14. Jahrgang Freitag, 2V. IM 1934 IEHTRAIORGAN f PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI\ IN PER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DBS MONTAG TÄGLICH FRÜH» Redaktion und Verwaltung nag XII., fochova u. wukin stn. amammnanon imon sw*. HEX AUSGEBER: SIEGFRIED TAUG. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Das EMc des Streiks Son Francisco, 10. Juli.(Reuter.) Der linksradikale Flügel der Streikenden unter der Leitnng des Australiers Harry B r i d g e S hat heule, Donnerstag, zwei entscheidende Niederlagen im Streikansschnß erlitten, der nach langen stürmischen Beratungen in nochmaliger Abstimmung mit großer Mehrheit bestätigte» das? alle strilligen Fragen einem Schiedsgericht unterbreitet werden sollen. Sehr viele Arbeiter find bereits zur Arbeit zurückgekehrt, obwohl der Generalstreik noch nicht-widerrufe» worden ist. Der Borsihrndr des Streikauöschnffrs, Bande» leur, rrklürte, daß überall vollkommene Ruhe herrsche und auch anhalten werde». Das bei den in den letzten Tagen verhafteten wunmmistischen Streikführern beschlagnahmte Material ergibt aitgcblich, daß die Kommunisten bereits seit Jahresfrist einen allgemeinen Streik in sämtlichen Hafenstädten der Vereinigten Staaten planten. Als Ergebnis der Aufdeckung dieser Pläne werden Massenverschickungen erwartet. Der Präsident der RJRA, General Johnson, teilte de» Strrikführern mit, daß die Bnn» dcsschlichtnngSkommissio» keine BermittlnngSvor- schläge unterbreiten könne, solange der Generalstreik»och im Gange sei. VS wird deshalb ange- noimne», daß dir Streikleitung den Generalstreik innerhalb der nächste» zwei Tage auch formell beende» wird. Sa» F r a n r i s c o, 19. Juli. Der Streik- ««Sschuß hat mit 191 gegen 174 Stimmen beschlossen, daß der Generalstreik beendet werten soll. Wallisch' Kampfgefährten vor Gericht Graz, 19. Juli. In dem seit Montag vor dem Leobenrr Geschworenengericht durchgeführt«« Hochverratsprozeß gegen 14 ehemalige Schutzbündler ans der engsten Gefolgschaft des frühere» Abgeordneten Koloman Wallisch wurde gestern spät abends das Urteil gefällt. Elf Angr- I tagte erhielten Kerkenstrafen im Ausmaße von einem Jahr bis zu 2% Jahren, drei wurden freigesprochen. Knickerbocker in Oesterreich konlisziert Wien, 19. Juli. Tas Buch des amerikanischen Journalisten Knickerbocker„K o m m t Krieg in Europa?", dec sich in seinem Werte auch mit den inneren Verhältnissen in O c st c r r e i ch besaht, wurde auf Grund des 8 30» des Strafgesetzbuches von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Gleichzeitig wurde auf Grund des§ 3 des Strafgesetzbuches das Buch Dinters„Die Sünde wider das Blut" in Oesterreich verboten. Vie„Neue rrcle Presse“ ohne Benedikt Wien, 19. Juli. Der bisherige Herausgeber und Chefredakteur der.„Neuen Freien Presse" Dr. Ernst Benedikt, ist nunmehr endgültig von seinen Stellungen zurückgetreten. Bor kurzer Zeit hat der Vertrauensmann der Kapitalsgruppe, welcher das Blatt gegenwärtig gehört, Chefredakteur Stephan Müller die Option auf die letzten 25 Prozent der Aktien ausgcübt. Damit ist der Zustand eingetreten, bei welchem vertragsgemäß Dr. Benedikt als Herausgeber ausscheidet. England fordert hohe EntMHdlM London, 19. Juli. Der britische Botschafter in der Türkei hatte am Mittwoch zwei Unterredungen mit dem türkischen Außenminister im Zusammenhang mit. der Erschießung des englischen Marincarztcs Robinson" durch die türkische Kü- stenwachc. Wie verlautet, seien diese Besprechungen in herzlichem Tone verlaufen und es seien jetzt günstige Aussichten auf eine Einigung über die von England geforderte Untersuchung des Zwischenfalles, vorhanden. Gerüchterlveise heißt cs in Istanbul, daß die englische Regiecüng einen b e t r ächt l i ch e-n, S ch a d e n e r s a tz von der türkischen Regierung für die nächsten Verwandten Robinsons verlangt. Die Todesdrohungen ost-Locarno ohne Erfolg Die An schlüge gehen weiter Mosley- bereit sein würde, sich bei den nächsten anzuschließen, u m d i e S o zia T i ft e n sie ge- als so- sich Rothennera—Mosley FascistenhäuptlinU verkracht sich mit seinem Mäzen London, Ist. Juli. Der bekannte Zeitungsbesitzer Lord R o t h e r.m e r e hat die weitgehende Unterstützung der MoSley-Fascisten durch seine Presseorgane eingestellt. Diese Tatsache geht aus einem bemerkenswerten, in der„Daily Mail" veröffentlichten Briefwechsel zwischen' den beiden hervor.' In mehreren persönlichen Unterredungen hat Lvrd Rothermere den Fascistenführer auf-, gefordert, einige seiner hauptsächlichsten Pro- grämmspunkte, nämlich.< die Errichtung eines Ständestaates, di« Mordenisicrung des Parla- W i e II, 19. Juli. Heute nach Mitternacht ist die Frist verstrichen, welche zur Ablieferung der Waffe» und Sprengstoffe gewährt worden ist. Bo» jetzt an droht jenen Personen, welche Sprengstoffe eventuell auch nur ausbewahrt halten, ebenso die Todesstrafe, wie denjenigen, welche das Attentat selbst anSführen. Bei den Behörden sind tatsächlich verschiedene Waffen und Sprengstoffe auS Furcht vor Strafe abgeliefrrt worden. Anderes Sprcngstoffmatrrinl wurde auf Straßen, in Gärten oder Wäldern weggelegt und dort von SicherheitSorganen gefunden. Trotzdem blieben noch zahlreiche Waffen und Explosivkörper in den Händen der Gegner des Dollfuß-Regime-, denn die terroristischen Aktionen nahmen mit dem Ablauf der kritischen Mitternacht vom 18. Juli keineswegs ein Ende. Wie in de» letzten Tagen, rrplodirrtr» auch heute in Wien und in der Provinz zahlreiche Petarden und Bomben oder andere Explosivkörper, darunter auch in Wien HI zwei Bomben, während im zweiten Bezirk eine Telephonzelle in Brand gesteckt wurde. Auch in Erlach in Steiermark und auf der Bergbahn auf die Rordkrtte bei Innsbruck wurde« Bombenattentate gegen di« Bahne» verübt und in Lustenau in Borarlberg eine Bombe in di« Turnhalle de- vaterländischen Turnverein- geworfen. Ueverall wurden groß« Materialschäden verursacht, mehrere Hersone» wurden verletzt, andere verhaftet,'" Am 18. Juki abends, also knapp vor Abkauf der Frist, wurde von einer Gendarmcricpatroutllc ein reichsdeutscher Kraftwagen in der Nähe von Schwarzach-St. Beit angehakten und untersucht. Im Auto befanden sich 115 Kilogramm Ekrasit und 19 Stück Sprengkapseln, sowie eine Nolle Zündschnur. Der Eigentümer des Kraftwagens, Peter Pfeffer, ferner der diplomierte Kaufmann Josef Wörther, der Schlosser Johann Zafred, der Schneidermeister Josef Wirth nnd der Privatangestellte Michael Höck wurden verhaftet und eingeliefert. Die Standgetichtsanzeigen wurden erstattet. Der Fememord an Zimmer aufgeklärt? Die Nachforschungen der Wiener Polizei nach den Mördern des nationalsozialistischen Führers Zimmer, der Samstag vormittags in der Himnielpfortgasfe im ersten Bezirk ermordet worden ist, führten znr Feststellung der beiden voraussichtlichen Täter Flach und R e» m ü l k e r ans dem dritten Bezirk, die.jedoch rechtzeitig flüchten konnten. Die Polizei verhaftete heute 30 Personen, von denen einc. Ncmnüllcr, zur Flucht verhalfen hat, eine zweite direkt in die Mordverschwörung gegen Zimmer verwickelt ist, eine dritte belastet erscheint. Die Polizei hält aus begreiflichen Gründen die Namen der Verhafteten noch geheim, ist aber der Meinung, daß es ihr in Kürze gelingen wird, nicht nur den Mord an Zimmer, sondern auch andere nationalsozialistische Verbrechen der letzten Zeit aufzuklären, die von einer bis jetzt nicht festgestellten terroristischen Zentrale verübt wurden. Eine eigene Stellung nehme die britische Luftflotte ein. Hier könnten nicht länger Maßnahmen verzögert werden, die im Lauf der nächsten Jahre die Luftflotte auf einen Stand bringen sollen, der näher an den der »ächstenRachbarn heranreiche. Vorläufig sei das Programm für 1934 und die vier folgenden Jahre festgesetzt. ES wird 41 neue Luft-Geschwader einschließlich der umfassen, die bereit- im Programm von 1934 mitgeteilt worden sind. Davon werden 33 dem Heimatschutz zugewiesen werden, der d«m» über eine Gesamtzahl von 75» Geschwadern verfügen wird. Di« übrigen Geschwader sind fü- den Dienst im Marineflugwesm oder im AuSlande bestimmt. Die Schnelligkeit, in der dieses Programm innerhalb der fünf Jahre durchgeführt werden kann, muß von verschiedenen Erwägungen einschließlich solchen finanzieller Art abhängen. Die Regierung hoffe jedoch, daß in keinem der jeweiligen Jahre eine erhebliche Erhöhung der Voranschläge erfolgt. ments, die Schaffung einer autoritären Regierung\ und die ablehnende Stellungnahme gegenüber den| Juden fallen zu lassen oder abzuändern. Sir Oswald Mosley.hat diese Forderungen jedoch energisch abgelehnt. Lord Rotherwere sagt in seinem Schreiben u. a., er sei niemals der Ansicht gewesen, daß eine e i g e n o Verpflichtung übernehmen? Das ist die Bewegung, die. sich fascistisch nenne, in England große Frage, vor die Hitler gestellt wird'. Ost, AMhaben.könne. Seine Unterstützung für Locarno wäre mit Deutschland ein Sicherheits- Wahlen den k ons« rvative n Kräften kosten des deutschen FasciSmus. Ost-Locarno anzuschließen,, um di- Sozialisten ohne.Deutschland Ware em Militärbündnis z u s ch l a g e«(I) Sir Oswald Mosley.gegen den deutschen Störenfried. Ost-Locarno erklärte seinerseits, er könne von keinem, seiner m it Hitler-Deutschland wäre eine Zwangsjacke Ptogrammspunkte abgehen.,..[mit Hitlers eigener Zustimmung auf den deut- Baldwin kUndlat LuftaufrOstiing an Bis 1938 sollen 75 Luftgeschwader zum Schutze Englands bereit sein London, 19. Juli. In Vertretung Mac donalds, der auf seiner Erholung-reife bereit- in Kanada eingetroffen ist» gab heute Baldwin im Unterhaus die mit der größten Spannung er wartete Erklärung über die Politik der britischen Regierung in der Frage der Luftrüstungen ab. Er erklärte u. a., daß England in seinen Be mühungen, die Abrüstung zu fördern, die eigenen Rüstungen bis zu einem gefährlich niedrigen Stand herabgesetzt habe in der Hoffnung, da die anderen folgen würden. Angesichts der englischen Verpflichtungen aus den Völkerbundsatzungen und dem Locarnopakt und angesichts der zahlrei chen Anzeichen von Unruhe in Eu ropa und miderswo habe die Regierung seit eini ger Zeit, die Frage, ob die englischen Rüstungen auf dem gegenwärtigen tiefen Stand zu halten seien, neu geprüft. Die festgestellten Män gel beziehen sich zum großen Teil auf die Ausrüstung und die Vorräte und sind eine Folge der knappen Mittel. In dieser Hinsicht würden sich die Ergebnisse der Nachforschungen in den Voranschlägen der künftigen Jahre Widerspiegeln. bis Todesurteil West*Ost*Bündnls gegen Hitler Während Hitler in Blut und Schmutz wühlte, sind in Europa weitgehende politische Wandlungen vor sich gegangen. Am 15. Juli sieht Europa anders aus, als am 1. Juli. Inzwischen ist eine gigantische politische Mobilmachung durchgeführt worden, eine Krästeverlagc- rung ist eingetrcten. Wir haben friiher davor gewarnt, die außenpolitischen Schwierigkeiten des Hitler Regimes als Isolierung zu bezeichnen: In zwei wichtigen Punkten, englischen und italienischen, klappte der Ring der Einkreisung nicht zusammen, hier ist dem deutschen FascisnmS die Auskreisung gelungen. Heute ist eS anders. In 24 Stunden ist Hitler von England verlassen, durch Italien verraten worden. Indem England und Italien sich für das Ost-Locarno, für den von Frankreich und der Sowjetunion getragenen osteuropäischen Pakt der gegenseitigen Unterstützung cinsetzcn, wird Hitler im entscheidenden Punkt vernichtend geschlagen. Hitlers außenpolitische Niederlage ist eine doppelte: sic besteht einmal in der antideutschen Wandlung der englischen und der italienischen Politik; sodann in dein Gelingen der Ost-Lo- carno-Politik, die den deutschen FasciSmus vor eine furchtbare Wahl stellt. Englands Wandlung kam nicht unerwartet. Unerwartet war indessen der Grad der Entschlossenheit, mit der England die russisch-französischc Bündnispolitik billigte. Die Annahme von Ost-Locarno und die begei- stcrtc Zustimmung zum Eintritt der Sowjetunion in den Völkerbund: diese Wendung der englischen Außenpolitik kam für Berlin sicher unerwartet. AuS Abneigung gegenüber Hitler- Deutschland ist auch der alte konservative Haudegen Churchill, noch vor kurzen« Rußlandsrind und Interventionist vom Scheitel bis zur Sohle, ein Sowjetfrcnnd geworden. Hitler und Rosen- berg glaubten, daß es genügt, Sowjctrußlands Feind zu sein, um England als Freund zu winncn. DaS Gegenteil ist zur Wirklichkeit worden. ES genügte für die Sowjetunion, Feind Hitler-Deutschlands aufzutreten, um gar einflußreiche englische Konservative für als Freunde zu erobern. Noch unerwarteter war die Wendung Mussolinis. Au einem Tag ist er aus einem Gegner zum Anhänger von Ost-Lo- carno geworden und dadurch von der größten Hoffnung zu der größten Enttäuschung Hitlers. Der fascistisch-revisiouistischc Staatenblock liegt in Trümmern. Durch die Annahme von Ost- Locarno will Mussolini den Mittelmccr-Pakt entweder abwenden— oder für sich möglichst günstig gestalten. Alles dreht sich um das Ost- Locarno. Auch das Ost-Locarno sieht heute anders aus, als vor einem Monat sein ursprünglicher Inhalt ausgedeutet wurde. Der neue Tat- bestand ist durch gegenseitige Garantie entstanden:'während die Sowjetunion zum Wcst-Lo- carno beitritt und Frankreichs Ostgrenze garantiert, garantiert Frankreich die Westgrenzen der Sowjetunion. Sämtliche Ostgrcnzen, die Deutschland revidieren möchte, die der deutsche Faseis- muS als seine Einbruchsrichtung ausersah, werden nunmehr durch Frankreich und den mächtigen Ostblock gesichert. Süll der deutsche Faseismuö sich mit diesem Wall abfinden und die Unver. | letzbarkeit der Grenzziehungen von Versailles ' durch seinen Beitritt zum Ost-Locarno als seine Seite 2 Freitag, 20. Juli 1934 Nr. 167 LtsWDWMKMsWWM Schwere Beschuldigungen Tardleus gegen Chautemps können zur Kabinettskrise fuhren schon FasciSmuS aufgestülpt. Ost-Locar»o ohne Hitler-Dcutschland wäre ein eiserner Ring um den raufgicrigen deutsch.fascistischen Imperialismus. Der deutsche Fascismus weiß, worum es geht. Die weiterblicke»den Streife machen sich darüber keine Allusionen. Am 15. Juli schrieb das Organ, das dein Auswärtigen Amt am nächsten steht, die DAZ, über das Ost-Locarno:„Die französischen Pläne sollen Frankreich freie Hand und eine hegcinonialc Stellung in Europa, So- wjetrußland gleichzeitig Freiheit des Handels« im Fernen Osten sichern. Dieser Sicbcnmächte-Vcr- trag würde, wenn man es kratz ausdrücke» will, ein H e g c m o n i e- K o m p l o t t der beteiligten Mächte darstcllen. Europa soll an die stärkste Militärmacht, an Frankreich, bedingungslos auS- geliefert werden. Das ganze Vertragswerk läuft letzten Endes darauf hinaus, Deutschland wie- dennn zum Objekt der Bölkerbundpraktiken zu machen und Deutschlands Unterschrift dafür zu erhalten, womit dieses gcmisscrmatzeii sein eigenes Todesurteil unterzeichnen w ü r d e." Den Herren von der Wilhclmstratze zittern die Hände. Niemand wird ihnen die Wahl zwischen Kapitulation und Niederlage abnehmen. A. Sch.(Paris). Oer Arbeitennord» von Kaltenleufdeben Neue Einzelheiten. Wie uns geschrieben wird, hatten sich zu der so tragisch verlaufenen Kundgebung auf der Predigtstuhlwiese in Niederösterreich ungefähr 1500 Personen eingefunden. Weihevoll erklang das Lied:„UnsterblicheOpfer, ihrsanket dahin..." Eine Genossin ergriff hierauf das Wort und gedachte in erschütterten Worten der Juliopfer. Während der Rede erschien plötzlich am WaldeSrand eine Abteilung der Staatsexekutive, bestehend aus einem Polizisten und einigen Mitgliedern der Ortswehr. Diese Bluthunde, sogenannte Ortswehr, sind grötztenteils halbwüchsige Jungen, Messerstecher und andere Schwerverbrecher. Sie feuerten grundlos aus bestialischer Mordlust sofort in die Menge, unter welcher sich zahlreiche Frauen und Kinder befanden. Die Wirkung war eine furchtbare. Zwei Tote und einige Schwerverletzte sanken getroffen zu Boden. In wilder Panik flüchtete die Menge. Als einige beherzte Männer versuchten, Schwerverletzte und eine Frau zu bergen, welche, ,von Herzkrämpfen befallen, auf der Wiese lag/ Wurden sie sofort wieder beschosien und. mutzten sich zurückziehen. Auf einzelne Genossen, welche sich später ihr Eigentum, welches in der ersten Panikstimmung liegengeblieben war, holen wollten, wurde eine förmliche Menschenhab abgehalten.* Wieder hat sich die Henkerregierung Dollfutz mit Blutschuld beladen und unnennbares Leid über das Proletariat gebracht I Auf allen Wegen des Wienerwaldes fand man am 15. Juli 1934 eine Menge Streuzettel mit dem„Drei-Pfeil"-Zeichen und Gedenkblätter für die Opfer des 15. Juli 1927. Pari», 19. Juli. Ganz unverhofft ist jetzt plötzlich eine politische Krise auSgebrochen, die durch scharfe Angriffe des Ministers T a r d i e u gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten Chantemp» zurückzuführen ist. Dadurch ist die Stellung des KabienttS bedroht, da ohne vorherige Austragung diese» Konflikte»«ine weitere Zusammenarbeit der radikalen KabinrttS» mitglieder mit Minister Tardieu nicht gut möglich erscheint Tadieu war gestern nachts vom Ausschuß zur Untersuchung der Stawisky-Betrügereien einvernommen worden. Er hatte dabei auSgesagt, daß der ehemalige Ministerpräsident Chautemps die Tätigkeit StawiflyS seit langem habe kennen müssen. Die Stawisky-Affäre sei bis zp jenem Zeitpunkt unterdrückt worden, in welchem der Sturz des Kabinetts Chautemps erfolgte. Der in der letzten Zeit von den Rechtsparteien stark angefavene Inspektor B o n y von der Geheimpolizei sei zwar nicht mit Stawifly in Fühlung gestanden, Wohl habe er jedoch an den Scheckfälschungen teilgenommen, und zwar im Auftrage Chautemps. Nach dieser sensationellen Erklärung beschloß der Untersuchungsausschuß» noch in dieser Nacht Tardieu mit Chautemps zu konfrontieren. Chautemps erklärte dabei, daß die Kundgebung TardieuS geeignet sei, den Burgfrieden der Parteien zu verletzen..Er stellte jede Beteiligung an der Fälschung mit„Tardi" unterzeichneten Schecks durch Bony in Abrede. Der Untersuchungsausschuß beschloß, die von Tardieu genannten Zeugen in den nächsten Tagen einzuvernehmen, die Arbeite dann aber zu vertagen, bis die eventuellen politischen Folgen dieses Wir haben in der letzten Zeit mehrfach darauf Hinweisen können, daß Angehörige der Henlein-Front in politische Anschläge verwickelt sind, welche in einigem Widerspruch zu den harmlosen Erklärungen ihres Führers stehen. Besonders unangenehm scheinen es die Herren empfunden zu haben, datz jene Hakenkreuzbuben, welche einen Sprengstoffanschlag auf...unsere Teplitzer Mai-Feier planten, sich als„loyale" HeiMat- frontler ausweisen konnten und datz ein Nazi- Kurier im Erzgebirge den kontrollierenden Finanzorganen ausgerechnet ein Mitgliedsbüchel der Henlein-Partei vor die Nase hielt. Um solchen Unvorsichtigkeiten in der Zukunst vorzubeugen, erteilt die Geschäftsstelle der Heimatfront ihren Ortsleitungen in der „Weisung Nr. 35" den strengsten Auftrag unter allen Umständen de« Deckmantel der politischen Harmlosigkeit brizubehalten. ES heißt darin, daß durch die„Umtriebe ver- I schiedener unverantwortlicher Elemente" so durch Konfliktes geklärt sind. Die radikalen Partei- Instanzen setzten sich sofort mit Herriot in Verbindung, der gerade in Genf weilte. Für morgen 17 Uhr ist wider Erwarten der KavinettSrat einberufen worden, und zwar uuf Ersuchen mehrerer radikaler Minister. Den Borsitz wird Justizminister ll h e r o n, der Stellvertreter deS auf Urlaub befindlichen Ministerpräsidenten Doumergur, führen. Herriot wird sich zur Sitzung persönlich einfinden, obwohl er noch immer an einem rheumatischen Anfall leidet. Daran» geht hervor, daß man in radikalen Kreisen die Lage für ernst hält. Da» Präsidium der radikalen Partei soll erst morgen nach dem Kabinett»rat zusammentrrten. Ole Prlnce-AMen verbrannt? In diese Aufregung platzte auch noch die Meldung hinein, datz in den Büroräumen der Polizei von Dijon in der vergangenen Nacht ein Feuer ausbrach, das noch vor Eintreffen der Feuerwehr grotzen Umfang angenommen hatte. Man befürchtet nämlich, daß sich unter diesen Akten auch diejenigen über die Untersuchung der Mordangelegenheit P r i n c e befinden. Angesichts alles dessen, was sich in Verbindung mit der Stavisky-Affäre um den Mord an dem Richter Prince schon alles abgespielt hat, ist diese Meldung alles eher als eine Beruhigungspille für die öffentliche Meinung. Heute traten imb Justizministerium sämtliche mit der Untersuchung des Mordes an dem Ge- richtsrat Prince betrauten Beamten zusammen. Ihre Beratungen währten fünf Stunden. Es wurde keine Nachricht über die Beratungen ausgegeben. Hakenkreuzmalereien, Hissen von Halenkreuzfahnen, Illegale Verbindungen usw., die kaum eingetretene politische Beruhigung neuerlich gefährdet werden könnte. Künftig sollen Verstöße gegen das Schutzgesetz mit sofortigem Ausschluß geahndet werden. Das gebiete »nicht zuletzt die unbedingte Rotwendigkeit, durch eine anständige politische Haltung da» Vertrauen der staatliche» Stellen zu gewinnen. Nun Weitz man beiläufig, woher der Wind weht. Die„Weisung Nr. 35" ist ganz offensichtlich als Beilage zu den Akte» des Innenministeriums betreffend die Henleinbewegung fabriziert worden. Es wird in dem weiteren Inhalt dieser Weisung in ergötzlicher Form über die„unbelehrbaren politischen Kinder" gegen knabenhafte Romantik" und„politische Unmündigkeit" gewettert, als ob es Herr Henlein geradezu darauf abgesehen hätte, die fundamentalsten Voraussetzungen seiner Bewegung zu zerstören. Haussuduinn bei der Deutschen Front in Saarbrücken Saarbrücken, 19. Juli. Polizeidireiter Heimburger hat heute eine Haussuchung in den Büroräumen der Landesleitung der„Deutschen Front" angeordnet. Während der Hausdurchsuchung hatte sich vor dem Hanse eine größere Menschenmenge ängesammelt, und als die Kriminalbeamten nach der Haussuchung die Büroräume verlietzen, nahm die Menge eine drohende Haltung ein, so daß zwei Uebersall- lömmandos herbeigerufen werden mußten, um die Strahe zu räumen. Die Demonstranten hatten u. a. auch ein Transparent angefertigt mit der Aufschrift„Heil Hitler I" Interessant ist auch, datz die Henlein-Front, die nach der bisherigen Lesart als eine „Bewegung der Jungen" die überalterten Parteien zu vernichten auszog, plötzlich die Notwendigkeit einer sehr strengen Beaufsichtigung der Jugend erkannte. Die Weisung sagt darüber: »Die OrtSkeitungen sind im besonderen daz, verpflichtet, vor allem auf die jugendlichen Kreise unserer Mitgliedschaft Einfluß zu nehmen«nd vor allem in den Altersstufen zwi- sch»» 18«nd 28 Jahren auf«ine unbedingte Disziplin zu achten. Denn besonders die Jugend dieser Altersschichte neigt noch in vielen Fällen zur Romantik Und politischenSeite«. sprängen. Hier hat eine systematische Er< ziehungS-«nd Aufklärungsarbeit einzusetzen, aber auch«in» rücksichtslos« Härte und Str«ng« Platz zu greis««." Eine solche Charakterisierung der Haken« kreuzjugend von sozialdemokratischer Seite würde uns bestimmt wieder einmal den geläufigen Borwurf der„Denunziatton" eintragen. Nun muß die Heimatfront ihren politischen Kinderabteilungen selbst eine rücksichtslose Härte und Strenge in Aussicht stellen, denn es kommt, wie die Weisung zum Schlutz besagt, vorläufig darauf an, daß die Bewegung in jeder Beziehung »politisch einwandfrei" bleibe. Was die Nazi-Jugend weiter treibt, sobald die Heimatfront unter Duldung der Staatsgewalt ihre fascistischen Totalitätsziele erreicht hat, steht auf einem anderen Blatt. Auffallenderweise ist diese Weisung nur von dem HerrnSandnerunterfertigt. Henlein hält sich bei solchen heiklen Fragen mutig im Hintergrund,.denn er will sich offenbar nicht nachsagen lassen, er habe einmal so oder so gesagt. Neuer Regieruugskommissär für dir Rationalbank. Die Regierung ernannte zum Negie- rungskommissär der Tschechoslowakischen Natio- nalbank den Ministerialrat und Vorstand des Präsidiums des Finanzministeriums JUDr. Josef K a l f u tz an Stelle des SektionSchefs JUDr. Bohumil Vlasäk, welcher in den dauernden Ruhestand getreten ist. Zu seinem Stellvertreter wurde gleichzeitig der SektionSrat des Finanzministeriums JUDr. Jaroslav R u d o l f an Stelle des SektionSchefs JUDr. Vaclav Plocar ernannt, welcher ebenfalls in den dauernden Ruhestand getreten ist. ncunotlront-,.politisch einwandfrei“? Ein geharnischtes Rundschreiben des Herrn Sandner 3 /y. FRITZ ROSENFELD: Öz ma(bejutta EIN BOMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAG Als der Abend des zweiten Tages sank, stieg in der Ferne ein Haus auf. Wie ein großer Würfel weiß in die Landschaft gestellt. Dorthin brachten sie Pal. Männer kamen, ergriffen ihn, hoben ihn hoch, rüttelten ihn, datz er wach wurde. Er sah bärtige Gesichter, sah den Schein der Sonne blutrot auf den Gesichter», sah eine Fackel, die entzündet wurde. Sah, wie die Männer, die ihn gefunden und geheilt und hierhergebracht batten, Münzen einstrichen, gespenstisch tanzten die Schatten ihrer Hände auf dem Boden. In einem Beutel bargen sie das Geld. Ein Abschiedslvort, dann verschwanden sie. Pal wurde in das Haus geführt, zu einem Lager aus Fellen und Stroh. Er sank hin, müde, hungrig, ausgedörrt von der Sonne des Tages. Schlief, und ersehnte nichts, als datz dieser Schlaf endlos währen möge. Der Tag stand draußen, als er erwachte. Gewaffnete waren vor ihm, Männer im Panzer, den Helm auf dem Kopfe, das Schwert an der Seite. Der eine trug ein Tuch in der Hand, grellgelb, giftiggelb. Das Tuch banden sie um PalS Kops, datz es Nacht wurde vor seinen Augen. Er wollte es Wegreitzen, da fesselten sie ihn. Er fühlte nur, wie er auf ein Pferd gehoben wurde und ritt; er ritt lange, einen unbekannten Weg. Wurde festgehalten mü eisern klammernden Händen, als er vom Pferde springen wollte, um jeden Preis, auch wenn ein Abgrund neben ihm wäre oder ein reißender Fluß. Zerschellen, weggespült werden von einem tobenden Strom war besser als dunkel, weglo» in» Dunkle, und Weglose zu retten. DaS Pferds das ihn trug, stand still; er wurde zur Erde gehoben, das Tuch fiel. Die Männer umstanden ihn, gepanzert, den Helm auf dem Kopfe, das Schwert an der Seite. Aber nicht diese Männer sah er. Er sah ein großes Tor, das sich ungeheuer wölbte, er sah eine Mauer, die rechts und links bis ins Unendliche sich zu erstrecken schien. Er sah Berge, die einen Talkessel umschlossen, wie ein grüner, hoher, straff gebundener Kranz. Ueber die Mauer ragte die Stirn von Palästen, breite Giebel aus Marmor und Basalt, farbig thronend über der Landschaft. Er drehte sich, wandte dem Tor den Rücken. Er sah die Straße, die er gekommen war; der Wald schluckte sie dicht vor ihm, Berge schlossen sich aneinander, durch einen schmalen Engpaß mutzten die Reiter ihn geführt haben. Seine Augen fragten, seine Lippen fragten, seine Hände fragten mit grotzen, btttenden Gebärden. Die Männer gaben keine Antworr. Sie beachteten ihn nicht. Er war.nur Ware, die man ablieferte, war wie ein Sack Salz oder ein Ballen Leinwand oder eine Kiste Gewürze von fernen Inseln. Antwortete man der Kiste, die in den Bauch des Kauffahrers sollte, wenn sie fragte, was der große schwimmende Bau bedeutete? Antwortete man dem Ballen Leinwand, wenn er kragte, welchem Schicksal er entgegenging? Dem Sack Salz, der auf dem Rücken eines Esel» durch die Gebirge wanderte? Tausende gingen den gleichen Weg, gestern, heute, morgen. Wie Tage kamen und gingen, kamen und gingen Männer durch dieses Tor. Das Tor öffnete sich, ztvei goldene Flügel entfalteten sich, Licht ging von ihnen au», wie von der Sonne, wenn sie des Morgens Wer den Rand der Berge lugt. Der kleine Pfad, der aus dem Wald floß, wettete sich zu einer breiten Straße, weiß und lechtend auch noch im Dämmern der Ferne. Machtvoll strömte diese Straße'in die Stadt ein. Rechts und links säumten Bäume das weiße Band, zwischen den Bäumen standen Häuser. Wie Paläste waren sie anzusehen, in Konstantinopel und Bagdad, in Rom und Venedig standen sie nicht prächtiger. Die Reihe der Paläste wurde von einmündenden Nebenstraßen unterbrochen; wo aber eine Nebenstraße das große weihe Band kreuzte, stand ein Brunnen/ dessen Wasser hochauf in die Lüft schoß. Flirrend silbern, wie ein gegen den Himmel gerichteter Schwarm kostbarer Pfeile. Die Männer stießen Pal durch da» Tor, er ging wie im Traum, ganz langsam, seine Augen konnten sich nicht sattsehen. Ohne daß er es ahnte, schloß sich schwer und mählich das goldene Tor hinter ihm. Die beiden gewaltigen Flügel verschmolzen, und hätte Pal sich umgewenoet, er hätte vermeint, mitten in die Sonne zu kehen. H. Fackeln brannten vor der Burg an den Hängen des Libanon; Fackeln brannten vor Ulleika, der Burg Ala Eddins, des Scheich al Dschebel, des Fürsten der Berge. Den Schatten von Reitern warfen die Fackeln an die Wand. Den Schatten vermummter Gestalten, die von Pferden gehoben, zu einem Zug geordnet, die Treppen emporgeführt und den Gewaffnete» Ala Eddins übergeben wurden. Manchmal spreizten sich diese Schatten, al» streckten die Menschen die Hände aus mit einer großen Gebärde, in der Bitte und Beschwörung, letzter Ausbruch der Verzweiflung war. Aber schnell brach diese Gebärde in sich zusammen, Wer die Wand des Palastes huschte zischend der Schatten einer Peitsche. Der Anführer einer Reiterschar stand vor der Burg, überwachte die Ablieferung der verhüllten Menschen, zählte sie immer wieder, sandte die Reiter fort und ging, an der Spitze de» Zuges, die roten Treppen empor. Rechts und links schloffen sich Männer mtt Lanzen dem Zug der Verhüllten an, dunfle Männer, mit glänzender, schwarzer Haut. Die Menschen in den grotzen, schweren Tüchern konnten nicht einen Schritt zur Seite tun: nur nach vorn blieb ihnen ein schmaler, vorgezeichneter Weg offen. AuS den Tüchern blickte scheu ein Auge, dort ein blaues, angefüllt mit Angst, dort ein schwarzes, neugierig, blitzend, dort ein braunes, brennend und doch stumpf, das Auge eines gequälten Tieres. Die Augen fingen nichts ei» als Schatten gespenstig sich verlängernder Säulen, als das schwebende, hüpfende Licht der Fackeln, als ihr eignes dunkles Abbild auf dem Mosaik des Bodens. Eintönig klapperten die Schritte; wollte ein Arm in den großen dunklen Mänteln sich regen, drückte eine schnelle Faust der schwarzen Männer ihn lautlos und hart wieder hinab. Durch viele Gänge geleitete der Anführer seinen Zug, denn die Burg Ala Eddins war ge« lvaltig und ihre Mauern griffen tief in de» Fels hinein. Säle glitten vorüber, die hell erstrahlten im Licht von hundert Lampen, und Säle, über denen unheimliches Halbdunkel lag. Goldene Geräte schimmerten auf schweren breiten Truhen, bunt leuchteten Teppiche von den Wänden, seltsam geformte Fackelständer zierten die Türen, fremdartige Lampen hingen von der Decke nieder. Am Ende eines Saals öffnete sich lautlos eine verborgene Tür, ein langer schmaler Gang tat sich auf, s eine Wände schimmerten wie aus Kristall. Stumm durchwanderte der Zug diese Straße aus leuchtendem Stein. Dan« kam eine Tür, die in den zweiten Teil der Burg führte. Er war noch prächtiger; lote gern hätten sich die Augen der verhüllten Menschen festgesogen an all diesen Reichtümern. Die Träume von Generationen waren hier erfüllt; Märchen waren erstarrt in Gold und Silber und Edelsteinen. Mer hart war der Tritt der Gewaffneten, sie stießen jeden vorwärts, der stehen blieb. In diesem Hause der Wunder wohnte keine gute Fee.(Foräs. folgt.)! Nr. 167 Freitag, 20. Juli 1V34 Sril- 8 Me Hitler morden ließ SekHe verprügelt, Dlisterberg In Moabit OchcrflllssKc Sergen inn die deutsche Sozialdemokratie macht sich in der „Pkitomnost" ein angeblicher»junger deut« scher Sozialdemokrat, der mit dem Borgehen sei« ner Partei unzufrieden ist". Nach einer historischen Einleitung, in der die Schwierigkeiten, mit welchen die Partei zu kämpfen hat, gar nicht einmal unrichtig dargestellt wer« den, wendet sich die Kritik dieses Unzufriedenen gegen die alten, noch immer nach Wien orientier« ten, mit Traditionen und dogmatischem Marxismus behafteten fatalistischen und opportunistischen Führer, die es nicht verstanden haben, ihre Ide« ologie den neuen Berhlätnissen anzupassen. Sucht man aber nach der Begründung und Fundierung dieser schweren Anklagen, so findet man mit Er« staunen, daß die von unserem Unzufriedenen an die Wand gemalte Opposition von der Führung, entrüstet und unbefriedigt, just das fordert, was diese Führung tut. Der Sozialismus, der sich ausschließlich auf die Interessen des Jndustrieproletariates stützt, ist überlebt. Und das wird einer Partei erzählt, die seit Jahrzehnten die Angestellten, die Landarbeiter, die Kleinbauern, die Gewerbetreibenden, die Aerzte, Juristen und Lehrer organisiert und ihnen zeigt, daß ihre Interessen dem Kapitalismus geradeso entgegengesetzt sind wie die Interessen der industriellen Arbeiterschaft? Die Opposition hat Sympathien für den Agrarplan HodZaS. Und das ist ein Argument gegen eine Partei, welche die agrarische Planwirtschaft schon zu einer Zeit vertreten hat, als sich der offizielle AgrarismuS mit Händen und Füßen dagegen wehrte und in Zollerhöhungen das agrarpolitischc Allheilmittel sah. ES zeigen sich in dieser sonderbarsten aller Oppositionen Tendenzen zu einer Koalition mit den Agrariern, was wohl der Gipfelpunkt der Polemik gegen eine Partei ist, die sich mit den Agrariern in einer Koalition befindet. „Nur wenig Bedeutung mißt sie— diese einzigartige Opposition— der Sprachensrage bei, aber umso größere der Notwendigkeit, die soziale Exi- stenz der Deutschen in der Republik zu sichern." Rian muß weniger als nichts von der deutsche» Sozialdemokratie wissen, um so etwas zu schreiben. Haben wir je in der Sprachenfrage eine Sache des Prestiges gesehen oder sie nicht immer ausschließlich vom Standpunkte der sachlichen Be» dürfnissc der rechtssuchendcn Bevölkerung beurteilt? WaS aber die soziale Sicherung der Deutschen, natürlich vor allem der deutschen Arbeiter anbelangt, so mühte etwa unser AdolfPohl, der auch so ein„unfähiger, überalterter Führer" «ar, sich im Grabe umdcehcn, wenn er erfährt, daß das, worum er ein Leben lang gekämpft hat end worin er im vollem Einklang mit der ganzen Partei immer das Wesen des nationalen Problems in der Tschechoslowakei erkannt hat, nun als„oppositionelle" Weisheit funkelnagelneuer Prägung aufgetischt wird. Und die Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre, die im September 1980, vor vier Jahren, eine große Tagung abgehalten haben, die ausschließlich diesem Problem gewidmet war, sind offenbar deshalb erstarrte Bonzen, weil sie vor vier Jahren und auch schon vorher ausgesprochen haben, was ihnen heute als neue Lehre vorgehalten wird. Die Opposition verlangt ein positives Bekenntnis zum Staate als der Verkörperung anti- jascistischer Tendenzen, und weiß nichts, um von vielem anderen zu schweigen, von der offiziellen Kundgebung der Partei zum 28. Oktober, sie verlangt ein positives Verhältnis zur Wehrmacht und weiß nichts von der offiziellen Teilnahme der Partei an den Wehrtagen. Es scheint, daß die Opposition von ihrer eigenen Partei wirklich nichts anderes kennt als einige Artikel des Genossen Franzel, der gegen solchen Mißbrauch seines Namens eben machtlos ist. Wir wollen, um auch diesem Problem nicht auszuweichen, nicht etwa die „Opposition", die sich so unwahrscheinlich gebärdet, daß wir an ihre Existenz nicht glauben können, aber die Redaktion der„Pkitomnost" fragen, ob sie meint, daß eine jakobinische, also antikapitalistische Konzeption der tschechoslowakischen Politik am Widerstand der Sozialdemokratie scheitert, oder am Widerstand der bürgerlichen Parteien? Ob sie meint, daß eine Umwandlung des HcereSsystems etwa im Sinne Jaures'scher Gedankengänge auf den unüberwindlichen Widerwil- len der doktrinär antimilitaristischen Sozialdemokraten stoßen würde, oder ob nicht doch eher einige Bedenken dagegen im tschechoslowakischen Generalstab bestehen, dürsten? Ob sie nicht meint, daß die Zusammenarbeit der Sudetendeutschen mit den tschechischen Minderheiten weniger durch den unbelehrbaren Starrsinn der deutschen Sozialdemokratie behindert wird, die nämlich mit den sozialistischen Minderheiten seit Jahren musterhaft zusammenarbcitet, als durch das Verhalten eines Teiles der Hcanikäki? Im Ernste gesprochen: Die„Piitomnost", die sich bemüht die sozialen wie die nationalen Probleme des Landes sachlich zu behandeln und die sich frei weiß von der bornierten Gehässigkeit, mit dem das deutsche Spießertum und seine Schriftleiter der Sozialdemokratie begegnen, sollte gerade deshalb nicht jedem malkontenten Intellektuellen, dec sich als«ständig wachsende Opposition" auögibt, hineinfallen. Sie sollte die Le- benSkrast einer Partei weniger in einer„neuen Ideologie" erblicken, von der neun Zehntel nicht neu— und daSverbleibende Zehntel n ichtgut ist— sondern vielmehr in her Fähigkeit dieser als alt und erstarrt verschrieenen Partei, die Politik zu betreiben, welche die Stunde erheischt. Und sie würde der Sache, die auch sie für die gute hält, weit bester dienen, wenn sie das tschechische Publi- Berlin.(Jnprcß.) Ans zuverlässiger Quelle erfahren wir weitere Namen der am 30. Juni Ermordeten. ES handelt sich um den Oberführer Fiedler der Brigade 32 sGruppe Berlin-Brandenburg), den Oberführer D ch w a r z der Brigade 20(Gruppe BB), den Standartenführer Slttitl der Staffel 6 (Gruppe BB), den Standartenführer Heck der Staffel 8(Gruppe BB), den Standartenführer Kraus« deS Pioniersturms der Brigade 30 (Gruppe BB) und den sächsischen SA-Führer F r a s e n h a ü s e r, den Bruder deS gleich, namigen Generals. Ueber den Verlauf der Blutaktion werden uns außerdem die folgenden Einzelheiten mitgeteilt: Der Obergruppenführer von Berlin-Bran- denbnrg, Ernst, wurde am Freitag, den 29. Juni, abends, vertraulich benachrichtigt, daß die Reichswehr in Alarmbereitschaft liege. Ernst äußerte: Wenn etwas vorliege, werde man ihn schon benachrichtigen. Er habe seine Urlaubsreise bereits eingeleitet und werde Sonnazend früh abreisen. Er rief dann noch telephonisch bei Blomberg und Goering an und erkundigte sich, ob eine besondere Aktion geplant fei. Seine Fragen wurden mit Nein beantwortet. Sonnabend früh, als Ernst mit seiner Frau sich im Wagen auf dem Wege nach Bremerhaven befand, wurde er von SS überholt und zum Halten aufgefordert. Er kam dem Befehl nicht nach und wurde daraufhin von SS beschossen. Ernst erwiderte das Feuer. Bei diesem Feuerwechsel wurden seine Frau sowie der Chauffeur durch Halsstreisschüffe verletzt, so daß an ein Weiterfahren nicht mehr zu denken war. Ernst wurde verhaftet, mit dem Flugzeug nach Berlin transportiert und von diesem SS-Kommando, bei dem er besonders verhaßt war, bewußtlos geschlagen und, nachdem er aus der Ohnmacht aufgewächt war, erschaffen. Der Stabsleiter der Obergruppe Berlin- Brandenburg, Standartenführer Sander erfuhr von der Verhaftung und Erschießung Ernsts und erklärte:„Wenn Karl etwas gegen den Führer geplant hätte, so würden w.ir bestimmt etlvaS davon gemerkt haben. Goering ist wohl verrückt gworden." Sander fuhr sofort nach München, um mit Hitler zu sprechen,»ahnt Akten— die letzten Befehle und vertraulichen Anweisungen von Ernst — mit, um zu beweisen, daß der Erschossene nichts gegen Hitler geplant gehabt habe. In München angekommen, wurde Sander nicht vorgelaffen, sondern von SS verhaftet, nach Lichterfelde zurücktransportiert und erschossen.. Dem Stabschef R o e h m gab man nach der Verhaftung und Ueberführung ins Gefängnis 15 Minuten Zeit, sich selbst zu erschießen: Er weigerte sich und schrie:„Hitler hat mich verraten! Ich bin unschuldig! Was man an mir begeht, ist ein politischer Mord." Roehm tobte derartig, daß man ihn noch vor Ablauf der 15 Minuten erschoß. Der Adjutant Ernsts, Hauptmann Gehrt, hatte sich, alö er von dem Mord an Ernst erfahren hatte, selbst gestellt. Er wurde erschaffen, ebenso wie der zweite Adjutant Ernsts, Hauptmann Mohnschild. Die Urnen mit der Asche der nach der Ermordung Eingcäscherten wurden den Angehörigen im preußischen Innenministerium auögehän- digt. Die Mutter Gehrts brach in Schreikrämpfe auS; sie rief, sie wolle„den Mörder ihres unschuldig ermordeten Sohnes sprechen". Man versuchte, sie zu beruhigen und fragte sie, wen sie mit Mörder meine. Sie antwortete:„D en Mörder Goering". Daraufhin wurde sie aus dem kum über die wirkliche Politik der deutschen Sozialdemokratie informierte, als über ihre angeblichen ideologischen Mängel. Präsidium der Monopol* Gesellschaft hei Malvpetr Unbegründete Getreideverteuerung wird nicht geduldet. Prag, 19. Juli. Am Mittwoch, den 18. d. M„ ivar das Präsidium der Tschechoslowakischen Getreidegesellschast zum Ministerpräsiden- tcn geladen, welcher erklärte, daß, ebenso wie die anderen Staaten, auch unsere Republik Wege suche, um durch einen Ausgleich der bisher bestehenden Disparität der Wirtschaftszisfern aus den heutigen schweren wirtschaftlichen Zeiten herauSzukommen. Die neue Regulierung des Getreide- und Futtermittelgeschäftes sei ein großzügiger Versuch dazu. Bei dem Anziehen deS landwirtschaftlichen Preisindexes werde jedoch di« Regierung keine wirtschaftlich unbegründete Verteuerung dulden. Die Aufgabe sei nicht leicht, daher hänge um so mehr ihre Durchführung von angestrengter Ar- beit und der objektiven Beurteilung der sich darbietenden Probleme ab. Der Ministerpräsident ersuchte daher das Präsidium der Gesellschaft um objektive Beurteilung der Probleme und deren sachliche und konsequente Lösung. Der Vorsitzende der Gesellschaft Dr. Feier» abend versicherte dem Ministerpräsidenten namens aller Jntereffentengrüppen, daß sie alle ihre Loyalität und ehrliche persönliche, wie auch Organisationsarbeit dem Gelingen de» großen Werkes der Regulierung des Getreidehandels widmen Innenministerium entfernt. Man hatte ihr nahegelegt, in ihrem Jntereffe solche Redensarten zu unterlaffen; die verzweifelt« Frau aber schrie Unter den Linden,^>ah Goering ihren Sohn er« mordet habe. Sie wurde aufgegrifsen und in einem Wagen nach Hause gefahren. Die Erschießungen in Lichterfelde wurden von 8 Scharführern der Leibstandarte Hitler- unter Trommelwirbel durchgeführt, nachdem«in Sturmhauptführer der Leibstandarte da» Tode», urteil bekanntgegeben hatte. Der Reichsminister und Stahlhelmführer S e l d t e wurde am Sonntag, den 1. Juli, von SS-Leuten verprügelt; am Montag, den 2. Juli, hielt er sich im Hotel Bristol versteckt. Der frühere Stahlhelmführer Düsterberg wurde in München verhaftet und gefeffelt nach Moabit überführt, wo er auch heute noch sitzt. In Moabit besindt sich ebenfalls der Adjutant des Kronprinzen, Major von Müldner. Entgegen allen Dementis ist einwandfrei festgestellt, daß der E x k r o n p r i n z sich am 80. Juni und 1. Juli in„Ehrenhaft" befand: er durste da» Hau», das von SS bewacht war, nicht verlassen. - Der ehemalige Minister Treviranus entging der Verhaftung nur durch einen Zufall. Er spielte auf den Plätzen des Blau-Weitz-Klubs in der Nähe seines Hause» Tennis, sah, daß ein mit SS besetztes Auto vor seinem Haus« hielt und entkam über den Zaun. nie furdil des Henkers London, 19. Juli.(Jnpreß): Der Berliner Korrespondent de» englischen Blatte»„People" berichtet, daß die Aerzte Hitler geraten haben, wegen völliger Nervenzerrüttung einen längeren Urlaub zu nehmen. Hitler sitzt tagsüber in seinem Büro, den Kopf in die Hände gestützt, und jeder, der in sein Zimmer tritt, sicht ihn mit Tränen in den Augen. Einer von Hitlers nächsten Mitarbeitern erklärte dem Korrespondenten, daß Hitler jetzt überall Verschwörungen und Jntrigucn wittert. Dieser beginnende Verfolgungswahn ängstigt besonders jene, die heute noch als Hitlers engste Freunde gelten, da sie dauernd in der Furcht leben, daß eines Tages der Befehl, auch sic zu töten, gegeben werden könnte. Hitler ißt und schläft fast gar nicht mehr, er zieht keine neuen Personen mehr in sein Vertrauen. Die Vorschläge, einen längeren Urlaub anzutreten, hat er bisher brüsk abgelehnt, da er fürchtet, daß seine Gegner sich während seiner Abwesenheit festsetzen und seine Stellung untergraben könnten. Vettere Sabotage-Akte der SA? Dresden, 10. Juli. In dem im Gottlen- watal gelegenen Zweigwerk der Osthnahenrich- Werkc in Heidenau, in dem in erster Linie Waf- f c n hcrgcstellt werden, brach Donnerstag früh ein Brand aus, der mit rasender Schnelligkeit uni sich griff und sich in kurzer Zeit auf die ganze Fabrik ansbreitete. Augenscheinlich handelt es sich wiederum um einen Sabotageakt unzufriedener SA- Leute ebenso wie bei den vorausgegangenen Anschlägen auf Flugzeuge und Flugzeughallen. Auch bei einem Brand in D c l m e n h o r st in Oldenburg, Ivo große Brennstofflager ein Raub der Flammen wurden, ist die Entstehungsursache jedenfalls sehr verdächtig. werden. Sie werden nicht zulasten, daß die Harmonie der volkswirtschaftlichen Interessen des Staates und seiner Bevölkerung gestört werde. Er erinnerte aber daran, daß man sich zu Beginn der Arbeit mit Rücksicht auf die fortgeschrittene Saison auf vorübergehende Schwierigkeiten vorbereitcn müsse. Gau Rordbiihmen des Verbände» der Gewer- telrcilicnden und Kaufleute. Der Verband der Gewerbetreibenden und Kaufleute in der ESR., Sitz Aussig, hielt am 7. Juli 1984 in Eulau seine erste kostituierende Konferenz des Gaues Nord-Böhmen ab. Nach Eröffnung durch den BerbandSobmann« Stellvertreter E. Fieber begründet dieser die Not- lvendigkeit für die Kaufleute und Gewerbetreibenden, sich in einer eigenen BernfSorganisation zu- sammenzuschließen und dem Großkapital sowie den Lakeien der jetzigen Gesellschaftsordnung unerbittlichen Kampf anzufagen. Er verweist auf die Pro- letarisierung der großen Massen der Gewerbetreibenden und Kaufleute, die nie eine Hilfe von bürgerlicher Seite zu erwarten haben. Nur durch Mitarbeit und Erkenntnis der wahren Tatsachen wird ein Ausstieg und eine Besserstellung möglich sein. Zu Punkt I: Zweck und Ziele des Verbandes, referierte Gen. Dr. Mahler, der eine große Zahl von Beispielen au» den össentlichen Leben anführt, und die Aufgaben des Verbände» behandelt. Mit lebhaftem Applan» wird da» Referat zur Kenntnis genommen und dann die Wahl der Gauleitung vorgenommen. Als Obmann wird Ernst Fieber, Aussig, Lindenstraßr 1, gewählt, an den nun alle Zuschriften zu richten sind, weiter» erfolgten noch die Wahlen der übrigen Funktionäre und deren Er- satzrnänner. Nach allgemeiner Aussprache über verschiedene Angelegenheiten schließt der Obmann mit einen Appell zur Mitarbeit die Konferenz. SudeteMcutedic sorgen Es wird uns geschrieben: In einer Zeit, die wahrhaftig reich ist an Problemen, die die ganze Menschheit angehen, hat das sogenannte Sudetendeutschtnm keine anderen Sorgen als eine passende Flagge zu erfinden oder bester gesagt: zusammenzukleistern. Der Bund der Deutschen hat bekanntlich auf der Bundesversammlung in Leitmeritz für die neue sudetendeutsche Flagge die Farben schwarz-rot-schwarz vorgeschlagen und die Sudetcndeutschc Heimatfront, die ja nunmehr das Sudetendeutschtum gepachtet hat, hat auch diese Farben bereits zu den ihren gemacht. ES wird bestimmt auch kein Zufall sein, daß der Bund der Deutschen und die Su« detendeutschc Heimatfront in dieser Beziehung so ganz eines Sinnes sind. Daß natürlich in echtgermanischer Art dieser Vorschlag nicht allgemeine Zustimmung findet, ist wohl klar, zumal cs doch eben mehr al» zwei Farben gibt. So finden wir also bereits in der„Brüxer Zeitung" vom 14. Juli 1984, Nr 158, einen Gegenvorschlag: Wciß-rot-gold. Auch ansonsten ist der Artikel„Die Farben des Sude» tendentschtnms" interessant, denn es heißt dort: „Die Sudetendeutschen sind ein werdender Stamm, d. i. ein selbständiges Gliedvolk de» groben deutschen Gesamtvolke». So ist begreiflich, wenn da» Sudetendeutschtum nun auch nach einem sichtbaren Sinnbild seiner selbst sticht, nach einem Stammesflagge..." Wir sehen also, daß eS so ein„Gliedvolk" gar nicht leicht hat nnd daß es sich mit Problemen herumschlagen muß, die gar nicht so leicht zu bewältigen sind. Im weiteren Teil des erwähnten Artikels erfahren wir, daß die Begeisterung für die neuen sudetendeutschen Farben nicht allzu groß ist, denn„Schwarz allein ist die Farbe der Trauer, Rot aflein dir Farbe des Aufruhr», in ihrer Vereinigung erwecken sie eine seltsam bedrückende, resignierte, freudlose Stimmung". Der Artikelschreiber will, daß man die alten Farben Schwarz-Rot-Gold beläßt und scheint dabei zu übersehen, daß bei einem gewissen Teile der Sudetrndeutschcn die Farben des ehemaligen Reichsbanner« mehr als verhaßt sind und daß man sich schon lange nicht mehr dazu bekennen will. Nicht an den Behörden also, sondern an den Sudetendeutschen selbst ist eö gelegen, daß die„alten deutschen Farben" nicht mehr verwendet werden. So kommt also der Artikclschrciber zu dem Vorschläge Weiß-Rot-Gold, welche Farben„als Verschmelzung des böhmischen Weiß-Rot mit dem deutschen Schwarz-Rot-Gold einen tiefen und treffenden Sin» hätten. Wir wollen es dem Bund der Deutschen und der Hcnleinfront überlassen, sich diese Angelegenheit auszutragen, wobei wir aber davon überzeugt sind, daß Herr Henlein sich bestimmt nicht für die Farben des Reichsbanners entscheide» wird, denn da wäre überhaupt eine Diskussion hinfällig. Die klassenbewuhten, deutschen Arbeiter haben ihre Fahne, haben ihre Farbe, die ihnen teuer ist, für die sie jederzeit einstehcn, wenn sie auch die Farbe de« Aufruhrs ist. Die deutschen Arbeiter haben aber auch in dieser ernsten nnd schweren Zeit ganz andere Sorgen, als sich nm Farben herumzustreiten. B. S. Unrichtig liniert und schlecht informiert sind die Herren von der KPE,' bzw. die Redakteure des Zenlralorgans dieser Partei, des„Rude Prävo". In der Nummer des genannte» Blattes von Donnerstag, den 19. Juli, in welcher die Antwort der Deutsche» sozialdemokratischen Partei auf daS Angebot der Kommunisten besprochen wird, wird u. a. folgendes gesagt: „Die deutsche Sozialdemokratie in der t!2R. hat genau so, wie die tschechische sozialdemokratische Partei, durch ihr« Politik und Taktik liiehe ihre Unterstützung des Krieges und ihren Kampf gegen die proletarische Revolution) die Spaltung in der Arbeiterbewegung verschuldet. Au demselben Tage, da das„Rude Prävo" die deutsche Sozialdeulokratie beschuldigt, eine Politik der Unterstützung de« Krieges betrieben z>i haben— wir möchten gern auch nur e i n Faktum kennen, welches die Redaktion des„Rude Prävo" zu dieser Behauptung berechtig'— erscheint in allen Blättern, mit der einzige» Ausnahme des„Rudö Prävo", ein Bericht über die Antrittsaudicnz des Prager Sowjetgesandten beim Präsidenten Masarhk, bei tvelchcr der Gesandte in einer Ansprache an den Präsidenten folgendes gesagt hat: „Die Friedenspolitik und die Zusammenarbeit der Nationen, welche unter Ihrer Führung die Tschechoslowakische Republik betreibt, bringt unsere Staaten einander näher und gibt ihnen weite Möglichkeiten zu gemeinsamer Tätigkeit für die Befestigung des Friedens." Der Vertreter Sowjetrußlands legt also nachdrücklich und geradezu dcnwnstrativ dar, daß die Außenpolitik der Tschechoslowakei eine Friedenspolitik ist und daß Sowjetrußland deswegen außenpolitisch mit der CSR. Zusammengehen kann. Diese Aeußerung des Sowjetgesandten ist geradezu eine Polemik mit dem unsinnigen Gerede des kommunistischen Hauptorgans, wonach die sozialistischen Regierungsparteien eine Kriegspolitik treiben. Sowjctrußland lveiß cs besser, als die Funktionäre der KP§, welche Außenpolitik die Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei macht. Erste 1 Freitag, 20. Juli 1034 Rr. 107. 50*000 polnische Bauernfamilien obdachlos TaifcsncuigKcncn 47 Grad Celsius in Amerika Ein grosteS Virhsterben Kanfa« City, 16. Juli. Die Trockenheit der letzten Wochen hat in den Faringebieten zwischen dem Mississippi und den Rochy Mountains ein noch nicht dagcivcscitcö Elend hcrvorgerufen. Während der letzten 27 Tage hat die Hitze fast täglich ->7 Grad Celsius erreicht. In den Nächten sind die Temperaturen nie unter 25 Grad Celsius gefallen. Die Felder und Weide» sind cntlvedcr von der Sonne ausgcdörrt oder liegen unter fnßticfcm Staub begraben. Sogar mittelgroße Flüsse find auSgetrocknct. Die Landwirte müssen in ihrer Verzweif- luug das Wasser nreilcnweit hcrbciholen, um den restlichcit Bestand ihre» Viehs zu erhalten. In West-Oklahoma wurden am Mittwoch 600 Stück Vieh erschossen, da lein Wasser mehr aufzutreiben tvar. Wahrscheinlich dürfte man sich gezlvun- gcu sehen, noch mehrere hundert Stück Bieh folgen zu lassen. Riesige Viehherden sind auf der Suche nach Wasser und nach Weiden. Hunderte von Waggons mit abgemagertem Bieh sind aus die Vichmärltc gebracht lvorden, wo zahlreiche Tiere krepieren. Wie aus Montana berichtet wird, ist auf den Weiden viel Vieh gestorben. Das Elend wird noch durch eine Heuschrecken» und Käferplage vergröbert. Tausende von Landwirten haben ihre landwirtschaftlichen Betriebe verlassen, um bei den BundcSbehörden in den Landstädten um Hilfe nachzusuchcn. Die Bundesregierung hat ihre Not- hilfcmatznahincn auf zahlreiche Gebiete von Oklahoma ausgedehnt. Aach in der Türkei Hitzewelle Istanbul, tv. Juli. Auch die Türkei wird zurzeit von einer Hitzeivcllc heimgesucht, die im ganzen Lande ungewöhnlich hohe Temperaturen mit sich brachte. Jit Adana in Südanatolien wur- dcn-11 Grad Celsius gemessen, in Ankara 37' Celsius, während Istanbul nur 33' Celsius zv verzeichnen hat. ES zeigten sich zahlreiche Todesfälle durch Hitzschlag, so vor allem in Smyr- na. Für die Beamten ist eine halbtägige Arbeitszeit cingeführt worden, die am frühen Morgen beginnt und vor der größten Mittagöhihe endet. Drei Bergleute durch Grubengase getötet München, 10. Juli. Wie der Betriebsführer der Gewerkschaft Marienstein bei Schastlach meldet, verunglückten gestern nachmittags drei Bergleute tödlich. Der Unfall ereignete sich in einem senkrechten Aufbruch in etwa 30 Meter Höhe durch plötzlichen Ausbruch vonGa- s c ii. deren Beschaffenheit noch geklärt tverden mm';. Als die Zivei an der Unfallsstelle beschäftigten Leute zur üblichen Pause nicht heruntergestiegen ivarcn, stieg ein dritter Bergmann in den Aufbruch hinauf, um nachzuschcu. In einigen Metern Höhe wurde er bctvubkloö und stürzte leicht verletzt ab. Daraufhin stieg ein weiterer Kamerad hoch und kehrte nicht mehr zurück. Die in der Nähe beschäftigten Leute alarmierten die Rettungsmannschaft, der cs Nach stundenlanger mühevoller Arbeit gelungen ist, die verunglückten drei Bergleute, bei denen Wiederbelebungsversuche erfolglos lvaren zu bergen. Bei den überaus schlvicrigen Rettungsarbeitcn— das Unglück ereignete sich auf der 600-Meter- Sohle— erlitten ein Rettungsmann eine schtvere und mehrere Rettungsmänner leichte Gasvergiftungen. Ziehung der Alaffen-Lotterie (Ohne G e w ä h r.) Prag, 10. Juli. Bei der heutigen Ziehung der Klast'enlotterie wurden nachfolgende Gewinne gezogen: 130.000 UL: 2865 t. 00.000 UL: 3703. 10.000 UL: 05825, 43028, 5258t. 5000 UL: 10157, 55626, 63717, 67-161. 2000 UL: 16785, 55352, 86786, 48045, 33738, 73543, 12488, 22762, 21303, 36567, 40464, 13562, 6054, 75084, 101468, 50284. Auferstehrmg wm Meeresgrund London, 19. Juli. Ein seltsames Geschehnis wird aus Scapa Flow gemeldet. Dort finden augenblicklich Bergungsarbeiten an dem früheren deutschen Schlachtschiff„B a y c r n" statt. Die „Bayern" ist eines der Schiffe, die dort im Jahre 1919 von ihren Mannschaften versenkt wurden. Die„Bayern" erhob sich am Mittwoch plötzlich zum größten Erstaunen der BcrgungSarbeiter vom Meeresboden, stieg etwa 120 Fuß bis zur Oberfläche, schwamm etwa eine halbe Stunde und sank dann wieder auf den Grund. Rach da» Beispiel-aar«a»ua... In Ncmetlad(Ungarn:) ist nach fast vier Jahren ein Mord aufgedcckt worden. Der im Orte ansässige Gasttvirt und Fleischer Josef Fath ist unter dem dringenden Verdachte, seine Geliebte ermordet zu hÄben, von der Gendarmerie in Haft genommen worden. Fath, der Frau und Kinder hat, gestand nach anfänglichem Leugnen, daß er nach dem Beispiele des Mörders H a a r m a n n vorgegangen sei und das Mädchen, das von ihm ein Kind hatte, erdrosselt und Das Hochwasser geht zurück Krakau, 19. Juli. Die UcberschwcmmungS- katastrophe in Kleinpolen hat am gestrigen Tage ihren Höhepunkt überschritten. Im gesamten UeberschwemmilngSgebiet ist heute am vierten Tage dcS Hochwassers durchtvcgS eine sichtliche B c f s c r u n g der Lage zu verzeichnen. Die Was- scrmassen sind überall im Sinken begriffen. Lediglich bei Tarnoiv ist die Situation noch immer sehr kritisch. Ministerpräsident Kozlowski, der heute mittags von der Besichtigung des Ucbcrschwemmungö- gcbietes nach Krakau zurückgekehrt ist, gewährte den Pressevertretern Informationen über den Umfang der furchtbaren Elemcntarkatastrophe. Er stellte u. a. fest, daß etwa 50.000 Familien, hauptsächlich Bauernfamilien, brot- und obdachlos geworden sind. Der Sachschade wird sich erst zerstückelt habe. Um die Lcichenreste zu beseitigen, habe er die Eingeweide den Schweinen z u m F ii t t c r n gegeben, ivährend er aus den übrigen Lcichenteilcn. Seife gekocht und an die Dorfbevölkerung verkauft habe. Die Zuhälter! Die Gemeinheit ist das Charakteristikum des Hitler-Regimes. Wir lvissen, daß diese Gemeinheit, untrennbar verflochten mit Theorie und Praxis der leitenden Männer des Systems, sich nicht nur in den großen Linien der Politik des Dritten Reiches manifestiert, sondern, daß sie auch im Alltag des gequälten deutschen Volkes ihre fürckierlichcn Triumphe feiert. Rühm, Heines und ihre Orgien, Kamcradcnmörder Hitler und Verräter Goebbels sind schließlich nur"Symptome einer Gangster-Politik, die in ihren moralisch verheerenden Auswirkungen schließlich alle Glieder des Volkes erfassen muß. Besonders abstoßend, lvenn ein so durch und durch verfaultes System sich mit der MaSte der Tugendhastigteit bedeckt und seine Nutznießer der Welt glauben machen tvollen, daß mit seinem Anbruch die„Zeit der Korruption und der Vertvahrlosung" ein Ende gefunden habe. Die Illustration zu dieser widcrtvärtigcn Verlogenheit dcS Propagandaapparates lieferten die Ban- ditcnchcfs selber, indem sie am Tage der mysteriösen Berschlvörung, die keine Ivar, der Mitwelt berichteten, welch' ein inferiores Gesindel man bisher als„echtes Führertum" byzantinisch gc- seicrt hatte. Drastischer noch als hier aber zeigt sich im kleinen die Korruption, die im Gefolge, des Nationalsozialismus über Deutschland gekommen ist. In Güttingen hat sich jetzt ein erschütternder Vorfall zngetragen, ein Schulbeispiel dafür, in wie hohem Maße Scham und Gewissen alle die verlassen hat, die sich im Sklavcndienst dem Regime der Mörder auf Gedeih und Verderb verbunden fühlen. Der Werkmeister einer Göttinger Möbelfabrik, ein alter Sozialdemokrat, hätte auch nach dem Anbruch der B a r b a r c i die Fahne der Freiheit nicht im Stich gelassen. Nach wie vor bekannte sich der Mann zu seiner Ucber- zengung. eine Charakterstärke, die ihm den verbissenen Haß des nationalsozialisrischcn Be- tricbszcllenleitcrö, eines rohen und gewalttätigen Menschen, cintrng. Eines Tages überfiel der Nazi den alten Arbeiter, mißhandelte ihn schwer, fesselte ihn, band ihn, nach Art besessener Wilder, an sein Auto uns schleifte das aus vielen Wunden blutende, bewußtlose Opfer durch die Straßen Göttingens. Gegen die Hitler- Bestie wurde Anzeige erstattet. Und was machte das Gericht mit diesem Scheusal, für das eine wahrhaft gerechte Strafe auszusinnen, selbst der lebhaftesten Phantasie schlvcrsallcn würde?! Es verurteilte deu Burschen zu— hundert Mark Geldstrafe! Mit einer Begründung obendrein, die so schändlich ist, daß sic einem zivilisierten Menschen unfaßbar scheint! In der Begründung heißt cs, daß der Betricbözcllenlciter„in seiner sicherlich wohlgemeinten Absicht zu lvcit gegangen sei"—! Die Individuen, die sich, das Gesetzbuch in der Hand, in dieser Weise hinter die Menschenjäger des„Dritten Reiches" stellen, nennt man im Sprachgebrauch des an Abnormitäten so reichen Hitlcrlandcs„Richter". Richtig jedoch lväre es allein, sie Zuhälter zu nennenl Ein altverdirnter Kämpfer gestörten. In L u n d e n b u r g ist gestern Donnerstag einer von der alten Kampfgardc der Partei, Genosse A n t o n H o l a s e l, im 71. Lebensjahre gestorben. Mit dem Verstorbenen, der ein halbes Jahrhundert in der sozialistischen Arbeiterbewegung rastlos und opferfreudig tätig war, ist ein gutes Stück mährischer Parteigcschichte verbunden Schon als Schuhmachergeselle entfaltete er in Wien die regste Agitation für den Sozialismus. Als er nach Lundenburg kam, wurde er Eisenbahner und auch als solcher war er für die Interessen seiner Berufskollegen unermüdlich tätig, so daß ihn die Eisenbahner zu ihrem Vertrauensmann bestellten, als welcher er sich mehrere Jahrzehnte hindurch trefflich bewährte. Die Eisenbahner verdankten ihm manche wichtige Erfolge. Doch nicht minder regsam und erfolgreich betätigte sich Genosse Holasek auch in der Partei und in anderen ihr angeschlossenen Körperschaften. Nach dem Kriege erkrankte er und war dadurch außerstande gesetzt, sich weiter aktiv zu betätigen, doch so weit seine schwer erschütterte Gesundheit nach Einholung von genauen Angaben aus allen durch die Katastrophe hcimgesuchten Gebieten genau fcststcllen lassen. Die Regierung hat eine energische Hilfsaktion eingeleitet und wird demnächst eine Wicdcraufbauaktion der betroffenen Gebiete in größerem Stile aufnehmen. Wie sich hcrauSstellte, befanden sich im Ueberschwcmmungsgcbiet insgesamt 83 Ferienlager der Pfadfinder. Die Insassen sollen alle in Sicherheit gebracht worden sein. Am bedrohlichsten ist gegenwärtig die Lage in den Wcichsclgcgcndcn, da der Wasserstand der Weichsel fortgesetzt zunimmt und der Fluß bereits an zahlreichen Punkten aus den Ufern getreten ist. Es wurden bereits zahlreiche Ortschaften am linken Ufer der Weichsel überschwemmt. dies zulicß, blieb er der Ratgeber seiner Genossen, die sein Urteil zn schätzen wußten. Am 2b. Oktober des vorigen Jahres feierte die Lundenburger und mit ihr die ganze siidmährische Parteiorganisation seinen 70. Geburtstag und er wurde bei dieser Gelegenheit Gegenstand wohlverdienter Ehrungen. Nun hat der Tod seinem arbeitsreichen Leben ein Ende gemacht und alle, die ihn gekannt haben, werden dem braven Menschen und wackeren Kämpfer für unsere Ziele ein dauerndes Angedenken bewahren.— Das Begräbnis des Da- hingcschiedcnen findet am Samstag, um drei Uhr in Lundenburg statt. Könnte fast wahr sein. Die JSZAL („Internationale sämtlicher Zuchthäusler aller Länder" mit dem Hauptsitz Chicago, Clarkstreet) sandte nach der Reichstagsrede Hitlers folgendes. von der rcichsdcutschcn Presse bis jetzt noch nicht veröffentlichte Kabel ay den Kanzler des Deutschen Reiches:„500, im Festsaal des städtischen Schlachthauses in Chicago versammelte alte Zuchthäusler danken dem geliebten Führer für die endliche Rehabilitierung nnseres Standes und besten Einreihung in die Front deutscher Gentlemen. Gleichzeitig gratuliert Ihnen die I S Z A L. zu dem, bis jetzt selbst in den U. S. os America noch nicht erreichten Rekord von 77 Abschlachtungen in der überraschenden Zeit von wenigen Stunden, der nur noch von der hiesigen Schwcincschlächtcrfirma Armour u. Co. Limited iiberboten werden dürstet" FInanzmiuifter Dr. Trapl hat in diesen Tagen seinen Urlaub angetreten und wird deshalb bis Ende August d. I. keine Besuche empfangen. Die Rache der Reaktion. Das Bezirksgericht in Sofia verurteilte den gewesenen Abgeordneten der unabhängigen Arbeiterpartei Konstantin R u s i n o v, einen ehemaligen orthodoxen Popen, wegen seiner im Parteiorgan„Rabot- »iöcsko Delo" veröffentlichten Artikel zu neun Jahren und zehn Monaten Kerker, sotvie einer Geldstrafe von 303.000 Lewa. Gegen Rnsinov waren bisher 30 Prozesse anhängig, in denen er insgesamt zu 74Jahrcn Kerker und zu 1,553.000 Lewa Geldstrafe verurteilt wurde. In allernächster Zeit wird der„Rote Pope", wie Rusinov allgemein genannt wird, noch viermal vor Gericht stehe». Die Landenge von Panama wurde am Mittwoch von einem schweren Erdbeben heimgc» sucht. Innerhalb der letzten 24 Stunden wurden insgesamt neun Erdstöße verspürt, von denen auch die Inseln Coiba und Barica betroffen wurden. Der Mittelpunkt des Erdbebens ist, ctlva 200 Meilen von den Balbon-Bergcn entfernt, in der Provinz Chiriqni gelegen. In Davis, der Hauptstadt dieser Provinz, wurden vier Personen schwer verletzt. Mehrere Gebäude, darunter das Postamt, sind dem Erdboden gleichgcmacht worden. Die Telephon- und Telegraphenlinien sind unterbrochen. Da die Elektrizitätsversorgung ausgesetzt hat, liegt die Stad in vöfliger Dunkelheit. Flugzeuge mit Arzneien und Nahrungsmitteln sind nach Davis geflogen. In Puerto Armuelles wurde das Dock wilweise zerstört und die Waffer- lcitung an mehreren Stellen unterbrochen. In Fort Davis sprangen beim ersten Erdstoß zwei amerikanische Soldaten aus einem Fenster der Kaserne. Einer wurde getötet, der andere erlitt schtvere Verletzungen. Eine leer« Staatsbank geplündert. In der freien Republik Andorra wurde die Staatsbank von Bewaffneten ausgeraubt, deren Beute jedoch gering war, da die Bank zur Zeit nur wenig Geld in der Kaste hatte. Aus dem Zuchthaus von Korf« sind durch einen unteriNüschen Gang 13 Schwerverbrecher ausgebrochen, die in der Nähe des allen Korfubesuchern bekannten Platzes„Kanoni" eine Barke bestiegen und auf das offene Meer hinaussegelten. Arbeiter, die sie daran hindern wollten, wurden mit Messern bedroht. Von den Geflohenen fshlt jede Spur. Die Bevölkerung von Korfu ist durch diese Gruppenflucht von Schwerverbrechern sehr beunruhigt.. Pariser Sireneu-Luftalarm wirkuugslo». Am Mitttvoch wurde in Paris der erste Versuch mit den Sirenen gemacht, durch die die Bevölkerung vor drohenden Luftangriffen gewarnt werden soll. Die Versuche haben sich als z i e m l i ch w i r k u n g 8- l o s herausgestellt. Der Straßenlärm übertönte das Von unseren Kinderfreunden Freitag, den 13. Juli, erfolgte der Abbruch der diesjährigen Kinderrepublik, die anläßlich der Olympiade in Prag stattfand. Alle Falken, die an diesem Lager teilgcuommen haben, kehren mtt einer Fülle neuer Eindrücke und Erlebnistc in ihre Gruppe» zurück und wir sind überzeugt, daß durch diese Eindrücke auch das Gruppenleben sehr stark befruchtet wird. Alle unsere Falken haben das Bewußtsein.mit heimgenommen, daß sie in Prag mit den tschechischen Arbeiterkindern Freundschaft geschlossen haben und diese Freundschaft nun weiter auSbaucn und pflegen werden. Nach diesem großen Lager beginnen nun in den nächsten Tagen eine Reihe kleinerer Gaulager. Am 16. Juli wurde bereits das Gan- Zeltlager des GaucS Bodenbach in Hirschberg a. See eröffnet. In diesem Lager nehmen Falken aus Prag, Reichen berg, Aussig, und einigen Gruppen des Bodenbacher Gaues teil. Anfang August beginnen weitere Zeltlager in K o t t o w i tz bei Arnau, für das T r a u t e n a u e r G e b i e t, in der Nähe von Braunau für das B r a u n a u e r Gebiet, sowie das Gauzcltlagcr des GancS Sternberg. Insgesamt werden an diesen vier Gauzeltlagern 400 Falken mit ihren Helfern tcilnehmcn. Einige andere Gaue und Ortsgruppen führen noch Ferienwanderungen durch. So wird der Gau Tcplitz eine Wanderung in das Erzgebirge und das Bäder-Dreieck veranstalten. Falkenaus. Eger ist auf WcÄe- fahrt in Westbühmen. Alt-Kleis ch c mit seinen Falken im Böhmerwald. Andere Gruppen, wie Brün n, unterhalten während der Ferien Tagcöhcimstätten, um möglichst vielen Kindern das Leben der Gemeinschaft zu vermitteln. Die Arbeiter- Kinder« Frcundezeit wird also auch in der Ferienzeit fortgesetzt. Leider ist es durch die wirtschaftliche Not nicht möglich, alle Arbeier- kindcr, die dringend eines Fcricncrlcbnisses und einer Erholung bedürfen, in die Aktionen der Kin- dcrfreunde einzuglicdern. • Bilder von der Kinderrrpublik in Prag Wir ersuchen alle Gcnoffen und Äenostin- »e», die Aufnahmen von unserer Kinderrcpublil und unseren Falken in Prag gemacht haben, den: ReichSsekretariat je zwei Stück gegen Ersah der Kosten zur Verfügung zu stellen. Das Reichssekretariat hat auch eine größere Anzahl Ausnahmen vom Lager vorrätig, die z»m Preise von 50 Hellem(6mal9 bis 1 KC(Postkartengröße) bezogen werden können. Sirenengeheul völlig. Es wurde beschloffen, die Lautstärke der Sirenen zu erhöhen und die Versuche demnächst zu wiederholen. Die tetttsch« Mittelmerr-Krirgsflatte tu der Zahl von 70 verschiedenen Einheiten mit 35.000 Offizieren und Mannschaften wird in der nächsten Zeit die jugoslawischen Adriahäfen besuchen. Die amtlichen Ziehungslisten über die am 1. und 2. August d. I. stattsindende Ziehung der Staatslose zur Unterstützung der Bautätigkeit, werden von der Direktion der Staatsschuld in Prag I I I., Malostranske näm. 5 ausgegeben und können bei derselben gegen Einsendung von 1 UL per Stück und des Portobetrages(Drucksache) durch die Post bezogen werden. Dortselbst sind zu demselben Preste auch die Ziehungslisten der vorigen Ziehungen, sowie auch die neue Restantenliste für die Jahre 1922—1038 zum Preise von 8 UL zu erhalten. Der Betrag kann auch mit„bianco-Erlagschein", welcher bei jedem Postamte zu erhalten ist, zugesendet werden. Auf den Erlagschein wäre die Nummer deS Postscheckkontos 37702*62 aufzuschreiben. Noch immer kein, Niederschlagsneigung. Nach Böhmen, wo die Temperatur stellenweise 81 bis 82 Grad CelsiuS erreichte, begann in den Nachmittagsstunden deS Donnerstags von Westen her etwas kühlere Luft vorzudringen. Dabei traten verschiedentlich leichte Gewitter auf. Vom Golf von Bis- caya her breitet sich nunmehr der Einfluß eines Hochdruckgebietes über das Binnenland aus, so daß die Regenneigung bald wieder aufhören dürfte. Im Osten der Republik dürfte der Luftdruck am Freitag gleichförmig verteilt sein, so daß die Temperatur dort noch weiter ansteigen dürfte, und zwar namentlich in Karpathorußland, wo sie infolge von Gewitterregen bisher noch nicht den Ror- nialwert erreicht hat.— Wahrscheinliches Wetter von Freitag: In den böhmischen Ländern etwas kühler, nach vereinzelten Gewittern wechselnd bewölkt. Westwind. Im Karpathengebiet im ganzen schön, sehr warm.— Wetteraussichten fü r Samstag: Wechselnd bewölkt, mäßig bis ziemlich warm, stellenweise Gewitterneigung. Vom Rundfunk «mpfohlenmnootoo tu Im Smcmmmu Samstag. Prag, Sender L.: 6: Gymnastik, 10.20: Deutsche Nachrichten, 12.80: Mittagskonzert. 15.15: Konzert deS Salonorchesters, 17.45: Schallplatte», 18.15: Deutsche Sendung: Demokratie kür das Kind. Hörfolge von Dr. Moucha, 18.55: Deutsch« Presse, 22: Preste, Sport, 22.15: Berühmte Opern-EnsenwleS auf H. M.-Platten. Gender S.: 10.80: Opernmusik auf Schallplatten, 15: Deutsche Sendung: Reue Stimmen vor dem Mikrophon: 15: Deutsche Preise.— Brün«, 17.45: Deutsche Sendung: AuS modernen tschechischen Schlagern,. 18.20: Schallplatte». 10.10: Violinkonzert.— Kascha», 17.40: Italienische Lieder und Arien, 20: Operette aus dem Studio. rk. 167 Freitag, 20. Juli 1034 Seit« 6 Spionage- ein schlechtes Gewerbe GEDENKET Die Oberagenten stecken in Sicherheit Millionen ein— Die kleinen werden mit einem Bettel, abgefunden Mord aus Eifersucht Nächtliche Schreckengszrne 1« Prag-Weinberge. In der Nacht auf- Donnerstag kam es in Prag-Weinberge zu einem aufsehenerregenden Mord. Der 24jährige arbeitslose Kellner Stanislav Kvapil tötete gegen 2 Uhr früh in der Londoner Straße seine frühere Geliebte, die Iüjahrige Anna LukeSova, durch einen Messerstich ins Herz. Kvapil hatte sich vor 14 Tagen mit der LukeSova entzweit und traf sie Mittwoch abends in einem Prager Nachtlokal in Gesellschaft ihres neuen Freundes. Als er ihr dort eine Szene machte, und.mit einem Bierglas nach ihr warf, wurde er aus dem Lokal gewiesen. Der neue Freund der Frau begleitete ihn noch bis zu seiner früheren Wohnung in der Hopfenstockgasse. Kvapil blieb dort aber nicht, sondern nahm aus der Küche ein großes Messer und ging nach Weinberge, wo er vor der Wohnung der Lukeöova in der dunklen Haustür auf sie lauerte. Als sie in Begleitung ihres neuen Freundes zurückkehrte, fiel er über sie her, holte sie auf der Flucht ein und stach blindlings auf sie ein. Herbeieilende Polizisten konnten den Mord nicht mehr verhindern, sondern nur noch den Mörder verhaften. Kvapil behauptet jetzt, daß er der Ermordeten nur einen Denkzettel habe geben wollen, um sic auf diese Weise wieder einem ordentlichen Lebenswandel zuzuführen. Tribüneneinsturz in Czernowitz bei einem Konzert der rumänischen Monsterkayelke Czernowitz, 10. Juli. Während eines Konzertes, das die 700 Mann starke Militärkapelle bei ihrer Rückkehr von einer Auslandstournee veranstaltete, die sie auch in die Tschechoslowakei nach Prag, Karlsbad und Brünn geführt hatte, ereignete sich ein großes Unglück. Die mit Zuhörern vollbesetzte Tribüne stiirzte während des Konzertes ein, wobei etwa 100 Personen verletzt wurden. 28 Personen muhten mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Der Unfall rief unter dem Konzertpublikum eine unbeschreibliche Panik hervor. Photographieverbot. Das deutsche Propagandaministerium hat Vorschriften über das Photographieren erlassen, denen zufolge Photographieren vom Flugzeug aus ohne vorhergehende Bewilligung verboten ist. WeiterS sind verboten Aufnahmen von Massenübungen jeder Art, von Bauten, Arbeitslagern sowie von Versammlungen und Massenveranstaltungen, bei welchen ein Eintrittsgeld erhoben wird.^—Angenschcinlichsolldev militärische Charakter des Arbeitsdienstes etc. dem Ausland tunlichst verheimlicht werden. Fünf amerikanische Flieger traten am Donnerstag von Chicago aus einen Flug um die Welt an und stiegen mit ihrem Sikorsky-Wafferflugzeug zur ersten Etappe nach New York auf. AIS Landungsplätze find bis jetzt die Bermuva-Jnseln die Azoren, Paris, Berlin und Moskau vorgesehen. Schießerei mit Bankräubern. In der bei Barcelona gelegenen Ortschaft Diataro wurde am Mittwoch eine Bankfiliale von acht bewaffneten Räubern, die in zwei von ihnen gestohlenen Autodroschken vorgefähren waren, überfallen. Die Aufforderung der Banditen» die Hände, hoch zu halten, beantwortete das Bankpersonal mit Schüssen. Die Räuber feuerten darauf auch ihrerseits und verletzten den Bankdirektor schwer.- Darauf flüchteten sie. Auf ihrer.Flucht kam es zu einer Schießerei mit Geicharmen, die mehrere der Räuber festnahmen. Lieber Demission als Gehaltskürzung. Der Gouverneur der bulgarischen Nationalbank Dr. Nikola Montfchilo, dem sein Gehalt von 52.800 auf 18.800 LewaS reduziert wurde, hat demissioniert. Aus demselben Grunde hat auch der Direktorstellvertreter der Hypothekenbank Teodor Teodorow sein Amt niedergelegt. Röhm bereitet die zweite Revolution vor Von Paul Diner Däne». Röhm, Heines, Ernst und zahlreiche Gleichgesinnte halten eine Gehcimberatung ab. Röhm eröffnet die Sitzung:„Ich habe euch, liebe Freunde, zusammenberusen, um flammenden Protest zu erheben, gegen die Ungerechtigkeit, die uns— die wahrscheinlich die Mehrheit, aber sicherlich die Elite der SA bilden,— auf Schritt und Tritt wider- sährt. Wir tverden geknebelt, geknechtet, unser« heiligen Gefühle- werden mißachtet. Ich habe mit selbstloser Aufopferung die herrliche SA geschaffen, um unsere Menschenrechte zu erkämpfen." „Um dies zu erreichen, mußten wir erst die erste Revolution siegreich zu Ende führen. Unsere tapferen Jungens kämpften wie die Löwen. Wir scheuten uns nicht, weder das Geld noch das Blut der Andersgesinnten zu opfern. Im Interesse unserer Sache schreckten wir selbst vor den grausamsten Bestalitäten nicht zurück. Die erste Revolution ist siegreich beendet. Nun müssen wir zu neuen Taten schreiten. Ich bitte um Vorschläge. Heil Hitler." Die. Teilnehmer erheben sich und rufen dreimal: ^jekl.Hitlers" ' Prag, 10. Juli. Der gestern vor dem hiesigen Kreisgerichte erledigte Spionageprozeß mutet wie ein Auftakt einer weiteren Spionageangülegenheit an, die heute vor dem Senat Trost begonnen wurde und deren Prozeßdauer auf zwei Tage veranschlagt war. Tatsächlich stehen diesen beiden Fälle in innerlichem Zusammenhang, doch führt der heute begonnene Prozeß in eine ganz andere Sphäre. Dieser heutige Prozeß hat seinen Ursprung in den Erhebungen um die sowjetrussische S p i o« nageaktionbei denSkodawerken, die im November des Vorjahres zur Verurteilung von zwölf Angeklagten führte. Der gestrige Prozeß stellt eine Ergänzung dieses Falles dar, der heutige aber fiihrt in die Welt des internationalen Spionagigrschäft» ein. In diesem heutigen Fall ist keine Rede von dem' Motiv persönlicher Ueberzeugung. In diesem Falle handelt es sich um die Ausbeutung von Kenntnissen, um gewisse Geheimnisse der inländischen Waffenfabrikation. Es darf freilich nicht verschwiegen bleiben, daß im Hintergründe der heute eingeflagten Straftaten da» Gespenst der Arbeitslosigkeit steht. Bor dem Senat Trost waren angeklagt die 40jährigen technischen Beamten der Skodawerke Johann T r n ka und Wenzel H r ad e c k h, ferner der 68jährige Fräser Josef Hrdliika und der 88- jährige technische Beamte Josef K Y n c l nebst seiner Frau Anna Kyncl. Trnka und Hrdliöka sind angeklagt der„Vorbereitung von Anschlägen gegen die Republik" nach 8 2 des Schuhgesctzcs, die übrigen Angeklagten des Militärverrates nach 8 6 des Schuh» gesehes. Der Erstangeklagte Trnka, der als technischer Beamter von 1010 an in der KonstruktionS- abteilung der Skodawerke als Zeichner beschäftigt war, wurde im August 1088 abgebaut. Er beriet sich mit seinem Kollegen Wenzel Hradeekh, einem russischen Legionär, über die Möglichkeit, seine fachlichen Kenntisse zu verwerten. In weiterer Folge kam er mit dem dritten Angeklagten Hrdliöka zusammen, der al» Exponent des russischen Spionagedienste» bereits im November des Vorjahre» zu vier Jahren Kerkers verurteilt worden ist und der auch im gestrigen Spionageprozeß eine Rolle spielte. Dieser Hrdliöka ist in diesem Prozeß der einzige über- Grenzen kapitalistischer Planwirtschaft Die Aussicht« in U. S. A. In seiner wirtschaftlichen Übersicht des Monats Juni teilt der Amerikanische Gelverk« schaftsbund(A. F. of L.) mit, daß der wirtschaftliche Aufstieg des Frühjahrs im April seinen Höhepunkt erreicht hat und i m M a i und Juni dieGeschäftslage wieder schlechter geworden ist: „Die Automobilcrzeugung ging von 90.886 Wagen in der Woche des 28. April auf 64.186 Wagen in der Woche des 2. Juni zurück. Tausende von Arbeitern sind entlassen worden. Die Stahlproduktion ging von 61 Prozent der Produktionskapazität(Woche des 12. Mai) auf 80 Prozent (Woche des 26. Mai) zurück. Man rechnet damit, daß sie während des Sommers auf 88 bis 40 Prozent zurückgchcn wird. Der Index für die Gesamtproduktion in der Industrie sank von 70.8 Prozent der normalen Produktion(April) Htf 77.4 Prozent im Mai. Der Index für Produktion und Konsunl der„New Nork Times" fiel von 88.7 in der Woche des 28. April auf 84.0 in der vierten Woche Dtai. Gin Rückgang ist für die Berichts- Heines:„Die erste Revolution ist siegreich beendet. Aber das Berliner Eldorado, diese erquickend interessante Gaststätte ist geschloffen worden. Wir dürfen seit mehr als einem Jcchr die Fregoli-Kunst- stücke unserer heldenhaften Jünglinge nicht mehr bewundern. Liebe Freunde, stellt Euch nur vor, welch' selbstlose Aufopferung diese Männer— die uns vor der Versuchung: Weib schützen sollen— anfbringen müssen, indem sie sich als Frauen verfleiden. Sie wollen uns mit Verleugnung ihres eigenen Ich vor den tausend Gefahren, die uns von dieser Seite drohen, schützen. Und die Schließung dieses Lokals ist der Dairk dafür. Unser erster Programmpunkt muß also lauten:„Schaffung eines Eldoradotrustes. Sitz Berlin, mit Filialen in jeder größeren Stadt mit über 100.000 Einwohnern. Heil Hitler." Die Teilnehmer springen von ihren Plätzen auf und stimmen in den'Ruf ein, Ernst:„Kürzlich traf ich einen dieser brotlos gewordenen Fregolikünstler. Er flagte mir sei» Leid. Er könne sich nicht einmal einen Anzug kaufen. Er sei gezwungen, ständig seine Berufskleidung zu tragen. Unh diese Kleidung verschlinge Unsummen. Es gehören dazu, um nur das billigste zu nennen, seidene Strümpfe. WeiterS Puder, Schminke, Lippenstift und dergleichen teuere Dinge mehr. Und dabei ... Kürzlich saß er. im Kaffeehaus mit hungrigem Magen. Er hatte, schon seit zwei Tagen trotz aller zeugungstreue Kommunist. Alle anderen find Kvn- junkturjäger, die bis dahin in der tschechischen nationalsozialistischen Partei orga» nisiert waren. Zu diesen Kreaturen gehört auch Josef Kyncl und Frau. Trnka schacherte zunächst mit Exponenten Sowjetrußland» um die Ueber- laffung verschiedener Konstruktionsskizzen, mathematischer Kalkulationen und chemischer Analysen kriegstechnischer Art. Diese Geschäfte zerschlugen sich. Im weiteren Verlauf bot Trnka der schwedische» Wassenfabrik„Bofor»", der spanisch,» Wasfrnsirma„Vackoe" und endlich der japanischen, chinesischen und italienischen Ge» sandschaft in Wie« allerlei militärische Geheimnisse zum Kauf an. Diese Geschäfte wickelt« er mit Hilfe de» Angeklagten Kyncl ab, der mit Trnka auch nach I u g o» slavien fuhr, um schließlich, als man ihn dort ohne weitere» hinauswarf, in Ungarn feine Dokument« zu offerieren. Nur die Magyaren nahmen ihn ernst und interessierten sich vor allem für die Panzerautos und Tanks unserer Armee. Da» Spionagrgeschäft ist«in««rentable» Gewerbe für die kleinen Ag«tr«, gar nicht, zu reden von seiner Verächtlichkeit. Besser gesagt: Die keinen Stümper von der Art dieser Angeklagten werden mit bettelhaftcn Beträgen abgefertigt, während dieHauptagenten ohne Gefahr fabelhafte Beträge einstecken. Man hat diese armen Teufel, die sich doch einen reichen Judaslohn versprachen, mit Entlohnungen zwischen 700 und 2000 flä abgcfertigt und nach vollendeter Tournee hatten sie in Gmünd nicht einmal so viel Geld, um nachPragzurückzu kehren. Es geht hier so zu, wie in verschiedenen legale» Erwerbszweigen auch. Die über Millionen disponierende» und in Sicherheit befindlichen Oberagenten speisen di« eigentlichen Gefahrenträger, di» klein«» Macher von der Art dieser Angeklagten mit einem Bettel ab. Die unter Ausschluß derOeffent« l i ch k e i t durchgefühcte Verhandlung wurde in den späten NachinittagSstunden auf u n be- st i m m t e Zeit vertagt, da sich die Ladung weiterer Zeugen als notwendig erwiesen hatte. rb. Periode normal. Die wichtige Frage ist nun diese: wird der Rückgang nach der„kleinen Auswärtsbewegung" im Frühling über das Normale hinauS- ' stehen?'Die Expertes glauben in der Tat, daß der Rückgang ein wenig über das Normale hinaus» gehen und daß er bis spätestens Sommer(schon wegen der großen Trockenheit, d. R.) anhalten .lvird. Die Produktion hat diesen Frühling die Kaufkraft wieder überflügelt. Obwohl die Differenz relativ klein ist und die Anpassung zwischen Produktion und Kaufkraft besser eingehalten wurde als im vergangenen Jahr, so steht auf alle Fälle fest, daß die vorhandene Kaufkraft nicht genügt, um zur Zeit einen weiteren Antrieb zu erzeugen." Da Roosevelt im Laufe seiner Amtszeit seine Maßnahmen nie in der Absicht eingeleitet Hai, die ganze Wirtschaftsführung systematisch planloirt- schaftlich zu gestalten, sondern in erster Linie darauf auSging, die Krise innerhalb der kapitalistischen amerikanischen Wirtschaft möglichst planmäßig, d. h. so planmäßig, als cS eben der libe« ralistische Kapitalismus zuläßt, zu überlvinden und so der kapitalistischen Geschäftstätigkeit einen entscheidenden Antrieb zu geben, hängt natürlich daS Gelingen seines Experiments vor allem auch davon.ab, ob die kapitalistischen Unternehmer, für die er imRahmen derGesamt wirtschaft soviel tut, auch ihrerseits ihre Pflicht erfülle n.d. h. ob sic die große Initiative Roosevelts durch ihre eigene Initiative umerstüheii. Mühe und Arbeit kein Geschäft gemacht. Um seinen knurrenden Magen zu täuschen, zündete er sich seine letzte Zigarette an. Plötzlich raste der Geschäftsführer zu ihm und schrie ihn wütend an:„Fräulein, ein deutsches Btädchcn raucht nicht, schminkt und pudort sich nicht." Und riß ihm die Zigarette aus dem Mund, warf sie zu Boden und zerstampfte sie. Unser geliebter Stabschef ist kürzlich gegen das Muckertum losgezogen. Dieses Beispiel ist das Muckertum in Reinkultur. Unser zweiter Programmpunkt muß also lauten: Kampf gegen daS Muckertum l Rauch- und Schminkfreiheit für unsere Fregolikünstler! Heil Hitler!" Die Teilnehmer erheben sich und rufen dreimal: „Heil Hitler!" Röhm:„Meldet sich noch jemand zu Wort? Hat jemand noch einen Vorschlag zu machen?" Niemand meldet sich. Röhm:„Ich verkünde also das Programm der zweiten Revolution: 1, Schaffung eines Eldoradotrusts. 2. Kampf gegen das Muckertum. 8. Rauch- und Schmipkfreiheit für unsere Fregolikünstler. Heil Hitler." Die Teilnehmer springen begeistert von ihren Sitzen auf, erheben die rechte Hand zum Hitlcrgruh und rufen mit glänzenden Augen:„Aus zur zweiten Revolution! Heil Hitler!" M iffM AnlllMfl der Arbeitenür sorge! Daran scheint e», dem Bericht der A.F. of L. nach zu schließen, gründlich zu fehlen! Auch wenn in diesem Bericht keine weittragenden Konsequenzen gezogen werden, gibt er auf alle Falle den Tatbestand zu, indem er sagt: „Die Regierung hoffte, daß im Frühling die private Initiative dem Anstoß der Regier ung folgen werde. Nach Beendigung des Frühjahrsaufschwunges muß jedoch festgestellt werden, daß die Wirtschaft noch nicht bereit ist, selber vorwärts zu schreiten,, daß sie immer noch vom finanziellen Antrieb der Regierung abhängt. Die Geschäftswelt fühlt sich noch nicht veranlaßt, Geld zu leihen für die Erweiterung oder Verbesserung ihrer Anlagen, die Millionen von Menschen Arbeit geben und die Wirtschaft in Schwung bringen könnten. Die Banken ihrerseits sind ebenfalls noch nicht bereit, Geld vorzuschießen für solche Unternehmen."...„Die Geschäftswelt schiebt die geringste Ausgabe hinaus, da sie keine garantierie Aussicht für große Gewinne sieht." Man sieh^ NichtderWillezur Gesundung der Gesamtwirtschaft und damit der ganzen Nation istmaßgebend, sondern lediglich der Wille zum individuellen Gewinn. Da der Borwurf des Mangels an Initiative insbesondere jene Industrien trifft, die bei jeder wirtschaftlichen Erholung den Ton angeben und angeben müssen (ProdultionSmiitelindnstrie, Baugewerbe, Schwerindustrie usw.) stellt sich natürlich die Frage, ob Roosevelt nicht früher oder später gezwungen sein wird, da und dort einen gewissen Druck auSzu- üben(was ihm dann, besonders seitens der Fascisten, neuerdings den Borwurf eintragen wird, er sei ein Diktator, obivohl man ihm beileibe nicht nachsagen kann, cS nicht vorher gütlich und auf dem Wege der Freiwilligkeit versucht zu haben l). Auch die A. F. of L. stellt eine diesbezügliche Crivägung an, d. h. sie fragt sich ganz offen, ob vielleicht Roosevelt nicht genug Planwirtschaft betreibt, was heißt, ob nicht vielleicht halbe Maßnahmen auf ivirtschaftlichem Gebiet ein schlechtes Geschäft sind, weil dadurch aus der einen Seite allein schlechten Willen freier Lauf gelassen und auf der anderen Seite der gute Wille in die Unmöglichkeit versetzt wird, durchzugreifen. Wenn man das Problem von dieser Seite betrachtet, so kann der Dchlußbemerkung des Be- ''richtcs der A. F. of'L. nicht genug'Bedeutung bci-- geinesscn werden:„Die Tatsache ist heul- noch nicht genug anerkannt, daß in unserer Zeit der Maflen-Maschincnfabrikation eine Regelung im ureigensten Interesse der gegenlvärtigcn Wirtschaftsordnung steht. Die gegenivärtigen Unsicherheiten zerstören das Vertrauen, wcildie Geschäftsleute keinen umfassende nPlanfürdieZukun ft ge- ivahr werden können. DicNJRA hatauf dem Gebiete derFor- schung und Planung versagt: sic hat die wirtschaftliche Tätig- keitnichtso geplant, um eine alles umfassende wirtschaftliche Erholung zu erreiche n." Film am Rande i. Eine statistische Aufstellung der in der letzten Saison in der Republik aufgeführten Spielfilme zeigt, daß ettva 40 Prozent der gezeigten Filme aus Hitlerdeutschland gekommen sind. DaS wäre selbst dann schtoer zu ertragen, wenn das Land der Kanieradeukiller und Konzentrationslager-Höllen die, künsilerisch gesehen, besten Filme im weiten Abstand von allen anderen Produzenten liefern würde... Völlig unerträglich ist diese Situation jedoch, wenn maß bedenkt, wie niveaulos, wie hoffnungslos gekitscht, und wie tendenzübel all der Gelatine- Müll ist, der aus dem Lande des Herr Goering kommt. Jegliche Motivierung aus Vernunftgründen fällt also' fort.'Hier scheint,' tvcnn es auch paradox klingt, das alte Sprichwort lvahrhaft zu lverden, daß sich Extreme zu berühre« pflegen. Die rassischen Extreme also. In» Ernst gesprochen: wie lange will sich das Publikum diese Invasion sterbenslangweiliger Schmarren aus dem Blutreich noch lainmSge- duldig und Eintrittsgeld zahlend mitansehen?! II. Allster K e a t o n, der Filmhumorist von vielen Grade», der uns mit der melancholischen Philosophie seiner intellektuell vertieften Exzentrik so oft zu unterhalten wußte, s.eht einem Problem gegenüber, den» er niit philosophischer Gelassenheit allein nicht beikommen wird. Er, der einst so oft und einträglich beschäftigt« Schauspieler, hat Konkurs beantragen müssen. Seine Aktiven betragen n«r 2100 Pfund, denen Verbindlichkeiten in Höhe von 61.000 Pfund gegenüberstehen. Ein Symptom für die Diktatur des rein Modischen im Film, die heute maßlos umschwärmte Stars, morgen zu fast vergessenen Bankrotteuren werden läßt. Hier zeigt sich di« typische Unkultur und Physiognomielosigkeit des kapitalistischen Nur- GeschästS! P. Seite 6 Freitag, 20. Juli 1934. Nr. 167 Unterschrift: PRAGER ZEITUNG Literatur VcrcinsnadirKhlcn FRAG 9. a) b) c) Genaue Adresse: Abonnements- Bestellschein. Badeausflug zum Kun- raticer Mühlteich. A b m a r sch Sonntag um 7 Uhr früh ab Endstation der Linie 14 in Kaöerov. Gäste will! o m- m e n. in Prag H.. Närodni trida e OrtSzruppe Prag. Sonntag, den 22. Juli, um 7 Uhr am Smichover Bahnhof. Fahrt nach Dobkicho- toitz. Wanderung: Hvijdinee, Revnic, Zadni Tkebaü. Führer: Win« ternitz.— Urlaubsberatungen, Anmeldungen und Auskünfte jeden Freitag von 6 bis halb 8 Uhr in der Geschäftsstelle Nr. 4, II. Stock. Häufige Anfragen und Beschwerden von SA- seine Zustimmung zu der von der Justizbehörde Führern und deren Rechtsberatern lassen erkennen, I getroffenen Regelung zu erteilen. Mitteilungen aus dem Publikum Stuhlverftopfung. Gutachten von Krankenhäusern bezeugen, dass das natürliche„Franz-Jeses"- Bitterwasser selbst von Bettlägerigen gern genommen und sehr bekömmlich gefunden wird. 2108 Die ständigen Wählerverzeichnisse daß viele Staatsanwälte und Richter dem Wunsche der<591, Straftaten von SA-Männern in engster Verbindung mit dem zuständigen SA-Führer oder Rechtsberater zu untersuchen, ablehnend gegenüberstehen. Teils wird als Grund die Pflicht zur Wahrung des Amtsgeheimnisses vorgeschoben, teils ist er^ kennbar, dass eine unüberwindliche Animosität gegen die SA überhaupt der Beweggrund ist. Durch geeignete Verhandlungen zwischen SA-Führern einerseits und Staatsanwaltschaft und Gerichtsbehörden andererseits mutz die Zeit bis zur gesetzlichen Regelung der SA-Gerichtsordnung überbrückt werden, damit nicht tausende von Verfahren gegen SA-Männer zur Freude einer gewissen Oeffentlichkeit durchgeführt werden. Im Interesse der SA ist die Angelegenheit unverzüglich zu erledigen, die Gruppenrechtsberater haben darin vorerst ihre wichtigste Aufgabe zu erblicken. lieber entstehende Schwierigkeiten ist auf dem RcchtSdienstwege unmittelbar an die Oberste SA- Führung, Abteilung III, zu berichten. Der Chef des Stabes: gez. Röhm. G Es geht also aus diesen Dokumenten klar hervor, lvie versucht wird, die SA und SS, auch wenn sie mordet, stiehlt, Fälschungen begeht usw., der strafrechtlichen Verfolgung zu entziehen. SS wirft auch ein grelles Licht auf die Justizverhält- nisse in Deutschland, wenn der Generalstaatsanwalt in Kiel einem SA-Gruppenfiihrer ersucht. An.... zur Stellungnahme gemäss der Ziffer 9 dieses Frage bogens. an 1. 2 8. 4. g. 7. 8. dein genannten SA-Mann lvird folgende strafbare Handlung zur Last gelegt Stellungnahme des zuständigen Sturmführers (bzlv. des übergeordneten SA-FührerS).•.. allgemein(bisheriges dienstliches und ausserdienstliches Verhalten des Angeschuldigten, Charakter und Persönlichkeit des Angeschul- digten): i.... falls cs sich bei der Straftat um Körperverletzung, Misshandlung, Beleidigung, Sachbeschädigung und dergleichen handelt, Stellungnahme, ob der An- geschnldigte vielleicht aus persönlicher Einstellung (Rachebedürfnis, Feindschaft, früherer Streit) gegen den Betroffenen gehandelt hat:..... falls es sich um Verletzung des Eigentums(Diebstahl, Betrug, llnterschlagung usw.) handelt, Stellungnahme, ob der Angeschuldigte in ausgesprochen gewinnsüchtiger Absicht gehandelt hat oder nicht:.. unter dem unmöglichen Grossniuttcrtuch. Aber vielleicht war es nur ein Gcschäftsdiener oder ein Schneiderlehrling, der ettoas für den Vater brachte? Sic erinnerte sich nicht„Herein"! gesagt zu Wven, als die Tür aufging und der Hausherr, Dr. Frcyberg, in Mantel und Hut eintrat, sich vor ihr verbeugte. Eva zuckte zusammen, als lvcnn nun ein Unglück geschehen müsste. Es flirrte ihr vor den Augen. Vielleicht hatte der Vater schon einige Male keinen Zins gezahlt. Er kam mahnen, kündigen, delogieren. Sie lvar ganz verwirrt vom Schrek- ken. Dr. Frcyberg lvar noch nie in ihre Wohnung gekommen. Sie hatte ihn öfters schon auf der Treppe gesehen; sie hatte manchmal in seiner Kanzlei mit ihm über Ofenreparaiuren, Wasserlei- tungsdcfekten und andere Mieterbeschwerdcn geschäftlich verhandelt; sie'hatte sich da immer ge- wundert, Ivie überaus liebcnSlvürdig und zuvorkommend er gegen sie gewesen lvar, während er doch allgemein als rücksichtsloser, kurz angebundener Geschäftsmann galt. Der Doktor stand immer noch mit dem Hut in der Hand vor ihr und entschuldigte sich ausführlich wegen der so späten Stunde. Sie vergass aus Angst vor dem, was nun kommen lvürde, wie sie in dem Hausrock, dem Wolltuch und den alte» Hausschuhen aussah und bat ihn, doch Platz zu nehmen. Er habe sicher seine Gründe für die Zeit des Besuches und es habe überhaupt nichts zu sagen. Der Doktor sah da immer noch im offenen Mantel, der sich bei jeder Körperbelvcgung heftig hin- und herlcgte und den eiligen Ernst noch erhöhte, den das Gesicht und die zerstreuten nachlässigen Bewegungen des Doktors hervorricfen. „Können Sie mir vor allem..." Er unter» „Tätigkeit und Bestrebungen des Jnternati». nalen GrwrrkschaftSbundeS 1980/1932." Die vor, liegende Schrift bietet eine Gesamtübersicht der freien Gewerkschaftsbewegung in den Jahren 1980, 1981 und 1982. Sie umfasst den Bericht des Internationalen Gelverkschaftsbundes, der LandeSzentra- len und Internationalen Berufssekretariate. Ein» wichtige Stelle nimmt das Protokoll des 1988 in Druffel stattgefundenen 4. ordentlichen Gewerkschaftskongresses ein, das bedeutsam ist wegen der wiedergegebenen Verhandlungen über die planwirtschaftlichen Forderungen, sozialpolitischen Richtlinien und daS Internationale Schul« und' Erziehungsprogramm. Auch das Protokoll der Internationalen Gelverkschaftlichen Arbeiterinnenkonferenz, die dem Kongress vorauSgegangen war, erfordert allgemeines Jntereffe. Ueberhaupt machen die umfaffenden Berichte und reichhaltigen Ueberfichten diesen Tätigkeitsbericht zu einem Kompendium der internationalen Gewerkschaftsbewegung in allen ihren Teilen. Bestellungen erledigt die Zentralgewerkschaftskommission, Gablonzer Strasse 20, Reichenberg. X{ 28. Name: Letzte Post: Kiel, den 28. September 1988. Der GcneralstaatSanwalt Gesch. Nummer IX. 1./80. An den Herrn Führer der Gnippe Nordmark Kiel, 8 Anlagen. NiemannSweg 46a. Auf die Zuschrift vam 22, September 1988— III Tagebuch Stummer 5791/88— übersende ich in der Anlage ergebens: einen Durchschlag meines Schreibens an den Herrn Regierungspräsidenten in SchlcSlvig und meine Anordnung für die drei Ober- staatSaulvälte der Provinz zur gefälligen Kenntnisnahme. Ich bitte ergebenst, von dort aus sowohl die erforderlichen Befehle an die unterstellten Brigadeführer zu erteilen, als auch das Einverständnis des zuständigen Führers der SS-Information mit der getroffenen Regelung herbeizuführen. gez. Dr. Sauer. München, den 8. November 1988. Der Oberste SA-Führer III Nummer 1650/88 Verteilt nach Verteiler III. Betrifft: SA-Gerichtsbarkeit. Der Fragebogen ist nach Ausfüllung zurückzusenden. Name und Vonmme:. geboren ain.. Ort der Geburt. Jetziger Wohnort Standarte.... Sturm. Zeit des Eintrittes in die SA. Milgliedsmnmner der NSDAP.. der Hauptstadt Prag werden für die Dauer von acht Tagen vom 24. bis 31. Juli 1984 wochentags von 8 bis 14 Uhr und von 16 Lis 18 Uhr, Sonntag von 8 bis 12 Uhr für Prag I bis VII im städtischen Wählcrkatafter im Altstädte«: Rathaus, für die übrigen Stadtbezirke in den bezüglichen Magi- stratsämtcrn aufgelegt. Fahrt inS Blaue. Die Staatsbahndirektion Prag veranstaltet am Sonntag, den 22. Juli, eine „Fahrt ins Blaue". Baden in der Natur. Preis: 55 K£. Abonniere ab.....,.> 1984 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „GoatalQemotrat" Verwaltung Prag XU., Fochova tr. 62, zum Preise von 16 XL monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. brach sich leise, auf die Türe der Nebenzimmer deutend:„Schlafen Ihre Geschwister schon?" Eva nickte, obgleich sie wusste, dass der eine noch auf sei und seine Aufgaben schrieb und dem zweiten bei einer Zeichnung half. Sie war zu gespannt, sich dabei länger aufzuhalten. Der Doktor schtvicg aber auf einmal und sah vor sich hin: mit seinen Zähnen nervös an den Lippen hin- und hcrbeissend. Dann begann er langsam, wurde im Roden ruhiger und lächelte später sogar. „Wo sollen Ivir anfangen?" begann er. „Kennen Sie das Verhältnis meiner Frau zu Ihrem Vater? Ja, ich sehe eS Ihnen an; ich ivusste es auch, dass es Ihnen bekannt sein muss!— Meine Frau— ich habe seit Jahren keine Frau inehr— Ihr Vater ist daran nur zum geringen Teil schuld. Ich tvill ihn überhaupt nicht verurteilen. Aber Sie, Fräulein Eva, Sie werden von diesen« Manne um Ihr Leben gebracht. Sehen Sie das nicht? Er hat Ihnen die Ueberzeugung eingeimpft, dass Sie sich ftir den Haushalt und für die Kinder opfern müssen. Sie sind aber zn gut. Sie sind zu frisch und zu jung für eine so unrettbare Verkümmerung..." „Wozu ist er hergekommen? Das ist doch noch immer, eine Einleitung", dachte sie staunend und sagte:„Ich kann noch nicht sehr verkümmert sein, tuen» Sie mich im gleichen Atem so frisch und jung finden. ÜebrigcnS bin ich nichts weniger als schön." DaS sagte sie so ohne weiteres?" Er wunderte sich voll Anerkennung und daS blasse, aber kräftige Gesicht mit vortretcndem Kinn und Hellen eifrigen Augen schien ihm so mit ihrer Natur im Zusainmenhang, dass er sich sie gar nicht anders, gar nicht schöner denken konnte. (Schluss folgt.) Spart• Spiel• Körperpflege Atu», V. KrriS.(Fuhball.) Die Vorrunde um die Halbkreismeisterschaft hat bereits begonnen. Um verschiedene Irrtümer zu vermeiden, diene daher den Gen. Bezirksspielleitern folgendes zur Kenntnis: Die BczirkSfpielleiter sind verpflichtet, im Einvernehmen mit dem bauenden Verein sämtliche Vorarbeiten zu treffen. Der bauende Verein stellt die Bälle und hat für die Platzordnung Sorge zu tragen. Die Abrechnung ist mit dem KreiSvertretcr so- ort durchzuführen. Die Bezirksspielleiter werden beauftragt, diejenigen Verein«, welche bis zum 1. August 1984 ihre Strafe nicht erlegt haben, ab 4. August zu sperren. Die Strafgelder sind beim Kreiskassier sofort abzurechnen, unter anderem ein Verzeichnis über die Vereine, die ihrer Pflicht nicht nachgekommen sind, müsse«« der Kreisleitung übermittelt iverden. Alle Voranzeigen über die Kreis, spiele haben die Bezirksleitungen selbst zu treffen. Die Kreisspielleitung. Kleine Tragödie am Mafaryk-Bahnhof Grobstadthasten am Masarl;kbahi«hof. Reisende eilen vorüber, noch erhitzt von der Fahrt, erregt von der Flut neuartiger Eindrücke, die sie zu überwältigen droht.», Ein junges, verschüchtertes Mädchen steht«ms der Strasse, dicht vor der Bahnhofshalle und starrt ratlos vor sich hin. Zwei grosse Koffer stehen wie treue Wachhunde vor ihr. Das Mädchen betrachtet sie aufmerksam, dann läuft ein Zucken der Hilflosigkeit über ihr Gesicht. Ein Kofferträger naht, ein alter, unsäglich zerlumpt und verelendet anssehender Mann. Er> nimmt dem Mädchei« den eine«« Koffer ab. Sie gibt ihn zögernd, widerwillig—, behält ängstlich den andern.... So trotten sie ab. DaS seltsame Paar ist kaum zehn Schritte gegangen, als ein uniformierter Gepäckträger kommt. Nicht so ein zerlumpter und zerfetzter wie der, der jetzt neben dem jungen Mädchen hcrkeucht. Sondern einer von denen, die Vertrauen rinflösen und nach Solidität auö- schauen, breit, energisch, selbstbewusst... Der Uniformierte nimmt dem zerlumpten ohne viel Federlesens den Koffer ab, stösst ihn zur Seite. Dani« nimmt er auch den zweiten Koffer des Mädchens. Er erhält ihn— ohne Zögern, ohne Widerspruch.., Fassungslos, in ohnmächtiger, weinender Wut, steht der Alte da«md sieht seine Hoffnung auf einen kleinen Verdienst dahinschwinden. Dann geht er langsam, gebrochen zurück... —re. CS liegt nunmehr der unwiderlegbare Beweis dafür vor, dass in Hitlerdeutschland SA- oder SS-Angehörige die schwersten kriminellen Verbrechen begehen können, ohne dafiir bestraft zu werden. Wehe dem Staatsanwalt, der so naiv ist, gegen SA- oder SS-Angehörige Anklage zu erheben. Wenn er nicht sofort aus dem Amte gejagt wird, tvird er zuinindest in ein ganz entlegenes Provinzncst versetzt. Aus den nachfolgenden Dokumenten«vcrden die Zusammenhänge klar. Es ist sehr aufschlussreich, dass Röhn« selbst von tausenden Anklagen von SA-Leuten" und deren Unbeliebtheit bei einer„gewissen Oeffentlichkeit" spricht. Lassen wir nnn die Dokumente, für deren Echtheit die Garantie übernommen werden kann, sprechen: Der Preussische Jnstizminister I. 4880. Berlin, den 26. August 1988. Einzelne Oberstaatsanwälte haben über Missverständnisse berichtet, die sich bei der Durchführung von Strafverfahren gegei« SA- und SS-Mitglieder ergeben haben. Solche Unstinnnigkeitei« haben sich «neist dann gezeigt, Ivenn zwischen der Staatsanwaltschaft und den SA- oder SS-Führern nicht der not» tvendige persönliche Znsammenhang^besteht. In weitaus den meisten Straffällen, die sich gegen SA- und SS-Mitglieder richteten, hätte persönliche Aussprache zwischen den betreffenden Staatsanwaltschaften und SA-Führern eine völlige Klärung der Sachlage und damit reibungslose Durchführung des Verfahrens zur Folge gehabt. Ich ersuche daher, vor Anstellung von sachlichen Eruiittlungen sich sofort persönlich mit den SA- bzw. SS-Führern in Verbindung zu sehen und ihnen den Sachverhalt und die Zweckmässigkeit des strafrechtlichen Einschreitens darznlegen. Festnahmen seitens der Staatsanwaltschaft sind zu nnter- lasseir, wenn die SA- oder SS-Führung selbst für die Sichernngsverwahruiig des Beschuldigten sorgt. Bor meiner Entscheidung ist vor weiteren Mass- nahnien abzusehen.' gez. Kerrl. An die Provinzial-Justizbehörden. Ter Generalstaatsanwalt IX. 1/80. Kiel, den 28. September 1988. An den Herrn OberstaatsaiNvalt in Altona, Kiel, Flensburg. linier Bezugnahine auf die Anordnung des Herrn Preussische«« Justizministers vom 26. August 1988— f. 4880 und dessen weitere Anordnung vom 12. September dS. Js.— IV. f 8821 c/88— ersuche ich in Zukunft bei Strafsache«« gegei« SA» und SS- Angehörige in folgender Weise zu verfahren I«« Zukunft werden die Verantwortliche«« Ver- «iehnmngen beschuldigter SA- oder SS-Männer unter Beifügung eines äusgefüllten Fragebogens erfolgen. Den Fragebogen bitte ich von dort aus unmittelbar dem zuständige«« Stnrmführer zuzuleiten. Der weitere Fortgang des Strafermittlungsverfahrens ist dann so gedacht, dass die Staatsanwaltschaft bzw. die Amtsanwaltschaft sogleich dem zuständigen Bri« gadeführer von der dem SA- oder SS-Mann zur Last gelegte«« strafbaren Handlung Kenntnis gibt. Kommt der Brigadeführer zur Mitbejahung des Borliegens einer Straftat feines Untergebenen, die aber den Ausschluss des Beschuldigten aus der SA oder ST-Forniation nicht für erforderlich erscheinen lässt, etwa, weil das Verhalten eines Beschuldigten als entschuldbar oder nicht als unehrenhaft angesehen «vird, so bitte ich, so gelagerte Fälle vorläufig nicht zur Hauptverhandlung z>« bringen, sondern abzuwarten, ob eine besondere Verordnung ergeht. Bei vorläufige«« FesMahmen voi« SA- oder SS- Männern hat der SA-Führer der Gruppe Nordmark den Wunsch ausgesprochen, dass dabei ebe««so verfahren werden möchte, lvie bei Angehörigen der Reichswehr. Ich habe hiergegen keine Bedenken«md bitte, auch von dort aus diese Handhabung zu unter- stützen. gez. Dr. Sauer. Fragebogen. Sonderjustiz für SA. und GG. Aus einer Dokumentensammlung des Dritten Reiches Der Ausflug ins Unwirkliche Von Oskar Baum Das Ziminer lvar ausgekühlt, da nebenan nirgends geheizt war und die Kinder, die lcicht- sliinigcn, dei« ganzen Tag hin- und herflogen, und die Tür nicht schlossen. Eva sah in ein altes Wolltuch gehüllt und flickte Wäsche. Draussen fiel iinmer noch dicht, gleichmässig und geräuschlos der blasse Schnee, so dass sich die Feilster mit matter Däininerfarbe vom Dunkel abhoben. Eva«nusste wieder an Dr. Frcyberg denken. Es war ihr unbegreiflich, lvie der arme Mensch so leben konnte. Er wusste ja, dass seine Frau ihr« betrog und auslachte. Er hatte keine Freunde, gar keinen Verkehr, nur geschäftlich kam er mit Menschen in Berührung. Wenn er frei war— oft schon hatte cs die Bedienerin erzählt— sobald ihn keine Arbeit mehr abhiclt, sah er bei seinen Büchern oder auch stundenlang regungslos rauchend vor seine«» Schreibtisch mit seinen kräftigen dunklen Augen, ohne etwas zu sehen. Er liess da wohl Erinnerungen oder Pläne vorbeizichcn» aber— Bücher und Erinnerungen konnten einem doch nicht das Leben ausmachcn! Es läutete. Eva dächte, der Vater habe den Schlüssel vergessen. J«n Borziinmer mischte sich eine fremde Stiinme mit der des Dienstmädchens und nach ein paar kurzen Schritten klopfte.es an der Tür. Erschrocken fuhr Eva auf. Wer konnte das denn sein? Was sollte sie tun? Ein Besuch um diese Stunde! Sie hatte ihre schmutzige HauSbluse BezugSb- dingungen: Bei Zustellung InS Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—. vierteljährig XL 48.—. halbjährig XL 96.—, ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden tau: Tarif billigst berechnet. Bet öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manifkripten erfolgt nur bet Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit krlass Nr. 18.800/VII/1980 bewilligt.— Druckerei:»OrbiS", Druck-. Verlags- und ZettungS-A-G., Prag.