i/‘>e IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN PER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK NUT AUSNAHME MS MOMM TMUCM EMM. rcoaktion und vmwauung nm««mocmcmm«.«mmt. MNMMQMinMMi HERAUSGCRCRi SIEGFRIED TAOS. CHCNNDAKKUR« WHH&M:MIfSSNBt. WKAMWOMMCNft MDMCItMi BR. NAH STRAUSS, PRAG. 14. Jahrgang Mittwoch, 18. In» 1934 Nr. 165 MMMMNWWW- ZM an die^-UWWWMGn An Ms Zentralkomiteeder Kommunistischen Duld■ der Tschechoslowakei PraE Sie haben uns mit Ihrem Schreiben vom 14. Juü Bündnisses wäre. Bezüglich Polen» erklärt das Matt, überzeugt zu sein, daß Polen, nachdem e» sich mtt der Frage näher befaßt hat, eine energische Tättgkett in der Richtung einer beschleunigte« Realisierung desOstpakteH«ater- nehmen werde. ftpcn spricht.i am orabc seines crsdiessenen Sekretärs Berli u, 17. Juli. In der Berliner vor- statt Lichterfelde sand heute da» Begräbnis de» RcgierungSrate» von Base statt, der der Skretär de» Vizekanzler» von Pap« gewesen ist und bei der Aktion vom SO. Juni er- schossen worden war.-. Vizekanzler von Pap en war bei dem Begräbnis mit seiner Frau anwesend«nd hielt am Grabe rine kurze Ansprache. Er betonte die Treue seine» Mitarbeiter», der im Weltkrieg ei« guter Soldat gewesen sei«nd auch im Friede« seinem Vaterlande bi» zu seinem Tode gedient hab«. Nach den Kritikastern die Materialvergeuder Schon wieder ein„100-Tage-Kamps" im Hitler-Reich. Berlin, 17. Juli. Der angekündigte 100- Tage-Kampf gegen die Materialvergeudung beginnt, wie daS MDZ meldet, bereits am Die offiziellen Mitteilungen der Amtlichen\ Nachrichtenstelle über die Zwischenfälle bei Kalten«' leutgehen stellen den Verlauf der geheimen so-' zialdemokratsschen Versammlung so dar, daß ge- wissermasten acht in der verschwindenden Minder-' heit befindlichen Sicherheitsorgane angesichts der drohenden Haltung der Demonstranten von der Schußwaffe Gebrauch machen muhten.' In Wirllichkett war die Situation ganz anders. E» waren in der Näh«'von Kalksburg einige Versammlungen der Sozialdemokraten. Ein Ge nosse, der an einer dieser Versammlungen teil genommen hatte, berichtet«n», daß die von ihm besuchte Versammlung etwa» flau war— sie war verraten worden— und daß deshalb die I ist die Wahrheit. Die RuhmeSliste des blutigen Teilnehmer versuchten, zu einer in der Nähe statt-1 Kanzlers ist um eine neue Christentat reicher! Seite 4 Mittwoch, 18. IM 1934 Nr. 1«S Riesen-Ueberschwemumng in Polen Biele Menschenleben vernichtet Paul Szendegestorben Am 15. Juli ist dec ehemalige Finanzminister der ungarische» OÜoberrevolution des Jahres 1018 zufolge eines Herzschlages gestorben. Paul Szende ein Gelehrter von Rang, ursprünglich ein Volkoivirtschaftlec mit tiefer Bildung, studierte mit Hilfe seiner auf breiter Grundlage ruhenden philosophischen Kenntnisse auch die soziale Frage. Er kam von der bürgerlichen Front zum Sozialismus. Als Generalsekretär der führenden kaufmännischen Bereinigung Ungarns war er ne- bei seinen! innigsten Freund Oskar I ä s z i der Führer der bürgerlichen radikalen Partei. Sie führten einen unerbittlichen Kampf gegen die nationale Unterdrückung der ungarischen Reaktion, und für das allgemeine Wahlrecht. In diesem Kampf kam er immer mehr in Berührung mit den Arbeitern, hielt gemeinsame Versammlungen mit der sozialdemokratischen Partei ab, war der beliebteste Lehrer der von Arbeitern besuchten„Freien Schule". Die Revolution erhob Szende zum Finanzminister. In der Revolutionsrcgierung war er der aufrechte und verläßlichste Verbündete der Sozialdemokraten. Die ganze Kraft gegen die Reaktion und Konterrevolution gewendet, versuchte er den bolschewistischen Einbruch zu verhindern. Die sozialen und nationalen Kräfte waren aber stärker als die gemäßigten Elemente. Das Regime-Karolyi wurde von der Räteregierung abgelöst, an der Szende zufolge seiner antibol- schewistischen Einstellung nicht tcilnahm und die nach vierundeinhalb monatiger Herrschaft im katastrophalen Zusammenbruch der mit großem Elan aufwärtsstrebendcn ungarischen Revolution unterging. Szende wurde auch in die Emigration getrieben. In dieser schweren Lage offenbarte sich die Scclcngrößc, Tapferkeit, der lautere Charakter und die sozialistische Festigkeit des Mannes. Der bürgerliche Politiker, der mit einem Gesinnungswechsel— die viele seiner Freunde untcr- nahnicn— nach Ungar» zuriickkehrcn und eine einflußreiche Rolle hätte spielen können, schloß sich gerade in dieser Zeit— mit Aurtl Stromfeld l»!d Ladislaus FcnhcS— der verfemten, am stärksten verfolgten, anr linken Flügel der sozialistischen Bewegung stehenden, sozialdemokratischen Emigrantcngruppe„Vilagossäg" an und führte in Wort und Schrift einen mutigen Kampf gegen die Konterrevolution. Der bürgerlich hochgestellte Beamte, der aus vermögender Familie stamtc, opferte seine glänzend bezahlte Stellung für seine Gesinnung. Der ehemalige Fi- nanzministcr, der in den revolutionären Wirren über Millionen verfügte, zieht arm wie eine Kir- chrnmaus in die Emigration. Er hungert, leidet Slot und das alles, um sich dem Sozialismus mit aller Liebe hinzugebcn. In der Emigration wird er der liebste Kamerad, der warmherzigste Ge- riossc und unerschöpfliche Erzähler, einer der beliebtesten wirtlich internationalen Referenten der Sozialdemokratie. Szende sprach und schrieb französisch, deutsch, ungarisch und beherrschte auch die englische Sprache. Er hielt unzählige Borträge in Oesterreich, Frankreich, Deutschland und auch in der T s ch e ch o s l o w a l e i. Er war ständiger Mitarbeiter und geschätzter Korrespondent der Wiener„Arbeiterzeitung", des„Populairc", „Sozialdemokrat", Prävo Lidu", der»Leipü ziger Volkszeitung" und vieler anderer deutscher und Schlveizer Partciblättcr. Er war mich der Verfasser zahlreicher sozialistischer und wissenschaftlicher Schriften. Seine Haupttätigkcit aber widmete Szende dem Kampfe gegen die Konterrevolution in Ungarn innerhalb der Vilägossag-Emigrantcngruppe, in deren Vorstand ihn seine Genossen seit 14 Jahren immer wieder kvählten. Er vertrat auch einige Rial die Vilägossag in der Exekutive der Internationale. Das Andenken des in der Emigration fern von seinen innigsten Freunden verschiedenen Genossen lvird von! ungarischen Proletariat im Pantheon ihrer Arbciterherzen bekvahrt bleiben. Erich Mühsam vor seinem Tode verstümmelt Basel. Die Baseler„Rational-Zeitung" ist in der Lage, grauenhafte Einzelheiten, über das Martyrium Erich Mühsams zu veröffentlichen, die bisher noch nicht bekannt geworden waren. Das Blatt schreibt:„Immer und immer wieder tvurde der erst 87jährige, aber zum hilflosen Greis Ge- niarterte, bis aufs Blut geprügelt. Er war seit Jahren schwerhörig und verstand daher eines Tages einen Befehl nicht: zur Strafe wurden ihm die Ohrmuscheln heruntergehauen. Und vielleicht das raffinierteste: Eins schönen TageS wird ein Drehorgelmann mit einem Aeffchen ins Lager hereingelassen, die Gefangenen haben ihre Freude daran, besonders Mühsam, der glattgeschoren und rasiert, mit lächerlichen Knabenhosen bekleidet, selbst wie ein Affe aussieht, streichelt das Tierchen. Einer der Folterknechte bemerkte eS und befiehlt dem Tierfreund, das Aeffchen zu hauen. Da Mühsam außerstande ist, dem Befehl nachzukommen, erschießt der SA-Mann das Tier vor seinen Augen, um dem Gefangene» mit den Ohrstümpsen recht weh zu tun." Zu diesen Enthüllungen körperlicher und seelischer Folterungen bemerkt das Schweizer Blatt: . Kein Berliner Dementi.wird die Wcchrheit dieser Mitteilungen bestreiten können." Krakau, 17. Juli. Infolge der heftigen Regengüsse der letzten Tage sind gestern plötzlich mehrere Flüsse auf dem Gebiete von Podhale in Kleinpolen aus den Ufern getreten. Die Ueber- schkvcmmungslatastrophe nahm einen überaus großen Umfang an und forderte mehrere Menschenopfer. Am bedrohlichsten ist die Lage im Bezirke von Neusandez; das Städtchen Zalubime soivie die umliegenden Dörfer und die Stadt Neusandez selbst stehen unter Wasser. Die Urbrrschwemmung erfolgte so plötzlich, daß viele Bewohner des Städtchen- Za- lubincc ihre Häuser und Wohnungen nicht nier verlassen konnten und sich in einer verzweifelten Lage tefanden. In den Fluten des Flusses Kamienica find eine Anzahl von Bewohner des Städtchens Zalnbincr, darunter zahlreiche Kinder, ertrunken. Man sah, daß mehrere Wiegen mit Säuglingen von den Fluten des Flusses fortgetrieden wurden. Alle an dem Flusse Kaniienica liegenden Brücken wurden von dem Hochivasser fortgerissen. Auch die Flüsse Dunajec, Poprad, Bialka und Rapa sind aus den Ufer» getreten und haben große Gebiete überschwemmt. An den Ufern des Flusses Poprad wurden durch die hochgehenden Fluten mehrere Bauernhäuser fortgeschwemmt, wobei zwei Bauern ums Leben kamen. Der Kurort Kry- niea ist durch Ueberschwcmmung von der Außenwelt gänzlich abgeschnittcn und der Verkehr zwischen Krynica und Krakau unterbrochen. Infolge der Ueberschwcmmung des Flusses D u n a» j e c steht auch die Stadt Gorlice unter Wasser. Die Gegend von Zakopane ist gleichfalls voll- lonnnen überschkvcmmt. In Zakopane selbst wurde das Elektrizitätswerk unter Wasser gesetzt, so daß die Stadt ohne elektrischen Strom blieb. Aus allen an den Flüssen Dunajec und Poprad liegenden Ortschaften treffen verzweifelte Hilferufe der Bevölkerung infolge der Ausbreitung der Ucberschivcinnlung ein. Die Zahl der Todesopfer läßt fich noch nicht ermessen, da stündlich neue Hiobsposten, betreffend das Anwachsen der Urbrrschwemmung und neue Menschenopfer eintreffrn. Der Materialschade geht in viele Millionen Zloty. Biele Taufende von Familie» find obdachlos geworden. Die Behörden haben mit Hilfe des Militärs umfangreiche Rettungsarbciten ringrlritrt. Besonders kritisch ist die Lage in der Stadt Rowy Soncz, wo das Hochivasser eine große Zahl von Häusern zerstört und mehrere Menschenleben gefordert hat. ES war ein tragisches Bild, wie einige Bewohner vom Strome fortgerissen wurden, ohne daß es im Hinblick auf die alles mit sich reißenden Wafferwirbek möglich geivescn wäre, ihnen irgendwelche Hilfe zuteil werden zu lassen. Wer ist der neue Stabschef Lutze? Hannover. Die Oeffentlichkrit wurde lürzlich damit überrascht, daß der«eiteren Kreisen unbekannte Sturmführer Lutze zum Nachfolger Röhm- ernannt wurde. Dieser Lutze machte zuerst von fich reden, al- er Ansang des Jahre» 1933 beschuldigt wurde, in Hannover 40.000 Mark unterschlagen zu haben. Er wurde damal» in Urlaub geschickt. AlS die Bevölkerung Hannovers den Korruptionsfall immer erregter diskutierte, schlug Hitler daS Verfahren gegen Lutze nieder und rehabilitierte seinen Sturmführer, indem er ihn vom Polizeipräsidenten zum Obrrprä- sidrnten beförderte. Die„Gerüchtemacher" wanderten ins Gefängnis, und Lutze wurde, außer mit drr Beförderung, noch mit dem Geschenk von Hitlers LieblingSaut» belohnt, das die Kleinigkeit von 48.000 Mark grkostet hatte. Im übrigen gehörte zu LutzeS früherem Machtbereich die Stadt Braunschweig, in der an einem Tage 10 Arbeiter als Geiseln erschossen wurden. Di» Stadt Braunschweig allein zählte bis Ende November vorigen Jahres 28 aus psliti- schen Gründen Ermordete. Ole Führer des litauischen Putsches verurteilt w Kaunas, 17. Juli. DaS Feldgericht hat den früheren litauischen Generalleutnant KubilinaS, den stellvertretenden Chef der Militärfliegerei Oberstleutnant N a r a k a s und den stellvr- tretendcn Chef des HusarcnregimenteS Oberstleutnant B a c k u S wegen„Böswilligkeit und Untätigkeit" bei dem Militärputsch am 7. Juni zum Tode verurteilt. Der Staatspräsident hat die Gnadengesuche der drei Verurteilten berücksichtigt und die Todesstrafe für KubilinaS in lebenslänglichen schweren Kerker, für BackuS in 18 Jahre und für NarakaS in 12 Jahre schweren Kerker umgewandelt. Die Verurteilten wurden degradiert und gehen aller Ehrenrechte verlustig. Damit ist die Maßregelung gegen die Aufständischen des litauischen Militärputsches in I Kaunas abgeschlossen.. Die Lage in den ileberschlvemmungögcbieten hat sich im Laufe der Nacht auf Dienstag wesentlich verschlimmert. Infolge der andauernden starken Regengüsse sind in der Nacht die Flüsse Raba, Sola, Jasiolka, Uszwica und andere aus den Ufern getreten und haben Iveite Gebiete'überschwemmt. Zahlreiche ganz kleine Gebirgsbäche in den Karpathej! und in der Tatra verwandelten sich plötzlich in reißende Flüsse, die große Verwüstungen anrichteten und ganze Dörfer unter Wasser setzten. Rach offiziell bestätigten Meldungen wurden bisher bloß in dem Gebiet der Bezirke Rovy Soncz und Brzesko zirka 80 Todesopfer gezählt, darunter allein in Rovy Soncz 28. Es besteht di« Befürchtung, daß die Zahl der Ertrunkenen viel größer ist, doch fehlen bisher genaue Angaben. Das Schicksal der Bevölkerung von mehreren Dörfern in Kleinpolen, dir von der Außenwelt abgeschnitten find, ist unbekannt. Nach den Dienstag mittag eingclaufenen Nachrichten wurden auch mehrer« Gevtete der Lemberger Wojwodschast durch eine Ueber« schwemmungskatastrophe heimgesucht. Der Fluß San ist aus den Ufern getreten. Besonders bedrohlich ist die UeberschwemmungSlage in den Bezirken Prcmyft, Staniflau und Rcszow. Der Eisenbahnverkehr zkvischen Krakau und Lemberg wurde am Dienstag mittag unterbrochen, weil bei Biadoliny eine große Eiscnbahnbrücke ftrrtgc- schwemmt wurde. Heute früh find vom Krakauer Flugplatz zwei Militärfluggcschlvadcr abgeflogcn, die den von der Außentvelt abgcschnittenen Ortschaften Lebensmittel zustcllen sollen. Die UrberschwemmungSkatafiroPhe wird als die größte Elementarkatastrophe bezeichnet, die Polen seit dem Jahre 1881 heimgesucht hat. * Auch in der Clowatei Uederschwemmungen Zilina, 17. Juli. Infolge andauernder Regengüsse sind die Flüsse in der Nordwestslowa- kci, insbesondere die Waag im Abschnitt Brütky— Zilina—PoväZskä—Bystkice über die Ufer getreten. Stellenweise wurde erheblicher Schaden angerichtet. Das Wasser ergoß sich weithin Mer die Felder, entwurzelte Bäume, unterbrach an einigen Stellen die Telegrafenleitung und riß Bahnüberführungen ein. Uebcrall wurden Schutz- und SicherheitSvorkchrungen getroffen, doch waren am Dienstag nachmittags die Gewässer überall im Sinken begriffen. Der Eisenbahnverkehr wurde nirgends unterbrochen, ja nicht einmal gefährdet. Der Zwischenfall von Samos Englisch« Flottendemonstration? London, 17. Juli. Der türkische Botschafter hat heute das Fo«cign Office ausgesucht und dort das aufrichtige Bedauern über den Zwischenfall von Samos ausgcdrückt, tvo ein Boot mit englischen Marineossizieren, die einen Badeausslug machen lvollten, von der türkischen Zollwache beschossen wurde, Ivobci ein englischer Militärarzt den Tod fand. Der Botschafter erklärte, daß die türkischen Zollbeamten die englsschen Offiziere irrtümlicherweise für.Schmuggler gehalten hatten. Im Unterhaus gab Sir Simon ein« Erklärung über diesen Zwischenfall ab, lehnte es jedoch auf eine Zwischcnfrage ab, sich darüber zu äußern, ob sich das betreffende Boot nicht etwa in verbotenen Gewässern, d. h. im Bereich irgendwelcher türkischer Küstenbefestigungen befunden habe. Daß England diesen Zwischenfall noch nicht als erledigt anfieht geht daraus hervor, daß in T i g a n i auf der Insel Samös ohne vorherige Anmeldung mehrere englische Kriegsschiffe eingelaufen sind und für morgen auch noch das englische Schlachtschiff„Souvereign Elizabeth" mit Admiral Fisher an Bord erwartet wird. Vom Rundfunk t1f«|lnwrirtM ov» ti fwiiwni Donnerstag. Prag, Sender L.: 10: Schallplatten. 10.20: Deutsche Presse, 18.10: Deutsche Sendung: Kohlert: DaS OhererzgebirgSheimatfest in Schwaderbach, 18.20: Landwirtschaft. 18.66: Deutsche Presse, 10.10: Kinder musizieren, 20.85: EiNfich» rung zur Oper: Uebertragung aus Turin: Jlmisteri Monleone. Sender S.: 10.80; Orchesterkonzert auf Schallplatte», 14: Gegenwärtige französische Politik, 14.10: Liederkonzert, 24.25: Deutsche Sendung: Dallinger: Gemeinschaftsarbeiten der deutschen Wirtschaft, 14.45: Opern-Arien» 15: Deutsche Presse.— Brünn, 14: Deutscher Arbeitsmarkt, 18.20: Deutsche Semdung: Arbeiterfunk: Fritsch: Um Wahrheit und Moral, 18.40: Dozent Dr, Steinernmher: Neue Dramen und Gedichte, 10.50: Orchesterkonzert.— Mähr. Ostrau, 18.20: Deutsche Sendung: Liederkouzert, TagcsucolgKcilcn Siet Kinder auf einmal verloren Kattowitz, 17. Juli. In einem kleinen Ort bei Ottusch ereignete sich ein furchtbares Unglück, dem vier Menschenleben zum Opfer fielen. Die vier Kinder des Landwirtes Boranek im Alter von 18 bis 17 Jahren hatten sich in der Küche zu Bett gelegt, als die Mutter im Küchenofen noch einmal Feuer anmachte. Die Frau ließ di« Ofentür offen und legte sich im Nebenraum gleich, falls zur Ruhe nieder. Als sie nach mehreren Stunden ertvachte und in die Küche ging, fand sie ihre vier Kinder bewußtlos in den Betten vor. Ein herbeigerufener Arzt konnte nur noch den inzwischen durch Kohlengasvergiftung eingetretenen Tod feststcllen.> Unglück der deutsche« Himalaia-Expeditßon Simla, 17. Juli. Nach einer hier eingctrof- scnen Meldung ist die deutsche Himalaja-Expedition erneut von einem schweren Unglück betroffen worden. Die deutschen Bergsteiger Mcrkl, Wieland und Welzenbach werden seit einigen Tagen nach einem furchtbaren Schnecsturm, der sie bei ihrem Angrifs auf den Nanga Parbat überraschte, vermißt. Die Suche nach ihnen war bisher erfolglos. In der gleichen Meldung wird auch der Tod von drei eingeborenen Trägern mitgetcilt. Eine Bestätigung dieser Meldung durch die Expeditionsleitung liegt bisher noch nicht vor. Der Mörder von Brighton verhaft London, 17. Juli. Scotland Dard ist cs in den frühen Morgenstunden gelungen, den italienischen Kellner Mancini zu verhaften, der seit gestern u. a. auch in Frankreich eifrig gesucht wurde. Nachdem gestern in einem Koffer eine zweite Leiche gefunden lvordeu war, wobei festgestellt wurde, daß es sich um die Frau des Kellners handelte, besteht kein Zweifel mehr darüber, daß Mancini auch der Mörder der ersten Frau ist, deren Leiche in einem Koffer in Brighton aufgefunden wurde. Wegen dieses Mordes wurde Mancini bekanntlich in llntersuchung gezogen, wegen Mangels an Beweisen jedoch später wieder auf freien Fuß gesetzt. Radikaler Kurswechsel... Im„Prager Tagblatt" las man am Sonntag das folgende wahrhaft herzige Inserat: „Gefluchtet« RSDAP-Fnhrer sucht sofort Aufnahme. I» den ersten Wochen ohne Vergütung. Kosten werden nachgezahlt. 29 Jahre alt, Akademiker, Arzt. Angebote unter Chis- fre:„Quartier 30/3—7" an die Verwaltung dieses Blattes." Was, in aller Wett, ist da passiert?! Nicht vcr- lvunderlich ist, daß vor der Mordlust ihres ver- räterischen„Führers" fliehende Nazi-Führer Gratts-Logis und Gratis-Kost im gastlichen Prag suchen. Es wird nicht der einzige cinsttge Emigranten.Schmäher sein, der hier aus dem Drit- ten Reich der Kameradcnköpfe-Roller in fried- lichere Gefilde emigrierte. Aber warum sich der an den Brüsten«Stürmer"-StreicherS genährte alte Kämpfer ausgerechnet das„Prager Tag- blatt" aussucht, ist unerfindlich! Glaubt der Mann sich an Hitler und Goebbels dadurch rächen zu können, da er nunmehr auf rituelle Kost schwärt—? Der Minister für öffentlich« Arbeit«», Genosse Dr. Ezech, wird von dieser Woche ab bis aus weiteres keine Besuche empfangen. Eisenbahnertod. Als sich Montag abends nach Beendigung des Dienstes der Oberkondukteur Franz Krajöir aus Lopoldov in die Dieusttaferne auf der Bahnstation von Zilina begab, wurde er bei Ueberquerung des Geleises von einem verschiebenden Zug ersaßt. Krajäic wurden beide Hände und Füße überfahren. Tödlich verletzt wurde der Eisenbahner inS^Krankenhaus geschasst, unterlag jedoch unterwegs seinen Verletzungen. Di« Störung auf der Strecke Brünn—Lun dcnburg behoben. Wir haben gestern mitgetetlt, daß zwischen den Stationen Raigern und Mödritz infolge eines schadhaften Durchlasses eine Störung entstand. Die schadhafte Stelle wurde bereits ausgebcssert, so daß der Verkehr wieder normal vor fich geht. Für Torgler und Thälmann die Freilassung durchzusetzen, ist der Zweck einer Flugreise der bekannten englischen Sozialistin Ellen Wilkinson und ihres Landsmannes John Strachey nach Berlin, wo sie bereits eingetroffen sind. Eine Abordnung englischer Persönlichkeiten des öffentliche» Lebens sprach unter Führung des Lord Listowel, der das Dritte Reich besucht hat, auf der Deutschen Botschaft in London vor und überreichte dort eine Eingabe zugunsten der Verhafteten, besonders Torglers und Thälmanns, sowie einen Protestbrief George Landsburys, des Führers der Labour-Party. Das Ziel all dieser Attionen ist, Torgler und Thälmann vor dem sogenannten „Volksgericht" zu bewehren, dessen erste Racheobjekte die beiden Kommunisten sein sollen. Wahrscheinliche» Wetter von heute: Wetter zeitweise noch unsicher, vereinzelt noch Regenschauer oder Gewitter, im allgemeinen jedoch bereit» Bewölkungsabnahme, ziemlich warm, Nordofttyind, «r. 165 Seite 5 Mittwoch, 18. Juli 1934 9ticorda 9utO hie bekannte deutsche Romanschriftstellerin und GoethepreiSträgerin, feiert Mittwoch ihren 70. Geburtstag. U WMkMWM U WA WM »rtenüberschutz um KL Prozent gegenüber 1928 znrütkgegnnge« «ordbShmische« Jndustriebezirke am Srgste« betroffen—(nne Gchicksalofrage für Im Sndetendentfchtnm Streik in San Francisco Warum schweigst du, San Francisco, •pulsende Stadt am Pazifik f Wo ist dein Geheul der Sirenen, das den dröhnenden Alltag in klirrende Teile schnitt f Podersam Rangordnung. Gebieten mit erhöhte K i n- Geburtenüber- In Mähren-Dchtesien fiel gegenüber 1923 der Geburtenüberschuß von 10 per Einwoh- nortausend«ruf 5.32, also fast auf die Hälfte. Auch hier ist.in. den drei Krisenjahren der Absturz besonders rapid(von 8.24 im Jahre 1V30 auf 5.32). Immerhin gibt es hier nur zwei kleine Gebiete mit e f f e l- tiverBevölkerungSabnahme, in denen die Geburtenzahl die Sterbeziffer nicht mehr erreicht. Es ist dies Brünn-Stadt und der schlesische Gerichtsbezirk Wiesenberg, das industrielle Notgebiet des TehtaleS. Mit aller Deutlichkeit ergibt stch jedenfalls die Tatsache, daß die Industriegebiete durch die Auswirkungen der Kriscnjahre in erster Reihe dezimiert erscheinen. Es ist nicht nur das Glend der Gegenwart, sondern auch die Unsicherheit der Zukunft, die dem städtischen Proletarier die Familiengründung untersagen. Vielleicht gibt seinem ländlichen Klassengcnossen seine Verbundenheit mit dem winzigen Stückchen Land, das ihm gehört, oder zum mindesten das Bewußtsein, ein sicheres Dach über dem Kopf zu haben, eine größere Selbstsicherheit. Dr. Bg. Die unlängst in den„Mitteilungen l des Stat. Staatsamtes" veröffentlichte! Statistik über die Bevölkerungsbewegung in un-| serer Republik für das Jahr 1038, das vierte Krisenjahr, zeigt in ihren Zahlenkolonnen eine bevölkerungspolitische Entwicklung auf, die zu den ernstesten Erwägungen Anlaß gibt. Im gesamt st aatlichen Durch-' schnitt betrug im vergangenen Jahre der Ueberschuß der Lebendgeburten gegenüber den Sterbefällen» also der Bevölkerungszuwachs, 5.50 auf tausend Einwohner. Bor zehn Jahren, im Jahre 1023, entfiel auf tausend Einwohner noch ein Ueberschuß von 12.22 Geburten. Roch 1030 wurden, auf tausend Einwohner gerechnet, 8.55 überschüssige Gedurten gezählt« 1931 waren rS nur»och 7.18; 1932 nur noch 6.87 und im vierten Krisensahr wurde der angeführte vorläufige Tiefpunkt von 5.50 erreicht. Auch diese Ziffer ist aber nur dem Einfluß der Ostländer(Slowakei und Karpathoruh- land zuzuschreiben), deren Geburtenzahl seit jeher weit Wer dem mitteleuropäischen Durchschnitt stand. Aber auch in deir östlichen Ländern zeigt sich eine abstei g end e Te n d enz. In der Slowakei ist der Geburtenüberschuß im letzten Jahrzehnt von 14.74 auf 10.02 per tausend Einwohner gesunken, also nahezu um e i n D r i t- t e l. Ebenso inKarpathorußland(von 22.18 im Jahre 1923 auf 16.79 tm Jahre 1938). In beiden Fällen ist der besonders rapide Absturz in den dreiletztenJahren(1931 bis 1988) bezeichnend. Für die historischen Länder ergeben sich aber noch ganz andere Bergleichsziffern. Der Geburtenüberschuß in Böhmen betrug 1933 nur noch ei» Drittel gegenüber 1925, nämlich 2.23 per tausend Einwohner gegenüber 6.44 im Jahre 1925. Ein flüchtiger Blia in die Begleittabellen zeigt uns, daß die einzelnen Gebiete nicht in gleicher Weise von der Geburtenabnahme betroffen wurden. Es sind nicht die Notgebiete schlechtweg, die eine sinkende Populationstendenz aufweisen. Die Geburtenabnahme konzentriert sich in verhängnisvoller Weise auf die dichtbevölkerten Jndustriege- biete» mit einer durch die Krise existenziell restlos vernichteten und entwurzelten Bevölkerung. In erster Linie, sind der Entvölkerung also die nordböhmischen Bezirke ausgesetzt— eine Frage, die in ihren weiteren Folgen an den Lebensnerv des sudetendeutschen Volkes greift. Die neun politisihen Bezirke Böhmens, die im Jahre 1933 effektive Bevölkerungsabnahme aufweisen, sind durch- wegs deutsche Bezirke. ES sind dies R u m b u r g(minus 4.08 vom Tausend)Reichenberg(minus 3.08); Friedland(minus 3.09); Braunau (minus 1.59);WarnSdorf(minus 1.50); Gablonz(minus 1.01);Schluckenau (minus 0.71);Deutsch- Gabel(minus 0.25) und Karlsbad minus 0.6). Eine Reihe weiterer deutscher politischer Bezirke (Aussig, Teplitz, Komotau, Marienbad, Leipa, Tetschen) zeigt minimale Zunahmen, während in einigen ihrer untergeordneten Gerichtsbezirke schon Bevölkerungsabnahme zu konstatieren ist.(Die GerichtSbezirkeMarien« bad, Haida, Letschen und K o m o- t a u.) Dieses Minus der Bevölkerungsbilanz wird nicht durch günstigere Ziffern in anderen suoeten- deuffchen Gebieten ausgewogen. ES ist ein geringer Trost» wenn die dünn besiedelten Böhmerwald» bezirke Hartmanitz und Wallern einen außerordentlich hohen Geburtenüberschuß aufweisen(10.85, bzw. 10.86). Auch Krum« mau, T a ch a u und K a p l i h zeigen hohe Ziffern(zwischen 6.67 und 7.29), Aktiv ist noch Falkenau, Saaz, Tepl, und andere Bezirke in sinkender Allerdings zeigt sich in vielen höherer Geburtenzahl auch eine dersterblichkeit, die den schuß zum Teil wieder aufwiegt. Die höchste Kindersterblichkeit weist Saaz auf. Die deutsche Himalaja» Expedition in schwerster Gesahr Zu den beunruhigenden Meldungen über das Schicksal der Spitzengruppe der deutschen Himalaja-Expedition liegt nunmehr ein ausführ- licher Bericht vor, der von dem Teilnehmer Bechthold abgesandt wurde. In diesem Kabelbericht heißt es u. a.: Am 7. Juli erreichte die Spitzengruppe dank der anstrengenden Stufenarbeit von Schneider und Aschenbrenner den Silbersattcl am Nanga- ParbaS. In 7600 Meter Höhe wurde das Lager VIII errichtet, nachdem Schneider und Aschenbrenner vier Stunden lang unter dem Hauptgipfel in etwa 7900 Meter Höhe gestanden hatten. Nach der späteren Schilderung von Schneider und Aschenbrenner erlitt die Spitzengruppe furcht- bareStunden in den schnee« verwehtenZelten. Immer neue Schneeböen zwangen sie dazu, die Zelte mit aller Kraft fcstzuhaltcn. In fieberhafter Erwartung des erfolgbringenden Gipfelsturmes wurde die Nacht in dieser Sage verbracht. Am 8. Juli versuchten Bernard, Bechthold und Müllritter von Lager I V aus Nahrungslasten nach Lager Vl und VII zu bringen. Sie blieben im Pulverschnee und im Sturm schon vor dem Lager V ftecken. Nun wandte sich das Wetter end« gültig zu m Sch l e ch t en. Der Sturm wuchs zum Orckan. Dem Träger der Spitzengruppe riß der Orkan die Last vom Rücken. Dre Schlafsack flog in hohem Bogen in die Tiefe. Aschenbrenner und Schneider erzwangen im Sturm und Schnee mit äußerster Anspannung den Abstieg von Lager VIII, also aus 7600 Meter Höhe nach Lager IV. Seit der Erreichung des Lagers VII durch Merkel, Wieland und Welzenbach fehlt jede Nachricht von ihnen. Die Kameraden sind außerstande, zu helfen, weil die Darjeelingträger fast auS- uahmSloS krank sind und weil die Witterung eine Hilfeleistung durch die Europäer unmöglich macht. So ist alles in schwer st er Sorge um Merkel, Wieland und Welze n b a ch. Zu dieser Darstellung gibt die Vertretung der deutschen Himalaja-Expeditton in München u. a. folgendes bekannt: Die Gefahr, in der sich die Spitzengruppe befindet, ist groß. Es besteht noch eine Hoffnung, denn Merkel, Wieland und Welzcnbach gehören zu den besten und erfahrensten Bergsteigem. Durch ihr überragendes alpines Können und ihre unerhörte oft betvährte Energie werden sie sich vielleicht doch noch einen Weg zur Rettung erzwingen. Merkel und Welzenbach sind schon in Lagen gewesen, in dmen es für andere kaum mehr eine Rettung gegeben hatte. AutckbuS gegen Baum. Der Führer eines voWesetzten Autobusses verlor bei Balence-sur« Rhone(Frankreich), als er einem Fußgänger ausweichen wollte, die Gewalt über den Wagen. Der Wagen raste gegen einen Baum und stürzte um. Eine Person wurde getötet, zwölf wurden schwer verletzt. Im Kloster Mega Pilaion bei Athen, wo ein Marienbild ausbewahrt wird, das der Sage nach von dem Evangelisten Lukas stammen soll, brach ein heftiger Brand aus, der auch auf dm benachbarten Wald Übergriff. Nach den eingelau» fencn Nachrichten waren werwolle Erinnerungsstücke und unter ihnen auch das Bild in der Krypta verborgen. Das Kloster ist in der orthodoxen griechischen Kirche sehr bekannt und ein beklebter Wallfahrtsort. Die Panik im Tempel. Beim Brande deS indischen Tempels untvest von Sankarnakoil, über dm wir gestem berichteten, fanden gestem 27 Personen den Tod. Mehr als 80 Personen wur- den schwer verletzt. Der Brand wurde durch Fackeln verursacht, die religiöse Fanatiker bei chren Tänzen schwangen. Richt nur Gläubige, sondern auch Zuschauer wurden im Innern des brennenden Tempel« eingeschlossen und drängten so stürmisch den AuSgängm zu, daß der größte Tell der Opfer nicdergetreten' wurde und die übrigen verbrannt sind. Notlandung auf dem Meer. Eiir jugoslawischer Hydroavion war genötigt, auf dem Meere bei Makacska an der dalmatinischen Küste nieder- gugehen, da der Motor in Brand geraten war. Der Pilot und der Beobachter wurden von einer in den jugoslawischen Gemässem kreuzenden britischen Jacht gerettet. Cholera in Jndim. Begünstigt durch die Berhältniffe nach den Ueberschwemmungen, ist in vielen Gegenden Indiens die Cholera ausgebrochen und hat tausende von Opfern gefordert. In der letztm Juniwoche wurden auS den Zentrittprovinzen allein 1055 Todesfälle gemeldet. In ganz Indien wurden in der ersten Juliwoche 5155 Erkrankungen an Cholera, davon 2799 mit töd- lichcm Ausgang, beobachtet. Reue KindeSenIfühmng in Rew Bork. Die Polizei durchsucht die Gegend in einem Umfand von vier Meilen nach dem 21 Monate altm Söhnchen des bekannten New Uorkcr Finanziers Charles Connor, das plötzlich aus der Obhut seiner Eltem verschwunden ist. Die Behörden sind überzeugt, daß das Kind wiederum von Berbre- chern entführt wurde. Eine Kiste Granat«... Im Militärlager von Maison Lafitte in der Nähe von Paris explodierte eine Kiste mit Granaten. Sechs Soldaten wurden auf der Stelle getötet und 26 verletzt, darunter zwei schwer. Die Katastrophe entstand dadurch, daß ein Unteroffizier, der auf dem Uebungsplatz«ine Granate fand, sie seiner Mannschaft zeigte und sie dann fortwarf, wobei die Granate explodierte. Anläßlich der 20. Wiederkehr de» Tage» der erste» krieg»erklLr»ng veranstaltet der Bund der Kriegsverletzten, W. u. W. mit seinen 500 OrtS- gruppm in der Zeit vom LV. Juli bis 5. August d. I. eine Kriegsopferwoche. Währeikd derselben wird der Anhänger aus GlaS„Kleeblatt bringt Glück" zum Preise von Kä 1.— in allen Orten, jedoch nur von einheimischen und ortsbekannten Kriegsbeschädigten, bzw. deren Angehörigen verkauft. Die Einnahmen auS dem Verschleiße dieses B. d. K.-Anhängers fließen den Fürsorgeeinrich- tungen de» Bundes der Kriegsverletzten und feinen Ortsgruppen zu. Der B. d. K.- Anhänger ist gesetzlich geschützt. Ueberfiedlnug einiger Abteilungen der Lan» deSbehörde in Prag. In das Gebäude der LandeS- behövde in Prag II, Podskalskä 1020, wurde die Abteilmig 30 der LandeSbehörde(Veterinärangelegenheiten— Tel. Nr. 415-61), in das Gebäude in Prag XVI., Zborovskä 1505, die Abteilung 12, der Buchhaltung der Landesbehörde(Stiftungen— Tel. Rr. 414-48) und in das Gebäude der Lqn- deSbehörde in Prag HI., Nr. 250, die Abteilung 4, der LandeSbehöüte(Bezirkswirtschaft, landwirtschaftliche Bezirkssparkaffen und genossenschaftliche Kanzlei— Tel. Nr. 41V-51) übersiichelt. Einbruch in da» Saadmer Bezirksamt. In der Nacht auf Dienstag drang in das Gebäude des Bezirksamtes in Kaaden ein unbekannter Täter ein, wo er fünf Kanzleiräumlichkeiten durchsuchte und die Tischladen gewalffam öffnete, jedoch vergeblich nach Geld forschte. Er entwendete bloß einen gerin- gen Geldbetrag und einige Stempel. Der Täter kam auch in die Räumlichkeit, wo die feuerfeste Kaffa steht, die er jedoch unberücksichtigt ließ. Stndrntenverhastnngen in Kaschau. Die Staatspolizei in Kaschau verhaftete seinerzeit die Hörer der Prager juridischen Fakultät Arpad Zinner und Alexander Geller, von denen sie festgestellt hatte, daß sie unter Mithilfe von Alexanders Mozes an den Mittelschulen in Kaschau, insbesondere in dem ungarischen Realgymnasium kommunistische Zellen errichtet hatten. Gegen weitere Schuldige wurde die Untersuchung in Freiheit geführt und am Montag nach ihrem Verhör beim Untersuchungsrichter die Haft über sie verhängt. Insgesamt wurden 15 Mittelund einige Hochschulstudenten verhaftet. Kuttenberger Student auf einer Waldbahn in Kartzathorutzland verunglückt. Eine Draisine der Verwaltung der schmalspurigen Bahn, die den Forstverwalter Jng. Dvokäk aus Turi Remety in Kar« pathorußland und den Rentmeister der Verwaltung der Staatlichen Wälder auS PoroSkow Bohumil Do» brovsky, die sich in Begleitung zweier tschechischer Studenten-Touristen befanden, führte, stieß Dienstag vormittags mit einem holzführenden Lastzug zusammen. Die beiden Beamten sprangen rechtzeitig von der langsam fahrenden Draisine ab, die Studenten aber blieben erschrocken sitzen. Erst im letzten Augenblick sprang auch der Student Karl Musil aus Kuttenberg ab, wobei er unglücklicherweise unter den Zug geriet und getötet wurde. Der zweite Student aus CaSlau, der sitzen geblieben war, blieb unversehrt.. Knatternder Anschlag der Niethämmer—« Fauchender Ton aus den Bessemer Birnen—» Kolbenstoß, Signal und Riemenschwirren—« Wo seid ihrf Warum schweigst du, San Francisco, pulsende Stadt am Pazifikf Wer hat dich besiegt, San Francisco, schweigende Stadt am Pazifikf Wo sind die eilenden Hände, Kommandeure an Hebeln und Kurbeln, Knechte und Herren der schnappenden Schalter f Sehnige Arme an Steuerrädern— Zuckende Fäuste an eisernen Griffen— Kisten und Lasten auf schwankenden Rücken— Wo seid.ihr! Wer hat dich besiegt, San Francisco, schweigende Stadt am Pazifikf Dreihundertzwanzigmaltausend Hände haben gesiegt über dich, schweigende Stadt am Weltmeer. Herr über tanzenden Irrsinn wurden feiernde Hände, Herr des trunknen Zyklopen am Pazifik. Nicht mehr an gleitenden Griffen— nicht, mehr an Schaltern und Hebeln— an Säcken, an Balken, an eisernen Trägem— Fäuste seid ihr geworden, ihr Hände. Dreihundertzwanzigmaltausend in Hafen und Stadt. Hast du geschlafen oder schläfst du, schweigende Stadt am Pazifikf War dein hastendes Schaffen schlafwandlerisches Tun in der Hypnose der Mächtigen f Streckst du dich, San Francisco— 1 Erkennst du erwachend die Macht dreihunderttausend feiernder Fäuste— Schreit nicht dein Schweigenf Rufst du die Brüder— kraftstrotzender Riese am Pazifikf Kurt voberer Die Front acr Anständigen Für ein geeintes Deutschland der Freiheit und der Kultur. (Sopadr.) In einem in diesen Tagen in Berlin verteilten Flugblatt heißt es: „Wer nicht selbst mitschuldig werden will an de« größten Verbrechen, daS die Atenschheit kennt, de« verbrechen, da» unter dem Namen„Nationalsozialistische Revolution« begangen wurde, der muß jetzt endlich reinen Tisch machen! Wer heute noch zu feig« ist, sich offen und Aar von der braunen Pest abzusondern— ganz gleich, in welcher Stellung er steht— wird mit zur Beramuortung gezogen werden» Darum gift ab sofort folgendes: Wer jeh'tnoch den Hitlergru» erweist, Hakenkreuzabzeichen wägt oder die Hakenkreuzfahne hißt, stempelt stch selbst zur Stütze de» Mordshstem». Wer jetzt noch Beiträge oder Spenden an nationalsozialistische Organisationen oder für Sammlungen der Nazi» zahlt, finanziert einen Hochverrat am deudschen Bolkk Wer jetzt noch Mitglied her NSDAP, SS. SA bleibt, und«er jetzt noch ritte Betätigung für diese Gesellschaft ausübt, schließt stch für die Zukunst selbst au« den Reih« der anständigen Menschen au«! Den schwach« Gestalten, die stet« zum äugen» blicklicheu Machthaber hinlaufen, den naiven Phantn« sten, die da« Phrasengewäsch vom„Deutschen Sozialismus" ernst nahmen, bietet stch jetzt noch eine Mög- lichkett, dahin zurückzukehreu, woher ste gekommen sind, nämlich in die Reihen der politisch Unmündig«, die man für ihre Handlung« nicht verantwortlich «ach« kamt! Wer dieser letzt« Mahnung nicht«tspttcht, hak stch alle Folgen selbst zuzuschreiben! Parole: Erft auömist«, dann wieder ausbauewk Für ein geeinte» Deutschland der Freihett und der Kultnr, der Gerechtigkeit rmd de« Gemeinst«»»!" Das Propagandaministerium hat bisher jede antifascistischen Propaganda als kommunistisch oder marxistisch bezeichnet und mit dem Bolsche- wistenschreck den größten Teil seiner eigenen Propaganda bestritten. DaS oben wiedergegebene Flugblatt beweist, daß heute in Deutschland die Front nicht mehr so steht, daß das deutsche Boll und die Welt'nur die Wahl haben zwischen FasciS- mus und BolschelvismuS, sondern daß auch die Kräfte sich stark zu regen beginnen, die Deutschland durch ein freiheitliches Regime wieder in die europäische Kulturgemeinschaft zurückführen wollen. Seile S „Sozialdemokrat" Mittwoch, 18. Jult 1031. Kt. 165 Der Sport der Minden Bon Oskar Baum. Ein indischer Weiser sagte zu seinen Freunden:„Unsere Unsicherheit im Dunkeln, unsere Angst vor dem nächsten Schritt, wenn wir den Boden nicht sehen, ist ein verräterischer Beweis dafür, Ivie gering in Wahrheit unser Vertrauen zum Sinn der Welt ist." - Das scheint der Grund, warum so viel Bewunderung, ja, beinahe ehrfürchtige Scheu den Sehenden überkommt, wenn er die fröhliche Bewegungsfreiheit und Sicherheit der Blinden, zunial blinder Kinder, beobachtet. Die Herrschaft über den Körper und die Ertüchtigung der körperlichen Tatkraft, die gesteigerte Leiftiingsmöglichkeit der Glieder hat für den Blinden eine ungleich lebenswichtigere Bedeutung als für den Sehenden. Richt nur„die Unsicherheit im Dunkeln und die Angst vor dem nächsten Schritt" gilt es zu überwinden, Vertrauen zum Sinn der Welt und ihrem Leiter in jeder Bewegung des Körpers zu empfinden und auszudrücken, die Erziehung zur Freiheit der körperlichen Bewegung hat neben der praktischen Notwendigkeit, als Vorbereitung für die Berufsarbeit und für das unbefangene Verhalten im Verkehr mit der Umwelt eine seelische, ja sittliche Aufgabe: die Ucberwindung aller Gefühle der Minderwertigkeit, der Zurücksetzung. So darf man sich nicht tvundern, daß die Aera der Sportleidenschaft, dir, von den angelsächsischen Länder» herkommend, in den letzten Jahrzehnten die ganze Welt ergriff, auch den Blinden und der Blindenerziehnng gewaltige Anregungen und ungeahnte Erfolge brachte. Kaum ein« turnerische Leistung gibt es, die gute AnstaltSschüler nicht zuwege brächten. Am Reck, am Barren, in den Ringen, an den Tauen, mit Hanteln und Stäben. Wie gewandt"w!rd geklettert, wie sicher gesprungen, wie kräftig und ktmstgerecht mit Schwergewicht gestoßen und geworfen! Man wird es in das Reich der Fabel verweisen, was ich im weiteren zu berichten weiß; darmn habe ich keine Mühe gescheut, um durch photographisch« Aufnahmen— die ich der Liebenswürdigkeit des National Institut« in London und des Herrn Robert Jrvin, New Aork, verdanke— meine Angaben zu erhärten. Wie soll man es auch ohne sichtbaren Beweis glauben, tuen» man hört, daß— um ein Beispiel auS der Heimat voranzustellen— bei einem Schwimmfest in Westfalen ein Blinder im Springen den zweiten Preis erhielt; daß ein blinder Amerikaner mit drei Studenten den Mont-Blanc erstieg, ein blinder Wiener Tourist den RHönegletscher, ein anderer den Großglockner; daß in der Blindenanstalt zu Solist als hohe, wenn auch nicht ungewöhnliche Ausnahmsleistung erzielt tvurde: Weitsprung auS dem Stand 8.70 Meter, Hochsprung auS dem Stand 1.25 Meter. Kugelstoßen 10 Pfund 9.50 Meter. Schwimmen 50 Meter in 54 Sekunden! Im Geräteturnen werden die von Sehenden als Spitzenleistungen angesehenen Hebungen vollgültig gemeistert. Am Reck: die Riesenwelle; am Barren: Handstand mit gestreckten Armen und Abgrätschen am Ende des Barrens. Grätsche seitlings über das quergestellte Pferd usw. Ich greife gerade diese deutsche Blindenanstalt heraus, weil hier diesem Zweig der Erziehung besondere Liebe zuteil wird. Aber auch aus vielen anderen Blindenanstalten kann man AehnlicheS hören. In Düren gab«S während eines BlindenkongreffeS ein öffentliches Preisschwimmen. Die Zöglinge traten in Viererreihen an: Voraus Trommler und Pfeifer, ein Lehrer an-der Spitze, zur Seit« Aufsichtspersonal— so marschierten an achtzig mitten durch die belebte Stadt in stranimer Sicherheit und Ordnung. Im Schwimmbad dann sprangen sie richtig vom Brett ab, schwammen ordnungsgemäß, ohne einander zu stören. Einige zeichneten sich besonders auS und die Durchschnittsgeschwindigkeit war recht erheblich. Von einem Schauturnen in Halle Ivird berichtet:„Strammen Schritts und sicher kamen die Riegen anmarschiert, schwenkten exakt aus, nahmen richtig Vordermann und Abstand und die llebungen klappten wie aus einem Guß." „Es war ein Vergnügen, einen Keulenreigen blinder Mädchen zn sehen, dessen verschlungene Figuren auch nicht durch den'geringsten Fehler gestört wurden."—„Die Darbietungen schlossen mit der elegant ansgeführteu Riesenwelle." Als weiteres Beispiel der Turnkunst seien außerdem die„Pyramiden" angeführt, die die jungen Blinden in amerikanischen Anstaltsgärten bei schönem Wetter kunstgerecht zu bilden pflegen. Die Leistungen der Heranwachsenden sind nur durch Training von den ersten Jahren ini Kindergarten an möglich. Aengstlichen bleibt wohl das Herz im Leibe stillstehen, wenn sie die Kleinen im Anstaltsgarten auf Dreirädern durch die Haupt- und Nebenstraßen rasen sehen, Bäumen und Anpflanzungen geschickt ausweichend. Fast jede Blindenanstalt hat heute im Winter ihren Eislaufplatz und Rodelbahn. Der erlvachsene, im Beruf tätige Blinde besucht den öffentlichen Schleifplatz zumeist nicht ohne sehenden Begleiter; wenn ihm ein ungeschickter Schlittschuhläufer in den Weg kommt, und ein Ausweichen nicht mehr möglich ist, fällt er ja wohl, aber das geschieht auch dem A««-'Armrm-ro's Piratentagen „Krieg, Handel, Piraterie"— und Versicherung. Vor 15 Jahren thronte d'Annunzio noch nickt gottähnlich in seinem Schloß Vittoriale. Zu jener Zeit war er noch ein Abenteurer und stand im Mittelpunkte einer geschichtlichen Groteske, die— und das ist vielleicht das Groteskeste an der Äichc — tatsächlich geschichtliche Folgen hatte. d'An- nunzio rückte damals zur Eroberung Fiumes aus Er hatte zu diesem linternehmen eine Zahl begeisterter Anhänger um sich geschart. ES fehlte»ich. an Unternehmungslustigen, um so mehr aber an Geld. Ilm dieses notivcudige liebel zu beschaffen, ersann der Dichterfürst einen ganz unmodernen Ausweg. Die Helden des Altertums und des Mittelalters hatten kein Geld, und brauchten sie welches, verwandelten sic sich einfach in Piraten und kaper» ten sich beladene Handelsschiffe. Diese Art de» Geldbeschaffung beschritt auch d'Annunzio. Der französische Frachtdampfcr..Cogul" befand sich mit einer mißerordentlich reichen Fruchtladung auf deni Wege nach Indien. In Palermo schlichen sich eine Anzahl von d'Annunzios Off:» zieren, unbemerkt von der Besatzung, auf dai Schiff, kamen während der Fahrt,mif das Deck, fesselten den Kapitän und den Steuermann, bemächtigten sich des Schiffes und lenkten es na^ Fiume, wo d'Annunzio ganz ohne Geld saß. D.r geschäftstüchtige Dichterfürst erpreßte jetzt von de Schiffsgcscltschaft zwölfeinhab Millionen Lire un ließ dann den Dampfer mit seiner Ladung weiterfahren. Für d'Annunzio war die Angelegenheit erledigt. Richt so für die beiden Versicherungsgesellschaften, bei denen das Schiff versichert war. ES handelte sich um die wichtige Frage: war d'Annunzios Heldenstück als„Kriegsereignis oder als gewöhnliche Piraterie" auszufassen. Rahm man einen Kriegsschaden an, so hatten die Versicherungsgesellschaften, eine französische und eine italienische, nichts zu zahlen, denn Kriegsschaden müßte eigens versichert werden, bei Seeräwberr» müßten aber die Versicherungsgesellschaften den Schaden ersetzen. Die französische Gesellschaft zahlte die Versicherung aus.— 1919 gab es ja keinen Krieg. — und versuchte, d'Annunzio zivilrechtlich dafür haftbar zu machen. Die italienische Gesellschaft erklärte jedoch,, daß d'AnmmzioS Unternehmen ein Kriegsereignis war, dah also das gekaperte Schiss einen Kriegsschaden erlitten habe. Den französischen Schiffahrtsunternehmen blieb also nichts anderes übrig, als di« Gesellschaft, die Union Richö Association Diwrine, zu verklagen. Jahrelang dauert« der Prozeß» bis vor kurzem das Oberste Landesgericht in Turin als letzte Instanz dahingehend entschied:„Krieg ist Krieg", d. h. daß d'Annunzio mit Recht das französische Schiff kaperte. d'Annunzio wurde dieser Beschluß des Obersten Landesgerichtes durch eine feierliche Abordnung mitgetcitt. Der Dichterfürst empfing die W- ordnung im Parke seines Dichterheimes, im Schloß Vittoriale, 309 Meter Wer dem Meeresspiegel. Vor ihm stand der italienische Torpedobootzerstörer Bugtic, der seinerzeit von den Jugoslawen versenkt wurde. Nach der Beendigung des Feldzuges von Fiume wurde der Torpedobootzerstörer gehoben, nach Italien gebracht, zerlegt und an den Gardasee geschast. In Schloß Vittoriale entstand er neuerdings. d'Annunzio stellte sich in Heldenpositur und zitterte nach Anhören' der frichen Botschaft die ersten Sätze seines vor einigen Jahren veröffentlichten Testamentes: „Ich schmiede Eisen, ich blase GlaS, meist Stein, schluck« Holzstücke und male Stoffe. Ich entziffere die Rezepte von Katharina Storsa und Klaffenscheidun» im Wasser... In diesen Tagen des dunstvollen Hochsommers werden die Städte wie Glutöfen, in deren riesigen Tiegeln der Mensch zu vergehen scheint. Der Asphalt 'chmilzt. die Luft ist unerträglich schwül und ver cs sich nicht leisten kann, in Ferien zu gehn, ücht sich mn Wasser ein wenig Erholung zu ergattern. So sind die Ufer der Moldau ständig von Unzähligen belagert, die Erfrischung und Belebung im herrlichen Naß suchen. Manchen ist eht die Moldau schon zu warm, aber der Nichtverwöhnte weiß, das Labsal eines kühlen Bades zu schätzen. Aber ach, die Klassenscheidung macht auch vor der Moldau nicht halt. Nicht, daß es ihr selbst nicht gänzlich einerlei wäre, wer sich in ihren Fluten erholt. Sie fragt nicht nach Stand und Herkunft, nach„Verdienst" und Portefeuille. Aber die Gesellschaftsordnung, die an alles gedacht hat, weiß auch hier reinliche Scheidungen vorzunehmen. Es ist erschütternd, aber es ist wahr: Zehntausende haben nicht die wenigen Heller, um ein Freibad aufzusuchen. Sie baden wild, riskieren, in eine Polizeistrafe genommen zu werden, riskieren mich, was weit wichtiger ist» im mikontroUierten Flutzgelände auf eine Un« tiefe zu stoßen und ihre Armut mit dem Preis ihres Lebens zu bezahlen... Dem Kapitalismus ist das einerlei. Ihm stößt der entsetzliche Wider- inn, auch das herrliche Raturgeschenk des Wafers den Prinzipien des Profits dienstbar zu machen, nicht auf und so ist selbst die bescheidenste Erholung in die fürchterlichen Zäune des Habens und Nichthabens gezwängt... Die, die«s am nötigsten haben, die geschwächten Arbeitslosen, die in gesundheitsmordenden Wohnlöchern hausen und die Männer und Frauen der Fabriken, >ie für wenig Geld viel Schweiß vergießen müssen, baden am Rande... MKMHMl sonderbare„Entführung" Rach 17 vieren Pro«, 17. Juli. Dor 88jährige Ladisiav M i l ä£ e t war heute vor dem Senat Berner angeklagt, der Verbrechen der Erpressung, der„Entführung einer Frauensperson" und der Einschränkung der persönlichen Freiheit. Hinter diesem gefährlich klingenden Bündel strafgesetzlicher Tatbestände verbirgt sich indessen ein ziemlich harmloser, wenn auch nicht alltäglicher Sachverhalt. Der Angeklagte wohnte als Untermieter bei einem Jugendfreund, dem gleichaltrigen Johann P., dessen Gattin an ihm mehr Gefallen fand, als sich mit der ehelichen Treuepflicht vereinbaren läßt. Kurzum— es wurde ein Verhältnis daraus, von dem, wie üblich, alle Welt wußte bis auf den Hintergangenen Ehegatten. Dieser kam erst durch Zufall nach vielen Monaten hinter die ehebrecherischen Bezichimgen seiner Frau zu seinem Jugendkameraden und Untermieter, worauf er diese» sofort aus seiner Wohnung wies. Darauf herrschte vierzehn Tage häuslicher Friede. stelle sie fertig. Ich destilliere auch Wohlgerüche." Der vielseitige Dichterfürst wird aber aus seinen Lorbeeren noch immer nicht auSruhen können. Nun soll sich mit diesem Schadenersatzprozeß, ob Seeräuber im Frieden als Helden oder als Piraten zu betrachten sind, der Völkerbund befassen! Paul Diner-Dönes. In' der Nacht auf den 7. März d. I. wurde indessen das Einfamilienhaus, in dem das Ehepaar P. wohnte, in Alarm versetzt. Zu nachtschlafender Zeit erschien im Schlafzinnner der Eheleute plötzlich der Angeklagte M i l 䣫 k, der sich auf seinen Jugendfreund warf und ihn grimmig zu würgen und zu verprügeln begann. Er war durch ein Abortfenster vom Hof aus eingestiegen. Er schrie dabei:„Elender, ich habe mehr Recht auf Deine Frau als Du!" Dann soll er die Frau durch allerlei gefährliche Drohungen bewogen haben, das eheliche Schlafgemach zu verlassen und mit ihm nach Hofti Vai zu gehen, was denn auch geschah. Auf diesen Hergang gründet. sich die Anklage wegen„E r p r e s- s u n g" und ,',E ntführun g" und da der verlassene Gatte schließlich auch noch in dem Schlafzimmer eingesperrt wurde, kam noch die Anklage wegen„Freiheitsbeschränkung" dazu. Der Angeklagte erklärte zunächst, am vorhergehenden Abend siebzehn Biere getrunken zu haben und sich heute nicht mehr erinnern zu können, lvie er in das Schlafzimmer seines ehemaligen Freundes und Ouartiergebers gekommen sei. Er stellte mit Entrüstung jede Entfühvungsabsicht und gewaltsame Beeinflussung der Frau in Abrede und erklärte, diese sei ihm aus freien Stük- ken und sogar gegen seinen Willen gefolgt. Freilich konnte er nicht leugnen, den Hausherrn„ein bißchen gewürgt und verdroschen" zu haben, ohne aber einen Grund für diese Gewalttätigkeiten anzugeben. Es sei eben eine„besoffene Sache" gewesen. Die ZeugenmiSsagen der unmittelbar Beteiligten schufen auch keine Klarheit. Der gewürgte und verprügelte Ehegatte— übrigens ein schwächliches und unscheinbares Männlein— sagte ungemein vorsichtig aus. Die Frau behauptete, sie sei nur deshalb mitgegangen, damit ihr Mann inzwischen die Gendarmen hevbeirufen könne. Schließlich vertagte das Gericht die Verhandlung über diese unklare Sache auf unbestimmte Zeit. rb. Derlangel überall UolhHiinderl „Blumen-Zauberdung", das Blütenwunder Blumen an allen Fenstern I Welche Freude für den Besitzer wie für den Beschaueri Wenn Sie Ihre grünen Lieblinge kräfttgen und zu reichem Blühen bringen wollen, verwenden Sie„Mumen-Zauber- dimg", ein erprobtes, billiges Düngemittel, ein wahrer Wundertrank für Ihre Blumen. Jetzt müssen Sie mit dem Dunggutz beginnen! Bestellen Sie sofort ein Paket bet der nachstehend angegebenen Adresse und legen Sie den Betrag von K£ 5.60 In Briefmarken bei. Alle Bestellungen richten Sie an die Verwaltung„Die Unzufriedene", Prag XU., Fochova tr. 62. Jedes neue Parteimitglied bedeutet; eine« Freund«ehr, eine» Feind weniger. Dar«««erbet für die Partei! Schlangengift nnd Heilkunde Aelteste wie neueste Medizin als Heilkunde beschäftigten sich nicht nur mit der Frage: wie heilt man die lebensgefährdenden Bisse der Gift, schlangen? sondern auch mit der Frage: kann man nicht auch Biperngift als Heilmittel verwenden? Daß in der Vorzeit Schlangengift zu Heilzwecken bertoendet wurde, darauf deutet der alt- griechisch-knlthafte(mythologische)„AeSkulap. stale" hin. Dem AeSkulap(Asklepios), Gott der Heilkunde, war die Schlage heilig. Fragte jemand nach dem Warum? Denn, es wäre doch wllster Widerspruch in sich selbst, sollte man jenes Tier, das unter Menschen(und Tierenl) wohl die meisten Todesfälle direkt verursacht— die Schlange —, heiligen, indem man ste des GesundheitSgot- tes Heilsymbol sein läßt... Eine oder zwei Schlangen ringeln sich in der griechischen Mythologie um den Stab des Asklepios. Dieser Stab ist aber auch der des Gottes Merkur(Hermes), des Todesboten(und des Gottes derKaufleute und Diebe...). In dec griechischen Götterlehre ist die Bereinigung verschiedenster, nicht zusammenpassender„Referate" in einer einzigen Person naiver und auffälliger, als in allen anderen, früheren und späteren Götterlehren... Der Stab des Hermes ist wesenhaft Zeichen des bevollmächtigten Gesandten des Göttervaters Zeus (Jupiters), dessen Ressortreferent Asklepios als Mit-Gott ist. Der Stab ist Todeszeichen.(Ur- Lanze.) Die Schlangen um den Stab swd, als Sinnbild Sinnlichkeit(Eva und die Schlange!), nicht nur Zeichen für die den Tod der Gattung überwindende Macht der Zeugung, sondern sie haben auch direkten Bezug auf das Heilende des sonst tödlichen BiperngifteS: so wurden sie zum Gegensatz des Todeöboten-Siabes.— Unseres Erachtens war jener deutsche Gelehrte, der in einem Schlangengift-Präparat(„Krotolin") die Möglichkeit eines BorbeugungömittelS der Blutverdickung, leichten Blutgerinnung, von Schlaganfällen, Anfällen von Geistesstörung fand, der Erste, der auf die heilenden bzw. gesunderhaltenden Kräfte des Schlangengiftes hinwies. Auch Carl Ludwig Schleich sprach in feinen Schriften davon und von jenem Forscher und Finder.— WäS die Schlangengift-Serum-Prä- parate anlangt, so ist die neueste Heilkunde darin eben soweit gelangt, daß, baldigt nach dem Biß injiziert, diese Sera vollen Erfolg versprechen. Bei uns kommt ja nur die Kreuzotter in Frage,(mit der sehr oft die ebenfalls mit eimm Zickzackband auf dem Rücken geschmückte unschuldige Haselotter l-natter) verwechselt wird, trotzdem diese keinen (plattgedrückten) dreieckigen Vipern schädel besitzt). Wir haben heuer ein Kreuzotternjahr. Jede Apotheke, jede„Erste Hilfe", jede Gendarmeriestation auf dem Lande sollte Serum gegen Kreuz, otternbiß vorrätig halten» auch auf die„Gefahr" hin, daß es verdirbt, weil es nicht benützt wird, eventuell Jahre lang„nur" auf die Sttmde wartet, das Leben eines wandernden Schülers oder Erwachsenen zu retten. Der Nationalverlust ist wohl größer, verdirbt ein Menschenleben, als es verdirbt ein bißchen Serum... K. B. ———————— Sehenden. Ist eine kleine Fläche frei, Ituui der Blinde auch allein üben: Kleine Figuren,«ine Acht, auch wohl einen Tanz. In der Wahl der Schlittschuhe ist Vorsicht geboten. Der lange Bogen des Holländers oder die lange Spitze des Jackson sind zu meiden, weil sie für den Partner gefährlich werden können und weil die Bahndisziplin heute viel zu wünschen übrig läßt. Nur kurze Schlittschuhe mit stumpfer Spitze, wie sie jetzt vielfach benützt werden, sind ratsam. Unter den Hilfseinrichtungen für einzelne Sportzwcige ist die für Dauerlauf besonders sinnreich und einfach. In Amerika und England läuft längs einer solchen Hundert-Meter-Laufbahn eia Drahtkabel. Der Läufer hält entweder den Handgriff einer Kette, an deren» Ende«in Ring lose das Drohende umschließt oder einen Stab, an dessem Ende durch eine Oese das Seil läuft. Bei der Ankunft an» Bahnende fühlt er den Widerstand einer um das Seil gelegten Spiralfeder, die er durch die Wucht des Ansturmes zusammendrückt. So wird er gebremst und vor dem Aeußersten behütet. Besser noch führt an anderen Orten den Läufer ein durch Rollen beweglicher Stäb zwischen Schienen innerhalb einer durch ein Balkenstaket eingezännte» achtzig Zentimeter breiten Bahn» Einen Sportzweig besonderer Art pflegt man in vielen Anstalten: Das Laufen auf Stelzen. Hierbei ist eS schwer, Richtung zu halten; dennoch wird«S gern geübt und bis zu erstaunlicher Geschicklichkeit ausgebildet.„Dessen entsinne ich mich noch ganz genau, daß ein paar gute Stelzenläufer unter uns sogar auf einem Bein hüpften, während wsr die andere Stelze als Speer benutzten und große Fecht« turuiere veranstalteten," berichtet ein zuverlässiger Gelvährsmmm, der blinde Privatgelehrte Dr. Ludwig Cohn, Breslau. (Schluß folgt.) PtAQBR ZBITBMft Bezugsbedingungen: Bei Zustellung tnS Haus oder bet Bezug durch di« Post monatlich Kt 18t—, vierteljährig Xü 48.—, halbjährig K6 96.—, ganzjährig XL 193.—.,— Inserate werden kaut billigst berechnet. Bet öfteren Einschaltungen Preisnachlaß,— Rückstellung von Maniflripten erfolgt nur bet Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft« und Telegraphen« direktton mit krlaß Nr. 1S.S00/VÜ/1VL0 bewilligt.— Druckerei: ,/VrbiS". Druck-, Verlags« und ZettungS«A.«G., Prag,