwas mckhr Intelligenz besorgen würdest. Bon der anständigen Publizität hast du ja durch die Wiedergabe der infamen bürgerlichen Verleumdung gegen die ungarische Sozialdemokratie ohnehin bereits Abschied genommen. Nazihetze gegen die Tschechoftowakei. In der reichsdeutschen Zeitschrift„Reise und Verkehr", die auch in den internationalen, der Tschcchoslowa- kei gastierenden Schnellzügen aufliegt, befindet sich in der letzten Nummer 11 /34 ein bezeichnender Artikel. Ein Herr August Sieghardt in Nürnberg schreibt über„Resse in deutsches Grenzland— Bayerns Ostmark". In dem Artikel heißt es u. a.: „Bei Reisen in deutsches Grenzland darf Bayerns gefährdete O st grenze nicht vergessen werden". Dabei ist ausdrücklich hervorgehoben, daß die Ostgrenze au— Tschechoslowakei stößt. Der Zusammenhang ist klar gegeben. Nach der Auffassung Sieghardtü— offenbar ein Naziführer— ist die bayrische Ostgrenze von der Tschechoslowakei bedroht. Diese böswillige Darstellung bestätigen die au» Deutschland kommenden Nachrichten, wonach systematisch von einer Bedrohung des Dritten Reiches ausgerechnet durch die Tschechoslotvakei gesprochen lvird. Zum Schluß des Artikels wird von den genügsamen Belvohnern der bayrischen Ostmark geschrieben, die treue Wacht am Böhmerwald halten. Die Absicht der Artikels, gegen die Tschechoftowakei bei allen Ressenden zu Hetzen, ist ganz unerkennbar. Jedes neue Parteimitglied bedeutet: eine« Freund mehr, eine« Feind weniger. Durum«erdet für die Partei! i aus Gesundsein könne. Maedonald geht 3 Monate ant Urlaub London, 22. Juni. Den Blättern zufolge wird Maedonald binnen kurzem aus Gesundheitsrücksichten einen dreimonatigen Urlaub antreten. Die ärztlichen Ratgeber des Premierministers haben ihm nahe gelegt, einen möglichst langen Som- merurlaub zu nehmen. Sie haben ihm vargeschlagen, daß er sobald wie möglich seine Amtstätigkeit und besonders mit Rücksicht auf seine schwachen Augen da» Lesen von Dokumenten ein- stellt und drei Monate Ferien nimmt. Maedonald hofft, in den nächsten Tagen London verlassen zu können; er beabsichtigt, erst bei Wiederzusainmen- lritt des Parlamentes Mitte Oktober zurückzukehren. Sozinlfascisten ein Argument, dem„Sturm" ist der Brand Rückgang der Arbeitslosigkeit In England London, 22. Juni. Der Arbeitsminister Sir Henry Betterton gab Donnerstag im Unterhause bekannt, daß die Zahl der Beschäftigten in Großbritannien zur Zeit 10,187.600 betrage, was einem Höchststände seit dem Jahre 1020 entspreche. An registrierten Arbeitslosen gab eS zum 14. Mai 2.000.000 Personen, d. s. um 58.000 weniger als im Vormonat, um 402.000 weniger als im gleichen Monat deS Vorjahres nnd uni 722.000 weniger als im September 1031. Seit dem Jänner l. I. sei die Zahl der versicherten Arbeitnehmer um 313.000 gestiegen. Den stärksten Rückgang in der Arbeitslosigkeit hatten die Gebiete der S ch w c r i n d u st r i e zu verzeichnen. Besonders deutlich ist die Besserung auf dem Arbeitsmarkte gegenüber dem Vorjahre in der Stahl- und Eisenindustrie, im Maschinen- und Schiffsbau sowie in der Kohlenförderung zu erkennen. Die Arbeitslosigkeit im Schiffsbau ist heuer bereits um 23.000 Personen gesunken. Die Lage einiger Industriezweige ist weitaus besser als je seit dem Jahre 1020. Tie Tendenz zur Besserung ist ständig im Steigen begriffen. der der Herald Alfred Rosenberg zu einem Gegenschiag veranlaßt: er verlangt van Hitler die Entfernung aller Minister, die nicht„hochqualifizerte Pgs." sind. Das geht auf Papen, Graf Krosigk, den Finanzminister, General von Blomberg, den Reichswehrminister nnd was sonst nach aus der Zwischenzeit des HalbfaseiSmuS in der Regierung herumstreicht. Der olle ehrliche Hitler kann sich wieder einmal nach Bedarf ausschwanken und ausweinen. Sozialisten verlangen Auflösung der Rechtsverbände Paris, 22. Juni. Die Parlamentskommission zur Feststellung der Verantwortlichkeit für die blutigen Februar-Ereignisse beabsichtigt in den ersten Julitagen der Kammer das Gesamtergebnis ihrer Arbeiten vorzulegen. Gestern hat sich die Kommis- . sion mit 15 gegen drei Stinunen darüber geeinigt, daß die vier Rcchtsorganisationen, die an den Feber-Demonstrationen teilgenommen haben, eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit darstellen, wenn sie auf der Straße manifestieren. Die sozialistische Presse fordert, daß die vier obenerwähnten Organisationen von der Regierung aufgelöst werden. Scharfes Urteil Uber den englischen Premier London, 22. Juni.(Reuter.) Bei der drillen Lesung des Budgets beantragte der Abgeordnete Morgan Johne» für die labouristische Opposition die Ablehnung desselben und erklärte, er bedauere, daß Maedonald heitsrücksichten nicht anwesend Maedonald habe freilich nur eine ungleiche Verantwortung für dieses Budget, denn er habe bereits aufgehört, Herr seines Schicksals zu sein und sei in den Siegerwagen der Konservativen Partei, deren Sklave er sei, eingespannt worden. Konkordatsvcrhandlungcn mit den Bischöfen Berlin, 22. Juni. Wie au» kirchlichen Kreisen verlautet, werden am 25. Juni im ReichSin- nenministerium die Besprechungen über die Anwendung deS Reichskonkordates zwischen der Reichsregiernng und drei Vertretern des deutschen Episkopates beginnen. Von Seiten des Episkopates sind Erzbischof Dr. Gröber-Freiburg, Bischof Dr. Berning-Osnabrück und Bischof Dr. Bares- Berlin mit der Führung der Besprechungen beauftragt worden. lieber die Dauer der Besprechungen| Beitritt Amerikas zum Internationalen Arbeitsamt Genf, 22. Juni. Der Direktor deS Internationalen Arbeitsamtes Butler teilte heute im Plenum der, Internationalen Arbeitstonferenz mit, er habe einen Brief vom amerikanischen Konsul in Genf, Gilbert, erhalten, mit welchem die Regierung der Bereinigten Staaten eine Resolution, betreffend die Mitgliedschaft der Vereinigten Staaten an dem Internationalen Arbeitsamt, iibermittelt. Diese Resolution ist bekanntlich bereits vom Kongreß genehmigt worden. Direktor Butler begrüßt in feierlicher und sehr herzlicher Weise diese Mitteilung und sagte, daß mit diesem Augenblick eine Wendung in der Geschichte der Genfer Arbeitsorganisation eintrete, denn die Bereinigten Staaten treten als Mitglied dem Internationalen Arbeitsamt bei. Wahrscheinlich werden noch heute nachmittags die Vereinigten Staaten in den BerwaltungSrat des Internationalen Arbeitsamtes gewählt werden. nicht anerkannt wurden. Die Deckung der Reisespefen soll von den Mitgliedern de» Gebietes, die den Delegierten entsendet haben, übernommen werden. Ist daS nicht ganz möglich, so wird die Differenz de» Delegierten aus den Geldern anderer Gebiete gedeckt. Die Finanzlage darf unter keinen Umständen die Entsendung der gr» U'ählten Delegierten beeinträchtigen. Alle müssen her. Wenn nicht als von der Leitung anerkannte Delegierte, so al« Gäste de» Berbandotage». Möglichst ist die Fahrt so einzurichten, daß sie um 8 Uhr in Prag sind, da vorher eine Besprechung stattfindet. Ersuchen um genaueste Erfüllung der Weisungen. Proletarische GenossenschaftSopposition." Also alle« Montag nach Prag! Weil ober die Kommunisten nicht zur Genoffenschaftstagung gehen, um dort über den Ausbau der Eigenproduktion und die Verbreiterung der genossenschaftlichen Warenverteilung zu reden, sondern um— wie die Erfahrung lehrt— gegen die loszugehen, deshalb brauchen sie um die notwendige Stimmung vor zu erzeugen und dieses Argument im Magazin des„Vorwärts" in Reichenberg, genau so wie der Reichstagsbrand in Berlin der Vorwand für unzählige Schandtaten der SA in Deutschland war. Freilich werden sich die Kommunisten trotz der wüsten Helw des„Vorwärts", am Verbandstag der Genossenschaften in Prag nicht entsprechend betätigen können, denn Aktionen, die nach Goeringart vorbereitet werden, wird man hier noch abwehren können. Eine Teilnahme der auf sogenannten„Kon- sumentenversamnilungen" bestimmten„Delegierten" kommt natürlich nicht in Frage, weil nm ordnungsgemäß gewählte Genossenschaftsdelegierte über die Bewegung zu entscheiden haben und nicht ein paar hergeschicktr Schreier, die sich besser Zeit und Kosten(die ja natürlich von den kommunistischen Drahtziehern bezahlt werden) sparen können. Gemäßigter Nazi wird Wiener Rektor! Wien, 22. Juni. Zum Rektor der Wiener llniversität wurde heule mittags der Professor der Rechtsfakultät Hold-Ferneck eiujtinnnig gewählt. Er gilt als gemäßigter Nationalsozialist, der jedoch nie politisch hervorgetreten ist. Er war Konipromiß(l)-Kandidat. Vergangenen Atontag NachtS brach im Magazin deS Konsumvereines in'Reichenberg, auS bis jetzt unbekannter Ursache ein Brand auS, der offenbar den Macher» der KPÜ in Reichenberg sehr gelegen kam, denn schon am Mittwoch schrieb der„Vorwärts" in ganz infanrer Weise, in einem grostaufgemachten Artikel auf der erste» Seite, es sei naheliegend, dast der Brand von Sozialfaseisten gelegt worden sei, um die Führer der Reichenbrr- ger Genossenschaft zn kriminellen Verbrechern zu stempeln und um Mißtrauen gegen die Leitung des Reichenberger KonsnmveremeS zu säen. Im ersten Moment konnte nian den Zweck dieser bodenlosen Gemeinheit nicht erkennen, denn außer einigen fanatisierten Kommunisten wird es wohl kaum Menschen geben, dir diese«»erhörte Verdächtigung ernst nehmen, sondern sie als eine der vielen kommunistischen Entartungen betrachten, die der LrrzweiflungSstimmung unter den Führern der KPÜ entspringen und im besten Falle die Aufmerksamkeit der Lrffentlichkrit— soweit sie bei den Kommunisten noch vorhanden ist— von dem Zerfall der kommunistischen Partei ans dir Sozialdemokratie hinlenkrn» aber noch am Mittwoch wurde bekannt, dast die Kommunisten«ine Aktion gegen den VrrbandStag unserer Genossenschaften, welcher kommenden Montag in Prag stattfindet, vorberritrn und damit wurde auch verständlich, welchem Zweck die Verleumdung der Sozialdemokraten dienen soll. Die Kommunisten ließen an ihre Parteigenossen folgende Zuschrift ergehen: „Außerordentlicher Verbandstag". „Der außerordentliche Verbandstag findet am 25. Juni, daS ist Montag 0 Uhr vormittags im Gebäude des Gee-Berbandrs in Prag statt. Die in den Mitgliederversammlungen von den oppositionellen Mitgliedern der reformistischen Genossenschaften gewählten Arbriterdelegierten sind sofori und ohne Verzug an die bekannte Adresse unter Angabe von Namen und vollständiger Anschrift de» Delegierten zu melden. Die Entsendung der De- »egirrtrn muß erfolgen, auch wenn dieselben von derLritung deSKonsu in vereine« ist Näheres nicht bekannt. Hitler in der Zange. Die offene Auflehnung Papengilde gegen die Göbbeljianer hat, wie diplomatische Korrespondent deS„Daily " erfährt» den gleichfalls angegangenen Loenngmetkoden im Kampfe! gegen die Sorialdemokratie Wüste Hetie des««Vorwärts** als Auftakt zum Verbandstag dar Genossenschafften Die Verunglimpfung von Staatsmännern Der„Völkische Beobachter", der als Organ Hitlers immerhin in einer respektablen Auflage erscheint, beging die Unvorsichtigkeit, unsere Charakterisierung der nationalsozialistischen Kultur und deren Träger nackzudrucken. So lasen einige hunderttausend Deutsche das über ihre Herren, was sie sich jetzt mir denken dürfen. Für diese Propaganda muß man den braunen Herren sehr dankbar sein. Freilich: die ehrenwerten Manner regen sich über unsere Charakterisierung mächtig auf! ES sei nicht wahr, daß der Nationalsozialismus die deutsche Kultur so unterstütze wie der Strick den Gehenkten und: was würden etwa die Staatsmänner der Tschechoftowakei dazu sagen, wenn sie so charakterisiert würden wie die Hitler und Konsorten durch die sozialdemokratische Presse in der Tschechoslotvakei. Darauf ist zu antworten: Inhalt und Ton einer Kritik werden durch das Objekt bestimmt. Die Feststellung, daß Hitler und Goering Bluthunde sind, ist eben keine Beschimpfung, sondern die durchaus sachliche Umschreibung einer Tatsache. Der ausfiihrlickiere Kommentar hiezu ist in Gerhart SegerS Schrift„Oranienburg" zu finden. Mit den Objekten unserer erwähnten Kritik kann mmi die führenden Staatsmänner der Tschechoslowakei nickt einmal in einem Atem nennen. DaS wird ins Bewußtsein aller Deutschen eingehen, wenn erst einmal die Burschen, denen man jetzt nur vom Ausland her sagen kann, was sie wirklich sind, im Zuchthaus sitzen werden. Der 1 Tag scheint nicht mehr fern zu sein. In formaler Hinsicht aber sei den empfindlichen Ehrenmännern vom„Völkischen Beobaw- ter" gesagt, daß die sozialdemokratische Presse un- , seres Landes tatsächlich nicht Regierungspresse, sondern Parteipresse ist. Es ist allerdings anzunehmen, daß daS, tvas sie über die Hitler und Ge- ! noffen sagt, die Meinung aller anständigen Menschen ist, gleichgültig. in welcher Stellung sic , sich befinden. Ein verwickeltet Pakttyttem Paris, 22. Juni. Zu den Bukarester Besprechungen erfährt„Matin", daß Frankreich und die Kleine Entente sich über das europäische Sy^ stem einig seien, das beruhen würde: 1. auf einer feierlichen Bestätigung der Lo- earno-Verträge; 2. auf Abschluß eines Paktes der Baltischen Staaten; 3. auf dem Abschluß eines sogenannten Ost-Loearnoö, dem auch Rußland, Polen und Deutschland beirreten würden; 4. auf dem Abschluß eines sogenannten mitteleuropäischen Paktes mit Rußland, Rumänien, Jugoslawien, mit den Balkanstaaten, Italien und Frankreich. Diesem Pakte würde England als Großmacht, das bedeutende Interessen im Mittelländischen Meer habe, zustimmen. Neuer Kriegsbericht aus Südamerika La Paz, 22. Juli. Die Regierung der Republik Bolivien veröffentlicht ein Koinmnnigue, in dem erklärt wird, daß eS in den gestrigen Kämpfen der bolivianischen Armee gelungen sei, die paraguyanische Offensive im Abschnitte der Festung Bolivia avzuschlagen, wobei der Feind große Verluste erlitt. In einer ungewöhnlich heißen Schlacht seien viele Gefangene gemacht und viel Kriegsmaterial erbeutet worden. Die paragulmnischc Armee habe ihre Vcrlvundetcn auf dem Scblachtselde gelassen und sei in Unordnung zurückgegangen. Sette 4 Samstag, 23. Joni 11KM «t.'M» aus MM die Rennbahn der Stadt Hongkong in einen See verwandelt und alle Wege unpassierbar wurden. auch der gen» Pilsen verurteilte unter dem Vorsitz des Oberstleutnants Dr. Beran den Soldaten des Artilleriedetachements Nr. 81 in Kostelec nad Orlici Walter Schmidt ans Prachatitz wegen des Verbrechens des militärischen Verrates und des Verbrechens der Desertion zu drei Jahren schweren Kerkers. Schmidt war am 25. Mai des Vorjahres von seiner Formation über Glatz nach Deutschland geflüchtet, wurde dort verhaftet und verriet bei seiner Einvernahme den Organen des deutschen Nachrichtendienstes einige Daten über die tschechoslowakische Wehrmacht, die gehetingeüalten werden sollten. Im Feber d. I. kehrte Schmidt nach Hause zurück und wurde verhaftet. man „Nelson"-Schacht in das ArbcitSrevier vor. In diesen neu gewonnenen Strecken ist die Zimmerung durch die Explosion zum größten Teil Hingerissen worden. Etwa 20 in der Strecke stehende Hunte sind zertrümmert oder vollkommen deformiert. Der Deckennachfall lagert über einen Meter hoch. Unter den Kohlentrümmern dürften die Häuer, welche dort mit dem Kohlenabbau beschäftigt waren, begraben liegen."Ihre Bergung ist derzett nicht möglich, weil eine Räumung der Pläne mit Rücksicht auf die hohe Brandgefahr vorläufig nicht vorgenommen werden kann. Zu den Leichenfunden, die gestern gemacht wurden, wird noch berichtet, daß außer den bereits gemeldeten 6 Toten noch zwei weitere, insgesamt also acht, geborgen wurden. Sieben davon konnten bereits sichergestellt werden, u. zw. Karl Vlasäk, Maurer aus Haan, 46 Jahre, verheiratet, kinderlos, Wenzel Perl, Maurer miS Herrlich, 54 Jahre, verheiratet. kinderlos, Ulrich Pouza, Häuer a»S Ossel. 41 Jahre, verheiratet, zwei.Kinder, Jaroslav Sourek, Förderer aus Ossel, 36 Jahre, verheiratet, ein Kind, Ferdinand Zosig, Bauhäner aus Herrlich, 52 Jahre, verheiratet, kinderlos, Adalbert Patera, Häuer aus Ossek, 33 Jahre, verheiratet, zwei Kinder, Gottlieb Kauer, Steiger aus Herrlich, 38 Jahre, verheiratet, drei Kinder. Die achte Leiche ist noch nicht identifiziert worden. Drei Jahre Kerker wegen militärischen Verrat Pilsen» 22. Juni. Das Divisionsgericht Einem Gasthausbesucher di« Kehle durchschnitte« Paris, 22. Juni. Die Blätter berichten Valencia über einen furchtbaren Zwischenfall in einem der vornehmsten Restaurants der Stadt. In den Abendstunden des Donnerstag betrat ein Madrider Rechtsanwalt das Lokal» ging auf einen Tisch zu, an dem ein junge r M a n n sein Abendbrot aß und schnitt ihin mit einem Rasiermesser die Kehle durch. Dann stellte er sich selbst der Polizei. Die Gründe für diese Bluttat sind unbekannt. Man verniutct abar, daß es sich um eine Eifersuchtstragödie handelt. TagcsncmglrcHai Fürchterliches Eisenbahn- Attentat chinesischer Banditen Mulden, 22. Juni. Chinesische Banditen haben in der Nähe von Kirin eine Eisenbahnbrücke gesprengt. EinGütcrzug mit 3 8 M a n n Besatzung stürzte in die Tiefe. Etwa 2000 chinesische Banditen haben versucht, in die Stadt Lachasuu(Sungari-Gebiet) einzudringen. Zwischen ihnen und japanischen und mandschurischen Truppen ist eü dabei zu Kämpfen gekommen. Drei Selbstmorde«egen einer Ehescheidung Dresden, 22. Juni. Eine 31 Jahre alte geschiedene Frau und zwei junge Männer haben sich in der Nacht zum Freitag mit Znnnlali vergiftet. Die jungen Männer waren beschuldigt worden, in dem Eheschcidnngöprozeß der Fran einen Meineid geschworen zu haben. Furcht vor der zu erwartenden Strafe dürfte der Grund des Selbstmordes sein. I.Hutweidc Horjany bei UZhorod der 32jährige Hirte I. Holinka erschossen. Der Gendarmerie gelang es noch ain selben Tag, die Mörder zu verhaften. Es sind dies der 21jährige Georg Tath und der 10jährige Michal Jakubit. Die Tat, die sie aus Blutrache begangen haben, gestanden sic ei». Der Bruder Toths lvar mit der Schwester eines getvissen Georg Toman verheiratet, der bei einer Schlägerei vor zwei Jahren von Holinka erschossen worden war. Bries ans„Prager Tagblatt". In den „Spezial-Freibädern", die das„Prager Tag. blatt" täglich einem jener Leser einräumt, die in die allgemeinen Schwimmhallen dieser Re. daktion aus bestimmten Gründen nicht Einlaß finden, machte dieser Tage ein Herr Peter Rüb- ner folgendes Tempo: Spezial-Freibäder Man darf ein gutes Projekt, wenn es von einer Seite kommt, man sonst nicht freundlich geIW übersteht, nicht unbeachtet lassen: Um den Schwerkriegsbeschädigten die Möglichkeit zu geben, während der Sonuncrmonate die Freibäder zu besuchen, ohne mitleidigen oder zudringlichen Blicken ausgesetzt zu sein, hat die nationalsozialistische Kriegsopferversorgung bei der Stadt Berlin angeregt, in den städtischen Freibädern Plätze zu schatten, wo sich die Kriegsopfer ungestört durch das übrige Publikum erholen können. Dieses Beispiel verdient N a ch a h m u n g, und zwar sollten nicht nur fiir Kriegsbeschädigte, sondern für alle körperlich Defekten solche Plätze bestehen— nicht nur den Beschädigten, sondern auch dem Publikum zuliebe, das der Anblick mit einem aus Mitleid und Unbehagen gemischten Gefühl berührt. Da wir Herrn Peter Rübner pur aus diesem Erguß kennen, wollen wir ihn» vorweg nicht un- freundlich gegenübcrstehcn, wohl aber dem„Pro- ger Tagblatt" sagen, daß wir das„gute Pro- jekt" empörend finden. Empörend nämlich ist es, wenn Leute ihr Badevergnügen nicht durch den Anblick von Kriegsopfern wollen stören lassen, zumal jeder Besucher von Badeanstalten bcstä. tigen wird, daß man dort nur ganz ausnahms. weise Kriegsbeschädigten oder anderen bresthaftcn Menschen begegnet, die„Unbehagen" verbreiten könnten. Das angeblich nachahmenswerte Ber- liner Beispiel scheint nur zu lehren, daß man in Deutschland mit„feinem" Gefühl das Elend der Invaliden eben der breiteren Oeffcntlichkcit nicht jnst in diesen Zeitläufen vor Augen führe» will, da man die ganze Nation aus dein frohen Schwimmbad in ein frisches Stahlbad treiben will. Jin übrigen beweist jederzeit die Zurück- Haltung der körperlich unglücklichen Menschen, daß sic eben das besitzen, was man beim Peter Rübner und beim„Prager Tagblatt" vergeblich sucht: Takt... Mutter läßt ihr Kind verhungern. In der Gemeinde Baumgarten(Oberösterreich) wurde die seit einem Jahr verheiratete 43jährige Bäuerin Leopoldine Kastner unter dem Verdachte verhaftet, ihr einziges, drei Wochen altes Söhnchen durch absichtlichen Entzug der Nahrung getötet zu haben. Die Obduktion ergab, daß das Kind tatsächlich verhungert ist. Die entmenschte Mutter wurde dem Gerichte eingeliefert. Das Standgericht wurde von dem Falle in Kenntnis gesetzt. Blutrache in Karpathorussland. In der Nacht ans Donnerstag wurde in einer Hütte auf der Roch 2 Tote auf„Nelson" geborgen Ossel, 22. Juni. Wie bereits berichtet, stieß bei den gestrigen GcwältignngSarbeiten im Jahrelang trocken, jetzt überschwemmt Hongkong, 22. Juni.(Reuter). Die Gebiete am Südlans des Jangtse, die volle zwei Jahre unter einer katastrophalen Trockenheit zu leiden ihatten, wurden nunmehr von einem ve rHeere n d e n W o l k c n b r u ch überschwemmt, i der eine Woche lang anhiclt und einen großen i Teil der Provinzen Hunan, Ktvangsi, Fnkien und „Turnzeitung", jenen aus dem Dritten Reich.' heute fiel in Hongkong Ti Zoll Regen, wodurch Henlein hat es sdiwcrl Audi ein Dcltrag lür die„Lldove Novlnu“ „Tie Führer der bisherigen deutschen Par teien batten es sicherlich leichter mit ihren Lonaliiätsknndgebungen als ich und meine Mit« arbeiier. Aber sic baden in den 15 Jahre» ihrer politischen Tätigkeit nicht das durckigesükrt, wa sch und meine Mitarbeiter nun in kürzester Zeit durchführen-mußten und was auch im weiten Maße nach Möglichkeit schon erreicht wurde: Das Sndctendenischtum von der Notwendigkeit eines positiven Standpunktes zur Tschechostowa- kischen Republik zu überzeugen..." Konrad Henlein in den„Lidove Novinh". Jene tschechische Presse, die jetzt geneigt ist, den salbungsvollen Reden Henleins Glauben zu scheuten, ahnt gar nicht, wie schiver es Henlein wirklich hat. Wenn inan von der ständischen Ideologie seiner Bewegung absiehl. die allein schon jeden wirllichen Demokraten von der fascistischen Grundhaltung der Henleinfront überzeugen muß, so bleibt noch das sehr beachtliche Wirken der Hen- lcinlente. das sie vor der Auflösung der Deutschen Nation alsozia- listischcnArbciterpartei zur Verhinderung eines Erfolges der deutschen aktivi stischen Parteien entfalteten. Henlein hat heute die Stirn, gewissermaßen zu bedauern, daß er nicht früher zur Rettung der Tschechoslowakischen Republik, ihrer demokratischen Einrichtungen und I zur Eingliederung der Sndetendeutschen in das tschechoslowakische Staatsleven berufen wurde. Aber noch wenige Monate vor seinem Schubs aus die politische Bühne, als er noch Tnrnwart des Deutschen Tnrnverbandes ivar, lvar das Sprach rohr und Erziehungsorgan der jetzigen Henlein- gefolgschaft, die ,,T u r n z c i l u n g". mit dem Dritten Reich und dem Goering-Geist so völlig gleichgcschaltet, daß schon die ganze Ahnungslosig keit und Vergeßlichkeit einer getvissen Publizistik dazu gehört, den heutigen Henlein ernst zu nehmen. Noch am„1. Maien" 1033 hat die„Turn zeitung" an leitender Stelle den„Durchbruch des Völkischen in der Deutschen Turnerschast", näm lich die G l e i ch s ch a l t u n g des Deutschen TurnverbandeS im Reich, in den höchsten Tönen besungen. Die„Turnzeitung" gab der Hoffnung Ausdruck,„daß der völkische Flügel in der DT. nunmehr auch die Führung ergreift in der Män- nerschasl und alles hinwcgsegt, was die DT durch Jahre hindurch am Mitwirken am geschichtlichen deutschen Wirken zu hindern suchte". Dieser völ- kise Flügel verlangte: restlose Gleichschaltung der Satzungen„dahingehend, daß in ihnen der Grundsatz des Führers und der Führung stark zum Ausdruck kommt... die Entfernung aller Menschen au- den führenden Stellen der DT. die für die nationaleRegie» rung untragbar geworden sind." In einem anderen Aufsatz der gleichen Num mer schr-ibt die„Turnzeitung" über den Sieg HitlerS: „Tcutschland steht an einem bedeutsamen, geschichtlichen Wendepunkt. Möge seine vor- bikdkicheTat di« volksbewusste« Kreise der anderen Staaten und Linder aufborchrn lassen, zur Besinnung und Einkehr führen und zur Nach eiferung und Befreiung au- internationaler Ab hängigkeit anspornen!" Ein langes Feuilleton verherrlicht Schlage- lcr, den Landsknechts-Märtyrer des Dritten Reiches. In der Ausgabe vom 15.„Maien" 1833 zitierte die„Turnzeitung" in einem teilweise lonfiSzierten Aussatz über die Abwehrmaßnahmen gegen die Nationalsozialisten u. a. folgende Stelle aus der„Ascher Zeitung" und bemerkte ausdrück lich, daß sie ihr beipflichtet: „Ter in letzter Zett diel zitierte»Schutz der der Demokratie' ist eben nichts anderes als der vertarnte neue Großangriff gegen das Deutsch tum in diesem Staate... ES darf keine Täu schung mehr darüber geben, dass es die tschechischen Heißsporne ernst meinen mit dem Kampfe gegen das.Hakenkreuzlertnm', rin« billige Bezeichnung, unter der str wahllos jede«igenvölkifche Regung deS sndetendeutschen Stammes verstrhrn." Selbst schrieb die„Turnzeitung" noch hiezu: „Eins steht für und fest: Wir müssen dir schwersten Opfer zu ertragen bereit sein. B r- reit im Interesse Deutsch lands, das wachsen und blühen muss, wenn auch wir kümmerlich dahinlrben müssen. Bis da hin aber heisst«SA Ahne zusammen» beiden und innere Haltungi einnehmen..." Tas war die Haltung Henleins, als er noch Turnwart war. Jetzt aber erzählt er in den „Lidovö Novinh":„Mein Kampf gegen den extremen Radikalismus ist die positive Ncbcrfüh- rung des ganzen Sudetendeutschtums zur Mit arbeit im Staat." Henlein hat sich darauf, wie aus der„Turn zeitung" hervorgeht, während seines Wirkens im Deutschen Turnverband so trefflich darauf vor bereitet, daß über seine heutige Berufung gar kein Zweifel besteht. Die„Lidovö Novinh" erwürben sich ein Verdienst um die auch von ihnen ge wünschte Klarheit und Aufrichtigkeit in der Poli tik, wenn sic auch den anderen Geist Hen- letnö zu Wort kommen ließen stnen aus der üwMigi unter Wasser setzte. In der Nacht aus Nur der flrbeifßr-Turn- und Spgrtberoegung Mitteilungen fiit Olympiade- Besucher Tausend Atus-Rinder fahren zur Olympias». Die Zureise der Kinderabteiluugen nach Prag erfolg: am Freitag, den 21). Juni, in den NachmittagSstun- gen. DaS Quartier befindet sich in der Realschule am Stroßmayerplah in Prag VII, in der Nähe de« DeniS-Bahnhofes über der Hlavka-Brücke lHlavkuv most). Für Samstag vormittags ist eine Besichtigung der Stadt Prag vorgesehen. Nachmittags: Besuch der Burg. Sonntag früh um 7 llhr erfolgt der gemeinsame Äbinarsch zu den Proben der Kindervorführungen. Die Vorführungen selbst erfolgen um 14.30 Uhr für die Mädchen und un« 15 Uhr für die Knaben. Der Montag ist für Ausflüge und Besichtigungen freigehalten. Für die Bekleidung der Kinder bestehen folgende Vorschriften: Tanz der Mädchen: Dirndl- oder anderes farbiges Kleid und Turn- schuhe; Freiübungen der Mädchen: schwarze Hose, weißes Leibchen mit dem AtnS-Dreieck und Turnschuhe; Freiübungen der Knaben: schwarze Lose, weißes Leibchen mit dem AtuS-Dreieck und Turnschuhe. Die Adjustierung der AtuS-Mitglieder zur Olympiade. Für den F e st z u g gelten folgende Vorschriften, die strikte eingehalten werden müssen: Männer: AtuS-Hemd, Kappe, rote Binde, roter Gürtel, grmie oder dunkle lange Hose(keine Knickebokker I). Frauen: AtuS-Bluse, Kappe, rote Binde, weiße Socken. Für daS Fahnenschwingen der Turner: Weiße Hose, Weißes Leibchen mit dem AtuS-Dreieck, roter Gürtel, Turnschuhe. Tänze der Turnerinnen: Dirndl oder leichtes Sommerkleid, Turnschuhe. Die vorgeschriebene Adjustierung muß auf alle Fälle eingehakten werden. FrenndschastSabend für den AtuS. Für die Ains-Mitglieder wird am SamStag, den 7. Juli, im Narodni dum in Smichov ein FreundschattSabend veranstaltet, der vom Prager AtuS-Berein durchge- führt wird. Nähere Mitteilungen folgen. Mord und(Selbstmord Prostijov, 22. Juni. 2n der' Gemeinde Pteni bei Prostijov heiratete vor zwei Monaten der Häusler Oldiich Prochäzka die 21jährige Marie Strouhalovä. Die Ehe war anscheinend unglücklich, denn heute vormittags überlief Pro- chäzka seine auf dem Felde arbeitende Frau mit einer Hacke und erschlug sie. Nach dem Morde begab sich Prochäzka in den Wald, brachte sich zu. erst mit einem Messer enien swcren Stich in den Bauch bei und erhängte sich sodann. Da Pro- chäzka über den Grund seiner Tat keine Mitteilung hinterließ, wird die Angelegenheit von der Gendarmerie untersucht. Die Rettung der„Dresden".Leute. Rach einem vom Dampfer„Stuttgart" beim Norddeutschen Lloyd eingcgangenen Telegramm hat die „Stuttgart", die in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag gegen 1 llhr bei Kopcrvik an der norwegischen Küste eintraf, 380 Passagiere und 162 Mannschaften des Dampfers„Dresden" übernonnnen. Lloyd-Dampfer„Stuttgart" hat um 4 Uhr 15 Minuten die Reise nach Stavanger fortgesetzt, um dort den-paupttcil der Fahrgäste zu übernehmen. Zwei Generale verüben Selbstmord. In Wien wurde Donnerstag der 71jährige Generalmajor a. D. und tschcchosiowakischer Kapitän i. R. Wenzel Wolf, in Prag geboren, in seiner Wohnung in Wien X, Knöllgasse, erhängt aufgcfunden. Der Beweggrund der Tat ist unbekannt.— Gleichfalls in Wien hat sich am selben Tage der ehemalige Stabschef der ersten burgenländischen Brigade des BundeshecrcS Genc, ralmajor i. R. Rudolf Gaspari in seiner Wohnung durch zwei Schüsse in die linke' Brust getötet. Nervenleiden war anscheinend die Ursache des Selbstmordes. Deutsches Flugzeug verunglückt. Zwischen Köln und Frankfurt a. M. ist Freitag vormittag kurz vor 0 Uhr ein Verkehrsflugzeug mit fünf Personen verunglückt. Die fünf Fluggäste und der Flugzeugführer wurden leichtverletzt; der F u n k m a s ch i- ni st Hägele fand den Tod. Die Ursache des Unfalles konnte noch nicht aufgeklärt werden. Sowjetrussischer Städtebau. Dieser Tage wurde mit dem planmäßigen Bau einer neue» sozialisttschen Stadt unweit des elektrochemischen Kombinates bei Tschirtschik sZc utralasicn) begonnen. Die Stadt soll auf einer Fläche von vier Ouadratkiloinetern erstehen und für 40.000 Einwohner Raum bieten. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» aus den Programm««» Sonntag Prag, Sender L.: 6.80: Gymnastik, 8.30: Ein- übungsftunde der Hk. Arbeiter-Olympiade, 10: Konzert des Ondricek-Ouartettes. 12.15: Aus Operetten, 17.80: Jüdische Musik, 17.55: Deutsche Sendung: Begrüßung durch Dr. Puschel für den allgemeinen Sport- und Turntag, 18: Haydn: Ritter Roland, 10.05: Populäre Lieder, 22.20: Wagner: Aus den„Meistersingern".— Sender S.: 14.30: Deutsche Sendung: Landwirtschaftsfunk, 15,80; Frauenfunk.— Brünn 17.80: Schallplatte», 17.55: Deutsche Sendung: Sechzig Minuten, Hörspiel. 10.05: Orchesterkonzert.— Mühr.-Oftrau 10.05: Unterhaltungsmusik.— Pressburg 10.05: Bach: Kla- Vierkonzert.— Raschau 16: Populäres Konzert. 33. 1S3t «eilt 5 TROTZKI Geschichte der russischen Revolution Bd. 1: Die Februarrevolution Bd. 2: Die Oktoberrevolution Beide Bünde zusammen nur Ki 110— Jeder Band einzeln KC SO— Bestellungen an die Zentralstelle für das Blldungsweson PRAHA XII, Slczskä 13 Die Katastrophe„Funse" Kawal, 22. Jmn. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat die LGPU im Zusammenhang mit der ExplosionSkalastrophe„Funse" 11 Verhaftungen vorgcnommen. Mit weiteren Verhaftungen ist zu rechnen. Der Schaden beträgt über 2 Millionen Rubel. Aeuarivehrleute tranken aus Futtertrögcn. Im Chicagoer städtischen Krankenhaus starb ein Feuerwehrmann und 40 weitere Feuerwehrmänner werden dort an typhiosem Fieber behandelt, das sie sich bei der Löschung deS Brandes der Chicagoer Schlachtvieh Markthallen am IS. Mai zuzogen. Die Feuerwehr löschte ihren Durst bei der Bekämpfung des Brandes aus den Futtertrögen des Viehs, in welche man das Wasser aus den dortigen Wassergräben geleite! hatte, da Wassermangel herrschte nnd von wo auch das Wasser zum Feuerlöschen genommen wurde. An der BeobadUungsstation des Krankenhauses befinden sich noch weitere 20 Feuerwehrleute, die Anzeichen von Ruhr austveisen. llbauffeure gegen Chauffeure. Die kommu- n i st i s ch e Gewerkschaft der Droschkcnchausseure in Paris hat beschlossen, am Tage deS Pferderennens um den grasten Preis von Paris am 24. Juni in einen 21 stündig en Proteststreik zu treten, weil die zuständige Behörde angeblich ihr Versprechen nicht gehalten hätte, das sie den Auto droschkcnchauffeurcn beim Generalstreik im April gegeben hätte. Dieses Versprechen bestand vor allem darin, die C h a u f s e u r e als f c st b e s o l d e t e Angestellte anzuerkennen. Die Vereinigte Gewerkschaft der Autodroschken- fübrer, die aufgefordert worden war, sich diesem Proteststreik anzuschlichen, hat dies aber abgelehnt mit der Begründung, daß der graste Preis von Paris eine ausgesprochene Volksveranstaltung sei und die Autodroschkenführcr ihren Lebensunterhalt dank dieser im grasten Diahe bestritten. Ansterdem habe sich die Pariser Bevölkerung de» Droschkcnführcrn gegenüber stets sehr freundlich erwiesen. Dos Beruhen er Unglück. Den Rettungsmannschaften auf K a r st e n- Z e n t r u m ist es in der Nacht zum Freitag gelungen, die vier weiteren Kameraden tot zu bergen. Ein Mittel gegen die Vertauschung der Reu. zetorrnen in Kliniken. In der Frauenklinik in Debra c z in hat man nach langwierigen Experimenten eine neue B.ezeichnungSmethode erfunden, durch welche das alte Problem, wie man sich in gynäkologischen Anstalten gegen die Vertauschung der Neugeborenen schützen soll, restlos gelöst wird. Die bisher angewandten Methoden haben alle bisher mehr oder weniger versagt. Die Aerzte der obigen Kliniken haben eine sehr zweckmäßige Bczeichnungsmethode gefunden. Es wird aus einer.Höllensteinlösung und au« dem Farbstoff Pyrolblau eine Mischung hergestellt. mit der man mit Hilfe einer gewöhnlichen Stahlfeder auf dieHaut schreiben kann. Nach einigen Minuten wird die Schrift trocken und kann mit Wasser nicht mehr adgewaschen werden. Die Schrift bleibt mindestens zwei Wochen gut erhalten. Sie gewährt also einen vollen Schutz gegen die Verwechslung in den Gebäranstalten. Weltmeister im Dchlangenbeschwören. An dem dänischen Orte Hirtshals bei Hjörring hat sich eine hübsche kleine Schlangengeschichtc zugctragcn, die zum Glück ein heiteres Ende fand. Ein sechs- sähriger Knabe fand beim Spielen in einer Sandschlucht acht lebendige Kreuzottern von mehr als zwölf Zentimeter Länge. In der Meinung, cs seien Fische, steckte der junge Nimrod die zischenden Schlangen in die Hosentasche, um sie seiner Mutter zu bringen. Zu Hause warf er sie mit der Bemerkung, er habe einen schönen Braten mitgebracht, auf den Fußboden, wo sie sofort zischend in Kampfstellung gingen. Die erschrockene Mutter erkannte blitzschnell den Irrtum ihres Sohnes und rief eine Nachbarin herbei. Den beiden Frauen glückte cs, die Schlangen totzuschlagen, ehe sic Schaden anrichten konnten. Hitlerfreunden ins Stammbuch h. b. Herzerfrischende Worte gegen heim- llche und offene Freunde des Dritten Reiches hat in diesen Tagen die.Kopenhagener Zeitung„Ex- lrabladet" gefunden. Wir wollen sie wegen ihrer erfreulichen Eindeutigkeit hier im Auszüge vcr- öffenilichen. Die Vorgeschichte ist folgende: Deutsche literarische Kreise hatten eine Einladung der dänischen Schriftstellervercinigung veranlaßt und diese Bereinigung hat diese Einladung nicht abgelehut. Hören wir, wie das linksbürgerlichc Blatt diese Tatsache beurteilt: »Wie kann es der dänischen Schriststellerver- einigung einfallen, eine Tat zu begehen, die allen wirklichen Dänen wie eine Judastat, wie Verrat vor- Jugoslawien, Deutschland, Frankreich Von Dragutin. kratisch genug, um die Verherrlichung eines blutbesudelten und stumpfsinnigen GewaltregimcS in einem Nachbarlande durch überhitzte Zeitungschreiber kühl abzulchnen und die Belgrader Regierung kennt zu genau die wirklichen außenpolitischen Interessen de« Lande«, um Extratouren zu tanzen, wie sie gerade wieder der polnischen Staatskunst belieben. Sic weiß, daß ihr Herz die Nazis nnr nach Rom und B u d a p e st zieht, und solange dort die volksfeindlichen Regierungsmethoden von heute herrschen, hat Jugoslawien allen Grund, vor dem italienischen Imperialismus, der nach Dalmatien schielt, und dem magyarischenRevisio« ni S m u S, der nach Syrmien giert, auf der Hut zu sein. Mit der Tschechoslowakei und Rumänien, die Ungarn gegenüber in der gleichen Lage find, bildet Jugoslawien darum den Block der K l e i* nen Entente, deren Magnetnadel unverrückbar nach Frankreich weist: an der Aufrechterhaltung der Friedensverträge von 1010 ist den Regierungen in Belgrad, Prag und Bukarest wie dem Quai d'Orsay alles gelegen. Bezeugten im Laufe des Jahres schon Benes und TituleSeu dem großen Protektor an der Seine ihre Reverenz, so dient auch die Reise JeftischS, des Vaters des Baitanpakts, vor allem der Unterstreichung der Tatsache, daß auf Anruf aus Paris die Kleine Entente sofort einmütig: Hierl antwortet. Ief< t i t s ch in Paris heißt: Jugoslawien verkauft gut und gerne seine überschüssigen Eier und Dörrpflaumen an Deutschland, aber mit Frankreich marschiert cö im gleichen Schritt und Tritt, lieber dieses rein Demonstrative hinaus hatte die Meldung deS jugoslawischen Außenministers am Quai d'Orsay den Ztveck, gewisse aktuelle Fragen durch- zusprcchcn, wie den Wunsch Frankreichs, Rom und Belgrad einander anzunähcrn. Brennender ist das Problem der Unabhängigkeit Oesterreichs. Was soll werden, wenn, zunächst in der Form einer Bundespräsidcntschast de« Erzherzogs Eugen, die Habsburger zurückkehren? Jugoslawien muß sich mit allen Kräften gegen eine solckie Möglichkeit sperren, denn das Erzhaus, einmal in der Macht, bedroht alle Nachfolgestaaten mit zügellosen RevisionSgelüsten. Auch glaubt Jeftitsch nicht an die einlullende Versicherung mancher Staatsmänner größerer Länder, daß die habsburgische Restauration dem Anschluß einen Riegel vorschiebe, da sie nach seiner Ueberzeugung der Hakenkreuz-Propaganda in Oesterreich neuen Auftrieb geben werde, und der französische Außenminister B a r t h o u teilt durchaus diese skeptische Ansicht. Natürlich dient der vor der Tür stehende Besuch BarthouSin Belgrad und Bukarest ebenfalls der Befestigung deS Stabilitätssystems, das sich in der engen Bindung der Kleinen Entente an Frankreich ausdrückt. Aber obwohl in unserem Erdteil ein Staat nach dem andern im fascistischen Eis zu vergletschern scheint, steht die Welt nicht still. Im Tops der europäischen Diplomatie gärt und brodelt es, und Neues will sich begeben. Wird Mussolini nach der Zusammenkunft von Venedig versuchen, Deutschland einen glatten Rückweg in den Völkerbund zu bahnen? Und wie stehl cs mit Sowjctrußland, das, von der gesamten Kleinen Entente anerkannt, ein stets aktiverer Faktor der europäischen Politik zu werden verspricht? Wie dem auch sei, der Stand der Gestirne am internationalen Himmel ist nicht für das»Dritte Reich". sich ein jeder Bandit so viele Gewehre kaufen, wie er nur will. Die Polizei ist jedoch auch deshalb machtlos, iveil die Gesetzgebung nicht einheitlich ist. Jeder der 48 Staaien hat ja das Recht, Gesetze zu erläge». So kann es z. B. geschehen, daß ein Neiv Norkcr Defraudant, dem es gelungen ist, in das nahe gelegene New Jersey zu flüchten, dort in voller Sicherheit ist. Um seiner wieder habhaft zn werden, muß erst ein umständliches Auslieferungsverfahren cingeleitet werden, als tvenn New Jersey nicht in der Union, sondern sagen wir in Brasilien liegen würde." Eines der intcreffantesten Kapitel des Berichte- ist eine Statistik, in welcher die„Kriminalrekorde" von sieben der größten Städte Amerikas verglichen werden. Diese Statistik(die Zahlen beziehen sich auf je 100.000 Einwohner) sicht folgendermaßen aus: tes die Blut- und Sündenstatistik deö vorigen Jahres, über die Kosten, die die Vcrbrecherbekämpsung dem Staate verursachte, und über den Jahresumsatz, der durch die Verbrechen erzielt wurde. Diese Statistik mutet in ihrer Nüchternheit geradezu phantastisch an. Hier eine kleine Blütenles« aus diesem grauenvoll gruseligen Bericht. Der Staat New Dort allein hat bei 10 Millionen Einwohnern 80.000 Polizisten. In den 48 Staaten stehen insgesamt etwa 400.000 Mann im Dienste, der Polizei. In der U.S.A. gibt es nicht weniger als 3.700 Zuchthäuser und Gefängnisie. Die Zahl der d. Z. Verhafteten beträgt Wer 1,200.000. Aber auch das gewaltige Heer der 400.000 Sicherheitsbeamten ist zur Bekämpfung des Verbrechertums nicht ausreichend. In Amerika wurde voriges Jahr alle 48 Minuten ein Mensch ermordet und fünfzig Menschen wurden schwer verwundet, insgesamt geschahen in den Staaten in diesem einen Jahr 12.000 Morde. Natürlich sind die Zahlen der Raubübcrsällc und der Einbrüche auch entsprechend hoch: es wurden im Verlaufe des letzten Jahres etwa 30.000 Menschen überfallen und fast 40.000 Einbrüche begangen. Der Ausschuß versucht auch eine Erklärung dieses riesigen Anwachsens des Verbrechertums zu geben.„Die Räuberbanden sind durchwegs stark organisiert", erklärt der Bericht,„während man von der Polizei nickt dasselbe behaupten kann. In den Staaten ist der Waffenhandel frei und so kann auf das Konto der Geld- BemerkenSwcrt ist noch, die Verbreckcrbekämpfung mehr gekostet hat. Diese Immer«eiter abwörte Nach dem Ausweis der Deutschen RcickSbant für die zweite Juniwoche hat sich die Schrumpfung des Gold- und Devisenbestandes fortgesetzt. ES sollen nur noch für 04 Millionen Reichsmark in Gold und für 6 Millionen Reichsmark deckungsfähige Devisen vorhanden sein. Das Dcckungsver- hältuis ist aus den tiefsten Stand von 2.9 Prozent gesunken. VMM M LIM Die Wirtschaftsbe-iehuuge» zu Palästina In Prag hat sich eine tschechoslowakisch-pälä- stincnsischc Handelskammer konstituiert, die dem praktischen Ausbau der Wirtschafisbcziehunge» zwischen den beiden Ländern und darüber hinaus der Ausnützung der sich in Palästina ergebenden GcschäftSmöglickkeitcn nack> den anderen Ländern Vorderasicnö dienen soll. E» wird dieser neuen Handelskammer somit bei dem Vorstoß, den der tschechoslowakische Export in der Ricktung auf den nahen Orient unternimmt, eine nickt unwesentliche Rolle zugewiesen. Bisher sind mit den Ländern des nahen Orients von der Tsckockoslo- wakci kaum ins Gesicht fallende Wirtsckaftsbezie- hungcn unterhalten worden. Wenn Palästina und auch die übrigen Staaten, wie Porsten, Afghanistan, Mesopotamien, Arabien usw., nickt über gewaltige Millionenmassen von Bevölkerung verfügen, so bieten sic unserem Export dock manche Chance. Palästina mit seinen ctlva 1,209.000 Bewohnern befindet sich seit 1927 in einem wirtschaftlichen Ausstieg; es enttvickelt eigene Industrien, die zunächst nur der Befriedigung des heimischen Bedarfs dienen. Die Einfuhr Palästinas ist von 7.8 Millionen englischen Pfund im Jahre 1932 auf 11.1 Millionen Pfund im Jahre 193.1 gestiegen. Ein Pfund ist ctlva 121 Kd.— Die Tschechoslowakei konnte ihre Ausfuhr nach Palästina im Jahre 1983 um 80 Prozent steigern. Diese günstige Entwicklung hat auch in den ersten Monaten dieses Jahres angehalten. Die Ausfuhr Palästinas entfällt überwiegend auf Orangen, von denen 1933 4,200.000 Kisten für knapp zwei Millionen Psimd anSgeführt wurden. Die gesamte Ausfuhr des Landes ist gegenüber 1932 von 2.1 auf 2.9 Millionen englische Pfund im Jahre 1933 gestiegen. kommen muß? In dem Lande, mit dem die Herren 1 freundschaftliche Höflichkeiten auStauschcn, ist alle GeisteSsreiheit unterdrückt, die Bücher und Zeitungen, die den Machthabern nicht behagen, werden verboten und verbrannt, und die Verfasser oder Redakteure werden in Gefängnisse oder Konzentrationslager gebracht. Eine große Zahl deutscher Dichter befinden sich im Exil, es ist verboten, ihre Nmnen zu nennen in dem Lande» zu dem sie gehören. Der berühmteste dieser Verfasser ist Einstein— wenn er nicht geflüchtet wäre, würde er nun im Gefängnis sitzen. Sein Eigentum wurde beschlagnahmt zugunsten deS Landes, für dessen Weltberühmtheit er nichr getan Hai als alle Häuptlinge des Nationalsozialismus znsam- mengenommen. Mit diesem Lande, in dem alle geistige Freiheit, alle Meinungsfreiheit und alle Pressefreiheit von Polizei und Soldaten unterdrückt ist, hat es also eine dänische Berfasierkorporation für passend gefunden, in freundschaftliche Zusammenarbeit zu treten. Lag dafür eine Notwendigkeit vor? Niemals l Wenn die Deutschen die Herren einluden, war es die simpelste Sache der Welt, mit einer höflichen Absage zu antworten. Aber man fühlte sich so beehrt, daß man gleich Ja und Danke sagte, ia, man war offenbar geehrt und geschmeichelt. Verstand man nicht, daß uns die Deutschen nicht um unserer schönen Augen willen einluden, sondern daß es ihnen darum geht, sich in den Augen des Auslandes zu rehabilitieren, indem sie geistige Verbindungen Wer ihre Grenzen hinaus schaffen? Nein, die Herren schienen überhaupt nichts zu verstehen, sie gingen sofort in die Falle. Welcher Mangel an Verstand und Gefiihll Welche Schwach- heit gegenüber einer so leicht zu durchschauenden Freundlichkeit! Anstatt ein wenig zu überlegen, katzbuckelte man und machte Kratzfüße, geehrt und geschmeichelt: o, wie nett von den Herren Nazis, uns diese Freundlichkeit zu erweisen! Daß man sich nicht schämt!" Von solcher Klarheit sind die sudetendeutschen Kulturhüter, die in„Rundschau" und„Deutschen Presse" Unterschlupf gefunden haben, weit entfernt. Aus dieser Statistik ist ersichtlich, daß Chicago ausfalleird gut abschlicßt. Es stellt sich die übcrrasd)cnde Tatsache heraus, daß Amerikas zweitgrößte Stadt nicht so schwarz ist, wie man sic malt, daß sie nicht an der Spitze der Süirdenstati- stik steht, sondern daß ihr zwei andere Städte vor- angchcn. Detroit führt in Morden und das verhältnismäßig kleine St. Louis in Raubüberfällen. Aber auch in Einbrüchen gebührt Chicago nicht der Ruhm.„Erster" zu sein. In Chicago wurden bei über drei Millionen Einwohnern 4088 Einbrüche verübt, während Los Angelos mit seine» 1,300.000 Einwohnern 8871 Einbrüche zu verzeichnen hat. Die Verbreche rtickänipfuirg verschlingt natürlich Unsummen. Aber weit mehr kosten dem Staat und der Allgemeinheit die Verbrechen selbst. Die Raubüberfälle und Einbrüche, Bankraub miteinge- rccknct, macken nickt einmal einen so großen Posten aus. Die Tätigkeit der Geldfälscher, der Schcckbetrügcr und anderer Gauner kosten viel mehr. Die Bcrbrccherbekämpfung kostet etwa fünf Milliarden. Die Einbrecher verursachen einen Schaden von fast einer Diilliarde, die verbleibenden 714 Milliarden fallen falscher und Betrüger, daß im Jahre 1938 eine Milliarde Dollar Milliarde verschlang der Kampf für die Prohibition. Leo Barth Den Besuch, den einige Paladine deS»Dritten Reiches" unlängst Jugoslawien abstatteten, hat der jugoslawische Außenminister Jeftitsch prompt erwidert: in P a r i S l Zivar hieß eS, daß Herr G o e r i n g und Herr R o c h m nur privatim, der eine nach Belgrad, der andere nach Dubrovnik(Ragusa) gekommen seien, jener auf dem Flug nach Athen, dieser zur Erholung, aber in Wirklichkeit warfen beide den Angelhaken nach der jugoslawischen Freundschaft aus. Die auswärtige Politik Hitler- Deutschlands taumelt derart von Versager zu Versager, daß man um deS Dekorums willen schon mit einem Scheinerfolg, einer Seifenblase, einem schillernden Nichts zufrieden wäre. Dieselben Burschen, die innerlich das Südslawentum als Dung für die Blüte der deutschen Hcrrenrasie betrachten und die balkanischen„Schlawiner" und „Untermenschen" bis gestern zu bespucken pflegten, boten darum die Freundschaft Deutschlands den Jugoslawen in einer so anreißerischen Art an, wie sie von ihresgleichen sonst den aus dem Osten stammenden Trödeljuden in der Berliner Grenadierstraße zugeschrieben wird. Auch mit positiven Vorteile» für Belgrad wartete Deutschland in Gestalt eines Handelsvertrages auf, der den jugoslawischen Agrarerzeugnissen den deutschen Markt öffnet, und falls über Politisches nicht gesprochen wurde, so schwirrte doch wieder das Gerücht umher, daß die Hakenkreuz-Diplomatie bereit sei, an Jugoslawien ein Stück Kärnten abzutretcn, falls Jugoslawien dem Anschluß Oesterreichs an Deutschland zustimmc. Warum, wenn man schon Tirol verraten hat, sollte man nicht auch Kärnten verschachern! In gewissen Kreisen fanden die Licbeswer- bungcn der G o e r i n g und R o e h m auch ein günstiges Echo. Von der halben Million Deutscher in der Vojvodina und im Banat, der„Schwaben", erst gar nicht zu reden, deren Organ»Deutsches Volküblatt" mit Heil Hitler! aufsteht und mit: Heil Hitler! zu Bett geht, haben sich einige längst mit der Demokratie überworfene serbische Nationalisten mit dem Hakenkreuz- Fascismus angcfrcundci. Die BcgeisterungSauS- brüche des großen Belgrader Blattes..V r c m e" darüber, daß die Nazis„eine neue Gesellschaftsordnung, ja, eine neue Menschheit" aufbauen, werden immer ein Schandfleck in der Geschichte der jugoslawischen Presse bleiben, und ein besonderes Kapitel bildet auch der Besuch der jugoslawischen Journalisten in Deutschland, wo sie nicht nur den Arm zum Fascistengruh hoben, sondern auch, trunken von Enthusiasmus und Rheinwein, das Horst-Wesicl-Lied anstiuuuien. Daß die wahren Pioniere einer wahren jugoslawisch-deutschen Annäherung MännerderdeutschenLin- k c n waren, daran dachte in diesem seltsamen Verbrüderungstaumel niemand; selbst der jugoslawische Gesandte in Berlin, B a l u g d sch i t sch. wagte nicht bei den verschiedenen Frühstücken und Festessen durch Erwähnung seines verstorbenen deutschen Kollegen in Belgrad, Koste r, dcsien Name ein Unterpfand deutsch- jugoslawischer Freundschaft ist, bei den braunen Machthabern Anstoß zu erregen; Köster war ja„Marxist". Aber das jugoslawische Volk in seiner Masse ist trotz der parlamentarisch kaum verhüllten Diktatur, die cs über sich ergehen lassen muß, in seinen Ur- und Grundtricbcn demoDas größte amerikanische Geschäft r Verbreche» Jahresumsatz 13) y Milliarden Dollar Der StcasauSschutz deS Washingtoner Scna- veröffentlicktc dieser Tage seinen Bericht Wer GEDENKET bei illen Anlässen der Arbeiterfürsorge! Stadt Einwohner zahl Zahl der Morde% Raubüber- fälle% New Aork 8.064.484 857 5.9 1172 19.2 Chicago 3.102.800 285 9.2 5187 165.8 Philadelphia 2.085.900 182 8.1 681 81.6 Detroit 1,334.500 179 18.8 1968 151.3 Los Angeles 1,800.000 8« 4.2 1287 05.2 Cleveland 984.000 68 6.8 1486 148.6 St. Louis 889.200 96 12.0 2444 305.5 •etfe 8 .®»sWbeH»frirf* SfltttWnfl, 38. Stttri«84. M.MB Wir empfehlen das HOTEL'DAX, Bratislava Stefanikstraße 81. 8 Minuten vom Bahnhof. BOrgl. Haus, MenOs Kö 6'-. Fremdenzimmer von KÖ12- an Vcrclnsnadulditcn find hl den PRAfiER ZEITUNG Literatur dcs Zuges (zwei Sta- Ausstellung für Bühnenbild-Kunst. Anläßlich der diesjährigen Absolvcvtcnabcude hatte die Prager Deutsche M u s i k a k a d e m i e im Kleinen Saale der»Urania" eine Ausstellung für Bühncnbildkunsl veranstaltet, in der Arbeiten der Schüler Prof. Emil Pirchans, dcs Leiters der neuen Abteilung für BÜH- ncnknnst, gezeigt wurden. 1' aus dem 1, in der BolkSstnggemeinde. Dringende Probe fzu dem am 7. Juli stattfindenden BegrüßungSabend des OlYmpiade-AuSschusseS im Närodni düm in Eml- chov) im Probelokal am DienSIag, den 28. Juni mn S Uhr Abend in der Befeda. Erscheinen sämtlicher Sangesgenoffen Pflicht i Humor des Svejk vom Kriegsschauplatz in die Straf« anstalt verlegt. Der Fehler des Film«(der hier In einer nicht sehr geglückten, aber gerade deshalb sehr komischen deutschen Version gezeigt.wird) ist seine Unent« schlossenheit. Er kann sich zwischen der bloßen Spatzmacherei und der höhnenden Satire auf den„beffern« den" Drill des Strafvollzugs nicht entscheiden— und er wirkt manchmal sogar tvie ein peinlicher Versuchs die realistischen Filme ans dem amerikanischen SträslingSleben parodierend zu bewitzeln.»—eis— ängstlich und hinreißend dumm... sammen ein so unwahrscheinliches Paar, datz auS jeder Situation, in die sie sich begeben, gleich eine doppelt schwerfällige und doppelt tolle Narrheit wird. Was sie in den ersten Szenen dieses Film „hinter Gittern" erleben(im Gefängnis also, in das sie als Verletzer der Prohibition geraten, die zur Entstehungszeit dieses Films noch in Kraft war), das ist wahrhaftig sehenswert: wie sie vergeblich Gleichmut und Würde wahren wollen, wie sie mit mihverstandener Höflichkeit ihre Lage verschlimmern, wie sie auf einer viel zu schmalen Pritsche unverdrossen uni eine viel zu kurze Decke kämpfen, wie sie sich beim Zahnarzt trösten, um nachher doppelt laut zu schreien. Aus solchen Szenen hätte ein Film werden können, der den zähen und unbekümmert listigen Interpretation zu schließen, ist Kapellmeister Fritz Zweig ein vor allem impulsiver Musiker, der seiner Ausgabe mit ganzer ehrlicher Hingabe dient, der an sie als Diener des Werkes herantritt. Aber seine Impulsivität verleitet ihn oft zu starken Uebertrei- bungen der Zeitmaße, was auf Kosten der Klarheit und Sauberkeit des musikalischen Bildes geht. Seine impulsive Art bringt es mich mit sich, datz er als Rhythmiker mehr zu geben hat denn als Dynamiker, datz seinen dynamischen Dispositionen die auSglci- chenden llebergänge fehlen. Ader gerade deswegen, weil Zweig ein Temperamentsmusiker ist, dürfen wir von seiner Dirigententätigkeit viel Jntereffantes und Neues erwarten. Als Isolde sah und hörte man Anny K o n e tz n i. die hvchdramatische Sängerin der Wiener und Berliner Staatsoper. Diese Sängerin imponiert vor allem durch die Grötze und Kraft ihrer Stimme in der obersten Quart, während die verschleierte Mittellage und matte Tiefe auffallcn. Auch die absolute Tonreinheit lätzt manchmal zu wünschen übrig. Und die Deklamation ist zu weich und zu tvenig akzentuiert, was zur Folge hat, datz die lyrischen Stellen mehr überzeugen als die dramatischen. Hinsichtlich der Darstellung fehlt cs dieser Isolde an der entsprechenden miterlebenden Leidenschaftlichkeit und inneren Glut. Schwere Enttäuschung bereitete der zweite Gast des Abends, der Frankfurter Tenor Albert S e i b e r t als Tristan, ein Sänger, dessen gute Zeiten vorüber sind, der durch übertrieben nasale Tongebung seine stimmlichen Mängel verdeckt, dessen Fortetöne rauh klingen und der auch als Darsteller eine unglückliche Figur machte. Nenbcsetzt mit heimischen Kräften tvaren: die Brangäne mit Frau Lydia K i n d e r m a n n. die bis auf eine kleine Unruhe im Ton sehr schön sang und eindrucksvoll spielte, der Kurwenal mit Herrn Hotter, dessen klangvoller Bariton ebenso zur Geltung kam tvie seine tvarmherzige Darstellung, und Herr H a t t e m e r als Steuermann und Hirt. Sehr mit in Ton und Haltung wirkte Andersens König Marke. Das gut besuchte, aber keineswegs vollbesetzte HanS kargte nicht mit Beifall, für den sich neben den Hauptdarstellern auch der Dirigent bedanken konnte. E. I. ,’ Wolleyballspiel, Baden. Rückfahrt von Neratovicc. Gehzeit 2% Stunden insgesamt. Fahrpreis 8.40 Ke. Führer Schal. Arbeiter-Olympiade. Die Mitglieder werden ersucht, sich zur Führung für die Olympiade bereit zu stellen. Anmeldungen jeden Freitag von 6 bis ■48 Uhr in der Gesck>ästSstelle Prag ll.. Narodnt ti. Nr. 4. 2. Stock. Telephon Nr. 48869. BadcauSflug ins Beramrtal morgen. Sonntag. Erste Partie, Futzgänger: Abmarsch Punkt 7 Uhr früh ab Endstation der 5 in Hlupokepy. Zweite Partie, Bahnfahrer, sind spätestens 8 Uhr früh am Bahnhof Smichov. Abfahrt Retourkarte nach Radotin Mitteilungen aus dem Publikum. Zur Wiederbelebung der von der Arbeit- ermatteten Nerven, zur Beseitigung der Muskelgifte, die den Blutkreislauf hemmen, erweisen sich Einreibungen mit dem Menthol-Franzbranntwein Alpa als ganz wunderbar. Heute halb 8 Uhr, letzte Aufführung von Händels„Josua",. Bei volkstümlichen Preisen. Alle Galeriesitze Kö 6.—, alle Parterre», Balkon- und Logenplätze im 2. Rang Kö 12.—, Fauteuil- und Lo- gcnsihe im Parterre und 1. Rang Kö 18.—, Dirigent: Schmidt. Wochenspiklplan des Neuen Deutschen Theaters. Sam-tag: Josua.— Sonntag halb 8 Uhr: Die keusche Susann«, AA.— Montag 8 Uhr: Gastspiel Paul Ludikar: Der Jakobiner C 2.— Dienstag, halb 8 Uhr: Das Kamel geht durch ein Nadelöhr, A 2, Gastspiel Kramer-Glöckner, Bankbeamte und freier Verkauf, — Mittwoch, halb 8 Uhr: DerZigeunerba- r o n, neueinftudiert, AA.— Donnerstag, halb 8 Uhr: I m weiße» Rötzl, Volkstümliche Vorstellung, AA.— Wochrnfpielplau der Kleinen Bühne: SamStag: Wo war ich heute Nachtl' Sonntag 8 Uhr: S t r a tz e n m u s t k.— Montag: Geschlossen.— Dienstag: Geschlossen.— Mittwoch 8 Uhr: W o war ich heute Nacht? Gastspiel Kramer-Glöckner.— Donnerstag: Geschlossen.— Tristan und Isolde Mit Richard Wagners lyrischem Musikdrama „Tristan nnd Isolde", dem persönlichen Werk« des Meisters, in dem er Liebe und Schicksal unvergleichlich glutvoll und hinreitzend besang und in dem er ein noch immer unerreichtes Beispiel für das lyrisch und dramatisch gleich starke Musikdrama gab, wurden vorgestern die M a i f e st s p i e l e des P r a g e r Deutschen Theaters beschlossen. Die für den Fesianlatz notwendige N eu e i n st u d i e» r u n g der Oper hatte als Gastdirigent Fritz Zweig besorgt, der langjährige Charlottenburger Opernkapellmeister, der berufen ist, die Opernherrschaft in der nächsten Spielzeit des Deutschen Theaters mit dem bisherigen Opernchef Prof. S z< l l zu teilen. Nach seiner„Tristan"-Neueinstudierung und baust und Wissen Aristophancs:„Die Vögel" (Nationalthrater.) Die klassische Kontödie, aktuell zurechtgeschnitten und tm Stile der von VoLkovcc und Werich erprobten und bewährten politischen Revue ansgcführt, hat ihr« Wirkung nicht verfehlt. Aus der Bühne tummelte sich diesmal fast ausschließlich die Jugend, denn die Rollen waren dem Bühnennachwuchs zugeteilt, der mit Hilfe von Milka Mayerovas Bewegungsstudio viel Freude am Spiel und Lust an aktueller Satire zeigte. Zwei gesellschafismüdc Abenteuerer, die vor Menschen und Kriminal ins Bogclreich flüchten, sich zu Tikratoren Helfer entwickeln, um einen rassenreinen, militärisch-imperialistisch organisierten Bogel- ftaat zu gründen, muten ganz modern im weitesten Sinne des Wortes an, politisch up-to-date. Wie sich die zwitschernde Vogelschar, einherstolzierend oder trippelnd cinordnet ins gleichgeschaltete Regime, wie die selbstbewußte Geste und der gottesähnliche Dunkel de» Diktators, mit der Macht wachsend, in der Sorge um den Ausgang des nicht absolut sicheren Abenteurers mit den kapitalskräftigen und fapitalslüster- ncn Schmarotzern paktiert, wer würde da nicht hinter jedem Tatze eine Parallele suchen? Die wirkungsvollen Seitenhiebe auf den Klerus, der seine Gebete heute dem Zeus und morgen dem Diktator und den mächtigen Vogelheiligcn widmet, das Vogelgezwitscher des Wortes.Vüdee", das im raschen Tempo als „Duce" ausklingt, sanden viel heiteres Verständnis. Nie klangen aktueller die grob-bitteren Worte von Arbeitern, Arbeitszeit, Krieg und Kriegsbcgcisteruug, als in unserer Zeit, nie ironischer die Hilflosigkeit der Götter, die mit Machtdiktatoren Frieden schließen, weil die Picnnige in Form von Opferrauch spärlicher fließen. Ter scharfe Witz traf heute so gut wie vor mehr als 2000 Jahren und wurde unterstrichen und gehoben durch die sorgsam eiiistndierte» Tänze, die den Szenen in der Bogcstvelt das trippelnde und tänzelnde Gepräge geben- Die einzelnen Vogelarten waren im Hinblick aus die darzustellcnden Menschcn- galtunacn gut charakterisiert. Das Nationaltheater hat nicht unrecht getan, diese klassische Komödie im heutigen Gewände herauszubringcn und durch aktuelle Anspielungen dem Zuhörer mancherlei zu Gemüt« zu führen. Die Ausstattung und Tempo des Spieles waren trotz der vorgerückten Saison frisch und versprechen auch nach den Ferien eine Anziehungskraft auszuüben. m. i. T. G. Btasaryk: Ersta demokrarlr» Verlag „Ein" Prag, 676 Seiten, 77 Bilder. Preis broschiert 70 Kö, gebunden 82 Kö. Das Buch bildet den zwei- ten Band der schriftlichen und mündlichen Denunziationen des Präsidenten der Republik und umfaßt Iden Zeitraum von 1021 bis 1928, tvährend der erste , Band die Jahre 1918 bis 1920 behandelt. Der vor- Seit Chaplin verschwunden und Buster Keaton liegende zweite Band enthält 281 Kundgebungen de« selten geworden ist, triumphiert das amerikanischel Präsidenten aus dem Jahre 1921, 120 Kundgebun- MMW"**■*“ 11 i aus dem Jahre 1922 und 106 Kundgebungen nu 0UUI und zum„Nibelungen» ist, ober sie m Wirkung auf mch-^ir hervor eine Arbeit des Präsidenten auf, die von der Fantasiebegabung ihrer Ber-"lstlge Zuschauer beinahe übertrifft. Sie Haven das, Jahre 1921 über die Diktatur des Proletariats, :r schönes Zeugnis gaben und auch manche^,?r?"ltviderstehuche” T? nn V, j Aeutzerungen über das deutsche Problem in der elle schöpferische Idee offenbarten. Zwar stehen tzWgmatisch.und lächerlich würdevoll, der andere Tschechoslowakischen Republik, ein vertrauliches Me- iiitinrtt AliitriHrr Arik Öriifberflh ängstlich IIRD hiiiretueno PUNiM UWO Verve AU« inorandum iiforr dir» nftrrrridnirfiF iitth ahvt pnnKiiiv, ocv«ciicto occ neuen auicnunu rut 7i a-w«»uhvhvvuh- Iiciifiinfi, gezeigt würden. Unter den ausgestellten^Spabmacherpaar Laurei und Hardy, das zwar rmt gen Z-v—-----25 Arbeiten sielen insbesondere die Szenenentwürfe zu l^nen großen Vorbildern grotesker Filmrunit nicht aus dem Jahre 1928. Als besonders interessant heben „Fidelio, zum„KreidekreiS> ring" i.. fertiger schönes Zeugnis gaben und auch manche originelle schöpferische Idee offenbarten. Zwar stehen die jungen Künstler Fritz Kruspersky, 2)i Bezug durch die Post monatlich Kö 16.—. vierteljährig Kö 48.—, halbjährig Kö 96.—, ganzjährig Kö 192.—. Inserate werden laut Tarts billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnacklatz.—. Rückstellung von Manistripten erfolgt nur bet Einsendung der Retourmarken.— Die ZettungSfrankatur wurde von der Bost- und direktion ml» jOrbiS". Druck-, Verlags- und 8eitungS-A.-G.. P^-7g