14. Jahrgang Sonntag, 8. Juli 1934 Nr. 157 Papen fährt nach Neudeck Die Stellung des Hitler-Kabinetts stark erschüttert? Mbg. Heinrich Maller r Internationales Bekenntnis Mr Arbeitersportler Verl!», 7. Juli.(Tsch. P.-B.) Vizekanzler von Pape« ist«ach Rcudeck zu««er Besprech««-, mit dem Reichspräsidenten vo« Hindenburg gefahren. I« politische« Kreise» wird dieser Reise, die mit de» Ereignissen der letzte« Tage in direktem Zusammenhang steht, grundsätzliche Bede«t»«g beigcmessen. Rach der i» der politische» Oeffeutlichkeit vorherrschenden Meinung ist die S t e H«« g des Kabinett« Hitler stark erschüttert. Diese Anschauuug wird durch das merkwürdige Schweige» der Regierungsstellen über die Ereignisse der abgelaufene» Woche erhärtet. Weder Reichskanzler Hitler,»och der preußische Ministerpräsident Goering, noch der Propagandammister Dr. Goebbels haben es bisher gewagt, mit einer deutliche« Erklärung über die Ursache» der drastischen Maßnhme» des vergaugenea Samstag vor die Oeffeutlichkeit zu treten. Unter der Bevölkerung Herrscht weiterhi» eine gedrückte Stimmung, bie»a>- cherorts emo» panikartige« Charakter annimmt, da die radikale» Elemente die Gelegenheit benütze», mn gegen die unbefriedigende« Berhältnisie z» agitiere». A»S diele» Orte» wird ei» Auflebe» der kommuuistifche» Propaganda gemeldet. Via Kuba vor den Sturm? Der Berliner Reuter-Berichterstatter meldet: I« Deutschland Herrscht zwar»ach nnßen- hin Ruhe, aber unter dieser scheinbare« Ruhe dmbirDt sich eint düstere Unruhe hauptsächlich deshalb, weil in ganz Deutschland etwa drei Rillioue» uuter Waffe« stehe«, denen zu 78 Prozent die Gefahr droht, daß sie nicht mehr in die«enorganisierte SA ausgenommen werde«. Di« kürzlichen Hi»richtu«ge« habe« all- g eme ineUnzufriedenheit hervorgern- feu und damit eine günstige Atmosphäre für die Propaganda der schärfste» Opposition geschaffe«. Einige SA-Abteilungen sind bereits zu« Ria- mnuismusübergegangen. Diesen«Nz»friede«e» Elemente« kann die Hitlerregierung 100.000 Mau« Reichswehr, 12.000 Man» der nnter dem Befehl GoeringS stehende« Sonder-Polizei«ad 20.000 hitlertreue SS-Leute entgegenstellen. „Noch unter SO“ Mc erste offizielle NdM Ober die Zahl der Opfer Unter dem Druck der ausländische« Schätzungen über die hohe Zahl der Todesopfer der blutige» Bartholomäusnacht sehe« sich die Berliner amtliche« Kreise nunmehr doch zu einer Stellungnahme genötigt, Statt die vollständigr Lisa der Hingerichtete» z» veröffentliche«, begnügt sich die amtliche, durch das Deutsche Nachrichtenbüro verbreitete Meldung mit der„scharfe» Ablehnung" der»«gebliche«„Sensatiooe« der A»sla»dSpreffe über die Ereignisse am 30. J««i »nd 1. Juli". Die Zahl der dabei Hingerichtete» Personen soll nach dieser Meldung„■ o ch nnter 50" lieg«. Auerdem werde« auch«och die auSläudische» Preffemeldunge» über ei» augeblich auf Hitler««läßlich des Besuches eiurs Ko»ze»tratiouSlagerS am 20. Juni««1er»omme- »e« Attestates dementiert. Rach Meldungen Pariser Blätter sollte dabei ei» Arbeiter zweiGchüsse abgegebe« Habe», die aber ihr Ziel verfehlten. Der lutste Befehl des Fememörders Heines über die Auflösung der SA Ein Geflüchteter aus der Umgebung des Fememörders Heines gibt uns Über den • Abschied des Heines von seinen Leuten folgenden Bericht: Am 27. Juni rief unS der Polizeipräsident in seine Privatwohnung nach dem Salvatorplatz. Sechs Mann von seinem Stab, vier Sturmhauptführer, alte Mitkämpfer von Heines, trafen mit uns, gleichzeitig bei ihm ein. In der Tür trafen wir, stehend, den Kommissar der, Gestapo Hein- Kirsten. Heims empfing uns:„Kommt herein, Leute k". Wir stellten, uns in. seinem Arbeitszimmer auf. Als die.Tür ins Schloß fiel, hockte sich Heines auf den Schreibtisch.„Der Stabschef Röhm hat mich zu sich gerufen. Den Peter(gemeint, ist Peter von Heydebreck) uist» Obergruppenführer Ernst werde ich dort treffen. Der, Führer will,nicht, daß.'wir uns gemeinschaftlich treffen. Goering hat mich ersucht, als Polizeipräsident in BreÄau zu bleiben. Leute"—. Und plötzlich steht Heines auf, gräbt die Hände in die Hosentaschen: „Unser Stabschef rüst mich zu einer Besprechung. Ihr wißt, die SA soll in Urlaub gehen. Wir wol- len es nicht zulassen, daß die alten Kämpfer jetzt, da man sie nicht mehr braucht, in den A... getreten werden. Wir werden das dem feudalen Goering schon- au S- rede n. Erst haben sie uns monatelang mit der Sammelbüchse auf die Straße geschickt— das Geld haben sie schnell eingefordert und— ihr sollt gehen, ohne etwas zu fressen zu haben." Seine Hand fährt durch die Lust:„D a S gibt eSauf keinen Fall.— Spätestens am Sonntag bin ich wieder hier.— Adjutant S chmidt, du kannst dich bei K i r- st e n.etjvaS aufhalten, ihr anderen seid bis Montag früh beurlaubt, Schmidt gibt euch die Urlaubsausweise. So, Jungens, nun könnt ihr gehen. Schmidt, du.bleibst hier und bringst• mich zur Dahnl". Um 10.82 Uhr besteigt Heines den Breslau—Münchener Schnellzug. Am 20.. Juni, abends 8 Uhr, in einem Breslauer Bierrestaurant sitzend, erfährt Schmidt durch K i r st e n, den Kommissär der Geheimen Staatspolizei, daß sämtliche SA-FÜhrer Breslaus, Brigadeführer Wilhelm Herdt, Oberführer Böhme, Standartenführer H e q s e, zu überwachen und festn KartonehMidcl in Berlin Seit Freitag leidet die Berliner Bevölkerung unter einem Mangcl an Kartosfeln. Auf den Berliner Drückten stellten sich am Samstag lange Reihen von Frauen an, welche Kartoffcleinkäufe aus den noch vorhandenen bescheidenen Vorräten vornehmen wollten. Die Mehrzahl dieser Frauen mußte aber unverrichteter Dinge wieder abziehen. Vielfach mußte die Polizei auf den Märkte» die Ordnung wieder Herstellen. Andauern der Kampfe im Jordan-Viertel Amsterd« m, 7. Juli. Heute nachmittags haben sich neue Ausschreitungen ereignet. Die Polizei war genötigt, von der Schutzwafse Gebrauch zu machen. Ein Mädchen wurde verletzt. Die Aufständischen errichteten neue Barrikade« und hitzten auf ihnen die Sowjetfahnr. I« jene» Stadwierteln, in denen die Ausschreitungen bisher nicht niedergeschlagen wurden, hat die Palizei der Bevölkerung befohlen, ihre Wohnungen nicht zu vrrlaffen, und droht, auf jeden zu s ch i e h e n, der den polizeilichen Anordnungen nicht Folge leiste.' Die Kämpfe dauern an. AuS dem Jordan-Biertel ist M a s ch i n enge w e hr f r u e r zu hören. DaS Gebäude der tominnnistischen Zeitung „De Drid u n t" wurde am Sonnabend Nachmittag von einer starke« Polizeiabtrilung besetzt. Die Setz- und Druckmaschinen sind beschlagnahmt worden. Ja I D a S i st unser o l h u« p i s ch c r Gedante: In intcruationaler Zusammenarbeit die Freiheit der Arbeiterschaft erkämpfen, die Möglichkeit schaffen, daß das, ivas Ivir uns als Ziel gesetzt, die Menschen körperlich stark, sie gesund und sroh zu machen, erreicht Ivird, hiezu aber in politischen und wirtschaftlichen Kämpfen die Grundlagen und Fundamente zu schaffen. Deshalb tragen wir Arbeitersportler die rote Fahne der Jnternatianalität, deshalb folgen wir überzeugt dem Ruf:„Proletarier aller Länder, Di krlttMBcr int in Barls Paris, 7. Juli. Die ehemaligen Frontkämp fer,.die. in der sozialistischen rind in dec.kommu nistischen.Partei organisiert sind, haben gestern internationaler Betätigung, der Wille zur Br abends beschlossen, am Sonntag nachmittags eine, ständigung der Völker besonders lebendig ist. große Manifestation auf der Place de NationS zu! jjjjj-- veranstalten. Der.Ministerrat hat beschlos sen,'am Sonntag alle angekündigtcn Volksver sammlungen und Umzüge zum Grabe des Unbe kannten Soldaten zu gestatten, doch hat die Pols- zeipräfektur Sicherheitsvorkehrungen getroffen daß die Umzüge der Organisationen verschiedene« politischer Richtung nicht zusammen treffe n und aneinandergeraten können. Man erwartet deshalb, daß der morgige Tag in voller Ruhe verlaufen, wird. zuhalten sind. Schmidt begibt sich sofort in die Autogarage. Zwei SA-Leute gehen mit ihm, um aus Breslau zu flüchten. Obergruppenführer Ernst, Berlin, ist auf eindringlichen Rat vom Grafen Helldorf, Potsdam, der Besprechung in WieSsee ferngeblieben. Sein Absagebrief ist auf dem Schreibtisch Röhms— v o Goebbels gefunden worden. Tretiranns— Emigrant In EntaMI London, 7. Juli.(Reuter.) In London zirkulieren unbestätigte Gerüchte, daß der ehcmaligc deutsche Reichsminister T r e v i r a n u S, von dem gestern berichtet wurde, er sei erschossen tvorden, nach England geflohen sei und sich irgendlvo in Dorsetshire aufhaltc. AuS Berkin sei er wie durch em Wunder entkominen, denn sein Auto sei be- schosien worden. m Henker wird MWdert; Der Kommandeur des Feldjägerkorps, Standartenführer Fritsch, ist in»Anerkennung seiner Verdienste um die Niederschlagung der Röhm-Revolte" zum Oberfiihrer ernannt worden. Das Symbolische der großen Feste der Arbeitersportverbände liegt nicht allein in der Vorführung massensportlicher Darbietungen, sondern in eindrucksvoller Weise in der Betonung des großen internationalen Gedankens, der dem Arbeitersport innewohnt. Zwar sind auch die bürgerlichen Sportfeste„international". Auf diesen Festen herrscht aber scharfer nationalistischer Kamps gegeneinander sowohl auf den Uebungs- plätzen als auch in der ganzen Durchführung. Die Feste des Arbeitersports jedoch zeigen eine feste internationale Verbundenheit, zeige«: die große Zielsetzung dieser Bewegung und über alles Sportlich-technische hinaus die gewaltige internationale Verbrüderung aller Teilnehmer. Wenn zu den großen Sportfesten der Arbeiter die einzelnen Verbände so gekvaltigc Delegationen vo>« tausenden begeisterten Arbeitersportlern aufmarschiercn, die aus eigener Kraft, mit Verzicht auf inanche Annehmlichkeit d u r ch langes Sparei«, die Kosten für den Besuch der Feste aufgebracht haben, so zeigt das niebt nur von durchgreifender Organisation, sondern auch von dem Geist des internationale«« Sozialismus, der dort in hervorragender Weise gepflegt«vird So hatte z. B. der„A T ll 2" in Leipzig 0000, in Wie«« 3000, in Nürnberg, Franlsurt und auf den tschechischen Olympiaden viele Tan- sende Teilnehmer gestellt. Besonderen Wert legt die große Organisation des Atns jedoch daraus, daß in unserem von vielen Nationen beivohnten Lande selbst, praktische internationale Betätigung in lebendiger Form zum Ausdruck kommt. Wir Arbeitersportler sind stolz darauf, daß wir schon im Jahre 1920 die ersten Beratungen mit dem tschechischen Bruderverbandc D. T.>1. einleiteten und seitdem ununterbrochen in srcuud- schastlicher Arbeit den internationalen Gedanken dienen. Im„Z e n tr alr a t d c r A r b e i t e r. s p o r t- u n d K u l t u r o r g a n i s a t i o n e u> der Tschechoslowakei" haben«vir Tschechen und Deutsche eine Plattform für ständig'' gemeinsames Wirken geschossen. Unsere internationale gemeinsame Arbeit ist nicht nur bei öffentlichen Anlässen erfolgreich,«virkt nicht nur im großen bei den gelvaltigen Maiiifestatione«', sondern auch in der ständigen Arbeit der Verbände, der llnterorganisationcn und der Vereine. Unser« Erzicherarbeit ist auf dieses Gebiet besonders eingestellt. In feder Zeit, auch in Zeiten nationalistischer Hetzloujunltur nahm die Erziehung zu internationaler brüderlicher Gesinnung im Atu» einen würdigen Platz ein. Wie dienen damit nicht nur den Grundsätzen der sozialistischen Ar- beiterinternationalc und dokumentieren öisenl- lich»nd in unserer Vercinsarbeit unseren festen Willen, sondern tvir wirken damit auch für die gewaltige sozialistische Arbeiterbctvcgung überhaupt. Bei der III. Arbeiter-Olympiade in Prag waren in den letzten Tagen 1400 deutsche Arbeiterkinder in Prag. Sie lvurdeit in den Straßen Prags von der tschechischen Bevölkerung srcnud- lichst begrüßt. Es«vor eine Tat, erstmalig eine so große Anzahl deutscher Arbeiterkinder nach Prag zu bringen, die politisch hoch zu tvcrtei« ist. Heute lvcrden durch die Straßen Prags 3500 sozialistische deutsche Arbeiter-Turnerinnen und-Turner marschscren, in der heutigen Notzeit eine respektable Leistung, die zeigt, daß gerade jetzt bei den Arbeitersportler» der Drang nach edler Naksimen, vereinigt euch"; deshalb auch bei unserer sportlichen und kulturellen Tagesarbeit das begeisternde Bekenntnis zum Sozialismus. »Und wenn wir marschieren, dann leuchtet uns ein Licht!" Das leuchtende Fanal der internationalen Brüderlichkeit und wir reichen an diesen Festtagen freudig unsere Hände den tschechischen Brüdern und Schwestern, reichen unsere Hände hinüber in all« Länder voll festen Glaubens, das; allüberall, trotz dieser harten Zeit, unsere Sache siegen mutz. Arbeitersport ist international, er dient^dan Sozialismus und jede große Aktion ist un» Mittel und Anlatz, dies. öffentlich, feierlich zu bekräftigen. Pragist unsdaher nicht nur eingrohe», schönes, freudige» Fest, sondern-iy feier- l i ch e» B« k e n n t n i» z um interna« tionalenSozialiSmuS. Frei Hell dem internationalen Arbeitersport! Frei Heil der Sozialdemokratie! Herr Ab&DhBacher^redenSle! Herrn Hitlers„Bohemia begrüßt die Entwicklung in Deutschland! Wir haben uns vor wenigen Tage» mit dem Schänd- und Jammerbild besaht, das die sudetendeutsche Bürgerpresse grohteil» auch in der letzten braunen Woche wieder bot, und haben dwbei neuerdings auch der ,L)ohemia" gedacht, deren Vergangenheit insbesondere seit dem Hitler-Umsturz ja gar nichts anderes als bestenfalls„Zurückhcütung" erwarten lietz. Aber was sich dieses Blatt in seinem Samstag-Leitartikel leistet, schlägt doch dem Fatz den Boden aus! Dieser Artikel ist wieder von Herrn Rent Kraus aus Berlin gezeichnet und west über das Matz dessen empörend, was noch im Hinblick darauf verständlich wäre, datz dieser Herr Krau» natürlich keine ernste Kritik wagen darf, well sonst einerseits er geköpft oder auf der Flucht erhängt würde und weil ja sonst anderseits die.Äohemia" im Dritten Reich nicht gehandelt werden iBrfte. Und das Geschäft spielt ja hier eine entscheidende Rolle! Aber was sagt man zu den empörenden Gedankengängen der KrauS-„Bohe- mia", die wir hier kurz wiedergcben?: .Der Kreis uni Hitler ist mehr denn je unbestrittener Herr der Lage... llcbergang v o ni M a s s e n st a a t z u m M a ch t'> a a t. Wer um Deutschland» Zukunft besorgt ist, kann eine solch, Entwicklung begrüßen... Wenn man den amtlichen deutschen Berichten Glauben schenken darf— und niemand hat dav Recht, Erklärungen von so autoritativer Seit« zu bezweifeln.. könnte nur grundsätzliches Uebclwollen verschweigen, daß Hitler» Aktion dem Mann auf der Straße im allgemeinen einlcuchtet und manchem unter den Massen der hart um ihre Existenz ringenden, an der Zukunft schier verzweifelnden Menschen neue Z u v e r s ich t auf eine ruhigere Entwicklung ein- nefläßt hat, die auch da» Leben de» einzelnen wieder etwa» glücklicher gestalten'fall.. Ein großer Teil der SA-Männer wird wahrscheinlich nicht» dagegen haben, datz er nur seinem Beruf und seiner Familie ganz zurückgegeben sein wird...- Diese Zitate dürften genügen. Die„Bohemia", Blatt in einer demokratische» Republik, begrützt den llebergang zum Macht sraat! Die „Bohemia" arbeitet an einem tschechoslowakischen Vertrauensvotum für die amtlichen deutschen Berichte, für dieselbe reichSdcutsche Regierung, deren Methoden zur selben Zeit den gutbürgerlichen„Time s" da da» Urteil entlocke, datz„Deutschland aufgehört hat, ein moderner europäisch e r S t a a t z u s e i n" I In rosigen Farben schildert diese„Bohemia" das zukünftige Leven der davongejagten, arbeitslosen SA-Leute, spricht von einem glücklicheren Leben der Massen in jener Pesthölle.die dieselben„TimeS" also cha- rafterisierten: Die brutale Verfolgung aller Menschen, die man für Feinde de» Regime» hielt, oder aus irgendeinem Gmnde al» abseitsstehend betrachtet wurden, dieBeseitigungjederRede- freiheit, und soweit möglich auch jeder Gedankenfreiheit, die Spionen- und Spitzelplage, die da» ganze Land hcimsuchte und jeden Menschen zum Beobachter seine» Nachbarn machte, die Wellen intensivster Propaganda, durch Wort und Bild, die da» Boll in einem Zustand hysterischer Erregung erhielt, die Berkündung verrückter heidnischer Lehren und die beständige Verherrlichung von Kraft und Gewalt— all diese Dinge haben dazu beigetragen, den Abgrund, der zwischen dem hentigm Deutschland and den anderen Kultur- staatrn klafft, nech zu erweitern. Und wahrend die grotze Presse in der ganzen Welt zu ähnlichen Schlüffen gelangt, ivährcnd die „Times" aus Verbrechen und Wahnsinn im Dritten Reich für England die„deutlicheLehre ziehen, den alten Regierungsmethoden, die auf Ueberzeugungen beruhen, t r e u z u bleiben, alle plötzlichen und gewalt- samenMittelauszuschalten", begrüßt die„Bohemia" die Mordentwicklung, die wachsende Brutalität, die himmelschreiende Unfreiheit im Hitlarland. Eine Zeitlang, nach dem Kauderbrief, schien es, als ob die Leiter der„Bohemia" sich doch zu einiger Reserve entsWetzen wollten. Rust haben sie die Halbmaske wieder fallen lassen. Mit einer Unverschämtheit und Verwerflichkeit sondergleichen machen sie Stimmung ftir den FasciSmus, preisen sie den Machistaat, prophezeien ihm eine glückliche Zukunft und allen Menschen darin das beste Leben— wer von den so erzogenen„Bohemia"-Lesern wird da noch Geschmack an der Demokratie, an den demokratischen Einrichtungen der Republik finden? Und das eben ist die furchtbare Schuld, dir aus sich zu laden die„Bohemia" fortfährt.?lber immer noch nicht mit ganz oftenem Visier! Denn diese selben„Bohemia"-Leute haben ja die Stirn, an der tschechoslowakischen Demokratie ständig zu kritteln und zu nörgeln! Der Herr Abg. Dr. Bacher, der von uns Ofigenannte, einer der politischen Führer der,„Bohemia", lätzt keinen Anlatz vorübergehen, ohne sich an der Demokratie bei un» zu reiben, sich als besonder» qualifizierten Demokraten, äl» einen sudetendeutschen Tato im demokratischen Sittenvkrfall diese» Landes aufzuspie« len! Da» neue Pressegesetz hat ihn wieder auf den Plan gerufen, um den Sozialdemokraten vor allem gute Ähren zu geben, wie sie sich Verhalten sollen— sie mögen nur auf ihn schauen! Wir bewundern diese Stirn, die keine Falle zeigt, wenn im eigenen Blatt die deutsche Entwicklung begrützt wird, die unter anderem die vollständige Erdrosselung der freien Presse geführt hat. Wir führen der gesamten tschechoslowakischen Oeffekitlichkeit diesen Herrn vor, dem'» in der Republik zu, wenig demokratisch zugeht, der es aber gleichzeitig geschehen lässt, dass das mordende, hinrichtendr, von der Kulturwelt verachtete Deutschland von heute al» Machtstaat mit glücklichster Zukunft für seine Bürger, begrüßt und bewundert wird. Wir reden nicht vom Thefredalleur Wesselski, der, seit Jahrzehnten konsequent, im Auftreten der SS etwas von seiner entschwundenen alten Burschenherrlichkeit wiederfinden dürfte; wir reden nkcht von ihm, nicht vom Kiiuder und den anderen, die wenigsten» nicht öffentlich vortäuschen, dass sie Demokraten sind. Wir halten uns an den Abg. Dr. B a ch e r, an diesen Patentdemokraten für den Prager Gemeindcbezirk, an diesen Zensor der tschc- choflowakischcn Demokratie, an diesen PrctSfechter der Pressefreiheit. Und wir sagen ihm, datz wir ihm kein Wort von dem glauben, wa» er über Demokratie und Gerechtigkeit zusammenredet und zusammenschrcibt. Denn er ist mitverantwortlich für das, was seit Jahr und Tag in der„Bohemia" geschieht, er ist unS mitvernntwortlich für die verwerfliche Verführung breiter sudetendeutscher BolkSkreise zu fasristischen Gedankengängen. Entweder er rückt endlich offen ab von dieser„Bohemia", deren antidemokratisches Sündenregister übervoll ist oder aber man muh ihm, wo man ihn trifft, alSeinemÄegnerdcrDeino- k r a t i c mit aller Leidenschaftlichkeit und Schärfe cntgegciitreten, die der Kampf um die Erhaltung demokratischer Gesinnung im sudctendeutschen Volk erfordert. HHsliHsdK Oiumotalahrcr ehren Koloman wahisch Trotz dem Kampfe der jugoslawischen Behörden gegen die Sozialdemokratie konnte st« nicht verhindern, dass eine starke Delegation nach Prag fuhr, um an der Olympiade teilzunehmen. Die Delegation— 35 Leute— nahm ihren Wez über Leoben—Linz, unterbrach in Leoben die Fahrt und begab sich auf den Friedhof, um am Grabe Kolonian WallischS Blumen niederzulegen. Ergreifend schildern die Teilnehmer dieser Kwch- gebung die Stimmung, die sich aller bemächtigt«, als sie dem gemordeten Revolutionär den Dank der jugoslawischen Arbeiter zum Ausdruck brachten.„Es war eine Wallfahrt zu dem Grabe des grotzen Märtyrers der österreichischen Arbeiterklasse, die uns allen zu einem unvergetzlichen Erlebnis wurde." So lebt das Andenken an den mutigen und der Bewegung bis zum letzten Blutstropfen treuen Sozialisten auch unter den in tiefer Knechtschaft lebenden und tvirkenden, klassenbewußten Arbeitern weiter, gibt ihnen die Kraft und die Hoffnung für den weiteren Kampf um den Sozialismus. Gemordet Ittr das Großkapital Die Prager Wochenschrift„Deutsche Revolution", das Organ der„Schwarzen Front", herausgegeben von Dr. Otto Stra sser, schreibt über die Mordkampagne in DeMschland u. a.: Dass sich die Hitlersche Aktion bewusst gegen die Kräfte der zweiten Revolution gewandt hat, zeigt ganz eindeutig die Ermordung Engels. Engel hat nie etwas mit der SA zu tun gehabt, sondern war der Gründer und Organisator der nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation. Engel, der— schreibt Straffer— stark sozialistisch eingestellt ist, machte sich wegen seiner radikalen Einstellung für die Arbeiterschaft b e i den kapital! st ischenPartei- kreisen unbeliebt, wurde deshalb vor kurzem auch von seinem Treuhänderposten abberufen— und auch jetzt bei dem grossen Morden mit beseitigt. Gerade der Fall Engel, der mit der SA gar keine Fühlung hatte und nie zu der SA gehörte, zeigt so recht die kapitalistisch- reaktionären Hintergründe diese» Hitler- schen Blutbades. Militär sesen Streikende „Schießt so, daß ihr toter*— Bclchl an die Soldaten San Francisco, 7. Juli. Der Streik der Hafenarbeiter hat sich am Freitag auch auf die Umgebung der Stadt auSgedrhnt» wo Streikposten der Arbeiterschaft aller Branchen zum Generalstreik aufforderten. Ueberall patrouillieren Abteilungen der Gendarmerie und der Rationalgarde, die de» ausdrücklichen Auftrag haben, „Shoot Io kill" lschießt so, daß ihr tätet). Die Streikenden, durch den scharfen Zusammenstoß mit der Polizei in den letzten Tagen erregt, haben sich in der Provinz zerstreut und assitiercn dort hauptsächlich unter den landwirtschaftlichen Arbeiter». In dieser Tätigkeit wurde» sie durch die Nachricht angeeifert, daß die Maschinisten der Dampffähren beschlossen haben, einen Sympathiestreik zu proklamieren und ein gleicher Beschluß auch von den Bediensteten der Straßen bahnen, den Köchen und den Kellnern gefaßt mürbe. Die Streikenden und die Angestellten teilte» den Behörden für den Schiffsverkehr mit, daß sie bereit seien, sich einem Schiedsspruch zu unterwerfen, datz sie dies aber nicht tmi können, so lange die Arbeitgeber ans den gegenwärtigen Be- dingnngen beharren. Die Zusammenstöße habe» zwei Todesopfer und ungefähr 30 Verletzte gefordert. Der Streik der Hafenarbeiter dauert bereit» acht Woche» an. Drahtverhaue gegen Farmer Bridgetown I New Jersey), 7. Juli. Gestern errichteten Truppen in den Straßen Drahtverhaue, um weiteren ernsten Unruhen von feiten der aufständischen Farmer entgegenzutreten. 4 Mr Kondor Von Robert Groetiach Das Publikum des Zoo beäugt ihn>vie ein exotische» Tier. Frauen bleiben stehen und messen ihn mit undeutbaren Blicken. Blaue Litewka, rote Hosen. Man hatte ihm die Tracht seines Regiments gelassen. In so auffälliger Kluft kann ein Gefangener nicht so leicht entfliehen und für die Zoobesucher ist er ein Wunder, farbiger Fleck, wie Leopard oder der Tiger oder die Papageien, die gelbblau und rotgrün im Ringe schaukeln. Jetzt gleitet der blaurote Fleck an den Antilopcngatteru dahin— jetzt macht er bei den Raubvögeln halt. Der Kondor thront unbeweglich auf der Stange. Francois sucht nach einem Gruße.„Kondor!" sagt er nur. Der schaut wie ei» Steinbild an Francois vorbei.„Korrdorl" flüstert Francojs wieder.„Du, der prächtigste unter den Vögeln." Hoch aufgerichtet, den Schnabel geradeaus, die Augen ins Unendliche gewendet, blickt der Kondor über den Blauroten dahin.„Mein Kondor..." E» klingt wie ein Werben.„Du, toeißt du, dass ich dich in unseren Bergen gesehen habe? Wie ein dunkler Stern schwammst du untrrm blauen Himmel! Du bist traurig, Kondor, traurig wie ich. Wir sind gefangen. Willst du mich auf deine Flügel nehmen? Du bist stark, ich bin schwach. Du trägst ein Lamm zu deinem Horst, Kondor. Wenn ich mit dir da weit, weit hinaus könnte. Kondor, hörst du!" Francois schaut sich mir, Leute stehen bei de» Adlern. Er weiß nicht, ob er gesprochen hat, aber eine Stimme klingt in ihm weiter. Der Kondor müsste sie eigentlich hören. Francois hat daheim Hmü»e, Ziegen und Schafe, aber nie hat etwas in ihm so heiss um ein Tier geworben.«Kondor, hörst du mich?" Doch der hat sich zur Seite gedreht. Er sieht nicht mehr über den Blauroten hintveg. Er hat etwas Abaewandtes, Abweisendes, so dünkt es Aranroi». Bon den Eulen her schlürft der Raubvogelwärter. Francois ergreift den Rechen, geht mechanisch zu dem Alten. Die Arbeit bei den Adlern beginnt. Cd Als Francois an diesem Abend in sein Zimmer kommt, liegt ein Brief auf dem Tische. Marguerite. Er reißt das knisternde Papier auf. Das blauseidene Futter sackt heraus, und er denkt an das seidene Froufrou seiner Frau. Hastig liest er zu Ende, um zu den Küssen zu kommen. Und dann wieder und wieder. Es geht ihr gut. Die Kleine hat die Masern gchchbt. Die Rolladen der Apothek- mußten Heruntergelaffen werden. Der Krieg! Alle Medizin für. die Lazarette. Ueberall das gleich«. Und wie ihm zumute sei? Der kleine Hund war jüngst mit dem Schwanz unters Auto geraten und lief mit leicht verbundener Rute umher. Francois muß sich sehen. Die Luft der Heimat umweht ihn. Er küsst den Namen seiner Frau; auf dem Papier bleibt ein feuchter Fleck. Quälende Sehnsucht hakt sich mit langen Krallen in seiner Brust fest, preßt sein Herz, daß es beklommen hämmert und flattert. Bor seinen Augen ist ein Flimmern, als stünde er in heißer Sonne. Die Gitter? Sind sie uniibersteigbar? Einmal entkam ein kleiner Artillerist der Normandie aus dem Lager. Man hört nie wieder von ihm... Francois hat tagelang im Trommelfouer gelegen— was gibt es noch Schrecklicheres, vor dem er sich fürchten müsste?— Sein Blick bleibt auf der roten, fleckigen Hose haften. Kleider! So kommt er nicht über die Straße, geschweige denn über Grenzen. Paula! Nur sie kann helfen. Kleider... In dieser Nacht reisst cs Francois oft aus dem Halbschlaf hoch. Wenn er die Augen wieder schliesst, geht der Traum ruckweise weiter wie ein Flimmerstreifen, den eine dunkle Nacht immer wieder durch, schneidet. Francois hat eine helle, leichte Jacke aus dem Leibe und schreitet auf einer unendlichen Ehaussec dahin. Am Horizont dunkeln die näen zum Himmel empor. Paula trippelt an seiner Seite, kann, kaum Schritt halten. Was soll er mit ihr, daheim, wo Frau und Kinder auf ihn warten? Plötzlich steht ein deutscher Landjturnunann aus dem Lager vor ihnen, packt Paulo» Handgelenk und schleppt sie davon. Das Mädchen schreit auf. Francois schreckt aus dem Schläfe. Sein Haar ist schweißig, seine Brust keucht. Draußen färbt der erste Morgenstreif den Himmel fahl. FrmrcoiS sinkt ermattet in die Kiffen zurück, hört einen Bogelruf. Wo ist er? Warum sticht er im Garten? Die Gitter eine» Raubtierkäfigs sperren ihm den Weg. Der Kondor! Regungslos sitz! er auf der Stange, schaut schräg und hart an Francois vorüber. Der hört sein« eigene Sttmme, fremdartig und als spräche jemand neben ihm... Kondor, du stolzestes unter den Tieren..., ivarum blickst du so abtvciscnd und feindlich? Hast du die Welt am tiefsten erfaßt, Iveil du am höchsten fliegst? Sieh Bogel, mich treibt cs zu dir, immer wieder zu dir! Du bist die Heimat, du bist die Freiheit... Der Kondor wendet den krummen Schnab-l blitzartig zu Francois herum, seine Augen leuchten rot auf und flammten durch das Dunkel. Dann spricht er, als käme seine Stimme aus Urgründen der Erde.„WaS schwatzest du, blauroter Knirps. Du willst fliehen, und ich— ich sterbe im Käfig. Hast du mir geholfen, als ich damals mit Ketten an der Stange des Wanderzirkus hing? Mitgejohlt hast du, wenn ich im Dreck lag und vor Schmach den Staub mit Flügeln peitschte! Du wirst ohne mich fliehen, du Knirps, laß deine Phrasen..." Das Feuer in den flammenden, harten Augen wird greller, züngelt durch die Gitter, Francois kann sich nicht rühren, will schrien, fühlt eine schmeichelnde Hand, feste Finger, hört«ine weich« Stimme:„FraneoiS". Er reibt die Augen. Im Zimmer spinnt graue Dämmerung. Paula sitzt auf der Bettkant«, beugt sich über sein schreck-schweitzigeS Gesicht und kützt ihn lang«, lange. Ihr kräftiger gesunder Körper liegt wie di» Frische des Morgens an seiner Brust. Langsam ringt sich Francois aus dem Nebel fiebernder Träume heraus. Er drängt das Weib sanft von sich, setzt sich aufrecht und schaut wie ein Irrer um sich. Auf dem Tische liegt der Brief seiner Frau. Paulas Kinger wühlen in seinem dunklen Haar, wollen ihn in die Kiffen zurückdrücken. Er wehrt ab.„Nein, nicht... nicht..." Dann schiebt er sie zur Seite, steigt aus dem Bette, geht mit unsicheren Beinen zum Tisch, schiebt den Brief in daS blauknisterndc Kuvert und seht sich matt aus den Stuhl. „Francois, bist du krank?" Sie steht aufrecht und stramm vor ihm. Auf ihrem Gesicht mischen sich Lächeln, Bangen» Verwunderung. „Ah nein, nix kranl", antwortet er und sitzt im Hemd dort, als wollte er vom Stuhle fallen. „Nix krank, nur... weiht Paula..." Er fährt mit der Hand zur Stirn und macht die Bewegung des Wirbels.«Alles im Kreise, alles ringsum. Rote Augen hatte er, rote Augen... und du und ich... weit weg..." Abgerissen kommen die Träume der Nacht... Der Kondor... Die Flucht... Der Landstürmer auf der Ehausse.-. „Nur Kleider brauche ich... Kleider, Paula.." Seine braunen Augen glänzen feucht, werden dunkel, brennend, bittend. Paula tritt«inen Schritt zurück.„Du willst fliehen, Francois, sag's nur!" Er nickt. Sie holt tief Atem, ganz von unten herauf, und lätzt sich wieder auf der Bettkante nieder. Schweigen. Bon draussen her die ersten Rufe ta Fasanen. „Und ich?" fragt Paula. Der Ton zittert. „Ich?" Er dreht den Brief in den Händen, wendet ihn und findet keine Antwort. Langsam hebt er den Blick vom Boden. lFortsetzung folgt.) M.«r. tattg, 8. Juki 1934 Ctüt» Rente: letzter Tag der Olympiade Vormittags: NassenhnndgeDung der roten Sportler Mit einer gewaltigen Maffmknnbgebung bet reim Sportler erreicht heute vormittags di« Arbeitcrolympiade in Prag ihren politisch« Höhepunkt. Zwischen 7 und 9 Uhr vormittags sammeln sich die Teilnehmer an dem Festzug aus dem GeorgSplah in den Weinbergen. Ban dort aus nimmt der Zug fein« Weg über die Fach-Straste, den Wenzelsplatz, die Nationalstraße, die Pariser Straße zum Altstädter Ring, wo die Arbeiternmffen für die Demokratie und den Sozialismus demonstrier« werd«. Nachmittags wird das Sportfest im Stadion sein« Abschluß finden. Der gestrige Tag war hauptsächlich den Wettkämpfen um die Olympiameisterschaft« gewidmet. Aber auch daS Hauptstadion selbst war gestern wieder der Schauplatz prachtvoller Vorführungen. Wieder halt« pch mehr alb 100.090 Zuschauer eingesunden, die mit brausendem Beifall d« Arbeiterturnern und-Tur nerinn« für die formvoll«det« Nebung« dankt«. Besonder« Beifall fand daS bunte Bild der gemeinsamen Uebungen der slowakisch« Arbeitarturn« und»Turnerinn« und daS spannende Renn« der Arbeiterradfahrer. Die Jagend aal der Bühne Am Freitagabend, während drüben im Nationaltheater die Festaufführung der„Verkauften Braut" stattfand und nebenan auf der Schützeninsel die Leuchtfontäne ihre Zauber spielen ließ, hielt die D. T. I.-Jugend in dem groben Saal auf der Slawischen Insel ihren Freundschaftsabend ab. Sie hatte die„Konkurrenz" nicht zu fürchten. Das Hauö war bis zum letzten Stehplatz gefüllt und die Zuschauer zeigten eine unerschöpfliche Beisallöfreude. Mit Recht; denn eS war ein unglaublich reichhaltiges und abwechslungsreiches Programm, das da von Jugendgruppen aus all« Teilen der Republik mit Freude und Eifer vorgeführt wurde. Sie zeigten, dich sie nicht nur turnen können. Sie ließen Sprechchöre mit Theaterszenen, Volkslieder mit Tämzen, Gymnastik mit Blasmusik und akrobatischen Kunststücken wechseln— und sie machten alles, was gelang und was nur halb gelang, mit einem Schwung, der mitreißeird wirkte. Besonders herzlich tvurden die Slowaken aus Kaschau und die Schlesier aus Suchä gefeiert, die in ihren malerischen Trachten schöne und lustige Volkstänze darboten, mit Betvunderung verfolgte man die akrobatischen Leistungen derer aus Jaroinök und auSHnidousy, mitEntzücken die Gruppe der Bonner Tänzerinnen— und mit zustimmender Begeisterung die Propagandaszenen der Prager, den Sprechchor der Mährisch-Ostrauer(der von Not und.Hoffnung der„schwarzen Erde" sprach) und den von Genosien Nekola geleiteten Chor, der Bergmanns- und Arbeiterlieder sang. Der erfolgreiche Abend wurde mit einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Partei, Genosien Hampl, I eingeleitet.—eis—. Massenübungen bet Arbeiterturnerinnen— es war« ihrer 7800— aber bildeten wieder ein« der Höhepunkte dieses herrlich« Festes. Der 1vs«be Beifall der Zuschauer klang ganz danach, als ob fie diesewundervoll färb«-und rhythmuSVvlle Vorführung gerne nochmals gesehen Hütt«. Drei ndzena-rndhflmple In daS Finale der Meisterschaft der III. Arbeiter-Olympiade kämpften sich Pilsen, Mährisch- Ostrau und Brüx durch. Im Finale spielt jede Mannschaft gegen die andere, so dab im ganzen drei Wettkämpfe ausgetragen werden. Tischtennis Samstag vormittags wurden die internationalen Wettkämpfe der Männer ausgetragen. Es traten an: England, ATUS und D. T. I. C. D. T. 1. E. siegte überlegen. Die Engländer besetzten den 2. Platz. ATUS— Sieger im Gewichteheben Die Konkurrenz im Gewichtheben brachte folgende Resultate: Fliegengewicht: S m o l k a, ATUS, 70. Kg. Bantam-Gewicht: 1. Fischer, ATUS. Leichtgewicht: 1. Jenny, Schweiz, 230 Kg. 2. Broj, Pkibram, 207.5 Kg. Leichtmittelgewicht: 1. Gärtner, ATUS, 222.5 Kg. Halbschwergewicht: 1. Hampl, ATUS, 280 Kg. Schwergewicht: 1. Peeniöka, Prag-Zi.skov, 300 Kg. Das Geräteturnen brachte überraschende Resultate. Es beteiligten sich von den Männern 8 Abteilungen und l3 Einzelturner. Den 1. Platz errang Mährisch- Ost r a n mit 630.25 Punkten. 2. wurde Prag mit 605.50 Punkten. Jin Wettbewerb der Einzelturner errang den Meistertitel Frantiöck Luanda, Mährisch-Ostrau, mit 127 Punkten. Von den Frauen traten 7 Mannschaften, ini ganzen mit 200 Tnrncrinnen an, Ivcitcrs drei Ein» zclturneriiiiicn des Gaues VI. Jnng-Bunzla«. Als erste placierte sich die Mannschafi deö VIII. Gaues M äh r i s ch- O st r a« mit 6 l 1.75 Punkten. Bei den Einzelturnerinnen placierte sich als erste Sanderovä, Gau V11 mit 126.75 Punkten, Im Weitsprung: 1. Pokornä, Anierika,-1.20 Meter. 2. P a ö e v i, Prag, 4.Ö6 Meter, Im Zehnkampi der Shauts Minister Dr. Czech bei den Roten Falken I Am Donnerstag, den 5. Juli hatte die Rote Kiiidcrrcpublil angenehmen Besuch. Der Minister Genoffe Dr. Czech in Begleitung des Gen. Taub und des Genossen Paul, sowie der Genossinnen Czech und Taub kamen, um d>is Olympiade- Zeltlager zu besichtigen. Die Roten Fallen hatten alle Vorbereitungen getroffen, um de» Kinderfreund Dr. Czech zu Afritsch verbracht habe. Seither habe ich die Kinderfreunde in mein Herz geschlosien. Ihr seid hierher gekommen und erlebt ein Stück Kraftquelle, die uns die III. Arbeiter-Olympiade bietet. Wir sind tief ergriffen von dem gewaltigen Erlebnis der Olympiade. Ihr seid als die sudctendcutschen Rinder hierher gekommen, um zu zeigen, daß I außerhalb dieser Stadt viele Hunderte und Tau ber Endspurt der Leichtathleten Samstag war in der Kampfbahn des Stadions Hochbetrieb. Um 7 Uhr schon begannen die Wettkämpfe, die in allen Konkurrenzen einen gut« Verlauf nahmen. Wie immer, galt das Hauptintereffe deni 100-Meter-Lauf. Im Endkampf waren unter anderen die beiden Norweger Hansen und Olsen. Hansen ist der Inhaber der SASJ-Beft» leiswng im 100- und 200-Meter-Lauf und es war .nach den Zwischenläufen nicht mehr an seinem Sieg zu zweifeln. Zuerst ein Fehlstart. Beim zweiten Start setzte sich Hansen an die Spitze und durchlief da« Ziel in 11 Sekunden. Zweiter wurde Hally (Prag) und Dritter Olsen(Norwegen),.der aber in eine falsche Bahn geriet und ausscheiden mußte. Auch der 8000-Meter-Lauf war lvieder ein großes Rennen. Der Sieger des 10.000-Meter-Laufes, Nemeth(Ungarn), war wieder dabei und siegte auch in diesem Lauf. Vom Start ichernahm er gleich die Führung. Dann setzte sich für kurze Zeit der Franzose Gaillard an die Spitze. Nemeth ließ sich eine Zeit lang führen und übernahm dann wieder dier Spitze, gefolgt von Mistera(DTJ). In der 5. Runde liegt Nemeth bereits 100 Meter vor. Gaillard hat keine gute Armtechnik und fällt dadurch weiter zurück. In der achten Runde sind die meisten Läufer bereits von Nemeth überholt. In der letzten Runde sahen wir einen fabelhaften Endspurt und Nemeth lief mit lächelnder Miene durchs Ziel. Auch Mistera hatte noch viel Kraftreserve und konnte seinen Endspurt gut durchhalten. Gaillard(Frankreich) besetzte den dritten Platz. Gute Leistungen waren auch beim Weit- s p r u n g zu sehen. Die Leistung von S a n d t n e r mit 0,57 Meter ist als sehr gut zu bezeichnen. Schuster(Prag) gelvann den 10-Ramps mir 686.41 Punkten. Die Leistungen litten sehr unter der Hitze, auch fehlte die Konkurrenz. Internationales Straßenrennen Ober so Kilometer 34 Fahrer nahmen um 8.15 Uhr dm Kampf auf. Starker Gegenwind veranlaßte die Fahrer, mäßiges Tempo zu halten. Seltsamerweise über- kieben die tschechischen Fahrer den Aruk-Fahrern das Tempo zu bestimmen. Gl ö ck n e r- Neudek, Schönfeld er- Komotau und Fleischer- Ratsch führten fast durchwegs bis zur Wende. Auf der Rückfahrt drückten die Tschechen und das Fahrerfeld, das bis dahin geschlossen geblieben war, zog sich auseinander. Die Spitzengruppen bilden zwei Tschechen, zwei Engländer und zwei Aruk-Fahrer. Schvnfelder-Komotau führt bis einen halben Kilometer vor dem Ziel, den Spurt, den die Tschechen nun vorlegen, kann er nicht durchhalten. DaS Rennen beenden auf den beiden ersten Plätzen zwei Tschechen, ihnen folgen zwei Engländer, den fünften Platz belegt der erste Aruk-Fahrer Schönfelder-Ko- motau. Eine sehr gute Leistung der jungen Aruk- Rennfahrer, die alle mit guten Zeiten daS Rennen beenden, trotzdem Just-Rrochwih schwer stürzt und Götz-Neudek mit Magenschmerzm das Rennen aufnimmt. Die Ergebnisse: 1. Mestek-Prag 1:53:44; 2. Zahradnik- Pilsen 1:58:45; 8. William S-London 1:58:46; 4. Eopeland-London 1:58:47; 5. S ch ö n« selbe r-Amk-Komotau 1:58:40; 8. Glöckner« Aruk-Reudek 1:58:52; 11. Hamedl-Arbö 1:54:50; 18. Fleischer-Aruk-Ratsch 1:56:20; 14. Gebaue r-Arbö 1:56:80; 21. G ö tz-Aruk- Neudek 1:59:46; 22. I u st-Aruk-Krochwitz 2:00:11, Me Nauptwcttkdmpie im schwimmen Begannen gestern abends in' den Bädern in der Klimentskä ulice. Zahlreiche Zuschauer sahen den Leistungen der in außerordentlich großer Anzahl angetreten« Schwimmer zu. Am 1. Tag wurde der größte Teil der Borläufe absolviert. Die Finale werden heute abend erledigt. Bon den Ausländem zeichneten sich besonders die Norweger, Ungam und auch der ATUS au». Al» Abschluß wurden drei Wasserpolo-Kämpfe auSgetragen. ES siegte Prag über Teplitz 6:1, Tschechoslowakei unerwartet hoch über Ungarn 11:8, ATUS R. gegen ATUS un- «tschieden 0:9. placierte sich öie Mannschaft des 8. Gaues Mährisch- Ostrau mit 710 Punkten an erste Stelle. Im Wettkampf der L a g e r m a n n s ch a f t e n placierte sich an 1. Stelle Gau VIII Mährisch-Ostrau mit 788 Punkten. Diese Wettkämpfe fanden auf dem Spielplatz des S. K.-Sportklub Malostranskc unter zahlreicher Teilnahme des Publikums statt. Oos Ergebnis der Rlngkämple Jungturner: 1. Ledeba, ATUS. Männer: Bantamgewicht: l. Ragnwald, Norwegen, 2. Schmidt, ATUS. Federgewicht: 1. Hovolka, Hör. Cernoiice. Leichtgewicht: 1. Olsen, Norwegen, 2. Jen n y, Schweiz. Mittelgewicht: Lischka, Hör. Cernoüice, 2, Sinwn; Ungarn. Halbschwergelvicht: 1. L! ska, Hör. CcrnoLice. Schwergewicht: Tarananyi, Ungarn. Das Festkonzert der Arbeitersander fand gestern abend im Smeianasaale de» Repräsen- tationshauscs statt und wurde ein eindrucksvoller Beweis für die Musitfreude, das KunsWerständuiS und die Leistungsfähigkeit der tschechoslowakische» Arbeiterchöre. Das Programm, da« von Arbeiter- sängern aus Prag, Preßburg, Pilsen und Olmütz bestritten wurde, reichte weit hinaus über das Gebiet traditioneller Mkännerchöre. Es reichte vom Bokks- lied bis zur atonalen Komposition und es ließ Männer- und Frauenchöre, gemischte Chöre und Maffenchöre mit Orchesterbegleitung einander abwechseln. Am meisten Beachtung fand der Prager Gau, der unter Leitung Otakar SeligrS das Arbeiterlied öon Ernst Toller tonschön und stinungc- waltig vortrug. Seine Leistung wurde am Ende noch von dem gemischten Maffenchor Überboten, der unter Professor S p i d r a s Leitung die ebenso schwierige wie eindrucksvolle EiSlersche Kantate„Tas Tempo der Zeit", ein wie alle Schöpfungen dieses deutschen Komponisten von sozialer Tendenz und von zeitkritischem Geist erfülltes Werk, wuchtig und sicher > wirken ließ. ES gab— besonders für diese hervorragende und interessante Schlußdarbietung— stur. * misch« Beifall...—eis— empfangen. Bei der Roten Zentrale, dem Sitz der Lagerleitung, hatte der aus 22 Man» bestehende Spielmanns,;ng Anfsteltnng genommen, links und rechts vom Spielmannözug gruppierte sich die Fahncngruppc und ein breites Spalier von Roten Fallen bis zum Eingangstor der Kinderrepublik. Ein Bläser- und Pfciferchor spielte daS„Lied der Arbeit" als Dr. Czech durch das Tor schritt. Vierhundert hocherhobcnc Fäuste der Roten Falken grüßten ihn. Der Lagcrpräsident Willi Hocke ruft:„Falken! Zuerst ein Lied." AuS vierhundert jnngfri- scheu Kehlen erklingt das vielgesnngenc Falkenlied«Wir halten zusammen und zieh« in die Welt".^ Daun spricht Willi Hocke: Fallen, wir haben hohen Besuch. Unser lieber Genosse Doktor Czech ist gekommen, um unser Lager zu besichtigen. Wir haben schon einmal dagestanden und ihn erwartet, aber Minister haben, wie ihr alle wißt, sehr viel zu tun, deshalb konnte unser lieber Freund Dr. Czech am Montag nicht kommen. Aber wir stehen umso lieber wieder da, weil wir wissen, daß Dr. Czech die Kinder, vor allem die Arbeiterkinder, gern hat. Wir freuen uns, daß er gekommen ist und wir begrüßen ihn mit unserem Gruß„Freundschaft". Vierhundert Arme fliegen in die Höhe, aus vierhundert begeisterten Kehlen klingt es:„Freundschafti". Dann steigt Genosse Dr. Czech auf die„Tribüne" und spricht:„Werte Freunde! Ich muß mich zuerst entschuldigen, daß ich nicht schon Man, tag in euer Lager kam. Biele andere Verpflichtungen habet» mich davon abgehalten. Ich habe schon einiges über euer Lager gehört. Genosse Bechyni hat mir voller Begeisterung von euerem Lager erzählt, als cS noch im Aufbau war. Ich fühle mich glücklich, daß ich einen Augenblick bei euch verweilen kann, bin ich doch ein Mitbegründer der Kinderfreundebeivegung. Ich erinnere mich oft an die herrlichen Stunden, die ich mit euerem sende Kinder leben, die ans die Erstarkung 9tt sozialistischen Bewegung warten. Wir Aelteren blicken auf euch, die ihr das Bauvolk der Zukunft seid. Wir haben de» Boden vorbereitet, ihr sollt weiterbauen.„Freundschaft". Genoffe Luft dankt dem Genossen Doktor Czech im Namen der Falken für seine herzlichen Worte:„Wir Roten Falken wollen geloben, daS Iveiterzubaucn, was llnsere älteren Genossen begonnen haben. Wir sind nach Prag gekommen, nicht nur um Festtage zu verleben, sondern nm ein Stuck praktische Internationale zn verwirklichen. Wir haben Freundschaft geschloffen»nit den Skants der D. T. I., wir haben mit ihnen gespielt und gesungen, wir haben uns mit ihn« ausgesprochen über unser gemeinsames Lager. Wir wollen durch unser gemeinsames Lager der ganzen Welt beweisen, daß wir nicht nur von der Internationale reden, sondern, daß wir wirklich international sind und international handeln. Die Falken reichten einander die Hände, mitten unter ihnen die Genossen Dr. Czech, Taub und Paul und sangen zum Abschluß dieser eindrucksvollen Begrüßungsfeier das„Kameradschaftslied". Anschließend besichtigten die Genoffen die einzelnen Zelte, erkundigten sich bei den Kindern über die Einrichtung und den Aufbau des Lagers. Biel Lob und viel Anerkennung zollte der Genoffe Dr. Czech dieser mustergültigen Roten Kinderrepublik. Nach dem Besuch in unserem Lager ging der Genosse Dr. Czech in Begleitung der Skaut- führer durch das Lager der D.T.J.-Skaut». Auch dort sprach er herzliche Worte zu den Jungen und Mädeln. Vor allem wünschte er die Festigung und Vertiefung der Beziehung zwischen Roten Falken und SkautS. Die enge Zusammenarbeit soll nicht nur im Lager bestehen, sondern auch nach Beendigung deS Lagers möge die gemeinsame Arbeit beider Organisationen weiter dauern zum Dohle der gesamte«. Ärbcitcrllassc dieses Staates. Seite 4 Sonnt«-. 8. In« 1984 Rr.,157 Heute suk der ObMpisde 7.90 Uhr: Aufstellung der Festzugteilnehmer auf dem Georgsplatz in Weinberge und den anschließenden Gassen. 9.00 Uhr: Festzug vom Georgsplatz durch die Fochstraße, Wenzelsplatz, National* straße, Masaryk-Kat, Pariser Straße auf den Ältstädter Ring, auf welchem eine Massenkundgebung stattfindet. 15.00 Uhr: Turnvorführungen im Stadion:. 1. Militärisches Turnen mit Gewehren; 2. Auftreten des 2. Teiles der ausländischen und heimischen Gäste; 3. Militärisches Turnen; 4. Sondervorführung des Pilsener Kreises; ö. Vorführungen des ATUS; 6. Militärische Vorführung; 7. Freiübungen der Männer; 8. Freiübungen der Frauen;. 9. Festspiel„Befreite Arbeit“. 21.00 Uhr: Lichtfontänc auf der Schützeninsel. Oie Tragödie des alten Sever Audi die Dollfuß-Greuel sollen unvergessen bleiben! Ans Wien kommt die Meldung, daß das christlicheHeimwrhrregime daran ist, einen der besten Männer von der alten Führergarde der österreichische» Sozialdemokratie zur Strecke zu bringen. Albert Sever» engster Mitarbeiter des unvergeßlichen Franz S ch u h m e i r r, ehemaliger Landeshauptmann von Riederösterrrich, hat in den Feberkämpfen bei seinen Ottakringer Arbeitern ausgeharrt. Im Ottakringer Arbeiterheim, einer Schöpfung SrverS,. für die er daS Geld in einer Zündholzfchachtrl zusammenzusparen begann, wurde seine Fran tödlich verwundet. Als Gefangener der Polizei nahm Sever an ihrem Begräbnis teil. Bei seinen Spaziergängen im Hofe des Wiener LandrsgerichteS sprach Sever ben eingekerkerte» Schutzbündler» noch Mut zu: „Kopf hoch Buam, eS müssen wieder a n d« r e H r i t e n k u m m a", sagte ihnen der Schwergeprüfte bei jeder Gelegenheit. Aber dieser knorrige Sechziger hatte sich zuviel zugrmntrt. Dir Krnlenschtäge des Schicksals und die Leiden der Hast haben die Lebenskraft dieses rhrniatigen Fleischergehilfen zermürbt. Im Kerker überfielen ihn Zeichen der Erblindung. Sever hat von den Dollfutzchristen keine Milde verlangt und auch keine erhalten. Run wird gemeldet, daß er mit einer schweren Rer- venZerrüttung in die psychiatrische Klinik überführt werden mußte. Der belgische Genösse Bandervelde, der Borsttzrnvr der Sozialistischen Arbeiter-Internationale, der anläßlich der Olympiade in Prag weilt, wollte von hier aus nach Wien weiterfahren» um den Genossen Seitz im Landesgericht zu besuchen. Bandervelde wandte fich im Wege der Prager belgischen Gesandtschaft an die belgische Ge- Grazer Sdiulzbundprozeß Zwei bis zwölf Monate Kerker. Graz, 7. Juli. Nach fünsiügigcr Schlvur- gerichlsvcrhandlung gegen 25 Schutzbündler, die an den Feberunruhen in Gösting beteiligt waren, wurden heute 16 Augellagte wegen Hochverrats zu schwerem Kerker in der Dauer von zwei bis zwölf Monaten verurteilt. Ein Angeklagter erhielt wegen llcbcrtrctung des WaffeupotenteS eine kleine Geldstrafe, acht wurden frcigcsprod;cn. irr wiener Nazi-nittcisdittlcr ausgeschlossen W i r ii, 7. Juli. Tas„Wrttblatt" teilt mit, daß zu Ende des Schuljahres au verschiedenen Wiener Mittelschule» 155 Schüler von der Schule Dollfuß kann stch dieser Nachricht freuen. Run braucht nur noch die geschwächte Gesundheit des Genoffen Seitz im Kerker zu zerbrechen und der gefürchtete Prozeß gegen die gefangene» Führer der österreichischen Arbeiter braucht nicht statt- zufindrn. Bielleicht finden fich auch Mittel,' den General Körner und Genoffen D a n n e b e r g prozeßunfähig zu machen... So erledigt eine milde, eine christliche D i k t a t n r ihre gefährlichsten Gegner! Die Dollfußpressr schwelgt in scheinheiliger Entrüstung über den Führermord der deutschen Nationalsozialisten. Sic wird die Schande des Heim- wehrregimeS nicht übertöne». Auch für daü MSr- tyrerschickfal Severs wird eines Tages harte Rechenschaft verlangt werden, wie für den Märtyrertod eines W e i s e l, W a l l i s ch, M ü» i ch r e i- t e r und für die Leiden von Tausenden Schutzbündlern und Sozialdemokraten, die von Berfas- snngsbrecheru ins Gefängnis geworfen wurden. * Eine weitere Meldung aus Wien besagt, daß Genossin Dr. Popper, eine Schlvcster des Sdiutzbundfülirers Julius Deutsch, ebenfalls aus der Haft des Wiener Landcsgerichtcs auf die psychiatrische Klinik überführt werden mußte. Was mag in den Dollfußkertern Vorgehen? sandlschaft in Wien, die bei der österreichischen Regierung interveniere» und Bandervelde die Erlaubnis zuni Besuche des Genoffe» Seitz erwir- ken sollte. Gestern erhielt Bandervelde durch die Gesandtschaft den Bescheid, daß die österreichische Regierung das Ansuchen des ehemaligen belgischen Außenministers abschlägig beschieden habe. ausgkschloffc» wurden, die an der nationalsozialistischen Agitation bcteiligt^varen. Anläßlich des heutigen Abschlusses des Schuljahres kam es in Wien an einzelnen Stellen zn Demonstrationen der Schüler der höheren Jahrgänge, so insbesondere im Gymnasium am Schüttel. Eine Untersuchung wurde eingrleitet. Zwangsarbeit ittr Dombenwerter! Wic das„Wcltblatt" initteilt. tvcodcu die Angehörigen der nationalsozialistischen Partei, tvclche Bomben getvorfen oder andere Sabotageakte verübt haben, ans Grund ihrer Verurteilung in Abteilungen zusammcngefaßt werden, denen verschiedene Arbeiten zngcwiesen werden sollen. Einstürzende Schachtdeckr begrSbt drei Arbeiter M« h r.. Ost r a n, 7. Juli. Auf der der Berg- und Hüttengesellschaft gehörenden Grube „F o r.t s ch ri t t" in Pettwald wurde« durch einen gewaltigen Erdstnrz drei Bergarbeiter getütet. Um halb 11 Nhr vormittags arbeiteten zwischen dem 4. und 3. Stockwerk die Bergleute L. K ä st a n«S Petkweld und A. I a s i o k aus Dolnt Datynt, sowie der mit der Aufsicht betraut« F. M a m u l a aus Pettwald. Aus ein Sprengschutz abgefcuert wurde» st ü r z t e d i e D e ck e e i n und verschüttete alle drei Arbeiter. ES eilten RettungSabteilungrn herbei, die aber nach langen Bemühungen, bloß die Leichen der Verschütteten bergen konnten. Auf der unweit liegende» Grube ,»H e d- w i g", di« der gleichen Gesellschaft gehört» ereignete fich eine Stunde später gleichfalls«in Unglück. Der die Wagen bedienende Bergmann Alfred Orsava aus Senov ward« von einem großen Felsblock getroffen und mußte.mit zerschmettertem Rückgrat in dos Krankenhaus gebracht werden. Sonderkommisston für den Flugverkehr Untersuchüng der Karlsbader Katastrophe. Prag» 7.. Juli. Der Nnfall des Verkehrsflugzeuges S—32 in Karlsbad veranlaßte das Ministerium für öffentliche Arbeiten zur Einsetzung einer Sonderkommission, deren Aufgabe es sein wird, die Ursachen der.Havarie des erwähnten Flugzeuges zu untersuchen.sowie den Stand der übrigen Flugzeuge dieses Typs zu überprüfen und hierauf, über die Flugeigenschaften und über die Sicherheit der übrigen Verkehrsflugzeuge sowohl bei der Tschechoslowakischen staatlichen Aerolinie als auch bei der Tschechoslowakischen Flug- gcscllschast Bericht zu erstatten. In der Kommission werden Sachverständige auf dem Gebiete der Konstruktion und der Stabilitätsberechnung, Kenner des im VerkehrSflugwcsen verwendeten Materials sowie mit den Eigenschaften der Verkehrsflugzeuge vertraute Sachverständig« vertreten sein. Die Kommission wird sich aus Personen zusammensetzen, die nut der Sache voll vertraut und soivohl von den Konstrukteuren und den Fabriken als auch von der Verwaltung der Fluggesellschaften unabhängig sind. Die Kommission wird in den nächsten Tagen ihre Arbeiten aufnehmcn. Doppelte Ernte— in Mazedonien In Bulgarisch-M a z e d o n i e n, insbesondere in der Umgebung der Städte Petrovik und Sveti Vraö, wird Heuer zweimal eine ausgiebige Ernte sein. Die Bauern haben bereits das Getreide eingeführi und, da es in den letzten Tagen ausgiebig geregnet hat, neuerlich Gerste, Hirse und Mais gesät. Millionen-Jmvelenraub Magnolie(Massachusetts), 7. Juli. Gestern mittags hielten vor dem elegantesten Juwelicrge- schäft in diesem aristokratischen Sommersitz der amerikanischen. Milliardäre fünf unmaskiertc junge B a n d i t c n im Automobil an, stellten vor dem Eingang ein M a s ch i n e n g e w e h r auf und drangen mit automatischen Pistolen in der Hand in das Geschäft ein,, das sic vollkommen auSraubten. Sie Nahmen Julvclen im Werte von 200.000 Dollar(ca. 5 Millionen Xö) mit. Niemand wagte, fick) den gut ausgerüsteten Ban- i ditcn in den Weg zu stellen. Dorn Rimdtank tMl« OnSMMMH' .. Sonntag:..., Prag, Sender L.: 6.80: Gymnastik, 7: Konzert aus Karlsbad, 8: 111. Arbeiter-Olympiade, Reportage vom Verlauf desFestzug e s, 12.15: Konzert, 18,45: Sozialinformationen, 15: Uebertragung vom Stadion, 16.55: Deutsch« Sendung: Uebertragung van. ktt III. Arteiter-Vlympiad«: Vorführungen des dpst. fchen Arbeitertnrn» und SpartverbandeS, 17.80; Uebungen des Militär. StafettenlaufeS mit Maschinengewehren, 17.45: Antreten der Frauen zu ein- fachen Uebungen, 18.55 Uebertragung vöm Stadion, 20.05: Dr. Pertold:"Indische Statur im Kampfe mit dem Menschen, 22.20: Schallplatten: Mozart, 22.80: Konzert der Jazzorchesters.-Sender S.: 14.80: Deutsche. Sendung: LändwirtschaftSsünk, 14.45: Arbeiterseudutzg: Abg. Wenzel Jaksch: Di« zettgeschichtttche Bedeutung der Prager Okymptade» 13: Historische Reportage„Vidovdan 1014" Dr. Franzel, 15.80: Frauenfunk. Bräun 18.45: Opernmusik auf Schallplatte»,-17.55: Orchester- Konzert.— Preßburg 18.05: Liederkonzert, 20.20: Operettenmusik.(, Montag: Prag, Sender L.: 10: Schallplatte»,. 10.20: Deutsche Nachrichten, 11.05: Konzert' des Salon« orcheslers, 18.80: Arbeitsmarktbericht, 17.50: Schallplatte», 18.20: Deutsche Sendung: Wanderungen im Rlesengebirge, Zwiegespräche, 18.40: Barbach: Eindrücke ans Amerika, 18.55 Deutsche Pre ssc, 10.10: Schallplatte», 21: Orchesterkonzert, 22.15: Tanzlieder. Sender S:: 14: Salonquär» tett, 14.80: Deut sch e S e n d ü n g! Viertelstunde für.die Frau, 15: Deutsche Presse.— Brünn 15.15: Orchesterkonzert,. 17,45: D e u t f ch e St» d n n g: Biberle: Der Besuch Semut,: 18.05: Dr. Kreisler: Deutsche Dichter aus Mähren, 18.20: Lieder von Richard Strauß.— Mähr.-Ostrau 17.40: Radiofenilleton, 18.20: Deutsche Sendung: Kolbe: Die Lohnregelnng laut Kollcktivverträgen.— Preßburg 10.10: Violincellokonzert. DienStog: Prag, Sender L.: 6: Gymnastik, 10: Schallplatte», 10.20: Deutsche Nachrichten, 11: Orchesterkonzert, 12.80: MittagSkonzert des Salonorchesters, 18.40: ChansonS auf Schallplatte», 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Weil: Wirtschaftliches Relief, 18.80: Vom Urwald zu den Moldauguellen, Hörspiel, 18.55 Deutsche Presse, 22.15: Litauische Volkslieder. Sender S,: 14.10: Negro spirituals, 15: Deutsche Presse.— Brünn 17.55: Klaviersolo, 18.20: Deutsche Sendung, Arbeite r'f u n k:. Soziale Informationen,.18:2.5: Dr. Langer: Jüdische Hast.— Mähr..Ostrau 10.10: Liederkonzert.— Kascha» 18.80. Hygienisunk.. A«g»«PgIAdk in 9(M(telg Paris, 7. Juli, Auf der. Strecke Dorde- a u x-Lacanau entgleiste ein Personenzug.. Der Lokomotivführer wurde auf der Stelle ge töte t. Dec H e i z e r und der Z u gs f!i h- re r sind schwerverletzt. Die wenigen R e-i- s e n d e n des Zuges trugen nur l e i ch t c V e r- letzungcn davon. Der Verkehr auf der Strecke ist unterbrochen.•«•. 200.000 Büchse««o«ferven oerbranut Paris, 6. Juli. In Muss id,a»(Dep Dordogne) ist eine Konservenfabrik ein Raub der Flammen geworden. 4 0 0 0 K i st e st.mit'insgesamt 200.000 Konservenbüchsen, wurden' vernichtet. Der Sachschaden beläuft, sich auf. eine Million Franks. Es liegt Brand st i f- t u n g>vor. Zwei Arbeiter sind verhaftet worden. Einer ssll bereits, ein Geständnis abgelegt haben. Wieder. ein furchtbarer Selbstmord. Ein Angestellter der Eisengießerei Krolewska in Kattowitz verübte in Gegemvart seines Vaters und zahlreicher Arbeiter Selbstmord: strdem er sich in einen mit f l ü ssig e m E i s e st gefüllten Behälter stürzte. Von dem Unglücklichen konnten lediglich einige verkohlte Knochen geborgen werde». Vandervelde darf Seitz nicht besuchen Ein Bild der Anmut Bück vom Dich der HeupttrlbUne 9t. 1M Sonntag, 8. Juli 1934 Seite& Kalendarium des Grauens Gesandtenmörder zum Tode verurteilt. Nach zweitägiger Verhandlung'vor dem Schwurgericht deS ÄndtztrichtcS Berlin würde Freitag abends das Urteil gegen den Mörder des letzten afghanische n Gesandten in Berlin Lirdar Mohammed Aziz Khan gesprochen'. Hör Angeklagte, der 34jährige afghanische Ingenieur Syed Kamal, wurde entsprechend dem Anträge deS Staatsanwaltes wegen Mordes zum Tode verurteilt. Wie erinnerlich, hat der Angeklagte am 8. Juni v. I. den Gesandten, einen Bruder des damaligen Königs von Afghanistan, im Treppenhaus des Gesandtschaftsgebäudes er- srdoffen. Er hatte unmittelbar nach der Tat vor der'Polizei ein umfassendes Geständnis abgelegt, diese) aber später vor dem Untersuchungsrichter widerrufen und angegeben, daß er durch eine Geste deS Gesandten, die er als eine Kränkung aufgefatzt habe, in einen Erregungszustand versetzt worden und seiner Sinne nicht mehr mächtig gewesen sei. In diesem Zustande habe er den tödlichen Schutz abgegeben. Das Gericht sah diese Darstellung durch die Beweisaufnahme als widerlegt an. Großfeuer in Mecklenburg. Am Samstag Mittag wurde die Feuerwehr in W a r e n(Mecklenburg) alarmiert, um zur Bekämpfung eines Großfeuers auf Charlottenhof bei Kargow eingesetzt zu werden. Nutzer auf dem Charlottenhof wütet das Feuer im benachbarten Wald. Infolge der herrschenden Trockenheit und ungünstigen Winde» nahm das Feuer rasch an Ausdehnung zu. Sämtliche Warener Betriebe sind geschloffen worden, damit die Arbeiter sich an der Bekämpfung deS Brandes beteiligen können. Feuerwehren aus der ganzen Umgebung sind zur Brandstelle geeilt. Polizeimannschaften wurden zu Ab- sperrungSzwecken herangezogen. . Wie sie wirtschafte«. Die schlesische Stadt Reihe im Hitlerreich hatte am 1. Jänner laut' städtischem Haushalt einen Schuldenstand von 11 Millionen ReichSmkrk. Seit der glorreichen Naziwirtschaft, also in genau 18 Monaten, ist die Schuldenlast der Stadt Neitze auf 23 Millionen angelaufen. Die naziotische»„Stadtväter" haben also, in 15 Monaten die Schuldenlast fast verdoppelt, beziehungsweise 10 Millionen Reichsmark verpulvert. So sieht die„Aufbau-Arbeit" der Nazi aus. Bei einer Militärflngübung in Posen fliehen zwei Militärapparate znsanuneu, und stürzten zu Boden. Der eine Militärpilot wucdl getötet, während sich der andere durch Fallschirmabsprung rettete. Hitze und Gewitter in USA. Während in N e w V o r k die Hitzewelle unvermindert anhält, loben in' Michigan hestige Gewitterstürme. Fünf, M e.n sch e n l.e p e n, sind dem Uptpetter dort-berei«. Mm'.Opfer gefallen,. Chautemps und der Stavisty-Skandal. Die parlamentarische Untersuchungskommission in Angelegenheit der Stavisky-Betrügereien hat den Antrag-abgelehnt, wonach die stenographischen Berichte über das Verhör mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Chautemps dem Justizminister und dem Senat als Obersten Gerichtshof unterbreitet werden sollen. Die Kommission beschloß aber, datz sie sich in ihrem Schlutzberichte mit der Verantwortlichkeit Chautemps beschäftigen werde. Die Kommission wird ihre Sitzungen bis zum August abhalten. Kinder, die dem Dollfuß gefährlich find! Der Bundesminister für Unterricht in Oesterreich hat im Hinblick auf den bevorstehenden Beginn der Hauptferien einen Erlaß herausgegeben, wonach den Schülern und Eltern in Erinnerung zu bringen ist, datz die Schüler auch während der Ferienzeit der Disziplinargewalt der Schule unterstehen. Sie sind daher eindringlich vor jeder Betäti- gungfürverbotenepolitischePar» leien und vor jeder Art von Teilnahme an politischen Demonstrationen, auch vor dem Tragen irgendwelcher Abzeichen oder Kleidungsstücke in politisch demonstrativer Absicht zu warnen. Gegen Schüler, die dem ergangenen Verbot zuwiderhandeln, ist mit den strengsten Strafen vorzugehen. Ertrunken. Zwei Klaffen der Volksschule von Offenhausen bei Wels machten mit dem Lehrper- sonäl einen Schulausflug zum SchlotzWür« t i n g. Die Kiitder vergnügten sich nach der Schlohbesichtigung ans dem S ch l o h t e i ch mit Kahnfahren. Etwa 10 bis 12 Kinder fuhren auf einer von einem Schlotzbediensteten gesteuerten Pleite. Das Fahrzeug kippte um und die Insassen fielen ins Waffer. Der Steuerntann und einige Kinder konnten sich selbst retten, fünf Kinder konnten aus dem Wasser gezogen werden und wurden nach einiger Zeit wieder zum Bewußtsein gebracht, während drei Kinder er» tranken. Ans einer der südlichen Auöfahrtfiraßen Roms explodierte am Samstag aus tmbekannte» Gründen ein Benzintankwagen. Das brennende Benzin hüllte die Straße in ein Flammenmeer., Die Feuerwehr hatte stundenlang zu tun, um den Bränd zu löschen. Der Führer des Wagens und eine weitere Person erlitten schwere Brandwunden. -»Gericht", und Mord. Wir. erfahren Einzelheiten über die Ermordung des SA-Gruppensüh- trers G e r p. Man hatte ihn bereits an die Wand gestellt) seine Brust war entblötzt, die Gewehre waren, angelegt, als Plötzlich SS. erschien, die Erschießung absagte und Gerd abhotte. Die SS.- Leute führtest Gerd vor das Stgndgexicht. lvo man versuchte, ihm die Namen der-„Komplizen" zu entreißen. Gerd verweigerte jede Erklärung. Er wurde zurückgeführt und sofort erschaffen. t. Der Zufall und da«/Schicksal haben mich zeitweilig nach Zürich verschlagen. Bon den Regalen einer alten Bibliothek ließ ich mir den Jahrgang 1914 des„Volk-recht", des hiesigen sozialdemokratischen Tagblattes herunterholen. Ich wollte an mir vorüberziehen lassen, was vöm Anfang der„groben" Zeit des Weltkrieges in den schon gelb gewordenen Zeitungsblättern feftgehalten war. 2 7. Juni: Tagung der Berufsvormünder aus allen Teilen der deutschen Schweiz, unter dem Motto: „Die Erhaltung der Familie". Feldzug gegen die verwahrlosten Kinder und das Unglück der unehelichen. Ahnten die dort Bersannnelten, daß, es niemals vorher so viele verwahrloste und uneheliche Kinder gegeben haben würde, als im Gefolge eines Ereig» niffes, das zu verhindern niemand den Mut aufbrachte? 2 9. Juni: Der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gemahlin, die Herzogin von Hohenberg, werden auf einer Wagenfahrt von dem serbisch-nationalen Studenten Prineip in Sarajevo ermordet- Der Schweizer Bundesrat übermittelt sofort fein Beileid an die kaiserliche Billa nach Ischl: „... Tief erschüttert von dem ftirchtbaren Schicksalsschlag, den Eure Majestät und die ganze ästerrei- chische-ungarische Monarchie getrosfen hat.. Wieso ist der tragische Tod zweier lvtenschen ei» Schicksalsschlag für ein Dutzend Nationen eines Kaiser- und Königreichs und nicht vielmehr nur ein bedauerlicher Trauerfall in der Familie Habsburg? Warum lasten sich fünfzig Millionen Menschen zur Trauer kommandieren? 8 0. Juni: Da» vorläufige Programm des Internationalen Sozialistenkongresjes. der vom 21. bis 2V. August in Wien stattfinden soll, wird bekanntgegeben: Bürositzung, Eröffnung, Demonstration auf der Ringstraße, Kommissionen, Plenarsitzungen, Volksversammlungen. 'Ein Kongreß, der nie stattfinden- sollte- Als sein Tag gekommen war. stand zwischen den Genosten statt deS Beratungstisches der Stacheldraht. Uno nur Wenige hatten die Kraft, über ihn hinauSzirblicken, über die Schützengräben hinweg zu den Brüdern der eigenen Klaffe. I. Juli: Vor der serbischen Gesmidtschaft in Wien randalieren deutschnationale Swdemen und brüllen:„Rache für unseren Thronfolger! Krieg gegen Serbien!"■ Es wurde nicht berichtet, daß die Wiener Polizei etwa gegen die provozierenden Demonstranten emge- schritten wäre. Höheren Ort» brauchte man diesen Lärm. II. Juli: Riesenaussperrungen in Deutschland. Sieg der englischen Arsenalarbeiter in Woolwich. DaS Taylorfystem. hält in der Ballyschen Schuhfabrik Schonenwerd seinen Einzug. Noch gibt es in der Welt nur Arbeitsfchmchten und Lohnkämpfe. Entsetzlich bald wechselt da» Terrain. 1 8. I u l i: Anläßlich eines Banquetts bevauert der mit allen Salben geschmierte englische Staatsmann Lloyd George, daß so beträchtliche Teile der Bolksvermögen aller Staaten für RLswngSzwecke verschleudert würden. Ihre Summe belaufe sich in den letzten Jahren auf 122jH Milliarden Schweizer Franken. Ein Eingeweihter,. der die Rolle des Snchts- ahnenden spielt! Was nützt die Frage, welches Pkaß an Menfchenglück mit dieser Märchensumme hätte Wirklichkeit werden können? Die Kriegsschiffe stehen zur Ausfahrt bereit- Die Berichtswoche begann an» Montag mit den schwermütig monotonen Weisen slowakischer Hirtenlieder. In ihnen offenbart sich die natur- verbundene Art des primitive» Menschen, der fernab vom unruhigen Stront des Lebens seine Tage verbringt, anspruchslos, zufrieden und in seinem Erlebniskreise beschrätckt auf die kleinen festen Pflichten des armen Hirtendasein». Berg und Tal. die Heide und der Dudelsack, Wind und We.- ter, Liebe und Tod erfüllen sein Leben und seine Littwr, in denen ein naiv-gutmütige» Empfinden Zwiesprache hält mit den Dingen und Erscheinungen der Umgebung. Univ.-Prof. Dr. Schneeweis führte die Hörer in die Welt der flowakischen Hirten ein und machte durch Uederfetzung mit den Liedtexten vertraut. Prof. L o n g i n sang sie stiwoll und mit Währung der einfachen Linie, über die sich nur. stellenweise der Ton— pathetisch anschwellend — hinausüewegte,— Der Katholizismus scheint sich bei der Prager deutschen Sendung besonderer Gunst zu erfreuen. Fast in jeder Woche einmal wird die Seitdung zum.Sprachrohr seiner Glau- b'ensvorstellungen und der daraus abgeleiteten Machtansprüche der katholischen Kirche. In der Mentalität durchaus-verbunden mit, der April-Predigt deS. Direftors Reichenberger(„Kirche und BolkS- gemeinschaft") sprach am Montag Dir. Josef Z ä k Über den"ersten gesamtstaatlichen K a t h o l.i k e n- tag im Jahre 1988. Und' damit kein Zweifel ofsenbleibe, betont Dir.! Zäk ausdrücklich, daß die gesamtstaatliche Manifestation im kommenden Jahre durchaus keine Angelegenheit deS religiösen Lebens sondern eine Kundgebung mit auS g e- s p r o ch e-n st a a t» pHbi t i s ch e r Bedeu« tuns sein.sollI.Slatürlich mit der Absicht, nur dem Frieden zu dienen. Den»— so sprach der Apostel— wir brauchen keine neuen' tvirtscheifklichen oder politischen Systeme: wir brmichen mir neue, tief religiöse Menschen, die sich ihrer Verantwortung vor dem Schöpfer bewußt sind!(Etwa nach dem Beispiele des Herrn Dollfuß?) Die. Lösung aller Pro21. Juli: Auf der fünften Seite steht unter dem seherischen Titel„Der Schuß ist draußen!" die Meldung von dem österreichischen Ultimatum an Serbien. Noch auf der fünften Seite. Noch will man nicht an die verheerende Wirkung dieses Stückchen Papier glauben. Noch ist es eine AuSlandSmeldnng unter anderen. 2 8. Juli: Siebente Seite: Die Stellung der übrigen Machte zum Konftikt. Petersburg, Paris, London, Berlin melden. Die Ausnahme in Serbien. Weitere Maßnahmen in Oesterreich. Das Unheil rückt näher. Sie sprechen alle davon wie Kinder, die sich vor dem schwarzen Mann fürchten, aber doch eigentlich auch das Gruseln lernen möchten. 2 7. Juli: Balkenlettern auf der Titelseite: „Auf des Messers Schneide!" An die Front, Sozialisten l Ueberall Versammlungen abgehalten! Gegen den Wahnsinn des Krieges mvbilisiett! Europa will den Frieden! Das ist zweifellos wahr. Aber während die Freunde de» Frieden» zu Versammlungen. mobilisieren, bereiten die Kriegshetzer Mobilisierungen ganz anderer Art vor. 2 8. Juli: Panik an allen Schweizer Börsen. Eine wahre KurSkatastrophc. Die Wöhningen wanken, weil die diplomattschen Beziehungen abgebrochen werden. Die Arbeiterunion Zürich rüst zu einer Massendemonstration ins Velodrom. Noch wiffen die Mächttgcn nicht, wie da» Ttahl- bad sich auf die GoldsafeS auswirken wird. Millionen Frauen zittern um ihre Männer, ein paar hundert Herren um ihre Papiere. 2 9. Juli: Ter internationale Soziakistenkon- greß muß verschoben werden. Die Wiener„Arbeiter- Zeitung" wird wegen eines Iriedensartikeks beschlagnahmt. Rasend rollt daS Rad. Schon soll nicht» mehr gesagt iverdeu. wa» dem Gemetzel vorbeugen könnt:. 2 9. Juli: Tas Internationale Büro tagt im Brüsseler BolkShauS. Viktor Adler, Molkenbnhr, Keir Hardie, Jean Janrös und als stiller Zuhörer und fanatischer Hasser deS Kriege», Viktor Adlers Sohn Fritz. Wunderbare Volksversammlung auf der Grand-Place in Brüssel. Jea» Janrk», der red.crtsche GeninS der internationalen Arbeiterklasse, hebt seine Hände warnend zum Himmel. Zur gleiche« Zeit wird in Zürich ein Extrablatt deS„Volk-recht" verteilt. Der Krieg Ist erklärt Wien, ü Uhr 45 Minuten: Oesterreichische Truppen rücken in Serbien ein. Keine Mahnung an da» Weltgewistcn nützt mehr. Die Gewalt hat das Wort. •' Erjix Meldungen vom Krieg? schau» vlätz. Will Deutschländ den Krieg? Auf den Pariser Boulevards staut sich die erregte Menge. Die englische Presse beteuert, daß England nichts ferner liege, als sich in den Konflikt einzumengen. Sir Edward Grey möchre ehrlich vermitteln. Mer der österreichische Außenminister Graf Bcrchtold bedauert, daß eine frjcDlichc Beilegung des Konflikts nicht mehr möglich sei. Kaiser Wilhelm und der Zar wechseln Telc- grannne, deren Inhalt niemand kennt. Scho» wächst überall das Mißtrauen. Es schleich: sich heimtückisch wie eine giftige Schlange zwischen die Völker, die einander doch nichts anhaben wollen. Aber ihre Lenker wünschen cS eben anders. 3 1. Juki: Balkenlettern. An die Bevölkerung Zürichs! Mahnung zur Befonnenheii. Kein Sturm auf die Banken! Bleibt den provozierenden KrlegS- demonstrationeu fern! Es ist erbärmlich, zu inveln, wenn andere Menschen ihre Hmit zu Markte rragcn muffen! bleme der Zeit ist so einfach: die Menschen brauchen nur die zehn Gebote in das Leben unrzusetzen und die Welt wird sich von selbst umgestalten.(DaS Gebot„Du sollst nicht täten" wurde bei der katho- lische» Erneuerung Oesterreichs wohl übersehen?). Der Friede Christi kann aber nur möglich sein im Reiche Christi. Daher muß Christus wieder Herrscher und König sein!(Christus heißt hier wohl katholische Kirche? Nur di« Kirche(natürlich ausschließlich die katholische!) kann durch ibre Bischöfe alle Nationen zum gemeinsamen Gev.'ie ausrufen. DaS„Baler unser" muß das gestaltende Prinzip in» Chaos der Zeit sein!— Mau kann nicht genug staunen, woher der Sprecher den Mut und die Prager Sendung die Bereiffchaft gbleite» konnte, den Friedenswillen der katholischen Kirche als allein erlösende Macht anzurufen— wenige Wochen nach dem in Oesterreich für alle Welt offenbarten Beweise für die besondere Art dieser Friedensliebe. Welches der zehn Gebote wurde nicht mißachtet, als Kanone», in Kirchtürmen postiert, den Tod ausspieen gegen Menschen, die für die ßeiligfeii deS Eides kämpften? Als Schwerverletzte zum Galgen geschleppt und hingerichtet wurden? AIS Wehrlose gemartert und umgebracht wurden? Als man die Hinterbliebenen der Opfer christlicher Nächstenliebe aufs Pflaster warf und dem Verhungern PreiSgab? Al» man den ehrlich erworbenen Besitz der Arbeiter stahl. Die Schlächter von Wien— sie repräsentieren jenes von Herrn Dir. Zäk geforderte„Mehr an Gewissen und sozialem Empfinden",. das die Ordnung von selbst gestalten wird! Die Ruinen der zerschossenen Häuser, die geplünderten VWo« theken, die Hunderte verwaister, Proletarierkinder, die Trümmer einer für die gesamte Kulturwxlt beispielgebend gewesenen Fürsorge- und Billtustg-arbeit --- sie dokumentieren den Friedenswillen gewisser Kreise in einer Art, daß einem die Schamröte in» Gesicht steigt darüber, daß es heute in ttner demokratischen Republik einem Sprecher möglich sein kann, durch den Rundfunk für diesen Friedenswillen Propagaima zu machen.— Richt mit dem Vortrage de» Herrn Dir. Zäk hätte ich mich an dieser' Stelle so eingehend beschäftigt. Aber da» Prinzip Wahre Worte aufrechter Ddänner. Am gleichen.- Tage werden die Beziehungen zwischen Rußland und Oesterreich abgebrochen und die österreichische Armee mobilisiert.\ -1. August: Der Bundesrat de» Schwer und alle Großmächte ordnen die Mobilisierungen ihrer Armeen an. Aus Paris kommt die Meldung von her Ermordung Jean Jaurks. Er wurde von Raoutl Bil« lain in einem Kaffeehaus nahe bei der Rcbaktirmder „Humanste" erschaffen. Dieser große Soldat des Frieden», der als erster aus dem Felde der wahren Ehre gefallen ist, wußte wie kein zweiter um die Wahrheit der Dinge. Er schreibt in seinem letzten Leitartikel:„-.. Die größte Gefahr liegt nicht in den Ereignissen reibst. Sie liegt nicht einmal in den wirklichen Anordnungen der StaatStanzleien, so verbrecherisch sie auch sein mögen. Sie siegt auch nicht im tatsächlichen Willen de» Volke». Sie liegt in der wachsenden Unruhe, die sich ausbreitet, in den plötzlichen Entschlüssen, v>e der Furcht entspringen, in der andauernden Angst.. Wie furchtbar Recht sollte dieser Prophet behalten! 3. A u g u st^: Die Schweizer Bnnde»ver«amm- lung erklärt den bestimmten Willen de» Volke», neutral zu bleiben. Zugleich mobilisieren die letzten noch verbleibenden Diächle. Eüropa ist ein brodeln.der Hexenkessel. Der bürgerliche Bund Schweizer' Frauenvereine reagiert darauf so:„Wie stehen vor der Tatsache, daß unsere ganze Armee mobilisiert wurde. Damit ist der Augenblick für die Frauen gekommen, ihre Besonnenheit und Tüchtigkeit zu beweisen und ihre Kräfte sür da» Vaterland einzusetzen. Macht den Männern da» Einrücken nicht schwer durch Klagen..." 4. August: In Basel wird ein Spionaaebüro ouSgehoben. Erste Meldungen vom russischen Kriegsschauplatz. Thronrede Kaiser Wilhelm»:„Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche. Zum Zeichen, daß Sie alle fest entschlossen sind... fordere ich die Vorstände aller Parteien auf, vorzutreten, und mir in die Hand zu geloben.. Auch da» Deutschland von heute kennt keine Parteien mehr, mir Deutsche. Selten ist ein cäsarisck überhebliche» Wort so grauenhaft in die Wirklichkeit umgeseht worden, wie im Neberdeutschland der Brannhordcn- 6. Ang n st: Schweizer Schulen werden geschlossen, weil Lehrer einrücken und die Schüler der oberen Klassen zu landwirtschaftlicher Arbeit herangezogen werden. Eine neue Epoche beginnt: Nicht mehr da? Wissen, sondern die Waffe gilt. Nicht mehr der frei: Entschluß de» Einzelnen, sondern der Befehl. 7. A u g u st: DaS Platzkommando von Basel ordnet strenge.Inventuren.jy..,allen..Lebcnswkiiel- "geschäftcn"Ml>^-*--4'-*•*’. Die neutrale Schweiz, vom Blutbad verschont, lernt die Rationierung der Lebensmittel kennen. 8. 8 u g u st: Ter französische Pneufabritant Michelin stellt dem Präsideuten der französitchen Republik eine Million Franken sür außerordentliche Fliegerleistungen zur Verfügung. Kommende Kriegsgewinnler wittern wunderbare Konjunktur. So also sah der Patriotismus der Unternebmer und der bürgerlichen Hausfrauen aus! Wir wollen es genug sein lassen mit diesem Kalendarium des Grauens. Nur eine Frage zum Schluß: Dürfen die Hitler- und Mussolini wirklich henke dort weiterzüngeln, wo vor zwei Jahrzehnten die Wilhelm und Franz Josef den Funken rn da» Pulverfaß warfen? Karla. verlangt leidenschaftlichen Widerspruch! Die Kirchen aller Art mögen innerhalb ihres Wirkungskreise» gemäß ihren Glaubensvorstellnngen die ihnen Zugehörigen erziehen, beherrschen oder leiten... da» sei ihnen unbenommen. Aber ihren religiösen Ideen „staatSpolitische Bedeutung" geben und sie zum führenden Prinzip der staatlichen Macht erheben zu wollen... das ist eine Anmaßung, die mit dem Begriffe einer deniokratischen Republik einfach unvereinbar bleibt.— Am DienStag verzeichnete Genosse Dr. Emil S t r a u ß in einem wirtschaftlichen Relief einige Besserungserscheinungen im Wirtschaftsleben. Wesentlich sind die Steigerung der Ausfuhr, die Abnahme der Zahl der Arbeitslosen. Schwierig sind noch innner die Bedingungen de» Welthandels. Die Landwirtschaft leidet in bedrohlichem Maße unter der Dürre. Die Industrie hat feit dem Frühjahr einigen Aufschwung zu verzeichnen. Sehr gering ist leider die Tätigkeit in der Bauindustrie. Besonders die öffentlichen Körperschaften versagen, da ihnen wegen der trostlosen finanziellen Lage jede Bautätigkeit unmöglich fft. — Erschütternd war das Bild, das Alb. Loos von der Lage der Gebirgsbauern gab. Er beschäftigte sich insbesondere mit der trostlosen Wirtschaftslage im Erzgebirge— glitt aber sehr bald in mehr geographische und topographische Betrachtungen ab. — Wie pünktlich die Sendung manchmal arbeiten kann! Die deuffchen Nachrichten am Dienötag wurden mit dem Schlage 7 Uhr mitten im Worte ab- gerissen. Bei Wettspielreportagen verhält sich Sender wesentlich anders.— Am Donnerstag gab e» einen Genuß für alle Musikfreunde: eine Sme- tana-Dvotäk-F ei er im Konzert der ifche- chifchen Philharmonie. Smetanas finf. Dichtung „Wallenstein» Lager" und Dvoräks Sinfonie in D-Moll umrahmten einige der„Biblischen Lieder", die von Hedda Grap mit Inbrunst gesungen wurden.— Am Freitag kam über Straschnitz ein ftöhliche» Kunterbunt„M ein Freund Bobby", ein Allerlei au» Witzen und Anekdoten, da» man mit Vergnügen al» Erfrischung am heißen Frühnachmittag entgegennabm. mit Dank für den Tonfkreneier Sordan. Thöne,. Tm Prater RwmHuhK Seite S Sonntag, 8. JuN 1934 «o../ 1".' Heute OWWcle-kestruß PRAGER ZEITUNG . 1,475.988 Tonnen, 108.875 Tonnen, cs: 11b des des Der reiche Heilmittelschatz(Eisenmineralmoor, Mineral* und Glaubersalzquellen) dos Weltkurortes Belizer«ohlenberqba«- Antrag auf Verwendung des Reinerträgnisses wurden genehmigt.-. Die Bilanz weist für daS Geschäftsjahr 1988 einen Oleingewinn von Xi 2,154.415.80(im Vorjahre XC 2,270.818.81) aus. Die Dividende wurde unter Heranziehung eines Teiles des Gewinnvortrages mit XL 25.— pro Aktie «.wie im Vorjahre) festgesetzt und gelangt ab 0. Juli 1034 zur Auszahlung. Der. nach den» Gesehe vom 25. Feber 1029, 2lg. Nr. 148, den Arbeitnehmern zusallende Anteil am Oleingewinn beträgt Xö 250.000.—.- Dem Geschäftsberichte entnehmen wir insbesondere: Absab und Preise haben im Jahre 1088, weitere Verschlechterungen erlitten und eS ist der Absatz .gegen daS Jahr. 1032 um weitere 8.1% zurückgeblieben, wiewohl dieses Jahr durch einen 8wöchi- gen Arbeiterstreik betroffen war. Infolge deS milden Winters war der Ausfall im Absatz der Grobsorten stärker als jener der für Jndustriezwecke in Betracht kvmmendei» Klarsorten. Die Tiefbanschächte konnten im Jahre 1088 nur an 145 bis höchstens 170 Tagen ' fördern, wobei auch diese stark eingeschränkte Förderung nicht vollen Absatz fand. Der Stand der Kohlenvorräte tvar am Ende des Jahres 1983.nm etwa Gp% höher als zu Beginn. Die Kohlenerlöse wurden —. abgesehen von der allgemein weichenden Tendenz — am stärksten durch die von der Regierung vor- Veriangen Sie In loder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER A Cie., PILSEN Bei Rrrurnreizbarkeit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Mattigkeit, Niedergeschlagenheit, Angstgefühlen hat man in dem natürlichen„Franz-Josef"» Bitterwasser ein Hausmittel in der Hand, um die meisten Aufregungen, von welchem Teil des Berdau- ungSwegeS sie auch immer auSgehen mögen, all- fogleich zu bannen. Aerztlich bestens empfohlen. 2106 SnornO, NntetfReGüG während d. Herten oh. Echultahr Im Oengonot NMoiimm ««»et o. A. runder s—20 I. Twechlk«, Ntranz., Enni. Miiktk, Sport, Stetten, Schwimmen. Sonnenbäder kür Schwache n. Blutarme. Rbema-Lettnnltalt. Prospekte aratis. 2119 Hauptversammlung der llrania. Zu dem am 5. d. M. erschienenen Berich» über die tzanpiver- saminlung der Urania tragen wir nach, daß in dos Kuratorium weiters Univ.-Prof. Dr. G. Jungbauer und in die Reihe der korrespondierenden Mitglieder Bürgermeister Leopold P ö l z l(Aussig) gewählt wurden. Seine kindliche Wissbegierde hatte es dann" auf das Wasserfaß klettern lasten; dann verlor es das Gleichgewicht, stürzte kopfüber in die Wassertonne und erstickte hilflos. Zu der Strafverhandlung hatte sich die Angeklagte nicht eingestellt. Ihr Verteidiger legte ein ärztliches Zeugnis vor, aus dem hervorgeht, daß sie infolge der furchtbaren seelischen Erschütterung durch■ den Tod ihres Kindes einen völligen Zusammenbruch erlitten hat und sich bis auf weiteres in Anstaltspflege befindet. Der Verteidiger bat, in ihrer Abwesenheit zu verhandeln— ungeachtet der Nachteile, die sich durch Wegfall der persönlichen Verteidigung für den Angeklagten zu ergeben pflegen. Ten» es bestehe, wie der Anwalt betonte, keine Möglichkeit, die Angeklagte vor Gericht zu bringen, ohne ihren Scelenzustand aufs schtvcrste zu gefährden, was bei der Aufrollung dieses Falles unausbleiblich sei. Das Gericht fällte einen Freispruch. rb. Sammelplatz: 7—9 Uhr früh Georgsplati(Weinberge) Der Film •in Stenn Bet Tnt Wen die Filmdarbietungen der letzten Spielzeit. so wehmütig gestimmt haben, daß er sich baju hinreißen liefe, die verschollenen Kientoppdramen aus Wildwest znrückzuwünschen, der wird jetzt beim Wort genonimen: dieser amerikanische Film ist wirklich und wahrhaftig ein Schauerdrama von Cowboh, Prärie und schießfrohen Abenteuern. Ter einzige Fortschritt ist die Einführung des Automobils, das hier— mit den» edlen Mustang gleichberechtigt— eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Der Held dieses komischen Reifeers heißt nicht mehr Tom Mix, sondern Bob Steele. Aber sonst ist alles wir es einstmals war— und wer Jugenderinnerungen aufsrischen will, versäume nicht, die Gelegenheit wahrzunehinen.—eis—’ Diensten der Gesellschaft gestanden tvar. Der Geschäftsbericht»nid der OiechnnngSabschluß JahreS 1933 sowie der Antrag auf Verteilung Reingewinnes wurden ge»»ehn»igt. Tie Bilanz weist eine»» Oleingewinn von X5 2,890.289.18(im Vorjahre XL 3,780.295.43) aus.' Die Dividende wurde unter Heranziehung des größten Teiles des GewinnvortrageS niit Kd 20.— pro Aktie(wie im Vorjahre) festgesetzt und gelangt ab 9. Juli 1934 zur Auszahlung. Der nach dem Gesetze vom 25. Feber 1920, Slg. Nr. 148, den Arbeitnehmern zufallende Anteil am Reingewi»»n beträgt Xö 400.000.—. Dem Geschäftsberichte, dem eine Ehrenliste der Nelson-Opfer voraugestellt ist. entnehmen wir folgendes: Die in einzelnen Jndnstrieztveigen bereits beobachtete Besserung der Wirtschaftslage hat sich bei»n Braunkohlenbergbau bisher noch nicht bemerkbar gemacht; vielmehr ist der Absatz der Werke noch um weitere 7% gegen daS Jahr 1932 zurückgeblieben, wiewohl dieses durch einen dreiwöchigen Arbei- termisstand betroffen war. Sehr drückend auSgewirkt haben sich die amtlichen Maßnahmen ii» den für die Wirtschaftlichkeit des Betriebes niaßgebenden Belangen, namentlich in der Arbeiterfrage sowie bezüglich der Preisbildung, insbesondere durch die der Kohlenindustrie auferlegte Ermäßigung der Preise für einzelne HanSbrand- sorten. Der Absahmangel hält auch derzeit noch an und dürste voraussichtlich nach Erschöpfung der Lagerplätze in den Sommermonaten sehr ernste Folgen zeitigen, weshalb auch für das laufende Jahr 1984 eine Besserung der Ergebniffe nicht erhofft werden kann. Die Gesamtförderung der Schächte betrug im Fahre 1038 1,818.456 metrische Tonnen sortierter Kohle gegen 1,889.986 Tonne»» im Vorjahre, demnach nm 4.1% weniger. Gegenüber der Förder»»ng des Jahres 1929 von 2,718.960 Tonnen beträgt der Ausfall 005.504 Tonnen oder 89.3%. 2667a geschriebene, Herabsetzung der Preise für einzelne HauSbrandsörten beeinträchtigt. Die bisherige GeschäftSenttvjcklung des JahreS 1034 gibt keinerlei Anhaltspunkte für eine Hoffnung auf baldige Besterui»g, fo daß den bevorstehende»» Sommermonaten»nit Besorgnis entgegengesehen werden nmß. Die Gesamtfördenmg der Schächte im Jahre 1933 betrug: verlieferbare Kohle.. gegenüber dein Vorjahre weniger um... d. s. 6.0%. Gegenüber den» Geschäftsjahre 1029 mit 2,275.752 To»»»»cn beträgt der Ausfall 799.769 Tonnen— 85.1%. 2666a Schwer gefallen ist dem Verein Deutsches Haus, anläßlich der Ar« beiter-Olyinpiade endlich eine Fahne heraus« zuhängen. Die Herren habe»» sich sehr lange Zeit gelassen. Den ganzen Donnerstag über, da an allen Häusern des Grabens bereits Fahnen ausgesteckt tvaren, fiel die Front des Deutschen Hauses den zahlreichen Deutschen, die aus der Provinz zur Olympiade gekommen waren,■ dadurch auf, daß sie keinen Flagge>»schmuck trug. Endlich an» Donnerstag abends, da der Leitung zu Ohren gedrungen war, welches Aergernis es gerade bei den Besuchern aus der deutschen Provinz erregte, daß daS Deutsche HauS ohne Fahnen war, rang sich die Leitung zu dem schtveren Entschluß durch, eine Fahne herauszuhängen. Wir freuen uns wenigstens, daß die Erziehungsarbeit an derLettung des Deutschen HauseS nicht ganz vergebens geleistet worden ist und hoffen, daß. das Deutsche Kasino auch künftighin den Bedürfnissen dec Massen der deutsche»» Bevölkerung mehr Verständnis entgegenbringen wird, als bisher. Aenntn-rttns „Maier macht fein Glück." Groteskes Lustspiel mit Siegfried Arno. Zwei Stunde»» Lochen. Boriiih- rungen heute, Sonntag, 4, 6, viertel 9 Uhr. Klimeni- skn 4, Fernsprecher 61623. i-c Physik al. Ollllst, Heilmethoden— Mnthtam MUIn Prelle.— Cheterst Dr. J. Neugebauer. Aeeklettei Karenetelt oder duveh E. Sotka. Präs X»„ Teutwe iS, Vivant sequentes... Da liegen sie: geschlachtete Oiebellen. Des Führers Dank war ein« Ladung Blei. Es fräst der Mord die braunen Mordgesellen, Der Obermörder atmet wieder frei. Nm» ja, das Leben ist nichts Permanentes. Vivant sequentes! Bon Blut und Macht besoff'ne kleine Bürger, Hat jeder an die Ewigteit geglaubt, Bis ihnen der von Gott gesandte Würger Den Glauben an die Ewigkeit geraubt. Ja, Treue ist nun einmal nichts Latentes. Vivant sequentes! Die hohe Kunst der braunen Päderafte» Ist durch Erlast offiziell verfemt. Der keusche Führer mußte sich entlasten: Mit raschem Zugriff bat er sich entröhmt. Das Leben hat nun etwas Vehementes. Vivant sequentes! Ihr habt das Lebe» nicht zu viel geachtet. Was war der Mensch euch? Eine Kleinigkeit. Jetzt hat euch euer Führer hingeschlachtet; Ist das kein Glück? Ich fühle keinen Reid. Ja, Mord ist iinmer etwas Turbulentes. Vivant sequentes! Tast euch die Menschen nicht beweinen können Ist eure Schuld. Ihr habt eS so gewollt. Man kann euch diese» schnellen Tod nicht gönnen, Der Teufel hat euch viel zu schnell geholt. Doch au» den Herzen aller Menschen tönt Vivant sequentes! Die Säuberung ist endlich abgeschlossen. Erstaunlich war des große» Führers Mut Er hat euch wie Kaninchen abgeschossen; Ein Führer weiß doch schließlich, was er tut. Ihr nmrt dir Säulen seine» Regimentes: Vivant sequentes! Kling. Volkswirte und WM Die«rbeitelofigk-it in den Bereinigten Staaten Stack den Erklärungen deü Vorsitzenden des amerikanischen GeloertschaflsbundeS ist seit Vorigem Jahre die Arbeitslosenziffer in den Vereinigten Staaten um 3% Millionen gesunken. Es sind jetzt noch über 10 Millionen Arbeitslose Vorhanden. Der. Gewerkschaftsführer macht darauf aufmerksain, daß die zur Bekämpfung der Ar- Veitslosigkeit aufgewendeten Mittel in Höhe von ■i] /j Milliarden Dollar dem Resultat keineswegs entsprechen, ihn so weniger, als auch in den Vereinigten Staaten wieder eine RückschlagSwelle im Anzug zu sein scheint, so daß ein erneutes Ansteigen der Massenarbeitslosigkeit zu befürchten ist BezugSbedtngu n g e n: Bei Zustellung MS HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich Xä 1«.—. vierteljährig XS 48.—. halbjährig XS OS.—, ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preis Nachlaß.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bet Einsendung der Retourmarlen.—.Die ZenungSfrankatur wurde von der Poft» und Telegraphen« direktion mit krlaß Slr. 1S.809/VV/19S0 bewilligt.— Dnickttek:„vrbiS" Druck- Verlags- und ZeitungS-L.-G. Prag. ticrlcbtesMl Das Kind im Wasierfah ertrunken— die Mutter angettagt Prag, 7. Juli. Um eines unbeaufsichtigten Kindes!.... In vielerlei Gestalten durchlaufen derartige Meldungen die Tagespresse. Ein Kind ist verbrannt oder erstickt. Durch unvor- sichtiges Hantieren mit dem Zündholz; ein Kind. ist aus dem Fenster gestürzt; ein Kind ist ertrunken; eii» Kind hat den Gashahn geöffnet und dadurch den Tod gefunden; ein Kind ist vor das Auto gelaufen und überfahren worden— und alle diese lakonischen Pressenotizen um die Tragödien kleiner Erdenbürger pflegen ein gerichtliche» Nachspiel zu haben. Meist stehen die leiblichen Eltern des toten Kindes vor Gericht unter der Anklage des-JB e rg eh en s g egen dieSicherheitdeS Leben Sc-. Man kann sich nicht» Tragischeres denken, al» derartige Strafverhaudlnngen. Ihr Tatbestand ist fast ausnahmslos auf die Formel zu bringen: Di e Eltern in die Arbeit, daS Kind inden Tod. Es ist ein richtiges Proletarierdelikt, da» da zur Verhandlung steht, denn wer sei»» Kind der Obhut eines Erzieherpersonals anvertrauen kann, hat.es natürlich nicht notwendig, auf der Anklagebank Platz zu nehinen. Ein besonder» tragischer Fall dieser Art wurde vor den» Einzelrichter OGR. Sitta verhandelt. Die Gattin eine» Privatangestellten aus M n i s e t war angektaat, durch sträfliche Vernachlässigung der Aufsichtspflicht den Tod ihres dreieinhalb Jahre alten Söhnchens verschuldet zu haben. Der traurige Vorfall ereignete sich am 9, April d. I. Der Vater war im Dieirst, die angeklagte Mutter besorgte die Hausarbeit und beaufsichtigte durch die geöffnete Küchentür ihr Kind, da» im Garten spielte. Sie hatte also ihr Kind ständig unter Aufsicht und konnte sich, wie mich die Anklage einräumt,.mindestens alle zwei Minuten" davon überzeugen, daß ihr Kind nicht gefährdet sei. Dann aber kam unglücklikherweise eine etwas längere Ablenkung und inzwischen war das Kind verschwunden. MeS sofort eingeleitete Suchen blieb vorerst vergeblich. Erst nach längerer Zeit sah»nan die Füßchen des Kindes aus einem Wassers aß ragen, das zur Bewässerung des Nachbargartens a>»f dem angrenzenden Grundstück aufgestellt war. Der Zaun, der die beiden Liegenschaften trennte, hatte eine Lücke, durch die daS Kind im unbeausiichtigten Moment geschlüpft war. Klassen- Lotterie! Treffer gibt’s In Jeder Klasse Bei Ressler, Treuer, Tmeriuse 3429 Also: heute noch bestellen! Mitteilungen aus dem Publikum Wie soll man natürliche Mineralwässer behandeln? Auch für die rein natürliche»» Mineralwässer, bei welchen Wohlgeschniack und Heileigenschaften erhalten bleiben sollen, gelten besondere Vorschriften bezüglich derei» Behandlung und Aufbewahrung Leider ist dies zmn Schaden der Verbraucher noch viel zu wenig bekannt. Vor allem müssen die Flaschen kühl und liegend— am besten im Du»»keln— auf. bewahrt werden. Der gute, prickelnde Geschmack bleibt erhalten, wenn die geöffnete Flasche sofort wieder mit einem frischen, nicht angebohrtzn Ersatz, korke verschlossen und ebenfalls liegend aufbewahrt wird, so daß daS Mineralwasser mit dem Korke in Berührung bleibt. Bei Mischung mit heißer Milch (z. B. Mattoni's Gießhübler mit heißer Milch) wird das Mineralwasser durch Eingicßen in.die Milch er- wännt. Es empfiehlt sich, während der heißen Jahreszeit das natürliche Mineralwasser nur k»»rze Zeit auf Eis zu stellen, wie es überhaupt zu vernieiden ist, daß die wohltätigen Wirkungen desselben durch extreme Einflüsse beeinträchtigt werden. Auch die Haltbarkeit spielt eine große Rolle. An der Quelle vorgenoimnene Versuche haben ergeben, daß sich „Mattoni'S Gießhübler" dank seiner-glücklichen chemischen Zusammensetzung auch nach längerer Lagerung in keiner Weise verändert. 2665a hn Wv-ßM mit besonderer Triebkraft und höchster Haltbarkeit, garantiert reine» Malzniohl und feinsten rekt. als auch denat. 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