Einzelpreis 70'ffeüer (•InichHaflHch MMterPorto) flOF*. K»Mntrit()nncit, 20. Juni. Nach aus Rejkjavik eingegangencn Meldungen lassen die Ergebnisse der Alting-Wahlcn vom lebten Sonntag nunmehr den Schluß zu, das; im Alting, der jetzt 40 Mandate umfaßt. die Konservativen mit 2V, die dcmo- lratischc Fortschrittspartei mit 15, die Sozial« demolraten mit 10 und die erst lürzlich gegründete Bauernpartei mit drei Mandaten vertreten sein werden, wozu noch ein Unabhängiger kommt. Im alten Atting, das 42 Mandate zählte, waren die Konservativen mti 20, die Fortschrittspartei mit 17 und die Sozialdemokraten mit 5 Abgeordneten vertreten. Man erwartet nunmehr die Bildung einer Koalitionsregierung aus Fortschrittlern und 2o- zialdemolratcn, die allerdings eine sehr knappe Mehrheit im Alting haben würden. Tröste Anbiederungsversuche? Ein Sonderberichterstatter bei Londoner„Daily Herold" meldet aus Wien: Major a. D. Alexander E i f f l c r, der gewesene Obcrlommandant des verbotenen Republikanischen Schutzbundes, wurde anfangs dieser Woche aus dem Untersuchungsgefängnis des Lan- dcsgericlitcs unerwartet in das Büro des P o l i- z e i v i z c p r ä s i d c n t e n gebracht. Zu seiner Ueberraschung erklärte ihm der Polizeivizc- präsidcnt: „Wir wiksrn, daß Tie der militärische Organisator des Schutzbundes in Wien gewesen sind. Wären Sie bereit, ihn aus neuer Grundlage zu organisieren, um der Regierung g e g e n d i r N a z i zu helfen?" Eisler antwortete kurz, da müsse ihm erst die Möglichkeit gegeben tverden, mit den Führern der verbotenen sozialdemokratischen Partei und namentlich auch mit Otto Bauer zu sprechen, bevor er sich dazu überhaupt äußern könne. Demnach scheinen die christlichen Herrschaften rings um Dollfuß schon selbst zu sühlen, daß sie aus dem allerletzten Loch pfeifen, denn sonst hätten sic eine solch aussichtslose Aufrage wohl doch uttlcrlasscn. Glaubhaft ist diese Meldung immerhin, denn zur selben Zeit kommt auch eine Meldung aus Wie«, daß auch Bizcbttrgcrmeister Dr. Winter seine schon so ost handgreiflich zu- rückgewiesenen Anbiederungsversuche an die Arbeiterschaft fortsetzt. Diesmal sprach er sogar schon von einem„Ausgleich" zwischen der Demokratie von früher und den autoritativen Grundsätzen, zu dem eS lonnnen müsse, und stellte Zugeständ« n i s s e in Aussicht; auf eine Reihe seiner Maßnahmen lünne der autoritative Staat allerdings nicht verzichten. Deutschland den englischen Forderungen gefügig? London, 20. Juni. Der gestrige Verlauf der englisch-deutschen Verhandlungen in Angelegenheit des deutschen Transfer-Moratoriums war derart günstig, daß man der Ansicht ist, daß Großbritannien das für den Handel mit Deutschland vorbereitete Elcaringinstitut zwecks Sicherung der Zahlungen auf die deutschen Schulden nicht wird errichten brauchen. Korruptlonsaliäre In Japan Tokio, 20. Juni. Wie die Blätter mittcilen, sind dem Staatsanwalt Beweise in die Hände gelangt, durch die der Vertreter des F i n a n z m i n i st c r i u in s und ein ehemaliges Kabinetts Mitglied der Beteiligung an der Wcrtpapier-Asfäre überführt werden. Den Blättern zufolge wird im Zusammenhang mit dieser Enthüllung das ganze japanische Kabinett seine Demission geben. Washington, 20. Juni. DaS Staatsdepartement überreichte am DonnrrSIag dem Leiter der deutschen Botschaft die Antwort auf dir deutsche Rote über dnS TranSfer-Moralorium. In dieser Antwort heisst rS u. a.: Den Bereinigten Staaten sind dir finanziel- lrn Schwirrigteiten DrutschlandS bekannt, doch ist die Regierung der Bereinigten Staaten der Ansicht, daß die deutsche Regierung für die Lage,.in die Deutschland nun infolgrdrrvon dem Hitler- Regime betriebenen Politik geriet, in hohem Maste verantwortlich i st. Die deutsche Regierung weist zweifellos, dast diese Politik in zahlreichen Teilen der WeltWi- d e r st a n d hervorrief, der sich in verschiedenen geschäftlichen Konflikten äustertr und der Wien, 29. Juni. Auch heute werden einige Bombrnattentate und andere Sabotageakte der diationalsozialislen gemeldet. Im 16. Bezirk, an der Ecke Thaliastraste und Habergasse explodierte heute Bormittag eine Bombe, wodurch beträchtlicher Schaden ange- richtet wurde. In Hirtenberg in Rirderösterreich wurden durch eine Bombrnrxploston dir Eisenbahngelrisr beschädigt. In Steiermark wurden zwischen Mürzzuschlag und Neuberg die Schienen durch eine Explosion so beschädigt, dast der Verkehr unterbrochen werden mustte. Bei Serboden wurde durch eine Explosion die Eisenbahnbrücke beschädigt. In Tellach in Kärnten wurde gegen den HrimwehrsUhrrr Steuer rin Dvnamitattrntat verübt, wobei Steuer schwer verletzt wurde. Auch in Tirol bei Mutters wurden durch Dunamit drei Maste der elektrischen Stromleitung zerstört. In Hall wurde rin neuro Attentat gegen das dortige Elektrizitätswerk verübt. Ter Sachschaden isc so grost, dast das Elektrizitätswerk etwa zwei Wochen austrr Betrieb bleiben wird. Auch in Kufstein wurde wiederum rin Anschlag gegen das Elektrizitätswerk verübt. In Tuxer wurde durch eine Explosion daS Stauwerk beschädigt, so dast der Ort Kaiserthal von In F o h n S d o r f in Steiermark wurden zwei Nazi von einem Gendarmen angehalten, der sie untersuchen wollte. Der eine von ihnen, der Bergarbeiter 2 ch a g e r, verwundete den Gendarmen durch einen Pistolrnschust an der rechten Hand und entkam, während sein Begleiter verhaftet werden konnte. Schager wurde im Zuge der Nachforschungen in der Nähe von Schaltenberg vom Patrouillen- Hemel-Präsident abgesetzt Wegen nationalsozialistischer Belangung vielleicht auch zu einer Verminderung der deutschen Transfer-Fähigkeit geführt hat. Dir Vereinigten Staaten rechnen damit, dast Drnlschland alle, tun wird, um seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. * Staatssekretär Hnll sügt in der Note hinzu: DaS Moratorium erhöht die Dislokation der internationalen Finanzen und deS Handels und wird die Tendenzen zur internationalen Zusammenarbeit, durch welche die wirtschaftlichen Schwirrigtri- trn der Welt gelöst werden sollen, unterbinden. Hüll erwähnt die Informationen, denen zufolge den Gläubigern anderer Länder in den zwischen diesen Ländern und Deutschland zn treffenden Abkommen eine VorzngSbchandlung zuteil werden soll, und protestiert energisch gegen daS unterschiedliche Vorgehen Deutschlands gegen Amerika. ganisationen gegründet worden, und zwar die christlichsoziale Arbeiterpartei und die sozialistisch-nationale Gemeinschaft nach dem Muster der n a t i o n al- sozialistischen Partei in Deutschland. Ihre Tätigkeit war auf die Abtrennung des M e- Arbeiternot Ist Bauerntod In Deutschland haben die Angehörigen der landwirtschastlichcn Kreise das Hitler-Spstem mitgcschaffcn. Die unerhörte Hetze der jeher reaktionären Führung des Landbundes gegen das„Systcin" und gegen die Arbeiterbewegung zeitigten ihre Früchte. Nach dein für Deutschland ungünstig verlaufenen Weltkrieg wurde die Landwirtschaft in ihrer übergroße» Mehrheit zum Verneiner des Staates. Man verwechselte die Staatsform mit dem Staat. Ohne den inneren Gründen nachzugehen, lastete man alle wirt- schaftlichen Nöte der neuen Staatssührung an. Das schloß nicht aus, daß man nach dem Staat rief. Vielfach war die Einstellung so, daß man nach wirtschaftlicher und politischer Freiheit oder nach der Ausschaltung des Staates da rief, wo es der Landwirtschast paßte, gleichzeitig aber cs als verdammte Pflicht des Staates forderte, bcrcitzustehcn, wenn aus Mitteln der Allgemeinheit irgendeine Hilfe gefordert wurde. Und der Staat,— auch der neue Staat,— war allzuoft bereit und erfüllte die meist mit recht viel Geräusch vorgcbrachtc» Wünsche und Forderungen. Immer in der Erkenntnis, daß eine gut funktio- nicrende Landwirtschaft die lebensnoüvendigc Grundlage für die Existenz der gesamten Nation sichert.... Die unglaubliche Hetze der Führung des Landblmdes gegen alles Nene, gegen den Fort- schritt, gegen die Republik und deren freiheitliche Verfassung verfehlten leider ihre Wirkung auch auf den kleinen Landwirt nicht, der unter den- selben Nöten leidet wie der Arbeiter, der besonders von der BegünstigungS. und Zollpolitik zu- gunstcn der Großagrarier nichts profitierte. Ein bcruföständijcher Kampf wurde geführt. Die deutschen Agrarier unseres Landes unter Führung des Bundes der Landwirte haben seit der Machtergreifung Hitlers keine ruhige Stunde mehr. Die„Erfolge" des großen Adolf berauschen die Führer des Landbundeö und teilweise auch ihre reaktionäre Gefolgschaft. Also übl man sich in marxislcntöterischcr Phraseologie, rüst nach dem Ständestaat und teilt Seitenhiebe aus gegen die antisascistischc Politik der Sozial- demokratie. Jener Teil der Führung des Bundes der Landwirte, der die Ideologie der Ratio- nalsozialisten nachbetet, ahnt nicht, daß sic mit ihrer Gefolgschaft ins llnglück rennt, wenn nicht bald die Besinnung eintritt. Auf welch unheilvollen Wegen die Landwirtschast marschiert, hat ein proniincntcr Führer der deutschen Landwirtschaft, Schlange. Schöningen seinen Kollegen ins Stammbuch geschrieben. In einem Bändchen:„Acker und Arbeit", dessen Lektüre der Führung der hiesigen Landwirtschast warm zu empfehlen ist, setzt sich Schlange-Schöningen, der alles andere als Sozialdemokrat ist,— er ist Teutschnalionaler.— mit dem Agrarproblem auseinander. Ucbcr Wirt- schäft und Politik schreibt er: „Erfolgreiche Poliiik kann ans die Dauer niemals ans Versprechungen und Wnnschgcbilden beruhen. Parteimäßig gesehen, mag damit für eine Zeitlang ein Erfolg erreichbar sein, aber einmal bricht doch die Entiänschnng durch, und gerade in einer Zeit, lvie der heutigen, können die Folgen in jeder Hinsicht unabsehbar sein Erfolgreiche Wirtschaftspolitik kannnicalSeinDingfürsichbe- trieben werden. Zu eng hängt sic mit den Reibungen nnd Spannnngcn innerhalb des eigenen Volkes nnd im gegenseitigen Verhalten der Völker zueinander zusammen. Sie ragt weit in die eigentliche Poliiik hinein. Erfolg- rcicheAgrarpolitikistamlvcnig- st c n c i n D i n g a n s i ch. Jede Veränderung, die mit ihr vorgeht, greift heutzutage mehr denn je fühlbar in das gesamte Volksleben ein. Werden die Preise für Eisen oder Leder teurer, kann der Konsument sic zur Not irgendwie umgehen oder einsparen, steigt aber der Fleischpreis oder der Brotpreis nur um einige Pfennige, so fühlt der Konsument in seinem Haus- melgebi etcs von Litauen durch bewaffneten Aufstand gerichtet. Kaunas, 20. Juni. Der Gouverneur des Meinelgcbictcs hat heute den Präsidenten des Di rektoriums Schreiber abgesetzt. Zur Begrün- dung wird angeführt, daß Schreiber die nationalsozialistische Bclvcgung auffällig unterstütze. T. ^"2'ls iw Frühjahr 1038 sind nach einer amt- sah sich der Gouverneur gezwungen, Schreiber abzu- tichen Darstellung im Memelgebiet zwei politische Or- 1 setzen: Unter den Mitgliedern befinden sich Polizeibeamte, hohe Beamte der ForswcrwalMng und auch Richter, ja sogar Mitglieder des Direktoriums. Da auch selbst der Präsident des Direktoriums die nationalsozialistische Bewegung auffällig unterstützte, Via täglichen Attentate Vier Eisenbahnlinien, zwei Kranwerke, ein Stauwerk Patrouillenfahrer von einem Naxl erschossen den Wassermassen überflutet wurde. An Vorarlberg wurden unweit von Dornbirn durch eine Explosion die Eisenbahnschienen beschädigt. Wir der in München berauSgrgebene „Leftrrrrichische Pressedienst" meldet, kam vor Schloß Leopoldskron bei Salzburg, dem Som- mrraufentbakt deS Regisseurs Max Reinhardt, ein Sprengkörper zur Explosion. Zahlreiche Fensterscheiben wurden zertrümmert. In Aigen bei Salzburg wurde rin TranSformatorenhauS ge- geengt. Ein Teil deS Ortes ist ohne Licht. Heute sprach Dollfuß auf einer vaterländischen Kundgebung in Feldkirch. Er gab zu, daß die Attentate dazu bestimmt seien, den Fremdenverkehr zu unterbinden, und daß gewisse Gebiete „durch die Vorgänge" v i e r F ü n f t c l ihres Fremdenverkehrs verloren haben. Die Regierung sei bemüht, soweit ihre Kraft reiche ll). dafür zu sorgen, daß aus der schwierigen Lage des Fremdenverkehrs„nicht allz u große(l) Enttäuschungen" entstehen. Er kündigte ferner wieder einmal an, daß es jetzt keine Halbheiten mehr gebe und daß überall daü Tischtuch zwischen seinen Ocsterreichern nnd diesen Terroristen zerschnitten werden müsse. (eiter M»fiter gestellt. Der Aufforderung, sich zu ergeben, kam er zunächst nach, erklärte dann aber, er wolle mit Mnstkrr noch sprechen. Diesen Augenblick benützte er, um in heimtückischer Weise auf den Pntrouillrnleitrr loSzuspringen, wobei er mehrere Schüsse auf ihn abgab. Mustkrr wurde durch zwei Hrrzschüsse und einen Banchschust getötet. Der Täter konnte neuerdings flüchten. -ritr 2 SflmpfnÄ, 30. Aim? 198> Är.JM Seid gegrüßt I Tausend Atuskinder in Präs da- tnfllirfi und sofort, je ärmer die S(- völkerung wird, drsro mehr." Ter Verfasser schildert dann in eingehender Weise die Entwicklung von der reinen Agrar, wirtschaft bis zur jetzigen rationalisierten Jndu. striewirischast, besaht sicb mit den Wirkungen des Krieges und der Inflation auf die Landwirt, schäft und üellt fest. daß in dem Kredittaumel der damaligen Zeit die Grundlage m der heutigen Agrarnot beruht, um in deni Kapitel ^Landwirtschaft und Volk" seinen Berufskollc- gen beachtliche Worte zu widmen. Klar und deutlich stellt er den Latz heraus, den auch wir unterstreichen können:„TielcyteLösung der Krise wird c r st in d c m Augen- blick möglich kein, um cs einmal mit bemühter Ueberlvitzung auszudrücken, wenn I n< dustriearbeitcr und Bauernde, grrffcnhaben, datzsiebeideaufGc- deihundVcrdcrbaufeinaudcran. gewiesen sind, daß Arbeitrrnot Banerntod bedeutet. Tas werden namentlich diejenigen Lr- ganisationen, auch gerade der Landwirte, sich sagen müssen, die den b e r u f s st ä n d i s ch c n Kmnpj aus ihre Dahlie geschrieben haben. Es ist nicht richtig, dem Landwirt fortwährend zu pre. digen, er sei ständig durch den bösen Willen der anderen Berufsstände bedroht und alles habe sich gegen ihn verschworen. ES ist nicht richtig und kann mis die Tauer nicht zum Guten aus schlagen. reine Wirtschaftspolitik und Politik fortwährend in den Argumenten zu vermengen. Die WirtschaftSstände. alle in gleicher Not, füh- len allmählich, dah sic einzeln im Kampf nicht bestehen können und sehen sich nach gegenseitiger Stützung um. Es muh über alle Augenblicksbe- ftimmungcn hinweg begriffen werden, dah die Landwirtschaft nicht Partei-, nickt AgitationS. sacke, sondern dah sic Angelegenheit des ganzen DolkeS ist." lieber das jetzt so geläufig gewordene Schlagwort Autarkie schreibt Schlange- Schöningen: .Auch wenn ich mich zu den Anschauungen der meisten meiner führenden BcrusSgeuossen augenblicklich in Gegensatz bringe, spreche ich es offen aus:„Es gibt iiberhanvt keinen Berufstand in Deutschland, der die Autarkie so scharf ablehnen mühte und der rin solches An- terelse an einem gesunden Jndustrirezvort hat, wie die Landwirtschaft.. So Hai sich denn mehr und mehr das Agrarproblem zu einem Kauskrastproblcm zugcspitzt. In dem Augenblick. wo die Agrarproduktion Deutschlands den Inlandsbedarf deckt, wird die Frage einfach eine Absatzfrage und damit das P r oblcm der Arbeit-lo fen. Die wieder zum groben Teil m den Produktionsprozeß einzuschalten, sie wieder kaufkräftig für höher qualifizierte Lebensmittel, für Fleisch, Bro« und Butter zu machen, ist das Problem de» Bauern geworden.—" Das ist sehr klar und deutlich gesprochen gegen die fortgesetzte Hetze grobagrarischer Kreise gegen Sozialpolitik, höhere Löhne und die Arbeiterbewegung. Sehr scharf geht Lcklaugc Schöningen ins Gericht mit den mahlosen Forderungen der land- wirtschaftlichen Organisationen, indem er schreibt: .Jede Negierung, wie sic auch immer ztisammcn- gesetzt mar bis auf dcn heutigen Tag, jeder an- Aus den Dörfern und Städten des deutschen Gebietes der Republik werden zu dem Kindertag der Olnmviade 1000 Jungens und Mädels kommen. Es ist das erstemal, dah eine so große Delegation deutscher Arbeiterkinder zu einem Fest der I tschechischen Genossen kommt. Tie Leitung des Atu» will mit dieser Aktion tvor allem dcn Bindern ein schönes Erlebnis ver« I Mitteln, ihnen ein Stückchen Welt, ein« schöne Stadt zeigen, sic— einmal wenigstens herausdringen aus der Enge ihre» Daseins. Aber auch politisch— o. erschrecket nicht ihr Sckulphilister— ist die Teilnahme der AtuSkin» der an der Ölvmpiadc hock zu werten. Wir wollen die inrernationalc Prag! Dic meisten von ihnen kommen zum ersten Male aus ihrer kleinen Welt nach deni schönen Prag, sie lvollcn was sehen und Ivcnn sie Freitag Nackt in der Schule am Stroßmcycrpjah tücktig geschlafen haben, geht cs Samsiag früh durch dcn herrlichen Baumgar« derc Berufsstand wird writ öfter als notwendig vor dcn Kopf gestoßen durch Fordcnmgen, die teils hinter der Entwicklung herhinken, teils übertrieben sind, teils in so unglücklichen For- men vorgcbracht werden, daß sie psychologisch die entgegengesetzte Wirkung erzielen... Hätte >nan doch liebervcrsucht. dicLand- wirtschaft zucincrcinigermaßcn geregelten, gleichmäßigen Produkt i o n z u bringen, diedenMarkt- b e d irr f.n i.s s e n einiger maß c.n ent- s.p richt." Zum Schluß seiner beachtlichen Unter- suchungen und Feststellungen, die dic hiesigen Agrarier besonders beachten sollten, gibt Schlangc-Schöningcn der Befürchtung Ausdruck, daß seine Berufsgcnossen, besonders der Groß- grundbcsitz dcn Ernst der Lage nicht begreifen. Seine Befürchtungen sind zugetrofsen. Die deutsche Landivirtschaft ist einen anderen Weg gegangen als rin erfahrener praktischer Land- wirt ihr vorgezeichnet hat. Die deutsche Land- wirtschaft folgte den Rattcnfängcrtönen eines politischen Hochstaplers. Sie war mittätig, den „totalen" Staat zu schassen und lvurde bitter enttäuscht. Die deutschen Landwirte, außer dcn Großgrundbesitzern, haben von der Hitler- Am Sonntag vormittag gibt es schon ernste Arbeit, Proben zu den Vorführungen, denn unsere Atuskinder wollen ja am Sonntag nachmittag den Zchntausendcn am Stadion zeigen, daß sic auch was können. Tic schönen Hebungen der Jungens und Dtädels, dic luftigen Tänze nsw. werden sicher den freudigen Beifall der Zuschauer finden. Aber vorher gibt- strenge Probe. Montag bi« Mittag wird dann die Stadt besichtigt und dann geht'- wieder zurück in dic Heimat mit Freud« im Herzen und dann gibt'« ein Erzählen und Plaudern wie„prima" c- in Prag war.„Ach. war das schön I" Einige hundert Kinder dürsten auch noch Dienstag und Mittwoch in Prag bleiben. Mit vielen Mühen wurde in den Vereinen diese Kinderfahrt organisiert.die Eltern gaben oft da- Letzte her, um ihren Lieblingen die große Prager Freude zu ermöglichen, auch der.Kinder der Arbeitslosen wurde gedacht, es tmirde die Parole misgegeben, daß die.Kinder jener Vereine, dic nack Prag kommen, für je zwei Kinder Arbeitsloser dic Kosten selbst aufbringen. 1200 Atu-kinder in Prag ist m diesen harten Zeiten aber auch eine ansehnliche LcisMng der AtuS-Organisation, der größten Kinderovganisa- tion der deutschen Arbeiter. Ihr lieben Atuskinder, Jun« gcnl, Mädeln! Seid hier in P-iag von Her- zcn gegrüßt, tragt stolz eure roten D'Mpcln und Fahnen. Habt offene Augen, freus* Euch und wenn ihr io die Heimat kommt, dann grüßt Eure Elterir, Eure Kameraden, und erzählt wie Ihr mit den tschechischen Kindern ein Fest erlebt, das groß, schön und gewaltig war. Diktatur keinen Vorteil. Das neue„System" brachte der Landwirtschaft keine Befreiung von der Schuldknechtschaft. Die Steuern wurden nicht gesenkt, die rückständigen Abgaben nicht erlassen. Statt dessen setzte neue Bedrückung, unerhörter Terror und raffinierte Erpressung ein. Den deutschen Landwirten werden un- terdc in Hitler-Terrorunerhörte Opfer abgepreßt. Wollen die deutschen Landwirte dieses Lau dos sich freiwillig unter ein solches Joch beugen? Noch ist cS Zeit zur Besinnung! Dic deutschen Landwirte sollten den Mahnruf ihre« einflußreichen deutschen Kollegen beachten, den er an seine Berufskollegen richtet:„Wer ernsthaft dcn wirtsctwftlichen Ausgleich und damit dic politische Versöhnung erringen will, der sollte den heuti- gen Zustand aus den wirtschaftlichen lind politischen Entwicklungen heraus verstehen und keine Schuldfragc mifrichtrn wollen, die nicht weiter- führen. Man soll die Zustände ohne Haß und Voreingenommenheit nehmen, wie sic sind, und bei den notioendigen Abänderungen die einfache Frage der Zweckmäßigkeft und Volkswirtschaft, lichen Möglichkeiten stellen... Zugleich aber wird heute bei dem Landmann selber ein neues Staatsgcfiihl wachzurusen sein!" An unsere Kolporteur^ und Abonnenten!/ Da im Buihdruckgkwerbe am Donnerstag, den 8. Inti, nicht gearbeitet wird, erscheint am Freitag, den 6. Juli, unser Blatt nicht. Tie nächste Ausgabe erscheint Samstag, den 7. Juli, zur gewohnten Stunde. Die Verwaltung. Ausbeutung mit Gewinnbeteiligung Die in der Sudclcndeutschcn Hcimatfront zu- sammengcschloffencn Fascistcn können nie eine politische Massenbewegung werden, wenn cs ihnen nicht gelingt, Teile der Arbeiterschaft für ihre antidemokratischen, reaktionär- kapitalistischen Pläne einzusangen. Damit das gelingt, mutz die Sudetcndeutsche Hcimatfront ihr wahres Gesicht verhüllen, und die zahlreichen Kapitalisten, die sich in ihr befinden, müssen den Eindruck zu erwecken suchen, als seien sic gar keine Kapitalisten, als betrieben sic als Eigentümer der Produktionsmittel gar keine Ausbeutung, sondern als seien sie nur die selbstlosen»Mitarbeiter" ihrer Arbeiter und Angestellten. Diesen Versuch unternimmt in Henleins Rundschau ein schlesischer Tcxtilindustricllcr auj eigene Art. Sic macht ersichtlich, datz er das Geschäft der kapitalistischen Ausbeutung der Arbeiter nicht nur mit den raffiniertesten Methoden zu bo- trciben versteht, sondern daß er diese Methoden auch al« sozial, human, und dem Arbeiter als Ivohlgcfäilig auSgeben möchte. Er rühmt sich, datz er ein vor zwölf Jahren darnicderlicgcndes Unternehmen zu einem„Zug um Zug gläiizeiiden Aufstieg" gebracht hat, datz die„Produktionsregie innerhalb fünf Jahren von 100 Prozent auf 60 Prozent gefallen" fei und der Umsatz in Gold gerechnet um mehr als das Dreifache, mengenmäßig infolge der Verbilligung der Preise weit darüber hinaus gesteigert und das Unternehmen zum Führenden der Branche im ganzen Lande entwickelt werden konnte. Wie gewaltig der Profit gestiegen ist, den er aus der unbezahlten Mehrarbeit der Arbeiter und Angestellten gezogen hat, das verrät der Henlein-Kapitalist allerdings nicht. Aber wie kam cS zu diesem gerühmten Erfolg? Welches sind die Methoden, mit denen sich der Tcxtilindustriclle in Henleins„Rundschau" spreizt?Sie heißt„Gewinnbeteiligung" der A r b e i tc r sch a ft am Unternehm m en. Man weiß sofort, datz diese Gewinnbeteiligung keine originelle Erfindung dieses fascisti- schcn Industriellen ist, daß schon Jahrzehnte vor ihm Kapitalisten in der alten und in der neuen Welt sie zum Betrug der Arbeiterklasse angewen- dct haben, um dic Ausbeutung noch intensiver zu betreiben. Tenn für den Kapitalisten ist die Gewinnbeteiligung nichts anderes als ein Lockmittel, dcn Arbeiter zu einem viel größeren Per- schleitz seiner Arbeitskraft anzuspornen. Je mehr der Arbeiter schuftet, nm den in Aussicht gestellten Gewinn zu erhalten, desto größer ist der Prosit, der dem kapitalistischen Unternehmer in dic Tasche fließ». Es ist ein feines System, das sich dieser Kapitalist für die Göwinnbcteilignng ersonnen hat; lückenlos, damit es zuerst ihm einen hohen I Profit sickert: für jede Abteilung seines Unter- Frei Heil! ihr strammenAtuü- P r a g grüßt H. N. tcn in dcn Zoo. wo sich die Kinder an den Tieren. die sic so lieben, fröhlich ergötzen, zu mittag gibt es eine kräftige„Polevka" und nackmittagS ivird ein bißl durck die Stadt fttapanzt in der Richtung iJungen und Mädeln! zur Burg, wo alle Kinder nachmittag emtreffen. j E» ck! Frei Heilt Waldstein sucht seine Ahnen Von Otto Friedrich Als Hiller zur Diacht kam. erinnerte er sich mit Mißbehagen, datz er erst wenige Wochen zuvor in höchst brüsker Weise einen nationalsozialistischen Bittsteller aus dem Büro hinanskompli- mentiert hatte mit dcn Worten:„Ob rote oder fckivarzweitzrote Marxisten, das ist mir ganz egal. Mit dem Sozialismus muß jetzt endlich ciinnal Schluß gemacht tverden. Die Steuern sresien einen soivieso schon auf." Der Besucher, ein ehemaliger Offizier, der ihn von der Kriegszcit her kannte, murmelte etivas von Feldtvebclinaniercn und von Leuten, die Gottscidank nicht den Offiziersrock getragen hältten, und versckivand. nickt ohne damit an alte Wunden Albrecht Waldstcins gerührt zu haben. Uin diesen Acrger zu überwinden, stürzte sich Albrecht Waldstcin mit Lesceiscr in seine große Bibliothcl. die bis dahin eigentlich eher prachtvoll als nützlich in breiten Barockjchränkcn von hoher Wuckt und Sckivcre gescklunnnrrt hatte. Eines Abends telephonierte er seinem Freund Dr. Rosendors an. ganz gegen seine sonstig« Gewohnheit unruhig und aufgeräumt. „Dicker, komm mal zu mir, ich habe dir etwas Interessantes zn zeigen!" Rosendorf, neugierig getvordcn, erschien, und als sie bei einem guten Glase Rotwein nach dem Esten allein znsammcnblieben, holte Waldstcin eine alte Schwartc hervor und sagte:„Lieü einmal, bitte,, hier— mein Stammbaum!" Es tvar ein altes Buch, handschriftlich geschrieben, das er ntil altem Gerümpel aus dem Besitz seines BalcrS übernommen, hatte. Der Schreiber mußte ungefähr um die Mitte des vorigen Jahrhunderts gelebt Haven. In einer etwas langweiligen und schnörkeligen Art schilderte er den Waldstcinsckeu Stammbaum und kam dabei zu dem interessanten Ergebnis, datz sein eigener Urgroßvater aus Böhmen cingewandert und in preußische Heeresdienste getreten sei. Er äußerte die Vermutung, datz dieser alte Albrecht Waldstcin, der ungefähr znr Zeit des Großen Fritz gelebt haben mochte, von einer hohen adlige» Abkunft sei, und zivar von niemand Geringerem als von dem Hause der Grasen Waldstein abstamme, jener selben Waldstein, deren einer als Wallenstein in die Geschichte eingegangen ist. Waldstein zeigte triumphierend auf das Buch:„Was sagst du nun?" Rosendorf lächelte ein lvcnig.„Ich will dich ja nicht tränken, mein Guter, aber das stnvKräu- mereien an jüdischen Kaminen.". „Wieso?"'brauste Waldstein auf. „Na, Gott, tver ein alter Berliner ist, der kennt die Waldstcins noch von der Zeit her, wo sie am Mühlendamm nickt gerade neue Uniformen, sondern alte Livreen verkauft haben, und du wirst mir schließlich nicht einrcden»vollen, daß der alte Joseph Waldstein ein Nackkomme des Kaiserlichen Feldherrn gewesen sei.". An diesem Abend bekam die alte Freundschaft einen Kuax. Mau ging auseinander und kam am Stammtisch in den nächsten Wochen nicht mehr zusammen. Mag sein, daß auck dic Fülle der Ereignisse in jenen Tagen jedem soviel zu tun und zu denken gab, daß man kaum Zeit zur ruhigen Aussprache sand. Hitler hatte dic Macht ergriffen, und die Unsicherheit darüber, tvas nun tonnnen werde, lähmic und beunruhigte die Menschen. Waldstcin, der an sich kein starkes politisches Temperament besaß, beurteilte, tvie er es gewohnt tvar, alles vom Stadtpunkte seiner Interessen aus und sagte sich: Man Ivird auch mit denen fertig werden; wenn der Most auSgcgoren ist, dann wird der Wein schon ganz genießbar sein, vielleicht bester alS der frühere. Ta aber traten einige Umstände ein, die ihm dock zu denken gaben. Bei Sitzungen stieß er aus bisher ungetvohnle Schwierigkeiten. Er merkte, daß man in seiner Nähe tuschelte, und unr tvas cs sich handelte, da» lvurde ihm einige Tage vor dem 1. April, an dem der Judcnboykott stattsindcn sollte, hinreichend klar. Seine Frau kam ganz aufgelöst nach Hause und sagte, eine Frenndin habe sie gefragt, ob sic für ihren Mann Schlvierigkci- ten befürchte, weil er doch Jude sei.„Mein Mann Jude?!" halte sie voll ehrlicher Entrüstung zurückgefragt.„Na," hatte die Freundin erwidert,, „mit seinem Großpapa dürfte ec sich sicherlich ans keiner Sitzung blicken lassen." Waldstcin war außer sich. Eine Unsicherheit, wie er sic bisher nicht gekannt hatte, ergriff ihn. Im Büro hatte er das Empfinden, als ob ihn allenthalben fragende oder spöttische Blicke trafen. Am Boykott-Tag hatte er nahezu Angst, zur Arbeit zu gehen. Aber cs ivacen doch ivohl alles bloß Hirngespinste, so suchte er sich selbst zu beruhigen. Am Nachmittag freilick geschah etwas Uncr- ivartetcs. Es klingelte. Er hörte im Korridor einige barsche Stimmen, und ehe er sickiö noch versah, öffnete sich die Tür und cS erschienen ztvei SA-Leute zusammen mit jenem Herrn, den er damals etwas unfreundlich hinaiiskomplimentiert hatte. „Na, Herr Syndikus," sagte der Ankömmling mit einem Grinsen, das Waldstcin starkes Unbehagen verursachte,„wollen Sie nicht lieber heute auch geschlossen hallen?" „Warum?" brauste Waldstein auf,„was wollen Sie damit sagen?" „Ich meine nur so," entgegnete der SA- Mann mit gespielter Gleichgültigkeit.„Eü ist Ihnen doch gewiß nicht angenehm, wenn lvir uns jetzt noch ein paar Stunden bis Geschäftsschluß hinstellen und uns hier dies Plakat um den Leib hängen." Er holte dabei ans seiner großen Aktentasche ein zusammengesattett« Plakat hervor, das er ausbrcitctc und auf dem Waldstcin mit peinlichen Gefühlen dic Worte las: Achtung, jüdischer Betrieb! Waldstcin verlor in diesem Augenblick etwas seine Fassung. Er überlegte nicht lange, sondern griff zum Apparat und ließ sich mit dem Reichs- wirtschaftsministcrium verbinden. „Halloh, Herr Geheimrat? Hören Sic, bei mir ist eben ein Besuch, der lvill mir einreden, ich sei Jude und er müffc bei mir Wache stehen!— Wie? Was?— Nichts zu machen?— Doch wohl auch richtig?— Na, ick danke schön. Da werde ich eben schließen." Waldstein stand auf und sagte:„Meine Herren, darf ich Tic bitten, dcn Raum zu verlassen? Tas Büro ivird geschlossen." Waldstcin ging durch.die Zimmer und teilte dem Büropersonal mit, infolge außergewöhnlicher Umstände sähe er sich gezivungen, heule früher zu schließen. Die Einen machten ein erschrecktes, die Anderen ein verlegenes und dic.Dritten ein nur wenig verhohlen spöttisches Gesicht, je nachdeni lvie er sie in dcn letzten Wochen behandelt Hatje. Waldstein ging nach Hause, und wer ihn an diesem Tage sah, mochte glauben, nicht einen rüstigen Mann in dcn besten Jahren, sondern einen Kranken vor sich zu haben, dec sich mühselig hcim- schlcpptc. Auch zu Hause l>atte er keine Ruhe. Rosendorf fiel ihm ein. Er Lberivand sich und ries ihn an. „Aha, Kondolation, mein Lieber?" iönte es aus dem Apparat zurück.„Na, das brauchts bei mir nicht. Ich bin schon ans alles gefaßt, und weiins hier nicht geht, breche ich dic Zelte ab. Meine Patienten fahren ja auch zum große» Teil lveg." Waldstein erwiderte:„Gctviß, auch an dich habe ick gedacht. Aber ich selbst bin betroffen." «Fortsetzung folgt.'' Sstttttag, 30. 1934 Massen in Bewegung Festspiel* Probe Im Stadion I wird Blomberg schwört Irene dem Starhemhcrg heute In Prag? Wozu die Verwaltungsreform des Bürgerblocks gut Ist daß das Uittcritchntcii selbst Abrechnung gewinnbringend zitierten Entscheidungen wurde zwar an bas Oberste. Verwaltimasgericku u. a.: Auf der riesigen stäche oben hinlerm Laurenziberg, die in wenigen Tagen der Schauplatz der drit- len Prager Arbeiter-Olympiade sein wird, regte sich noch nicht viel an diesem Nachmittag, an dem ein paar Dutzend Eingeweihte die„Probe ol>ne Kostüm" Berlin, 29. Juni. Der Rcichstvchrminister von Blombetg vcrösscntlicht im„Völkischen Beobachter" einen Aufsatz über die Wehrmacht im Dritten Reich, der insolgc der jetzigen gespannten innerpolitischen sehen wird. Die Interpellanten führen denrgegenübcr an, das; schon durch da« Gesetz vom 7. April 1vl)7, Nr. 43 R. G. Bl. das Koalikiousrecht der Arbeitnehmer festgelegt worden ift. Dieses Koalitiousrecht umfaßt nicht nur das Recht der Arbeitnehmer, sich zum Zwecke der Erreichung von wirtschaftlichen Vorteilen Aenderung Im englischen Kabinett London, 29. Juni. Arbcitsminister B etter t o n ist zum Vorsitzenden des Arbeitsloscn- untcrstiitzlnigöamtcö ernannt Ivordcn und daher aus dem Kabinett wie aus dem Unterhaus ausgeschieden. Die dadurch notzvcndig gclvordene Umbildung der Regierung hat sich jedoch auf Verschiebungen unter den Staatssekretären beschränkt. Der gegenwärtige Transporiminister Stanley wird Arbcitsminister und damit Miiglied des Ächtzinetts. und einst ans einer der Wien, 29. Juni. Einer Meldung der„Neuen Freien Presse" zufolge wird Vizekanzler Fürst Star hem berg am 30. d. M. in Prag der Hochzeit des ehemaligen Fürsten Schwarzenberg mit Maria Antonia Fürstenberg beiwohnen. Lage als sehr bedeutsam angeln dem Aufsatz heißt e Tie Rolle der Wehrmacht ist eindeutig und klar. Sic dient diesem Staate, den sie aus in» n c r st e r U c b e r z c n g n n g bejaht und sic st c h r zu dessen Führung, die ihr das vornehmste Recht wiedergab, nicht nur Träger der Waffe, sondern auch der von Staat und Polt anerkannte Träger eines unbegrenzten Vertrauens zu sein. Heute durchdringe soldatische Auffassung das ganze deutsche Volk und seine Führung. Der Pazifismus sei überwunden, Wehrmacht und Verknöcherte Bürokraten gegen das Koalitionsrecht zusammenzuschlicßen und zur Durchsetzung solcher Vorteile die Arbeit geineinschastlich einzustellen, sondern umfaßt auch das Recht, andere Arbeitnehmer zur Teilnahme an solchen Einstellungen a u f z n s o r der«. Eine Einschränkung dieses Rechtes enthält nur der Paragraph 3 des zitierte» Gesetze:-, der bestimmi, daß die Aufforderung zur Teilnahme an Arbeilsein slelltmgen nicht durch Mittel der Gewalt oder darf. Gegen die die Beschwerde. überreicht, aber der Fall ist ein so ungeheuerlicher, daß die Interpellanten ein s o s o r t i g e s Lin- schreiten des J»»e»nnnisteriums und des Justizministeriums für unbedingt erforderlich halten. Für die gesamte Arbeiterschaft handelt es sich hier um einen überaus wichtige n F a l l, lveil eben da:- Koalitionsrecht zu den willigsten Rechten der Arbeiterschaft gehört, die sie sich unter keinen Umständen lverdcn rauben lassen. Die. Interpellanten erblicken in dem Vorgehen der Bczirkc-behörde in Tur und der Landesbehörde in Prag einen schweren Eingriff in d ie wohlerworbenen Rechte d e r A r b eite r s ch a f t und eine ungeheuerliche Verletzung der bestehenden Gesetze. Solchen Versuchen muß von vornherein ein Riegel vorgeschoben lverden. Sie ersuchen daher das Minislcrinm des Innern und daü Justizministerium, der Bezirksbchörde in Dur klar zu wachen, daß ihr Vorgehen ungesetzlich ist und den Intention«» der Regierung nicht entspricht, und frage» die beiden Herren Minister, tvas sie vorzukehren gedenken, nm dem ungesetzlichen Treiben der Bezirksbehörde in Dux ein Ende zu setzen. der sogenannten Mietpreise ebenso der„vereinbarten Einen unglaublichen Fall von Bürokraten« Willkür, der hoffentlich'durch das Einschreiten der übergeordneten Behörden rasch wieder gntgcmachl ivcrden wird, deckt eine Interpellation aus, die die Genossen Dr. Heller und Palme dieser Tage im Senat eingebrackU haben: Die BezirkSbebirdr in tu hat mit Erkenntnis vom 18. März b. I. den Arbeiter Franz K l i in I a«S Swinbschih zu einer Geldstrafe von 390 Kronen, eventuell zu Arrest von vier Tagen verurteilt, weil er in Gesellschaft von 14 streikenden Maurern und Zimmerleuten in Kuttowjh herumfuhr und di« auf den Bauten beschäftigten Maurer und Arbeiter aufforderte, die Arbeit einzustellen. Durch dieses Verhalten soll er„öffentliches Acrgccnis erregt" und„die öffentliche Ruhe und Ordnung gestört" haben, da die beschäftigten Arbeiter die Arbeit verliehen, die sic sonst nicht verlassen hätten. Die Bezirksbchävdc stützt diese Entscheidung auf Artikel 3. Abs. 2 der V e r w a l t u n g s r c- form vom Jahre 1927. Tie Landcsbchördc in Prag hat die dagegen eingebrachtc Berufung ab- gewiesen und gleichfalls ausgesprochen, daß der Tatbestand der llcbcrtretnng des zitierten Artikels der VerivaltiiiigSreform gegeben sei. des alic» Prag in die Glut südländischer Farben getaucht unk zu.sehen, ist gewiß kein alltägliches Schauspiel. Und — und Das Ende der mazedonischen Bewesuns? Sofia, 29. Juni. Die SäubcrungSaktion ui Mazedonien schreitet nach einer Erklärung des Finanzministers erfolgreich fort, so daß man bereits von einer vollständigen Liquidierung der mazedonischen revolutionären Bewegung spreche. Eine Menge von Geivchrcn und Revolvern, Maschinengewehren, verschiedenen Granaten u>,d Bomben ivurden in Mazedonien und in Sofia beschlagnahmt. Etiva 300 Führer der revolutionären Organisation ivurden bis jetzt an verschiedenen Stellen außerhalb Mazedoniens interniert. Elnzus der roten Jugend 20.000 Jugendliche kommen zur Olympiade Prag erlebte gestern eine Kinderinvasion. Zuerst kamen die Roten Falken, die sich draußen im Stra- hover Stadion noch gestern Nachmittag ihr Nest gebaut habe», dann die Turner-Kinder, die morgen ihren Ehrentag im Stadion feiern und dann ging cs bis in den Abend hinein: allein siebzehn Sonderzüge jüngster Arbeiterjugend, Kinder des Volke-, Deutsche und Tschechen, so ziehen sic ihre Zutunfis- Lieder auf den Lippen, mit unzähligen roten Fahnen in ihre Quartiere. Der Stadt tvar im Nu der Stempel ihrer jugendlichen Begeisterung und ihres fröhlichen Glaubens aufgcdrückk—, in den Straßen stauten sich die-Zuschauer, Tücherwinkcn, Nazdar- nnd Freundschaft-Ruse klangen stürmisch aus und so mancher Spießer wird sich verwundert gefragt haben, woher die totgesagten Marriste» denn plötzlich «ine so kräftige und lebensvolle Regeneration erfahren haben! Mittags, kurz nach 141 llhr, am Mnsaryk- bahnhof. Vor den Gittern der Zugseinfahrt drängen sich Rote Falken und erwachsen« Genossen. Neugierige strömen herzu. Di« Jugend wartet fiebernd. Wie langsam doch Uhrenzeiger weitcrrücken können! Aus dem Bahnsteig Genoss« Hocke und Genosse 2 ch r a- d c r, ein paar Helfer und ein halbes Dutzend Polizisten, die aber gar nicht grimmig aussehen und heute ihren Dienst mit leisem Schmunzeln versehen... Sie kommen! Sie kommen!! Ta quillt cs schon aus den drei letzten Waggons heraus, niit Fahnen, Wimpeln und Rucksäcken, fröhlich-erhitzte, erwar- .tungsvolle Gesichter, leuchtende Augen und unab- lässig summende Münder, das ist ein Fragen und deshalb konnte man es nur zu gn, verstehen daß stch gestern abend tausende am Masarn'k-Kai drängten, um das zauberhafte Spiel der Leuckn- fontänen zu beobachten, die. zu Ehren der Arbeiter- Olympiade am User der Moldau aufsprühten. Es war ein herrliches Bild, die erhabene Schönheit der Burg zu Hänpten der ergriffenen Menge, dieser Burg, die von allen Seiten ange- strahlt, wie ein entrücktes Märchenschloß dazuliegen schien. Hell und rein stand di« Silhouette gegen den Abendhimmcl, ein Wahrzeichen eivigcr, unvcrgäng- kicher Schönheit. Die Karlsbrückc, ebenfalls vom Licht der Scheinwerfer gebadet, warf schimmernde Reflexe ank die träge flutenden Wellen der Moldau, und man wußte nicht, was mehr di« Sinne gefangen nahm, das Bild der leuchtende» Brücke und der belichteten Burg oder jenes Farbcnspicl der glitzernden Wasserstrahlen, die. grün, gelb, rot und tiesblan aufsprühten, uni im Rausch der Farben nach allen Seiten zu zerstäuben. Mag es den Ertvachsencn noch so gut gefallen haben, es tvar nichts gegen die flammende Begeisterung, mit der die kleinen Olnm- piadegaite, die Kinder, die sich in Scharen ringe- fiinden hatten, dem bunten Schauspiel folgten. Für sie war es eine Stunde reinster Seligkeit, und der Jubel, mit der jede neu« Nuance des Wasierspiels von ihnen begrüßt und erlebt wurde, wurde auch zum Erlebnis für die Erwachsenen. Stimmungsvolle Vorträge der Arbeitersänger umrahmten die Veranstaltung in schöner, schlichter Weise. Eine gute Idee, mit Liebe und Geschmack ausgcfübrtl—e. Staat eins geworden. Heute stehe der Soldat bewußt mitten im politischen Leben des zur Einigkeit zusammengeschweißten Volkes. In enger Verbindung mit dem ganzen Bolle stehe die Wehrmacht in Manneszucht und Treue h i n t e r d e r F ü h r u n g d e s Staates, dem Feldmar schall des großen Krieges. Reichspräsidenten von Hindenburg, ihrem Oberbefehlshaber Führer des Reiches Adolf Hitler, der ihren Reihen gekommen sei und stets ihren bleiben werde. eine den KWe' Antworten, emsig wie in einem Bienenkorb. Aclieren und die Helfer laden das Gepäck schnell kommt cs aus Rollwagen, cs ist wcrtvolles Gepäck, das gut betraut werden muß, ist es doch die Ausrüstung der Strahovcr Kinderrepublit. Wie tapfer sie jetzt in Reib und Glied treten, als der Leiter„Achtung— Falten" ruft. Die Fahnen voran, so geht cs hinaus ins Freie, wo sich die einzelnen Gruppen sammeln. Sie tragen hochbcpackte Tornister, die Sechs-, Acht- und Zwölfjährigen, aber sie tragen sie mit soviel Eifer, daß die Last zum Vergnügen wird, lind immer, wen» die Gruppen Hinnusströmen und aus die Prager Genossen stoßen, bricht ein Jubel ohnegleichen lo», ein Rusen hin und zurück, ein Händeschütteln und Zuwinken, das kein Ende nehmeii will. Das waren die Bodenbacher, die Tcplitzer, Anssigcr und Mäbrisch-Schönber. ger.... Die karlsbader kommen zehn Minuten später mit Trommlern, einer großen Pauke und einer un- ermüdlichen Fansarcngruppe. Draußen treten sie an, voran die. Staatsflagge und ein Wald von roten Fahnen, drei Sturmfahncn der Wiener Brüder sind dabei, sie wehen hoch über den dreihundert Kindern, als Symbol einer Bewegung, die man vielleicht zeitweilig unterdrücken, aber niemals besiegen kann! So geht es durch die Hybernska und die Zeltner- gass«, jetzt ohne Gepäck, das auf Autos nachgefahren wird, uiiter Gesang, Fansaren- und Trommelklang der Stadt der Kinder entgegen... So war es hier, so war es überall. Am Wilson- Bahnhof, wo die übrigen Roten Falken, in Holescho- witz, wo 500 Turnerkinder ankamen—, Falken, Tnrnertinder, die jungen tschechischen Genossen, Fahnen über Fahnen, Jnvel über Jubel, Lieder über Lieder... Tie Jugend des totgesagten und unsterblichen Marxismus marschierte— 20.000 Kinder ' sind im Anmarsch. Ter Großteil von ihnen heute eintrcfscn.... Leuchtendes Präs Nächtliche- Llympiadespiel der Farben. Tie inelancholisch-verhaltene Schönheit nehmens hat er eine besondere wöchentliche Ge winn- und Verlustrcchnung eingeführt, die von den Arbeitern und Meistern selbst hergestellt wirb; „Die Grundlage dieser Abrechnung bildet eine einheitliche Festsetzung von Mietpreisen für die von ' jeder Abteilung benutzten Räum« und Gebäude, Maschinen und Einrichtungen, Licht, Kraft und Be- ' Heizung und für alle in Anspruch genommenen flüssigen, Mittel in Lagervorräten und Außenstän den; außerdem wurden natürlich jeder Abteilung die unmittelbaren Kosten an Material, an Löhnen etc. direkt belastet. Dagegen wurden den Abtcilun«„,, gen ihre Leistungen zu den vereinbarten Werten' Zmn Festspiel„Befreite Arbeit" miicrlcben wollten, gutgeschriebcn. Durch die festgesetzte Miete für Ge bäude, Maschinen und Einrichtungen und Zinsen für Lagervorrat und Außenständen ergab sich für den Unternehmer ein gesicherter Bruttogewinn für Abschreibung, Zinsen und Kapitalsgcwinn unter der Voraussetzung, auf Basis dieser arbeitet." Die Festsetzung und der Unkosten, Werte" der Leistungen tvcrdcn von dein Kapita listen allein und lvilklürlich vorgenommcn; die „Mitarbeiter" haben dabei kein Wort mitzureden. Und diese Festsetzung erfolgt selbstverständlich so, daß er dabei schon des reichlichen Profites sicher. ist, während die Arbeiter und Angestellten erst den um die Gelviunbeteiligung gekürzten Lohn haben. Mit ausgesuchter Rassinessc sorgt der Ter,- tilindustrielle weiter dafür, daß die von ihm be schäftigten Arbeiter alle von ihnen erfundenen Verbesserungen und technischen Neuerungen gegen lumpige Abfindungen ihnr zur Ausnutzung über lassen. Stolz meldet er, daß„die Gewinnbeteili gung der Arbeiter und Angestellten im ersten Jahre der Gewinnbeteiligung mehr betrug als der gesamte Friedens-Reingewinn des Unternehmens in Gold gerechnet vor dem Krieg im Durchschnitt der letzten Jahre jemals betragen hat". Wenn der ehrenwerte Kapitalist doch die Steigerung des Profits mit bekanntgeben würde, ivcnn er berichten lvürde, um wievielc Millionen Kronen die Arbeiter in den zivölf Jahren sein Kapital vermehrt haben. Es müssen riesige Son- dcrgcwinne aus der Mehrarbeit der Arbeiter und Angestellten hcrausgcwirtschaftct worden sein, ehe ein Unternehmen eine solchen Arisstieg nehmen kann wie das dieses Textilindustriellen. Daß er über diese Seite der„Gewinnbeteiligung" kein Wort sagt, das hat seinen triftigen Grund. Würde die Arbeiterschaft erfahren, daß dieses System der Gewinnbeteiligung dem Unternehmer gewaltige Mchrprofitc bringt, während cs ihre Arbeits kraft mehr ausüeutct, und darum früher ver braucht sein läßt, so würden sic erkennen, daß es nichts geringeres ist als ein raffiniertes Mittel. die kapitalistische Ausbeutung zu steigern. Das ist auch der Zweck, den der„soziale" Henlein-Kapitalist damit erreichen ivill. Und zweitens kommt cs ihm noch auf ein anderes an. Nämlich: die Arbeiter von Lohnforderungen und i von den Gclverkschaftcn fernzuhalten und zu ver hindern, daß sic mit„klassenkämpserischen" Ten denzen in Berührung kommen. Er jubelt, daß! ihm das gelungen sei. Und eben darum stellt cr i dieses Rezept ösfcntlich in der„Rundschau" aus. damit seine Erfolge auch von anderen kapitalisti-1 schen Unternehmen erprobt werden können. Wir i zweifeln nicht, daß cs Arbeiter gibt, die den wah ren Sinn der sogenannten Gewinnbeteiligung an lapitalistischcn Unternehmen nicht begreifen. Die nicht sehen, daß der Gewinn nur ein teilweiser Ersatz für den gekürzten Lohn darstcllt, für den! sie sich früher zu Tode schinden, während sie! gleichzeitig den Kapitalisten in rascherem Tempos immer reicher und immer mächtiger machen. Sic, durchschauen nicht den Betrug und geben als Be trogene noch obendrein ihr verfassungsmäßig ver bürgtes Koalitionö- und Strcilrccht preis. Slbcr der Versuch, die ganze Arbeiterschaft mit einem so ausgeklügelten System hereinzulcgcn, wird scheitern. Ein großer Teil der Arbeiter und An- s gestellten läßt sich damit nicht ködern. Und die fast eine Million freie Gewerkschafter in unserem Lande werden dafür sorgen, daß die sudetendeut schen Fascistcn auch mit dicscin dürftige», schein sozialen Aushängeschild bei unserer Arbeiterschaft leinen Erfolg haben. ! An dem Eingangstor auf der Lsiscile dröhnte ein: einsame Dampfwalze, van den hölzernen Milchhal- ! len, Vcrkanfssiänden und Restaurants ringsum (deren eines„Zu den drei Pfeilen" heißtj hörte i man hin und wieder Hammerschläge,— und wie um die Stille vor dem Sturm zu illusiriercu, batte sich eine Zicgcnycrdc cingesuuden, die sich das Gras vor I der großen steinernen Hauptiribüne gemächlich ! schmecken ließ. Es gehört« schon Phantasie dazu, sich in diesem Augenblick di« langgestreckten Tribünen mit einer hmidcrttausendköpsigcn Menge bevölkert Varzustellen: den festlichen Rahmen also zu dein > Spiel, das sich vor unseren Angen zum ersten Mal | entwickeln sollte. Tann aber klang Mm'it aus den Lautsprechern ■ rings um den Platz.: die Marschmclodic, nach deren Takt die beiden Züge der Tänzerinnen in seierlicheni Schritt und mit rhnlhmijch-bcivegtcn Armen an den Tribünen entlangschrciren, um das Spiel zu erösk- nen. Und di« Spannung der Probe begann: wird cs gelingen, wird es wirken, wird das von jedem Einzelnen und von den Gruppen schon so oft Geübte in diesem Riesenramn lebendig werden und sich ins Ganze fügen? Tas ist keine Thcalerprobe aus enger Bühne. Das ist auch keine Film-Maisenszcnc, deren Bewegung auf den Blickpunkt der Kamera gerichtet ist. Tas ist eine Probe, bei der cs gilt, einen a«- waltigen Raum mit Vorgängen zu erfüllen, di« vor. | allen Seiten her ersaßt werden sollen. Eine Probe i nicht mit Schauspielern und Statisten, sondern mit! einer lauscndköpsigcn Laienschar, die dundertlausen'j J' 1 Gleichgesinnten ihre. Begeisterung erleben lassen will Das ist ein Spiel der bewegten Massen. Ter Spielleiter000 streitende lärmende Kundgebungen und> versuchte» das Kraftlvcrt der Straßenbahn-Bc-! triebsgesellschaft zu stürmen. Es gelang ihnen schließlich auch, zeitlveilig in das Gebäude einzn- dringcn, jedoch ivurden sie nach ervittertem Kamps mit Hilfe von Wasser und Tränengas wieder vcr- trieben. Bei den llnrnlien, die sich auch aus die Ilm-' Hebung von Milwaukee ausdehulen. wurde ein junger Mann tödlich verletzt. Steuerreform in Frankreich Paris, 20. Juni. Die Kammer hat heute i abends mit 388 gegen 200 stimmen den Gesamt« temvier der Rcgierungsentwürsc betreffend die Steuerreformen angenommen. Die Rcgierungsent« ivürfc seseu bloß die Prizipicn dieser Reform fest, indem sic derRegierung die Vollmacht überlassen, im Wege von Regierungsverordnungen selbst die Details zu realisieren. Die Regierung batte im Laufe der erregten Debatten einigemate die Per» Iraucnssrage stellen müssen. Darlhou nach Rom clmtcladcn Pari», 29.'»uni. Die römischen Berichterstatter der Pariser Blätter teilen mit, daß der französische Botschafter Chambrun eine Unterredung mit dem ebcmaligcn Untcrstaatsselcetär S u v i ch hatte, der den Wunsch der italienischen Regierung nach einem baldigen Besuch de» französischen Außenministers B a r t h o u zum Ausdruck brachte. Engllsdi-iranzttslsdier Handelsvertrag unterzeichne! Paris, 29. ftimi. Gestern wurde in London I das englisch-französische Handelsabkommen unter, zeichnet, das am 16. Juni paraphiert worden war. Der Vertrag gilt bis 31. März 1935 und kann automatisch verlängert werden. In den Tarifen wird beiden Parteien die Mcistvegünsiigung zugesichert, was in dem Vertrag vom Jahre 1882, der von Frankreich gekündigt wurde, nicht der Fall war. Frankreich erneuert die englischen Kontingente in vollem Umfange. Frankreich erzielte u. a. die Aufhebung der 20prozcntigen Diskrimi« nierungszölle aus einige Arten französischer Waren, die seit dem 20. Feber d. I. in Geltung waren. Die Kündigungsfrist beträgt einen Monat. Für den Fall eines Unterschiedes im Werte der Währungen enthält der neue Vertrag eine Klausel hinsichtlich eventueller Kompcnsa- tionssorderungen von feiten des geschädigten Teiles. Albanien war nicht informiert! Tirana, 29. Juni. Entgegen anders lautenden Rachrichten über den„Besuch" des italienischen Gcschivadcrs in Durazzo teilt das albanische Pressebüro mit, daß der italienische Flottenbesuch nicht im Einvernehmen mit der albanischen Regierung vorbereitet war und daß auch leine Anmeldung erfolgt ist. Schuld und—„Sühne"! Am 23. Mai 1931 war es in G u n z e n- Hausen in Franken, im Machtbereich des Progrom-s t r e i ch e r also, zu schweren Judenverfolgungen gekommen. Aufgeputschte SA überfiel die Juden in ihren Wohnungen, niißhandcltc sie fürchterlich oder entführte sie in die SA-Kasernen, wo cs zu geradezu sadistischen Exzesse» Ium. Im Verlauf dieser Ausschreitungen lvurden zwei Juden so mißhandelt, daß sic kurz daraus an den erlittenen Verletzungen verstorben. Die Hitlcrlcute lnüpftcn die Leichen der Erschlagenen an Bäumen auf, um einen Selbstmord vorzutäuschen. Diese Mordtaten haben jetzt vor der Straf- lqmmer des Landgerichts Ansbach ihre„Sühne" gefunden. Der Bericht, den die Ansbacher Justizpressestelle über diese Verhandlung ausgibt, und der jetzt in den deutschen Zeitungen erschienen ist. charakterisiert in einzigartiger Weise das hitler- fascistische Greuelsystem: „Als Folge der Auoschreitunge» in Gunzenhausen(92fr.) am Abend des 23. Mai 1934 fand in der Zeit vom 11. bi» 18. Juni 1934 vor der großen Strafkannner de» Landgerichts Ansbach eine Hauptverhandlung wegen schweren Landfriedrnsbruch statt. Gegen 19 Angeklagte wurden Gefängnisstrafe» von 3 Monaten dis zu 19 Monaten verhängt. Bei 5 Angeklagten erfolgte Freisprechung, dzw. Einstellung des Verfahrens. Die Hauptverhnudlung hat zu der, jeden Zweifel ausschließenden Feststellung geführt, das« die Ursache der beiden Todesfälle Selb st mord gewesen Ossel, 20. Juni. Zu dem«elterlichen Unglück auf dem Nelsvn«Schacht, über das bereits kurz berichtet ivurde und dem der Lberjteig-r s ch i st c l sowie der Maurer G r ö v c l zum Opfer sielen, wird noch gemeldet: Die Geivältigung des kleinen neuen Gru« bentciles im Gebiet des Wetterschachtes VIII war gestern vormittags von einer mit Sauerstoffapparaten ausgerüsteten Mannschaft unter der Leitung des Betriebsleiters Jng. Hauser glatt durchg.« sührt worden. Nach der Fertigstellung der We:- terführung und Durchlüftung der Strecke fuhr sofort die bergbehördliche Kommission ein und besichtigte den Abschnitt bereits ohne Sauerstoffapparate. Die Absperrungen nach Süden tvaren provisorisch durch zwei Wettertüren hcrgestellt worden, die fest vernagelt und ubge« dichtet wurden. Diese Weticrtürcn stammten noch aus der Zeit vor der Katastrophe und bildeten die normale Revierabsperrung, Die um 2 Uhr ablösendc Mannschaft stand unter der Leitung des Obersteigers Schistek, der den Betriebsleiter abqelöst hatte. Obwohl der Betriebsleiter angcordnet batte, daß die Arbeiten zur Gänze mit Sanerstoffapparaten durcbzufük- ren feien, hielt dies Obersteiger Schistek mit Rücksicht auf die vollkommen normale Wetterführung nicht mehr für nötig und fuhr daher mit seinen Leuten ohne Masken ein, weil diese die Arbeit sehr crschivcren. Dao Unglück ereignete sich während der Her strllung der Absperrmauern, die vor den Wettertüren errichtet werden sollten. Dir eine Wettertür wnrde ans noch nicht aukgekkärte Weise nut r einem heftigen Knall durch die Gase jenseits der Tür anfgrsvrrngt, woraus eine Vergasung der ne» gewann en en Strecke eintrat. Schistek gab sofort den Befehl zur Flucht, der von de« Arbei- Tagcsncolghclttn Reue Hitzewelle i« AGA Rrw Aork, 29. Juni.(Reuter.) Zahlreiche Gegenden der Vereinigten Staaten wurden von einer neuen Hitzewelle betroffen. Man rechnet damit, daß die gegenwärtige Hitze z c h n M c n- schcnlebcngefordert hat. WolkeubrNch« in Bulgarien Sofia, 29. Juni, lieber Nordbulgarien gingen im Lause des Donnerstag schwere Unwetter nieder, die große Verwüstungen anrichtetcn. Besonders schwer wurde die Ortschaft Braschlonih heimgcsncht, die durch Wolkenbrüche vollständig unter Wasser gesetzt wurde. Die Dorfbevölkerung, deren sich eine ungeheure Panik bemächtigt hatte, war auf die Felder geflüchtet, da das Wasser stellenweise über drei Meter hoch stand. Ein älterer Mann kam in den Fluten um. Mehrere tausend Stück Groß- und Kleinvieh sind in den Fluten umgekommcn. Besuche bei Krupp... Die Geschichte zeigt ost überraschende Parallelen. AIS Wilhelm II. seinerzeit vor den Krupp-Arbeitern seine bc- rühmte Durchhaltc-Rcdc hielt,— ein gut genährter, auf schneidigen Optimismus frisierter kaiserlicher Schwätzer vor den hungernden, ver- zweifelten Proletariern der"riesigen Munitionsfabrik,— eine Rede übrigens, die im verbissenen Schweigen der Arbeiter erbarmungslos unter- ging, ohne die geringste Resonanz zu finden, da wußte man, daß die Monarchie ausgespiclt hatte. Don der verlogenen.Hurrastimmung der ersten Monate war nichts mehr übrig geblieben, das Leichentuch trostlosen Massensterbens lag über einer darbenden Bevölkerung und ein Flüstern und Raune»—„Micsmachen" hätte man wohl im neuen Deutschland gesagt— ging von Mund zu Mund, bis es, zu einem Orkan des Unwillens geworden, das halbabsolutistischc Regime der -Hohenzollern-Majestäten vom Thron herunterschwemmte. Als Wilhelm mit dem billigen Feuerwerk einiger sozial genormter Phrasen zu den Krupp-Arbeitcrn ging und sic als„Kameraden" ansprach,— eine Anbiederung, die im.Hohnlächeln der Betrogenen nur zu peinlich wirkte,— saß der deutschen Monarchie der Tod bereits im Nacken. Wilhelm, der glaubte, mit einer Geste die Sünden von Jahrzehnten austilgen zu können, erlitt ein Fiasko, wie er es noch nicht erlebt hatte. Als er ging, beklagte er sich über die Eises- lust, die ihm cntgegengcwcht hätte. Und Beobachter versicherten, daß die-Hände des Monarchen vor Erregung zitterten... Die Krupp-Arbeiter haben dieser Tage wieder hohen Besuch bekam- men. Ein Mann erschien, der ihresgleichen ebenfalls gern als„Kameraden" zu reklamieren Pflegt, die Männer der Arbeit, die er versklavt, entrechtet und gcdemütigt hat. Dieser Mann war A d o l s.Hitler, der Diktator in Nöten, den einer seiner früheren Freunde in einer sehr eindringlichen Studie einmal als„Wilhelm den Dritten" klassifiziert hat. Wieder steht ein System am Abgrund. Der fascistische Begeisterungsrausch der ersten Monate ist längst verflogen, man flü- tcrn auch befolgt wurde, die in den frischen Wetter- ström des Schachte» VIII eilten. Nur Schistek und der Maurer Gröbel, die durch eine enge Sei- tenstrrcke flüchteten, wurden von dem nachdringrn- den Gas ereilt und stürzten nieder. Die sofort von zwei Seiten unternommenen Versuche des noch in der Grube weilenden Ober« häucrö Vesely und des Handlangers Puschel, zu den Verunglückten zu gelange», scheiterten infolge der Vergasung der Strecke. Erst die hierauf mit Sauerstoffapparaten cinfahrende Rettungsmann« schäft. der aucb der Betriebsleiter angehörte, konnte die Verunglückten bergen, doch waren die Wiederbelebungsversuche vergeblich. Noch am Abend traf der Leiter de» Brüxe' Rcvierbergamtcs Oberbcrgrat Jng. Santroch und die bcrgbehördlichc UnterstichnngSkommission an der llnglückSstellc ein, um die Erhebungen ein» zulciten. Das Arbeitcnministerium entsandte zlvccks eingehender Information den Bcrgrat Dr. Jng. B o l c j n i k auf den Nelson-Schacht. Dir Erhebungen dauern noch an. lieber die Ursache des Unglücks herrschen vorläufig nur Bcrmutun« gen. Sic kann erst untersucht werden, wenn die UnglückLstelle zugänglich sein wird. Der neugewonnene Grubenabschnitt ist noch in der Nach! durch die Errichtung von Mauern gesichert worden. Nach Ansicht von Fachleuten ist das Unglück darauf zurückzuführcn, daß in der Strecke hinter der Wcttertür ein B e rb r u ch statigefunden hat, durch den plötzlich ein derartiger Luftdruck entstand, daß die Wcttertür aufgcsprengt ivurde. Brandspuren oder Spuren einer Erplosion sind bisher nicht gefunden worden. Während der Gciväl- tignngSnrbeiten weilte auf dem Schachte ein Arz'. Die Rettungsmannschaften nnd Apparate waren in Bereitschaft. stert und murrt und die Enttäuschten fordern Rechenschaft von den Rattenfängern ganz wie damals. Die Gefängnisse der Diktatur füllen sich mit einst leidenschaftlichen Anhängern, die Panik geht um, der Hunger wütet und das Leichentuch des Terrors liegt über dem gequälten Lande. Adolf Hitler besticht Krupp. Hat er bei diesem Besuch nicht erschauernd an Wilhelms Grabge- sang an der gleichen Stätte gedacht? Schlachtfeld der Arbeit. In einem Vorort Kölns stürzte ein von einer Anstreichcrfirma errichtete« Gerüst an einem Fabriksbau zusammen. F ü n f A n st r c i ch e r und Gerüstbauer wuvden in die Tiefe gerissen. Zwei von ihnen waren sofort tot, während die d.r c i übrigen sehr schwere Verletzungen davon trugen. Ein in der Nähe des Gerüstes stehender Arbeiter ivnrde von einem Balken am Kops getroffen und ebenfalls schwer verletzt. Bei allen vier Verletzten besteht Lebensgefahr. Wiederaufnahme des Elbe-Schisfverkehrs. Infolge der ergiebigeren Regengüsse der letzten Tage bat das Elbe-Nivea» die nonnalc Höhe erreicht, so daß am 20. d. M. ans der Strecke Leit- m e r i tz—D resden der nornrale Personenverkehr tvicdcr ausgenommen tmirde. Auch der Frachtenverkchr beginnt sich wieder zu beleben. Brandlatastrophe. Wie Reuter auS I st a n* b u l meldet, wütete am Donnerstag ein Großfeuer in der Näh« dcö Tolma-Bagtschc-Palastes, in dem gegenwärtig der Schah von Persien als Gast des Gahsi weilt. Wie weiter gemeldet wird, sind vier Personen verbrannt und 3 0 0 M e ns ch e n obdachlos geworden. Im Krematorium in Schreckenstein fand gestern die Kollaudierung mit einer VcrsnchSvcr- brcnnung statt, die ein befriedigendes Ergebnis zeitigte. Man erwartet»och die Genehmigung des Landesamtes, so daß im Falle einer günstigen Er- ledignng die feierliche Eröffnung des Krematoriums am 13. Juli erfolgen lönntc. Der Türke Zaro Agha, der als der ä l t c st c Mann der Welt galt, ist Freitag morgens in einer Klinik in Istanbul g c st o r b c n. Er soll ein Alter von 120Jahren erreicht haben. Mit dem Auto in den Kanal. Bei Vcrvinö (Nordfrantreich) fuhr in der Dunlelhcit ein mit sieben Personen besetzter Kraftwagen in einen Kanal. Von den Insassen konnten nur ztvci Personen gerettet werden. Die übrigen fünfPcr- s o n c n wurden erst nach mehrstündigen Bemühungen t o t geborgen. Berlin, 29. Juni. Eine furchtbare Bluttat ereignete sich in der Nacht zum Freitag in der Oderberger-Straße im Berliner Norden. Hier bewohnte die 28 Jahre alte Frau ErnaSehlke mit ihrem drei Monate alten Kind und ihrer 31 Jahre alten Mutter eine Wohnung im vierten Stockwerk. Gegen Mitternacht ivurde» die Bewoh- ner des.Hauses durch plötzliche laute Hilferufe aus dem Schlafe geschreckt, die ans der Wohnung der Schltc kamen. Gleich darauf sah ein Hausbewohner den erst Donnerstag von seiner Frau geschiedenen Ehemann Sehlke rasch die Treppe herunter kommen. Nichts Gutes ahnend begab sich der Nachbar sofort in die Wohnung. Tort bot sich ihm ein erschütterndes Bild. In der Küche und in der Hili der Hrbeiler-Turn- und SparlbemegunD Wichtig für die Fahrtermiitzigitttzg «ach Prag! Wir un» soeben mitgeteilt wird, ist zur Erlangung der bOprozentigrn Fahrtermähigung nur dog Festabzeichen und die Fahrtlvgili» m a t i o n notwendig. Die Fahrtlegitimation must mit der Kontrollmarke und einem 30-tzeller-StemPel versehen und in ollen Teilen ordnungSgemäst ouSge• füllt fein lLerrinSstampiglir und die Unterschriften). Ermäßigte Sonntagsrückfahrkarten werden nächste Woche bereits ab Mittwoch, den 4. Juli, auSgcgcben. Die Rückfahrt muß spätestens Mon- tag, den 9. Juli, 12 Uhr mittags antreten werden. Ein feiner Chauffeur. Wie die Prager Poli» zeikorrcspondenz meldet, fuhr am Freitag gegen Mittag der Chauffeur Sicgnwnd Mate aus Bra- nik feinem Arbeitgeber Novak mit dem Auto aus dem Wald bei Jirna davon. In dem verschlossenen Auto befanden sich ein Einlagebuch auf 7500 Kronen und 450 Kronen in bar. Dec Chauffeur fuhr, wie nachträglich festgestellt wurde, in die Wohnung seines Dienstgebers in Branik, öffnete sic mit den gleichfalls im Auto gefundenen Schlüsseln und entwendete drei weitere Einlagebüchcln, Kleider und Wäsche sowie die Handküsse und fuhr dann mit dem Auto endgültig davon. Das Auto ist ein Praga-Piccolo und trägt die Nummer P 9969. Raubmord i« Harz. Banldirektor Hugo Schn« r i g von der Deutschen Bank in Osnabrück, der seit Donnerstag voriger Woche vermißt wird, ist nach einer Woche in der Nähe des Frankenbergsteineü im Harz tot aufgcfnnden worden. Die Leiche wies eine Tchußivundc auf. I» der Brieftasche Schurigs fehlten 500 Reichsmark. Rian vermutet, daß die Tat bereits am 21. Juni verübt worden ist. Als Täter kommen zwei Männer im Alter von 85 bis 88 Jahren in Frage. Schurig hatte Donnerstag vergangener Woche von Bad Gründ aus frühmorgens eine Wanderung nach dem Brocken untcrnonmien und wollte von dort aus nach Wernigerode weiter wandenc. Das letzte Lebenszeichen von ihm war eine Postkarte vom Brocken. Ungefährliches Kokain. Im Pilsner Revier lvurden die reichsdeutschen Angehörigen Kurl August Klingenbicl, beschäftigungsloser Kaufmann aus Nauenvurg. und seine Lebensgefährtin Anna Dorothea Ulitsch verhaftet, tvclchc Bittersalz als Kokain und Heroin verkauften. Da der Verdacht besteht, daß sie auch in anderen Städten ähnliche Betrügereien verübten, wurden die Polizeibehörden in der Tschechoslotvakei und in Deutschland verständigt. Grschostexplosson in Venedig. Beim Transport nicht zu verwendender Geschosse, die für industrielle Zwecke gebraucht werden, explodierte am Donnerstag in Porto di Marghcra eine Granate. Bier Arbeiter wurden getötet, drei schwer verletzt. Ertrunken. Nach einer Meldung aus Lissabon ist ein Fischerboot mit acht Mann in der Nähe des Hafens Nossa Senhora Nazareth gesunken; f ü n f M a n n der Besatzung ertranlcn, der Rest konnte von einem anderen Fischerboot gerettet werden. Auch ein„VerufS"-Berbrecher. Aus dem Gefängnis in Saloniki ist der bekannte Hypnotiseur Jani Karaloga entflohen, der wegen rer» schiedener Betrügereien verurteilt war. Er hatte seine Wächter hypnotisiert. Schon vorher gelang es Karologa einigemal«, auf diese Weise aus dem Gefängnis zu entkommen. Vom Rundfunk Empfehl«»»werte» an» dr» Programmen» Sonntag: Prag, Sender L.: 6.80: Gymnastik, 7: Konzert aus Karlsbad, 8.80: Schallplatten, 0.15: Konzert aus Viola und Cembalo, 11.55: Dvorak: Slawischer Tanz, 18.45: Sozialinformationen, 15: llebertra- gung ans dem Stadion der I II. Arbeiter-Olympiade, 17.55: Deutsche Sendung: Für die Kinder, 18.55: Deutsche Nachrichten, 20: Dr. Lesny: Fünf Wochen im Himalaja, 21: Konzert der Tschechischen Philharmonie aus dem Studio, 22.80: Buuter Abend, Sender: 14.80: Deutsche Sendung, 14.45: Arbeiterfunk: Dr. Otto Löwe: Das Weltbild der Demokratie.— Brünn 10.15: Konzert. 13.55: Opcrn- Arien aus Schallplatte», 14.20: Deutscher Landwirtschafts- Funk, 17.45: Schallplatten, 17.55: DeutscheS e n d u n g: Dr. Nclböck: Unsere Wirtschaft.— Prestburg 17.45: Chansons auf Schallplatte».— Kascha» 12.15: Orchesterkonzert.— Mährisch Ostrau 10.05: Populäres Orchesterkonzert. Stube lagen In großenBlutlachen Frau Sehlke und ihre Mutter, beide d u r ch B e i l- hiebe furchtbar zugerichtet. Im Wohnzimmer lag in einem Kinderlvagen die Lcichedes Kindes mit einer klaffenden Stirntvunde. Die beiden fchlververlchten Frauen lvurden sofort ins Krankenhaus geschafft, wo Frau Sehlke kurz darauf st a r b. Auch die Mutter hat so schlverc Verletzungen, daß sie kaum mit dem Leben davonkommen dürfte. Als Täter kommt mit höchster Wahrscheinlichkeit der geschiedene Ehemann der Frau Sehlke, d r 34 Jahre alte Erich Sehlke in Frage, der nach der Tat geflüchtet ist. MkMMMkWMUMMWMkMM Jk.« -Som«»,. SV. Jftmi Die Konzentrationslager Kemna und Börgermoor (V. G.) Ein Arbeiter, der als politischer Gefangener in Untersuchungshaft saß, erfuhr von einem Mitgefangenen allerlei über Mißhandlungen im Konzentrationslager Kemna bei Wuppertal. Er teilte diese Erzählungen seine« Mitgefangenen brieflich einem Politischen Freund, im Saargebiet mit. Zwar glaubte er sich als Absender mit aller niöglichen Borsicht getarnt zu habe», aber ein Zufall lieb die Polizei, die In den Besitz des Briefes kani, doch erkennen, wer der Schreiber tvar. Nun wurde er von neuem verhaftet und wurde selbst in das Konzentrationslager Kemna bei Wuppertal eingeliefert. Er war dort vom 24. Oktober 1033 bis zum 10. Männer 1084 und von diesem Tage bis zum 11. April 1084 im Konzentrationslager Bürgermoor bei Papenburg. Das ist dasselbe Lager, in dem auch einige sozialdemokratische Führer, so Ernst Heilmann und Friedrich Ebert monatelang gefangen tvaren. * Dieser Arbeiter schilderte der„Deutschen Freiheit" mit Angabe von Namen und Daten seine Erlebnisse. Er ist bereit, für die Wahrheit seiner Schilderung einzutreten.— Die Schilderungen sind ein treffender Kommentar zum Kulturdeutschtum der Henleinleuie. In Kemna Als der Polizeibeamte mich in K e m n a am 24. Oktober 1033 einlieserte, sagte er gleich dem ersten SA-Posten:„Ich bringe euch da etwas ganz Feines!" Da er mir vorher ringeschärft hatte, ich müsse vor jedem SA-Mann stramm- stehen, grüßte ich diesen SA-Posten durch stramme Haltung. Der aber schnauzte mich sofort an:„Du rotes Schwein, du wagst auch noch vor mir stramm zu stehen? Nimm die Knochen auseinander!" Und schon erhielt ich einen Faustschlag ins Gesicht. Den Namen des Wachtpostens ermittelte ich später. Er heißt Wolf. Beim zweiten Wachtposten vermied ich nun, eine straminc Haltung anzunehmen. Sofort fuhr er mich an: Du dreckiges Schwein, willst du nickt die Knocken zusammennehmen?" Und gleich setzte es wieder Schläge. Vie Geiangenen werden bestohlen Im Bureau wurde ich von dem Obersturmführer Hilgers und dem Oberscharführer Weichert empfangen:„Taschen leer machen!" hieß es. Ich hatte 18 Marl gespart, um meiner Frau etivas zum Geburtstag zu kaufen. ES wurde mir abgcnommen und ich bekam cS niemals wieder. Man fragte mich:„Was hast du gemacht?" Ich antwortete, daß ick einen rvrief inS Saargebict geschrieben hätte.»Worüber?" Ich gab wahrheitsgemäß zur Antwort, waS ich auf Grund der Erzählungen des Untcrsuckungsgrian- genen inS Saargebict geschrieben halte.»Aha. Grcuclmärchcn! Daü sollst du schwer büßen!" NlOhondlunten In der Wachtstnbe wurde noch einmal gefragt,>vas ich gemacht hätte. Ich sagte die Wahrheit. Ta schrie mich plötzlich der Scharführer H o ch f e l d c r an:»Tu hast den Uebersall aus mich geleitet." Der Mann>var mir aber ganz unbekannt. Er hat es gewiß nur behauptet, u m einen Anlaß zu Mißhandlungen zu haben. Sofort siel er denn auch über mich her und schlug mich dermaßen ins Gefickt, daß sich mehrere Zähne lockerten. Als ick zur Tür hinauö- ging, wurde ich ino Kreuz getreten. Draußen befahl mir der Sck»rführer Hintze:»Stell dick an die Wand!" Der Scktarsührer Hockfelder lcklug mich wieder ins Gesicht. Ick wurde nun in einen Raum unter die Treppe geivorfen. wo schon vier Mann lagen. Dort wurde ich weiter mißhandelt. Das Verhör Zunächst wurde eine Prozedur vorgenommen, die wohl alle Neueingclicfcrtcn haben durchmachen müssen. Fünf SA-Leute hielten mich fest. Die anderen schlugen mit Gummiknüppeln. Ochsenziemern und Gummischläuchen mit Blei aus mich ein. Beteiligt tvaren u. a. die SA-Männer Blä- sing, Weichert, Hochfelder, Hintze, Heine und Wolf. Der Lagerkommandant, Obersturmführer Hilgers, kommandierte. Ich wurde auf einen Tisch ausgcstreckt und Hilgers dirigierte die Mißhandlungen durch Zeichen mit der Hand. Je nachdem wurde zugeschlagen oder aufgehört. Man wollte von mir bestimmte Namen wissen. Als ich mich tvcigcrtc, wurde ich zum zweiten Male auf den Tisch geworfen und die Mißhandlungen wiederholten sich. An vier Abenden wurde ich so geprügelt. Zum Abschluß wurde man in einen Warenaufzug gestoßen und in den Keller hinabgefahren. Dann fragte man von oben:»Hast du Durst?" Es tvar gleich ob man ja sagte oder nein oder gar nichts. Bon oben wurden ein paar Eimer Wasser heruntergeschiittct. Mein Körper tvar nach den Mißhandlungen eine einzige Wunde. Nach vier Tagen wurde ich in einen Raum gebracht, der für 18 Mann bestimmt war. Tarin lagen auf Stroh 52 Mann. Ich blieb hier 14 Tage. Dann kam ich in den Saal 2. Die Mißhandlungen hörten nun auf. Nur nachts gab cs noch ab und zu Stöße mit dem Gewehrkolben von der Wache. In Börgermoor Hellmanns Martyrium Am 19. Jänner 1934 wurde ich in das Konzentrationslager Börgermoor überführt. In diesem Lager waren sckon seit längerer Zeit Ernst H e i l m a n n und Friedrich Ebert untergebracht. Die SA-Leute machten uns gleich darauf aufmerksam, daß sie uns Heilmann vorführen würden. Man stellte eine Hundehütte auf, holte Heilmann, der einen sehr zerrütteten Ein-, druck machte, aus der Baracke 1, die als Lazarett diente und jagte ihn wie eine» Hund zur Hundehütte. Dort wurde ec an eine Kette gelegt. Ein SA-Mann stellte sich mit sckutzbereitcm Gewehr vor ihm aus und fragte höhnisch:»Heilmann, wie mackt die Zweite Internationale?" Heilmann bellte wie ein Hund. Der SA-Mann, vcr mit seiner schußfertigen Knarre noch immer vor dem Gefangene» an der Kette stand, sagte triumphierend:»Seht, was für eine feige Kreatur." Heilmann wurde dann, von der Ml an der Kelte wie ein Hund über den ganzen Platz geführt und kani dann wieder ins Lazarett. Am nächsten Tag lvurde er uns mee einem anderen jüdischen Gefangenen vorgeführt. Tas war an der sogenannten 4711-Kolonnc lstatri- ncn-Kolonne). Die SA-Leute verlangten von dem einen Juden, er möge Kot aus der Latrine hcrauSholen und cS Heilmann ins Gefickt schmieren. Er verweigerte das. Tann schrie e-n SA- Mann den jüdische» Mitgefangenen an:»Also, weil du zu feig bist, wird dick Heilmann beschmieren. Heilmann, der einen krankhaften Eindruck machte, wurde solange bedroht, bis er wirklich den Die sieben Galgen des DrsirMsstaatsanwalts Don Hermvnia Zur Mühlen. Die hier folgende Geschichte hat mir ein amerikanischer Freund erzählt: Die kleine Stadt E. hat wenig Interessantes auszuweisen; das schönste Gebäude ist daS Klubhaus der ElkS, das zwcitschönste die Irrenan statt, an der mein Freund Dlowser Chefarzt ist. Ich besuchte Blowscr während der Ferien und wir schlenderten an einem schönen Sommerabend geniächlich durch die breiten, etwas öden Straßen. Aus einem prächtigen Park traten sieben junge Mädchen heraus. Ich blieb stehen, vergaß völlig meine guten Manieren, starrte unverhohlen schamlos die jungen Mädckcn an. Das älteste mochte zwanzig, das jüngste sechs Jahre zählen, und eines war schöner als daS andere. Blowscr lüstete den Hut; die sieben Mädchen grüßten. „Mach mick dock mit ihnen bekannt", bat ich und wollte auck schon den Freund auf die andere Seite der Straße ziehen. Er aber riß mick mit einem Ruck zurück, und ich sah zu meinem Erstaunen, daß Widerwille. Ekel, ja fast Grauen seine Züge verzerrten. „Was ist dir?", fragte ich verständnislos. Er eilte stumm mit großen Sckritten weiter. „Wer waren die schönen Mädckcn?" erkundigte ich mick. „Töchter eines meiner Patienten. Weißt du. wie sic in der Stadt genannt werden? Die sieben Galgen des Distriktsstaatsanwalts." Ich sah ihn verblüfft an. j/Sic sieben Galgen?" „Ja. Der Volksmund hat nock Sinn für Poesie. Die sieben elektrischen Todesjtühlc klänge schlechter." ,Hch verstehe dick nicht." „Es ist eine seltsame Geschickte. Aber du sammelst ja Kuriosa; ick will sie dir erzählen." Und während wir, die Stadt verlassend, durch die erntereifen Felder schritten, erzählte mir Blowscr folgende Geschichte: „Der StaatSantvalt Langton war in seiner Jugend ein großer Lebemann gewesen. Mit dreiunddreißig Jahren beschloß er, ein ehrbares bvr- gerlickeS Leben zu führen. Er heiratete ein wunderschönes junges Mädchen, das ihm den Entschluß, ein tugendhafter Gatte zu sein, leicht hätte machen müssen. Aber anscheinend war dem nicht so. Schon in den ersten Tagen nach der Hochzeit lief Langton mit einem halb verdösten, halb verzweifelten Gesicht herum, und auch die junge Frau tvar nicht besonders heiter. Langton suchte der Reihe nach alle Acrztc der Stadt auf, und bald konnten diese, wenn aus ihn die Rede kam, ein leises Lächeln nicht unterdrücken. Dieses leise Läckcln wurde, alsbald auch auf den Zügen der Apotheker sichtbar, sobald sie den Distriktsstaatöanwalt kpmmcn sahen. Und was daS ärgste war: einige scharfsichtige Frauen behaupteten, daS gleiche mitleidig spöttische Lächeln auch auf dem Gesicht der schönen Fran Langton gesehen zu habe», wenn sic ihren Gatten anblicktc. UcbrigenS hatte die arme Frau kein leichtes Leben; Langton war eifersüchtig wie ein Tiger und hielt sic wie eine HarcmSdamc. ES war ei» unerquickliches Schauspiel, den Mann zu bcob- Besehl der ST aussührte. Sie ließ nicht eher Ruhe, bis sie das ekelhafte Schauspiel vollendet hatte und beide jüdischen Gefangenen mit Menschenkot beschmiert waren. Einige Tage später erhielt der kranke Heilmann den Befehl, einen schweren Baumstamm auf die Schulter zu nehmen und durch einen sunrpfigen Graben zu schaffen. Er sank immer tiefer ein und rief schließlich:»Helft mir Hoch!" Die Wachmannschaft hielt uns davon ab mit der Drohung:»Wer hilft, wird erschossen!" Erst als Heilmann bis über die Schultern eingesunken war, und der Scklamm sich seinem Gesicht näherte durften wir ihm helfen. Solch« Prozeduren wurden mit Heilmann immer vorgenommen, wenn neue Gefangene eingeliefert wurden. Er wurde häufig in der sogenannten Bortragsbaracke geschlagen, und die Mißhandlungen waren ihm an» zumcrken, wenn er herauSkam. Heilmann war seelisch gebrochen. Aber er war ein guter Kamerad, wie alle bezeugen, die mit ihm im Lazarett lagen. Häufig bekam er Lebensmittel, Zigaretten und auch Geld, und er hat stets brüderlich mit seinen ärmeren Mitgefangenen geteilt. Als eine Rotterdamer Zeitung später über Heitmanns Mißhandlungen berichtete, lief der Kommandant aufgeregt im Lager herum und sucktc nack Zeugen, die den Zeitungsbericht widerlegen sollten. ES wurden nock fünf Gefangene ermittelt, die mit Heilmann zusammen eingclic- fcrt worden waren. Die Leute bekundeten, daß der Zeitungsbericht wahrheitsgemäß sei. Was mit diesen Gefangenen geschehen ist. weiß ich nickt. Wiederholt wurde vcrsuckt, den alten Parieihaß zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten anzustackeln. So wurde einmal Friedrich Ebert anfgefordert, kommunistischen Gefangenen »in die Fresse" zu schlagen. Er Ivcigerte sich tapfer und erklärte, daß auck jeder kommunistische Gefangene sein Kamerad sei. Ebenso weigerten sick kommunistische Arbeiter Friedrich Ebert zu schlagen. achten, wenn seine harten blaue» Augen die Frau in einer Gesellschaft auf Schritt und Tritt verfolgten. Als sic etwa ein Jahr verheiratet waren, gab eS in unserer Stadt einen großen Mordprozcß. Ein Tockarbeiter batte seine Geliebte ermordet. Der riesige, breitschultrige, vor Kraft strotzende Mann stand in der Anklagebank wie das Leben selbst. Langton, sckmal, hager, mit graublasscm Gesicht und toten Augen, wirkte, mit ihm verglichen, wie ein wesenloser Schatten. Aber in den Schatten kam um so mehr Leben, j« länger er den Angeklagten betrachtete. Und als er, nach einer zweistündigen glänzenden Rede, da- Todesurteil forderte, glühten seine Wangen, und in seinen Augen leuchtete neues Leben. Dir Geschworenen zogen sick zur Beratung zurück. Langton knickte abermals zusammen; nur seine unheimlichen Augen hingen starr an der Tür des BcratungSzimmers, als wollten sic das Holz durchbohren. Tic Geschworenen kamen zurück: sic hatten alle für das Todesurteil gestimmt'. Ich sah zu Langton hinüber. Er stand hock- gercckt da und starrte in den Saal wie einer, der eine Bision sckaut. Noch heute sehe ick die irre Verzückung aus seinem Gesicht. Damals schauderte ich zurück, ohne zu wissen, warum. Später er- fuhr ick de» Grund: in dem Augenblick, da dieser junge starke Mensch zum Tode verurteilt wurde, fühlte das abgenützte Mcnschenwrak in sick neues Leben, das geschlechtslose Geschöpft ward sich mit jäher Freude seines Geschlechtes bewußt. Neun Monate später wurde Mary Langton geboren, das älteste der schönen Mädchen, die dir so gut gefallen. Du ahnst nun wohl bereits, weshalb die Mädchen den häßlichen Namen„Die sieben Galgen des DcsiriktsstaatSanwaltes" tragen. DaS Todesurteil über einen Menschen,— kann man sich ein schauerlicheres Aphrodisiakum verstellen? Langton wurde wegen seiner Unbarmherzigkeit bekannt; allmählich siel es auch auf, daß er nur starte, gesunde, junge Menschen mit unerbittlichem Grimm verfolgte; gegen alte Leute und Schivächlingc bezeugte er eine erstaunliche Nachsicht. Das erstemal verriet er sick mir gegenüber kurz vor AuSbruch des Krieges. Wir trafen einander auf der Straße und mir fielen seine eingefallenen Wangen, seine erloschenen Augen auf. Ick fragte ihn, ob er krank sei. Er starrte mich mißmutig an. „Die Zeiten sind schleckt", sagte er düster. Ick lvac erstaunt: unsere kleine Stadt entwickelte sich gut, die Geschäfte blühten. „Schlecht?" fragte ich verständnislos. „Ja, schlecht. Seit zwei Jahren"— er betonte schwer jedes Wort—»seit zwei Jahren kein einziges Todesurteil." Und als ich ihn noch immer verwirrt anblickte, fügte er hinzu:„Ich gehe daran zugrunde." Der Krieg und die daraus folgenden Jahre des weißen Terrors belebten ihn von neuem. Er wurde fast jung, war heiter, liebenswürdig, gesprächig. Ich machte mir seit langem Gedanken über ihn; als vor sechs Jahren die kleine Enid geboren lvurde, zuckte mir etwas durch den Kopf, etwas Unfahbarcs, Erschreckendes. Ich forschte in meinen Erinnerungen und entdeckte, daß jedes seiner Kinder etlva ein Jahr oder zehn Monate nack einem großen, mit einem Todesurteil endenden Prozeß auf die Welt gekommen war. Vom Jahre 23 bis 24 gab es in unserem Distrikt keinen einzigen großen Prozeß. Langton alterte sichtlich, war fast zum Greis geworden, obwohl er erst dreiundfünszig Jahre zählte. Da ereignete sich etwas SeltsaineS. Ich behandelte einen armen Teufel, einen Schuster, der im Kriege verschüttet gewesen tvar und einen Nervenschock erlitten hatte. Von seiner Krankheit tvar ihm eine unbezwingliche Reizbarkeit zurückgeblieben, unter der seine arme Frau viel zu leiden hatte. Es gab furchtbare Häusl icke Szenen» das Geschrei des Mannes erfüllte die ganze Straße. War der Zorncsauöbruch vorbei, so war er der beste Mensch von der Welt und tat seiner Frau alles zuliebe, um sic zu versöhnen. Als ich ihn einmal aussuchcn wollte, traf ich, einige Blocks entfernt, Langton. Er schloß sich mir an. Uns dem Hause nähernd, wo der Sckuster wohnte, vernahmen wir seine wütende Stimme:»Ich schlag dich toll" Langton wurde leichenblaß, dann schoß ihm das Blut in die Wangen. „Ein Mord", flüsterte er. Ick beruhigte ihn und erzählte ihm die Ge- sckichte des Sckustcrs. ES siel mir aus. daß er sich den Namen und die Adresse notierte. Dann verließ er mich. Etiva eine Wecke später sucktc mich der Schuster auf. „Doktor", sagte er erregt,„in unserer Stadt gibt es einen Mann, der entweder ein Verbrecher oder ein Verrückter ist. Jeden Abend lauert er mir aus und versucht mich zu überreden, meine Frau zu töten." Ick hielt diese Worte für die Einbildung eines Hysterikers, aber der Sckuster ließ von seiner Behauptung nickt ab. Der Mann behauptete, daß die Frau des Schusters diesen betrüge, ihn hasse, ihn ermorden werde, falls er ihr nicht zuvorkomme. „Ich siircktc mich", schloß der Sckuster.„Sie wissen ja. wie cS um mick besteht." Ich versprach dein Patienten, nun meinerseits dem Manne auszulauern, der ihn zu einem Mord vcrsührcn wollte. „Er komnit immer in unsere Straße, wenn es bereits zu dämmern beginnt. Hat den Kragen hock aufgcscklagcn, den Hut tics in die Stirn gedrückt", berichtete der Sckuster. Ich wartete zwei Abende vergeblich im dunklen Hausgang; am dritten Abend kam ein Mann hastig des Weges. Die Gestalt und dec Gang erschienen mir bekannt. Der Sckuster gab mir einen Rippenstoß: „Tas ist er", und trat auf die Straße. „Nun", fragte der Mann statt jeder Begrüßung.„haben Sic die Bestie noch nickt erschlagen?" Diese Stimme! Ick sprang vor. scklug dem Manne den Hut vom Kops, leuchtete mit der Taschenlaterne in sein Gesicht: cs war der Distrittsstaatsanwalt Langton. Die Sacke wäre vertuscht worden, hätte die Frau des Schusters den Mund halten können. Dock tat sic cs nickt, und nun tauckten allerlei verdächtige Kerle aus. Menschen der Unterwelt, die aussagtcn, daß in verrufenen Spclunlen, in Ticbstncipcn und Zuhältcrhöhlen ein Mann zu erscheinen pflege, der den einen oder den andern zu einem Mord zu überreden suckc. Tic meisten hatten ihn sür einen Lockspitzel gehalten und der Sache keine besondere Bedeutung bcigcmesscn, wußten sic doch alle genau, wie politische Prozesse inszeniert werden. Beim Prozeß tobte Langton wie ein Rasender, verslucktc die verdammte Hunianilätsduselei, die keine Todesurteile mehr zulasten will, das Rauschgift vcvbictct, geiferte gegen die Aufklärung dec Masse, die auck dumpfen Tieren Menschen macht. „Wir, die Herren", erklärte er,„haben das Recht, zu leben, in jeder Beziehung zu leben. Und wenn unsere müden Nerven nur durck den Tod der gemeinen Masse belebt werden können, so muß die Masse eben sterben. Mit welchen» Recht besitzt ein gemeiner Proletarier Kräfte, die mir, dem Kulturmenschen, dem Herrn, verweigert wurden?" Er lvurde selbstverständlich für verrückt erklärt. Ob er tatsächlich im medizinischen Sinne wahnsinnig tvar, als er In die Irrenanstalt eingeliefert wurde, oder ob er nur die Prinzipien und die Einstellung seiner Kaste bis zur letzten Konsequenz durchgcführt hatte, da» weiß ick nicht. Wenn wir den Reden etlicher Univcrsitätspro- fcssoren oder Mitglieder der Handelskammern, oder Angehörigen des Ku-Klux-Klan oder ähnlicher Organisationen lauscken, so ersckcint mir die letzte Annahme als die richtigere. Jetzt ist er von einer Art religiöscni Wahnsinn befallen. Er zieht sich splitternackt aus, betrachtet seufzend seinen abgcmagertcn, häßlicken Körper und betet dabei oft stundenlang:„Lieber Gott, gib ein Todesurteil! Ein Todesurteil, lieber Gott!" Wir waren inzwischen umgekehrt und wieder in die Stadt zurückgelangt. Und abermals erblickten wir gegenüber auf dem Bürgersteig die sieben schönen.Mädchen. Doch verlangte es mich jetzt nicht mehr danach. sic kennenzulernen. Ich sah nun nicht die schlanken biegsamen Glieder, die rosigen Wangen, die leuchtenden Augen; ich sah in deni Schatten der hereinbrechenden Nacht sieben schwarze Galgen, die starr und unbarmherzig dir schauerlichen Arme ausstrcckten. .'SojWheHsfrat- «mW. 80.»ttirt ift34.«&.«Ä PRAGER ZEITUNG I Aus der Partei e. Kunst und Wissen Sport• Spiel• Körperpflege da dringt Vcrcinsuadirlditen «•e Name: Sanatorium Ziffer Genaue Adresse: Frankreich gegen Belgien 17:8. Letzte Post:. Telephon 4. Ganzjährig geöffnet Unterschrift: des Neuen Deutschen Theaters. 8 Uhr: Ensemblcgastspiel T r u d i Mannschaft in Stockholm gegen schwedischen Arbeiterfnßballer und Freundschaftsspiel sehr knapp. Abonnements- Bestellschein. Freiheit! Die Bezirksleitung. Mährisch-schlesische Fahrzeugwerke A.-G. Am 28. Juni 1084, tun 141 Uhr nachmittags fand unter dem Vorsitze des Herrn Franz Ringhof- fer die 82. ordentliche Generalversammlung der Mährisch-schlesischen Fahrzcugwcrle A.-G. statt. Der auSgcwiesene Reingewinn von Kc 88.468.08 wurde auf neue Rechnung vorgetragcn. Die auSscheidcnden VcrwalttmgsratSmitglieder Herren Heinrich Bkhlohribek, Felix CZjZek-Smidaich, Jng. Lad. Noväk und Dr. Victor Ricdl-Riedenstein wurden wicdergewählt und Herr Oberst i. R. Rudolf KalhouS neu in den VcrwaltungSrat gewählt. 2684 Wanderungen werden auf- zahlreich an Sonntag, den Ordner R. W. erhalten heute um 7 Uhr abends am Pobokelec besondere Instruktionen. Wir empfehlen das HOTEL-DAX, Bratislava Stefanikstraße 31. 8 Minuten vom Bahnhof. BDrgl. Haut, Manila Kc Fremden zimmer von Kö 12*. an Man meinte, einem Manne es nicht schwer fallen, den interviewen. Da sprang der erllärtc, er werde innerhalb den Diebstahl und warfen den Film, um al- Unannehmlichfeitcn aus dem Wege zu gehen, Feuer. Es entstand eine riesige Stichflamme, das ganze Haus in Brand setzte und die beiverletzte. Mitchells kam in Ortsgruppe Prag. Während den Tagen der Arbeiter-Olhmpiade(1. bi« 8. Juli) finden keine itatt. Tie Mitglieder gefordert, sich der Olhmpiade zu beteiligen. 8. Jnli beteiligen wir nn« in WandcrauSrüstung an dem Umzug. Ort und Zeit der Zusammenkunft werden noch durch die Zeitung bckanntgegebcn. Wir kennen in diesem Luft« der Kleinen Bühne. Samstag: Ringhoffer-Werke A.-G. Am 28. Juni 1884, um 11 Uhr vormittag? fand unter dem Vorsitze de« Herrn Franz Ringhof» fer die 28. ordentliche Generalversammlung der Ringhoffer-Werke A.-G. statt. Die vorgelcgte Bilanz lveist einen Reingewinn van Kö 1,787.481.11 aus, der sich durch den Vortrag des vorhergehenden Jahres von Kö 888.626.55 auf Kö 2,126.410.66 erhöt. Die Generalversammlung beschloß, auf den Kupon für das Geschäftsjahr 1988 ab 8. Juli 1084 eine 4prozentige Dividende, das sind 16 Kö pro Aktie, zur Auszahlung zu bringen. Der Restbetrag per Kö 246.410.66 wurde auf neue Rechnung vorgetragcn. Die auSscheidcnden VerwaltungsratSmitglicder Herr Felix CZijek-Smidaich und Herr Dr. Anton Schauer wurden wiedergcwählt. 2684 Tatra-Werke Automobil- und Waggonbau A.-G. Am 28. Juni 1984, um'/«12 Uhr mittags fand unter dem Vorsitze des Herrn Franz Ringhoffer die 48. ordentliche Generalversammlung der Tatra- Werke Automobil- und Waggonbau A.-G. statt. Die Bilanz weist einen Reingewinn von Kö 966.784.34 auS, tvclcher sich durch den Vortrag auS dem Vorjahre von Kö 564.816.07 aus Kö 1,531.101.81 erhöht. Die Generalversammlung beschloß, für das Geschäftsjahr 1988 ab 8. Juli 1984 eine 4prozentige Dividende, das find 64 Kö pro Aktie, zur Ausschüttung zu bringen, weiters dem Reservefonds einen Betrag von Kö 96.678.48 zuzuweisen und den Rest von Kö 284.422.88 auf neue Rechnung vorzutragen. Die misscheidenden VerwaltungsratSmitglicder Herr Franz Ringhosfer und Herr Felix Ringhofter wurden wiedergewählt. 2684 Mitteilungen aus dem Publikum. Sind Sie geistig«der körperlich ermüdet? 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DarailS er, wachsen unserer BczirkSorganisation Pflichten. Alle unsere Mitglieder müssen mithelfcn, unseren auSlvärtigen Freunden den Aufenthalt iii Prag so angenehm wie möglich zu machen. Wir brauchen in erster Linie Führer! Jeder, der sich für lommcnden Freitag, Samstag, Sonntag zur Versügung stellen kann, melde seine Adresse bis spätestens Montag, den 2. Juli im Parteihcim, Narodni 4(Telefon 48360). Wenn du auf der Straße, in der Straßenbahn oder sonstlvo einen auswärtigen Genossen siehst, der Rat, Auskunft oder Hilfe braucht, greife sofort ein und hilf! Gib aber präzise Auskunft! Wenn du etwas nicht sicher weißt, dann verschaffe dir erst Gewißheit! Begleite den fremden Genossen, wenn möglich, bis zu seinem Ziele. Daß alle unsere Mitglieder an den Veranstaltungen t e i l n e h m e n, ist sclbswer- sländlich! Spielplan Samsiag, ball» S ch o o p. Spielplan Gastspiel Pepi Kramer-Glöckner: 8 Uhr: Wo war ich heute Nacht?— Ende der Spielzeit. Genoffin, Gerroffel Zur 3. Arbeiterolympia Europa-Meisterschaftsspiel der Arbeiterfußballer Norwegen schlägt Dänemark 8:1(3:0). Bor 10.000 Zuschauern wurde in Oslo Europameisierschaftsspiel der Nordgruppe zwischen Norwegen und Dänemark ausgctragcn. Beide Teams wurden beifällig begrüßt und nach dem Absingen der .Lutcrnationale" begann der Kampf, der in einem scharfen und schnellen Tempo durchgesührt wurde Norwegen erlitt bekanntlich im Jahre 1938 in Kopenhagen eine Niederlage; diese wettzumachen galt der ganze Einsatz— und er gelang vollauf. Die dänische Mannschaft stand in der ersten Halbzeit der ausgezeichneten Spielweise der Norweger machtlos gegenüber und sah schon die Heimischen niit 3:0 in Vorteil. Nach der Pause, als Norwegen schon 6:0 führte, fand sich die dänische Elf besser, aber sie konnte nur das Ehrentor erzielen. Dann schossen die Norweger die beiden restlichen Tore und so den Endstand 8:1 herstellend. Tie norwegische Mannschaft zeigte gute Zusammenarbeit und nach dem Ausscheiden Oesterreichs und Deutschlands kann sie wohl als die beste der SASJ. bezeichnet werden. Dänemark hatte seinen besten Spieler trotz der hohen Torzahl im Tormann. Abonniere ab., 1034 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „GofttaHtemottat" Verwaltung Prag XH., Fochova tr. 62, zum Preise von 16 Kö monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt de« Erlagscheines ein. Rote Falken werden im Stadion-Hnupt-Restaurant „Zu den drei Pfeilen" verköstigt. | Tisch, wenn er hereinkommt!" Da der englische j Kronprinz in dem Lokal zu verkehren pflegt, schenll« man dem jungen Lord ohne weiteres Glauben. Der.,,.Lord" hatte offensichtlich besten Appetit. Er bestellte sich ein Menu n»ch dem anderen, ließ Wein und Zigarren auffahren und zeigte sich von den Leistungen des Lokals recht befriedigt. Endlich ließ er den Geschäftsführer rufen. Dem übergab er einen Brief, der an den Prinzen von Aales adressiert war. ..Ich habe keine Zeit mehr, bestellen Sic doch bitte dem Prinzen einen Gruß von mir und sagen Sie ihm. ich hätte das Nötige in dem Bries ausgeschrieben. Außerdem möchte er doch entschuldigen. daß ich meine Rechnung hier nicht bezahlt Schweden gegen Dänemark 3:2. Auf der Rückreise spielte die dänische Länder« das Team der verlor dieses habe. Ich habe zufällig kein Geld bei mir gehabt I" Das Auftreten des„Lords" täuschte den Geschäftsführer dermaßen, daß er den Zechpreller nicht nur völlig unbehelligt hinauüließ, sondern ihm sogar noch, aus freien Stücken die„Kleinigkeit" von 60 Mark auSlegte. In dem Brief stand nach einigen belanglosen Worten die genaue Rechnung der Mahlzeit des Schwindlers.. Seine Laufbahn als Verbrecher hat Mitchell schon als 12jähriges Kind begonnen. Damals stahl er aus einem Kino einen längeren Filmstreifen. Seine Großmütter und seine Tante entdeckten len ins die den Frauen tödlich Fürsorgeerziehung, die ihn jedoch nicht gebessert hat. Wegen des Postdiebstahls erhielt er jetzt vom Old Bailey eine Strafe von 3 Jahren Gefängnis. Der Luftballon Nachmittags. Tie Nationalstraße ist von den ver- schicdenslen Menschen bevölkert: solchen, die eilig ihren GcsaMlcn nachgehen, anderen, die sie— man siebt es ihren müden, abgespannten Gesichtern an— bereits Himer sich haben und von Leuten, namentlich Frauen, die gut gekleidet, mit gelassenen Mienen und der Sicherheit tvohlgefüllter Portemonnaies, ihrem Siammcaie zustreben. Zwischen all diesen unterschiedlichen Physiognomien eine Frau, Anfang dreißig, unauffällig nngc- zogen, kleinbürgerlicher Geschmack, aber blitzsauber, ihren Jungen an der Hand führend. Ter Knabe, der tingesäkr fünf Jahre zählen mag, hält fest an sich gepreßt eine Schnur. Die Schnur ist laug und weiß und an ihrem Ende tanzt ein großer, grüner Luftballon. Es ist ein wunderschöner Luftballon. Sonnenstrahlen spiegeln^ sich golden in seiner samte ncn len, Auf und ums Herz beim Anblick dieses Luftballons. Plötzlich geschieht das Schreckliche: ein Windstoß kommt gefahren und löst den bunten Ballon von seiner seidenen Fessel. Ein Schrei, herzzerbrechend. Der kleine Junge hat ihn ausgestoßen. Er steht da, die Augen Iveit aufgerissen, die leere Schnur in der Hand, ein Bild tvabrhafiiger Verzweiflung. Alle Passanten in der Nähe haben diesen Schrei gehört. Und ohne viele Worte einigt man sich: eS gilt, den Luftballon zu fangen. Der Wind hat ihn nicht Hochgetrieben, soichcrn flach, die Straße entlang. Aber immerhin doch in eine Höhe, in die man nicht so ohyx weiteres greifen kann. Oder man müßte schon so groß sein wie ein Rcklamcniann... Doch wenn man ihn braucht, ist so etwas— wie immer im Leben— natürlich nicht in der Nähe. Wir ucbmcit heldenmütig die Verfolgung des grünen Luftballons auf. Mitten unter uns: der kleine Junge.„Wir" sind sehr unterschiedlich. Solche, die wohl gerade eilig ihren Geschäften nachgehen wollten, andere, die sie bereits hinter sich hatten, und dann wieder Leute, gut gekleidet, die höchstwahrscheinlich auf dem Wege in ihr Stammcafc waren. Doch alle sebcu wir jetzt weder müde, noch geschäftshungrig, noch gelassen aus. Augenblick nur ein gemeinsames Ziel: den ballon! Er macht sich einen Jux mit unS. Immer einer von uns denkt— jetzt hab' ich ihn— fliegt er geradewegs ein Stück böller.' himmlische goldgrüne Kugel, vor unserer Nase. Doch >vir sind sehr hartnäckig. Die Jagd geht durch die Straße des 28. Oktobers, in der sich aus Spaß an der Sache viele uns anschlicßen, und endlich zum Wenzelsplatz. Doch da ereilt uns das Schicksal. W i r müssen auf das grüne Licht des Verkehrssignals Rücksicht nehmen und dürfen den Tamm nicht über- aueren. E r pfeift darauf und schwebt geradewegs | vor uns her. Wir winken den mif der anderen Seite | Stellenden zu, sie mögen den Ausreißer fangen. Aber ... r„~.~( i)| lc([ ci. jst c j n erneuter Windstoß, der un« Sehnsucht in unendliche Höhen entführt. filme In krnger LldilsplelhSusem Adria:„Ein feiner Herr".— Alfa:„Die falschen Zwillinge".— Avion:„W estfrontl»! 8". — Vermiet:„Unbekannte Melodie".— Fenix: „Laurel und Hardy hinter Schloß und Riegel".— Flora:„Unbekannte Melodie".— Gaumont:„Ein feiner Herr".— Hvkzda:„Auf der Suche nach A-- lantiS".— Julis:„Die Schlacht".— Kinema, B.» Th.: Journal, Lustspiel. Reportage.— Koruna: „Laurel und Hardy hinter Schloß und Riegel".— Kotva:„Mit Zane Grey ins Reich der Meeresungeheuer".— Lucerna:„Mit Zane Grey ins Reich der Meeresungeheuer".— Metro:„Die goldene Katharina".— Passage:„Zwei Herzen in Zärtjichkeit vereint".— Praha:„Mörder unter uns".— Skaut: „Die Tochter des Admirals".— Svitozor:„Ein feiner Herr".— Alma:„Der Adjutant Seiner Hoheit".— Bajkal:„Die sechs Frauen Heinrichs des Achten".— Belvedere:„Ans Liebe".— Besetz«: „Großfürstin Alexandra".— Favorit:„Ihre Majestät die Liebe".— Illusion:„Die Bettlerin von Notre Dame".— Lido:„Ein Herz für ein Lied".— Louvre:„Marokko".— Maceska:„Frigo— der Fraucnverführcr".— Roxy:„Die goldene Katharina".— Sport-Smichov:„Ein Herz für ein Lied". t wenn dann Flimmert, Der,Geheimkurier' des englischen Königs Die abenteuerliche Laufbahn eines Hochstaplers Die tolle Wette eines falschen Lords Bor dem Old Bailey-Gericht in London hatte sich ein Mann wegen Diebstahls von Post- sacken zu verantworten, der bei den verschieden sten Gerichten seit langem bekannt ist. Der„Mo nokelmann", wie ihn seine Kollegen nennen. John Simpson Mitchell. Tadellos gekleidet, stehl er in der Anklagebank. Sein Anzug ist vom be sten Schneider gearbeitet, auch seine Schube sind Maßarbeit. Er weiß, wie man sich als Gentle man benehmen muß. Das ist das ganze Ge heimnis seiner abenteuerlichen Hockstaplerlauf- bahn. Ein klangvoller Name war selbstverständlich unerläßlich.„Lord Orkney os Thurso Eastlc", eine Bisitenkatte mit diesem Namenszug öffnet jedem alle Türen, das erkannte John Mitchell sehr bald, und so geschah cs. daß aus dein cHeina■ ligcn Fürsorgezögling der soignierre Lord wurde. I Ein gewiegter Hochstapler muß die Kunst der Mcnschcnbehandlung aus das beste beherr schen. auch diese Vorbedingung erfüllte Mitchell. däskönulc man während der Gerichtsverhand lung feststcllen. Er war viel zu klug, bei den er drückenden Beweisen, die gegen ibn Vorlagen, seine Tat nicht zuzugcben. Aber er war nach sei nen herzbewegenden Schilderungen nur ein Op fer widriger Berhält.ussc, die ibn in seine Per- brechen trieben. Der ganze Gerichtshof lauschte gerührt seinen Worten, als er mit tränenerstickter Stimme bat. man möge ihm doch noch eine ein zige Chance zubilligen, damit er beweisen könne, wie ernst er cs mir seiner Absicht meine, sich zu! bessern und sortan ein Lcbcir in Wohlanständig keit zu führen. Lis ins Vorzimmer des Königs gedrungen. „Lord Orkney" liebte verwegene Unterneh mungen, auch wenn sie nickt ausschließlich dem „Gelderwerb" dienten; denn so sehr brauchte er hinter dem Geld nicht her zu sein. Es sloß ihm, dem„vornehmen jungen Herrn aus hochadliger Familie" mühelos zu. Seine Freunde in der Un terwelt schätzten ihn. Hatte er eine gefüllte Brief tasche, dann ging es auch ihnen gut, der Mono- kclmann hielt alles frei und warf mit dem Geld um sich. Eines Tages kam man auf den englischen König zu sprechen. wie Mitchel! dürfte König' persönlich zu Hochstapler auf und von 24 Stunden dem König gegcnübcrstehcn. Tas wollten die anderen nicht glauben, und so wurde eine Wette über 500 Mark abgeschlossen. Mitckcll wußte, daß sich der König damals gerade in Balmoral Castle aufhielt. So fuhr er noch in N- Nacht nach Aberdeen. Unterwegs be schaffte er sich einen großen, amtlich aussehenden Briefumschlag, den er mit belanglosen Zeitungs ausschnitten füllte und sorgfältig versiegelte. In Aberdeen charterte er unter dem Vorwand, er sei ein Gehciu'kurier des Königs und müsse das Sckloß so schnell wie möglich erreichen, ein Auto, das ihn noch im Morgengrauen anü Ziel brachte. Der Wache vor dem Schioßtor erzählte er den gleichen Schwindel. Als er den Briefumschlag verwies, wurde er schließlich eingelassen. „Ich warte auf den Prinzen von Wales." Man führte ihn in die Wachstube und ließ ihn dort bis Tagesanbruch warten. Er landete im Vorzimmer des Königs, wo er sich so gewandt benahm, daß man erst im letzten Augenblick Ver dacht schöpfte. Er wurde entlarvt und den Ge richten übergeben. In seiner Tasche hatte er nicht einen einzigen Penny. Die Gerichte sahen seinen Streich als harmlos an und verurteilten ihn milde. Kaum war er wieder in Freiheit, als er eine neue Tollheit ersann. Er ging in eines der vornehmsten Lokale Londons, wies sich als Lord aus ynd erklärte:„Ich warte auf den Prinzen 12i 1"'fpät. von Wales, führen Sic ihn, bitte, an meinen j str aller Niemand von uns kann ihn mehr verfolgen. Er'ift uns ein- siir allemal entwischt. Ter kleine Junge mitten unter uns schluchzt. Kommt schließlich ein gustnütiger Herr auf den einfachsten Ausweg. Sagt zu dem Knaben:„Wart', ich werd' dir einen ncncn Luftballon schenken". Faßt ibn an der Hand, gebt mit ibm fort, die Mutter hinterbcr. Na ja, das ist die schlichteste Lösung. Aber viel, viel schöner Iväre es doch gewesen, den ande ren, den entflohenen Luftballon wieder einzufangen. Katja Die Gummidaut, ihre Reflexe wiegen sich wie Wel- mid das glasklare Funkeln des grün-goldenen tind Nieder erinnert an das Meer, an Strand Soinmertvind. Ganz web und leicht wird einem GEDENKET bei allen AnlliMn der Arbeiterfürsorge! Klassen- Lotterie! Treffer gibt’s In jeder Klasse Bei G ess le r, Troppau, Turnergasse «A Also: heute noch bestellen! L aufendes 1 Inserat