IEHTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH» Redaktion und Verwaltung na« xii., fochoma er.‘mmtohsmez. AOMMffiwnN TRVON swL HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS. FRAG. 14. Jahrgang Sonntag, 15. Juli 1934 Nr. 163 Das Edo der Hitler DtSc Presse klagte H i t l c r den»Männerbund"genosscn s R och m au. War cs nur die„Nibelnngen- treue" oder war cö mehr? Man weiss nicht, ob Herr Minister H c ss, Herr SS-Führer H i m in- l e r, der Reichsjiigendführer von Schirow und sonstige Grossn'ürdcnträger bei diesen Worten andcrs als die anderen empfunden habe». Aber fest steht das Eine: Alles was an Tatsachen zur Begründung des 30. Juni beigebracht wnrde. war lückenhaft und ohne schlüssige B e- w e i s k r a f t. Mag Schleicher Wege gegangen sein, die seinen Namen erneut symbolisch für sein Handeln werden liessen, wogegen Rvehm und seine Vertrauten konspiriert und intrigiert haben, Dülumentc ihrer Schuld sind uns ebenso wie ihre Einvernahme durch ein Gericht, vorenthalten geblieben. Ihren Mund hat auf ewig der M o r d verschlossen. Die. Moral mit der diese Morde begründet werden, ist die Moral der Räubergeschichten Karl Mays. Ein infantiler Eharaktcr setzte sie in die Wirklichkeit uni. Unklarheiten über Unklarheiten, Lücken um Lücken in dieser Anklagerede, die im Grunde eine Verteidigungsrede war. Erst hörten wir von offizieller Seite, der Gruppenführer C r n st sei bei Antritt seiner Urlaubsreife in Breme» verhaftet worden, jetzt heisst es auf ein- mal, er habe in Berlin geputscht. Roch in wollte angeblich in M ü n ch e n losschlagen, aber Herr Goebbels hat uns nicht die pikanten Szenen vor- enthalten, die sich in W i c s s e e in seiner Villa zu gleicher Zeit abspielten. Nach wie vor sind wir im Unklaren über die Rolle, die Hitler selbst bei den Verhaftungen und Erschiessungen gespielt hat. Mchts hören wir über die Gründe, aus denen man den steifleinenen vornehmen Herrn Bose und Professor Jung, die Gefolgsleute Herrn von Papcns erschossen hat. P a p e n selbst kommentiert einstweilen alles durch Schweigen und Fernbleiben. Nichts hören wir über die „Morde aus Missverständnis" beispielsweise über den Tod des harmlos jovialen StudentenführcrS Dr. Beck, nichts über die eilige Verbrennung Dr. K l a u s c n c r s, dessen Einfluss als früheren Personaldezernenten der preussischen Polizei Herr Goering wohl mehr fürchtete als die Folgen auf die„katholische Aktion", deren Leiter ja Klausencr Ivar. Nichts hören wir über die Racheakte an Herrn von K a h r, L o s s o w und S e i s s e r. Der neue„Rcichsjägermeister" kennt Erbarmen mit dem Vieh, ewer nicht mit den Menschen Sollte in all diesen Fällen Herr Goebbels die falsche Platte aufgelegt haben oder wird jetzt der Reichsläutsprccher wegen unerträg- Kuck die Minister auf Ferien ®eiie 9' Sonntag, 15. Juli 1934 «r. 163 kicher Nebengeräusche gedämpft? Die Welt ist seit dem ReichStagSb rand mißtrauisch geworden und vielleicht wird ihr Mißtrauen noch starker werden, wenn>vic zu erwarten, binnen kurzem gerettete Mitwisser aus der Schule dieses Verbrechens plaudern werden. Herr Hitler hat den Wahrheitsgehalt sei- ner Rede nicht glaubhafter gemacht durch die Art seines Vortrags. Zwar sprach er mit jener schau- fpielerhastcn Markigkcit und niit jenem hysterisch vibrierenden Temperament, das imitier noch auf den kleinen Mann in Deutschland wirkt, auf den jeder der Predigerhasten Eingangssätze und die eine logische Sicherheit vortäuschende Numerie- rungStechnik seiner Vorwürfe, Eindruck zu machen vermag. Aber gelegentlich riß Hitler sich die MaSke herunter. Als er sagte:„Dann lasse ick solche Männer totschicßen," begann die Stimme zu schnarren, sirrte der To», schluckte er wild die Sätze ei» und nian schauderte, weil man in die tierische Tiefe des Menschen schaute, aus der jener ungesunde Machtwille steigt, der den Fanatiker stark und die Menschen schwach macht, wenn sie in Not uttb Zerrüttung die Magie deö Psychopaten Packt. * kraft besitzen. Tie erlangt sie einzig und-allein, wenn sie sich durch gemeinsame Arbeit zu einer neuen Einheit verschmilzt. Die Programmatischen Schwierigkeiten bilden hierfür ein geringeres Hindernis als die historischen: nirgends in Deutschland wird eine Rückkehr zunr Parlamentarismus alten Stils gewünscht. Der Kantpf geht nicht um die halbe soitdern um die ganze Macht der Ar- beiterklasselEr geht, in Nntrisseit gesagt, um die Zerschlagung des alten Machtapparates, um die Bereinigung von Gesetzgebuttg und Verwaltung einschließlich der Justiz in den Händen der aus den Betrieben und anderen örtlichen Wahlkörpern erwachsenen Herrschaft der Werktätigen, auf die Errichtung eines Staates, der eine» eindeutigen sozialistischen WillenSentscheid darstellt und dessen Willensträger Planvoll alle Kommandohöhen der militärischen, bürokrati- scheu, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Macht beherrschen und ihrerseits der Kontrolle einer machtvollen sozialistischen Bewegung unter- stehen. Der nächste Akt des deutschen Dramas wird, wenn er nicht kriegerische Lösungen Wit sich bringt, voraussichtlich die deutsche Arbciterbcwc- gung noch nicht als siegreichen Gegenspieler des FasciSmuS sehen. Aber fast will eS scheinen, al» ob die deutschen Ereignisse weitgehend die Anziehungskraft des Dritten Reiches auch in anderen Ländern vermindert haben. Die Arbeiterschaft beginnt einen neuen Austrieb dort zu spüren, wo aus den Fehlern der Vergangenheit ge- lernt worden ist. Mögen in den einzelnen Ländern die Dinge unterschiedlich liegen, fiir Deutschland kann kein Zweifel bestehen, daß der Augenblick für die K o n z e n t r a t i o n der Gegenkräfte gekommen ist Noch steht Hitler mit auf der Höhe der Macht, neben ihm stehen andere, die vielleicht die Her- ren von Morgen sein werden. Scheinbar ist er der Sieger, in Wahrheit schon ein besiegter Sieger. Er stihlt cs, und schreit seine Unsicherheit maßlos in die Welt hinaus. Die Welt horcht auf, das deutsche Volk aber schweigt noch, denn eS stihlt zu stark den'Druck des Terrors und die tiefe 'Entmutigung über die Niederlage seines Frei- hcitsstrebenS. Der Augenblick ist deshalb gekom» tuen, wo in die Grabesruhe dieser Entmutigung der Hornstoß gellen muß:„Sozialisten Deutsch. landS-vereinigt euch, kämpft für das Deutsche Arbeiterreich!" O. P. Große Nanilcstatlonsvcrsaininlung der sozialistischen Gewerbetreibenden Zusammenarbeit deutscher und tschechischer Gewerbetreibender So hat Hitler in dieser Rede etwas be- wiesen, was außerhalb seiner Absichten lag. Er hat all jenen„Nichts-alS-Oekonomisten" vor Augen geführt, daß z>var die Wirtschaft Untergrund alles historischen Geschehens ist, daß ober die konkrete historische Situation nicht verständlich und nicht zu''meistern ist ohne Kenntnis und sinngemäße Einsetzung der seelischenGcgebenheitendes Einzel- ncn und der Massen. „M enschcnundM ä ch t c" müssen ingleicherWeisebcrücksichtigtwer- den! Man wird dann ebensowenig den Opti- miSmus der opportunistischen Praktiker teilen, die jeden Windstoß in ihren Segeln zu fangen meinen, wie die bis zum Fatalismus und Defaitismus sich steigernde Skepsis jener, die von den Massen enttäuscht, alles auf eine kleine Elite schon. Worauf cs ankommt, ist etwas ganz anderes: Adolf Hitler fehlt heute noch derGegcnspieler! Wahrscheinlich ist, daß sein, durch den geivollten oder ungewollten Uebereifer Goerings, lädierter Plan: im Einverständnis, mit der Großiitdustrie sein Verhält- nis zur Wehrmacht auf der jetzt deutlich ausgesprochenen Basis einer Abgrenzung von polfti- schcn und militärischen Kompetenzen zu stabil!- fieren, fürs erste geglückt ist. Aber das Triumvirat Hitler, Goering, Blomberg, stellt in Wahrheit doch nur ein vorüber- gehendes Gleichgewicht von Kräften dar. Ob mit oder ohne sichtbare Erschütterungen, ob mit oder ohne Aushängeschilder, die eine höchst gefährliche Schußfläche bieten, das Dritte Reich ist in einer Umwandlung vom natio- nalsozialistischen Total st aat zum militärischen Faseismus begriffen. Wir sehen in diesem Militärfascismus einett Mft- spieler Hitlers, der vielleicht eines Tages und dann auf längere Sicht Hauptakteur werden wird. Soin Gegenspieler kann nur die Arbeiterbewegung sein. Dazu muß sie Werbe- Anläßlich der Arbeiter-Olympiade fand in Prag eine große Dclegiertenvcrsammlung der sozialistischen Gewerbetreibenden statt. In den Räumen des Restaurants„ll Pavlikkü" versammelten sich mehr als 80 Delegierte, nm für die Forderungen der sozialistischen Gewerbetreibenden zu demonstrieren. Den Vorsitz führte der Verbandsobmann der tschechischen sozialistischen Gewerbetreibenden Genosse P r ch a l aus Prag. Die deutschen sozialisti- 'chen Gewerbetreibenden, die von den tschechischen Genossen atifs ivärmste begrüßt wurden, vertrat im Präsidium Genosie Grimm aus Saaz. Als erster sprach Genosie Senator Dundr. der in seinem Referat betonte, daß die Gewerbetreibenden stets die Unterstützung der Partei genießen werden, weil kein Unterschied zwischen Arbeitern, Häuslern und den mittleren Gewerbetreibenden sei: alle seien eine große Armee, die das gleiche auf dem gleichen Weg erreichen wollen. Die fascistischen Staaten haben nichts getan zur Besserung der Lage der Gewerbetreibenden. Bei uns bemühe man sich, die Kauflraft zu erhöhen und dies liege vor allem im Interesse der Gewerbetreibenden. Nur wenn der Umsatz erhöht werde, werde eine Erniedrigung der Steuerlasten erreicht werden. Er wies insbesondere darauf hin. daß durch die„Steuerreform" im Jahre 1927, welche der Bürgerblock beschloffen und durchge- führt hat, den Fabrikanten Millionengeschenke gewährt wurden, während die Gewerbetreibenden und Kaufleute trotz der Mitarbeit der sogenannten Gewerbepartei durch diese Steuerreform aufs schwerste geschädigt wurden. Nicht nur in dieser Hinsicht habe die Bürgerkoalition die Gewerbetreibenden geschädigt, sondern auch dadurch, daß i sie es verhindert hatte, daß die— längst Gesetz gewordene— Selbständigenverstcherung durchgeführt werde. Eine weitere Forderung der Sozialdemokratie sei die Kontrolle der Kartelle, liege im unmittelbarsten Interesse der Gewerbetreibenden. Dies sei der erste Schritt zur Planwirtschaft, die in ihren weiteren Konsequenzen die Enteignung der Großbetriebe verlange, eine Forderung, für die sich nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Gewerbetreibenden einsehen müßten, Iveil in der heutigen Zeit nur eine vom Staate geleitete Plan- wirtschaft den arbeitenden Schichten, zu denen sic auch gehören, helfen könne. Und, so schloß Genösse Dundr seine Ausführungen, das ist der Sinn der Zusammenarbeit der Partei mit euch: wir wollen euch nicht nur unserer Sywpathieen versichern, sondern wir wollen für euch, die ihr schließlich zum großen Teil au» dem Arbeiterstand hervorgegangen seid, mehr: wir wollen euch helfen. Die Partei wifl die Gewerbetreibenden überall da, wo sie Einfluß hat, unterstühcn. Die Partei ist der Freund der Gewerbetreibenden und die Gewerbetreibenden helfen der Partei: wir wünschen mit euch die engste Zusammenarbeit. Dann sprach Genosse Kremser für die deuffche Partei. Er betonte in seinen Ausführungen die Wichtigkeit der Zusammenarbeit der tschechischen und deutschen Arbeiter und Gewerbetreibenden, angesichts der vielen gemeinsamen Aufgaben und Interessen. Er wies darauf hin, daß durch die Bürgerkoalition 5.5 Milliarden Steuergelder den Kapitalisten geschenkt würden, die nun in der Zeit der Krise dem Staat fehlen. Eine Reform der Steuerverwaltung sei ein dringendes Gebot. Ein Unrecht sei eS auch, daß die Der Kondor Von Robert üroetuch Dann kam große Nummer: die Fla- schcnparadc. Stefan klatschte dem Elefanten kosend gegen den Unterkiefer und führte ihn vor das Marterbrctt.„Max", sagte er leise und schmeichelnd und ließ ihn laufen. Dann war es Stephan wieder, als schwämme das Ganze ein Stück von ihm weg. Ach was, mochte es daneben schlittern— heute nachmittag ging er zu Paula. Da war Max schon auf den Flaschen, ohne Zögern, ohne Unwillen, turnte, lief ohne Aufenthalt, ohne Sträuben, lief über die ganze Flaschenfront hinweg, stieg herunter und trompetete fröhlich. „Bravol" sagten die Herren und der Prinz klatschte gemessen mit der rechten Hand auf den Rücken der linken. Max jedoch hatte ihnen die Hinterfront zugedreht, hob den Schwanz und entleerte die Därme mit Behagen, denn ein Elefant weiß nun einmal nichts von den Majestäten der Erde. Tat e» mit solcher Unbefangenheit und mit solchem Nachdruck, daß der hohe Herr vorzog, zur Besichtigung des Raubtierhauses überzugehen. „Max schäm« dich," sagte Stephan«nd führte ihn ins Elefantenhaus zurück. Dort über streichelte er ihn, denn fiir Stephan war heute ein Wunder geschehen. Alles war anders gekommen l Bet den Seelöwen klappte sonst alles— und vorhin, vor dem hohen Besuch, ging der Balanceakt mit der Lampe daneben. Max dagegen konnte man gestern selbst mit Zucker noch nicht Wer das Flaschenbrett hinüberbringen— und heute nahm er e» spielend wie ein Nachtwandler! Stephan glaubte seine Tiere zu kennen wie seine Tasche— und nun staunte er wieder einmal da» Unerwartete an. Er nahm seinen Hut, an dessen Rändern die flefoe Ziege knabberte, von der Fuüerliste und warf dem Elefanten im Abgehen einige Zuckerstücke ins Maul. Dabei blinzelte Max so merkwürdig, als mache er sich nachträglich Wer die Dressur lustig. Stephan blieb die Antwort schuldig. Er wußte nicht, ob die heuttge Flaschennummer nun eigentlich ein Sieg oder eine Niederlage seiner Dompteurkunst war. Als er zum Elefantenhaus hinauSging und die Ziegen hinter sich meckern hörte, war er für den Glauben reif, daß da-rinn, jetzt auf seine Kosten gelacht wurde. Und wenn man sich in seinen Tieren so wenig auskennt, was soll man da erst von den Menschen wissen? Die Paula zum Beispiel! Wie konnte sie sich mit dem Keinen windigen Franzosen zu schaffen machen? Die Paula, so'n strammes, vernünftiges Mädchen und der vertrocknete schwarzhaarige Knirps! Und was hatte der mit dem Kondor zu tun? Was mußte er nachts dessen Gitter aufreißen, hineinsteigen und sich betnoche tothacken lassen? Wegen der Paula viefleicht? Rätsel Wer Rätsel! Nichts wußte man. Kopffchüttelnd schlenderte Stephan di« Straße dahin, die zum Krankenhaus führt. Er will ihn sehen, den Francois; er will wissen, was mit ihm los ist. Denn schließlich, sie haben zwei Monate nebeneinander gearbeitet; er war am Anfang ein lustiger, williger Kamerad, der Keine Francois. Und wenn er so halbdeutsch mft den Tieren sprach, mußte man immer lachen. * Das Krankenzimmer, in dem Francois lag, erinnerte an eine Wiese: hellgrüne Wände, Wer die sich eine buntbemalte Decke spannte. Francois Kopf ruhte auf dem Kiffen, wie ein dunller Schatten. Eine Schwester mit weißem HäWchen saß auf der Bettkannte, tauchte Lewwand in ein Wasserbecken und legte dem Kranken«inen neuen Verband an. Seine fiebrigen Augen suchten an der Decke umher, seine Blicke flatterten matt von Ecke zu Ecke. „Mademoiselle", flüsterte er,„wann komm ich in Heimat?"„Bald Francois", beruhigte sie ihn und heftete die Radel mit beruflicher Sachlichkeit in den weißen Verband,„sowie das Fieber vorbei ist...." „Und der Kondor? Ist der Kondor fort?" Die Schwester sah etwas unwillig auf, nahm die Schüssel vom Stichle und zwang sich dann zu einem sachlichen Lächeln. Seitdem er aus der Bewußtlosigkeit erwacht war, stellte er immer die gleichen Fragen. Fieberideen dachte sie, und sagte leichthin:„Ich weiß nicht.. Dann ging sie durch die Tür. Er wendete den Kopf zur Seite und schloß die Augen. Ihm war, als begänne die Luft um ihn her zu summen. Er hörte nicht, daß die Tür ging und ein Mann hereintrat. Stephan. Der Elefantenwärter rückte den Stuhl behutsam anS Bett, setzte sich und betrachtete die Hände des Kranken, durch deren gelb-braunen Ton die Adern bläulich schimmerten. Eine Fliege surrte durchs Zimmer und prallte gegen die Fenster, schwirrte auf und knallfe wieder und wieder gegen die Scheiben. Francois schlug die Augen auf, wendete langsam den Kopf herum uüd sah erstaunt zu Stephan auf. Um die Lippen des Kranken floß ein weicher, lächelnder Zug.„Bon jour, Monsieur Stephan", sagte er mwe und hob die H«id. Sie verschwand in Stephans breiter Tatze. „Wie geht'», Francois? Schmerzen?!" Francois bewegte den Kopf.„Ich komm« in Heimat, Stephan!" Stephan nickte. Der«eine hie« die Tatze fest. „Und der Kondor?" fragte er hastig. Der weiße verband hob sich leicht vom Kiffen. Die Augen flimmerten unter dem hellen Tuch hervor. „Ist Kondor fort? Ist er fort Kamerad?" Herrgott, dachte Stephan, wa» will er eigentlich? Der Fingerdruck des Kleinen und seine dunklen Au^en, die plötzlich Licht bekämen, als seien sie angeknipst, ließen ihm keine Zeit, und als er später auf der Straße draußen ging, wußte er Releral an nasanjk Ndlpdr and Bethune in lan« Wie weiter» amtlich gemeldet wird, erstatteten der Vorsitzende der Regierung M a l y p e t r und sein Stellvertreter» Etsenvahnininister B e- chynk, vor dem Urlaubsantritt der Regierung dem Präsidenten der Republik in Lantz einen detaillierte» Bericht über die Tätigkeit der Regierung in den letzten Tagen. Gemeindeumlagen nicht progressiv gestaffelt werden. Die Partei habe sich stets für die Gewerbe- treibcndcn eingesetzt: z. B. habe bei der Erhöhung der Umsatzsteuer die Partei gefordert, daß bis zu einem Betrag von 20.000 ÜL die Umsahsteuct iveitcrhin mit 2 Prozent vorgeschricben weide, wogegen sich gerade die tschechische und deutsche Gctverbepartei auSgesvro^ u haben. Er wandte sich dann gegen die sogenannten Ständcparteien, die sich weiter nichts als ein fascistischcs Programm zu eigen gemacht haben, das heute als überlebt gelten kann. Rur eins kann helfen: die ehrliche Zusammen-' arbeit-wischen der tschechischen und deutschen Arbeiterschaft und den Gewerbetreibenden. Rach ihm sprachen dann noch Genosse Abg. Klein, der sich mit dem Wirtschaftsprogramm -er Gewerbetreibenden beschäftigte und Genosse Abg. W i n t e r, der über die Sebbständigen-Vcr- sicherung sprach. Aus dem Referate des Abg. Winter sei hervorgehoben, daß gerade die Sozialdemokratie es war,-er es gelang, das Gesetz über die Selbständigenverstcherung zu schaffen. Die bürgerliche Koalition verstand eö dann aber, die Durchführung dieses Gesetzes zu verhindern, insbesondere die Gewerbeparteien, die jetzt so eifrig, gerade in der Zeit der Krise, die Durchführung des Gesetzes verlangen. Die einzelnen Referenten wurden häufig von Beifallstürmen unterbrochen und erhielte» lebhafteste Zustimmung. Es tvurde dann eine Resolutiou angenommen, die im loefentlichen die gleichen Forderungen beinhaltete, tvclche seinerzeit die Gaukonsercnz des Verbandes der Kaufleute und Gewerbetreibenden mit-em Sitze in Aussig beim Saazer Gautag angenommen hatte. Die Versammlung Ivllrdc dann von Genossen Pakovskh, Pardubitz, geschlossen, der darauf hin- wieü, daß durch die engste Zusammenarbeit zwischen deutschen und tschechischen Gelverbetreibcn- den und enge Zusammenarbeit mit der Repräsentantin der Arbeiter, der sozialdemokratischen Partei, die Interessen aller Gewerbetreibenden und Kaufleute am besten geschützt und gefördert werden. Die in bester Eintracht verlaufene Konferenz, auf der Ivirklich viel gute Arbeit geleistet wurde,, ist der schönste Beweis für die Richtigkeit des Aufrufes des Genossen Pakovskh. Um die Selchwarenpreise. Am 9. Juli d. I. fand bei der Landesbehörde in Prag eine Enquete über die S e 1 ch e r e i p r o d u k t e für den Volkskonsum statt, in der nach längerer Beratung beschlossen tvurde, das Gewicht der Knackwürste bei gleicher Qualität zu erhöhen und bei Würstel» das bisherige Gctvicht bei gleicher Qualität beizubehalten. Gleichfalls wurde verbindlich vereinbart, die Prager Salami rn ganz Prag zu einheitlichen Preisen zu verkaufen. Bezüglich der Einhaltung der Preise, des Getvichtes und der Qualität der Waren werden Revisionen vorgenommen. nicht mehr, warum er gerade so und nicht anders geantwortet hatte.' „Ja," sagte Stephan,„jawohl, der Kondor ist fort." Und als Francois mit einem„Merci!" zufrieden in die Kissen zurücksank, bekräftigte Stephan noch einmal:„Ganz fort ist der Kondor!" Der Kranke lächelte, als seien die Schmerzen von ihm gewichen. Seine Augen schloffen sich, sein Atem ging ruhig, langsam gaben seine Finger die andere Hand frei. Stephan zog sie auf seinen Schoß zurück und wartete. Am Fenster kämpfte die Fliege mit zornigem Gesumm. Die Schwester kam zurück und beugte sich Wer das Bett. Stephan sah auf ihrem Gesicht einen Ausdruck, wie er ihn bei Rehen kannte, die vor etwas neuem stutzten.„Er schläft", sagte sie und bog das Ohr noch einmal zu Francois Munde hinab.«Endlich!... Kommen Sie ... der Mann muß vor allem einmal schlafen, nichts als schürfen..." Auf den Zehenspitzen schlich Stephan hinter der Schwester her, auf den Gang hinaus. Im Zimmer war nichts hörbar als Francois Atem. Das Lächeln um den Mund wurde schwächer, verlor sich im Gesicht, wurde vom ganzen Antlitz aufgesogen, das mit zufriedenem, gleichmäßigem gelöstem Ausdruck im Gebausch des Kissens schlief.> G Im Zoo aber thronte der Kondor, wieder oben auf seiner Wacht und schaute Wer die Tierwiesen hinweg, umklammerte mit starken Fängen die Holzstange, auf der er seine Tage verbrachte. Sein weißlich-kahler Kopf mit dem herrisch gebogenen Schnabel war geradeaus gerichtet wie ein Pfeil. Der Blick seiner dunllen, harten Augen blteb an den Horizont geheftet, als sei jene blaue Ferne ein Schrei seiner Sehnsucht, ein Echo seiner Seele... Ende. Nr. LOS Sonntag, LS. Juli 1934 Vom Prüfer nnndlunk Noch hört man nachMngend Im Ohre den von dichterischer Sprachgestaltung und glühender Schön» heitSanbetung erfüllten Vortrag Walter Seidls: „Hellasfahrt." Cr hatte feine Höhepunkte in der packenden Schilderung der um Delphi gelagerten er» habenen Bergwelt und der in die Sonne Homers getauchten Akropolis.— Als zweiter Schönheits« sucher folgte in der gleichen Sendung Landeskonservator Prof. Dr. Karl Kühn mit einer kritischen Betrachtung über die„Ländliche Bauweise in Vergangenheit und Gegenwart". Sie wies nach, daß der ländliche Baustil früher einmal der Ausdruck war für die aus dem Naturgefühl, dem Zweck- bewußtsein und einem unverbildeten Schönheitssinn abzuleitenden Eigenart der Menschen. Diese Wahrheit des Bauens geriet in Vergessenheit, je mehr diese Menschen mit dem breiten Strom des Lebens und seiner Täuschungen in Berührung kamen. Am Ende des 19. Jahrhunderts begann ein neues Suchen nach Stilformen:«s wurzelte aber nicht in bodenständigen Ueberlieferungelr und führte zu einer ganz falschen Neuzeitlichkeit ohne wertvolles Ergebnis. Das Streben mutz dahin gehen, das volkskundliche Baugut zu erneuern; denn die Baukunst ist ein wesentlicher kultureller Wertmesser für den Einzelnen und ein ganzes Boltl— Am vergangenen Sonntag übertrug der Lieblitzer Sender einige Vorsprüngen von der Hl. Arbeiter-Olympiade. Zuerst begleitete die Reportage das Auftreten des Pilsener Gaues. Dann trat Genosse Rudolf Storch an das Mikrophon und schilderte den Einzug der Gruppen des Ätus. Zur Vorführung kamen Tänze der Turnerinnen und Sturmfahnenschwingen der Männer. Als Verfasser der Uebungen wurde VerbandSturnwart Franz Grasse genannt.— Im Gedräime des Programms erfuhr die Sendung wohl eine beträchtliche Kürzung; aber sie verband doch wenigstens für Augenblicke alle Daheimgebliebenen mit unseren Genossen, die in Prag die bedeutungsvollen Tage einer über alles gewaltigen Manifestation für die Demokratie miterleben konnten. Die Ärbeitersendung Wer Straschnih brachte einen von Genoffen Dr. Emil Franzel vermittelten Rückblick auf die politischen Verhältniffe, die vor 20 Jahren zur Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin führten. Mit der ihm eigenen wiffenschastlich souveränen Art und Sicherheit sondierte Äenoffe Dr. Franzel die Hintergründe zur „Katastrophe von Soüajewo". die heute historisch und psychologisch wesentlich anders beurteilt werden muh, seidem der Totschlag und der Mord aus dem Hinterhalte als Kampfmittel auch in Staaten mit ältester Kulturtradition gerechtfertigt werden als selbstverständlich übereinstimmend mit der pathetischen Heiligsprechung von Treu und Glauben.— Am Montag gab Frau Dr. Käthe Haar ihren Geschlechtsgenossinnen gute Ratschläge für das Verhalten gegenüber„Reisebekanntschaften". Hütet euch vor den Männern, die gern zu naschen suchen! Hütet euch vor Verführern und Heiratsschwindlern! Die Predigt klang ein bißchen altbacken und stimmt gar nicht zu dem Bilde, das die'„Europastunde" von der Sprecherin bringt. Gerechterweise wird man von der Prager Sendung nun das Gegenstück erwarten müffen: den an die Männer gerichteten Vortrag, der sie warnt vor den Gefahren der heiratslustigen weiblichen Reisebekanntschaften; denn ebensosehr, wie„manche" hat auch schon„mancher" die Folgen allzu leichten Glaubens zu bereuen gehabt! I— lieber die Herzensneigung Goethes zu der liebenswürdigen und geistreichen Frau Marianne Willemer und den poetischen Widerhall dieses innigen Zusammenklanges zweier Herzen«besonders im.stvestöftlichen Dwan" sprach in der Diens- tagsendung W. Wilhelm mit stark empfindender Teilnahme. Anschließend hörte man Goethe-Lieder von Hugo Wolf und einige Lieder des heimischen Komponisten Johannes Bammer. Die Lieblitzer Sendung des gleichen Tages bracht« zunächst ein wirtschaftliches Relief von Dr. Weil, der(entgegen der Üblichen Art der Wirtschaftsbeurteilung nach dem Eout'schen Rezept:„Es geht schon besser!") die Lage sehr zurückhaltend wertet. Er verschwieg nicht das Sinken des Notenumlaufes um 6.1 Milliarden, den starken Rückgang der Kreditgeschäfte der Nationalbank und ihrer Giroguthaben, den Rückgang der Einlagen bei allen Geldinstituten, der beweist daß eine grobe Zahl von Sparern nur noch von ihren Ersparnissen zu leben verniag. Anderseits ist eine wesentliche Steigeruicg der Produktion bet der Schwerindustrie zu verzeichnen(Eisen. Rohstahl, Auwmobile). Kann man also eine gewisse Stabilisierung wirtschaftlich und politisch fcststcllen, ko ist doch keine wesentliche Wirtschaftsbelebung fühlbar.— Ein von Hrabe verfaßtes Hörspiel „AuS dem Böhmerwald" brachte lebendige Schilderunge«« vor« Land u««d Leuten, verweilte in eigenartigen Siedlungen, erzählte von ihren Menschen, drang in den Urwald des Kubany ein, erstieg prächtige Höhen, blickte von ihren Gipfel»« über endlose Wälder und lub zum Ende ein, die Böhmerwaldschau in Winterberg zu besuchen. Es tväre den braven, verarmten Menschen zu gönnen, daß dieser Einladung recht viele Willige folgten.— Am Mittwoch wuÄ>e die deutsche Sendung abermals(und damit die versprochene Reportage aus dem deutschen Arbeiterkinderlagcr bei Prag) dem Götzen „Fußball" zum Opfer gebracht. Unverständlich bleibt nur, warum denn jedesmal gerade die deutsche Sendung dem Geheule fanatisierter„Sport"- Wildlinge weichen soll. Kann sie nicht, wenn schon die kulturellen Belange der Zeit auf die Reportagen von den Wettkämpfen nicht verzichten zu können glaubt, an solchen Tagen um eine Stunde verlegt werden? Di« für 19.10 angesetzten, von H. Thein gesungenen Opernarien wurden ja auch vorverlegt; also hätte die deutsche Sendung sicher auch e«n Plätzchen gefunden. Unverständlich bleibt weiterhin die nebensächliche Behandlung der deutschen Hörer. Ein Futzdallwettspiel wird ja Wohl kaum aus dem Stegreif angesetzt. Die Presse kündigte aber noch am Tage vor dem 11. Juli das ordnungsgemäß« Programm mit der deutschen Sendung an! Ergibt sich der notwendige Schluß daß die Absetzung erfolgt, ohne daß die Leitung des Radio- journaleS eS für notwendig erachtet, den Ausfall der Sendung wenigstens rechtzeitig anzukündigen, oder gar ein entschuldigendes Wort dafür zu finden; daß die Heldentaten vo>« 22 um einen Ball Sloufenben für das Radio als vornehmstes Jnstru- „A«kW M Sie aoU'n nicht jedem Zwirne trauen. Wollt Ihr gut beraten sein, Dann kauft nur diese Marken ein: „KL" fUr Leinenzwirne In Kapseln, Strähnen und auf Kreuupulen, für Baumwollspulenzwirne, Oberfaden, Unterfaden, Heftwollen** erzeugt seit 1760 Robert Salomon Zwirnfabrik Khaa, Post SchönbUchel C. S. R. 3443 ment deS kulturellen Lebens wichtiger sind als einige tausend Hörer, die das nie begreifen werden! Diese Ungehörigkeit wurde au dieser Stelle nun schon wie» In den Tageszeitungen las man unlängst ein kurzes Telegramm aus dem Süden der USA, daß in Princeß-Ann im Staate Maryland ein junger Neger von der weißen Bevölkerung gelyncht worden sei, weil er eine weiße Frau zu vergewaltigen versucht habe. ES handelte sich um den vierundzwanzig- jährigen Neger George Arwood, gegen den zwar keine Zeugenaussagen Vorlagen, von dem man sich aber erzählte, er habe einer siebzigjährigen Frau Gewalt antun wollen. Was dran wahr ist, ob die angeblich attackierte Greisin überhaupt existierte, davon ist nichts Näheres bekannt geworden. Allein, der Neger«vurde aus dem Gefängnis geholt, totgeschlagen und sein nackter Körper im Oktober 1938 durch die Straßen von Princeß-Ann geschleift. Das geschah, obwohl die Gefängniswache, als die Menge drohende Haltung einnahm, den Gouverneur Ritchie zweimal um Intervention gebeten hatte. Der sehr ehrenwerte Gouverneur begnügte sich damit, vom Auto aus die Menge zu beobachten und sie für gutartig zu erklären. Was geschieht, nachdem die Zeitungen ihre übliche Dreizeilennotiz gebracht haben? Das gleiche, was in fast allen Ähnlichen Fällen geschieht; gar nichts. In neunundncunzig von hundert amerikanischen Lynchfällen(sie sind so häufig, daß man diese Bergleichsziffcr buchstäblich anwendcn darf) handelt stchs angeblich um versuchte Vergewaltigung weißer Frauen. In 98 Fällen von diesen 99 ist die Verdächtigung erfunden, gelogen. Wenn dem jungen Gentry-Engländer zu Ivohl wird, geht cr nach Indien, Tiger jagen. Wenn den deutschen Studenten zu wohl wird, zerschlagen sie sich gegenseitig mit Säbeln die Fresse. Wenn jungen amerikanischen Nichtstuern zu wohl wird, zieh« sie aus, Neger zu teeren und zu federn. Als vor einigen Fahren dieser mnerikanische Kannibalismus ins Gerede kam, wurde«« die feudalen Gentlemenklübs, die solchen Sport betrieben, zwar aufgelöst, dec Brauch geht aber unverändert weiter. Allerdings treibt nian zumeist die Menschcnjagd und Schlächterei nicht nur deS »Sports" seiner selbst willen, sondern cs stecken gewöhnlich auch ganz reale, materielle Beweggründe dahinter. Etwa, daß ein„Nigger" eine Farm besitzt, die ein weißer Grundbesitzer zur Arrondierung seines Besitzes haben will. Und tr enn der schwarze Mann aus irgendeinem Grund sein Land behalten will und eil« Prozeß toenig Aussicht auf Erfolg hat, dann wird eben ein Zwischenfall konstruiert, der mit-der ZeitungSRohstoff-Autarkie ist Unsinn Die deutsche Wirtschaft, die durch die Unfähigkeit der nationalsozialistischen Führung in immer größere Schloierigkeiten gebracht toordcn ist, steht vor der Tatsache, daß ihr der chronische Devisenmangel und die Maßnahmen der ReichSregie- rung die Einfuhr der benötigten Rohstoffe unmöglich machen. Großzügig, wie diese Sorte Führer in solchen Verlegenheiten stets ist, schiebe» die Hitler, Schacht und andere die Schuld dafür auf das Ausland ab. Aber sie sind im nächsten Augenblick auch sofort wieder stark! Sie drohen: wenn es das Ausland nicht anders haben tvill, so werde Deutschland eben zur vollständigen Autarkie übergehen; auch in der Versorgung mit Rohstoffen. Reichsminister Heß hat auf der Tagung der deutschen Auhenhandelskainmcrn diese Drohung ivic- derholt. Wenn das Ausland, so sagte er, seinen verholt gerügt; aber daß Radiojournal scheint eine durchaus autoritäre Einrichtung im demokratisch« Staate zu seinkk— Am Donnerstag gab Senawr Hans Licht einen Bericht über die iiüernationale Ärbettskonfere««z in Genf, di« Heuer zum 18. Male zufammengetreten war, mn eine internationale Regelung der sozialen Gesetzgebung anzustreben. Im Vordergründe der Verhandlungen stand diesmal die Frage der Kürzung der Arbeitszeit. ES gelang den Vertretern der Arbeitgeberverbände, ein Kompromiß zu erzwingen» daS nur eine teUweise Einführung der 40»Stn«den»Woche zugesteht, also ein« Verschärfung im Sinne der Arbeitgeber darstellt. In einer langen Reihe anderer Fragen wurde ein Einvernehmen erzielt.— Am Freitag hörte man von Univ.-Doz. Dr. Egon Weinzierl, wann, tvarum und wohin die Frauen zur Kur oder Erholung gehen sollen. Da der Kuraufenthalt in Badeorten vor allem nur in Frage koinmt für jene „gnädigen" Frauen, die sich erschöpft haben in der Leitung eines Stabes von Dienstpersonal und weniger für die schaffenden Frauen, die froh sein müssen, wen«« man sie nicht um den bezahlten Urlaub betrügt, nachdem nm«« sie in nichthonorierten lieber« stunde«« ein Jahr lang auSgebeutet hat bis aufs letzte Restchen Kraft... also die Kurorte mehr der Heilung der„Damenleiden" und weniger der Lin« de«««ng der„Frauenleiden" dienen, erübrigt sich die Weitergabe der an sich gewiß sehr schätzenswerten Ratschläge.— Sehr ausführlich und ungemein geschickt in der Einführung in das Wesentliche der an- gelagten Werke war die von Dr. Hermann Grab entworfene Ucbersicht über das koinmende Musik- programm der tschechoslowakischen Sender. Borträge solcher Art bedeuten für den Hörer einen sehr schätzenswerten Gewinn. Eimst Thöner. >«otiz mit einem gelynchte«« Farbigen endet. So wurde l«\ Benion(Alabama) der Neger Joe Soles in einem Wald totgeschlagen und durch die weißen Farmer Edward Mealing, Archie Brisant, Asa Mays, Arthur Hall und Gifsin- down. Der Arzt Dr. H. C. Clements, Bento««, zu dem man bett Sterbenden brachte, konnte nur mehr den Tod fcststcllen. Als sich bei einer Voruntersuchung des Falls herausstellte, daß der er- fchlagene Reger nicht— was die Mörder als Grund ihrer Schandtat angegeben hatten— eine Kuh gestohlen hatte; daß diese Kuh seit drei Jahren al« bezahltes Eigentum auf seinem Felde weidete; als mehrere Zeugen aussagten, einer der Totschläger hätte die Negerfarm haben wollen, d«c der Schwarze zu verkaufen sich weigerte,— da wurde also daS Verfahren eingestellt. In Warrenton(Georgia) wurde der Neger Watson Barden durch den weißen Farmer Lcvett Eockwcll auf" dem Feld erschossen. Angeblicher Grund: Vergewaltigung an einer nicht existierenden Weißen Frau. Wirklicher Grund: Meinungsverschiedenheiten über die Methode des Pflügens. Beim Sheriff von Warrenton wurdc Anzeige erstattet. Was tat der Sheriff? Er ordnete ein freies Begräbnis an; damit war die Sache erledigt. Daß kürzlich in Dallas(Texas) die Polizei -eingriff und die Ecinordung zweier Neger verhinderte, die wiederum eine Weiße vergewaltigt haben sollten— man hat sie später als völlig unschuldig an eine«« andere«« Ort abgcschoben— daS ist eine Ausnahme. In« allgcineinen benimmt sich die amerikanische Polizei beim„Lynching thc Nigger" so, wie sich die Polizei in der Hitler- barbarei benimmt: sie nimint daran teil oder sic gibt sich alle Mühe,»nichts zu sehen." Es handelt sich hiev Tute dort nicht um Weltanschauung und nicht um Raffenkämpfe,— cS ist das Klassenkampf und nichts anderes. Zu Beginn dieses Jahrhunderts durfte in den amerikanische«« Weststaaten in Ermangelung eines Negers auch gelegentlich ein Japaner zu festlicher Gelegenheit gelyncht werden. Das darf dort nicht «nehr geschehen, seit„die gelbe«« Jnsclmänner genügend Kanonen, Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Giftgase nebst dazu gehörigem Imperialismus haben. Und in Deutschland dürfen die Japaner, wie amtlich verlautbart wurde, a««ch mit arischen Mädchen in Ehe- und Bcitgcmeinschaft leben, ohne daß dadurch die»Rasse versaut" würde. Wer ein Rassefreindcr ist und also gelyncht werden darf, das ist iinmer wieder eine Funktion deS Einkommens und der außcnpoli- tischen Opportunität. Boykott gegen deutsche Ware«« erfolgreich weiterführt, würde sich Deutschland soweit als möglich vom Ausland unabhängig zu machen versuchen. Das Ausland solle ja nicht annehincn, daß die Erfindungsgabe deutscher Gelehrter und die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie auf dem Gebiete der Ersatzstoffbcschaffung heute geringer sei als einst. Der Minister hat sich mit dieser Drohung gründlich blamiert. Aus den Kreisen der Wirtschaft, die von diesen Fragen«nehr verstehen, hat ein heftiger Sturmlauf gegen diese voi« den nationalsozialistischen Führern propagierten Auffassungen eingcfetzt. Sie führen den Nachweis, daß die Wirtschaft Deutschlands ohne ausländische Rohstoffe nicht existieren kann..Nach den Berechnungen deS Instituts für Konjunkturforschung werden im Durchschnitt rund 45 Prozent der in der deutschen Industrie verarbeitete«« Rohstoffe aus dem Ausland eingesührt, in der Tetilindustrie sogar 90 Prozent! Eine Steigerung der Eigenver- sorgung Deutschlands mit industriellen Rohstoffen Wenn man Ihnen Mineralwasser einschenkt, fragen Sie in Ihrem Interesse, ob eS eine Oualitäts« marke, ob es„Mattoni'S Gießhübler" ist. Gießhübler zeichnet sich durch besonderen Wohlgeschmack aus; seine mineralischen Bestandteile sind dem OrganiS» muS sehr zuträglich. 2SSS lvkvd sehr erschwert, Iveil eS Deutschland an den hierfür erforderlichen Produktionsgrundlagen mangelt. Im„Wirtschaftsdienst" wi«H nachgewiesen, daß, wenn die bisher aus dein Ausland bezogenen Rohstoffe durch deutsche Ersatzstoffe abgelöst werden, sich die Produktion teurer und ungünstiger gestaltet. „Um die Wettbewerbsfähigkeit dieser deur- schen Exportwaren auf dem Weltmarkt aufrecht zu erhalten, nmß die Industrie mit den billigsten Rohstoffen versorgt werden. Eine Verteuerung der Rohstoffbasis bedeutet eine weitere Verschlechte- * rung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit... Ein Uebergang von ausländischen Rohswffen zu heimischen Ersatzstoffen bedeutet aber außerdem, daß ganz erhebliche Störungen in der Binncnwirtschaft eintreten werden. Einnwl würden die Wege der RoWoffbeschaffung ganz andere werden, wodurch der gesamte Handel«md das VerkehrSgeiverbe in einen chaotischen Zustand geraten würden, ande» rerfeitS besteht die Gefahr, daß erhebliche Industrien überhaupt lahmgelegt werden, wodurch Verluste an Kapital und an Arbeitsmöglichkeiten in unübersehbarem Ausmaß entstehen müssen." Eine so gründliche Abfuhr wird dci« wirtschaftspolitischen Auffassungen der in der Reichsregierung maßgebenden„Führern" zuteil. Bon einer anderen Seite der Wirtschaft ist eine außerordentlich scharfe Erklärung gegen das Gerede von der Autarkie in der Rohstoffversorgung veibreitet worden. Es heißt darin» daß durch derartige Aeußcrungcn Beunruhigung unter den Abnehmern deutscher Waren im Ausland hervorgerufcn und der Ruf der deutschen Qualitätserzeugnisse geschädigt iverden.- Natürlich fürchtet sich das Ausland nicht von den deutschen Autarkiedrohnngen. Aber die Reden der Reichsminister, deS Reichsbankdirektors und anderer nationalsozialistischer Größen auf d« einen Seite und die Erklärungen fachkundiger und maßgebender Wirtschaftskreise auf der anderen demonstrieren der ganzen Welt recht deutlich, mit welch stümperhaftem Dilettantismus in Deutschland jetzt Wirtschaftspolitik gemacht wird. » Auch in der Tschechoslowakei wevden, sogar in Kreisen, die sich für besonders sozialistisch-radikal halten, ähnliche Gedankengänge propagiert, wie im nationalsozialistischen Deutschland. Bon derartigen Anschauiingc», die sogar die kleine Tschechoslowakei zu einem Land machen wollen, das sich von der Rohstoffcinfuhr befreien soll, gilt dasselbe, wie oben gesagt wird. ES sind dies hoffnungslose Utopien, die geeignet loären, beispielsweise den letzten Rest unseres Textilcxportes zu erschlagen, da selbst, wen«« es gelänge, Ersatz- rohstoffe im Inland herzustellen,— wozu keine Möglichkeit vorhanden ist— diese viel teurer loären, als die aus dem Auslände cingeführten Rohstoffe. Mr teilen Sozi drei Nazi Ein Kapitel über die Parteibuchbonzen Jahrelang haben Hitler und seine Freunde mit ungeheurem Stiinmauftvand auf die Partei« buchbeainten der svgeiiaiuitcn Systemparteien ge- schiinpft. Jeder kleine Gewerlschaftsangestellte, der sich durch jahrelange treue Dienste das Vertrauen seiner Kameraden erworben hat und deshalb. nach Eintritt des Bedarfs, mit einer zumeist schlecht genug bezahlte» Anstellung bedacht wurde, ist von den Nazi als Parteibuchbeainter, als vollgcfressener Bonze usiv. durch alle Gossen geschleift worden. Mit diesen« Parteibonzentum müsse selbstverständlich Schluß gemacht werden. Deshalb her mit Hitler! Nachdcin Hitler gekommen war, ging es an die Säuberung des BeanitentuniS. Alle sogenannten Partcibonzen aus früherer Zeit lvurden sofort entfernt, ohne daß inan ihnen die auf Grund lvohlcrworbener Rechte znstchcnden Pensionen bewilligte. Nun hat ein Nazibonze, nähmlich Eugen Kruschkc, in« Informationsdienst, einer amtlichen Korrespondenz der Deutschen Arbeitsfront, das NesultatdcrSäuberung mitgctcilt, so- lveit es sich um die Ncichsanstalt für Arbeitslosenversicherung handelt. In dieser einen großen Jn- stitution wurden insgesamt 8372 Beamte und Angestellte e n t l ms s c n. Dafür wurden 11.000 Razibonzen neu eingestellt! Engen Kruschkc, einer der lieben Freunde Hitlers, stellt nebenbei fest, daß mehr als die Hälfte der Neiicingestcllten Mitgliedsnummern der NSDAP unter 300.000 haben. Für je einen entlassenen Angestellten habe«« die Nazi«nehr als drei Mann eingestellt. Das beweist klar und deutlich, wie tüchtig die Systembeamtcn und Marxisten gewesei« sei«« müssen. Gleichviel, wie und wo man die Tätigkeit der Nazi prüft, immer zeigt sich, daß sie unehrliche und verlogene Bursche«« sind. Laokoon Die Wahrheit über„Richter Lynch" Bon Justin Strinfeld. i «eile« Sozialdemokrart' uttr.fng, 15. In« 1031. Nr. M3 PRAGER LLLNWWW Favouk Selchwaren der Fa.HEGNER* Cie.. PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN I Verlernen Sie In jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie.. PILSEN Bei Arterienverkalkung des Gehirns und des Herzens läßt sich durch täglichen Gebrauch einer kleinen Menge natürlichen„Franz-Josef"-Bitter- wasserS die Absetzung des Stuhles ohne starkes Pressen erreichen. Aerztlich bestens empfohlen. 2108 Äuaend, lerne tf t&ec&if während d. Kerlen od. EchuIIabr Im Penllsuat Ntidinu» Sabel a.«. Müder 6—20 I. Tschechisch,«ran».. Enal. Miilil, Sport, Stetten, Schwimmen. Sonnenvtlder für Schwach« a. Blutarme. Stbema-Hetlanflalt. Dcowekte gratis. 2116 Bürgerlicher Sport Davis Enp Tschechoslowakei gegen Australien 2:1. Wie vorausgesehen, getvannen die Australier das am Samstag gespielte Doppel. Das Paar Crawford—Quist schlug Menzel—Hecht 8:4, 6:2, 6:4. Wie leicht die australischen Vertreter getvannen. beweist der Umstand, daß Crawford nur sehr wenig und da nur in entscheidenden Momenten in das Spiel eingriff. Fußballänderkampf Tschechoslowakei—Deutsch land'? Wie verlautet, hat der DFB: an die CsAF. das Ersuchen gerichtet, im November d. I. in Berlin einen Länderkampf auszutragen. Wahrscheinlich wollen die Deutschen ihre 8:1-Aiederlage vei der Weltmeisterschaft ausgleichen. Vorläufig hat die CsAF. keinen Termin frei, obwohl sie im Prinzip geneigt ist. mit Deutschland in Länderspielverkehr zu treten. Aber das stört alles sehr wenig, da die Handlung nur zur Kulisse für Roel.Noel, einen überragenden Komiker, wird. Wie er diesen Chaplin sinierender Nüchternheit spielt, mit einem Blick, mit einem Zucken der Mundwinkel, so ausdrucksstark wie nur je ein Begnadeter das ist so beispielhaft, daß sich dieser unaufdringlichste der Komiker bezwingend aufdringlich in die vorderste Front spielt. DaS Vollendete an dieser Komik ist ihre Innerlichkeit, die die komischen Wirkungen aus dem Studium der Psychologie schöpft, die auf den äußeren Lachreiz verzichten kann, weil sie nicht routiniert gestellt wird, sondern von innen heraus lebt. Man.könnte bei flüchtigem Blick diese Gestalt vielleicht mit Schwejk vergleichen und doch geht dieser Vergleich gänzlich fehl. Hier steht kein gemütlich schmunzelnder Rebell des urzivmstischen Widerstandes gegen den militanten Druck von oben, sondern ein Mensch der absoluten Primitivität, ohne Hintergründigkeiten in seiner ganzen, grenzenlosen Einfalt... Der sehr begabte Regisseur Jean Tarride zeigt seinen weit über Durchschnitt scharfen künstlerischen Blick im Nachbilden der Atmosphäre, des Holzschnitthaften Milieus der französischen Bauern- Überraschung In Prag! 2638 Heute und täglich das große Sensationsprogramm in Prag L, Celetnä 17, Telefan 60790 landschaft. In einigen Bildern wird hier Stärkstes gegeben. Im zweiten Teil fällt er ab. wird oft zum landläufigen Routinier. Eine Sünde, die man ihm. in Erinnerung an zwei, drei bleibende Bilder, vergeben mutz. Pierre. Ei« Notar als MiMo«e«defra«da«t N«i«iert durch Börsenspekulation und Hasardspiel— JweitSgiger Senfationoprozeh gegen de» Pkibramer Notar Brba* Jede» neue Parteimitglied bedeutet; eine» Freund mehr, einen Feind weniger. Darum«erdet siir die Partei! einem Fliegerregiment, tölpelt er sich durchs Leben wie ein Schlafwandler, dem schließlich zu seinem faß'ungSloscn Staunen das große Los des Zufalls in den Schoß fällt. Er liebt die schöne, tempemmentvolle Magd seines Arbeitgebers, eines Großbauern, natürlich zwingt man ihn, die Tochter zu heiraten. Mit Grausen steigt er in die Hochzeit, bis er— beim El wachen des TageS— seine Frau betrachtend, sie zu lieben beginnt. Die erste Stunde, in der er sich wohlfühlt, bringt ihm den Befehl, zu seinem Regiment einzurücken. Durch ein spielerisches Versehen gerät er in ein Flugzeug, steigt auf, kann, ein vollendeter Schlcmihl, nicht mehr landen uick erringt so, ein etwas turbulentes und pittoreskes Finale, aus lauter Unbegabung einen umjnbelten Dauerflugrekord. So sympathisch schlicht die Fabel beginnt, so grelles Klischee knalliger, oft gehabt« Printen ist sie zum Schluß. mitteilunoen der„Urania“ Zu den Wallrnsteinfestspirlen nach Eger. Sonntag, den 22. Juli. KL 116.— einschl. Eintrittskarte. Auskünfte, Anmeldungen: Bolksbildungshaus„Urania“, Prag H., Klimentsskä 4, Tel. 61623. 62441, Prag, 14. Juli. Vor dem hiesigen KreiSgericht begann heute vor dem Senat Werner ein De- sraudationsprozeß, der zwei BehandlungS- t a g e in Anspruch nehmen lvird. Zur Verhandlung steht die Affäre des Pkibramer Notars Wenzel Brba, der heute nach fast zweiähriger Boruntersuchung der schweren Veruntreuung anvertrauter Gelder angeklagt ist. Die 26 Maschmenseiten umfassende Anklageschrift legt dem Angeklagten zur Last, in seiner Eigenschaft als Notar in den Städten Bkeznice, Pisek und P i i b r a m im Zeitraum von 1622 bis 1032 sich der Unterschlagung anvertrauter Depositen. im Werte von 666.000 KC schuldig gemacht zu haben. Die Anklage zählt 126 Fälle solcher Unterschlagungen auf. Die Angelegenheit erregte bei ihrem Auffliegen vor zwei Jahren allergrößtes Aufsehen. Der Schritt auf hie schiefe Ebene: Börsenspekulationen. Wie so viele andere, ist auch Notar Brba dadurch ruiniert worden, daß er der Börsenspekulation verfiel, diesem ärgsten Sumpf der kapitalistischen Wirtschaft, der unzählige Opfer gefordert hat. Zuweilen gewann er. meistens verlor er. Jedenfalls ist nachgewiesen, daß er bereits an seinem ersten Posten in B r e z n i c e, tvo er bis 1626 tätig war, sich in zwei Fällen an anvertrauten Depositen vergriffen hat. Dann wurde er nach Pisek versetzt, wo er bis'1630 blieb und 16 Defraudationen beging. Schließlich kam er nach Bribiam und hier ging eS mit ihm dann in solchem Tempo bergab, daß er in zwei Jahren sich, 108 weitere Ber- untrermngen zuschulden kommen ließ. Im Jahre 1631 kam zu den Spekulationsverlusten noch ein rapider Verfall seiner Praxis. Die Klienten begannen der Kanzlei Brba auszuweichen, als ruchbar wurde, daß ihr Inhaber rettungslos dem Hasardspiel verfallen, Ivar, auf welchem unsauberen Wege er seine Bör» senverluste einbringen wollte. Der Herr Notar amtierte in den Pkibramer Kaffeehäusern„Z a- l u d" und„L a m b e r k" ganze Nächte hinter dem Spieltisch in der Gesellschaft des Herrn Cafötiers, verschiedener Industriellen und Gewerbetreibenden, höherer Staats« und Privatbeamten, aber auch notorischerBerufSspieler. Man spielte „Segen Gottes" und die Einsätze waren zunächst„nur" 100 K£, später aber wurden auch Beträge von 20.000 bis 80.000 Ki gesetzt. Nach eigener Angabe hat Brba 600.060 bis 600.000 Hü im Hasardspiel verloren Vergebens versuchte sein Konzipient Dr. I e n i k, der schon unter seinem Vorgänger in der Kanzlei tätig gewesen war und mit Entsetzen ihren rapiden Verfall ansehen mußte, dem wüsten Treiben seines Chefs Einhalt zu tun. Als sich die Sache dann allmählich zum öftentlichen Skandal auswuchs, entsandte die NotariatSkmnmer im Herbst 1632 einen Da» Opfer Es ist wirklich ein großes Opfer, wenn es vielleicht auch nur wie ein sehr kleines aussicht. Im Zentrum dec Stadt, nntocit des Dcnis-Bahn- hofs in frühester Morgenstunde. Ein älterer, un sagbar zerrissen und verelendet anSschcnder Mann, dessen müdes, abgespanntes Gesicht die Pein der Obdachlosigkeit verrät, schleicht, ein lebender Leichnam, an den HauStvändcn entlang. Vor einer Bäckerei bleibt er stehen, stutzt, geht mit zögerndem Schritt, wie mit sich selbst ringend, hinein und erbettelt sich einen Kanten Brot. Als er schon mit wahrem Hcißhnngcr hin- cinbeißcn will, sieht er plötzlich eine Schar Tauben, die emsig den Erdboden nach Nahrung beschnüffeln. Das todmüde Gesicht des Zerlumpten belebt sich, ein Zug von Heiterkeit fliegt über sein Gesicht, der Mund ist ein wenig zum Lächeln geöffnet. Und nun geschieht es, das Wunderbare, das Rührende, das einem säst die Tränen in die Augkn treibt. Wie unter suggestivem Zwang handelnd, greift der Bettler nach seinem angcbissenem Brotkanten, zerpflückt ihn langsam, genießerisch und wirft die Krumen den Tauben und einigen schnell die Beute witternden Spatzen zu, die ebenfalls aufmerksam geworden sind. Ein wildes Weitesten beginnt. Im Nu ist der Vorrat vertilgt, der Mann muß weiter bröckcls. Bald ist das kleine Brotge- schcnk verbraucht... Vcrclnsnadiriditcn N»»fch«0-Sttz»«p Mittwoch,.halu c> llhr abends ain Sportplätze auf der Hetzinsel. Kein PRAG Funktionär fehlel Spart• Spiel»Körperpflege Der Kongreß der SASS findet schon in diesem Jahre, und zlvar am 6. und 7 Oktober statt. Es soll eine Stockt in der Tschechoslowakei als Tagungsort vom Präsidium bestimmt werden. Dies ist der wichtigste Beschluß einer Besprechung der bei der Olympiade in Prag anwesend gewesenen Vertreter der Länder und Mitglieder des Büros. In dieser Besprechung fand eme überaus lehrreiche Diskussion über die durch die politischen Ereignisse herbeigcführten Verhältnisse in der SASJ statt, die in dem Wunsch ausklang, daß, nachdem die Zeit hiefür gekommen ist, der Kongreß schon dieses Jahr stattfinden soll. Dir Kcnferenz ersuchte den Genossen Deutsch, welch« wiederum seine Vräsidentenstelle zur Verfügung stellte, dieselbe weiter beizubehalten. Die Bespre- üung gab dem Büro und dem Präsidium bemerkenswerte Ratschläge und Anregungen. Das Büro und das Präsidium hoffen, daß auf dem Kongreß der SASJ am 6. und 7. Oktober sämtliche Länder vertreten sind. Näheres wird rechtzeitig bekanntgegeben werden. An der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Dienstag, abends 8 Uhr, im Parteiheim gemeinsame Veranstaltung aller SJ-Gruppen:„Das neue Rußland.“ Bericht»des Genossen Bülina von seiner Rußlandreise. Parteimitglieder sirck willkommen! FEUER-. EINBRUCH-, STURZ-, SPRENG- UND SCHMELZSICHERE „AJAX“- PANZERKASSEN Enlkluilge und bewahrte Konstruktion• Prima Zeugnlue aber erfolglose Elnbruehsvereuehe Feuer- und diebessichere Bücherschränke, geheime MauerschrSnkchen, Geldkassetten usw. PANZERKASSEN- UND KASSETTEN-FABRIK Joh. Otto Großer, Bodenbach a. E GEGRÜNDET 1907- PRIMA REFERENZEN- MEHRFACH PRÄMIIERT Revisor. Dieser, der Notar Dr. Krejkik. stellte bei flüchtiger Durchsicht der Bücher einen Fehlbetrag von 880.000 Kü fest, der dann noch um fast 100.000 XL wachsen sollte. Der Bevollmächtigte der Kammer stellte weiter fest, daß die Bücher— vor allem das Depositenbuch— überaus schlampig geführt wurde, so daß cs große Mühe kostete, alle Unterschlagungen mlfzudecken. Der vollkommen geständige Angeklagte hat eine Deckung von etwa 220.000 Ke angeboten, d°e aber, nur zum kleinsten Teil aus Bargeld besteht. Als Sicherstellung soll seine Villa im Werte von 156.060 Kd dienen, ferner sein Luxus» uuto, das gleichfalls auf 160.000 KL geschätzt wird, Perserteppiche im Werte von 76.600 KL, Gemälde für 48.060 KL, ferner die W o h- nungs- und Kanzleieinrichtung, verschiedene Außenstände u. dgl., lauter Dinge, von denen fraglich ist, zu welchem Preise sie in Geld umzusetzen sind. Als Kuriosum sei vermerkt, daß unter den Aktiven auch diebeiderRotariatS« k a mm er erlegte Kaution von lsage und schreibe). 6600 KL figuriert. Günstigenfalls ist etwa ein Fünftel der defraudierten Summe gedeckt. Zur Erklärung seiner Verfehlungen führt Brba lediglich sein Spekulanten» und Spielerpech an. Die veruntreuten Gelder mußten seine Verluste an der Börse und am Spieltisch decken. Eine außerordentlich hohe Lebensversicherung(auf eine Million), die ihn infolge der hohen Prämie gleichfalls schwer belastete, läßt den Gedanken auftauchen, daß Brba damit rechnete, unter Umständen seine Familie durch frestvilligen Tod sicherzustellen. Ob und inwieweit die geschädigten Klienten des gewiffenlosen Notars ihr Geld zurückerhalten haben, ist leider nicht bekannt. Da der An» geklagte in allen wesentlichen Punkten geständig ist, verlief die Verhandlung ohne bemerkenswerte Momente. Das Beweisverfahren bewegte sich vor allem um die Aufhellung technischer Details und die Klarlegung der einzelnen Defraudationsfälle. In den NachmitagSstunden wurde die Verhandlung auf Montag vertagt.' rb. DaS„goldene" Zeitalter der Fußballer in der Tschechoslowakei beginnt im Herbst d. I. mit der Abschaffung der Bezeichnung Profi und Aniateur. Von da an gibt es nur noch Fußballer, ob sie nun bezahlt werden oder nicht. Bon deutschen Fußballvereinen haben bei der CsAF. um die Erlaubnis angesucht(und auch erhalten), ihre Spieler bezahlen zu dürfen: DFK. Aussig. SpVg. Bodenbach, DSB. B.-Leipa, DSV. Brünn, DSK. Brüx, DFC. Budweis, BTK. Gablonz, DSK. Gablonz. Grot- tauer SK., Karlsbader FK., DFK. Komotau, SK. Mäbr.-Schönberg, DFC. Prag. DSB. Reicheicherg, Reichenberger FK., DSV.' Saaz, Warnsdorfer FK »er film Flughelde« Dieser französische Filni, ein Spätling der Nachsaison, ist sehr beachtlich, nicht der Handlung, sondern der Regie, die Atmosphäre zu zeichnen ver». steht und des Hauptdarstellers wegen, der zeigt,, wie tief menschlich und erschütternd eine Komik wirken kann, die auf die billigen Efsekie plumper Dutzendwirkungen verzichtet. Die Handlung, in kurzen, diskreten Strichen mehr angedeutet als auögeführt, ist die Geschichte eines sympathischen Kümmerlings, eines naiven Eckenstoßers. dessen Lebensironie unbewußt zu einem einzigen Achselzucken über die unzähligen Tücken des Objekts wird. Ein Schlcmihl im Zeitalter der Technik, der, beim grotesken happy end, zum Helden wider Willen wird. Einer von denen, die immer zu spät kommen und den Einsatz versäumen, weil ihre Schüchternheit ihr Schicksal wird. Im Zivil Bauernbursche, beim Militär Monteur in Getreidefelder auf Wilstenboden Das technische Wunderwerk bei Dukkur in Indien. (Schluß.) Der Staudamm bei Snkkur. Bei Sukkur staut jetzt ein Damm von 1.5 Kilometer Länge die Wasiermasien auf, die sonst in der Regenzeit nutzlos ins Meer geströmt sind. Das Wasser wird in sieben Hauptkanäle abge- drängt, die jeder breiter sind als der Suezkanal. Der längste von ihnen ist dreihundert Kilometer lang. Das entspricht etwa der Entfernung von Wien nach Klagenfurt, oder von Wien nach Salzburg. Von diesen Hauptkanälcn wird das Wasser in kleine Kanäle abgeleitet, die zusammen sechs Millionen Acres Land, das sind etwa 2.5 Millionen Hektar, berieseln. Zehn Jahre lang haben tausende Ingenieure und Arbeiter im Sommer in tropischer Hitze, im Winter in Nässe und Kälte dieses Riesenwerk geschaffen. Es war eine opfervolle Arbeit, aber sie diente dem größten Werk, das je in dieser Art geschaffen wurde. Hunderte Brücken» Straßen und Bahnanschlüsse haben dem durch Kanäle zerrissenen Land die Verkehrswege wieder hergestellt. Die englische Regierung, die zwei Drittel Indiens beherrscht, hat 8 Millionen Pfund Sterling für dieses Riesenwerk aufgewen- det. Aber sie hat dies nicht für Gotteslohn ge tan und nicht aus Mitleid mit den armen Indern, die bei weiteren Hungersnöten noch zugrundegegangen wären. Lange, ehe der Bewässerungsplan ausgeführt war, hatte man schon errechnet, welchen Ertrag der neugeschaffene Ackerboden abwcrfen kann. Man ist dabei zu folgenden! Ergebnis gekommen: Mit dem aufgestauten Wasser lassen sich int Jahr in der früheren Wüste Sind 1,500.000 Tonnen Weizen, 500.000 Tonnen Reis, 120.000 Tonnen Oclsamcn, 300.000 Tonnen Futterkürner und 600.000 Ballen Baumwolle gewinnen. Für die Regierung fallen nicht nur die 7 Prozent ab, mit denen das Kapital für die Bewässerungsanlage verzinst wird, sondern auch die Steuern und Zölle, die sich aus einem aufblühcnden Land ergeben. Vor allem hat aber das„Mutterland" eine neue Basis für seine Baumwollindustrie und eine stärkere Position auf den Weizenbörsen der Welt. Weizen fällt— der Hunger steigt. Die Wüste Sind ist nicht die einzige, die in den letzten Jahrzehnten fruchtbar gemacht wurde. Die Agrarkrise der ganzen Welt hängt damit zusammen, daß Steppengebiete von ungeheuerer Ausdehnung unter den Motorpflug gekommen sind. In Südamerika, in Australien und in Afrika wurde Steppenbodcn in Getreideland verwandelt. Rußlaiid hat große Gctrcidcfabriken auf. früheren Steppen angelegt. Run geht Rußland auch daran, in Zentralasien eine Wüste, die sogenannte„Hungerwüste", mit Bewässe rungskanälen zu durchziehen, die vomSyr in Tur- kcsta abgeleitet werden sollen. Auch Kraftwerke und Fabriken werden auf den früheren Wüstenboden entstehen. Fast eine halbe Million Hektar Wüstensand werden lviedcr in fruchttragende Siedlung vcrwmtdelt. Man könnte sich über diese Grohleistnngcn der Technik mit dent Dichtcrworle freuen:«Die Welt wird schöner mit jedem Tag", wenn die Planlosigkeit der Güterverteilung in unserer Zeit nicht neues Ungemach herbeigcführt hätte. Die Ueberproduktion an Weizen hat die Weltkrise ausgelöst. Die Landwirte der ganzen Welt zittern vor einer guten Welterntc. Wohl ist jetzt Weizen genug da, aber cs gibt zu wenig Menschen, die sich Brot kaufen können. Es bleibt jetzt nur noch zu hoffen und zu wün- schen, daß der Menschengetst, der Wüsten in fruchtbares Ackerland verwandelt, auch den richtigen Weg findet, die neugewonnene Nahrung den Millionen Menschen zugänglich zu machen, die noch immer nicht genug zu essen haben. Daß Menschen hungern, wenn die Raturgetoalten eine Ernte zerstören, war unabänderlich. Dagegen gibt es keine Auflehnung. Aber daß Menschen hungern, obtvohl viele Millionen Zentner Nahrung unverkauft in den Speichern liegen, das ist nicht notwendig. Der Mcnschengeist, der so viele Schwierigkeiten überwindet, wird auch Hindernisse überwinden, die einer gleichmäßigen Verteilung der NahrungS- und GcbraüchSgüter noch im Wege stehen. Jng Ernst Hartmann. 8«ti?n* 8 8 b- et>.* 1? F c n? Bet Kusiellimg ins Haus oder bet Bezug durch die Poft monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 66.—. ganzjährig KL 162.—.— Jnkerate werden laut Mtttoft berechnet. Bei öfteren Einschaltungen wrts Nachlaß.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bet Einsendung der Metourmarken.— Die ZettungSfrankatur wurde von der«oft- und Zelumrten» »trektton MU erlaß Nr. 18.800/vn/1980 bewilligt.— Druckerei: ,F>rbiS" Druck-. BerlagS- und ZeitungS-A.-G. Prag.