(•hwcMteMck S-Hallar Fort») 14. Jahrgang Dienstag, 17. IM 1934 DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME MB MONTAU TTOUCH FRÜH. KMIWN UNO WRWAUUNO RWO xh.,*ocnova< moon*. AM HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. CHBMDAKICUti WHMM NIESSNER. WRANIWOREUCNM RKMKNlMi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Neuerliche Bluttat des christlichen Trauerkundgebung erschossen Regimes in Oesterreich Wie«, 16. Juli.(Eigenbericht.) Das^christliche" Dollfuß-Regime bat neuerlich eine ungeheuerliche Bluttat begangen. In Kaltenleutgeben bei Wien schoß am Sonntag Gendarmerie blindwütig in eine Bersaminlimg sozialdemokratischer Arbeiter, die eine stille«nd ruhige T r a u e r k n n d g e b u n g für dir C;>fer drö 15. Juli 1627 veranstalteten. Drei Tote und eine Anzahl schwerverletzte Genossen blieben am Platze. Die Nachricht von dieser neue» blutigen Schandtat der Kanonenchristr« verbreitete sich bald unter den Wiener Arbeitern und löste begreiflicherweise ungeheuere Erregung auS. Die erbitterteStinimungin Wie» wuchs sichtlich von Minute zu Minute. Gegen sechs Uhr abends wurden in Ottakring und in Favoriten Wachleute von den empörte« Arbeitern, die eben in illegalen Zirkeln über die neueste Schurkerei des DollfußrrgimeS informiert worden waren, verprügelt. Daraufhin wurde in den Arbeiterbezirten die P o l i» 1 ri alarmiert«nd alle Polizeiposten verdreifacht. Meuchelmörder gegen eine würdige Trauerfeier Die österreichische Regierung versucht die Sache so darzustellcn, das einige hundert K o m- n: n n i st e n, die zum Teil mit Revolvern bewaffnet gewesen wären, eine Demonstration veranstaltet hätten und zum Angriff gegen die Gendarmerie, die die Versammlung auflösen wollte, dorgcgangen wären. Darauf habe die Gendarmerie in^Notwehr" zur Waffe gegriffen und die Schüsse abgegeben, denen drei Tote und mehrere Schwerverletzte zum Opfer fielen. Diese Darstellung ist vom ersten bis zum letzten Wort frei erfunden. In Wahrheit hatten die sozialdemokratischen Arbeiter Freitag eine stille T r a n e r f e i e r. an den Gräbern der Julige- sallenen auf dem Wiener Zentralfriedhos veranstalten wollen. Die Polizei» di« von dieser Absicht ersahren hatte, hatte aber den Friedhof in weitem Umkreis mit starken Kordonen abgesperrt und ließ niemanden ans den Friedhof. Daraufhin beschlossen die Arbeiter, di« Gedenkfeier für di« Juliopfer etwa 15 Kilometer von Wie« entfernt auf einer Waldwiese bei Kal- tenleutgeben abzuhalten. Dort sanden sich auch etwa 800durchwegssozialdem»kra- t i s ch r A r b r i t e r e i n, dir v o l l k o m m e n «» bewaffnet waren. Plötzlich erschien eine acht Mann starke Patrouille auü Gendarmen und OrtSwrhrmännrrn und gab ohne w e i- ter« Warnung auf die Teilnehmer drr ruhige« und würdigen Totenfeier Schüsseab. Wie schlecht erfunden die Darstellung der Rrgieriius ist, geht schon daraus hervor, daß-sie selbst zngeben muß, daß vonseitenderAr. beiter nicht ein Sch u ß gefallen i st. Kein Mensch wird sich von den Dollfuß.Christen riurrden lassen» daß 800 Arbeiter, di« wirklich mit Revolvern bewaffnet gewesen wären, sich von. acht Gendarmen und Heimwehrleuten hätten unter Feuer nehmen lassen! Di« Wahrheit ist, daß die Gendarmen ohne jede vorherig« Warnung meuchlings daS Feuer gegen eine vollkommen unbewaffnete, wehrlose Trauerversammlung abgegeben haben. ES wird der Tag kommen, an dem die Auftraggeber dieses gemeine« Meuchelmordes sich vor den Arbeitern zu verantworten Haven werden!■• Von den drei Todesopfern ist erst eines identifiziert. ES ist der sozialdemokratische Ber- tiauensmann und Autoschlosser Hans Fröhlich auS PerchtoldSdorf. Die Name» der beide» anderen Toten sind noch nicht bekannt. Unter-dem Sch w er v e r l eh t e n, di« mit dem"Tode rin«! gen, befindet sich- Genosse Karl R i t t m a y r, ein ehemaliger Angestellter. des Arbeit erlousum-- Vereines in Liesing. VURre Amnestie Hk SchutzMmflert Wien, 1«. Juli.(tzPB.) Inoden'nächstest Tagen wird'«in- Erlast'Wer Äe Nachsicht der Strafen der^chützbündmitstkieder^ die' wigen geringerer Vergehen verurteilt wurden, erlassen werdend DamitMrd die Aktion abgeschlossen, die bereits seit längerer Zeit im Wege individueller Mchwchen dnrchgefiihrt wird. Ans die Angehörigen des Schutzbundes, die im Krieg eine Auszeichnung erhielten, wird besonders Rücksicht genommen werden. Men ohne LUM Wien, 16. Juli.(Eigenbericht.) In der Nacht vom TamStag zum Sonntag ging(wie von uns schon knrz gemeldet) in ganz Wim plötzlich daS elektrische Licht auS«nd die Straß e.nbahn blieb stehe«. Die Untersuchung ergab, daß daS Hauptkraft« w e r k in Opponitz, das, Wien mit-elektrischem. Strom versorgt, durch ein« Sabotageakt still» gelegt worden war. Obwohl die ganz« Nacht fieberhaft an der Wiederherstellung deS Kraftwerkes gearbeitet wurde, konnte die Stromversorgung doch nur soweit sichergesteltt werden, daß am Sonntag«migstenS die Straßenbahn den Betrieb wieder anfnehnim konnte. Die elektrische Beleuchtung fimttionirrle auch Sonntag abend» noch nicht störungsfrei. * Die Regierung Dollfuß versucht die Sache nach gewohnter Taktik als einen„nationalsozialistischen" Sabotageakt hinzustcllen. Wie wir aus sehr gut informierter Quelle erfahren, scheint es sich vielmehr um eine Aktion sozial!- Audi niissoiHii iUr den osfraM IMeneaUM n Berlin ■M WarMMi Lond» n, 16 Juli. Der römisch« Korrespondent der„Morning Post" teilt mit, daß der italienische Minifterprästdmt Mussolini die italienischen Diplomaten«nd Vertreter in War» s ch a« und B e r l i n beauftragt hat, an den-«- ständigen amtlichen Stellen in dm beidm Hauptstädten klarzustellen, warum, Italien nach dem Londoner Besuch d«S französischen Außenministers daS Ostpaktprojeft Unterstützt. MoSka«, 16. Juli. Außenlommissär Litwinow hat die russischen Botschafter in Rom. London und Paris aufgefordert, mit den Autzenmini- sterien der betreffenden Länder über die Frage der Verwirklichung des OstlocarnoplaneS auf Grund'des Meinungsaustausches zwischen Moskau,'Paris, Rom und. London in Fühlung zu treten. Re KMMUMikcr Sofia» 16. Juli. Wie das Regierungkressen nahestehende Blatt»Sofia" meldet, haben die bulgarischen Behörden den mazedonischen Terroristen Z r e n K't r o verhaftet, der im Kresse Petritsch die von der inzwischen aufgelösten- innere» mazedonkschen revolutionären Organisation(JMro)" gegen, ihre Gegner verhängten Todesurteile vollstreckt hat. Kiro, der«in volles Geständstis abgelegt hat und-in das Gefängnis eingeliefert Wörden ist, soWalldm Äs» Dnsse der letzten 12 Monatsübev'80 P erson en ermordet haben. Wie die Zeitung weiter berichtet, hat der ganz? Kreis Petritsch vor dem Fememörder Kiro gezittert, well-er als rücksichtsloser Vollstrecker der Todcsurtesse des revolutionären Komitees bekannt war. scher Arbeiter zu'handeln. Auch der Regierung Dollfuß hätte cS ausfallen können, daß der elektrische Strom in dec Hauptstadt just u m Mitternacht vom 14. zum 18. I u l i auSgcschaltet wurde, also genau auf die Minute zu der Zeit, da der achte Jahrestag jenes Blutbades anbrach, das die Vorgänger und Lehrer des Herrn Dollfuß unter den Wiener Arbeitern angerichtet haben! Non Zwischenfalle Freitag abends überraschte die Gendarmerie im Rayon der Gemeinde Strebersdors die Nationalsozialisten bei einer militärischen Nachtübung. 82 Personen wurden verhaftet. In der Nacht auf Sonntag wurde der Ortsschutzmann Joses Fuchs aus Katzbach bei Linz im Dienste durch vier nationalsozialistische Parteigänger derart mi ß h a n d e l t, daß er ins Krankenhaus«ingeliefert werden mußte. Die vier Nationalsozialisten wurden dem Gerichte eingelie- fert. Durch ein Großfeuer wurde in der Nacht , auf Sonntag da» derzeit verpachtete Sägewerk pep Bundr-forsteherverwallung Neuberg an der Mürz vollständig vernichtet. Die Feuerwehr konnte kein einziges Wcrksgebäude retten. Der durch die Vernichtung des Werkes entstandene Schaden beläuft sich auf 280.000 Schilling. 60 Arbeiter sind brotlos geworden. Zur Aufklärung der EntstehnngSursache dcö- Feuers hat die Gendarmerie umfassende Erhebungen eingeleitet, doch sprechen schon jetzt schwerwiegende Anzeichen dafür, daß Brandstiftung vorliegt. Schade! . Die Sicherheitsbehörde. in Wien hat am Sonntag 4000 Exemplare der Brünner„A r b e i- t e r- Z e i t u n g" vom 18. Juli beschlagnahmt. In Amsterdam wieder Rahe Amsterdam» 16. Juli. Nach der Niederwerfung der kommunistischen llnruhc» sind am Montag die bei der Amsterdamer Polizei verfügten besonderen Maßnahmen einschließlich der Urlaubssperre wieder aufgehoben worden. Auch die, polizeiliche Uebcrwachung des Gebäudes der kommunistischen„Tageszeitung"„Die Tribüne" ist am Montag eingestellt worden. Das Blatt ist am Abend, wenn ,auch in verkleinertem Umfange, zum ersten Male wieder erschienen. ergebnislos Landon, 16. Juli. In London wird bestätigt, daß die Vorbesprechungen sür di« nächstjährige Flottenkonferenz bis zum Ottober do. I. vertagt worden sind. Einer der Gründe für die Vertagung ist der. Mangel an Fortschritten bei den in London bisher gepflogenen Besprechungen. Be- sonders ausgeprägt find nach Wie vor die Meinungsverschiedenheiten zwischen England und Amerika über die Tonnage von Schlachtschiffen und Kreuzern. Zwischen Englmid und Frankreich bestehen Meinungsverschiedenheiten über die Unterseeboote,. Der amerikanische Unterhändler Norman .Dap is.-ist enttäuscht über die Verzögerung der Aflkunst/der japanischen Vertretung, die ohnehin nur auS- einem- Marineoffizier besteht., ,- Eifi weiterer Grund für di« Vertagung sind 'die' starken Meinungsverschiedenheiten zwischen -Fränrreich und,'Italien,' Mäst erlvartet, daß.der bevorstehende Besuch deS französischen,Außenministers Barthon in Rom eine Losung des italienischfranzösischen Flottenproblems näher bringen I wird..... Soziales Erdbeben in U.S.A. In San Franzisko, der Metropole des We- slenS, dem großen Hafen der Vereinigten Staa- ten am Stillen Ozcan, ist ein Streik ausgebro- chcn, an dem sich nach den letzten Meldungen etwa 130.000 Arbeiter beteiligen. Diese große Erschnt- tcrung des amerikanischen Wirtschaftslebens, der größte Streik, der sich feit vierzehn Jahren in den Vereinigten Staaten abgespielt hat, zeigt, daß die Wirtschaftskrise auch in den Vereinig- tcn Staaten zu einem schweren sozialen Erdbeben geführt hat. Nach einer unerhörten Blüte und Prospc- rität, wie sie die Geschichte der kapitalistischen Wirtschaft in keinem Lande aufwcist, ist Amerika im Jahre 1929 plötzlich von der Höhe des Wirt- schaftscrfolgcS in den Abgrund der Krise ge- schleudert worden. Die Enttäuschung der Bevölkerung, die wähnte, in Amerika sei die Nie- thode eines krisenlosen Kapitalismus verwirk- licht worden, war so stark, daß sic die seit dem Tode Wilsons herrschende republikanische Partei von den Zentren der Macht hinwcgfegte und den Demokraten Roosevelt auf den Prasidcntenstuhl erhob. Roosevelt hat, obwohl auf dem Standpunkt des Kapitalismus stehend, doch eine Fülle von neuen Gesichtspunkten in die amerikanische Wirtschaftspolitik gebracht. Seine Regierung», zeit stellt de» Sieg dcr Staatswirtschaft über den freien 5t a p i t a t i s. n. ii S auch in Amerika dar. Kein Präsident vor ihm hat so starke Eingriffe in daS Wirtschasts- leben vollzogen und was er tat, war nicht nur im Interesse der Kapitalisten, ja, sogar sehr ost gegen deren Interessen gerichtet. Er wollte den Farmer n dadurch helfen, daß ec ihnen höhere Preise für ihre Produkte verschaffte, und senkte zu diesen! Zwecke den Wert deS Dollars. Er hat eine großzügige Entschuldungsaktion der Land- wirtschaft durchgesührt und den Farmern große Kredite zur Verfügung gestellt. Aber auch den Arbeitern galt seine Sorge. Er hat in den sogenannten Codes den Industrien Löhne und Arbeitsbedingungen vorgcschriebcn, hat die Löhne der Arbeiter erhöht und zugleich ihre Ar- bcitszeit gekürzt. ES ist ihm auch gelungen, die Zahl der Arbeitslosen hcrabzusetzcn. Während im März 1933 die Zahl der Arbeitslosen etwa 13.6 Millionen betragen hat, wurde» nach dem Bericht der Gewerkschaften im Juni 193-1 nur ctiva 10.25 Millionen Arbeitslose gezählt. Präsident Roosevelt hat die Schwierigkesten, die sich ihm eutgegenstelltcn, mit Energie nicderzukänipfc» versucht, die Auflehnung des Großkapitals gegen die Codes zum Teil gebrochen, zum Teil allerdings hat er Kompromisse mit den großen Wirt- schastsmächten seines Landes geschlossen, in zahlreichen Fällen Streitigkeiten zwischen de» Arbeitern und Unternehmern— besonders in der Stahlindustrie und im Bergbau— zu schlichten versucht. Ob cs freilich Roosevelt gelingen wird, auch diesmal Unternehmer und Arbeiter an einen Tisch zu bringen und den ausgcbrochenen Kampf bald zu beenden, ist fraglich, da die Bewegung berestö einen großen Umfang angenommen hat und besonders, weil dieGefahr besteht, daß es zu schweren, Zusamiiicnstößcn der Streikenden mit der Staatsgewalt konunt. Nur allzu leicht wird in den Bereinigten Staaten Militär gegen die Streikenden in Bewegung gesetzt, nur allzu leicht haben es die Großkapitalisten in den Staaten, beträchtliche Mittel dafür zu verwenden, um Streikbrecher zu iverben und eine technische Nothilfe zu organisieren. ES ist zu/wünschen, daß Roosevelt seine Mqrke Hand auch im Streik von San Franziskos zeigt und daß er die Unternehmer dazu zwingt, den Arbeitern Konzessionen zu machen und so den Vereinigten Staaten die schwere soziale Erschütterung, die aus diesem Streik'her- Vorgehen wurde, zu ersparen. Die großen Ge- «etteS Dienstag, 17. Juli 1934 Re. 164 gensätze der Klassen kann freilich auch ein Staatslenker nicht aus der Welt schaffen, der vom besten Willen beseelt ist,-en Opfern der ' Krise zu helfen. Ninsred der HngKlellten- lnlernalionale Am 12. Juli begann, wie wir bereits gemeldet haben, der Kongreß des Internationalen Bundes der Pribatangestellten in Brüssel. Am ersten Beratungstag behandelte der Kongreß wirtschaftliche und organisatorische Zeitfragen. Er stand ganz unter dem Eindruck der gegenwärtigen zerrütteten und wirtschaftlichen Verhältnisse, der großen Arbeitslosigkeit und des Fehlens der rcichsdeutschcn und der österreichischen freien Angestellteiiorganisationcn.(Die tschechoslowakische Delegation bestand auS: Für den Allg. Angestelltcnverband Bergmann, Grünz- ner, Kirchhof; für den Jednotnt) Svaz Friedländer, Klein, Pacovsky, Suöicky, Weil.) Außerdem nahmen an den Verhandlungen Vertreter einiger nicht angcschlossener Verbände teil. Der Internationale Gcwerkschaftsbund hatte zum Kongreß Gen. Stolz, die belgische Gewerk- schaftSzentrale Gen. de Vlaemynch, das Internationale Arbeitsamt Herrn B o i S u i e r entsandt. Der Bericht über die Tätigkeit des in- tenrnationalen Sekretariats lag schriftlich vor, ebenso der Kassenbericht. Er wurde von dem stellvertretenden Sekretär Gen. Spiekmann durch eine mündliche Darstellung in guter Weise ergänzt. Gen. Spiekmann gab ferner auch einen Bericht über»Die Lage der Angestellten in den fascistischen Ländern Italien, Deutsches Reich und Oesterreichs. Nach einer Wechsclrede, in der die Notwendigkeit der Unterstützung der reichsdeutschen und österreichischen Emigranten besonders betont wurde, ward der Tätigkeitsbericht einstimmig genehmigt. Hinsichtlich der Festsetzung des Beitrages für den internationalen Bund wurde beschlossen, die Beiträge in der bisherigen Höhe zu belassen, den Vorstand aber zu bevollmächtigen, im Bedarfsfälle einen höheren Beitrag einzuheben. Als Sekretär des Internationalen Bundes wurde Gen. Spiekmann(Amsterdam) gewählt, als Sitz des internationalen Sekretariats wurde Amsterdam bestimmt. Jin Zusammenhang mit der Wahl des Sekretärs wurden einige Satzungsänderungen beschlossen. Einen besonderen Punkt der Tagesordnung behandelte„Die Beziehungen der Internationalen Berufs sckretariatc zum Internationalen„Gewcrkschaftsbun« d e." Durch Die Aenderungen der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse ergibt sich zwangsläufig eine Aenderung in dem internationalen Aufbau der freien Gewerkschaftsbewegung, besonders aber mit Rücksicht auf deren neuzeitlichen Aufgaben. Der Kongreß gab einhellig der Meinung Ausdruck, daß es notwendig sei, den Internationalen Gcwerkschaftsbund auf die Landeszentralen aufzubauen und besondere De- rufSgruppen im I. G. B. zu schaffen. Eine solche Berufsgruppe ist für die Privat« ange st eilten erforderlich. Für die in Betracht kommenden Verhandlungen erhielt der Vorstand im vorstehenden Sinne Vollmachten. lieber„Die Aufgabe der Arbeitsgemeinschaften im Rahmen des Internationalen Bundes der Privatangestcllten" referierte Kenosse K l e i n»(Tschechoslowakei). Es besteht bereit» die Skandinavische Arbeitsgemeinschaft für die Angestelltenverbände von Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden und die Arbeitsgemeinschaft der Angestelltenverbände Mitteleuropas. Der Zweck der Arbeitsgemeinschaften ist vor allem die Behandlung wirtschaftlicher und sozialpolitischer Angelegenheiten und die positive Gewerkschaftsarbeit. Die Gewerkschaften muffen entsprechend den gegebenen Berhältniffen technisch und geistig umgeschaltet werden. Der Berichterstatter erinnerte an frühere Ausführungen:„Die Gewerkschaftsbewegung steht vor der historischen Entscheidung, ob sie fähig ist, die neuen Wirtschaftsverhältnisse und Formen zu meistern. Es wäre für die Angestelltenbewegung der ganzen Welt ein Fortschritt, wenn hiezu der richtige Weg gewiesen lverdcn könnte Es gibt kein neues Wirtschaftssystem in der Welt, dem nicht eine Verständigung zwischen den aneinander angrenzenden Ländern vorangegangen wäre." Die Arbeitsgemeinschaften haben für die Verständigung vornehmlich der wirtschaftlich zusammengehörenden Staaten zu wirken. Der Bildung der Arbeitsgemeinschaften wird zugestimmt.. Berichte über die Lage der Angestellten in den skandinavischen Ländern(Referent. Hansen- Kopenhagen) und über die Lage der Angestellten in den übrigen Ländern Europas(Referent Czcech Jones- London) wurden zur Kenntnis genommen. Die Wahlen in den Vorstand zeitigten folgendes Resultat: für Großbritannien HallS- Worth(zugleich Vorsitzender des Internationalen Bundes der Prsvatangcstellten), für Holland Jacobsen, für Frankreich" und Belgien Eapocci,' für Ungarn und Südosteuropa K e r- tksc, für die Tchechostowakei Klein, für die skandinavischen Länder H a n s e n, für die Fachgruppe der Techniker und, Werkmeister Thom- so.a/'(England)', für die Fachgruppe der Han- dLläangestelltenSantamarina(Uranien), i für Vie Fachgruppe der Geschäftsreisenden Pacovsky(Tschechoslokvakei), für die Fachgruppe der Bänk- und Versicherungsangestellten L u n d» gren(Schweden). Als Revisoren ivurden gewählt-Bandeplaö und SchutjeS, beide aus Holland. Nach der Annahme einer Entschließung gegen Krieg und Kriegsgefahr, beantragt von dem spanischen Delegierten Santamarina, und nach der von Genoffen Bergmann(Tschecho- slowakei) beantragten Sympathiekundgebung für die Kämpfenden Textilarbeiter in VervierS wurde dieser tatsächlich reine ArbeitSkongreß geschlossen. Die sachlichen Verhandlungen zeugten von der Absicht der freien Angestelltenörganisationen aller Lander, die Neugestaltung der Wirtschaft und Gesellschaft mit vorbereiten zu helfen, er sprach deutlich von der engen Bebbundeicheit der manuellen Und"geistigen Arbeiter, welche die Interessen' der gesamten Arbeiter- und Angestelltenschaft, im Kampfe um die wirtschaftliche und politische Macht erfordern. Die augenblickliche Lage ist in.Europa schwierig. ES gilt für die Angestellten alle Kräfte zu sammeln, um die freien demokratischen Einrichtungen zu erhalten und den Weg für die Zukunft frei zu machen. SomMcmoMranc und Kommunisten Die Beschlösse Oer französischen sozialistischen Partei Paris» 16. Juli.(Tsch. P.-v) Der Vorstand der sozialistischen Partei entschloß"sich in seiner gestrigen Sitzung, wie zu erwarten war, zu einer Zusammenarbeit mit den Kommunisten. Rach ganztägigen Verhandlungen wurde in der Rachtsttzung«ine Resolution de» Generalsekretärs der Partei Paul Favre mit 3471 gegen 376 Stimmen angenommen, die dieses Abkommen aufden»gemeinsamen KampfgegendenFaseiSmuöund den Krieg" beschränkt. Zu diesem Zwecke sollen gen»einsame Volksversammlungen, Protestversammlungen, eine gemeinsame Pressekampagne auf Grund gegenseitige« Vertrauen» u. dgl. veranstaltet«erden. Die Zusammenarbeit bezieht sich aber n i ch t auf gewerkschaftliche Arbeiterintereffe«, auf eventuell« Streik» u. dgl. Di« präzis«« Grundsätze der gemeinsamen Aktion der Sozialisten und Kommunisten werden in«tn«m gemeinsai werden wird, festgelegt werde».- Leon Blom: Zar Broder In der stellenweise erregten Debatte stießen die verschiedenen Anschauungen scharf aufeinander. Schließlich sprach sich Deputierter Lton Blum dafür aus, die Zusammenarbeit der Kommunisten mit den Sozialisten zurProbean- zunehmen. Blum betrachtet nichtsdestoweniger mit einem gewissen Mißtrauen die plötzliche Aenderung in dem Verhalten der Kommunisten in Frankreich und ist überzeugt, daß die Kommunisten im Hinblick auf die russische Außenpolitik Weisungen aus Moskau erhalten haben. Es ist nach seiner Auffaffung möglich, daß der den Sozialisten von den französischen Kommunisten gemachte Vorschlag das Vorspiel zu ähnlichen Vorschlägen auch anderswo ist. So z. B. wurde ein ähnlicher Vorschlag den reichsdeutschen Sozialdemokraten, welche bekanntlich ihren Sitz in Prag haben, weiters der sozialistischen Partei in Italien gemacht. Deputierter Frossard gab im Ramm der Opposition eine Protesterklärung ab, da„eine Einigung der Sozialisten mit den Kommunisten Die Zusammenarbeit der französischen Sozialdemokraten mit den Kommunisten erfolgt, wie nian der obigen Meldung des tschechoslowakischen PreßbüroS aus Paris entnehmen kann, nicht vorbehaltlos. Das Abkommen, ist nur auf g e- wis s e Aktionen beschränkt und unter den Gebieten, in-men die Vereinbarung aus keinen Fall angewendet werden wird, ist das gewerkschaftliche besonder» genannt. Wie das Abkommen gemeint ist, geht auch auS den Worten des Führers der französ. Sozialdemo- lratie des Gen. Leon Blum hervor, der an eine Zusammenarbeit auf Probe denkt und der die plötzliche Aenderung im Verhalten der Kommunisten mit Mißtrauen betrachtet. Ist also schon die Zusammenarbeit der Kommunisten und Sozialdemokraten in Frankreich ge- wissen Vorbehalten unterworfen und wird in Kreisen der französischen Partei an dem Erfolg dieser Zusammenarbeit gezweifelt, so kommt noch hinzu, daß die Berhältniffe auf sozialistischer Sette in Frankreich ganz eigenartig« sind. In Frankreich ist eine Regierung am Weck, die sich (mit Ausnahme der abgespalteten Neo-Soziali« sten) auf die bürgerlichen Parteien stützt und der die französische Sozialdemokratie in unentwegter Opposition gegenübersteht, so daß e» also in Frankreich zu einer gewissen Zusammenarbeit zweier Oppositionsparte i e n kommen wird, von der man obendrein nicht weiß, wie lange sie dauern wird. Am Samstag ist yunauch von der KPE an die tschechischen Rmionülsozialisten sowie die tschechischen und deutschen Sozialdemokraten eine Einladung zu einer Zusammenarbeit ergangen. Dazu werden die beiden sozialdemokratischen Parteien Stellung nehmen. E» muh aber schon jetzt betont werden, daß die Berhältniffe bei uns wesentlich anders liegen als etwa in Frank« reich. Die drei sozialistischen Parteien, an. die. di« kommunistische Einladung ergangen ist, sind an ««Pakte» welch«« ehesten» auSzrartrit«t zur Trennung der sozialistischen Partei von den Übrigen demokratischen Parteien führen könne". An einer Zusatzresolution wurde beschlossen, die Zweite Internationale von dem gefaßten Beschluß z» verständigen und fie aufzufordern, an die Dritte Internationale die Frage zu richten» ob sie bereit wäre, auch auf internationalem Gebiete daS durchzusühren, was soeben in Frankreich auf nationalem Gebiet beschloffen wurde. Die erste gemeinsame Kundgebung der Sozialisten und Kommunisten soll die Organisierung einer Manifestation anläßlich drö 20. JahreStage» der Kriegserklärung fein. Die radikale LinkSpreffe sowie die der radikalen Preffe nahestehenden Blätter nehnien den gestern gefaßten Beschluß betreffs einer gemeinsamen Aktion der Sozialisten und Kommunisten mit ablehnenden Vorbehalten auf. „L'Oeuvre" ist der Ansicht, daß zwischen den Sozialisten und den.Kommunisten binnen kurzem prinzipielle Differenzen auftauchen' werden, und erklärt, daß„der FasciSmuS nur im Namen der republikanischen Freiheiten und mit der Republtt bekämpft werden könne". »»■" der Regierung des Landes beteiligt und sie sind es, um die politischen und sozialen Interessen der arbeitenden Schichten zu vertreten. In den letzten eineinhalb Jahren fett dem Machtantrttt Hitlers in Deutschland hat e» sich gezeigt, wie wertvoll unnotwendig die Teilnahme der Sozialdemokraten an der Regierung fft und daß dieser Tatsache in starkem Maße die Erhaltung der demokratischen Freiheiten in der Tschechoslowakei zu verdanken ist. ES ist gar kein Zweifel, daß die sozialistischen Parteien au» den LebenSintcreffen der arbeitenden Klaffe heraus diese Politik mft Tatkraft weiter verfechten müssen und daß mit Rücksicht auf die Ablehnung der demokratischen Politik durch die Kommunisten ein Zusammengehen der drei sozialistischen Parteien mit den Kommunisten der- zeit nicht möglich ist. Dazu kommt noch, daß die große politische Oeffentlichkeit wohl davon überzeugt sein wird, daß e» den Konununisten mit ihrem Anbot«icht ernst ist. Ununterbrochen, auch noch in den letzten Tagen, beschimpfen uns die Kommunisten als Sozialverräter, ÄS Sozialfasci- sten und man kann daher dieses plötzliche hysterisch anmutende Umschwenken in der kommunistischen Politik nicht ernst nehmen. Entweder sind die Kommunisten wirklich der Ansicht, daß die Sozialdemokraten' halbe Faseisten find, dann können sie nicht mit uns gehen, oder aber, wenn die Kommunisten un» nicht mehr für Verräter halten, dann müssen sie es awchehrlich sagen. Solange sich der Ton der Kommunisten in Presse und Agitation nicht ändert, solange sie mit den Beschimpfungen der Sozialdemokratie nicht aufhören, kann man ihr Angebot nur als das betrachten, was es auch ist, Äs ein Manöver. Die Sozialdemokratie der Tschechoslowakei hat durch ihre energische und erfolgreiche Politik Anerkennung in den sozialistischen und demokratischen Kreisen der ganzen Welt gefunden. Sie hat keinen Grund, von dieser Politik abzuweichen. Die„Danziger Volksstimme“ wieder verboten (I. A.) In Danzig besteht bekanntlich ein Raziregime, das nur deshalb nicht alle Brutalitäten der Hitlerbärbarei in Deutschland nachzuahmen vermag, weil e» durch die Völkerbundskontrolle, der die Freie Stadt Danzig untersteht in gewissen Grenzen gehalten wird. Immerhin läßt die Raziregierupg in Danzig es an der Unterdrückung der Gegner des Regimes mit„gesetzlichen" und ungesetzlichen Mitteln nicht fehlen, Ihr jüngster Streich ist das neuerliche Verbot der„Danziger VolkSstimme", die als sozialdemokratisches Blatt ohnedies schon bis zur Un kenntlichkeit unter Zwang und Zensur gestellt war. Sie wurde nunmehr durch Verfügung des Nazi- Polizeipräsidenten auf die Dauer von sechs Monaten verboten. Als Begrünung wird angege«' ben, daß das Blatt„zwar in vorsichtiger Fassung, aber für jeden. Leser erkennbar", die Danziger Regierung kritisiert und gegen sie den Borwurf der Verfaffupgsverletzung erhoben habe. Die Danziger Arbeiterschaft wird also gleich firr ein halbes Jahr der letzten, sehr bescheidenen Möglichkeit der Meinungsäußerung beraubt, die ihr noch geblieben war— was den Borwurf der Verletzung der geltenden Danziger Verfassung, die die Preßfreiheit ausdrücklich gewährleistet, vollauf bestätigt! Unser neuer Roman mit dem wir morgen besinnen, führt die Leser in de» romantischen Orient» in ein« wildbewegir Vergangenheit. Den Verfasser, den Genossen Frits Ro>«n(eld kennen viele unserer Leser. Viele Haven seine» Re. man„Die goldene Galeere" gelesen, viele seine Filmkritiken in der„Arbeiter-Zeitung", viele seine bei der Büchergilde Gutenberg erschienenen Bücher„Mitsanobu" und„Der Goldfasan". An dem Roman »Jagd nach Axiutta“ Ein Roman zwischen Tag und Traum folgt ihm der Leser in» Reich der Assasflnen und in die blutigen Kämpfe dieser islamitische» Sekte, lernt er daS GoheimniS der Erfolge dieser todvrr- achtendrn Krieger kennen, den Aufstieg und den Untergang der Affaffinen. DaS ist der äußere Rahmen deS Romans, sein hiswrischer Hintergrund. Bon ihm hebt sich ab die Geschichte einer Liebe, die auS früher Erfüllung erst inS Große wächst und in erzwungenem Verzicht endet, die Geschichte einer großen unstillbaren Sehnsucht— der Sehnsucht nach Axjutta. Sehnsucht zu erwecken—. das war ja das Geheimnis des Erfolges der Assassinen. In Persien entstand im Jahre 1081 diese Sekte. An ihrer Spitze stand der Scheich ul Dschibal» von den Abendländern der„Alte vom Berge" genannt. Hassan, der Begründer der Sekte und erste Fvh. rer der Assassinen, führt« seine Jünger in phantastische Träume, er ließ sie im Traum Wunderbare» erleben, gab ihnen damit phantastische ParadlcseSvorstrllungen, di« sie den Tod ersehnen ließen, um wieder diese» im Traum geschauten Glücke» teilhaftig zu werden. AuS de« Blättern der Haschisch-Pflanze wurde ein betäubendes Getränk bereitet, im Zustande der Betäubung wurden die Jünglinge für kurze Zeit an einen Ort gebracht, wo sie alle Genüsse, die sie ersehnten, erleben konnten: Köstliche» Esseü und Trinken» stißeS Nichtstun und schöne Mädchen. Bald wur- den sie wieder auS diesem„Paradies" entfernt, aber sie glaubten nun feine Freuden bereit» einmal gekostet zu haben» gaben gern im Kampfe ihr Leben hin» uni wieder i»S Paradies zu gelangen. Die Assassinen wurden so zu furchtbare« Kriegern» die die Macht ihres Oberhauptes im Westen bis in den Libanon» im Osten bis weit ins mongolische Gebiet auszudrhnen vermochten. Zwei Jahrhunderte lang spielten sie eine furchtbar« Rolle. 1256 besiegte sie der Mongolenführer Hu- lagu und brach ihre Herrschaft in Persien. Am Jähre 1273 erst fiel ihre letzte Festung. Schon dieser historische Rahmen macht den Roman interessant, gibt ihm bunteste Farben. Rosenfeld aber hat in der Hauptgestalt, dem Assassinen-Krieger P a l» den Träger ewiger menschlich« Sehnsucht» in dem Mädchen Ar- jutta die Verkörperung aller Sehnsüchte» das Ziel aller Sehnsucht, geschaffen, ein zunächst our zeitlich bedingt scheinende» Geschehen«mporge. hoben in de» Bereich allgemein-menschlicher Tragik. „Eviva Matteotti" In Wienl In der vorigen Woche hat Ernst Karl Winter, von Dollfuß' Gnaden Vizebürger- meister von Wien, zu einem Diskuffionsabend im Ottakringer Volksheim den Verräter Bittorio Ambrosi mitgebracht, der, einst ein Sozialist, jetzt im Dienste und Sold Mussolinis steht. Obwohl die Teilnahme an dem Diskuffionsabend auf geladene Gäste beschränkt war, bereiteten die Arbeiter dem Söldling Mussolinis einen würdigen Empfang. Er wurde mtt den. tosenden Rufen „E v i v a M a t t e o t t il" begrüßt. Als er zu reden begann, wurde er mtt stürmischen Protestrufen überschüttet. Ein großer Teil der Versammlung verließ zum Protest den Saal. Von den Verbleibenden rechnete ein Genosse mit den Faseisten glänzend ab. Als Ambrosi das Schlußwort halten wollte und die Frechheit hatte, zu sagen, daß Mussolini eben begonnen habe, für die Arbeiter väterlich zu sorgen, als Matteotti ihm mit dem Dolch jn den Rücken gefallen sei, wurde die Versammlung durch brausende Hochrufe auf Mattrotti, Pfuirufe gegen Mussolini und Ambrosi gesprengt. ‘ Ein DollfuB-Opfer Ein Dollfuß-Opfer ist der Führer der österreichischen.Landarbeit«, Pius Schneeberger, der es in lvenigen Jahren vom einfachen Holzknecht zu einem der besten Kenner landwirtschaftlicher Fragen, zu einem allgemein geachteten Fachmann der Landarbeiterbersicherung gebracht hat. Pius Schneeberger war eine der stärksten Begabungen der österreichischen Sozialdemokratie. Im Feber wurde er wie Dutzende andere sozialdemokratische Funktionäre ohne Grund in Hast genommen. Schneeberger, der iw Weltkrieg verschüttet'wurde und sich ein schweres Nervenleiden zuzog, hat nun in den Kerkern des Austrosascis- muS einen Rückfall in. seine Krankheit erlitten. Der Mann, der noch vor wenigen Monaten der Typus eines kräftigen Proletariers war, ist nun wieder schwer nervenkrank. Er zittert derart, daß er nicht einmal das Essen zum Munde führen kann. Die Dollfuß-Diktatur hat ihn gesundheitlich völlig zugrunde gerichtet. 9t, MA- DienStag. 17. Sfnli 1934 Sette 3 Saarpresse in Deutschland verboten! Berlin, 17. Juli. Die Rückwirkung der Ereignisse de- 30. Juni, und namentlich die Erschießung führender Männer des deutschen Katho- lizismuö auf die katholisch« Saar find außerordentlich ungünstig. Der GtimmungSumschwung, der im freien Saargebiet sich namentlich auch ia der Presse unverhüllt zeigt, läßt auch auf die wahre Stimmung der Bevölkerung im ütrigen Deutschland, daS noch unter der Hitlerfuchtel sieht, sichere Schlüffe ziehen. Rach dem Verbot der ausländische« Zeitungen in deutscher Sprache steht sich die Reich»- regierung nunmehr gezwungen, auch di« gesamte saarländische Presse, mit Ausnahme der„Saarbrückener Zeitung", deren Aktienmehrheit sich in ihren Händen befindet, zu verbiete«, weil sie sich bet der Beurteilung der Morde keinesfalls gleichschalten ließ. Die nichtsozialdemokratische Saarpreffe hatte bi» zum 30. Jnni immer noch sür die Abstimmung dir Rückkehr zu Deutschland propagiert. Da» beginnt jetzt unter dem Eindruck der schreckliche« Morde anders zu werden. Dadurch sinken aber auch beträchtlich die Aussichten, daß sich di« Saar bei der Abstimmung im Jänner 1933 für Deutschland entscheiden könnt«, und ro wird die Möglichkeit immer wahrscheinlicher, daß sich bei der Abstimmung eine Mehrheit für die Beibehaltung de» gegenwärtigen Regimes ergeben wird. Hltlerfelndllche Kundgebungen in England London, 15. Juli. Samstag ereigneten sich vor der deutschen Botschaft in London neuerlich grosse Demonstrationen, als es der deutsche Botschafter ablchnte, eine Deputation zu empfangen, welche die Freilassung der politischen Häftlinge in Deutschland forderte. Die Polizei musste von dem Gummiknüppel Gebrauch machen, um die Manifestanten zu vertreiben. Mehrere Personen wurden verhaftet. Konstituierung der Monopolgesellschaft Prag, 16. Juli. Heute nachmittags fand die konstituierende Generalversammlung der Tschecho- slowak. Getreidegesellschaft statt, die das Getreidemonopol zu vertvalten hat. Nach der Eröffnungsansprache des von der Regierung ernannten Vorsitzenden Oberdireltor Feierabend sprachen die Vertreter der einzelnen Gruppen, aus denm die Gesellschaft zusammengesetzt ist. Im Namen der Konsumentenschichten erklärte Genosse Luftig,' die von''ihm reprqsesitierte Gruppe melde sich zur Mitarbeit im Vertraue» darauf, dass die Gesellschaft keine weitre Belastung der Konsumenten bedeuten und nicht nur den landwirtschaftlichen, sondern auch den Kon- sumentenintereffep einen ausreichenden Schutz gewähren tverde. Bei den Wahlen wurden vier Vizevorsihende gewählt, und zwar für die erste Gruppe Dr. Josef Trkka, der Stellvertreter des Oberdirektors der Kooperative, für die zweite Gruppe Emil L u st i g, der Vorsitzende der GrosseinkaufSgesellschaft der Genossenschaften, für die dritte Gruppe Jng. H o l a n und für die vierte Gruppe der Vizepräsident der Prager Produktenbörse Rudolf Zelenka. Ausser- tem wurden 16 weitere BerwaltungSratSmitglieder und 20 Ersatzmänner, weiters vier Rechnungsrevisoren und vier Ersatzmänner gewählt. Freie oeireldevcrMuie nidit mehr zulässig Am Abend trat der neugewählte Berlvak» iungsrat zu seiner ersten Sitzung zusammen. Datei gab der Vorsitzende auf Grund einer Ermächtigung des Ministerpräsidenten die Erklärung ab, lass die Auslegung des 2. Absatzes des 8 16 der Moiiopolvcrordnung, als ob bis 25. Juli Getreide der heurigen Ernte auf Grund der bis 13. Juli d. I. abgeschlossenen Verträge geliefert werden könne, irrig sei. Verträge über diesjähriges Getreide, die bis zum 13. Juli d. I. abgeschlossen wurden, sind, sofern dieses Getreide nicht bereits geliefert wurde, eventuell bis spätestens 16. Juli d. I. zur Beförderung übergeben wurde, nach der zitierten Regierungsverordnung verboten und es wird mit der grössten Strenge gegen alle diejenigen eingeschritten werden, Re diesen Bestimmungen zuwiderhandeln. Auch werden unverzüglich Kontrollmassnahmen nach dieser Richtung hiil getroffen werden. Vom Rundfunk Empfehl«»«» erte»«um de»»iwimwii Mittwoch. Prag, Sender L.: 6: Gymnastik, 10.29: Deutsche Nachrichten, 11: Schallplatte». 12.10: Leichte Musik, 18.20: Konzert der tschechischen Philharmonie, 18.80: Arbeitsmarkt, 18.40: Deutscher Arbeitsmarkt, 17.40: Schallplatte«, 18.20: Deutsche Sendung: Aktuelle zehn Minuten, 18.30: Arbeitersendung: Pauil Malles: Arbeiter und Bauern in Schweden, 18.50: Sozialinforma« tionen, 19.10: Konzert aus Baumgarten, 20.15; Sommergewitter, Tonmalerei in der Karikatur, 21.15: Konzert, 22.15: Tanzmusik. Sender S.: 14: Liederkonzert. 15: Deutsche Sendung: Kin- derftuude. 16: Deutsche Presse.— Brünn: 17.45: Konzert-Akademie,.. 17.55: Tanzmusik auf Schallplatte«, 18.20: Schallplatte».— Mähr. Ostrau: 10.80: Blasmusik, 18.20: Schallplatte», 18.20: Halbe Stunde Shorlieder. Uhl am IwlOW'wHOIII RZUUR pv«en verhindern Lebenwnltteteufiilir an Her Padilc-NOste San Francisco, 16. Juli. Seit heute früh 8 Uhr wird in San Francisco und einige« anderen Hafenorten an der pazifischen Küste der Generalstreik durchgeführt, der vom Streikausschuß SamStag abends nach erfolglosen Vermittlungsversuchen des von Präsident Roosevelt eingesetzten Schlichtungskomitees beschlossen worden war. Bon den stimmberechtigten Gewerkschaftsvertretern hatten sich 63 für den Generalstreik und nur drei dagegen ausgesprochen.. Reben 63.000 gewerkschaftlich organifierten Arbeitern in San Francisco und 40.000 in Oakland find noch etwa 47.000 unorganisierte Arbeiter direkt oder indirekt beteiligt, so daß der Generalstreik insgesamt über 150.000 Arbeiter umfassen wird. ES ist die» der größte Streik in den Bereinigten Staaten seit dem Pnllmann-Dtreik, der sich vor 14 Jahren in Ehi- rago ereignete. Der Generalstreik begann pünktlich um 8 Uhr örtlicher Zeit(etwa 16/ Uhr mitteleuropäischer Zeit). Im Augenblick war da» gesamte öffentliche Leben und jeglicher Verkehr in den Straßen zum Stillstand gebracht worden. E» herrschte ein« unheimliche Stille; da» GrschäftSlrben ruht bereit» fast vollständig. Der gesamte Straßen- bahnverkehr ist eingestellt. All« Vergnügungsplätze, Theater und KleinverkanfSläden bleiben geschlossen. Mit der Schließung der Warenhäuser wird jeden Augenblick gerechnet. Sämtliche Restaurant» sind geschlossen mit Ausnahme der 19 Lokale, die der Generalstreikausschutz zur Speisung der Tausende von Einwohnern bestimmt hat, die regelmäßig in de« etwa 2000 Speisrhäusern San Francisco» ihre Mahlzeiten einnehmen. Bürgermeister Rosst ernannte einen au» 500 Persönlichkeiten bestehenden RotauSschuß, der die Aufgabe hat» sür eine gerechte Verteilung der noch vorhandenen LebrnSmittrl zu sorgen. Die Vorräte an frischem Gemüse und Frischfleisch find bereit» erschöpft. Die Lebensmittelgeschäfte müssen nach den Panikeinkänfen der letzten Woche ihre verbleibenden Vorräte rationiere«. Die Großhändler bewerten die bei ihnen lagernden LrbrnSmittrlvorräte nur noch auf 10 Millionen Dollar. Dazu kommt, daß die Verteilung dieser RahrungSmittrlbestände durch den Fuhrleutestreik unmöglich gemacht wird. Der LebenSinittelmangel erstreckt sich auch auf die weitere Umgebung der Stadt, wo ein eiserner Ring von Streikpo- st e n die mit LrbeiiSmittckn beladene» Lastwagen zurückhält. In zahlreichen Füllen hielten Streikposten Privatkraftmngen an, die Lebensmittel mit stch führte», und warfen die Lebensmittel auf die Straße. Rach de» letzten Meldungen wächst die^Un- ruhe in der Stadt ständig.,.Die. Fenster zahlrci- cher Lebensniittellädeu wurden von den Streikenden eingrworfen, viele Lastwagen und Fuhrwerke mit Lebensmitteln umgeworfen. Mit Maschinengewehren ausgerüstete Poli- zriabteilungen begannen am Montag den Lastwagenkarawane» einen Weg durch die Streik- postrnlinien zu bahnen. Inzwischen hat der Bürgermeister den Gouverneur um Entsendung weiterer Rationalgardisten gebeten. Mllltik im Anmarsch In Politischen Kreisen glaubt man, daß, fall» nicht bald eine Beendigung de» Streit» gelingt, die Verwendung von Bunde»- truppen zur Aufrechterhaltung der Ordnung kaum vermiede:: werden kann, zumindest für die Aufrechterhaltung de» PostverkehrS und niöglicher- weise auch zur Sicherung Her LebcnsmitteltranS- porte. In alle Teile der Stadt wurden Polizisten entsandt. Auch Tankwagen und Truppen brfin- den stch auf dem Viarsch nach San Francisco. Au» der Stadt SalinaS in Kalifornien wurde Feldartillerie nach San Francisco entsandt. Au» LoS Angele» wird gemeldet, daß etwa 1000 Ratimml- gardisten in Sonderzügen nach San Francisco entsandt wurden. VIC ernten Zusammenstöße Nach einer Reutermeldung eröffnete die im Hafen von San Francisco Wachedienst versehende Militärgarde das Feüer gegen eine Gruppe, die sie mit Steinen bewarf. Ein Mann wurde durch einen Bajonettstich verwundet, als er einem Gardisten das Gelvehr zu entreissen versuchte. Zehn Streikende wurden verhaftet. In Oakland zerschlugen Streikende die AuS- lagcscheibcn mehrerer Geschäfte, wobei sie den Versuch unternahmen, Lebensmittel zu stehlen. Das Bundesheer übernahm unverzüglich nach Verkündung des Generalstreikes die Aufsicht über die Stadt. Elngrellcn Roosevelts? Die Geschäftswelt hofft, dass das auS Washington kominende Gerücht sich bclvahrheite. wo- nach Präsident Roosevelt, der sich gegenlvärtig auf See auf einer Ferienfahrt befindet, p e r s ö n- l i ch in San Francisco eingreifen wolle, um eine Vermittlung herbeizuführen. Roosevelt wird durch Marinefunksprüche ständig über die Streitlage unterrichtet. Amtlich verlautet über sein eventuelles Eingreifen noch nichts, jedoch ivurde auffallendcrweisc die Abfahrt des Zerstörers ,,A l d c n", der am Montag von San Diego aus dem Präsidenten die Post bringen sollte, abgesagt. Statt dessen ivurde sämtliche Post für Roosevelt.«ach San Francisco, p o st l a g e r n d, weitergelcitet. Lange Streiltdauer? Der Präsident der amerikanischen Gewerkschaften Green, erklärte in einer Rede in Schranton lPennsyIvanien) er sehe keine Mög- lichlrit, den Streik in San Francisco bald bei- zulegcn. Sabotageakte In Barcelona Barcelona, 16. Juli. In letzter Zeit wurde die Gesellschaft der hiesigen städtischen Strassenbahn durch Sabotageakte schwer betroffen, bei welchen die Transformatorenstationen durch Bomben vernichtet und Strahenbahnlvagen in Brand gesetzt lvurden. Auf diese Weise wurden 3V Wagen der Strassenbahn in letzter Zeit vernichtet. Bravo, doorlngi fleerlMi Je Mher dl« Met. nm m■ rasser Oer Mhrerl 11 Henlein, der Gottgesandte Der Deutsche Turnerbund ist die Erziehungsorganisation der Henletirfront. Darüber hinaus unterstützt er ihre Werbuilg. Es kann nicht ost genug betont lverdcn, dass der Totalitätsanspruch, den der Deutsche Turnverband für die Erziehung der sudctendeutschen Jugend erhebt, parallel geht dem Totalitätsanspruch Henleins auf politischem Gebiet. Wie sehr der Deutsche Turnverband als ein Werkzeug der Henleinfront zu bezeichnen ist, daS geht aus einem in der 27. Folge der Rundschau veröffentlichten Artikel hervor, in dem zur Frage der sudctendeutschen Führerschaft Stellung genommen wird. In diesem Artikel macht sich jemand darüber lusttg, dass bei dem Leimeritzer Fest des Bundes der Deutschen einer der Führer der BunveSjugend an der Spitze einer Schar Getreuer marschierte, die sich noch nicht dem Verlangen Henleins gefügt haben. „Was will diese Jugend denn eigentlich, wird man erstaunt fragen, heute, da d i e Z u st ä n- digleit des Tur«verbau des in der Jugenderziehung doch völligklargestellt ist?" Also fragt die„Rundschau". Und macht sich danil lustig über einen in Bodenbach sitzenden Jugendführer,„den das H o r o s k o o zum künftigen sudctendeutschen Führer bestimmt hat". Und die„Rundschau", der das Horoskop dieses Jugendführcrö nicht zur Rechtfertigung seines Tuns genügt, fährt wörtlich fort: „Es gibt noch Leute, denm die Anhänglichkeit von hundert Jungen(sind«s vberhaupr«och so viele?) so in den Kopf gestiegen ist, daß sie mit Gott und der Geschichte Hadem, die Konrad Henlein zum politischen Führer des sndetendeutschenStammestr. stimmt hat." Zwar kann Henlein weder vom lieben Gott, noch von der„Geschichte" ein Ernennungödclret ! vortvciscn, aber er hilft sich dadurch, dag er das Wesen„wahren Führertums" umschreibt: 1. lieber die Berechtigung irgendeines FUH» rcranspruchs entscheidet heute allein die Leistung, und zlvar die positive, nicht die negative, die sich bei W. R.(dem erwähnten Bodenbacher Jugendführer. D. Red.) ausschliesslich i« dem Versuch äußert, die Einigung unserer Jugend mit allen Mitteln zu hintertreiben. 2. Führer ist mau n i ch t a u s ue r s ö n- kicher Eitelkeit, sonder» aus einem ganz grossen Verantwortungsgesühl dem Bolle gegen- !- über.••....-.>•• a 8. Führer wird man noch lange nicht wenn man sich von einer Gruppe unreifer Menschen dazu erheben lässt. Von all diesen Punkten lväre besonders der dritte zu akzeptieren. Zumindest'olange. als nicht llargestcllt ist,>ver denn äusser dem lieben Gott und der Geschichte den Henlein gekürzt hat. War eS der Deutsche Turnverband? Da>n> iviir- den wir begreifen, dass Gott in seinem Zorn über das Hineinpfuschcn in sein Wirken dem>udcten- dcutschen Stamm just den Henlein bescherte. Waren cS die„Reiferen", die früher den von Gott gesandten und mit einer Elbczille daoongc- schlvonunenen Führern folgten? War cö jene Elite des Sudetendeulschtumü, die über gestillte Geldschränke verfügt? Man höre, lvaS die„Rundschau" zu diesem Thema noch weiter zu sagen hat: 4. Die Elite, die Führerschaft eines Bolles, entsteht nicht ohne Zusammenhang mit dem volkspolitischen Geschehen, durch die Einbildung einer kleinen Schicht, sondern in lebendiger Anbindung mit den Erfordernissen des Ganzen, in Verbundenheit mit der breiten Masse der Geführten. Durch grössere Einsicht, hervorragende sachliche Arbeit und eine vorbildliche Haltung hebt sie sich aus der Masse heraus. Diese Elite steht heute im Deutschcn Tumverband. Die Beschäfsigung mit tragischen Führergestalten ist schon in der Mittelschule ein r-chr anziehendes Kapitel gewesen. Am crgreifenom:! aber ist die Erzählung von Don Quichote, der sich in die Lektüre von Heldenmärchcn vergrub und plötzlich Ritter werden wollte. Der Arme! Er wusste nicht, dass er erstens gar nicht die Eignung zum Ritter hatte, und dass zweitens die Zeit d e S Rittertums vorüber war, wie heute für unser Volk die Zeit eingebildeter Fllh» rungSansprüche vorbei ist. Was Wunder, dass er schliesslich dem ganzen Lande zum Gespött diente. ES ist eine Gleichschaltung grossen Stils, die der Herr Henlein im Sudetendcütschtum durchführen will. Eine Gleichschaltung, die er, dem Hilgenreiner zum Trotz, als direkter Abgesandter Gottes durchzuführen bereit ist. Der einzige Trosts der uns bleibt, ist, dass auch die Henleinleute die Geschichte von Don"Quichote kennen. Und iwch besser ist es, dass sie auch ausserhalb der Henleinfront von etlichen Leuten gekannt wird. Ihnen hat das GotteSgnadentum anderer Kerle nicht imponiert; das des Henlein aber stimmt sie erst recht zum Lachen. Die Zeit des Rittertums ist tatsächlich vorüber l Die Zeit der diktatorischen Führungsansprache aber auch. Selbst Hitler hat den Anschluss an die Weltgeschichte versäumt ES ist nicht anzunehmen, dass ihn sein kleiner Nachts« der 1„Führer" Henlein finden wird. Seite 4 Sieitta«, 17. AM 1034 «r. 164- Autounglück-Serie vom Sonntag Hinter der Gemeinde Zinsendorf bei Brünn, an einem Ort, an dem die Staatsstraße über die Tischnowitzcr Bahnstrecke geht, u»d wo bereits viele Unfälle passierten, ereignete sich am vergangenen Sonntag wieder ein schweres Unglück. Am Nachmittag unternahm der 36jährige Geschäftsreisende Otmar M n I tz ans Asch, der in Brünn bei Bekannten weilte, mit seinem Auto, in dem nutzer ihm das Ehepaar Bitterling aus Brünn sah, eine AuSflugSfahrt. Als er hinter Zinscndorf an den Bahnübergang kam, beachtete er nicht das Warnungssignal eines Streckenwärters, der mit einer roten Fahne Ivinktc, und fuhr, da der llebcrgang durch keine Schranken gesichert ist auf das Geleise. Hier blieb der Wagen aus unbekannter Ursache stehen. Im nächsten Moment kam ein Zug in der Richtung aus Tischnowitz, der in das Auto hincinfuhr und es zertrümmerte. Glücklicherweise wurde keiner der drei Insassen getötet. Mulh erlitt Schnittivunden am ganzen Körper, einen Bruch des rechten Beines, eine Hiebwunde im Gesicht und eine Gehirnerschütterung, Bitterling kam mit Abschürfungen davon, während seine Gattin einen Bruch des rechten Beines, Hiebwunden an beiden Beinen, am Kopf, im Gesicht und an der rechten Hand erlitt. Sie dürfte wahrscheinlich uni sämtliche Finger der rechten Hand kommen. Die drei Verunglückten wurden von der ReUungsabtcilung in die Brünner LandeS- lrankenanstalt gebracht. Ein zweites Autounglück ereignete sich auf der Staatsstraste bei Brodel zwischen Prohnih und Wischau. Ein Auto, in dem der 30jährigc M. Winkler, der:N jährige Wenzel C c n d e- l i n, seine 2vjährige Gattin Johanna und der Jar. R e i s i g e l sahen, fuhr gegen eine Te- lcgraphcnstangc und überschlug sich viermal, worauf es mit den Nädern aufwärts liegen blieb. Winkler und Cendelin wurden schwer, die beiden anderen leicht verletzt. Die Verunglückten wurden in die Brünner Landeskrankcnanstalt gebracht, wo aber nur Winkler verblieb, lvährend die anderen in häusliche Pflege cutlasien werden konnten. Bei einem mit 30 Personen besetzten Autoomnibus aus Schlcttstadt(Nnterelsaß) versagten bei der Heimkehr von einem Ausflug die Bremsen. In rasender Fahrt rollte der Wagen die abMassenbesuch in den Riesengebirgs-Bauden In dein Grcnzvcrkchr mit Deutschland hat der Ricsengebirgskamm seit jeher eine eigene Rolle gespielt. Kilometerweit verläuft die Staatsgrenze aus dem Rücken des Gebirges; Bauden diesseits, Banden jenseits der Grenzpfähle. Der Teufel mag eine solche Grenze gegen unbefugtes Ueberschrei- ten hüten. In der Inflationszeit sahen tschechoslowakische Staatsbürger in den reichsdeutschen Bauden und tranken RheiiNvein(die Flasche zu sechzig Heller). Tann wandte sich das Blatt und preußische Rentenmarkbcsiher labten sich in den böhmischen Bauden an der billigen und guten böhmischen Küche und am Pilsner Bier. Dann kam die Hunncnherrschaft und cö wurde unerquicklich auf dem Kammwcg, wo einem auf Schritt und Tritt braune Wegelagerer„Heil Hitler!" zubriilltcn, um tm Notfall schnell hinter die Grenzlinie zu rctirier». Aber auch das ging vorbei und es wurde wieder still auf den Höhen des Gebirges. Gcgcmvärtig herrscht Hochbetrieb in den böhmischen Banden. Ganze Karawannen deutscher Touristen wagen trotz Grenzsperre und Devisenvorschriften den unkontrollierbaren Seitcnsprung in die böhmische Herberge. Aber sie kommen weniger der böhmischen Küche und des böhmischen Bieres wegen. Sie kommen der Zeitungen wegen I Es ist ein wenig komisch und zugleich erschütternd, mit welcher Gier sich die armen Insassen des Zuchthauses Deutschland auf das biß- chcn Geisteskost stürzen(mag sic noch so fragwürdig sein), wenn es nur nicht in der Sudelküche der Gocbbclsschen Gleichschaltung zubereitet ist. Welche rührende Sehnsucht, tvieder einmal ein freies Wort zu lesen, eine objektive Ansicht, eine männliche Meinung! Sämtliche Zeitungen sind iin Nu vergriffen und gehen von Hand zu Hand. Wir haben freilich gesehen, dah Zeitungen mit einem enttäuschten Seufzer zur Seite gelegt wurden. Nämlich solche, die glaubten, im Jnter- essc des Geschäftes die freiwillige Gleichschaltung vollziehe» zu müssen. In diesen haben die geistig Ausgehungerten freilich weder ein freies Wort, noch eine männliche Meinung gefunden. Den Herren Chefredakteuren der bewußten Blätter wäre anzuempfehlen, einmal eine<§xlurston ins Rie» scngcbirge zu unternehmen. Eine unvergcstliche Episode mag hier vermerkt sein. Ein Herr, seinem Aeuhcr» nach preußischer Oberlehrer, saß völlig weltenrückt in einer Ecke und„las" eine tschechische Zeitung. Nein er buchstabierte sich mit Zuhilfenahme des Zeigefingers durch das ungewohnte Schriftbild des tschechischen Druckes und versuchte mit Hilfe eines Wörterbuches mühsam Wort für Wort den Sinn der Meldungen aufzunehmen. A r m e s V ol l, i m„D r i t t e nR e i ch"! ...«g. schlissige Straße hinunter» Die meisten Fahrgäste versuchten, sich durch Abspringen zu retten. Dabet ivurdcn 18 Personen schlver verletzt. Eine Frau ist ihren Verletzungen bereits im Krankenhaus erlegen. Dem Wagenführer gelang es schließlich, den Wagen in einen flachen Straßengraben zu steuern, wobei der Wagen umstürzte. Alle Insassen, die nicht abgesprungen waren, blieben unverletzt. Ein Kraftomnibus aus Marne(Schleswig-Holstein), der mit 34 Ausflüglern besetzt war, geriet in Friedrichsstadt durch Platzen eines BorderreifenS ins Schleudern. Der Wagen überschlug sich und stürzte mit den Rädern nach oben in den mit Wasser gefüllten tiefen Straßengraben. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich außerordentlich schlvierig, da die Verunglückten durch die Fenster des umgestürzten Wagens herauSge- holt werden mutzten. Es wurden sechs Schwerverletzte und zehn Leichtverletzte geborgen. Die übrigen Fahrgäste kamen mit dem Schrcckcil davon. TagcsaaUgkcltai Sven Hedin in Sicherheit! Doli», 16. Juli. Auch in Tokiy ist eine Meldung aus Urumtschi eingegangen, wonach Sven Hedin und seine Begleiter sich in Sicherheit befinden. Der englische Generalkonsul in Kafchgar hat den englischen Gesandten in Peking verständigt, das; Sven Hedin seine Forschungsarbeit fortzusetzen gedenkt. Die chinesischen Provinzbehörden haben Sven Hedin ihre Unterstützung zugesagt. Sven Hedin hat die chinesischen Behörden gebeten, überall hin die Nachricht zu. verbreiten, daß ihm nichts passiert sei. Das Mord-Rätsel von Brighton Landon, 1ü. Juli. In der rätselhaften Mordangelegenheit von Brighton hat die englische Kriminalpolizei nunmehr nach fünf Wochen langen vergeblichen Nachforschungen eine aufsehenerregende Entdeckung gemacht. Bisher hatte man nur den Rumpf und die Beine des weiblichen Opfers in zwei Reisctoffern aufgefunden. Jetzt hat die Polizei endlich in einem dritten Koffer» der in einem Äohlcnraum unter der Treppe eines kleinen MiethauscS in Brighton versteckt war, die Ueberrcste eines abgetrcnnten Kopfes und zweier Arme entdeckt. Der führende Polizeiarzt von Scotland Aard ist sofort nach Brighton gefahren, um den Fund zu untersuchen. Man nimmt als icher an. daß es sich um Körperteile des unvekann- ten Opfers handelt.„Daily Mail" weiß sogar zu melden, daß der jetzt aufgefundene Koffer außerdem die Leiche einer zweiten Frau enthalren habe, die durch Hammerschlag auf de» Schädel getütet worden sei. Die Ermordung eines Schneiders vor einer Woche iin Londoner East End ist ebenfalls bisher nicht aufgeklärt worden. Der Schneider lvar mit zertrümmertem Schädel in seiner Werkstatt aufgefunden worden. Zu dem geheimnisvollen Mordfall in Brighton lvird jetzt bekannt, daß cs sich bei den in einem Koffer aufgefundcnen Leichcnt^len vermutlich um die licberrestc einer Tänzerin namens Violet Kaye handelt, die eine Zeitlang in Brighton lebte. Die Polizei ist der Ansicht, daß dieser rätselhafte Mord mit dein ursprünglichen Frauenmorde nicht im Zusammenhänge steht. Munitionslager explodiert Bukarest, 16. Juli.(DRB.) Am Montag wurden die Bewohner von Bukarest durch eine heftige Explosion geweckt. Viele Fensterscheiben zerbarsten, Türen und Fensterläden sprangen auf. Auch die Reisenden in den Zügen verspürten die Erschütterung. Erst nach einiger Zeit erfuhr man durch Feststellungen der Behörden, daß es sich um die Explosion eines Munitionslagers in der Umgebung von Bukarest handelte. Die Explosion ist offensichtlich auf Entzündung durch die starke Hitze zurückzuführen. Einige Soldaten der Wachmannschaft wurden durch Sprengstücke verletzt. Ferner trugen eine Frau und ein Mädchen auf einem Felde Verletzungen davon. Maisfelder fingen durch Fiinkenflug Feuer und brannten ab. Zur Explosion wird ergänzend gemeldet, daß die Explosion in dem Orte Etapeni in einem Lager des Forts Tunari erfolgte. Es explodierten auS- geschiedcne Granaten, deren Füllung sich infolge der allzu großen Hitze der letzten Tage zersetzt hatte. ES handelte sich um altes Kriegsmaterial, das unterirdisch deponiert war. Durch die Explosion ivurde die Wachbude des Forts vernichtet. Zwei Soldaten werden vermißt. Dreißig Menschen im Tempel verbrannt Simko, 18. Juli. In einem Tempel in Südindien kam es während des Gottesdienstes zu einer furchtbaren Brandkatastrophe. Ein Teil der gottesdienstlichen Handlung bestand in dem Werfen brennender Stoffbälle. Hiedurch fing das Tempelgebäude Feuer und brannte so schnell nieder, daß sich nur wenige der Gottesdienstbesucher unversehrt in Sicherheit bringen konnten'. 30 Personen sind Bon den Schwerverletzten ist eine Frau bereits auf dem Transport ins Friedrichsstadter Krankenhaus gestorben. In der Nähe von S kotschau(Polen) ereignete sich am Sonntag ein schweres Autounglück. Ein Lastkraftwagen aus Ruda, in dem sich Bergleute auf einer Vergnügungsfahrt nach Weichsel befanden, fuhr beim Neberhokcn eines Fuhrwerkes gegen einen Baum. Sämtliche Insassen des Lastkraftwagens wurden auf die Straße geschleudert. 13 Personen erlitten schivere Verletzungen und mußten ins Krankenhaus geschafft werden, sieben von ihnen schweben in Lebensgefahr. Die anderen Ausflügler kamen mit minder schweren Verletzungen davon. Das Unglück ist auf Versagen der Bremsvorrichtung zurückzuführen. Stefan Posch, ein bekannter Rennfahrer, der an einem Fahrradloettrennen in Budapest teilnehmen sollte, stieß, als er mit dem Fahrrad zum Rennplatz fuhr, mit einem Automobil zusammen. Er erlitt beim Zusammenstöße einen Schädelbruch und starb bald darauf. Posch hatte vor einer Woche mit seinem Fahrrad einen älteren Mann überfahren, der ebenfalls den Tod fand. verbrannt, während 40 schwere Verletzungen erlitten. Streike Lundenburg—vrü«« msterbrsche» Brünn, 16. Juli. Um 18.38 Uhr wurde der gewölbte Durchlaß im Kilometer 132,V zwischen den Stationen Rajhcad-Mödritz auf der Strecke Lundenburg—Brünn schadhaft, so daß der Abschnitt unbefahrbar wurde. Der Personenverkehr wird durch Um st eigen aufrecht erhalten, die Lastzüge verkehren auf einer Hilf- strecke. Die Störung, die etwa 6 Stunden dauern lvird, entstand in einer Pause zwischen der Durchfahrt von Zügen, so daß Züge nicht bedroht waren. An der Wiederherstellung der Strecke wird intensiv gearbeitet. Dem gewesenen Rektor der Wiener Universität Prof. Dr. GleiStach» dem bekannten Beschützer der nationalsozialistischen Studenten, wurde wegen seiner politischen Tätigkeit die Pension im Betrage von 1600 Schilling monatlich entzogen. Gleiöpach hält bekanntlich in letzter Zeit an der Berliner Universität Vorlesungen ab. Enthüllung einer Gedenktafel für Dr. Soukup. In Kamen»« Lhoia, dem Geburtsorte des Senatspräsidenten Genossen Dr. Fr. R. Soukup, fand Sonntag die Enthüllung einer Gedenktafel an seinem Gcburtshause statt. Die Festrede hielt Genosse S v L c e n h. für die tschechischen Nationalsozialisten sprach Senator P i ch l, für die deutschen Sozialdemokraten Senator Doktor Heller. Flugzrughävarie. Montag nachmittags ging das Flugzeug„A v i a" während des Fluges von Preßburg nach Prag auf einem Felde bei der Gemeinde Nechyba an der Säzava nieder. Der Pilot wollte sich überzeugen, über wieviel Betriebsstoff er noch verfüge. Bei Wiederaufnahme des Fluges auf dem Felde verfing sich das Flugzeug infolge eines Stoßwindcs an einem Baum bei der Straße und erlitt eine leichte Beschädigung. Hochwasser um de« Badensee Bregenz, 16. Juli. Die starken Niederschläge in den letzten Tagen haben ein Ansteigen des Bodensees um 18 Zentimeter zur Folge gehabt. Die Flüsse und Bäche führen überall Hochwasser. Mehrere Flüsse sind au» den Ufern getreten. Feuerlvehr und Militär arbeiten, um lvci- tere Wasserdurchbrüche zu vermeiden. Zur Verhütung weiterer Schäden sind Feuerwehr und Militär auSgerückt. Der Sachschaden dürfte bedeutend sein. In Lustenau steht das Wasser fußhoch in den Straßen und dringt in die tiefergelegenen Häuser ein. Biele Felder stehen unter Wasser. Am Sonntag«Bends gingen auf der Arlbergstraße infolge der Regengüsse an mehreren Stellen Muren niÄer, die die Straße über den Arlbergpaß stellenweise verschütteten und den Verkehr unterbrachen. An der Freimachung der Straße wird zur Zeit gearbeitet. Ueberfall auf eine 83jährige. Hinter den Reichenberger Messehallen ivurde Samstag früh die 88jährige Frau Marie L e u b n e r, die aus der Sparkasse 1800 KL behoben hatte, von dem 24 Jahre alten nach Dürrmaul bei Komotau zu», ständige» Tischlergehilfen Rudolf Hanl, der in Reichcnberg wohnt, überfallen. Hanl schlug die Frau zu Boden und entriß ihr die Handtasche. Dann ergriff er die Flucht. Er konnte seinen Verfolgern mehrmals entkommen, wurde jedoch noch an demselben Tage verhaftet. Geblendeter Chauffeur fährt in den Straßen» graben. Am Sonntag, um 24 Uhr fuhr das Personenauto der Flaschenbier-Abfüllerei Veit mit Alois Beit am Steuer auf der Straße von Purschihan nach Chodau. Ihm entgegen kam ein Radfahrer mit einer sehr hell brennenden Radlampe. Veit wurde von der nicht abgeblendeten Lampe geblendet und irritiert, streifte einige Alleebäume und stürzte sodann samt dem Wagen in den Straßengraben. Sämtliche drei Insassen des Wagens wurden verletzt, davon der 1014 geborene Chauffeur Josef Weigend schlver. Streit mit Revolvern. Auf einem Schiff entspann sich in der Nähe von Houstin(Texas) ein Streit, bei dem von der Schußwaffe Gebrauch gemacht wurde. Drei schtvarze Hafenarbeiter wurden getötet und ein vierter schlver verwundet. Ein weißer Hafenarbeiter und zwei Neger erlitten leichtere Verletzungen. Wahrscheinliches Wetter heute: Im Westen Ivechsclnde allmähliche Abnahme der Belvöltung, abflauender Wind, untertags zieinlich warm. In de» mittleren und östlichen Teilen des Staates noch unsicheres Wetter. Konstituierende Sitzung des Ausschusses für Blindenfchutz. Am SamStag, den 14. J««li, traten in Prag 180 Vertreter der Industrie, der Aerzteschast und deS Schulwesen zur konstituierenden Sitzung des Ausschusses für Blindenschntz zusammen. Dee Vorsitzende Fabrikant Dr. Jng. Köper bezeichnete eS als Aufgabe des Ausschusses, den Blinden, loenn sie aus der Anstaktspflege entlassen werden, eine anständige Existenz zu sichern. Rach erfolgter Wahl der Funktionäre wurde beschlossen, die Vertreter der Blindeninstitute, der zuständigen Ministerien, del Abgeordnetenhauses und des Senates sowie ter TageSpresse zu den weiteren Arbeitssitzungen eins»» laden. Ferner wurde die Herausgabe einer Monats» schrift„Tschechoslowakischer Blindenschntz" beschlossen, für dessen Redaktion Redakteur Franz Neubert verantwortlich sein wird. Palästina— Atns- Tschechoslowakei Irl(0:0) ESe« Sri i Die zweite Begegnung unserer AtuSverire- tung gegen die von Palästina fand in Komotau- Oberdorf vor 1800 Zuschauern statt. Der Platz ist ettvaS kürzer als die Aussiger Kampfbahn und lvar dies für die hohe Spielweise der Gäste um so günstiger. Palästina ging diesmal gleich vom Anstoß weg zu einer scharfen Gangart über, ja steigerte zeitweise das Tempo noch. Die Anssiger Niederlage sollte unbedingt bereinigt werden. Und eS sei zugegeben, daß sie den Sieg verdient hätten, doch zeigte sich die Atusverteidigung und vor allem der Tormann unüberwindlich. Im Gegensatz zu Aussig arbeüete Palästina auch stark mit dem Munde, so daß das Spiel, in jeder Hinsicht lebhaft tvar. Palästina arbeitete auch hier wieder mit der Al-Form im Angriff, ohne uns aber von der Güte dieser Spielmethode überzeugen zu können. Eine solche Methode kann nur durch hohes Spiel erfolgreich gestaltet werden und lvar Palästina in dieser Hinsicht in der Kopftechnik prima, auch die Fußarbeit mit halbhohen Bällen ließ nichts zu wünschen übrig. Die Atushiniermannschaft konnte sich dank der Größe ihrer Verteidiger in entscheidenden Momenten dann recht gut behaupten. Die AtuSvertretung bestand aus anvercn Leuten wie am Vortag. Lediglich der Mittelläufer wurde aus der Aussiger Elf genommen. Auch hier fei betont, daß sich die AtuSelf recht gut hielt und sich sofort durchsetzte, wenn sie zur flachen Spielweise überging. Leider ließ man sich immer wieder die hohe Spielweise von Palästina aüfzwingen und geriet damit ins Hintertreffen. Jedenfalls hat der AtuS mit diesen Aufstellungen bewiesen, daß er eine ganze Reihe von erstklassigen Fußballern besitzt, die jederzeit die bekannten„Kanonen" vollwertig ersetzen. Die erste Halbzeit zeigte beide Mannschaften ziemlich glcichivertig. Beiderseits wird viel geschossen und haben die Tormänner tüösstig aufzu passen. Bon der 30. Minute ab verschärft Palästina das Tempo, ohne aber etwas zu erreichen. Nur der Atustorer bekommt etwas ab und muß die Hilfe der Sanitäter in Anspruch nehmen. In der zweiten Hälfte spielt Atus sein übliches flaches Spiel und Palästina ist nun in Verteidigung gedrängt. Blitzschnell wandert der Ball von Fuß zu Fuß und in der sechsten Minute kann unser Linksaußen den Ball in den Kasten sehen. Palästina baut nun um, bleibt aber trotzdem noch in die Verteidigung gedrängt. Nach 20 Minuten Ueberlegenheit fällt die Atuself im Sturm auseinander und schon ist Palästina im Vorteil. Die Gangart wird nun äußerst schnell, aber alle Offenswen werden von der AtuSvertei« diginig oder vom Torer abgestoppt. Endlich in der 40. Minute kann der Mittelstürmer einen schönen Kopfball anbringen und den schon längst fälligen Ausgleich erzielen. Auch derAtussturm versucht deS öfteren sein Glück, ohne Erfolg. Beiderseits werden Anstrengungen gemacht, um den Siegtreffer zu erzielen, doch sind die Hintermannschaften auf den Posten. Mit 1:1 geht das Spiel zu Ende. Die Zuschauer ivaren restlos befriedigt und bezeigten dies wiederholt durch ihre lebhaften Zurufe. Richt zufrieden war man mit dem Schiri, der aber nach gegenseitiger Vereinbarung angeschossene Hands nicht pfiff. Jedenfalls hat Palästina restlos gefallen. Die Mannschaft war technisch hochklassig. Hoffentlich ist es dem Mus vergönnt, bald wieder einmal Gäste aus dem„Jordanlande" begrüßen zu können. Ein Knabenvorspiel Komotau I gegen Komata» H und Sporih komb. endetet:0 für die Kombinierten. Gegen die Knabenelf des Tepliher und Aussiger Bezirkes müssen die Komotauer noch sehr viel lernen. «r. M* DicnStag, 17. Juli 1934 Seite S Das Schicksal Earl von Osfietzkys Auch China leidet unter der Hitze Die ungewöhnliche Hihe und Trockenheit, unter der ganz China seit Wochen leidet, hält Wetter an. Tausende von Menschen sind bereits anHihschlag und Sonnenstich gestorben. Bon den etwa 40 Begleitern des Pan-tschen Lama, des Oberhauptes der lamaistische» Kirche, der am Sonntag in einem Flugzeug der BerkehrSgesell» schast„Eurasia" in Peiping eintraf, während die Begleiter die Eisenbahn benützten, starben fünf im Zuge. Bor allem Sitt>- und Mittelchina leiden un» ter außerordentlicher Trockenheit. Biele Flüsse und Kanäle' führen gar kein Wasser mehr, so daß der BootS- vcrkehr und damit die Bcrsorgnng der Städte in Frage gestellt wird. An eine Bewässerung der Felder ist schon seit-langem nicht mehr zu den» icn, so daß mit einer völligen Mißernte gerechnet werden muß. Im Gegensatz hierzu hatten Nordchina und vor allem die nordwestlichen Provinzen sehr starke Niederschläge zu verzeichnen, so daß dort UeberschlvemmungSgefahr herrscht. Al« Höchsttemperatur für ganz China wurde in Siansü eine Temperatur von 47 Grad Celsius im Schat» ten gemessen. Elae neue„Seeschlange" London, 18. Juli. Ein seltsames zehn Meter langes Seeungeheuer ist bei Donnet Head an der schottischen Nordküste an Land geschivemmt worden. Der Kopf des Tieres ist nach Aussagen der Finder groß und flach und der Hals weist eine Art Mähne auf. Der Umfang des Rumpfes soll etwa 55 Zentimeter betragen. Die Ehre der Hitlerjugend. Die in Birkenfeld erscheinende„Nationalzeitung" veröffentlicht einen Aufruf des nationalsozialistischen Gauleiters zur HJ-Werbung, in dem es heißt:„Wehe den Alten oder Jungen, die unseren Bormarsch hindern wollen... Ihr braucht nur zu den Ab- scitsstehenhen ins Haus zu gehen, dann sagen sie nicht mehr nein. Sie wiffen heute, daß, wer gegen die HI ist, gegen Hitler ist. Zur HI zu gehen, ist dieselbe Ehre, wie 1814 freiwillig von der Schulbank in den Schützengraben." Die Opfer der japanischen Ueberschwem. mnngSkatastrophe. Nach den letzten Polizeiberichten wurden bei der großen UebecschwemmungS- kataftrophe in den Bezirken Jschikawa und Toyama in Japan 121 Personen getötet und 740 verletzt, wahrend 152 Personen noch vermißt werden. Heilung innerer Geschwüre mit Tierblut. Das Moskauer Zentralinstitut für Bluttransfusionen und dessen Leningrader Zweigstelle hohen eine Reihet Erfahrungen bei Versuchen der Anwendung von Transfsionen heterogenen Blutes statt eines chirurgischen Eingriffes bei inneren Geschwüren gesammelt. Bei den Versuchen handelte es sich um Geschwüre an der Magcnwand- krümmung. am Pförtner und am Zwölffingerdarm. Rach einigen Transfusionen von Ziegen-, Hundeblut oder auch von Blut anderer Tiere zeigte sich eine Besserung des Gesundheitszustandes des Kranken und man konnte feststellen, daß das Geschwür vernarbte. Wir haben vor wenigen Tagen die Frage gestellt: was ist mit Carl von Ossietzky? Jenem hervorragenden früheren Schriftletter der«Weltbühne" in Berlin, der mit Erich Mühsam und anderen am 28. Feber 1988 von der Polizei verhaftet und seit diesem Tage, ohne daß eine Anklage gegen ihn erhoben wurde, in.Haft gehallen wird. Das furchtbare Schicksal Erich MühsamS verpflichtet doppelt und dreifach zu der Frage: was wird aus Carl von Ossietzky? Wir Sozialdemokraten haben eine besondere Beranlassung, danach zu fragen, obwohl Ossietzky nie unserer Partei ängehärte und auch ost an derselben Kritik geübt hat. Aber Ossietzky ist ei» Publizist besonderen Grades, ein Mensch lauteren Charakters, der nu,r seiner großen publizistischen Aufgabe mit Vornehmheit diente. Di« sozialdemokratische Partei Deutschlands hat, als man Ossietzky im November 1931 wegen angeblichen Verrats militärischer Geheimnisse achtzehn Monate inü Gefängnis werfen Ivollte, eine große Interpellation für Ossietzky eingebracht, die allerdings von dem damals einschen- den Notverordnungsregime nie beantwortet wurde. Jedoch 1982 unter der Kanzlerschaft des ermordeten General« von Schleicher ist es der sozialdemokratischen Partei gelungen, gegen den Widerspruch der Rechten die damalige Amnestie für politische Gefangene auch auf den Fall Die„Zeitschrift für Sozialismus", Erscheinungsort Karlsbad, wurde in Oesterreich auf die Dauer eines Jahres verboten. Zu Tode geschleift. Aus Marienbad wird uns geschrieben: Auf gräßliche Weise'kam dieser Tage der Fleischer David aus Rauschenbach bei Marienbad umS Leben. Als er am Abend mit seinem einspännigen Wagen auf der Karlsbader Straße nach Hause fuhr, trieb er das Pferd mit dec Peitsche an. Das Pferd bäumte sich auf, David fiel kopfüber zwischen die Zugstränge und wurde einige hundert Meter auf der Straße mitgeschleift. Das Pferd machte erst Halt, als der Fleischer mit einem Fuß in das Rad geriet und so den Wagen bremste. Ein vorbeifahrender Motorradfahrer rief die Rettungsgesellschaft aus Marienbad an. Der schwerverletzte Fleischer starb aber noch in derselben Nacht im Krankenhause. Mörder zu Mördern. Die Gattin des öster- ceichischcn Bundeskanzler Dollfuß ist heute vormittag mit ihren beiden Kindern in Riccione eingetroffen und nahm in der Villa des italienischen Ministerpräsidenten Mussolini Wohnung. Bundeskanzler Dr. Dollfuß selbst reist Ende dieses Monats zu mehrtägigem Aufenthalte nach Riccione, wo er gleichfalls Gast des Chefs der italienischen Regierung sein wird.- Wegen der Scheidung in den Tod,-In einer Gemeinde in der Nähe von Pecs sllngarn) suchte der Landwirt Barady seine geschiedene Frau auf und wollte sie bewegen, zu ihm zurückzukehren. Als die Frau dies verweigerte, zog Barady ein Messer aus der Tasche und versetzte der Frau mehrere Stichwunden, denen sic bald darauf erlag. Nach der Tat, richtete der Mörder die Waffe gegen sich und brachte sich einen tödlichen Herzstich bei. Ossietzky zu erstrecken, der der einzige war, welcher wegen sogenannten Landesverrats hinter Gefängnismauern saß. Ossietzkys Schicksal ist besonders grausam zu nennen. Nachdem dieser kleine, zarte, außerordentlich nervöse Mensch mit letzter Kraft die 7 Monate im Tegeler Gefängnis verbracht hatte, ist er am 28. Feber 1988 verhaftet worden und nach furchtbaren Leiden in Sönnenburg hat man ihn am 15. Feber 1984 nach dem KonzentrationS, lager Papenburg-Esterwege, Haus 3, gebracht, wo er, einer der begabtesten deutschen Schriftsteller, gezwungen wurde, Moorarbeiten zu verrichten. Ossietzky, dessen Gesundheit aufs schwerste erschüttert ist, muß Arbeiten verrichten, die robustere Menschen kaum zu leisten imstande sind, für ihn aber auf die Dauer de» sicheren Tod bedeuten. DaS aber tvill das heusige Regime in Deutschland, wie der Fall Mühsam eklatant zeigt. Ossietzky, der als radikaler Pazifist einen ganz besonderen Namen hatte, ist von unzähligen Friedcnsorganisationcn für den Nobel-FriedenS- prcis vorgeschlagen worden. Mit diesem Vorschlag soll die Weltöffentlichkeit auf daS tragische Schicksal eines Mannes gelenkt werden, der sein Leben für den Frieden, sein Wirken für die Arbeiterschaft eingesetzt hat und der trotz seiner Parteilosigkeit zu uns, den Kämpfern für Freiheit und Kultur, gehört. RathauSturm stürzt ein. Am Sonntag abend stürzte der obere Teil des 80 Meter hohen Rat- hausturmes in O p p e l n, der in den letzte» Tagen loegen Ilmbaiiarbciten gcsparrt werden mußte, ein. Der Turm brach zunächst in sich zusammen und fiel dann nach der Südwestscite um. Ein Teil der Trümmer stürzte auf die Straße. Zum Glück sind Menschenleben nicht zu Schaden gekommen. Lediglich einige Schaufenster in der nächsten Umgebung wurden zertrümmert. Einige Miniuten vorher hatte ein Auto mit Ausfliiglern die Unfallstelle passiert. Die Polizei und die Feuerwehr nahmen sofort Absperrungen vor. Urlaub Bon C. F. Mako(Wien)'. Ost dachte sie an ihren Mann. Der stand draußen in den fernen Karpathen,— gegen die Russen. Tag für Tag bebte sic, wenn der Briefträger kam, daß er auch ihr ein amtliches Schreiben bringe, wie er es unlängst der Frau Müller gebracht hatte. Ganz kurz stand darin.„Ihr Mann fiel am 23. Jänner 1918 auf dem Felde der Ehre bei.. Dann stand ein fremder, so schwer äuSzüsprcchender Name. Und nun war ihr Mann auf einmal gckoin- men. Gayz unerwartet war er in die Wohnung getreten. Die Frau saß gerade bei der Nähmaschine. Da stand er vor ihr. Die Kappe aus, den Tournister umgeschnallt, mit beiden Hände» aus das Gewehr gestützt schaute er lachend seiner Frau in das Gesicht. „Melde gehorsamst, Korporal Mühlheim meldet sein Eintrefsc»". Da hafte sie sich endlich von dem Schrecken gefaßt, und halb weinend, halb lachend fiel sie um seinen Hal». „Daß du nur wieder da bist. Ganz gesund bist du? Keine Verwundung hast du?" Er mußte es ihr hundertmal versichern, daß ihm wirllich nichts passiert sei, bis sie es glaubte. ES war an einem Nachmittag. Ihr Mann lag im Bett und schlief. Wie lange hatte er kein Bett gekannt. Auf schlammiger Erde, auf verfaultem Stroh ist er die ganze Zeit gelegen. Die Frau arbeitet in der Küche. Da llopft eS. Bor der öffnenden Frau stand ein Wachmann. „Sind sie Frau Hühlheim?" „Ja, sie wünschen—?" „Sie haben einen Mann, der eingerückt ist?" „Ja". Ganz ängstlich gab die Frau Antwort. Sie glaubte im ersten Augenblick, daß mit dem Urlaub ihres Mannes etwas nicht stimme. Aber das war doch Unsinn, ging es ihr durch den Kopf, da wäre doch eine Militärpatrouille gekommen. „Liebe Frau. Ganz mitleidsvoll schaute der Wachmann.„Ihr Mann liegt in einem Feldlazarett, er war sehr schwer verwundet." „Mein Mann?" stammelt ganz fassungslos die Frau. Der Wachmann, der das als Angst ansieht, beruhigt.„Ja, eS ist halt eine schwere Zeit. Sie gibt uns allen viel zu tragen. Trösten sie sich. So manche Frau verlor in diesen Tagen ihren Gatten.". „Mein Mann gestorben—? Aber Herr Wachmann, der liegt doch da Im Zimmer und schläft." Jetzt war eS an dem Wachmann, erschrocken zu schauen. „Ihr Mann? Heißt er denn nicht Franz Mühlheim?" „Aber natürlich, aber er liegt doch wirklich im Bett. Kommen sie doch weiter und schauen sie selbst." Die Frau führt den Wachmann In das Zimmer, wo ihr Mann ruhig schlafend liegt. „Du, Franzi" „WaS ist denn?" Da erblickt er den Wachmann. „Ach so, eS ist schon richtig, Herr Inspektor, ich häb meinen Urlaubschein in Ordnung." „Aber, es ist ja nicht deswegen, du sollst in einem Feldlazarett gestorben sein." „Wer? Ich? Na, dank schön, bis jetzt noch nicht. Gott sei dank." Die Frau sah bei ihrem Mann. Der Wachmann war weggegangen. „Wenn du jetzt nicht zuhause gewesen wärest, wie hätte mich die Nachricht getroffen!" Der Mann schaute auf seine Frau. Bor seinen Augen liegt wieder die von explodierten Granaten zerrissene Erde. Er sicht wieder, wie sie mit gefälltem Bajonett auf die Feinde losstürmen. Seine Hände umfassen zart die seiner Frau. „2a, ich leb. Aber einer Frau gilt doch die Nachricht und Iver weiß, was aus mir noch wird." Beide sind still. Das Gespenst des Krieges ist bei ihnen. In drei Tagen muß er wieder an die Front.— Und sic darf warten. Darf warten Tag für Tag, ob der Briefträger nicht ein amtliches Schreiben bringt.„Ihr Mann ist gefallen am ....". Und ihr Mann wird nicht auf Urlaub sein.... noch wird er jemals wieder kommen. Wichtige Neuerscheinung...! •tat Wnrnnng m junge Autoren „Das Manuskript gefällt mir", sagte der Verleger und— des freudigen Stiches nicht achtend, den es meinem Herzen gab— fuhr er fort: Ich wäre nicht abgeneigt, das Buch zu drucken". Verklärt sah ich in sein Antlitz.„Wicvicle Exemplare glauben Sie ungefähr in Ihrem Bekanntenkreis absetzen zu können?" „Mindestens zweihundert!", antwortete ich ihm schnell.(Da ich ihm imponieren wollte, kam eS mir auf hundert mehr oder weniger nicht an.) ,Lsn drei Monaten—?"„Mit Leichtigkeit,.." „Dann können wir gleich den Vertrag aufsetzen. Bitte Fräulein schreiben Sie:... und der Verfasser verpflichtet sich, 200 Exemplare zum vollen Ladenpreis von 5 Schilling, demnach 1000 Schil- lmg(Tausend), an Bezieher des Werkes abzusetzen, bezw. ein sich ergebendes Manko auf sich zu nehmen... usw." Bei dieser Stelle mußte ich tief Atemholen, aber ich versuchte einer plötzlichen Schwachheit in ten Knieen durch den mutigen Satz Herr zu werden:„Ich bin nämlich mit dem Leiter der Stadt- Bücherei, die über 50 Filialen hat, sehr befreun« det, so daß ich sicher auf eine Abnahme von 100 Stück rechnen kann!" „Das glaube ich nicht", erwiderte lächelnd .mein' Verleger,„denn ich habe einen Btrtrag mit dieser Bibliothek, der sie verpflichtet, Reuerscheinungen unseres Verlages direkt bei mir zu beziehen". Dies war der erste Wermutstropfen in der Freude des jungen Autors. Dessen ungeachtet ging ich frischen Mutes daran, eine Liste sämtlicher Freunde und Bekannten aufzustellen, die als Abnehmer in Betracht kamen. Aber so rücksichtslos ich auch vorging» und jedermann erbarmungslos notierte, der mich nur einmal fteundlicher gegrüßt, . oder gar mit mir ein Wort gesprochen "hatte— ich wußte nicht mehr als hundert Namen zusammen.(Von diesen hundert strich ich nachher eigenhändig zehn wieder aus, weil ich es einfach nicht übers Herz brachte, von ihnen 5 Schilling zu verlangen. (Wahrscheinlich leitete mich im Untcrbewutztsein das Gefühl, daß ich von diesen zehn— die selber Schriftsteller sind— ja doch niemals Geld bekommen hätte). Als das Buch erschien, bemühte ich mich vorerst, einen besonders günstigen Platz in meinem Bücherkasten auszuwählcn. Tagelang betrachtete ich eS darin, nahm es„zufällig" und wie irgend ein fremdes Buch heraus, oder sah nach, ob es noch da war...„ES"—?... Alle zweihundert waren noch da, so daß mir doch nichts anderes übrig blieb, als meine Hemmungen zu überwinden und einzelne Exemplare zu verkaufen zu suchen. Liüie Freunde!— erspart eö mir. Euch von meinem Sr^ierz und meinen Enttäuschungen, die ich damit erlebte, zu berichten!... Onkels, Tanten, Nachbarinnen, Bankdirektoren, Verwandte in gesicherten Positionen— sie alle wurden bitter bös auf mich, weil ich ihnen mein Werk nicht widmete und mich in meiner Taktlosigkeit soweit vergaß, Geld zu verlangen. Nicht etwa, daß sie kein Interesse für mein Büchlein gehabt hätten— im Gegenteil! Zwei Tanten liehen eS sich sogar heimlich von meiner Großmutter aus, die als erste Mitleid mit mir fühlte und mir drei Schilling Anzahlung gab.(Die resllichen 2 bekommst du zu Weihnachten, mein Kind. Du weißt, man hat nicht immer Geld für Dummheiten...") Eine» TageS gelang e» mir, der guten, angejährten und halbtauben Tante Martha ein Exemplar anzuhängen. Bald darauf traf ich Tante Rosalia, der ich ebenfalls— nun hatte ich beueitS alle Scham abgelegt— die wichtige Neuerscheinung mit humorvollen Worten anpries.„Ich hab eS mir schon gekauft!", lächelte sie süß, wie wenn sie einem Klein-Kind ein Bonbon gäbe, „So etwas interessiert«inen doch—I"„Wo denn?", fragte ich neugierig und erwartete den Namen einer Buchhandlung zu hören.„Na, von der Martha. Ich muß sagen: der Einbnnd ist sehr schön... Ein bißchen modern zwar, aber doch geschmackvoll... Und 1 Schilling ist wirklich nicht teuer!"...(Was ist der Ruhm wert?) Die Zeit entschwand und die(Proskrip- tionS-)Liste wurde einerseits nicht größer und anderseits nicht kleiner. Da versprach meine gute Mutter mich zu unterstützen. Sie ist eine echte Wienerin und machte es wirklich rührend. Z. B. sagte sie zur Kohlenhändlerin:„Gehn S' Frau Huber, mci Bua hat a Buch gschriebn. Kaufen S' mir eins ab!" und als dieselbe zögerte, fügte Mutti hinzu:„Sie könnten mir bei Gelegenheit auch 2 Zentner Kohle bringen.. Woraus die Frau Huber kaufte. Am nächsten Tage kamen die Kohlen..Hören Sic, Fran Huber," meinte meine Mutter,„Sie haben mir aber diesmal hübsch viel Braunkohle drunter gemischt..." Da erwiderte die Frau Antonia Huber beleidigt:„Jia— Se hab» a g'sagt, cs san so liabe G'schichten in dem Bllachl— und daweil san'S lauter so langweilige Gedichtln, die ka Mensch lest—l" Vollständig entmutigt, dem Selbstmord nahe, entschloß ich mich, die Bücher mit einem bcige- sügten Erlagschein per Post zu versenden.... Fraget nicht, liebe Freunde, wie cs mir zu Mute war, als ich nach 8 Wochen kontrollierte, wer die „Drucksache" bezahlt und wer sie rctvurgeschickt hatte! Mein Glaube an die Menschheit geriet wahrhaftig ins Wanken. Mädchen, die mir einst ewige Liebe geschtvoren, Inhaber von Delekatessen- geschäften, wo ich seit Jahren 2 Semmeln und 5 Deka Leberkäse kaufte, auch der Friseur, der mir jeden Monat die Haare schnitt, sogar die Milchtrinkhalle, in der ich vergangenen Sommer 1 GlaS saure Milch getrunken hatte sie alle, alle, ohne Ausnahme verweigerten die Annahme, wiewohl in manchen Exemplaren deutliche Lesespuren zurückgelassen worden waren... Doch will ich nicht ungerecht sein: cs gab auch Mäzene. Mein Vetter Paul zum Beispiel, ist Prokurist einer Versicherungsanstalt und erklärte sich freiwillig dazu bereit, in seinem Bekanntenkreis für das Buch zu werben. Er verkaufte mir auch wirklich binnen einer Woche 20 Stück! Jawohl: 20 Stück! Als er es mir sagte, wollte ich ihm direkt um den Halö fallen.„Und das Geld?", fragte ich und sah ihm erwartungsvoll teils in die Augen, teils auf die Hand.„Das Geld—?", wiederholte Vetter Paul und machte erstaunte Kulleraugen,„das behalte ich mir selbstverständlich. Du erinnerst dich doch, daß ich dir vor fünf Jahren 120 Schilling geliehen habe! Ich habe— ehrlich gesagt,— schon gar nicht mehr damit gerechnet, daß du mir da» Geld je zurückzahlen würdest. Aber du bist doch ein anständiger Kerl. Und wenn du wieder ein paar Bücher hast— ich bin gern bereit—". Wieder verspürte ich das Bedürfnis, ihm um den Hals zu fallen. Allerdings in anderer Absicht.(Wer kann sich auch an alle Schulden erinnern...?!) Liebe Freunde. Ihr werdet vielleicht einwcr« fen: Alles recht häßlich und schlecht— denn schön und gut, kann man in dem Fall doch nicht sagen— aber der Ruhm! Man wird berühmt, bekannt, die Zeitungen bringen Rezensionen—" Halt I— Auch davon will ich Euch erzählen. Nach dein 5 Monate ins Land gegangen und die Wiederholten Pfändiingcn.meines' Verleger« bei mir vollkommen fruchtlos verlausen waren, wollte ich wenigstens ein paar Besprechungen retten. So kam ich in die Redaktion eines Mlttagsblattes, das seinen Ehrgeiz darein setzte, von schivächeren Auflagen zu immer stärkeren zu gelangen. Dec Herr Redakteur empfing mich sehr freundlich— ich kannte ihn schon von dem Tage, da er mir nach dem Lesen meines erste» Manuskriptes leutselig auf die Schulter klopfte und sagte: Schauen S'— Sie san so a netter Kerl! Müassen S' denn schreiben?— also dieser Philantrop wies mich bezüglich meiner Rezension an eine junge Dame, die mit sorgfältig ondulierten Haaren und reizend angezogen am Schreibtisch saß und— c« war sa Mittag— ein belegtes Brötchen fraß.„Richtig!", ries sie ve- sftirzt und mit vollen« Munde,„Ihr Bnch ist ja noch bei mir znhauö!" „Ach— Sie werden er besprechen?", fragte ich gedehnt und zerkaute einige Unhöflichkeiten. „Ja",»vippte die Schöne mit den Beinen und lächelte kokett. „Sind Sie mit der Materie vertraut?", wagte ich zu zlveifeln,„Sonst ist das Büchel nicht zu verstehen!.Haben Sie denn irgend tvelche Innere Beziehung zur Kunst? Speziell zum Theater—?l" „Natürlich!". gab die Holde gekränkt zur Antwort:„Ein Jugendfteund von mir ist doch Schauspieler...". Demütig entfernte ich mich... lind Ihr werdet fragen: Vielleicht ist das Buch schlecht—? Liebe Freunde! Würdet Ihr Euch monatelang hinsetzen, um ein schlechtes Buch zu schreiben—?!! Na, also Hanns Leo Reich. Seife 8 Sozialdemokrat* Dienstag, 17. IM 1934. Nr. BOH Kohlenwürfel Bon Franklin R. Timmins. Bannard zögerte sekundenlang, ehe ee eine neue Tafel auö dem schwarzen Haufen neben sich entnahm. Er richtete seinen starken, muskulösen Rücken auf. Er war dieser endlosen gleichmäßigen Arbeit überdrüssig und preßte seine wulsti« stigen Lippen mit dem groben Schnauzbart zusammen. Dann neigte er sich zur Holzkiste hinab und zbg einen von ihm bereits fertiggestellten viereckigen, glattgesägten Kohlenblock hervor. Er starrte ihn o» und warf ihn lvioder zurück. Er beugte sich über die schwirrende Barchsäge, befestigte einen andern Stoß unbearbeiteter Kohle in den Klammern und schob ihn langsam und sicher gegen die kreischende Schmirgelscheibe. Die Schneide des Messers schnitt innner tiefer in die harte schwarze Masse, rotglühende Funken stoben gegen die Schutzvorrichtung, die den Sägetisch halb deckte. Einige flogen zurück und über die steifen Panzerhandschuhe hinweg auf seine narbigen Arme. Mechanisch zog er den Hebel der Maschine genau in dem Augenblick zurück, in dem die Klinge die Kohlenplatte trennte. Mechanisch häufte er die fertigen Stücke in die Holzkiste neben sich, schob ein« neue Tafel über den Tisch herüber und rammte sie wieder in die Maschine ein. Wieder richtete er sich auf. Ihm gegenüber, auf der andern Seite, waren noch zwanzig andre, die sich quälten, Kohlentvürfel zu sägen. Vierzig schwirrende, kreischende Schmirgelscheiben. Vierzig gebeugte Rücken. Vierzig Paare narbiger, behaarterArme. Und eine große elektrische Uhr, die über dem Sausen des Mgetisches hing, bezeichnete die Zeit für die Mannschaft. Bannavd schob wieder, ein« neue Platte in die Klammer. Sechzigmal in einer Stunde, Hunderte Male jeden Tag, näherten sich seine behandschuhten Finger dieser zischenden Klinge. Ohne Ruhe, ohne Pause, ausgenommen vielleicht einen Mick auf diese glatte, eäarmungSlose Uhr. Bannard haßte die Uhr mit ihren narbenlosen Zeigern, mit ihrer schleichenden, tödlichen Langsamkeit, wenn die Arbeitsstunden zu End« gehe» sollten. Der Aufschrei eines der Männer an der Säge veranlaßte die meisten andern, aufzusehen. Ein stämmiger, muskulöser Pole war von seinem Tisch weggetreten und krümmte verzweifelt seine unbehandschuhte Hand. Mut spritzte auf den Boden und die ratternde Maschinerie. Die rotbefleckte Säge zischt« gegen die kalte, unbewegt« Uhr lustig weiter. Ein Werkmeister eilte mit einem Feuerlöscher in der Hand herbei. Seine ungeduldige Gebärde bewirkte, daß die Sägemänner an ihre Tische zurückkehrten, zur nie endenden Fron, die Kochen entzweizuschneiden. Bannards Blick verfinsterte sich. Jede Woche ereignete sich dasselbe mit der Regelmäßigkeit eines Schlagwerkes. Jede Woche verlor einer einen Finger am sausenden Schmirgel. Jede Woche kam ein neuer Mann ins Sägewerk. Ein stählerner Handwagen raffelte über den Boden und blieb bei seinem Tische stehen. Ein trübäugiger, schmutziger Junge stapelte Bannards fertige Tafeln auf den Wagen und stürzte eine entniutigende Ladung neuer, ungeschnittener Blöcke auf den stählernen Tisch. Die weiße Uhr tickte eine Minute ab. „Bannard, Sie sind heute wieder um eine Minute im Rückstand. Eine Scheibe in der Minute, merken Sie sich das. Wenn Sie damit nicht fertig werden, ohne auf die Uhr zu sehen, fliegen Sie hinaus". Der Werkfuhrer ging wieder in seinen Verschlag, der in einem Winkel des langen Sägeraumes angebracht war. Bannard zwangt« die noch übrigen Blöcke gegen die spröde Sägeklinge. Scharfe, heiße Funken sprangen wie rasend von der reißenden Säge. Die kalte weiße Uhr schielte nach ihm. ES muß schon gegen die Zeit gehen, da die Pfeife weit hinten auf dem Dache der Fabrik ihren willkommenen Ruf. daß es fünf lihr sei, gellte. Bannard schoß einen fragenden Mick zu seiner Feindin, der Uhr, die ihn aus ihrem blitzenden Gehäuse nahe an der Decke höhnte. In diesem Bruchteil einer Sekunde geschah, was er seit allen seinen Monaten am Sägetisch gefürchtet hatte. Sein Handschuh blieb in der Sägekerbe stecken und wurde gegen die überhitzte, mahlende Klinge gezogen. Die' eingeklemmte Scheibe zerschnitt das Leder, das seine Finger bedeckte, und Reue Haltestelle. Am 14. Juli wurde auf der Strecke Cerkany-Svötlä n. S. zwischen Ceskh Sternberk und der Haltestelle Sobitin eine neue Haltestelle Cejkoviee eröffnet, in der nach Bedarf auf Zeichen sämtliche Personenzüge anhalten iverden, außer den Zügen 4, 416, 6410, 4984, 4086 und 4987. Fahrkartenausgabe besorgen die Schaffner im Zuge. Gepäck wird gegen Nachzahlung entgegen genommen. Prag sh« Seeftadtl« Strem. Am Sonntag, de» 16. ds., wurde die Lieferung von elektrischer Energie aus dem Elektrizitätswerk in Seeftadtl nach Prag infolge Repamturarbeiten an der Ucberland- Hauptleitung eingestellt. Deshalb besorgten die gesamte Produktion elektrischer Energie für Groß-Prag di« VcktrizitätSwerke der Hauptstadt Prag. Außer den Elektrizitätswerken in Holleschowitz arbeitete für diesen Zweck auch daS bei der AbfallverbrennungS- stelle in Biffotschan errichtete Elektrizitätswerk, das mit seiner Höchstleistung belastet war und den gestellten Anforderungen vollkommen entsprach. Ais der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Heut« abends 8 Uhr im Parteiheim gemeinsame Veranstaltung aller SJ-Grupp«: Das neu« Rußland. Bericht des Genossen Mlina von seiner Rußlandreise. Parteimitglieder find willkommen. Spart• Spiel• Körperpflege Bürgerlicher Sport Som Miroparup. Das sechste Spiel Sparta gegen Hungaria. das am Sonntag in Wien ausgetragen wurde, endete wiederum 1:1<1:0) trotz Verlängerung. Das Los entschied.dann für Sparta, welche nun gegen Ädmira anzuireten hat.— In Budapest trafen Ferenevaros und FC. Bologna aufeinander. Wider Erwarten kamen die Ungarn zu keinem Erfolg, denn die Partie endete 1:1<1:1). DFB-Perbandsmeister der 1. Klaffe wurde der Reichenberger FK., der am Sonntag in Teplitz zwar vom VfB. Teplitz 1:0<0:0) geschlagen wurde, aber im ersten Endspiel mit 6:0 gewann. DDB. Saaz gastierte in Kolin, wo er vom AFK. knapp mit 1:2(0:1.) geschlagen wurde. Sonstige Fuhball-Ergeiniffe. Rachod: SK. Proßnitz gegen SK. 6:8(4:2).— B.«Budwets: SK. Pilsen gegen ESK. 4:2(2:1).— Komata»: SpBg. Bodenbach gegen DFK. 8:0<2:0).— GraSlitz: DFC. gegen Karlsbader FK. 6:1<1:1). — Gablonz: BEK. gegen DSK. 2:1<1:1).— Brüx: Auswahlspiel tschechischer gegen deutschen Nordwestgml(zweite Garnitur) 8:0(4:0). zersprang dann mit einem ohrenbetäubenden Krach. Bartiiard zog feine zerrissene Hand vom Tische und riß den zerstückelten Panzerhändschuh mit einem Wutgeschrei herunter. Er schüttete seine verstümmelte Faust gegen die grinsende elektrische Uhr. Zwei Tropfen Blut spritzten auf das GlaS. Mit einem Fluche ergriff er einen schweren Block Kohle und schleuderte ihn mit der ganzen Kraft seines wuchtigen Körpers in die Uhr. Zerbrochen, mit Kohlenstaub geschwärzt, mit verwickelten, niederhängenden Zeigern, gab die Uhr wie schaudemd mit dem zerschlagenen Mechanismus ein letztes Minutenzeichen. (Aus dem Amerikanischen übersetzt.)' Die»»ralische Tifa k Die Tifa bat in Erfahrung gebracht, daß in Jugoslawien Wettbüros für Fußball existieren und forderte zur Beseitigung derselben den dortigen Verband auf.— Wir tu der. Tschechoslowakei sind ja auch mit dieser„er» sprießlichen" Einrichtung gesegnet, aber... de» Kleinen henkt man und die Großen.«. Australien. gewann das DaviS-Cupspiel. Die beiden restlichen Einzel brachten die Entscheidung. Menzel hatte trotz der Hitze