UNTRALORGAN.____ DER DEUTSCH»! SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEM REPUBLIK RMCNM! MIT AUMMM MIMONMB TMQUCN MUH. Redaktion und kiwmwng nw« MM.,»onioH>iiM l wmmw. MMMMMOimfiwsaM. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WnHElM NIESSNER. WRAMWOMMCMBl REDAKTEUR: DR.(Mil STRAUSS, PRAG. EhrnfpreiB T&UfflOr (einschlieBHch 5 Haller Fort») 14. Jahrgang Donnerstag, 19. IM 1934 Nr. 166 Sewjetgesandter anerkennt die Friedenspolitik^Tschechoslowakei dntrittsaudienz dlexandrowsklis in Länv 2 ri ii», 18. Juli. Nach dem Genfer Abkommen zwischen bin Staaten der Kleinen Entente und der Anion der sozialistischen Sowjetrepubliken, durch das die Beziehungen zwischen de» beiden Parteien normalisiert worden waren, hat die Sowjrtregiernng ihre bisherige Prager bevollmächtigte Vertretung in eine Gesandtschaft umgewandelt. Zum ersten Gesandten wurde Sergkj Alexandrow skij, bisher bevollmächtigter Bertreter der Towsetregieruilg in der Tschechoslowakei ernannt. Auf dem Schloß in Läny empfing heute der Präsident der Republik mittags den Gesandten Alexa ndrowskij in Antrittsaudicnz, die die übliche Form und den üblichen Verlauf dieser Staatsakte hatte. Der Gesandte übergab dem Präsidenten der Republik seine Beglaubigungsschreiben und hielt an ihn eine tschechische Ansprache, in der er namens des Präsidenten des Zentralvollzugsaus- schujseS der SGSR und der Nationen seines Staates dem Präsidenten Masaryk die innigsten Grütze und besten Wiinsche für das Wohl und Gedeihen seines Landes zum Ausdruck brachte. Der Gesandte fuhr dann fort: „Der Kamps der tschechoslowakische« Nation um die Befreiung, in welchem Sir, Herr Präsident, eine so bedeutende Rolle gespielt ha- len,«urde immer mit Interesse und len Sympathien meines Staates begleitet. Die entschiedene Friedenspolitik und die Znfummen- artrit der Nation, welche nnterJhrer hohen Führung die Regierung der Tschechoslowakischen Republik betreibt, bringt die Wünsche und Tendenzen unseres Staate« rinatider«och näher und gibt ihnen bereits Möglichkeiten z« ge«einsamer freundschaftlicher T ä t i g k e i t für die Befehigung de« allgemeinen Frieden»." Der Präsident erwiderte(gleichfalls tschechisch) unter anderem: „Die Anknüpfung freundschaftlicher Beziehungen mit allen Staaten und Nationen»ar auch da» erste Ziel der selbständigen Tschechostowuki- schen Republik schon feit dem Jahre 1918 und »er Kampf um den Frieden,«« seine Erhaltung, um seine Stärkung und um di« wirksame internationale Zusammenarbeit wird jetzt sicherlich da» gemeinsame H n» p t i« t e r e s s« unserer beide» Staaten sei«. Da» wird un» in Zukunft immer mehr und mehr einander nähe«bringen. Und man kann noch sagen: ES müge die» unser Programm für die künftige gemeinsame freundschaftliche Tätigkeit zur Befestigung de» allgemeinen Frieden» sein, dessen die gesamte Mensch- hrit in de« heutigen RachkriegSchao» so kehr bedarf. Da» Programm im einzelnrn der täglichen Zusammenarbeit auf dem Gebiete der gegenseitigen Beziehungen zwischen unseren beide» Staate«, der politischen, wirtschaftliche« und kulturelle«, ist dann einfach durch die Traditio« und die gegenseitige« Sympathie« der Ration«n von beiden Seiten, durch bi« Sympathien, die bei Ihne«, wie Sie richtig, Herr Gesandter, sagen— schon unseren Kampf um die Selbständigkeit begleiteten, gegeben. Sie können, Herr Gesandter, tri der Er- füllung diese» Programm» mit der bereitwillige«, loyalen und freundschaftliche» Unterstützung unserer Regier««» und meiner selbst rechnen." * Der Antrittsaudienz des Sowjetgesandten wohnten Autzenminister Dr. Benes, Kanzler Argentinien als Friedens stifter Paris, 18. Juli. Wie aus Buenos Aires berichtet wird, bemüht sich Argentinien, um die Beilegung des Chaco-Konfliktes. Es schlage vor, daß die Bereinigten Staaten, Brasilien und. Argentinien auf einer nach Buenos Aires einberufenen Friedenskonferenz den Streit schlichten. Bolivien kvill auf diesen Borschlag im Laufe dieser. Woche antworten. Dr. S a m a l und der Chef der Militärkanzlei General B l ä h a bei. Vor dem Schlosse bcgrütztc den Gesandten der Sekretär des Präsidenten Dr. Senk und die Schlotzwache erwies beim Eingang in den Schloßpark bei der Ankunft und bei der Abfahrt des Ge- andten die militärische Ehrenbezeigung. Nach dem ofsiziellen Audienzalt verharrte der Präsident mit dem Gesandten und den übrigen Anwesenden eine zcitlang in ungezwungenen freundschaftlichem Gespräch./ * Der erste Sowjetgesaiedte Sergkj Alexandrow« skij Wurde im Jahre 1889 geboren und ist seit 1918 in sowjetischen diplomatischen Diensten. Er wirkte als Mitglied der ersten Sowjetgesandtschaft in Berlin nach Abschluß des FriedenSvertragS von Bresk-Litowsk. Aus Berlin wurde er in die Moskauer Zentrale des Kommissariats für auswärtige Angelegenheiten berufen, wo er der mitteleuropäischen Sektion zugeteilt wurde. In den späteren Jahren war er Gesandter in Litauen, in Finnland, weiters Vertreter der Sowjetunion in Charkolv und Vertreter der Sowjet-Zentralrcgierung bei der Regierung der ukrainischen Republik. Dann kehrte er wieder nach Berlin in der Funktion eines Botschaftsrates zurück, kam von Berlin im Juli 1933 als bevollmächtigter Vertreter der Sowjets für die Tschechoslowakei nach Prag und wurde seht hier zum Gesandten ernannt. In der Tschechoslolvakei war er auch schon bereits in den Jahren 1923 und 1921 tätig, wo er bei der bevollmächtigten Sow- jctvcrtretung erster Sekretär Ivar. Rekordernte, Hunger und Revolution Was der spanische Baden hervorbrlndt Spanien ist eilt ausgesprochener Agrarstaat. Sein Export besteht zu drei Vierteln aus land- wirtschaftlichen Produkten. Drei Viertel seiner Einwohnerschaft lebt von der Landarbeit und den Erträgnissen des Landes. 12 Milliarden Peseten bringt es jährlich an Werten hervor, ein Vielfaches dessen, was Industrie und Vergtverke erzeugen. Der spanische Boden ist die Quelle des nationalen Reichtums. Außerdent ist er die Stätte — bitter st er N o t. Acht Monate im Jahr darbt der kastilische und andalusische Taglöhner. Nur während der Ernte findet er Beschäftigung: sein geringer Verdienst in dieser kurzen Saison muß über das ganze Jahr gestreckt werden. Nicht in allen spanischen Provinzen fällt die Landarbeit ans die gleiche Jahreszeit. Es gibt Gebiete, wo das Klima die winterliche Bodenbearbeitung verlangt. Hier leben Zwergbauern, deren Besitz ost nicht größer ist als 10 oder 20 Quadratmeter. Im Sommer, wenn man beginnt, in Estremadura, in Kastilien, in Valencia— dort, wo die Taglöhner wohnen— die Frucht einzusahren, verlassen diese Häusler ihre jetzt brachliegende Scholle. Sie kommen in die sommerlichen Erntegebiete gewan- dert, und bieten ihre Kraft für Essen und Wein an. Ihnen gesellen sich die Portugiesen, die von den Großgrundbesitzern ins Land gerufen wurden. Sie sind noch billiger: man kann sie für 5 Real(1 KC) im Tag haben. Portugiesen spielen hier die Rolle der Slowaken in Oesterreich, der Polen in Ostpreußen. Der ortsansässige Taglöhner kann sich an seinem Leibgurt aufhängen. Zwei Wochen nach dem Sturz der spanischen Monarchie, am 28. April 1031, hat die damalige provisorische Regierung das vielleicht revolutionärste Dekret der Republik erlassen: dem Genossen Caballero zu Ehren: Ley Caballero genannt. Offiziell heißt es:„Gesetz decgeschlossenen ländlichen Arbeitsmarktes": Der Zuzug auswärtiger Arbeitskräfte in solche ländliche Gemeinden, wo Ortsansässige arbeitslos sind, ist verboten. Schluß mit dem fürchterlichen Lohudruck, den das Landproletariat bis zur Republik zu erleiden hatte! Drei Jahre später: Eine Dürre, wie sie die Weltgeschichte in hundert Jahren nicht verzeichnet, verwüstet die wichtigsten Ackerbaugebiete der Erde. Ein Drittel der amerikanischen Ernte soll verloren sein. Rußlands Verluste vermag niemand anzugeben. Kanada meldet eine katastrophale Mißernte. Ungarn und Runiänien verbieten die Getreideausfuhr. Deutschland erwägt die Einführung von Brotkarten... N u r S p a- »i e n hat eine Rekordernte. Die eben veröffentlichten Schätzungen des Ackerbauministeriums veranschlagen ein Plus von mehr als 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr, von rund 22 Prozent gegenüber dein Durchschnitt der letzten zehn Jahre. 89 Millionen Zentner erhofft man: davon an Weizen allein 47 Millionen Zentner gegen 37, die man im vorigen Fahr erntete. Daneben gibt es andere, fatalere Zahlen in Spanien. Die Arbeitslosigkeit tünchst. 704.000 Hände müssen feiern. Das Hauptkontingent stellt das ländliche Proletariat: 00 Prozent! Spanien ist, wie gesagt, ein ausgesproche- ner Agrarstaat. Er lebt von der Frucht, seines Bodens. 423.000 Landarbeiter, die Hände in den Taschen, zählen die Stunden, da man nach ihnen ruft, sie zu pflücken. Glückliches Jahr! Eine Rekordernte! Sie wird den feiernden Händen Arbeit, den hungernden Mägen Brot geben. So träumte man am Dorf. Dort versteht man nichts von parlamentarischen Machtverhältnissen. Im spanischen-Parlament diktiert die CEDA, der.Block der vereinigten Rechtsparteien. Den Großagrariern an- ihrer Spitze ge- Enda des Generalstreiks? Sa« Francisco, 18. Juli. Die Streikleitung hat das Anerbieten gemacht, den Streik durch einen Schiedsspruch beizulegen. Diese mit 207 gegen 108 Stim>uen^uuie-, nommene Entscheidung bedeutet nicht da» sofortige Ende des Streikes, sondern lediglich ein« Empfehlung an d i e S t r e i k e n d.e n, ich dem Ausspruch des Schiedsgerichtes zu unterwerfen. Der Ausschuß ersuchte die Gouverneure von Kalifornien,-Oregon und Washington, sowie die- Kommandanten der vom Streik betroffenen Häfen, sie mögen den Präsidenten Roosevelt um die Ermöglichung eines gesetzlichen Schiedsgerichtsverfahrens ersuchen, falls auch die Arbeitgeber einer solchen Art der Liquidierung de» Streites beitrrten sollte». Der Beschluß der Streikleitung, eine Schiedsgerichtslösung anzustrrben, wird al» Beweis dafür aufgefaßt, daß die besouiuneren Elemente wieder die Oberhand erhalten haben. Diese Wendung ist hauptsächlich dadurch herbeigeführt worden, daß mehrere hundert Mitglieder deS vom BürgrranSschutz organisierten Selbstschutzes, der anscheinend auch von den weniger radikalen Arbeiterkrrisen unterstützt wird, am DienStag eine Reihe von kommunistischen Aktionszentren zerstörten. BiS zum Dienstag Abend waren bereits 340 Kommunisten von der Polizei in Haft genommen, die die Polizei für Streikagitatoren hält. Einige Kommunisten wurden von der Menge so verprügelt, daß sie inS Krankenhaus gebracht werden mußtrn. Die Behörden kündigen an, daß sie die StaatS- zugehörigkeit aller Verhafteten untersuchen und sämtliche Ausländer, die an der Streikagitation teilnahmen, der BundeSvrhörde zur Ausweisung übergebe» werden. Die Führer der Linksgruppr der Hafenarbeiter, die die eigentlichen Urheber deS gegenwärtigen Streikes sind, lehnen mit Erbitterung den Vorschlag eines Schiedsspruches ab und erklären» daß der Resolution von dm zahlreichm, nichtoffiziellen Delegierten» die an der Konferenz trilnahmrn, unerwartet zugestimmt wurde. Die Hafenarbeiter lehnen entschieden einm Schiedsspruch ab, insbesondere in der Frage der Unter japanischer Vormundschaft Tokio, 18. Juli.Auf Veranlassung der mandschurischen Regierung werden demnächst 1500 japanische Beamte nach Manschuküo reisen, um dort die Umbildung der Verwaltung des mandschurischen Kaiserreiches durchzuführen. Auch zu Gouverneuren'der. zehn Provinzen. von Man- schukuo. sollen Japaner ernannt werdep. Die 1500 Beamten sollen auf.fünf Jahre fiir den mandschurischen Staatsdienst, verpflichtet werden. Arbeitsvermittlung, die den Kern des gegenwärtigen Konfliktes darftrllt. Die Arbeiter wollen Einfluß ans diese Vermittlung erreiche», welche bisher unter der Kontrolle der Marinegesell- schaftrn steht, denen Protektionismus vorgr- worfen wird. Der Sekretär deS Zentralstreikauoschnsies, der zu den Gemäßigten gehört, bestreitet dir Be- hauptnng der Hafenarbeiter und erklärt, daß die Abstimmung ordnungsgemäß vor sich ging. Das entscheidende Moment wird jetzt d i r E n t s ch e i- dung der Arbeitgeber sein, dir ihre Stellungnahme zu dem Schiedsspruch ans einer Sitzung beschließen sollen, dir im Laufe des heutigen TageS stattfindet. San FraneiSro, 18. Juli. Trotz sichtbarer Erleichterungen kompliziert sich die Streiklage in San Francisco in zunehmendem Maße, da die Reeder zwar mit der Hafenarbeitergewerlschaft, nicht aber mit den übrigen Gewerkschaften, z. B. denen der Dockarbeiter» der Heizer, der Köche und des Maschinenpersonalö verhandeln wollen. In Seattle versuchten streikende Hafenarbeiter, verbittert über das Nachlassen der Streikbewegung in San Francisco, einen Sturm auf zwei Hafen-Pears. Sie lvurden von der Polizei mit Gummiknüppeln und Tränengas zu- riickgetrieben. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor. Die Kesselschmiede und die Maschinisten haben einen Sympathiestreik beschlossen. Die Gewerkschaftsführer von Portland haben die Abstimmung über den Generalstreik bis zum Eintreffen des Regierungsschlichters, des Senators Wagner, verschoben. In Baltimore haben 800 Lastivagenführer zu streiken begonnen. » 50» Tafliarbclter im Sfrdk New Aork, 18. Juli. In der Stadt Minneapolis im Staate Minnesota lvurde die Polizei durch Biirgergarde im Hinblick auf den Streik der Chauffeure der Lastkraftwagen verstärkt. Im Staate Alabama lvurden 21 Spinnereien geschlossen, weil 13.500 Arbeiter in den Ausstand getreten sind. OrCRZZWUdKRlRlI Tokio, 18. Juli. Ein sowjetrussisches Militärflugzeug mit drei Mann Besatzung überflog die mandschurische Grenze und kreuzte etwa 20 Minuten über der nordmandschurischen Stadt Pogranitschnajä.-ES wurde beobachtet, daß von der Besatzung photographische Aufnahmen gemacht wurden. Die mandschurischen Behörden/übermittelten/ dem sowjetrnssischen Kopsul in Charbin wegen der unerlaubten lfeberfliegung mandschurischen Gebiets, einen scharfen Protest. Sette 2 Donnerstag, 19. Juki 1934 «r. 166 nügt die Aussicht auf eine reiche Ernte nicht. Sie wolle» sie auch möglichst billig in die Scheune führen können. Sie wollen wieder Por- tugicsen und Gallegos statt der teureren landan- lässigen Taglöhner. Die opponierenden Sozialist«» bezwang man mit der Geschäftsordnung. Am 24. Mai hat man das»Gesetz Caballero" zerstört. Am 6. Juni brach der Landarbeiterstreik aus. Die spanischen Zeitungen, unter Vorzensur gestellt, schreiben, der Streik sei zusammengebro- chen. Aber im Zentralsckretariat der Landarbci- terorganisation treffen Briefe ein, die melden: Eine Million Menschen stehen in» Streik— cS ist die gewaltigste soziale Bewegung in Spanien bis jetzt. In fast allen Dörfern ist man so der- fahren: Die Streikkomitees wurden verhaftet, die Arbeiter mft Zuckerbrot und Stock gepreßt, Militär, Sturmtruppen und Guardia Civil aufgeboten, den Streik für illegal erklärt, alle Bolkshäuser geschlossen, aber die Bewegung ging weiter. Und plötzlich wurde auch von einer anderen Seite daS Landproblem aufgerührt. Katalonien— jene spanische Landschaft, die von Barcelona beherrscht wird,— genießt weitgehende Autonomie. Die linksbürgerliche Landesregierung hat jetzt, im Rahmen der allge- meinen Agrarreform, ein Gesetz erlassen, daS den Landpachten» daS Besitzrecht an dem von ihnen bearbeiteten Boden gibt. Ganz Katalonien forderte das; 200.000 Familien werden von der Ausbeutung durch die Landherren befreit. Aber: Die Heiligkeit deS Grundeigentunis wird vcr- letzt. Der Dorfprolct könnte übermütig werden. Die Latifundienbesitzer und die Regierung, die ihnen so gefügig ist, sie lassen lieber die prächtige Ernte in Flanimen aufgehen, sie lassen lieber den ganzen Staat auseinanderfallen, als daS zu dulden. Indes, man versteht in Spanien zu kämpfen. Der Landarbeitcrstreik war die große Probe für den Ernstfall. Er ist geglückt. Man hat trotz allem die Forderungen dorfweise durch- gefetzt. In Katalonien spürt man die Gefahr. Die dickköpfigen Kaziken, die Schritt für Schritt die Reformgesetze der Republik abbauen, stürzen das Land ins Chaos. Man will brcnrscn. Das Landproblem muß endlich in Angriff genommen wer- den, verkündet das katalanische Parlament. Und unter dem Jubel der Barcelonaer Bevölkerung hat es am 13. Juni die von der Zentralregierung angefochtene Reform ratifiziert und in Kraft ge- setzt. Dann haben sich die katalanischen Abgeord- nctcn aus den CortcS zurückgezogen. Die Der- treter des Baskenlandes sind ihnen gefolgt. Ganz Spanien rüstet sich zum Kampf. Und die Arbei- terschaft verfolgt, zäh, beharrlich, bercft zu den allergrößten Opfern, ihren Weg. Für allo Landarbeiter, so schrieb die Ge- werkschast, gerechte und gleichmäßig verteilte Löhne! Boden für die, die ihn zum Lebe» brau- chen! Will num das Revolution nennen— so proklamieren wir die Heiligkeit einer solchen Revolution und nehmen das Wort stolz auf... »Schreibe» Sie unseren Genossen in der Tschechoslowakei" so sagte mir ein führender Genosse dieser Tage:„Wir in Spanien werden das italienische, das deutsche und das österreichische Proletariat rächen." E r ck. Br. Knä Ober die Zusammenarbeit der deutschen und tsdicdilsdien Arbeiterschaft Prag, 18. Juli. Mittwoch, den 18. Juli, nachmittag, erschien beim Minister für auswärtige Angelegenheiten Dr. BeneS eine Deputation des Ausschusses der Hl. Arbeiterolympiade mit dem Obmann der DTJ. Abgeord. Hummel- han ö, I. Charvät und F. P äöa an der Spitze. Die Vertreter der Olympiade dankten dein Minister für die Förderung, welche das Außenministerium der Hl. Arbeiterolympiade angedeihen ließ und für die Hilfe zu einer bedeutsamen Beteiligung des Auslandes. Minister Dr. Beneö brachte in seiner Erwiderung seine Befrie digung über den Erfolg der Olympiadefestlichkeiten und über die reiche Beteiligung, insbesondere aus dem Auslande, zum Ausdruck. Er erklärte, daß die Olympiade die Vertreter des Auslandes von der richtigen Linie und dem lebendigen Werke des demokratischen Regimes dieses Staates, insbesondere in der kritischen Zeit, die reich an politischen Experimenten ist, überzeugt habe. Weiters sprach der Minister seine aufrichtige Freude über die Zusammenarbeit der tschechischen und der deutschen Arbeiterschaft auf dem Gebiete der Körpererziehung aus. Die zarten Nerven der„Deutschen Presse" Die chrisllichsoziale„Deutsche Presse" befaßte sich kürzlich in einem Leitartikel unter dem Titel „Sensationelle Verordnungen in der Sowjetunion" mit dem Dekret des Allrussischen Zentral- vollzugSauSschusseö vom 8. Juni 1984, in vem die Strafen für Staatsverrat angekündigt sind. Es wird sicher niemanden wundern, daß die Sowjetunion gleich anderen Staaten Vaterlandsverrat mit Erschießen und BcrmögenSbeschlagnahme bestraft. Werden derartige Verbrechen von Angehörigen der Wehrmacht begangen, ko können auch volljährige Familienmitglieder, wenn sie in irgendeiner Form an der Vorbereitung oder Durchführung dieser Verbrechen beteiligt gewesen sind, ebenfalls entsprechend bestraft werden. Wie bereits erwähnt, handelt es sich hier um Bestimmungen, die ein jeder Staat in seiner Gesetzgebung aufzuweisen hat, nur dort, wo die Todesstrafe abgeschafft ist, wird man sich mit Freiheitsstrafen begnügen. Die Herren von der„Deutschen Presse" mit ihren zarten Nerven brauchen sich bestimmt daher nicht über die„unglaubliche Grausamkeit der Strafandrohung" wundern. Ihr so sehr geliebter Dollfuß hat ja in Oesterreich rn den Febertagen sich noch ganz anderes geleistet. Er hat B e rfassu n g Sv erte i- d i g c r, also keine VaterlandSver- r ä t e r, einfach mit Kanonen und Haubitzen nie« Verknallen lassen und hat dabei nicht einmal auf Kinder und Frauen Rücksichtgen ommenl ErhatHalbtotezum Galgen schleppen lassen, er hält heute noch Hunderte braver Schutzbündler, die kein anderes Verbrechen begangen hckben, als für die Verfassung gekämpft zu hwöen, in seinen Kerkern gefangen^ er sieht kaltblütig zll, w-ie ein Seitz, dessen Verdienste die ganze Welt restlos anerkennt, im Kerker langsam dahinsiecht. Und Leute, die allen diesen Taten Beifall geklatscht haben, die auch heute noch mit dem System des„starken Mannes" Dollfuß einverstanden sind, verlieren auf einmal ihre Nerven, wenn Sowjetrußland BaterlandSverrätern Erschießung androht. Ja, es ist noch nicht so lange her, da haben die Herren von der„Deutschen Presse" einem Adolf Hitlerzugejubelt uni» haben sich in irgendeiner Form für die von ihm durchgeführte Totalität begeistert. Sie hatten ihre Freuve daran und haben aus ihr nicht das geringste Hehl gemacht, als Hiller die verhaßten Marxisten zusam- mentknallen ließ und sie in den Konzentrationslagern zu Tode quälte. Das„System der Fami- lienverantwortlichkekt"(Geiseln), über das sich die„Deutsche Presse" so entsetzt, da es Sowjetrußland androht, hat doch Hitler in Reinkultur betrieben und betreibt es heute noch, nur daß er auch nicht vor minderjährigen Familienmitgliedern zurückschreckt, nur daß er auch vor Kindern nicht halt gemacht hat, ohne daß es den Herren von der„Deutschen Presse" an die Nerven gegangen wäre. Erst als Hitler auch vor der katholischen Bewegung in Deutschland nicht halt machte, erst als er das katholische Oesterreich und ihren Dollfuß zu bekämpfen begann, da wurde aus dem Saulus ein Paulus, da haben die Herren von der „Deutschen Presse" auf einmal ihr christliches, von Nächstenliebe erfülltes Herz entdeckt. Heuchler dieser Art haben kein Recht, Kritik zu üben. B. S. Vie tschechische Sozialdemokratie an die Kommunisten Auch die tschechische Sozialdemokratte hat die Aufforderung der Konimunisten zu einer gemeinsamen Aktion mit einem Schreiben beantwortet. In der Zuschrift heißt cs: „Aus dem Inhalt des Schreibens vom 14. Juli ersehen wir, daß uns und den übrigen sozia« listischen Parteien die Durchführung einer einheitlichen Aktion gegen FascismuS und Krieg beantragt wird. Nach alldem, was Sie bisher gegen die sozialdemokratische Partei in diesem Staate unternommen haben und nach allen Aktionen, die Sie gegen unsere Partei gerade in der letzten Zeit veranstaltet haben und schließlich nach den Beschlüssen des neunten Plenums des Zentralvollzugsausschusses Ihrer Partei über die Bekämpfung der sozialdemokratischen Gewerkschaftsorganisationen und das Zerschlagen unserer politischen.Organisationen sehen wir Ihr Angebot nicht als ernst an und lehnen es deshalb, ab." Die Besetzung von Lehrerstelle«. Bom Landesschulrat in Prag ivird initgeteilt: In der letzten Zeit richten Professurkandidatcn mit vollständiger und teilweiser Approbation, in manchen Fällen auch Abiturienten von Lehrerbildungsanstalten und Mittelschulen Gesuche an den Landesschulrat, in denen sie um die Ernennung zu Lehrern an Volks- bzw. Bürgerschulen ansuchen. ES wird deshalb aufmerksam gemacht, daß diese Gesuche zwecklos sind und den Bewerbern zurückgestellt werden, da AuShilfS- und interimistische Lehrerstellen an Volksschule»» von den einzelnen BezirksschulauSschüffcn beseht werden, an welche die Gesuche zu richten sind. Der gerichtete„Führer“ Wir lesen in der„Deutschen Freiheit": Der deutsche Reichskanzler ist daS höchste nnt» vollkommenste Instrument der nationalsozialistischen Führerauslese. Er beruft und er verwirft seine Paladine nach dem ungehemmten Autoritätsprinzip. Sein Rechenschaftsbericht vor dem Reichstag hat dem Bolle kundgetan, wie sich die rein autoritäre, durch keinerlei Masscukritil gehinderte Führung auSgewirkt hat. Nach der gewiß nicht übertriebenen Schilderung Adolf Hitlers gab es in den obersten Regionen der Staats- und Parteiführung nicht vereinzelt, sondern in vielen Exemplaren: Urninge, Sittlichkeitsverbrecher, Knabenschänder, Alkoholiker, Meineidige, Spihbuben, Defraudanten, VolkSbetrüger, Prasser und Schlennner auf Kosten armer Ka meraden, Krankhafte Lügner, Verschworene Cliquen, Postenjäger, Feiglinge und Heuchler, Pathologische Ehrgeizlinge, Landesverräter, Hochverräter, Erpresser, Terroristen, Mörder. Jeder dieser Lumpen ist von dem Partei- und Staatschcf auSerwahlt und lange Jahre gehallen worden. Tadel an einem dieser Freunde deS deutschen Reichskanzlers ist mit harten Kerkerstrafen, ja mit dem Tode gebüßt worden. Der Reichskanzler hat für die Ermordung dieser seiner Kreaturen die Verantwortung übernommen. Er hat vergessen, hinzuzufügen, daß er nach dem Führerprinzip auch die volle Verantwortung für die Schänd- und Untaten dieser Schufte zu tragen hat. Er war Mitwisser, in vielen Fällen Befehlshaber; er deckte die Halunken stets mit seiner Autorität, und er ist daher in vollem Ausmaße ihr Mitschuldiger. Der Reichskanzler hat sich zum Obersten Gc- richtsherrn über die ganze deutsche Nation aus- gerusen. Er hat vergessen, sich selbst als den intellektuellen Urheber, Förderer und Protektor dcS größten StaatSsiandals in der deutschen Geschichte zu richten und abzuurteilen. Wie konnte er vierzehn Jahre als unverantwortlicher und heinmungSloser Schwätzer den Splitterrichter spielen! Nun sieht das Volk, nun offtnbart sich der Well, welches moralische Recht er und seine-Kumpane hatten, an einem bei sonstigen Fehler»» sauberen und p»»ritan!schcn Staatswesen, wie der Republik von Weimar, Kritik zu üben. 30 Reichstagssitze leer London, 18. Juli.(Jnpreß.) Die„Times" schreibt im Anschluß an die Reichstagssitzung:„Unter der großen Menge der uniformierten Abgeordneten wäre»» mehr als 30 leere Sitze. Rur von acht SA.-Führeri» wurde der Tod offiziell mitgeteilt- aber keiner ihrer Kameraden I wußte, wo die Vermißten waren". Ar| FRITZ ROSENFELDS Cbqutta EIN ROMAN ZWISCHEN TRAUN UND TAG So viel Gold für ein Pferd! Stumm ritt er durch den Wald. Es war sonst seine Art, zu singen, es war ganz toll in seiner Brust, er konnte nur atmen, wenn er fang. Stumm ritt er damals. Warum? Aus allem wuchs die Frage: warum? Dann, das wußte er genau, war sei»» Pferd gestürzt. Di« Wurzeln waren wie Schlingen, der Fuß des Pferdes verfing sich. Er untersuchte den Fuß; er war gebrochen. Das Auge des Pferdes fah ihn groß und bittend an, als wollte cs Ver- zeihung für eine Schuld. Er hatte das Pferd getötet, ein Sfich in die Seite, was sollte er mitten in der Wildnis mit pem kranken Pferd tun? Die Sonne war noch nicht weit gewandert, da lag er selbst krank in der Wildnis, Stich und Hieb in der Selle. Wen sollte er um Verzeihung bitten sür diese Schuld? Die Bilder rollten weiter: seine Hand griff an die Brust. Papier knisterte. Ein Brief. Er sollte ihn... wohin sollte er diesen Brief nur bringen? Die Hand rieb die Stirn. Ganz genau sah er, wie der Vater ihm den Brief gegeben, ihm den Weg eingeschärft und immer wieder den Namen der Stadt genannt hatte, in die er den Brief tragen sollt«. Ausgelöscht. Weggewischt. Er rief den Mann, der vor ihm ging, das Ende der Stangen in den Händen, die seine Bahre trugen. Der Mann verstand nicht, aber bliÄ stehen, wandte sich um. Mit den Augen rief ihn Pal. Er fragte: sein Mund sprach, seine Augen, seine Hände. Der Mann verstand ihn «W. Er winkt« dem anderen: auch der verstand nicht, was Pal wollt«. Sie sahen einander an, zuckten die Achseln, hoben die Bahre wieder auf, trotteten weiter. Pal fragte/immer von neuem, ins Leere hinein: Wohin führt ihr mich? Wohin schleppt ihr mich? Wer seid ihr? Erst sah der Mmin sich um, als die Worte fielen, dann wurden sie ihm eintöniger Rhythmus, der den Weg begleitete, wie der Rhythmus der Bäume, der sich ewig wiederholt, wie der Rhythmus der Sterne, der sich ewig wiederhoü, sie begleiteten ihn wie Musik, wie eine Flöte, schrill erst, dann versik- kernd in Sanftheit und milder Dauer. Die Worte aber, die ohne Antwort blieben, ohne Echo trotz tausendfacher Wiederholung, fraßen sich in Pals Blut- es rollte wilder durch die Adern, hämmerte in den Schläfen, brannte und bohrte» daß er sich«ach Kühlu»»g sühnte» nach einem Tropfen Wasser. Der aber kam nicht und so sank wieder Dunkelheit über alles, große, stumme Dunkelheit, und der Weg ging weiterendlos, sinnlos, sinnlos, endlos. Wie ost noch der Mond um den Erdball gerollt und die Sonne den Tau von den Blättern getrunken, wußte Pal nicht. Rur daß die Wunden brannten, wußte er und daß alles Wasser zu wenig war. Daß das Wiegeu ewig währte, wußte er, und daß jeder Stein, auf den der Mann bor ihn trat, ihn schmerzte, wußte er. So lag er: die Augen offen- den Himmel über sich, oder die Augen geschloffen, da» Gestern und Morgen vor sich. Rahm die Fahrt nie ein Ende? Und wieder einmal, al» da» Blut die Adern fast sprengte, als die Blicke nach den Trägern schrien- als seine Hände sich ohne Sinn in den Gräsern verfingen, an denen er vorüberschaukelte, wollte er aufspringen, sich an einem Ast festklammern- der Über ihm war, wollt« er dem Mann an die Kehle springen- der ihn trug, die Bahre zerstampfen, die ihn zwischen Himmel und Erde hielt, schwebend wie em Stern. Mt dem Kopf wollte er gegen einen Baum rennen, damtt alles zu Ende sei, oder in«inen Fluß springen, um endlich den Brand in den Wunden zu löschen. Aber die Männer ergriffen ihn, banden ihn, machten seinen Leib zu einem Teil des Geflechtes, das sie trugen und das wie die Wiege eines Kindes schaukelte. Wie eine Wiege, in der ein Wesen lag, tas nicht wußte, was ringsum geschah. Das währte wieder Tage und Nächte, Nächte und Tage. Endlich brach durch Pals Wimpern, die wie Schleier die halbgeschloffenen Lider verhängten, der Umriß einer Hütte. Endlich hielten die Männer ein. Geruch von Gekochtem biß in die Nase. Die Bahre ruhte auf gestampftem Boden. Pals Fesseln wurden gelöst. Die Männer trugen ihn in das Haus. Felle an den Wänden, gelblichweiße Schaffelle und ein großes, braunschwarzes Bärenfell. Das bleiche Skelett eines Pferdekopfes an der Wand, mit großen, leeren Augenhöhlen. Unter welchem Stern, wohl der Kopf seine» Pferdes moderte, von einem Raubtter ab- geftessen, von den Geiern abgenagt? Dann lief ein heißer Trank durch seine Kehle, beißend scharf, dann fühlte er weiche Polster unter dem Rücken, große, dunkle Stücke Moos. Dann tropfte Balsam auf die Wunden. Schlaf umfing ihn; endlich, nach so vielen wachen Träumen und so vielen Rätseln traumloser, samtdunkler Schlaf. Langsam erstarb der Sihmerz in den Wunden, schloß sich das aufgeschlitzte Fleisch seines Leibes. In wachen Stunden ließ er kein Äug' von den Männern, die in der Hütte mit ihm lebten, Wächter seines Schicksals. Sie mochten Jäger sein oder an die Grenze seines Landes vorgeschobene Kriegsknechte. Sie gingen am Morgen, blieben tagsüber aus, schlichen nachts in die Hütte, die junge Dämmerung trieb sie wieder fort. Erlegte Tiere waren über ihre Schulter geworfen, wenn sie heimkehrten. Bor der Hütte, beim Schein einer Fackel, nahmen sie die Beute au». Häute hinge» an den Bäumen und der Geruch von Blut wich nicht aus der Luft. Nach Wochen konnte Pal sich wieder vom Lager erheben. Seine Füße waren schwer, Hütie und Wald schwankten, als er aufttand. Da gaben sie ihm einen Stock, einen abgehauenen Ast, aus den er sich stützte. Von diesem Tag an blieb einer der Männer bei ihm, als Hüter, und ließ Pal nicht aus den Augen. Bin ich gefangen? Was habe ich verbrochen, daß man mich bewacht? Sind meine Wunden Schuld? Meine Schmerzen Untat? Sie gaben ihm kräftiges Essen, die besten Stücke der erlegten Tiere, gaben ihm ein dunkles, schäumendes Getränk, in dem Saft aus Wurzeln Ivar, und das nach Wald, nach Sonne, nach Wachsen und Mühen roch. Er aß und trank, in seine Arme kam Kraft, in seine Augen kam Feuer, in seinen Beinen regte es sich, Lockung in die Welt dort draußen, in seine»» Fäusten regte es sich, die Männer zu zerschmettern, wenn sie sich ihm in den Weg zu stellen wagten. Auch dieses Wachsen währte noch Wochen. Dann stand er da» wie vor dem Tag, an dem das Schwert ihn getroffen, wie vor der Stunde, in der die Lanze ihn niedergestreckt: fest auf dem Boden, die Kraft im Leibe, den Himmel herunterzuholen und die große, blaue Seide in Fetzen zu reißen, wie der Sturm sie in Fetzen ritz, wenn die Götter zürnten. Da berieten die Männer eines Morgens, ihre Stimmen llangen gedämpft, ihre Augen sochen scheu zu Pal hinüber. Da brachten sie mittags einen Trank, schärfer als der der anderen Tage. Er sank schnell ins Blut, erfüllte schnell das Mitt, lietz Bäume und Berge kreisen, wqrf dann einen grotzen Schleier über Baum und Berg. Pal schlief. Die Männer holten wieder die Bahre, wieder schaukelte sein Leib über die Steine des Wege», über Wurzeln des Waldes, Stunden und Stunden, einen Tag, eine Nacht. (Fortsetzung folgt.). Nr. 166 Donnerstag, 19. Juli 1934, Sette 8 Wie Gregor Strasser ermordet wurde . Vater Wutgeheul zu Tode getrampelt“ Ole Hltlertreuen Die sudctcndeutschen Bürgerblätter haben rascher den Anschluß an den Hitler des SO. Juni gefunden, als ihre besten Kenner annehmen kann» ten. Mit einem Zynismus, der seinesgleichen sucht, winden sie um die Stirn des Mörders Kränge des Ruhms und der Verehrung. Die„E g e r e r Z e i t u n g" z. B. ließ sich von ihrem Berliner Mitarbeiter einen Artikel schreiben, in dem die Blutgier nur noch von dem fixen Geschäftsgeist übertroffen wird, der von dem Lcichenberg eine Stützung der Wirtschaft erhofft: .Die deutsche Revolte vom SV. Juni geschah am Vorabend dcS Tages, an dem Deutschland aus dem Devisenmangel den laufenden ausländischen Schuldendienst einzustellen gezwungen war. Man batte Betrachtungen darüber angestellt, welche Umstände in der Vergangenheit den deutsche» Kredit gemindert haben könnten. Darüber, wie sich Deutschlands Zahlung»- und UeberweisungSfähig- keit bei einem Erfolg der Röhmschen Revolte gestaltet hätte, hat man nicht viel nachgedacht." Warum sollte man nicht morden dürfen, wenn daS Leben der Opfer dem ZahlungSdienst nicht zuträglich wäre? So die oben zitierte Rechtfertigung des Massakers nicht auSreichen sollte, ist hier eine weitere: „Au« aufgefundenen Akte« konnte festge- ftellt werden, dast die Umstürzler die notwendig« Gelder an» dem blutigen Terror z» gewinnen hofften, der sich im Anschluß an die Revolte etwa zwei Wochen lang nuStobcn sollte. Dieft Geldbeschaffung sollte also eine Begleiterschei- wmg des„Aufräumen»" sein, da» die neuen Machthaber in Ergänzung de» Umschwung» vom Jänaer 1933 nachzuholen beabsichtigte«. ES k a n n sich hiebei nur um Beschlagnahme« großen Stil» oder auch um Brandschatzungen»ad Plünderungen handeln. Ist diese Konsequenz für daS»«»land, undbeso«. derS für die ausländischen Gläu» bigcr Deutschland», etwa ohnepeak» tische» Interesse?" Durchaus nicht, denn dieses Ausland, das sich mit Ausnahme des sudetendeutschen Bürgertums über die feigen Mordtaten empört, hat der Mördcrregierung als einem zahlungsunfähigen Schuldner die Einnahinen gepfändet. Es ist nicht bereit, Leichen für Dollars zu nehmen und Herrn Hitler die Lehre zu ersparen, daß er bei der Vernichtung der deutschen Wirtschaft auf Röhms Hilfe nicht angciviescn lvar. Freilich: Hitler und die Seinen sind so beglückt von ihrem„Siege" über die Rebellen", daß sie jeglicher Lehre unzugänglich sind: „Wenn di« Art, wie die Regierung Hitler den Putsch von: 80. Juni niedergeschlagen hat, irgendwelche kreditpolitische Bedeutung besitzt, so nur die, daß das Vertrauen in eine stetige Weiter» mtwicklung in Deutschland gestärkt worden ist." Es fragt sich nur, lv o h i n diese Weiterentwicklung führt. Das Ausland meint: zur weiteren Parbarisierung. Aber zu diesem Ausland gehört die„Egerer Zeitung" nicht. Sie hat den Mut, von Dokumenten zu reden, die nicht einmal Hiiler zur Verfügung standen, sie hat den Mut, von einer Revolte zu sprechen, obwohl sie nicht nachweisen kann, daß sie überhaupt beabsichtigt war. Kurz und gut: sie ist eine Schirmher» rinderBestialität, deren Zynismus selbst den der Mörder übertrifft. Sie hat freilich das Argument für sich, daß ihr der Zensor eines Kulturlandes das Aeußern der geschäftsbeflissenen Mördergesinnung nicht untersagt. Aber wir den- len, daß cs an der Zeit wäre, ein Exempel zu ßainieren: Leuten,'die fähig wären, im Dritten Keich journalistische Ehrenposten zu bekleiden, gehören in Kulturländern hinter Schloß und Riegel. Das sind diese Länder ihrer eigenen Würde und der moralischen Sicherheit ihrer Bürger schuldig. Deutschland macht Konzessionen Paris, 18. Juli. Privatmeldungen zufolge wurde zwischen Deutschland und Frankreich eine prinzipielle Vereinbarung betreffs der Zahlungen auf die Dawes- und Doung-Anleihe getroffen. Deutschland hat der in Berlin verhandelnden französischen Handelsdelegation erhebliche Konzessionen auf dem Gebiete des Handels für die Stundung in Angelegenheit der Ratenzahlungen gelvährt. 53 Nationalsozialisten in Hall verhaftet In Hall in Tirol wurden heute 88 Nationalsozialisten verhaftet, die eines versuchten Anschlages auf die dortigen Salinen verdächtig sind. Wegen Spionage verurteilt Salzburg, 18. Juli. In nichtöffentlicher Verhandlung vor dem Salzburger Schöffengericht wurde heute die 32jährige vertvitwete deutsche Staatsangehörige Margarethe Rosenkranz aus Hallein wegen Spionage nach 8 67 de» Strafgesetzes zu acht Monaten, ihr Komplize, der 88jäh« rigc Gastwirt Rudolf Lackner, ebenfalls aus Hal- lcin, zu sieben Monaten schweren Kerker» verurteilt. Das Organ der Schwarzen Front „Die deutsche Revolution" bringt eine Schilderung der Ermordung Gregor Strassers, wozu das Blatt bemerkt, daß es die aktenmäßigen Belege über alle Einzelheiten besitzt. In der Darlegung des Blattes heißt es u. a.: „Am Sonnabend, 80. Juni 1984, gegen 1.80 mittags drangen in die Privatwohnung Gregor Straßers fünf Beamte der Geheimen Staatspolizei Goerings ein und verlangten Gregor Straßer zu sprechen. Gregor Strasser saß mit seiner Familie am MttagStisch und beabsichtigte dann in die Fabrik zu gehen, wo für 8 Uhr von ihm eine Feier für die Arbeiter und Angestellten arrangiert war. Die in Zivil auftretenden Geftapobeamten baten Gregor Straßer ins Nebenzimmer und er» klärten ihm dort, er müsse sofort mit in das Büro kommen, da sie dort eine Haussuchung vornehmen müßten. Erstaunt frug Gregor Straßer nach dem Grund, worauf ihm gesagt wurde, man müsse sein Büro untersuchen wegen d«S Verdachts hoch«, verräterischer Bestrebungen. Gregor Straßer begab sich darauf wieder ins Eßzimmer, beruhigte seine Familie und erklärte, schnell mit den Beamten ins Büro(Schering- Kahlbaum) fahren zu müssen, um bei der dortigen Haussuchung persönlich anwesend zu sein. Während der blutige Kanzler des„Dritten Reiches" seine Friedensphrasen in den Aether hinausschmettert, tvährend er seinen mißgestalteten Zwerg Goebbels, den Mann mit der feurigen Zunge nach Warschau schickt, um seinem Diktatur» lollegen die Ohren vollzublasen, während er nach außen hin seinen Rückzug antritt, auf O b e r- schlesien, den polnischenKorridor, verzichtet und Nichtangriffspakte abschließt, erstehen längs der Oder, ja hart anallenLandeSgrenzen unterirdische Betonbauten, nach allen Regelnder Technik angelegt, mit« cinanderdurch Stark st romkabel verbunden, Festungswerke. Lassen wir unseren Gewährsmann sprechen: Ich gehörte einem Arbeitsdienstlager im Osten an. Die Teilnahme ist zwar freiwillig, doch drohen jedem jungen Mann, der sich weigert, hinzugehen und mitzumachen, Entzug der Erwerbslosenunter st ützun g, ve r« weigerungjederArbeitsvermitt- l u n g und da» Konzentra tionslager, wegen staatsfeindlicher Einstellung. In jedem Lager sollen, einschließlich der Führer, 220 Mann sein, da aber meist 40 Mann gerade getürmt, d. h. ausgerückt sind, ist die Ar- beitSkompagnie nur 180 Mann stark. Der Dienst beginnt um 4 Uhr mit 18 Minuten Sport, Waschen und Frühstück. Um halb 6 ist Abmarsch zur Arbeit, um habb 14 Einrücken, Mittagessen und 2 Stunden Bettruhe. Dann wird exerziert, Griffeübungen mit dem Spaten, genau wie mit einem Gewehr ausgeführt, Handgranaten, d. h. scharfe Stielhandgranaten geworfen, geturnt und geschwommen. Um halb 19 ist Abendbrot, um halb 22 gehts zu Bett, außer Mittwoch, Samstag und Sonntag, wo man bis 24 Uhr ausgehen darf. mit einem vielsagenden Achselzucken beantworteten. I« Grünewald trieb die entmenschte Goering..Horde Gregor Straßer zunächst tief in den Wald— schlug ihn dann nieder und trampelte ihn unter sinnlosem Wutgeheul langsam zu Tode. Gegen halb 4 Uhr kamen drei Mann dieser vertierten Schergen Goering» wieder in die Privatwohnung, wo die ganze Familie in größter Sorge saß. Auf die angfwolle Frage der Frau Straßer, wo denn ihr Mann sei, antwortete einer der Hunde: „Da» weeß keen Mensch. Den kennt niemand mehr." In höchstem Entsetzen versuchte die unglückliche Frau, begleitet von ihrem Bruder, zu Hitler, zu Frick, zu Georing, zu Daluege vorzudringen. Dieselben Leute, die hunderte Male an ihrem Tisch gesessen hatten(Hitler ist der Taufpate der Zwillingssöhne Gregor Straßer»), ließen sich jetzt in der feigsten Wesse verleugnen—, wobei die Kreatur Goering», Daluege, der unglücklichen Frau noch sagen ließ, „sie möge gefälligst ihr Maul halte», sonst würde e» ihr genau so ergehen". Tagelang hörten die Hinterbliebenen nichts. Erst als Freunde Gregor Straßer» systematssch die Stätte seiner Abschlachtung absuchten, um die Leiche zu bergen(und möglichst zu photographieren), ließen Goering und Daluege den völlig unkenntlichen Leichnam de» Gemordeten in der Nacht ausgrabe«, eiligst verbrennen und Übergabe» am 7. Juli— genau acht Tage nach dem Mord— der Familie eine Urne mit dem Bemerken, das fei Gregor Straßer." Die„Führer" werden eingeteilt in: Bormann= Gefreiten, Ober-Bormann— Obergefreiten, außerplanmäßigen Truppführer— Unteroffizier. Obertruppführer— Bize-Feldwebel, Unterfeldmeister— Feldwebel oder Offizier- Stellvertreter. Feldmeister— Leutnant, Oberfeldmeister— Hauptmann. Die Mannschaften erhalten täglich 28 Pfennig, der planmäßige Truppsührer 88 Mark monaüich, wovon gleich 20 Mark abgezogen werden, die höheren Chargen, die g l e i ch e Besoldung wie di«Reichswehr» o f f i z i e r e. Die Verpflegung ist mangelhaft. ES gibt täglich 100 Gramm Fettigkeiten(Wurst, Butter oder Fett), jeden zweiten Tag ein Brot. DaS Mittagessenist sehr dünnund ohneFettgehalt. Zur Zeit werden Schlammarbeiten ausgeführt, vorher haben wir einen Flugplatz angelegt und früher an der Grenze große Erd» undBetonarbeiten ausgeführt. Längs der Oder wurden große Baugräben ausgehoben und Betonbunker gebaut, zu deren Herstellung immer vierWaggonladungenPortland- jement und ganze Berge OderkieS verbraucht wurden. Außerdem ist ein 30 M e* terlangerBetonunterstand gleichfalls unterirdisch angelegt worden, der inzwischen mit Munition gefüllt wurde. Zu gleicher Zeit wurden überall große Unterminierungsarbeiten auSgeführt. Alle Beton- Bunker und auch alle unterminierten Stellen erhielten Stark st romkabelzuführung, deren Verlegung gleichfalls durch und in tiefen Gräben erfolgte. Wir mußten einen Eid ablegen, daß wir gegen jeden Menschen überun» sere Arbeiten und unser sonstiges Tun schweigen werden. Die Arbeitsdienstlager sind in Kompagnien, Bataillone und Regimenter eingeteilt. Jedes Bataillon hat fünf Kompagnien. Dieser Bericht spricht Bände. Wir haben inzwischen festgestellt, daß ähnliche Festnngsnnlagen an fast allen Stengen zur Ausführung gekommen sind, beziehungsweise gebaut werden. Will uns Herr Goebbels weismachc», daß er die Betonbunker als Katakomben zur Aufbewahrung der Leichen derErmorde- ten oder als Kartoffelkeller braucht'^ Während fast die ganze Bauarbeitcrjchast eiert und hungert, tvährend Bagger- und Beton- Maschinen auf den Lagerplätzen rosten und verkommen, lassen die Machthaber des„Dritten Reiches" unter Aufsicht von gutbezahlten Fronvogte n, verkrachten Existenzen, stellenlosen Herren und weggejagten Offizieren, von ihren Kults,„A r b e i t s d i e n st f r e i wi l- l i g e" genannt, für schlechtes Fressen und 28 Pfennig Taglohn, Befestigungsarbeiten herstellen, die derWeltverborgen bleiben sollen. »9 neue mttcsdnralcr London, 18. Juli. DaS englische Kabinett hat in seiner Sitzung am Mittwoch daS Programm ür die Verstärkung der militärischen Luftfahrt endgültig gebilligt. Der stellvertretende Ministerpräsident Baldwin wird dieses Programm in kürze öffentlich bekanntgeben. Wie verlautet, hat die Regierung die Absicht, die englische Luftflotte um etwa 80 Geschwader zu verstärken. Der Bau wird sich auf mehrere Jahre«erteilen. Einzelheiten über diese Pläne werden noch streng geheimgehalten. mnister vor dem Uitersudiungsaussdiuß Paris, 18. Juli. Die heutige Verhandlung der parlamentarischen Untersuchungskommission für den Stavisky-Skandal wurde mit Spannung erwartet, da nicht weniger als drei ehemalige Innenminister, von denen ztvci, Laval und Tardieu. auch die Ministerpräsidentschaft inne hatten, vor- geladcn waren. Der heutige„Populaire" veröffentlicht einen Bries der Liga für Menschenrechte, in welchem die Kommissioir auf die Fragen aufmcrlsam gemacht wird, die den heutigen Zeugen vorgelcgt werden sollen. Auf diesen Brief reagierte, ohne gefragt zu werden, direkt Staatöminister Tardieu, der als dritter verhört wurde. Er sagte häufig unaufgefordert aus und griff vielfach auch die Aus. schußmitglieder an, insbesondere den Auöscknß- vorsihcnden Deputierten Guernut. Im Jahre 1083 teilte der Präfekt Juilctt dem Zeugen mit, daß ein gewisser Alexander Dokumente gegen Tar- düu besitze, die er für 300.000 Franken verkaufe» trolle. Der Zeuge riet seinem Informator, sich mit einer betrügerischen Sache nicht abzugcbcn. De» bekannten Chefredakteur Dubarry kannte er>oie viele andere nur als Chefredakteur seines Blattes. Weiter schilderte Tardieu, warum er angegriffen wurde und sagte, daß der bekannte Schert mit dem Namen„Tardi" nur hergcstcllt wurde, um eine Waffe gegen den Zeugen zu suchen und diesen in die Affäre hineinzuziehcn. Der Zeuge ersucht die Kommission, daß sie ihm den ganzen Nachmittag zur Vorlage seiner Dolumeulc und zu einer detaillierten Aussage über diese Angelegen- heit einräumc. Barthou verliert die Ruhe Neurath-Rede angekündigl. W. N. Ewer, der außenpolitische Mitarbeiter des Londoner„Daily Herald", berichtet in diesem Blatt, daß Außenminister Barthou letzthin in Erregung über die polnische Zurückhaltung gegenüber dem Ostlocarno, den polnischen Botschafter Chlapowski nach Noten abgekanzelt habe. Ter französische Außenminister habe Herrn Chlapowst i die Entziehung jeder Hilfeleistung Frankreichs angekündigt, wenn Polen nicht den Flirt mit Hitler- deutschland ausgcbc. Chlapotvsli mußte dies selbst, verständlich nach Warschau berichten und die Wirkung auf Pilsudski kann man sich auSmalen, wenn man bedenkt, daß dem polnischen Diktator der Gedanke unerträglich ist, Polen sei irgendwie von Frankreich abhängig. Mit seiner Zurückhaltung verfolge Polen die Taktik, sich nicht im Gegensatz zu seinen beiden mächtigen Nachbarn Deutschland und Rußland zu stellen. Am vergangenen Sonntag trafen Barthou und Chlapowski einander wieder in Bayonne bei dem ErinnerungSfcst an die polnische Legion in der französischen Armee. Dort erklärte Barthou, der Ostlocarnopakt würde nichts an dem polnischfranzösischen Bündnis und seinem Geiste ändern. Bezeichnenderweise hat nachher Chlapoivsli mit keinem Wort darauf erwidert. In den nächsten Tagen, so kündigt Ewer an. wird Reichsaußenminister von Neurath die deutsche Außenpolitik darlegen, einmal ihre Ablehnung von Pakten, die Verpflichtungen enthalten, und dann den Wiedereintritt Deutschlands in den VölterbundSrat ohne Präjudiz für die Abrüstungsfrage. Durch die Rückkehr in den Völker- bundSrat will Deutschland die Möglichkeit gewinnen, die Zuerkennung eines Ratsitzs an Rußland durch Einspruch zu verhindern, wie das Brasilien 1926 gegen Deutschland eine zeitlang getan hat oder sich seine Zustimmung gut bezahlen zu lassen. Die Beamten fuhren mit Gregor Straßer zunächst auch in daS Büro— ließen dann aber plötzlich die Maske der geplanten Haussuchung fallen und übergaben Gregor Straßer einem vor dem Büro wartenden SS.-Kommando. Das SS.-Kommando fuhr mit dem sofort gefesselten Gregor Straßer in rasender Fahrt in den Grünewald, während die Gestapobeamten sicht Kein Wort sei zu der blutigen Tat ent seelenruhig auf den Heimweg machten und die I menschter hakenkreuzlerischer Bestien Hinzuge aufgeregten Fragen der besorgten Augenzeugen I fügt. Hitler baut Festunssanlasenl Seite 4 Nr. 18g Donnerstag, 19. Juli 1931 Neue Schreckensmeldungen ans Pole» Auch Krakau unter Wasser— Zwei Flüsse vereinigen stch— Hundert Tote Genosse Petznek verurteilt und freiselassen Petznek sollte außer Landes gehen. Wien, 18. Juli. Der ehemalige sozlaldcmo- kralische Avgcordiiclc und Vizepräsident des nie- dcröslcrreichischcn Landtages Petznek, der Gatte der sogenannten„roten Prinzessin" Windisch« gräh(eine Enkelin des Kaisers Franz Josef l.), wurde heute vor dem Wiener Landgericht im Zusammenhang mit den Feverereignissen zu zlvei Monaten Arrest wegen Gcheimbündelei verurteilt. Da ihm die Untersuchungshaft in die Strafe eingerechnet lvurdc, wird Petznek sofort auf freien Fuß gesetzt lvcrdcn. Aus einem Eigenbericht erfahre» wir zu dieser Meldung, daß vor der Verhandlung zwei Landcöführer der österreichischen Legitimisten bei bei Genossen Pctznet und dessen Frau erschienen, die Petznek und seiner Frau den Antrag stellten, außer Landes zu gehen und für den Fall der Annahme dieses BorschlageS sollte die Verhandlung gegen ihn auüfallcn. Die Legitimisten erklärten, daß man die Rückkehr der Habsburger auf den österreichischen Thron er- lvartc und für den Kaiser lväre cs unerträglich, trenn ein Mitglied des österreichischen Kaiserhauses in den Reihen der Marxisten stände. Genosse Petznek und seine Frau, die frühere Prinzessin Windischgräh, lehnten diese Zumutung mit Entrüstung ab,«vorauf die Vcrhanduug durchgeführt und Genosse Petznek verurteilt wurde. Itrlegssdiille für das Prestige Englands Malta, 18. Juli. Der Kommandant der brit- tischcn Mittclincerflottc, Admiral William F i s h c r, ist an Bord des Kriegsschiffes„Queen Elisabeth" vor Samos cingctroffen und hat sich dem bereits eingciroffcncn Vizeadmiral Thurn angcschloffen. Das britische Kriegsschiff„London" ist drei Meilen vor Vathy vor Anker gegangen Sein Kapitän suchte in Begleitung des britischen Vizckonsuls die türkischen Behörden auf und ersuchte, daß sofort direkte Nachforschungen ausgenommen tvcrden, um den Leichnain des von Zoll- wächtcrn crschoffciien britischen Marinearztcs R o b i n s o n aufzufinden. Diese Bctvilligung wurde von den türkischen Behörden erteilt und die Nachforschungen sofort aufgenommen. Sie sind bisher erfolglos geblieben. Aus Istanbul wird gemeldet, daß die vom britischen Botschafter in der Türkei an die türkische Regierung gerichtete Forderung, eine gemeinsame Untersuchung des Ztvischcnfallcö durch britische Flottcnosfizierc und türkische Beamte vornehmen zu lassen, in iürlischen Regierungölreisen beträchtliche ttcbcrraschung hervorgerufcn habe. In später Abendstunde wurde, englischen Blättern zufolge, in Istanbul angedeutet, daß die türkische Negierung diese Forderung wahrscheinlich nicht annehmen könnte. Zwischen der türkischen und der englischen Darlegung der Ereignisse bestehen vorläufig noch beträchtliche llnterschiedc. Während die türkischen Behörden erklären, daß sich die englischen Offiziere bei der Beschießung a n L a n d befunden hät- "tcn, wird von den englischen Flottenbchörden er- llärt, daß die Offiziere an Bord des Segelbootes des Kreuzers„Davonshire" gewesen seien. Einem ans Athen cingelanfenen Bericht zufolge soll daö Segelboot durch M a s ch i n e n g e w c h r- f e u e r und nicht durch Gewchrfeucr angegriffen ivordcn sein. Istanbul» 18. Juli. In Ankara haben am Mittwoch zwischen dem britischen Botschafter Sir Pcrc» Loraine und dem türkischen Außenminister Tcwsil Ruscbdi Bey tvcgen de» englisch-türkischen Zwischenfalles bei der Insel Samos mehrere Unterredungen stattgesunden. Es lvurdc über die Maßnahmen verhandelt, die zur Aufklärung des Zwischenfalles von England für erforderlich gehalten tvnrdcn. Russischer Goldtransport nach Deutschland Riga, 18. Juli. Nach einer Pause von zwei Monaten beginnen die Sowjets wieder Gold auszuführen. lieber Riga wurden heute sieben Tonnen sibirischen Goldes mit der Bestimmung nach Deutschland lransporticrt. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» de» Programmenr Freitag. Prag, Sender L.: 6: Gymnastik. 10.80: Deutsche Presse, 12.10: Chansons, 13.80: Arbeitsmarkt, 18.40: Blasmusik, 17.40: Tanzmusik. 18.20: Deutsche Sendung: Vom Werden der Zeitung und ihrem Schöpfer, Dialog von Dr. Albrecht, 18.45: Arbeitersendung: Redakteur Fr. Krejäl: Aktuelle zehn Minuten, 21: Konzert der tschechischen Philharmonie, 22.15: Tanzlieder tschechischer Autoren. 22.45: Russische Nachrichten. Sender S.: 14: Viownccll-Konzcrt. 14.24. Deutsche Sendung: Viertelstunde der Frau, 15: Deutsche Presse.— Brünn: 11: Schallplatten, 18.30: Arbeitsmarkt und Sozialinformationen, 17.45: Tanzmusik, 18: Licderkonzert, 18.20: Deutsche Sendung: Lärm über Aribert Funk-Sketsch, 10.10: Kompositionen von Liszt.— Möhr. Ostrau: 18.20: Deutsche Sendung: Tyras-Tauber: Rezitationen.— Preßburg: 19.25: Klavierkonzert. Kaschau: 15.15: Zigeunermutzk, Krakau, 18. Juli. Aus dem Ueberschwem« mungögebiet in Kleinpolcn laufen immer neue SchrcckenSmcldnngen ein. Die Städtchen Wa- d o v i c c und C a t o r wurden überschwemmt und der in diesem Gebiete allein angerichtete Materialschaden wird auf zlvei Millionen Zloty geschäht. Hier ist der Skawa-Fluß bis zu einer Breite von einem Kilometer aus de» Ufern getreten. Auch aus diesem Gebiete werden mehrere TodeSopfcr gemeldet. Im Laufe des Tages hat sich auch die Lage im Bezirke Tarnow lvescntlich verschlimmert. In diesem Bezirke wurden zahlreiche Ortschaften, darunter auch O ö c i p c, überschwemmt, wo sich die staatliche Stickstoff-Fabrik befindet. DaS Mil- lionenlvertc repräsentierende Unternehmen steht bereits unter Wasser. Die Flüsse Biala und Du- najec haben sich in: Tarnotvcr Gebiet auf einer großen Strecke vereinigt und strömen in einem gemeinsamen Bett. Der Strom hat eine Unzahl von Häusern und Brücken fortgerissen. Von den Straßen ist nichts niehr zu sehen. Die Militärpiloten, die den Auftrag erhalten haben, über den von der Umwelt abgeschnit- tencn Dörfern Erkundungsflüge auszuführen und Hochwasser I« den Karpathen und der Slowakei Prehburg, 18. Juli. Bericht der hydrographischen Abteilung in Prcßburg über den Wasserstand der slowakischen Flüsse am 18. Juli d. I.: Die ausgiebigen Rcgenfälle in den letzten Tagen, namentlich in dem Gebiete der oberen Waag, verursachten Hebers chlvcmmun- g en, die in S t r ä z o v, unterhalb der Mündung der Kysuce gestern abends um 18 Uhr mit einem Stand von 375 Zentimetern den Höhepunkt erreichten. Später fiel daö Waffer auf 355 Zentimeter und stieg heute früh wieder auf 364 Zentimeter. Ein weiteres Steigen ist nicht zu befürchten, da die Niederschläge in den letzten 24 Stunden unbedeutend waren und auch die staatliche meteorologische Anstalt in Prag eine baldige Bcsicrung des Wetters vorauösagt. An einigen Orten des Gebietes der oberen Waag nahm das Hochlvasser gefährlichere Formen an. So brach sich der Fluß Bcla in Liptovsky Hradek ein neues Bett und bedrohte die Stadt. Es lvurdc daher Militär zu Hilfsarbeitcn angefordert. Im Bezirke T r st c n ä traten die Flüsse Oravice und Studenä ans den Ufern. Der Wa- gcnvcrkchr auf der Staatsstraße bei Podbiel war infolge eines BrückendefclteS, auf der Landesstraße in S u ch ä H o r a.infolge eines Brückeneinsturzes in Cimhova vollständig unterbrochen, Tagancalgkcltcii Schweres Autobus-Unglück in Prag Am Mittwoch verunglückte der Prager städtische Autobus der Strcke E einige Minuten vor 14 Uhr. Der Autobus trug die Evideuznummer P—12.081 und besorgte dir Brrbindung zwischen der Endstation der Elektrischen 14 und Bohnie. Beiläufig in der Mitte der Strecke, wo die Straße sanft zu steigen beginnt, geriet der AutoVuS aus der Bahn, stieß an zwei Meilensteine am Rand« der Straße und fuhr über einen etwa zwei Meter hohen Schotterhanfen auf ein Kornfeld. Dort überschlug sich der Wagen. Unter den Trümmern wurden von den hrr- beieilenden Leuten einige Verwundete hervorgezogen, von denen fünf von der Rettnngsgrsell- schaft ins Krankenhaus gebracht werden mutzten. Unter dem Wagen blieb rin Mensch t o t liegen. Die Feuerwehr kam einige Minuten später an die Unglücksstütte und stellte den Wagen wieder aus die'Räder. Dann erst konnte die Leiche drS Unglücklichen geborgen werden, der von den anwesenden Leuten alS Angestellter der elektrischen Unternehmungen erkannt wurde. Er heißt Hlouöek und ist auS Eimir, verheiratet nnd Bater eines Kindes. Sein Kopf war vollständig zerschmettert. Das entsetzliche Unglück rief in KovyliS und den umliegenden Orten große Aufregung hervor. Flugzeugunglück in Miluwltz Prag, 18. Juli. Heute um v Uhr verunglückten auf dem Flugplatz in M i l o w i tz zwei Militärflieger. Rach einem durchgeführten Grup- prnfluge machte beim. AuSeinauderfliegen eines der Flugzeuge der Type AP. 32 eine jähe Wendung, kam i»S Trudeln und stieß infolge der geringen Höhe auf die Erde, bevor der Pilot den Apparat wieder ins Gleichgewicht bringen konnte. Die Besatzung drö Flugzeuges, Gefreiter-Pilot Fr. K r ä l auS Byöehokk bei Ziibrrh und der Beobachter ZugSführer-Aspirant"Josef R o v a k aus Popelin, beide vom Flirgerrrgiment Rr. 1, wurden getötet. Eine Militärkommissto» hat sich sofort an die UnglüSSstelle begebe», um die Einzelheiten des Unglückes feftzustelle«. Lichtbilder aufzunchmen, erzählen, daß in allen Dörfern die Bevölkerung sich auf die Dächer und Bäume geflüchtet hat, lvo sic auf Rettung auS der verzweifelten Lage wartet. Aus Krakau sind Motorpontons zur Bergung der Bevölkerung ausgelaufen. Auch um K r a l a u nimmt die Ueberschwcm- mung immer größeres Ausmaß an. Die Vorstädte stehen bereits unter Wasser. Das Städtchen W i c- liezka mit den bekannten Salzbergwerken ist gleichfalls überschlvcmmt. Auch die Weichsel ist über die Ufer getreten und hat im breiten Strom Dörfer unter Wasser gesetzt. Der Materialschaden läßt sich gegenwärtig nicht mehr abschähen. Warschau, 18. Juli. In einer heute im Ministerrate stattgefundenrn OrganisationSsitzung dcS Zentralkoniitres für dir Hilfeleistung für die Opfer der UebrrfchwemmungSkatastrophr machte der Bizeminister für Inneres Korsak Mitteilungen über den Umfang der Katastrophe. AuS diesen Mitteilungen geht hervor, daß die Elementarkatastrophe in Kleinpolen bisher über hundert Todesopfer forderte, unter denen stch auch mehrere Soldaten befinden, dir für daS Rettungswerk eingesetzt wurde«. und da die Landesstraßc auch in einer Länge von 402 Metern unfahrbar ist. Auf der Vicinalstraße P o d b i e l—Z u- b e r c c wurde eine Holzbrücke abgerissen. Zwischen T r st c n ä und T v r d o s i n wird nur der Autobusvcrkehr aufrecht erhalten. Die Schäden an der Ernte und an Straßenobjektcn sind bedeutend. In Sukany ist di« Waag aus den Ufern getreten und hat einen Teil der Gemeinde inun- diert. An den anderen Flüssen war die Erhöhung des Wasserstandes bedeutend geringer. Der Poprad an» den Ufern getreten Der andauernde Regen und das Anschwellen deS Poprad auf polnischer Seite verursachte auch auf der tschechoslowakischen Seite Uebcrschwem- mungen. Dienstag nachts ist der Poprad auf unserem Grenzgebiet aus den Ufern getreten und hat das ganze Gebiet überschwemmt. In Plavck ist die Hälfte der Gemeinde, die 1070 Einwohner zählt, unter Wasser. Im Bezirke Starä Lubovüa wurden die Felder vom Wasser überschwemmt. Einige Straßenbrücken wurden beschädigt, eine wcggcrissen. Das Wasser hat auch Heu, Stroh und Bich mitgcrissen. Die verursachten Schäden sind groß. Auf den Lokalbahnen der Kaschauer Direktion wurde der Eisenbahnverkehr für einige Zeit unterbrochen. Er konnte aber später wieder ausgenommen werden. DreifacherMord und Selbstmord Bayreuth, 18. Juli. In Fenkensee bei Seybothenreuth ereignete sich am Dienstag mittags eine entsetzliche Bluttat. Der 22jährige Fritz Gottfried überfiel den 54 Jahre alten Gastwirt Thomas Beringer, dessen 20jährige Tochter Lina und den früheren Gcmcindediener von Seybothenreuth Andreas Haber. Er stach alle drei mit einem Schlächtermesser nieder. Die Tochter des Gast- loirtcs erhielt einen Mückenstich und lvar sofort tot, während sich Beringer selbst noch in den Hausflur schleppte, wo er bewußtlos zusanimenbroch und verschied. Haber gelang es, sich bis in die Wohnung des Bürgermeisters Werner zu schleppen. Dort brach er bewußtlos zusammn; er konnte nur noch einige unverständliche Worte stammeln und verschied dann ebenfalls. Die furchtbare Tat ist ein Racheakt. In Fenkensee lvar am vergangenen Sonntag Kirchweih. Gottfried befand sich auf dem Tanzboden. Er lvar ziemlich angeheitert und belästigte die Kirchlveihgäste so sehr, daß der Gastlvirt ihn schließlich getvaltsam entfernen mußte. Nach seiner Rachetat stürzte sich Gottfried in einen am Rande der Ortschaft gelegenen Weiher. Er wurde aus dem Wasser gezogen, erhängte sich aber in der Scheuer seines Dienstherrn. Selbstmord der Richte Chautemps Paris» 18. Juli. In der Nacht auf heute erschoß sich die Nichte des ehemaligen Ministerpräsidenten Chautemps, Jacqueline Chautemps, im Flur deS Hauses ihrer Mutter. Ihr Bater Maurice, der Unterpräfekt war, fiel, ebenso wie ihr Bruder Felix im Weltkriege. Nach einen: Bericht der„Libertä" litt Jacqueline Chautemps an schlvercr Neurasthenie und befand sich zur Heilung in einem Sanatorium. Der Hitler vo« Cansas City. Little Johnny Lazia lebte zwar in Cansas City, aber das scheint nur ein. geographischer Zufall—, er könnte ebenso gut an der Spree zu Hause gewesen seinl Man muß bei ihm in der Vergangenheit spre- chon, denn er wurde dieser Tage mit allem Prunk beigcsetzt, es war ein höchst respektables Begräbnis und es hat, wie die amerikanischen Zeitungen nicht ohne Hochachtung melden, bare 60.000 Dollar gekostet! Lazia war der Al Capone von Cansas City, aber er hatte auch einen seriösen bürgerlichen Berus, er war nämlich Leiter des Ziehung der Klaffenlotterie (Ohne Gewähr.) Prag, 18. Juli. Bei der heutigen Zieliimg b fv Klassenlotterie wurden nachstehende Gclvinne gezogen: 20.000 NS 10265, 84113, 6055. 10.000 Ke 8255, 88502, 104008. 5000 K£ 104620, 52858, 26170, 7000 06815, 46661, 26286, 05781,16608, 01846, 7605-' 80723. 2000 Kä 81774, 45140, 105025, 16254, 71877, 16081, 68878, 86064, 8450, 01711, 856811 55181, 71267, 21886, 16250, 66800, 64640^ 88884, 20746, 11256, 01074, 102848, 02787* 00737. PolizciwesenS. In dieser Eigenschaft erwies er sich selbst die nützlichsten Dienste, so am lebten Wahltag, als er von den„Demokraten" schwer bestochen, dieser Partei zum Siege verhalf. Er beurlaubte für den Wahltag die Polizei und ließ schwer bewaffnete Gangster durch die Straßen ziehen, die zahlreiche politische Gegner der„De. mokratcn" aus dem Wege räumten. Mit so dis. kreier Nachhilfe errangen die„Demokraten" das Vertrauen der Bevölkerung im Fluge: die Lei. chcn stimmten natürlich nicht mit ab und Johnny Lazia erledigte seine„polizeilichen" Funktionen zur vollsten Zufriedenheit seiner Auftraggc- ber. Druck erzeugt jedoch bekanntlich Gegendruck, und so geriet der Gangstenneister am letzte» Donnerstag ganz unprogrammäßig in die Feuer, garben von vier Maschinengewehren. Nicht weniger als 97 Kugeln konnten in seinem Körper fcstgestellt werden.-Also endete Johnny Lazia, der, dessen sind wir nach den letzten Ereignisse» in Hitler-Deutschland sicher, das Vorbild des „Führers" der deutschen Barbarei gewesen ist. Und doch, wir inüssen L. I. Lazia gegen die atz- standslose Zusammenstellung init dem Al Capone von Deutschland, mit Adolf Hitler, i» Schutz nehmen. Lazia mordete nur die Konkurrenz, er handelte als Auftragcnipfänger, er meuchelte ini Interesse seiner Bande, der die Kor- ruptionsgclder der„Demokraten" von Cansas City ja schließlich auch zugute kamen. Hitler aber inordctc seine Freunde, seine Kameraden, seine engsten Spießgesellen. Hinkt also dieser Ber- gleich, so hinkt ein anderer eventuell weniger. Druck, so sagten wir schon, erzeugt Gegendruck. Wie starb Little Johnny Lazia? Er geriet in die Fcuergarben von vier Maschinengewehren! Worein werden Adolf Hitler und seine Kumpane geraten?! Hlinka-Biographie beschlagnahmt. Zum siebzigsten Geburtstage Andrej HlinkaS, des Führers der klerikalen Sloivalen, ist eine von K. Sidor verfaßte Lebensbeschreibung HlinkaS erschiene», deren Text an einigen Stellen konfisziert wurde. Tschechischer Wissenschaftler bei den Pygmäen. Der Reisende und ethnographische Forscher Dr. P. Sebesta, der sich insbesondere um die Erforschung von Zwergstämmen im Fernen Osten verdient gemacht hat und über dessen Arbeiten bei den zentralafrikanischen Pygmäen die tschechische Akademie der Wissenschaft und Kunst in Prag kürzlich eine umfangreiche Veröffentlichung herauSgab. weilt gcgenlvärtig wieder in einem Pygmäcnlagcr zwischen dem Jrum und Beno in Belgisch-Kongo, nm hier seine Studien fortzusehen. DaöKlima und die Witterung sind günstig und auch in diesem Teil Aequatorial-AfrikaS herrscht große Trockenheit, denn eS fiel dort wenig Regen. DaS Thcrnioinetcr hat dabei 32 Grad nicht überschritten. Dr. Sc- bcsta hatte anfangs gewisse Schwierigkeiten, aber schließlich gelang cs ihm, in einem Lager von 150 Zlvergen festen Fuß zu fassen, wo er an ihnen und deren Kindern Studien vornimmt. AutobuS-ttnglUck in Budapest. Dienstag abends gegen halb 11 Uhr stieß der von Wien kommende Autobus, der mit 15 Passagieren beseht lvar, auf dem Franz Josefs-Platz mit einem Straßenbahnwagen zusamnien. Mehrere Passagiere wurden schlver verletzt, darunter der Kaus- mann Presser aus Bratislava. Der Tod auS dem Gletscher. Wie aus Gletsch(Oberwallis) gemeldet lvird, sind au» einem Gletscher an der Rhone-Quelle plötzlich große Waffermasscn hervorgebrochen. Ein Ehepaar und ihr ISjähriger Sohn wurden von den Fluten hinweggespült. Während die Frau gerettet lverden konnte, sind der Vater und der Sohn nur noch als Leichen geborgen worden. Schnee in Bosnien. Infolge der Regengüsse sind die serbischen Flüsse Sana, Una und Vrbas sehr gestiegen. Die umliegenden Gemeinden sind bedroht. Auf einigen Bergen in Bosnien liegt dagegen Schnee. Im Draubanat hat der Blih in den letzten Tagen in 20 Gebäuden gezündet. Es lverden auch Opfer von Menschenleben gemeldet. Drei Kinder durch ein Kriegsgeschoß getötet Linz, 18. Juli. Heute fanden Kinder im Dachbodenkram eines Gasthauses in Minning bei Braunau am Inn zlvei Artilleriegcschoffe auS dem Jahre 1016 und 1017, Sie nahmen die Geschosse mit sich und spielten damit an einem Wegrand unweit des Gasthauses. Ein Geschoß explodierte unter einer furchtbaren Detonation. Zwei Kinder fanden sofort den Tod. Sin drittes starb im Scan« 'kenhausc. Nr. 166 DonnrrStag, 19. Juli 1934 Seite 5 Mörder aus Passion Ei« Berbrecherkleeblatt»ar de« Innsbrucker Geschworene« Aufruhr im Kerker von Venedig Mailand, 18. Juli. In Venedig tn der Strafanstalt auf der Insel La Giudecea, jenem durch den Kanal Giudecea von Venedig abgctrcnn» len früheren Judenviertel und jetzigem Industrieviertel, tvo 370 männliche Strafgefangene untergebracht sind, wurde Dienstag abends von zwei Gefangenen unbemerkt ein Feuer angelegt, das sich schnell ausbreitete. In dem dabei entstehenden allgemeinen Tumult versuchte ein großer Teil der Gefangenen aus dem brennenden Gebäude auS- zubrechen. Gcfangenentvärter und Marinesoldaten konnten aber ein Entweichen der Gefangenen verhindern. Die italienische Presse schweigt sich bis zur Stunde über den Vorfall völlig aus. Zwei Bären ertränken den Wärter New Aork, 18. Juli. Im Zoologischen Gar- >en von Denver(Colorado) töteten zwei Grizzlybären, die anscheinend durch die Hitze bösartig geworden waren, ihren vertrauten Wärter. Hunderte von Besuchen! waren Augenzeugen des grauenvollen Vorganges. Andere Wärter versuchten vergeblich, mit Schrotschüssen die Tiere von ihrem' Opfer zu vertreiben. Der 70jährige Wärter hatte, während er den Käfig auswusch, den Wasserstrahl Ivie immer auch auf die beiden Baren gerichtet; dadurch gereizt, stürzte sich zuerst das Weibchen aus den Unglücklichen und verletzte ihn durch einen Prankenschlag ins Gesicht, worauf das Männchen ihn ganz niederschlug. Vergeblich suchte der Wärter, die Bestien von sich abzuhalten, indem er den Wasserstrahl auf ihre Augen richtete. Die nun völlig rasend gwordenen Tiere rollten ihn unter furchtbarem Gebrüll hin und her, bis er in den Wassergraben fiel. Das Weibchen schwamm mit ihm den Graben entlang und ertränkte ihn, indem sie seinen Kopf unter Wasser drückte. Dann verschwanden die Bären in ihre Höhle, aus der man sie erst durch Leckerbissen hervorlocken mußte. Die beiden Tiere wurden getötet. Sprung aus 8100 Meter Höhe MoSka«, 18. Juli.(Taß.) Der Flieger Fedokimow hat einen neuen Weltrekord im Fallschirmabsprung aufgestellt. Jedokimow öffnet den Fallschirm nicht sofort beim Abspringen auS dem Flugzeug, sondern erst später während des Falles zur Erde. Bei seinem neuesten Rekorde sprang er aus einer Höhe von 8100 Metern ckb, legt«, ohne ten Fallschirm zu öffnen, 7900 Meter in der Zeit von 142 Sekunden zurück und spannte, als er 200 Meter über der Erde war, detr Fallschirm auf. Jcdokinow ist 26 Jahre alt und führte bereits etwa hundert Fallschirmabsprünge durch, davon die Hälfte mit späterem Oeffnen des Fallschirms. Maflen-Bergistung durch Speise-Ei» Sofia, 18. Juli. In der Hafenstadt Burgas am Schwarzen Meer nahm eine Abendveranstaltung im Offizierskasino ein schlimmes Ende. Als die Feier im vollen Gange war, brachen der Reihe nach zahlreiche Gäste unter furchtbaren Schmerzen zusammen, während andere, von schweren Uebel- teiten befallen wurden. Als sich herausstellte, daß die Unfälle auf den Genuß von vergiftetem Speiseeis, das den Gästen gereicht worden war, zurückzuführen seien, brach eine allgemeine Panik aus. 2a sich bei nicht weniger als 76 Personen zum Teil schwere BergiftungSerschcinungen zeigten, wurden sofort alle erreichbaren Aerzte herbeigerufen. Dadurch konnte schweres Unglück verhütet werden. Der Zustand von sechs Personen ist indessen noch immer besorgniserregend. Unter dln Schwerkranken befinden sich auch der Garni- sonSkommandant und seine beiden Kinder. Die Untersuchung ergab, daß eö sich um eine Kupfcr- vergistung handelt. Das Eis war in einem Kupfcrgcfäß aufbewährt und durch Grünspan giftig geworden. Der Kasinowirt wurde verhaftet. > Allein auf den Mount-Everest. Wie die „Times" aus Darjeeling melden, wird der bekannte englische Fliegerhaupimann Maurice Wilson seit einigen Tagen im Mount Everest-Gebiet vermißt. Die allerdings noch unbestätigte Meldung besagt, daß Wilson zunächst die Absicht gehabt habe, den Mount Everest zu überfliegen. Das sei ihm von den britischen Behörden verboten worden. Daraufhin habe er sein Flugzeug verkauft, um nach Beschaffung der nötigen Aus« rüstungsgegenstäiide eine Allcinbesteigung des Berges zu versuchen. Wilson soll tatsächlich in Begleitung einiger Träger Darjeeling verlassen und die Aufstiegslinie der vorjährigen Ruttledge- Cxpcdition eingeschlagen haben. Die Träger Hecke er sämtliche zurückgelaffen. Seit dieser Zeit fehle jede Nachricht von ihm. Die vielen erfolglosen Mount Everest-Expeditionen der letzten Jahre haben gezeigt, mit welch ungeheueren Schwierigleiten selbst große, gut ausgerüstete Expeditionen beim Angriff auf den höchsten Berg der Welt zu kämpfen haben. Sollte sich die Nachricht von der Absicht Wilsons tatsächlich bestätigen, so dürfte über das Schicksal Maurice Wilsons keinerlei Zweifel mehr möglich sein. Vielleicht ist die Meldung aus Darjeeling aber auch nur eine der üblichen Sensationsmachen. Am Dienstag begann vor den Innsbrucker Geschworenen der Prozeß gegen drei junge Burschen, die 36 Kapitalsverbrechen begangen haben, darunter Mord, Raubüberfälle, Brandstiftungen usw. Die Bevölkerung von ganz Tirol wurde durch fünf Jahre lang durch dieses Trifolium in Schrecken gehalten. Die Anklage umfaßt einen Folioband von nicht weniger als 311 Seiten. Die drei Angeklagten sind der 26 Jahre alte Franz B a ch l e r, der Tischlcrgehilse Anton Elements und der 25 Jahre alte Alois Lechner. Die drei Angeklagten haben in Hopfgarten bei Innsbruck und in dessen Umgebung dreiMorde, drei Raubmordversuche und 32 Brände verübt. Sie sind lveitecs der falschen Zeugenaussage, der Verleumdung, der Verleitung zur Abtreibung der Leibesfrucht und 18 Wilddiebstählen angeklagt. Der Häuptling der Bande war nach der Darstellung der AnNage AloiS Lechner. Bachler soll ganz unter seinem Einfluß gestanden sein und Tlementi wird als schwachsinnig bezeichnet. AuS de» Darstellungen der Staatsanwaltschaft und der Psychiater geht hervor, daß die drei Angeklagten eigentlich ohne Not Raubmorde und andere Verbrechen begangen haben und eigentlich Verbrecher auS Passion gewesen sind. Die Bande hat u. a. einen Raubmord an dem Prag, 18. Juli. Bor dem Strafsenat Knaule wurde heute ingeheimerVerhandlung eine Anklage wegen Militärverrates gegen vier Angeklagte verhandelt. Angeklagt waren der 84jährige Hörer der tschechischen Technik Stephan Swjanov Bujukljev, bulgarischer Staatsangehöriger und politischer Flüchtling, der 89- jährige Maschineningenieur Stephan Todorov, gleichfalls Bulgare, ferner die Lebensgefährtin Bujukljevs, die aus Bessarabien stammende rumänische Staatsbürgerin Dr. med. Brana Landmann, und endlich der 80jährige Arbeiter Wenzel Mrä- c et aus Prag. Den ersten drei Angeklagten wird Verrat militärischer G eh e imni s f e an dieSowjetunionzur Last gelegt, Mräkel ist angeklagt wegen Unterlassung der pflichtgemäßen Anzeige hoch- verrätreischer Umtriebe. Da die Verhandlung geheim war, kann nur das berichtet werden, was von dieser Sache auf anderem Wege bekanntgeworden ist. Die vorliegende Sache steht in engem Zusammenhänge mit einem ganze» Knäuel von Spio- nageaffären zugunsten Sowjetrußlands, in dem u. a. auch ein gewisser Wenzel H r a d e c k ü eine wichtige Rolle spielt, der im November v. I. im Zuge der bekannten Skoda-Spionägeafsäre zu vier Jahren schweren Kerkers verurteilt worden ist. Im Verlauf der Erhebungen kam die Polizei auf die Spur einer kommunistisch«! Spionageagentur in Prag, die zum großen Teil von bulgarischen Studenten bedient wurde, unter denen«in Emissär mit dem Decknamen„Jan" die Hauptrolle spielte. Eine anonyme ausführliche Denunziation an das Pilsner Kreisgericht führte zur Verhaftung des Erstange- Ilagten Bujukljevs. Gleichzeitig wurde ein anderer Agent namen» Fran» Kadlec verhaftet, der einen Eisenbahner zum Dokumentenschmuggel über die Grenze zu gewinnen versuchte, von ihm aber angezeigt wurde- «adlee verübte am 2. März d. I. nach seiner Verhaftung Selbstmord durch Sprung auS dem zweite» Stockwerk dr» Stiegrnhanse» der Po- lizeidirektion,‘ vorher hatte er aber eingestanden, die Vermittlung von Spionagekorrespondenzrn organisiert zu haben,' und zwar im Dienste der sowjetrussischen Spionage- 2,040.000 Exemplare täglich verkauft der Londoner„Daily Herald", das Blatt der Arbeiterpartei, noch um 10.000 Stück mehr als im Dezember v. I. Auch diese Steigerung ist ein Zeichen des Aufstieg» der Partei, von der jede Nachwahl zum Unterhaus ebenso wie der Sieg in Ser Großlondoner Grafschaftswahl Beweise gibt. Zwar konnten in den jüngsten zlvei Nachwahlen die Konservativen die Mandate behaupte, aber mit starkem Stimmenverlust, der voll- konunen der Arbeiterpartei zufiel. Die linksradikale I. L. P.(Uuabh.) und die Kommunisten, verlieren ständig Stimmen und schnitten bei den verschiedenen' Wahlen so schlecht ab, daß sie die vorgeschriebene Bürgschaftssteuer eingebüßt haben.— Für die Neubesetzung des Parteisetreta- riats, das durch den Rücktritt Arthur Hendersons von diesem Amt erledigt ist, hat die Parteileitung beschlossen, daß in Zukunft der Parteisekretär, wenn er' in die Negierung cintrcten sollte, da» Parteiamt niederzulegen hat. Dagegen kann er Abgeordneter bleiben. Blitz schläH in den Vergnügungspark. Der englische Badeort Blackpool an der mitteleugli- schen Küste wurde am Dienstag Abend von einein verheerenden Sturmwetter hcimgesucht. In den Vergnügungspark schlug ein Blitz ein. Große Teile des Vergnügungsparks wurden durch die Flammen zerstört. Nur dem einsctzendeu wolkenbruchartigen Regen war es zu verdanken, daß nicht der ganze Vergnügungspark ein Raub der Flammen wurde. Wegen der lleberschwcmmungen mußte der Verkehr eingestellt Iverden. Die tiefer liegenden Teile der Stadt stehen unter Wasser. Hdteldiener Johann Kruckenbauer begangen, der von Lechner zuerst erwürgt und dann erstochen wurde. Ein weiterer Mord wurde an der Arbeiterin Barbara Stöckl verübt, die von Bachler in einem Stadel erwürgt und dann, um einen Selbstmord vorzntnuschen, aufgeknüpft wurde, worauf der Stadel von Bachler angezündet wurde, so daß nur noch der verkohlte Leichnam aufgefunden wurde. Bachler hat schließlich auch noch einen Raubmord an dem Landwirt Joses Achrainer begangen. Die Bande wollte außerdem noch einen Gendarmen und seine Kinder ermorden. Auch ein Eisenbahnattentat wurde von de» Verbrechern geplant. Eine Serie von B r ä n d e n, die hauptsächlich deshalb gelegt wurden, weil die Verbrecher große Freude an den Flammen hatten, befriedigte sie aber nicht. Sie beschlossen deshalb, ihre Jeuerorgien durch einen besonderen Brand zu krönen und zündeten die Kirche von Hopfgarten an. Lechner selbst war es, der den Feueralarni geblasen hatte. Bei den Löscharbeiten wurden mehrere Feuerwehrleute schwer verletzt und ein Arbeiter durch herabfallende Trümmer getroffen und getötet. Die Bande hat außerdem noch acht Bauernsiedlungen, ein Ziegeltverk, ein Sägewerk und ein Kino nick andere Baulichkeiten angezündet. Lechner hatte sich einen Photoapparat ange- schafst, um die Brande photographieren zu können. Die Verlesung dec Anklageschrift soll zwei Täge in Anspruch nehmen. organisation. Gegenstand der Spionagetätigkeit Wader allerlei Skizzen, Aufstellungen und mathe- matische Unterlagen für verschiedene kriegütechnische Produktion. Bujukljev bestritt, Kommunist zu sein und erklärte sich als Anhänger S t a m b o l i j s k y s, nach deffem Sturz er vor den Verfolgungen des Cankovsschcn Regimes habe flüchten müssen. Er leugnete auch jede Spionagetätigkeit, wird aber nichtsdefwweniger nach dem bei ihm Vorgefundenen Material als Führer der Prager Spionagrftrllr betrachtet, dem der zweite Angeklagte Todorov als„Adjutant" beigrgrbrn war. Jng T o d o r o v hat im Gegensatz zu Bujukljev kein Hehl daraus gemacht, daß er Kommunist sei und sich als künftiger Bürger der Sowjetunion betrachte. Er hat auch zugegeben, sich altiv im Spionagedienst betätigt zu haben. Jng. T o d o r o v hat in W i e n den Titel eines Ingenieurs des Maschinenbaues erworben. Da er keine' Stellung finden konüte, ging er vorläufig nach Prag, in der Absicht, später nach Rußland zu gehen. In Prag ließ er sich pro forma als außerordentlicher Hörer der elektrotechnischen Abteilung der deutschen Technik inskribieren. Er fungierte vor allem als E x v e r t e für die Brauchbarkeit verschiedener, auf allen möglichen Wegen beschaffter kriegstech- nischerPläne und Skizzen, ehe diese weitergel eitet wurden. Der Dr. Brona L a n d m a n n wird zur Last gelegt, als Freundin Bujukljevs verschiedenes Schriftenmaterial über die Grenze geschafft zu haben. Als belastend wurden bei ihr einige Aus- landreisen angesehen, die sie aber als harmlose Besuche in ihrer bessarabischen Heimat erklärt. Der letzte Angeklagte M r ä t c t soll lediglich mit den anderen in Verkehr gestanden sein und die ihm be- kanntgcwordeen Spionagesachen nicht angezeigt haben. Rach langer geheimer Verhandlung, über deren Verlauf natürlich nichts mitgeteilt werden kann, wurden Bujukljev und T o d o r o v zu je drei Jahren schweren Kerkers verurteilt. Die beiden anderen Angeklagten wurden f r e i- gesprochen. Ein alter Mörder. Unter den am 30. Juni von Hitler gemordeten Nationalsozialisten wird auch der Major Pabst verzeichnet. Pabst ist ein alter Feind der sozialistischen Arbeiterschaft, lin- mittelbar nach der Revolution im Jahre 1018 ist er unter den Offizieren des alten kaiserlichen Heeres zu finden, die zum Scheine sich auf den Boden der ncugcschaffencn Tatsachen stellten. Pabst war der Leiter jenes Stabes der Garde« Kavallerie-Schützcn-Division, auf dessen Befehl am 16. Jänner 1919 Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet wurden. Der damalige Hauptmann Pabst war persönlich im Eden-Hotel, dem Sitz des Stabes, in dem die beiden Verhafteten eingeliefert wurden, anwesend. Von den unmittelbar unter seinem Befehl stehenden Offizieren und Soldaten ist die Mordtat ausgeführt worden. Pabst gehört also neben den vollziehenden Wcrtzeugcn zu den eigentlichen Mördern der beiden geliebten Führer der deutschen Arbeiterklasse. Pabst ist wegen der Mordtat auch cin- nial verfolgt worden, aber die deutsche Justiz, deren Schande ja schon seit fünfzehn Jahren zum Himmel schreit, hat ihn niemals ertvischt. Pabst hat später wohl auch seiner persönlichen Sicherheit wegen sein Tätigkeitsfeld einige Zeit ins Ausland verlegt. Er wurde wiederholt als der Organisator der nationalsozialistischen Bewegung in Oesterreich genannt. Vor einigen Jahren kehrte der Verbrecher nach Deutschland zurück und wurde von dem„Führer" höchstpersönlich in eine hohe Stellung eingesetzt. Weil er jetzt zu denen gehörte, vor denen Hitler und Gocring aus Konkurreiizgri'iudcn Augst hatten, wurde er erschossen. Er hat das Ende verdieilt, schade nur, Aeayptlscher Arbeiterführer verhaftet Exprinz AbvaS Halim im Hungerstreik. Die näheren Ereignisse seitdem haben vergessen lassen, daß der König Fuad von Aegypten ein Gewaltreginie führt, das dem europäischen FasciSmuS nichts nachgibt. ES ist gewiß nicht das ärgste, daß er den Prinzen Abbas Halim auS dem königlichen Hause auSgcstoßcn hat, zumal Halim in der neugcgründeten Arbeiterpartei lieber zuhause ist. Bor einiger Zeit sprengte die Polizei in Alexandria in Halimü HauS eine Arbcitcrver- sammlung auseinander, ließ ihn aber seither in Ruhe, bis er ohne bestimmte Anllage verhaftet wurde. Da man ihm nach den ersten vierzehn Tagen ankündigte, daß er weiicrsitzcn müsse, da er weder Besuche noch Zeitungen empfangen dars und alle Bemühungen der Anwälte, Anklage- erhebung oder Freilassung zu erreichen, vergeblich gewesen sind, ist er nun in den Hungerstreik getreten. Die Regierung hofft, aus ihm irgendwelche „Geständnisse" heranSzuziehcn. 6000 Arbeiter einer Zuckerfabrik, die zum Gefängnis ziehen wollten, werden von der Polizei nicht ans der Fabrik hcrauSgclaffen— durch Hunger sollen sie zur Ergebung gezwungen werden I daß eS nicht von der revolutionären Arbeiterschaft herbeigeführt worden ist. Richard Strauß— Rassrverräter? Das Blatt des EhrcngruppcnführerS Julius Streicher schreibt:„T)em„Stürmer" wird voin Herausgeber der„Neuen Literatur" mitgeteilt, daß Richard Strauß eine neue Oper herausbringt mit einem Text, den dec Jude Stefan Zweig dazu geschrieben habe. Der sächsische Generalintendant Adolph hätte dieses Werl bereits zur Uraufführung erworben... Bei Herrn Adolph können wir inanches verstehen. Daß aber Herr Richard Strauß zu seiner neuen Oper ausgerechnet einen Text sich gewählt haben könnte, dessen Erzeuger der jüdischen Raffe migchört, das können und wollen wir nicht recht glauben. Würde cs Tatsache sein, daß sich Herr Richard Strauß für seine noch kommenden Werke jüdischer Mitarbeiter bedienen will, dann müßten wir daraus Schlüffe ziehen, die auch uns keine Freude zu machen vermöchten". Paziftste» an— Hitler. Parlamentarier, Geistliche, Wissenschaftler aller Länder Haven in Kollektivschreiben an Hitler die Befreiung der Pazifisten auS den Kerkern und Konzentrations- höllen des Dritten Reiches verlangt, besonders mich Ossietzkys, Fritz KosterS und— Erich Mühsam S, den die Hitlerianer inzwischen vom Leben überhaupt befreit haben. In der Schrift der englischen Pazifisten ist der Fall deS Holländers S. M. S p a n s i e r angeführt, der vor einem Jahr in Nymwegen Nummern der seither leider eingegangenen Amsterdamer„Freien Presse" verteilt hat und dafür bei einem Besuch in Deutschland als— Landesverräter verhaftet und seither nicht freigelaffen worden ist. Wirtschaftskrise und Krankenkassen. Die Be- zirkskrankcnversichcrunganstalt Freiwaldau schickt uns ihren Jahresbericht für 1933, aus welchem man ein deutliches Bild der Wirkungen der Wirtschaftskrise auf die Kaffe erhält. Die Anzahl der Versicherten ist gegen 1929, da sie den Höchststand erreicht hatte, um 20 Prozent gesunken, dagegen wurden 1930 um 62 Prozent niehr Beiträge vorgeschricbeu als 11133. Da der Beitragssatz von 5.5 Prozent seit 1029 derselbe blieb, ist eS kein Wunder, daß der Gebarungsabgang rund 250.000 Kö betrügt und das ungedeckte Defizit bereits den Betrag vou mehr als 600.000 KL erreicht hat. Das Geldwesen in der Tschcchoslawnkci im Jahr« 1932. In einer der letzten Nummern seiner „Mitteilungen"(Jahrg. 15— 1931, Nr. 100) bringt das Statistische Stuatsamt eine gedrängte llcbcrsicht über die Geldaustallen aller Art für das Jahr 1932 und gleichzeitig einen Bcrgscich dieses Jahres mit den: Vorjahre und dem Irl)re 1»20. ES sind hier in knappen, aber sehr ausschtußreichen Gesamtdaten»usanimeugefaßt die Aktienbanken und Aktiengeldanstalten, die Banke» ohne Aktienkapital, die Bankgeschäfte betreibenden Gesellschaften m. b. H., die Sparkassen, die Borschußkasse» nach Schulze- Delitzsch, die Raisfciscnkassen, die Kreditgenossenschaften in der Slowakei und in Karpathorußland, die aus den ehcmatigen KoutribiitionssondS gebildeten Anstalten nnd endlich die Waiscnkaffcn. Mit einem Gewinn schlossen im Jahre 1932 im ganzen 6.302 Anstalten ab(i. I. 1931 6.167,‘i. I. 1920 4.692 Anstalten), einen Verlust wiesen im Jahre 1982 812 Anstalten aus(i. I. 1981 284, i. I. 1920 1.064 Anstalten). Die erwähnte Verössent- lichung bringt außer der Zahl der Anstalten und den Ergebnissen ihrer Finanzwirtschaft in besonderen Tabellen auch eine llcbcrsicht über die Passiven, Aktiven, die Erträge, Kosten sowie über die Rein- gcwinnvcrteiluug und gibt Aufschluß über die Steuerbelastnng, den Rciugeloinn und die Kapitalskraft.— Preis des Heftes KC 1.—. Erhältlich bei jedem Buchhändler. Ein Spionageprozetz A«ei bulgarische Studenten zu je drei Jahre» verurteilt Erike 6 „Sozialdemokrat" DonnerSinq, 10. Aust 1034. Rr. 106 PBAGEW ZE1TBMG OGR. Dr. Emanuel Sitta gestorben Der populärste Richter Prags Jäh und unerwartet ist vorgestern abends OGR. Dr. Emanuel Sitta einem schtveren Leberleiden erlegen, von dem er vergeblich eben erst in einer mchrtvöchcntlichen.karlsbader Kur Heilung gesucht hatte. Vor einigen Tagen erst hatte er wieder seinen Dienst angctrctcn. Er ist, tvie inan zn sage» pflegt, in den Sielen gestorben. Seine letzte Verhandlung konnte er nicht mehr zu Ende führen, tveil ihn ein schwerer Unfall packte, dem er später erlag. Mit OGR. Sitta ist der populärste Richter Prags dahingegangcn. Das Prager Straflrcis- gcricht hat im Verlaufe von kaum drciviertcl Jahren fünf Richter der alten Generation verloren, vier durch Tod, einen durch Abgang in den Ruhestand. Der Tod Dr. Sittaö bedeutet einen der schmerzlichsten Verluste in dieser Abgangsliste. Dr. Sitta war ein Richter, der wie lein zwei- ier die Seele des kleinen Mannes kannte und sich in ihr cinzulcvcn wußte, ein Richter, der wie kein zioeitcr die Straftaten der Angeklagten unter dem Gesichtspunkt des sozialen Milieus einzuschätzen verstand, ein Richter, vor dessen grober menschlicher Güte und sozialem Verständnis der Troll der vcrbittcrtstcn Angeklagten ebenso hinschmolz, ivic die verängstigte Schüchternheit. Unter diesem Richtcrtalar scvlug ein warmes und edles Herz. ES tverdcn viele sein, die in tiefer Trauer dieses Richters gedenken werden. Dr. Sitta ist nur 58 Jahre alt geworden. Seine frühere Wirksamkeit beim Prager Bezirksgericht hat ihn in iveitcn Kreisen geradezu zur legendären Figur gemacht. Keiner verstand es so wie er, EhrcnbeleidigungSprozcsse aus der Welt zu schassen. Auch der hartnäckigste Prozcßhansel konnte seiner volkstümlichen, humorvollen und witzigen Beredsamkeit nicht widerstehen. Wenn Dr. Sitta am Richtertisch sag, pflegten sich auch die erbittertsten Gegner die Hand zu reichen und die Prozesse endeten mit Versöhnung. Und tnit welchem menschlichen Verständnis wußte Dr. Sitta die kleinen Notdclikte zu behandeln, alle diese ersten Fehltritte, diese Diebstähle aus Hunger, diese auf die schiefe Ebene gedrängten kleinen Ilcbcltätcrl Man könnte ganze Bände mit kleinen rührigen Episoden füllen. Wir möchten viele seinesgleichen sehen. Dg. Polizisten als Filmstatisten Do« Prager Nrbersallskommando wird gefilmt Vor dem Pankratzer Justizpäläst gab es heute einen beträchtlichen Mcnschenauslauf. Das Ueber- sallskominando der Prager Polizcidirektion vcran- naltcic eine Bcscvungsübnng dieses behördlichen Gebäudes, oder besser gesagt, es mimte eine solche. Tenn die Hebung war"eigens zu dem Zweck veran- slaktct, um von der Filmfirma„F o x" für deren „W o ch e n j o u r n a l" gefilmt zu werden. Die Polizeimannschaft arbeitete flink und erakt, aber der Kameramann, der vom Dach eines Antos herab seine Aufnahme machte, Ivar zunächst nicht znsricdcngestelli. Es gab kleine Betriebsunfälle. Das tteberfaltsauto fuhr beim erstenmal zu tvcit vor. nm von der Kamera erfaßt zn tverden und auch sonst gab cs kleinere Regiefehler, die in dec polizeilichen Praxis sicher nicht die mindeste Rolle spielen, sich aber im Film nicht gut ausmachen. Rian mußte cinigcmale wiederholen, ehe die polizeilichen Filmstatisten ihre Rolle zur Zufriedenheit der„For"-Filmle»te gespielt hatten. Was in der brennenden Mittagsglut ganz sicher kein Vergnügen ist. Auf unsere Frage, ob für diese außertourliche Leistung eine Extracntlohnung entfalle, vernein« cen die schweißtriefenden Polizisten. Das gehöre znm Dienst und dafür Iverde nichts bezahlt. Und da» muß einigermaßen befremden. Schließlich wäre es nnr recht und billig, wenn ein Filmproduzent, der schwere Kapitalien aus seinen Erzeugnissen schSs« seit, auch den aufgebotcnen Mitwirkenden einen An» reil zukonuncn ließe, ganz gleich, ob eS sich um Polizisten, Eisenbahner, Sportsleute, Arbeiter oder sonst wem handelt, Bg. AuSflugszüge. Die Staatsbahndircltion Prag wird in der nächsten Zeit folgende SonderauSflugS- züge mit Verpflegung veranstalten: Vom 28. Juli bis 6. August in die Schweiz 1498 sic, am 4. und 5. August nach Hokice im Bor-Riesengebirge 46 Kd, 4. bis 19. August einen Ferialaufeuthalt in den Bädern Därkov 689 Kd, Stup. Tcplicc 670 Kd. Lubochna 650 Kd, Bojnickd Kupcle 670 Kd. Vom 18. bis 27. August in die Hohe Tatra 500 Kd, vom 18. bis 27. August ins Salzkammergut 1195 Kd, vom 25. bis 28. August nach Hronov 165 Kd, vom 29. August bis 19. September nach Sliad 1120 Kd. Informationen und Anmeldungen beim AuSflugSzug- referat im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 888—85. Das Gehöft Von Ludwig Ragy. Zweihundert Morgen Land in einem Stück. Der Form nach ist cs ein Viereck, ein beinahe regelmäßiges Viereck. Die eine Grenzlinie ist die Landstraße, zwei tveitere Linien werden von Graben gebildet, denen entlang Akazienbäume stehen, die vierte Grenze ist ein einfacher Fahrlvcg. In der Mitte dcS Gehöftes erhebt sich das Gesindehaus, milde, ja sogar sanft ansgedrückt: das Wohnhaus. Ihm gegenüber, selbstverständlich viel höher, der Stall. Dann gibt cs hier noch eine Kammer, an den Stall geklebt, einen Schuppen, Schweinekoben, Kartoffelgruben mit Strohdach. Hinter dem Haus und dem Stall einige Maulbeerbäume, zwischen den beiden Gebäuden ein Schwengcl- brunncn. All dies ist aus der Ferne betrachtet, bei klarem Wetter, von einem Hügel des Nachbar- dorfeS: ein malerisches Bild. Die Mauern des Gesindehauses sind aus gepreßter Erde, sein Dach ist aus Schilf; die Mauern des Stalles sind aus Lehmziegeln; die beiden Gebäude sehen einander herausfordernd an, doch erstreckt sich zwischen ihnen versöhnend der Misthaufen, auf besten Gipfel untertags der Hahn seine Flügel spreizt, während am Saum die Hühner scharren. Im November bedeckt dichter, gelber Nebel die Gegend, die Sonne geht fpät auf. In der Mitte des Gesindehauses befindet sich die Küche, rechts und links von dieser wohnt je eine Knechtfamilie. Das Weib des älteren Knechtes steht auf, zündet die Petroleumlampe an, der Knecht schleppt sich ebenfalls, von seinem-Lager, ex kleidet sich an, eS ist kühl» er schlüpft in Stoffhosen und Stiesel, tritt aus dem Haus, starrt in den Nebel, der so dicht ist, daß man nicht einmal bis zum Stall sicht. Durch das Fenster der zweiten Knechtfamilie sickert bereits ebenfalls gelbes Licht, er muß nicht an der Tür rütteln, sie stehen pünktlich auf, zur gewohnten Zeit, als ob sie eine Weckeruhr hätten, obschon sie so etwas ihr Lebtag noch nicht gesehen haben. Der ältere Knecht ist fünfzig und etliche Jahre alt, sein Schnurrbart beginnt bereits zu ergrauen, er hat ein regelmäßiges, typisch madja- risches Gesicht, ist er doch seiner?lbstammung nach ein Slowake ans Oberungarn; seine Lider sind gerötet, seine Züge reglos, im besten Fall lacht er alle halbe Jahre einmal, aber auch dann nur tonlos, er lächelt nur gerade, möglicherweise unter dem Einfluß von etwas Alkohol. Der zweite Knecht schlüpft ebenfalls hervor, tvünscht einen guten Morgen; er hat einen schwar- zen Bart, winzige spöttische Augen. Beide starren in den Nebel, als tvürden sie zu ztvcit mehr erreichen; vom Strahl ihres Blicks tvird der Nebel bereits schütterer, am Saum des östlichen Him- Die Deutsche Arbeitsirmeinschaft für Volks- zesundheit veranstaltet im Deutschen Hygienischen Institut, Präg II., Pteslova 7, in der Zeit von Montag, den 27. August, bis Smnötag, den 1. September 1984, einen Fortbildungskurs mit besonderer Berücksichtigung der Fragen des gesundheitlichen Unterrichts. Der Kurs ist besonders für Turnlehrer bestimmt, welchen nach den neuen Lehrplänen für Mittelschulen der gesundheitliche Unterricht übertragen wurde. Er ist aber auch Lehrern und Lehrerinnen aller Schulen zugänglich und ist ihnen die Teilnahme daran zu empfehlen. Kursprogramm: Anatomie ein Halbtag, Physiologie drei Halbtage, Hygiene, mit besonderer Berücksichtigung der Sozialhygiene neun Halbtage. Der Kurs besteht nicht aus theoretischen Vorträgen, sondern wird in Form einer Arbeitsgemeinschaft durchgeführt. Insbesondere wurden DiSkuffionen über zeitgemäße Fragen in das Kursprogramm ausgenommen. Der Besuch deS Kurses ist kostenlos. Die Teilnehmer genießen eine 50prozentige Fahrpreisermäßigung. Für die billige Uirterkunft im Deutschen Stuventen- heim ist Sorge getragen.— Anmeldungen sind bis zum 20. August an die Geschäftsstelle der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit, Prag II., Preslova 7,(Deutsches Hygienisches Institut) zu richten. mels, jenseits des Stalles, kann man schon die glühende rote Kugel ahnen. Sie blicken nach Osten, der Schleier zerfällt, hinter ihm erhebt sich langsam der Block des Stalles, das faulende Schilfdach dunkelt schwarz herüber. Eine mürbe Gräne, die von der dahinter keuchenden dunkeln Masse durchstoßen wird, und jenseits dieser, in der Ferne, schimmert ein gleichsam von einer Zentrale ausströmendes rötliches Sickern,— all dies aber vermöchte, mit dem herrlichen Farbenspiel der nüanrenreichen Schattierungen in jedermann ein geradezu jauchzendes Gefühl zu erivecken, im Zusammenhang mit irgendwelchen Gedanken über „das Erwachen der Natur", den„Beginn der Arbeit", den„Himmelssegen". Wenn dann die Knechte die schwerfälligen Ochsen herausführen, sie am Brunnen tränken, vor den Pflug spannen— jeder vier großhörnige weiße Ochsen— so dampft bereits sanft die Erde, die letzten Uebcrrestc der schwebenden Nebelknäncl steigen auf, die ferne rote.Kugel glüht jetzt gelb, steigt empor, wird kleiner. Aber ihr Licht blendet schon, der graue Himmel ringsum wird stahlblau, und soweit das Äuge reicht, heben sich überall schwarz und grau die Felder ab, und aus der Ferne winken die ungarischen Akazien herüber» von jenseits der Geinarkung aber die Pappeln und das Kastell mit dem roten Dach. Die Knechte betrachten all dies nicht, eS sei denn, sie streifen es mit einem zufälligen Blick. Aber Ivozu denn auch: ist doch all dies für sie eine alte, uralte» bekannte Komödie der Farben und Linien, mög- licherwcise aber auch nicht bekannt, denn in Wirklichkeit haben sie dies alles vielleicht noch gar nicht bemerkt, höchstens in dem Maße, daß: jetzt ist es Herbst, zu-andern Zeiten bedeckt weißer Schnee die Felder, das ist der Winter, dann wiederum grünt alles, das ist der Frühling, und die gelbe Farbe bedeutet Sommer. Ein Gedicht haben sic, die Knechte, nie gelesen; ein Bild, eine Landschaft, haben sie noch nie gesehen, sic kennen nichts von dem, tvas durch ihre Augen ihr Gehirn überfallen könnte, sic sind wie die Farbenblinden, ihr Adlerblick nüht ihnen nichts, und Ivcnn neben ihnen ein Städter stehen bliebe, aus ihm ein Seufzer hcrvorbräche, und er über die Schönheit der Natur einen furchtbaren Schrei anssticße, sie wür- dcn denken: der Herr ist verrückt geworden. Sie knurren die Ochsen an, diese sehen sich langsam in Bcivegung, alsbald erreichen sie den Rand eines Feldes, der Pflug dringt in den grauen Humus, und die ausgcworfencn klebrigen Schollenreihcn, fallen auf die schwarze Fläche. Etwas weiter entfernt bedeckt die grüne Asche der Wcizenhälmchcn tüllartig das schon besäte Feld. Aber all das hat keine Bedeutung; cs ist nur bereits kalt, die Erde ist klebrig, die Stiefel versinken bis zu den Knöcheln in ihr, und man schleppt als neue Last die klebenden Schollen, abends aber, wenn man heimgeht,"stapft, man vor der Tür, tößt die Erde von den Stiefeln, reibt die Stiefel gegen den Maulbeerbaum, und die Weiber murren trotzdem, daß man den Dreck ins Haus bringt, obgleich drinnen schon so viel Schmutz ist, daß er alles aufftitzt. Ist das Pflügen beendet, so seht der Schneefall ein. Ist der weiße Pelz fortgetaut, so zerstreue« sich die täglichen Nebel, am östlichen Himmel taucht jeden Tag gelb und fröhlich die Sonne auf, hier und dort, überall schlagen neue grüne Flecken aus der Erde, die Wiese beginnt zu blühen, der Wind weht den Duft zum Gesindehaus herüber, und wenn morgens die Knechte aus der Höhle schlüpfen, macht der Grasgeruch sie niesen... Nach dem Frühlingspflügen kommt das Säen, das Mähen, das Harken, Arbeit, Fronarbeit von frühmorgens bis spät abends, gegen Juni wogt und reift bereits ringsum die Frucht der fleißigen Arbeit, soweit das Auge sieht. DiS Akazien blühen, die weiße Schleife der Landstraße, die Getreidefelder schwellen geradezu. Und jetzt wird auf das Gehöft ein Städter verschlagen. Er kommt mit dem Besitzer des Gehöftes, per Wagen aus dem Dorf, wo der Besitzer wohnt und überdies einen Laden und eine Mühle hat. Der Besitzer zeigt dem Städter alles, er erklärt ihm alles und sie sehen alles an; der Städter hat ein blaffes Gesicht, er ist glatt rasiert, seine Augen, glänzen, er lacht unaufhörlich, freut sich wie ein Kind. Nachdem er alles betrachtet, betastet, berochen hat, auch bereits auf das GesindchauS zugcgan- gen, jedoch vor der Tür plötzlich zurückgeprallt und dann lieber nicht hineingegangcn ist,— bleibt er stehen, sieht sich abermals um, läßt voll Behagen den Blick über die ganze Gegend schweifen, er atmet tief, redet dann darauf los und spricht allerhand tollcS Zeug zusammen, sagt: wie wundervoll ist diese ftische Luft, die.gibt eS in der Stadt nicht. Oder: wie berückend diese Landschaft ist, das Herz hüpft einem vor Freude. Und wie glücklich jene Menschen sein mögen, die" hier das ganze Jahr leben können. Der Besitzer zupft lächelnd an seinem koketten englischen Schnurrbärtchen. Hinter ihnen stehen die beiden Knechte. Wird an sie eine Frage gerichtet, sie antworten kurz, dumpf, als würden sic verhört. Sie achten" übrigens gar nicht auf das Gespräch der Herren, nur die drolligen Ausrufe schlagen gegen ihr Ohr, und sie sehen von der Seite scheel prüfend den Städter an, was für ein sonderbarer Kauz dies wohl ist? Als dann die beiden, der Besitzer und der Städter, yufbrechen,und der, Wagen. fortrollt, schleppt der ältere Knecht sich vors Hxsindehaus, bleibt stehen, blickt über die Landschaft dahin, schant und glotzt, und sieht nichts, empfindet nicht die geringste Freude, denn nirgends in dem bunten Meer gibt es eine Scholle, nirgends einen Weizenhalm, einen Baum, ein Stück Graben, nirgends ein Stück Land, das ihm gehörte, denn ihm gehört nur die den Rücken krümmende Fron, und höchstens, wenn er ins Gesindehaus geht, empfindet er als sein eigen: einige muffige, wackelige Möbelstücke, das zänkische Weib und das brüllende Kind. (Ucbertragullg aus dem Ungarischen von Stefan I. Klein.). Mi In Gold. Platin. Porzellan »nd Naulschuk. Arbeiten lür die Herren Aerzle schnell und blllta. Anton Kopeckt, Zadniechntker,«red» VIII., »rUttt 11. 2268 Wer inseriert verkauft! Der Sport der DNnden Von OSkar Baum. .(Schluß.) Reiten ist, abgesehen von der Kostspieligkeit, di« diesen Sport nnr lvenigen gestattet, eine Frage der Pfcrdedressur nnd ist ohne Begleitung natürlich nicht denkbar. Der letzte König von Hannover, Georg V.» dessen Blindheit man nicht merken durfte, hatte beim Ausreiten die Zügel seines Pferdes— wovon er nichts wußte oder lvas er stillschtveigend duldete— mit einer unauffälligen, aber sicheren Verbindung am Zügel seines Begleiters befestigt. In Amerika und England ist das Interesse für Sport auch in Blindenkreisen seit jeher ungleich lebhafter als bei uns. Schon 1910 gab es ein Sport- Meeting von Blindenschulen aus Batavia, Pitts» burg, Boston, Overbrook, wo unter den Bravour» leiftungen Dauerlauf, Weit- und Hochsprung am meisten hervorstachen. So wird man es verstehen, daß es in englischer Sprache eine eigene Sportzeitschrift in Blindendruck gibt(„Sport News"), die im National Institute erscheint. Viele Blinde werden Mitglieder von Touring Clubs, nehnien voll Anteil am Vergnügen des Landausfluges, an sportlichen Märschen wie an Dauerwanderungen. Viele Knaben und Mädchen werden von den ScoutS ausgenommen, kampieren wie die anderen im Freien nnd machen jede Art des Trainings mit. Mit besonderer Begeisterung haben die Kriegsblinden di« unerwarteten Möglichkeiten der Sport» betätigung ergriffen und ausgebaut und hiebei be- wundernstvüvdige Tatkraft und Geschicklichkeit bewiesen. Abgesehen von den schon genannten Sportübungen verdienen besondere Ertvähnung: Scheibenschießen mit klingenden»der uhrtickenden Zielen; Boxen mit besonderen Sicherheitsvorkehrunge»; Fi» schen, Golfspiel, amerikanisches Billard; auch mit Kricket wurden nicht ohne Erfolg Versuche gemacht. Zumal die Wiederaufnahme der geliebten Spiele hat zur Versöhnung der Blinden mit ihrem Schicksal viel beigetragen. Fußball, Schlagball, Faustball tm/r» den ermöglicht, indem man die Bälle mit Schellen versah. ES gehört allerdings eine erhöhte Gewandt« heit und Geschicklichkeit dazu, und wenn die Bälle auf der Erde auSgerollt stilliegen, versagt die Wirkung der Schelle. Im Wasserballspiel dagegen ist der Blinde fast ebenbürtig, da daS Wasser die Bälle ständig in Bewegung hält. Wassersport ist überhaupt bei den Blinden am beliebtesten. Im Basier gibt eS nicht die Hinderniffe wie bei jedem Schritt auf dem Festland. Ohne die Aufmerksamkeit zu zersplittern, kann der Schwimmer in voller Sorglosigkeit frei seine Kräfte gebrauchen. Ein großes Vergnügen ist das Rudern, zumal in mehrsitzige» Paddel- oder Faltbooten. Dem sehenden Steuermann ist die Richtung überlassen. Ärme, Schultermuskeln fühlen die tiefe Befriedigung unbehinderter vollgültiger Leijtnng, die das Fahrzeug dahintreibt. Hervorragende Pflege genießt der Rudersport im Worcester College, dessen Schüler auch an Ruderwettkämpfen(Regatten) teilnehmen und sich öfters hervorgetan haben. Das Tandemfahren, reizvoll wegen der Schnelligkeit des Dahinflitzens, steht in gesundheitlicher Hinsicht etwas zurück. Der einseitigen Ausbildung der Beinmuskeln steht die Ueberlastung der Hände unter dem Druck des Körpergewichts gegenüber, die nach längerem Fahren steif werden. Ein unangenehmes Prickeln zeigt schädigende Blutstockungen an. Neben diesen angepaßten und mit Hilfseinrichtungen ermöglichten Sportübungen wäre noch eine ganze Reihe von Spielen und sportlichen Betätigungen zu nennen, die mit viel Erfindungsgeist aus den besonderen Möglichkeiten und Notwendigkeiten deS Lichtlosen neu ersonnen wurden: Angefangen von den einfachsten Orientierungsübungen bis zur gesteigerten Bewegungsfreiheit außer Hause und schließlich zu rhythmisch-musikalischen Gesellschaftsspielen mit künstlerischem Einschlag(Rufball, Echoraten usw.). Auch die zahlreichen Hausspiele wären hier anzuführen: Schach, Domino, Dame, Whist, Bridge, Skat, bei denen die Karten mit Blindenbuchstaben bezeichnet sind, und die Spieler die ausgespielte Karte ansagen müssen; bei den Brettspielen hinwiederum sind die schwarzen Felder erhöht und die schwarzen Figuren mit einem Stecknadelköpfchen oder auf andere unauffällige Weise bezeichnet. Festungsspiel, Halma, Würfel, Lotto erhalten fühlbar gemachte Ziffer». Bei der Roulette tverdcn die Zahlen durch verschieden abgestinnnte Glocken gekennzeichnet. Allen, die ängstliche Bedenken wegen der möglichen Gefahren bei der Sportbetätigung Blinder haben, sei, abgesehen davon, daß in der bisherigen Praxis sich noch nicht ein einziger ernster Unfall ereignet hat, llargemacht, welch eine ungeheure Lebenssteigerung, welche Quelle körperlicher und seelischer Gesundung der Sport gerade für den Blinden darstellt, der naturgemäß weit mehr ans HauS gefesselt, in Stuben und staubige Werkstattluft gesperrt ist. Nicht umsonst ist ein solcher Sporthunger feit dem Kriege über unser ganzes Volt gekommen und von seinen besten Geistern genährt und gestärkt worden. Ob es nun gilt, Kriegsschäden zu überwinden oder Ersah für den Militärdienst zu schaffen,— da» Ziel ist: Tüchtige, schöne Menschen heranzuzüchten. Frische und Kraft des Körpers sollen vorbeugen und heilen. Braucht«S jahrzehntelanger Körperertüchtigung, um ein Boll Normaler gesunden zu lasten, wie gründlich und energisch muß bei vermin» derter Körperfreiheit vorgrgangen werden, um durch ein« richtig« Durchblutung der GliÄer, durch volle Durchatmung der Lungen bis in die äußersten Spitzen allen Krankheitskeimcn den Boden zu entziehen. Sport ist kein Gegner des Geistes. Er bietet erst den» geistigen Streben die rechte Kraftquelle, wie«S vorbildlich die Griechen erkannten. Er bietet Freiheit, Licht und Sonne auch dem Blinden. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—, vierteljährig Kd 48.—, halbjährig Kd 06.—, ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarts billigst berechnet. Bet öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Maniskripten«folgt nur bet Einsendung der Retourmarken.— Die ZeÜungSfrankatur wurde von der Poft» unb Telegraphen» direktion mit brlaß Rr. 18.800/vn/1980 bewilligt.— Druckerei:.ZOrbiS" Druck-, Verlags» und ZettungS»A.»G., Prag.