14. Jahrgang Freitag, 29. Juni 1934 Nr. 150 Der organisierte Sadismus Oesterreich in Flammen Eisenbahnattentate— Sprengstoffanschläge— Bombenexplosionen Salzburg, 28. Juni. Gestern abends wurde auf dem Mnckart Platz in Salzburg ei» Sprengkörper zur Explosion gebracht, durch den zalitreichc Fensterscheiben in den umliegenden Mausern zertrümmert wurden und sonstiger Schade ongerichtet wurde.— Nächst dem Mira» brllengarten in Salzburg explodierte spät nachts ein Sprengkörper, durch den größerer Sachschaden ongerichtet wurde. Außerdem explodierte in »er Kronachgaffe unterhalb deS Landftauses rin Sprengkörper, wodurch ebenfalls bedeutender Sachschaden verursacht wurde. Heute früh wurde das Transformatorenhaus der Starkstromleitung in Gniglge- sprengt. Durch die Sprengung ist die Licht, leitung in Gnigl gestört.— Bei Edenbauer und Srrlirchrn wurde versucht, durch Sprengkörper, bestrbrnd auS Ammonit, die Geleise zu sprengen. Der Schaden wird bald behoben werden. Auf die Salzburger st ädtischeWasser- leitung wurde zwischen Leopoldskron und der Salzburger Stadtgrenze ein Sprengan» schlag verübt. In der vergangenen Rächt wurden bei der EisenbabnbrUcke nächst»dem Schloß' Fischftorn in der Nähe von Bruck an der Glöckner- straße vier Burschen von der Schntzkorpspatrouillr angrhalten. Die Burschen flüchteten jedoch unter Zurücklassung von vier Rucksäcken. Die Schutz- korpSpatrouille sandte den Flüchtenden einen Schuß nach, ohne jedoch zu treffen. Die Rucksäcke enthielten 26 Bomben im Gewicht von 26.?» Kilo gen mm, weitere Sprengpatronen im Gewichte von 7.5 Kilogramm, eine Handgranate, eine adjustierte Weckeruhr, 1.66 Kilogramm Zündschnüre, viele Sprengkapseln, Pistolrnmunition, einen Sack Pfeffer usw. Das gesamte Material ist reichsdeut, scheu Ursprunges.— Auf der Bahnstrecke zwischen Annif und Grödig wurde ein Rucksack, enthaltend neun Stück mit Draht verbundene Blechkisten samt Zündschnüren, gefunden. In Zell am See wurde rin Radfahrer wegrn Fahrens ohne Licht angeholten. Er ergriff»nter Zurücklastung des Fahrrades und seines RucksackrS die Flucht. Der Rucksack enthielt 46 Sprengpatronen samt Taschenlampenbatterien und Uhrwerk. Zusammenstöße In Graz amtlich zugegeben Wien, 28. Juni. Dir Amtliche Nachrichtenstelle teilt mit: Gestern abends kam es in Graz zwischen Angehörigen der Selbstschutzverbände, bezw. deS OrtSfchuNeS und Soldaten zu Reibereien, dir auf persönliche Differenzen zurückzn- führen sind. Dieser Anlaß wurde von national- sozialistischen Straßrnpasianten zu einer politischen Demonstration benützt. Pollzclhauptmann durch Bombenwurf tödlich verunglückt. Wien, 28. Jnni. Der Polizeihauptmann Konrad NoSlo, der vor einigen Tagen bei einer Bomvenerplosion im Gebäude des Polizeikommissariates im Vl. Bezirk kMariahilf) schwer verletzt wurde, ist heute früh im Krankenhaus gestorben. NoSio war bei der Erplosion die linke Hand abgerissen worden. Stadentenverhände aufgelöst Graz, 28. Juni. Der Grazer SicherhcitSkom- missär hat die nationalen Studentenverbindungen .Leder",.Rontania" und„Gru-cia" in Leoben wegen illegaler nationalsozialistischer Propaganda aufgelöst, ihr Vermögen beschlagnahmt, ihrs Häuser gesperrt und versiegelt. Standgerlchtsurtelle Wien, 28. Juni. Die StandgcrichtSprozesse gegen die nationalsozialistischen Bombrnattentäter werden fortgesetzt. Heute wurden in Wie» wieder zwei junge Nationalsozialisten verurteilt, und zwar der 26jährige Bäcker Karl Maner und der 2ljährige Mechaniker Erich Gervais,'die in ihren Wohnungen Sprengstoffe aufbewahrt hatten und einige Bombenanschläge in Hainburg und Umgebung verübten. Sie wurden jeder zu sechs Jahren schweren Kerkers verurteilt. Schlecht gespielte Komödie Wien. 28. Juni. Als gestern abends der Hauptmilarlwiter Bizebürgermeister Winters, Josef Knoll, der Chefredakteur des gleichgeschalteten„Vorwärts"-Verlages«früher sozialdemokratisch) auf einer Protestversammlung der Mieter in den Gemeindebanten deS 10. Bezirkes sprach, wo zahlreiche Redner in scharfer Weise gegen die beginnende MietzinSerhöhung in diesen Gemeindebauten Stellung nahmen, wurde er nach seinen Ausführungen von den anlvesenden Detektiven verhaftet und auf daö Polizeikonnnissariat im 16. Bezirk gebracht. Erst nach einem Verhör und über Intervention seiner Freunde wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Heß droht mit Ersatzindustrie Berlin, 27. Jnni.(DNB.) Anläßlich der Tagung der deutschen Außenhandelskammern sprach im Auftrage des Reichskanzlers Hitler dessen Stellvertreter ReichSminister Rudolf Hetz, der u. a. auch a-* den Boykott deutscher Waren, im Ausland zur Sprache.brachte und hiebei Folgendes aüsführte:' Wir, das nationalsozialistische Deutschland, hatten die Absicht und haben sie immer wieder betont, einen regen Güteraustausch mit anderen Völkern zu pflegen, nicht zuletzt, weil dies ein Weg ist zu gegenseitigem Verständnis und damit zum Frieden. Wir wolle» durchaus nicht eine Autarkie anstreben. Ein erfolgreicher Boykott jedoch würde uns zwingen, alles zu tun, um uns, so weit als möglich, vom AuSlande unabhängig zu machen. WaS bliebe uns denn anderes übrig, wenn das Ausland uns die Möglichkeit nähme, die Mittel zu beschaffen, um draußen einzukaufen. und das dürfte das Ausland wissen: Wenn wir wirklich uns entschließen, uns vom Ausland unabhängig zu machen, dann tun wir eS mit der Entschlossenheit, die Deutschland von jeher aus- zeick'net, wenn es sich in den Grundlagen seiner Existenz bedroht fühlt. Während der letzten Monate hat mau sich in der Weltöffentlichkeit immer weniger mit den furchtbaren Vorgängen in den deutschen Gesang, nissen und Konzentrationslagern beschäftigt. Das könnte den Eindruck erwecken, als oh die Mißhandlungen und furchtbaren Bluttaten in einzelnen Lagern geringer geworden oder gor verschwunden wären. Unsere Pflicht ist es, durch wahrheitsgemäße Feststellungen der Tatsachen das Weltgewissen wach zu Italien, damit jenen, die noch zu tausenden heute in der Hand der braunen Barbaren sind, Hilfe komme. Durch Schweigen würden wir uns mitschuldig machen Wenn wir die zu uns gelangten Berichte aus den letzten Monaten betrachten, so müssen wir übereinstimmciid feststcllen, daß, ob cs fick» um das Konzentrationslager Colditz oder um das Koiizciitrationslager Dachau handelt, die Methoden der Menschcnguälcreicn zwar wech- sein, immer wieder ncne Lualcn erdacht werden, aber keineswegs von einer Abstellung dieses furchtbaren Schandmals neudeutscher Geschichte gesprochen werden kann. Vielleicht ist es so, daß eine Minderheit der SA- und SS-Lcutc weder dieses Treiben billigt noch gar mitmacht. Aber die Mehrheit ist Exekutor und Zuschauer zu- gleich. Ob man aus dem Konzentrationslager in Colditz in Sachse» einen Zeugen hört oder am gleichen Tage ein Opfer aus Dachau spricht, nach allen Berichten muß inan zu der Uebcrzcugung kommen, daß alle Mißhandlungen nach einem schematischen Plan vor sich zu gehen scheinen und daß die Formen der Mißhandlungen— berück- sichtigt man alles, was darüber bekannt gewor- de» ist— immer wioder daraus schließen lassen daß nicht eine irgendwie künstlich erzeugte Em- pörnng zu diesen Mißhandlungen Anlaß gibt sondern das; es sadistische, sexuell betonte Triebe sind, die zu den Greueltaten führen. Ein junger zweiundzwanzigjähriger Arbeiter berichtet, daß er nach seiner.Ankunft in Colditz während der Vernehmung über einen Stroh- sack gelegt wurde und mit dem Gummiknüppel etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Schläge erhielt.„Wir waren alle junge Kerls", fügte er erklärend hinzu. Nach längerem Fragen stellte sich heraus, daß er mit dieser Bemerkung seine Beobachtung wicdergeben wollte, die dahin ging, daß die SA-Leute besondere Freude daran Hal- tcn, diese jungen Burschen zu schlagen. Ganz besonders übel waren die Juden in Colditz dran, die vor allem damit geguält wurden, daß man sie zu dm unangenehmsten Arbeiten, wie Latrincnrcinigung, Leerung der Jauchegruben, um nur die mildesten zu nennen, heranzog.. Und aus Dachau, dem größten Konzentrationslager in Bayern, liegen noch lvcit furcht- barere Berichte vor. Hier hat man nicht davor zurückgoschreckt— bayrischer Jüstizniinister ist der Nationalsozialist Dr. Frank I I!—, die Menschen zu Tode zu foltern. Zwei uns bekannte Ge- währömänncr sagen übereinstimmend aus, daß sie selbst nicht mißhandelt worden seien. Miß- handelt wurden Juden, Funktionäre und solche Gefangene, die einen besonderen Vermerk hoben. Trotzdem kann es sehr wohl Vorkommen, daß ein ganzer neu ankommender TrairSport mißhandelt wird. Lassen wir uns über Dachau folgendes im Zusammenhang sagen: Die Arbeiten, die die Ge- sangcncn zu verrichten haben, bestehen in Bauarbeiten für das Lager, Geleisearbcite», Arbeiten in den Kiesgruben. U. a. sind auch in Dachau 83.000 Militärschränke hergestellt worden.. Für den Sommer besteht folgende Arbeitseinteilung: 3 Uhr früh aufstehen, 6 Uhr antreten zum Ar- beitsdicnst, um 12 Uhr Einmarsch zum Mittagessen. Von 2 bis 6 Uhr erneut Arbeitsdienst, 7 Uhr Essen, 8 Uhr Zählappell, 8.30 Uhr schlafen gehen. Das Essen war anfangs besser, jetzt besteht cL aus: morgens schwarzer Kaffee und «« Südbahnstrecke verwüstet Wien, 28. Juni. In der Nacht auf heut« Wurde wieder eine ganze Reihe von Anschlägen auf Eisenbahn- und Telegraphenobjckte in Oesterreich verübt. Es wurden wioder große Materialschäden verursacht, doch sind den ersten Nachrichten zufolge keine Menschenopfer zu beklagen. Die erste konkrete Nachricht kam aus Judenburg in Steiermark, wo auf der Südbahn-Strccke, drei Kilometer vor der Stadt, an zwei Stellen dieEiscn- vayngeleise durch die Explosion einer Mine zerstört wurden. Weiteren Meldungen zufolge wurden bei Amstetten die Eisenbahngeleise der Westbahn durch die Explosion einer Bombebeschädigt. Auch in Salzburg wurden an zwei Stellen die Geleise durch Bomben beschädigt. Der Verkehr mußte vorübergehend unterbrochen werden. Bei Vöcklabruck an der Westbahn wurden, ebenso wie an einigen anderen Stellen Oberösterreichs und Salzburgs Telegraphenstangen durch Explosionen umgelegt. Wie«, 28. Juni. Vor dem Gebäude des katholischen Berlages in Innsbruck fand heute früh eine Patrouille eine Bombe. Ein Mitglied des Schutzbundes warf sie beiseite in einen Garten. Die Bombe explodierte und richtete großen materiellen Schaden an. Zahlreiche Fensterscheiben der umliegenden Häuser wurden zertrümmert, viele Bäume vernichtet.— Bei dem Eisenbahnviadukt in Innsbruck wurde eine große Höllenmaschine gefunden, die jedoch rechtzeitig unschädlich gemacht werden konnte.— In Mühlau in Tirol wurde auf das dortige Elektrizitätswerk ein Bombenanschlag v e r üb t, durch den ungeheuerer Schaden verübt wurde.— In Hall in Tirol wurde auf das dortige staatl i'ch e Salzlager ein Bombenanschlag verübt, wobei ebenfalls großer Schade verübt wurde.— Auf der Eisenbahn st recke in der Umgebung von Mittenwald explodierten 3 Bombe n, wodurch insbesondere die Eiscichahngeleise bei Ehrwald und Lormos beschädigt wurden. Innsbruck, 28. Juni. In Ruch wurde heute ««'s das Elektrizitätswerk ein Sprengstoffanschlag verübt, wobei erheblicher Sachschaden verursacht wurde.— Auch in Achensee wurde durch Explosion einer Bombe erheblicher Schaden verübt. In Kufstein wurde auf die Transformatorenstation ein Bombenanschlag verübt, wobei die Station stark beschädigt wurde. Zwischen Feldkirch und Bludenz in Vorarlberg wurden die Eisenbahngeleiseherau s- gerissen, so daß der Verkehr in den Morgenstunden unterbrochen lvar. * Weitere Anschläge Wien, 28. Juni. In den Abendstunden werden weitere Anschläge und Sabotageakte gemeldet. Ans der Mariahilferstraße in Wien explodierte nachmittag ein Pabicrböllcr und bei der Universität wurde eine Tclcphonzellc durch eine Explosion zerstört. In MaiShofen bei Salzburg wurden in einer Scheune Koffer und Rucksäcke gesunden, welche 16 große und 24 kleine Ekrasitbomben deutschen Ursprungs enthielten. Zwischen AlbertS- wende und Langenegg< Vorarlberg l ist eine Holzbrücke abgebrannt. Die Behörden vennuten einen verbrecherischen Anschlag. An der„Fernpaßstraße" in Tirol bei Kilometer 6 ist in einer Mauer eine Bombe explodiert und hat Materialschaden angerichtet. 2n nächster Nähe wurden 10 Ekrasitbom- bcn von 10 Kilogramnr Gewicht gleichfalls reichsdeutschen Ursprungs gefunden. Schutzkorpsmann angeschossen Wien, 28. Juni. Gestern Wend hat der aus Bayern geflüchtete rcichsdeutsche Staatsangehörige Otto Petz, der angibt, Kommunist gewesen zu sein, in der Wohnung deS Leopold Neumann im 10. Wiener Bezirk auf den zu Besuch weilenden Angehörigen deS Schutzkorps Hubert Spengler drei Schüße abgegeben, wovon zwei Spengler in die beiden Schenkel trafen und schlvcr verletzten. Spengler wurde ins Spital überführt. Der 22- jährige Täter tmrrde verhaftet. Verhaftungen um Papen Berlin, 28. Juni. Einer der nächsten Mitarbeiter des Bicekanzlers von Papen, Doktor Edgar Jung, ist, wie Gerüchte tviffen wollen, von der Geheimen Staatspolizei gestern verhaftet worden. Es wird ihm u. a. zur Last gelegt, daß er der Mitverfasser der Marburger Rede des Vizekanzlers war, deren Veröffentlichung in Deutschland bekanntlich verboten wurde. Außerdem wurde auch Dr. Walter Schotte verhaftet, der Mitglied deb konservaiven„HrrrenklubS" ist, der gleichfalls dem Vizekanzler von Popen nahestrht. Dr. Walter Schotte ist der Herausgeber der konservativen Korrespondenz„Führerbriefr". Hindenburg neuerdings schwer erkrankt Berlin meldet, daß sich seit DienStag abends Professor Sauerbruch am Krankenlager Hindenburgs in Reudrck befindet, dessen Zustand zu den ärgsten Befürchtungen Anlaß geben. Alle Besuche beim Reichspräsidenten mußten infolge der schweren Erkrankung Hindenburgs abgewie- scn werden. Wnfteg, ft. Staff 1S3C sind ant Körper furchtbare Brandmale festgestcllt worden.„Auf der Flucht erschossen" wurden am 11. April 1938 Rechtsanwalt Be- narr. Kahn II, Goldmann, Kahn I-Miinchen, Dr. Straub-München und Direktor E. Deutsch. Ebenfalls„auf der Flucht erschossen", aber zu anderer Zeit wurden der Kommunist Stenzer, Hausmann-Augsburg, Götz-Miinchen, während von dem kommunistischen Landtagsabgeordneten Fritz Dresse! gesagt wird, daß er sich aufgehängt habe. In Dachau rechnet man die Zahl der dort Ermordeten aus 80. Das ist der Extrakt aus mehreren umfassenden Berichten, die in den jüngsten Tagen gegeben wurden. Nicht die Furchtbarkeit dessen, was sie in ihrer nüchternen Sprache enthalten, ist so erregend, nicht die erschütternde TodcSlistc, die in diesen Berichten enthalten ist; das Unfaßbare ist wohl die Tatsache, daß dieser Sadismus seit mehr als einem Jahr, seit fünfzehn Monaten wütet, ohne daß irgendetwas geschehen kann, um ihm endlich Einhalt zu gebieten. Ob die Men- schen geschlagen oder über die Kasernenhäfe gejagt oder, wie Carl von Ossietzky, in das Moor getrieben werden, das Entscheidende bleibt die Tatsache, daß wild gewordene Barbaren an tau. senden und abertausende» Menschen organisiert ihre Quälereien auSüben dürfen, ohne daß die Welt aufschrcit, ohne daß die Welt diesem bluti. gen Treiben ein Ende macht. In Deutschland, das zeigen die neuesten Berichte wieder mit aller Deutlichkeit, tobt die Bestie, und mit Bestien pflegt man nicht Tee zu trinken oder Briefe zu wechseln oder ihnen Sonntagspredigten zu Hal. ten, zu ihrer Vernichtung bedarf es allerdings rudikalcrer Mittel. Gemilderte Pressenovelle genehmigt trockenes Brot, mittags eine Schüssel Essen(Kartoffeln und Sauerkraut oder Gemüsesuppe mit Fleisch oder Gerstensuppe mit Fleisch oder die berühmten Kuttclflcckc), abends Brot mit Wurst. Das Essen ist bei der anstrengenden Arbeit un- zureichend. ES bestehe» neu» ArbcitSkolonnen ui.d eine zehnte, in der sich Lungenkranke befinden. Um den Zusammenhalt der Schuhhäftlinge nut einander zu verhindern, hat man in Dachau 40 bis 50 Prozent Kriminelle aus Arbeit-, und DerwahrungShäuscrn hineingesteckt. Der Rest der Gefangenen setzt sich zu zwei Dritteln ans KPD- und ein Drittel SPD-Leuten zusammen lind noch etwa 80 Juden, die besonders schwer miß. handelt werden. Nun etwas über die Methoden der Mißhandlungen. Dr. Katz, der als Arzt in Dachau anitierte, starb im November im Arrest. Er wurde nachweislich schwer mißhandelt. Im Lager war man sich darüber klar, warum Dr. Katz iin Arrest gestorben war, denn er, ein gewisser Alt. mann und ein Dritter namens Willi Franz, die im Büro beschäftigt waren, hatten über die vor- gekommenen Mißhandlungen Notizen gemacht und sind dabei betroffen worden. Die Folge waren Mißhandlungen über Mißhandlungen und daS Ende— ihr Tod. Ein junger Schuhhästling aus Dachau be. richtet, daß die Prügelstrafe dort offiziell einge. stihrt war. ES gab Stockhiebe, falls das Rauchoder Sprechverbot überschritten wurde. Man kann nicht von regelmäßigen Mißhandlungen sprechen. Es gab Perioden der Ruhe, der dann wiederum dauernde Mißhandlungen folgten. Ein junger Arbeiter z. B., der in München die Parole„Rot Front" auf einen Bauzaun geschric- ben hatte, wurde in Dachau in die Küche ein- geliefert und mit Schuhen und Fäusten bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen. Dann wurde er durch Wasser wieder zur Besinnung gebracht und von neuem geschlagen. Die Neuankömmlinge mußten in der Regel Kniebeugen machen, bis alle Kompagnien vorbcimarschiert waren. Falls das nicht klappte, wurden sic mißhandelt. Und zwar legte man sic auf einen Tisch, entblößte das Ge- säß und hieb mit Ochsenziemern oder Hundepeitschen auf sie ein. Todesfälle, auch die drei genannten, lvcrdcn immer als Selbstniord bekanntgegrben. So star- ben auf diese Weise: der jüdische Gefangene Fleischmann, der beim arbeiten in der Kiesgrube schwer mißhandelt worden ist; der frühere natio- nalsozialistische Hausbesitzer Hutzelmann aus Nürnberg. Der Referendar Aron aus Bamberg erlag den mit Ochsenziemern erhaltenen Verletzungen. Der Kaufmann Schloß auS Nürnberg wurde derartig geprügelt, daß er am 10. Mai 1931 tot aufgefunden wurde. Ein gewisser Jlme- ginger aus Spasing bei München wurde ebenfalls im Arrest tot aufgefunden. Der Einkäufer von Tietz, Schmitz aus Nürnberg, starb im August 1933 infolge schwerer Mißhandlungen. Die beiden jungen Arbeiter Handschuh und Amunschel wurden bereits schwerkrank von der Stabswache Röhms aus München eingelicfert und starben, der eine am Tage der Einlieferung, der andere einen Tag später. Diesen beiden Leu- ten soll man mit Zigarren und Zigaretten die Brustwarzen ausgebrannt haben. Auf jeden Fall Justizminister Dr. Dörer greift In die Debatte ein Prag, 28. Juni. Der Abschluß der Debatte über die Prrssenovrlle, dir dann mit vrr schon grmeldrten Neustilisierung des 8 18 b von der Mehrheit beschlossen wurde, wurde durch das Eingreifen des Justizministers Dr. D t r e r intet* essanter gestaltet. Auch von den heutigen Ovvosttionsredneru wurden der Regierung in Bausch und Bogen die allerbösestrn Absichten hinsichtlich eines bewußten Mißbrauches der Slovetle einer geradezu sadistischen Knebelung der Presse in den Mund gelegt. Dagegen wendete sich nun Minister Dr. D i t e t in einer sehr klugen, au» dem Stegreif vorge- tragenen Rede. Zuerst bekam Herr JeZek, der Sprecher der Nationaldemolroten, einen Dämpfer durch den Hinweis, daß gewisse Oppositionsparteien die Grundlagen, aus denen die heutige Novelle aufgebaut ist, selbst haben schaffen helfen. Biele der Bestimmungen, gegen die im Eifer des Gefechtes loSgezogen wurde, stehen schon in dem geltenden Gesetzt Die Vorlage will lediglich die Preßfreiheit für den Fall regulieren, daß ein« Straftat begangen wird; das ist das Recht jeder Gesetzgebung. Der an» gefeindete 8 14 a(Schutz der demokratisch-republikanisch gesinnten Staatsbürger) ergänze nur eine Lücke im Schutzgesetz, das diese Staatsform unter besonderen Schutz stellt. Geschützt werden dadurch keineswegs nur die Anhänger der Koalition, sondern wohl auch der meisten Oppositionsparteien. Was die amtlichen Berichtigungen seitens des Präsidenten und der Regierungsmitglieder betrifft, so hatte bisher"schon jedes Amt da» Recht, Berichtigungen bis zum dreifachen Umfang der betreffenden Meldung zu bringen. In Frankreich und auch in England bestehen schon seit langem weitergehende Bestimmungen über Berichtigungen. Der Zwang zum Abdruck offizieller Erklärungen soll lediglich dazu dienen, die Oeffentlichkeit richtig zu informieren. Bei un» kann das betreffende Blatt gegen eine solche Kundgebung frei polemiesieren. Bemerkungen dazu machen und auch einen gegenteiligen Standpunkt vertreten. Dem Blatt wird also keinesfalls eine andere politische Meinung aufgczwungen, wie es bei der„Gleichschaltung" der Fall ist. Zum 8 18 a bemerke der Minister, daß die s parlamentarischen Körperschaften das Recht haben, gewisse Verhandlungen als vertraulich zu erklären; diese» Recht müsse man auch der Regierung zugc- stehcn, die eigentlich nichts anderes als ein Parlamentsausschuß ist. Es gibt gewisse Dinge, die nicht vorzeitig in die Oeffentlichkeit kommen sollen. Die Regierung hat, erklärte Derer zum Schluß, bisher die bestehenden Gesetze nicht mißbraucht und fie wird«4 auch weiterhin nicht tun; sie wird also auch nicht die Möglichkeiten und Rechte mißbrauchen, die ihr in der vorliegrnden Novelle gegeben werden.(Beifall.) * Der Nationaldemokrat JeZek fühlte sich durch die Rede de» Ministers scheinbar so getrosten, daß er sich ein zweitesmal zu Worte meldete und seinen bisherigen Verdächtigungen noch die weitere hinzufügte, daß man vielleicht versuchen könnte, die Praxis, die sich erst durch Gerichtsbeschlüsse herauskristalli» sieten mutz, auf unzulässige Weise zu beeinflusien. Im Schlußwort stellte der Referent R i ch t r fest, daß es viel richtiger wäre, unsere legislativen Eingriffe nach dem Gesichtspunkt zu beurteilen, was die Demokratien in unserer Nachbarschaft, dir schon nicht mehr rxistierrn, früher verabsäumt haben. Es mässe der Rrgierungökoalition da» Bee. dienst zugeschrieben werden, daß sich die Berhälmiffe bei un» günstiger und ruhiger entwickeln als in anderen Staaten. ■» StetKa Kommandiert die Opposition Während des Schlußworte» de» Referenten veranstaltete die Opposition in der Hoffnung, daß die Koalition allein nicht die nötige Präsenz zur Abstimmung aufbringen werde, einen feierlichen Auszug aus dem Sihungfaal. Der Kommunist Stitla kommandierte nicht nur seine eigenen Klubkollegen aus dem Saal, sondern auch die deutschen Christlichsozialen, die auf diese» Kommando auch schön brav und folgsam hinausmarschierten. Der einzige Effekt war der, daß die Sitzung auf eine halbe Stunde vertagt wurde. Nach Wiederaufnahme der Sitzung waren allein von Koalitionsseite gegen 120 Abgeordnete im Saal. Trotzdem schrie Stitka weiter herum, daß die Präsenz nicht vorhanden sei. Schließlich aber dirigierte er seinen Klub, der, um nicht in die Präsenz eingerechnet zu werden, draußen kn den Couloir» der kommenden Dinge harrte, selbst wieder in den Saal und gab auf diese Art zu, daß sein Manöver gescheitert sei. Vier Kommunisten ansdellelert Gegen Schluß der Sitzung kam der Antrag de» JmmunitätSauSschusscS auf Auslieferung der Kommunisten Gottwald, KroSnak, Stötka und K o p e e k p zur Verhandlung, die nach dem Schutzgesetz angeklagt find. Als Betveisstück gegen sie stm- giert u. a.«in Flugblatt„Nicht Nkasaryk, sondern Lenin", das bei der kürzlichen Durchsuchung in den Räumlichkeiten des kommunistischen KlubsckretariatS gefunden wurde und das direkt zum bewaffneten Aufstand auffordern soll. Die Kommunisten schickten vier Redner tn die Debatte, dann machte ein Antrag auf Schluß der Debatte weiteren Obstruktionsversuchen«in End« und die Auslieferung wurde beschloßen. Nächste Sitzung Montag um 8 Uhr. Nach den bisherigen Dispositionen wird in dieser Sitzung das Exposs de» Außenministers erstattet werden. rin wegdelnssenes Wort macht die Novellierung de» Reebkompte-Gefetzes notwendig Gegen Schluß der Sitzung wurde eine Novelle zum Gesetz über da» ReeSkompte-Jnstitut im Druck verteilt. Die Novellierung hat sich schon nach so kurzer Zeit al» notwendig erwiesen, weil man bei einer seinerzeitigen Abänderung de» Gesehtexte« in letzter Minute übersah, daß dadurch— es wurde lediglich das Wort„insbesondere" im 8 8 ausgelassen— die gesetzliche Grundlage für die Ausgabe von Pfandbriefen durch da» genannte Institut ungewollt beseitigt wurde. Außer der Richtigstellung diese» Fehlers wird noch der VerwaltungsauSschuß durch drei Vertreter der haupstächlichsten Wirtschaftszweige außerhalb des Geld» und Versicherungswesens erweitert und eine Erleichterung für die kleinen VolkSgcldinstitute bezüglich der Abführung der vorgeschriebenen Ouartalsvorschüsie getroffen. Gegen Kuilurreaktton und sdiadlldies Sporen im Sdmlwesen Eine Reihe tschechischer fortschrittlicher Organisation, wie der tschechoslowackische Lehrerverband, die tschechoslowakische Legionärgemeinde, die Arbciterakademie, die Organisation der sozialdemokratischen Lehrer und Professoren, erlassen einen Aufruf an die tschechische Oeffentlichkeit, worin sie darauf Hinweisen, daß die demokratiefeindlichen Einflüsie au» dem Auslande zu einer Stärkung reaktionärer Bestrebungen auf dem Gebiete de» Schulwesens geführt haben. Die bezeichneten Organisationen verlangen daher, daß die Sparmaßnahmen im Schulwesen auf das geringste notwendige Ausmaß beschränkt werden, daß neue kirchliche Schulen nicht bewilligt werden, die StaatSunterstühung den kirchlichen Schulen entzogen oder diese wenigstens eingeschränkt werden sollen. Für die Lehramtskandidaten soll die absolvierte Mittelschule und die pädagogischen Akademien als notwendige Vorbildung festgesetzt werden. Die Schulreform soll gefördert werden. Der Volksbildung sollen die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Waldstein sucht seine Ahnen Von Otto Friedrich E» war merkwürdig, daß Albrecht Waldstein, obwohl er doch sonst ein aufgeklärter und nüchterner Mensch war, irgendwie»«inen Aberglauben in sich trug, so wie die größten Freigeister gelegentlich in der Tasche nach der Kastanie greifen, wenn sie das Reißen packt. Waldstein las in seiner Freizeit gern etwa» abseitige Literatur. Geschichten von allen möglichen Wunderkulten, astrologische Bücher oder auch jene Nachfolger der Astrologie, Ivie sie eine pseudo- wissenschaftlichc Charakterforschung, Handschriftendeutung und dergleichen mehr darstellen, reizten seine Neugierde. Bei Dr. Rosendorf, mit dem er sich allwöchentlich in einer kleinen Weinkneipe zum Gedankenaustausch zu treffen Pflegte, stieß er dabei auf volles Verständnis. Rosendors stellte ihm eine Art Horoskop, aber nicht nach dem Stand der Sterne, sondern auf Grund seines Charakter» und des Charakters der Leute, mit denen er zu tun hatte und die er unter Beibringung von Handschristenproben seinem Freunde zumeist genau zu schildern Pflegte. Wenn es sich als notwendig erwieö, brachte er sogar in zwangloser Gesellschaft Dr. Rosendorf mit seinen Bekannten zusammen, damit er sich selber ein Bild von den geschilderten Personen machen konnte. Dr. Rosendorf war nicht nur in der Medizin, sondern auch im Handelsteil der Zeitungen, insbesondere in den Börsenberichten, gut zu Hause. Seine Gespräche mit Waldstein pflegten daher auch zumeist in einem ausgiebigen Austausch von Informationen über die Anlage von Wertpapieren zu enden. Dabei stellte es sich mit der Zeit heraus, daß beide in der günstigen Einschätzung der Kunstseide in zunehmendem Maße übereinstimmten, und obwohl Waldstein als Syndikus eigentlich der Seidenindustrie verschworen war, war er innerlich, sozusagen„moralisch", der Kunstseide stark Versalien, und zwar in dem gleichen Maße, in dem die Kurse dieser Unternehmungen an der Börsentafel cmporlletterten. Waldstein wurde zu einer Enquete über Zollfragen in den Reichswirtschaftsrat geladen. Er hatte zu jener Zeit bereits neben den zahlreichen Verbänden der Seidenindustrie, die er betreute, auch einen kleinen Fabrikantenverband für kunstseidene Schirmstoffe. Dabei kam er, um nicht zu sogen, in einen Gewisienskonflikt, so doch in eine merkwürdige Geschäftsdifferenz. Dr. Rosendorf gegenüber stellte er die Sache so dar:„Sechs Wochen lang habe ich nun mit Eifer die Interessen der Seide auf Freihandel verfochten, und du glaubst gar nicht, wie geläufig mir, als es nun plötzlich zur Frage der Schirmstoffe kam, die Gegenargumente der Kunstseide für Schutzzoll von den Lippen gingen." „Na, wenn das nur gut endet," meinte skeptisch Dr. Rosendorf. „Warum nicht?" Waldstcin blieS eine kräftige Rauchschwade aus der Zigarre.„Für Seide bin ich eben Freihändler und für Kunstseide Schutzzöllner. Jedem das Seine." Rosendorf wiegte bedenklich den Kopf. „Lieber Albrecht, das wird so nicht lange gut gehen. Du wsrst dich entscheiden müssen: Held oder Heiliger. Entweder du kämpfst wie ein Heiliger getreu für deine Seide oder du machst heldenhaft einen Schlußstrich unter die Vergangenheit und wirfst dich mit Löwenkräften für die Kunstseide in den Kamps." In Albrecht Waldstein blieben diese Worte hasten, und so war er eigentlich innerlich schon ein wenig auf den Umschwung disponiert, als der alte Kommerzienrat Högel vom Kunstseidenkon zern„Neosilk" ihn ein wenig in» Gebet nahm und, unter Hinweis auf entsprechende günstige finanzielle Chancen, ihn für die Kunstseidenlon- kurrenz zu gewinnen suchte. Waldstein hätte vielleicht der Kunstseiden- Trikotagen-Jndustrie eine Absage erteilt, wenn mit der neuen Stellung nicht auch noch ein besonderer Anreiz dadurch verbunden gewesen wäre, daß Kommerzienrat Högel» der sich von seinen zahlreichen Ehrenämtern etwas zu entlasten wünschte, Waldstein seinen Sitz im ReichSwirt- schaftSrat in Aussicht gestellt hätte. Rosendorf riet zu. Waldstein ergriff die erste Chance, um sich mit großem Aplomb von der Seide loSzusagcn. Er erklärte dabei in einem Artikel, den er in einem namhaften WirtschaftS- blatt veröffentlichte, dessen Reklametcil von dem Kunsffeidenkonzern reichlich frequentiert wurde, daß er e» mit seinem volkSwirffchaftlichen Gewissen nicht länger verienbaren könne, den liberalen Tendenzen der Seidenindustrie zu folgen, wo eS doch ganz offensichtlich sei, daß nur die Autarkie die deutsche Wirtschaft wieder aus der schweren.Krise, in der sie sich befinde, befreien könne und, so schloß er, deshalb lege er, so schwer eS ihm falle, unter Hintansetzung aller materiellen Gesichtspunkte sein Amt al» Syndikus seidenindustrieller Verbände nieder und hoffe, als freier Mann, unbeeinflußt von Gunst und Ungunst der Parteien, wieder Mitarbeiten zu können am Aufbau des geliebten Vaterlandes. Kenner der Dinge waren nicht erstaunt zu hören, daß Albrecht Waldstein bereits nach einigen Wochen der Muße, die er, mit der Abfassung einer Wirtschaftsbroschüre beschäftigt, im Süden verbrachte, nach Berlin zu- rückkehrte, um in dem neuerbauten großen Palast der Kunstseide einige mit erlesenem Geschmack eingerichtete Zimmer als frischgebackener Syndikus der Kunstseiden-Tritotagcn-Industrie zu beziehen. Kenner der Dinge waren noch weniger er staunt, als er nach einigen Wochen auch in den Reichswirtschaftsrat einzog, wo er schon aus In« formationsgründen— Dr. Rosendorf wußte davon ein Lied zu singen— an allen Beratungen teilnahm, was sich nicht nur in einem Anschwellen seiner Dienststundcn, sondern auch seines Bankkontos gebührend auidrückte. Seine Tätigkeit im ReichSwirffchafiSrat war so rege, daß, wenn man bei ihm zu Hause anrief, e» passieren konnte, daß das Hausmädchen am Telephon erklärte:„Der Herr Syndikus sind nicht mehr zu Hause, sondern im Geschäft."—„In was für einem Geschäft?"—„Na, im ReichS- wirtschaftsrat," kam kurz und schnippisch die Antwort, die wieder einmal kund tat, daß Narren, Kinder und Hausmädchen die Wahrheit sprechen. Die große Wirtschaftskrise machte Waldstein allerhand zu schaffen. Aber er verstand es geschickt, das Schifs seines Verbandes durch die Wogen zu steuern.. Politisch war er im Grunde desinteressiert. Er hielt stets gern mft denen Fühlung, die oben waren, unterließ eS freilich auch nicht, jeder Opposition, die auSsichtSboll erschien, ein wenig im Halbdunkel die Hand zu geben. Man konnte ja nie wissen... So hatte er auch in der Aera des Reichskanzlers Brüning, in der er sich gleicherweise im Zentrum wie in den .Kreisen der Deutschen Volkspartei heimisch fühlte, durch Vermittlung eines Vetter» seiner Frau Verbindung mit nationalsozialistischen Kreisen ausgenommen, hatte sie sogar gelegentlich aus seinen WerbefondS mit kleinen Beiträgen unterstützt und schien also auch nach dieser Seite hin sich gesichert zu haben. Da kam der autoritäre Kurs der Regierung Papen und die kurze Herrlichkeit Schleichers. Waldstein passierte ein Mißgeschick. Er sah einen Rückgang der Nationalsozialisten vor Augen, setzte aufs falsche Pferd, nämlich auf das Generalroß Schleichers, und verlor. (Fortsetzung folgt.) An unsere Kolporteure und Abonnenten! Da im Buchdruckgewerbe am Donnerstag, den 5. Juli, nicht gearbeitet wird, erscheint am Freitag, den K. Juli, unser Blatt nicht. Die nächste Ausgabe erscheint Samstag, den 7. Juli, zur gewohnten Stunde. Die Verwaltung. Zwei neue Opfer aut der Grube Nelson Uetlungsmannschoit von Gilt* Gosen bedroht Brüx, 28. Juni. Heute gegen 16 Uhr fuhren sieben Bergleute unter Führung des Obersteigers Wenzel Sistka zu Gewältiguiigöarbeitrn in den Schacht„Nelson VIII/3" ein. Auf der Schachtsohle stießen sie gegen eine schlecht vermauerte Tür, aus welcher in erheblichem Maße Giftgase hrrvordrangrn. Sech» Bergarbeitern gelang es, zu entkonlmen, während der Obersteiger Sistka und der Maurer Franz Gröbcl, durch die Gase betäubt, im Schachte liegen blieben. Eine Rettungsmannschaft, die sofort in den Schacht rinfuhr, brachte die Verunglückten zwar obertags, doch gelang eS nicht mehr, sie in» Leben zurückzurufen, obwohl zwei Aerztc volle zwei Stunden hindurch Wiederbelebungsversuche an den Verunglückten anstcllten. Wenzel.Skstka ist verheiratet und tinderloö, Franz Grübet hinterläßt eine Witwe und ein Kind. Oer lad von versautes Nozideulschlonds Trauer feier Gestern waren cs auf den Tag 15 Jahre seit der Unterzeichnung des Friedens von Ber- saillcs. Nazideutschland beging den Tag durch trauermäßigc Beflaggung und ein entsprechendec Rundfunkprogrannn. Die Hitlerprcssc mutz ihre erfolgreiche Hetze durch all die Jahre her nun noch begründen durch den„Nachweis", das»' Deutschland damals nicht hätte unterzeichne»» müssen. Zwar hatte die Oberste Heeresleitung bereits Ende September 1018 auf schleunige»» Waffenstillstand und Frieden gedrängt, da cs unmöglich»var, dc»i Kampf fortzusehen, und ztvar ganz besonders ivcgcn der unaufhaltsamen amerikanischen Nachschübe an Truppe»» und Material Von dieser Hoffnungslosigkeit der Hindenburg, Ludcndorsf usw. sagt die Nazipresse nichis— als Beweis dafür, daß Deutschland nicht genötigt gewesen wäre, zu unterzeichnen, beruft sich-der „Völkische Beobachter" darauf, daß die Vertreter der Entente nach Unterzeichnung durch Deutschland erleichtert aufgcatmet hätten. Damit ist aber nur bewiesen, daß die andere Partei vom Kriege gleichfalls genug hatte, uicht aber, daß sie ihn nicht hätte fortsührei» können. Infolge der Kapitulation Bulgariens und der Auflösung Oesterrcich-Ungarnö stand Deutschland feindlichen Einfällen von Südcir und Osten offen. An eine Allianz mit Sotirjetrußland dachten die republikanischen Machthaber in Deutschland ebensowenig als die abgetretenen. Außerdem war die Rote Armee vollauf mit der Abwehr der weihen und Enicntetruppen in Rußland und Sibirien beschäftigt. Während in den Entcntestaaten von einer größeren Auflehnung gegen den Krieg nichts zu merken»var, drohte in Deutschland ein neuer Aufstand im Falle der Nichtunterzcichnung, nachdem eben erst linksradikale Aufstände»nit großer Mühe im Blut erstickt worden waren. Ministerpräsident Schei- dcmann tonnte mit seiner Gegnerschaft gegen die Unterzeichnung nicht durchdringen und trat zurück. Ebenso der Chefredakteur des„Vorwärts", Friedrich Stampfer, der in seinen Artikeln ans Versailles gegen die Unterzeichnung aufgetreten war; eine Gegenerklärung der politischen Redakteure des Blattes in Berlin veranlaßte ihn, die Leitung des Zentralorganes der SPD niederzulegen. Diese Haltung hat allerdings die Nazis nicht abgchalten, beide Sozialdemokraten, ebenso wie die Befürlvorter der Unterzeichnung, ihres Pcivatvermögcns neben ihrer Existenz zu berauben, wenn man auch ihrer nicht»nehr habhaft wurde, um sie.der„Erziehungsarbeit" in den Konzentrationslager»» und Gefängnissen zu übergeben. Nur eitlem. Volk, das die grauenhafte Not der Kriegszeit schon vergesse»» oder noch gar nicht wissend erlebt hat, köni»en die Nazis heute vorflu»»kern, man hätte 1018 den Krieg fortsehen solle»» und könne»». Nur einem Volk, das sich wieder der Führung der kaiserlichen Offiziere und ihrer Pfeifendeckel unterworfen hat, ihnen erlaubt, ein Prafserlcbcn zu führe»»»ind eine Aufrüstung zu betreiben, die ganz Europa zwingt, sich gegen einen neuen deutschen Aitgriss ttgrzusehen« Irische Gemeindewahlen L M,» z, f■. r, j LIIUU Uwv I I U l IH'l» II'>4 l llllll II UIIV 14 11»)» I l'LI»» anderen Parteien haben noch keine 1b S>he cth)a 40 Prusik, und Religionslehrer neu auf- erreicht. dann zur ge» Dublin, 28. Juni. Die bisher vorliegenden Ergebnisse der irischen Gemeinderatswahlen zeigen bereits mit Bestimmtheit, daß der örtliche Verwallungsapparat in den Händen der Regierungspartei TeualeraS bleiben wird. Am Donnerstag morgens führte die Regierungspartei Fianne Fail zusammen mit der ihr verbündeten Arbeiterpartei mit 62 Stimmen. Dicht auf dem Fuße folgt die oppositionelle Bereinigte Irlandspartei des Generals O'Dnffy mit 57 Sitzen. Alle Regierung Deutschland systematische Versuche zwecks vollkommener Beherrschung dieser modern« sten Kriegswaffe unternommen und Methoden ausgearbeitet habe, die ihm mit direkt mathemati- scher Sicherheit die Verwendung von BakterienundGaSzurVernichtung der Haupt ft ädte der europäischen Völker ermöglichen. Ji» einem dieser Dokumente, datiert vom Juli 1032, werden auch die Gründe hiefür auseinandergesetzt. Mit Rücksicht auf die»nächtigen Befestigungen Frankreichs am linken Rheinuser könne nur ein Luftkrieg die volllonunene Vernichtung der französischen Militär- und Industriezentren und der Zivilbevölkerung der Großstädte ermögliche». Ein in diesey» Dokumenten zitierter Bericht eines deutschen Chemikers, beschreibt die Möglichkeit einer Verpestung der Großstädte durch Ausgießen von Nperit und BuillonS mit Kulturen krankheitserregender Bal» terien ii» den Untergrundbahnen der feindliche»» Hauptstadt. In anderen Dokumente»» wieder ivür- dei» verschiedene, im ganzen unschuldige Versuche geschildert, die bereits an einigen Stellen der Pariser und Londoner Untergrundbahn durchgeführt wurden. zunehmen, sodaß ohne Besetzung voi» weiteren systemisierten Prosessorcnstcllen die Errichtung einer größeren Anzahl von Parallelklassen ermöglicht werden wird. In diesen Parallelklassen wird dann der größte Teil der jetzt zurückgewiesenen Schüler dennoch untergebracht werden können. Der Minister verwies weiter auf den Umstand, daß Heuer die Ai»ineldungen von Schüler»» für die Realschulen und Rcsorm- regl-Gymnasien sehr stark nachgelassen hat. Dorlot ausgeschlossen Außerordentliche Konferenz der französischen Sozialisten. Paris, 28. Juni.(Tsch. P.-B.) Der Vollzugsausschuß der kommunistischen Partei schloß gestern abend bei» bekannten Kommunisten führe» Deputierten Doriot, Bürgermeister der nahe bei Paris gelegenen Stadt St. Denis, aus der Par, tei aus. Deputierter Doriot gründete bekanntlich nach den Feber-Ereignissen in St. De»»iS ohne Zustimmung der kommunistischen Partei eine gemeinsame Front mit den Sozialisten und als ihn» die kommunistische Partei deshalb eine Rüge erteilte, legte er sein Bürgermeisteramt zurück und ließ sich mit einer noch größeren Mehrheit als früher wiederwählen. Der Vorstand der sozialistischen Partei verhandelte gestern abend neuerlich über die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit den Kommunisten. Die kommunistische Partei entsprach nämlich der Forderung der Sozialisten und gab die Erklärung ab, daß sie die Kampagne gegen die Sozialisten einstellen werde. Nach einer bis ein Uhr nachts währenden Debatte beschloß de» Vorstand der sozialistischen Partei, zum 15. Juli eine»» außerordentlichen Parteitag einzuberufen, der zu den kommunistischen Vorschlägen Stellung nehme» wird. Zar Ermordung des polnischen Innenministers Warschau, 27. Juni.(Pat.) lieber die U n- t e r s u ch u n g des Mordes an dem Jnneninini- ster Pieracki wurde nunmehr ein amtliche» Bericht auügegeben, in dem es heißt: Die Untersuchung schreitet fort und es kam» bereits aus den bisherigen Ergebnissen der Schluß aus das Milieu gezogen werden, in welche»» mit großer Wahrscheinlichkeit das Verbreche»» vorbereitet und der Plan hiezu ausgearbeitet worden ist. In Pole» sind bereits zahlreiche Personen verhaftet worden. Auch im AuSlande wurden mehrere Personen dank der Zusammenarbeit der deutschen Polizei in Hast genommen. Diese stchcn im begründeten Verdachte der MUtäterschast. Keine Devalvation in Frankreich Paris, 28. Juni. Bei Verhandlung der Regierungsvorlage über die Steuerreform Hal die Deputiertenkammer den 75 Artikel umfassenden sozialistischen Gegenantrag mit 392 gegen 175 Stimmen abgelehnt. Der gewesene Finanzminister der rechten Mitte Paul Reynauld erklärte. eS sei notwendig, daß Frankreich radikal seine Wirtschafts- oder Währungspolitik ändere, das ist, eine Devalvation durchführe, weil sie sich andernfalls aus der gegenwärtigen Krise nicht befreie»» könnte. Reynauld legte an zahlreichen Beispielen dar, daß Frankreich das teuerste Land auf der Welt ist. Der Finanzminister sprach sich in der am Nachmittage gehaltenen Rede mit aller Entschiedenheit gegen eine Herabsetzung der französischen Währung auS. Nach Ansicht des Finanzministers gebe es keinen größeren Irrtum für Frankreich, als die Durchführung einer WährungSreduktion. Die Negierung werde sich mit aller Entschiedenheit einem derartige»» Versuch der Enüvertung des Francs widersetzen. 8 2. In Betrieben, in welchen in der Zeit vorn 1. Jänner 1033 biS zu»n Tage deS Inkrafttretens dieser Verordnung ein Kollektiv-Vertrag in Kraft war, welcher dann ablief oder gekündigt wurde» gelten biS zum 30. April 1035» die an» Tage der Wirkfainkeit dieser Verordnung geltenden Lohn- (GehaltS-) Sätze, soweit für diese Betriebe nicht neue Kollektiv-Verträge abgeschlossen wurden oder werden. Verprügelte Easdsten London, 28. Juni. lTsch. P.-B.) Ein neuer schwerer Zusammenstoß ztvischen Fascisten und Kommunisten ereignete sich am Mittwoch abends ii» Glasgow. Hunderte voi» Kommunisten übersielen eine der Schwarzhemdenversammlungen, die zur Zeit zur Vorbereitu»»g des Besuches von Sir Oswald Moöley in Schottland abgehalten werden. Drei Fascisten wurden von den Kommunisten niedergeschlagen. Die Polizei zerstreute die Menge. Parallelklassen werden doch eröffnet! Befriedigende Erklärungen des Schuiminlslers Prag, 28. Juni. Im KulturauSschuß des Abgeordnetenhauses referierte dec tschechische Ge- nossc Bojta Bcncsu. a. über das Probien» der nngen an Mittel- und Bürgerschulen und stellte die-Frage, wohin die Heuer abgelehnten Primaner eigentlich gehe»» sollen« (Bekanntlich hat das Schul»»»inisteriun» vor kur, zem die Errichtung neuer Parallelklassen ai» Mittelschulen für das komn»ende Schuljahr verböte n, sodaß eine große Anzahl von Schillern bei der Einschreibung in die erste Mittel schulklasse abge wiesen werde»» mußte.) Der Schulminister Dr. Kröinar teilte mit, daß die Einschreibungen doch noch allgemeinen Zufriedenheit regelt werden sollen. Es werde möglich jein, auf Grund der neuen Aspiranteirverordnung etwa 320 Professoren-Aspirante»» und außerdem 8». Diese Verordnung tritt am Tage der Verlautbarung in Kraft; sie wird vom Minister für soziale Fürsorge und soweit es sich um die dem allg. Berggesetz unterliegenden Betriebe handelt, vom Minister für öffentliche Arbeiten im Einvernehmen mit den beteiligten Ministern durchgeführt werden. Verlängerung der Koiiektivvertrage bis zum so. April 1935 In der Sammlung der Gesetze und Verordnungei» vom 27. Juni lvird aus Grund des Ermächtigungsgesetzes die Regierungs-Verordnung Nr. 118 voin 15. Juni verlautbart, durch welche die Gültigkeit der Kollektivverträge bis zum 30. April 1035 verlängert wird. Die Verordnung hat folgenden Wortlaut: 8 1- Kollektiv-Verträge, welche Lohn-(Gehalts-) fragen regeln, die zwischen einein oder mehreren Arbeitgebern, oder einer oder mehreren ihrer Fachorganisationen»Korporationen)- und einer oder mehreren Fachorganisationen(Korporationen) von Arbeitnehmern vereinbart wurden und am Tage dieser Verordnung in Kraft waren, können bis zum 30. April 1035 nicht gekündigt werden. Soweit solche Kollektiv-Verträge die Bedingunge»» der Gültigkeit auch nach dem 30. April 1035 regel», bleibe»» diese Vereinbarungen unberührt. Das Havasbüro meldet, daß nach der Erklärung Stceds dessen Informationen aus Dokumenten der Geheimabteilung des deutsche»» Reichswehrministeriums„LustgaSangriff" stammen, die Instruktionen für die deutsche chemische Industrie und das Flugwesen beinhalten, Aus den Dokumenten geht hervor, daß bereits seit der Brüning- Pilt Knüppeln gegen Gandhi Girnla, 27. Juni. In Simla in Britisch Indien(Präsidentschaft Bombay) wurde heute bekannt, daß der Kraftivagen Gandhis in Ahine- dabad erneut von orthodoxen Hindus, den sogenannten Sanatanistcn, angegriffen»vurde. Die Angreifer gingen init Knüppeln gegen Gandhi und seine Begleitung vor. Sieben Anhänger Gandhis wurde» erheblich verwundet. Auslandspropaganda für Papen Der Londoner„Daily Telegraph"(der dem englischen Auswärtigen Amt nahesteht) teilt mit. daß eil» Mitglied seiner Redaktion aus Deutschland als Postsendung Exemplare der Marburger Papen-Rede mit dem Aufdruck„VerbotenI" erhalte»» habe— und die Redaktion fügt hinzu, daß die Sendung offenbar von einer besonderen, dem Kreise»>m Papen und dem Stahlhelm dienstbaren Agentur in Deutschland stamme. In letzter Zeit seien auch viele Exemplare der nachträglich beschlagnahmten Pogrom-Nummer des„Stürmer" nach England gesandt worden, offensichtlich zu dem Zweck, die nationalsozialistischen„Koalitionspartner" im Ausland zu distredicrcn. linier lür Stahlhelm Berlin, 28. Juni. Die Offei»jive des SA- Stabes gegen den Stahlhelm ist vorläufig eingestellt worden. In den Konflikt hat, wie Se heißt, übeb direktes Ersuchen des Stahlhelmführers, Ministers Scldte. Reichskanzler Hitler eingcgrif- fcn und hat erklärt, daß der Stahlhelm nicht ausgelöst wird. Ole Lieferung von Oelhudien- ruttermittcl an die Londwlrisdioll I» unserem Blatte vom Sonntag, den 24. Juni, habe»» wir eilten längere»» Bericht über die Verhältnisse tii der Landwirtschaft und die Folgen der mehrmöchcnt sichen Trockenheit gebrarht, in welchem auch darauf hingciviesen tvurde. daß die landwirtschaftliche»» Genossenschaften dringend Oelkuchensuiterniittcl brauchen und diese nicht auf« treiben können. Es»vurde»vcitcr gesagt, daß der größte Lieferant voi» Oclluchen, die Firma Schicht in Aussig, die gestiegene Nachfrage nach Futtermittel»» durch Zurückhaltung der Vorräte ausnützt. Nun erhalten wir eine Darstellung vom Betriebsausschuß der Firma Schicht, der wir entnehmen, daß es bis Ende April 1034»»»möglich war, Absatz für Futtermittel zu finden und daß die Preise stark zurückgingcn. Erst mit der im Mai einsetzendcn Trockenheit»vurde die Nachfrage nach Oelkuchen so groß, daß Mitte Juni sämtliche Futtermittel ausverkaust lvaren. Die Firma Schicht hat nach den Erhebungen des Bctriebsausschusscs größere Poste»» voi» Oelkuchen nur an landwirl- schaftliche Genossenschaften und Landwirte verkauft und dabei möglichst vermieden m» Händler und Spekulantei» überhaupt Küche»» abzugeben. Anfang Juni muhte die Oclpresserei mangels an Absatz der erzeugte»» Oele, deren Lager voll sind, eingestellt werden, erst Mitte Juli lvird wieder mit der Presserei begonnen, worauf der Landwirtschaft wieder Oelkuchen zur Verfügung stehen »verdcn. Pari», 28. Juni. sTsch. P.-B.) Die Pariser Blätter bringe»» einen sensationellen Artikel Wickham SteedS, der in der heutige»» Nummer der Revue„Ninteenth Century" erschiene»» ist und Einzelheiten darüber enthüllt, daß das deutsch» Reichswehrministerium seit dem Jahre 1931 Vorbereitungen zum chemischen und bakteriologischen Krieg im Luftwege treffe. Steed veröffentlicht Dokumente und genaue Notizen über die von den Deutschen an verschiedenen Stellen der französischen Grenze, an zahlreichen Stellen in Poris und in London iin Zusammenhang mit der Verbreitung von Bakterien genrachten Beobachtungen. Steed behauptet, daß die voi» ihn» erlangten Dokumente authentisch sind und daß sie aus einer Geheimabteilu»»g des deutschen Reichü- wehrminisleriums stammen. I StrcHdcundgebnngen mit blutigem Ausgang Milwautee, 28. Juni. Anläßlich einer Streikkundgebung der hiesigen Straßenbahner kan» es zu schweren Ausschreitungen und blutigen Kämpfen. 20.000 streikende Straßenbahnschasf- nec und deren Mitläufer belvarfen mit Ziegelsteinen die von Arbeitswilligen geführten Straßenbahnwagen und gingen mit Knüppeln gegen die Streikbrecher vor. 200 Polizistei» muhte»» eingesetzt werden. Mit Tränengas und Gummiknüppel konnte die Polizei nach achtstündigen» heftigem Kamps endlich der Lage Herr werden und die Streikenden auseinandertreiben. 20 Personen, darunter 7 Polizisten, mußten mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gesckxrfft werden. Fünf Straßenbahnwagen wurden vollloinmen zertrümmert, zahlreiche andere schwer beschädigt. Der gesamte Straßenbahnverlehr ist lahmgelegt. 58 Personen wurden verhaftet. Deutschland bereitet bakteriologischen Kries vor? Schwere Anschuldigungen eines englischen Journalisten e Was die Karlsbader Flugzeug- Katastrophe an-e« Tag brachte! Die»Fliegenden Särge" der Militärflugzeugfabrll in Letnan Tagcsncnigkcitcn Totenfeier für Max Pallenberg Karlsbad, 28. Juni. Donnerstag um 11 Uhr vormittag fand in der Zercinonienhalle des Israeli, tischen Friedhofes in Karlsbad eine einfache Totenfeier für Max Pallenberg statt. Nach Durchführung der religiösen Zeremonien sprach Rabbiner Dc. Ziegler im Namen der vielen Freunde und Bewunderer, die Pallenbcrg in Karlsbad besaß. ferner im Namen der Kultusgcmeinde und schließlich auch im Namen der Stadt Karlsbad ergreifende Abschicdsivorte. Die Stadt Karlsbad war durch Bizcbürgcrmeister lllbert, Stadirat Neubauer und Äurdirektor Gitfchcr vertreten. Unter den Drauergästen bemerkte man nahezu das gesamte Ensemble des Karlsbader Stadttheaters mit Direktor Basch an der Spitze, sowie eine große Anzahl bekannter Bühnenkünstler, llm die Mit« >agsstunde führte ein Leichenwagen die sterblichen Ileberreste PallcnbcrgS nach Wien. MMAlig östenelMer Wiaationen Ein amtlicher Bericht der Wiener Polizei. Die Wiener Polizei beschäftigt sich bereits seit einigen Tagen, wie wir bereits gemeldet haben, mit der Untersuchung einer Fälschcraffäre. Wie die Polizcilorrespondenz mittcilt, fälschte der 21jährige ehemalige Student Ottmar Heidenreich aus Ncustadtl in Mähren. der in Wien ungcmeldct in der Brandstätte wohnte, init Hilfe einiger, meist uneingeweihter Personen Obligationen der internationalen österreichischen Anleihe aus dem Jahre 1830. Bor kurzer Zeit ersuchte er eine Wiener Bank um eine Anleihe von 11.000 Schillingen. Als Bürgschaft bot er 15 Obligationen im Nominalwert von 1000 Schillingen an, gab aber an, daß er sie in einer Bank in Budweis eingelegt habe. Die Wiener Bank verlangte, daß die Papiere bei ihrem Budweiser Vertrauensmann hinterlegt werden. Hcidenreich erhielt die Anleihe unter der Bedingung, daß er sie heuer am 20. Juni bezahle. Als er dies aber nicht tat, wurde die Richtigkeit der verpfändeten Obligationen überprüft und hiebei ivurdc konstatiert, daß es sich um gelungene Fälschungen handelt. Die Bank erstattete die Strafanzeige und leitete die Nachforschungen ein. Heidcnrcich und weitere 4 Personen wurden verhaftet. Bei chcmio- graphischen Firmen in B r ü n n wurden Clichcs, 319 bereits fertige Obligationen, mehr als 400 gedruckte und 300 ungedruckte Kuponbogen gefunden. Es erscheint nunmehr ausgeschlossen, daß noch Fälschungen im Umlauf wären. Reue Küudlguuga- und Auszieh- orduung für Böhmen tritt am 1'. Oktober in Kraft. Für das Land Böhmen ist soeben eine Kündigung:-- und Auszichordnung erschienen. Die Bestimmungen gelten i» dem Falle, wenn die Parteien nichts anderes vereinbart haben. Die Miettcrmine sind wie bisher der 1. Jänner. 1. April, 1. Juli und 1. Oktober. Der Mietzins muß spätestens am 11. des Zinsmonates um 7 Uhr abends bezahlt sein und wird vierteljährig im Vorhinein entrichtet. Gekündigt werden kann jedoch bis zum 14. des Quartalsmonats. Eine gekündigte Wohnung muß so geräumt werden, daß dem neuen Mieter am 8. um 12 Uhr Mittag ein Raum zur Ausstellung seiner Möbel überlassen wird. Die vollständige Räumung muß bis zum 11. um 12 Uhr mittags durckgcfiihrt oder, wenn dieser Tage ein Sonn« oder Feiertag ist, am 15. um 12 Uhr mittags. Der Mieter, der die Wohnung gekündigt hat. ist verpflichtet, die Wohnung wochentags von 10 bis 12 und von 15 bis 17 Uhr besichtigen zu lassen. Die neue KündigungS- und Auszichordnung tritt am 1. Oktober in Kraft. Drei Selbstmorde in Karlsbad Karlsbad, 28. Juni. Im Laufe des heutigen Tages ereigneten sich in Karlsbad und Umgebung drei Selbstmorde. Am Stiegenhays der Feuerwehr in Meierhöfcn erhängte sich der 3vjährige ledige Fleischcrmeiftcr Josef Pctschaiicr. Durch Erhängen beging iveiterS der frühere langjährige Portier des Hotels„Paradies" Julius Reiter Selbstmord. In den Abendstunden ließ sich in der Eger unweit der Rennbahn eine 40- bis 45jährige schwarzgekleidete Frau im Wasser versinken. Drei Burschen, die unweit badeten, zogen die Frau ans Ufer, doch lvar sie bereits tot. Sic rrug einen Ehering mit den Buchstabe» E. F. Die Identität der Toten konnte noch nicht ermittelt werden. Fürchterlicher Selbstmordversuch eiueo Arbeitslose« Kladno, 28. Juni. Donnerstag, den 28. Juni, früh begoß sich der 27jährige beschäftigungslose Bergarbeiter Wenzel Ekl in der Wohnung seiner Eltern in Kladno mit Petroleum und zündete cs an. Als seine Kleider Feuer gefangen hatten, lief er vor das Haus. Herbeieilende Nachbarn gewährten ihm die erste Hilfe. Ekl wurde in sehr ernstem Zustunde in das Kladnoer Krankenhaus gebracht. Das Motiv der Verzweiflungstat ist nicht bekannt. Die Karlsbader Flugzeugkatastrophe bat die OeffeiNlichkeit so außerordentlich in Erregung versetzt, daß nian jetzt gründlicher den Ursachen dieser und ähnlicher Unfälle uachzuforschen beginnt. In diesem Zusammenhang nun bringen die „Lidovö Noviny" folgende, nahezu sensationell wirkende Enthüllungen: Die Type S—32 ist ein Erzeugnis der Militärflugzeugfabrik inLet- n a n. Sie wurde vom Chefkonstrukteur dieser Fabrik, Jng. Smolik, konstruiert, der bereits einige Flugzcugtypcn gebaut hat, mit denen be- achtcnSlvcrte Erfolge erzielt wurden. Es scheint jedoch, daß diese Type an Qualität den übrigen nicht glcichkommt. Seit jeher waren diese Flugzeuge von Unfällen verfolgt. Bei drrUebernahme hatte der Pilot einen schwerenllnfall, er verlor beim Probeflug dir Stnbilisatiousflügel und gelangte nur mit Mühe zur Erde. Das Flugzeug wurde damals repariert und einige Details geändert. Dann wurde es von der Ueber- wachungskommifsion neuerdings untersucht und nach Anhören des Chefpiloten der staatlichen Aerolinien B r a b e n e c, der bei den Probelügen das Flugzeug gesteuert hatte, wurde cs als geeignet anerkannt. Die staatliche Aerolinie kaufte von der Militärflugzeugfabrik fünf Flugzeuge die sc r Type und bestellte noch ein sechstes, das aber noch nicht geliefert ist. Die Piloten hatten aber zu diesen Maschinen kein Brrtrauen. Sie nannten sie„F l i e g e n d e S ä r g e". Die Flugzeuge hatten tatsächlich vrr- chiedene Fehler, waren in der Luft schwer, schlecht zu beherrschen und hatten auch während der Flüge eine Reihe kleinerer Unfälle. Man wußte von den llnzulänglichkeiten der Konstruktion. Vor allem war das Manövieren schwer, wenn ein Motor ausschte, obtvohl nach den allgemeinen llebernahmsbedingungen ein Drcimoto- tenflugzcug imstande sei» soll, mit verminderter Geschwindigkeit entweder mit den beiden Seitenmotoren oder nur mit dem mittleren Motor bis zuni Ziel zu gelangen. Dazu tvar die Type S—32 nur in so beschränktem Maße geeignet, daß der Pilot so schnell als möglichlan« Die Eifenbahn-Bandite« Mulden, 28. Juni. Bei Kinschau wurde ein mandschurischer Panzerzug von Räubern zum Entgleisen gebracht. Tic Lokomotive und fünf Wagen sind völlig zertrümmert. Bisher wurden 3 6 T o t c und Verwundete gemeldet. Explosion in der Sprengstoff-Fabrik Washington, 28. Juni. In Olympia in« Staate Washington ereignete sich in einer Sprcng- toffabril ein schweres Explosionsunglück. EI f Personen wurden getötet, darunter eine Frau und ein Kind. Ferner erlitten zahlreiche Personen mehr oder weniger erhebliche Verletzungen. Fünf Verletzte mußten in das Krankenhaus über« ührt werden. Schimpssrcihcit der Sklaven, lieber die Ur- äche der folgenschweren Flugkatastrophe, der, nahe am Ziel, das Flugzeug des Piloten Tomi» cek mit Pallenbcrg zum Opfer siel, wird in der tschechischen Presse erregt und nist sehr gewichtigen Argumenten diskutiert. Ein angesehenes tschechisches Blatt hat die Flugzcugtype, die To. micck steuerte, mit einem„fliegenden Sarg" ver> glichen und in lcidciischastlichcr Weise eine gründ» lichc Untersuchung gewisser schwerwiegender Vor. würfe verlangt, die im Zusammenhang mit dem KarlsbaderAbsturz gegen die Direktion der staatlichen Acrolinien erhoben werden. An der Energie, mit der diese Kampagne für die Sicherheit der Bürger ausgenommen wurde, ist wohl nicht nur die Tatsache schuld, das; hier der un- glückseligen Tragik des Zufalls einer der grüß, tcn Menschendarstellcr der Welt zum Opfer fiel. Das darf hier erst in zweiter Linie eine Rolle spielen. Menschlich gesehen beklagen wir nur die Opfer und nicht die Name». An der ernsthaften und wertvollen Diskussion dieses fürchterlichen Unglücks erkennt man den Wert einer verant» wortungsbewußten, freie», nur ihrer Pflicht die» nenden Presse. So wird in einem Lande der Dcniokratic zu einem Vorfall Stellung gciiom» men, der alle Menschen, die darauf Wert lege», geachtet zu werde», aufs tiefste erschüttert hat. Wir kennen ein anderes Land, in dem man auch dc» tragische» Tod Mar Palleabergs, allerdings in seiner besonderen Weise, zu kommentieren wußte. Dies Land ist das Deutschland der Hitler» sascistischcn Diktatur, ein Land, in dem die Blät. ter, geknebelt und zum mißbrauchten Jnstru» ment der diktierenden Clique entwürdigt, nur das sagen dürfen, was ihre skrupellosen Leit» Hammel vorschreiben. Diese Zeitungen wissen sehr genau, was sie dürfen und was nicht. Und den mußte, tuen» er beim Aussehen eines Motors die Passagiere nicht einer Lebensgefahr ausschen ivollte. Das geschah auch vor einiger Zeit dem Pilo t c n T o m i ö c k, der bei einem Flug über O e st c r r e i ch wegen eines kleinen Moto r- descktcs gezwungen war, eine Notlandung attßcrhalü des Flugplatzes vorzunchme». E i n ernsterer Unfall widerfuhr diesem Flugzeug bei einem Probeflug Uber Pot» schernit«, al» das Flugzeug havarierte und nur im letzten Augenblicke einer Katastrophe entging, alS es Uber eine Hochspannungsleitung flog. Die Nachricht von dem Unfall soll nach dem Blatt damals unterdrückt und da» Flug- zrug nach der Reparatur wieder in den Dienst gestellt worden sein. Der Widerstand der Pilo» t e n gegen diese Type lvuchS in der letzten Zeit, cs war jedoch nicht möglich, Abhilfe zu schaffen, man drohte den Fliegern mit dem Verlust ihrer Existenz, falls sie ungünstige Nachrichten über das Flugzeug verbreiten würden. So hängte vor einiger Zeit der D i r e k 1 o r des Flugfeldes in U1 h o r o d eine Kundmachung aus, in der den Fliegern jede öffentliche Kritik dieses Flug- zrugtypS verboten wurde. Die Acrolinie wusste also von den Fehlern dieser Flugzeuge, wollte sie jedoch bis zum Acußcrstcn ausnützen und ließ sie im Dienst, damit sic die zur Amortisation notwendige Kilvmeleranzahl erreichten. Der verunglückte Pilot TomiLek hat vor kurzem eine schriftliche Beschwerde eingereicht, doch wurde ihr nicht stattgcgeben. Hätte der Direktor der Acrolinie damals die Gründe überprüft, die den erfahrenen Piloten zur Beschwerde veranlaßt hatten, hätte die K a- tastrophe vermieden lvcrden können. Jetzt wurden alle Flugzeuge dieser Type amtlich versiegelt und die Kommission dcS Ministeriums für öffentliche Arbeiten wird sie genauen llntcrfuchungcn unterziehen. Gleichzeitig tvill der Fliegervcrband das Ministerium ersuchen, das« mit allen Angestellten der staatlichen Arro- linie rin Disziplinarverfahren eingeleitct wird, daß ferner garantiert wird, daß alle durch eine ttutersuchungslommission verhört würden und ohne Angst nm ihre Existenz ihre Ersahrnngen über Flugzeuge und Verhältnisse in den staatlichen Acrolinien bekanntgebcn dürsten. da sie cs wissen, haben sie jede Scham, beiseite gelassen und den so tragisch geendeten Meister des: Kunst in der unflätigsten Weise mit jenem Schmutz beworfen, der im Lande der Gocring und Goebbels ja in so reichlichen Mengen zur Verfügung steht. Den toten Kiinstlcr, den Mil» liancn liebten und verehrten, konnten sie ja damit nicht treffen, aber sie haben der Killturwclt hockst einleuchtend demonstriert, wie man unter den Klauen eines Diktators zu diskutieren Pflegt. Das Thema Max Pallenbcrg bei uns und das gleiche Thema drüben bei den Barbaren: cs ist ci« Unterschied wie von Tag und Nacht, es ist ein Spiegel deö unüberspringbaren Grabens, der den freien Menschen vom Sklaven zu trennen pflegt— i An die Hopsenpflücker in Böhmen. Vom „Zemsky üstkcdni ükad präce" in Prag wird amtlich verlautbari: Der Landesbeirat für Angelegenheiten der landwirtschaftlichen Arbeiterschaft für Böhmen hat den.KollektivarbeitSvcrlrag für die heurige»Hopfcnpflücke genehmigt. Den Akkordsatz wird der LandcSbcirat wie alljährlich erst Anfang August, also noch immer rechtzeitig, vor dem Beginne der Pflücke, kundmachcn. Mit der Zn- sammcnstcllung und Amvcrbung der Partien wird jedoch sofort begonnen werden, tveil cs sich wieder um den Bedarf von mehr als 3000 Partien mit rund 65.000 bis 70.000 Pflücker» handelt. Alle Partiesührcr und Partie- f ü h r e r i n n c n lvcrden deshalb aufgefordcrt, ihre Partien i n d c r n ä ch st c n B c z i r k S a n- stalt für Arbeitsvermittlung unverzüglich a n z u m c l d e n. In den Anstalten erhalten sic einen Abdruck der Vertrags« bcdmgungen und die notwendigen Informationen. Ucbcrall, Ivo beide Vertragsparteien im Vorjahre zufrieden ivarcn, wird das Arbeitsamt bestrebt sein, solche Partien tviedcr an ihre alten Arbeitsstellen zn vermitteln. Regenneigung hält an. Gestern»ahm im allgemeinen die Bewölkung ab und die Temperaturen stiegen in den Alpenländern, im Westen der Republik und in Deutschland erneut auf 25 Grad Celsius an. Diese Wetterbesserung dürfte jedoch nur vorübergehend sein, da vom Ozean her, wo der Luftdruck noch steigt, kühlere Luft gegen das Binnenland zuströmt. Für die böhmischen Länder ist heute unbeständiges Wetter vorauSgesagt, von Weste» her Zunahme der Bewölkung und der Rcgcimei- guiig, kühler, Nordwestwind. Auch die WetteranS- sichten für SamSiag lauten auf unbeständig, Regenschauer, relativ kühl, Nordlvestwind. Die Dillinger-Bande verlor eines ihrer führenden Mitglieder. Der berüchtigte Gangster Albert R e ill e y wurde an einem entlegenen Orte von den Agenten der Staatspolizei umstellt und verhaftet. Bier-Konsum ständig im Sinken Das statistische SiaatSmnt veröffentlicht fs- eben eine Statistik der tschechoslowakischen Brauindustrie für das Jahr 1833, d. s. Daten über die Erzeugung, den Ausstoß und die Vorräte. Im Lause des Vorjahres hatte den größte» Bieraus» stoß die Smichover Aktienvrauerei in Prag, u. zw. 620.884 Hektoliter, das sind 7.8 Prozent der gesamten ausgestoßcncn Bicrmcngc in der ESN. (7,851.514 Hektoliter). Für die Ausfuhr über die Grenze hatte den größten Ausstoß das Bürgerliche Bräuhaus in Pilsen(58.581 Hektoliter), das find 83,4 Prozent des gesamten für die Ausfuhr bestimmten Bierausstoßes aller Brauereien. Aus der einleitenden Tabelle und aus dem Schlußdia- qrami» ist ersichtlich, daß die Zahl der tätigen Bierbrauereien im letzten Jahrzehnt beständig sinkt, obtvohl der Bierausstoß bis 1828 zunahm, in welchem Jahre die Konzentration der Produktion ihren Höhepunkt erreicht hatte(11,610.677 Hektoliter). Die Verminderung der Kaufkraft breiter Schichten von Abnehmern verursachte bereits seit dem Jahre 1030 einen beständigen Rückgang der Bierprodukiion, so daß der durchschnittliche Bicrvcrbrauch ans einen Eintvohncr im Jahr l830 gegenüber dem Jahre 1828 um 2,1 Prozent kleiner tvar; im Jahre 1031 um 11.1 Prozent, im Jahre 1032 um 18,-t Prozent und im Jahre 1033 beinahe um ein Drittel, das ist um 32,4 Prozent. Die Autarkicbcstrcbuiigcii des Auslandes äußern sich auch in der Entwicklung nuscrer Bicrausfuhr recht uiigünstig. Nach dem Höhepunkte im Jahre 1820 stellte sich ein dauernder Rückgang ein» der gegenüber dem Jahre 1829 betrug: im Jahre 1830 13,3 Prozent, im Jahre 1931 44,7 Prozent, im Jahre 1032 62,5 Prozent und im Jahre 1033 72,5 Prozent. Während im Jahre 1028 das Exportbicr im GesamtauSstoß noch 2.3 Prozent auSmachtc, sinkt dieses Verhältnis nn Jahre 1333 auf bloß 0,2 Prozent. Nazi-Paplerböller in Saaz. Gestern früh mn%3 Uhr explodierte im Hause des Malermeisters Karl T k e s k a in Saaz ein zirka 20 Zentimeter langer, mit Spagat umwickelter Papierböller, der zum Glück keinen Schaden anrichtete. Nninittelbar nach der Explosion wurde ein junger Mann beobachtet, der in dec Richtung zum Gymnasium rasch davon lief. In dem genannten Hause Ivohnt der politische Referent der Saazer Bezirksbehörde, Herr Dr. Jirt Hartmann, dem das offenbar von Hakenkreuzlcrn vorbereitete„Attentat" zweifellos gegolten hat. Die Polizei hat die Nachforschungen nach dem Täter bereits ausgenommen. Der Vorfall zeigt, daß die Nazi nun auch in der Tschechoslowakei„österreichische" Agi« tationSincthöden cinzuführen versuchen. Wie sehr sic damit dem Sudetendeutschturn schaden können, scheint sie gar nicht zu interessieren. Es wird daher notwendig sein, den Burschen ein erhöhtes Augenmerk znzutvenden. Lahusens rechtskräftig verurteilt. Das Leipziger Reichsgericht verwarf am Donnerstag antragsgemäß die von G. Carl Lahuscn und Heinz Lahuscn gegen das Urteil des Landgerichtes Breme» vom 20. Dezember 1033 eingelegte Revision mij einer für die Strafhöhe belanglosen Maßgabe als unbegründet. Damit sind rechtskräftig verurteilt der Angeklagte E. Earl Lahuscn wegen Konkursvergehens und handelsrechtlicher Untreue zu 5 Jahren Gefängnis und 50.000 RM. Geldstrafe, sowie sein Bruder Heinz Lahusen zu 2 Jahren 0 Monaten Gefängnis und 20.000 RM. Geldstrafe. Drei Frauen verbrannt. In Cheyenne(Wyoming) entstand durch Explosion von Leuchtgas ein Brand, der auf zwei PcnsionShäuser Übergriff und sic bis auf die Grundmauern zcrstörke. Drei Frauen verbrannten und weitere zwei wurden schwer verletzt. Hitzewelle in Italien. Die Hitze hat in ganz Italien außerordentlich zugenommcn. Aus Neapel werden ztvei Todesfälle durch Hitzschlag gemeldet. Die Unfälle beim Baden häufen sich. Transozean-Flug. Die polnischen Flieger, dieBrüderAdamovicz, sind in New Dorl zu einem TranSozcan-Fkug ohne Zwischenlandung nach Warschau gestartet. Spionage in Ungarn. Das Honvedgcrlcht in Budapest hat tvcgen Spionage zugunsten fremder Staaten den tschechoslowakischen Staatsbürger Johann Dömcny, Fischer von Beruf, zu acht Jahren Zuchthaus, die jugoslawische Staatsbürgerin Stcfani Gall, geborene Maria Plavetz, Journalistin, zu fünf Jahren Zuchthaus und lebenslänglicher Landesverweisung und den rumänischen Staatsbürger Ludtvig Gros, zu vier Jahren Kerker und lebenslänglicher Landesverweisung verurteilt. Vom Rundfunk Empfehlenswert«» aus sen Programmen, SamStag: Prag, Sender L.: 6: Gymnastik,. 10.05: Deutsche Sendung, 12.30: Mittagskonzert, 18.40: Wal- »er auf Schallplatte», 17.45: Schallplatte«, 18.18: Deutsche Seiwung: Franz Münnich: Mit dem Fahrrad durch ztvei Welten, 18.50: Sportvorschau, 18.55: Deutsche Presse, 18.10: Buntes Programm, 22.48: Tanzmusik. Sender S.: 14.20: Deutsche Sendung: Gleiche Worte— andere Klänge, 15: Deutsche Presse.— Brünn, 15.15: Orchesterkonzert, 17.40: Deutsche Sendung: BolkSliedcrstunde.— Mähr.» Ostrau 22.80: Orchesterkonzert. K«S«m. 20. 9mtt*93* eeito« N 6W Der GeviMWelliWng In Ute M zu Beginn des Jahres 1V33 Sn Katholik gegen die„Deutsche Presse“ Die„Deutsche Presse" hat vor kurzem in einem Leitartikel die Schrist eines gewissen Pro- fessor Patzelt besprochen, die dieser im österreichischen Bundespressedienst zum Zwecke der Verunglimpfung der österreichischen Sozialdemokra- ten herauögegcbcn hat. Die„Deutsche Presse" zitiert mit besonderer Zustinimung die folgenden Schlußsätze, deren niedrige Unsachlichkeit den Patzelt restlos widerlegt: „SUc persönliche Unzugänglichkeit uitb U n< sauberkeit einzelner Führer, all die maßlose Verschwendung öffentlicher Gelder durch ihre Mitz- wirtschaft hätten den Siegeszug de- Marxismus nicht aufhalten können, wenn ihm wirklich schöpferische Kraft innewohnen würde, denn er würde dann auch Führer hervorgcbracht haben, die mit reinen Händen alles daran gesetzt hätten, um neue, vollkommenere Formen der Wirtschaft zu schaffen und dadurch diese wieder zu beleben. In Oesterreich hatte der Marxismus Belegenheit, seine Lehren in Tatsachen umzusetzen, der Versuch endete nicht nur mit einem Bankrott der Nullen, sondern auch mit einem Bankrott der marxisti- , schen Irrlehre, und dar verleiht dem Zusammenbruch der sozialdemokratischen Partei in Oesterreich eine über seine Grenzen hinauSgehende Bedeutung." Die„Deutsche Preffe" sei aber auf folgende Tatsachen aufmerksam gemacht: Der von Dollfuß ernannte Vizebürgermeister der Stadt Wien, der katholisch-konservative Gelehrt« Dr. Ernst Karl Winter, schrieb in der am 20. Mai erschienenen Nummer seiner Zeitschrift„W lener Politische Blätter" u. a. folgendes: „Der Austromarxismus, verkörpert in Otto Dauer, und in niemandem sonst in gleicher Intensität, trat nach eigenem Gesetz an und nach demselben Gesetz wieder ab. Fünfzehn Jahre liegen dazwischen, deren historischen Sinn für Oesterreich eS zu bewahren gilt. ES war nicht mein Gesetz, nicht meine Lebensform, aber eS war ein Gesetz, eine Lebensform, die echt waren, und die Achtung abnötigen mästen. Hätte der Austromarxismus sich in das Schicksal der neuen Epoche, die in der„nationalen Revolution" anbrach, ebenso stillschweigend ergeben, wie die deutsche Sozialdemokratie, er hätte den Beweis erbracht, daß er keine echte Phase der österreichischen Geschichte war, vielmehr wert ist, ausgetilgt zu werden und zu verschwinden. D ast er das Gegenteil tat, war im Augenblick eine Katastrophe für den Staat, aber für die historische Linie. dieses Staates wertvoller als das anderes".." „... In den Jahren 1918/10 hat faftisch di« Führung der Sozialdemokratie die Rätediktatur verhindert und die revolutionären Ausbrüche der heimkehrenden Kriegsteilnehmer aufgefangen. Fünfzehn Jahre lang hat die sozialdemokratische Führung in allen schwierigen Lagen deS Staates diesem nicht nur gegeben, was ihm gebührt, sondern auch immer die konkretesten Aufbauprogramme, die nichts mit Sozialismus, führ viel aber mit wirklicher Wirtschaftserfahrung zu tun haben, vorgelegt, ohne datz die Gegenseite dieselben auch nur zur Kenntnis nahm..." „... Gewist, es wäre nicht nur sittlicher, sondern auch politischer gewesen, in dem Augenblick, als die Sozialdemokratie vom 18. Juli 1027 an eine immer offenkundigere Entwicklung hin zum Staate und zur Verständigungspolitik nahm, mit der Vergangenheit Schlust zu machen und neu zu beginnen. Dasverflos- sene Jahr hätte hundert Gelegen- heitendazugeboten. Dast diese Verständigung nunmehr von der anderen Seite abgelehnt wurde, hat die Situation dieses Staates neuerdings erschwert..." Im Regierungslager glaubte man in den elf Monaten, die der Katastrophe vorauSgin- gen, ernsthaft zwei Dinge: Erstens, dast die Führer hetzten, die Gefolgschaft aber, vor allem die arische, verhetzt werde, und zweitens, dast daher die Gefolgschaft von der Führerschaft obläS- bar sei.. „... Diese Unkenntnis der wahren Sachlage wurde hervorgerufen durch di« falsche Politik, die auf Trennung von Führerschaft und Gefolgschaft auSging. Man sah nicht, dast man damit einen Apparat zersetzte, dessen historische Funktion seit vielen Jahrzehnten, nicht die Verhetzung, sondern die Disziplinierung der Massen war, und dessen Wegfall daher die aus der ÜebenSsituation und nicht auS intellektueller Einwirkung stammenden anarchischen Komplexe der modernen Industriearbeiterschaft nicht beseitigen würde, sondern erst recht in kraste Erscheinung treten lassen müstte...* „Der Versuch, die Gefolgschaft von der Führerschaft zu trennen, war keine staatspolitisch« Handlung, sondern nichts anderes als ein parteipolitisches Unterfangen. Staatspolitisch wäre eS gewesen, den Versuch der Gewinnung der ganzen Partei und der gesamten Arbeiterbewegung für den Staat zu machen. Dazu wären die Voraussetzungen im verflossenen Jahr gar nicht schlecht gewesen.. In seinen weiteren Ausführungen fordert Herr Winter, datz den Worten der Versöhnung Daten der Versöhnung folgen. Man soll die Entlassungen von Sozialdemokraten aus dem öffentlichen und privaten Dienst einstellen, die Wiederbelebung der Arbeiterkul« tarorganisationen, und die E n th af- Nach der Volkszählung von 1030 zählt fast die Hälfte aller Personen über 21 Jahren zu der Gruppe der berufstätigen Arbeitnehmer, nämlich 4,440.883 von 0,188.330. Bon hohem Interesse ist nun die Frage, wieweit der Gedanke der gewerlschaft« lichenOrganisation in dieser zahlenmäßig so bedeutsamen Schichte sich Bahn gebrochen hat. Nach der offiziellen Gewerk s.chaft»- st a t i st i k für daS Jahr 1032 sind 44.48 Prozent der berufstätigen Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert, nämlich 1,078.827, und zwar in 864 Gewerkschaften, über denen sich 18 G e w e r k» schaftszentralen aufbauen. Das bedeutet 13.48 Prozent der gesamten StaatSbevülkerung und 21.83 Prozent aller volljährigen Personen. WestauS an der Spitze steht die freigcwerk- schaftliche gemeinsame Gewerkszentrale als mächtigste Spitzenorganisation, die in ihren tschechischen Zentralverbänden und der deutschen Zentralgewerkschaftskommission zum 1. Jänner 1033 nicht weniger als 880.406 Mitglieder zählt, also weit über die Hälfte sämtlicher I tungderpolitischenGefangenen— alle», um dann seinen Königsgedanken zu verwirklichen: die Neugestaltung der Arbeiterbewegung in der Form eine» Oesterreichischen Arbeiterbundes mit„gewissen geistigen Freiheiten" und„organisatorische Selbständigkeit". Herr Winter meint so etwa» wie eine gleichgeschaltete sozialistische Partei. Natürlich bleibt diese Art von Versöhnung nur der ftomme Wunsch de» Herrn Bizebürger- meisiers. Geschichtlich interessanter ist aber, wie der katholische Gelehrte noch heute über Otto Bauer schreibt: „... Meine innere Einstellung zu dem politischen Konzept diese» Mannes(Otto Dauer. D. Red.) im vergangenen Jahre habe ich wenige Stunden vor der Proklamation des Generalstreikes noch etwa so formuliert: Stünde ich nicht durch meine Lebensform, als Christ, als Oesterreicher, als Vater von sechs Kindern in einem ganz anderen Kosmos, aus dem ich immer wieder neue Kräfte ziehe, die wertvoller sind als alles Gedankliche, und die auch dar Gedankliche erst formen und bestimmen, wäre ich nur Denker und nicht auch Mensch, nur Mensch und nicht auch Christ, ich würde nicht zweifeln, wohin ich auch politisch gehör«. Otto Bauer ist eine geistige Kraft, der man sich wohl unterordnen könnte..." ES erschien dem Verfasser auf Grund seiner Quellenlage tragisch genug für Oesterreich, aber auch für die Parteiführer beider Lager, datz auf der einen Seite ein priesterlicher Mensch, der fehl am Orte der Politik war, durch sein Berhaf- , tetsein in abstrakte Gedankengänge daS Höchste in diesem Staate wollte und da» Gegenteil erreichte, auf der anderen Seite aber ein Mann, der an hundert Einsatzpunften klar bewiesen hatte, über wie viel« konkreteste Hilfsmittel für diese» Staat er verfügt«, niemals in der Lage kam, dieselben auch nur seinen Gegnern verständlich zu machen, geschweige denn, sie anzuwenden. Wer unvoreingenommen, wie der Verfasser, Dutzende von Mo- natSbänden der beiden führenden politischen Ta- geSblätter Wiens in den letzten fünfzehn Jahren wissenschaftlich durchgearbeitet hat, immer wieder die Politik Seipels mit der Bauers konfrontierend, mutzte zur Erkenntnis kommen, dast der A n t i- marxismuS GeivelS ein Unheil kür Oe st erreich gewesen ist, umgekehrt der Austromarxismus eine wertvolle Summe von geistiger Arbeit und eine nicht gering unschlagbare Sorge für den Gesamtftaat in immer wieder neuen Programme« und Entwürfe«, die alle auf Bauer zurückgehen, aufgewendet hat." gewerkschaftlich Organisierter überhaupj. Demgegenüber weist die„Eeskoslovenskä obee dklnickä" der tschechischen Nationalsozialisten nur 200.813, die„Bereiitigten Jndustrieverbände" der Kommunisten nur 187.838 Mitglieder aus. Die frei- gciverkschaftlichen Gcwerkschaftüverbändc erfassen 14.82 Prozent der berufstätigen Arbeitnehmer, die„Ober dklnickä" 6.74 Prozent, die„Jndustrieverbände" nur 3.77 Prozent. Die Gruppierung der deutsche» Gewerkschafter zeigt zum 1. Jänner 1033 die überragende Position der freigewerkschaftlichen Zentrale, die von 100 gewerkschaftlich Organisierten deutscher Nationalität 8 1.2 8 angchören. Auf die kommunisfischcn ,,J n d u st r i c verbände" entfielen dagegen von 100 nur 9.78 Mitglieder, der„Verband deutscher Gewerkschaften" brachte eS auf 18.80 vom Hundert. Zu ertvähnen ist sonst auf deutscher Seite nur noch der„Verband der christlichenGewerkschafte n", der aber nur 8.27 vom Hundert buchen kann. Dagegen entfallen 11.88 vom Hundert auf Gewerkschaften und gcwerkschaftSnotigc Vereinigungen ohne zusammenfassende Gewerkschaftszentrale. Bg. Vielleicht unternimmt Herr Patzelt den Versuch, sich mit Herrn Dr. Winter zu einigen. Oder hat die«Deutsche Preffe", deren Hilgenreiner vor kurzem von Dollfutz«brückte, vielleicht Lust, ihre Leser auch mit der Meinung deS Dr. Winter bekanntzumachen? Zu wessen Lasten geht die Krise? Die eben in Aussig stattgefundcne Generalversammlung deS Vereins für chemische und metallurgische Produkfion genehmigte den vorge- lcgtcn Abschluß. Dieser Geschäftsabschluß für das Krisenjahr 1033 ist auch fiir die Arbcitcrschast beachtenswert. Aus ihm geht hervor, daß die Lohn- und GehaltSsummc von 27.1 Millionen XL auf 23.8 Millionen XC, also um 3.8 Millionen Xi hcruntergcdrückt ivorden ist. Wurden also die Arbeiter und Angestellten des Kvnzern» hart mitgc- noinmen, so erhalten die Aktionäre auch für das Jahr 1033 eine uugeschinälcrtc Dividende von 10 Prozent. Da» ist' für das Krisenjakst reichlich viel. Darüber hinaus erhalten ein paar Herren des AufiichtSrateS sogar noch 38.000 XL mehr als 1032. Denn an„Tantieme" werden diesmal 247.114 XL gegen 212.788 XL im Jahre 1032 bezahlt. Geringere Löhne und Gehälter für die Arbeiter und Angestellten, höhere Vergütungen für die Aufsichtsräte— so wirkt sich die Krise auS! „Knt* 20 Direktoren Auf der Generalversammlung der Böhmisch- Mährisch-Kolben-Danil A. G. erklärte der Oberdirektor Preiß in einer?lntwort auf Angriffe einiger Klciimktionäre,«daß die Gehälter der 20 Direktoren deS Unternehmen» insgesamt 1.8 Millionen XL betragen, daß technische Direktoren nur 88.000 XL jährlich beziehen, und daß er sich schäme, daß man den verantwortlichen Funktionären nickt mehr zahlen könne". Ob sich der Herr Oberdirettor auch schämt, daß verantwortliche Arbeiter des Unternehmens, die ebenfalls ihre voll- werfige Arbeitskraft hergeben müssen, mit lvöchent- kich 160 XL oder noch weniger dezahü werden? Steuerabschreibungen und Unterstützungen bei Mißernte Vom Zentralverband deutscher Klein« bauern und Häusler wird verlautbart: Trotz der wiederholten Aufklärungen im.Meinen Landwirt" und der ausführlichen Hinweise in unserer Steuerbroschüre über die Erlangung von Steuerabschreibungen, herrscht darüber die grötzmög- lichste Unklarheit bei vielen Kleinlandwirten. Dir bringen daher nochmals zur Kenntnis, wie Steuerabschreibungen zu erreichen sind: Rückvergütung der Grrmdsteurr. Die Rückvergütung der Grundsteuer kann durch' den Elemeniarschadenfonds erfolgen, wenn die land, wirtschaftlichen Produkte vor der Ernte durch Elementarkatastrophen in einem solchen Grade vernichtet worden sind, daß sich der Raturalertrag wenigstens um*A des Ertrages verringert hat, der unter normalen Umständen durchschnittlich erzielt werden kann. Im heurigen Jahr ist durch die Trockenheit und die Fröste dieser Umstand überall gegeben und müssen die geschädigten Kleinlandwirte und Häusler den Schaden beim Gemeindeamt« sofort anzeigen. Hiefür ist ei» Formular zu verwenden, welches bei der Bezirksbehörde erhältlich ist und vom Gemeindevorsteher von dort bezogen werden kann. Die Erhebungen werden durch eine Ortskommission durchgeführt und von der Bezirkskommission überprüft. Rach der Ernte, längstens aber vor dem 31. Dezember, 1034, ist an dir zuständige Bezirkskom- miffion bei der betreffenden Bezirksbehörde ein ent« sprechende» Ansuchen zu stellen. Gleichzeitig kann auch angesucht werden um «ine Unterstützung au» dem Elementarschadenfond». Der Vorgang ist derselbe. Der Schaden ist bei dem Gemeindeamte sofort zu melden, doch sind sür die Anmeldung andere Fornmlare notwendig, die ebenfalls durch da» Gemeindeamt bei der Bezirksbehörde bezogen werden können. In diesen Formularen ist der verursachte Schaden anzuführen.. Wir verweisen miSdrücklich darauf, daß in den früheren Jahren bei Elementarkatastrophen unsere Mitglieder sehr ost übergangen worden sind, sie müssen daher bei der Ortskommission bzw. beim Gemeindeamte verlangen, datz ihre Schäden an den landwirtschaftlichen Kulturen genau aufgenommen werden. Allgemein« St«urrabschr«ibung. Da» Gesetz vom 16. Juni 1027 Nr. 76 S. d. G. u. B. betreffend die direkten Steuern, sieht auch eine allgemeine Steuerabschreibung vor. Kn Paragraph 276, Punkt 2, Abs. 3 heißt es: Ein« rechtskräftig vorgeschriebene Steuer kann auf Ansuchen ganz oder teilweise nachgesehen werden, wenn durch ihre Eintreibung der Unterhalt des Schuldners ernstlich gefährdet oder sein wirtschaftlicher Ruin herbeigeführt werden würde. Mit der Abschreilmng der Steuern ist auch di« Abschreibung der mit ihr verbundenen Zuschläge verknüpf,. Nachdem Heuer viele Kleinlandwirte und Häusler durch die Mißernte in ihrer Existenz ernstlich gefährdet sind, vielfach auch vor dem wirtschaftlichen Ruin stehen' und die Steuern nicht aufbringen können, so enipfehlen wir, datz solche Mitglieder, wo die« zutrifit, unverzüglich um die Abschreibung sämtlicher Steuern, also Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Erwerbssteuer und der Grundsteuer ansuchen. Diese» Ansuchen ist stempelfrei und kann ungefähr folgenden Wortlaut haben: An die Steueradministration in In den letzten Monaten ist durch die ungeheuere Trockenheit und die eingetretenen Fröste nahezu mein« ganze Ernte vernichtet Warden. Der Ausfall beträgt schätzungsweise Prozent. Durch die Mißernte stehe ich mit meiner ganze» Familie vor dem Ruin. Unter diesen Umständen bin ich nicht in der Lage, die mir vorgeschriebene Steuer zu bezahlen. Ich ersuche deshalb höflichst, die vorgeschricbenen lhier sind die Steuerarten anzuführen) abzu schreiben. Desgleichen ersuche ich um Abschreibung der noch vorzuschreibenden und rückständigen Steuern samt Umlagen wegen Gefährdung deS Nahrungszustandes. Datum. Unterschrift und genaue Adresse. Damit den einzelnen Mitgliedern unserer Ortsgruppen unnötige Schreibereien erspart bleiben, mögen die' Geschädigten ein gemeinsame» Ansuchen überreichen. Dort, wo in dem Musterformular von der Einzelperson die Rede ist, kann die Mehrzahl durch da» Wörtchen„wir" ersetzt werden. DaS gemeinsanie Ansuchen ist mit der genauen Adresse der Gesuchsteller bzw. mit der Unterschrift zu versehen. Wir ersuchen unsere Vertrauensmänner in den Ortsgruppen und Untcrverbänden, den Mitgliedern überall an die Hand zu gehen, da eS der Zentralleitung nicht niöglich ist, in alle Orte zu fahren, um ihnen die Anleitung persönlich zu geben. Wenn überall nach diese», Anweisungen ver- . fahren wird, so haben die Mitglieder wenigstens die Beruhigung, alles getan zu haben, um sich eine Erleichterung zu sichern. Wir machen aber ausdrücklich aufmerksam, datz die Steuerabschreibungen nur dann einen Erfolg haben können, wenn von der Regierung, bzw. vom Finanzministerium an die Steuerbehörden der Auftrag ergeht, datz diese den durch die Mißernte Geschädigten lveitgehendst ent- gegenkommen mögen. In diesem Sinne haben unsere parlamentarischen Vertreter bei den zuständigen Stellen alle nottvendigcn Schritte unternommen. GEDENKET bei allen AnMsran der Arbeiterfürsorge! Da* Unglück— der anderen... „Schrcckllcli, wenn man bedenkt, den den armen Leuten die tfanze Ernte verdorben ist.. Sette« „Sozialdemokrat^ &tHag, 28. Kmü 1834. M. WO PWACEW ItlTIlia M MMM auf Dem AM Heute bauen die Roten Falken ihr Zeltlager für die Olympiade „Wißt Ihr, wo die Roten Fallen ihr Lagei für die Olhinpiade anffchlagen? Wir rnfen zwei Ordner ans dem Slrabover Feld an, die hochbepackt vorüberhastcn. lind ob sie cs wissen! Ans die kleinen Gälte sreut sich schon alles, Ivas im Lllunpiade- stadion in diesen Tagen Sitz und Stimme hat Hinten, an der alten FcilungSmauer, mitten auf einer sättigen Wiese wird die Kinderrepublik aus der„Tante" gehoben werden. Ter Raum des Lagers ist schon ausgesteckt, drei Zelte des„vorbereitenden Stabs" bilden die Borhut, aber beute erst wenn die 450 Raten Fallen aus allen Teilen der Republik in Prag cintretfen, wird man an den Bau diese»„Staats im Staate" geben. Einer ist schon da, von zwei, drei treuen Helfern begleitet, der Lagerpräsident, Genosse Hocke von denKinderfrciinden. „TaS liebt noch alles ein wenig wild aus" lagt er und weilt aut den Platz bin, auf dem es wirklich noch wie zu Beginn einer„Generalprobe" aus- fiebt: Steine, Schotter, auSgcworfene Erde, zwei kleine Gruben zuni Einrammen der bohen, stolzen Fahnenmasten der roten Rinderdörfer. Heute kommen die Roten Falke« «ach Prag Man kann ihm schon glauben, das; es morgei» anders anssehen wird! Erstaunlich, mit welcher Sorgfalt Genosse Hocke den Lagcraufbau bis in» kleinste Detail vororganisiert hat. Die 450 Fallen werden heute in Prag eintreffen, die A u s s i g e r, B o d e n b a ch e r und Teplitzer nm 12 llbr 38 Min. auf dem Masa- rNl-Bahnhof, die B r ü r e r mn 12 Uhr 41 Min. aus dem Wilsonbabubof. die Reiche nberger nm 12 UKr 42 Min. und die T r o p p a u e r, Jägerndorfer und Brünner um 16 Uhr 51 Min., beide auf dem Masarbk-Bahnhof. Mit der roten und der StaatSsahne voran tverden die kleinen Kämpfer in ihr Bicrzehn-Tageland ziehen und daselbst ihre Lagerstadl aufbauen. Am S Uhr geht'» los Punkt drei Uhr beginnt der Lageraufbmi. Zwei Torfgemeinschaften werden gebildet mit je 15 Grobzelten, in denen durchschnittlich stets fünfzehn Falken wohnen werde». Jeder Falke erhält seinen Schlafsack, den er selbst zu stopfen hat. Die Grotz- zelte, kreisförmig um den„Dorsplatz" angelegt, sind Schlafzelte, in fünfzehn kleineren Materialzelten wird das Gepäck der Lagergäste aufbewahrl werden, Rucksäcke, Kleider, Wäsche und alle die Dinge, mit denen ein Roter Falke auf Reisen zu gehen Pflegt. So«in Kinderdorf ist nach allen Regeln der Kunst gebaut und eingerichtet und man legt es mit solcher Ueberlegenhcit an, als wäre es für alle Ewigkeit bestimmt. Da ist der Dorfplah, auf dem die kleinen Dörfler in ihrer Freizeit Zusammenkommen werden. Sein schönster und stolzester Schmuck wird die große rote Fahne sein, die an einem viele Dieter hohen Mast, die Gcsinimng der„K i n d e r- revublik Olynipiade 1634" weithin dokumentieren wird. Jede» Morgen und Abend wird sie feierlich auf- und eingezogen tverden. In der„roten Zentrale" wird die Lagervcr- waltung untergcbracht sein, sie wird, nicht dörflich, aber zweckmäßig, sogar mit Schreibmaschine und Pervielfältigungsapparat ihr arbeitsreiches Amt antreten. Das»Arbettsml«lsterl«m" der Ri«derrep«bUk ES ist wirklich an alles gedacht. Ein richtiggehendes„ArbeitSntinisterium" wird ausgezogen, in dessen„Rännien" sich zwar keine respektheischenden Ministerialräte. aber Sägen, Schaufeln, Beile und Schubkarre» befinden, ein Lagerläzarett und ein Sanitätszelt, in dem ständig mehrere Sanitäter zur Persügimg stehen. Wie überhaupt der gesundheit- lichcu Kontrolle der'Roten Falken die größte Auf- nierksamkeit gewidmet werden wird. Ein Prager Arzt ist verpflichtet tvorden, der Kinderrepublik täglich seinen Besuch abzustatten. Ein Lagerkonsum, in dem man die Kleinigkeiten des täglichen Falkenlebens, wie Zwirn, Nähnadeln, Papier, Knöpfe und Bleistifte erhält, der die Lagerbewohner mit dem genossenschaftlichen Gedanken eng vertrant machen soll, wird errichtet werden, Leiter dieses Konsums soll ein Falke sein. In einer Lagerbank wird das gesamte Geld der Falten gemeinschaftlich verwaltet tverden. Ob ein Falke mit 50 Hellern, mit 16 oder mit 20 Kt in das Lager kommt, alles fließt in die Kassen der SolidaritätSbairk und dient, fern jeder„Spekulation", dem Interesse aller. Präsident der Bank ist ein Erwachsener, dein aber Rote Falken als Kontrollore zur Seite stehen werden. „Blumen-Zauberdrmg", das Blütenumnder Blumen an allen Fenstern! Welche Freude für den Besitzer wie für den Beschauer! Wenn Sie Ihre grünen Lieblinge kräftigen und zu reichem Blühen bringen wollen, verwenden Sie„Blumen-Zauber- dung". ein erprobtes, billiges Düngemittel, ein wahrer Wundertrank für Ihre Blumen. Jetzt müssen Sie mit dem Dungguß beginnen! Bestellen Sie sofort ein Paket bet der nachstehend angegebenen Adresse und legen Sie den Betrag von KC 5.60 in Briefmarken bei. Alle Bestellungen richten Sie an die Verwaltung»Die Unzufriedene", Prag XU., Fochova tr. 62. „Die roten Falken müssen lernen", sagt Genosse Hocke,„ihre Republik selbst cinzurichten. Die Parole de» Lagers ist: Ordnung, Freund- s ch a f t, S o l i d a r i t ä t!" Kinderparlament So bauen die Falken ihre Republik. Auch ein Parlament werden sie haben, in geheimer Wahl gewählt, ein Parlament, das nur au» roten Falken bestehen lvird. Der einzige Erwachsene unter diesen„Parlamentariern" lvird der Lagerpräsident sein, der der„konstitutionellen Körperschaft" als Berhandlungsleiter Vorsitzen wird. ES wäre noch viel zu erzählen von der geplanten herrlichen Ausschmückung der Zelte mit Sturmfahnen und Wimpeln, Von den Handtuchrechen vor den Schlafzel- tcn, von diu Dorfbriefkästen und den Dorfbriefträ- gern, von der Anschlagelafel und der Lagerwache.. „Noch eine Frage, Genosse Hocke, und wie ist eS mit der Verpflegung?" „Fürs Essen brauchen wir nicht zu sorgen! Die fünf Gänge aus der Küche des Genossen Schrader, von zwei Falken täglich in Kübeln hcrübergeholt, werden uns alle reichlich satt machen I" „Dann viel Glück! Und hoffentlich sind genug Falkenfreunde mn Bahnhof. Freundschaft!" „Freundschafti" klingt cs zurück. Schon ist die Lagerleitung wieder an der Arbeit. P—'re. vcrclnsnadirlditcn © Ortsgruppe Prag. Während den Tagen der Arbeiter-Olhmpiade(I. bis 8. Juli) finden keine Wanderungen statt. Die Mitglieder tverden aufgefordert, sich recht zahlreich. an der Olhmpiade zu beteiligen. Am Sonntag, den 8. Juli beteiligen wir uns in Wanderausrüstung an dem Umzug. Ort und Zeit der Zusammenkunft werden noch durch die Zeitung bekanntgegeben. Stirbt die Erdbeere aus? Was man in Frankreich und England fest- gestellt haben will. Wenn man dem Pariser„Excclsior" glauben darf, so droht der Erdbeere, die uns alljährlich mit ihrem Geschmack und ihrem Aroma erfreut, eine schwere Gefahr. Sie ist— so behauptet das Blatt— im langsamen Abstrichen begriffen, und wenn nicht rechtzeitig Abhilfe koinnit, so kann sie ganz von der Erdoberfläche verschwinden. Dian könne an ihr nämlich in zunehmendem Mähe DegcncrationScrscheinungcn beobachten und auch ihre Häufigkeit nehme stetig ab. Solche Feststellungen sind übrigens auch schon in verschiedenen anderen Ländern, in denen sich die Erdbeere großer Beliebtheit erfreut, gemacht worden. So ist die mit Erdbeeren bepflanzte Fläche in England im letzten Jahrzchn um ein volles Drittel kleiner geworden, ohne daß man den seltsamen Vcrfallerschcinungcn auf den Grund kommen konnte. Und ebenso lvcnig konnten auch kanadische und europäische Institute, in denen man die Ursachen des Ausstcrbcns lviffcnschaftlich zu erforschen suchte, hinter das GchcinmniS gekommen. Bis auf den heutigen Tag steht es nicht fest, ob diese Bersallerjchcinungcir mit der Pflanze selbst Zusammenhängen oder durch noch uncnt- dcckte Jnscktcnschädlinge bewirkt werden. Der, Weltmeister der Geldschrankknacker... ... Sachverständiger für Sck>iffsbrrgungrn. Das Gepäck des ertrunkenen Lord Kitchcner Charles Courtnch ist der Weltmeister der Geldschrankknacker. Aber seine Kunst betätigt er nicht» um zusammen mit dunklen Gesellen die Kasscnschränke der Banken auszuraubcn, sondern um die Tresors gesunkener Schiffe zu öffnen. Er ist von Beruf Schlosser. Man behauptet von ihm, daß er auch das koinplizicrtcstc Schloß an Panzerschränken ohne den richtigen Schlüssel zu meistern verstehe. Als man bei der Bergung von Schiffslasten vom Meeresgrund auch vor die Aufgabe gestellt wurde, stählerne Safes aufzubrecheu, erinnerte man sich des Weltmeisters der Geldschrankknacker und stellte ihn gegen hohe Entlohnung ein. Courtueh arbeitete sich überraschend schnelle ein und gilt heute als kompetenter Sachverständiger für SchisfSbergungc». Auf dem Dampfer„Leviathan" ist er vor cnigcn Tagen in Plhmouth cingctroffen» um der britischen Admiralität eigenhändig mehrere Ringe und Wertgegenstände des ertrunkenen Lord Kit- chcncr zu überreichen. Lord Kitchcner befand sich an Bord dcS englischen Dampfers„Hampshire", als er auf seiner Fahrt nach Rußland westlich von den Orkney-Inseln am 5. Juni 1016 unterging. Die BcrgungSarbcit an dem Wrack der „Hampshire" hat viele Monate in Anspruch genommen. Sic galt nicht nur den Wertgegenständen des toten englischen KricgöministerS, sondern vor allem den Goldbarren, die sorgfältig verstaut im Innern des SchiffSlcibes ruhen. Von ihnen konnte nur ein kleiner Teil an die Meeresoberfläche befördert werden. Ein erneuter Angriff auf de» Rest des großen Goldschatzes soll noch in diesem Jahre beginnen. Allerdings wird größtes Stillschweigen in der ganzen Angelegenheit bc- tvahrt. Im April dieses Jahres hatte Courtueh aus dem Meeresboden, in 65 Faden Tiefe, ein Abenteuer auszustehcn, das ihn beinahe das Leben kostete und das sein Haar schlohweiß bleichte. Er befand sich mitten im Wrack der„Hampshire", als sich das Schiff bewegte, ihn mit großer Gewalt fcstklemmtc und ihn beinahe 45 Minuten gefangen hielt. Er wurde schwer verletzt und konnte sich erst nach unsäglichen Anstrengungen und Qualen befreien. Sein Erlebnis raubte ihm jedoch nicht den Mut. Gleich nad) der notdürftigen Heilung seiner Wunden stieg er tvic- dcr ins Meer. Ilm seine Arbeit unten auf dem Mecrcs- boden herrscht stets größtes Stillschweigen. Die Konkurrenz darf nicht wissen, was vorgcht, und fremde Staaten sollen nach Möglichkeit nicht interessiert tverden. Als man Courtueh für die Bergung der Schätze im Wrack des englischen Dampfers„Eghpt" engagierte, wußte er selbst nicht, welche Mission man ihm anvertraute, bis er mit dem Bcrgungsdampfcr über der„Egypt" stand. Urania-Kino, Klimentshä 4. Ab ffreltaa bi» elnschlteftllch Montan: „Ein Mann mit Herz" mit Gustav gröblich. Kasperl huldigt der Olympiade Eine Szene aus dem„Puppendorf unter d er Erde", auf dem Strahover Stadion, das wir gestern geschildert haben Kunst und wissen Das Spielzeit-Ende brachte noch eine Reprise des„Zi g e n n e r b a- r o n", bemerkenswert vor allem durch das Diri» genten-Gastspiel Georg Singers, der seit seinem Abgang vom Prager Deutsck>en Theater bedeutend gewachfen ist; man war Zeuge einer sicheren, temperamentvollen, stellemveise mitreißenden und doch sehr gcsühlsgetragenen Interpretation dieser unsterblichen Partitur durch einen behcrrscksten Poll- blutmusikcr, der zudem aller Schlvierigkeitcn des ZusammentvirkenS, die sich aus der lange» Pause seit der letzten„Iigeunerbaron'-Vorstellung ergaben, immer rasck> Herr wurde. Das Publikum feierte übrigens an diesem Abend laut und herzlich Wiedersehen und-hören Fräulein Anni K o n e tz n i s, die. mit ihrer ungewöhnlich kräftigen, blendenden Höhe und mit den sonstigen Werten ihres Organs größte Wirkung erzielte. Die Sängerin und der Dirigent wurden tviederholt durch außerordentlichen Beifall ausgezeichnet. Aber auch Herr L i b a l sang diesmal einen ausgezeichnet tonschönen Barinkay. Hoffentlich konnnt es im nächsten Spieljahr zu einer tveiierreichenden Pflege der klassischen Operette. Und mit vielen anderen guten Wünschen ist nun also die Theaterrnbrit für diese Saison wohl zu schließen. Es soll rind darf nicht geschehen, ohne daß all den vielen Scheidenden, denen das Theater und das Publikum im Laufe der Jahre oftmals gewürdigte Leistungen verdankte, dieser Dank hier nochmals in Bausch rind Bogen ausge- sprochen werde, wobei zu hoffen ist, daß schöne Erinnerungen und gerechtes Empfinden alle diese Künstler auch auf den Weg begleiten werden, der sie jetzt zumeist ins Dritte Reich führt. Da keiner und keine der Abgehenden sich besonders von Prag verabschiedete, ergab sich auch für die Presse leider keine allgemeine Gelegenheit zur üblichen abschließenden Würdigung. Sie kann aber innerlich in keinem der Dutzenden Fälle von Personen fehlen die ihr Bestes für die erste deutsche Bühne der freie» Republik gaben. L. G. SamStag Schlußvorstcllung: Gastspiel Trudi Schopp mit ihrem Komikerinnen-Enscmblet Zur Aufsühruug gelangen„R i n g e l r e i h e n 1034". (Erstaufführung) und„Fridolin unter- w e g S". Samstag 8 Uhr letzte Vorstellung„W o w a r ichheute nacht? von Olga Schcinpflug mit Pcpi Kramer-Glöckner a. G. in der K l e i n e n B U h n e. Drei Preise: 6, 12 und 18 XL. DaS neue Abonnement, Den bisherigen Abonnenten wurde heute die Einladung zum neuen Abonnement zugcschickt. Die Auflage des neuen Abonnements erfolgt vom 31. August ab. Es liegt im Interesse der bisherigen Abonnenten, die oen oben genannten Einladungen beigclcgte Bestellung baldmöglichst ausgefüllt zurückzujenden, damit alle Platzwünsche erfüllt tverden können. Im September tverden noch eine Anzahl von Rcstvorstellungen des bisherigen Abonnements und acht Werbcvorstcllungen, letztere gratis für alle Abonnenten 84/35, gegeben. Spiclplan des Reuen Deutschen. Theaters. Volkstümliche Vorstellung, AA.— Freitag, halb 8 Uhr: S t r a ß e n m u s i k.— Samstag halb 8 Uhr: Ensemblegastspiel T r u d i S ch o o p. Spielpkan der Kleinen Bühne. Donnerstag: Geschlossen!— Freitag: Geschlossen!— SamStag: Gastspiel Pepi Kramer-Glöckner: 8 Uhr: Wo war ichheute Nacht? Gcrlchlssaal Zwei Opfer eines Autos Innerhalb einer Stunde. Prag, 28. Juni. Ein schtvarzer Tag war für den 22jährigen Chanffeur Ladislav C e s e l i u— aber nicht nur für ihn— der 4. Dezember v. I Auf der Fahrt von Nen-BhdZov nach Prag erfaßte sein Wagen aus der Podcbradcr Straße zwischen Hloubitin und Lieben den 65jährigen Arbeiter Franz Rujijska und warf ihn weit zur Seite, wodurch Rujikka schwere Kopfverletzungen erlitt und von dem gleichen Auto ins Spital aus der Bulovka geschasst werden mußte, wo er mehrere Wochen in Behandlung blieb. Nach absolviertem Transport des Verletzten sollte der Chauffeur Ccsclin unter der Eskorde eines Schutzmannes zum zuständigen Whsotschaner Polizeikommissariat fahren, wo die Protokollaufnahme stattfinden sollte. Aus dieser Rückfahrt vom Spital Bu- lovka ereignete sich ein ztvciter, noch schwererer Unglücksfall. An einer Straßenkreuzung lvurde von dem Wagen des Angeklagten- der Arbeiter Wenzel Cumrda, der eben die Straße überschreiten wollte, ersaßt und sechs Nieter weit geschleudert. Er erlitt einen Bruch der W i r b e l s ä u l e in der Kreuzgegend und einen H ü f t b r u ch nebst anderen schwe- rcn Verletzungen. Er war auf der Stelle tot. So hatte der Unglückswagen im Verlauf von nicht ganz einer Stunde zivei Opfer gefordert: einen Toten und einen Schiververletzten. Der zweite Unglücks- var, daß er ihn hätte vermeiden können. Der Gerichtshof des OGR. Pazdkrskh, vor dem heute der unglückliche Chauffeur wegen des zweifachen Vergehens der fahrlässi» gen schweren Körperbcschädigung - einer davon mit! tödlichem Ausgang— angcklagl war, zog eine Reihe mildernder Umstände in Betracht, insbesondere auch, daß die zwei UnfallSopfer ourch eigene Unvorsichtigkeit den Unfall mitverschul- oet haben. Ter Angellagtc wurde zu drei Mo- n a t e n st r c n g c ii A r r e ft e s, b e d i n g 1 aus drei Jahre, verurteilt. rb. Bezugsbedingungen: billigst berechnet. Bei öfteren Bei Zustellung tnS Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich US 16.—. vierteljährig US Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Maniskriptcn erfolgt nur bet Einsendung direktion mit Srlaß Str. 13.800/VII/1V80 bewilligt.— Druckerei:.QrbiS" Druck- 48.—, halbjährig Kd 06.—, ganzjährig K4 192.—.— Inserate werden laut Tarif Der Retourniarken.— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Post- und Telegraphen- Verlags, und ZeitungS-A.-G.. Prag.