14. Jahrgang Samstag, 14. IM 1934 Nr. 162 Hitler vor dem„Reichstag“: Mit Phrasen Ober den Blutstrom Keine Pcditicrtlgung der blutigen Tal— Papen nicht In der Sitzung nddisltanzlcr und ncidismlnistcr als LQgncr „Das Ergebnis der eineinhalb Jahre nationalsozialistischer Regierung liegt deutlich und klar vor uns. Es lann in sei« ner Bedeutung gar nicht gemessen werden durch Vergleiche mit den Zuständen, welche wir an« 80. Jänner 1083 vorfanden. Nein, wer gerecht sein will, was gekommen wäre, wenn wir nicht gesiegt hätten." Hitler am 18. Juli 1084. Prag, 13. Juli. Am 30. Januar 1988 hat ein Reichspräsident, der einem mittlerweile Gemordeten das Ehrenwort gab, den„böhmischen Gefreiten" nie an die Macht zu lassen, Hitler zum Reichskanzler gemacht. Nur wenige Monate nach dem Mord vom Potempa kam der Mann an die Spitze des Reichs, der feige Meuchelmörder seiner brüderlichen Liebe versicherte und was in den an« derthalb Jahren seiner Herrschaft in Deutschland geschah, kann in seiner Bedeutung tatsächlich nicht gemessen werden durch Vergleiche mit den früheren Zuständen. ES versagen all« Matzstäb«, die zivilisierten Menschen zur Verfügung stehen. Wer wagt eS, Herrn Hitler dies abzustreiten? Der blutige Kanzler hat nur angedeutct, was nach seiner Meinung gekommen wäre, wenn er nicht das Staatsruder ergriffen hätte. Was immer er darüber denkt: es kann sich nur um Hypothesen handeln, die eines schlechten Agitators, nicht aber eines Kanzlers würdig sind. Um ganz gerecht zu sein, mutz nm» sagen, was nicht gekommen wäre: dem armen Deutschland tväre die Schande erspart geblieben, diesen Mann als Kanzler zu ertragen, der vor der Geschichte und der Menschheit die Aufgabe zu erfüllen gehabt hätte, einen entsetzlichen Massenmord aufzuklären und zu rechtfertigen und es nur zu einem neuen Schuldbekenntnis brachte. Angesichts der Zustände, zu denen es die Tätigkeit Hitlers in den anderthalb Jahren gebracht hat, steht eS dem Mann schlecht an, die Pareien der Weimarer Republik zu schmähen. Denn er hat Deutschland wirtschaftlich und politisch an den Rand des Abgrundes gebracht und jene moralische Versumpfung verschuldet, in der Männer wie Röhm und Heines Ehrenstellen beneiden durften und ein Reichskanzler sich vor dem versammelten Reichstag über die widernatürliche Veranlagung der. von ihm gemordeten und früher immer gedeckten Freunde verbreiten darf, ohne datz er angesichts seineSAdjutanten und Stellvertreters Hetz schamrot wird. - Es ist bcmerkcnstvert, datz Hitler vor dem versammelten Reichstag seinen Goebbels der Lüge zeiht. Der hat erst vor wenigen Tagen behauptet, datz die Zahl der Toten SO noch nicht erreicht. Heute gab Hitler schon beträchtlich mehr zu. Die Glaubwürdigkeit der Reichsregierung ist schon durch diese einander widersprechenden Angaben stark in Frage gestellt,»och mehr aber durch die Tatsache, datz Hitler noch viel plumpere Lügen nicht verschmäht. So erzählt er davon, datz der Obergruppenführer E r n sb in Berlin geblieben sei und alles vorbereitet habe, während doch selbst die amtlichen Stellen gemeldet hatten, Ernst sei in Bremen verhaftet worden, als er.eine Urlaubsreise habe««treten wollte. Mit keinem Wort geht Hitler auf seine Reise nach Wiessce ein: sie hat nie stattgefunden. In diesem Punkte hat tvieder Goebbels gelogen. Hitler hat einige bisher nicht bekannte Angaben über die„Revolte" gemacht, die mit anderen. in Widerspruch stehen. So z. B. mit der Meldung, datz man die SA-Führer schlafend, angetroffen habe. Datz sich einige, der Verhaftung widersetzten, hörte man heute, zum ersten Male.- Aas aber Hitler auch an Material zusammengetragen und mit sich vor Hysterie überschlagender Stimme vorgctragen hat: es ist ihm nicht gelungen, die-Kulturmenschheit von der Rechtmä« tzigkeit seines Vorgehens zu überzeugen; seine blutige Tat nimmt sich vor der Kulisse dieses Reichstages noch entsetzlicher und unfatzbarer aus als in den Stunden, da sie bekannt wurde. Selbst wenn Hitler das Genie tväre, für das er sich hält, könnte er der Welt nicht begreiflich machen, datz über Tod und Leben seiner Untergebenen nur sein Wille entscheidet und datz sein Befehl zum Töten der Erklärung und Rechtfer- tiguna nicht bedarf. Das war nicht die Rede eines verantwortunaSbewutzten Staatsmannes, sondern eines gefährlichen Psychopathen, dessen Zustand um so schauerlicher wirkt, als 600 Volksvertreter seine Aeutzerunaen begeistert begrützen. Hitler berief sich auf das Vertrauen des Reichspräsidenten, dem er interessanterweise nachsagte, er sei ein E h r e n m a n n. Aber der Vize- Berlin» 13. Juli. Der Reichskanzler Adolf Hitler hielt am 13. Juli im Reichstag eine Rede, in der er u. a. ausführte: Aus einer Sumine sachlicher Ursachen und persönlicher Schuld, ans menschlicher Unzulänglichkeit und menschlichen Fehlern entstand für unser junges Reich eine Krise, die nur zu leicht von wahrhaft vernichtenden Folgen für eine absehbare Zukunft' hätte werden können. Ihre Entstehung und Ueber- windung vor ihnen und dmnit vor der Nation klarzulegen, ist der Zweck meiner Ausführungen. Ihr Inhalt wird ein rückhaltlos offener sein. Rur im Umfange muß ich mir Beschränkungen auferlrgen, die-bedingt find» einerseits durch die Rückstcht drS Reiches, andererseits durch die Grenze«, die durch das Gefühl der Schande ge> zegrn werden. Epistel über die„vierzehn Jahre“ Als mich an« 30. Jänner Generalfeldmarschall und Reichspräsident von Hindenburg mit der Führung der neugebildeten deutschen Regierung beauftragte, übernahm die Stationalsozialistische Partei einen Staat, bet politisch und wirtschaftlich in« vollen Verfall begriffen war. Alle politischen Kräfte des überwundene» frühere«« Zustandes hatten an diesem Verfall ihren Anteil und damit ihre Schuld. Seit der Abdankung des Kaisers und der deutschen Fürsten war das deutsche Volk den Männern ausgeliefert, die als Repräsentanten unserer vergangenen Parteienwelt diesen Zerfall entweder be- w u tz t herbeigeführt oder schwächlich geduldet hatten. Angefangen bei den marxistischen Revolutionären über das Zentrum hinweg bis zum bürgerlichen Nationalismus konnten alle Parteien und ihre Führer die Fähigkeit, Deutschland zu regieren, unter Beweis stellen. Endlose Koalitionen gestatteten ihnen- sowohl ihre politischen Künste, wie ihr-wirtschaftliches Können zu-erproben." Sie alle haben schmählich versagt. Der 80.. Jänner war daher auch nicht der Akt der Uebernahme einer Regierung aus den Händen einer anderen-Regierung, sondern die von der Ration, ersehnte endgültige Liquidation eines unerträglichen Zustandes. Es ist niemand in Deutschland, der der nationalsozialistischen Bewegung' vielleicht den Borwurf machen kanzlcr, der dies Vertrauen nicht minder besitzt, fehlte auf der Regicrungsbank. Nock ist eö nicht möglich, aus dieser Tatsache die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Dies aber lässt sich saaen: durch die Sitzuna des Reichstags und die Rede Hitlers wurde der Abscheu der Welt gegen, die nationalsozialistische Barbarei nur»och verstärkt. Die„Liebe" des Volkes zu diese»« Kanzler wurde durch die Bajonette snmbolisicrt, die seinen Wca in den Reichstag dicht»»««gaben. Auf Bajonetten sitzt man nicht feit, auch dann nickt, wenn secksbundert Verängstigte oder Besessene die Spitzen mit ihrem Beifall lvattieren. Ein Deutschland,,., das diesen Kanzler noch weiter erträgt, mutz zngrnndegebn. Wir zlveifcln nickt daran, datz es fick als stärker erlvrisen wird denn sein blutiger Wahnsinn. könnte, datz sie hoffnungsvollen politische«« Kräften den Weg versperrt oder auch nur abgeschnitten hätte. Tas Schicksal hat unser Volk aus unerforscht lichen Gründen verdammt, 15 Jahre lang als Ex- perimentierfcld und zugleich Veruchskaninchen für diese Politiker zu dienen. Es mag für die Unwelt — insbesondere für die uns übelwollende— interessant und erfreulich gelvesen sein, diese Experimente zu Verfölgen, für daS deutsche Volk waren sie aber ebenso schmerzlich wie demütigend. Man blicke doch zurück in diese Zeit und lasse an seinem Auge alle jenen Erscheinungki« vorbeizirhrn, die fich alS Kanzler drS Reiches nacheinander ablöfte«. Wir Itationalsozialei« haben- ein Recht, es uns zu verbieten, in diese Linie eingereiht zu werde». An« 80. Jänner 1033 ist nicht zum so und so vielten Male eine neue Regierung gebildet worden, sondern ein neues Regiment hat ein altes und krankes Zeitalter beseitigt. Dieser geschichtliche Akt der Liquidierung deS hinter uns liegenden traurigsten Lebensabschnittes unserer Nation wurde vom deutschen Volke selbst legalisiert. Und wir haben nichts als Usurpatoren, so wie die Männer des November 1018, von der Macht Besitz ergriffen, sondern nach Recht und Gesetz die Macht erhalten. Wir haben nicht als Wurzel» lofe Anarchisten eine Revolution gemacht, sondern als Vollstrecker deS Willens der Nation das Regime einer Revolte beseitigt. Und wir Haden die Aufgabe nicht darin gesehen, uns die Macht durch die Bajonette zu sichern, sonder« im Herzen unseres BolkeS zu finden und zu verankern(!) Wir aber haben eS gewagt, den Kampf gegen die Erscheinungen des Verfalls auf allen Gebiete«« aufzunehmen. Aus sorgenschweren Tagen und Nächten fanden wir immer wieder di« Kraft zu neuen Entschlüssen. Alle MaBstMbe versagen Denn was auch immer. unsere Gegner im Einzelnen herumnörgeli« mögen, selbst fle können nicht testreite«, daß. wir vor den Probleme« nicht kapituliert Haden, sondern, daß wir fie stet» mutig z« lösen versuchte« und.in zahllose« Fäl le« gelöst Haie«. DaS Ergebnis, der eineinhalb .(Fortsetzung auf Seite 2.)] Bauern- und Konsumentenschutz Zur Einführung des Getreidemonopols In einer der wichtigsten wirtschaftlichen Fragen» die die Regierung noch vor Eintritt der Ferien zu erledigen Hatto, ist eS zu einen« Kom- promitz gekommen. Die nächstjährige Getreidewirtschaft, von der die Existenz von Hunderttau- senden Landwirten und von Millionen Konsu- «nentcn in der Tschechoslowakischen Republik ab- hängt, wird die Form eines Getreide- monopolcs haben. Die Frage der Getreidewirtschaft>«nd der Getrcidepreisc hat mich schon in früheren Jahren eine bedeutsame Rolle gespielt. Zu Beginn des Weltkrieges wurden die Gctreidczöllc, welche die Preise des Getreides r«nd damit auch des MehleS und des Brotes weit über die Weltmarktpreise hinmis gesteigert haben, a u f g c- hoben. Auch nach den« Ende deS Weltkrieges blieben durch fast sieben Jahre die Gctrcidezölle aufgehoben. Erst als einige Jahre nach dein Kriege die Getreidepreise auf dein Weltmarkt z«« sinken begannen und der Ruf der Agrarier nach Getreidezöllen immer lauter wurde, kam eS im Jahre 1928 zur Einführung von gleiten- d e n Z ö l l o n, einem Konipromitz zwischen den Agrariern und den Sozialisten, wodlirch der Schtltz der Bauern vor allzu niedrige«« Preisen verbunden wurde mit dem Schutz der Konsu- nientci« vor allzu hohen Preisen. Dies wurde dadurch erzielt, datz mit steigenden Getreidepreisen die Zölle sankcn und mit fallenden Ge- trcidrpreisen die Zölle stiegen. Als dann die So- zialistcn aus der Regierung auStratcn, kam es zur Gosctzwcrdung von s e st o«« Z ö l l e n, was für die Konsumenten ein schivercr Schaden ge- wesen ist. Nach der Niederlage des BürgerblockeS trat dann neuerlich eine Koalition von Agrariern und Sozialisten die Negierung an und so wurden im Jahre 1930 abermals gleitende Zölle eingofiihrt. Seither haben sich die Verhältnisse in der Landwirtschaft neuerlich geändert. Im Jahre 1929 erfolgte ein Zusammenbruch der Getreide- preise auf dem Weltmärkte und 1930 sanken die Getrcidepreisc sogar unter de>« Stand des Jahres 1914. Jin Durchschnitt des Erntcjahrcs 1920(27 kosteten 100 Kilogramm Weizen rund 240 Ke, im Sommer 1933 aber rund 150 l stoßend. ES konnte nicht übersehen werden, daß gerade in diesen»reisen drS mangelnden praktische» NntionalsizialiSmuS neue Revolutionsforderungen verschleiert wurden. wurzelt, sind und damit jede Beziehung zu einer geregelten gesellschaftlichen Ordnung verloren haben. Dies seien Revolutionäre, die der Revolution als Revolution huldigen und in ihr einen Dauerzustand sehen möchten. Die Nationalsozialisten hätten den alten Staat in einem vierzehnjährigen Kampf niedergerungen und seien Revolutionäre geworden, nicht, um ein Chaos zügelloser Instinkte aufkommen zu lassen, sondern uni eine neue und bessere Ordnung zu begründen. Die Revolution gegen das zweite Deutschland sei nur ein gewaltiger GeburtSakt des dritten Deutschlands gewesen. Die Revolution sei für die Nationalsozialisten kein Dauerzustand, es gibt keinen Zustand der permanenten Revolution oder gar eine segensreiche Entwicklung mittels periodisch sich wiederholender Revolten. Diese dritte Gruppe pathologischer Feinde deS Staates sei deshalb gefährlich, weil sie für jede revolutionäre Bewegung eine Reserve williger Hilfskräfte darstelle. sich um den P relS handelte,'der innerhalb der Monopolwirtfchast den Bauern siir das Getreide bezahlt werden-mutz. In dieser Frage ist es nun — eß konnte nicht anders sein— zu einem Kompromiß gekommen, durch welches versucht wird, sowohl den Interessen der landwirtschaftlichen Produzenten als auch denen der Konsumenten gerecht zu werden. Dieses Konrpromiß war notwendig aus politischen und wirtschaftlichen Griin- den. AuS politischen Gründen, weil man — soll die Demokratie erhallen werden— die LÄcnSbedürfnisse jener Schichten befriedigen >nuß, welche die Träger der Demokratie sind.: AuS wirtschaftlichen Gründen, ivcil man. die Landwirtschaft, die ja selbst ein Konsum-. tionsgobiet siir industrielle Artikel ist, nicht zu-I| gründe gehen lassen kann und weil auch die Kon- sumenten, von denen ja ein großer Teil unter i den Wirkungen der Wirtschaftskrise sehr leidet,' eines Schutzes unbedingt bedürfen. i Was der Preis siir die Konsumenten be- deutet, wollen wir am Beispiele jener Ware aus-■. cinandcrsetzcn, welche die Konsumenten am mei- sten interessiert, daS ist des KornmehleS, aus dem Brot gemacht wird. Auf Grund der Monopolwirtschaft wird daS Kornmehl etwa XL 1.70 kosten, das ist wohl mehr als daSKorn» mehl vor zwei bis drei Monaten gekostet hat, aber wenigeralseS: letzt kostet. Gewiß wird das Kornmehl im' nächsten Winter teurer sein als im vorigen, aber. man darf nicht vergessen, daß die Preise des. vorigen Winters so ungewöhnlich niedrige waren, daß sie sich auf keinen Fall erhalten konnten.; Als bekannt wurde, daß die heurige Ernte schlechter sein werde als die vorjährige, sind die Preise gestiegen, so daß das Kornmehl in den letzten' Tagen etwa Kö 1.95 gekostet hat. Es ist also' zweifellos, daß durch die Einführung des Mono- polcS unmittelbar eine Herabsct-' zung dcsMchlpreises eintretcn wird, j so daß das Monopol augenblicklich nicht eine Per-( tcuerung, sondern eine Verbilligung deS Korn- nichlcs bedeutet. Freilich muß zweierlei gesagt< werden, denn cS liegt uns fern, irgend welck)e\ Illusionen über die Wirkung des Monopolcs zu erwecken. Einerseits sind die Brotpreise nicht so rasch den gestiegenen Mchlpreisen gefolgt, so daß man cs in der nächste» Zeit mit einer geringen Verteuerung dos Brotes, dessen Preis ctiva KL 2.10 betragen wird, zu tun haben dürste. Würde freilich die freie Wirtschaft blei- ben, dann wäre der Brotpreis schon im Monat August über die eben genannte Ziffer hinaus. gestiegen. Es wird Aufgabe der Behörden sein, und die Negierung trifft bereits die notwendigen Maßnahmen, jede ungerechteVerteue- r u n g, jeden etwa auftauchendcn Wucher energisch zubckämpfen und zu unter- drücken. Die Regierung hat schon im Feber bei den Maßnahmen der Devalvation gezeigt, daß cs ihr mit der Bekämpfung der Teuerung ernst ist, sic wird diesen Nachweis jetzt noch einmal zu führen haben. Das zweite aber, was wir nicht verschweigen wollen, ist, daß im Laufe deS nächsten Erntejahres— man kann da keine Prophezeiungen anstellcn— die Getreidepreise auch sinken können, so daß unsere Getreidepreise daS Weltpreis Niveau überschreiten werden, solche Möglichkeiten bietet eine einheitliche Preisfestsetzung für längere Zeit immer. DaS Resultat ist eben, daß den Konsumenten ein fester Preis garantiert wird, so daß sie mit höheren Preisen nicht zu rechnen haben und die Bauern wieder einen Preis haben, unter den nicht herabgegangen wird. Wie bei den gleitenden Zöllen ist Bauernschutz mit Konsumentenschutzverbunden. Angesichts der großen Arbeitslosigkeit in der Republik und dem niedrigen Lebensniveau der von der Wirtschaftskrise ani stärksten betroffenen Schichten, ist allerdings jede, auch die gering st e Teuerung eine schwere BelastungfürdieBetroffenen. Um das Schicksal dieser wirtschaftlich schwächsten Schichten der Bevölkerung zu lindern, wird-die Regierung eine Allion unternehmen» und zwar werden vorläufig 5 000Waggonsbilli- g e r c n M e h l c s, bezw..daraus erzeugten Bro- tes ungefähr vom 1. September an der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden. Der Preis dieses Mehles wird 0.90 XL betragen, also die .Hälfte des Monopolpreises. Auch an eine Versorgung der am meisten notleidenden Bevölkerung mit billigen Kartoffeln und Zucker wird gedacht. Man sieht also, daßdicRegierungander NotdcrAllcrärmstcnnichtachtlos vorübergehen will. In den monatelangcn Verhandlungen, die um die Regelung der Getreidewirtschaft im näch- sten Erntejahr geführt wurden, haben die so- z i a l i st i s ch e n Parteien der Koalition mit aller Energie die Interessen-der wirtschaftlich Schwächsten der Bevölkerung vertreten. Ihre Bemühungen sind nicht ergebnislos geblie- ben und an dem Kompromiß, das die Regelung der Getreidewirtschaft darstM, ist zu erkennen. Ich habe auf diese und andere Mitzslände den Stabschef Röhm hingewiesen, ohne datz Abhilfe eingetreten wäre. Im April und Mai nahmen diese Klagen zu. Ich erhielt altenmähig belegte Mitteilungen über Besprechungen höherer SA-Führer, die nicht anders als mit grober Ungehörigkeit bezeichnet werden mutzten. Zum erstenmal. wurden Fälle unableugbar bewiesen, datz'besi solchen-Besprechungen der Hjmveis aus. die. Notwendigkeit einer neuen Revolution gegeben wurde und die Führer die Aufforderung erhielten, sich dazu vorzubereiten. Stabschef Röhm versuchte diese Vorgänge abzustreiien und erklärte sie als versteckte Angriffe gegen die SA. Der autoritäre Staat stelle besondere Anforderungen. Wenn vom Volk gefordert werde, datz cs einer Führung blind vertraue, dann müsse diese Führung dieses Vertrauen auch durch Leistungen und durch besonders gute Aufführung sich verdienen. Fehler und Irrtümer mögen einzelnen unterlaufen, schlechte Aufführung, Truiitenheitsexzesse' und Belästigung fridlicher, anständiger Menschen seien eines Führers unwürdig, nicht nationalsozialistisch, im höchsten Grade verabscheuungswürdig. Hitler verlangte, datz Führer solcher Delikte wegen strenger bestraft werden, als im gleichen Fall ein unbekannter Mann. Die Entschlossenheit der nationalsozialistischen Staatsführung, sagte Hitler weiter, solche Exzesse einzelner unwürdiger Elemente, die der Partei und SA. Schande bereiteten, auSzumcrzen, führte zu einer sehr heftigen Gegenwehr des Stabschefs Röhm. Die ersten nationalen Kämpfer, die zum Teil fast IS Jahr« für den Sieg der Bewegung gekämpft hätten und nun als hohe Staatsbeamte in der Staatsverwaltung.die Bewegung repräsentierten, wurden wegen ihres Vorgehen gegen solche unwürdige Elemente zur Beranllvortung gezogen. Stabschef Röhm vrsuchte, sie durch Ehrengerichte, die zum Teil aus jüngsten Parteigenossen zusammengesetzt waren sPfuirufe), maßregeln zu lassen. Dies führte zu einer sehr ernsten Aussprache zwischen dem Stabschef und mir, in denen mir zum ersten Male Zweifel in die Loyalität dieses Mannes aufstiegen. Hitler sagte weiter, nachdem er viele Monate lang jeden solchen Gedanken von sich gewiesen habe, hätte» ihn auch die Warnungen seines Stellvertreters Rudolf Hetz bedenklich gemacht. Es konnte vom Mai an keine Zweifel geben, datz Stabschef Röhm sich mit ehrgeizigen Plänen beschäftigte, die zu den sauersten Erschütterungen führen konnten. Wenn ich . in diesen Monaten immer wieder zögerte, die letzten Entscheidungen zu treffen, so geschah dies, weil ich mich nicht mit dem Gedanken abfinden konnte, datz ein Verhältnis, das ich auf Treue aufgebaut glaubte, : Lüge sei, und weil ich noch immer die stille Hoffnung i hatte, der Bewegung und der SA. die Schäden einer : solche« Auseinandersetzung zu ersparen. NSDAP plötzlich moralisch DaS Ende deS Monates Mai bracht« immer > bedenkliche Tatsachen. Stabschef Röhm besann, sich nicht nur innerlich, sondern auch in seinem««samten äußeren Leben von der Partei zu entfernen. DaS Leben» das der Stabschef und mit ihm ein Zweite Revolution durch.«Reaktionäre Der Reichskanzler kommt dann auf eine vierte Gruppe zu sprechen, die manchmal nngrwollt, aber nichtsdestoweniger destruktiv ihre Tätigkeit anSübtr, Menschen, die einer verhältnismäßig kleinen Gesrll- schaftSschicht angehören, Nichtstuer und Drohnen meist, denen jeder Anlaß zu politischem Klatsch und Tratsch gut geuug sei, ein Völkchen, das ohne jeden lebendigen Kontakt zum Leben der Nation stehe. Gefährlich sei es aber, weil eS BazU- für jede nationalsozialistische Auffassung unerträglich. ES war nicht nur furchtbar, daß er selbst und rin ihm zugetaner Kreis alle Gesetze von Anstand mißachtetet, furchtbar war, daß dirS Gift sich in immer größere Kreise auSzubrriten begann. Das Schlimmste aber war, daß sich allmählich aus einer bestimmten gemeinsamen Beranlagung heraus in der TA. eine Sekte zu bilden begann, die den Kem einer Verschwörung nicht nur gegen die Moral, sondern auch gegen die Staatssicherheit avgad. Die im Mai vorgenommene Durchführung der Beförderung in einigen bestimmten SA.-Ge- bieten brachte» zur lkenntnis, daß Menschen ohne Rücksicht auf ihre Verdienste befördert worden sind, nur weil sie zum KreiS dieser besonders Brranlag« ten gehörten.(Minutenlange Pfuirufe.) Die Belegung dieser Vorgänge durch Angaben beteiligter Führer führten zu schweren Mitzhandluii-m dieser Zeugen. Ende April, als Staats- und Parieistellen darüber klar waren, datz' bestimmte höhere SA- Führer bewutzt zur Entfremdung von Partei- und Staatseinrichtungen beitrugen, versuchte ich neuerlich im Dienstwege Abhilfe zu schaffen, doch ergebnislos. Im Monat Mai liefen Klagen über Berstötze höherer SA-Führer ei», die, oktenmätzig belegt, nicht abge- stritten werden konnten. Ministerpräsident Göring hatte sich schon vorher für Preußen um die Autorität bemüht, die nationalsozialistische Staatsführung über den Tigenwillen gewisser Elemente zu setzen. In anderen Ländern waren Parteistellen und Behörden gezwungen, gegen einzelne unerträgliche Ausfchremin- gen Stellung zu nehmen. Einige Verantwortliche wurden verhaftet. Dieser Zustand ist unerträglich geworden Ms« Befehl, dagegen einzuschreiten, wurde sabotiert. Die Anklage gegen Schleichet Aus der Führung der SA. entwickelten sich drei Gruppen: Eine kleine Gruppe von der gleichen Veranlagung, an deren Spitze Stabschef Röhni stand, ferner die SA-Führer Ernst, Heines und Heydcbreck. Neben dieser Gruppe bestand eine zweite Gruppe der Führer, die einfach aus soldatischer Auffassung sich Röhm-verpflichtet, fühlte. Diesen beiden Gruppen stand eine dritte gegenüber, die aus ihrer Abneigung gegen diese Bestrebungen kein Hehl machte und deshalb entfernt oder an unbedeutende Stellen verdräpgi Word» war. Zu dieser Gruppe gehörte mein neu« Stabschef Lutze. Ohne mich jemals davon zu verständigen, hat Stabschef Röhm durch Vermittlung eines durch itnd durch korrupte» Individuums, des Herrn von A. (AlvenSleben. D- Red.) ihnen allen bekannt, Beziehungen zu General Schleicher aufgenommen. Schleicher war der Mann, der dem inneren Wunsch Röhjns äußeren Ausdruck verleihen sollt«. Er wap es, der die konkreteAuffaffung vertrat, daß 1. das heutige deutsche Regiment unhaltbar fei, daß S. die Wehrmacht und sämtlich« nationalen Verbände in einer Hand zusammrngrfaßt«erd««iis- j seu und 3. datz der dasür gegebene Mau« uur Jahre nationalsozialistischer Regierung liegt«in- I dentig und klar vor uni. ES kann in seiner Be- 1 drutung gar nicht gemessen werden durch Bergleiche! mit de» Zuständen, welche wir am 30. Jänner 1933! vorsanden. Rein, wer gerecht sein will, muß«nse-' fl ren Erfolg beurteilen nach dem, waS gekommen> Wär«,«en» wir nicht geflegt hätten. Rur«er die i EntwicklungSlinir, die zum 30. Jänner deS ver- 1 gangrnen Jahre» führte, sich gedanklich«eiter fort» 1 letzt, kann die Größe der nationalsozialistische» Lei-< stung ermessen, denn wir haben den Lauf deS■ Schicksals nicht nur aufgehakten, sondern aus allen' Gebiete» zum Glück gewendet. Den Geist der llnbotmätzigkeit und des inner-> taatlicheu Aufruhrs haben wir in wenigen Mona-< ten anögerottet und'beseitigt? Unter voller Respek- I tiernng des Wesen» unserer deutschen Stämme haben wir die Gewalt des Reiches als den Ausdruck< unseres gemeinsamen Lebenswillens gestärkt und y über alle erhoben. Es genügte uns aber nicht, die; taatspolitische Zerreißung des deutschen Volles zn überwinden, sondern wichtiger fast noch erschien cS uns, der-drohenden- volkspolitischen Auflösung vor- zubengen. Kaum sechs Monate nationalsozialistischer Regierung waren vergangen, und der Finch unseres früheren politischen Ledens, unserer Partcizrr-( rissenhcit, war überwund en. Bon Monat zu Monat ontsernte sich die deutsche Nation mehr von, dieser unS Henle fast schon unbegreiflichen Zeit und j ihren Erscheinungen. Ich brauchte dies hier nicht! auszusprechen, denn jeder Deutsche fühlt eS und, weiß es: Scho» der bloße Gedanke an die Wiederkehr dieses ParteiengemengselS ist lächerlich und' absurd. Als Hitler von der Autzcnhandelspolitik des jetzigen Regimes sprach, sagte er unter stürnnscheni Beifall der Versammlung wörtlich: „Wen» unsere Handelsbilanz durch die wirtschaftliche Sperrung ausländischer Märkte »der durch den politischen Bohkott eine passive wird,»erden wir dank der Genialität unserer Ersinder und Ehrmiker mit Tatkraft di« Wege finden,«ns vom Import jener Stoffe unabhängig i z» machen, die wir selbst erzeugen»der zu er»' setzen in der Lage find. Alle diese Punkte«erden l wir mit unbändiger Entschlossenheit lösen".. »Grenzenloses Vertrauen“... i Hitler behauptet dann, das deutsche Volk habe' ich in allen seinen Lebensschichten zuni neuen Regime bekannt und habe ihm sein Vertrauen ge-' schenkt und sich ihm verschrieben. Mit grenzenlosem Vertrauen hänge das ganze Volk am neuen Deutschland. Im Gegensatz zu dieser„Positiven Welt deS Deutschtums" stellte Hitler eine angebliche Minorität gegenüber, die am Werk der deutschen Genesung und der Hebung keinen Anteil nehme. ... und gefährliche Unzufriedenheit Dies seien erstens die K o m m u n i st e n,„die keine Schicht jener intellektuellen Volkszersetzer, die als Apostel des weltanschaulichen politischen und wirtschaftlichen Kommunismus planmäßig die Völker zersetzen, die Ordnung auslösen und sich bemühen, das Chaos herbeizuführen". „Wie sehen," rief Hitler aus,„eine internationale Verschwörung um uns." Landauf, landab laufen die Flannnen des Aufruhrs über die Völler, in fast allen Ländern der Welt herrsche heute Massenterror, Stratzenkampf und Unruhe. Hier machte Hitler das Geständnis, daß„auch in Deutschland heute noch einzelne dieser„Narren und Verbrecher" immer wieder ihre Brandstiftungstätigkeit auSzu- üben versuchen. Wir erleben einen Versuch nach dem anderen, kommunistische Organisationen von mehr oder minder anarchistischem Charakter zu begründen und arbeiten zu lassen. Die Folge ihres Sieges in Deutschland wäre vernichtend. Die überwältigende Mehrzahl der deutschen Arbeiter hat jedoch diese jüdisch-internationalen Menschheitsbeglücker erkannt und innerlich überwunden." Wenn notwendig, werd« der nationalsozialistische Staat in einem hundertjährigen Kri« g die letzten Rest« dieser Volksverrottung ausmisten und vernichten. Die zweite Gruppe der Unzufriedenen seien jene politischen Führer, die durch den 30. Jänner ihre Zukunft al» erledigt empfunden hätten, ohne sich mit der Unwiderruflichkeit dieser Tatsache abfinden zu können.„Je mehr," rief Hitler au»,„die Zeit ihre , eigene Unfähigkeit mit dem gnädigen Mantel des Vergessens verhüllt, um so mehr glauben sie berech- ' tigt zu sein, sich dem Volk langsam wieder in Erinnerung zu bringen. Ihre Unfähigkeit von einst war nicht zeitlich bedingt, sondern eine natürliche angeborene. Sie vermögen auch heute nicht in nützlicher Arbeit ihren Wert zu beweisen, sondern sehen ihre Lebensaufgabe erfüllt in einer ebenso hin» rerhÄtigen wie verlogene» Kritik. Der nationalsozialistische Staat kann durch sie ernstlich weder bedroht noch irgendwie geschädigt werden."(Minutenlanger Beifall folgte diesen Dorten.) Die dritte Gxuppe bestehe aus jenen revolutionären'Elementen, die im Jahre 1018 in ihrem SamStag, 14. Sufi 1934 etile 3 Stabschef Rühm fei und 4. schlicßsilich, daß Herr »»»Patze«-« entfernen sen und er, Stabschef Röhm, bereit wäre, die Stelle eines Vizekanzler» aufzunehmen. ES waren auch andere wesentlichen . Veränderungen drS Reichskabinett» vorgesehen. Run begann die Suche nach den Männern für die . neue Regierung immer unter der Annahme, daß ich in«einer Stellung belasten würde. Die Durchführung dieser Borschlüge mußte schon i« zweiten Punkt auf meinen nie zu überwindenden Widerstand stoßen. ES würe mir nie möglich gewesen, «eine Einwilligung r«m Wechsel im ReichSwrhr- «inisterium zu geben und die neue Besetzung durch • Rühm vorzuschlagen. Erstens aus sachlichen Gründen: ich habe feit 14 Jahren unentwegt versichert, daß die Kampforganisationen der Partei politische Institutionen sind, die nichts zu tun haben mit dem Heer. Es wäre«n meinen Augen eine Desavouierung dieser Auffassung und einer 14jährigen Politik, an die Spitze des Heeres den Führer der SA. zu berufen. Zweitens wäre es mir menschlich unmöglich gewesen, jemals in die Ge- dankengänge des Generals von Schleicher einzuwilligen. Bor allem aber: die oberste Spitze der Armee ist der Gencralfcldmarschall und Reichspräsident. Ich habe als Kanzler in seine Hand meinen Eid abgelegt. Seine Person ist für uns unantastbar. Mein ihm gegebenes Versprechen,. die Armee als unpolitisches Instrument des Reiches zu bewahren, ist für mich bindend, aus innerster Uebcrzeugung und aus meinem gegebenen Wort. Es ist mir aber weiter eine solche Handlung auch menschlich unmöglich gewesen, gegenüber dem Reichstvehrminister des Reiches. Ich und wir alle sind glücklich, in ihm einen Ehrenmann sehen zu können. Er hat die Armee bereits versöhnt mit den Revolutionären von einst und mit der Staatsführung von heute. Es gibt im Staat nur einen Machtträger: die Wehrmacht und nur einen Träger des politischen Willens die Nationalsozialistische Partei. Hitler erklärte, die Befolgung der Pläne Schleichers wäre aber auch eine Undankbarkeit gegen die Offiziere, die Soldaten und die Diänncr des 180. Jänner gewesen. Der Plan der Verschwörer Da Stabschef Röhm selbst«nstcher«ar und wußte, daß er bei mir ans Widerstand stoßen würde, wurde der Plan zur Beschleunigung dieser Entwicklung gefaßt. Erstens sollten dir planmäßigen »shchologifchen BoranSsetzungen für den Ausbruch einer zweiten Revolution geschaffen werden. Zu diesem Zweck wnrde durch nrngrgründete Propagandastellen in die SA. selbst die Behauptung eingeschmuggelt, die Reichswehr beabsichtige die Auflösung der SA., nnd ich selbst sei dafür gewonnen worden. Eine ebenso traurige wie niederträchtige Lüge! Zweitens die SA. mußte diesem Angriff zu« Vorkommen und einer zivciten Revolution alle dieser Widerstände beseitigen. Zu diesem Zweck sollte die TA. alle notwendigen sachlichen Vorbereitungen in kürzester Frist treffen. Es ist Stabschef Röhm gelungen, unter der lügenhaften Angabe, soziale Hilfsmaßnahmen jur die SA. durchzuführen. Und noch die nach seinem Abgang vorgenonnnene Revsion ergab ein Geheimkonto von 12 Millionen Mark für diese Zwecke. Um den entscheidenden Schlag rücksichtslos führen zu können, wnrden eingeschworene Terrorgruppen unter dem Titel„Stabewachen" gebildet. Der Charakter dieser Leute ging schon au» ihren geradezu furchtbaren Straslisten hervor. Der zweite größere Kreis der SA.-Führer erhielt nur allgemeine Mitteilungen des Inhalts, daß eine zweite Revolution kein anderes Ziel besitze, als mir selbst die Handlungsfreiheit zurückzugebm. Schleicher hat feine außenpolitischen Beziehungen durch den General von Bredow al» Ku- rier aufrecht erhalte«. Auch Gregor Straffer diente al» Vermittler. Ich beschwor Röhm zu« letztenmal und forderte die restlose Ausmerzung dieser Elemente au» der SA. Röhm beendete die Unterredung mit der Berficherung, die Beschuldigungen seien teil» unwahr, teil» übertrieben. Er»erde alle» tun, um nach de« rechten zu sehen. Ta» wahre Ergebnis aber war, daß Röhm nun dir Beseitigung«einer Person vorbereitete.(Rufe: Pfui Röhm!) Es wurde die Ansicht verbreitet, als ob Hitler hinter der Aktion stünde, aber nach außen hin von ihr nichts wissen wollte. Hitler sollte 24 oder 48 Stunden in Haft genommen werden, um durch dir vollzogene Tatsache der Verantwortung enthoben zu sein. Standardenführer Uhl gestand kurz vor seiner Hinrichtung die Bereitwilligkeit, Hitler hinzurichten, Vie er sich bei den Beratungen verpflichtet hatte. Der erste Plan führte zu einer Beurlaubung der SA. Zu dieser Zeit sollten Tunmtte ausbrechen, die Hitler zwingen sollten, den Stabschef zurückzuberufen und ihn mit der vollziehenden Getvalt zu betrauen. Nachdem sich ergeben hatte, daß Hitler nichts mir diesem Plan zu tun haben wollte, wurde beschlossen, Hitler zu verhaften und durch toilde Aktionen Regierungsgebäude in Berlin zu besetzen. Ihr Leben, das so schlecht geworden, wie das Leben derjenigen, die tvir im Jahre 1083 überwunden und abgelöst hatten. Das Auftreten dieser Männer hat es mir unmöglich gemacht, sie bei mir einzuladen oder das Haus des Stabschefs in Berlin auch nur einmal zu betreten. Die größere Gefahr wurde erwiesen, durch die Feststellungen, die vom Ausland nach Deutschland kamen. Englische und französische Zeitungen begannen immer häufiger von einer bevorstehenden Umwälzung in Deutschland zu reden und die Mitteilungen ließen immer mehr erkennen, daß eine planmäßige Bearbeitung de» Auslandes in dem Sinne vorgenommen wurde, daß die eigentliche Revolution des Nationalsozialismus vor der'TLre stehe und das augenblickliche Regime nicht mehr zu handeln fähig sei.. Die eigenartige plötzliche Verlängerung de» Dienstes der SA. vor dem Urlaub erschien mir bedenklich und ich entschloß mich, SamStag, den 80. Juni, Röhm seine» Amtes zu entheben und in Verwahrung zu nehmen und einzelne SA.-Führer zu verhaften. Da es zweifelhaft war, ob angesichts der Zuspitzung der Lage Röhm überhaupt noch nach Berlin gekommen wäre, entschloß ich mich, zu der Besprechung der Führer nach WieSsee zu fahren. Durch die Autorität meiner Person wollte ich am 18 Uhr mittags Stabschef Rühm seiner Stellung entheben, die schuldigen SA.»Führer verhaften und an die anderen einen eindringlichen Appell zur Pflichterfüllung richten. Wiler war nicht in Wlesseel lager in Westfalen abbrcchen mußte, um mich für alle Fülle bereitzuhalten. Um 1 Uhr erhielt ich aus Berlin nnd München zwei bringende Alarmnachrichten, 1. daß für Berlin um 4 Uhr Alarm ange- ordnet sei, daß die Stoßformationen Lastkraftwagen requiriert haben und Schlag ö Uhr mit der Besetzung der RegiernngSgebäude begonnen werden sollte.^krnst war deshalb in Berlin zurückgeblieben. In München war die Revolte für 0 llhr angeordnet, die SA.-Formationcn waren nicht mehr nach Hause gelassen, sondern in ihren Quartieren behalten worden. Das ist Meuterei, denn SA.-Befehlshaber bin ich und sonst niemand. Nur einen Entschluß konnte cs für mich geben. Wenn die Rebellion noch zu verhindern war, nmßtc blitzschnell gehandelt werden. Nur ein rücksichtsloses Zugreifen war vielleicht noch in der Lage, die Revolte zu ersticken. Es konnte keine Frage sein, daß es besser war, wenn hundert Meuterer, Verschwörer nnd Konspirantcn vernichtet wurden, als wenn zehntausende Unschuldige verbluten mußten \ Um 1 Uhr nachts, fuhr Hitler fort, erhielt ich die letzte» Alarmdepeschen, um 2 Uhr nwrgcns flog ich nach München. Ministerpräsident Goering hatte unterdessen von mir schon vorher den Auftrag bekommen, ebenfalls im Falle der Reinigungsaktion die analogen Maßnahmen in Berlin und Preußen zu treffen. Ein Besessener tobt Im folgenden Teil seiner Rede steigert Hitler seine Stimme, so daß sie sich"mehrfach überschlägt" und schlägt an Stellen heftiger Erregung mit der Faust auf den Tisch. „Hierbei handelte ich nach ewig gleichen Gesetzen. Wen» mir jemand den Vorwurf macht, weshalb ich nicht die ordentlichen Gerichte herangezogen habe, dann sage ich: In dieser Stunde war ich verantwortlich für da» Schicksal der deutschen Nation und daniit des deutschen Volkes oberster Gerichtsherr.(Tie Versammlung bricht in dreimalige Heilrufe au». Minutenlange stürmische Zustimmungstundgebungen.) Meuternde Divisionen hat man zu allen Zeiten durch Dezimierung wieder zur Ordnung gerufen. Ich habe den Befehl gegeben, die Hauptschuldigen an diesem Verrat zu erschießen und ich habe weiter den Befehl gegeben, die Geschwüre unserer inneren Vergiftung und der Vergiftung des Auslandes auszubrennen bis auf das rohe Fleisch. (Hitler schlägt mehrnials auf das Pult, die Abgeordneten brechen in dreimalige Heilrufe aus.) Weiter gab ich den Befehl, bei jedem Versuch des Widerstandes der Meuterer gegen ihre Verhaftung, diese sofort mit der Waffe niederzumachen. (Dreimalige Heilrufe.) Jeder Nationalsozialist muß wissen, daß kein Rang und keine Stellung ihn seiner persönliche» Verantwortung und damit seiner Strafe entzieht. Dann sagte Hitler: „Ein atisländischer Diplomat erklärt, daß die Zusammenkunft mit Schleicher und Röhm selbstverständlich ganz harmloser Natur gewesen wäre. Ich habe mich darüber mit niemandem zu unterhalten. Die Auffaffungen über das, was harmlos ist und was nicht, werden sich auf politischem Gebiet niemals decken. Wenn aber drei Hochverräter in Deutschland mit einem auswärtigen Staatsmann eine Zusammenkunft vereinbaren und durchführen, die sie selbst als dienstlich bezeichnen unter Fernhaltung des Personals und mir durch strengsten Befehl verheimlichen, dann kaffe ich solche Männer totschießen (dreimalige Heil-Rufe), auch wenn es zutreffend sein sollte, daß in der vor mir so verborgenen Beratung nur über alte Münzen und so weiter gesprochen wurde. Darauf nennt Hitler zum erstenmal die Zahl der Todesopfer. LeuOmcr und Aiiina ans Wöliersdort entlassen Wi e n, 13. Juli. Au- dem Konzentrationslager in Wöllersdorf wnrden heute die ehemalige« sozialdemokratischen Abgeordnete« Heinrich Alli«a und Karl Leuthner entlaffen. Ander Untersuchungshaft de- Lande-gerichte- in Wie« wurde da- ehemalige Gemeinderat-mitglied Breczhner entlaffen. In WöllerSdorf bektn- Am 20. Juni erhielt ich aber so bedrohliche de« sich u. a.«och die ehemalige« Stadträte W e» Nachrichten über die letzten Vorbereitungen zur Ak- brr und Speiser und General a. D. Karl Pgch, daß ich mittags die Besichtigung der Arbeitg-S chneller. Nach der Olympiade! Der Dank der Partei Alle stchelt wir noch unter dem gewaltigen Eindruck der III. Arbeiter-Olympiade, der herrlichen Manifestation für Demokratie, Frieden und Sozialismus. Diese grandiose, erhebende Kundgebung konnte in der Zeit der fürchterlichsten Not, des schrecklichsten Elends nur Zustandekommen dank dem Idealismus, dank der beispiellosen Opferwilligkeit, von der die Mitglieder der DTJ., des AIDS, der RW und der sonstigen Kulturorganisationen beseelt sind. Wir alle sind stolz auf die Ergebnisse der Olympiade; und wir erachten es als unsere Pflicht, dem DTJ, dem AIDS, der R W und allen Kulturorganisationen den herzlichsten Dank für die herrlichen, unvergeßlichen läge, die sie uns bereitet haben, zum Ausdruck zu bringen. Wir wollen aber auch diese Gelegenheit benützen, um der Bevölkerung der Hauptstadt Prag den innigsten Dank für den überaus herzlichen Empfang zu sagen, den sie unseren Arbeitern bereitet hat, wir wollen der Verwaltung der Hauptstadt Prag für das außerordentliche Entgegenkommen, das unseren Teilnehmern an der Olympiade während der ganzen Dauer des Prager Aufenthaltes bewiesen wurde und allen Organen, die sichtbar bemüht waren, sich trotz dem schweren Dienst, den sie durch den Massenbesuch mit in Knuf nehmen mußten, den Teilnehmern der Olympiade mit Rat und Tat zur Verfügung zu s teilen, danken. Durch die III. Arbeiter-Olympiade ist die beste Antwort erteilt worden an jene, die nicht müde werden, von dem Niedergang der Sozialdemokratie zu sprechen. Diese unvergeßlichen Prager Tage werden uns allen ein Ansporn zur erhöhter Tätigkeit in allen Zweigen der Arbeiterbewegung sein. Der Parteivorstand der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei England empfiehlt in Berlin Abschluß eines Ost-Locarno Berti», 13. Juli. Der englische Botschafter Sir Eric Phipps besuchte heute den Reichsminister des Aeußern von Neurath nnd teilte ihm mit, daß sich die englische Regierung der Ansicht der französisch-!» Regierung angrschloflrn habe und den Abschluß eine- O st-Locarno empfehle. In diesem Zusammenhänge wird mitgrteilt, daß der deutschen Regierung drei Dolu- mente überreicht wnrden. und zwar: 1. Vorschlag eines osteuropäischen Locarno» 2. Bündnisvertrag Sowjetrußland—Fra ulreich. 3. Entwurf eines allgemeinen Vertrages(Holding- Vertrag), wodurch die Verbindung des westeuropäischen, osteuropäischen nnd Mittelmeer-Locarnos, sowie des Völlerbnnd- paktrs hergrsteklt werden soll. Ter Entwurf des Mittrlmeerpakte- wurde in Berlin nicht überreicht. London, 13. Juli. Jin Unterhaus fand heute eine große außenpolitische Aussprache statt. Dem Führer der liberalen Opposition, Sir Herbert Samuel, antwortete der Außeiuninisler S i- m o n. Er berichtete über die Besprechungen mit Barthou, die der Schassung eines Ost-Locarno gegolten-hätten. Ter Plan beziehe jirt) auf Rußland, die baltischen Staaten, Polen, die Tschechoslowakei und Deutschlattd. Großbritannien würde in tcincr Weise seine Verpflichtungen erweitern. England begrüße dc>t bevorstehenden Beitritt Rußlands zum Vollcrbund sehr herzlich. Der geplante Patt und die TcilnahmeDculschtauds an cinent Stzstem gegenseitiger Garantien tvürde die beste Basis zur Erneuerung der Abrüstungsverhandlungen sein. Die Unterredung der französischen mit den britischen Regierungovertretern hätten Ucbereiilstiuunung ergeben und Deutschland sei davon verständigt tvorden. Die Unab- häugigkeit Belgiens bleibe für England auch in aller Zukunft unantastbar. Bon großent Interesse tvaren die gegen Dentschland gerichteten Ausführungen Winston Churchills. Seiner Ansicht nach solle der Böllerbund die Bildung von Rcgivnalpaltcn für die gegenseitige Sicherheit gegenüber Angreifern un- terstützcn. Dieser Prozeß könne alsbald zur Schassung einer internationalen 2 t r e i l t r a s t, insbesondere einer internatio- ualeu Luftinacht führen. Es sei zu o-grüßen, daß die englische Regierung den Beitritt Rußlands in den Völkerbund unterstütze. Deutschland hätte bereits Aufrüstungsmaßnahmen, nnd z>v. insbesondere in der Lust ergriffen. Die deutsche Zivilluftfahrt sei gigantisch und cs sei nicht unmöglich, daß die deutsche Luftfahrt nächstes Jahr um diese Zeit stärker als die englische sein werde. In Deutschland, so sagte Churchill, stände» zwei oder drei Männer an der Spitze der Polilil. Es gäbe leine öffentliche Meinnng und kein Par- lamrut. Rach seiner Meinung könnten Manner in dieser Lage versucht sein» sich vo» einer großen Gefahr im Inneren zu befreien, indem sie sich in ein ausländische- Abenteuer grsährlichstrr und katastrophalster Art stürzten. Es bestehe lein Zweifel, daß in Tcutslchaud sehr feindselige Gr- fühle gegenüber England herrschen. England müffe aufrüsten und dürfe nicht von der Unter- stützung Frankreich- abhängig sein. Lordsiegelbcioahrer Eden dcnieutiertc die Gerüchte über den Abschluß eines Militärvcr- träges zlvischen England und Jranlrcich. Dollluß beseitigt die Betriebsräte Wien, 13. Juli. Eine breite Bresche in die sozial«» Errungenschaften der österrcichischen Arbeiterschaft wurde durch dir Abschaffung der Betriebsräte geschlagen» die der gestrige Ministerrat beschtoffe« hat. An ihrer Stelle werden „W r r k og r m e i n f ch a s t c n" errichtet, in denen Vertreter der Arbeitnehmer neben Vertretern der Unternehmer und womöglich unter dem Vorsitz der Unternehmer sitzen«erden. ES verschwindet damit die wichtigste Errungenschaft der Rachkrieg-zeit, die au- Oeftereich von vielen anderen Staaten mit Erfolg übernommen wurde. Wie die Jntrrrffrn der Arbeitnehmer fernerhin gewahrt werden, sieht man au- der Tatsache, daß«ach amtlichen Meldungen in letzter Zeit über 100 Kollektiv-Verträge gekündigt wurdet» und bei den unter Patronanz der gleichge- schalteten Wiener Arbeiterkammer abgeschloffenen «in Lohnabbau von durchschnittlich 10 Prozent durchgeführt wurde. Der amtliche Bericht besagt aber nicht, daß auch die übrigen Kottektivverträge feit Feber nicht mehr eingehatten werden, so daß in einzelnen Branchen bereit-«in Lohnabbau von 20 bi- 25 Prozent durchgeführt wurde. LiMhM zögert In Klagenfurt fanden dieser Tage Beratungen des Landbundeü statt, wobei die Frage des Eintritte- des Lluidbnndrs in die Vaterländische Front und dir Rrkonstruktioil der Regierung Doll, fuß erörtert wnrden. Infolge de- Widerstandes, der besonders voi» den» ehemaligen Vizekanzler Winkler ausgeht» kminten endgültige Beschlüsse nicht gefaßt werden. Die Beratung wurde auf kurze Frist vertagt. Attentat auf Kärntner Helmwehrführer Wien, 13. Juli. Ein Boinvenatlentai aus den Ilärntner Heimivehriührcr haben heule früh unbekannte Nationalsozialisten durchgefnhrt. In daS Schlafzimmer des Hcinnvehrführcrs Lee wurde eine Handgranate geworfen, die Inapp neben dem Bett des einjähritlcn Söhnchens explodierte. ES wurde großer Sachschaden angerichtcl, das Kind blieb wie durch ein Wunder unversehrt. Der Vater wurde, als er die Handgranate zurückwerfen wollte, schlocr verletzt. Ans Lee wurde bereits dec vierte Anschlag unternommen. Flughalle in Swinemttnde fliegt in die Luft Berlin. In Swinrmünde hat sich ei« neuer Sabotageakt ereignet. Eine große Flughalte ist Mittwoch in die Luft geflogen. Dabei sollen z e h« große Flugzeuge vernichtet worben sein. Noch mehr Mörder! Berlin, 13. Juli. Amtlich Wird mitgeteilt: Der Reichskanzler hat auf Vorschlag des Reichs- Ministers der Justiz gemäß Art. III, 8 10, des Gesetzes zur Acnderung von Vorschriften des Strafrechts und des Strafverfahrens vom 2 t. April 1034 auf die Dauer von fünf Jahren die Mitglieder des Volksgerichtshofes ernannt. Seife l Tomstag, 14. Juli 1934 Nr. 162 Ans der Partei Ausschlüsse. Das vom Parteivorstand in der Angelegenheit Sozialistische Aktion eingesetzte Parteischiedsgericht hat unter dem Borsitze des Genossen falsch in dem Verfahren gegen Karl Ribnitzky, Georg Hammerschlag und HanS Lorn auf Ausschluß aus der Partei erkannt..Der Aus« schluß erfolgte gemäß 8 64 des Organisationsstatuts(grober Verstoß gegen die Interessen der Partei). Neue Wese In der Agrarpolitik In der„Deutschen Landpost" veröffentlicht der agrarische Publizist Karl Haas einen beachtenswerten Artikel unter dem obigen Titel, der erkennen läßt, daß auch deutsche Agrarier sich von der herkömmlichen Agrarpolitik loszulüsen beginnen und insbesondere die Notwendigkeit einer gutbeschäftigten Industrie für daö Wohlergehen der landwirtschaftlichen Bevölkerung einsehen. „Auch in der Bauernschaft," so schreibt Haas,„ist die Erkenntnis allgcniein geworden, daß ein besonderer Absatz und angemessene Preise für die land« tvirtschaftlichen Erzeugnisse nur dann erhofft werden können, wenn Industrie, Gewerbe und Handel wieder besser beschäftigt sind, und weiters ist ihr klar, daß das nur durch eine Steigerung der Ausfuhr industriel- ler und gewerblicher Erzeugnisse möglich ist. Diese AuSfuhrsteigernng ist bei der Zurückführung des Handels atlf die Urform des Tauschgeschäftes nur dann möglich, wenn wir den unsere Waren aufnehmenden LändernZugeständ« nisse hinsichtlich der Abnahme ihrer landwirtschaftlichen Erzeugnisse mache n." ES ist sehr bemerkenswert, daß hier einmal ein agrarischer WirtschaftSpolitikcr die Rotlven- r,gleit des Jndustrieexports einsieht und sogar zur Erkenntnis kommt, daß wir nur dann industrielle Waren ausführen können, lvenn lvir landwirtschaftliche Artikel einsühren. Haas aber schildert auch weiter, wie das gemacht iverden soll, ohne der Landwirtschaft zu schaden. Er sagt nämlich, die Preise für die inländische landwirtschaftliche Erzeugung müßten so festgesetzt werden, daß die Existenz des landwirtschaftlichen Betriebes gesichert und darüber hinaus die allmähliche Abtragung der Schulden möglich geniacht werden müsse.„Es bedeutet das die E i n s ü h r u n g und Sicherung eines Systems von Fe st preise»« für alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse". Haas führt dailn weiter aus, daß die Landwirtschaft ihre Erzeugung ei»schränken müßte, um die Einfuhr von landtvirtschaftlichen Erzeugnissen ans dem Auslände möglich zn machen. Die Gegenleistung für die Landtvirtschafl müßte darin bestehen, daß man eben Pen Landwirten feste Preise sichert. „Prtvo Lidu“ Ober unsere Teilnahme an der Olympiade Unter dem Titel„Eine große Stärkung" »würdigt das Prävo Lidu" noch einmal die Bedeutung dec Olympiade für die sozialistische Arbeiterbewegung dieses Landes und vergißt auch nicht die Teilnahme deutscher Sozialdemokraten an den Festtagen politisch zu werten. Das Blatt schreibt: Mit mtS hat für die Republik auch die deutsche Sozialdemokratie manifestiert. Es ist dies freilich nicht die erste staatsbcjahende Erklärung dieser Partei, tvelche sich eigentlich gleich nach dem Umsturz aus den Boden des neuen Staates insofern stellte, als sie folgerichtig alle lockenden nationalistischen Verführungen abgelehnt hat. Schon die Teilnahme deutscher Genossen an der Regierung — viel bedeutsamer als die Teilnahme deutschbürgerlicher Parteien— war eine solche entschiedene Kundgebung, welche weit über die Grenzen hinaus ein Echo erweckte. Dann kam der 28. Oktober des vorigen Jahres, da die deutschen Genossen mit uns oder in selbständigen Kundgebungen ohne jede Einschränkung verkündeten, daß sie die Tsche- chosl. Republik natürlich auch als ihren eigenen Staat betrachten und schließlich meldeten sie sich bei den Feiern anläßlich von Masarylö Geburtstag besonders hervorragend zu dem Geist, in dem die Republik gegründet worden ist und in der sie auch verwaltet iverden soll. Denn darin ist eigentlich aller Sinn sozialistischer Staatsschöpfung: den richtigen Inhalt zu suchen und zu finde», durch den der Staat einzig lebt und gedeiht, ihn zu formen, zu vervoUlonnnen, die Praxis immer niehr und mehr den großen, allmenschlichen Idealen anzunähern, um welche der Sozialismus ringt. So ist auch die Standarte„Es lebe Masaryk" zu verstehen, die im llmznge unserer deutschen Genossen getragen tvurde und die Rufe für Masaryk und die Republik, die aus deutschen Kehlen ertönten. Eisenbobmninister Rudels Bechtznt trist am 16. Juli seinen Urlaub an. Die Korrespondenz wird nicht erledigt werden, weil während der Abwesenheit des Ministers auch sein Sekretariat die Tätigkeit einitellt. TagcsRculgkcttcn Die Falschmünzeraffäre in Mähren Eine dritte Person verhaftet. In der mährischen galschmiinzeraffäre, über die wir gestern belichtetet, kam es zu einer neuen Verhaftung. Der Bruder des in Cisgruü verhafteten Alois Pohl, Anton Pohl, tvurde in Brünn verhaftet und der Polizeidirektion übergeben. Er leugnete ztvar, mit der Angelegenheit crwaS zu tun zu haben, doch ist er durch die Aussage seines Bruders schwer belastet. Die beiden Brüver lour- den nach dem Verhör in Brünn nach EiSgrub gebracht, wo die Untersuchung fortgesetzt wird. Nach deren Beendigung werden die beiden gleichzeitig mit dem ebenfalls verhafteten Franz Vytoupil dem Gericht übergeben werden. Die Brünner Schwellenlieferungs- Affäre Mestern wurden neun Personen, die seinerzeit in Verbindung mit der SchwellcnlicfcrungS- Affäre verhaftet lvurdcn, aus der Haft des Brünner Kreisstrafgerichtes entlasten. Drei Enthaftete mußten eine Kaution von je 60.000 KL erlegen. 400 Kilo Dynamit beschlagnahmt Madrid, 13. Juli. In Tarrasa lKatalonien) beschlagnahmte die Polizei 400 Kilogramm Dynamit. Im Zusammenhang mit dieser Beschlagnahme wurden drei Personen verhaftet. Explosion in einer Papierfabrik Athen, 13.Juli. In einer Papierfabrik in PiräuS, in der hauptsächlich FeuerwerkSkörper hcrgestellt werden, kam es am Freitag durch Entzündung von Explosivstoften zu einer furchtbaren Explosion. Im Laufe weniger Miuuteii standen die mit großen Papieworrätcn angefülltcn Fabriksräume in Hellen Flammen. Dec Arb«.»vrfchaft bemächtigte sich große Aufregung und alle versuchten sich in blinder Hast ans dem brennenden Gebäude zu retten. Bisher wurde ein Toter und fünf Schwcrverwundete geborgen. 16 Schwerverletzte beim Eisenbahnunglück in Portugal Listabon, 13. Juli. Bei dem gestrigen Eisenbahnunglück auf der Strecke Lissabon-Madrid wurden 16 Personen schwer und 20 leicht verletzt. Die Reo-Emigration. Solidarität mit Der- olgten, ihrer Gesinnung wegen Gemaßregelten war von jeher eine Selbstverständlichkeit für sozialistisch denkende Arbeiter. Der reaktionäre Bürger stand diescnl schönen Solidaritätssinn, der selbst deir hungernden Arbeitslosen noch veranlaßte, für emigrierte Gesinnungsgenossen den letzten Kreuzer zu opfern, mit völligem Unverständnis, ja, mit beleidigte»«« Mißtrauen gegen- über. Ihm ist die Hilfe von Mensch zu Mensch, die starke, zukunftöbewußte Solidarität von Ge- nossen zu Genosse über alle Grenzen hinweg etlvas Suspektes, etwas fast Unheimliches. Alle tlcinbiirgcrlichen Instinkte wehrten sich gegen den elbstlosc» Idealismus dieser Solidarität. Als der Einbruch der Hitlerbarbarci in Deutschland tausend der besten Dctlischcn zum Verlassen der geschändete» Heimat zlvang und ihre tschechoslowakischen Klassengenossen ihnen helfend zur Seite landen, heulte die Reaktion los, als ob hier ein lnchwürdiges Verbrechen verübt werde. Besonders die Fascisten, die Leute also, die heute dem „Führer" Henlein folgen, konnten sich in gehäs- igcni Kleinkrieg, in skrupellosem Verleumden der Einigrierten nicht genug tun. Sie beschinipften sie als Räuber und Mörder, als kriminelle Elemente, die, vom Staatsanwalt verfolgt, ein Deutschland verlassen mußten, in dem durch Hitlers wunderbare Fügung nunmehr Milch und Honig floß. Die Niedertracht, mit der man ehr- liche, idealistisch empfindende Menschen, die ein Leben in tiefster Not einem Leben in tiefster Schande und Charakterlosigkeit vorzogcn, be- schimpfte, war unbeschreiblich. Aber nicht nur, daß man die Opfer des fascistischen Terror-Regi- mcs anflegelte, man denunzierte sie auch in der schäbigsten Weise, wenn sie eine kiimmerliche Möglichkeit gefunden hatten, ihr Leben zu fri- sten. Nun sind die Emigrantenfrcsser plötzlich vor ganz neue Tatsache«« gestellt. Nicht nur die sudetendeutschen Nazis, die, Po» gewissenlosen Demagogen verfiihrt, ihre Heimat verlassen haben und nach Deutschland gezogen waren, strö- men zurück, da man sie plötzlich zu„Ausländern" steinpelt und roh hinauSwirft, auch Hitlers reichsdrutsche„Kameraden" fliehen über die Grenze, um von den rasenden Calignlas der Diktatur nicht gemordet zu werden. Wird nun Herr Henlein seine jungen Leute sich weiter im Verleumden der Emigration üben lassen? Oder sieht man jetzt, nach der blutigen Selbstentlar- vung des angebeteten Shstcins, diese Dinge anders an? Wird die Heimatfront auch den eigenen Emigranten in den Rücken fallen? Die sture Ergebenheit, mit der diese hoffnungslosen Nachäffer eines blutigen Vorbilds dem Mordenden Führer durch das Dick und Dünn seiner Äartho- lomäusnacht folgt, läßt in dieser Beziehung wenig Hoffnung aufkommen. Angestellten- Internationale tagt. Freitag begann in Brüste! der internationale Angestelltenkongreß unter Teilnahme von Delegierte«« aus zahlreichen Staaten. Der tschechoslowakische Delegierte, Abgeordneter Klein, welcher gleichzeitig der Delegierte der ÄewerkschaftSintemaftonale ist, erstattete einen Bericht über die Tätigkeit der Gewerkschaftsinternationale. Dem Verdienst die Krone! In einer Berliner Zeitschrift, die es sich zur sauren Aufgabe gemacht hat, die, ach so seltenen, hitlerfreynd- lichen Stimmen des Auslandes anläßlich des Kameraden-Massenmordes vom 30. Juni und vom 1. Juli zu sammeln, wird einem sudetendeutschen Blatt ein besonderer Ehrenplatz angewiesen. DaS Blatt, das sich noch immer„demokratisch" zn nennen wagt, wird gleich mit drei Zitaten hcraiiSgestellt. Welches Blatt ist dies lvohl? Sclvstvcrständlich die„Bohemia". Wo ist Victor Grayson? Seit 14 Jahren ist das ehemalige Labour-Mitglied des Unterhauses Victor Grayson spurlos verschlvunden und alle Nachforschungc«« nach ihm sind bisher vergeblich geblieben. Er ivar in einer Nachivahl 1006 ge- «vählt worden. Seine Reden erregten Sensation, sein Aufstieg«var kometengleich. Wegei« Veranstaltung einer ArbeitSlosendemvustration im Unterhaus«: schloß ihn die geängstigte Mehrheit des Parlaments aus. Ji« der nächsten Hauptwahl erlag er der Reaktion, ging nach Neuseeland, machte in dem Kontingent dieser Kolonie den Weltkrieg in Europa mit, sprach da«««« Iviederholt in englische» Versammlungen, ist aber seit einer Fahrt von Liverpool nach London verschlvunden. 1024 soll er überraschend bei einem Labourmeeting aufgetaucht, aber sogleich wieder verschlvunden sein. Lord Snowden, der jetzt Grayson's Wahlkreis vertritt, Hai seinerzeit alle» aufgeboten, ihn zu finden, aber umsonst. Seine neuseeländische Kriegspension wartet auf ihn, seine nächsten Angehörigen leben in England. Eine Lebensversicherung zugunsten seines Sohnes ist noch nicht ausgezahlt, da des Vaters Tod nicht festgestellt ist. Der Schriftsteller Stanley Chadwick in London schreibt eine Biographie deü verschwundenen Arbeiterführers und sucht ergänzende Mitteilungen. Ueberfliifsige Gesandtschaft wird liquidiert. Der„Matin" meldet, daß die französische Regierung, die bisher ncben der Botschaft in Berlin auch eine Gesandtschaft in München unterhielt, beschlossen habe, diese Gesandtschaft in den nächsten Tagen aufzuheben. EmigrantaitrignSport«ach Brasilien. Das jüdische Hilfskomitee für deutsche Flüchtlinge in Parg V„ Jachyniova 3, fertigte am Mittwoch 40 deutsche Emigranten, die bisher in Prag weilten, nach Brasilien ab, wo ihnen eine Existenz gesichert wurde. Das Komitee hat in diesem Jahre bereits 60 Personen««ach Uebersee, hauptsächlich nach Brasilien geschickt. Nach Palästina wurden in den letzten elf Monate» 207 deutsche Emigranten aus der Tschechoslowakei abgefertigt. Zwei Spion« verhaftet. In SarrcguemincS unweit Metz lvurden am Donnerstag zwei Personen, ein Franzose und ein Angehöriger des Saargebietes, verhaftet, welche die französischen Befestigungsarbeiten auszuspionieren suchtei«. Bei einem schweren Lerkehrsunfall in der Nähe von Eoinibra wurden, wie aus Listabon gemeldet wird, die Frau des portugiesischen Staatspräsidenten Carmona solvie seine Tochter und zwei Enkelkinder verletzt. Ein mit Ausflügler» besetzter Krafttvagen raste in einer Kurve in das Auto der Präsidentenfamilie hinein. Fvgu Carmona erlitt so schwere Kopfverletzungen, daß sie bewußtlos in ein Krankenhaus gebracht werden müßte. Ein Fl»«e«g brennt. Auf dem Flugplatz bei Aberdeen geriet ein Flugzeug mit neun Passagieren in Brand. Mit Ausnahme des Piloten wurden sämtliche Personen verletzt, darunter zwei schwer. Arlbergstraße durch eine Steinlawine gesperrt. Ueber Teile voi« Tirol gingen am Don- nerStag heftige Unwetter nieder. Am Nachmittag wurde durch eine Steinlawine die Arlbergstraße bei Telss gesperrt. An der Freilegung der Straße wird gearbeitet, doch dürfte sie zwei Tage für jeden Verkehr gesperrt bleiben. Geschützbomde im Torpedorohr: drei Tote. Im Kriegshafen von Toulon explodierte bei Schießübungen eine Geschützbombe, die»rrtüm- licherweise im Geschützrohre eine» Torpedobootes zurückgeblieben war. Das Geschoß ging auf.einem benachbarten Torpedoboot nieder. Zwei Matrosen tvurden auf der Stelle getötet, ein weiterer erlitt tödliche Verletzungen. Mr Urlaub und Eryalvnz eignen sich die Naiur- sreundehäuser, da selbe in dTJ gestellt werden«vird. September 1934— der Monat großer Aw«. Veranstaltungen. Anläßlich des 25jährigen Bestandes de» Atus im September dieses Jahres sind größere Veranstaltungen vorgesehen. Von Milte August bis anfangs September«verden 70 Appelle dnrch Vertreter der Zentrale in den Bezirken abgehallen. Am 23. September findet ein Stafetlentag statt. Samstag, den 20. September hat jeder Verein nach Richtlinien der Zentrale, eine Veranstaltung durch- zufiihren. Dor dem Generalstreik in San Franeiseo Sa» Francisco, 13. Juli. Die Streiklage in San Francisco verschärft sich weiterhin. Insgesamt haben bisher 36 GewerkschaftSorgani» sationen für den Generalstreik gestimmt, darunter auch die Schlächter. I» Seattle dagegen habe«« sich drei Gewerkschaftövereine für eine schiedsrichterliche Beilegung des Hasenarbeiterstreiks ausgesprochen. Infolge der fortschreitende» Ausdehnung der Streikbewegung glich San Francisco am Freitag einer belagerte» Stadt. AnS Furcht vor dem drohende» Generalstreik speicherten die Hansfraun« in aller Eile Lebensmittel und alle nötige» Bedarfsartikel auf. Da durch den an« Donnerstag auSgebrochenen Fuhrwerkerstreik die Zufuhr durch Kraftwagen bereits aügefchnitten ist, rechnet man in den nächsten Tage»« mit einen« Mangel au Lebensrnittel«« und Gasolin. Die vorhandenen Vorräte rei-ben nur noch für wenige Tage. Jnsge- sa«nt stehe» 10.800 Gewerkschaftler in einem Sympathiestreik zugunsten der 27.000 streikenden Hafenarbeiter. Auch in andere» Städten am Stil- len Ozean wird der AuSbruch des Generalstreikes erwartet. Drei Kinder verbrannt. Nach einer Mel- dung aus Ryiregyhaza spielten in einer benachbarten Gemeinde drei ohne Aufsicht geblieben- Kinder eines LandtvirteS mit Streichhölzern, wobei ein Brand entstand, der das ganze Haus einäscherte. Alle drei Kinder kamen in den Flam- men um. Die kkeberschwem in ungen in Japan. Nach den letzten Meldungen über die großen lieber- schtvcmmungen beträgt die Zahl der Opfer dieser Katastrophen SO Tote und 100 Vermißte; 400 Personen wurden von den Fluten fortgeschwemmt. An 15.000 Wohnhäuser stehen unter Wasser. Am Donnerstag begann das Wasser bereits zu sinkeii. Der Materialschaden wird auf 25 Millionen 2)ch geschäht. Vom Rundfunk Gupfotzloumooetoa au» do» Programmen, Sonntag. Prag: Sender L.: 7.00 Konzert aus Karlsbad. 0.15 Klavierkonzert. 10.00 Violinkonzert. 10.55 Schallplatte»«. 12.15 Populäres Konzert. 16.55 Sozialinformationen. 17.45 Lieder von Ludikar 17.55 D e utfcheSendung: Uebertragüng toi» den Wallenstein-Festspielen in Eger:„Die Piccolomini". 18.55 Deutsche Presse. 20,30 Abend- liehe Plauderei.-22.20 Schallplatte«.— Sender St.: 14.80 Deutsche Sendung: Uebertragüng von den Wallenstein-Festspielen in Eger. 15.00 Landwirtschaftliche Sendung. 15.15 Deutsche Arbeiter- sendnngr Marie GUnzl-KarlSbad: Ein Frauentag .in Westböhmen.— Brünn: 0.15 Sonaten alter tschechischer Meister. 14.80 Deutscher Landwirt- schaftSfunk. 17.80 Schallplatten. 17.55 Deutsche Sendung: Franz Schubert, Junkporträt. 10.05 Konzert des Salonorchesters.— Mähr.-Oftrau: 0.15 Halbe Stunde Balalaika-Orchester. M. ISS< ®amttag, 14. Ault 1934 Seite 5 Sonnenbraun ohne Sonnenbrand durch Kassavla- Sport’Oll Preis der groben Flasche KC 10— Inlands-Firma, Inlands-Erzeugnis 3567 Mtkitärballon im Sturm afgeMtSen. Frei- tag vormittags wurde bei Hostomitz im Brdh« Wald ein Milttärballon, der in Jinee zu einem Freifluge gestartet war, vom Sturme ersaht. Die Besatzung rettete sich, Ivährend der Ballon, der durch die Windstöße zu Boden gedrückt worden War, in der Richtung gegen Böhm.-Brod abgetrieben wurde. Die Militärverwaltung ersucht, das eventuelle Ausfinden des Ballons der nächsten Gendarmeriestation bekanntzugeben. Flugzeugunglück. Bei Siofok am Plattensee ist ein Wasser-Sportslugzeug des ungarische» athletischen Klubs aus bisher unbekannter Ursache abgestürzt. Der Apparat wurde vollkommen zer« trüimnert. Der Pilot Ivar auf der Stelle tot. Am Fuße des Bourget-Gleischers im Mont- Blane-Massiv wurde dicht beim Ausbruch des Gletscherbaches durch Hirten ein menschlicher Schädel gefunden. Dabei handelt es sich nach gleichlautenden Meldungen um den Sckjädel des am 16. August 1932 abgestürzten und seitdem verschollenen deutschen Alpinisten namens Robert Müller. Die Nachforschungen nach dem Abgestürzten waren damals erfolglos geblieben. Eine furchtbare Familientragödie hat sich am Donnerstag bei Herrenhäusen(Hannover) abgespielt. Angler fanden in der Nähe der Leine- Brücke die Leiche eines Ehepaares und eines kleinen Kindes. Alle drei Personen waren durch Schüsse in die Schläge getötet. Es handelt sich um die Familie des 29 Jahre alten Tapezierers Hoffmann, der aus noch unbekannten Gründen feine Frau und sein Kind erschossen und dann die Pistole gegen sich selbst gerichtet hat. PestauSbrüche in den verschiedensten Gegenden der M a n d s ch u r e i haben bisher insgesamt 17 Todesopfer gefordert.— Die riesigen Ueberfchwemmnngen im nördlichen Teile der Mandschurei haben schwere Verkehrsstörungen zur Folge. Mehrere Eisenbahnstrecken sind unterbrochen, darunter beide Linien, die von Chardin aus nach Süden gehen. Auch ,die westliche Strecke der Nordmandschurischen Eisenbahn ist von den Fluten stark gefährdet. Eltern und Kind vom Starkstrom erfaßt. Die Familie de- Dorfschulzen der Gemeinde Litkr (Ungarn) ist einem eigenartigen Unglück zum Opfer gefallen. Ein Gewittersturm hatte die Radio- Antenne abgerissen. Diese fiel auf den Leitungsdraht der elektrischen Beleuchtung. Der neunjährige Sohn des Dorfschulzen kam mit dem herabhängenden Draht in Berührung und konnte ihn nicht mehr loslassen. Der Mutter, die den Knaben befreien wollte, erging es ebenso. Auch der herbei« geeilte Vater wurde vom Starkstrom erfaßt. Schließlich wurden die drei Opfer durch einen herbeigeeilten Monteur befreit; inzwischen hatte aber die Mutter so schwere Brandwunden erlitten, daß sie bald darauf starb. Bater und Sohn find in schwer verletztem Zustande in» Krankenhau» gebracht worden. Mürd« drüben und hüben Von Otto Bauer. Hitler hat seine Obersten ohne Gehör und Gericht ermorden lassen. Die Welt sieht sich schaudernd zurückgeworfen in die Zeiten Richards HI. oder Iwans des Schrecklichen. Alle Kulturmenschen sind entsetzt. Unter den Entsetzten fehlen auch die faset« stischen Machthaber Oesterreichs nicht. Dollfuß schreit, so wiet komme man, wenn man sich auf nichts, als auf die Gewalt stützt. Starhemberg tlagt, daß die Grundstütze des Rechts in Deutschland nicht mehr gelten. Indessen windet sich im Gefängnis de» Landesgerichtes in Wien ein Mann in Krämpfen,— ei» Mann, den und dessen Werk Europa kennt. Der Mann ist Karl Seitz, von 1918 bis 1920 Präsident' der österreichischen Republik, später Bürgermeister des roten Wien. Seitz ist ein kranker Mann. Er leidet seit vielen Jahren an, einem schweren schmerzlichen Magenleiden. Sein Zustand hat sich im Gefängnis bedrohlich verschlimmert. Er hat 7 Kilogramm an Körpergewicht abgenommen. Er leidet an schlveren Krampfen, die seinen Körper schütteln. Die Fortdauer der Haft, die nun schon beinahe fünf Monate dauert, gefährdet sein Leben. Was soll man mit dem Manne anfangen? Ihm endlich den Prozeß machen? Die Regierung wird es nicht wagen, Seitz öffentlich anklagen zu lassen. Da' würde die Welt allzuviel erfahren. Da» würde eine noch ganz andere Weltsensation als der Reichstagsbrandprozeß. Seitz auf freien Fuß setzen? Unmöglich. Seitz ist der populärste Mann Wiens. Seine Popularität ist durch seine tapfere Haltung in der Gefangenschaft noch größer geworden. Erschiene er auf der Straße, so würden sich Tansende ansanuneln, um ihn zu begrüßen. Jeder Spaziergang würde zu einer Massendemoystrationh gegen das Regime. So bleibt Dollfuß keine Dahl: er kann Seitz weder anklagen lassen, noch au» der Hast entlass sen. Er muß ihn in der Untersuchungshaft zu-' gründe gehen laffxjt. Allerdings gäbe es noch eine Möglichkeit) Me erörtert worden ist. Man könnte-den offenkundig hastunfähigen Mann in seiner Wohnung konfi- ieren. Aber Dollsuß^haßt Seitz von früher her; wie boshafte Zwerge' wohlgewachsene Männer Haffen. Wozu sollte er- ihm eine solche Begünstigung gewähren? Die fäscistische GemeindedUtatur Wiens hat die Mietzinse für die 60.00Ü Mieter der von der rote» Gemestüwperwaltung erbauten Gemeüch«, Wohnungen erhöht. Die Mieter demonstrierten in Riesenversammlungen. In jeder dieser Bersamm- sammlungen tosten minutenlang die Rufe:„Hoch Seitzl Nieder mit Dollfuß!" Das muß gerächt werden. Seitz muß im Gefängnis zugrunde gehen. Entrüsten wir uns also über die Mörder in Berlin! Sie lassen ihre Opfer nachts von ihren Knechten überfallen und hinschlachten. Der milde. Es ließe sich noch manches darftellen, Gutes und Schlechtes, was bewiese, daß auch in Rußland nur Menschen wohnen, deren wirtschaftliche, soziale und kulturelle Möglichkeiten bestimmt sind von der Summe der Kraft, die ihnen zur Verfügung steht. Aber da» wesentliche ist, daß hier nach einem ganz bestimmten Plan gearbeitet wird, einem Plan, der offensichtlich für Rußland seine Richtigkeit hat, während er für die meisten, wo nicht für alle übrigen Länder undurchführbar wäre. Dieser Plan geht dahin, Rußland so rasch wie möglich zu industrialisieren und als erste Voraussetzung dazu eine Produktionsmittelindustrie zu schassen. Ist diese vorhanden, so wird die Konsumgüterindustrie in entsprechendem AnSmaß ansgebaut und späterhin wird man seine Aufnierksamkeit auch einer Art Luxusindustrie widmen können. Hand in Hand mtt dem industriellen Aufbau muß auch die Förderung und Organisierung der Landwirtschaft gehen, dantit den Menschen die notwendigen Lebensmittel in immer ausreichenderen Quanten zur Ver- sttgung stehen und da ganz zweifellos die kollektive Landwirtschaft die ihr zugewiesenen Aufgaben besser erfüllen kann, als der individuell wirtschaftende Kleinbauer, so soll am Ende des zweiten FünfjahreS- planeS, also im Jahre 1937, der private Sektor der Landwirtschaft vollständig liquidiert sein und man loird dann wohl auch zur kollektiven Verwertung der Ueberschüsse der landwirtschaftlichen Produktion übergehen, um so eine bessere Organisation der Bedarfsdeckung der städtischen Bevölkerung herbeizuführen. Nachdem Rußland lange Zeit im Mittelpunkt aller Angriffe von West und Ost stand, mußte rS sich folgerichtig gegen diese Angrisse schützen. ES tat die» einerseits durch Anlehnung an andere Mächte, zunächst hauptsächlich an Deutschland, und dann dur den Ausbauch seiner militärischen Kräfte. ES ist ein öffentliches Geheimnis, daß mit der Verschiebung der Rohstoffbasis der russischen Industrie nach Osten, über de» Ural hinaus, mit den deutschen Militärsachverständigen und Technikern, vielfach auch mit deutschem Kapital, gewaltige RüstungSbetriebe geschaffen wurden, welche der Sowjetunion in riesigem Umfang die notwendigen Kriegsmittel liefern. Technisch ist heute die Rote Armee glänzend ausgerüstet und ihre Truppen verfügen über eine bemerkenswerte Disziplin. Bon Bedeutung ist, daß die Bevölkerung diesem Rüsten durchmiS sympathisch gcgenübersteht und daß sie darin eine Sicherung für den weiteren sozialistischen Aufbau sieht. Man muß nur die glänzenden Augen der Zehntausende auS- erwählter„Udärniky", der proletarischen Stoßbrigadler auS den Fabriken gesehen haben, als fie am 1„ Mai die wuchtige Militärparade vor sich abrollen sahen und die Tränen einer alten Kommunistin waren echt, die ihr bei dem grandiosen Schauspiel der vorbeiziehenden Riesentanks und Flugzeugabwehr- geschütze sowie der Flugzeuggeschwader ausströmten. „Die» alle» haben wir selbst in vier Jahren geschaffen. Jeder von un» hat irgendeine» Teil dazu beigetragen, daß wir jetzt so gerüstet find. Und nun Wimen wir wieder ruhig weiter arbeiten." In diesen wenigen. Worten, lag da» ganze Programm de» sowjetiftischen Aufbau» beschlossen und wa» ihnen den größten Werk verlieh, war eben der Umstand, daß sie eine Frau aUSpem Volke aussprach und nicht irgendein offizieller Vertreter der amtlichen Macht Angreifen Wird Rußland nicht, weil es keinen Krieg brauchen kann, weil jeder Krieg nur wieder Desorientierung und Rückschläge, neue Opfer und neue Entbehrungen bringt. Aber wehren wird eS sich, daß den Angreifern Hören und Sähen vergeht Das ist der Eindruck,, den wir zumindest in den Städten gewannen..Wir sahen das herzliche Der- HÄtni» zwischen Volk und Armee, aber auch zwischen christliche, zivilisierte FasciSmuS in Oesterreich tut so ettvaS nicht. Er läßt seine Opfer im Gefängnis langsam in Krämpfen zugrunde gehen. Dabei fließt kein Blut. Die HÜter der europäischen Zivilisation bleiben beruhigt. Sie entsetzen sich über Hitler. Sie helfen Dollfuß in Anleihekonvertierung und politischer Unterstützung. GPU und Boll. Die vorbeimarschierenden GPU Abteilungen, besonders jene von den Grenzen, wurden von der zehntausendköpfigen Menge lebhaft akklamiert und es war kein bestellter Applaus, der ihnen zuteil wurde. Es ist gleichgültig, welche Rolle man der GPU im Westen beimißt und cs war auch bisher gleichgültig, daß innerhalb der Kommunistischen Partei selbst manche Einwendungen gegen die Politik der GPU erhoben wurden. Das Voll sah in ihr den administrativen Machtapparat, der gegen den Feind von innen, gegen die Saboteure mit gewaltiger Energie auftrat. Dian möge es als unmoralisch und unsittlich bezeichnen oder nicht: vom sowjetrussi- schen Standpunkt aus war es jedenfalls immer ! psychologisch richtig, bei auftretenden Schwierigkeiten groß aufgemachte Sabotageprozeffe zu inszenieren, um die Schuld für das schlechte Gelingen auf Einzelpersonen abzuwälzen, damit niemand im Volke auf den Gedanken kommt, es sei daS System, welches Schuld haben könnte. Aber die Machtnüttel des Staates allein würden kaum genügen, dgs Volk so vorbehaltlos für das Regime zu gewinnen. Hier bedarf es eingehender und naturgemäß auch absolut einseitiger Erzie- Yung. So ist die Schule auf den« Prinzip einer Art „Totalität" aufgebaut. Die Schulpflicht in den Städten dauert vom 7. bis zum 18. Lebensjahr, für unsere Verhältnisse also sehr lang. Gespräche mit den Leuten ergeben, daß sie Über alle sowjetrussischen Fragen glänzend, über westeuropäische Fragen überhaupt nicht orientiert sind. Rußland ist die Welt und wa» darüber ist, ist vom Uebel. Man führt auch die Russen von den unfruchbaren Meditationen zu praktischer und positiver Arbeit. Ein Hochschulwesen nach unseren Begriffen mit all seinen abstrakten Lehren gibe es nicht. Wir waren überrascht, zu hören, daß eS in Moskau allein über hundert Hochschulen gibt, die von 249.000 Studierenden besucht werden. Dann stellte eS sich heraus, daß es sich fast ausschließlich um Fachschulen und Forschungsinstitute handle, neben politischer Oekonomie und Gesellschaftswissenschaften gibt es kaum eien»reine" Wissenschaft. Das Hauptgewicht wird auf die Erziehung von Praktikern gelegt und die Ausbildung ist überaus gründlich. So sprachen wir mit einem jungen Mann, der das„Technikum" besucht; er muß dort nach Vollendung der normalen Schulpflicht vom 18. bis zum 22. Lebensjahr, also vier Jahre, verbleiben und kann dann als Techniker einen Werkmeisterposten u. dgl. übernehmen, will er Ingenieur werden, muß er weitere vier Jahre studieren. ES ist überflüssig, da« alles zu kritisieren und etwa mit westeuropäische» Maßstäben zu messen. Man i st einseitig und will eS sein, man ist stolz, daß man keine Arbeitslosen hat uttd sieht darin einen Hauptfortschritt gegen den sich in unerhörten Krisen windenden Kapitalismus und man kennt auch keine Sentimentalitäten. Manche unserer Reiseteiliiehmer verwiesen darauf, daß man in verschiedenen Eisenbahnstationen alte, abgerissene Bettler gesehen habe, die offensichtlich nichts zu essen hatten. Trocken wurde erwidert, daß es sich in diesen Fällen um asoziale Elemente handle, um Kulaken, die sich nicht in die Kollektivarbeit einstigen wollten, ihres Bodens verlustig gingen und nun eben die Folgen zu tragen hätten. Ohne daß es offen ausgesprochen worden wäre, konnte jeder erkennen, daß man diese Leute einfach auSsterben, notfalls auch Hunger» sterben zu lassen entschlossen ist. Westeuropäische Moral ist in dieser Brutalität nicht enthalten, aber ein bewußter Plan und die Entschlossenheit, sich durch keinerlei senttmentale Motive in seiner Durchführung stören zu lassen. Ganz anders das Verhältnis gegenüber der Jugend, die noch nicht eingereiht ist in. da» große Auf bauwerk. Sie will man retten und gewinnen. In der Station Tula zogen wir unter dem Waggon einen jungen Burschen heraus, einen der„Bezprisorni", wie sie immer noch zu finde» sind. Eine Bahnbeamtin redete ihm gut zu, dann holte ihn ein Miliz- niann und führte ihn, väterlich unterfaßt, fort. Als wir fragten, was mit ihm geschehen werde, wurde erwidert, er bekomme zu essen, dann werde man sich bemühen, zu erforschen, wo er her sei und gelinge dies nicht, so komme er in eine Erziehungsanstalt. Ein ähnliches Bild sahen wir in Kiew, wo gegen Mitternacht ein Milizmann eine Gruppe von etwa fünfzehn verwahrlosten Burschen führte. Ein Passant ägie auf unsere Frage, das seien Bettelkinder, die man über Tag zusammenbringe und die nun in eine Zentrale abtranSporttert würden, wo man sie wasche, ihnen zu essen gebe und sie dann entweder ihren Eltern oder einer Anstalt überstelle. Rian hat andererseits nicht gezögert, auf einem Bahnhof vor unseren Augen einen räsonierenden Alten von der Miliz nicht eben sanft abführen zu lassen. DaS waren also keine gestellten Bilder, sondern offenbar der Ausdruck jener Moral, wie sie sich in Rußland entwickelt hat. WaS alt und morsch ist und nicht gewillt, sich einzufügen und einzuordnen, daS muß rücksichtslos beseitigt, das junge, wenn auch verdorbene, mutz gerettet und der Allgemeinheit dienstbar gemacht werden. Diese harte Lebensauffassung ist es, die den Westeuropäern auf Grund ihrer kulturellen Entwicklung fehlt. Deshalb sind eS in der Regel gerade die westeuropäischen Kommunisten, die in Rußland leichter enttäuscht werden als andere Menschen, die vorurteilslos an die Beirachiimg der Dinge Herangehen. Wer glaubt, daß er in Rußland ein Paradies auf Erden, ja, auch nur jenen Lebensstandard findet, wie er uns geläufig ist, der muß enttäuscht werden. Wer dagegen ein Land sucht, in dem in harter und opferwilliger Aufbauarbeit eine neue Welt geschaffen wird, der wird vieles finden, das ihn abstößt. das er nicht versteht, aber er toird die„Generallinie" dieses Aufbaus schätzen und achten lernen. Die sozialdeniolratisch-linlSbürgerliche Koalitionsregierung von Dänemark führt einen planmäßigen Kampf gegen die Wirtsätaftskrise und gegen ihre Auswirkungen auf die Arbeiterschaft und die kleinen Bauern. Nachdem sie gesetzliche Maßnahmen zur Wicdereinreihung der Arbeitslosen in den Produktionsprozeß eingeleitet hat, steht jetzt die Einführung einer staatlichen Vergütung' bei Lohnkürzungen durch Arbeitsstreckung bevor. Es ist errechnet worden, daß die ösfentlichc Hand bei Wiedereinstellung von Arbeitslosen SSO Tänenkro- nen pro Jahr und Mann an Unterstützungsgeldern usw. erspart. Diese ersparten Beträge sollen nun zum Ausgleich von geringeren Löhnen verluendet werden, die durch die Verkürzung der Arbeitszeit infolge der Mehrbeschäftigung von Arbeitern in manchen Industriezweigen bezahlt Iverden. Die geplante Regelung sieht eine Staffelung vor: Arbeiter, deren Arbeitszeit am stärksten verkürzt wurde, und deren Lohn damit auch am meisten vermindert wird, erhalten eine entsprechend größere Vergütung. Die gesetzliche Regelung dieser für die ganze Arbeiterschaft Däucmarls hochbe- deutsamen sozialen Angelegenheit soll in aller Kürze erfolgen. JtoniuttttttceHifhfifag in Sen Bereinigten Staat» Folgende Ziffern über die Produktion in den Vereinigten Staaten von Nordamerika in der ersten Woche des Monats Juli 1984 künden nach der günstigen Entlvicklung in den vergangenen Monaten eiltet, neuen Konjunkturrückschlag an. Nach der Zeitschrift„The Iran Age" ist die Produktion in der Stahlindustrie von 00 Prozent der Leistungssähigkeit von vor zwei Wochen aus 21 Prozent in der letzten Woche gesunken. Die Roh- eisengewinnung hat sich im Juni gegenüber Mai zwar nur von 2,042.000 Tonnen auf 1,980.000 Tonnen vermindert, aber die Tagesproduktion ist im Laufe des Juni von 67.000 auf 48.000 Tonnen, also um 28 Prozent zurückgegangen. Von den 110 in Betrieb befindlichen Hochöfen mnßlen 28 stillgelegt werden. Der Stromverbrauch ist gleichfalls zurückgegangen. Die Güterwagengestel- lung der Bahnen nahm in den letzten vier Wochen die folgende Entwicklung: Sie betrug: vor drei Wochen 71.000 oder 14 Proz. mehr als im Vorjahre, vor zwei Wochen 51.000 oder 9 Prozent mehr als im Vorjahre, vor einer Woche.80.000 oder 5 Prozent mehr als im Vorjahre, in der letzten Woche 17.000 oder 3 Prozent mehr als im Vorjahre. Es ist demnach die Güterlvagengestel- lung innerhalb der letzten vier Wochen um 54.000 Stück gesunken. Bei dieser Entwicklung ist vorläufig wenigstens kaum mit einer tvelteren Verminderung des noch immer zehn bis elf Millionen betragenden Arbeitslosenheeres zu rechnen. An»nchfen der«rbeitalofigkeit in-rnnkrOich Frankreich gehört zu jenen großen Industrieländern Europas, in denen sich die Wirtschaftskrise bis in die jüttgste Zeit hinein fortdauernd verschärft hat. Die Arbeitslosigkeit hat an Umfang Wetter zugenommen. Selbst die amüich gemeldete Arbeiülosenziffer, die aber nur einen Teil der wirklich vorhandenen Arbeitslosen erfaßt,, ist in dem ersten Habjahr 1984 bedeutend böber als in der gleichen Zett des Vorjahres». Stuffiffte Steife vm.«hschlntz Von Josef Bklina «eite 6 „Sozialdemokrat" Samstag, 14. Juli 1934. Nr. 1»2 PRAGER ZEITUNG Ocrkhfssaal Vcrcinsnadiriditcn Literatur I AMMWNMMHMWMWMMMWH lllll Ellltilil Wieviel Personen find bei Ihrer Stadt be- schäftigt? Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 18. Juli, um. halb 8 Uhr. am Bysokaner Bahnhof. Fahrt nach MkSice. Badetonr an die Elbe, Bei ungünstigem Wetter Wanderung nach Elbe-Kosteletz, BrandeiS und Mt-Bunzla». Führer Kapuschinski.— Saarländische Ardeitrrsportler zu« Schweizer BnndeSfeft. Auf dem Schweizer Bundesfest im Juli in Luzern werden mehrere saarländische Arbeitersportvereine vertreten sein. In der Hauptsache wurde in der Leichtathletik gemeldet, ebenso nimmt eine Saarbrückener Handballmannschaft teil. Die Arbeitersuftballer-Team aus Palästina spielt heute in Aussig und morgen in Ä o m o» tau gegen eine Auswahlmannschaft des Ains. — Die Genossen aus Palästina trugen dieser Tage zwei Spiele in der Tschechoslowakei aus, die sie gewannen. Am Mittwoch spielte die Hapoel-Mann- schaft in Mähr.-Ostrau gegen ein Team des Jüdischen FußballvcrbandeS und siegten lnapp, aber sicher mit 2:1(2:11 und Donnerstag schlugen sie in Prag Sparta Koöir verdient 3:2(2:2). Oer Film Liebe a«f de«-»eite« VlU 4. Welchen jährlichen Aufwand erfordert dies? 6.--------- WarmingSzeichen.gegeben, wodurch verschuldet worden sei, daß man die Hasardeure nicht auf frischer Tat ertappen konnte, da sie inzwischen Zeit gefunden hat, le», Vorkehrungen zu treffen. Dies bedeutet eine Vereitelung einer Amtshandlung. Ferner aber soll der Angeklagte den Polizisten den Eintritt- verwehrt haben, zunächst mit Worten, dann durch die Tat, indem er einen Wachmann zurückstieß und den übrigen den Weg verstellte. Er wurde natürlich schnell überwunden und die Patrouille fand beim Eindringen in den Spielraum zivar 39 Spieler um die Spieltische sitzend, nirgends aber einen Beweis dafür, datz verbotene Spiele gespielt worden seien. Der Angeklagte bestritt diese Darstellung der Anklage. Er betonte insbesondere, er sei bloß Hotel- portier und das CafchanS liege gänzlich außerhalb seines Dienstbereiches. Den Eintritt habe er den Polizisten deshalb verlvehrt, weil sie Lärm gemacht und ihr Eindringen nicht begründet hätten. DaS angebliche WarnungSsignal durch Aus- und llmdrehen des Lichtes erklärte er für absolut eine nnbegründetc Vermutung. Tatsächlich sprach ihn das Gericht in diesem Punkte auch frei, aber sein Verhalten gegen die Polizisten wurde durch deren Aussagen bestätigt, so daß daS Gericht den Angeklagten in diesem-Punkte schuldig erkennen muhte und ihn zu zwei M o n a t e n s ch w e r e n Kerkers verurteilte, b e d i n gt auf drei Jahre. rb. Mitteilungen aus dem Publikum. Wie neugeboren fühlt man sich nach einer leichten Einreibung mit Alpa-Franzbranntwein. Regelmäßige Massagen mit Alpa machen den Körper widerstandsfähig, erfrischen bei Ermüdung, reinigen die Haut- oberfläche und icegen den Blutkreislauf an. ■ A«»sch«b»Gitz««M Mittwoch, Halo Ä Uhr abends am Sportplätze auf der Hctzinsel. Kein Funktionär fehle k den. Für Millionen Menschen wurden neue Lcbensmöglichlcite» geschaffen. DaS Land der Kanäle. Von Indien bekommen wir Europäer nur seine bizarren Tempelbauten im Film zu sehen. Man zeigt uns auch das Strahengewimmel der Hafenstädte und die Zeremonien am heiligen Ganges. Wir hören manchmal von Fakiren und Schlangenbeschwörern, von Dschungeln und Tierjagden. Bon dem'wirklichen Leben in Indien erfahren wir Nur selten etwas. Wir könnten manche Erscheinungen im eigenen Lande besser begreifen, wenn wir über das wirtschaftliche Leben und die Vorgänge auf den anderen Kontinenten bester unterrichtet wären. In Indien lebt ein Fünftel der ganzen Menschheit, fast vierhundert Millionen Menschen, auf einem Gebiet, das nicht viel größer ist als ganz Europa, 220 Millionen Inder leben vom Ackerbau..Sie sind von einem,Klima abhängig, das im allgemeinen.drei Jahreszeiten bringt, die jede nach ihrer Art in Europa eine Katastrophe für die Landwirtschaft wären. Von März bis Ende Mai ist es trocken und heiß. Von Juni bis Oktober dauert die Regenzeit. In manchen Gegenden, wie im. Bergland von Assam, bringt der Monfum ungeheuere Wässe r m a s s e n in dsts Land. Könnte der Regen liegen bleiben, dann tväre das ganze Gebiet, mit Welches ist die Steuergrundlage? 6. Wieviel Prozent Zuschläge erfordert der Aufwand in Ihrer Stadt? Für Ihre Arbeit danke ich herzlich ergebener Josef Maötälko, Inspektor der Minderheitenschulen in B.-Leipa." Air fragen, was bezweckt Herr MaStällc. mit Der DoviS>Cup-Kampf Tschechoslowakei gegen Australien nahm Freitag in Prag seinen Anfang. Menzel hatte mit McGrath gerade Arbeit genüg, um mit 10:8, 8:2, 8:8 den ersten Punkt-für die Tschechoflowakei zu buchen.. Ctäwford siegte über Hecht ohne Mühe mit 8:4, 8:2- 6:2 und stellte de» Ausgleich her. Heute wird das Doppel gespielt. daS wohl eine Beute der Australier werde» dürfte. Kommunistische Agitation unter Schulkindern und die Felge». Prag, 18. Juli. Bor einiger Zeit wurden Nachrichten über illegale kommunistische Agitation unter Schülern der Prager Mittel« und Bürgerschulen laut und im Zusammenhang mit diesen Aktionen wurde auch die aus Lettland stammende und in der Tschechoflowakei verheiratete 24jährige Laborantin Franziska Steiner in Hast genommen. Die Anklage beschuldigt sie, vier 12- bis 18jährige Bürge r i ch ü l c r in ihrer Wohnung agitatorisch in kommunistischem Sinne bearbeitet zu haben und zwar in einer Art, daß diese Propaganda ein Vergehen nach dem Schutzgcseh bedeutet. Heute Ivar Franziska Steiner vor dem Senat T i s e k angeklagt. Die vier Jungen, die heute als Zeugen elnver- nommen wurden, erklärten, daß die Angeklagte, die sie aus einem kommunistischen Sommerlager her kennen. sie zwar in ihrer Wohnung ausgenommen habe, doch habe sie sic nicht eingeladen, sondern eine andere Agitatorin, von der alle Beteiligten nur den Vornamen„M a n a" kennen, habe sie hingeführt. Wer diese„Maüa" ist, tvciß angeblich auch die Angeklagte nicht. Die Angeklagte hat, nach Aussage der Kinder, ihnen nur Borträge über den bekannten Svwjetfilm „Ter Weg ins Leben" gehalten. Dagegen geben die Jungen zu, daß die unbekannte„Maüa" ihnen riet, „die Bourgois zu vernichten",„dieselbe Ordnung ein» znsührcn wie in Sowjetrußland" u. dgl. In Sowjetrußland habe jeder sein Haus, cs gehe allen sehr gut und sie(die dreizehnjährigen) sollten den Alten ein aktives Beispiel geben. Die Angeklagte haue sich jedoch nicht beteiligt, sondern nur dazu genickt und gesagt„S o m ü ß t i h r s m a ch e n". Wie wenig die den Kindern wahllos eingetrom- nielten altbekannten radikale» Schlagworte von den Kindcrgchirnen verarbeitet werden, dazu bot die Ein- nernehmung der kindlichen Zeugen manche groteske Illustration. Einer der kleinen Zeugen hatte das Gegenteil der eingedriflten Lektion behalten und sagte auf:... sie hat gesagt,.es mutz in Sowjet- r u ßlan d sowerden wie bei uns." Ein anderer der Jungen sprach von einem„Arbeiter- verbaud"(damit meinte er die Sowjetunion), ein anderer bekannte, er wisse nicht recht, worum es eigentlich gehe. Bei allen aber konnte man eine absolute Konfusion der Begriffe wahrnchmcn. Ter Zuhörer mutzte den peinlichen Eindruck emp- finbcn, daß hier nicht in die aufnahmSfähigen jungen Seelen mit Liebe und Verständnis das Saatkorn sozialistischer Äclt- und Gcscllschaftsausfassung gestreut, sondern das kindliche Gehirn mit agitatorischen Phra- fen blindlings vollgepfropft wird, die naturgemätz unverstanden und unverdaut bleiben müflen. Als Lohn für braves Zuhören bekamen die Kinder Por« zellanclcfantenl Die Verhandlung wurde schließlich vertagt, weil der Staatsanwalt Dr. M e j st i i l auf der Einvernahme eines weiteren jugendlichen Zeugen bestand, der gegenwärtig nicht in Prag ist.. rb. Sanatorium Ziffer| I ' Qanilflirlg geflffnet Telephon 4. g oaeoeeooaooaaaoo—w aeeeeoooeeoit?»> Cassie und Heinz Micharki», W. O. Tomin: „Die Braune Kultur." Ein Doknmemenspieget. 824 Seiten. Kart. 8 Fr., Leinen 7 Fr. Europa-Verlag Zürich. Gerade zu der Zeit, in der die erste große Krise das System des Nationalsozialismus erschüttert, zu der Zeil des Kampfes gegen die„zweite Revolution", die nian von Seiten der Nationalsozialisten mit Gewalt und Terror unterdrücken u können glaubt, erscheint dieses Buch aus der Feder dreier ehemaliger Berliner Journalisten, das in der Fülle seines Materials dartut, aus welchen tieferen Gründen diese nationalsozialistische Kris« entstanden ist/ Nicht die„Miesmacher und Kritikaster" sind die eigentlichen„Ilcbeltäicr", es sind die Nationalsozialisten selbst, und ihre merktvürdigen Maßnahmen, die.diese Krise hervorgerüfen haben ugd zwangsweise Hervorrufen mußten. In dem Buch „Die Braune Kultur" wird ein an. Hand von prägnanten Seitcnübcrschristen sehr klarer Ueber- blick über die historische Entwicklung dieser scheinbar so„uncrlvartetcn" Krise gegeben. Denn diese Mißglückte Jagd auf Hasardeure Lichtsignalr aus der Portierloge? Prag, 13. Juli. Der 40jährige Hotelportier Vladimir Z e h r a d a aus dem Hotel„C e n t r a l" in der R h b n ä stand heute wegen einer kuriosen Sache vor dem Senat Tisek. Er war angetlagt, der Vereitelung einer Amtshandlung und der Gewalttätigkeit gegen Amtspersonen, nämlich gegen drei Polizisten, die am 1. Mrz d. I. in den ersten Morgenstunden Einlaß in das CaföhauS dieses Hotels verlangten. Es war der Polizei zur Kenntnis gelangt, daß in dem Caföhaus ha saldiert werde und so erschien Jmpcktor P r i p l a t a mit zwei Wachleuten, um das Spielernest auSzuhcben. Nach den Behauptungen der Anklage hat der angeklagte Hotelportier, als die Wachleute Eintritt begehrten, durch ein Lichtsignal(zweimaliges schnelles Ausschalten einer Lampe)-den Spielern ein Ferien. Beginn der neuen Saison 8. August. Getreidefelder auf Wüstenboden Da» technische Wunderwerk bei Lukkur in Indien. Es kann keine schönere Aufgabe für den Techniker geben, als Wüste in fruchtbares Land zu verwandeln. Die größte schöpferische Leistung, von der Goethe seinen Faust schwärmen läßt, neuen LebcnSraum für Millionen Menschen, sieht der Techniker bei dieser Arbeit unter seiner Mitwirkung entstehen. DaS Leben, das die Naturgewaltcii zerstört haben, erblüht von neuem, wo der Mensch mit den Hilfsmitteln der Technik Wüstenboden der Bewässerung.zuführt. Seit Jahrhunderten ringt der Mensch gegen die Elemente der Natur, die seine Lebensmöglich- kcitcn vernichten und bedrohen. Dem Meeresboden und der Wüste hat er schon manches große Stück Land abgerüngen, um es mit seinen Feldfrüchten zu bebauen. Das größte Werk dieser Art wurde aber erst in den letzten Jahren in Indien vollbracht. Eine Wüste, größer als Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg zusammen, wurde durch, eine eigenartige Bewässerungsanlage in Ackerland verwandelt. Zehntau- sende landlose Bauern erhielten Grund und Bo« Sperl• Spiel• Kirperpflepe Internationale Sitzung der Verbands techniker in Prag Anläßlich der dritten tschechoflowakischen Olympiade sand in Prag eine Konferenz der dort anwesenden Verbandsvertreter statt. Zwölf Länder tvaren daran beteiligt. Der Vorsitzende, Genosse start B ii h r e n gab eine» kurzen Bericht über die Tätigkeit des internationalen technischen Hauptausschusses seit-seiner letzten Sitzung. Er gedachte all derer, die an der Konferenz aus politischen Gründen nicht teilnehmen können, besonders des Genossen Bruno Kalnin, der in Riga von den Fascisten int Kerker gefangen gehalten wird. Der internationale Sport- und Spielverkehr ist durch den Ausfall Deutschlands und Oesterreichs geschwächt worden. Es bilden sich nun Gruppen von Verbänden, die in engerer Verbindung miteinander stehen. So hat sich bereits nach einer Sitzung in Brüssel eine Arbeitsgemeinschaft der westlichen Länder gebildet. In der Wechsclrede wurde festgestellt, datz eS notwendig, ist, möglichst bald einen Kongreß der SASJ. einzuberufen, um die notwendige ideologische Klärung herbeizuführen. Gleichzeitig soll eine Technikerkonferenz stattfinden, die eine Neuorgan i- s e r u n g des technischen Ausschusses und der technischen Arbeit vorzunehmen hätte. Weiter wurde einstimmig ausgesprochen, daß die technische Arbeit künftig verstärkt und zu dem Zwecke Genösse Bühren weiterhin der SASJ. erhalten bleiben soll. Devlieger(Belgien). lud zu der großen Iu- gendkundgebung gegen Faseismus und Krieg an: 8. August d. I. in Lüttich ein. Genosse Bühren verwies auf den bereits beschlossenen internationalen Stafette ntag(„Tag der internationalen Verbundenheit"), der im September von allen Verbänden durchzusühren ist. Die Vorarbeiten für die SASJ.-Olympiade 1087 sollen sofort ausgenommen werden. llcbcrgrill eines SdnHMKMm Josef Maötälko, Inspektor der Minderheitenschulen' in Böhmisch-Lcipa, richtet durch Vermittlung.. der Leiter der tschechischen Minderheiten^ schulen an die Gemeinden folgendes Rundschreiben, das wir in deutscher Sprache wiedergebeni „Böhmisch-Lcipa, am 8. Juni 1984.. Geehrter Herr Vorsteher! Ich mache die Beobachtung, daß hauptsächlich die Personallasten der deutschen Städte unverhältnismäßig höher sind als bei unseren tschechischen Städten im Innern des Landes. Um die Sache ordnungsmäßig vergleichen zu können,, bitte ich Sie um gefällige Beantwortung folgender Fragen: 1. Name der Stadt. 2. Zahl der Einwohner. 8. MM Bezugsbedtnaungen: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monmlich XS 18.—. vierteljährig Kd 48.—, halbjährig KC 98.—. ganzjährig KS 192.—.— Jnierare werden laut,Tarif' bihigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bei Einsendung der Rcwurmarken.— Die Zetturgsfrankatur wurde von der Poft-und Telegraphen»; »irektion um krlaß Nr. 18.8OO/vn/108O bewillig«.— Druckerei: ,F)rbiS". Druck«. Vertag»« und Zeitung»-A.«G., Prag. BÖHMISCHE UNION-BANK (VEREINIGT MIT DEM ALLGEMEINEN BÖHMISCHEN BANK-VEREIN) ZMln/e In Prag «kMwttil« MJN.Hr-* tamMi M rn.tti.m-- FILIALEN: Auch, Anulf, Rodenbach, Böhaiscb-Bndwels Bratislava, Braunau i. R„ Brünn, Brüx, Freiwaldau, Fry« del«. Gab1onza.N.,Graslilz, Hohenelbe. Iglau. Jlnradon, Karlsbad, Königinhof a. E. Leitmeritz, Mirlenbao. Mühr.* Ostrau, Mlhr.-Sehünberg, Neu-Tltscheln, Olmütz, Pardu* bilz, Pilsen, Prost^ov, Reichenberg, Rumburg. Saas. Tep- litzSchttnau, Traulenau, Troppau, Warnsdorf, Zwitlau. EXPOSfTUREN: Prag Lieben und Prag-Weinberge. Zucker-AMeffiififMr Prag, ■rallifm Ofeltii Troppau, Anzeigen s hellt der Ineerlereaden ' nkurrencheHer Ver sichern ngs- Aktiengesellschaft in Wien Dlrektiea für die t. S. R. In Prag General-Agentaehatt Relehenberg empfiehlt aich mm Abschluß von Feuer- Unfall-, Haflpllcht-, Einbruch-, Auto-,Transport-, Pferde- und Viehveraicherungen zu kulanten Preiaen.«es ... Bargarantiemittel in der CÖR. 58 Millionen. Bl.rea: Prag, NMrodnf tf. 17. Relehenberg, SehOtzeng. Nr. U Brünn, Theatergaaae Nr. 6. Dieser englische Lustspielfilm, dessen Verfasser dieser„Statistik'? und Regisseur Paul Mcrzbach heißt, beginnt mit zwei, jungen Leuten, die teils erfinden und teil« kompo« Krise ist nichts anderes als eine Krise der Kultur, mcrcn, und er endet damit, datz beide heiraten. Da« Die Autoren bedienen sich um den Nationalsozia, stoischen liegen die bekannten neckischen ytvischenfaue: liSmuS ad absurdum zu führen, nur rein national)' daö Kennenlcrnen auf dem Bahnhof, die Suche nach sozialistischen Materials. Beginnend bei der Fader Verschwundenen mittels Radio, die Verwechslung milie im neuen Staat, zeigen sie vermittelst der der Liebhaber durch den Schwiegervater, der ein 1 neuen Verfügungen, Gesetze, Reden Prominenter, jovialer Zündholzkönig ist und hoheitsvoll alles in Artikel der führenden nationalsozialistischen Presse Ordnung bringt. j die Entwicklung, die der Nationalsozialismus ge- Die Regie vergnügt sich mit überdeutlichen Be- nommen hat und nehmen muß. Kirchenstreit Ju- tonungen und die Darsteller kopieren bewährte Vor- denfrage, Vergewaltigung des Rechts. AnSverkmss bilder, so daß als einzige Besonderheit die routinierte d/r Universitäten, Prcsseknebelnng. WirtschastSber- nnd unterhaltsame Bcgleittnusik zu verzeichnen ist, die! nichtnng, der Ruin der Literatur und des Theater? Mischa Spolianflq schrieb, der ehemalige Berliner| wie die verschiedenen Verleumdungsfeldzuge gegen Revuckomponist, der sich hier auch als gctvandter-^e Esmarantcn haben im Grunde genommen alle Filmverioncr bewährt. Es gelingt ihm, jede Situation:'Ersten in der Erziehung zur in Jazz klängen auszudrücken- und er bai es sich so- Wehrhaftigkeit zum Ausdruck kommt. D-«»oren gar geleistet, am End- auch noch den Mendelssohn- cra«ife,, persönlich das Wmt nur z» furzen Er- schcn Hochzeitsmarsch zu verjazzen.! d.e JNHr-r selbst AlS Vorprogramm zeigt man einen Film„Wir die Fuhreri leben in Prag", eine Arbeit des Regisseurs Lrtokar Bavra, deren gute Absicht zu loben ist. Sie will"Licht und Schatten, Schönheit und Schmutz, Glanz und Elend der Hauptstadt zeigen. Aber ihr 1 Fehler ist, daß sie sich allzusehr an Kleinigkeiten klammert— und daß sie äußerlich geblieben ist. Denn man sieht weder Arbeitsstätten noch Wohnungen, man steht nur Schaufenster, Fassaden, Sport- und Stratzenszenen. Und die Realinit des Ganzen wird durch eine schlecht gemachte Selbstmord-Darstellung peinlich unter brochen.—eis— In Boid, Plalln, Porzellan und Naulschus. Arbeiten lür ‘: Herren Aerzle schnell und bim». Anion Kopeckft Zadntechnitrr, Pr«ti« VIII. TrMM tt. 2269 einem drei Meter tiefen Meer bedeckt. Natürlich richten solche Wassermafscn ungeheuere Verheerungen an. In anderen Gebieten, besonders im Nordwesten, im sogenannten Sind, fällt nicht einmal, der hundertste. Teil'dieser Regenmenge. Darum war der Sind bisher eine wüstengleiche Steppe. Aber dieser Sind wird durchströmt vom I n d u s, der auf einer Strecke von mehr als 3000 Kilometer in der Regenzeit die Wasser» massen von den Grcnzgebirgen Afghanistans und Belutschistans dem' Arabischen Meer zuführt. Dort, wo der Indus alljährlich das Land überschwemmt, ist der-Sind feucht genug, um Ackerbau zu ermöglichen. Wenn aber einmal die lieber« schwemmung auöbleibt, daun ist auch dieser verhältnismäßig schmale Landstreisen unfruchtbar, dann herrscht im ganzen"Sind furchtbare Hungersnot. Diese ungleichmäßige Verteilung von Regen und Sonne hat in Indien schon vor Jahrhunderten zu Bewässerungsanlagen gezwungen, die oft sehr primitiv waren. Heute ist etwa ein Viertel des bebauten Bodens künstlich b e w ä s s e r t. Die Bewässerungskanäle sind zusammen weit mehr als 100.000 Kilometer lang. Sie haben' jetzt im Sind eine Ertzänzüng gesunden, die als die größte, der Welt allgemeine Bewunderung verdient.--'-.': (Schluß folgt.).