f- 7. J MMkltMi MWWWUM" DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI U IN DER TSCHECHQS1OWAKISCHEN REPUBLIK ntOHMT MIT AUSNAHMI DM MONTAG TXOUCH FRÜH.»AmoN uno VNWMniNG w«»i,R)«om& 1MCWM mmmtmmoimrmn ah. HHAUSOHERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREOAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. 14. Jahrgang Dienstag, 3. IM 1V34 Nr. 153 DMLWWWWMlMM Auch Röhm sowie Mitarbeiter Papens erschossen Die Lehi^^^WWß^DWDWWWWW^^N^ Mit der Hinnchtung von siebe» SA-Führern, die am Samstag vorgenommea wurde, ist die Reihe der Exekutioue»»och»icht«bge schlöffe» gewesen. Es find»och einige SA- F»»ktionäre sowie andere Leute, die verdächtig waren, bei der Rebellion gegen Hiller mit- getan g» habe», hingerichtet worden. So vor allem der Stabschef R o e h m, der oberste SA- Fiihrer, ei» Mann, dem wie wenig andere« Hitler seine» Aufstieg zu danke« hat n»d der der Begründer»nd Organisator der SA gewesen ist. Rebe« ihm sind»och andere SÄ-Füh- rer erschaffe» worden, deren Namen nicht bekannt sind, wie den« überhaupt die Zahl der Hingerichtete»»icht stststeht. Großes Aufsehen muß ferner die Erschießung Non Leute» ans der Umgebung des Vizekanzlers Pape», wir des Dr. von Bose«nd des Herr» von Tschirschky, sowie des Führers der„Katholische» Aktiv»" Dr. Kla»se»er errege». Daneben sind»och viele SA-Führer verhaftet worden, so der ga»ze Berliner Stab, verhaftet ist auch der Schleicher»ahesteheade General Bredow»ad der sächsische Ministerpräsident Killing er. Sogar Pape« wird m feiner Wohnung festgehaltrn— ihn ins Gefängnis zu stecke« tränt man sich«icht, vermutlich mit Rücksicht auf H i« d e» b« r g nud de» Papst.' Sonderbare'Empfindnnge» wird es auch im Ausland erregen, daß Präsident Hindenburg sich»ach der Erschießung eines ehemalige» Reichskanzlers bei Hitler und Goering für die Dnrchführnng der„Säuberungsaktiou" bedankt. I« das Kapitel von der deutschen Treue gehären diese Dankschreiben»icht. Selbst wen« das SchreckenSregdnent in Deutschland— das Regiment jener, die er- schrocke« find— auf einige Zeit Ruhe schsffrn wird, ist Deutschland ei» B n lk a», des« le»A»Sbr,ch jederzeit erfolge, kann. Sic der Berliner Berichterstatter d«S„Matt«" meldet, wird morgen Vizekanzler von P a p- p e«, der sich ständig in Berlin aufhält«nd«n- terstarkem polizeiliche« Schutz steht/offizteil seines Amtes enthoben werde«. Reuter meldet aus Berlin; BIS jetzt wurde» 17 DA-Führer erschossen. Weitere Hinrichtungen werden«och i« dieser Woche erwartet. Etwa 200 SA-Führer solle« vor ei« Berliner Sondergericht gestellt werden. Ma« hält es für sicher, dass in de« Mehrzahl der Fälle Todesurteile werden gefällt werde». Prinz August Wilhelm von Hohenzollern ist gestern zu Goering berufe« worden, der ih« davon»«terrichtete, daß er im Berdachte stehe, in irgend einer Verbindung mit der Verschwörung gestanden zu haben. Prinz August Wilhelm stellte daS e«ergisch i« Abrede. und gab sogleich ««f alle Frage« befriedigende Antworten. Sodann begab sich der Prinz in sei« PalaiS i« Potsdam und erfreut sich vollständiger Freiheit. Der ehemalige deutsch« Kronprinz traf nach einer Reutermeldung Montag morgenS von seinen schlesischen Güter« auf seinem Titz in Potsdam ei«. Die Gerüchte über seine Flucht habe« sich damit alS unrichtig erwiesen. Goering hat auch bezüglich deS ehemaligen Kronprinz««ine genaue Untersuchung ange- stellt, gegen den gleichfalls k e in e Vrschuldi- gungen mehr erhoben werde«... Auch Gregor Strasser tot? Die amtlichen Stellen teil,« mit, daß die Verzeichnisse der Hingerichtete» vorläufig nicht veröffentlicht werde«. ES wird nicht in Abrede gestellt, daß am Sonntag nachmittag eine Reihe von Personen in der Verliner Vorstadt Lichterfelde hingerichtet wurde. An welchen andere« Orte« Deutschlands«eitere Hinrichtungen stattgefunden haben, ist derzeit noch nicht bekannt. Darüber» wer sich alles unter den Erschossenen befindet» kursiere» nur Gerüchte. ES ist— wie «Uch Reuter bestätigt— nicht zu zweifeln, daß sich unter ihnen auch de« ehemalige Generalfekre- tär der nationalsozialistische« Partei und einstmals engste M itarbeiter Hitlers» Gregor S t r a f f e r» befindet. Vollkommen unklar ist bisher auch, warum sich unter den Toten der Vorsitzende der Katholischen Aktion für daS Episkopat Berlin Dr. Erich 8lauSner befindet» dessen Ableben, durch«ine Todesanzeige in dem katholisch« Blatt„Germania" bestätigt wird. Mo Garde des Berliner Gruppenführers Ernst wurde gefangen gesetzt, auch viele andere SA.-Funttionäre wurden in Haft gefetzt. Soweit die SA.»Führer nicht verhaftet sistd, dürfen sie ihre. Wohnnng« nicht verlass«. Der anbefohlene Alarmzustand der Reichswehr wurde durch «in« Befehl. deS ReichSwehrministerS Blomberg aufgehoben. In diesem Befehl versichert Blomberg, daß die Reichswehr dem„Führer" treu fei. DaS Andenken Ernst RöhmS wird, soweit dieS möglich ist, auSgelöfcht. Die SA.-Dolche mit feinem RamenSzug dürfen nicht mehr getragen «erden. Die Patteiheime, die seinen.Ramen tragen, werde» umbenannt. Die SA. ist auS dem Straß«leben vollkommen verschwunden. Der Urlaub, der ihr„zur Erholung" verordnet wurde, hat mit dem 1. Juli begonnen. Für de» Juli gilt auch daS Uniformverbot für di« SA. Wie die Morde geschahen Viel beachtet werden di« Begleitumstände, unter den« die Ermordung der SA.-Führer erfolgte. ES wurde angeblich allen ein Revolver in die Zelle gelegt. Wer sich nicht selbst erschoß, wurde erschossen. Röhm hat sich angeblich mit dem Bedeut« geweigett, Selbstmord zu verüben» daß er watten wolle, biS ihn Hitler selbst erschieß« wird. Daß sich keiner der Todgeweiht« mit'dem Revolver gewehtt haben soll, läßt d« Schluß»u, daß die offiziell« Angaben nicht stimm««nd daß die EA.-Führ,r überrumpelt und«twaffnet wurden. Die Meldung über die Situation, in der man den Fememörder HeinrS angetroffen hab« will» ist noch pikanter».alS die offiziellen Berichte darstell«, den» HeineS war einmal e« ch d e r.„V e r 1 r a«t«" H i t l e r S. Der Gruppenführer Ernst hat erst vor vier Wach« geheiratet und wollt« mit seiner jungen Fra« gerade eine UrlaubSreise antreten. In Bremen wurde er an Bord eines Dampfer- verhostet. In Berlin wurdr er im Hof einer SA.-Kaserne erschossen. Hitler«nd Goering hatt« in edler Ri- belungentreue an der HochzeitErnstS teilgenommen«nd ihn btt dieser.Gelegen», httt mit reich« Ehrung« bedacht. Alle Hinrichtungen erfolgten ohne Einvernahme/ Die Nachricht, daß Standgettchte eingesetzt wurden» entspricht.nicht', d« Tatsachen. Sie wurde von den amtlich« Stellen verbrttttt, um daS Entsetzen abzumildem, daS die Abschlachtun» von HitlerS bisherigen Freunde««icht nur in Deutschland hervorgeruscn hat. Oesterrelchlsche Legion entwaffnet Rach einer Wsener Meldung aus Lechfeld ilL Bayern wurden dort die meisten öste'rrttchi- schen Legionäre entwaffnet und von Lechfeld in daS Arbeitslager in Koburg gebracht. Die Führer wurde« größtenteils verhaftet. Einer der Führer dieser Legi«, der ehemalig« Gauleiter P r» k s ch» war infolge seines Radikalismus bereits vor längerer Zeit in Konflikt mit Hitler gereten und wurde seiner Funktton« entkleidet. Ebenso hat sich die Posttt« Habicht» im Hinblick auf sein freundschaftliche» Verhältnis zu Röhm bereit» vor einigen Woche« ziemlich unsicher geftal- rtt. Di« letzte« Ereignisse in Deutschland haben t«> wittt, daß die Legion, in drei Grupp« zettirl. Die erste Gruppe entsagt dem Nationalsozialismus, die zwrste hält zu Hitler«nd die dritte, die stättfte» steht im Widerspruch zu Hitler; sie will ihr« ttgr- nrn Weg gehr« und beabsichtigt inSbesenderr, die Terreraklienen gegen Oesterreich fortzusrtz«. Hindenburg gratuliert DaS Deutsche Nachrichtenbüro verbreitet die Meldung» daß Hindenburg an Hitler und Goering Telegramme geschickt habe, in den« er di« beid«« Schlächter zu dem Gelingen ihre- Borgeh«» beglückwünscht. Man bezweifelt in Verls», daß die Telegramme echt sind«Nd gldubi, sie sei« im Propagandaministerlum hergestellt Wörden. Hindenburg soll schwer krank sein.— Der Berliner Sonderberichterstatter der HavaS behauptet, Hindenburg sei über daS Vorgehen geg« di«.katholische Rechte und gegen Papen sehr aufgebracht gewesen und habe zurücktreten wollen,. Erst auf die Vorstellungen BlombergS habe sich Hindenburg zum Bleiben entschlossen. Mit der Meldung über die Glückwunschtelegramme steht auch die Nachricht im Widerspruch, daß Hind«- burg der Tod Schleicher- sehr nahegegangen sei. Hindenburg ist im Eidbrechen geübt«nd eS ist ihm wohl zuzutrauen, daß er auch seine engsten Freunde im Stiche läßt. ES ist auch möglich, daß er nicht mehr weiß» waS er tut. Das Schwelgen der Führer Ein Stimmungtbericht au« Deuhchland Berlin, 2. Juli. Das Tschechoslowakische Pressebüro meldet: Mit einer Spannung, die keiner Steigerung mehr fähig ist, erwarten alle interessierten politischen Kreise Deutschlands die weitere Entwicklung der»Säuberungsaktion gegen die unzuverlässigen Kresse rechts und links". Die breiten Massen dagegen übernehmen mit fatalistischer Ruhe die in schroffen Worten gehaltenen von AmtSwcgen auSgcgebenen Meldungen. Alle sehen in dem energischen Einschreiten der Staats- gewalt die Faust des Bevollmächtigten des Kanzlers, General Goering, des»Eisernen Hermann". Niemand kennt die genauen Gründe des plötzlichen Ingrimms, jeder ahnt jedoch, daß in diesen Tagen Entscheidungen von unabsehbarer Tragweite getroffen werden. Die Unsicherheit und die Spannung lvird erhöht durch die vollkommene Ungewißheit darüber, was die entscheidenden Persönlichkeiten, tun. 24 Stunden lang gibt eS bereits keine Meldungen über die Wirksamkeit des Reichskanzlers Hitler, über die Beratungen bei ihm und. über die Besuche, die er empfängt. Zu seiner angekündigten Rundfunkrede ist eS nicht gekommen. M.an hört, auch nichts über seinen Vertreter Reichsminister Heß. auch ist nichts vom Reichsminister des Inneren Dr. Frick bekannt. Mit einem undurchdringlichen Schleier des Schweigens ist General Goering umhüllt. Nicht die mindeste Meldung ist seit Samstag aus Neudeck, dem Sommersitz des Reichspräsidenten Hindenburg, eingetrofsen. Bizrkanzler v. Papen befindet sich laut einem hartnäckig sich erhaltenden Gerücht unter Polizeiaussicht. DaS Schweigen der entscheidenden Männer ruft eine von Stunde zu Stunde geheimnisvollere Stimmung hervor und.öffnct den phantastischen Bermutungen'Tür und Tor. Eine Demaskierung Der deutsche Nationalsozialismus hat in diesen Tagen seinen moralischen Todesstoß empfangen. Der größte politische Schwindel oller Zeiten ist enthüllt. Hitler und seine Gehilfen haben eigenhändig den Vorhang wcggezogen von der blut- und schmutztriefenden Komödie, die sich seit Fahr und Tag auf dem Rücken des armen, geschändeten und geknebelten deutsch« Volkes abfpielt. Was sagen unsere sudetcndeutschcn Nazis zu den neuesten Botschaften aus dem Dritten Reich? Jahrelang haben sie sich beide Ohren der- stopft, um von der Schande des blind angebe, toten HttlerregimeS nichts hören zu müssen. Wir haben tausendmal die ncudeutschen Machthaber des Mordes angeklagt, begangen an einem Stelling und Fechenbach, an tausenden von braven Proletariern, die kein anderes Ver- brechen begingen, als ihrer Gesinnung treu zu bleiben und für die Freiheit der Arbeiterklasse tapfer oinzustehen.'Unermüdlich haben wir die Bonzcnwirtschast im braunen Deutschland gcgei- fielt, haben zahllose Beweise fiir die moralische Fäulnis und Verkommenheit der nationalsozia. listtschen Führerschaft erbracht. Was wußten die sndttendcutschcn Hitlcran- betör darauf zu antwotten? DaS wären marxistische und jüdische„Greuellügcn", sagten sie Wer verbreitet heute die schlimmsten und leider nur zu wahren Greuel Meldungen? Die Herrn Hitler und Goering und daS Propagandamini, stcriuni des Dritten Reiches selbst! In Deutschland ist jede Diskussion über die grauenhaften Vorgänge der letzte» Tage ver- boten. Bei" unS nicht. Hier mögen sich die noch immer unbelehrbaren Hitlerglänbigen zur Ver- teidigung ihrer Sache stellen. Wo ist der Mann, der zu behaupten wagt, daß nur die unzufriede- ncn Führer der SA Knaben geschändet haben, daß nur beim Berliner Stab Freß- und Saus- gelage veranstaltet wurden und nicht auch bei den Stäben der SS-Truppen, die sich vorläufig als hitlertreu erwiesen haben? Wo steckt der Witz- bald, der nun etwa die Herrn Goebbels und Goering als Muster einer bescheidenen Lebens fiihrung hinzustellcn versucht? Gleiche Brüder, gleiche Kappen! Jahrelang hat Httler von den Schweinereien seiner llntor- sichrer gewußt und hat sie gedeckt bis zu dem Augenblicke, da sic nicht mehr blinde Werkzeuge seines persönlichen Machtwahncs sein wollten Wer glaubt nun an die geheuchelte moralische Entrüstung der Partei-„Reiniger", wenn jedes politische Kind in Deutschland und in der Welt weiß, daß die homosexuellen Neigungen der Roehm und HeineS schon vor Jahren gerichts- ordnungsmäßig angeprangert wurden? Erinnerungen an den Reichstagsbrand wer- den lebendig. ES ist kein Zufall, das; just Hei- n e S und E r n st daran glauben mußten, die zu den wenigen noch lebenden Mitwissern nm dieses neudeutschen Staatsgeheimnis gchöttcn. Warum ist den Verschwörern nicht öffentlich der Prozeß gemacht worden? Fühlen sich die Hitler und Goering moralisch intakt, dann hätten sic diesem Prozeß doch nicht auSzuwoichen brauchen Die Hinrichtungen wurden in verschwiegener Kcrkcrzellc vollzogen, ohne Verhör, ohne öffentliche Anklage«nd ohne begründeten Schuldspruch. DaS ist wohl. daS vielgepriesene neu- deutsche Recht.... Ob unseren Nazis fortan die Freude über die viehische Abschlachtung marxi- stischer„Untermenschen" in Deutschland nicht vergehen wird? Oder haben sie Lust, eines Tages als oppositionelle Hakcnkrcuzler der Gnade sol- chcr Richter auSgelicfett zu sein? Wer dos gewiß nicht immer ideale Walten unserer Justiz mit solcher bluttriefender Willkür vergleicht, der wird ermessen können, in wie tiefe Schmach daS deutsche Volk unter nationalsozialistischer Herrschaft versunken ist. ES gibt Leute, die ehrlich daran geglaubt haben, daß Hitler den nationalen Sozialismus verwirklichen werde. Sie stehest heute auf den Dienstag, 3. Juli 1934 fc. 153 Waidstein sucht seine Ahnen Von Otto Friedrich Deitz der Himmel, was das für ein merkwürdiger grotzer Mann gewesen sein mutz. Sehen Sie nur einmal, mit welcher Pracht er sich hier die grotzc Loggia gebaut hat und wie schnurgerade die Dege gelegt sind. Keine kleine Arbeit, die Buxbäume in Ordnung zu halten," setzte er hinzu.«Und nun kommen Sie nur mal hinauf und sehen Sic mal, wieviel Staub es da zu wischen gibt!" Waldstein mutzte trotz seiner Verärgerung ein wenig lächeln. Jeder sieht die Welt eben aus seiner Perspektive. Der Eine sieht in den Büsten und Bildern die Größe und die Kunst der Vergangenheit, der Andere achtet nur auf die Spinnweben, die er wegputzen soll. Vor dem Bilde Wallensteins blieb er einen Augenblick stehen. Wirklich, eine gewisse Achnlich- keit war vorhanden. Aber immerhin, sah er nicht auch dem schnuddeligen Besitzer von Waldstein a spol in Friedland ähnlich? Wirklich,«in ungelöste« Rätsel. Es verabschiedete sich und gab dem Pförtner ein Trinkgeld. Das reizte den noch etwas zum Sprechen: «Wenn Sie einmal einen von den Waldsteins kennen lernen wollen, dann gehen Sie am besten hier in der Nähe in««Goldene Brünnlein", da sitzt einer von ihnen, ein alter Sonderling, und trinkt jeden Abend um acht seinen Schoppen Wein. Er ist wohl verarmt und ein bitzchen einsam. Mit dem wird's nicht schwer sein, in ein Gespräch zu kommen, der freut sich, wenn er mit jemandem in Unterhaltung kommt." Abends gegen acht Uhr ging Albrecht Waldstein, nachdem er noch etwa« durch die Stadt geschlendert lvar, zum«Goldenen Brünnlein". Er hatte alle Mühe, das Lokal zu finden, denn«s lag ganz versteckt am Ende einer Seitengasse. Durch hohe Mauern mutzte man sich bis zu dem Hause durchzwängen, und dann scch man plötzlich, datz das Haus noch gar nicht die Gastwirtschaft war^ eine Treppe ging's hoch, dann wieder eine Stiege, und plötzlich kam man in den Hof eines anderen Hauses, das auf dem Berghang ein Stückchen höher lag. Auch in diesem Hause mutzte er wieder di« alte Steintreppe erklimmen, ein Schild wie» den Weg. Durch eine schmale Tür, die ebensogut in eine Wohnung hätte führen können, ging es noch höher, und plötzlich stand er an der Rückseite des Hauses in einem kkeknen Garten, auf dem, altanartig ouSgebaut, eine Gast, laube in altertümlichem Stil sich erhob. Ein paar böhmische Musikanten spielten irgendwelche schwermütige slawische Weisen. Der Blick über die abendliche Stadt mit ihren hunderten Türmen, mit dem breiten Band der Moldau und den schöngeschwungenen Brücken war überwältigend. M«r Waldstein hatte dafür im Augenblick wenig Sinn. Er steuerte auf den Kellner zu und fragte ihn unvermittelt, ob hier ein Herr Waldstein sei. «Ja gewitz, dort hinten sitzt er." Waldstein ging auf den alten Herrn zu, der fein und nobel, aber mit ungewöhnlicher Schlichtheit gekleidet, in der Ecke sich. Das kluge, etwas müde Gesicht fchlotz ein silberner Knebelbart ab, ganz ähnlich dem seinen, nur etwa» weniger scharf geschnitten; auch da» Gesicht mochte dem seinen ähnlich sein, nur etwa» in» Altösterreichische gemildert schien es ihm. Er ging mit seiner etwa» preußisch-harten Höflichkeit, wohl wissend, datz er recht unvermittelt wirken mutzte, auf den alten" Herrn zu. Er lüftete höflich den Hut und sagte: „Daldstein mein Rann.' Befehl Goerlnos: Wer fragt, wird erschossen Trümmern ihrer Hoffnungen. Hinter dem Dran, gen der SA-Proleten nach-er„zweiten Revo. lution" stand ihr Sehnen nach Brot und Arbeit. Datz sich einige korrupte Unterführer dieser Pa. role bemächtigen wollten, ändert nicht» an der Tatsache, daß sich die Unzufriedenheit der Mas. sen in Deutschland an dem ungeschmälerten Fort» bestand de» kapitalistischen SystcniS entzündet und genährt hat. Die Masscnnot kann durch kein Blutgericht gebannt werden. Indem Hitler die unzufriedene SA auf Urlaub schickt und jene .Macht zertrümmert, die ihn hochgetragcn hat, wird er erst recht der Gefangene der schwcrkapi- talistischcn und junkerlichen Sozialreaktion. Der Massentraum vom nationalen Sozialismus ist auSgeträumt. Die fozialrevolutionäre MaSkc des HitlcriSmus ist gefallen. Hitler kann seine brü. chige Herrschaft nur aufrechterhalten, solange er ein treuer Geldschrankwächter de» bankrotten deutschen Kapitalismus bleibt. Für die wahren Sozialisten ist die Stunde de» Angriffs gekommen gegen die Hakenkreuz- lerischen Borpostenstellungen des Kapitalismus Jetzt beginnt die Aufgabe, die große sozialistische Einheitsfront zu schaffen gegen das kapitali- stische System und seine braunen Söldner. Heuchlerl Bon eingeweihter Seite wird uns geschrieben: Hitler und sein mitzgestalteter Zwerg Goebbels haben der Welt verkündet, datz in den Leichen der U.S.D.A.P. in der S.S. und in der S.A. eine„Generalreinigung" erfolgen soll. Alle abnormal veranlagten Männer, insbesondere die Herren in hohen Stellungen, die als honwsexuell bekannt sind, sollen entfernt werden. Man mutz unwillkürlich fragen: Gilt die» nur für die bereit» ermordeten Minister und Führer, oder auch für die lebenden? Der in Deutschland auch nur gewagt hat, die schweinische Veranlagung der meisten braunen Oberbonzen anzudeuten, verschwand entweder im Gefängnis, im Zuchthaus, im Konzentrationslager, oder auch in irgendeinem der deutschen Ströme. Es war Greuelpropa- ganda, es war eine Herabsetzung und Verunglimpfung der Führer, wenn man das Kind beim Namen nannte. Hitler will aufraumen, und damit er nicht sagen kann, er habe die homosexuelle Veranlagung seiner treugebliebenen Freunde nicht gekannt, wollen wir aus den Hunderten, die uns bekannt find, nur einige wenige nennen: 1. den Stellvertreter des BolkskanzlerS, Herrn Minister Hetz; „ 2. den Führer der Jugend, Herrn B a l d u£ v. Schirä ch; 3. den Statthalter von Hamburg. Herrn Kaufmann; 4. den Oberpräsidenten Helmut Bruck- n e r in Breslau; 8. den Gauleiter der S.A. in Liegnitz. K o»l o; 5. den Polizeipräsidenten von Potsdam, Graf H e l l d o r f, der es allerdings vorgezogen haben soll» sich mit 40.000 Mark ins Ausland in Sicherheit zu bringen. Wenn Hitler wirklich unter seinen Grotzen aufräumen will, dann wird er bald einsam und allein stehen, denn seine ganzen sogenannten Mitkämpfer sind fast durchweg nicht nur Homo« sexuelle, sondern auch Sadisten. Goering hat auf Grund der ihm vom Reichskanzler Hitler übertragenen Son« derbefuanisse für die SA-Obergruppe Berlin-Brandenburg einen Befehl erlassen, in dem e» u. a. heitzt: „Der Führer hat bei der grötzten Nachsicht, die er gegen einzelne gekaufte SA-FÜHrer hat lvalten lasten, und bei seiner inneren Verbundenheit zur gesamten SA-befohlen, datz jede Kritik, an den von ihm befohlenen standrechtlichen Erschießungen, das jeder Versuch einer Debatte über seine Befehle und Handlungen oder über die Befehle und Handlungen der von ihm beauftragten Führer der Bewegung und StabSorganc unnachsichtig auf da» strengste geahndet werde. Der für die SA befohlene Urlaub bleibt in vollem Umfang bestehen. Da» Tragen der SA- Deutsche Schicksalstage Von Friedrich»Stampfer lieber den Ereignissen des 80. Juni und des 1. Juli liegt noch ein blutiger Schleier, aber soviel ist gewiß, daß die Opfer dieser Tage nicht gerichtet, sondern ermordet worden sind. Ermordet wurden Schleicher und seine junge Frau, der Ministerialdirektor Klause« n e r und die Sekretäre PapenS Bose und Tschirschky. Ermordet wurden aber auch Röhm, Heines und die zahlreichen anderen SA.-Führer, die man heute ohne Sang und Klang irgendwo verscharrt. Die Ermordung der SA.-Führer geschah auf Befehl Hitler», wie offiziell konstatiert wird. Zur Abschlachtung Schleichers, seiner Frau und der konservativen Beamten, hat sich niemand bekannt, e» hat auch noch niemand dafür ein Danktelegramm Hindenburgs bekommen. Die Toten zur Rechten und dse Toten zur Linken waren sehr verschiedener Ratnr; die Röhm und HcincS waren zweifellos alte V erbe e ch e r, die ihr Schicksal hundertmal verdient haben. Rur hätten au» gleichem Verdienst auch ihre Gegner und Mitschuldigen das gleiche Schicksal erleiden müffen wie sie. Auch sind weder die einen noch die arrdern wegen irgend einer Schuld gerichtet worden, sondern sie sück» umgelegt worden, weil sie unbequem geworden waren. . Der Mord steht an,der Wiege des Nationalsozialismus und begleit«! ihn. auf allen..seinen Wegen. Nm und in gewiffem Sinne erfreulich ist nur, datz das Ermorden des Gegners jetzt auch zum inner» Betrieb der Partei gehört. Alt dagegen ist die kaltblütige Skrupellosigkeit, mit der man dabei zu Werke geht. Röhm und Genoflen sind erledigt worden, nicht weil sie putschten, sondern weil man fürchtete, sie t ö n n t e n e» tun. Weil in dem Lande der deutschen Treue keiner dem andem traut, vernichtet einer dm andern präventiv. Wer zuerst schietzt, schießt am besten. So hat Hitler mit dem eingewurzelten Mißtrauen des Tyrannen, seine älteftm und besten Freunde ermorden las- sm. Darüber ist, wie Goebbels im Rundfunk versichert, das ganze deutsche Volk glücklich. Wie Uniform in dieser Zeit ist verboten, da» Tragen der Ehrendolche überhaupt, bis weiter« Anordnungen ergehen. Die SA-Führer bi» einschließlich Standartenführer abwärts halten sich bis auf weitere» an ihrem Wohnorte auf Abruf bereit. Der Befehl von dienstlichen Aufgaben wird von Fall zu Fall persönlich erteilt. Der versucht, trotz der strengen Befehl« Formationen, auch in Zivil, zusammenzuverufen, auch in der guten Absicht, sie im Sinne des Führer» aufzuklären, wird zur Verantwortung gezogen. Die Aufklärung in SA und im ge« samten deutschen Volke liegt allein in den Händen de» Führers Adolf Hitler und der von ihm Beauftragten und geschieht bi» auf Widerruf durch die Preffe und den Rundfunk. glücklich wird e» erst sein, wenn auch die Hitler, Goebbels und Goering dort ankommen werden, wohin sie die Rühm und Heines vorauSgeschickt heben! War das also wirklich nur ein Revolverkampf zwischen Gangster», die sich über die Verteilung der Beute nicht einigen können oder steckt in der blutigen Dramatik doch etwa» wie ein politischer Sinn? Ja, auch dieser politische Sinn ist vorhanden; er besteht darin, datz Hitler unter blutiger Opferung seiner Partei und seiner SA. dcnllebergang in das Lager des Militär» und der alten B u r e a u- k r a t i e vollzieht. Er tut das unter dem Druck seiner großkapitalistischen Auftraggeber, unter dem Druck der Reichswehr, die nach dem Grundsatz handelt: Adolf Hitler absolut, Wenn er unser» Willen tut. Er tut es vor allem unter dem furchtbarm Druck der wirtschaftlichen und autzerpolitischen Schwierigkeiten, in die da» deutsche Volk durch eine anderthalbjährige Mißwirtschaft ohne glei- chm gestürzt worden ist. Hitler hat es bei diesem gefährlichen Ueber» gang mit zwei Sorten von Gegnern zu tun, einmal mit den sogenannten„VolkSmonarchisten", di« ihn ablehnen und ein konstitutionelle» Kaisertum anstreben und dann mit den Männern der „zweiten Revolution", Die VolkSmonarchisten rekrutieren sich vornehmlich aus den Kreisen der pensionierten Offiziere und Beamten, der gemäßigt liberalen Bourgeoisie und au» dem Stahlhelm. Deö Standort der Mäckner der zweiten'Rsbokütion" aber ist die SA. Ihre zersprengt. Wer aber kann mit Bestimmtheü sagen, datz A k t i o n e n d e r Verzweiflung unmöglich sind und daß diese Aktionen nicht zu großen politischen Veränderungen führen können? Bei dem Zustand, in dem sich Deutschland jetzt befindet, können die Taten einziger Desperado» die stärksten Wirkungen Hervorrufen— und an aktivistischen zu allem entschlossenen Elementen hat es in der SA niemals gefehlt. Ein anderer unberechenbarer Faktor ist die stille Rebellion der Bauern gegen Erbhofgesetz und Ablieferungszwang, die mit jedem Tage zur offenen Rebellion werden kann. Sie steht in Bayern und am Rhein in enger Verbindung mit separatistischen T c n- d e n z e n. Mancher, der jetzt mit dem Abbau der nationalsozialistischen Partetdiktatur beschäftigt ist, mag sich dabei von der Ueberzeugung leiten lassen, daß die Fortdauer dieser Diktatur unfehlbar zum Reichszerfall führen mutz. Und die Arbeiter? Die mehr als sieben Millionen Männer und Frauen, die noch im vergangenen Jahr unter dem stärksten Terror für die Sozialdemokratie stimmten? Ist die deutsche Sozialdemokratie tot? Diese Fragil — eine Schicksalsfrage für die ganze Sozicckisti- sche Arbeiterinternationale— ist so wichtig, daß sie mit der vollkommensten Aufrichtigkeit beant- wortet werden muß. Ja, eS hat eine Zeit gegeben, in der die deutsche Sozialvemokratie tot zu sein schien. Aber diese Zeit ist vorbei, wir wissen heute, datz sie lebt. Wa» die letzten Monate an Belvcisen des Wiedererwachens, de» Willens zur Wiedervereinigung gebracht hwbcn, war geradezu überraschend. ES ist gewiß, datz dieser Prozeß der Regeneration durch die Ereignisse der letzten Tage eine außerordentliche Förderung erfahren wird.— Da» Selbstvertrauen wird noch schneller weitersteigen, der Mut wird noch rascher weiter wachsen— und wenn eines Tagxs Millionen aufstehen, die dem System der braunen Berbrechcrherrschaft seine ganze Schande ins Gesicht schreien, welcher Terror könnte sie noch bezwingen? Mag diesem System, da» sich heute in seinem Blut und seinem Kot wälzt, auch noch eine gewisse Lübensfrist gegeben sein, mag der schwindelhafte, phrasenhafte„totale Staat" durch einen massiv-nüchternen Polizcistaat erseht werden— wir sehen heute die Kräfte wachsen, die all diese reaksionären Gebilde überwinden werden. Es sind die Kräfte der sozialistisch und demokratisch gesinnten deutschen Arbeiterklasse! Mit ihrem Wiedereintritt in die deutsche Geschichte wird ein neue» Kapitel beginnen,«in glücklicheres Kapitel und ein ehrenvolleres! Dar Eselsfußtritt« * des Goebbels «Vielleicht ja. Bestatten Sie, datz ich Platz nehme?" „Aber bitt« schön, warum denn nicht? Wa» führt Sie zu mir her?" Albrecht Waldstein, redseliger als er sonst war, begann zu erzählen. Er sprach von seiner Stellung, von dem alten Buch, und schließlich von seinem Anliegen, wobei er in der diskretesten Form durchblicken lietz, datz er, wenn sich wirklich eine Verwandtschaft feststellen lietze, gerne bereit sei, sich dankbar zu erweisen. Der alte Herr hatte ihm die ganze Zeit schweigend zugehört, nippte nur ab und zu an seinem Gläschen Melniker Schlotzwein und sagte: „Tja, da« wird schwer sein, heut« noch nachzuweisen. Aber wissen Sie, wenn ich Ihnen damit einen Gefallen tun kann, mir kommt's nicht darauf an zu erklären, datz wir verwandt sind." Der Propagandwninister Goebbels hat lange geschwankt, nach welcher Seite er Anschluß suchen soll. Er ist, wie der liebe Gott, immer mit den stärkeren Bataillonen. Freilich mutzte mm» diesmal bezweifeln, ob ihn» der Anschluß noch ge- i lingen würde, denn er hat sich für die Richtung .^".^e^rfoltzmtsstchten,d«r«olksmonqr, Mhm weitgehend exponiert. Bor einer Woche Er begann seine Rede mit einer Verhimmelung „Auch meiner", sagt« der alt« Herr,„wie de» Führers, immer bemüht, den Tod der SA- merkwürdig. Ein verwandter?" I Offiziere propagandisttsch auszuwerten. Die Ver bindung zwischen seinen gestrigen Reden über die feinen Leute und seiner heutigen Meinung stellte er dadurch her, datz er die Männer der Zweiten Revolution beschuldigte, für die Reaktion, also für die feinen Leute, die Revolution geplant zu haben. Der„Heldenmut" des Führers wird verständlich, wenn man aus der Rede des Goebbels erfärt, datz die SS-Kompanie, die die Begleitung Hitlers bildete, die„Verschwörer" beim Schlaf überrascht hat. Der Goebbels bekam «Brechreiz", als er die Szenen sah, die Goering bereits näher angedeutet hat. Ueber die Gefüchü H i t l e r s hat er nichts gesagt. Sie dürften infolge der Beziehungen, die dieser früher zu Heine» hatte, ganz anderer Art gewesen sein. Goebbels läßt einen„einfachenSS-Mann" sich im voraus auf den Tod der Röhm und Genoflen freuen, um sich dann über die„schimpfliche und ekelerregende sexuelle Abnormalität" der Erschossenen zu verbreiten. sehr unklar« Meologie beruht auf der materiel len Basis eine» Landknechttums, das sich zum soundsovielten Mal« in der Weltgeschichte seinem typischen Schicksal gegenübergestellt sieht, davongejagt zu werden, wenn man es nicht mehr braucht. ,,:«wyiu wcutwip-iiv ufviwu. luiul xoumc -hi- oder der zwecken R-volu ion etwa» zu sagen, wetterte er über die feinen Leute. Das gefiel den wäre unvorsicht,g. Die«olkSmonarch»st«n schei- Männern der„Zweiten Revolution". Und etwas nen trotz der grogen Zuversicht, die sie zur Schau früh«:„ahm ec im Reichskabinett für Röhm tragen, geringe Chancen au besitzen, weil ihnen Stellung, als dieser die Eingliederung der SA ein zugkräftiger Kandidat fehlt. Die Männer der, und vor allem ihrer Offiziere in die Reichswehr zwecken Revolution aber srnd ihrer Köpfe be« I verlangte. raubt. Man hat ihnen»e Uniformen ausgezo-«m Sonntag hat er im Rundfunk den toten gen und sie entwaffnet, sie find zerschlagen und'Kameraden von gestern den EselSfutztritt versetzt. Waldstein strahlt«:„Damit würden Sie mir unendlich helfen." Der alt« Herr sann einen Augenblick nach und sagte:„Da haben wir einen jungen Historiker, der beschäftigt sich mit unserer Familiengeschichte ganz genau. Der kann Ihnen vielleicht am besten behilflich sein. Er ist Spezialist in Adelsfragen— ein Dr. Blumenthal. An den wenden Sie sich am besten. Uebrigens, er bringt demnächst ein aufsehenerregendes Buch heraus. Wissen Sie—" kichernd hob er ein wenig die Stimme —„was er nachweisen wird? Datz Albrecht Wallenstein» Großmutter ein« Jüdin war!" (Schluß.) Wie Schleicher starb Ueber die Ermordung Schleicher» wird bekannt, daß st« durch einen Kriminalwachrbeamten erfolgte. Ein hoher Kriminalbeamte« trat ins Zimmer Schleichers und teilte ihm mit, daß er Schleicher wegen Hochverrats verhaften müsse. Schleicher bedeutete dem Beamten, daß er sich um- ziehen müsse. Dies gestattele der Beamte. Ms sich Schleicher«mdrehte, um ins Schlafzimmer zu gichm, wurde er von dem in der Türe stehenden Wachebeamtm erschossen. Die Kugel drang i« den Rücken ein. Schleicher hat, als die Verhaftung ausgesprochen worden war,«sch seiner Fra« gerufen. Als sie herbeieilte, erfolgte gerade der Mord. Um dm unbequemen Mitwisser zu beseittgey, wurde auch die Frau erschoss«: Es ist unwahr, daß sich Schleicher zur Wehr setzm wollte. W» ihm wurde ei« feigrr Mord verübt. Ä. 188 tienMat, 3Juli 1984 «eitet MWMMcWUdclWMer vertag versprach, dann dürfen die Arbeiter dieser Re-1 teln, die bi droben Eimern publik auf ihrSpvrtfest wirNich stolz sein. Da- leben-1 würden. Es war wirNsch'Äl 20.000 Kinder turnen Vierhundert Kote Fallen bauen ihren WW Die turnerischen Vorführungen begannen am Nachmittag mit dem Märchenspiel„Ein Somme r t a g". Diese- Spiel kann al- eine geglückte Lösung der kindlichen Gedankenwelt angesehen werden. Ein Kinderchor rezitierte, untermalt von Musik und die sechs- bis achtjährigen Buben und Mädeln deuteten durch Bewegungen den Sinn und Inhalt diese- Spiel- an. Alle-, was so ein Sommertag dem kindlichen Gemüt zu geben hat, fand in Musik, Dort und Bewegung seinen Ausdruck. Nach dieser sinnvollen Einleitung folgten Spiele und Tänze der Schülerinnen und Schüler von acht bi- 14 Jahren, unter ihnen die Mädchen de- Atu-, welche schor durch ihren hüpfeichen Einlauf und ihre bunte Kleidung grobe Beachtung fanden. Bundc-turnwart Genösse Grasse hat mit dieser Uebung wieder die richtige Form de» Mädchenturnen» herausgearbeitet Man sah e- den Au-führenden an, mit welcher Freude und Lust sie bei der Sache waren. Diese Uebungen entsprechen auch in ihrem. Aufbau dem .Mädchenturnen; denn sie enthalten alle», was in spielerischer und tänzerischer Form dem Arsen der Mädchen entspricht, ohne dabei auf die gesundheitsfördernden Werte zu vergessen. Während die AtuS-Mädeln auf die vorstehende Art ihre„Spiele* vorführten, zeigten di« Mädchen und Buben der DTJ., war ihnen Freude macht. Da sah man bei den Buben Spiele nach dem Motto „Wer ist der Erste?*. Eine Gruppe machte da» in 'Form eine- Hindernislaufes, die ander« mutzte auf allen Bieren um da» Mal laufen, eine andere hatte sogar den Roller mit«inbezogen und wieder sichere führten da» Säulengehen vor. Alle» Spiele, di« dem Wesen der Knaben entsprechen. Weit ander- geartet zeigte sich aber Spiel und Tanz bei den DTJ.-Diädchen, bei denen Schwedenbank und Pferd die Objekte der Spiele- waren, die ihnen al» Hindernis, Durchschlupf usw. dienten. Spielender Tanz, wie ihn die AtuS-Mädeln vorführten, wich der Rhythmik: einfache Geh. und Hüpfübungen, unterstützt durch Hand« und Arnckewegungen. Anschlietzend traten die Atu--Buben zu F r e i ü b u n g e n an, die durch zweckmätzige Gymnastik'auffielen, unterbrochen durch Laufen, Gehen, Springen und Tanzformen. Immer Bewegung, welche sich, dadurch körperlichen Wert erreichend, mehrmal» in seinen Hauptformen wiederholt«. Die A t u»« M ä d ch e n, die gleich darauf zu ihren Freiübungen antraten, konnten ebenfalls mit ihrer Gymnastik den gesundheitlichen Wert unterstreichen. Am wirksamste« sind wohl die Säulen-Rumpfübungea zu bezeichnen, die überau» exakt au-geführt wurden. Datz die' Atu-«Kinder von den Zuschauer» mit Beiund farbenvolle Bild der 7800 Kinder, di« unten auf dem gewaltigen Rasen gleichzeitig mit der Präzision einer Uhr ihre Freiübungen machten und da» der bunten Tänze der Atu»«Kind«r wird keiner, der dabei war, so bald vergessen. Die Betontribüne hat auch die Aufgabe, die Ehrengäste zu beherbergen. Und sie tat ei. Für gan- besonder- Neugierige sei angeführt, dah sich nebst änderen folgende eingyfunden hatten: Eisenbahnminister Bechyni al- Bertreter de- Präsidenten, Schulminister Dr. Krämäk, Justizminister Dr. D e re r. Sozialfürsovgeminkster Dr. Meissner, Avbest-minister Dr. Czech, der Vorsitzende de- Abgeordnetenhauses Stanök, der Borsitzende des Senats Dr. Soukup, die Vizepräsidenten de- Abgeordnetenhauses S t i v i n und Taub, die Präsidentin de- Roten Kreuze» Dr. Alice Masarykovä, General Neumann al- Vertreter de- Generalstabes, der litauische Ge« sandte Aukstolis und zahlreiche Abgeordnete sowie Vertreter der Zentralbehörden. Die tschechoslowakische Sokolgemeinde war durch Inspektor Oie« näöek, der tschechoslowakisch« Nationalrat durch Redakteur-ejret vertreten. Und grad unterhalb der Tribüne satzen im Gral die Atur-Kinder und die roten Falken in ihren blauen Blusen und denen gebührt«in besonderes Verdienst für da- Gelingen de- Kindertage-, denn sie waren so begeistert und machten au» ihrer Begessterung so wenig Hehl, datz da- ganze Riesenstadion immer wieder davon angesteckt wurde. Kaum zeigte sich eine neue Gruppe auf dem Rasen, da ging schon ein jubelnde-„Nazdari*. und„Freundschaft*«Rufen unter der Tribüne los, datz es nur so seine Lust hatte. Und wenn sie gerade nicht Wichtige» zu rufen hatten, dann atzen sie Pit.,herrlichem Appetit Semmeln und Buch- *"'' i an, die Kinder verteilt WWWWWU— wirklich eine Frtüdö? > Vertreibung der Ausbeuter, die Eroberung der Produktionsmittel und so den Sieg des Sozialismus veranschaulichen will, der Mensch und Messchine zu Freunden macht. Die Darstellung diese« Spiel«, die Tatsachen durch Symbole und Gedanken durch Bewegungen sichtbar machen mutz, ist keine leichte Aufgabe. Doppelt schwer, weil der riesige Raum de- Stadion» nur grösste Massenwirkungen zur Geltung kommen lätzt und weil da» Zusammenspiel der Gruppen und der Zusammenklang von Bewegung, Musik und Chören in solchen Dimensionen fast unerreichbar scheint. Bereit-«n Freitag, den 29. Juni, zogen nahezu vierhundert Stofe Falken in Prag ein, un: an der Hl. Arbeiter-Olympiade teilzunehmen und nahe am Stadion ihren Staat, die »eße KlndcrrcMNlk „in. ArMttTdinvMe i-ro zu bauen. Da kamen sie angezogen, schwer bepackt mit Rucksäcken und Zelten, Säcken und Kisten; au- allen Gauen der sudetendeutschen Gebiete: Arbeiterkinder au» dem fernsten Egerlande, aus dem Elendsgebiete von Rothau, au» den Industriebezirken Karlsbad und Elbogen, au» dem nordwestböhmischen Braunkohlenbecken, aus dem Elbetale, Rote Falken au» dem Jsergebirge und dem Niederlande, aus Ostböhmen, Mähren und Schlesien. Leuchtenden Auges und voll innerer Frohheit, galt e» doch für vierzehn Tage ihreWelt zu bauen, ihren Staat, ihre sozialistische Kinderrepublik. Bon den Prager Genossen deutscher und tschechischer Rationalität herzlich empfangen und stürmisch umjubelt, zogen sie im Gleichschritt nach den Klängen ihrer eigenen Musik, dcö Blaserund Pfeiferchores au» dem Karlsbader Bezirke, durch die Stadt zum Stadion. Eine Wiese links vom Stadion ist die Baustelle für die„Wohnhäuser" der Roten Falken und der tschechischen sozialistischen Skaut«. Eine statt entstellt Bald herrscht auf der öden Wiese lustigetz Leben und Treiben. Kisten und Säcke werden äu»- gepackt, Stangen und Bretter herzugeschlcppt, dreißig große Wohnzelte und gegen vierzig kleine Materialzelte sind in kurzer Zeit aufgestellt. Dann beginnt da» Einrichten. E- wird gehackt, gehämmert und gesägt und schneller al» es unsere modernen Baumeister vermögen, sind die Häuser geoaui sind Fußböden zusammengezimmert, Tische, Bänke. Schuhregal«, Handtuchhalter, Geschirrständer usw getischlert. ZweigroßeDörfer entstehen zu je 18 Zelten. Sie sind nach einem genauen Plan entstanden: rund um den Dorfplatz, in dessen Mitte ein gewaltiger Fahnenmast steht, gruppieren sich die Zelte. Die beiden Dörfer sind getrennt durch eine vier Meter breite Straße, die eingesäumt ist von acht' hohen Fahnenmasten. Die ersten beiden Masten werden zum Eingangstor in die rote Kinderrepublik. Eine von Lannengrün umsäumte Täfel hoch über dem Eingangstor trägt den Namen de» roten Zeltlagers. Zwei Sockel>.'< den Masten tragen in deutscher und tschechischer Sprache die Inschrift: »In diese« Lager verbringe« Arbeiterkinder ihren Sommer." Am Ende der Straß« grüßt die„R o t e Zentrale", der Sitz der„Regierung", d. h. der Lagerlettung. Ganz nobel ist die Lagerleltun i untergebracht: richtige» Holzgebäudc mit blau tapezierten Wänden, BcrkaufSpulte des Lagerten« sumvereine», Schalter der Lager-Bank und Pressebüro. Link» im Eck de» Lager» steht da» große Materialzelt, in dem alle notwendigen Behelfe ftir. aB Lager untergcbracht sind. Rechts im Eck hat Dr. Unblutig sein Krankenhaus aufgeschlagen. Er ist zwar kein Arzt» aber ein tüchtiger Arbeitersamariter. Ein Arzt der Olympiade behandelt die schweren Fälle. Recht» vom Zeltlager der Roten Falken lind in zwei langen Reihen an einer von unzählige» Fahnenmasten eingesäumten Straße di« kleinen Zelte der tschechischen sozialistischen Skaut» aufg-r« stellt. Gegenwärtig wohnen in 86 Zelten einige hunderts Skaut». Im Laufe der Woche komme- noch einige Hundert dazu.(Insgesamt 1200 Skaut».) Mit ihnen wollen die Roten Falken Freundschaft schließen. Gemeinsam mit ihnen wollen sie die Festtage der Olympiade verleben, gemeinsam mit ihnen wollen sie sich stärken für den Kampf gegen den gemeinsamen Feind: FasciSmu». Mc ErMtnanOsielcr im later Am Sonntag, den 1. Juli, fand die feierliche Eröffnung de- Zeltlagers statt. Vor der„Roten Zentrale* gruppierte sich der S P i e l m a n n-« z u g, link» und rechts einWaldvon F a h< n e n u n d W i m p« I n. Ein Marsch de- vlä- erchore» ertönt und durch die„Triumphpforte* der Kinderrepublik schreiten die Führer de» Skautlagers und unsere Lagerleitung. An sie schließen an in Viererreihen vierhundert Falken auS den beiden Dörfern. Ein gemeinsames Lied steigt empor, gleichsam als Symbol der Roten Kinderrepublik: da»„Kameradschaftslied". Mit ineinander verschlungenen Armen klingt begeistert ihr Lied:„Hilst einer dem andern, wird Schweres so leicht, es hat Kameradschaft den Sieg stet« erreicht." Willi Hocke, der Präsident der Kinderrepu- blik, begrüßt die Roten Falken im Namen der Lagerleitung. Insbesondere begrüßt er die tschechischen sozialistischen Skaut», die österreichischen und reich-deutschen Genossen.„Freundschaft?* braust eS aus vierhundert Kehlen junger, begeisterter Menschen. Der Führer der S k a u t S, Genosse R e l i ch, überbringt den Gruß der tschechischen Skautgenos- sen zur Eröffnung des FalkenlagerS: „Genossen und Genossinnen, Burschen und Mädchen! In einer Zeit, wo in der ganzen Welt der FasciSmu» und die Feinde der Arbeiterschaft wachsen, kommen wir Tschechen und Deutsche zusammen In einem gemeinsamen Zeltlager, um beisvirl« geben- ni manifestieren für die Einheit der Arbeiterschaft>' diesem Staate und einen Beweis zu geben für die Einheit der Arbeiter auf der ganzen Welt. Für un- gibt es keine Grenzen, deutsche unb tschechische Arbeiter sind Brüder. Wir wollen da» gleiche und e» gibt nichts, wa- uns in unserem gemeinsamen Kampfe trenne» kann. Die Hl. Tschechoslowakische Arbeiter-Olympiade mutz den Willen zeigen, gemeinsam für ein gleiches Ziel zu kämpfen. Der Kampf, der uns erwartet, wird nicht'leicht sein, äbü er kann uns nicht schrecken. Im Namen der Burschen und Mädchen und der Führung der tschechischen DTJ.-SkautS versichern wir Euch, datz wir Seite an Seite mit Euch kämpfen wollen und wir begrüßen Euer Zeltlager auf das Herzlichste. Nazdar! Freundschaft!* Die Wiener Holen rollten leben l Ein Wiener Genosse übergibt unseren Roten Falken eine große Sturmfahne der Wie- nerRoten Falken und fordert sie auf, di.» Sturmfahne zu tragen solange, bis sie wieder im roten Wien getragen werden könne. Die Roten Falten grüßen mit hocherhobene: Jaust und geloben, die Fahne in Ehren zu halten. Die Sozialistische Erzlehunts* internationale trflDI tle Rote KlntcrrepnNllt! Genosse Rudi Hübner bringt ein Schreiben der Internationale den Falken zur Kenntnis: Freundschaft, Rote Falken! Die Sozialistisch« Erziehungs-International« sendet Euch zur Eröffnung Eure- Zeltlager die allerherzlichsten Grütze. ES ist ein grober Erfolg, daß es Euch trotz de: schweren Not, die die wirtschaftliche Krise über d-e Arbeiter aller Länder gebracht hat, gelungen ist, Euer schönes Lager zustande zu bringen. In einer Zeit, in der nationalistischer Hatz und Kriegshetze eine so verhängnisvolle Rolle spielen, haben die Sozialisten, insbesondere die Roten Falken, allen Grund, ein Werk der Solidarität und der internationalen Verbundenheit zur Tat werden zu lassen, wie e- unsere roten Kinderrepublikcn sind. Verbringt diese zwei Wochen Urlaub von der kapitalistischen Welt mit viel Freude, aber denkt auch daran, daß ihr Kraft sammeln müht und Mut und starken Willen für den Kampf und den Sieg US internationalen Sozialismus. Die Sezialiftische Erzieh»«---Jnternatienaker KurtLöwenstein. Bei hoch erhobener Faust sütgen die Roten Falken al» Abschluß der Eröffnungsfeier die„Internationale". Der Abmarsch in die Dörfer erfolgt wieder unter den Klängen des Bläserchore» der Rothauer. Damit ist die kurze, aber würdige und ungemein eindrucksvolle Feier geschlossen. Nun ist die Rote Kinderrepublik gebaut. Vierzehn Tage„Urlaub von der kapitalistischen Welt*, da» sind vierzehn Tage sozialistische Gemeinschaft, sozialistisches Erleben und sozialistische» Handeln. Vierzehn Tage Lernen'für den Kampf, für die große Gemeinschaft: Sozialismus. Die Roten Fallen werden ihren Urlaub nützen... fall freundlichst begrüßt und für ihre Vorführungen ebenfalls herzlichst bedankt wurden, soll«über doch nicht davon abhalten, einige Keine kritische Bemerkungen festzuhalien. Der Aufmarsch klappte bei den Buben noch weniger al« bei den Mädchen, Ebenso dir Aufteilung. Da- machte al- Anfang keinen schöne« Eindruck und die Genossen Vorturner, welche dieinzelnen Säulen führten, sollten in ihrer Zeichengebung nicht so voreilig sein und erst die de- Hauptleiter» abwarten. Den Vorführungen der Atu»»Kinder folgten di« Rassenfreiübungen der Mädchen und die der K n a b e n von der DTJ. Gewaltige und in ihrer Ausführung komplizierte, aber exakte Auf. Märsche leiteten die Uebungen«in. Schaubilder, deren Wirkung durch die bunte Kleidung stark beeinflußt wurden. Die Uebungen selbst weisen gegenüber den früheren einen, wenn auch kleinen, so aber doch deutlichen Versuch zu modernem Turne« auf. Die einzelnen Formen sind flüssiger aufgebaut und auch der Rhythmus hat eine Verstärkung aufzuweisen. Noch deutlicher kam die- bei der nachfolgend-« und abschließenden Sondervorführungde» Prager DTJ.- Kreise-, welche gemeinsam von Frauen, Mädchen, Männern und Knaben dargestellt wurde, zum Au-Vruck. Schwung und Tempo durchzogen diese Vorführung vom Anfang bi- zum Ende; zweckvolle, gemeinsame Gymnastik, die schöne und glückliche Lösungen in den einzelnen Formen aufwie». Alle diese Raffenübungen schloffen, wie bei ihren Anfängen, ebenfalls mit zeitraubenden, dem Turnen weniger dienenden Abmärschen. So überwältigt auch davon die Zuschauer waren. MMkrer-SliMle •her 200 Kilometer Kurz vor Beginn der Turnvorführungen am Stadion traf eine 17 Radfahrer stack Delegation de» tschechischen Arbeiter-Radfahrerverbande» ein, welche um 2 Uhr morgen- von Böhmisch-Gmünd abgefahren war und überreichte den Funktionären de» Olympiade-Komitee» eine Begrützungtadreffe. Mc erste restspiclonitohrnnt Bestrahlt von einer Abendsonne, die schöner wirfte al» all« Scheinwerfer hätten wirken können, ging da» von Karl Leersch verfaßte Festspiel„Be- freite Arbeit* al» Abschluß der großen Schau de» ersten Olympiade-Tages in Szene. Nach den beju- belten Spielen froher Jugend ein ernste» Spiel von Zeitschicksal und Zukunft-Hoffnung, da-— wie schon besprochen— den Kampf zwischen Mensch und Maschine, die Ueberwindung der Arbeitslosigkeit, die Der Regie Bojta Noväk- gelang e». die Vorgänge de» Spiel» klar zu gliedern und sinnfällig zu gestalten, wobei ihm die ebenso originelle wie Wer« zeugend gelungene Ausstattung zu Hflfe kam: die Maschinensymbole, die Robotter-Figuren und die Überleben-großen Fabrikantenpuppen, die Ladislav Sutnar geschaffen hat— einer au» dem großen Mitarbeiterstab der Jestspielregie, dem noch der Komponist Jan Zelinka, der Dirigent Prokop Oberthor und Joe Jenkik al» Leiter der Tänze ang«hören. Die Massen der Zuschauer wurden von der Eigenart de» Spiel» gefesselt, von dem Eifer der Mttwirkenden ergriffen und von der Tendenz dieser festlichen. Kundgebung am Ende zu stürmisch«» Beifall hingerissen. Al- die roten Fahnen auf die Maschinen gepflanzt wurden, als da» Lied der Arbeit erklang und als, von frohem Tanz begleitet, eine Woge roter Banner in» Stadion flutete, erreichte die Begeisterung, die an diesem Tage so ost bekundet wurde, noch einmal einen Höhenpunkt.—el*—. Tsdiedilsdic nnt deutsche Turnzötllnte zelten vor 00.000 hctelstcrten Zuschauern hervorrotente Leistungen Prag, 2. Juli. Der erste Da» der Olympiade gehörte de« Arbeiterkinder«. Schon SamStag stand di« Hauptstadt im Zeichen ihrer friedlichen Invasion. Die kleine« Gäste besuchten mit ihren Führern und Führerinnen die Prager Sehenswürdigkeiten. Sonntag vormittag» fanden dann im Stadion di« Proben statt. Nachmittag» wickelte» sich bei herrlichem Wetter di« Hanptvorführnngrn de» tschechische« und deutschen Lnr- uernachwuchse» ab. Der Besuch war au»gezrichn«t. Die Zugänge-um Stadion und die dichtbesetzte« Tribünen prangten in reichem Flaggenschmuck. Eisenbahnminister Genosse Vechynk überbrachte de« Kindern dl« Grütze de» verhinderte« Präsident«» Ma sa rtz k, welche mit lautem Jubel ausgenommen wurden. Bei den Vorführungen zeigte der Nachwuchs de» Atu», Mädel wie Bube«, ausgezeichnete Lei st» n gen und ernteten dafür verdienten Beifall. Gewalttgen Eindruck machten di« Massenvorführungen der tschechischen Turnzöglinge, welche für ihr Kön» «en immer wieder Beifallsstürme empfinge«. Der erfolgreich« Tag fand«tt der erstmalige« Vorführung de» Olympia-Festspiele» seine« Abschluß. Hübsch war's— und furchtbar aufregend. Sech« zigtausend Menschen waren dort, gleich am ersten Tag. Und alles hat geklappt. Das will schon was heißen, denn 80.000 Menschen, das ist eine ganze Masse. Drinnen im riesige» Stadion verteilen sie sich «in bißchen und dann steht e» gar nicht nach so viel au», aber draußen in den ZugangSsttatzen merfte man schon, datz es eine ganz erstaunlich« Prozession War. Art ein LantsnretKr kann sldi irren Nebst den anderen Veranstaltern gebührt auch dem lieben Gott hohes Lob. Es war da» schönste Olympsicheeröffnungswetter, das man sich nur wün- schen kann: blauer Himmel und ein bißchen kühlender Wind. Unter den günsttgsten Vorbedingungen hätte «» also um drei Uhr fast angefangen. Aber es sing gar nicht an, denn der Lautsprecher verkündet«, daß der Präsident der Republik kommen werde, Run. manchmal kann sich auch ein Lautsprecher irren und e» kommt gewöhnlich ander- al- man dentt. Der Lautsprecher machte also bald seinen vorlauten Irr tum gut und verkündete, daß der Präsident durch Mi nister B e ch y ü e eine Begrüßungsurkunde überreicht habe, in der eS heißt: Der Präsident sendet der Olympiade seine Wünsche de» besten Gelingen-. Er hat für alles lebhaftes Interesse, er gedenkt herzlich aller Kinder. welch« hier auftreten. Er läßt euch sagen, daß er euch gern hat. Er verläßt sich auf euch, daß ihr immer gut eure Ausgabe erfüllen werdet, und zwar heute und auch später, wenn ihr groß seid. Aber dann ging» wirklich und ganz ernsthaft lo». Und wenn die ganze-Olympiade hält, was der Kin» teeite 4 Dienstag, 3. Juli 1934 Nr. 133 Pa« BenefrCxpoiee: Auch Diktaturen überleben sich rasch Appell xu Innenpolitischer Zusammenarbeit schied der Parteien und der Nationalität hinter«nferer Demokrati« und Frei- heit stehe« und vorbereitet find, fie einträchtig u n ter al le«Umständen and mit« l l r n M i t 1« I n z« verteidigen. Vie Beziehungen zu den einzelnen Staaten Rote Ktnderrepublik »Arbeiter-Olympiade 1934^ Die Adresse der Roten Falken im Olympia- Zeltlager ist: Rote Kinderrepublik„Arbeiter- Olympiade 1934", Postamt der IH. Arbeiter» olympiade, Prag. Prag, 2. Juli. Außenminister Dr. Benes hielt heut« in beiden Häusern der Nationalversammlung sein angrkiindigteS außenpolitisches Expose, daS sich namentlich mit der Neuorientierung der europäischen Politik im Anschluß an die Bemühungen um den Abschluß eineS O st p a k 1 e S befaßte. Lehr interessant waren die Schlußfolgerungen, die Dr. Benes auS feinem andthalbstündigen, wiederholt von Beifall unterbrochenen und mit Glückwünschen seitens des Ministerpräsidenten, der Minister und zahlreicher Abgeordneten beendeten Expose zog. Er sagte da u. a.: Ich«ar Optimist in den vergangenen IS Jahren und ich bleite eS auch heute. Wir hoben schon foviele Kämpfe erlebt, haben so viele Schwierigkeiten überwunden und so vielen Krisen,«traf» ernste» wie die heutige, getroht, daß Kleinmut die größte Sünde wäre, die wir begehen könnten. Man erwartete von brr Arndrrung der Regime entwrdrr das Berderbrn»der ein Wunder, und heute sieht jeder, daß eine Arnderung des politischen Regimes das Wesen der gegenwärtigen Schwierigkeiten überhaupt nicht löst, daß die Diktaturen um nichts weniger mit Schwierigkeiten belastet find, als die Demokratien, daß auch die schönsten politische« Regime sich ziemlich rasch überleben»yd genötigt sind, sich nach und nach anzupaffen, und einer ziemlich raschen Entwicklung zu unterliegen, und daß sich jedes politische Regime überhaupt hält»der nicht hält, je nachdem, ob die allgemeinen moralische«, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sonstige« Bedingungen in dem betreffenden Staate sein Entstehen und seinen Bestand ermöglichen. Nnser Staat Hot bei dieser Situation seine Entwicklungslinie klar vor sich skizziert. E» wird für immer als Beweis unserer politischen Reife gelten, daß in einer Zeit, wo anderswo mit Gewalt die Rahmen der politischen Parteien und der Berfas, snngen zerbrochen wurde«, wir eS verstanden haben, große allnationale und allftaatliche Koalitionen der Links- und Rechtsparteien aufrrcht z« erhalte« i» einträchtiger, wenn auch sehr schwieriger Zusammenarbeit im Interesse drS ganze« Staates««d Bol- kes, sowie im Geiste unserer demokratische« Brr- sassung. ES wird dieS für unsere Generation mit Recht die Anerkennung bedeuten, daß i« dem allgemeinen Wirbel, der Europa ersaßt hat, und in wek« Einleitend erklärte Dr. Benes die Situation für ernst— wenn man sie auch nicht als kritisch bezeichnen könne—..weis sich.Eurolw. derzeit in einem Unibruch befinde und nun entschieden werde:, wird, ob die Entwicklung zur Ruhe und Ordnung oder zu Konflikten, zur Dsorganisa« t i o n und zu Kr i s e n weitergehen wird. Die Ereignisse sind für unseren Staat deshalb so wichtig, weil sie die Voraussetzungen für die auch unS tangierenden neuen politischen Konstellationen in Europa bilden. Er hofft, daß dar Parlament die Regierung imterstvhen und der Wel> zeigen wird, daß Volk und Staat in einer e i n h e i t» lichenPhalanx zur Berteidigung ihrer Lebens- Interessen und in der Erfüllung ihrer staatlichen und nationalen Sendung in Europa stehen. Auf die Gefahr neuer Konflikte reagiert Europa seit Jahresende mit ununterbrochene« fie- berhastrn diplomatischen Verhandlung««; da» Ergebnis dieser ganzen Aktion ist dir B» r b« r e i- t u n g einer»e»e« enropiischenKon- st e l l a t i• n, welche-in de« letzte« Wochen Plötz- lich und schlagartig ausgetaucht ist. Der Gipfelpunkt dieser Entwicklung ist fraglos di« Wendnng in der Politik de» LowjetverbandeS, die sich feit dem Borjahr vorbereitete. Die Ereignisse in Deutschland wie im Fernen Osten habe« dazu grsührt, daß dir Sowjetregierung die Gefahr dieser Ereignisse für den Frieden der Welt und Europa» sieht und fi h denen näher», welche trotz alle« Schwierigkeit«» um jede» Preis den Frieden wahre»«ollen; sie- beginnt nun auch den Völkerbund einzuschätzrn. Diese Wendung ist einfach Tatsache. Bor allem mutz verhindert werden, datz ein eventueller Konflikt im Fernen Osten sich auf Europa übertrage. Steht eS aber fest, datz die Westgrenze Rußlands dadurch nicht tangiert wird, so wird eS auch im Fernen Osten zu keinem Konflikt kommen sweil sich Japan dann allein nicht trauen würde! D. Red.) AuS diesen Voraussetzungen ist die Id« dr» O st p a k t e S entstanden, der dem Locarnopakt nnalog ist und über den heute schon viel gesprochen und bereit» auch verhandelt wird. E» würde sich darum handeln, daß der Sowjet- verband, Polen, Deutschland, di« Tschechoslowakei und vielleicht auch die baltischen Staaten«ntereinand« einen Pakt gegenseitiger Hilfeleistung gegen einen eventuellen Angreif« schließen würden, wer imm« e» auch sei. Diesem Pakt würde Frankreich in ein« bestimmten"Form al» Garant beitreten; außerdem würde Sowjetrußland dem Bölk«bunde beitreten. Parallel mit diesem Ostpakt wird an einen ähnlichen Mittelmeerpakt gedacht, über den die Berhandlungen allerdings noch nicht so weit vorgeschritten sind. Unter diesen Umständen war eine definitive Regelung unseres Verhältnisse» zu Rußland unbedingt notwendig, beim' sonst wäre unser Staat in die Gefahr geraten, von all den schwebenden Verhaiwlungen um die sich neubildende politische Konstellation In Europa auSgeschaltet zu werden. DaS wär« einfach unverzeihbar gewesen. chem eine Reihe von Trmokratten nicht in der Lag« «ar, sich auf der Höhe zu erhalte«, unser« Demokratie sich mit Erfolg,«en« auch unter große« Schwierigkeiten durch di« schwere Zeit durchschlägt und so alle Zweifler davon überzeugt, daß die» für unseren Staat da» einzige Regime, die einzig« Art d« Regier««, und die einzige Grundlage für die gedeihliche Entwicklung unsere» Staate» im Innern und für eine solide, feste, entscheiden« und von alle« gebU- ligte Außenpolitik ist. Um au» de« hrnttgen internattonalen Schwierigkeiten herauszukommen, ist«» daher für un» notwendig, international jene Bündnisse und jene Linien der Politti aufrrcht zn erhalten, die wir bi»her hatte«. Um diese Politik mit Erfolg cknd betont«ach außen durchführen zu können, ist r» notwendig, daß in der inneren Politik noch für lang« Zelt die bisherige Zusammenarbett der polittschr« Parteien erhalten bleibe und wenn möglich«och erweitert «erde, datz die heutige Zusammenarbeit aller Nationen in der Republik wie bisher erhalte« bleit«, daß namentlich für dl« kommenden Jahre all« Bedürfnisse der Nationalverteidignng berücksichtigt werden und der feste Glaube erhalten bleib«, datz unter diesen Umständen niemand von un» zu fürchten braucht, daß unsere« Staate irgendrtwa» geschehen wird. Ich glaube an da» Gedeihen der Republik, glaub« an unsere Demokratie und an ei« gerechte», demokratische» Zusammenleben aller polittschr« Parteien und Nationalitäten und ich bi« überzeugt, daß auch in dem Augenblick, wo wir in de« Kampf um die neue Phase dr»«uropäifche« Gleichgewichte» eintretrn, unsere Rrgirrung und unsere Außenpolitik diesen Kampf für die Republik erfolgreich und siegreich beenden wird. Später einmal werde man überdie» sehen, datz die Tschechoslotvakei immer eine gute und vernimf- ttge slawischePolittk betrieben habe. WaS sich nunmehr vorbereitet, kann wirklich die Grundlage unseres künftigen freundschaftlichen Verhältnisses zur größten slawischen Nation sein. Der O st p a k t, dessen Bedeut««« Benrö in längeren Ausführungen stark unterstreich», ' bedeutet nach B»«rt' Auffassung ei« neue» europäisches Gleichgewicht. ES Handl« sich weder um die Schaffung eine» Block» gegen Rußland«och auch gegen Deutschland, sonder« darum, alle gegenseitig, l e ich z ust el l e« und da» end güktigeGk« ich gewicht in Europa überhaupt und damit eine ruhigere Situation zu schaffe». Wird der Ostpakt Tatsache, da«« würde ma« sofort«ach Genf z«r Abrüstungskonferenz zurückkrhrrn und'von neuem««fange», auf Grund der neuen Situation ein« neue Basi» für eine AbrüstungSkonventton und für ein definitive» Abkommen mit Deutschland zu suche». Da» wäre«in» Sicherung de» Frieden» auf lange Zeit. Der Weg zum Ostpakt ist noch mit Schwierigkeiten gepflastert. Dr. Benes betrachtet die nächste« paar Monate bi» zum Jahre-ende»der zum Frühjahr al» entscheidend. ES.bereitet sich ein erbitterter Kampf um die definitive Entwicklung Europas zum Frieden »der zu kriegerische« Konflikten vor. Im Falle de» Paktabschlusse» würden wohl auch keine Wunder geschehen, aber die vorhandenen Schwierigkeiten würden mit weniger Aufregung und weniger Spannung durchgr- kämpft werden. Wir sind, erklärte Benes, auf die weitere Eni- wicklimg aber auch vorbereitet, falls eS zur Verwirklichung dieses Planes in baldiger Zeit nicht kommen sollte und ein anderer Weg eingeschlagen werden müßte: -„Wir arbeiten nämlich; außerdem mit unseren Freunden an unserer eigenen Sicherung mit unseren eigenen Kräften, d. h. wir arbeiten im In- nernan unserer eigenen Verteidi gung. In dieser Hinsicht wurden namentlich in letzter Zeit bei unS bedeutungsvolle Maßnahmen getroffen und diese Politik' wird auch weiterhin ohne Rücksicht auf was immer fortgesetzt werden. Unsere Regierung werde offenbar gezwuiPen sein, von der Bevölkerung die Zustimmung zu weiteren Vorgehen in dieser Richtung, namentlich WaS die Verlängerung des Militärdienstes anbelangt, zu fordern.■ Die Tschechoslowakei müsse für di« kvm- «end en Zeiten, militärisch, administrativ» innerpolitisch, wirtschaftlich und namentlich auch moralisch entsprechend vorbereitet sei«. Auch Staate» wie England»ringe» ihr« Angelegenheiten in Ordnung. ES sei als, Pflicht aller im Staat«, di« heutig« Situation zu erfass«», in der vi«l- leicht für lang« Zeit über unsere weitere Zukunft entschiede« werbe« wird, und notwendig, datz wir all«»hur Unter-:— Hier hob Dr. Benes zunächst die unverrückbare Festigkeit der Kleinen Ente wie in der Verfolgung ihrer drei Ziele: gegen territoriale Revision, gegen den Anschluß und gegen die HabSbur« gerrestauratton mit allem Nachdruck hervor. DaS müsse man ein für allemal zur Kenntnis nehmen. Die Kleine Entente will auch den Grundsatz durchkämpfen, datz Mitteleuropa und der Balkan von den Großmächten als ein Teil Europas respektiert werden soll, in welchem die Völker bereits politisch reif sind, so datz ihr Gebiet daher nicht mehr Gegenstand der Rivalität der Grotzmächte sein känne. Was Frankrrich betrifft, so unterstreicht Benes das Wort BarihouS von der„Brüderlichkeit" der Beziehungen. Frankreich stehe voll und ganz hinter dem polittschen Programm, den Bestrebungen und der Misst«: der Kleinen Entente, und es sei g u t, datz gerade heute diese Einheit vor ganz Europa sich manifestiere; das zerstreue alle Zweifel im übrigen Europa. Das Verhältnis zu Pole« habe sich in letzter Zeit nicht so entwickelt, wie wir- eS wünschten. Es handle sich aber um lokale Streitigkeiten- Die heutigen Ansichten der beiden Staaten sind jedoch in Bezug auf einige wesentliche Fragen der europäischen Politik nicht identisch(z. B. Kleine Entente und mitteleuropäische Fragen). Diese Tatsachen müsse man hinnehmen und vorläufig einfach abwarten. Im Verhältnis zu Deutschland wurden in letzter Zeit einzelne Fragen(Flaggen, Presse usw.) ziemlich gut erledigt. Was übrigbleibt, werden wir zur beider- seitigen Zufriedenheit zu liquitteren trachten, sonst sind die Beziehungen gut und korrekt, direkte Streitfrage:: gibt es nicht. Störend wirken nur die allgemeinen internationale:: Verhältnisse. Der Abschluß des Ostpaktes sei auch deshalb zu wünschen, weil er für unser künftiges dauerndes Verhältnis zu Deutschland eine solide Grundlage bilden würde. Da» Verhältnis zu Oesterreich ist gut; die Berhandlungen über den Handelsvertrag würden hoffentlich bald zum Abschluß gelangen. In beiden Fällen sollte sich die Presse in der Kritik der inneren Verhältnisse der beiden Nachbarländer eine gewisse Reserve auferlegen. Mit Ungarn bleiben die Beziehungen, wie sie gewesen sind. Die ErklärungenGömböS, daß sichllngarn mit der Kleinen Entente nur um den Preis der R e- Vision in Berhandlungen über eine mitteleuropäische Gemeinschaft«inlaffen werde, kommentiert Benes dahin, datz unS auch bilaterale Wirtschaftsverhandlungen"genügen. Aber auch die Kleine Entente müsse erklären, datz-mich sie nicht mit i h re m-Terri» Sdfz schwer gciahrdcl! rertsdirdtentfc VersdUeditcinna seines Dcflnücns AuS Wien geht un» au» absolut zuverlässiger Quelle die Nachricht zu, datz sich da» gesundheitliche Befinden de» eingekerkerten BolksbürgermeisterS Genossen Seitz immerfort verschlechtert..Sein Magenlei- den verschlimmert sich, er hat häufig Krämpfe und nimmt an Kärpergewicht zu- sehend» aß. Bon ärztlicher Seit««erden diese Er- schein»«»«» al» sehr bedenklich bezeichnet. Trotz dieser gesundheitlichen Schwächung hält sich Genosse Seitz politisch««»gezeichnet und e» unterliegt keinem Zweifel, datz er lieber sei« Leben hinter Krrkermauern beschließt, ehe er die„Milde" der Dollfutzchristen strapeziert. Wenn aber die geschwächten Kräfte des Genossen Seitz bi» zu der für Herbst angesetzten Brr- Handlung nicht durchhalten sollten, wenn die christlichen Henker auch noch da» Leben diese» bedeutendsten Manne» der österreichischen Republik auf ihr Gewissen laden, dann mögen sie vor ihrer Verantwortung erzittern!' Mm* Anschlag» In Oesterreich Wien, 2. Juli. In der Nacht auf den 1. Juli wurde in Radenthein auf den Balkon des Hauses eines Funktionärs der Vaterländischen Front ein Päpierböller zur Explosion gebracht, wodurch Sachschaden verursacht wurde. Nachts explodierte auch in der Haltestelle Mösendorf der Donauuferbahn ein Sprengkörper, lüodurch Sachschaden verursacht wurde. Am 30. Juni abends explodierte in Trofaisch und in der Nacht in Markthaus bei SchladmingS ein Sprengkörper, wodurch gröberer Sachschaden verursacht wurde. Am 1. Juli wurde im Gemeindegebiet von Rat- tenberg versucht, einen Felsblock zu sprengen, der sich auf den steilen Abhang oberhalb der Stratze befand, Die Sprengung mißglückte, der Täter wurde etwa 30 Meter weit geschleudert und blieb total verstümmelt tot liegen. Es handelt sich um den 22 Jahre alten Meier aus Rattenberg, der als Nationalsozialist ortsbekannt ist. Er wohnte bei dem Nationalsozialisten Dr. Hinter, der früher Gemeindearzt in Rattenberg war. Montag morgens explodierte in einem Bor- Die Neuorientierung Im Osten torium für wirtschaftliche Konzessionen zahlen könne. Das Verhältnis zu England ist..stündig ein gutes", das zu Italien bessert sich seit dem Vorjahr systematisch. Direkte Streitfragen gibt eS nicht. Italiens Interessen in Mitteleuropa lietzen sich mit unseren versöhnen- Die Annäherung Italien-Frankreich wirkt sich auch auf die Beseitigung der Spannung Italien-Kleine Entente günstig aus. Bersinspektlon angenommen In parlamentarischen Kreisen macht sich das Bestreben geltend, bis Mittwoch, autzer der Autzcndebatte, die morgen cinsehen wird, auch noch die dringcnsten Gesetzentwürfe zu erledigen, um noch vor den Haupttagcn der Ärbciterolym- piad in die Ferien gehen zu können. So wurde heute nach dem Aubenexpoft vom Parlament nach kurzer Debatte noch die Vorige über die Grubeninspcktion in beiden Lesungen angenommen. Dazu dürfte nicht in letzter Linie der Umstand beigctragen haben, daß erst in den letzten Tagen wieder zwei Todesopfer auf dem Nelson-Schacht zu verzeichnen waren, was die Notwendigkeit einer sofortigen Verschärfung der Grubenaufsicht leider neuerdings klar bewiesen hat. Außerdem tvurde noch die Novelle über die Schiedsgerichte im Bergbau und die Verlängerung des provisorischen AutoinobilgesetzeS bis Ende dieses Jahres angenommen. Dubicky referierte dann noch für den landwirtschaftlichen Ausschutz über die Anträge auf Hilfsaktionen im Gefolge der Dürre. Das Plenum nahm die vom Ausschuß vorgeschlagene ResolutionSanträge an. Nächste Sitzung morgen Dienstag um 9 Uhr früh. Auf der Tagesordnung: Außendebatte. Der Senat erledigte nach dem Exposö ohne Debatte die GerichtsantlastungSnovelle und ein Zusatzprotokoll zum finnischen Handelsvertrag. An Stelle des zurückgetretenen Vizepräsidenten Votruba(Nat.-Dem.) tvurde-der Landvündl.r Kahler gewählt. Zwischen beiden Parteien besteht ein Uebcreinkommen, wornach sie im Präsidium -alljährlich abwcchseln., Nächste Sitzung morgen Dienstag'14 Uhr. raum zum Studio der Rawag in Wie» ein Sprengkörper, wodurch Sachschade verursacht wurde. ocsterrdchisciK Dahnen in Not Wien, 2. Juli. Wie das„Wiener Montagsblatt" erfährt, sind die Einnahmen der Bundesbahnen wieder stark rückgängig. Dies« Abnahme hat ihre Ursache wieder in den verbrecherischen Anschlägen auf die verschiedenen Eisenbahnlinien. Wie stark sich dies auf die Entwicklung der Einnahmen der Bundesbahnen auswirkt, erkennt man ganz deutlich aus den Rückschlägen im Jänner, nach den Feber-Ereignissen, nach den Anschlägen zu Pfingsten und wieder in den lebten Wochen. Stets pflegt diesen Anschlägen ein jähes Sinken der Einnahmen zu folgen. Demgegenüber stieg der Güterverkehr langsam an. In dec ersten Juniwoche war er um 6,6 Prozent größer als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Barrikaden bei Ulle Pari», 2. Juli. In Henin-Lietard unweit von Lille, wo r» bereit» vor einigen Woche» zu Unruhm und Zusammmstätzen kam, geritten gestern abend» Kommunisten und Polizei sowie Gendarmerie anttnaudrr. Die Kommunisten veranstalteten trotz de» ergangenen Verbote» eine Versammlung und hierauf«inm Umzug. Sie ver- barrikiertr» sich in dm Strotzen und überftelm dir Polizeiberritfchast. lOPersonen wurden verletzt, davon 7 Gendarmen. DluttOe Versammlung in Dublin Dublin, 2. Juli. Zu schweren Zusammen- stößen zwischen Anhängern de Valeras und irischen Blauhemden kam eS am Sonntag abend» an- lätzlich einer Versammlung des Generals O'DuffY. SechsPersonen wurden verl tz t. Eisenstangen, Totschläger und Steine wurden von beiden kämpfenden Parteien als Waffen benutzt. Die Gegner der Blauhemden hatten in der Versamm- lungshallc die elektrische Leitung zerstört und den Saalboden mit Teer übergossen Rr. 153 Seile» Dienstag, 3. Juki 1934 Ar unsere Koipnrtewe und Abonnenten!' Da im Buchdruckgewerve am Donnerstag, den 5. Juli, nicht gearbeitet wird, erscheint nm Freitag, den 6. Juli, unser Blatt nicht. Die nächste Ausgabe erscheint Samstag, den 7. Juki, zur gewohnten Stunde. Di« Verwaltung. Verbandstall des„Svaz hornltak“ Pro«, 2. Juli. Bei zahlreicher Beteiligung der Vertrauensmänner aus den Stein» und Braunkohlenrevieren de» Maate» begann heute im Gewerkschaftshause in Prag der 9. Vcrbandstag der tschechischen freigewerkschaftlich organisierten Bergarbeiter. Auf seiner Tagesordnung stehen ne» den den Berichten de» Vorstände» und der Ber» bandSfunvionäre Referate de» Abg. Gen. Brozik Über die Verhältnisse im Bergbau und die weiteren Ausgaben und de» Gen. Dr. Haas über den sozial» politischen Schuh und die Bergavbeiterversichcrung. Die Union der Bergarbeiter ist durch die Genossen Zinner, Schaffarsch, Haase, Wirlner und Lehnert vertreten. Rach der Konstituierung de» BerbandStage» und einer Trauerlundgebung für jene, tvelche seit der letzten Tagung de»„Svaz hornilu" durch Masscnunglücke im Bergbau oder einzeln im täglichen Stampfe au» dem Leben schieden, wurde eine Begrüßung an den Präsidenten Masaryk abgeschickt. Desgleichen wurde dem Arbeitsminister Dr. Czech für sein an den BerbandStag geschicktes Begrüßungsschreiben der herzlichste Doml übermittelt. Gen. Zinner überbrachte dem BerbandStag de» Bruderverbande» allererst die brüderlichen Grüße der in der Union der Bergarbeiter vereinigten deutschen Bergarbeiter und führte unter anderen folgend«» aus: Unsere Union der Verarbeiter ist mit ihrem Verbände in guten wie in bösen Tagen in gutem Ein» vernehmen gestanden. Diese Brüderlichkeit wurde ermöglicht nicht nur allein durch die Schicksattgemein- schast, sondern vielmehr durch das vorbildliche Wir» ken jener zwei großen Menschen, denen Sie eingangs in ihrer Trauerlundgebung gedachten, der Genoffen Ja r o l i m und Pohl, die die stärkste KampfeS- grundlage bildeten, mit der es erst möglich war, di« innigste Kampfgemeinschaft zu schmieden. Die Berg, arbeiterloalition geschaffen haben. Biele» wurde durch diese Koalition bisher geschaffen, vieles mit. ihr im Interesse der Bergarbeiter-erreicht. ES ist unsere gemeinsame Aufgabe, unsere Reihen zu stärken, um erfolgreich den Kampf— der gegen den Marxismus geführt wird— abwehren zu können. Abwchren im Interesse der Arbeiterschaft. In diesem Geiste de» Klaflenlampfes tagt Lu« BerbandStag, den wir den besten Erfolg wünschen, damit e» weiter vorwärts und aufwärts gehe! Rach den Begrüßungsreden folgten die Wahlen in die einzelnen Kommissionen und die Berichte sowie das Referat deS Gen. Abg. Brozil und anschließend eine Debatte, an der sich eine groß« Zahl der Delegierten beteiligten. Die Be» ratungen werden morgen und übermorgen fortgesetzt werden. raaur-narfind als nationaler neid Er wollte als Minister demiffionieren! Einem uns zugeflogenen Mitteilungsblatt der Hauptleitung der deutschen Christlichsozialen an ihre Parteisekretariate entnehmen wir ohne Ueberraschung, wie die deutschen Klerikalen in jesuitischer Weise ihre BertrauenSmänner informieren. In dem Bericht über die Annahme der Pensionsversicherungsnovelle im Abgeordnetenhaus« heißt es: „Resolution Dubieky, die unter dem Deckmantel von Ersparnissen und Einhaltung de» Sprachengesetzes. Auflösung der bestehenden deutschen SmtSstellen der PenfionSanftalt fordert, van den deutschen Regierungsparteien ,«gelassen. Al» während unserer Regierungsbeteiligung bei der' Novellierung de» PenfionSverflcherungS» gesetze» im Jahre 1029 ähnliche Wünsche laut wurden, haben damals die deutschen Rintst« ihre Demission angeboten!" Go erfährt man nun, leider zu spät, daß Herr Mayr-Harting in der Bürgerblockregierung geradezu als nationaler Held gewirkt hat. Die deutschen Christlichsoztalen haben damals zwar einzeln« nicht unwesentliche Aenderungen de» nationalen Besitzstandes zugelassen, so z. B. die V e. r w altun g.s re f. orm, also m e h r al S eine Resolution Dubickys, von deren nachträglicher Abschwächung dem Parteisekreta» riat der deutschen Christlichsozialen offenbar nichts bekannt ist. Wenn man weiß, welche Her- luleSkräfte Herr Mayr-Harting im Jahre 1929 entwickelt hat, um wieder Minister zu werden, läßt sich ungefähr erraten, mit welcher Wucht er seinerzeit als Bürgerblockminister die Demission angeboten hat. TatfcMadtfkcttai Alte Kameraden... Sie bauten dir Straße dr» Siege» mit, Di« Straße aus Blut und aus Leichen, Auf» Master knallte der harte Schritt D« knorrigen Feme-Eichen! Sie brachen die Bahn zu Deutschland» Rot, Wa» sechzig Millionen gelitten, Di« LagerhSllen, der Henkertod, Sie haben'» für ihn erstritten! Sie glaubten an ein» nur, an Hitl«» Wort, Die waren ja seine Gardisten, Für ihn begingen sie Mord auf Mord, Au Juden und an Marxisten! Er drückte ihnen die blutige Hand Und hat dann di« Kameraden Die Spießgeselle« mit tumbem verstand Betrogen— verlassen— verraten! Da liegen sie mm verblutet und bleich, Di« Jllnstonen zerstieb«« Ihr Finch auf da» Dritte, da» Totenreich, Ist oben auf Erde« geblieben! Pierre. Warum? Am Sonntag um 3 Uhr früh erschoßsich in der Kaserne deS 5. Jnf.»Reg.„TGM" in Prag der Soldat deutscher Nationalität AlbertKöhler-Tipp l, gebürtig nach Mir«, Bezirk Tepl. Die Ursache des Selbstmorde» wird erst durch eine eingehende Untersuchung festgestellt werden, denn es handelt sich um einen sehr ordentlichen und bei der Musikkapelle, der er zugeteilt war, sehr beliebten Soldaten. Außerdem hatte da» Ministerium für Nationalbcrteidigung soeben dem Gesuche seiner Mutter statigegäen, daß er zum Jnf.-Reg. Str. 33 nach Eger als Musiker transferiert werde. Maffeutod uv« Arbeiter« Hei einem Danunbruch. Madrid, 1. Juli. Wie au» Z a m o r r a gemeldet wird, ist der Damm des dortigen Stauwerke» von den Fluten durchbrochen worden. Da» unterhalb de» Stauwerke» gelegene Maschi- nenhau» wurde übeMutet. Neun Arbeiter sind ertrunken. Mehrere Arbeiter werden n« ent t. Man nimmt an, daß sie ebenfalls den, Tod in den Fluten gefunden habens «ttdeeer-roh Eger, 2. Juli. In dm Wäldem de» Großgrundbesitzer» Lazansky in Tih bei L u d i j wurden in der letzten Zeit größere Wilddiebstähle begangen, ohne daß cs gelungen wäre, der Täter habhaft zu werden..Sonntag,, um 5 Uhr früh beobachtete der Heger Franz T r i I t s ch auf seinem Dicnstgang einen Mann, der mit-schußfertigem Gewehr bat Revier durchstreifte. Der Heger versteckte sich hinter einew Baum und rief den Wilderer an. Dieser drehte sich um und gab ohne Zögern einen Sch u ß g e g e n d e n H e g c r ab, der nur deshalb nicht getroffen wurde, weil er sich in knieender Stellung hinter einem Baum- gedeckt hatte. Darauf feuerte der Heger seinerseits und traf dm Wildschützen au» einer Entfernung von fünf Schritten mitten in» Herz, so daß dieser auf der Stelle tot war. Es han» delt sich um den 25jährigen Emil S ch m i r d l aus Tiß, einem gefürchteten Wilderer, der oft mit seiner Kühnheit geprahlt hatte. In der Nähe des Tatortes wurde ein Rucksack mit zwei frisch geschossenen Hasen gefunden. Der Sumpf als Borwand. Al» da» blutige Triumvirat Hitler, Goering, Goebbels daran ging, seine allergetrmesten Landsknechte, die sirr Hitler gemordet hatten, reihenweise abzuknällen. denn Komplizen kann man nur als Freunde oder als Leichen ertragen, begann, um das Pfeifen der Kugeln verständlicher zu machen, wohl eine Woge moralischer Entrüstung loSzubrechen. Auf einmal war Hitler, der reine Tor, ganz flammende Em pörung über das unerträgliche Protzentum der DA-Führer, auf einmal protestierte er gegm die Luxusautos, die widerwärtigen Festgelage, die Sauf-Orgien, den knalligen Pomp der braunen Neureichen, auf einmal proklamierte der»Füh- rer" die Devise der Schlichtheit und des Vorbilds der Enthaltsamkeit! Wie hieß e» doch immer in der Lügenpropaganda des„Dritten Reiche»"? Waren sie nicht stets mit kauenden Backen dabei gewesen, da» vergangene System als einen Pfuhl „liberalistisch-marxisttscher" Verlotterung hinzu- stellen, hatten sie nicht immer in den höchsten falschen Tönen das Loblied des neuen Staate» gesungen, der mit der Verschwendung und dem Luxu» für immer aufgeräumt habe?I Run aber müssen sie, nachdßm sie Monate über Monate alle» mit Schmutz beworfen hatten, wa» anderer Gesinnung war, zugeben, wie schamlo», wie verlottert, wie verfault e» in ihrem Staate aussieht! Jetzt müssen sie zugeben, daß iy einer Zeit, in der den Massen, die Löhne immer einschneidender gekürzt worden, in der MMonen nicht wissen, wovon sic das trockene Brot de» nächsten Tage» bezahlen, sollen, die„Führer"-de» neuen Reiche» ein Luderlchen. schlimmster Art geführt und allein dreißigtausend Mart für repräsentative Festmähler mit entsprechenden Alkohol-Orgien im Monat.verpraßt haben! Jetzt stolpert der „Führer" über den Sumpf der Päderastie, er. der Mitschuldige, der alle» gewußt und doch ge- schwiegen hat! Aber haben denn diese Leute e» nötig, da» verschwenderische Drohnenleben ihrer Kameraden von gestern anzuklagen? Wagt eL ein Goering, dessen Verschwendungssucht ebenso anormal ist wie seine Grausamkeit, ein Mensch, der über fünf Luxusauto» sowie eine mit perversem Pomp auSgestattete schloßähnlicho Villa verfügt und dessen Wcinrechnungen schon vor der Machtergreifung durch die faseistischen Verderber Rekordziffern aufwiesen, andere anzu» klagen, die Äenso hemmungslos gelebt haben wie er?l Dieser blutige Sybarit al» Verkünder der Askese und der Einfachheit— eS ist eine Groteske, wie sie drastischer nicht gedacht werden kann. ES nützt den Mördern nichts, wenn sie sich von der zerfressenen Moral ihrer Opfer zu distan- zieren versuchen.. Sie sind au» dem gleichen wurinstichigen Holz geschnitzt wie sie— und es geht ihnen ja auch um ganz etwa» andere»! Mord bei Nikolsburg. Auf der Staatsstraße bei Neu-Prcrvu bei Nikolsburg wurden am 1. Juli zwischen 21 und 22 Uhr Hermine Chrom« cova ermordet und Josef Anderschück schwer verletzt. Da» Motiv de» Morde» ist bisher nicht bekannt Der Täter ist der 25jährige Franz Wimmer, der nach der-Tat floh. Die Gendarmerie fahndet nach ihm. Di« 500.000 Meile wird da» Luftschiff „Graf Zeppelin" auf seiner am 3V. Juni in Buenos Aires begonnenen Rückreise von Süd» amertka nach Deutschland zurücklegen. Eine Rte« senleistung ist mit dieser Rekordziffer erreicht, denn sie ist gleichbedeutend mit dem 20fachen Erd» umfang am Aequatox. ober mit einer Hin» und Rückreise zum Mond mit dreifacher Mondumkrei» sung. Es ist die 3 7 0. Reise des- Luftschiffe», auf der eS diese Rekordziffer erreicht. Der„Uebrrfrbrne"... Wie schon gemel» det, gibt die Deutsche Reichspost zur„Kolonial« gedenlfeier" Freimarken mit den Bildnissen von Männern heraus, die sich„um die früheren deut» scheu Kolonien besonders verdient gemacht" haben. Die Marken zeigen Lüderitz, Nachtigal, Peters., und Wißmann. Wer die Geschichte der frü» Aeren7kelltsche'st.'Kol«D'en in AfnMktztM" der vekmißt einen Namen— E m i n P a s ch a, det die deutsche Flagge in» innere Afrika trug, sich außerordentliche Verdienst« um die Erforschung der schwarzen Erdteile erwarb und in unzähligen Büchern und Schriften als einer der größten deutschen Kolonialhelden gefeiert wird. Rach wildbewegten, abenteuerreichem Forscher- und Erobererleben wurde er im Oktober 1892 in Afrika ermordet. Warum wohl mag da» Dritte Reich gerade das Bildnis dieses Vorkämpfer» der früheren deutschen Kolonialherrschaft nicht au den Gedenkmarken zeigen? Des Rätsels Lösung ist höchst einfach. Emin Pascha hatte mit seinem ursprünglichen Namen Eduard Schnitzer geheißen(geboren in Neiße in Preußisch-Schlesien) und war Jude. Er war Wohl gut genug dazu, weite Landstriche in Afrika durch seine Tätigkeit dem deutschen Kolonialbesitz einzuverleiben und sich schließlich in deutschen Kolonialdiensten ermorden zu lassen— aber die Helden des Dritte» Reiches finden ihn nicht für würdig, eine Gedenkmarke an die früheren Kolonialbesitze mit seinem Bilde zu bezeichnen. Es paßt eben so gar nicht zu ihrer„Rassenlehre" von der Minderwertigkeit der Juden... Anschlag auf«inen Expreßzug. Wie Reutet aus Tokio meldet, soll auf den ersten von Peking nach Mulden durchgehenden Expreßzug in der Nähe von Utai ein Sprengstoffanschlag verübt worden sein. Ein Engländer soll dabei um» Leben gekommen sein. Au» Shanghai wird berichtet, daß bei diesem Anschlag vier Personen getötet und eine Person verletzt wurden. Spielkasinos eröffnet— Bücher oerbeten. AuS Oesterreich kommen gleichzeitig folgende zwei Meldungen: In Salzburg wurde im ehemaligen„Mirabell"-Hotel das dritte österreichische Spielkasino eröffnet.— Die Wiener Polizei hat ein Buch der Schriftstellerin Hermynia zur Mühlen„Schmiede der Zukunft", da» im Verlag der Jugend-Internationale in Berlin erschienen ist, beschlagnahmt. Gleichzeitig wurde da» Buch„Dimitrow— lontraGoering" von der Polizei beschlagnahmt., Ei« schwere» Anlemigkück ereignete- sich in der Nacht zum Sonntag in der Nähe der Ortschaft Döbri- chau bei Dorgau. Der KoberShaincr Krieaerverew hatte mit einem Torgauer Omnibus eine Vergnügungsfahrt nach Potsdam unternommen. Auf der Rückfahrt verlor der Lenker— anscheinend infolge Uebekmüdung— die Gewalt über den Wagen, der mit einem heftigen Anprall gegen einen Baum fuhr und vollständig zertrümmert wurde. Einer der Insassen war sofort tot. Etwa zehn Verletzte wurden in da» Torgauer Krankenhaus überführt, wo zwei weitere Insassen an den Folgen ihrer schweren Verletzungen erlagen. Der Wagenführer selbst kam mit unwesentlichen Verletzungen davon. tbckrunken In ColombeS in der Umgebung van ari» find fünf jugendliche Personen infolge Kentern» einer Barke in der Seine ertrunken. Druckfehler-Berichtigung. In dem Gluck- Gedenkartikel in unserer Sonntagsnummer vom 1. Juli muß et in der Ueberschrlft richtig heiße«: „Zum 2 2 0. Geburtstag des Opernreformators am 2. Juli 193»."— Die in dem Schlußabsatz de» Artikels vorkommende Jahreszahl der Ueherst^>lung Glucks nach Wien muß richtig 17 8 6 statt 1755 heißen. Dir Einwohnerzahl der Türkei. Aus Ankara wird uns geschrieben: Bei der Debatte über die Gesetzesvorlage betreffend die Kolonist» rnng der Jmigranten und Nomadenstämme in Ost-Anatolien erklärte Innenminister Schükri Kaja Bey, daß es gegenwärtig in der Türkei rund 18 Millionen Leute gebe, deren Zahl nach den durchgeführten Berechnungen binnen der nächsten 25 Jahre sich auf 40 Millionen erhöhen könne. Bei der letzten Volkszählung vor fünf Jahren wurde eine Bevölkerung von 13% Millionen gezählt. Das rasche Wachstum erklärt sich einerseits durch natürlichen Zuwachs, hauptsäch» lich aber durch den Umstand, daß bei dec letzten Volkszählung mindestens 1% Millionen Men« schen nicht gezählt wurden, die keinen ständigen Wohnsitz haben, oder die sich wegen verschiedener Delikte vor den amtlichen Organen verberge«. Im Oktober v. I. wurde von der Nationalver» sammlung eine Generalamnestie zur Abstimmung gebracht, worauf sich fast alle diejenigen, die sich früher verborgen gehalten hatten, in die amtlichen Register eintragen ließen. Vom Rundfunk BruPfehlenameetea ana den*m»mmmu Mittwoch: Prag, Sender L.: 6: Gymnastik, 10.20: Deutsche Nachrichten, 11: Schallplatten, 12.10: Chanson» auf Schallplatte«, 18.40: Deutscher Arbeitsmarktbericht, 16.40: Konzert, 17.40: Schallplatten, 18.20: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Aktuelle zehn Minuten, 18.80: Emmy Riedl: Zum internationalen Genossenschaftstag, 18.50: Soziälinfor- mationen, 18.55: Deutsche Presse, 19.10: Konzert de» TamburlzzenverbandeS, 19.45: IlebertragUng aus dem Smetanasaal: Eröffnung der IH. Arbeiter-Olympiade. Sender S.: 14: Volkslieder, 14.25: Deutsche Sendung: JugeNdstllnde, 15: Deutsche Presse.— Brünn 18.20: Schallplatte«, 15.15: Orchesterkonzert, 17.45: Deutsche Sendung: Prof. Müller: Reue Bücher für die Jugend. 18.20: Nach« richten für Touristen.— Mährisch-Ostrau 18.25: Eine halbe Stunde Bergarbeitermusik. «MN«i LIM Internationale» Sinke« . Arbeitslosigkeit Bericht des Internationalen Arbeitsamtes. Genf, 2. Juli.(Tsch. P.-B.) Au» einer Statistik, die das Internationale Arbeitsamt am 30. Juni veröffentlichte, geht hervor, daß die Zahl der Beschäftigten in den Monaten April, Mai und Juni l. I. allgemein eine neuerliche Bessermtg aufzuweisen hat. Das Internationale Arbeitsamt stellt die heutige Situation dem Stande de» Jahres 1938 gegenüber, wobei cs auf die saisonmäßige Bctvegung Rücksicht nimmt. Ein Sinken der Arbeitsziffer war in folgenden Staaten zu verzeichnen: Deutschland, Australien, Oesterreich, Belgien, Kanada, Chile, Dänunark, Danzig, Estland, Bereinigte Staaten, Finnland, England. Ungarn, Italien, Japan, Litauen. Norwegen, Neuseeland. Holland, Palästina, Saargebiet, Schlvciz, Schweden, Jugoslawien und Tschcchoslotvakei. Die Arbeitslosigkeit stieg lediglich in Frankreich, Bulgarien, dem Freistaat Irland, Polen und Portugal. Die größten Fortschritte sind in den Bereinigten Staaten, in Deutschland, Kanada Estland und Südamerika zu verzeichnen. Das Sinke» der Arbeitslosenziffer läßt sich auf beiden Erdhälftcn konstatieren und gleichzeitig macht fich überall eine allgemeine Tendenz zur wirtschafklichcn Wiederbelebung geltend. Der internationale Metallarbeiterverband 1933 Der„Internationale Metallarbeiter", Ko- motau. veröffentlicht einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit des Verbandes im Jahre 1933: Wir heben daraus die Unterstiitzungslcistungen deS Verbandes hervor: Im Durchschnitt hat die Arbeitslqsigleit im Jahre 1932 innerhalb der Mitgliedschaft de» Verbandes 85.2 Prozent betragen, im Jahre 1988 jedoch 43.4 Prozent, so daß die Arbeit»« losigleit bedeutend gestiegen ist. Dagegen fiel der Prozentsatz der Ktirzarbeiter von 33.6 Prozent im Jahre 1932 auf 23.5 Prozent im Jahre 1933. Daß die steigende Arbeitslosigkeit sich in der Fi- naitzgebarung des Verbandes bemerkbar machte, ist verständlich. Im Jahre 1932 wurden 57.249 Ansuchett um Unterstützung eingebracht, im Jahre 1933 aber 60.929. An Arbeitslosenunterstützung wurden im Jahre 1982 ausgezahlt 28,481.815.50 Xö, im Jahre 1933 jedoch 42,255.739 XL. Die MehrauSzahlung ergibt also 13,774.423^50 XL. Eine gewaltige Steigerung der Leistung de» Verbände» l tilt 6 „Sozialdemokrat" Dienötag, 3. Juli 1934. Nr. 183 WWMMWWD WWWWWW Prager Stadtvertretung Olympiade-Debatte In der gestrigen Sitzung der Gtadtvertre- tung stand ein Antrag auf Verkauf eines Grundstückes an die DTJ in HloubLtin zur Verhandlung. Obwohl cs sich um einen normalen Kaufvertrag handelte, wie ihrer eine große Anzahl jede Sitzung beschäftig!, meldete sich der Ligist Hork>) zu Wort, sprach gegen den Antrag und benützte die Gelegenheit zn Angriffen gegen die eben in Prag stattfindcnde Arbeiter-Olympiade. Ahm erwiderten namens des sozialdemokratischen Klubs die Genossen Soul u p und H l a v«i i e k. Der Kommunist Dr. Barel erklärte, daß auch die Kommunisten für de» Antrag auf Verkauf des Grundstückes an die DTJ stimmen werden. In der Debatte wnrde dieser Vorfall auch mit einem gleichzeitig verhandelten günstigen Tauschvertrag mit dem Sokol in Prag XII. verglichen. Horkh meinte, für ihn sei der Sokol eine allnationale Institution, die Armee von Tyrs und Fiiguer, die DTJ jedoch sei die Armee von Karl Marx. Nach einem energischen Schlußwort des Referenten, des Genossen K c l l n e r, Ivurde der Verkauf an die DT2 mit überwältigender Mehrheit genehmigt. Kampfabstimmung nm di« Liebrnrr Kirche. Auf der Tagesordnung der Stadtvcrtre- tungssitzung von Montag befand sich ein Antrag auf Abschlug eines Tauschvertrages mit dem Verein zur Errichtung eines römisch-katholischen Gotteshauses in Lieben, wonach diesem Verein im Tauschwege ein Grundstück auf dem Tyrö-Plah in Prag VIII. zum Bau einer neuen Kirche abgetreten werden soll. Ein tschechisch-bürgerlicher Vertreter verlangte in Vertretung der Lokalinter- cisen die Vertagung. Genosse Hlaväiek(Sozialdemokrat) und Dr. V a c e k(Kommunist) svrachcn gegen den Antrag. Bei der Abstimmung blieb der Antrag auf Vertagung mit 87 Stimmen in der Minderheit. Es kam daher zur nieri- torischcn Abstimmung, bei welcher für den Antrag auf Abtretung des Grundstückes nur 22 Stimmen abgegeben tvurdcn, so daß er in einer verschwindenden Minderheit blieb. Für die katholische Kirche stimmten auch die Jüdischnationalen und die Deutschbiirgerlichen, der Vertreter unserer Partei stimmte selbstverständlich mit den tschechischen Linksparteien nicht für den Antrag. In der gestrigen Stadtvertretung wurden mit den Stimmen der Mehrheit 22 G e- m c t n d e a b g a b e n ungefähr in der bisherigen Höhe auf weitere sechs Jahre, beginnend mit l. Jänner 1938 beschlossen. Für Prager Telephonintereffenten. In den Häusern, in denen im letzten Quartal nach Ueber- stcdlung oder Aufhebung einer Tclcphonstation eine Leitung freigewordcn ist. kann billig«in Telephon erworben werden, und zlvar wird, wen» sich die Leitung direkt in der Wohnung befindet, die Telephon« vcrivalwng das Telephon für 200 Xi einrichten, falls es sich um eine Leitung im selben Hause(wenn auch in einem anderen Stocklverk) befindet, für bloße 230 Xi. Für die Fälle, wo es sich um eine, bereits längere Zeit fertiggewordene Leitung handelt, gelten die gleichen Bedingungen, wenn die Leitung noch verwendbar ist und keine technischen Hindernisse bestehen. Diese Begünstigungen gelten für ganz Prag, austcr Liben und Bysokauy. Anfrage» beantwortet oas Telegraphcubauamt Nr. 2 in Prag ll.. Jin- dliskä 0(gegenüber der Hauptpost). Bo» der Strfanik-LolkSstrrnwarte in Prag. Im Monate Juli ist die Sternwarte dem Publikum täglich, allster Montag, um 0 Uhr abends zugänglich. Für Vereinsbesuche tagtäglich auster Montag 8 Uhr abends. An den Haupitagen der Olympiade wird die Sternwarte von 10 bis 12 Uhr und von 10 bis 10 llhr, abends von 20 bis 22 Uhr geöffnet sein. Bcsichtigunasprograinm: Vom 1. bis 13. Juli: Planet Jupiter und kleinere Doppelgcstirne; vom 13. bis 23. Juli: der Mond und der Jupiter. Leichtester Zugang zur Sternwarte von der Drahtseilbahnstation. Tu Prager Mrtlufc Am 23. hörte man aus Friedland die Uebertragung der Feierlichkeiten bei der Enthüllung des W a l l e n st e i n- Denkmäler. Bemerkenswert Ivar die gedankentiefe und formschöne Festrede Prof. Dr. MühlbergerS, der Wallenstein würdigte als Sinnbild des ringenden Menschen, als Ausdruck der Sehnsucht»ach Ausgleich und Versöhnung. Aus der Ansprache des Obmannes des Friedländer Ver- schönerungsvcreines, Herrn Dir. Emil Thmn. konnte man entnehmen, dast die auf den« Marktbrunnen stehende Walleiisteiiifigiir ein Werk deö akad. Bildhauers Heinrich Karl Scholz ist.— Was für den Sport zu sagen ist und was oft als Einwendung gegen ibn zu hören ist. das gaben kurze Gespräche eines Hörspieles wieder, das von Dr. Heimert nach sachlichen Richtlinien von Dr. Püschl versaht wurde anlästlich des Turnertagcs im Juni. Titel des Spieles:„Dem Volte gilt's". Die gegenwärtig mit besonderem Eifer tätigen Bemühungen, di« Ertüchtigung und Erneuerung des Volkes nur in seiner körperlich-sportlichen Schulung zu erkennen, scheinen mir denn doch so einseitig, dast es an der Zeit ist. dem Propagandazuge des Leibes endlich doch auch einen des Geistes anzugliedern.— Einen schönen Vortrag brachte am Sonntag Genosse Fritz Rosenfeld mit der Betrachtung„Filme verändern di« Wrlt". Fast auf allen Gebieten des Geisteslebens Gcrichtssaoi Anonyme Denunziationen Lier Monate Kerker für ein« anonyme Mordbrzichtigung. Prag, 2. Juli. Die 34jährige Anna Adam, die heute vor dem Senat No sek deö Verbrechens derVerleumdung angeklagt war, repräsentiert einen kriminellen Typus, dessen unheilvolle Wirksanikeit schon oft zu tragischen Folgen geführt hat. Die Angeklagte hat sich zum Schaden eines mistliebigen Nachbars auf die anonyme brief■ liche Denunziation verlegt. Im Herbst des Vorjahres gingen der Direktion der ModkanerZ uckerfabrik mehrere Briefe zu, in denen ein Angestellter dieses Betriebes nauienS Stanislav I e l i n e k des fortgesetzten Diebstahls von Wagenplachen und anderen Gegenständen beschuldigt wurde. Die Direktion ordnete auf Grund dieser Anzeige eine strenge, aber unauffällige Kontrolle des Beschuldigten an, die das Ergebnis hatte, dast Jelinek sich auch nicht der kleinsten Verfehlung schuldig gemacht hat. Ann suchte die Gendarmerie die Briefschreiberin zu ermitteln(unterzeichnet war der Brie» mit dem fingierten Namen Anna Tejiek). Die Nachforschungen blieben ergebnislos und die ganze Sache wäre vernmtlich eingeschlafen, wenn nicht den» zuständigen Untersuchungsrichter im I ä n n e r d. I. ein Brief zugegangen wäre, in welchem behauptet wurde, Stanislav Jelinek sei der Mörder derProstituiertenVransky, deren Ermordung am letzten August v. I. bekanntlich die Oef- sentlichkeit in hohen» Grade aufgeregt hat. Die. Polizei verfolgte pflichtgemäß die vermeintliche Spür und Stanislav Jelinek hatte unangenehme Tage zu überstehen. Er konnte glücklicherweise seine Unschuld in der überzeugendsten Art nachweisen. Da aber die Anzeige beim Untersuchungsrichter zweifellos von der gleichen Hand Zerrührte, wie die Vorherigen anonymen Beschuldigungen des Jelinek, die der Fabrikdirektion zugegangeil waren, verdoppelte der Fahndungsdienst seine Anstrengungen, um der Denunziantin auf die Spur zu kommen. ES gelang tatsächlich einen Anhaltspunkt zu finden, indem man daS verwendete Briefpapier zmn AuS- punkt der Nachforschungen machte. Es gelang, den Papierhändler ausfindig zu machen, der das betreffende Papier geliefert hatte und ans dem Kundenkreis dieses Kaufmanns holte man sich dann die Anklagte heraus, die in der kritischen Zeit gerade solches Papier eingekauft hatte. Schriftproben ergäbe»» dann nach den» Gutachten der Schriftsachverstä»»digen die hundertprozentige Gewißheit, dast die'Anna Adam tatsächlich die verschiedene»» Denunziationsbriefe ge- schriebei» hat. Der SchuldbcweiS war vollkommen eindeutig. Sonderbar wirkt i»ur der Umstm»d, dast Jelinek überhaupt nicht weist, wodurch er sich den Hast der Angeklagten zugezogen hat. Er war ihr Wohnungsnachbar und es mag vielleicht hin und.wieder kleine Gegensätze gegeben habest aber von irgend einem ernstlichen Zerwürfnis ist keine Rede. Nach Meinung' psychiatrischer Fachmänner ist übrigens die anonyme Angeberei eine krankhafte Erscheinung und ihre'AuS- über sind als seelisch kranke Personen anzusehen. Anna Adam wurde schuldig erkannt und za vier Monaten schweren Kerkers verurteilt— bedingt auf drei Jahre. rb. Spart»Spiel• Körpemllepe Bürgerlicher Sport Dir Mitropacup-Spiele brachten diesen Sonntag einige hohe Resultate. Vor allem überrascht die hohe Niederlage von Rapid Wien, welcher in Bologna vom FC. mit 1:6(1:2) geschlagen wurde DaS Spiel soll sehr roh von feiten der Italiener geführt worden sein.— Admira Wien, die zweimal mit FC. Napoli unentschieden spielte, gewann in Zürich das e»»tscheidende dritte Spiel mit 3:0(1:0). — In Budapest siegte Juventus über Ujpest mit 3:1(1:1).. DFC. Prag, der am Samstag in Birenbach geschlagen wurde, ko»»nte auch am Sonntag in Aussig im Goldpokalspiel gegei» DFK. keine Lorbeeren ernten, obwohl er in stärkster Aufitellung antrat. DaS Spiel, das»»ach der Pause ausartete, endete 8:3(2:2). Spitt mit Schienbeinbruch. Ji» dem am Sonntag in Karlsbad stattgefundenei» Sommerpokalhat der Film als Reformator gewirkt— günstig und ungünstig. In Meerestiefen und Wolkenhöhen ist er eingedrungen; Fernes hat er in unsere Nähe gerückt, Rätselhaftes hat er entzaubert. Wie kein« andere Kraft hat er beigetragen, das Weltbild der Menschen zu formen. Nur seine eminente Fähigkeit, die Welt zu verändern im Sinne einer pchitiven Kulturentwicklung, kann er nicht restlos entfalten, solange er im Besitz der an der Unveränderlichkeit des Daseins interessierten Mächte ist.— Mit den besonderen Eigenarten der nordböhmischen Kurort« Karlsbad, Franzensbad, Maricnbad und Teplitz« Schönau machte das aktuelle Gespräch.Prag geht in die Kurorte unserer Heimat" bekannt. Jng. Rob. Gastmann war der Reporter für eine kur« und unterhaliungsbedürftige Dame. Die Montagsendung war durch üstnosphärisch« Störungen fast»mhörbar. Die für Dienstag versprochene Uebertragung eines Bortrages Wer Leit- meritz und eines Bortrages über„Masaryk in Genf" mußten wieder einer Reportage über ein Fußballwettspiel weichen.— Der Mittwoch und der Donnerstag gehörte den dienstlichen Verpflichtungen des Berichterstatters.— Am Freitag wurden wir mii einem Querschnitt aus dein historischen Drama„Der Jude von Prag" bekanntgemacht. KolärS Drama aus der Zeit der Schlacht am w«ißen Berge ist ein ungemein fesselndes Werk, reich an starken dramatischen Spannungen, reich an kulturpolitischen Werten. Die deutsche Uebersehung stammt von Dr. Stil« spiel KFK.—Bohemians Prag, da» der KFK. mit 2:0(1:0) gewann, wurde.der Karlsbader Mittelläufer so roh zu Boden gerannt, daß er mit einem Schienbeinbruch in» Spital gebracht werden mußte. Der" Geprügelt« ist schuldigt Wie da» ,.Pr Montagsblatt" berichtet, wurden am Sonntag von der Strafkommisstoy des. Westgaue» u. a. auch die Prügelszenen in Bleistadt behandelt. WaS da her« auskam, ist wert, der Mitwelt zu Überliefer»». Bet dem Spiele Bleistadt—Drahowitz wurden bekanntlich die Drahowitzer von den fanatischen Zuschauern gehörig verprügelt. Nun wurden in der obigen Sitzung die Bleistädter freigesprochen und.ein Drahowitzer Funktionär bestraft... wahrscheinlich deshalb, weil es sich verhauen ließ.. Sonstig« Fußtallrrgrbnifie Mm Sonntag. Raudnitz: SK. gegen DFC. Budwei» 2:2(2:2). — Teplitz: DFK. Komotau gegen VfB. 3:2 (1:1).— Reichenberg: RFK. gegen BSK. Gablonz 4:1(1:0).— Brünn: Moravia gegen Mor. Slavia 6:2(1:2).— Stockholm: Schweden gegen Norwegen 3:3(2:3). Dir leichtathletischen Frauen-Meifterschaften der Tschechoslowakei wurden Samstag und Sonntag in Prag ansgetragen. Besuch wär fast keiner und di« Organisation sehr»nangelhaft. Die Ergebnisse: 100 Meter: Koubkova(BS. Prag) 12.4 Sek.; 200. Meter: Koubkova 23.8 Sek.(Rekord); 800 Meier: Koubkova 2:33.6 Min.; 80 Meter Hürden: Slavjakova(BS. Prag) 18.8 Sek.; 4X100 Meter: Reichenberger SK. 64.2 Sek.; 4X200 Meter: SSK. BudweiS 2:04.8 Min.; Hochsprung: Koubkova 1.46 Meter; Weitsprung: Koubkova 6.60 Meter(Rek.); Kugel: Pekarova(Slavia) 11.21 Meter(Rekord); Diskus: Dudova(Slavia) 85.24 Meter; Speer: Ho- likova(Slavia) 82.51 Meter. Finnland schlug in B i b o r g im Leichtathletik« LänderkampfNorwegen mit 108:65 Punkten. De« Frauen.Schwimmländrrkampf Tschechoslowakei—Ungarn, welcher Sonntag in Budapest zum ersten Male ansgetragen wurde, gewann di« Tschechoslowakei' mit 88:80 Punkten. Die Betreterinnen der Tschechoslowakei besetzten mit Ausnahme de» Kunstspringens alle ersten Plätze, lieber 100 Meter Rücken stellte Freund(Preßburg) mit 1:25.8 Min. einen neuen tschechoslowakischen Rekord auf. Die Grhrrmristrrschast der Republik über 26 Kilometer, welche Sonntag auf der Strecke Prag— Beran» zur Austragung gelangte, gewann Zofka (Prag) in neuer Rekordzeit von 2:14:08 Std. Kunst hm Wissen Neber die kämmende Spielzeit Im Deutsche« Theater Laut einer Mitteilung des Direktors soll der Sep t e m b er-Spiclplan-es Reuen Deutschen Theaters in der Oper u. a.„Fidelio" bringen, ferner„Don Carlos" von Verdi,„Entführung aus den» Serail" vm» Mozart(neueinstudiert und neuinszeniert),„Manon" von Massenet,„Walküre" mit den Schwestern Konetzni als„Sieglinde" und „Brüichilde", im S ch aus P f e.l: Shakespeare» „Othello", Wedekind».Lhloß Wetierstein"(zum 70. GebürlSKtz dH» Dichter»), Olga ScheinpflugS „Schaukel", Lonsdales„Die Katze läßt das Mausen nicht", Ibsens„Hedda Gabler", Wildes„Bun- bury",„Danton» Tod" von Büchner und„Die Nacht vor den» Ultimo"'von Lothar und Adler, in der O p e.r e.t't,«: Zellers„Der Bogelhänd« ler" in der Neubearbeitung, Benatzkys„Da» kleine Cafii", Abrahams„Das Märchen im Grand-Hotel" und Kälmans„Teufelsreiter". Ans der nartei Ausweis für den Monat Juni 1VS4 (Die erste Zahl bedeutet Parteifonds, die eingeklammerte Wahlfond».) Bodenbach Xö 860.—, Brünn Xi 1.200 (800.—), Karlsbad XS 5.680.—(1.420.—), Pilfen-Budweis XL 1.020.—(220.—), Prag Xi 615.—(162.—), Preßburg XL 60.—(15.—), Sternberg XL 1.280.— (820.—), Teplitz-Saaz XL 2.640.—(660), TrautenauXö 1.840.—(800.—), Troppau XL 2.128.—(582.—). Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Heute im Parteiheim: 7 Uhr Di e n st e i n t ei l u n g für di» Olyn»piade. 8 Uhö: Kr e i» a p p e l l für sämtliche Mitglieder. Politisches Referat und, Lagerbericht. pänek, der auch die erklärenden Worte zn der von Viktor Sordan redigierten Uebertragung sprach. Ko« lär, Vertreter der Spätromantik, geistig verbunden mit E. Th. Hoffmann, stark beeinflußt von Lessing, bedeutend als Ueberietzer Shakespeares, Goethes und Schillers, ist«in Dichter mit stark dem Gespensterhaften zuneigender Phantasie; seine Tragödien atmen wilde Leidenschaft und entlade»» ihre satirischen Kräfte in drastischem Humor. Bei ausgesprochenem Na- tionalismus verlangen sie Verträglichkeit. Für ünS von besonderem Interesse ist die Erscheinung, daß im „Juden von Prag" Tschechen und Deutsche in schicksalhafter Verbundenheit gemeinsam den Staat verteidigen gegen die Habsburger. Man darf wohl hoffen, daß die deutschen Bühnen KolärS Drama nicht übersehen werden.— Die Samstag- und Sonntagsendungen konnte ich leider nicht enipfangen; erst am Spätnachmittage waren die Störungen soweit behoben, daß Liblitz hörbar wurde und das nette Singspiel.Die Glückskinder" von Tr. Reinhard und Albert, mit Musik von Wüstinger^ vermittelte. Spielleitung: Werner Jtten, musikalische Leitung: Kapellmeister Singer.' Es ist ein reizendes kleines Spielchen mit anheimelnder Musik. Die Ritwirkende»»(wohl meistens vom deutschen Theater in Prag, daneben ein für uns Teplitzer unvergessener Name: Lissy Helling) waren freudig bemüht, daü liebe Sächelchen mit aller Luftigkeit seines poetischen Gemütes aus dem Mikrophon zucheben. Thöner. TROTZKI Geschichte der russischen Revolution M. 1: Die Februarrevolution M. 2: Die Oktoberrevolution Beide Bände zusammen nur Kl110*— Jeder Band einzeln Xt 60*— Bestellungen an die Zentralstelle für das Bildungswesen PRAHA XII, Slezskft 18 Verclnsnadiriditcn Deutsche Volksfinggemrinde Prag Alle akfiven Sangesgenoffen, die an dem B e- grüßungrabend des Olympiade-Ausschusses am 7. Juli im Saale des Narodni dum» in Sm:< chov mitwirken, werden ersucht, bet der letzten Probe zu dieser Bera»»staltung am Dienstag, den 8. Juli, um 8 Uhr abends im Probelokale der Beseda bestimmtest zu erscheinen. ES ist Pflicht eine» jeden aktiven Sänger», unsere Genossen, die die weiten Reisen au» dem In» und Auslande nicht scheuten, würdig zu begrüßen und alles zu tun, damit sich unsere Gesinnungsgenossen in der Feststadt der 8. Arbeiter-Olympiade wohlfühlen. Par Film Auf der Suche nach Atlanfi». Der Titel diese» FilmS ist irreführend. Denn er bringt nicht Spuren eines angeblich versunkenen Erdteils zu Gesicht, sondern Bilder von einem durchaus existierenden. Er zeigt(keineswegs ungewöhnliche) Ansichten aus den Staaten Zentralamerikas, die in deutscher Sprache langweilig erläutert werden, lieber das Leben-in jenen Zonen ist aus den erzählende»» Büchern Trabens und aus den berichtenden Alfons Goldschmidts Anschaulicheres zu eninehmcn, als aus diesem Film. — eis—.. Hin» In Prager LlditsplelMusnn Adria:„Ein feiner Herr".— Alfa:„Die falschen Zwillinge".— Avion:„W e st f r o n 11 0 1 8". — Beranek:„Unbekannte Melodie".— Wenig: „Laurel und Hard») hinter Schloß und Riegel". Flora:„Unbekannte Melodie".— Gaumont:„Ein feiner Herr".— Hvkzda:„Auf der Suche nach Atlantis".— Julii:„Die Schlacht".— Kinema, v.» Th»: Journal, Lustspiel, Reportage. Koruna: „Laurel und Härdy hinter Schloß und Riegel".— Kotva:„Mit Zane Grey ins Reich der Meeresungeheuer".— Lueerna:„Mit Zone Grey in» Reich der Meeresungeheuer".— Metro:„Die goldene Katharina".— Passage:„Zwei Herzen in Zärtlichkeit vereint".— Praha:„Mörder unter un»".— SkMttr „Die Tochter des Admirals".— Svktozor:„Ein feiner Herr"..— Alma:„Der Adjutant Seiner Hoheit".— Bajkalr„Die sechs Frauen Heinrich» des Achten".— Belvedere:„Aus Liebe".— Beseda: „Großfürstin Alexandra".— Favorit:„Ihre Majestät die Liebe".— Illusion:„Die Bettlerin vöu Notre Dame".— Lid«:„Ein Herz für ein Lied".— Louvre:„Marokko".— Mareöka:„Frigo—. der Frauenverführer".— Roxy:„Die goldene Katharina".— Sport-Smichov:„Ein Herz für ein Lied". „Blumen-gauberduttg", das Müteruvrmder Blumen an allen Fensternl welche Freude für den Besitzer wie für den Beschauerk Wenn Sie Ihre grünen Lieblinge kräfttgen und zu reichem Blühxn bringen wollen, verwenden Sie„Blumen-Zauber- düng', ein erprobte», billige» Düngemittel, ei« wahrer Wundertrank für Ihre Blumen. Jetzt müffen Sie mit dem Dungguß beginnen! Bestellen Sie sofort ein Paket bei der nachstehend angegebenen Adresse und legen Sie den Betrag von Xi 8.30 in Briefmarken bei. Alle Bestellungen richten Sie an die Verwaltung„Die Unzufrirdene", Prag XII.-, Fochova tr. 62. Abonniere ab.;.'», 1984 da» täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „eosioUemotrar Verwaltung Prag Xll., Fochova tt. 62,' zum Preise von 16 Xi monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt de» Erlagscheine» ein».:- Name:..«.•■■»■■■■,»■• Genaue Adresse:..,. Letzte Post:............ Unterschrift:.....,,. Be,ug»bedtng.ungen: Bet Zustellung in» Hau» oder bet Bezug durch dt« Poft monatlich Xi 16.—. vierteljährig Xi 48.—, halbjährig Xi 96.—. ganzjährig Xi 192.—.— Inserat««erden laut»-"fi billigst berechnet. Bet öfteren Einschaltungen Prei»nachlaß.— Rückstellung von. Maniskripten erfolgt nur bet Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Po«, und Tttem-ai-ben« direktwn mit krlaß Nr. 18.800/VII/1980 bewilligt.— Druckerei: jDrfii»", Druck«, Verlag», und Zeiüuig»-A.-S., Prag. egrao