14. Jahrgang Freitag, 13. IM 1S34 Nr. 131 Der neue Ministerrat bereitet neue Gewaltakte vor Wien, 12. Juli. Heute mittag trat unter den« Vorsitze des Bundeskanzlers der erste Minister- rat der umgcbildetcn Regierung zusammen, dem die neuernannteil Staatssekretäre Tauschitz und General Zehner bereits beilvohnten. Der Mini- sterrat befaßte sich mit dcil besonderen Vollmachten für den GencralstaatSlommissär Fel) zur Bc- kämpfung des Terrors und der staatsfeindlichen Umtriebe der Nationalsozialisten. In erster Reihe koinmen bekanntlich die Todesstrafe für den blähen Besitz von Sprengstoffen, weiters die Aufhebung des Mieterschutzes für Sprengstoffatten- tätcr und Sprcngstoffbesiher, sowie Verfügungen zur Beschleunigung des Strafverfahrens in Betracht. Sprcngstoltattentat In Salzburg Wien, 12. Juli. Gestern Abend erfolgte in Salzburg die Sprengung eines Personenkraftwagens; der Wagen verbrannte. Außerdem Ivnrdc durch die Explosion eines Sprengkörpers im„Bä- rcn-WirthauS" beträchtlicher Sachschadc verursacht. Durch die Explosion wurden 2 Personen schwer und 2 weitere leicht verletzt. 7 Nationalsozialisten wurden unter dein Verdachte der Täterschaft fcstgenonuncu. Lebenslänglich wegen sprengstoltvergehen Graz, 12. Juli. Vom hiesiegen Standgericht wurde in einem Prozeß wegen Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz der Hauptangeklagte G s e l l zu lebenslänglichem schweren Kerker und die vier andern Angeklagten zu schtveren Kerkcrstrafen in der Dauer von. zehn bis zwanzig Jahren verurteilt. Deutscher Lockspitzel aus der Schweiz ausgewiesen Bern, 12. Juli. Der Bundesrat verfügte die Ausiveisuug des in Zürich verhafteten reichsdeutschen Staatsangehörigen Dr. S a m t e r, der im Dienst der deutschen Geheimen Staatspolizei stand und sich in Zürich an linksgerichtete Kreise hcramnachte, um sich Über die Verhältnisse unter den Emigranten zu informieren. Samter hatte seinerzeit in Holland eine Reihe von Personen veranlaßt, die deutschen Devisenverordnungen zu umgehen, worauf er sie bei den Zallkahndungsstellen anzeigte. Die Denunzierten wurden auf Grund dieser Anzeigen zu mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Eicke gleiche Tätigkeit suchte Samter in der Schweiz zu entfalten, doch Ivurde hier sein Vorhaben durch seine Verhaftung vereitelt. nonsterprozeo gegen so Kommunisten Leipzig, 12. Juli. In dem Hochverratsverfahren gegen die 80 Kommunisten aus Annaberg im Erzgebirge und Umgebung hat der vierte Strafsenat des Reichsgerichtes heute das Urteil verkündet. ES deckt sich im wesentlichen mit dem vom Oberreichsanwalt gestellten Strafanträgen, wenn die verhängten Strafen zum Teil auch etwas unter den beantragten stehen. Die Angeklagten wurden wegen Vorbereitung des Hochverrates allein oder in Tateinheit mit anderen Straftaten wke verbotener Waffenbesitz, Sprengswffbesitz sowie Sprengstoffdicbstahl zu Strafen verurteilt, die sich zwischen drei Jahren sechs Monate» Zuchthaus und 6 Monaten Gefängnis bewegen. Keiner der 80 Angeklagten wurde freigesprochen. Japan baut 288 Flugzeuge Tokio, 12. Juli. Wie das Marineministerium mitteilt, sind im Rahmen des Dreijahresplanes zur Verstärkung der Luststreitkräfte der japanischen Marine Aufträge zum Bau von 288 Flugzeugen erteilt worden, die bis 1987 ferttggestellt sein sollen. Die Kräfte für den Bau dieses Luftgeschwaders sind bereits zur Verfügung gestellt worden. Grazer und Wiener Militär meutert gegen Heimwehren Die Hintergründe der österreichischen Regierungsumbildung Heeresmlnlster nnd nelmwehrlührer mit Plnlrnfen heim* geschickt— Besuchsverbot ittr Helmwehrler in den Kasernen Prag, 12. Jnli. Aus absolut zuverläsfiger Quelle werden uns sensationelle Einzelheften berichtet, welche zur Absetzung des bisherigen österreichischen Wehrministers Schön- bnrg- Harten st ein nnd damit zur Umbildung der Regierung Dollfuß geführt haben. Auf di« letzten Zusammenstöße zwischen Angehörigen der Wehrmacht und der Heimwehren in Graz sollte dieser peinliche Zwischenfall geleimt werden. Schönburg- Hartenstein nnd Starhemberg fuhren vorgestern nach Graz, um dort eine gemeinsame Parade der Garnison abzuaehmen. Als beide vor den versammelten Wehrformationen erschienen, wurden sie mitdo« ne rndenPfni-Rusen begrüßt. Diese Demonstration galt vor allem Starhemberg, welcher bei den Soldaten besonders verhaßt ist. Die Grazer Parade ging in einem regelrechten Tumult nater. Daraufhin versuchte die Regierung die Wiener Garnison zu mobilisieren nnd sie zur Unterdrückung der Grazer Meuterei in die Steiermark zn werfen. Die Wiener Garnison erklärte sich jedoch mitdemGrazerMilitarsoli- d»risch nnd setzte ihrerseits die Menterei fort. Die„autoritäre" Regierung mußte vor diesem Widerstand de« Rückzug antrete«. Die Mannschaft der Wiener Garnison ist vorgestern«m 8 Uhr abends wieder aus der Bereitschaft entlassen worden. Ans Soldatenkreise« wird berichtet, daß die ch r i st l-i ch e« W e h r m ä n« e r zu den schärfste» Gegnern der Heimwehren gehören. Für die Angehörigen der Heimweh« wurde mit Rücksicht auf diese Stimmung ei« Verbot des Besuches in den Kasernen erlassen. Schießende Wachter Ein völliger Versager sind die hauptsächlich zum Bahnbewachungsdienst zusammengestellten OrtSwehren. Die Angehörigen dieser Formation bekomme« täglich 3 Schillinge, nehmen aber ihren Dienst nicht sehr genau. Die von Mili» tärabteilungen besetzten Kontrolkzüge haben in letzter Zeit mehrmals wichtige Brücken und Tunnels unbewacht vorgefunden. ES ist auch torgekommen, daß die Wächter dirGrwehre an die Pfeiler gelehnt hatten und friedlich schliefen. Unter solchen Umstände» ist rS keinesfalls anf«ine Stärkung deS Regimes zurückznführen, wenn Herr Dollfuß nunmehr die ganze Exekutive in seinen Händen konzentriert hat. Wenn einmal der Gegensatz zwischen Militär und Heimwehren offen znm AuSbrnch kommt, nützt dem Herrn Dollfuß diese im gegenseitigen Haß konzentrie-rte Exekutive«inen Pfifferling. Der Wille des Führers Ist das Recht Berlin, 12. Juli. Der mit der Wahrnehmung der Geschäfte des preußischen Justizministeriums beauftragte Reichsminister der Justiz Doktor Gürtner hatte die GeneralstaatSantoälte und Oberstaatsanwälte Preußens am Donnerstag zu einer, Besprechung einberufen. Auf dieser Sitzung, an der u. a. auch der Leiter deS Geheimen Staats- polizeiamteS Reichsführer.der SS Himmler teilnahm, machte der preußische Ministerpräsident Aoering u. a. folgende Ausführungen: Die Unsicherheit, die bis zu dem tatkräftigen Zugreift» deS Führers zeitweise bestand, ist jetzt behoben. Aufgt.be der Justiz ist es, in verantwortungsbewußter, zielsicherer Arbeit ihr Teil zur ge- MC Prager Olympiade grüßt die Sdratzbundmörturer Anläßlich der Begrüßungsfeier für die deutschen Gäste der Prager Arbeiter-Olympiade sind drei Kränze für die bekannten Opfer des christlichen Hcnkcr-RegimtzS in Oesterreich: W a l- lisch, Weisse! und M ü n i ch r e i t e r gestiftet tvordcn. Diese Kränze haben in wenigen Tagen de« Weg über die Grenze zu den Gräbern der toten FrciheitsheldcnMfnnden. In Prag sind bereits Bilder von den Äräbern cingetroffen, welche mit den Olympiadclränzen geschmückt sind. Auf Visitkarten, welche zu den Kränzen gelegt tvurden, steht geschrieben: Die HI. Prager Arbeiter-Olympiade grüßt die toten Helden deü österreichischen Schutzbundes! fttzmäßigen Festigung deS Staates beizutragen. Wir kennen nicht den übertriebene» Satz, daß alles zusammrnbrechen könne, wenn nur das Recht bleibt, wir sehen das Recht nicht als etwas Primäres an, sondern daS Primäre ist und bleibt das Volk. Und dieses Recht, daS muß hier wieder herausgestellt werden, ist ja von unü geschaffen und dort, wo wir es vorfanden, es unserer Weltanschauung aber nicht entspricht, wird eS umgeändert. DaS Recht und der Will« des Führers sind eins. Daraus ergibt sich also, daß Sie dieses Recht deS Nationalsozialistischen Staates mit allem Nachdruck zu vertreten haben.. Ich werde in Zukunft keine Nachsicht mehr üben gegenüber denjenigen, die in dieser Hinsicht ihre Pflicht nicht erfüllen. Krleusfahlg oder nicht! Was wollte Schleicher? Von ffrack War Während noch vor einigen Wochen die Aul fassinig ziemlich allgemein war, daß Deutschland kriegSsähig sei, setzt sich jetzt allmählich— beson- dcrs unter dem Eindruck des 30. Juni— eine andere Meinung durch. Doch der kritische Beobachter, der sich nicht voll den Erscheinungen der Oberfläche täuschen ließ, sondern sich bemühte, in das Wesen der Dinge einzudringcn, hätte nicht erst den 30. Juni nötig gehabt, um zu begreifen, daß der Nationalsozialismus nicht die militärische-S t ä r- k u n g. sondern gerade umgekehrt, die milita- rische Schwächung Deutschlands bedeutete. Und gerade weil er Deutschland niilitärisch um Jahre zuriickwcrscn mußte, unternahnr die Reichswehr in der Person Schleichers den letz, tcn Versuch, Hitler von der Regierung fernzu halten, erschien am 29. Jänner Hammcrstein bei Hindenburg, um den greisen Fcldmarschall zu ersuchen,„mit Rücksicht auf die Wehrmacht kein Kabinett Popen oder Hitler zu berufen." Wenn der Nationalsozialismus wirklich jene Funktion erfüllen würde, die ihm oft zugesprochcn wird, wenn er wirklich den materiellen und personellen Riistungdbestand in dieser Weise hoben würde, wie ganz allgemein angenommen wird, wäre die Opposition der militärischen Kräfte völlig unver stündlich. Der Nationalsozialismus ist Aufrüstung. DaS kann man zugebcn. Aber er ist Aufrüstung im Sinne der Vorkriegszeit. Vom moderne» Krieg, von moderner wirtschaftlicher Mobil machung, von den Notwendigkeiten des modernen Soldaten weiß er nicht viel oder gar nichts. Sonst tvärc er nicht gegen Schleicher gezogen, sondern mit ihm! Denn seine Politik war Rüstungöpoli- tik im umfassendsten Sinne. Es sah oft überhaupt nicht danach aus, und doch war cS so. Da hat man stets gesagt:„Röhm ist der Krieg!" Man hat anfgczählt, wieviel SA-Levte uniformiert sind, und hat diese als„Soldaten" angesehen. Ikur bei tvenigen fand die Auffassung Anklang, daß diese Armee militärisch fast tocrt- los ist und von der Reichswehr überhaupt nicht geschätzt lvird. Boi« weitaus größerer Bedeutung für die Wehrkraft Deutschlands ist, was gar nicht danach aussioht: der Sport. Man beachtet ihn lvcniger, weil cS noch immer iiblich ist, das Militärische nur dann als solches anzusprechon, wenn cs sich uniformiert darstellt. Doch daS ist ein riesiger Irrtum. Auf ihn ist es zurückzuführen, daß man Deutschland militärisch falsch einschätzte. Die Auflösung der SA, die manchen! überraschend kam, weil ec glaubte, die Auflösung dieser Truppe sei das Ende der deutschen Rüstung, ist nicht zuletzt auf die Wehrmacht zurückzuführen, welche in der SA ein altes, ein unbrauchbares und geschichtlich überholtes Prinzip der militärischen Schulung erblickte. RöhinS Versuch, seine SA zur Wchrumcht zu machen, schefterte ebenso wie der Versuch, ein kleinbürgerliches Wirtschaftsideal durchzusetzen. Nichts beweist besser die Kraftlosigkeit der SA als ihr Ende, das sic — obwohl noch bewaffnet— in der bekannten Weise hinnahm. Eine Armee von 2,600.000 Mann läßt sich von einer diel' kleineren Truppe ohne weiteres nach Hause schicken! DaS ist«ü>cr zugleich auch ein Beweis dafür, daß die reale Kraft einer Bcivegung sich in erster Linie nicht in der Zahl der Gewehre und Soldaten, sondern 1. in ihrer Qualität und 2. in ihrer zur Berfü- gnng stehenden ökonomischen Macht ausdrückt. Selbst 2,500.000 Mann sind noch nichts, wenn sie keine ökonomische Macht einzusetzen haben. So wahr es ist, daß die deutsche Reichs- wehr das beste Kaderheer der Wett ist, Ebenso wahr ist cs, daß die SA-Truppe die schlechteste der Well war. Wer deutsche Gesandte verlasst Wien Aus Wien wird gemeldet, daß der deutsche Gesandte in Wien Dr. von Rieth plötzlich in Urlaub gegangen ist. Er wird durch einen Geschäftsträger vertreten werden. Dieser Zustand soll solange andanern, bis Oesterreich den Gesandtenposten in Berlin neu besetzt hat. Die Entfernung des deutschen Gesandten auö Wien ist also eine Gegenmaßnahme Deutschlands zur Abberufung des österreichischen Gesandten Dr. Tanschitz aus Berlin. LOerinz vor den Justiz- Beamten Lette 2 geeite«, 13. Juli 1934 «r. 161 Der Kondor Von Robert Groetzsch • Nein, nein... nie wieder Lager... ScincGe- danken springen umher, fliehen, kehren zurück, überstürzen sich. Da Hinte» ist der Kondor. Nicht weit davon der kleine Schuppen... da hängen die Hosen und Arbeitsjacken der zwei Schlosser. Wenn er die anzögc, die Monteurlappe über vcn Kopf stülpte... niemand kennt ihn... Geld! Geld hat er im Strohsack! Francois Kopf ist über die Tischplatte auf die Arme gesunken. Er schließt die Augen. Marternde Bilder rasen an ihm vorüber, bleiben stehen, versinken im Unendlichen. Das Lager... wirre, hysterische Kameraden... Stacheldraht... Landstürmer mit blinkenden Bajonetten... der Kondor... Draußen ist der Wind aufgesprungen. Am Himmel zuckt ein Gewitter und wirst den Echein greller Blitze durch Francois Fenster. Der schreckt auf, weiß nicht, wie lange er so überm Tisch gelegen, läuft verstört im Zimmer rundum. Wenn doch der Blitz die Erde in zwei Teile spaltete! Lieber das als ins Lager zuckck! Niemals... die Heimat... die Heimat... Sehnsucht, Heimweh füllt ihn schmerzhaft süß und preßt seh, Herz. Seine Schläfen brennen. Von der Wand her starrt der Kondor, starrt geradewegs in Francois Herz hinein. Mit einem Sprunge ist er am Bett, reißt die Matratze empor, greift-wischen die Bretter, langt ein Kuvert hervor, in vem Scheine knistern. Er schickt das Kuvert hastig hinter- Hemd. Al» Francois die Treppe herunterschleicht, hat er die Sttefel in der Hand. Im Flur macht er halt und lauscht. Nichts rührt sich in Stephans Zimmer. Kein Schnarchen. Nichts. Langsam, die Lippen zusammengepreßt, klinst er die Haustür auf und schiebt sich ins Freie. Die Nacht ist hell, nur vom SWwn steigt himmelan eine schwarze Wand, in der e» grollt und blitzt. Der Elefantenwärter steht im Tor des Zoo, schließt es hinter sich und schlendert in den Garten. Sein Gang ist leichter, jünger denn sonst. Er summt einen Gassenhauer und fühlt im Summen den herzhaften Kuß, mit dem er Paula vor ihrer Haustür gute Rächt sagte. Ein Blitz züngelt durch die Wolken, kein Knall folgt, nur ein ängstliches Trompeten au» dem Elefantenhaus.»Ja doch, ich komme schon," brummt Stephan aufgeregt und geht der Trompete entgegen. Im Affenhaus schreien die Paviane. In den Raubvogelkäfigen nistet dumpfe Erregung. Die Steinadler sind auf den Boden gehüpft. Die Uhus flattern lautlos durch ihre enge Welt. Rur-er Kondor sitzt auf seiner Stange, wie immer. Seine Lider heben und senken sich zwischen Schlaf und Bachen. Plötzlich fährt der Kopf des großen Vogels hoch. Bor ihm, im Lichte eines Blitzes, steht ein Mensch. Er hat da» blaue Gewand der MLiner an, die heute auf den Käfigen umherkletterten. In seinen Händen klappern Eisen. Damit hämmert und nagt er am Gitter, reißt Spange um Spange auf. Seine Hände fliegen, und von seinen Lippen kommen unverständliche Laute. Jetzt reißt er das Gitter weit auf, biegt es zur Seite. Eine hohe, breite Wunde klafft in der Vorderwand des Käfigs. ,Kondor," sage der Mensch,»unsere Stunde hat geschlagen. Du bist frei, Kondor, König der Vögel! Laß uns fliehen, Kondor, ehe der Tag graut! Ich konnte nicht fort ohne dich, Kondor!" Eine feurige Schlange zuckt jäh au» der dunklen Wolkenwand und gießt Tageshelle Über den Käfig. Der Kondor sieht den Käfig offen, rückt ab- Tabakarbeiterschaft bildet die Einführung neuer arbeitsparender Maschinen bei der Erzeugung und Verpackung der Tabakwaren. Zum internationalen Sekretär wurde abermals Olsen bestimmt, während zum internationalen Vorsitzende» der Sekretär deö Verbandes der tschechischen Tabakarbeiter, Genosse B. N o v a k gewählt wurde. Genosse Novak— Vorsitzender Ger Takakarbcltcr-lnternattonaie In den Olympiadetagen fand in Prag der 14. internationale Kongreß der Tabakarbeiter statt, zu welchem sich Delegierte aus, Belgien, Holland, Schweden, Norwegen, Dänemark, der Schweiz und der Tschechoslolvakei eingefunden haben. Der Kongreß befaßte sich mit dem Bericht des internationalen Sekretär» Olsen-Dänemark, der mit dieser Funktion betraut worden ist, nachdem das internationale Tabakarbeitersekretariat aus Deutschland in ein anderes freieres Land verlegt werden mußte. Olsen legte dar, daß der Tabakverbrauch, insbesondere der Verbrauch an Zigarren im Rückgang begriften ist und daß damit auch die Zahl der Tabakarbeiter zurückgehe. Einen anderen Grund des Rückganges der Zahl der Hlinka und die Polen. In Rosenberg in dcr Slowakei sanden in letzter Zeit anläßlich des 70. Geburtstages Hlinkas große Feierlichkeiten statt, bei denen diesmal jedoch ähnliche antistaatliche Demonstrattonen, wie seinerzeit in Nitra, von de» Veranstaltern sorgfälttg vermieden wurden. Unangenehm vermerkt lvurde zwar, daß die Polen, die ja sogar im Fußball seit neuestem jede Verbindung mit dcr Tschechoslowakei ablehnen, nach Rosenberg doch eine eigene Deputation gesandt hatten, deren Führer Hlinka sehr feierte. Hlinka tvar aber, wie die„Lidovö Noviny" berichten, diesem Lob gegenüber sehr zurückhaltend; er habe mit einer deutlichen klärt, Prag auf einem Mann regiert werden, der wenigstens durch drei Jahre hindurch von allen etwaigen Wünschen der Bundeshauptvcrsammlungen unabhängig ist. Mit solchen Methoden läßt sich die innere, Gleichschaltung des Bundes mit der Henlein« beweguNg und dem Sudetendeutsche» Landstand trefflich bewerkstelligen. Der verlängerte Arm der fascistischen Parteien paßt also trefflich zu dem übrigen Körper. Man denke nicht etwa, daß die abgedruckle Satzung lediglich eine Fleißaufgabe des Here» Toni Kühler oder der Bundesleitung ist. Sie sind, man höre und staune, in G e l t u n g, denn cs hat sich eine demokratisch-republikanische Behoi de gefunden, die sie genehmigt hat: es ist unser Innenministerium, das sie mit Erlaß vom 3. April 1934, Zahl 18.97'ü/6 bestätigte. Für die Beurteilung des Geistes, von dem unsere„Völkischen" beseelt sind, ist es völlig belanglos, daß der von ihnen geliebte Hitler das Führerprinzip bereits ad absurdum geführt h,u und daß man in kurzer Zeit auf alle, die es annahmen, um dadurch ihrer Abneigung gegen die„veraltete" Demokratie Ausdruck zu gebe», mit Fingern weisen Wick. Entscheidend ist, daß sie bereit waren, auch die«S ch u h a r b e i t" nach hitl,- dcr in die wecken als das Gewissen der deutschen Wehrkraft am 30. Juni niedergeknallt wurde. Aber an diesem 30. Juni hak'auch dcr Nationalsozialismus sein Ende gefunden. Bis zur Militärdiktatur ist eS nur noch ein Schritt. Dann wird Deutschland rüsten— ohne Lärm, ohne Geschrei, ohne uni- Der ZwttlieransschoS der Maatsangestcllten verhandelt mit der Regierung Die Kominission der Organisationen formierte Millionen. Aber doch in der modernsten Weise. Dann wird sich Deutschland kriegsfähig zu machen suchen, aber der Widerspruch zwischen Armee und Arbetterklasse wird auch ktinftig als das mewento mori den modernen General begleiten. der öffentlichen Angestellten bei den koalierten Parteien verhandelte am 11. und 12. Juli mit dem Vorsitzenden der Regierung Malypctr, mit dem Finauzministcr Dr. T r a p l und mit dem Vorsitzenden des Personalkomitees Post« und Te- legraphen-Minister Dr. Franke über die Wirksamkeit der Personalsparmaßnahmen mit Rücksicht auf daö Staatsbudget für das Jahr 1985. Daneben wurde über Maßnahmen zur Milderung dcr Arbeitslosigkeit dcr Intelligenz, über die Einrechnung des Militärdienstes ufiv. verhandelt. Die Vertreter des ZtvölferauSfchuffeS informierten die erwähnten RcgierungSmitglieder eingehend über die Verhältnisse der Staatsangestellten, wie sie durch die durchgeführten Ersparungs- mahnahmen und durch dje unstabilen Preise der LebenSbcdarfsartikel geschaffen wurden, und verwiesen auf die Verschuldung der Angestellten. Die Kommission legte der Regierung eine ausführliche Denkschrift vor. Die kleinen Geister, denen die deuffchbür« gerliche Politik auSgelicfert ist, haben den Sieg Hitlers nicht nur bejubelt, sondern auch nach Möglichkeit die Gleichschaltung mitgemacht. Die Demokratie war für sie eine zusammcnbrechende politische Form; die Zerschlagung der Weimarer Republik bedeutete ihnen den„Anbruch einer neuen Epoche". Sie wollten„modern" sein— also machten der Ständcgcdankc und das„Füh- rcrtum" in den einzelnen sudctendcutschen Parteien rasche Fortschritte. Von Stenzel bis zu Spina stellte man sich um und Henlein machte seinen Laden schon unter dem neuen Firmenschild auf. Daß Spina und Henlein innerhalb ihrer Parteien das System schufen, das Hitler dein Reiche beschert hat, hat für die sogar noch einen besonderen Vorteil: sie bereitet den organisatori» scheu Zusammenschluß aller Fascisten in einer großen Einheitspartei vor. ES ist bekannt, daß das Werden der Henlein- front nicht allein auf die„Tat" Henleins zurückzuführen ist; die Schaffung dieser Partei wurde in den einzelnen Schutzvereinen, insbesondere aber im Deutschen Turnveckand, gewissenhaft vorbereitet. Im Deutschen Turnverband ist das Führerprinzip schon lange in Geltung. ES wäre vertvunderlich gewesen, wenn die sudetendeutschen Schuhvereine„zurückgeblieben" wären. Sie, die doch die Domäne der Gleichschalter sind, von Henlein geformt und den Landbündlern beeinflußt werden, sollten demokratisch bleiben, wen» sich alle bürgerliche Welt„Fiihrern" aus- liefert? Sie konnten cü nicht, denn sie sind ge- loissermaßen der verlängerte Arm der beiden ständisch gegliederten und nach dem Führerprinzip geführten Bewegungen, die sie stützen: der Hen- leinfront und des Sudetendeutschcn Landstands, lind so hat der landbündlerische Abgeordnete Toni Köhler, der zugleich Direktor des Bundes der Deutschen ist, in Uckereinstimmung mit seinen Freunden von der zunächst den Bund der Deutschen in Mähren und in Schlesien mit dem Bund dcr Deutschen in Böhme» vereinigt, also die völkische Schuhackeit in den historischen Ländern in einer Organisation und unter einer Führung vereinigt und den neuen Bund der Deutschen iiach dem Führerprinzip aufgebaut. Die neue Satzung, die von der Bundesversammlung beschlossen wurde, ist in den Mitteilungen des Bundes dcr Deutschen in Böhmen(Mai 1934) gedruckt»oorden. Man kann dort lesen, daß der Bund Deutschen zwar vorgiüt, unpolitisch zu sein, sein Aufgabengebiet aber Dinge einbezieht, ausschließlich politisch geregelt können: er will sich z. B. damit beschäftigen,„die lvirtschaftlichen Lebcnsverhältnisie der Deutschen zu erforschen und zu bessern". Er will auch der„Entfaltung der Volksgemeinschaft" dienen, Julfeiern Freilich, die Auflösung der SA geschah sicher nicht nur unter militärischen Gesichtspurik- ten auf Drängen dcr Reichswehr hin, auch poli tische Momente spielten eine Hauptrolle dabei.! Was immer entscheidend sein mag, so oder so, ist die These von dcr militärischen Brauchbarkeit der SA widerlegt, denn was taugt eine Armee, die meutert und wegen Unzuverlässigkeit aufgelöst werden muß? Röhm war der Bürge rkrieg, aber nicht der Krieg. Er war brauchbar für die Machter- oberung, er wurde schon unbrauchbar für die Machtfichcrung, er wäre völlig unbrauchbar für den modernen Krieg, dcr nicht van Landsknech ten, sondern nur von sehr selbständigen Soldaten ouSgesochten werden kann. Vielleicht hätte er auch den Krieg mit verursachen können, dann wäre er zwar der Krieg, aber dcr verlorene. Man hat auf den steigenden Rohstoffbedarf Deutschlands hingewicsen u»d diese Tatsache als militärische Stärke bezeichnet.„Es kann bcgin- nen", so mündeten viele Untersuchungen über Deutschlands Kriegssähigkcit aus. Oberflächlich genug, wenn man bedenkt, daß ein moderner Krieg so furchtbare Mengen Materials ver schlingt, daß eS unmöglich ist, solche Mengen auf Vorrat zu halten. Aber noch viel oberflächlicher ist cs, die Kriegsfähigkeit eines Landes an sei nem gegenwärtigen Rohstofflagcr zu messen. Rohstoffe müssen verarbeitet, und das fertige Material muß gehandhabt werden. DaS erfordert Bereitschaft der Arbeiter zum Kriege. Hat inan gepriift, ob diese vorhanden ist?„Unpopuläre Kriege sind hellte nicht niehr zu fiihrcn", sagt dcr General von Secckt. Den Arbeiter kann nian nicht entbehren, man braucht ihn heute mehr denn je. Gewiß, dcr moderne Krieg ist ein Kampf neuer Techniken. Aber das Material nnlß produ- ziert werden. Das Schivergelvicht hat sich von der Front zur Produktion verschoben, den Schlüssel aber hält noch immer dcr moderne Arbeiter in Händen, der allein auch die Lualifikation auf- zliweiscn hat, dieses Material bedienen zu kön nen. Der Bauer ist nicht mehr dcr beste Soldat. Wird dcr Arbeiter, dem man seine Organisa tionen zerschlug, den man sichtbar unterdrückt, gegen den alles, aber auch alles lmternommen wird, den Krieg führen? Der erschossene General von Schleicher wußte, warum er„sozial" sein nuißte, warum er die Fühlung zu den Gewerk- schäften nicht verlieren durfte, er wußte cs genau so gut, wie cs der General Johnson in Amerika, wie es dcr moderne General überhaupt weiß. Während der Regierung Schleicher kreiste in der Armee ein Fragebogen, ob man mit den Arbei- fern oder gegen sie regieren soll. Nur eine StimmecntschiedsichfürdasRcgic- rengegcn die Arbeiter! Vonl leben- digen Menschen her, nicht vom Material, das nichts ist ohne den Menschen, der cs formt und beherrscht, muß»lan in erster Linie die Frage nach der Kriegsfähigkeit eines Landes stellen, be- sonders, wenn cs sich um ein so hochenttvickelteö, von Gegensätzen durchzogenes Land wie Deutsch. land handelt. Für Schleicher war cs klar: Deutschland war noch nie so gespallen wie seit denk 30. Jän ner 1933! Sorgen genug fiir einen General, der, weiß, worauf cü ankommt! Kein Zufall, daß er I veranstalten und den Gckurtenrückgang bekämp fen. Au» der Fülle der anderen„Aufgaben", die er sich nach den Satzungen stellt, ist höchsten» noch die Schaffung von Volk»-, Mittel-, Fach- und Hochschulen erwähnenswert, weil durch sie die Jugend in dem Geiste beeinflußt werden könnte, von dem die Satzung sonst beseelt ist. Die Satzung räumt nämlich dem Bundes führer fast unbeschrankte Vollmachten ein. Der BundcSführer wird von der Bundeshauptver sammlung— die alljährlich stattfindct— auf drei Jahre gewählt; er ernennt seine drei..... WM Stellvertreter und zwölf andere Mitglieder des I rischen Grundsätzen zu gestalten, auf daß Henlein BundesauSschuffeS. So kann der Bund von I und Spina einen politischen Vorteil daraus habe». Spitze gegen Polen in seiner Anttvort er- daß die Slowaken bloß die Brücke zwischen und Warschau sein tvollen, das sich heute Deutschland verlasse. Die Bauarbeiter für die Fiinftagcwoche. Wie die ,,L i d o v c N o v i n y" melden, sanden Mittwoch im Fürsorgeministerium Beratungen zwi- schen Arbeitnehmern und Arbeitgeber» im Baugewerbe wegen Verkürzung dcr Arbeitszeit und Vermehrung der Arbeitsgelegenheiten statt. Tie Verhandlungen hatten nur die Form einer allgemeinen Aussprache; für die konkreten Berhans- lungen wurde ein engerer Ausschuß gebildet, dcr den ganzen Sommer über tagen dürfte. Die Vertreter der Ackeitnchmer setzen sich insbesondere für die Fünftagewoche ein, die für viele Bauarbeiter, die über Sonntag aus den Großstädten in ihre oft tveit entfernte Heimat'fahren, von großer Bedeutung wäre. kMrerlum-die große fiitlermodo Der„Bund der Deulsdien“«hallet stdi gleldi— unter treundltdier mitnilrhung des Innenministeriums seiner Stange scheu und bös zur Seite und laßt drohendes Fauchen hören. Francois reißt die Wunde des Gitters noch weiter und steigt in den Käfig.„Kondor, ich habe Wort gehallerr! Du sollst mit mir kommen! Sieh, dein Kerker ist offen. Wir gehen in die Heimat, in die Heimat!" . Jetzt steht er vor dem gewalligen Bogel und brettet wie im Ficker bittend die Arme, al» wollte er ihn hinaustragen. Da flammt es hellgelb in den Augen des Vogels, er lößt die FWgel, reckt den Hals, faucht böse und hackt mit lauttoser, unheimlicher Schnelligkett auf Francois Kopf ein... Die Wolkenwand hat den hellen Himmel erobert. Grünblau züngeln die Blitze durch die vunk- len Wolkenballen, zerreißen schwarze Gründe und scheinen in den Eisenspitzen der Tievgatter, der Käfigstangen, der Masten und Eisenzacken zu verschwinden. Im Elefantenhau» brennt Acht, und Stephan sitzt auf einem grauen, plumpen Berge, schaukell auf dem verängsttgten Riesen, der sich zitternt zur Sette gelegt hat, streichelt über das breite Ohr, murmelt begütigend etwa», da» nur Max versteht. Der hat die festen Beine lang von sich gestreckt, wackelt nervös mit den Ohren und schließt die Augen, wenn ein Blitz aufleuchtet. Stephan streichelt und streichelt, wie er» bei solchem Wetterschreck gewohnt ist. Die beiden Ziegen liegen nebeneinander auf ihrer Spreu und blicken verwundert nach dem aufgeregten Riesen. Max schielt zu ihnen hinüber und stöhnt leise... Der Regen hatte nachgelassen und das Gewitter vergrollt in der Ferne, wie ein Untter, da» ab und zu mit feurigem Rachen zurückschnaubt, Stephan streichelt noch einmal über den Elefanten hin, knipst das Licht aus, geht in den Garten und macht einen Rundgang, wie so ost nach einem Unwetter. Sterne leuchten vom dunllen Kiffen de» Himmels herab und hellen die Nacht auf. Bon den Bäumen fegt der Wind feuchte Perlenketten herab. Stephan schlendert den Weg zum Affenhaus dahin. Der Schimpanse ist gewittcrscheu. Ob ihm der Affenwärter Wohl Gesellschaft leistet?! Da hält Stephan mit jähem Ruck, als wären seine Stiefel im Boden fcstgeklainmert. Sein Kopf ist seittvärts geschraubt. Dort sind die Raubvögel und dort sperrt ein Gitter über den Weg. Silbrige Maschen flimmern im Sternenlicht auf. Und dort, in der hintersten Ecke des Käsigs, hockte der Kondor, scheu, böse und verängsttgt. Unten aber im Sande, bewußtlos und langgestreckt, mit abwäxts gekehrtem Gesicht>me ein müder Schläfer, lag Francois. Bon Kopf und Schläfen rannen BWtfäden über die Stirn und trchisten zu Boden. So fand Stephan den lleinen Franzosen, und so, ohnmächtig und im Schlafe lächelnd, wurde er ins Krankenhaus gebracht. Der große Tag war da. Draußen auf dem frisch geharkten SaMveg standen Herren in Gehröcken und hohen Hüten. Boran der Prinz mit gelangweiltem Gesicht und gelegentlich mit dem Kopfe nickend. Hinter dem Eisengcländer des Ele- fantcngartens aber ging Max auf seinen vier klobigen Beinen federnd und leicht im Kreise und zeigte seine Kunststücke. Stephan hielt in der Mitte, gab leise Kommandos. Er hatte fest und traumlos geschlafen und staunte, wie gleichgültig ihm das erschien, was um ihn her geschah. Es ging auch alles so am Schnürchen, als wäre die ganze Vorstellung gar nicht wirklich. Max drehte de» Leierkasten mit Gefühl, die Promenade mit der Ziege klappte wie noch nie, Max rollte das Faß mit sichtbarer Freude, und die Ziege turnte heim Hochstand auf dem großen.grauen Kopf ohne Zögern und Straucheln..(Schluß W) «r. ttt «reitet, 13.«ult 1934 Leite 3 tMMIMWU>UMMiM“““““ u“ uuuu‘ iffliiwiiiHiHiiimmmiffliniimiiinii durch eine Regierungsverordnung den Lohnabbau« bestrebungen einen Riegel vorgeschoben, Ja, sogar die so heiß bekämpfte Verordnung über die Sozialversicherung, die, aus der katastrophalen Not der Krankenkassen geboren, die Leistungen der Krankenversicherung teilweise abbaut, Hai durch den Mterszuschutz schon jetzt für hundertvierzigtausend Rentner eine Erhöhung ihrer Rente gebracht und wird weiteren hunderttausenden Versicherten, wenn sie auS dem Arbeitsprozeß ausscheiden, erhöhte Leistungen bringen. Es kann keine eindringlichere Propaganda für die Demokratie geben, als die Tatsache, daß sie, während der FasciSmus seine blutigen Orgien feiert, soziale Aufbauarbeit leistet. Aber diese Maßnahmen unserer Gesetzgebung sind zugleich ein Anschauungsunterricht über den Wert der Deinokratic. In derselben Zeit,.in der die Nationalversammlung die Vorlage des Ange« telltengesetzes verabschiedet hat, genehmigte ie auch den Entwurf des Ministeriums sür öffentliche Arbeiten, durch den die Bergwerksinspektion unter Heranziehung der Arbeiter aus den Gruben zu aktiver Mitwirkung auf neue Grundlagen gestellt wird, und erhob den Entwurf des Fürsorgeministeriums über die Verbesserung der G e r t ch t S- barkeit in der Unfallversicherung zum Gesetz. Zur gleichen Zeit hat die B e r l ä n- gerung der K o l l e k ti v v e rt rä g e Wlrtsdialteverliandlungen mit Rumänien um die eingefrorenen UL'Forderungen Bukarest, 12. Juli. Heute ist unter Führung von LegationSrat Niederle eine tschechoslowakische Delegation in Bukarest eingetroffen, welche entsprechend der seinerzeitigenAbmachungen die vierteljährige Revision des im Monat Jänner in Prag abgeschlossenen tschechoslowakisch- rumänischen Handelsvertrages vornehmen soN. ES ist dies die zweite diesjährige Revision u. zw. handelt es sich tm vorliegenden Falle um eine Belebungdes gegenseitigen Warenaustausches sowie uin die Frage einer allmählichen Freimachung der in Rumänien befindlichen tschechoslowakischen Kronenbeträge. Prag, 12. Juli. Die Auslandssektion der tschechosloivakischen Journalisten veranstaltete heute ein Abendessen zu Ehren des Ministers für auswärtige Angelegenheiten Dr. Benes, den« bei dieser Gelegenheit das Diplom eines Ehrenprä- identcn der Kleine» Presse-Entente überreicht wurde. Im Spolcöcnskh-Klub hatten sich gegen 00 Journalisten, u. ziv. tschechische, slowakische, deutsche und ungarische cingcfunden. Für die deutsche Presse und die deutschen Journalisten, die bei dem Abendessen antvesend waren, erbat sich Senator Nießner das Wort, der einleitend erklärte, daß die deutschen Journalisten mit Freude gekommen seien, Dr. Benes ihre Achtung zu zollen. Wenn Dr. Benes wie alle Männer, die im Vordergründe des politischen Lebens stehen, Gegenstand der Kritik ist, kann ihnr doch nicht und Ivurde ihm niemals und von niemandem höchste Achtung und Respekt verlveigert. Je mehr die deutschen Journalisten Dr. Benes als Menschen und Staatsmann kennen lernten, uni so höhere Achtung zollten sie ihm nicht nur lvegcn seiner ungeheuren Arbeit, sondern auch wegen seiner Weisheit, Geschicklichkeit und seines höchsten. Verantwortungsbewusstseins. Obwohl Vertreter eines kleineren Staates, habe Minister Dr. Bencö doch eine hervorragende Aufgabe auf internationalem Forum und er hat diese seine bedeutungsvolle Funktion immer für das hohe Wohl seines Vaterlandes eingesetzt. ES war ein unsagbares Glück für die Tschecho- slowakische Republik und die gesamte Bewohnerschaft ohne Unterschied der Nation, daß an der Wiege deS Staates zwei Männer gestanden sind von großem Format, von Weitsicht und Einsicht: Präsident Masaryk und ihm zur Seite Dr. Benes. ES ist ihr Verdienst, daß eS gelungen ist, daS StaatSschiff in schwerster Zeit zwischen drohenden Klippen durchzusteuern. In der heutigen Welt deS ChaoS ist unser Staat eine Insel der Ruhe und eine Insel der Zivilisation. Was daS in vollem Maße bedeutet, wird vielleicht erst später erkannt werden— daß uns dir Demokratie in diesem Staate erhalten.geblieben ist. Für all' daS gebühr« dem Herrn Außenminister unser innigster Dank." Die Ausführungen Senator NießnerS wurden mit lang anhaltendem Beifall ausgenommen. beginnen die Besprechungen zlvischcn Karachan uns der mongolischen Regierung über die politische Lage im Fernen Osten. Diese Besprechungen sind offenbar ein Gegenstück zu den Verhandlungen zwischen der mandschurischen und japanischen Regierung über die Regelung der Mongolei-Frage. Die mandschurische Negierung erstrebt eine Ausdehnung der M i l i t ä r k o n v c n t i o n mit Japan a u f d i e i n n e r e M o n g o l e i. Dieses Gebiet das demnächst auch dem in a n d s ch n r i s ch e n K a i s e r r c i ch a n g e g l i e d c r t(?) werden soll, soll im Falle eines sowjctrussischcn Angriffes(?) auf die mandschurische Herrschaft durch die militärische Konvention geschützt werden. Minister Dr. BeneS als Gast bei den Journalisten Genosse Senator NleBner würdigt das Verdienst Bene? um die Freiheit und Kultur der Republik Barthou berichtet Parvis. 12. Juki..(Hqvgs.) DKr-MMterrat ist Pormitiag zusainmeugetreten» Den Hauptpunkt des Programmes bildete der Bericht des Außenministers über seine Reisen nach Mitteleuropa und über die Beratungen in London, die mit einer vollständigen Ucbcreinstiinmung der Ansichten endeten, namentlich soweit es sich um den osteuropäischen Rcgionalpakt handelt. Die Beratungen gelangten zu einem Ergebnis, das den europäischen Frieden konsolidiert. Präsident Lebrun und Ministerpräsident Doumcrgue beglückwünschten Barthou zu dem glücklichen Ergebnis seiner Reise. Warsdiai vor dem Generalstreik Warschau, 12. Juli. Seit mehreren Wochen stehen die Bauarbeiter der Hauptstadt im Streike. Heute fand eine Beratung von Vertretern von 20 Arbeiterorganisationen statt, in der der Beschluß gefaßt wurde, ab Montag in Warschau einen allgemeinen Streik zu proklamieren, falls bis zu dieser Zeit die Forderungen der streikenden Bauarbeiter nach Regelung der Lohnvcrhältniffe nicht berücksichtigt tverden sollten. In Lodz haben die Textilarbeiterorganisationen für Freitag einen eintägigen DcmonstrationSstreik zum Zeichen des Protestes gegen die geplante Herabsetzung der Tcxtilarbeiterlöhne proklamiert. Me polnisdien Konzentration«* later innen sich' Warschau, 12. Juki. Die JnterniertcntranS- porte in das Konzentrationslager von Bercza Katuzka dauern an. Heute wurden in das Konzentrationslager auS Lodz sieben Internierte u. zw. sechs Mitglieder des Jugendlagers der national- demokratischcn Partei und ein Konununist eingc- liefert. Der Wojwode von Polesie, Oberst Bier- nacki, erklärte, daß er de» Journalisten keine Bewilligungen zur Besichtigung des Konzentrationslagers erteilen werde. kos« Luxemburg: Briefe aus dem Gefängnis 94 Sotten, broschiert mit farbigem Schutzumschlag Ke s.- Zentral stelle fUr das Bildungswesen Prag Xll„ Stezsk* 13 Neues"- M Angestelltenrecht Zu den von beiden Häusern der Nationalversammlung in ihrer letzten Sitzung verabschiedeten Vorlagen gehört auch das neue Angestelltengesetz, mit dessen Gesehwerdung ein langgehegter Wunsch der Privatangestellten erfüllt ist. Daß die Vorlage im Abgeordnetenhaus ohne jede Debatte angenommen ivurde und auch im Senat nur ein einziger Redner sich zu Wort meldete, ist in diesem Falle keineswegs der Ausdruck einer Interesselosigkeit der Nationalversanrmlung am Berhandlungsgegenstande. Die Abstimmung im Plenum war vielmehr nur der formale Abschluß einer langandauernden und gründlichen Vorberatung nicht nur in den parlamentarischen Ausschüssen, sondern auch in sehr eingehenden Verhandlungen zwischen Unternehmern und Angestellten in einer Fachkommission. Um die Führung dieser Vcr- handlungen hat sich insbesondere Genosse Abg. Klein große Verdienste erivorbcn, die tvir gerne anerkennen. Bon freigewerkschaftlicher Seite waren in der" Fachkommission die Genossen Bergmann und K o l l i n vertreten. Die parlamentarischen Beratungen wurden durch einen Initiativantrag der Genossen M a c o u n und Schäfer gefördert, die Beratungen im Subkomitee durch die wertvolle Mitarbeit des Genossen Taub. Da der Enttvurf einer Vereinbarung mit de«' Dienstgebern entsprang, trägt er den Charakter eines Kompromisses, daö durchaus nicht alle Ansprüche der Angestellten zu befriedigen vermag. So weist der Enttvurf einige Mängel auf, unter denen wir insbesondere die Ausscheidung der Bestimmungen über die L e h r l i n g e bedauern. Umso eindringlicher wird die Forderung.nach ehester Schaffung eines sozial fortschrittlichen Lehrlingögesetzeü erhoben tverden müssen. Mer trotz mancher Unvollkomnicnheiten können tvir die Verabschiedung des Gesetzentwurfes aufrichtig begrüßen, da sie den Angestellten zwei- fcllos eine Reihe von Vorteilen bringt. In der gegentväriigen Zeit deS verschärften Kampfes um den Arbeitsplatz sind in erster Linie die neuen Bestimmungen über die Kündigungsfristen zu ioerten. Der Entwurf beseitigt die bisher gegebene Möglichkeit, die gesetzliche Kündigungsfrist von 6 Wochen auf einen Monat zu verkürzen und sie, statt zum Quartalsende, am letzter« oder IS. Tage des Monats errden zu lassen. Künftig kann die Frist von sechs Wochen cbci« überhaupt nicht mehr gekürzt iverden, eS kann nur vereinbart werden, daß sie am Monatsende abläuft, mrd auch das nur, wenn daS Arbeitsverhältnis nicht länger als fünf Jahre gedauert hat. Nach fünfzehnjähriger Dauer des Arbeitstier» hältniffes wird die Kündigungsfrist auf drei und nach zivanzigjähriger Dauer auf fünf Monate verlängert. Auch daß die einmal vereinbarte Probezeit nicht verlängert werden darf, ist als Fortschritt zu begrüßen. Verbessert werden auch die Bcstiiumungcn über die U r l a u b e. Die Mindestdauer des Urlaubes wird auf vierzehn, statt auf zchu Tage, festgesetzt, sie steigt nach fünf Jahren auf drei Wochen, nach fünfzehn Jahren auf vier Wochen. Daneben werden aber die Bedingungen deS Urlaubsanspruches günstiger gestaltet. So hat in' Gegensätze zuin bisher geltenden Recht auch der Angestellte, der selbst gekündigt hat, Anspruch au den verhältnismäßigen Teil deS Urlaubs, der seiner Beschäftigungsdauer im Kalenderjahre entspricht. Hat aber der Dienstgeber gekündigt, so kann der Angestellte den ganzen Urlaub verlangen, wenn daS Arbeitsverhältnis im Kalenderjahre schon sechs Monate gedauert hat, sonst den aliquoten Teil. DaS geltende Gesetz spricht dem Angestellten im Falle der Dien st Verhinderung durch Krankheit oder Unfall den Anspruch auf- daS Entgelt durch sechs Wochen zu. Das neue Gesetz verlängert diese Frist bei langjähriger Dauer deS Dienstverhältnisses, und zwar nach zehn Jahren auf acht Wochen und für je Iveiterc fünf Jahre des Dienstverhältnisses neuerlich uin eine Woche. Wertvoll sind auch die neuen Bestimmungen, die detzr Kautionsschwindel entgcgenivirken sollen. Die Dienstkaution darf in Zukunft nicht n«ehr in der Unternehmung des Dienstgebers verwendet tverden, sondern muß auf den Namen des Dienstgebers in einem Geldinstitut angelegt werden, und darf nur mit Zustinnnung deS Angestellten auSgefolgt werden. Die Angestelltenvertreter haben sich auch be- müht, die heute noch sehr unbefriedigende Rechtsstellung der Provisionsvertreter zu verbessern. Eine grundsätzliche Neuregelung ihres Anstellungsverhältnisses ist freilich am Widerstande der Dienstgeber gescheitert, doch bringt daS neue Gesetz im Einzelnen manche Verbesserungen, unter denen insbesondere hcrvorzuheben ist, daß die Provision nicht erst mit dem Eingang der Zahlung, sondern mit dem rechtsgültigen Abschluß des Geschäftes fällig wird. Diese Verbesserungen deS Angestelltenrechtes,'' die kurze Zeit nach der Einführung der sozialen Rente durch unsere Gesetzgebung verwirklicht wurden, sind ein guter Anschauungsunterricht Wer den Wert der gewerkschaftlichen Organisation. Niemals hätten, in einer wirtschaftlich so ungünstigen Periode, solche Erfolge für die Angestellten erzielt werden können, wen«« die Angestellten nicht Riesanstreiks In Amerika San Francisco, 12. Juli.(Reuter.) Da mit der Proklamierung eines General st reikeS gedroht wurde, versorgt sich die Bevölkerung mit Vorräten für den Bedarfsfall. Die Vertreter von 80 Gcwcrkschastsorgani- sationen verhandeln in Portland im Staate Oregon über den Generalstreik; die Transportarbeiter in anderen Städten kündigen an, daß sie ebenfalls in einen Sympathiestreik treten werden. San Francisco» 12. Juli. Die 3700 gewerk- schaftlich organisierte«« Kraftfahrleute in San Francisco und den Nachbarstädtei« sind ain Donnerstag zugunsten der schoi« seit Wochen streikenden Hafenarbeiter in einen Sympathiestreik getreten. Der Ausstand der Fuhrleute wurde erklärt, obwohl die Buudesschlichtungslümmission darauf aufmerksam machte, daß bereits die ersten erfolgversprechenden Schritte zur Beilegung des Hafenarbeiterstreikes erfolgt seien. Ma«« erwartet nunmehr die Erklärung des Generalstreiks in der Rächt zum Freitag um Mitternacht. Russisch-mongolische Besprechungen über die Lage im Fernen Osten Moskau» 12. Juli. Der ehemalige Stellvertreter deS Außenkommiffars der Sowjetunion K a r a ch a n, der bekanntlich zum Botschafter in Ankara ernannt wurde, ist am Mittwoch in Ulan- Bator, der Hauptstadt der mongolische«« Republik» in Begleitung einer zahlreichen russischen diplo- inatisch-militärischen Mission eingetroffen. In MWrnnn Urga wurde der Botschafter Karachan von der mehren gewerkschaftlichen Organisationen eifrige! mongolischen Regierung und der russischen Mili- und starke Vertreter ihrer Interessen besäßen. I tärmission feierlich empfangen. Am Donnerstag Vie erzwungen« Reichstagsrede Aus Berlin erhält die„Sopade" eine«« interessanten Bericht über die Bor- gänge, die Hitler zur Eiiwerufung des Reichstags zum heutigen Freitag veranlaßt haben: Die plötzliche Einberufung des Deutschen Reichstags zu Freitag, den 13. Juli, hat überall Erstaunei« erregt. Der Deutsche Reichstag hat unter der Hitler-Diktatnr eine reii« dekorative Bedeutung, denn selbstverständlich tverden alle Mitglieder des ReichsiagS, soweit sie der Hitler- Feine nicht zum Opfer gefallen sind, als gute Nationalsozialisten den Maßnahmen Hitlers ihre Zustimmung geben. Widerspruch bedeutet Höch st c Lebensgefahr. Trotzdem also Hitler mit der Rede vor diesem„Parlament" nichts riskiert, mußte er dos' erst zur Einberufung des Reichstags und zur Abgabe einer Regierungscrllärung gezwungen werden, An« i. und 5. Juli fand in Flensburg eine Tagung der führenden Funktionäre der NSDAP, statt, die sich mit den Ereignissen des 30. Juni beschäftigte, lieber die Tagung ii« in der deutschen Presse so gut wie nichts berichtet worden. Es fiel aber allgemein auf, daß Hille r selbst nicht in Flensburg erschien, sondern die Verteidigung und Begründung seiner Blutmaßnahmen H e ß überließ. Heß stand in Flensburg vor einer sehr schlvicrigcn Aufgabe, denn cs wurde ihm von den Gauleiter«« sehr deutlich aus- cinandcrgesctzt, daß die Schüsse ii« Ntünchcn und Berlin nicht nur die„Verräter", sondern auch die nationalsozialistische Bewegung ins Mark gctros- fcn haben. Die Hitlcr-Mktatnr sei durch die Kameradcnmorde nicht gestärkt, sondern g c- schwächt worden. Tic Gefahr eines weitere«« Verfalls fei nur dann aufzuhaltcn, wenn die Rc- gierung endlich ihr unverständliches Schweigen breche, wenn vor allem Hitler persönlich wieder in Erscheinung trete. Die wildesten Gerüchte über einen Nervenzusammenbruch Hitlers und über seine angebliche panische Attentatsfurcht seien in« Volk in« llmlauf, und wenn Hitler jetzt nicht schnellstens ösfcnilich hervortrete, könne man sich dieser zersetzenden Stin«inung mit all ihren Folgen nicht länger crtvchren. Unter den« Eindruck dieser Auücinander- sctzung in Flensburg entschloß sich das Triumvirat Hitler—Gocring—Goebbels, die Schwelge- taktil aufzugeben und sich dein Volk zu zeigen. Den Anfang machte Heß mit seiner Königsberger Rede am letzten Sonntag, in der er versuchte, die Masse des Volkes von den Diskussionen über dic innerdeutschen Vorgänge durch eine KricgSred.' abzulenken. Ihm folgte am Dienstag Goebbels mit seiner Rundfunkrede. Beide Rede«« haben zu- , mindestens im Ausland dic Sit««ation fit , Deutschland noch verschlechtert. Vor alle««« and , die nnqnalifizierbarcn Angriffe Goebbels auf die , Ausländskorrespondenten übereinstimmend alS ein Zeichen einer ungewöhnlichen N e r- [ vosität anfgefaßt worden. Am Freitag soll i nun Hitler vor dem Reichstag diese Propaganda- , aktion fortsetzen. Er spricht c n t g c g f» sei- i ncmWi 1 lcn. denn der sonst so redselige Füh- rcr fühlt die unheilvolle Verstrickung, in die er s durch sein Vorgehen an« 30. Juni geraten ist. Mehr als 500 Ermordetei Die„Deutsche Revolution", daS Organ Dr. Otto Straßers, berichtet, daß die Zahl der am 30. Juni Ermordeten 500 übersteigt. Die„Deutsche Revolution" nessnt einige neue Rainen: Rach den neuesten Mitteilunge«« sind u. a. ermordet«vvrden: Oberleutnant Schulz, der be- riilnnte Organisator der Schwarten Reichswehr, preußischer Landtagsabgeordneter der NSDAP, und Freund Gregor StraßrrS; D r. Her m a n n Boß» Führer des RS-Juristcnbnndrs, Präsident des Anwalts- vercins und Rechtsanwalt Gregor Straßers: FranzMarriaur, Vertreter des Ullstein-Konzerns in Paris, Mitarbeiter Papens; Kapitän Ehrhardt» FreikorpSfüh- rer und Chef der OC.(Organisation Konsul), Mitarbeiter Papens; H a u p t>n a n n v o» P f e f f e r» Vorgänger Röhm» als Ehef der SA, alter Freikorps- führer und Freund von Hauptmann Sten ne»; O b e r l e u t n a n t R o ß b a ch, alter FreikorpSftthrer, Organisator des Luftschutzes und Erfinder des Braunhemdes.(Rach anderer Version nur verhaftet,»och nicht erschossen!) Inzwischen haben sich die TodeSmeldnngen von GeneratstaatSkommiffär Kahr, General von Lossow, Polizeioberst S e i s s e r, bayrischer Minister Stützt, Oberleutnant Scheringer» Pfarrer M» h l e r» Oberst von Bredow und vielen anderen Persönlichkeiten des öffentlichen LebrnS bestätigt. Seite 4 Freitag, 13. Juki 1934 «r. 131 Jn; sechs Motoren Wird 660 PS. besitzen. Die Maschine wird ein Hochdecker sein. Die Bauart ähnelt derjenigen des Short-Flugbootes, das von der englischen Luftflotte für Versuchszwecke benützt Wurde. Die Flucht i« die Demokratie. Die rcichs- deutsch.tschcchoslowakischc Grenze wird in diesen Tagen häufig von Männern überschritten, die nicht in die Rchmbiik kommen, weil sie sich als eingefleischte Antifascisten und Demokraten bei unL gesiniiungsinäßig zu Hause fühlen. ES sind Menschen, die der Witz der Weltgeschichte zum Emigrieren in jenes Land zwingt, dessen Regierungssystem ihnen im Grunde ihrer Seele zu- tiefst verhaßt ist und dem sie einst in glücklicheren Tagen Kampf bis zur Ausrottung angesagt haben. Das; sie nun ausgerechnet hier das ret- tende Asyl vor dem mörderischen Zugriff ihrer starke;; Männer suchen müssen, jener Männer, für die sic so inbrünstig geschwärnck haben und die ihnen als kärglichen Dank für crtviesene Anhänglichkeit nicht;nehr als ein allerdings sehr bedeutsames Stückchen Blei, zu biete» haben, ist es» groteskes Motiv von so überwältigender Kraft, daß selbst ein genialer Satiriker vor dieser Konkurrenz der Tatsachen die ärmlichen Waffen Erich Mühsam hatte, wie viele zum Anarchismus neigende Künstler, vicol Verständnis, ja eine gütige Liebe für die völlig Entwurzelten, für jene, die wir Lnmpcnproletaricr nennen. Er sah richtig auch in ihnen Opfer der Gesellschaftsord- nung. Aber er dichtete in sie ein Kämpsertüm hinein, das ihnen fremd ist. Hätte es sich em wenig mehr mit dem von ihm sehr gering geschätzten Marxismus beschäftigt, so hätte er auü dcnhistori- schen Schriften von Marx erfahren daß das Lumpenproletariat in seiner Masse noch stets auf der Seite der Gegenrevolution war. Diejenigen, mit denen er sich in eine Reihe stellen wollte, die AuS- gestoßcncn und Verbrecher und Vagabunden, standen in der SA., standen in den Reihen derer, die ihn zu Tode quälten! Erich Mühsam, eines der edelsten Opfer des deutschen FasciSmuS, stand als Dichter ntchi in der vordersten Reihe. Er hat sich selber nie fite einen der großen Poeten gehalten. Er war sehr bescheiden. Aber seine Wirkung in die Zukunft wird dennoch größer sein als die anderer, denen die Literaturgeschichten viele Seiten widmen. Denn manches seiner trutzigen Gedichte lebt in den Herzen der deutschne Arbeiter, der heute gefesselten und doch die deutsche Zukunft gestaltenden Klasse, und wirbt fiwdic revolutionäre Tat! Und im Gedächtnis der deutschen Arbeiter lebt das Bild des einfachen, inbrünstig gläubigen und so unendlich treuen Märtyrers— und sie werden, wenn eS zur großen Abrechnung konnnt, so wie an Fechenbach und Stelling und hundert andere auch an Erich Mühsam denken und cs wird sein, als dröhne seine Stimme'in ihre Ohren: „Der Ruf ertönt: Auf, Proletariat! Millionenmal Einer! Zum Sturm! Zur Tat!" Wahnfinnstat an einem Kinde Geisteskranker saugt ihm das Blut auS AuS Birkenhaid bei Obermoldau wird uns berichtet: Am 9. Juli ereignete sich in unserem Orte eine Wahnsinnstat, die vielleicht«in Menschenleben fordern wird. Der schon seit längerer Zeit trübsinnige 26jährige Wilhelm GaiSbauer, lockte durch das LoSlaffcn einer Ruh, seine Ber- wandtr» Friedberger, in den Stall. Während sich diese dort befand, nahm er daS einjährige Kind und begab sich mit ihm auf de» Boden. AlS sich die Frau wiederum in der Stube einfand, vermisste sie daS Kind. Bei den Nachforschungen fand sie den GaiSbauer über dem Kinde, welchem er sieben bis acht Scheren st ich ein der HalSgegend beigebracht hatte, und wie er ihm daS Blut auSsaugte. GaiSbauer handelte in dem Wahne, durch das Blut des Kindes gesund zu werden, was er dadurch bekräftigte, daß er sagte:„Jetzt habe ich für zwölf Fahre genug".'DaS Kind schwebt in Lebensgefahr, während der Wahnsinnige nach Dobr- zan eingeliefert wurde./ GlbeGchiffahrt neuerlich! eingestellt Dampfer Unfälle. Wegen deS ständig sinkenden WasserstandrS wurde am Mittwoch die Personen-Schiffahrt ans der Elbe auf der Strecke Aussi g-L e i t m r r i tz neuerlich eingestellt. Wenn in den nächsten Tagen keine Rrgrnsälle rintretrn, wikd auch der verkehr auf der Strecke Aufsig-Bodenbach eingestellt werden. Durch den niedrigen Wasserstand lvurdcn gestern einige Dampfer Unfälle verursacht. Bei dem Marienfelsen in Aussig stieß der Personendampfer„LöSnitz" aus Steinboden und wurde leck. Die Pasiagicre nmßtcn auf einen anderen Dampfer gebracht lvcrdcn. Das Leck des havarierten Dampfers wurde provisorisch verstopft und der Dampfer wird nach Dresden zur Reparatur geschickt lvcrdcn. In Lichlolvitz geriet etn Lastkahn mit einer Zuckcrladung aus Grund. Er konnte trotz angestrengter Bemühui;gcn noch nicht wieder flott gemacht werden, In Dubkolvitz geriet ein Frachtkahn der Prager Elbc-DampfschiffahrtS- gesellgesellschaft ebenfalls auf Grund, konnte aber flottgemacht werden und die Fahrt fortsctzen. Der W a s s c r st a n d weist auch weiter- hin eine sinkende Tendenz auf. tion bayerisches Gefängnis gegen ein Konzentrationslager nn Dritten Reich? Der Hakenkreuzsadismus hat zwar den Rebellen Erich Mühsam nicht dazu gebracht, sich zu fügen und zu lügen, aber er hat den schwachen Leib deö Dichters so lange gcinar- tert, den freihcitSsehnsüchtigen Geist so lange gequält, bis es für ihn nur einen Ausweg gab— den in den Tod. Die Verbrecher und Irrsinnigen, die von der Revolte der deutschen Kleinbürger und Lumpenproletarier zur Macht cnworgetragen wurden, haben nie gewußt, wer Erich Mühsam war. ES war ihnen a;;ch gleichgültig. Für sie genügte cS, zu wissen, daß er„ein Roter" lvar, doppelt verdächtig, weil er Dichter war, und daß er bei der Münchner Revolution„dabei" war. Erich Mihsam war zu arm, um nach Bc- kanntlvcrden des Reichstagsbrandes, in dem er das Signal zu einer wilden Verfolgung aller dem neuen Regime Mißliebigen sah, ans Deutschland zu fliehen. Der Dichter, der oft genug Acrmsten geholfen, tvar zu arm, um eine Bahnkarte kaufen zu können. Und bald war cö zu spät zur Flucht. Peking, 12. Juli. Hier eingetroffene Nachrichten besagen, daß die Motor- Karawane Sven HcdinS von mohamntedanischen Aufständischen des Generals Matschunging nördlich von Urumtschi am 4. Juli überfallen worden sei. Die ExpeditionStelnehmer, neben Sven Hedin fünf Mongolen und drei Chinesen, darunter ein bekannter Geologe, seien gefangen genonunen worden. Ueber das Schicksal der Gefangenen ist nichts bekannt. Der Vertreter der Expedition Sven Hedins in Peiping, Noris, äußerte sich dahin, daß die Nachricht von der Gefangennahme mit größter Wahrscheinlichkeit, richtig, sei. Nach einer weiteren Meldung soll das e n g- lische Generalkonsulat in Kaschgar wegen der Gefangennahme der ExpeditionSteil- nehmer bereits bei den chinesischen Provinzialbehörden vorstellig geworden- sein und die E n t- sendungeinermilitärische»Expe dition verlangt haben. Rach einem Meinungsaustausch mit Nanking soll diesem Ersuchen statt- gegeben werden. ffreitafftmg verfügt? Peking, 12. Juli. Aus Kaschgar liegen über das Schicksal der Expedition Sven HedinS nur unbestätigte Meldungen vor. Danach hat, wie in chinesischen politischen Kreisen, cr- klärt wird, der Führer der Aufständigen Mat- schungingS sich von dem rein kulturellen Aufgabenkreis der Expedition überzeugt und die Freilas s u n g der von seinen Scharen festgenommenen.Forschergruppe verfügt. Zwei chinesische Kaufleute auS Kaschgar, Freunde MatschungingS, sind überdies abgereist, um den General, wenn das noch erforderlich sein sollte, von der Notwendigkeit, Sven Hedin freizulasten, zu überzeuae» Eh ich in Sklavenunverstand Der Geißel mich sollt fügen. Sich fügen heißt lügen! lind sich selber gab er, Im Gefängnis, 1922, diesen„Trostsprnch": Das Schicksal kann den Körper prügeln, Kann mit Kandare, Sporen, Bügeln De» Fuß, die Hand, die Stinnne zügeln.— Der Geist steigt auf;»it freien Flügeln Und lacht ins Tal von Wolkenhügeln. Aber was war die klerikale bayerische Rcak- gcgen den Nationalsozialismus? Was ein vttmpsttcher Umfall ei«»» MfiitSrflteqer» Prag, 12. Juli. Heute Vormittag wurden auf dem Flugfclde in Letnany den litauischen Militärfliegern eine unserer neuen Militärflugzeugiypcn vorgeführt. ZugSführcr-Pilot H o I u b e c flog nach erfolgreicher Absolvierung aller Kampf- ! Evolutionen vom Flugplatz Letnany nach dem Flugplatz Prag. Vor der Landung wollte er auS eigener Initiative noch einige Uebungen ausführen, da er aber zu nahe über demBo- d c n flog, streifte der Apparat bei der Ausführung einer Wendung mit dem Flügel und dem Fahrgestell die Erde, wobei er sich einigemalc überschlug und mit dem Fahrgestell nach oben gekehrt liegen blieb. Trotzdem der Apparat stark beschädigt wurde, blieb der Pilot unversehrt. ZugSfüh- rer-Pilot Holubec hat es angeblich nur oer guten Konstruktion der neuen Flugzeugtype—„Avia 584"— zu danken, daß er heil davonkam. Der Zugsführer Holubec ist durch seinen heurigen Tieg in der akropatischcn Flugkonkurrcnz bekannt. zum revolutionären Kämpfer, zu einem Dichter, der lodernde Kampfgesänge sang, um die Masten aus Trägheit und Duldsamkeit aufzureißcn. lind doch lväre dieser milde, lveiche Mensch lieber fern dem Lärm der Welt gewesen, hingcgcben stillen SehnsuchtSträlnncn. Nur: Solange die Massen in Armut und Unkultur dahinlebten, durste der Dichter nicht träumen... In einem„Appell an den Geist" rief er 1911 den Künstlern, den Geistigen zu:„Paria ist der Künstler, wie der letzte der Lmnpenl Wehe dem Künstler, der kein Verzweifelter ist! Wir, die wir geistige Menschen sind, lvollcn zusammcnstehen— in einer Reihe mit Vagabunden uitd Bettlern, mit AnSgestoßenen nnd Verbrechern wollen lvtr kämpfen gegen die Herrschaft der Unkultur! Jeder, der Opfer ist, gehört zu;;ns! Ob unser Leib Mangel leidet oder unsere Seele, wir müssen zum Kampfe blasen!— Gerechtigkeit und Kultur— saS sind die.Elemente der Freiheit!— Die Philister der Börse und der Ateliers, zitternd wexden sie der Freiheit das Feld rannten, wenn einmal der Geist sich dem Herzen verbündet!" Sein Appell an den Geist, der ein Rus an die Geistigen sein sollte, zerbrach an den Mauern der Gleichgültigkeit, deS Snobismus, des Geschäftssinnes der Geistigen. Aber die Arbeiter? O, an seinen revolutionären Gedichten haben sich viele begeistert— aber Mühsam wollte noch mehr als begeistern, wollte nicht sozialistischer Dichter schlechthin sein, wollte die Arbeiter für sein anarchistisches Ideal gewinnen. Und er gewann sie nicht. Der AnarckiiSmuS hat nie wirklichen Einfluß unter den deutfcken Arbeitern zu gewinnen verinocht. Amy John Henry MackayS revolutionäre Dichtungen wurden Gon den Arbeitern gern gelesen unv gern rczitiertkaber sic haben die Arbeiter nicht zu Anarchisten gemacht. Politische Gefolgschaft blieb Erich Mühsmn versagt. Er hat es oft schmerzlich empfunden. In einem Gedichte klagte er: „Sie stehen hoch oben auf dem Gerüst.— Es ist zwölf Uhr und MittagSruh.— Sie fluchen und schreien.— Der eine schmeißt Dem andern lachend die Flasche zu, Die beizend von Mund zu Munde reist,— lind keiner weiß, wie arm er ist.— Ich komme des Weges. Und einer erblickt Ten lässigen Gang, die groteske Gestalt: „Hallohl Ei» Kerl, dem cs oben tickt!" Und wildes Gelächter ans Ohr mir schallt. Ich sehe nicht auf.— Die wissen es nicht, Daß dem, um den ihre Roheit lacht, Ihr Schicksal klagend zum Herzen spricht,— Sie fragen auch nicht, ob er Verse macht." Beirren ließ er sich durch keine Enttäuschung. In Zeitschriften(,Lain"), in Gedichtbänden, in Dramen versuchte er immer und immer wieder aufrüttelnd zu wirken. Und ost ging er für seine Uebcrzcuguitg ins Gefängnis, mußte er seine Frci- heitsliebe mit Festungshaft bezahlen. Das war schon im kaiserlichen Deutschland. Aber bei weitem nicht so arg wie im„Freistaat" Bayern, der ihn, weil er in der Münchner Rätediktatur die endliche Erfüllung seines FrcihcitStraumes gesehen hatte, zu fiinfzehn Jahren Zuchthaus verurteilte, von denen er fünf«chsitzen mußte. Als Gefangener schrieb er: Ich hab's mein Lebtag nicht gelernt. Mich ftemden Zwang zu fügen. Jetzt habe» sie mich einkasernt, Bon Heim und Weib imb Werk entfernt. Doch ob sie mich erschlügen: Sich fügen heißt lügen! Stellt doch den Frevler an die Wand! So kanns euch wohl genügen. Doch«her dorre mir di« Hand, Flugboot für S0 Paffagiere London, 12. Juli. Ein großes sechsmotoriges Passagierflugboot, daS 60 Fahrgäste befördern kann, wird demnächst von der Blackburn-Flug- tzeug-Gcsellschast in Bau genommen. Jeder der Falschmünzer in Mähren In einigen Orten Südmährens wurden in der letzten Zeit gefälschte 20-Xö-Münzen in Umlauf gesetzt. Dieser Tage wurde in Eisgrub der Zahntechniker?lloiS Pohl aus Diwak von der Gendarmerie verhaftet, der gestand, daß er sechzig Münzen gefälscht und zwanzig davon in Umlauf gesetzt habe. Dreißig Münzen habe er angeblich seinem Bnider in Brünn gegeben, doch leugnet dieser und gibt'an, daß er mit der Sache nichts zu tun habe. Pohl und ein gewisser Franz Vy- toupil lvurdcn verhaftet und den; Gericht cinge- liefert. Die Untersuchung dieser Affäre wird fortgesetzt. Sven Hedin überfalle» und gefangen? Die ganze Expedition in den Händen aufständischer Mohammedaner der menschlichen Phantasie strecken müßte. Wir legen keinen Wert darauf, billig zu triumphieren. Aber ein Triumph ist es trotzdem, ein Triumph der Menschlichkeit, die hier beweist, daß ihre Ideen vielfach wertvoller und zukunftsträch. tiger sind als der mystische Dunst all ihrer niarkt» schreierischcn Feinde zusammcngcnommen. Wenn die Kameraden der Diktatoren vor ihren ,,Füh. rern" fliehen lnüssen, um nicht gemordet zu wer» den, so ist das ein Faktunr, das nicht hoch genug eingeschäht werden kann. Auch hierzulande gibt eS ja eine ganze Anzahl Zeitgenossen, die der Demokratie zwar ausgesprochen böse sind, nicht dcstotrotz jedoch eine Wissenschaft daraus geinacht haben, die Vielgeschmähte bis zum lctztmöglichcn Rest für sich auSzunuhen und deren praktischer AtftidenrokratismuS aus einem widerwärtigen Mißbrauch der demokratischen Freiheiten besteht. Diese Diktatur-Enthusiasten, die alles herbei- wünschen, nur nicht eine Demonstration ihrer Ideale am eigenen Leib, solllen die Lehre dieser Flucht der Antidemokraten in die Demokratie ein- n;ol gründlich durchdenken und sich darüber klar werden, das; ihre bedenkenlose Demagogie viel riskanter für sie werden kann, als sie heute noch annchmen. Universitätsdozent gestorben. Donnerstag abends ist der Dozent für Röntgenologie an der medizinischen Fakultät der Aarlsuniversität Dr. Adolf Sigmund gestorben. Fünf Bergarbeiter tödlich verunglückt. Ans einer Kohlengrube in MoerS wurden Mittwoch nachmittags drei Bergleute von niederbrcchendem Gestein verschüttet und konnten nur noch als Leichen geborgen werden. Auch auf der Zeche„Adolf von Hansemann" in Mengede bei Dortmund sind Mittwoch zwei Bergleute tödlich verunglückt. Wo ist Ossietzky? Wir haben uns erneut bc- nniht in Erfahrung zu bringen, wo sich Carl von Ossietzky, der hervorragende politische Schriftsteller und frühere Herausgeber der Wcltbühne, der seil den; 28. Feber 1933 den schlimmsten Quälereien in. Soilncnburg und anderen Konzentrationslagern ausgesetzt lvar, jetzt befindet. Mer cs ist uns auch bei Stellen die sonst über solche Dinge orientiert sind, nicht gelungen, etwas zu erfahren. Tatsächlich lveiß niemand im antifascistischcn Lager Deutschlands, lvohin dieFascisten Ossietzky gebracht haben. Wenn es überhaupt noch möglich ist, sein Leben zu retten, dann nur dadurch, daß die Wclt- presse von Neuem ihre Stimme laut und eindringlich für Ossietzky erhebt. Blitz tötet zwei Kinder. Donnerstag ging über Lemberg ein orkanartiger Sturm mit Gewitter und zahlreichen Blitzschlägen nieder. Hofe des WojwodschaftSgcbäudes wurden zwei Kinder des PolizeilommissärS Strobl durch Blitzschlag getötet. Togcsnculgkcltcn Es schwillt die Kraft Es schwillt die Kraft.— Der Arm greift aus. Die Sense schwingt sich übers Feld. Der Schweiß quillt aus der Stirn heraus. Doch nicht erlahmt die starke Rand Des Arbeitsmanns. Es denkt der Held: Freiheit und Land! In Schwaden liegt das Korn gemäht. Der es geackert, fährt es heim. Noch einmal schweift sein Auge, späht. Wo hoch und stolz die Aehre stand. Noch einmal formt sein Mund den Reim: Freiheit und Land! Die Sonne überstrahlt die Flur, Die sich nach neuem Samen sehnt. Zum Menschen flüstert die Natur, Zum Menschen, der die Garben band, Dem Sehnsucht alle Muskeln dehnt: Freiheit und Land! Erich Mühsam Der Rebell Erich Mühsam Er müßte in dieser kapitalistischen Welt ein Rebell werden, lveil er ein gütiger, liebevoller Mensch war. Einer von denen, die nicht glücklich zu sein vermögen, lvcnn ihre Mitmenschen im Leid versinken. AuS der Weichheit seines Herzens, das den Schinerz der anderen mit erlitt, erlvuchs fein Trotz. Sein unbeugsamer Gerechtigkeitssinn, seine fanatische Liebe zur Wahrheit, machten ihn «t. m Freitag. 13. SfttH 1934 «eite fi A»ei Lehrlinge»erbrenne» Mähr.-Ostrau. 12. Juli. In der hiesigen Ekodawcrkstättc war der Arbeiter Alois Silva aus Baclavoviee mit dem Schweißen eines Kotflügels beschäftigt, währen zwei Lehrlinge, der 17jährige Fr. Voda aus Frydck und der 15jäh« cige Jakob Spitzer aus Mähr.»Ostrau eine Motorwanne, aus der mit Oel gemischtes Benzin floß, abmontierten. Plötzlich entzündeten sich die abweichenden Dämpfe und das Auto geriet in Brand, ebenso die beiden unter dem Auto in einer Montagegrube befindlichen Lehrlinge. Beide erlitten schwere Brandlvunden und wurden in daS Mähr.-Ostrauer Krankenhaus geschafft, wo fie mit dem Tode ringen. KelegokchMo zum Schutze eugllscher Kisch*» London,. 12. Juli. Eine Abordnung der Zischergilde voll Hüll ist anl Mittwoch beim, englischen Lordsiegclbeivahrer Eden vorstellig geworden und bat berichtet, daß die Einmischung der norwegischen Behörden in die Fischcrcirechtc der englischen Fsschdampscr immer beängstigender werde. Lordsiegerbetvahrer Eden teilte dem Fischereivertretern mit, daß während der letzten sechs Wochen sehr energische Vorstellungen in Oslo erhoben worden seien. Wenn die Antlvort unbefriedigend oder nicht bis zu einem gclvisscn Zeitpunkt eintreffe, sei die englische Regierung bereit, nvtigen- sallS englische Kriegsschiffe znm Schutze der an dr norwegischen Küste arbeitenden englischen Fisch- dammpfer einzusetzen. Gchmere» OewHtet über vberSfterreich Anz, 12. Juli. Gestern ging über sieben Ortschaften im südlichen Teile des Bezirkes Braunau ein Gewitter mit Hagclschlag nieder. Die Weizen-, Korn- und Haferernte wurde teil- lvcise bis zu 80 Prozent vernichtet. Bo« Vir»»»-«'rode gestochen Rach einer Meldung aus S z o l n o k ist der Landwirt Molnär einem eigenartigen Unglück zum Opfer gefallen. Er wurde auf der Straße von einem aufgescheuchten Bieneschwarm angegriffen. Die wütenden kleinen Tiere überhäuften den Unglücklichen mit ihren tödlichen Stichen und ließen erst von ihm ab, als er zu Boden stürzte und tot liegen blieb. Frankreich in Hitze« Uten Paris, 12. Juli. Die Hitzewelle in Frankreich hat Mittwoch mit' 34 Grad ihren Höhepunkt erreicht. Zugleich ist in Paris auch ein Rekord im Wasserverbrauch erzielt tvorden. Richt weniger als 86 1.0 00 Kubikmeter Trinkwasser wurden Mittwoch verbraucht. In der Seine treiben Tausende und Abertausende von t o t e'n F i s ch e n. Man vermutet, daß das Massensterben auf den Sauerstoffmangel in dem sehr warmen Wasser zurückzuführen ist. Volnifchor Metz«-«bgestürzt Krakau, 12. Juli. In der Rähe von Krakau geriet heute ein Militärflugzeug bei einem Uebungsflug- aus bisher unbekannter Ursache in Brand und stürzte ab. Der Pilot, ein Fliegcr- »nteroffizier, fand hiebei den Tod. Tätlicher Unfall einer Preschurgrr Touristen. Der 19jährige Maschinenschlosser Gustav Kottritsch aus Bratislava, der auf seinem Fahrrad von der Arlberger Höhe zu Tale fuhr, begegnete kn einer schwer übersichtlichen Kurve oberhalb Stuben einem fchlveizerischcn Personenkraftwagen. Bei dem Versuche, von der linken auf die rechte Seite zu gelangen, fuhr er in eines der Vorderräder des Kraftwagens. Er wurde aus den Kühler und sodann auf die Straße geschleudert. In das städtische Spital von Bregenz überführt, erlag er den erlittenen Verletzungen. G. D. S. Die Feuilletons der deutschen Zeitungen tragen in sehr vielen Fällen neben dem Namen des Verfassers das Zeichen„G. D. S.". Wissen Sie, waö das heißt? Gleichschaltung du rchSchandel Verschlimmerung in Oranienburg. Wie wir erfahren, ist im Konzentrationslager Oranienburg ein Kommandantenwechsel eingctretcn. Die Leitung des Lagers ist in die Hände des Sturmvann- sührers Stalkopf Lbcrgegangen. Stalkopf ist schon seit längerer Zeit als einer der Brutalsten und Grausamsten in Oranienburg bekannt. Die Gefangenen haben die größten Befürchtungen, daß die Zustände im Lager unter Stahlkopfs Leitung sich noch verschlimmern werden. Zum Martz hypnotisiert? Das polnische Oberste Gericht befaßt sich gegenwärtig mit einer ungewöhnlichen Nichtigkeitsbeschwerde. ES handelt sich um den Ukrainer Peter F l i t, der wegen Ermordung eines Polizisten bei Tarnopol zu lebenslänglichem Kerker verurteilt wurde. Der Verteidiger des Angeklagten verlangt die Aufhebung des Urteils und behauptet, daß Flit unter der Macht der Hypnose gehandelt habe. Flit war ein Medium und diese seine Eigenschaft sei von ein er terroristisch en Orguutsarion auSgenützt worden, um ihn zur Verübung des Mordes zu zwingen. Der Verteidiger verlangt, Flit durch psychiatrische Sachverständige untersuchen zu lassen. Der Bodensee hat am Mittwoch vier Todesopfer gefordert. In der Einmüdung der Aache in den Bodensee ertrank der 21jährige Bäckergehilfe Karl Ringel beim Baden. Bei Strohmaicrdorf ertrank ebenfalls beim Baden ein 21jähriger Ar« bcitsdienstfrciwilligec. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Bei Horn ertrank ein 21- jährigcr Metzgcrgchilfe. Das vierte Todesopfer war die 42jährige Wilhelmine Blum aus Fusach, die in der Hardcnbucht Treibholz bergen wollte und dabei ins Wasser stürzte. Mord und Selbstmord. Donnerstag um 14.45 Uhr schoß dec 37jährige Friedrich Prin- disch aus Svinov in Schlesien in« Hause Rr. 6 Am Dornich in Brünn auf seine 28jährige Frau Kamilla und verübte sodann Selstmord. Rach den bisherigen Feststellungen hat Frau Piindisch, die vor zwei Jahren geheiratet hat, ihrem Mann bereits zweimal wegen häufiger Zwistigkeiten verlassen, das letztemal vor etwa 10 Tagen, und war zu ihren Verwandten Am Dornich übersiedelt. Die dickste Frau der Welt gestorben. In Ujpest bei B u d a p e st ist eine 68 Jahre alte Frau namens Sz ab o gestorben, welche die dickste Ihr Zauber begann für sie eigentlich schon im tiefsten Winter. Die WeihnachtSremunera« tion bildete den Grundswck des Reisekapitals und mit rührender Wichtigkeit überlegten sie ernsthaft, welcher Bank sie es»anvertrauen" sollten, welche Ivohl in diesen unsicheren Zeiten»am verläßlichsten" seil Und dann hatten sie die Staatsbank für einzig würdig befunden, ihren Schatz zu verwalten. Sie hatten Geld in der Bank! Erstes selbstverdientes Geld» Geld für erste selbstverdiente Reisefreuden... Wie sie daS stolz machte, wie ihnen daS Würde verlieh! Und sie begännet« die Ziffer zu errechnen, die sich im Juli ergeben würde, wenn eS ihnen gelänge» jeden Monat den Betrag hinzuzufügen, der menschlicher Voraussicht nach von dem kleinen Einkommen entbehrlich wäre. Und gleich auch begann man die Prospekte der Urlaubsreise-Unterneh- «nungen zu studieren— nn Jänner schon. Man hätte ja, anstatt in die Bank, direkt in diese eingahlen können— aber da war wieder eben die „Kapitalisten"-Sorge,»das Unternehmen könnte fallit. werden— bis zum Sommer istts ja so un- sicher lang'..." und da war noch ein anderes, mau wollte sich nicht für eine Route vorzeitig fesüegen. Es war ein so berauschendes Gefühl, die ganze schöne, lounderbare Sommerwelt im Gedanke» zu bcsitzon, die Berge mit ihrer grünen Romantik, das Meer mit seiner herbei« Frische und Küsllichtcit, die Städte mit ihren Bauwundern, ihre«« Museen, ihren Äunstschätzen... Vom Jänner an war es ihr einigstes Gespräch während des gemeinsame«« Burcauwegü. Wett war er und früher hatten sie ihn im Autobus gemacht— jetzt gingen sie zu Fuß, dafür wanderte das Fahrgeld in die Sparbüchse Tag für Tag. Sic aber merkten nicht Frost und Sturin auf ihrem Weg, denn er lvar erfüllt von eifrigsten Gesprächen über Somniersreuden, Ferienfreudcn. Es mußte doch alles für solch eine gemeiirsam geplante Reise zweier Freundinnen»gründlich" besprochen werden, damit es dann keine MeinungS- verschiedenhetten gäbel Da ist doch in erster Linie die Toilettenfragc so wichtig. Wenn sic auch jetzt in ihren abgetragene«« Mäntelchen nicht eben verführerisch wirken mochten, im Sommer dani« — auf»ihrer Reise", da wollten sie elegant und bezaubernd seil«— wer weiß Und sie «naßen einander mit kritischen, abschätzenden Blik- lcn und kühnste Kombinationei« beendeten dieses Kapitel. Freilich— ein bißchen nachsichtig ironisches Mitleid mtt der— andern— versteht sich, machte in jedem Köpfchen den Schlußpunkt. Dafür ivarcn sie eben Freundinnen... Als cs Feber wurde und schon Frühlingsahne«« das Schneetreiben mrd die Frosttagc ablöste, war das Budget für die Toilettenfrage endgültig gelöst und man fmg an, die Fahrpreise zu studieren. Mau hatte sich inzivischcn gcginigt, die Mehlspeise in der Kantine zu streichen und durch ein mitgenommenes Sttick Brot zuin Gemüse zu ersetzen. Das ergab ein Plus für die Reisetafsa, die es schon erlaubte, die Erwartungen höher zu schrauben. Dazu kam man überein, sich Geschenke zu den verschiedenen Anlässen in Geld geben zu lassen— Ostern und die beiden Geburtstage standen glücklichertveise noch bevor. Und so konnte man, als die Sonnenstrahlen die Kraft erlangten, den Schnee in Bäche und Tümpel zu verwandeln, bereits das Gefühl haben, durch Venedig zu wandern und beglückt zeigten sie einander den„Dogcnpalast", die„Mar- tuökirche" und die„Proluratien" an elenden, arg verivahrlosten Zinshäusern, machten einander begeistert auf den imposanten„Canalc grande" austnerksam— einer schmutzig schwärzliche» Wasserlache, auf der ein paar Gassenjungen Papicrschiffchen. schwimmen ließen. Am.Lido würden sie den Nachmittag verbringen, in ihren „eleganten Strandpyjanms" als die»begehrtesten Tänzerinnen der Gesellschaft"— obwohl sie vorläufig noch gar nicht tanzen konnten, aber das tvürde sich schon finden, ebenso wie die ,«eleganten Strandpyjamas"— darüber brauchte Frau der Welt gewesen sein soll. Ihr Körper- gewicht betrug zuletzt 165 Kilogramm. 30.000 Mark monatlich verputzt. In dem Befehl, den Hitler nach der Ermordung der SA- Führer herauSgegeben hat, ist auch von einer Beschuldigung die Rede, daß die SA-StabSstihrung in Berlin monatlich eine Niesensumme für Sauf- und Freßgelage ausgcgeben hat. Diese Summe betrug 30.000 Mark, daS sind fast 300.000 KL. Und die das Geld verbraucht haben, waren diejenigen. welche seinerzeit voi« einer sozialdemokratischen Bonzeiiwirtschaft gesprochen haben/ Wetterbericht, lieber dem europäischen Binnenlande befinde«« sich noch immer zahlreiche flache Lustdruckstörungen, die sehr unsicheres und vielfach bewölktes Wetter veranlassen. Der Wind ist im allgemeinen nur schwach und weht aus ungleichen Richtungen. Im Gebiete der Republik ist es gestern vorwiegend trocken gcbliebci«. Aus Frankreich, Südwestdeuschla««d und den Alpenländern, wo Mittwoch noch größere Hitze herrschte, werde«« jedoch erneut Gewitter gcincl- det, stellenweise mit zienilich beträchtlichen Abkühlungen. Eine wesentliche Acnderung der allgeincstten Wetterlage ist noch n i ch t zu erwarten-— Wahrscheinliches Wetter am Freitag: Stärkere lokale Unterschiede in der Bewölkung, verschiedentlich Gewitter, mäßig bis zienilich warm, Wind aus südwestlichen Richtungen.— WetterauSsich- te«r für Sams i ag: Wetterlage unsicher. man sich jetzt noch nicht den Kopf zu zerbrechen... Schließlich, eS war ja noch gar nicht sicher, ob man wirklich nach Venedig und a>» den Lido toolle, da n«an das Ganze nun eigentlich schoi« zur Geni'igc kenne-.'.. Verlockend ist ja nur das Reue... Reu aber wäre die D o l o- mitenstraße. Ja, das— das wäre lohnend. Man konnte im Auto fahren— die„Eiiit"- Gcscllschaft ist geradezu generös billig, steht in den Prospekten, und eine Fernsicht hat man von den Serpentinen, den Paßhöhci«...! Sie mußten wieder stehen bleiben dieses Karersec- Hotel und da vom Pasio Rollo aus— kann man sich Bezaubernderes denken, als den Anblick auf„San Martino di Castrozza"... Schon der Name— er schmolz auf der Zunge wie ett«— nun schon so lang entbehrtes— Bonbon—„San Martino bi Castrozza"— ein derber Kutschcrfluch riß sie in die Wirklichkeit zurück, beinahe wären sie übersahrci« worden! Nein» in den Bergen— ist es z u unsicher! So ein Auto — und diese schmalen Bergstraßen— wenn cä auSweichei« muh und stürzt solchen Patz hin« unter... Da- ist eS doch wirklich gescheiter, man sicht sich ein bißchen die große Welt an— daß man nachher erzähle«« kann, mit so unvergleichlich überlegener Miene...„als ich damals in Paris war..." Ja, Parisi Stadt deS Lichts, Stadt der Freude..1 Run hatten sie Gesprächsstoff für eine lange begnadete Zeit. Nun studierten sie abends alle ihnen erreichbaren Bücher über Paris, stellten daS Radio auf die französische Se««dung ein und lauschten ehrfurchtsvoll den Worten, voi« denen sie ilicht ein einziges verstanden, und tvenn sie einander am Bureauwcg trafen, da begrüßten sic sich mit unnachahmlicher stolzer und blasierte«« Geste«nit „Son jour, ma chire!" und aus ganz demselben Grunde trugen sie die bescheidenen Hüte in einem so scharfen Winkel geneigt, daß sie mit ihren niedlichen Kindergesichtchcn darunter geradezu grotesk wirkten. Sic aber fände«« sich„Pariserisch chic"! Paris bot so unendlich vieles, bot eigentlich alles, fanden sie. Paris wollten sic— wählen öder doch— zumindest in die engere Wahl ziehen. Denn schließlich, es war erst Mai... anfangs Mai— und warum solle man sich binden...? Man war schließlich erst ein bißchen im Süden und ein bißchen in« Westen gewissermaßen rekogiioszicren gewesen. Den Norden, den jetzt so in Mode gekommenen Norden— Schweden— Norwegen— Dänema.l, den hatte man noch gar nicht in« gcringstci« beachtet. Und da«värc doch gleich eine so mächtige Ersparnis in der A««srüstungüfrage— man braucht dort gar kein— Badckostüm... Schrecklich genannt eigentlich— aber schließlich, tvenn— niemand eines trug...?„Alles letzten Endes nur Modesache— Landcssitte..." Und sic redeten einander die Bedenken aus— die sie im Grunde gar nicht— hatten... Wenn sie also Schtvedcn«vählen— käme ja hauptsächlich nur die Reise— die Fahrtkosten in Betracht, da braucht man sich ja nicht gar so sehr alles zu versagen... Wie lange man schoi« in keiner Konditorei gewesen war und Kino— Kino existierte gar«richt für sie und«var doch so eine wichtige Vorstudie gewissermaßeu für ernstlich an die'Wahl einer Reise Schreitende! Bücher preisen ja jeden Ort an, aber da— in« Kino— in der Wochenschau, da sicht man sie wirklich die Gegenden und kann sich wählen, was am besten gefällt... Und so gingen sie ins Kino. Einmal— zweimal. Da lernten sic zivei junge Männer kennen, zivei Freunde auch. Nicht von jener Art, die immer in all ihren Ncisebilderi« irgendwie und dabei doch selbstverständlich eingewoben waren, nicht die soignicrten, stutzerhaft gekleideten Gestalten, die von der Leinwand auf sie sahen, sondern brave kleine Angestellte— wie sic selbst. Und ihn-«« iinpmiicrtcn sie gcN'gltig, als sie— die zwei kleinen Mädchen— mtt solcher Sicherheit die Städte- und Landschaftsbllder erklärten...»Die Damen— so jung.—und schon so viel geresst!..- Die jungen Hcxren sagten es sehr artig) ganz ohne Spott,' wirflich bewundernd.- Da zogen die zwei»Damen"«nit einem wunderbaren Gemisch von" Stolz, Würde und Blasiertheit die Lippe«« kraus und die Stirne hoch— ganz so, wie sie es für die imaginären vornehme«« Reisebekanntschaften einstudiert hatten... Und dann begannen sie den staunenden Jünglingen von den Wundern ihrer Sommcr- feriei« zu erzählen... Dian traf sich wieder, traf sich oft und machte schließlich gemei>«sa«ne SonntagSausslügc, auf tvelchcn ma« sich großartig unterhielt. Man getvann einander allmählich lieb. Und dann stellte es sich heraus, daß man just zu gleicher Zeit Urlaub habe... Schade, die Herren konnten sich weitere Ressen nicht leisten... Schade, aber eine Fußwanderung durch bei« Böhmerwald— das wäre freilich auch eine lang beschlossene Sache für sie.. schade... Da wurden der MarkuSplah und die ganze Lagunenstadt überhaupt— plötzlich dunkel von de>« Schwärmen von Moskitos, die Doloniiten hatte man ja gleich als viel zu gefährlich ersinnt, Paris,»die Stadt des Lichts und der Freude", bedeckte sich Mer und über mit sommerlichem Staub und sei«« berühmtes Pflaster glühjc vor Hitze— und Schweden—? Für Schweden gab cs nur ein Wort a««S ihrem Reise-Diktionär-. »Shocking!" Und cs war doppelt»smart"— weil man dabei zum letztenmale jene herrliche Geste machen koiuitc, die der großen vornehn«en Resse zugcdacht gewesen war... MWilt M WM Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch öffentliche Arbeiten Emc Broschüre de- Abgeordneten ReLas. Der tschechische sozialdemokratische Abgeordnete Jng. Jaromir N e 5 a S, der seine Aufmerl- samkeit seit Jahren dei« öffentlichen Arbeiten zuwendet, hat nun seine Auffassungen in einer ungefähr hundert Seiten starken lesenswerten Broschüre zusammengefaßt. Netas führt da aus. daß ohne größere öffentliche Arbeiten eine stärkere Belebung u««sereS Wirtschaftslebens nicht eintreten kann. Obzwar die industrielle und land» «virtschaftliche Produktion stets die Hauptpfeiler unsrer Wirtschaft bleiben werden, darf die Baubewegung und dürfen die öffentliche«« Arbeiten nicht auf ein Nebengeleise geschoben werden. Auch in andere«« Staaten dri««gt die Erkenntnis dec Notwendigkeit plamnäßiger, umfassender össent- licher Arbeiten zu Tage. So hat sich gerade jetzt das sparsame Frankreich entschlossen, zehn Milliarden Franken zur Ausführung öffentlicher Arbeiten zu widmen. Man nmß schärfitenü Stellung nehme» gegen den Irrtum, daß die den öffentlichen Arbeiten gewidmeten Mittel das Kapital abschöpfen, welches zur Belebung der übrigen Produktion notwendig ist. Die für die öffentlichen Arbeiten aufgclvandtci« Mittel zirkulieren in dec Volkswirtschaft weiter und beleben auch den privaten Sektor der Wirtschaft. Die tsryccho- slowakische Republik ist, was den Umfang öffentlicher Investitionen betrifft, hinter anderen Staate«« zurück und deshalb müsse«« gerade auf diesem Gebiete die größten Anstrcngu>«gen gemacht werden. Neöas schlägt für die Jahre 1931 und lv35 l'esti»«mte öffentliche Arbeiten vor, so daß man seine Schrift als ein JnvestitionSprogralnn« betrachten kann.— Das Büchlein verdien« die ernsteste Beachtung. Internationale Reifenden-Konferenz' An« 10. Juli 1934 fand ii« Brüssel eine Konferenz der Fachgruppe der Geschäftsreisenden im Internationalen Bund der Privatangestellten stakt. Tic Tagnng, geleitet voin Vorsitzenden der Fachgruppe Gen. P a c o v s I y, sprach gleich anfangs der Verhandlungen die Hoffnung auö, daß die fehlenden reichsdeutschcn nnd österreichischen Geschäftsreisenden bald«vieder ans internationale«« Beratungen als Vertreter srcigewerk- schaftlicher Organisationen teilnchmen weiden. Der Bericht des stellvertretenden SclrctärS Gen. S p i e k m a n n über die Tätigkeit der Fachgruppe tvurdc zur Kenntnis gcnoniinen. Das Referat über die„Organisierung de«, Geschäftsreisenden in den angeschlosseneii Ländern auf gewerkschaftlicher Grundlage" erstattete Gen. Jacobsen, Ivobei e«- den Grundsatz heraus- arbeitete, daß cs zweckmäßig sei, die G e- schäftsre«senden in besonder- rcn Fachgruppen der allgemeinen Ange-- ftelltcnverbände organisatorisch zu erfassen. In. der Debatte wurde dieser Grundsatz anerkannt.„ „Die rechtliche Lage der P r o v i s i o n s-' Vertreter mit Rücksicht auf die sozialpoli-'. tische Gesetzgebung in den einzelnen Ländern"' behandelte Gen. P a c o v s k y, ebenso—„Inter-; nationale Wirtschaft und Geschäftsreisende". In•* dem ersten Referate schilderte er das schwierige Problem der rechtliche» Stellung des Provisionsvertreters und besprach die Forderungen, die zu erfüllen sind, um dem Provisionsvertreter den notwendigen Schutz angedcihen zu lassen.. An der Konferenz nahmen Vertreter der Geschäftsreisenden-Organisationen folgender Länder teil: Belgien, Dänemark, Niederlande, England, Jugofläwien, Tschechoslowakei, ferner der Vorsitzende des Internationalen Privatangestell- tenbundcs Hallsworih(England) und für das Internationale Arbeitsamt Herr Boisniei^ Sonnentage, Ferientage... Bon Lotte Sassower. ®dte« „Sozialdemokrat" yrrttoft. 18. Juli 1834. Nr. IM Mischehen in der Tschechoslowakei Menn Wir von„M i s ch e h e n" sprechen, so haben wir heute vor allen: dreierlei Durchbrechungen soziologischer Abgrenzungen im Auge. Bor allem die eheliche Vermischung der weihen mit den verschiedenen farbigenRassen, ferner die Mischung zwischen einzelnen n a t i o» nalen Gemeinschaften uiü> endlich die ehelichen Verbindungen zivischeu verschiedenen Religionsbekenntnissen. Für europäische Berhältuisse kommen nur die beiden letztgenannte» Gruppen in Betracht. Der Irrsinn de» Rassenwahns, der vorübergehend sich in Form deü Hitlertunw etablieren konnte, hat darüber hinaus noch ein« Scheidung zwischen der angeblichen„n o r- d i s ch e n H e r r e n r a s s e" rind den übrigen niinderwertigen„Rassen" entdecken Ivollcil. Die Geschichte wird über die bestialische Praxis dieser „Herrenmenschen" nicht anders urteilen, als di« objektive Wissenschaft über deren„Rassetheorien" beute schon urteilt, nämlich mit dem bedauernden Achselzucken, das Tollhäuslern gebührt. Als soziologisches Faktum bleibt jedenfalls für die heutige europäische Menschheit die Gliederung in nationale und religiöse Gemeinschaften bestehen, in Nationen und Konfessionen, die, wie alle anderer: sozialen Assoziationen den gesellschaftlichen Entwicklungsgesetzen unterliegen. Einen interessanten Beitrag zum Problem der nationalen Scheidung und Mischung bietet für unser Staatsgebiet ein Artikel des Dr. F. Fajfr im„Statistiekss O b z o r"(Heft 1—8;„Närodni miöent v Eesko- sloveisskö republice"). Religiöse Mischehen in rapidem Aufstieg. Ueberblicken wir an Hand der gebotenen Statistik die Entwicklung von 1921 bis 198V, so fällt bei sänUlichen Religionsbekenntnissen der rapide Anstieg der Mischehen auf. Bei den Katholiken waren 1921 noch 85.08 vom Hundert beiderseits katholische Ehen, 1989 nurmehr 72.78; beim tfchechoslowakt- schrn Glaubensbekenntnis fällt der analoge Prozentsatz von 90.21 auf 78.36; bei den Konfessionslosen von 75.68 auf 46.66; bei den Juden von 93.58 auf 90.38; bei den„Böhmischen Brüdern" von 80.60 auf 68.71. Ein beredtes Zeichen dafür, dah die innere Bindekraft und damit das SlbschliehungSbedürfntS nach auhen bei den religiösen Gemeinschaften in raschem Tempo verfällt. Umso bemerkenswerter ist dieser Entwicklungsverlauf, wenn man in Betracht zieht, dah noch vor wenigen Jahrzehnten die religiöse Scheidung die Hauptrolle spielte, gar nicht zu reden von der rein konfessionell gerichteten Heiratspolitik deS Adels und des Patriziates in früheren Zeiten. Nationale Mischehen. Ein ganz anderes Bild bietet die Statistik der nationalen Mischehen. Dr. Fajfr drückt deren Verhältnis zu der Zahl der nationalen Gleich» e h e n mit dem Sah aus, dah zwischen den Nationen der Tschechoslowakei bei der EheanSwahl eine gleiche Frimdheit und Abgeschlossenheit besteht, wie zwi» s ch en Meißen und Regern." Tatsächlich entfallen bei den Sudetendeut« s ch e n nur 7.25 Prozent aller abgeschlossenen Ehen auf Mischheiraten mit anderen VolkSzugehöri- gen, bei den.Tschechoslowaken" 8.25 Prozent, was ungefähr dem MischungSprozent- satz der amerikanischen Meißen und Neger entspricht. Hier ist allerdings, neben der Schwierigkeit, die die Ueberführung des Ehepartners in ein fremdes sprachliches Milieu notwendig mit sich bringt, noch der soziale Unterschied in Betracht zu ziehen, der z. B. zwischen dem deutschen Gebirgsbauern der Randgebiete und seinem tschechischen Landsmann in der fruchtbaren Ebene besieht und schon auS rein ökonomischen Gründen eine Trennungsmauer zieht. Für Rassenfanatiker, die in dem relativ gerin gen MischungSgrad zwischen Deutschen und Tschechen irgendeine mysteriöse Stimme deS„deutschen BluteS" sehen sollten, muß sofort beigefügt werden, daß gerade die Deutschen in der Slowakei weitaus am meisten von allen Rationen der Mischung ausgesetzt sind, denn der Prozentsatz der Mischheiraten beträgt bei ihnen 25.25 P r o z e n t, mit welchem Prozentsatz sie weitaus an der Spitze stehen. Ein Beweis, wie sehr kulturelle uud wirtschaftliche Faktoren bei diesem Problem im Vordergrund stehen. Die Rassenfanatiker werden auch zur Kenntnis nehmen müssen, daß das Prinzip der„E r h a l t u n g des reinen B l u t e s" am meisten zur Auswirkung kmnmt bei den Zigeunern, karpathorussischen Juden und Rumänen der äußersten Ost« Die Deutsche MinderheitSbücherei bleibt bis einschließlich 21. Juli, geschlossen. Vom 23. Juli ab tvird wieder normal amtiert. Gcrlchtssaal Die vor dem Aedett-sericht Oberkellner klagt auf 26.500 AL.— Er mußte auS feiner Tasche Personal bezahlen.— Herr Julit erklärt: Kläger war„nur eine Art Taglöhner«. Prag, 12. Juli. Bor dem Arbeitsgericht deS GR. DolejS wurde wieder einmal ein Prozeß verhandelt, der die Freuden des KcllnerberufeS im grellsten Lichte zeigt. Dieser Fall beleuchtet die Existenzverhältniffe der Proletarier im Frack aufü eindringlichste, wobei zu bemerken ist, daß eS sich hier um einen nach außen glänzend erscheinenden Posten handelt. Der ehemalige Zählkellner der Bar ,Ls n l i ö" auf dem MenzelSplatz, ein gewisser A. T. klagt den Herrn Chef auf Rückzahlung von KL 26.590. Kläger tvar seit 1926 in dem Lokal beschäftigt, zunächst regelrecht nach dem Kollektivvertrag. Eines Tages aber erschien der Bardirektor C e p e k und verlangte von dem Oberkellner Verzicht auf die vertragliche Bindung nach dem Kollektivabkomnien und Abschluß eines„individuellen Ber« träges", durch welchen derKläger nicht nur auf jede fixe Entlohnung verzichten, sondern die Verpflichtung übernehme« mußte, de« Barman« auS feiner Tasche wöchentlich 200 Ai Loh« z« zahle«. AuS Angst vor dem Verlust der Stellung fügte sich der Oberkellner und unterschrieb das Abkommen, das er in weiterer Folge auch pünktlich einhielt und so im Laufe der Jahre 26.509 XL auszählte. Als der Umbau der Bar im Jahre 1981 in Angriff genommen wurde, erhielt T. die Kündigung, mit der Zusage, nach Wiedereröffnung wieder eingestellt zu werden. Das geschah auch, aber kurz nachher wurde er endgültig gekündigt und zwar, trotz seiner acht Dienstjahre nur mit achttägiger Kündigungsfrist, obwohl er Anspruch auf einmonatige Kündigung hatte. T. Nagt« beim Arbeitsgericht einmal auf Einhaltung der vierwöchigen Kündigungsfrist und zweitens auf Rückzahlung jener 26.500 Xi unter Berufung darauf, daß ihm die Zustimmung zu diesem Abkommen nur durch die Furcht vor dem Existenzverlust abgenötigt wurde, und daß daS Abkomme« seiner Natur nach gegen die guten Sitte« im Sinne des ABGB. verstoße und «ach den Beftimmungeu des Gesetzes nichtig sei. Herr Julis, der als Zeuge erschienen war, bestritt, von diesem Vertrag überhaupt etwas gewußt zu haben:„Halten Sie sich an den Cepek, mich geht gebiete, obwohl sich sonst gerade im Osten die nationale Vermischung am durchgreifendsten vollzieht. Auf der anderen Seite geschieht die Mischung der T s ch e ch en und Slowaken mit den Magyaren in unvergleichlich größerem Umfang als mit den„blutsverwandten" Russen des KarpäthenlandeS. Mit Recht sagt Dr. Fajfr: „Der Kultur- und Besitzfaktor kreuzt sich hier mit dem nationalen Interesse." Und nicht minder wird man dem Antor Recht geben müssen, wenn er u. a. zum Schluß zusammenfassend konstatiert: „Da» höhere Kultnr- und Besitznivean unterstützt die nationale Bermtschung und überwindet die nationale Verschiedenheit, auch wen« diese sprachlich«ad politisch recht tief greift. Ein niederes Niveau isoliert die Nation»ad unterstützt in ihr die Endogamie(Ehe nur unter StammeS- gleichen)." Dr. Bg. die Sache nichts an.—l"(Direktor Cepek ist natürlich längst nicht niehr bei Julis angestellt.) Nun hat sich aber dieser Direktor seinerzeit selbst darauf berufen, im Auftrage des Chefs zu handeln.— Wer das Arbeitsgericht zu besuchen Pflegt, weiß, daß derartige Direktoren, von deren Haiwlungen der Chef„keine Ahnung hatte", zu den stereotypen Figuren in derartigen Prozessen gehören. Herr Juliö leistete sich noch einen bezeichnenden Ausspruch, indem er dem Kläger, der acht Jahre bei ihm als Zählkellner gearbeitet hat als „bloßen I n k a s s i st e n" erklärte,„dessen Arbeit jeder Taglöhner versehen könne!"— Rach längeren Auseinandersetzungen kam eS zu einem für den Kläger sehr mageren Vergleich, indem er für die Kündigungsfrist 2.600 XL annahm. Denn die Erörterung über die Richtigkeit deS famosen„JndividuawertrageS" hätte das Signal zu einem langen, langen Prozeß gegeben, dessen Ende abzuwarten, dem Kläger seine Mittel nicht erlauben. Aus der Partei D. I. Prag. Sonntag Kreiswandcrung. Zusammentreffen 8 Uhr Endstation Hlupoiepy. Rote Falken, Prag. Achtung I Das Hirschberger Lager beginnt von der Dauer von 14 Tage». Abfahrt von Prag Wilsonbahnhof 7 Uhr früh den 16. Juli. Ankunft den 28. Juli 6 Uhr abends Wilsonbahnhof. Beitrag inklusive Fahrt 150 ft!. Seid pünktlich! Freundschaft! Vcrclnsnofflrlffitcn BadrauSflug. Sonntag früh zum bekannten Ort bei Radotin. jMk Abmarsch pünktlich 7 Uhr früh ab Endstation der Linie 5 in Hlu- bokepy. Bahnfahrer gehen von Radotin flußabwärts. Günstige ' Züge ab Smichov 8.10 und 8.40 PBAO Uhr. XffiK Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 15. Juli, um halb 8 Uhr am Bysokaner Bahnhof. Fahrt nach Mköice. VggggSy Badetour an die Elbe. Bei ungünstigen: Wetter Wanderung nach Elbe-Kosteletz, Brandeis und Alt-Bunzlau. Führer Kapuschinski.— Arbeiter-Olympiade. Wir danken aus diesem Wege allen Genossen, die sich während der Olympiade zur Verfügung gestellt haben, für ihre Opferbereitschaft und für das Entgegenkommen, das sie während der Führung unseren Gästen erwiesen haben. Braun« IMie Wir sind Gefangene der Weltgeschichte und toiffen alle nicht, loaS aus uns wird. Wer glaubt, er habe eS geschafft, der irrt/ Sein stolzer Traum geht meist sehr schnell zunichte Oft glimmen hinterrücks geheime Lunten, Was gestern oben war, liegt heute unten. Zwar ist die Treue noch daS Mark der Ehre, wenn man dem deutschen Rundfunk glauben darf. Rur weiß man nicht, seit Hagen Siegfried warf: AuS welcher Richtung drohen wohl die Speere? Man hat geworfen, und nun ahnt man stumm; Jetzt geht das Spiel erst einmal andersrum. Zu Neujahr hat ei« Freund dem Freund geschrieben: — Mein lieber Ernst, Du bist ein Stück von mir. Ich teile alles, was ich bin, mit Dir. Ich Werde Dich, mein Bester, immer Lebe»! Sei stark und stolz. Dein Tag fei warm und heiter. Und mache froh, wie Du gemacht hast, weiter.— Dann ist der Freund ein feiner Mann geworden. Nun war sein Ernst ihm nicht mehr gut genug, weil er Eie alte Hose weiter trug. Drum ließ er ihn mit kaltem Blut ermorden. -Dann schrie der Pharisäer in die Welt: — Seht, wie ein Kerl wie ich auf ReiNhett hält!— Die Welt ist schlimm. Nicht mal das Kinderkriegen lohnt heute noch. Das Leben ist eia Dreck. Dir rutscht der Sessel unten» Hintern weg. Was hat es da für einen Zweck, zu siegen? Was gestern warm war, ist schon heute kalt. Wer die Gewalt liebt, stirbt durch die Gewalt. Man weiß sich kaum mehr richtig einzurichten. Noch neulich war man al» Kumpan chargiert, und jetzt ist nmn schon tot und liquidiert. Da möchte man am liebsten ganz verzichten. Denn, statt das Leben herrisch zu genießen, fragt man:— Wer wird wohl morgen wen erschießen?— Der Rote Hans. „Blumen-gauberdung", das Blütenwunder Blumen an allen FensternI Welche Freude für den Besitzer wie für den Beschauer! Wenn Sie Ihr« grünen Lieblinge kräftigen und zu reichem Blühm bringen wollen, verwmden Sie„Blumen-Zauber- dung", ein erprobtes, billiges Düngemittel, ein wahrer Wundertrank für Ihre Blumen. Jetzt müssen Sie mit dem Dungguß beginnen! Bestellen Sie sofort ein Paket bet der nachstehend angegebenen Adresse und legen Sie dm Betrag von AL 5.60 in Briefmarken bei. Alle Bestellungm richtm Sie an die Verwaltung„Die Unznfriedene", Prag XII., Fochova tk. 62. 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Sie bekam dadurch einen Buckel wie das Kamel. Bei Sonnenuntergang, wenn der Bosporus lvie vergoldete Luft schimmerte, die breiten Panzerschiffe und schmalen Kähne in seine purpurgrünen Feuer tauchten, über dem goldenen Horn der Bucht die silberne Sichel des Mondes ausstieg, die Autohupen in der Ferne wie Vögel sangen, kamen die braunen Kinder, kleine Türken, Armenier, Griechen und noch andere»nd setzten sich unter die Palme. Ein Junge lvar da. Ich glaube, er war ein Dichter. Wenn die Sonne unterging, fing er an, Märchen zu erzählen. Mit einer solchen Leidenschaft, daß die Kinder sich eine ganze Stunde und noch länger nicht rührten. Sogar die alt«, dicke Griechin blieb stehen mit ihrem Abfalllübel und lauschte. Mich quält« die Neugierde so stark, daß ich eines Tages die kleine Griechin auf der Treppe anhielt, und während ich sie durch einen Apfel und zwei Nüsse zu mir lockte, von ihr zu erfahren suchte, was dieser Junge eigentlich erzählte. Amine war ein schweigsames Kind; gar nicht wie sonst die kleinen Griechinnen zu sein pflegen. Trotzdem antwortete sie mir, gleichzeitig eine Nuß in die Tasche und eine andere in den Mund steckend. Er erzählte etwas— von Menschen, von Autos, von einem Geist, von einer Prinzessin. —„und lvo wohnte er früher?"—„In einer Garage bei e,inem Hotel."—„Das ist ja nicht möglich!"—„Bon wem sprechen Sie denn?" brachte Amine verächtlich hervor.—„Bon dem Geist."—„Ach so! Der Geist. Ja, der lebte in einem Bottisch mit Oliven. Aber Tante Eustasia ruft mich." Und Amine war verschlvunden. Ich konnte mir vorstellen, lvaS für ein Wirr- tvarr von Geistern, Oliven, Autos und Prinzessinnen in den Köpfen dieser Kinder lebte und fragte nicht mehr. In B e r l i n war der Hof auch eng, aber glatt und rein wie eine Manschette. Eine außer- gewöhnlich korrekte Pappel entwuchs genau seinem Mittelpunkt. Sie war sehr sauber, weil sie jeden Tag mit einem Schlauch begossen wurde. Bon allen vier Seiten gingen die Fenster eines sechsstöckigen Hauses auf den Hof hinaus. Hinter pein- lich geputzten Fenstern reihten sich in mathemati scher Ordnung Schlafzimmer, Empfangszimmer, Badezimmer, Toiletten und Küchen. Alle Wohnungen waren in derselben Art gebaut. Biele Kinder gab es dort nicht. Aber einige waren doch da, sie spielten„Mutter und Kind" und besuchten einander.—„(Hüten Morgen, Frau Gertrud," sagte das eine Mädel und setzte ihre Puppe nieder.„Wie geht es Ihnen? Wie lerne» die Kinder?"—„Danke bestens, Frau Mathilde, ganz gut. Mein Fritz ist ein schrecklicher Lümmel. Er hat im vorigen Monat einen Handschuh verloren ... Bitte, bitte, greifen Sie nur zu! Was sagen Sie zu der Teuerung jetzt?" Und der graue Berliner Himmel zog über die Häuser hin... In Paris war der Hof kein,Hof, sondern eine viereckige Schachtel. Es wuchs dort überhaupt nichts. Abends kamen so gräßliche Ratten heraus, daß selbst den mutigsten Katzen bange tvurde. Frühmorgens war vor jeder Türe eine Flasche Milch, ein langer Wecken und Zeitungen. Die Benennung der Zeitung Ivar verschieden, je nach den Anschauungen der Belvohner. Kinder spielten hier nicht, als dem einfachen Grunde, weil es im ganzen Haus kein einziges Küü> gab. Aber eines Tages verbreitete sich eine Alarmnachricht: die Portiersfrau hat ein Kind bekommen! Ein paar Tage später brachte die Mutter ein längliches Paket in den Rattenhof. Aus allen Fenstern schauten die kinderlosen Frauen und be- gucktcn die runzeligen Händchen und das winzige Näschen. „Schaut, ein Kind," sagten sie.„Ein Bub! Nein, so was!" Ein Männerkopf mit einer Pfeife im Mund beugte sich zu einem Fenster heraus.—„Ein Kind?" brachte die Pfeife hervor.„Ein Bub! Nein, so was!" In dem weiten Hof von Odessa,, von dem auS man den freien Ausblick zum Meer hat, spielten unter Akazien- und Ahornbäumen dicht unter meinem Fenster Kinder„Eugen Onegin". Die schweren Jahre des Krieges und der Nachkriegszeit spiegelten sich irgendwie in den Gehirnen der Kinder. Dementsprechend erlitt auch das unsterbliche Werk Puschkins bedeutende Aenderungen. Da alle vier Kinder Mädchen waren, hatte Onegin einen rötlichen Zopf, sogar zwei, und sein Rivale Lenski hatte einen Bubikopf mit einer Schleife. „Wie kommt es, daß bei Euch der Onegin Schächtelchen sammelt?" fragte ich meine Tochter, die den Lenski spielte. Sie wurde verlegen.„Sie tvohnen doch mit ihrer geliebten Tatjana in der Gartenlaube. Run, und da müssen sic doch irgendeine Arbeit haben."—„Und was arbeiten sie?" —„Nun, sie haben sich eben ein« Apotheke gemocht und sind Apotheker." So waren die Kinder vor ein paar Jahren. Jetzt sind schon andere Kinder geboren, ganz andere. Bon diesen Kindern muß man.in Aorten schreiben, die vielleicht noch nicht gefunden sind. Aus dem Russischen übertragen von Raja K«r z m a n n. 9°bedingungen: Bei Zustellung MS H-uo oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—, vierteljährig XL 48.—. halbtährtg XL 96.—. ganzjähng XL 192.—.- Inserate we-d-n laut Tarts vmigst berechnet. Bet öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.—•• Rückstellung von Manistripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Leitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphen- dlrektton mit krlaß Rr. 18.800/VH/1980 bewilligt.— Druckerei: ,Orbis". Druck-. Verlags- und ZeiMngS-A.-G., Prag.