14. Jahrgang Dienstag, 10. Juli 1S34 Nr. 158 Hitler IM seinen Mächtiger Ausklang der Olympiade Stellvertreter reden Ein verldgener Friedensappell Berlin, v. Juli tTsch. P.-B.) Rach ein» wöchigem Schweigen der entscheidenden deutschen Persönlichkeiten ergriff am Sonntag in Königsberg der Stellvertreter Hitlers, Rudolf Hetz, das Wort. Wenn erwartet wurde, datz endlich ein offenes Wort über die geheimnisvollen Ereignisse deS 30. Juni gesprochen werden würde, so bedeutet die Kundgebung Hetz' eine Enttäuschung. Minister Hetz wiederholte nur daS, was bereits aus den amtlichen Nachrichten bekannt ist, ohne fich näher mit dem Charakter der vorbereiteten Revolte zu beschäftigen und ohne »uszuklären, warum die Er- greifungdiefer dra st ischen Maßnahmen notwendig war, deren Opfer bisher nicht alle bekannt find. Im übrigen begnügte sich Hetz damit, Hitler wegen seiner„soldatischen Energie" zu beweihräuchern. Jeder Deutsche hätte angeblich Zeuge deS 30. Juni sein sollen, wie Hitler in einer„unerhört gewaltigen Leistung seinem Wolle» Gestalt und Form gegeben habe. Hitler habe dem Boll einen„gewaltigen neuen Impuls in dem Wissen gegeben, datz von seinem Tun allein Glück und Glücksgefühl, Hoffnung und Dille der Deutschen abhängt." Hetz legte in seiner Rede den grätzte» Nachdruck auf den Teil, der fich mit der A« tz« n» Politik beschäftigt. In feinem Appell an die Generation der Frontkämpfer in der gangen Welt und in feiner suggesti»ru SchildernNg, als ob eine Kriegsgefahr vor der Tür stünde, kann daS Streben erblickt werde», die Aufmerksamkeit der deutschen Oeffentlichkeit von den innerpolitischen Fragen auf die auswärtige Politik abznlrnkrn. . In dem außenpolitischen Teil beteuerte Hetz den Friedenöwillen Deutschlands und gab der Ueberzeugung Ausdruck, datz auch B a r t h o u den Frieden mit Deutschland wolle trotz mancher Redewendungen, die BerständigungSbereiten unschön ins Ohr klingen. Sei doch Barthou ein Mann, der politische» Weitblick mit persönlicher Kultur verbinde. Rach Verständigung mit seinen Nachbarn könne Deutschland sich mit einem Mindestmatz an Rüstung begnügen, das zu seiner Sicherheit nötig sei. Deshalb appelliere er an die Frontkämpfer tn anderen Staaten, ihre Regierungen bei ihren Friedensbemühungen zu unterstützen. Ob schuldig oder nicht, spielt keine Rolle Aufmerksamkeit erregte die Erwähnung des Ministers Heß, daß bei Militärrevolten jeder zehnte Mann erschossen wird, ohne Rückficht darauf, ob er schuldig oder unschuldig ist. AuS diesem AuSspruch kann man den Schluß ziehen, daß keineswegs die Schuld aller erwiesen war, die vor einer Woche hingerichtet wurden. AndinaMdite BcmkhheM zu Ende Wien, 9. Juli. Dir^Reichspost" meldet aus München, daß fich unter den in den letzten Tagen in Deutschland verhafteten Personen auch Theo Habicht, der„LandeSinspektor der österreichischen nationalfogialistifche» Partei", befinde. Auch der bekannte Kommandant der Tiroler Nationalsozialisten, H» f e r, der auS dem Gefängnis in Innsbruck«ach Italien und von dort Wetter im Flugzeug nach München flüchtete, wurde verhaftet, als er a«S München flüchten wollte. Die Landesleitung der NSDAP. Oesterreichs, die sich nach wie vor in München zu befinden scheint, bezeichnet zwar die Meldungen, datz namhafte Führer der NSDAP. Oesterreichs an der Revolte Roehm beteiligt waren, als„völlig erlogen". Bezüglich Habichts wird jedoch lediglich die Meldung von seine: Erschießung dementiert. Das scheint die Nachricht von seiner Verhaftung Her zu bestätigen. Frcihclhjubcl in der Hauptstadt Ein hdbes Hunderttausend tat Umzug— viele Zehntausende tat Spoiler Internationaler Aufmarsch— sooo sudctendculschc Männer und krauen Triumphzug der tschechischen Sozialdemokratie! Diese letzten Prager Tage wären für jeden Sozialisten zu jeder Zeit ei» ganz großes Erlebnis gewesen; aber in d i c s c r Z c i t stell- tcn sie ein fast unsagbar glückliches Ereignis dar, dessen Bedeutung übrigens in dieser Stunde sich vielleicht noch nicht einmal ganz übersehen läßt Darüber wird aber wohl»och manches gesprochen werden. Zunächst jedoch, noch völlig unter dem Eindruck des Geschauten, Erlebte» und Er- fühlten, wünschten wir, daß in diese Zeilen mit- cinfließen könnte die Begeisterung, die Beglük- kung der vielen Zehntauscnde, die dabei waren; denn nur die Bcredtsainkeit dieser Glücklichen könnte den Hunderttausenden, die leider nur aus der Ferne ihr Fühlen mit dem unseren vereinigen konnten, eine— immer noch unzulängliche — Vorstellung von dem wahrhaften Glanz, von der überwältigenden Größe und der eben nicht hoch genug einzuschätzenden Wirkung dieser Olynrpiale.geben. Allein schon die Fülle der Geschehnisse und Bilder macht eine zulängliche zusamincnsassende Würdigung an dieser Stelle unmöglich. Womit sollten wir beginnen? Mit der Schilderung die- seS Prag, das vielleicht niemals vorher so sehr Volksstadt gewesen war? Mit seiner Ueberflu- tung durch das Rot der Stimmung, deS Willens, der Fahnen, der Fcstzeichen? Mit den immer wieder brüderlich sich berührenden Massen verschiedener Zunge? Vielleicht würde da unser Blick zu stark abgelcnkt von den Masscnwundorn im Stadion, von den alle Erwartungen tibertreffenden Leistungen am Feld, von der bcispiel- losen Anteilnahme, von dem inimer wieder sich entzündenden Jubel im Amphitheater. Theater? Ja, Theater war es, unübertreffliches Schauspiel dos Gefühls für Disziplin, eisernen Willen, unverbrüchliche Zusammengehörigkeit, aber auch Schauspiel der Bewegung, der Aktionsfähigkeit und-Bereitschaft, erobert durch Erkenntnisse und Seclenkraft, die sich zu Licht und Luft, zu Far- benpracht und Sinncsfreude, zum Glück-Erleben und-Verbreiten durchkämpft, allen Nöten, allen Bedrängnissen, allem Elend zum Trotz! Nein» das waren nicht mehr die„Hinter- fassen" der Nationen, die dort spielten, übten, turnten; das waren— man braucht nur etwa an den beispiellosen, unvergeßlichen Aufmarsch und Akt der P i l s n e r T u r n o r zu denken— die Vorkämpfer der Nation, wahrhaftig ihre besten Söhne, den Aufstieg der Klasse vor- sinnbildlichcnd, die Ueberwindung der Klassen durch das Ethos des sozialistischen Arbeiters vor- heißend, fast schon sichernd! Und doch muß das scheinbar unübertreff- liche Bild vom Stadion einem noch grandioseren, bedeutenderen Gemälde Platz machen: der Erinnerung und Würdigung dieses sonntäglichen Masscnzugos durch die sonilige, frohe, jubilie- rendc Stadt, dieses zweicinhalbstiindigen Anmarsches auf den Altstädter Ring! Diese ewig wechselnde Symphonie der Farben, daS ehenic und doch beschwingte Defilö, der Liebreiz der Jungturnerinnen, die strahlende Bewußtheit der Männer, die Rufe der Marschierenden und daS Eche aus dem.Spalier, auf den Straßen, von der Tribüne, die lauten Bekenntnisse zur Demokratie, zum Sozialismus, zur Partei, zu Masaryk—• fürwahr: ein Film des Lebens und Wollens in der Republik und in der Arbeiterschaft, wie ihn eindrucksvoller, imposanter, zwingender und be- deutungsvoller kein Gehirn ersinnen oder. aus dem rein Künstlerischen gestalten könnte. Und unter den Höhepunkten der strahlendste: die Verwirklichung des internationalen Gedankens, die Selbstverständlichkeit der rauschenden Brüder- grüße zivischen Tscheche» und fremdsprachigen Gästen! Welchem Sozialdemokraten, darüber hinaus welchen: international Fühlenden, welchem staatspolitisch- demokratisch Denkenden mußte nicht daS Herz aufgehen angesichts der Tausende sudetendcntscher Turner, die da ans dem Boden Prags einherschrittcn und einpfangcn wurden nicht wie Gäste Prahas, sondern als eben beheimatet in diesen Reihen, in denen dann der endlose Zug der Tschechen die gigantische Haupt- sänke bildete! Kraft, Selbstbewußtsei», Klarheit, Freude. Stolz, Freiheitsgefühl, Frciheitslust, Freiheits- vertrauen— dies die inneren und äußeren Zeichen deS denkwürdigen Prager 8. Juli und dieser Olympiade überhaupt! Freie Kraft einer den demokratischen Staat erhaltenden, die Demokra- tie der klassenlosen Gemeinschaft bauenden, in- ternational denkenden und handelnden Arbeiter- schast! Historische Manifestation nntcr den roten Bannern des vermenschlichenden Sozialismus— während drüben und drunten KonzentratianS- lager, Scheiterhaufen, Berge von Leichen, dir Schreie Gefolterter und alle Lcidensstationcu blutig erpreßten Schweigens die Meilensteine aus dem Weg in Schmach und Untergang bilden; hier der Name Masaryks als deS Vorbilds der Menschlichkeit, der Kultur, der Einzel, und Mas- sen Erziehung auf tschechischen, deutsche», slowakischen Lippen— dort das Granen deS Barbaris- mns, des Führerivahns um Gestalten, die die Weltgeschichte wie Neros und BorgiaS belaste»! Hier ein freies Gemeinwesen, in dem der sozialistische Arbeiter Respekt abringt dem poli- tischen Gegner und diesen nun erst recht zud demokratischen Ueberwindung der Tagesprobleme koaliert— dort die mörderische und sclbsünördcrischc Vergottung einer ein- zigcn, von der rohen, rückwärtsgcrichtcten Gewalt getriebenen Bewegung! Auch über sie aber ist mit der Olympiade mehr als ein idecl- lcr Sieg crstrittcn— mit dieser Olympiade, deren innerer Wert weiter mächtig auSstrahltn wird in Prag, an den Grenzen und darüber hinaus! Der Zug der 58.000 Herrlich schön ist der Anblick des Wenzelsplatzes in den frühen Sonntag-Vormittagsstunden. Das Bunt der Fahnen schlingt sich wie eure Girlande vom gewaltigen Abschlußstück deS Museums tief herunter zum Wcnzelsplah. Ein leichter, crsrischendcr Wind fährt durch die Tücher und läßt sie sich feierlich aufbauschen. Flammendes Rot, unterbrochen vom Blauweißrot der Staatsfahnen, soweit das Auge rcchit. Die Stadt ist bereit, die Arbeitcrsportlcr zu empfangen... Anmarsch der nassen Schon um sechs Uhr früh flanieren die ersten Schlachtenbummler durch die Straßen, beginnt die Massenwanderung in die Durchmarschstraßcn des großen Festzuges, der deii Vormittag Prags beherrschen wird. Und dazwischen bereits Musik, viel Musil, immer neue Trupps, die die engen Straßen hinauf in die Weinberge ziehen. Die Sport ler, die Jugend, die Partciscltionen... Sie reiß! nicht ab, die Ouvertüre des gewaltigen FestzugeS, ES ist keine Kleinigkeit, dieses Maffenhcer. daS jetzt noch chaotisch durchcinanderzufließen scheint, in gestraffter Ordnung vorbcidcfiliercn zu lassen. Und doch, cs gelingt! WaS sich am GcorgS- platz, dem Sammelpunkt des FestzugcS, vorerst im uncntlvirrbarcm Knäuel zusammeuzuballen scheint, cnttvickclt sich im Laufe von zwei Stunden zu jenem planvoll und mit viel ästhetischem Sinn zusammengestellten Bild der Disziplin und der Geschlossenheit. Lebende Triumph-Mauer Inzwischen ist cS halb zclsti Uhr geworden... In der Fochova, auf dem Wcnzelöplatz, am Ma« saryk-Kai tvartcn schon die Massen in diLstcM Spalier. Der Straßcnbahnvcrkehr in den Durch- Atus-Turner auf dem Wenzelsplatz «dies Dienst«,, 10. Juli 1034 marschftraßcn ist. eingestellt,. die. Straßen werden, durch Ordner und Pölizci fiir den. Festzug freige« halten, aber auf den Gehsteigen drängen sich di" Unzähligen, cs scheint, als ob ganz Prag herbei« geströmt sei. Eingekeilt wie. eine Mauer steht dir Masse, und zloische» ihr drängen sich die Fähn- chenbcrkäufcr, die Slowakinnen mit ihren bunt« leuchtenden Papicrbiischcln, die Eismänner mit -Frigo". An ein Durchkommen ist nicht mehr zu dcn- .ken, zwanzig Mieder stark steht an manchen Siel« len die Menge. Maucrvorspriinge, Latezmen- pfähle sind längst erklettert, Zeitungöstände werden gestürmt und als Aussichtspunkte benutzt, in den Fensterrahmen hängen die Schlustigcn wie Trauben, die Kaffeehäuser haben ihre Fxnijer« Plätze bereits seit vielen Stunden an unentwegt Ausharrcndc vergeben und auf den Dächern selbst lagern die Prager in dichten Scharen... Sie Komment Plötzlich hebt von der oberen Fochova her ein Brausen an, das wie ein Orkan ständig zunimmt, um schließlich in einem Jubel ohnegleichen über- zugehcn.„Sie kommen! Sie kommen!!" rufen Zchntausende, und der Jubclschrei findet ein Echo in unzähligen Fensterrahmen, schwingt sich über Dächer und Gesimse. Bon einer Gruppe uniformierter Ordner, die in vorbildlicher Exaktheit aufmarschieren, wird der Zug eröffnet.' Eine große Staatsflagge, Symbol der Verbundenheit der Arbeiter mit der demokratischen Republik, wird von den Ordnern dem Zuge der 58.000 vorangetragen. Nun kommen Radfahrer und Radfahrerin« ncn.. Das Schwarz-Weiß ihrer Tracht gibt dem Farbeiispicl eine neue, belebende Note. Eine neue Welle des Beifalls erhebt sich: die Jungen kommen! Die Jugend des. Sozialismus marschiert in gewaltigen Reihen und gibt jenen, die so gern da« von faseln, daß die Sozialdemokratie eine Partei ohne Jugend sei, die entsprechende Antwort! Ai: ihnen die Freude über den herzlichen Empfang au: den frischen, zukunftsfrohen Gesichtern keuchtet! „Hoch das rote Prag!" so kommt es aus tausenden junge» Kehlen.„Es lebe der Sozialismus!", „Es lebe Masarykl",„Verteidigt die Demokra« tic!" Die Massen antworten mit brausenden „Razdar"- nnd„Freuudsä-aft"-Rufen. Die Jungen schwenken ihre Fahnen, schwenken die Hütt, grüßen und winken, daß die Straße von ihrer Begeisterung widerhallt. 1000 Pfadfinder marschieren mit 150 Fahnen vorüber, von den Massen immer wieder mit Beifallsstürmen begrüßt. Eine besondere Ovation überschüttet die Legionäre, die in langem Zug, bunte Sträuße au den alten Fahnen, in ihren italienischen, russischen und französischen Uniformen im Zuge marschieret« Dann folgt der leitende Ausschuß der Dritten Ar- beiter-Olnmpiade mit dem Vollzugsausschuß unserer tschechischen Bruderpartei. Zahlreiche Abgeordnete und Senatoren der Partei sind im Zug, in dem auch eine Delegation des PartcivorstandeS der sudetendcutschen Sozialdemokratie vertreten ist. Und jetzt kommen «o AulaitiMeftllMci Da sind die Amerika n' c r, die Männer In der Tracht der DTJ., die Frauen in kleidsamer Sportdreß. Ein großes Sternenbanner wird der Delegation voranLetrageu. Dann komnie» die Engländer. Sie grüßen lebhaft, die Menge grüßt ebenso lebhaft zurück.. Sehnige Gestalten, beste Auslese großbritannischer Albeitcr-Körper- tultur. Belgien wird stürmisch begrüßt. Eine glänzend ausschendc Gruppe. Besonderen Beifall ernten die Franzosen, zierliche, aber sportgestählte Frauen, scharfgeschnittene Gesichter der Männer. Aur emem Eaft am Wenzelsplatz werden Blumen gewbrfen; eine Ehrung, die di« Iran« zosen mit Dankesworten erwidern. Holland märschirt n«it bekränzten Fahnen auf. Die Pol e n sind mit einer besonders starken Delegation vertreten, immer wieder winken sie den Massen zu, die auf die demonstrativen'Grüße der Vie Roten Falken im Festzuge polnischen Sportler stürmisch reagieren. Die Jugoslawen, die Ungarn, die Rumänen folgen, Musikkapellen flankieren da- bunte, fesselnde Bild des internationalen Dcsifls. Nun konnnen die S ch w e i z e r. Sie Winken vertrant und fast familiär und lachen über das ganze Gesicht. Es ist eine famose Delegation, etwa dreihundert Menschen, die dem Publikum sogleich ans Herz wachsen. Und sie selbst scheinen sich schon ganz zu Hause zu fiihlen. Var freie Oesterreich erhebt sich: Da, ein wahrer Sturm der Begeisterung fegt Ivie eilte Lawine heran und schlägt donnernd an den Häuserwänden hoch. Die Oesterreicher, kampfgestählte Frauen und Männer aus dem fascistischcn Dollfußlandziehen heran.„Freiheit" und„Freundschaft!" rufen sie und heben die Fäuste:„Rotes Wien trotz alledem!" Hunderte und aber Hunderte marschieren vorüber. Ein überwältigendes, ein ergreifendes Bild! Die Freiheit läßt sich nicht unterdrücken.„Hoch das freie Oesterreich!"'so rufen die Massen immer, wieder. Jm- ntcr wieder. Und die Oesterreicher rufen mit leuchtenden Augen zurück. Dann kommt eine reichsdeutsche Delegation, eine Delegation aus der Hitlechölle; der Jubel, mit dem sic begrüßt wild, ist unbeschreiblich. Auch Danzig ist zur Stelle. Der von den Fascisten beherrschte Freistaat zeigt, daß auch hier der Sozialismus lebt. Hiilter einer großen roten Fahne marschieren sic, ein Bekenntnis zum So- zialismus, zur Freiheit, das vom brausenden Jubel der Menge gefeiert wird. Zuletzt, aber doch nicht zuletzt, sei dcr P a l ä st i n e n' e r gedacht, einer 65 Delegation starken Gruppe sozial kstisch- jüdischer Arbeiter, die in tadelloser Ordnung hin ter ihren roten und blauwcisen Fahnen hemm« marschieren. B icke mwiki Und dann kommt der«tu». In strammen Schritt, umjubeft von den Massen, die Staatsfahne weht den Deutschen vor einem Wald roter Fahnen voran. Die kleidsame, in sich abgeschloffene Tracht, gibt dem Aufmarsch unserer AtuS-Genoflen das Bild wuchtigster und bester Sportlerdisziplin. Sin riesige» Transparent, das im Zuge getragen-wird und auf dem in großen Buchstaben zu lesen ist: „Ss lebe Masarykl" wird von den Tschechen mit solcher Vehemenz umjubelt, daß die Kampf» und Sprechchöre unserer Genoffen im Rausch der Be- geistening, der die Massen erfaßt hat, fast untergehen. Immer neue Kolonnen, immer neue Massen. Jetzt die Frauen. Kampflieder singend. Hochrufe auf Freiheit und Sozialismus ausbringend. Der Ruf:„Es lebe Masarykl" ertönt immer wieder, Tausende marschieren. Tausende deutscher Turnerinnen und Turner und sie werden mit einem Jubel empfangen, der wahre sozialistische Verbundenheit beweist. Dann folgen die Scharen der Atus- Jugend» bester Arbeiterjugend. Sie marschiert so frisch, so unbefangen, so natürlich und ihrer jungen Kraft bewußt, daß sich die Zuschauer an diesem Bild nicht satt sehen können. Die roten Falken kommen! Umkränzt von Fahnen, von Wiener Fahnen. Und so geht es weiter, 2 Stunden und zwanzig Minuten lang. Riesige Züge tschechischer Arbeiterkinder, ein leuchtendes Bild in blau und rot. Die bunten Schlangen. der Arbciterturner- kolonnen. Ein gewaltiger, nicht endender Aufzug. Jungturner, die ihre ssichnen schwenken, die Straßen mit ihrer Begeisterung erfüllen. Bergleute in ihrer Tracht, von der Menge mit riesigem Beifall überschüttet, aber auch Bergleute, in ArbeitS- Nuft, die Hämmer in der Hand... Die Prager Er ist, als wollte sich da» Fest am letzten Tage noch einmal selbst überbieten. 120.000 Mensche,« füllen an diesem Nachmittag da» Riesenstadion bi» auf das letzte Plätzchen. Und plötzlich erheben sich die 120.000 wie mit einem Ruck; die Musik intonierte die StaaiShymne und dann die Internationale zur Eröffnung de» letzten Festnachmittags. Mit den Schauübungen der Soldaten hebt es an. In straffer, soldatischer Disziplin führen sie ihre Hebungen mit Gewehren vor, grüßen am Schluß das Publikum mit. tausendfältigem„Idar!", daS'den Gruß brausend erwidert. Dann marschiert die Expedition au» Palästina gemeinsam mit einer Abteilung der DJT.-Turner auf, dankt den Gastgebern für die herzliche Aufnahme in Prag, durch die Ueber- reichung zweier roter Wimpel. Währenddessen führen die Schweizer Kunstturner a,rf dem Reck ausgezeichnete Kürübungen vor, die beim Publikum den verdienten lauten Beifall finden. Nun folgen die Turner und Turnerinnen aus Amerika. Besonvers die wunderschönen und abgerundeten rhychmischenUebun- gen der amerikanischen Turnerinnen haben e» dem Publikum angetan. Tann kommen die Belgier, die ausgezeichnetes gymnastisches Turnen nnd blendende, exakte Springiibungen am Bock und Kasten zeigen. tschechischen Sozialdemokraten,.. Delegaiien« der Partei au» dem ganzen Land., Nmiiociiie Ml«em ANUIIler NM Sie marschieren und marschieren... Süw- dcnlang... Und während die Letzten noch am Sammelplatz halten, ist der AltstädterRing bereit» lange vom Jubel der an der Tribüne der Ehrengäste vorbcidefilierenden Massen' erfüllt. Ein Sturm der Begeisterung umbraust den alten schönen Platz, als hier die Vertreter der Internationale, die Kämpfer des Arbeitersports im Namen der arbeitenden Maffen der ganzen Welt begrüßen. Hier steht man auch den BertcidigungLmini- ster B r a o a L und Kanzler Samal als Vertreter des Präsidenten. Als die riesige Menge, die den Platz überflutet, dem Abgeordneten H a m p l für seinen Kampfruf gegen den FasciSmus dankt, klingt dieses Echo aus der Menge wie ein Schwur über den Platz. Diese Front ist nicht zu zerbrechen. norfien-Appcli«er unliormiertcii VcrMMe Jahn enii bergab« an Me R»te Wehr. Lange vor Beginn de» Festzuges marschierten die Rote Wehr, die Turner, Jugendstaffeln und die Roten Falken auf der Hehinsel auf. Knapp vor 8 Uhr nahm Genosse Dr. Czech die Meldungen der Genossen Hocke für die Roten Falken, Rohatsch für die Wehrformationen und Müller für die Turner entgegen- Nach einer kurzen Ansprache, die mit einem vrei- fachen„Freiheit!" beantwortet wurde, übergab der Parteivorsitzende der Roten Wehr im Namen der Partei eine große rote Sturmfahne, welche Genosse Schönfelder in di« Obhut der Prager Gruppe übernahm. Nach wenigen Dankesworten de» Genossin Pank erneuerten alle Anwesenden mit dem Freiheits- ruf ihr Gelöbnis der Treue zur Partei. Noch einmal kommen die Soldaten und dann der Höhepunkt dieses letzten Nachmittags im Stadion: das symbolische Turnspiel der Pilsener Tur« n e r. Ungeheuer wirkungsvoll wird hier mit gan- neuen Mitteln der Kampf Arbeiterklasse um Befreiung dargestcllt. Immer deutlicher und lebendiger erwacht das Bewußtsein des gemeinsamen Kanchfes in der Masse, die anfangs zersplittert und stumpf und hoffnungslos am Fronseil der Sklaverei zieht. Immer enger schließt sie sich zusammen, oft käst entmütigt von Mißerfolg UNd Zweifel, der manchen adseits am Wege zusammenbrechen läßt. Mer die Ji ee des Kampfes ist da, bleibt da, getvinnt immer deutlicher Form und Ziel. DieKlänge der Marseillaise, das großen KanipfliedeS der Revolution, flammen auf, Turnerinnen• mit brennenden Fackeln der Freiheit in Händen ziehen auf, verkörpern die ewige, herrliche Idee des Befreiungskampfes, die de>« Massen leuchtend den Weg weist, die Entmutigten aufmunieti. Noch einmal scheint aller Kanchf sinnlos geworden; Schüsse dröhnen, die Entschlossensten in den vorderste» Reihen brechen getroffen zusmnmen— Krieg und FasciSmuS droht alles Gewonnene zu vernichten. Aber die Idee lebt, an Stelle jedes Gefallenen tritt ein neuer Kämpfer, nochmals schließen sich d'e Reihe», stürmen die roten Fahnen voran unter Fan- Leuchtende Fackeln Der lerne Tat Im Stadion weisen den Wes 5 Der Kondor Von Bobert Groetssch Das Mädchen ist aüfgestanden.„Rein," sagt sie,„nein, Francois, ich..." Und sie weiß nicht mehr weiter.„Warum willst du fort?" Ihre Stimme klingt haxt und fremd.„Dian wird dich fangen» ganz bestimmt... man wird dich wieder fliegen! Dann kommst du ins Gefängnis..." Sie steht an der Tür. Draußen hellt der graue Morgen durch den Garten, Sie schaut Francois voll an und Werder senkt er den Blick. Wie er so im Hemd und mit, nackten Beinen da hockt, erscheint er ihr grau, Verfällen, als hätte er ein» schwere Krankheit hinter sich. Eine warme Welle flutet ihr durch die'Adern. Sie löst sich von der Tür, packt seinen Kopf, und küßt ihn. „So einfach kannst du. fortgehen, Francois? ... Einfach so mir nichts, dir nichts, von mir weg?" Er blickt hartnäckig zur Diele nieder. Ein Rad kreist hinter seiner Stirn und der Boden dreht sich mit ihm.-.. •*• MAE Paula hat ihren dämlichen Tag, wie die Köchin sagt. Sonst singt Paula vormittag» gern einmal, heute schweigt sie, vergißt da» Grüßen und zerschmeißt im Gastzimmer beim Aufräumen ein Gla». In der Küche bleibt sie stehen und.muß sich überlegen, was sie eigentlich wollt«. Bei der Arbeit hat sie eine Falt« in de» Stirn. Hinter dieser Falte rumoren wüste Gedanken. Also fort wollte Francoi»! Einfach fort. Natürlich—■ er hat Frau und Kinder daheim—, er hat ihr, der Paula, Nichts vorgemacht. Aber daß ihm das gar nicht nahe ging, fo plötzlich weg von ihr— das war nicht schön. Paula schüttelte den Kopf mit dem dicken, heute besonders nachlässig gesteckten Knoten; aus dem die Haarnadeln her- «Mgncken, Adieu, es wär fo schön gewesen— fort! Sie sind sich alle gleich, die Männer, am gleichgültigsten können die sein, für die man am meisten riskiert. Und wenn ihr nup was passiert? Wen» nu».,. nia» kann doch ein Kind kriegen! Es ist ihm gleich. Er ist dann eben fort. Da lieg! ei» Brief auf dem Tische, von der anderen, und aus ist's mit allem, was er ihr gesagt l Erinnert man daran, so horcht so'n Mann einfach vorbei, antwortet gar nicht... Nein, sie hatte sich's ganz anders gedacht, wenn cs schon einmal fo kommen sollte. Er war so loeich gewesen, so schmiegsam und von rascher Feurigkeit, ganz anders als die hiesigen Männe» — drum mußte sie ihn lieben. Und sie hatte sich manchmal selbstquälerisch vorgestevt, wie«S sein würde» wenn sie einander Lebewohl sagen müßten... Dann würde er ihren Kopf an sich ziehen, würde kaum sprechen können vor Weichheit und Zärtlichkeit, würde... ach was, wozu jetzt da» Geraunzel Sie stellt den Eimer mit hörbarem Knall zur Seite und schrubbt eine Ecke des Gastzimmer» mit einer Kraft, al» wollte sie di« ganze Welt unter den Schrubber nehmen. So sttw die Männer eben, wenn e» vorbei ist— in Frankreich wie in Deutschland, überall da»selbe l Und die Frau, die würde e» ihr nie danken, wa» sie an ihm getan... Daß sie ihm Tee brachte und Rumzusteckte, wenn er sich erkältet hatte. Tränen drängen sich in Palau» Augen und der Boden schwimmt in Waffer. Aber er soll nicht fort— die ander« soll noch eine Weile warten. E» ging ihm sehr gut hier... wer weiß, ob er'» daheim so schön hatte l Sie läßt den Schrubber tief im Waffer untertauchen, stützt sich m:f den Stil und weint. Sie ärgert sich über alles; über Francoi», über sich, über das Leben, über... Ach, sie weiß nicht, was sie tvill. Heiraten konnte er sie nicht, nein. Aber daß er einfach so mir nichts, dir nichts... Und die Gedanken laufen von neuem in: Kreise. 'Außerdem werden ihn die Gendarmen fangen. Schon mancher Kriegsgefangene floh, alle kriegie man tvieder. Nein, sie wird ihm bestimmt nicht dabei helfen. Die Tür klappt und harte Tritte fallen herein. Stephan. „Morgen, Paula!" Sie scheuert wütend, senkt den Kopf tief, damit er ihr Gesicht nicht sieht, und grüßt halblaut. Er sieht ihr eine Weile zu. Ihr gekrümmter Stücken hat etwas Feindseliges. Da geht er wieder. Wenn die Weiber Mucken haben, soll man sie in Ruhe lassen, sonst werden sie noch verbiesterter. Lange kann Stephan über den Fall nicht nachdenken. Sein Weg geht zum Elefantenhaus wie jeden Morgen. Er hat eine inürrische Miene, trotzdem er eigentlich heiteren, gleichmäßigen Gemütes ist. Jeder, der Tiere citvas lehren will, muß dieses Gemüt mitbringen. Aber in Stephans Gesicht nistet der Zweifel an einer Arbeit, die bi» heute erfolglos war. Der Max will nicht und will nicht über das Flaschenbrctt hiniveg. Ob e» heute gelingt? Der Dompteur vom Zirkus hat ihm einmal gesagt, daß man auch bei Tieren auf alle Ueberraschungen gefaßt sein muß. Plötzlich klappt etwa», wa» jeder Fachmann Mr ausgeschlossen hielt. Im Elefanienhau» rumort der Helle Tag. Stephan sieht mit Staunen, daß Max schon bei der Arbeit ist. Er geht rund im Kreise und auf seinem Rücken thront mit hochgerichteten Hörnern die kleine Ziege Reck. Die mexikanische Alma liegt an per Wand auf ihrem Stroh und schaut der Szene zu mit dem Mißmut der Verschmähten. Al» Max seinen Wärter sicht, bleibt er vor dem umgestürzten niedrigen Faß sichen, stemmt sich mit den beiden Vorderbeinen darauf, und die Ziege läuft wahrhaftig allein auf den hoch erhobenen Kopf und vollendet di« Pyramide. Wie er die kleinen Beine aüf dem Kopfe fühlt, schmeißt Rax den Rüffel tu die Lust>md trompetet freudig. Tas alles stimmt Stephan gläubig, denn auch das wollte die letzten Tage nicht klappen. Die kleine Ziege konnte bisher nie begreifen, was sie in diesem schwierigsten Augenblick ausgerechnet auf dem Kopfe oben angcbcn sollte, und jetzt leistet sie die Nummer ohne Beihilfe, mit viel Grazie und der edlen Haltung einer Gemse, die Berggipfel im Abendglühen sicht. Stephan ist zwischen den dicken Stäben hin- durchgegangen, klatscht vergnügt in die Hände und streichelt den Elefanten.„Brav, Max, brav!" Dann greift er in die Tasche und reicht ihn: ein Stück Zucker in das weiche, feuchte Manl. Max ist schwer von dem Faß herunterzubringcn, penn er weiß, was jetzt seiner harrt. Mit einem schiefen Blick der kleinen Augen steht er, wie Stephan das Flaschenbrctt in die Mitte des Raumes zerrt. „Los, Max, heute mußt du drüber!" Nnd die Dressur beginnt. Die kleine Schiebetür sieht osten. Der frische Duft des Rasens weht herein. Draußen geht Francoi» vorüber. Sein Gang ist tvieder wiegend. Er hat die Müdigkeit überwunden: Das Herz weiß vom Tage und tut seine Arbeit. Die Gitter erscheinen ihm höher als sonst. Paul«. Daß auch sie zu einer Fessel tverden konnte, häti- er nie gedacht. Was wollte sie von ihm? Einmal müßte er fort. Er gibt sich einen Ruck,. als schleifte er eine Kette hinter sich her. Und die Gitter wachsen, sie wachsen zum Himmel; eisern, grausam, steil, unüberstejgbar. • Zu Mittag kommt Francoi» als letzter in der Kantine an. Er weiß, daß er Paula setzt nicht in die Augen sehen kann. Eint Scheu sitzt in ihm, al» hätte er unrecht getan. Er weiß nur Nicht genau, womit und wieso. Aber Paula trägt nicht auf, sondern da» zweite Küchenmädchen. Francoi» atmet leichter und löffelt mechanisch drauf los. Vielleicht ist heute ihr freier Nachmittag. Oder sie muß den großen Saal für eine Abendvorstellung Herrichten,.(Fortsetzung folgt.), 9te. 168 Dienstag, 10. Jnli 1031 CcttTS Die Spitze des grandiosen Festzuges Dank der Sport internationale an Prag In dem Augenblicke, in dem die Arbeiter- äportier, die aus vielen Ländern herbeigeeilt waren, die Hauptstadt der Tschechoslowakischen Republik verlassen, drängt es uns, unseren Gastgebern herzlichen Dank zu sagen. Unvergeßlich wird in unseren Herzen die Erinnerung an die erhebenden Tage in Prag weiterleben. Die Prager Olympiade war kein bloßes Sportfest— so groß auch die sportlichen Leistungen waren, die sie gezeitigt hat— sondern darüber hinaus eine Manifestation des Willens von Hunderttausenden. In diesen Tagen haben wir gegen den blutbefleckten Fascismus und gegen die drohende Kriegsgefahr demonstriert, haben gelobt, der Freiheit der Völker unsere Kraft zu weihen und nicht eher zu ruhen, als bis die roten Fahnen des Sozialismus über dem Erdenrund flattern. Mit diesem Gelöbnis auf den Lippen verlassen wir das schöne Prag, verlassen wir unsere lieben tschechoslowakischen und deutschen Genossen dieses Landes. Es lebe die Zukunft der Arbeiterklasse! Es lebe die Sozialistische Arbeiter-Inter- nationale! Für die Sozialistische Arbeiter-Sportinternationale: Dr. Julius Deutsch, Präsident. farenklang zum letzten Kampf der Realtion entgegen, lind jubelnd, brausend klingt daS Lied der Arbeit auf, das Lied des Sieges des Sozialismus über die Welt des Elends und der Rot. Und In die Klänge des Arbeiterliedes mischt sich der endlose Jubel der Zuschauer, die noch erschüttert von der herrlichen Wucht dieses Elebnisses sind. Jetzt kommen die Genossen vom A t u S. Die Genossinnen in ihren bunten Kleidern führen in Ihren bunten Kleidern reizvolle und fröhliche rhythmische Tänze vor, die vom Publikum mit lautem Applaus ausgenommen werden. Die Turner zeige» sich als gewandte Fahnenschwinger und wandeln den grünen Rasen in ein leuchtendes rotes, wogende» Reer, das im Publikum immer neue Beifallsstürme entfesselt. Auf eine eindrucksvolle und abwechslungsreiche Uebung der Soldaten au ihren Gewehren und Raschinengelvehren, die in die Form eines Stafettenlaufes gekleidet ist, folgen dann wieder die Massenturnübungen der Männer und Frauen des DTJ., über die wir bercits bcrichtei haben. Mit eine letzten Auffühung des Festspieles„Befreite Arbeit^ schließt das Fest der roten Sportler ab, das Fest, das zedem, der es miterleben durfte, zu den tiefsten und schönsten Erlebnissen zählt. •lliniiilatfcnKlstcrscliaKcn der Leichtathleten Am letzten Tage der Olympiade wurden die leichtathletischen Schlußkämpse ausgetragen. Zu den versammelten Sportsleuten sprach Spikka, der Führer der französischen Delegation 9t. Goujon dankte für die brüderliche Aufnahme. Unter den Klängen der Internationale beendete eine Defilierung der Athleten um das Stadion die Kämpfe der Hl. Arbeiter-Olympiade. Vas KunstgcrAteturnen der Nlncr Auch im Geräteturnen wurden vorzügliche Leistungen geboten. Die ausgeschriebene» Pflichtübungen erforderten schon ein sehr hohes Können. Allgemein mutz gesagt werden, daß sich die Schweizer nicht au» ihrer führenden Stellung verdrängen ließen. In allen drei Hauptgeräten haben die Schweizer gut durchgehalten. Selten war ein Versager zu sehen und auch die wenigen Fehler sind Wohl zum Teil auf die äußerst ungünstige Zeit zurückzufuhren. Bor allen Dingen am Reck hatte sich die Sonne ausgewirkt. Die Stange war durch die Hitze zum Turnen fast unbrauchbar. Um so höher müssen die Leistungen anerkannt werden. Gegen die letzte Olympiade sind Fortschritte unverkennbar bei den tschechischen Genossen festzustellen. Die Schweizer errangen den Sieg mit 1057.28 vor D. T. I. mit 076.22 Punkten. Der beste Ein» zelturner war Schort(Schweiz) mit 225.88 Punkten vor seinem Landsmann Merrikommer mit 221.70 und Zak(D. T. I.-Brünn) mit 220.49 Punkten. Das Internationale Geräteturnen der Freien wurde von neun Teilnehmerinnen bestritten. Den ersten Platz besetzte L. Baronovä(D. T. I.) mit 210.50 Punkten. Zlveite wurde die A t u s-Turnerin M. I a ß n Y mit 205 Punkten. Im Geräteturnen der I u»g t u r» nerinnen blieb die Mannschaft des P r a g e r Kreises mit 437.68 Punkten siegreich. Das Hdzend-Turnlcr gewann Pilsen, das in den Schlußspielen mit Mährisch-Ostrau 6:6 spielte nn'-' Brüx 10:3 schlug. Die internationale Begegnung D. T. I. gegen S i t endete mit einem 6:8-Sicge der D. T. I. Die Erdetalssc der wettMmpie Sportler. 100 Meter: 1. Hansen(Norwegen) 11 Sek., S. Hally(DTJ Prag) 11.5 Sek.— 200 Meter: 1. Hansen 23.4 Sek., 2. Mytrc(Norwegen) 28.5, 8. Pokorny(DTJ Pilsen) 24.4 Sek.— 400 Meter: 1. Myhre 58.8, 2. Müller(AtuS) 58.9, 8. Kralik IMS»totaiM 56.1 Set.— 800 Meter: 1. Mül ler 2:05.2 Mitt., 2. Kraft(DTJ. Pilsen).— 1500 Meter: 1. Kraft 4:24, 2. Kotin(DTJ. Prag) 4:28.3, 3. Jurick(Sila) 4:29.8 Mi».— 5000 Meter: 1 Nemeth(Ungarn) 16:26 Min., 2. Mijtera (DTJ. Brün»), 3. Sagard(Frankreich).— 10.000 Meter: 1. Nemeth 83:44.4 Min.— 110 Meter Hürden: 1. Bcnczik(Ungarn) 18.8 Sek.— Hochsprung: 1. Helgescn(Norwegen) 1.75 Meter. 2. und 8. Andrysck(DTJ. Brünn) und Suda(DTJ. Pilsen).— Weitsprnng: 1. Sandtncr(DTJ. Prag) 6.57 Meter, 2. Andresen(Frankreich), 8. Olsen(Aortvegcn).— Dreisprung: Poupi(DTJ. Königgrätz) 12.62 Meter.— Stabhoch: 1. und 2. Rastak(DTJ. Proßnitz) und Masin(DTJ. Besinn) je 8.80 Meter.— Kugel: Schöps(TDJ. Reratotoitz) 12.38 Meier.— Diskus: 1. Jgnacck(TTJ. Brünn) 37,76 Meter.— Sperr: Görrisch(AtuS) 47.29, 2. Schuster(DTJ. Prag) 47.18 Meier.— Schleuderball: 1. Helgesen 40.18 Meter, 2. Bczchlcba(DTJ. Prag).— 4X100 Meter: 1. Norwegen 46.2 Sek., 2. Prag.— Schwrdenftaffrl: Frankreich 2:12.1 Min. — Fünfkampf: 1. JeUnek(DTJ. Pilsen) 834.48. 2. Richter(Atus) 322.86, 3. Breite(AtuS) 317.96 Punkte.— Zrhnkampf: Schuster 686.41 Punkte. Sportlerinnen. 60 Meter: 1. Teak(Ungarn) 8.1. 2. Rajkovä (DTJ. Königgrätz) 8.2, 8.' Dudas(Ungarn) 8.8 Sek.— 100 Meter: 1. Deal 18.0, 2. RaZkovä 13.4 Sek..— 200 Meter:..l.-ZDeak 2&6, 2.-. Ja», iürövä(DTJ. Pardubitz) 30.4, 3. Santos(Ungarn) 32.1 Sek.— Hochsprung: 1. und 2. RaZkovä und Spakkovä(DTJ. Brünn) se 1.20 Meier.— Kugel: 1. Spailovä 8.02 Meter. Die Tischtennis-Spiele wurden an, SamStag beendet. Zn den Einzelspielen der D. T. I. traten 27 Spieler und 16 Spielerinnen an. Bei den Männern blieb Pospiszl(Prag) siegreich, tväyrend bei den Frauen Jirouskovä (Pardubitz) erfolgreich blieb. Die internationalen Mannschastskämpsc endeten mit einem Siege der D. T. I., deren Team England mit 7:1 und AtuS mit 8:2 schlug. AtuS buchte einen 5:4-Sicg über England. Im iliternationalen Turnier der Einzelspieler blieb als Bester der Prager AtnS-Spieler Möbius der Wesh(England) 3:0, Heinal(D T. J.-Prag) 3:0 und den besten D. T. J.-Spieler Pospiöil(Prag) 8:2 schlug. In, großen und ganzen kann man mit den AtuS-Spielern(alle Prag! vollauf zufrieden sein, obwohl sic znm Großteil ohne Training antraten. Den Spielen wohnte u. a. auch der englische Abg. W. Smith bei. Im Voncghall-Turnlcr blieb Prag mit 6 Punkten vor Königgrätz mit 4 Punkten siegreich. Das internationale Spiel D. T. I. gegen S i 4 gewann die D. T. I.-Mannschaft mit 8: 0. Die wasserspertlichen WettMmpie Schwimmer. 100 Meter Brust: 1. Lundberg«Norwegen) 1:21.2, 2. O. Fritz( Alu») 1.25.8, 3. Lehmann (Norwegen) 1:26 Min.— 100 Meter Freistil: 1. Stork(DTJ.)-1:04.8, 2. Guidbraudien(Norwegen) 1:10.8. 8. Baß(Ungarn) 1:11.2 Min.— 400 Meter Freistil: 1. Stern(Ungarn) 5:55, 2. Thrvud- scn tNoriücgcn), 3. Jarla(DTJ.).— 200 Meter Brust: 1. Lundberg 3:07.7 Min., 2. Lehmann, 3. Pclrbok(DTJ.).— 3X50 Meter Lagenstaffel: 1. DTJ. Prag 1:47, 2. Ains l:52, 3. Ungarn 1:52 Min.— 4X50 Meter Freistil: 1. DTJ. Prag 2:03.0, 2. und 3. Ungarn und AtuS je 2:13.5. 4. DTJ. T-plitz 2:16.4 Min.— 3X100 Meter Vie deutschen Arbeiterturner auf dem Wenzelsplatz Deulldie Sozialdemokraten an mataryk Ein Telegramm aus Hnlafi der OUimpiade Unsere Partei und der Atus sandten am Sonntag ein Telegramm folgenden Wortlauts an Masaryk: An den Herrn Staatspräsidenten T. v». Masaryk in Lany. Taufende deutsche Arbeiter und Arbeiterinnen der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei nnd Arbritersportler und-Sportlerinnen. des Atus, dir an der HI. Arbriterolympiade in Prag teilnehmen, entbieten ihrem geliebten Präsidenten, dem genialen Führer deS Staate», dem brwöhrtrn Freund der Jugend und dem großen Menschen T. G. Masaryk treue Grüße und herzliche Wünsche. Für de« Asus: die D. S. A. P.: Müller. Taub., Lagen: 1. DTJ. Prag 4:14.8, 2. Ungarn 4:15.8 Min.— Wasserballspiel,: DTJE gegen AtmS l 0!7, Ungarn gegen AtuS ll 10:2, TTJl!. gegen Uygarn 10:3, Atus l gegen Atus II 9:9^ DTJ. Prag gegen DTJ. Teplih 6:1.— Kunstspringen: Ncsvadba 108 Punkte, 2. Holub, 3. Schusser(AtuS). Schwimmerinnen. 50 Meter Brnft(Jugend): 1. Mirka< DTJ. Prag) 49 Sek... 2. Hannich(Atus) 53.6 Set.— 50 Meter Rücken: 1. Kobbel(Norivegen) 40.0. 2. Fini Moritz(AtuS) 44.3, 3. Kvikinstä< DTJ. Prag) 49.5 Sek.— 3x50 Meter Brust: I. DTJ. Prag 2:82.4, 2. Atus l 2:35.9 Min. Ausklang Die Abfahrt der Zehntauscnde, die zur Arbeiter- Olympiade nach Prag gckoninieu lvare», vollzog sich ebenso reibungslos wie ihre Ankunft. Zum Teil in, Laufe der Nacht, zum Teil in de» frühen.Vormittagsstunden des Montag gingen die Souderzugc mit den Massen der Sportler in die Heimat zurück: Bei der Abfahrt der Sportgenoffen kam es zu lebbaklc» Sympathiekundgebungen der Prager Bevölkerung, die die Gäste in Massen zur Bahn begleitete, um ihnen ein herzliches Nazdar zuzurufen. Tic Tage der Prager Olmpiade werde» unseren Gästen,. aber auch allen Prager Genossen in unvergeßlicher Erinnerung bleiben. In der Stadt konnte nmn am gestrigen Moiuag immer wieder Trupps von Genossen amreffcn, di«»och zurückgeblieben waren, um nach den Tagen dcS Kampf-Festes das schöne Prag und seine Scheuswier- digkeiten in Ruhe zu genießen. Das Büro der Olympiade hatte Vorsorge getroffen, un> die l^cnassen von sachkundiger Seite durch Prag führen zu lassen. Es ist sehr zu begrijßen, daß den viel«,: Hunderten, di« in Prag geblieben sind, Gelcgenhcn gegeben Wurde, die verschwiegenen Herrlichkeiten dicker einzigartigen Stadt gründlich kennen zu lernen. Auch im Falkenlager denkt man an den Abschied, während schon die letzten Skauts hr Lager am Montag verlassen haben. Am®lut?och werden die Roten Falten in der deutschen Rundfunksendung zu uns sprechen, am Donnerstag findet eine Aluchieds- feicr statt und am Freitag wollen die kleinen Falken wieder von dannen fliegen... Auch die schönsten Feste und Feieriagc gehen zu Ende. Die Arbeit des kämpferischen Alltag» Hai wieder begonnen—! „Diäter den tränen Taub“ „Lidovö Noviny" schreiben über die Teilnahme der Sudetendeutschen am Umzüge u. a.: Hinter der Parole: Es lebe Masaryk! schritten heute unsere Deutschen beim Gesang ihrer Lieder, der Melodie ihrer Pfeifen und dein Wirbel ihrer Trommeln... Sie schritten hinter dein grauen Taub mit glühenden Augen und wir fühlten Ergebenheit und Verpflichtung. AMi Schweizer Zeitungen dürfen nicht nach Deutschland. Bern, 9. Juli. Die deutsche Reictisrcgicrung hat beschlossen, den„Berner Bund", die„Neue Züricher Zeitung" und die„Basier Nationalzeitung" auf die Dauer von sechs Monaten für das Deutsche Reich" zu verbieten.. Hierzu schreibt der„Berner Bund".: Das Verbot enthält mit aller Deutlichkeit die Geistesverfassung des Propagandadiktators, der nicht nur die gleichgeschaltete Presse des eigenen Landes gezwungen hat, sich über die Vorgänge von, 30. Juni aus- zuschtveigen, sondern auch dem Auslände vorschreibe» möchte, IvaS, wieviel und wie lange noch über die „Aktion gegen die Hochverräter" berichtet werden darf. Wir haben Herrn Dr. Goebbels den Gefallen nicht erweisen können, denn die Pflicht zur Wahrheit steht uuS noch höher als feine Person.■ Der Bundesrat wird sich' in seiner nächsten Sitzung mit der durch die Neuen Maßnahmen der Reichsregierung verursachten Zuspitzung des deutsch-schweizerischen Pressekonfliktes. beschäftig«». «•Hat DienStog, 10, Julk 1984 Str. IM am „Mt ruhigem, ehernen Schritt kamen der au- dem Volksleben. Die ersitze Maifeier der sozialdemokratischen Arbeiterschaft im Jahre 1890 begrüßte Neruda in einem Feuilleton der„Närodnt listy" als den„denkwürdigsten Jag der Menschen« geschichte"! Wctzoi DlchiiirdK in Untern Budapest, 9. Juli. Heute traten die neuen Richtpreise für Weizen in Kraft. Der niedrigste Richtpreis ist 18.SO, Pengö(XL 74.—) der höchste 15.30 Pengö(XL 84.—) ah Station. Amsterdam, 9. Juli. Rach energischer Unterdrückung der gestern in den späten Abendstunden in de« östlichen und nördliche« Stadtteilen wiederaufgrlrbten Unruhen verlief die Rächt zum Montag im allgemeinen ruhig. In den Bor- mittagostunden hatte der größte Teil der Stadt, auch da» kommunistische viertel I o r d a a n, wieder sein normales Aussehen. DaS Militär ist zurückgezogen und die Polizei versieht den Stra- jendienst allein. Rur in den beiden Hafenvierteln Ketten- b u r g und Wittenburg sowie in den im Norden liegenden Arbeitersiedlungen betrachten di« Behörden die Lage noch nicht als befriedigend. In den frühen Morgenstunden wurde auf dem MoSplein ein Lebensmittelgeschäft von der Menge geplündert, während kommunistische Agitatoren eifrig ihre Wühlarbeit fortsehen. In diesen Stadtteilen sind daher an allen wichtigen Straßenkreuzungen noch immer starke Militärpatrouille» zu sehen. Bis Montag Nachmittag find jedoch keinerlei Awischenfäll« ernsteren Charakters zu der- zeichnen.. Bi» Sonntag hatten die Unruhe» sieben Todesopser und gegen 50 verletzte gefordert, die zum größten Teil in den Spitälern liegen. Die streikend«« Hafen- und Bauarbeiter haben am Montag die Arbeit wieder.ausgenommen. Di« Polizei hat Montag morgen in einem leerstehende« Hau»«ine geheim« kommunistische baten Kränze nieder, worauf die Formationen auseinandergingen. Die nationalistischen Frontkämpfer legten ebenfalls am Grab des Unbekannten Soldaten eine» Kranz nieder und veranstalteten sodann vor demselben eine Defilierung. In Bois de Vincennes fand nachmittags ei» Voltsmccting statt, das von den Sozialisten und Koinmunisten gemeinsam einberufen worden war. Beim AuselnandcrgeheN der Teilnehmer des Meetings kam eS zu lleineren Zwischenfällen. Der Kongreß der Frontkäinpferföderatiou nahm nach einer stürmischen Tagung schließlich doch ein Vertrauensvotum für den Pensiousmini- ster Rivolette an. Eiottsdicr Besuch in Neuitah Reudeck, 0. Juli. Der japanische Prinz K a n y a stattete am Samsiag mit der Prinzessin dem Reichspräsidenten von Hindenburg einen Besuch ab. Druckerei auSgehobeu, in der als Ersatz für das verbotene kommunistischr Organ die„Tribüne" eine„kleine Tribüne" mit einem Vervielfältigungsapparat hrrgestrllt wurde. Ferner wurde eine größere Anzahl kommunistischer Flugblätter beschlagnahmt. Sonntag nachtS hatten die Kommunisten erneut versucht, das Straßenpflaster anfzubrcchcn und Barrikaden zu bauen. ES war wieder zu heftigen Schießereien gekommen, wobei eine Person getötet und mehrere verlvundet wurden. Die Polizei machte ohne vorherige Warnung von der Schußwaffe Gebrauch. Mehrere Straßenviertel blieben ohne Licht, da die Deinonstranten sowohl die Strom- als auch die Gasleitungen unterbrochen hatten. Auch ans Rotterdam, Haarlem, Groningen sowie auS dem Haag werden Zusammenstöße der Kommunisten mit der Polizei gemeldet. Hier erlitten zehn Personen Verletzungen. Partclcnvcrhot in Sicht? Eine Reutcrmeldung besagt, daß die Parteien der Kommunisten und. der unabhängigen Sozialisten verboten Iverden sollen, falls tvirklich erlviesen werden sollte, daß die Unruhen durch sie hervorgerufen worden sind. Es sei nicht ausgeschloffen, daß die Regierung einen Gesetzentwurf vorlegcn werde, der ihr die entsprechende Vollmacht erteilt. Alle koinmuiiistischen Versammlungen wurden verboten und eine Reihe kommunistischer Führer verhaftet. BarthhiMnlhiKlöM Keine Alllenz, aber Frledencslcherune durch die zwei freßen demokratischen Staaten tittuosst Tr. Soukup in deutfcher Rede, die er«ament der tschechischen Bruderpartei und der Internationale hielt, vpn Ma- laryk, als dem großen Apostel der Demokratie, der Völkerverbrüderung und der sozialen Gerechtigkeit zu sprechen begann. Immer wieder kam es bei der begeisterten und begeisternden Rede Soukup» zu stürmischen Beifallskundgebungen. Soukup meinte unter anderem, daß ihm da» Wort.Genosse" zu schwach fei, um auch an diesem Orte die deutschen Genossen al» „unsere liebsten Brüder im gemeinsamen Kampfe" zu begrüßen. Unter dem stürmischen Jubel der Mafien »ahm Soukup am Schluß seiner Rede einem der Jugendlichen, die während der Ansprachen die. Bühne flankiert hatten, ein rotes Banner au» der Hand, um sie zum Appell de» Zusammenstehe«» der Generationen zu entfalten. ES sprachen dann noch Gen. De. Julia» Deutsch uamenS der Sportinternationale.„Erhaltet Euch die Demokratie, oetvahrt Eure Freiheit!", rief Deutsch unseren Arbeitern zu. hinweisend auf Oesterreich. Unter großer Bewegung und hingerissenem Beifall im ganzen Saale dankte Genoss« Deutsch unserem Genossen Wenzel Jaksch dafürj daß er die Fahne der Jntrmotionale ,«» Dollfuß, vesteeeeich z» un» herübrrgerrttrt hat. Schließlich dankte Genosse Heineich Müller namens des Bundesvorstandes den Turnern für ihre Treue und Opferlvilligkeit. Auch Müller brachte das Gelöbnis der deutschen sozialistischen Arbeiterschaft zur Demokratie zum Ausdruck und fand großen Beifall bei den Worten:„Wir marschiere« mit der Par. tri und dir Pattri mattchiett mit un«l" Diese politischen Kundgebungen de» Abend» standen in festlich-künstlerischem Rahmen, für dessen Bau vor allem den Genossen H e i tz e r-Aussig zu danken ist, dir auch als Sprecher und Ansager neben dem Genoffen Schrader die tadellose Regie der Veranstaltung besorgt«. Treffliche Rezitationen (durch Genossen Unruh). Chöre der Jugendlichen, gmnnaftische, rhythmisch« Vorführungen von AutyS« Abteilungen äu».Aussig, Eger und Prag fanden Virk Gefallen und großen Beifall, und schließlich sorgten insbesondere Zwittaucr Genossen und Genossinnen I auch für die heitere Rote durch älplerische Tänze. Exmlnlster Renoult wird vor Gericht gestellt Paris, 0. Juli. Der Justizminister hat heute entschieden, daß der ehemalige Justizminister und Bizevorsitzcndc der Regierung, der radikale Senator und Advokat Rene Renoult, wegen Mißbrauches der Amtsgewalt, Annahme von Bestechungen und seiner moralischen Verantwortlichkeit an den Betrügereien StaviskyS vor. ein Gericht gestellt lverden soll. Da» Strafgesetz setzt für derartige Fälle den Verlust der bürgerlichen Rechte und die zlveifache Zurückerstattung der angenommenen Bestechungen fest. Renonlt hat für eine advotatorische Intervention 80.000. Franken erhalten. Der Sonnte* in Paris ruhig vermuten Pariß, 9. Juli. Der gestrige Tag ist in Papi» hi» in die späten Abendstunden ruhig verlaufen, u. zlv. salvohl lvas die Kongreßberatungen al» guck' die Manifestationen tn den Straßen anlgngt. Bei sengender Hitze legten di« Vertreter der lins» eingestellten grontkämpfervereine programmgemäß am Grabe de» Unbekannten Sol- 1. Mgi 1890 Arbciterbataillone herangezogen, überaus zahlreich, unübersehbar und reihte» sich in daö Heer der Menschheit ein, um von nun anschon für immer im gleichen Schritt mit unanderen den erhabenen menschlichen Zielen nachzugehen, gleichberechtigt, gleich belastet, gleich glücklich."„Man sicht plötzlich, dqß die gesamte gesellschaftliche und politische Situation sich heute mit einem einzigen Ruck verändert hatte, aber nicht mehr bloß für heute." Auch in zahlreichen anderen Feuilletons drückte Neruda seine sozialen Ansichten offen ans. Schon im Jahre 1804 bedauerte er in einem Fenilleton des„HlaS", daß die zur Humanität und Menschenliebe führenden sozialistischen Ideen sich zu langsam durchsetzen. Eine Skizzenrcihe widmet er den beim Eisenbahnbau beschäftigten Proletariern, in einer längereu Abhandlung schildert er daö Elend der Heimarbeiter, mehrere Artikel befassen sich mit der ännsten Bevölkerung in Versatzämtern, Nachtlokalen usw., oft geißelt er die bürgerliche Philanthropie und überzieht mit Spott den Prager Spießer. Zahlreiche soziale Motive findet man auch in Nerudas Poesie. ES ist zwar zumeist nur soziales Mitgefühl, manchmal klingt aber trotzdem aus diesen sentimentalen Versen sozialer Trotz hervor. Für die tschechische Literatur bedeutet Jan Neruda eine Abkehr von der romantischen patriotffch und national angehauchten Lyrik und Beginn eines mannhaften Realismus. Neruda gehört zu den größten Männern der tschechischen Literatur, er gilt als Poet der Wahrheit und Ehrlichkeit, als tapferer Kämpfer für Freiheit und Humanität. r. i. Al» Proletqlcrsohn geboren, fühlte sich Jan Neruda eng mit dem armen Volte verbunden und bekundete seine Syinpaihie zu ihm in zahlreichen Fcuillcions und Gedichten. Sein Vater Ivar Kantineur in dir Aujezder Kaserne in Prag, die Mutter Bedienerin. Not und Elend, die Schönheit Alt- Prags und das Volksleben wirkten aus den Knaben ein und blieben in seiner Seele für immer hasten. Er studierte am Klcinsciincr deutschen Giunnasium, später am iichechischen akademischen Giunnasium und ivollic Professor werden. Bald nach Veröffentlichung seines ersten Gedichts wandte er sich aber der Journalistik zu, trat in die Redaktion des fortschrittlichen„Tagesboten aus Böhmen" ein, wo er als Lokalberichterstatter und Kunstkritiker arbeitete. Während dieser Zeit(1858—1857) lernte er die deutsche Literatur kennen und beschästigte sich mit Heine, Börne und Gutzkow. Heine blieb auch später ein Lieblingsdichter, zu tvelchem er sich offen bekannte und der auf eine Poesie auch Einfluß hatte. Nerudas Ideal tvar damals, eine Vermittlerrolle zwischen Tschechen und Deutschen spielen zu können. Im Jahre 1858 Ivar er Supplent an der deutschen Realschule in der Nitolandergasse, 1860 wieder Journalist im„EaS" und„HlaS" und schließlich bis an sein Lebensende(1891) Feuilletonist, Literatur- und Thcaterkritiker der damals freisinnigen jungtschechischen„Närodni listy". Schon als junger Mann war Neruda Führer einer neuen Generation, die auf den Ideen des 18-18« Revolutionsjahres basierte und sich viel mit Menschheit», und BesrciungSidcalen befaßte. Häufige Auslandsreisen halten eine gewissermaßen kosmopolitische Weltanschauung bei Neruda zur Folge. Seine erste Gedichtsammlung „Hkbitovni kviti" l„Friedhosöblumen" 1857) wurde von der Kritik abfällig besprochen, dockt bald setzte er sich als Poet in der Oeffentlichkeit durch. Seine„Kosmickc pisni"(„Kosmische Lieder" 1878) zeigen ihn als Dichterphilosophen, die„Ba- lady a romanee"(1883) bringen einige seiner tief empfundenen sozialen Gedichte, die erst nach seinem Tode erschienenen„Zpkvy piitcLni" („FreitagSgei'änge") sind angesüllt mit pathetischer religiös-politischer Poesie. Nerudas Theaterstücke haben keine besondere literarische Bedeutung. Dagegen sind hoch zu »irrten seine meisterhaften Feuilletons, welche zusammen eine stattliche Bibliothek von 40 Bänden seiner gesammelten Werke süllen. Plaudereien über alltägliche Vorkommnisse und Gespräche, Erörterungen nationaler, politischer und sozialer Begebenheiten, Genrebilder, Altprager Sagt» und Geschichten aus dem Leben der Prager armen Bevölkerung, ziehen in seinen Feuilletons an uns vorbei und bilden ein gutes Stück Zeitgeschichte. Das meiste ist mit einem gutmütigen Humor gewürzt. Von besonderer Bedeutung sind seine „Kleinseitner Geschichten" und seine sonstigen BilGrnefir Hnmmrlhe«» sprach namens der TTJ.. würdigte gleichfalls die Bedeutung der tschechisch-deutschen proletarischen Zusammenarbeit und dankt« den deutschen Genossen für die Beteiligung an der Olympiade..— Schon während der Rede de» Genossen Hummelhan» kam«», al» er von M a i a r y k sprach,»u herzliche« Kundgebungen für den verehrten und geliebten Präsidenten, die sich dann noch steigerten, als Reuter teilt ergänzend mit, daß auch über da» französisch-russische Projekt eine» gegenseitigen Hilfeleistungspaltes beraten wurde. Wenn dieser Pakt auf der bisher vorgeschlagenen Grundlage sich realisieren ließe, so würde das bedeuten, daß Deutschland, welches in de» Pakt einbezogen würde, eine günstige Gelegenheit geboten wär«, in den Völkerbund zurückzukehren, und daß auch der Sowjetverband in den Bölkerbund eintreten würde. Der Rcuterberichterstatter erfährt, daß Minister Pittri noch einige Tage in London bleibe» wird, um seine Beratungen mit Minister Monsell sortzusehen. Außenminister Barthou wird morgen um 4 Uhr nachmittags nach Paris abreisen. «einerlei neue Allianz Schahlanzler Neville Chamberlain hielt in Bixmingham eine Rede, in welcher er auch auf den Besuch des Ministers Barthou zu sprechen kam. Er erwähnte die Gcriichte, daß die Reise de» französischen Staatsmannes dem Versuch gelte, England einer neuen europäischen Allianz hinzuzuziehen.„Diese Gerüchte," sagte der Minister,„entsprechen n i ch t der Wahrheit. Wir schließen uns keinerlei neuen All i a n z an. lassen aber in unseren Bemühungen um die Stärkung des Friedens nicht nach. Der Sache des Friedens würde jedoch nicht gedient sein, wenn Großbritannien auch weiterhin ein so schwaches Wehrsystem anfrechterhalten würde, daß eS gegen weniger friedliebend gesonnene Nationen nicht genü- Battho« und Sir John Simon nachmittag» im I gend geschuht wäre." L v« d» n, 9. Juli. Sonntag gegen Mitternacht traf der französische Anßmminister Barthou in Behlrityng de» Kriegsmarineministerö P i e t r i und eine» großen Staave» feiner engeren Mitarbeiter in London ttn. Auf dem Bahnhof hgtte sich zyr Begrüßung u. a. der englische Außenminister Str Simon eingrfunde«. Heut« vormittag» begannen die offiziellen Besprechungen im Avßenamt. Sine Reutermeldung hebt hervor, daß da» anschließend« Frühstück in einer ungewöhnlich sreundschaft- lichen Atmosphäre stattfand und daß Sir Simon in seinem Trinkspruch in ungewöhnlich herzlichen Worte« von Frankreich sprach. Al» Minister Batthou heut« vormittag» von britischen Journalisten befragt wurde, erwidettr er nur, unsere Zusammenkunft mit den btttifchen Ministern trdeuttt die Zusammenkunft zweier Regierungen großer demokratischer Staaten, welche besttebt sind,«inen dauernden Frieden zu verwirklichen. Rach den heutigen Nachmittagsunterredungen hat das Außenministerium ein Kommunique veröffentlicht, in welchem es heißt: Die französischen Minister Barthou und Pittri haben i« Begleitung von Cprbin, Ltger und Maffagli vormittag» im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten«inen Besuch abgestattet, wo sie von Sir John Simon und Ehre» Monsell, Eden, Robert Bansittart und Lord Stanhope begrüßt wurde». In ungewöhnlich herzlichen Unterredungen wurde ein M e i- n n n g s a« S t a u f ch über jene Fragen gepflogen» welche in Europa die beiden Länder intet« effieren. Diesen Meinungsaustausch setzte« Minister versammelte am Samstag in der Produktenbörse, die die Mafien nicht fassen konnte(so daß viele Hunderte bedauerlicher Weise keinen Einlaß mehr fanden), vor allem unsere sudetendeut- schcn Olympiafahrcr zu eindrucksvollen, frohen und zugleich bedeutenden Stunden neuer Manifestation unseres BruderschaftSverhälinifieS zu den tschechischen Arbeitern und des gemeinsamen Kampfwillens für die Demokratie. So wie unser Dr. C z e ch beim Betreten deS Saales herzlichst empfangen wurde, so freudig wurde auch die Nennung jedes Namens der anwesenden tschechischen Freunde begrüßt. Genoß« Dr. Czech grüßte die Versauunciien namens des Parteivor- siands. verdolmelscyie die tiefe Ergrisscuheii aller von den Eindriiaen der Olympiade und würdig>c unter großem Beifall die Bedeutung dieser tschcchoslvwali- scheu Tage gerade im Hinblick auf daS. was sich jetzt jenseits unserer Grenzen abspieli.„Die rote sozialistisch- Kraftquelle bedarf keine» diktatorischen Antriebs, da sie aus dem Inneren, dem Moralischen,/dem Seelisch:» und Geistigen' gespeist wird/ Neue Hoff- nung", w sagte Tr. Lzeck.„erfüllt stärker denn je unsere Herzen, das Leben beginnt wieder lebcnSwert zu werden! Unbesiegbar ist auf diesem Boden die Sozialdemokratie, dank dem gesunden Sinn der arbeitenden Massen, dank der immer intensiver und inniger gestalteten Zusammeuarbeil zwischen unseren tschechisch« Brüdern und uns. Mit ihnen wollen wir die Demokratie, wollen wir diese» Staat, diese Rettuugsinsel des demokratischen Gedankens in Mitteleuropa. mit unserem Herzblut verteidigen l Vorwärts, weiter voran im Kampf gegen FascismuS und Diktatur, für den Sozialismus!" Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten fort, während die Minister Pittri und Monsell in der britischen Adniiralität zusammentraten, wo sie über die Vorbereitungen zu einerneuenMar in ekonferenz beratschlagten. Die meiteren Beratungen finden morgen vormittags, und zwar sowohl im Außen- Ministerium al» auch in der Admiralität statt. * Me.«8 DienStag, 10. Juli 1834 Stile 8 Henleins Entlarvung Die„Rundschau“ deckt Hitler In der ganzen gesitteten Welt hat die Tatsache, daß Hitler seine besten Freunde ohne jedes Verfahren abschlachten lieh, Entsetzen hervorgerufen. Selbst im finstersten Mittelalter und unter den absolutistischesten Herrschern gab es für tzoch- und Landesverrat— nichts geringeres sagt man den Röhm und Genoffen nach— i» jedem Fall wenigstens Scheingerichte und die Möglichkeit einer Verteidigung. Im Dritten Reich ist es dem Kanz- ler an die Hand gegeben, erschießen zu lasten, wen er will. Für gesittete Menschen ist Deutschland durch den vom blutigen Kanzler befohlenen Mastenmord aus der europäischen Kulturgemeinschaft ausgeschieden. Für Henlein und seine „Rundschau" jedoch nicht. Sie findet selbst diese unsagbare Scheußlichkeit in Ordnung und verteidigt sie: «Die kargen Meldungen, di« über dieses erschütternde Geschehen in die Welt drangen, zeigen aber, daß in führenden Kreisen der SA eine Haltung Platz gegriffen hat, die nicht mehr im Einklang mit den Forderungen gebracht werden konnte, die der deutsche Nationalsozialismus an feine Mitglieder stellte. Der Erlaß Adolf Hitlers zeigt mit rücksichtsloser Klarherr alle diese Mißstände auf." Die„kargen Meldungen" genügen der „Rundschau", um zu einem abschließenden Urteil zu gelängen. Ihr genügt eine Erklärung Hitlers, um jeden Maffenmord zu begreifen. Ihr fällt nicht auf, daß derselbe Hitler, der jetzt über die Lust- knabcn seines gewesenen Lustknaben Heine- stolpert, von allen Scheußlichkeiten und Gemeinheiten seiner Unterführer gelvußt und daß er ihre Bestialität gedeckt hat. Der„Rundschau" ist gerade der Kanzler von Potemha die richtige Instanz für Fragen der Moral und der Ehre. Ihm sagt sie nach, daß er unbedingt die Sauberkeit will. ES kommt aber noch bester: Die„Rundschau" des Herrn Henlein, die natürlich ebenso wie die übrige Welt auf die„kargen Meldungen" über den angeblichen Verrat RohmS und seiner Genoffen angewiesen ist— sofern sie nicht eine Sondervertrctung am Hofe des Führers qat—, billigt nicht nur das Hitlerffche„Strafgericht gegen die Unmoral", sondern begreift auch mit seltener Gemütsruhe und Fixigkeit die politische Seite des Falles: „Gegen Korruptionierung und gegen den Ehrgeiz Einzelner in den eigenen Reihen richtet sich das Strafgericht, aber gleichzeitig gegen jene, die glauben mochten, um ihrer Person willen das Rad der Geschichte zurückdrehen zu können und vergangene Zeiten wieder aufleben zu kaffen. Man mag zu Adolf Hitler und zum Nationalsozialismus stehen wie man will: man mag ihn in den Himmel loben oder man mag in ihm den ärgsten Gegner sehen,— über Eins muß man sich klar werden: Was wäre geschehen, wenn Hitler im entscheidenden Augenblick nicht durchgegriffen hätte?... Ehe man Hitler und seine Mitarbeiter eiligst als„Bluthunde" und„unmoralische Ehrgeizlinge" abtut, sollte man das Geschehen in Deutschland auch einmal von diesem Gesichtspunkte betrachten und vielleicht jteht dann das Urteil etwas anders aus." Daraus kann man erkennen, wie das Urteil der„Rundschau" aussieht: sie bejaht den von Hitler vollzogenen Maffenmord, der seinesgleichen seit der Bartholomäusnacht nicht hatte. Ihr genügen die„kargen Meldungen", die das Regüne bisher keineswegs zu ergänzen wagte, um 241 Erschießungen zu billigen. Daß neben den von der „Rundschau" mit dem Eselsfußtritt bedachten und früher von ihr verteidigten Mordbnben aus der SA bei der„SäubcrungSaktion" auch General Schleicher und seine unschuldige Frau, vaß Männer tvie Dr. Clausener, Kahr und Lossow ums Leben kamen, ist'für die Gemütsmenschen um Henlein natürlich nicht der Rede tvert. Als das Dritte Reich im höchsten Glorienschein strahlte, überschritten in Oesterreich und bei uns viele junge Leute die Grenzen des gelobten Landes, in der Hoffnung, dort eine glänzende Karriere zu finden. Die Oeststerreicher bildeten eine eigene Legion und träumten wohl davon, in kurzer Zeit unter Hitlers siegreichen Fahnen als gefeierte Helden in die Heimat zurückkehren zu können. Sie tvurdcn bitterenttäuscht. Schon öfter kamen Nachrichten aus Deutschland, daß der strenge Drill in der österreichischen Legion zu Revolten geführt hat, die aber rücksichtslos unterdrückt worden sind. Die letzten Ereignisse haben viele dieser Legionäre auf den Gedanken gebracht, daß sie ihr bedrohtes Leben nur durch schleunige Flucht retten können. AuS Südböhnien kommt die Nachricht, daß 34 dieser enttäuschte» Fremdenlegionärr in voller Uniform und mit ihren SA-Dolchen unsere Grenze überschritten haben und sich den tschechoslowakischen Behörden freiwillig stellten. I Sie sind in das Budweiser KreiSgcricht cingclie- fert worden, wo sie einer milden Aburteilung . Der.„Neue Vorwärts".berichtet:.- Die Maffenabschlachtung von Hitlerführern ist bezeichnend für den Geist deS Mordes, der im nationalsozialistischen FührerkreiS lebendig ist Dort belauert einer den anderen argwöhnisch, dort fürchtet jeder die tödliche Kugel des anderen! Röhm war seit Jahren nicht darüber im unklaren, daß man ihn einst, wenn er unbequem würde, nmzulegen versuchen würde. Im Jahre 1833 war ein Teil der jetzt Er- schossrnen schon einmal von dem gleichen Schicksal bedroht. Wir sind in der Lage, aus eigener Kennt- »iS diese Dinge zu enthüllen. Anfang April 1032 berichtete die„Münchener Post" über die Existenz einer Mördergruppe, Zelle G genannt, im braunen Hause in München. Sie teilte mit, daß eine Gruppe unter einem grwiffen Horn auS Karlsruhe herbeigeholt worden sei, daß der Gareis- Mörder Schweikart dazu gehöre. Die Gruppe sollte mehrere nationalsozialistische Führer, dir unbequem geworden waren, umlegen. DaS Blatt nannte als Brrantwortlichrn für die Femezelle de« Major Buch, als eigentlichen Leiter den Standartenführer Danzeifen, einen intimen Freund Hitlers. Danzeifen wurde in der Folge Wir haben immer verglich gefragt, wie' Henkeln zu Hiller stehe. E i nm al hat der Mann eine Antwort zu gehen versucht: sie fiel unklar und unverbindlich genug auS. Jetzt aber kennen wir die Stellung Henlein- zu HÜler: WoS die ganze Welt gegen HÜler empört, das veranlaßt Henlein, ein herzliches Bekenntnis zu ihm abzulegen! Was werden dazu die Nationalsozialisten des Herrn Henlein sagen, die doch nicht nur dem Hitler, sondern auch dem Röhm in Nibelungentreue verbunden waren? Sie sollen das mit sich selbst ausmachen. Für Kulturdeutschc kann nach dieser Leistung der„Rundschau" Henlein und seine Bewegung kein Problem mehr sein. wegen verbotener Grenzvberschreitung harren Sollten sie dann nach Oesterreich ausgeliefert werden, so dürften sie dort viel größere Strafen zu gewärtigen haben. Vorläufig sind sie im Budweiser KreiSgcfängnis ihres Lebens jedenfalls sicherer als im Deutschland Hitlers und GoeringS. Ein gleich bitteres Los harrt nun der sudc- tcndeutschen SA- Leute. Das„Eeskt Slovo" brachte dieser Tage die Meldung, daß sich das braune Reich auch dieser Werkzeuge entledigen will. Einige hundert junge Leute aus Nordmäh- ren, Schlesien und Hultschin gingen seinerzeit hinüber und bildeten eine„Sudctendeutsche Legion", welche in Ratibor ausgebildet wurde und an unseren Grenzen später Dienst machte. Diese Gruppe ist durch die letzten Brrhaftun- gen und Hinrichtungen ihrer Führer beraubt und dürfte demnächst ptr Schub in der Heimat eintreffen. So haben sie sich das Ende ihres Kampfes gegen den Marxismus bestimmt nicht vorgestellt. Geht unseren heimischen Nazijünglingen noch immer kein Nachtlicht auf? zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, was dir Freundschaft zu Hitler nicht beeinträchtigte. Dir von den Mördern Bedrohten flüchteten von München nach Berlin. Sie legte« Wert darauf, daß im Falle ihres Todes kein Geheimnis über Ursache und Täter bestehen sollte, und sie suchten Schutz. Einer ihrer Beauftragten erschien deshalb am 8. April 1832 morgens auf der Redaktion des„Vorwärts" in Berlin. ES war der Dr. Bell, Mitarbeiter und Perater Röhms, bekannt ans dem Tscherwonzenprozrß. Er teilte uns mit, daß er im Auftrag Röhms käme. Röhm und seine Freunde fürchteten, wegen gewisser Beziehungen Röhms zur Reichswehr erschossen zu werden. Sie seien in der Rächt von München nach Berlin gefahren, und seien in Be- gleüung deS Rechtsanwaltes Lütgrbrute im Hotel Fürstrnhof abgestiegen. Es waren: Stabschef Röhm, Chef der Nachrichtenabteilung Graf Du M o u l in- Ecke rt, Ehef des Rnfleamtes Himmler, Graf S p r e t i, Dr. B e l l. Dies« Flucht in«in« begrenzt« OeffenUich- keit, sowie in München einsehende Berhaftungen -erschlugen damals di« Mordpläne. DaS Schicksal der Beteiligten war folgende»: Major Buch wurde bei einem Spaziergang im Walde im vorigen Jahr« erschossen. Dr. Bell wurde im Frühjahr 1833 auf österreichischem Gebiet von bäuerischen Nationalsozialisten ermordet. Röhm und Graf Spreti sind am 30. Juni 1834„standrechtlich" erschossen worden und Himmler— hat sie erschießen lassen! Nir'- schen, jeder so oder so anders und doch alle einander ähnlich aus gleichem Loh, fließen hier zum Strome zusammen! Ein Volk marschiert. Volk in zwiefachen, Sinne. Ein Volk, geeint im Bekenntnis zum Staate der Dcnwtratic, dessen Flagge die Marschierenden ihren roten Fahnenwäldern feierlich vorantragen. lind Volt im besonderen, engeren Sinne des Wortes— das Volk der Arbeit. Z» seinem Feste sind brüderliche Abordnun- aen aus aller Welt als jubelnd begrüßte Gäste gekommen. Ihre Fahnen wehen den Abmärschen voran. Fahnen aller Länder Europas und das Sternenbanner der Bereinigten Staaten. Aller Länder Europas? Nein— es fehlt die Fahne der deutschen Republik; die Hitler-Diktatur hat ihren Schaft zerbrochen, ihr Tuch zerriflen und auf den Scheiterhaufen des Dritten Reiches verbrannt. Es fehlt die Fahne der österreichischen Republik; sie ist gesunken im Feuer der Dollfuß- Kanonen. Es fehlt die Fahne Lettlands. ES kehlt die Fahne Italiens. lind wieder wie voriges Jahr bei einem Arbeiter-Turnfest in Aussig könnt-n auch hier große leere Räume deS Schweigen- den stundenlangen Strom der Marschierenden unterbrechen— symbolische Lücken, deren schmerzlichen Sinn nur vprangetragene Tafeln Anden würden: Italien— Deutschland— Oesterreich—- Lettland. Plötzlich weitet sich der Wenzqlsplatz zum Sinnbilde: zwischen den Diktaturen marschiert die Demokratie. Die Freiheit bahnt sich ihren breiten Weg! Da liegt Deutschland, lind da liegt Ocstei- reich. Und zwischen beiden, zwischen den Stach»! drahtzäunen und Zuchthauömancrn der Dittaiu- reu, zwischen Schmach und Qual, Blut und Tränen entrechteter Brüder marschiert aus breiten' Paffe das arbeitende Bolt. Es ist eine Armee. Ihre Bataillone kom- men auS Böhmen und Mähren, aus den sudetcn- deutschen Gauen, aus dem Böhnierwald, aus den schlesischen Bergen, aus der Slowakei. Sie marschieren nicht nur zur Feier der Olympiade. Sie marschieren im Bekenntnis zu ihrem Staate, dr, ein demokratischer Staat ist und es allen Drohungen des fascistischen Irrwahns zum Trotz bleiben soll. Und in diesem Bekenntnis marschieren sie für die Idee der Freiheit, der Menschlichkeit, der sozialen Gerechtigkeit. Mit ihnen marschieren unsichtbar und dock) gegenwärtig die Brüder und Schtvc- stern aller Länder. Und einmal führt diese breite Bahn, in die sich stundenlang brausend und schim- mernd, flutend, mit wehenden Fahnen, jubelnd begrüßt der Strom der Manifestanten ergießt, auch nach Deutschland und Oesterreich zurück. E: ist ein Paß der Freiheit, eine. Straße zwischen de» Diktaturen. Sie führt in die Zukunft. Beglückt und ergriffen, erhobenen Herzenblickt man auf den farbigen Strom. Er ist mebr als ein herrliches Schauspiel. Er ist ein unvergeßliches Erlebnis, er ist eine Zuversicht— uns-r Glaube und unsere Sehnsucht, unser Hoffen und unser Wille, unser ganzes Sein marschiert mit ihm! Manfred. Seite 6 DienStag, 10. Juli 1934 Nr. 158 Hitzewelle in drei Erdteilen England: Höchste Julitemperatur seit 41 Jahren saöcznciilLlicttco Ein japanischer Oberst als Dokumentendieb? Blagoweschtschensk, 9. Juli. Die Telegrafenagentur„Tas;" meldet: Hier ciugelaufeueu Meldungen zufolge fand am 3. Juli in den Räumen dcö S o iv j c t r u s s i s ch c» Konsulates in Sachalian ei» Bankett statt, au dem die Vertreter der großen Schiffahrtsgesellschaft am Amur und Vertreter der mandschurischen Schiffahrtsgesellschaft teilnahmen, glvischen welchen in Sacha- lian Verhandlungen geführt werden. Unter den geladenen Gästen befand sich auch der Chef der japanischen Militärmission in Sachalian O b c r st M i d j a s a k i. Vor Beendigung des Bankettes verlies; der Chef der japanischen Militärmission in Sachalian Midjasaki den Saal, in dem sich die Gaste befanden, und begab sich, offenbar in der Annahme, daß niemand in der Nähe sei, in den ersten Stock des Gebäudes, wo er in das Arbeitszimmer des Konsularsekretärs eindrang. der Schublade des Schreibtisches verschiedene Schriftstücke und Korrespondenz des Konsulats c u t n a h m und hierauf versuchte, mit den Schriftstücken unbemerkt das Konsulatsge- bäude zn verlassen. Er wurde aber vom Sekretär des Konsulats und von einer Aufräumcfran an- gehakte n, die ihm die entwendeten Schriftstücke abnahmcn und ihn dann auf die Straße, hinauSlicßcn. Japan protestiert gegen diese »ungeheuerliche" Meldung Tokio, 9. Juli. In politischen Kreisen beschäftigt man sich lebhaft mit der von sowjctrussischcr Seite erhobenen Beschuldigung, daß ein Offizier des japanischen GeneralstabcS, der gleichzeitig Chef der japanischen Militärmission in Sachalian ist, bei einem Empfang des sowjetrussischen Generalkonsulates versucht habe, Dokumente des so- wjctrussischcn Generalkonsuls zu entwenden. Diese Behauptung hat in Kreisen des japanischen KriegsministerinmS größte Empörung hervorgerufen. Man erklärt, der japanische Oberst sei ein Mann von tadelloser Führung. Die von russischer Seite ausgesprochene B e s ch u l d i g u n g sei geradezu ungeheuerlich. Der japanische Kricgsminister hat den Chef der japanischen Armee in der Mandschurei Chaschikara angewie sen, sofort einen Bericht über die Angelegenheit zu erstatten.- Große WaldbrSnde in Deutschland Waren(Mecklenburg), 9. Juli. Ein Waldgebiet von etwa SS Quadratkilometern Ausdehnung, äußerst tverwokler Baumbestand, der zum großen Teil erst vor einem Jahrzehnt angepflanzt worden tvar, ist durch Brand vernichtet. Der zerstörte Waldbcstand hat einen Wert von mehreren Millionen Mark. Wegen fahrlässiger Brand- st i f t u n g wurde der mit dem Hüten von Schafen betraute SSjährigc Arbeiter Joers aus Charlottcnhof dem Warcncr Amtsgerichtsgefängnis zugcführt. Er hatte seine noch brennende Pfeife auf einer nahe am Walde gelegenen, auSgcdörrtcn Grasflächc entleert. Rothenburg(Oberlausitz),. 9. Juli. Auf einem Kahlschlag des nördlich von Groß-Radisch bei Niesky(Oberlausitz) gelegenen BergeS Du« brau brach am Samstag nachmittags ein Brand aus, der auf den Wald Übergriff. Nachdem eS den Wehren sotvie mehreren ArbcitSdienstabtei- lungcn und der Bevölkerung gelungen tvar, den Brand bis zum Abend auf seinen Herd zu beschränken, fachten heftige Windhosen am Sonntag nachmittags das Feuer wieder an. Die Flammen griffen immer weiter um sich und gefährdeten auch die Ortschaft Groß-Radisch, so daß Reichstvehr eingesetzt werden mußte. Am Abend tvar das Feuer so weit eingedämmt, dtkß eine Gefahr nicht mehr bestand. Ergriffen wurde von dem Brande eine Fläche von etwa tausend Morgen. Die Ursache des GroßbrandeS ist noch nicht fcstgestellt. * Berlin, 9. Juli. Gestern nachmittags brach im Grunewal d, wahrscheinlich durch Unachtsamkeit eines Autofahrers,«in Waldbrand aus. Die Feuerwehr griff mit zehn Löschzügcn ein. Trotzdem wurden aber in kurzer Zeit etwa vier Hektar Wald einqe» äschert, so daß nur noch die Baumstümpfe schwarz verkohlt dastchen. Auch aus anderen Gegenden des Reiches kommen Meldungen über riesige Brände. In der Niederlausitz, im Kreise Sorau, sind 100 Morgen Wald durch einen Brand vernichtet worden. In K a r g o w in Mecklenburg wütet seit Samstag ein Waldbrand, der rieste Ausdehnung . angenommen hat. Auf Rügen wurde der Gutshof. Neuendorf durch ein Schadenfeuer vernichtet. Aus bisher noch ungeklärter Ursache brach am " Tagbau.der Grube„Hansa" ein großer Wald- - brand aus. Das Feuer griff,, durch den starken Westwind angefacht, mit ungeheuerer Geschwindigkeit um sich. Die gesamten Wehren der Um» gcbung waren schnellstens zur Stelle. Trotzdem dehntze sich das Feuer bis an die Bahnstrecke Halle—Kottbus aus. Eine ür der Nähe liegende London» 9. Juli. Die Hitzewelle, die zur Zeit über England herrscht, erreichte während deö Wochenendes ihren Höhepunkt. An manchen Orten wurde die für England außerordentlich hohe Temperatur von 32 Grad EelsinS gemessen, die höchfteJ«litemperaturfeit41Jah- r e n. Rach Aussagen der Wetterphopheten ist vor. läufig noch kein Ende der Hitze abzusehen, die seitlSTagennnunter- Krochen andauert. Während deS Wochenendes sind Tausende von Menschen infolge HItzschlageS zusammengevrochen. Bisher werden f ünfTodeSopfer gemeldet. In allen Landesteilen sind große Busch» und Heidebrände auSgebrochen, die ge- meinsam von Polizei, Militär und Feuerwehr bekämpft werden. Der berühmte Rhododendron-Wald deS Lord MalmeSburh bei Christchurch wurde durch einen Riesrnbrand dem Erdboden glrichgemacht. Infolge Was. ermangelö ist eS beinahe unmöglich, die Brände wirkungsvollen bekämpfen. Auf dem englischen Truppenübungsplatz AlderShot wurden 800 mit Stahlhelm und Gasmasken bewaffnete Soldaten znr Löschung von zwei großen Heidebrände» herangezogen. Die Küstenstadt St. Andrews in Fife wurde von einem Wirbelsturm heimgesncht, der den ganzen Ort in eine Sand- wolle hüllte. Bei Lag Hitze—«acht» am Gefrier- p»«tt Trier, 9. Juli. Wie der„Trierischc VolkS- rcund" aus Daun(Eifel) berichtet, ist in den letzten Nächten die Temperatur in den höchsten Gebieten der Eifel bis nahe an den Gefrierpunkt zurückgcgangen, nachdem am Tage eine Temperatur bis zu 25 Grad im Schatten gemessen wor- GlaShüite mußte von den Wehren dauernd unter Wasser gehalten werden. Durch die starke Rauchentwicklung und die große Hitze wurden die LVscharbeiten sehr erschwert. Es gelang aber den vereinten Kräften, die Flammen an der Glashütte zum Halten zu bringen. Das Feuer düfte etwa 200 bis 250 MorgenWald vernichtet haben. Hundefleisch als Apbeitslosen-Nahrung... Wie weit das Elend der AlbeitSlosigkett die Menschen hinabdrückt, zeigt ein Bericht deS »Saazer Anzeiger" über die Nahrungssuche eines arbeitslosen Bergin a n n c s. Der Bericht möge an dieser Stelle als Betveiö dafür abgedruckt sein, in lvclchem Elend die Arbeitslosen leben. Der Bericht lautet: An» Donnerstag, den S. Juli, in den Abendstunden wurde ein Man» in Saaz angehaltrn, der ein Fahrrad schob, an welchem er sechs große Hunde, meist Schäferhunde, angebunden hatte. Da der Man»— eS handelt sich um einen arbeitslosen Bergarbeiter auS Brach— nicht Nachweisen konnte, woher er. die Hunde hatte, wurden ihm die Tiere abgenommen und dem Wasrnmeifter übergeben. Der Bergarbeiter erklärte, daß er die H« n d e sehr billig im Podersamer Bezirke zusammengekauft habe und daß s-ie ihm und seiner Familie »lS Nahrung dienen sollen. Seine Angabe» wurden von der Polizei überprüft und richtig befunden. Die Hunde wurden vom Tierarzt untersucht und ebenfalls als gesund erklärt. Da»S kein Gesetz gibt, das die Tötung und das Verzehren von Hunden«erbietet, so muhten die Tiere dem Bergmanne wieder auSgrliefert werden, der mit ihnen am nächsten Tage nach Bruch weiterzog. Kann es eine schrecklichere Anklage gegen die herrschende Gesellschaftsordnung geben, als die Tatsache, daß Arbeitslose auf diese Weise ihr Leben fristen müssen? Und ist. nicht dies zugleich ein Belveis dafür, wie notwendig der Kampf des Proletariats gegen eine Gesellschaftsordnung ist, die solche Zustände herbeiführt? Statt Hilfe— Bettug! Die Stätten blinden Aberglaubens, der Unwissenheit und Not waren immer schon die Domänen gewissenloser Menschen zu niederster Ausbeutung und'schamlosem Betrug. So werden dnrch Inserate bürgerlicher Zeitungen ununterbrochen Bcrdienstmöglichkeiten angctragen, die sich schließlich als Verdienstmöglichkeit für den Inserenten, nicht aber für den Arbeitslosen, der um seine letzten paar Kronen geprellt wurde, darstellen. Man nimmt ihnen für jode Auskunft und Zuschrift Schreib- und Portospesen ab, ohne ihnen irgend eine positive Angabe über die Art der Arbeit, die sie leisten, sollen,, zu machen. Oder man überläßt ihneneine— wenn auch kleine•— Kaution eine mehr als schlechte Vertretung, die sie sehr bald wieder aufgeben müssen. Man knöpft dem ein Darlehen suchenden armen Teufel für allerhand Gebühren und Spesen jeden Heller ab, über den er noch verfügt, um ihn zuletzt ohne das Darlehen noch mit Klagen zu bedrohen, damit er eingeschüchtert auf jeden RechtSstritt verzichtet. den war. Tcilwessc lvurde sogar in entlegenen Waldtälern der Gefrierpunkt erreicht. Am Morgen waren die Wiesen auf weite Strecken vom Reif bedeckt und stcllenlveise kleine Tümpel mit einer hauchdünnen Eisschicht überzogen.' Auch Frankrekch sttzhut««ter der Hitze Paris, 8. Juli. In Frankreich herrscht seit einigen Tagen eine Hitzewelle. In Bordeaux wurden gestern 38, in Paris 30 und heute früh in Paris bereits 33 Grad Celsius verzeichnet. 17 Tage Rekordhitze in USA. New Nork, 8. Juli. Die 17 Tage andauer ndcRekordhitze hat durch eine erfrischende Brise und Regengüsse für die Nclv?)orker eine angenehme Unterbrechung erfahren. Aus den östlichen Staaten wird eine Reihe von Unfällen, hervorgerufcn durch die Trockenheit und Hitze, gemeldet. In Pennsylvanien sind bei Gewittern durch Blitzschlag mehrere Brände entstanden. In der Stadt Franklin hat der Blitz sechs Häuser in Brand gesteckt, wodurch 40 Personen obdachlos geworden sind. Zwischen Philadelphia und Lancaster hat der Eisenbahnverkehr eine Unterbrechung erfahren, da infolge der Wolkenbrüche das Geleise überschwemmt wurde. Katastrophen-Temperatur in der Mongolei Peking, 8. Juli. In der Gegend von Kalgan und Dolonor, in der inneren Mongolei, herrscht zur Zeit eine ungewöhnlich starke. Hitze, die die Ernte vollständig zu vernichten droht. Nach den bisher vorliegenden Meldungen sind bereits 2 0 Ai e n s ch c n a n H i h s ch l a g g c st o r b e n. In der letzten Zeit erscheinen in einer Reihe bürgerlicher Zeitungen Inserate, die sich offenbar an schwangere Frauen richten, damit sich diese durch ein„sicheres Mittel" wieder „Ruhe" verschaffen. Die Inserate lassen keinen Zweifel darüber anfkommcn, daß man nicht an das Ausbleiben der Periode durch eine organische Störung, sondern an die Schivangcrschaft und deren Befreiung denkt. Für viel Geld bekommen dann die armen Frauen ganz wertlose P i l l e n, die sie unnötiger Weise in Erregungszustände versetzen, ohne sclbswerständlich den gewünschten Erfolg mit sichzu bringen. Dabei werden die Opfer dieser Betrüger mit Beglaubigungsattesten über die Wirksamkeit des Mittels traktiert» bis sic znr Ueberzeugung kommen, daß es wohl besser sei, statt der Pillen zu 30, jene zu 50 KL oder noch mehr zn nehmen, für die natürlich nichts anderes gegeben wird, als für den geringsten Betrag zu erhallen wäre. Man nützt so den entschlichen Zustand, in dem sich viele Schlvangcrc befinden, zu den ärgsten Schwindeleien aus, die man sich vorstellen kann, ohne daß von irgend einer Seite gegen diese Betrüger eingeschritten würde. Deshalb seien alle Frauen vor diesen Ankündigungen, ganz gleich woher sie kom- mcn, gewarnt. Sie bringen ihnen nichts als neue Unruhe und vermehrte Sorgen. Den andern aber, die sic cinschaltcn, viel Geld. Anständige Zeitungsleser jedoch müßten selbst gegen diesen Betrug durch Abbcstellcn protestieren und die Behörden auf die Inserate aufmerksam machen, damit den Betrügern das Handwerk gelegt wird. Flugzeug-Stützpunkt unter dem Kommando einer Frau Moökau, 9. Juli.(Taß.) In die Arktisgebiete Ivcrdcn heuer Flugzeuge entsendet werden, die einen Flug über dem Flusse Jcnissej unternehmen und das Gebiet von T u r u ch a n erforschen sollen, lvorauf sic nach einer Uebcrflic- gung der D i ck s o n- I n s e l an der Mündung des Jcnissej die Begleitung von Schiffen übernehmen lverden, die den Fluß Lena und die Verhältnisse im K a r i s ch e n Meer erforschen lverden. Bei der Ansiedlung Dudinskoje am Jcnissej soll hiebei ein F l u g z c u g-S t ü tz- punkt errichtet werden, als dessen K o m- m a n d a n t i ii die Fliegerin Kobjakova auscrschen ist, die erste Pilotin, die in diesen Gegenden der Arktis überwintern wird. Eine Statistik des Grauens Gerade in den letzten Tagen wurde tvicder- holt über die unmenschliche Raserei berichtet, welche sich in Deutschland als Justiz ausgibt. So zeigt eine Denkschrift der Prager Sektion der deutschen Liga für Menschenrechte, tvie das Hitler-Regime seine Gegner mundtot macht. Aus genauen Einzeldarstellungen, wobei alle Verurteilten namentlich angeführt sind, ergibt sich, daß seit dem Regierungsantritt Hitlers bis zum 1. Juni 1934, also in rund 16 Monaten"93 politische Todesurteile, 2804 Jahre, neun Monate Zuchthaus und vier lebenslängliche Zuchthausstrafen, sowie 1088 Jahre vier Monate Gefängnis für politische Vergehen und Verbrechen, also insgesamt 3893 Jahre esu Monat u«d vier JttoeerramBlif ftsnlt in tat»eit Am Mittwoch, den 11. Juli 1984, wird um 18.20 Uhr im Rahmen der deutschen Arbeitersendung eine Rundfunkreportage ans dem Prag« Olympiade-Zeltkager der Roten Falken übertrage«. Hört, was Euch unsere Roten Falken von ihrer Kindcrrepublik zu erzählen haben. Bildet am Mittwoch, den 11. Juli, in allen Orten, in allen Organisationen und Gruppen Hörergemeinschaften. Alle Genossen, die einen Radioapparat besitzen, hören sclbswerständlich die Rundfunkreportage aus dem Zeltlager der Roten Falken. lebenslängliche Einsperrungen ausgesprochen wurden. Dieses Ergebnis erscheint um so grauenvoller, als keincstvcgs damit zu rechnen ist, daß die Zeit dieser Justiz in Deutschland schon zu Ende ist. Die Rackcjustiz dauert an und hat allein in den letzten Tage» Massenmorde in. bisher unbekanntem Ausmaße zur Folge gehabt. Das ist die„völkische Erneuerung", wie sie die Nazi anstreben. Sl«g-e«g-K Mähr. Ostrau, 19.10: Liederkonzert, 22.45: Tanzmusik.— Preßburg, 20: Frau Marianne, die Regi« rnentsmutter, Spiel mit Gesang«nd Musik. Str. U» DienStag, 10. Juli 1984 «eite 7 Devisenschieber in Hamburg .Hamburg, 9. Juli. Der Hainburger Zoll- fahndungüstelle ist es gelungen, umfangreiche Effektenschiebüngcn aufzudccken. Die Nachforschungen der Abteilung fiir Devisenschmuggel führten zur Ermittlung der Hauptbeteiligten einer S ch I e b e r ba n d c, bei denen man noch Effekten im Werte Bon 30.000 NM. vorfand und beschlagnahmte. Wie die Zollfahn- dungSstelle feststellcu konnte, Hai die Bande deutsche Wertpapiere im Nennlvcrt von mehr als 100.000 RM unter Umgehung der scharfen Devisenbestimmungen im Schleichwege angelauft und wieder vertrieben. Es konnte weiter ermittelt werden, daß ein Beauftragter der Bande sich ein Zinuncr mietete und es nach außen als Sih einer Firma aufmachcn lieg. Zur Abwicklung ihrer gesetzwidrigen Geschäfte benutzten die Täter gefälschte Briefbogen. Bisher wurde ein Mitglied der Bande verhaftet. Die Ermittlungen der Zollfahndungöstelle Hamburg nehmen ihren Fortgang. Etternmord Minden, v. Juli. Am 20. Jänner 1925 wurden der damals 50jährige Bauer Sievcking und seine Frau in Hille bei Minden erschossen in einer Jauchengrube aufgefunden. Vergeblich fahndete man nach dem Mörder. Nach neun Jahren wurde jetzt der Mörder endlich in dem Sohn Heinrich, der den Bauernhof übernommen hatte, ermittelt. Er wurde vor ettva zehn Tagen festgenommen und ins Gcrichtsgefängnis eingcliefcrt. Hier hat er am v. Tage nach seiner Festnahme ein Geständnis der ruchlosen Tat abgelegt. Angeblich fühlte er sich damals von seinem Vater zu knapp mit Geld gehalten. MS er deshalb Mehl verschieben wollte, kam cs zu einer Auseinandersetzung. Der Vater drohte mit der Forke und-er Sohn ergriff einen Revolver, mit dem er seine Eltern erschoß, ilm die Tat zn verschleiern, schleppte er die Leichen in die Jauchegrube. Hitlers Volksgemeinschaft. Die Ueberwin» dang des Klassenkampfes war das Zauberwort, mit dem die Hitler-Bewegung nicht nur die Geld- schränke der Bourgeoisie für sich öffnete, sondern auch die Herzen klassenscheuer Bauern und Mit- tclständler und die Stimmung mancher an den Erfolgen der Arbeiterbewegung verzweifelnder Proletarier betörte. Weil er den Klasseiikampf predige, fei der Marxismus eine volkszerstörende Irrlehre.— so erklärten die nicht gerade originellen Theoretiker und die in ihrer hemmungS- kosen Verlogenheit schon viel originelleren Pro- pagandisten der Hitlerei. Und ihre Nachbeter hierzulande erklären es auch heute noch. Daß der Klassenkampf vom Marxismus nicht gepre- digt, sondern als notwendige Erscheinungsform deS Kapitalismus festgestellt wird, und daß man ihm deshalb weder durch Gegenpredigten noch durch Marxistenverfolgung aus der Welt schaffen kann, das können oder wollen die Hakcnkrouzrit- ter nicht begreifen. Sie flüchten sich in den irra- tionellen Nebel blutiger Phrasen und bodenloser Schlagworte. Und sie predigen die Volks- Der soziale Neruda (A«S Jan Ree»das Fenillestm».) Zahlreicher waren diejenigen, ivelche aus armen Verhältnissen hervorgcgangcn sind und der Menschheit sehr genützt haben, ihr« Wohltäter, Führer und Reformatoren wurden, als diejenigen, die in reichen Biegen lagen.»Das arme Nazareth" hat stets die größwn Triumphe gefeiert. Newton, Franklin und Galilei hatten als Knäblein'geflickte Jacken an, Shakespeare hat vor dem Theater Pferde für Herren gehütet, Molidre hat Hadern aus der Tapeziererwerkstätte seines Vaters verkauft. Luther als Bcttelstudent sein Brot an den Türen reicher Bürger durch Gesang verdient, unser Hu»— die tschechische Nation, welche jetzt für HuS zu feiern gedenkt, mutz in ein armes Häuschen in einem kleinen Städtchen wandern I Und diejenigen, welche unsere Nation jetzt wiedererweckt haben, sie alle waren arm und trotzdem haben sie ungeheure geistig« Arbeit geleistet. Unser Jungmann und Jablonskh, Eelakovskh und Kolät, Safari! und Puchmajer, jeder von ihnen hat seine ersten Tage in den berüchtigten armen böhmischen Hütten verlebt. Sogar Vater Palacky ist Sohn einer solchen Hütte und seine Studienjahre waren ebenso mit großer Not bedacht, wie die irgendeines anderen armen Studenten. Nennt mir diejenigen, welche au» wohlhabender Familie stammen und mit ihren Geiste der Nation doch geholfm haben— an den Fingern einer Hand könnte ich sie abzähle« k 194889- • Benn man von der Französischen Republik spricht, sei e« im Landtag, wäre ich der Ansicht, dass e» gut wäre, zu wissen, von welcher eigentlich gesprochen, welche anerkannt wird. So führt« man dieser Tage ein Stück im Theater auf, in welchem auch die Französische Republik auftritt, mit roter Jakobinermütze, rotem Mantel, roter Fahne und Marseillaise. Da es dem Publikum gefiel, wollt« unsere Polizei die Französische Republik sofort bet* bieten, ließ sich aber überreden. Die Marseillaise durfte bleiben, die Jakobinermütze mußte in die Garderobe» die Republik in einen blauen Mantel gemeinschast, deren Verwirklichung sie im Drit- ten Reiche bewundern.— Noch immer bewundern? ES gehörte schon ein Uebcrmgtz an Wirk- lichkeitsscheu dazu, um nach den letzten Ereignis- scn in Deutschland noch an die Volksgemeinschaft Hitlers zu glauben. WaS da geschah— in der grauenvollen Form des heimlichen und heimtük- kischen AbschlachtcnS unbequemer Komplizen— das zeigt ja nicht nur die unvorstellbare Ver- kommenheit derer, die heute Beherrscher des ge- schändeten deutschen Volkes sind,— eS zeigt auch deutlich genug, daß der trügerische Bau einer kommandierten und uniformierten Volksgemeinschaft zerbrochen ist. Wo sind die Tage hin, da man das Bild der gleichmäßig braunen Massen entwarf, der Schulter an Schulter marschieren- den Reichen und Armen, Bürger und Bauern, Studenten und Proleten, die alle durch den Glauben ans Hakenkreuz und die Gnade des von Gott crivähltcn Führers geeint waren? ES ist noch nicht zwei Jahre her— aber die Zeit hat genügt, um die übertünchten und gekitteten Klassen auch innerhalb der Hstler.Armee kratz aus- cinandertreten zu lassen. Die Schüsse auf die Führer der um ihre Beute betrogenen SA., abgegeben von den schwarzen Gardisten der„vor- nehmen" SS. und von der Polizei-Armec des ordenfunkelndcn Generals Gocring,— dieser mörderische Terror, mit dem die mächtigen Herren und ihre Leibgarden die einfachen Soldaten cinschüchtern wollen, die ihnen zur Macht verhol- fcrr und die man jetzt in den Hungerurlaub schik kcn wollte, während sic auf den Lohn warteten — war daS etwas anderes als ein Vorgefecht des„überwundenen" KlassenkamPfcS? Wenn VolkSkanzler Adolf Hitler die Leichen seiner ab- geschossenen Kameraden dem lächelnden Herrn von Popen und dein gratulierenden Herrn vor Hindenburg zu Fützen legt, wen» er sich feiern läßt, weil es ihm gelang, sich mit Blut und Der rat daS erneute Vertrauen der Generäle und Bankiers, der adligen Minister und der Herren „Wirtschaftssührer" zu erkaufen, dann ist das allerdings ein überwältigendes Bild der Volks- gemeinschast, wie sie foscistische Diktatoren zu- standebringen. Verhindertes Eisendahnattenlat. An-er Strecke-wischen Kintschau nnd Mulden der Eisenbahnlinie P e k i n g-Mulden überraschte eine japanisch-mandschurische Polizei- tnippc kurz vor-em Passieren deö ExpreßzugeS mehrere E h i n e s e n, die mit dem A u s r e i- tzen der Geleise beschäftigt waren. Die Chinesen wurden nach heftiger Gegenwehr von der Polizeitruppe überwältigt. Sechs Personen fanden bei dem kurzen Feucrgesecht den Tod. Zweifacher Raubmörder. Die Kriminalpolizei in T h a l e(Harz), verhaftete nach längeren Ermittlungen den Polen Josef M o s ch. dec vor einiger Zeit kurz hintereinander eine K r a n- kenschwester aus Magdeburg namens Jn- gcborg Rackwitz und ein junges Mädchen aus Schlesien an einsamer Stelle Werfällen, ermordet und beraubt hat. Die Leichen der beiden tllnglücklichen sind gefunden worden, der Mörder hat bereits ein Geständnis abgelegt. und aus der roten Fahne wurde die Trikolor«. Dadurch will unsere Polizei andeutcn, daß sie nur die Pariser Republik anerkennt und nicht die soziale Lyoner Republik, nur die Trikolore— und nicht die rote Republik, in welcher sogar alle Leute gleich sind. Ja, meine lieben Bäcker und Riemer, cs geht ja-och nicht, zu denken, ihr wäret ebensoviel wie irgendein Herr! Glaubt ihr denn nicht daran, daß es in-en menschlichen Seelen Klaffen gibt? Wollt ihr seelisch höher stehen als Maikäfer, welche auf ihren Bäumen alle einander gleich sind? Glaubt mir, als der Gleichheitsgedanke in der Menschheü geboren wurde, da hat sie zum zweiten Male in den Adamsapfel gebissen. Wenn der liebe Herrgott gewollt hätte,-aß wir alle einander gleich sind, da hätte er doch elf Gebote und nicht zehn gegeben l(1870) Naürlich gibt es— man würde es gar nicht glauben— Leute auf der Welt, Ivelche nicht einmal ihre zwei Braten täglich haben, inan nennt sie „das arine Volk" oder so irgendwie. Das ist aber sehr dumm von ihnen und kein vernünftiger Mensch wird ein solches Elend gut heißen. Früher pflegte man zu sagen:„Der Mensch fängt beim Baron an", jetzt sind wir schon gleichberechtigt und müssen sagen:„Der Mensch fängt beim Braten an." Uckrigens, ist es denn nicht ein Vergnügen, wenn ich zu essen bekomme und Leute ansehe, die Hungers sterben? Wenn ich mit dem Zahnstocher blasse Wangen„studiere", ruhig in verlöschende Augen sehe, wenn ich mich wundere, loie der menschliche Körper bis auf ein Skelett abmagern kann und dem Stöhnen und Aechzen horch«, welches in allen Nuancen ertönt.(Wenn das Gequiecke zu stark wird, ist eS gut, etwas Watta in die Ohren zu geben.) Ist es denn nicht heilige Pflicht eines seden echten Philanthropen, das menschliche Elend in allen seinen Phasen zu„studieren"? Und die schönen Reden im Reichsrat und Landtag, daß man «rasch— rasch" helfen muß, Rede», die wieder volle sechs Monate dauern, die zahlreichen Kommissionen, welche schöne Diäten«intragen, die überäuS häufigen und billigen Gelegenheiten, einen Orden zu verdienen und schließlich die blitzartig eilende finanzielle Aushilfe, welche nur deshalb keinen Wert mehr hat, weil inzwischen di« Ein Eisentahturnglück ereignete sich am Sonntag abends auf dem Gelände de» Bahnhof» Blir. in Nordjütland. Ein einfahrender Zug stieß aus einen rangierneden Personenzug auf. Bei-em heftigen Zusammenstoß wurden 25 Personen verletzt, davon drei schwer. War«nha«»ßrand in Sitmmtc. In Libourne brach am Sonntag in einem großen Warenhaus Feuer aus, das mit unglaublicher Geschwindigkeit um sich griff und beim Eintreffen-er Feuerwehr bereits einen ganzen Gebäudekomplex von etwa 1000 Oyadratme« ter erfaßt hatte. Die Hitze, die das Flammen« meer auöstrahlte, Ivar so groß, daß es der Feuerwehr nicht gelang, energisch durchzugreifen. Obgleich aus zwölf Rohren Wasser gegeben wurde, konnte nicht verhindert werden,-aß die Flanime» auf drei umliegende Wohn» Häuser Übergriffen und sie vollkommen inAsche legten. Auch vom Waren« Haus ist nur das eiserne Gerüst übriggcttiebcn. Menschen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden. Der Sachschaden beläuft sich jedoch auf mchrereMillionenFran- k e n. Umwandlung de» Todesstrafe der Prüder Gerspiher. Vor zwei Wochen wurde vom Obersten Gericht in Brünn die Nichtigkeitsbeschwerde der Brüder Gerspitzer verworfen, die bekanntlich den Mörder O n d r ä s, der zwei Gendarmen getötet hatte, ermordet hatten unb hierauf vom Brünner Schwurgerichte zum Tode verurteilt worden waren. Das Oberste Gericht beriet hierauf in nicht öffentlicher Sitzung Wer die eventuelle Anwendung des Gesetzes über die llmwandlung des Todesstrafe in eine Freiheitsstrafe und änderte die Todesstrafe bei Franz Gerspitzer in 25 Jahre und bei Johann Gerspitzer in 20 Jahre schweren Kerkers ab. Der Bonkpröstdent im Gefängnis. Harriman, der ehemalige Präsident der New?)orkcr Harriman-Bank und der Trustgesellschaft, fand sich am Montag im Gefängnis von Lewisburg im Staate Pennsylvania ein, wo tt die Kerker» strafe von viereinhalb Jahren verbüßen wird, zu welcher er wegen Urkundenfälschung und betrügerischer Malversationcn verurteilt worden ist. Straßendahn-Unglück in Lyon. In cin.m Außenbezirk von Lvon stießen infolge falscher Wcickenstellung zwei Straßenbahnwagen zusam» mcn. Beide Wagen wurde« fast vollständig zertrümmert. Zehn Personen nmrden verletzt, einige so schwer, daß ihr Zustand Besorgnis erregt. Familiendrama. Sonntag vormittag» er» schoß der Leiter der chilenischen Gesandtschaft in Paris in seiner Wohnung seine Gattin und seine Schwägerin und beging sodann Selbstmord. Die Ursache der Tat dürfte in Familienzwistigkeiten liegen. Opfer der Berg«. Der Sonntag forderte in de« Tiroler Bergen zwei Todesopfer, und zwa- einen 15jährigen Schüler aus Innsbruck, der aus 20k) Metern Höbe abstürzte, und einen 17jährigen Elektrotechniker aus Kufstein, der am Rande einer 109 Meter hohen Wand ausglitt und in die Tiefe stürzte. Benmglückte Faltdootfahrer. Sonntag nach- nnttags unternahmen der SSjährige Maurer Franz Strauß und der 38jährige Straßenbahnschaffner amtliche Nachricht eingetrossen ist:„Es ist schon alles in Ordnung"— nämlich: all« sind inzwischen Hungers gestorben.(1878) Keine Angst! Wenn mir die Wiener Bäcker tausendmal sagen ließen, ick» werde doch nicht streiken. Ich werde meine Feuilletons in inniger Liebe zur geschätzten Leserin und in Hochachtung zum lieben Leser immerfort weiterkratztn. Uebrigens— warum streiken sie? Glaubt denn vielleicht ein solcher Bäckergehilfe, daß der Fürst sich den ganzen Tag auf der Jagd abquält, um ein Stück Fleisch zum Nachimal zu erjagen? Daß sich der Bräuer alle Nachmittage auf der Kegelbahn abmüht, um paar Kreuzer zu verdienen? Daß Baron Z. deshalb bis früh Karten spiest, um den nächsten Tag seinen Schneider zu bezahlen? Der Bäckergthilfe wäre ungeheuer dumm, so etwas zu glaubens Nein, nein', die Arbeit selbst lockt sie an, die Arbeit, dieses„Geschenk GotteS"! Ungeachtet dessen, daß der Bäckermeister„ge- wih" nicht einmal soviel verdient, um einem gemeinen Gesellen sogar ein anständiges Mittagsmahl geben zu können.„Sie wollen nicht einmal heiß übergossene Semmeln essen— was soll ich ihnen denn geben?" beklagte sich unlängst im Re- staurant Donai ein sechsstöckiger Bäckermeister. „Ich«nützte ja zu guter letzt bitten, in» Armenhaus zum hl.Bartholomäu» ausgenommen zu werden!"—„Und man würde sie dort nicht einmal aufnehmen. Sie armer Teufel!" bedauerte ihn der Nachbar, ein seelensguter Mensch:„beim hell. Bartholomäus gibt e» weder Ställe nach Schuppen — wohin würden Sie Ihre Equipage geben?!"— Ein schändlich saftiger Witz; vielleicht deshalb, well er so M ist! Nein, ich streike nicht. Es wäre auch ganz nutzlos: in Wien hat man in Bäckereien.ärarische Bäcker" kommandiert und in Prag würde man in die Redaktionen.ärarische Schriftsteller" kommandieren— et gibt ihrer schon genug und die „Unsrigen" sind bei der Regierung.(1888) • Wenn ein Diestmädchen oder ein andere» einfach gekleidete».Weib au» dem Volke" in die Pferdebahn eintritt, da rührt sich niemand. Und Neues Horst-Weffel-Lied Die Streße frei, ihr hemmen Ba will»ne! Marsch marsch auf Urlaub, Sturmabteil«n»s- menn! Von jetzt ah geht'» in einem»öllig andern Lene- denn eine neue Aera bricht nun an. Geh schön nach haus'! Du hast jetzt«hzutreten! Und denk nicht erst an ein« Wiederkehr! Der Führer pfeift aus dich, den schädigen Proleten, nun er am Ziel ist, braucht er dich nicht mehr. Der„Aufdruch der Ratian" ist abgeschlossen, SS marschiert jetzt»egen die DA. Wer hier zn meckern wag«, wird kurzerhand erschossen. Und außerdem find„Standgerichte" da. Jetzt wird'mal Schluß gemacht mit dem Gerede von einer„zweiten Revolution". Nit unfern Gönnen» gibt et länger keine Fehde, wer nn» bezahlt hat, will auch was davon. Da» Dritte Reich, es ist-«reit» geschaffen Und di« DA gllt nicht mehr,«»» fie war. Hent' ist da» S-Millioirenheer der„gelben Affen" für nnsern Staat blaß eine Putschgefahr. Und ft was darf» natürlich gar nicht geben, d'rnm griff der Führer rasch entschlossen zu. Da» büßten ein paar„Kameraden" mit dem Leben Richt schad«m fie! Dafür ist endlich Ruh. Der Stabschef Röhm— ein Schwein. Und wat fiir eine»! Ei« Schuft der Ernst» ein Lump der Heydebeeck, nnd stet» befassen der Herr Fememörder Heine», da» ganz« Pack«in„Eiterbeulendreck". Di« Kerl« dachten nur ans Geldverpntzen, fie habe«»weiten» viel zu viel gewußt, sie wollten dritten» sozusagen revoluzzen— Deswegen haben sterben fie gemußt. Kein Ttnrmabteilnngtmann soll deshalb grollen, der Führer löst n«r ein Versprechen ein. Er hat gesagt, e» werden viele.Köpfe rollen. (Das können manchmal auch die ei»««« sein.) Di« Fahnen rin! SA Mann, weg das Messer! Und laß im braunen Hemd dich nicht mehr sehn! Dee Führer fährt jetzt mit der Reichswehr, da» ist besser. Und ta— bau ab!— kannst wieder stempeln artm. ». L. Adalbert Koneel, beide aus Linz, den Versuch, mit einem Faltboot die Donau knapp oberhalb Linz zu überqueren. In einem Wasserwirbel kippte das Boot um und beide Insassen ertranken. Ein Hou» fliegt in die Luft. In einem ein- zrlnstehenden Haus« in dem hamburgischen Wolddorf Volksdorf hot sich am Montag abends eine Gasexplosion ereignet. Das Haus ist in die Luft geflogen. Die Bewohner des Hauses und mehrere zu Besuch weilende Personen lvurdeit unter den Trümmer» begraben. Die Feuerwehr hat mehrere Schwerverletzte unter den Trümmern hervorgezogen. Man rechnet mit insgesamt sieben bis acht Verletzten. Die Aufräumungsurbei- ten sind noch im Gauge. doch opfert die Arme ihren Secksser sür die Fahrt nur dann, wenn sie schon hochgradig müde ist oder einer solchen Müdigkeit Vorbeugen will. Wenn ich dosier etwas den Herren sagen wollte, würde ich sagen: den arbeitenden Frauen machet, ihr Herren, immer Platz. Gegenüber Dame» verhallet Euch aber ebenso galant wie bisher. Tas genügt. (1885) Ja, wisset Ihr denn nichts davon, daß Dr. Gönnen einen Bazillus auch in menschlichen Zähnen gesunden hat? Nnd dieser Bazillus soll es sein, der in den Zähnen daS zusammen stehende Appetitgefühl erregt, wenn der Mensch schon längere Zeit nichts gegessen hat, und bis in den Magen dringt, um dort ein unfreundliches, ungeduldiges Gefühl zu erzeugen, welches wir Hunger zu nennen gewohnt sind. Ausgezeichneter Gedanke! Wie soll man denn die soziale Frage lösen, wie soll man antworten, wenn der Ruf nach Brot erschallt, wie dem Hunger abhelsen?! Einfach den Armen ordentlich den Magen auüputzen. Ja, diese Armeil pflegen ein wenig harttöpsig zu sein! Wieviele Wohltäter gab cs schon in der Welt, Ivelche ihnen den Magen geputzt haben, eS gibt fast leinen einzigen etwas mächtigeren Herrn, welcher sich nickt mit ihnen ordentlich eingelassen hätte: aber„Essen! Essen!" braust eS„wüst" zur Antwort. Ach, du lieber Gott, wieviele weise Leule haben sich schon mit dieser„sozialen Frage" geplagt! Vor vier Tagen hat sogar der Heilige Vater öffentlich seine Meinung über sie auS- gedrückt.„Diese Frage wird nicht früher gelöst werden", sagte er,„solange überall in der Welt so schreckliche Armeen autgehakten werden—!" „Bravo— ganz mein« Ansicht!" wollte ick schon schreien, datz et auS Prag bi» nach Rom zn hören wär«. Aber vor Erregung war plötzlich meine Kehle zusammengepreßt— dies« Freude, diese Freud« in meinen alten Tagen— diese Freude haben wir beide, ich und der Papst, wirklich nicht geahnt, daß wir doch einmal über irgendetwas mit einander übereinstimmen werden. (1890). Gelte 8j „Sozialdemokrat" DkenStag, 10. Juli 1934.. 9k. 158 A«sftellu«g . Der orfizicllc Titel klingt allerdings weit llirmlüftr: v_> c f di ich t c i n Doku m cutt n. Gr lst nicht irreführend, oh nein! Er ist nur nichtssagend, blutleer und konnte für diese AuS- stellung nicht schlechter(oder nicht raffinierter...) gewählt werden. Sic ist in der Neuen Galerie st: der Grünangergasse in Wien untcrgcbracht und nimmt vier Räume in Anspruch, in denen cS oft interessante lünstlcrisckie Werke zu sehen gab. Jept sind sic iür das Weltgeschehen reserviert, lind zwar nicht für die Historie, die wir nur aus den Büchern kennen und deren verschiedene Lesarten sich schwer überprüfen lassen, sondern, für die Geschichte. die wir selbst erlebt und erlitten haben. Krieg! Betritt man das Vorzimmer, fühlt man-sich um-0 Jahre zurückversetzt. Man glaubt die beiseren, aufgeregten Rufe, mit der ivohlbckann- ten und oft parodierten Betonung: Extra-AuS- gabeeell! zu hören... Doch cS ist still und die ErtraauSgabcn hängen fein säuberlich eingcrahmt an den Wänden. Auch die vom 25. Juli 1914. die in Balkenleitern nichts anderes verkündet, als: Krieg! B a r o n G i c s I a b g c r e i st! Serbien m o b i l: s i c r t I(Zeitung„Die Zeit":) Oder jene vom 26. Juli 1614, mit der jubelnden liebcrschrist: D e m Krieg entgc- g-c.n! Der feste Turm des Drei- v» n d c s..'. Ritterlich tritt Italien an die Leite Oesterreich-Ungarns. Wir danken ihm. Worte können in diesen Stunden glänzender Erprobung. wo sich die Herzen reinigen und alles abslrcifen, was sie jemals nicht zur Freude getrennt hat, nicht auSrcichen. Aber es wird die Zeit kommen, und ivir wünschen, daß cs bald sei, wo wir dem italienischen Bundesgenossen durch die Tat vergelten können. Diese Tankes- ptliebt wird nie vergessen werden..."(Zeitung „Tie RcichSpost".) In, grotzen Saal sieht man daS Original- telegrannn des Baron Gieöl an die Militärkanz- lei in Bad Ischl. Es hat folgenden Wortlaut: „Ich babc infolge ungenügender Antwort der königlich serbischen Regierung auf unsere am 2.3. l. M., gestellten Forderungen die diplomatischen. Beziehungen mit Serbien für abgebrochen erklärt und mit Personale der Gesandtschaft Belgrad verlassen. Gesandter Baron Giesl." Darunter hängt ein schwarzgelber Handzettel:„Wiener! Morgen, Donnerstag, den 80. Juli 1914%12 Uhr mittags, kehrt unser vielgeliebter Kaiser nach Wien zurück. Wiener! Erscheint bei diesem Anlatz in Massen, um unseren schwergeprüften Monarchen zu huldigen!" .. Tic Wand daneben leuchtet durch die grotzcn wcitzcn Kundmachungen: „An meine Völker!... Ich habe alles ge« prüst und erwogen..."(28. Juli 1914). „Ter Kaiser an daS deutsche Bolti... Wir werden uns wehren bis zum letzten Hauch von Mann und Rotz..(6. August 1914). Gegenüber gelbe, ztveisprachige Plakate aus Belgien:„Zur Verhütung der Entfernung aus den Zivilarbeiter-Bataillons mutz folgendes an- geördnct werden: 1. Für jeden flüchtigen Z. A. bat die Gemeinde 1000 Francs zu hinterlegen. 2. Für jeden' entwichenen Z, A. wird aus dem Heimatort ein Mann als Geisel festgesetzt.... usw. Gezeichnet: Der Generalgouverneur in Belgien, Freiherr von Bissing. Juni 1918." Ti« Aufrufe der Entente sind in einer Art Magazin-Stil, mit ebensolchen Bildern, gehalten: Etlva daS englische:„For Home and countrn! Victor»), Liberi»), Loanl"(Ein junger rosiger Soldat hebt sein Kind hoch, kützt cs, die Fran schmiegt sich selig an ihn. Vorn bau melt Ham,los blitzend ein Stahlhelm. Alle scheinen zufrieden.)-- Das amerikanische Werbcplakat zitiert:seinen Schatzkanzlcr:«ball wc bc morc tcnder with our dollars, than tvith thc Live of our sonS?" Oder sachliche„Will»>ou habe a pari in victory?" La France, mit roter Mütze und einem Stcrnenbanncrkleid angetan, schreitet säend über das Feld.) Anders die französischen Entwürfe. Bei ihnen sprach die. Not mit.„Economisez le GazI",. Casscz ton surre!", mit entsprechenden Zeichnungen. Victor Hugo wird als Zeuge angeführt, datz der Elsah französisch ist. Sinnfällig wird der Irrsinn und die Tragi! des ll-BootkriegcS a», drei Stücken, die in, zweiten Saal dicht beieinander kleben. Eine deutsche Landkarte Europas mit der llebcrschrift„Englands SeenotI", soll die Erfolge dcö uneingeschränkten ll-BootkampfcS veranschaulichen. Die Küsten sind lvie bcstrcni mit feindlichen versenkten Schiffen... Funksprnch von» 6. November:„Unser Kreu- zergcschivgder unter«pcc hat an der chilenischen Küste das englische Kreuzcrgcschwader im Kampf geschlagen. Truppen Mitteilen und ein dreifaches kräftiges Hllrra anf die Marine ausbrin- grnl Wilhelm." Telegrannn aus Münster i. W. vom 16. November 1918:„Die Entente verlangt von uns Ucberführnng fast sämtlicher U-Boote... Nur wenn alle Bedingungen erfüllt, ist der Friede gesichert. KricgSminister-Unterstaatösekre- tär Goehre." In, selben Ramn findet man die letzten Festungübefehle Kusma»,ekS vor den, Fall Przemt)slS, äbgcworfene Flugzettel der italienischen Flieger, die am 10. August 1918 über Wien erschienen. (Dan,als war ich ein Junge, der aufgeregt und neugierig in den Hof lief und solch ein Papier anfhob...) Ein Befehl der K. u. K. Platzkommandantur sei»vegcn der originellen Orthographie wic- dergcgeben:„Alle evaquirten und Flichtlingr müssen die Stadt Radon, verlassen. In diesem Zwecke werden sich dieselben am Gimmnasium sammeln ünd gemeindeweise grüppicren und zwar..." DaS letzte Zimmer der Ausstellung reitzt diheroische Maske vom Antlitz des Grauens. Hier versagt sogar daS amtliche Pathos. Mit dem Kochlöffel gegen den Feind Eine Unzahl Kliiidniachüngen und Aufrufe. Wahllos seien einige herauügegriffen. „Regelung der Fleischabgabe an Mindest- bemiitelte. I. Wohlfahrtsfleisch(zur Zeit Pferdefleisch)-..." „Sammelt Brennesseln!... Für 100 Kilo- grainm rauschtrockene Stengel 10 Kronen!" „Das Anstelle», Von Kindern bis 12 Jahrxn in der Zeit von 7 Uhr abends bis Ü Uhr früh ist verboten..." „10 Kriogsgebote: 1. Ist nicht mehr als nölig! Du wirst dick, dabei gesund erhalten. 2. Halte das Brot heilig! Trockene Brotrcste geben eine wohlschineckende und nahrhafte Suppe... Lebt einfach, nach alter deutscher Art! usw." „Kommt alle zur Köchinnenversainmlung... Den», ihr helft mit dem Kochlöffel den Sieg über den Feind erringen!" „Eichel», eignen sich vorzüglich zur Herstellung von Kaffee-Ersatz! ^Kastanien geben Speise-Oel und ein ausgezeichnetes Kastanie»,mehl! Das Glyzerin-braucht man für die MunitionSerzeugungl" „Sammelt Erdäpfel-, Orangen- und Eierschalen! Fördert die Scinobst-Kernsammlunq' Ein Kilogramm liefert soviel Fett, datz damit die halbe Fettkarte einer Person pro Woche eingelöst werden kann!" „Sammelt Bronchcer» und Erdbeerblätte, als Tee-Ersatz!" „Gebt nichts den Tieren, was noch Menschen essen köniienl" „Sammelt Knochen! Kein Knochen darf verloren gehen!"-.. Der Besitzer all. dieser Dokumente will ungenannt bleiben. Er nennt 17.000 Stück sein eigen. 400 bekommt man blotz zu sehen. 20 Jahre nachher Jules Cambon, der französische Botschafter in Berlin, sagte 1914 zu Jagow, als er sich verabschiedete:„Wenn die alte Generation stirbt, um einer neuen Platz zu machen, die die Schrecken des Krieges nicht kennt, und kainpflnsttg ist, und da» geschieht etwa alle vierzig Jahre, s, wird die Menschheit von einem Kriege heinsgi« sucht. Das ist der Lauf der Welt..." Monsieur Cambo», wutztc damals noch nichts von dem Tempo unserer Zeit... So datz ma». bereits heute— nach zlvanzig Jahren— der Menschheit zurufen»nutz: Economisez le Gaz!! Kein Knochen darf verlorengchenll! Man mühte die gesmntc Jugend Europas in diese Ausstellung führen. Hanns Leo Reich. PRAGER ZEITVNQ girku» im Zeltlager der Rote« Falte«! Wir laden alle deutschen und tschechischen Arbeiterkinder zu einem lustigen Kindernachmittag nach dem Zeltlager int Stadion- Strahov ein. Wir»vollen Euch durch ein fröhliches Programm einige genutzrciche Stunden bereiten. Iln- scre Falken haben schon einen grotzartigen Zirkus vorbereitet. Selbstverständlich sollt Ihr Eure Eltern initüringcn. Seid alle pünktlich. Ain Donnerstag, um 4 Uhr nachmittags, geht es los. Die Falke», werden Euch an ihrer Jause teilnehmen lassen. Ihr bekommt alle ctivaS zu trinken. ' Abends findet dann u»n 8 Uhr eine AbschiedSfrier der Roten Falte», statt, zu der wir alle Genossinnen ünd Genossen auf das herzlichste einladen Die Programmaiisgestaltung findet eine Bereicherung durch die Mitivirknng der tschechischen ReSbo»)s. Wir crlvarten dazu zahlreichen Besuch: „Freundschaft". Rote Kinder-Republik Prag-Strahov, Stadion, Sport• Spiel• Körperpflege Bürgerlicher Sport Im Mitropikrup trug ma», an, Sonntag eine Reihe von Rückspielen der zweiten Runde ans. S K K l a d n o gewann wohl auf eigenen, Platze über Ferencvaros 4:1'(0:0), aber Aufsteigen».erden die Ungarn.— Rapid Wien konnte daheim FE. Bologna mit 4:1(1:1) schlagen, doch das laugte weder für ein drittes Spiel noch für den l'.if- stieg. Die Italiener»varen sehr ruppig und sogar ein Uebersallkommando der Polizei nuihte eingeseb» werden, um einen Italiener von, Platze zu entfernen l— In Turin spielten U j p e st und I, u.- v e t, tns 1:1(1:0). Die Italiener komme», eine Runde weiter.— In Budapest gelaugte die neue erste Runde zwischen Sparta Prag und£> u n« garia zum Austrag. Diesmal gewann Sparta nicht: aber die Niederlage von 1:2(0:1) ist knapp ausgefallen. Sonstige Futzballergebniffe. B.- B u d w e i S. ESK. gegen Bohemians Prag 8:1(2:1).— Nachod: SK. gegen SK. Pardubitz 8:2(2:1).— Brüx: TSV. Saaz gegen DAI. 6:2(8:0).— Karlsbad: ÄFK. gegen BSK. Gablonz ÜB (3:2).— Gablonz: Slavia Prag gege», DSK 7:1(2:0).— Reichende rg: RFK. gegen VfB. Teplitz 8:0(8:0). Wlld-Weftgau. Das„Pr. Montagsbl." meldet aus Karlsbad, datz bei einem Spiel DIE. Karlsbad—DFK. Aeudek der Schiedsrichter Hendrhch von dem Neudekcr Spieler Putz»nit der Faust zu Bode-: geschlagen wurde. Folge: Der Schiedsrichter erlitt einen Ohrknochenbruch und Trommelfellzerreitzung Neuer Weltrekord im Zehnkampf. Der Ham- burger leichtathletische Mehrkämpfer Sievert erzielte im Zehnkampf mit 8790.46 Punkte», eine neue Weltbestleistung. Der Leichtathletik-Löndrrkampf Ungarn—Oesterreich in Wie», endete mit einen, überlegenen Siege der Ungarn von 78.8:80.8 Punkten. Bemerkenswert ist, datz bei Oesterreich einige Arbeiter-Leichtathleten, wie Erdinger und Coufal, mitwirkten. Die Leichtathletik-Meisterschaften de» DLAV. für Männer wurden in Brünn durchgcführt und brachten u. a. folgende Ergebnisse: 100. Meter: Ku- dernatsch(Prag) 11.8 Sek.; 200 Meter: Kuder« natsch 28.7 Sek.; 400 Meter: Scholz(Prag) 52.» Sek.; 800 Meter: Kein,(Gablonz) 2:02.1 Mi»; 1600 Meter: Kciin 4:16.6 Min.: 6000 Meter: Bürger(Reiche»,berg) 16:28.8 Min.; 10.000 Meter: Löffler(Reichrnbcrg) 86:07 Min.; 110 Meter Hürden: Hille 16.8 Sek.; 400 Meter Hürden: Jablonski)(Prag) 69.2 Sek.(Rekord); 8X1000 Meter: Reichenberger SK. 8:22.6 Min.; Hochsprung: Pa- lischek(Brünn) 1.85 Meter; Wcitsprung: Kot rat- schek(Prag) 6.58 Meter; Dreisprung: Kotratsch-k 14.48 Meter(Rekord); Kugel: Böhm 18.28 Meter; Diskus: Böhm 86.09 Meter; Speer: Hille 48.47 Meter; Stabhoch: Koberstein(Prag) 8.20 Mete.; Hammerwerfen RöSler(Reichenberg) 29.90 Meter. uuntv „Dir Wahrheit." Die soeben erschienene Nummer steht gaiiz unter den, Zeichen der Mordexzesst im Dritten Reich. Der unter den Ermordeten befindliche Verfasser de»„Tagebuchs eines Reicht- wehrgenerals" bestätigt die Enthüllungen Stecdr über den geplante», deutschen Bazillenkrieg. Des weiteren berichtet er von den Konflikten GoeringS in, Jahre 1982. Georg Mannheimer untersucht in einem Artikel„Nibelungen im braunen Frack" die Wirkungen der deutschen Ereignisse auf daS In» und Ausland. Eine bisher unbekannt gebliebene Erklärung Llolid Georges an» üngster Zeit kritisiert die Politik MacDonaldS. Arthur Seehof enthüllt die internationalen Verflechtungen des britischen WaffcnkonzernS Vickers-Armstrong. Weitere Beiträge: Justin Steinfeld, I. NleS, Josef WechS- berg, sowie die 19. Fortsetzung des„Tagebuchs eines Reichswehrgenerals".„Die Wahrheit" is: In allen Trafiken und ZeitüngSverschleitzen oder direkt bei der Verwaltinig Prag l., RevoluCni tk. 8, erhältlich. Telephon-Ar. 601—74. Neueintretende Abonnenten erhalten die bereits erschienenen Memoiren auf Wünsch gratis nachgeliesert. Et« Dudi rar«le soziaiisiisdic rrau 31 la fftrenfiurg SMe Xirfte der Jeanne Jleg KC 16.—. Zentralstelle’(Ur das Biidungswesen Frag XU., Slczskä 13 I Sparen mit AHEdtCH hallt 4er inserierenden Konkurrent helfen In Gold, Platin, Porzenan »nd gnulschttk. Arbeiten für nie Herren Viertle schnell«in BlUta. Anton Kopacky, Snnntertinlter. ¥r«k« VIII., I XrJUlt 11. 2108 Das Jahr 1919 Aus fern Anfängen her Tschechoslowakischen Republik. Einer der bedeutendsten Publizisten der tsche- chische», Nation, Dr. Ferdinand Peroutka, besannt durch unzählige Artikel in den„Lidovk Novin»)" und in der„Ptitomnost" sowie auch durch einige Bischer, hat cs sich zur Aufgabe gesetzt, eilte Geschichte des"Aufbaues der Tschechoslowakischen Republik zu schreiben, von der im Borjahre der erste Band, welcher die Ereignisse deS Jahres 1918 behänden, erschienen ist. während der zweite Band, der das Jahr 1919 schildert, soeben her- ausgekommen ist.") Peroutka ist kein Historiker gewöhnlicher Art, dem es sich vor alle»» darum handelt, die Tatsachen getreu wiederzugebeu. Er bleibt immer politischer Journalist und Poleniiker, der die Probleme der Vergangenheit nicht nnr darstellt, sondern sich stets»nit ihnen auöeinanderseht. Und er tut dies immer ans den» Gesichtspunkt der Gegenwart heraus, um die politische Nutzanwendung zu ziehen für die politischen Aufgaben, die der Zeit gestellt sind, in der er Geschichte schreibt. Mag sein, datz vom Standpunkt der kritischen Geschichtschreibung *) Ferdinand Peroutka: Budov&ni stätu Rok 1919 eist prvnl, Slot druhk Fr. Borov? v Praae 1934. gesagt werden kann, man müsse die Ereignisse der Vergangenheit aus den Zuständen jener Zeit verstehen und nicht die kritische Sonde einer späteren Zeit daran anlegeit. Für den Politiker liegt die Sache doch anders. Er hat das volle Recht zu fragen, welcher der in der Vergangenheit verfochtenen Standpunkte von der spätere», Geschichte Recht gegeben wurde, welche der handelnden Personen die bessere Politik geinacht hat. So untersucht Pe- routka beispielsweise die Frage, ob 1919 Kramäk oder Svehla der bessere Politiker gewesen ist: Kramäk,. der die Intervention der Entente, in Rutzland gewollt, der die Vereinbarung über die Demarkationslinie in Ostschleschn nicht unterschrieben hat, der die neu auftauchenden sozialen Probleme nicht begriff, oder Svehla, der: die Koalition mit der Sozialdemokratie, einging, in der Frage des Gemeindeguts die Interessen der Altansässigen opferte, der sich allen Wünschen der bürgerlichen Parteien, gegen demonstrierende Arbeiter schärfer vorzugehen, verschlotz. Peroutka zeigt ausfühlich und. überzeugend, daß Svehla der vorausschauendere Politiker gewesen ist, während Kramäk in der Vergangenheit wurzelt, woraus sich, sein Gegensatz zur Staatsführung seit seinem Rücktritt von der Ministerpräsidentschast 1919 ergibt. Die Schilderung der Persönlichkeiten dieser zwei. Politiker sowie,.einer Reihe anderer, wie BcneSs, StefanikS, Tusars, SrämekS,Soukups U. v. a. gehört zu dein Reizvollsten, das es 1 in der tschechischen politische», Literatur gibt. Mag n,an auch mit manchem nicht einverstanden sein, das Bild, daS Peroutka von den tschechoslowakischen Politikern gibt, ist anschaulich, farbig lebhaft, im besten Sinne unterhaltsam. AuSzusetzen ist beispielsweise an dein, was Peroutka über Seliger sagt. Peroutka schildert den verstorbenen Führer der sudetendeutschen Sozialdemokratie als einen Mann von starken, nationalen Empfinden. Er übersieht nur dabei, datz alles,»vas Seliger sprach und tat, aus seiner sozialistischen Ueberzeugung heraus geschah. Seliger hat auch 1918 und 1919 keine starre dogmatische Politik gemacht, sondern, eine elastische, realpolitische Einstellung gehabt. Er hat den Tatsachen des Friedensschlußes sofort. Rechnung getragen, er hat anf dem Teplitzer Parteitag 1919 den entschiedenen Willen zur Zusmnmenarbeit mit der tschechischen Sozialdemokratie kundgetan und er hat in seiner Schrift über das Selbstbcstimmungsrecht, die anfangs 1919 erschienen ist, sogar gezeigt, datz ein, wie er sich äusdrückte,„übernationaler Staat" in den Sudetenländern möglich sei. Wer an Seli- gers politischer Wirksamkeit nur die nationaleSeit« des Kampfes ums Selbstbestimmnngsrecht sieht,der wird dem grotzten Politiker, den die deutschböhmisch« Arbeiterklasse hervorgebracht hat, nicht gerecht. Er war eine innerlich reiche Natur, die sich auf den verschiedensten Gebieten zur Geltung gebracht hat lind dessen höchster Gesichtspunkt die Hingabe an die deutschbühmischen Arbeiter und an sein sozialistisches allmenschliches Ideal gewesen ist. Reben der fesselnden Schilderung der Persönlichkeiten, die 1919 in der Tschechoslowakei eine Rolle gespielt haben, finden auch die groben politischen,»virtschaftlichcn und sozialen Probleme der Zeit eine interessante Darstellung. Aus der Fülle seien nur hcrausgcgriffen der Verlauf der Friedenskonferenz, das Problem der Katholiken in der ersten Nachkriegszeit, die Frage der gebundenen Listen, die Banknotenabstempelung und der Kampf um die Krone, die Politik der Sudetendeutschcn, die Zersetzung der Sozialdemokratie durch die Kommunisten, die Bodenreform, das Werden der republikanischen Partei, Teuerung und Crnäh- rungsschwierigkeiten, der Krieg mit den lkngarn um die Slowakei, die Situation in den russischen Legionen, die rot-grüne Koalition Tusar— Svehla, die Umsatzsteuer, die Sozialisierung, die Reise Kraniäkü nach Rutzland usw.— eine bunte Fülle von Problemen, di« alle mit den Fragen von heut« aufs engste Zusammenhängen und vielfach die heutige tschechoslowakische Politik verständlich machen. Der politisch interessierte Sudetendeutsche, der tschechische Bücher liest— und das sollten alle politisch interessierten Deutschen in der Tschechoslowakei tun— wird von der Lektüre des fesselnd geschriebenen, spannenden»wd geistvollen Buches Peroutkas einen auserlesenen Genutz haben. Emil S t r a u tz. Ben a? b i- r> i nau nge»»: Bei Zustellung ms Han» oder bet Bezug dnrch die Pakt monatlich KC 16.—. vierteljährig KC 48-. halbiäbrig KC»6—. ganzjährig KC H'2.-- Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bet öfteren Einschaltungen Preisnachlast.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bet Einsendung der Rewurmarken.— Die ZettuugSfrankatur wurde von der Poft« und Telegraphen» dtreltüm mit kriech Rr. 18.800/VH/1SH0 bewilligt.— Druckerei: jOcMF, Druck-, Verlags- und ZettungSchl.^., Prag.