14. Jahrgang Samstag, 21. IM 1934 AVWWWWM"'' DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT NHT AUSNAHME DBS MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion HMD Verwaltung mag M.iocnoim< umTOM—T. AM« HERAUSGEBER i SIEGFRIED TAU». CH0MOAKICUR. WILHELM NIESSNER. VBMMWWRMCM» HO AKTEUR. M.»Mil»TRAU55. MAO. Frau Mühsam gibt Auskunft: dem Erfolg, daß die Zerschmetterung der So. zialdemokratie nach wie vor bloß ihr Herzens» wünsch ist, während die einst große kommuni- stische Partei an Marasmus dahinsiecht? Ver. sprechen sich die konnnunistischen Führer, deren Taten und Erfolge für die Arbeiterschaft im um- gekehrten Verhältnis zu der Kraft ihrer Schimpf, und Schreiwcrkzeugy stehen, einen Erfolg im Kampfe gegen den Fascismus durch einen Bund »lit Sozialverrätern und Sozialfascisten? Ist das eine Ausgeburt der unerträglichen Sommer. Hitze? Ach nein! CS ist nur die Reprise eines öden und abgeleierten Kinostückes: Entlarvung der sozialdemokratischen Führer! Handlung: die kommunistischen Fiihrer kennen keine heißere Sehnsucht, als Schulter an Schulter mit der Sozialdemokratie gegen die Gefahr des Faseis» mus zu kämpfen, doch die sozialdemokratischen Führer, die im Solde der Bourgeoisie stehen, verhindern dies. Die tschechischen Sozialdemokraten haben die groteske kommunistische Einladung mit drei- zehn Zeilen abgelehnt. Darüber sittliche Entrü- stung. Die deutsche Parteileitung hat die Ablch» nung ausführlich begründet. Das ist den kam- munistischen Arrangeuren auch nicht recht. Es werden wieder wie schon so oft alle Register gc- zogen, in der Hoffnung, daß endlich doch ein paar sozialdemokratische Arbeiter auf das Ge- fühlSschmalz, mit dem inan sic zu locken sucht und auf das Gezeter, das sich gegen die sozialdcmo. kratischen Führer erhebt, hereinfallen. In keiner einzigen bürgerlichen Zeitung hat die Ablch. nung des kommunistischen Angebotes Geniig. tuung hcrvorgerufcn, dafür wurde auf dieser Seite Freude in der trügerische,» Hoffnung gc- äußert, den sozialdemokratischen Parteien wür- den auS der Ablehnung Verlegenheiten erwachsen. DaS lügt die kommunistische Presse dahin um, die bürgerlichen Blätter seien„voll Ju- bels" über die Ablehnung! Die Kommunisten finden eS unbegreiflich, warum wir uns durch ihre VerleumdungShetze abhalten lassen, mit ihnen eine Einheitsfront einzugehen, denn auch gewisse bürgerliche Parteien halten mit Angriffen gegen uns nicht zurück, ohne daß dies ein Hindernis ftir unser Verbleiben mit ihnen in der Koalition sei. Wenn cs den Herren Koininunistcn nicht bloß um eine Fortsetzung ihrer seit einein. halb Jahrzehnten betriebenen Hetze zu tun wäre, würden sie begreifen, daß eine Einheitsfront, die das Schauspiel zweier Partner bietet, von denen der eine darauf lauert, dem anderen den'Dolch in den Rücken zu stoßen, alles eher als ein wirksames Instrument in« Kampfe gegen den FasciS- mus wäre. Was aber unser Verbleiben in der Regierungskoalition trotz der Angriffe einzelner Regierungsparteien betrifft, so sind wir in der Regierung, um eine Alleinherrschaft der bürger. lichen Parteien im Staate zu verhindern und die denkende Arbeiterschaft weiß recht gut, daß dies dem Fascismus einen festeren Damm entgegen- setzt, als es das hohle, unaufrichtige, hysterische Weitere nortc in Mdesten LreSlau, 20. Juli.■(Jnpreß.) Es werden neu« Einzelheiten über die Mordaktion des SO. Juni in Schlesien bekannt. In LandeShut wurden zwei Kommunisten„auf der Flucht" erschossen. In Breslau ist u. a. auch der Bruder von HeineS ermordet worden. Dieser Bursche war der Führer deS SA-Ubcrfallkommandos, daS nächtlicher Weis«, die Arbeiter zu Dutzenden aü- den Wohnungen holte und sie ins Braune Haus verschleppte, wo sie in. Gegenwart des Fememörders Edmund HeineS in viehischer Weise gefoltert würden. In Waldenburg ist ein Baumeister, der. früher der Deutschnationalen BolkSpartet angehörte, getötet worden. Die Witwe Erich Mühsam», des sozialistische» greisen Dichters, der vorige Woche im Konzentrationslager Oranienburg ermordet wurde, ist in P r a g. Sie hat die Journalisten zu sich gerufen, um die amtliche Lüge des Dritten Reiches, Mühsam habe S e l b st m o r d begangen, zu widerlegen, um Auskunft zu geben über ein Grauen, das zu unfaßbar ist, um unwahr zu sein. Eine sehnige, eckige Frau in schwarzem Kleid, mit harten, vom Gram und Trotz gezeichneten Zügen. Sie erzählt ohne Pathos den Marterweg ihres Mannes, vom Anbruch des Dritten Reiches bis zu seinem Tod, den schauerlich-sachlichen^ Bericht einer siebzehn Monate währenden Todesmarter, aufgefaßt auf trockene Tages- und Mokiatsdaten. Jedes Wort Hinzuge» fügt iväre Abschwächung unvorstellbaren Grauens. Hier das stenographische Protokoll'ihres Berichtes: „Am 28. Feber 1933 wurde mein Mann don der Polizei um halb sechs Uhr früh aus dem Bett geholt. Man brachte ihn in das Gefängnis in der Lehrter Straße. Dort blieb er länger als zwei Monate. Ich will niemandem Unrecht titn und jedem seine Ehre lasten, deshalb erkläre ich, daß er iin Gefängnis nicht geschlagen WM. Für Sin 6. April, es war daS sein Geburtstag, hatte ich hie Erlaubnis bekommen, ihn zu sprechen. Als ich in das Gefängnis kam, sagte man mir, mein Mann sei nach dem Konzentrationslager Sonnenburg gebracht worden; die Sprech-Erlaubnis wurde auf den 8. April umgeschrieben. An diesem Tag besuchte ich ihn in Sonnenburg. Er sah furchtbar aus, die Zähne warm eingefchlagm, daS Gesicht war blutig, derBart tvar völlig verschnitten, um ihm so ein„jüdisches" Aussehen zu geben. Gr erzählte mir, daß man ihn und seine Genoffen bei der Einlieferung zwingen wollte» daS Deutschlandlied zu singen. Da sie sich weigerten, wurden sie zu Boden geworfen und getreten und geschlagen. Der„Sonnenburger Anzeiger" hat über diesen Vorfall mit den Worten berichtet: „Die Häftlinge wollten das Deutschlandlied nicht singen und deshalb half man eben mit Gummi« wütteln nach". Fascismus, vernichtet werden muß! Ich fuhr sofort nach Oranienburg und be. Wie? Die Kommunisten wollen mit uns kam dort nach langer Mühe die Erlaubnis, die gemeinsam gegen den Fascismus känipsen, dessen Leiche meine» Manne», die in einem Sarg be».Schrittmacher zu sein sie von uns behaupten? reit» auf den Lagerfriedhof gebracht worden Mit uns, deren Einsargung sie bereits einige war, zu seh«. Die Besatzung de» Lager» be» Dutzendmal vorgenommen haben, allerdings mit stand«,g« der Ereigniff« vom 30. Juni be» 1 1"*■~ reit» durchweg» au» SS-Leuten. Die bishe rige SA-Besatzung war b«rla«bt und satz betrunken in der Kantine. Bo« dies« Leuten erfuhr ich erst, datz mein Mann erhängt im Abort aufgesunden Word« war. Ich sagte sofort:„ES ist nicht wahr, datz er Selbstmord begangen hat, Ihr habt ihn ermordet!" Nie mand antwortete darauf, nur der Lagerkim- mandaut Stalkapf sagte betreten z»«irr «Mache» Sie«ie die SA däfsir verantwortlich, die. S ch»I-k trägt allein dl« SS". Grnoffrn, die mit meinem Mann im La ger. gefangen satz«, erzählten wir, während wir die Leiche such« ging«, datz am 9. Juli, am Tag nachdem ich mein« Man« zum letzt« Male gesehen habe, der SA-Führer Erhard! ihm gesagt hatte:„M ühsam, wie lange gedenkrnSi« eigentlich«och auf dieser Welt Herumzug ehe«? Wenn Sie nicht innerhalb von zwei Tagen Selbstmord bege he«, wird man«achhelfen!^ Am At«d de» gleich« Tage» wurde mein Mann an» dem Schlaf gernfe«. Er ist nicht mehr»urückgekehrt. Die L«t« sag« im Lager, datz der Sturmführer W« r n 1t fern Mord begangen hat. Auf dem Friedhof fand ich dann die Leiche meines Mannes. Er war kalkweiß und sein Ge sicht war ganz eingefallen. Um den Hals hatte er rote Striemen von dem Strick.. Ich erzähl« die» alle» nicht,»m z« klage«, sonder»»m de» Kampf weiter z» kämpfen, de» mein Man» gekämpft hat. Ich erzähle e«, damit die Welt fordere, daß die Leiche«ei»e» Manne» obduziert werde,»m de» Mord, der hier besänge» wurde, zu off«bare», ich erzähle e», damit die Genast« meine» Manne» i« d« d«tschea Konzentrationslager«, die da» gleiche Schicksal erwartet,— Ossietzky soll der nächste sei»,— geschätzt werden vor de» Hande» der bra»»« Mör der, die ich«klage.. Dir Witwe de» ermordet« sozialistisch« Dichter» hat auSgesproch«. , Die Welt,»» der sie sprach, hat dasWort! Seite S <3om«infl, 31. Juli 1934 Str. 16» Geschrei der Kommunisten jemals zu bewirken imstande ist. Im übrigen halten wir doch mit unseren bürgerlichen Parteigegnern weder gemeinsame Kundgebungen ab, noch stehen wir mit ihnen irgendwie in einer„Einheitsfront". Eine solche kann es nur zwischen Partnern gebe», die loyal Burgfrieden halte» und die vor allen» ein gemeinsames Kampfziel haben. , Gerade daö aber ist es, was zwischen»nis und den Kainmunisten nicht als gegeben erachtet werden kann. Wofür sollen wir niit ihnen kämp- scn? Gegen den FasciSmuS? Das ist ein inhalts- loses Schlagwort, solange nicht feststeht, ab die kommunistische Partei für die Erhaltung der De- mokratie ciiizutrcten sich entschlossen hat. Taktik und Politik der Kommunisten zu der unseren zu machen, daran hindert uns, das; wir eben Sozial- dcmokraten und nicht von Moskau komniaildicrtc Marionetten sind. Und das; wir gut daran tun. daran festzuhalten, beweist das Trümmerfeld, das die kommunistische Partei überall zurückgc- lassen hat, wo es ihr gelungen ist, Einfluß auf die Arbcitermassen zu gewinnen. Die Demokratie aber war und ist den Kommunisten nach tvie vor ein Gegenstand des Hohnes»md des Spottes, ob. wohl wenn diese bei uns nicht bestünde, eö nicht nur keine kommunistische Partei, sondern. auch keine Arbeiterbewegung überhaupt nicht geben würde. Einheitsfront? Ja und mit tausend Freuden! Aber erst Gewißheit darüber, daß der angebliche Mitkämpfer dasselbe will und ob cs ihm nicht bloß darum geht, mit Worten' wie „FascismuS" und„Einheitsfront" den Bruder- kampf zivischcn den Arbeiter»» erst recht z>» ent- fachen und damit nacktesten Klassenverrat zum Nutzen des JascisinuS zu betreiben! Fünfzehn Jahre komn»unistischer Parteigc- schichte sprechen dafür, das; es der stalinistischen Partcibü» okratic auch jetzt um nichts anderes geht, als ihre stumpfsinnige„EntlarvungS"-Poli- lik fortzusetzcn. Auf der Plenarversammlung der Kommunistischen Internationale am 15. Dezember 1931 hat M a n u»l s k y als Sprecher des Exekutivkomitees wörtlich verkündet:„...»i» dem gegenwärtigen Abschnitt der Entwicklung der deutschen Revolution istHitlerunserun- zweifclhafterBundesgenosse, und von der richtige»» Einschätzung dieser Tatsache hängt unsere weitere Taktik und die Taktik der KPD. ab". Die Früchte dieser„Bundesgenossenschaft" sind zur Zeit in Deutschland deutlich sichtbar. Aber noch in» Jänner 1934 hat im XIII. Plenum der Kommunistischen Wkebüaki'önältz'btzV offizielle Referent Kus I'n e n'den'lkchmiiliniW scheu Parteien die Weisung erteilt, alles daran zu setzen, un» in erster Linie die Zerschlagung der sozialistischen Arbeiterbewegung herbeiz»»füh- un und die tschechoslowakische koinmunistische Partei hat damals sich dieser auch ihr gegebenen Richtlinie„ohne Vorbehalte un d mit Begeisterung" a n g e s ch l o s s e n. Seit- her ist nichts geschehe», was zu der Annahme führen könnte, diese Weisungen hätten keine Gül? tigkcit mehr. Wir wären wirkliche Verräter an der Arbeiterklasse, wenn wir a»»s das unsaubere Spiel der Kommunisten eingchen würden, die allerdings alle Ursache haben» mit dieser Komödie vergessen machen zu wollen, in wie entscheidendem 4 /y| FRITZ.ROSENFELD: samnilungslokal gelassen, weil Sandner sich vor einer Auseinandersetzung fürchtete. Die Ordner ließen n n r L e u t c m i t C i n l a d u n g e n in den Saal und die Polizei half ihnen bei diesem„Ordnungsdienst". Bor dem Saal« kam ei zu Auseinandersetzungen mit den Henlein-Leuten. In diese Auseinandersetzungengriffen auch die tschechi« scheu Fasristen ein, dir wiederholt riefen, man müsse die»roten H« n d e" ersch la- gen.„At jije Gajda!" mischte sich mit dm Heil-Rufm aus dem Saal. Durch den Bezirkshauptmann beorderte Gendarmerie schützte später ebenfalls den Saalans- gang. Man bot den Sozialdemokraten den Einlaß von fünfzehn Leuten mit einem Redner an. Sie lehnten dieses feige Angebot entrüstet ab. Während der dadurch entstandenen Erregung drängte die Gendarmerie grundlos gegen die Demonstranten vor. Da sangen die Arbeiter„K d e d o m o v m ü j". Die Gendarmen standen habtacht,„säuberten" aber später auf Befehl des Regierungsvertreters Dr. Bajant brutal die Straße, nachdem Genosse Ramba us k e an die Versammelten eine tapfere Ansprache gehalten hatte.. Einige Zeit später unternahmen die Gendarmen ohne jeden ersichtlichen Grund auf die schon nach Hause gehenden Leute einen Bajonettangriff. Mittlerweile führten die getarnten Fascisten ihre Versammlung in Ruhe zu Ende. Nicht zum Wohle des Staates, dessen bewaffnete Macht sie beschützte! ■* Wesentlich ander- verliff die Snnd>n^-Ber-, sammlung in T r a u t Gmoffm« r z w u n g eH4i«f^- SÄ> Arbeiter m dm Saal eingelassen werden: Die Versammlung- tvurde von der Behörde nur unter der Bedinguiig bewilligt, daß dies« Forderung der Sozialdemokraten, erfüllt wird und daß' der sozialdemokratische Redner eine Redezeit von»nindesteNS drei Viertelstunden bekommt^ Der Versuch der Sandner-Leute, sich um'ciiie Auseinandersetzung mit den Sozialdemokraten nach bewährter Methode zu drücken, war also von vornherein fehlgeschlagcn. ES blieb ihnen die Wahl, zum bösen Spiel gute Miene zu'machen oder die Versammlung auffliegen zu lassen. Zum letzten Ovaren sie zu feige, das erste ist ihnen sehr schlecht bekommen, denn Herr Sandner hat' trotz der überwältigenden Mehrheit seiner Anhänger und den» wohlorganisierten Bei- fallsgctrampcl den kürzeren gezogen und wird in der Auffassung gestärkt lvordcn sein, daß es für die Henlein-Leute nur böse ausgehen kann, tvenn sic mit den Sozialdemokraten die Klinge kreuzen! Die Versammlung war bezeichnenderweise auf Grund des Paragraphen ü des Terror-Geset« zeS einberufen lvordcn, und ztvar von einem Rechtsanwalt, der sich Dr. Wenzelideö nennt. Der Mann hat mit der Anwendungsmöglichkeit dieses Paragraphen«ine Entdeckung gemacht; wir zweifeln nicht daran, daß er demnächst zum Ehrendoktor der Prager Deutschen Universität ernannt werden wird für besondere Verdienste um das in der SHF geeinigte Sudcicndcutschtun». Die Ordner, lauter ehemalige Volkssportler, machten sich recht patzig und ins Präsidium setzte sich,»im zu demonstrieren, war die SHF eigentlich ist, der frühere Chef der Traute Nauer Haken kreuzler, Herr Dr. Kell n e r. Dann sangen die Mannen„Wohlauf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!", worauf Rudolf Sandner das Rednerpult bestieg. Er sagte sehr viel über„Volksgemeinschaft", aber es zeigte sich, daß er nichts darunter versteht. Die soziale Frage ist fiir ihn eine Frage der Erziehung. So ähnlich sagt eS Hitler auch. In» übrigen wiederholte er die Phrasen,- mit deren Hilfe die Hitlerbewegnng' groß geworden ist: er sang daS Lied von den„reinen Händen", von den„vierzehn'Jahxen", von der Rolle des Zinses, über die ständische Gliederung und- schließlich über die Stellung zum Staat. Dazu sagie er, daß man der SHF die Loyalität glauben müsse, sie stehe zur Wahrheit und'müsse sie darum ernst nehmen. Sandner sagte also nichts Neues, sondern wiederholte die Walze, die schon durch Monate in der„Rundschau" gedreht wird.■■ Rach K«LL^Prag, zu Worw. Er-stellte sich zunächst als alter-Bekannter Sandners vor und teilte unter sichtlicher Kebrrraschung der Henlein-Anhänger mit, daß erSandnersedrgutausder Arbeit in der sozialistischen Jugendbewegung kenne. Nachdem Genosse Kern die nicht immer sch» geistreichen Ztvischcnrufcr zu»» Schweigen- gebracht hatte, ging er auf Sandners Rede ein und entivickelie die Grundsätze der Sozialdemokratie. Schlag auf Schlag ging auf Sandner nieder und immer, wenn Genosse Kern auf Deutschland zu sprechen kam, schrieen die Henlein-Anhänger in Wut auf. Genosse Kern zlvang jedoch die Henlein- Begeisterten immer wieder, seine Argumente anstaNden vor seinem Thron. An den Enden dec Stäbe glänzte Licht, ganz hell, wie nur wenige Sterne in den dunklen Nächten strahlen. Zählte» auch Sterne zu der Beut« Ala EddinS?- Die Augen Ala Eddins gingen starr geradeaus. Er blickte den Anführer des Zuges unablässig an. als wollte er geheimnisvoll ihm seinen Willen übertragen. Die Gewaffneten, die vor seinen» Thron standen, zwischen den goldenen Becken mit dem leise schlängelnden Rauch, wichen zur Seite, als der Zug anlangte. Der Führer neigte sich, küßte die Erde, küßte den Pantoffel Ala Eddins. Dann hob er sein Auge zu dem Gefürchteten und sprach: „Herr, die Stadt, der du zürntest, ist nicht mehr. Die Trümmer ihrer Häuser wehklagen in der Nacht. Der Mond findet von ihren Mauern nur noch klägliche Reste.. Die Bewohner, die durch Ungehorsam und Missetat deinen Unwillen erregten. liegen erschlagen in ihrem Blut, Fraß für die Geier und Schakale der Wüste. Allah war deinen Knechten gnädig und schenkte ihnen reiche Beute. Wir haben viel goldene Geräte erobert und viele Schüsseln und Krüge aus Silber. Wir haben Teppiche und Ballen edler Stoffe erobert. Ä«r haben viele Frauen erobert, Herr. Sic sind dein, Ala Eddin, und Allah segne die Stünde, die du ihnen schenkst!" Ala Eddin winkte, der Anführer trat zur Seite, die Neger mit den leuchtenden Stäben traten näher an Ala Eddin» Thron heran, zwei Lanzenträger führten die erste der verhüllten Gestalten vor, nahmen ihr den großen schwarzen Mantel ab, zögen den Schleier fort, der ihr Gesicht verhüllte. Ala Eddin sah ihr starr ins Atzge, als prüfte er sie bis in die letzten Falten ihrer Seele, ließ dann seine Blicke über ihren Körper wandern, als prüfte er sie bis in die letzten Falten ihres Leibes. Sein Kopf bewegte sich nicht, sein Mund schwieg. Nur der kleine Finger der rechten Hand machte ein« winzige Bewegung. Alle Äugen hin gen an diesen» Finger, und so bekam die kleine stoß« haste Wendung nach rechts die Gewalt, das Mädchen wegzuschwemmen vor de» Augen Ala Eddins. Der Schleier, der Mantel wurden wieder über sie geworfen, Lanzeiiträger faßten sie, zogen sic zur Seite. Irgendwo verschwand sie. Das Auge Ala Eddins war gnadenlos starr, und sein Hirn dachte nur mehr an die nächste. Auch die nächste fand keine Gnade vor seinen Blicken. Ein Wink fegte sie weg. Die dritte und vierte versank irgendlvo. In den Adern des Anführers erstarrte das Blut. An einem Tag, der im Zeichen schlimmer Sterne stand, hatte Allah ihn heimgeführt. Schob der kleine Finger noch viele Frauen beiseite, fiel der Kopf des Anführers. Türen aus Teppichen verschlangen die Frauen, auch die fünfte und sechste, vielleicht wurden sie auf einem Sklavenmarkt verhandcrr, vielleicht den Soldaten ausgeliefert, in den Schlafraum der Neger geschickt. Oder durften erst die Edlen Ala Eddin» sich mit scharfen, gierigen Kennerblicken auswählen, was ihnen gefiel? ■ Die zehnte war eine Griechin. In ihrem Antlitz, von schwarzem Haar umrahmt, vrannten schwarze Augen, Samtsterne einer magischen Nacht. Nie hatte Ala Eddin Augen wie diese gesehen. Er erhob sich von seinem Sitz, seine Blicke flackerten wie wipdverwehtes Feuer, in seinen Fingern regte es sich, fast zeichneten sie in- der Luft die Form dieses Leibes nach, von dem das gewaltige Leuchten auSging. Er stand oor dem Mädchen, als wollte er es fassen-wie ein Bogel seine Beute, als tvollte er e» anspringen wte ein Tiger eine einsam grasende Antilope. Dann zuckten seine Finger zurück, der Glanz in feinen Augen erlosch, mit dem spitzen Kinn, von dem der Bart niederhing wie wehende Zweige. vom Ast einer Weide, wie» er in. die Richtung, die dem Anführer und den Tänzerinnen gut bekannt war. DaS Antlitz des Anführers-erhellte-sich. Neues Fleisch, kam in den Harem Ala EddinS. Dafür gab es die höchsten Gnaden, den reichste» Loy>.. Die Griechin wurde zu einem Teppich geführt, hinter dem ein goldenes Gittertor schimmerte. Ein dicker Mann in schweren Gewändern, mit fetten Fingern, haschte nach ihr, zog sie in sein Rcicki. das außer Ala Eddin niemand betreten durfte. Und tveitcr schritt die Reihe der Frauen vor dem prüfenden, starren Auge Ala Eddins vorüber. Drei, vier hintereinander tvarf ein Fingerwink aus dem Saal, wie auch ein leiser Windhauch müde Blätter tvegfegt. Das Antlitz, der Siebzehnten trieb Zorn in Ala Eddins Züge. Ein Blick traf den Anführer: Frauen wie diese wagte man dem Fürsten der Berge zu bringen? Der Anführer zitterte; als die Stadt brannte, als hundert Menschen sterbend vor ihm lagen, hatte er nicht gezittert. Schnell riß der Lanzemrägcr die Frau zur Seite, schnell fiel sie in den unpcht- baren Abgrund, der schon so viele empfangen hatte. Biele wurden noch vom-kleinen Finger aufgcspießt wie Käfer von einem Kind, viele weggeschobe» wie alte» Spielzeug von einem Kind. Dann kap» ein Mädchen mit Hellem Haar, wie nie Mcnschcnhaar in diesem Palast'gestrahlt hatte, kam eine mit Hellen Augen, wie nie Men- schcnaugen in diesem Palast geleuchtet hatten. Das Mädchen stand aufrecht, die Arme an den Leib gepreßt. Es war von zierlicher Gestalt, biegsam wie das Rohr am Ufer eines heimlichen Teichs in der Stunde des Mondes. Ala Eddins Hände steinmten sich auf die Lehnen feines Thrones, er erhob sich, neigte sich vor, ganz nahe an das Antlitz des Mädchens, Aug gegen Ang, Stirn fast an Stirn, Atem vor Atem. Der Anfiihrer bebte: war dies ein Zeichen ungewöhnlicher Empörung oder deutete es auf große Gnade, die ihm vielleicht einen Palast, eine Stadt, eine Provinz bringen konnte und«ine Schar junge^ brauner, schmalhüftiger, blankäugiaer arabischer Mädchen? (Fortsetzung folgt.) Ur. 1«S «tmltat. St. SW»193* Sette 8 HwMIBRJNNTWEIN die Ansicht aus, daß die ganze in Rede stehende Frage nur einem KabinrttSrat unter dem Barstst des Ministerpräsidenten Doumergue gelöst werden könne, vhrron wurde beauftragt, die- ftn Wunsch persönlich Doumergue aus seinem Landfist in Tourncslafeuille zu übermittel«. Neber das Datum dieser Sitzung soll erst Dou- mergne entscheide«; sie dürfte nicht vor Dienstag oder Mittwoch stattfinden. Nach Schluß des Ministerrates gab keiner der Regierungsmitglieder den Pressevertretern eine verbindliche Erklärung ab, doch läßt sich aus der Gesamtstimmung schließen, daß Aussichten auf eine Ein ig u ng vor Han- das unterdenFittichendes FaseiS- mus seine Macht national und in» ter national gefestigt hat, will ledig aller früheren sozialen Hemmungen, die Ausbeutung der Arbeiter auf einen Hochrelord treibe nl DaS faseistische Regime ermöglicht ihm daSl Der amtliche Aufruf an die Betriebssichrer vom 10. Juli ist ein unerschütterliches Dokument dafür, daß es die Nationalsozialisten in Deutschland übernommen haben, die grohkapit'alistische Jnter- essenpolitik ohne Rücksicht auf die Arbeiterinteressen durchzuführen. Dieser Aufruf sagt nicht mehr und nicht weniger, als daß die Arbeitsfront nicht die nationalen Interessen der Arbeiter wahrnehmen darf, daß darüber im Betrieb ausschließlich der Betriebsführer, also der Kapitalist» entscheidet! Der amtliche Treuhänder, der in Konfliktsfällen angerufen werden kann, schreckt die Kapitalisten nicht— ist doch Herr Thyssen unter ihnen! San Francisco wieder normal Slanku treioesprothen Jerusalem, 20. Juli. In der Revisionsver- handlung wegen der Ermordung deS Zionistenführers Dr. Arlosoroff wurde der von der Borinstanz am 7. Juni d. I. zum Tode verurteilte Stavsky freigespro- chesters der tschechischen Philharmonie, 13.48: So- 17.45: Schallplatten, 17.55: Deutsches e n d u n g: Opernvbertraginige» Das letzte Lied. Sender S. A r b e i t e r s e n d u n g 14.45: Tr. Mc tüststGen Anschläge Nsrdtirolcr Kraftwerk Betriebs* ■niams Renkte(Tirol), 20. Juli. In der vergangenen Nacht wurde ein Anschlag auf ein Elektrizi- tätswerk in Reutte verübt. Die Täter sprengten ein I ZUR MUND* UND ZAHNPFLEGE Acht Ostpakt-Partner S o n b• n, 20. Juni. Wie Renter meldet, fei es noch ungewiß, wir viele Staaten sich an dem Vorgrschlagenen Rordostpakt beteiligen würdn. Die vom französischen Außenminister Barthou dem englischen Staatssekretär des Arußrren, Sir John Simon,»orgelegte Liste enthalte folgende acht Staaten: Deutschland, Sowjetrußland, Pole», Tschechoslowakei, Lettland, Litauen, Esthland und Finnland, Brün« 22.30:. Radioschrammeln.— Preßburg 12.15: Orchesterkonzert, 19.05: Kompositionen von Basic«.—•'•■ „Demokratie für das Kind". Eine Hörfolge, die dem großen gesamtstaatlichen Hilfswerk„Demokratie für die Jugend" gewidmet ist, wird Sanistag, den 21. Juli, 18.15 in der Prager deutschen Sendung(über Liblitz) aufgeführt. Autor des Hörspiel» ist Archivrat Dr. Anton M o u ch a. Vorn Rundfunk Ampfehlenomerteo ana de» Programmen» Sonntag: Prag, Sender L.: 6.30: Gymnastik, 7: Konzert au» Karlsbad. 9: Tschechische Arbeitersendung: das I Stivin: Au» meinen Lehrlingsjahren, 9.15: Flöten war, hat im Mai ihr Tempo verlangsamt und ist im Monate Juni beinahe vollkommen zum Stillstand gekommen, waS allerdings einer Saisontendenz in der Mehrzahl der Staaten ent spricht. Nichtsdestoweniger hat sich diese Erholung fast überall auf einem Niveau erhallen, PBnRPBRRBRIM vielfach höher ist al» das Niveau der gleichen| konzeri, 9.45: Schallplatten, 11: Matinke des Or- Zeit des Vorjahres.,|...” Der Goldtpept des Welthandels tvar im I zialinformationen, Mal 1034 etwas höher als im April d. I.» I., gegenüber Mai 1038 ist er aber leicht zurück-lau» Brünn, 22.20: Billy Hill: gegangen, und zwar um 5% Prozent in der Ein-... führ und um 5 Prozent in der Ausfuhr. Heute I Gleisberg: Gibt es ein Weltgewissen? 14.30: stellt dieser Goldwert nur 33.2 Prozent deS Deutsche Sendung: Landwirtschaftsfunk, 15: Wertes dar, der im Jahre 1020 erreicht wurde! Lieder von Hugo Wolf, 15.80: Funklustspiel.— New Aart, 20. Juli. Während in San Francisco, von dem fortdauernden Hafenarbeiterstreik abgesehen, wieder normale Verhältnisse herrschen, hat sich die Streiklage in Portland (Oregon) weiter verschärft, da die Streikleitung den Einsatz von Nationalgarde für Sicherheitsmaßnahmen mit den Generalstreik zu bcantwor- ten droht. Der durch den Streik verursachte Schaden wird bis jetzt auf 150 Millionen Dollar geschäht; die Zahl der Opfer beträgt acht Tote und 107 Verwundete. Die Maske raut Hitlerfascismus Ist Diktatur des Großkapitals Degradierung der Deutschen Arbeitsfront zu einem Feierstundenverein In mnterlellen Lebensfragen der Arbeiter entscheidet allein der Unternehmer! Ein amtlicher Aufruf: „Sozialpolitische Betreuung oder Vertretung in der Wirtschaftsorganisation ist gesetzwidrig und Verbote«. Ebenso ist«ach de« Wille« de» Führers Adolf Hitler die Deutsche Arbeitsfront nicht die Statte, wo di« materielle« Frage« des täglichen Lebens entschiede«» die natürlichen Unterschiede der Jntereffen der einzelne« Arbeitsmenschen auseinander abgestimmt werde«. Niemand kaan wolle«, daß die reine Atmosphäre gegenseitige« Verstehe»- wollen», wie die Erziehung der Arbeftsfront sie fördert, entwertet wird durch dr« Hintergedanke« materieller Interessenvertretung." Führer der Wirtschaft GrafvonderGoltz. 10. Juli. Mit konsequenter Unerbittlichkeit besorgt daS sascistische Regime der Nationalsozialisten im Dritten Reich die Zerstörung aller Illusionen über seine angeblich nicht klassenmäßige Gebundenheit. Bon den Hitlerianern vor dem Gelingen ihre» BerbrechenS verbreitet, wurden sie zunächst in den ersten Monaten nach der Machtergreifung zu erhalten versucht. Wenn schon den Massen der Arbeiterschaft die Augen noch aufgehen würden über alles, was die Hitlerdiktatur ihnen bringt, so sollte daS doch nicht geschehen, bevor Macht und Gewalt Im Staate bis in die untersten Organe fest verankert waren. Allerdings: Erstaunen erweckte der merkwürdige Sozialismus der Hitler, Goering und Goebbels bei Millionen Arbeitern von Anfang an. Sie konnten nicht glauben, daß er sich nur in der Phrase„Ehret die Arbeit!" erschöpfen sollte; während die Kapitalisten ungestört weiter aus ihr Profit zogen. Aber vielleicht würden die versprochenen sozialistischen Maßnahmen noch folgen? Hitler hatte ja die Gewerkschaften nicht aufgelöst, hatte die Tarifverträge in Kraft gelassen und in zahlreichen Kundgebungen seit seinem Regie- rungsantritt versichern lassen, daß die Arbeiter in den Betrieben künftig noch besser als durch die »korrupten marxistischen" Gewerkschaften vor kapitalistischer AuSbeutungSwilllür geschützt sein würden!(- Alles daS waren blendende Täusch u n g S m a n ö v e r, die die großkapitalistischen Auftraggeber deS FasciSmuS zulieben. Unterdessen wurden im Stillen alle Vorbereitungen getroffen, die zur Vollendung der sozialen Recht« und Schutzlosigkeit des Arbeiters nötig waren. Alle Gewerkschaften wurden in der Deutschen Arbeitsfront zusammengeworfen, die Betriebsräte abgesetzt, da» Streikrecht aufgehoben, die Aufforderung zum Streik unter Strafe gestellt, die Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten gekürzt. Dann folgte im Frühjahr dieses Jahres das »Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit", durch daS mit einem Schlage all« bestehenden Tarifverträge außer Kraft gesetzt wurden, daS Be- triebSrätegesetz aufgehoben und das in hartem Ringen mit den kapitalistischen Parteien in den Jahren noch der Revolution mühevoll aufgebaute ArbeitSger ichtSwesen beseitigt wurde. Die bis dahin in der Arbeitsfront noch bestehenden gewerkschaftlichen Zentralverbände wurden aufgelöst und die Arbeitsfront auf die Be- tricbSorganisation umgestellt. Die Arbeiterschaft, um deren Grundrechte und LebenSinteresscn es dabei ging, muhte zu diesen schweren Schlägen der sozialpolitischen Reaktion schweigen! In vielen Betrieben wurde daS Berböt der Kritik plakatiert. Die nationalsozialistischen Führer und ihre Kreaturen priesen daS Gesetz gegen die Arbeiter als einen„großen Fortschritt". Doch die Wahlen zu dem in diesem Gesetz vorgesehenen„Vertrauensrat" zeigten, daß die Arbeitermaffen seinen wahren Charakter erkannt hatten: Die fascistischen Werkzeuge der Unternehmer, genannt Bertrauensräte, wurden in den meisten Fällen nur von Minderheiten gewählt. Um die wachsende Erkenntnis einzudämmen, wurde von den Spitzen der Arbeitsfront eine radikale Tonart angeschlagen; den Arbeitern sollte suggeriert werden, daß sie in der Arbeitsfront ein Rückgrat bei der Wahrnehmung ihrer Jntereffen gegenüber der kapitalistischen Klasse hätten. Welch Geschrei erhoben einige Arbeitsfrontführer, als vor ein paar Monaten die rheinisch-westfälischen Grubenbarone den Bergarbeitern den Urlaub kürzfen. Nicht, daß die Arbeitsfront die kapitalkräftigen Bergwerksbesiher gezwungen hätte, den ungekürzten Urlaub zu gewähren, viclnichr bewilligten die Führer aus den Mitteln der Gewerkschafsbeiträge aller Arbeiter den Grubenarbeitern die Urlaubstage, die ihnen die Krupp, Thyssen, Wolf u. a. genommen hatten. Mer selbst diese Anerkennung des Urlaubswaches durch die Arbeitsfront paßte dem Großkapital nicht. Es verlangte das ausschließliche Recht, in den Jntereffenfragen der Arbeiterschaft allein zu entscheiden. Der berüchtigte„Herr-im- Hause"-Zustand soll restlos wieder hergestellt lvcr- ta. Das deutsche Monopolkapital, Damit ist aber auch letzte Klarheit ge«, schaffen, daß der Arbeiter unter deml fascistischen Diktaturregim« je des sozialen Schutzes bar ist. Biel rascher als in Italien muß der FasciSmuS in Deutschland seine MaSke abwerfen. Mussolinis „duldet" heute noch Gewerkschaften, wenn auch nur die fascistischen Verbände als Tarifkontra- hi nten anerkannt sind; er duldet noch nach zwölf jähriger Herrschaft ein bescheidenes— lächerlich bescheidenes!— Maß von Wahrnehmung der Arbeiterinteressen. Hitler muß in Deutschland auf Befehl des Großkapitals mit den letzten, noch Lbriggebliebenen Resten aufräumen. Die Herren Krupp und Thyssen und die anderen haben nicht umsonst der„Arbeiterpartei" Hitlers früher die Millionen übergeben! Sie befehlen jetzt Einlö sung der ausgestellten Wechsel!. Und Hitler, der unter„Nationalsozialismus". nie etwas andere» verstanden hat, alSHerrschaftdesKapi- t a l i s m u s, beeilt sich, diesen Befehl auSzu- führen. Die Millionen von irregeführten Arbeitern erleben nun da» Drifte Reich als ungehemmte kapitalistische Diktatur, derbst««ach Zerschlagung ihrer Klaffenorganisationen, nach dem Raub ihrer politischen, kulturellen und sozialen Rechte, unter ständiger Androhung blutigsten Terror»__ Sunöchst ohne Möglichkeit und Fähigkeit»nm l Wasserrohr'vm^"ZentimeterStärke'das das Widerstand auSgellrfert find!> Aber in ihren Reihen keimen und wachse» Kräfte, unter deren Schlägen der FasciSmuS zu- I fammenstürzen wird! Wasser vom Plansee dem Werk zuführt, in einer Länge von etwa 45 Zentimter. Ein zweites Rohr im Durchmesser von 110 Zentimeter wurde aus eine Länge von 3 Metern aufgeriffen. Durch den plötzlichen starken Wasserdruck wurden die Beton- sockel, die von Strecke zu Strecke die Rohre halten» hochgehoben, so daß sie förmlich in der Luft hängen. Infolge des Anschlages steht das ganze Werk still. Ferner wurde gestern abends rin Spreng- anschlag auf einen Eisrnbahnsteg verübt, wodurch großer Schaden verursacht wurde. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli wurden in Graz Anschläge auf mehrere Briefkasten verübt. Im Zuge der Untersuchung wurde im Bereiche der Post- und Telegraphendircktion für Steiermark u. a. die Enthebung von 18 Postbediensteten wegen regierungsfeindlicher Umtriebe veranlaßt. Wie die„Reichspost" berichtet, wurden einige Abschnitte der bayrischen Grenze in diesen Tagen neuerdings mit Angehörigen der österreichischen Legion besetzt. In Tölz und Umgebung versehen auf bayrischer Seite 500 Legionäre den Dienst. In Hörbranz sind wiederum 300 und in SilverS 600 Mitglieder der österreichischen Legion eingetroffen. Die österreichischen Legionäre versehen ihren Dienst wieder in Uniformen, müssen sich jedoch von der österreichischen Grenze sechs Kilometer entfernt halten. Kdmtner Landbund kapituliert Der erweiterte Vorstand des Kärntner Landbundes hat der systematischen Zusammenarbeit mit der Baterländischen Front zugestimmt. Damit hat der unter Führung des früheren Vizekanzlers S ch u m y stehende Flügel des Landbundes sich praktisch von dem Kern des Landbundcs in Steiermark und Oberösterreich getrennt, der unter Führung der früheren Minister Winkler und Bachinger in Opposition gegen Dollfuß und seine'Vaterländisch« Front geblieben ist. Produktlonsstelserung zum Stillstand gekommen Genf, 20. Juli. Das Sekretariat des Völ kerbundes veröffentlicht seinen monatlichen stati stischen Bericht, der interessante Belege über die Entwicklung der Wirtschaftslage bringt. Die starke Steigerung der Produktion an Kohle, Pe- irolrum, Eisen, Stahl und Zink, die in zahlreichen I Hauptangeklagte Staaten bis April und Mai d. I. zu beobachten I ch e n. Pari», 20. Juli. Der KabinettSrat trat heute unter dem Vorsitz des Justizministers C h e r o n um 17 Uhr im Palais deS Justizministeriums zusammen. Nicht anwesend waren der Ministerpräsident Doumergue, die Minister Pietri und Malarme, die außerhalb Paris wei len, und weiters der plötzlich erkrankte Minister Flandin. Die Beratungen dauerten eineinhalb Stun den. Zunächst erstatteten T a r d i e u und H e r- r i o t Berichte» lvorauf eine Debatte entstand, an der sämtliche Regierungsmitglieder teilnahmen. Die radikalen Minister, die Vvrher mit ihrem ParteivollzußSauSfchuß beraten hatten, sprachen Iden sind. Doumergue als Schiedsrichter Kabinettsrat unter seinem Vorsitz In der nächsten Woche Leite 4 SamStag, 21. Juli 1931 Nr 168 Fallschirmabsprung aus 8100 m Höhe Erst in 200 m Höhe den Fallschirm geöffnet Norith in Ncudcdc Berlin, 20. Juli. Reichspräsident von Hindenburg empfing Donnerstag den Reichtmini- ster deS Acnsteron Freiherr» von Reurath »um Vortrag. saokrumi des Buchhandels vo» Schriften erschossener„Verräter" Die Schriftwerke der am 80. Juni hingerich« leien nationalsozialistischen„Verräter" lvcrdcn sorgfältig aus allen Buchhandlungen entfernt. Bon dieser Maßnahme sind auch eine Reihe anderer Bücher betroffen, auch solche Publikationen, welche für unzulässig gelten, weil in ihnen über die Tätigkeit der erschossenen Führer mit Anerkennung gesprochen wird. Dieser Bctvcgung hat sich seht auch die Rcichöbahiwerwaltung angeschlossen, die cö in einem Zirkular als selbstverständlich bezeichnet, daß die Schriften des„Hochverräters Röhm und feiner Komplizen", auch soweit es sich nur um Borivorte von ihnen zu anderen Schriften vo» ihnen handelt, in den Bahnhoföständen nicht weiter verkauft werden sollen. krau Ernst ermordet Wien, 20. Juli.(Fnpreß.) Die„Reichspost" meldet, daß die Frau des ermordeten Gruppenführers Ernst entgegen den Gerüchten nicht Sewstmord verübt hat, sondern, ebenso wie ihr Mann, verhaftet und erschossen worden ist. Attentat aul Himmler wird zugegehen Berlin, 20. Juli.(Jnpreß.)' Bor einigen Wochen ivurdc gemeldet, daß auf den SS-Reichs» führcr Himmler anläßlich der Ueberführung des Sarges der Karin Goering ein Attentatsversuch gemacht Ivorden ist. Die deutsche Presse hat zu den damaligen Meldungen geschwiegen. In der Kopflosigkeit der letzten Tage ist dieser Attcntatsversuch zugegeben worden. Der„Deutsche" schreibt:„Nun wird der Schuß klar, der einem kurz vor der Revolution durch die Windschutzscheibe seines Autos haarscharf am Kampf vorbeiging, auf den es in diesen Tagen der Rettung des Reiches sehr angekommen ist." An einer anderen Stelle dieses Artikels befindet sich folgendes Eingeständnis:„Der Standartenführer Uhl, ein Jndividium, das nicht den ersten Mord verübte..." Gleichzeitig teilt der„Angriff" mit, daß bei Uhl ein Foto gefunden worden sei, auf dem Uhl mit einem Revolver in der Hand und mit ironischem Lächeln zu sehen sei, wie er gerade seinen Fuß auf die Leiche eines von ihm erschossenen SA-ManncS stellt. Die Mörder enthüllen heute die Morde ihrer Parteigenossen, deren Blutarbcit sie immer gekannt und gedeckt haben. ffener nord in Gunzenhausen Nürnberg, 20. Juli.(Jnpreß.) Bei einem Pogrom in Gunzenhausen wurden im März dieses Jahres bekanntlich zwei Juden getötet. Bor einigen Wochen sind die Täter, Mitglieder der SA, wegen ihrer Ausschreitungen zu geringen Gefängnisstrafen verurteilt worden. In diesem Prozeß traten der Jude Simon Strauß und sein Sohn als Zeuge auf. Jetzt ist Strauß von dem Leiter des Pogroms, dem SA-Führer Baer, ermordet worden; der Sohn von Strauß wurde schwer verletzt. Belgisches Ermächtigungsgesetz angenommen Brüssel, 20. Juli. Nach einer viertägigen Kammeraussprache über die von der Regierung geforderten Sondervollmachten wurde das Ermächtigungsgesetz mit 80 gegen 77 Stimmen bei 7 Enthaltungen angenommen. Die Katholiken und die Liberalen sind trotz der Bedenken, die bis in die letzten Tage gegen die Bewilligung der Sondervollmachten bestanden, nahezu geschlossen für das Gesetz eingetrcten. Die Opposition setzte sich in dec Hauptsache aus den Sozialdemokraten, einigen Kommunisten und etwa zehn flämischen Nationalisten zusammen. Korrupte Sowjetheamte aul der AnMogehanlt Moskau, 10. Juli. In Leningrad begann am Donnerstag ein Prozeß gegen 41 Beamte des Finanzkommissariais, die den Staat um mehrere Millionen Rubel geschädigt habe» sollen. Aus der Anklageschrift ist zu ersehen, daß drei Kommunisten im Laufe von acht Monaten 400.000 Rubel für sich verlvcndct haben. Die Anklage fordert für 22 Angeklagte die Todesstrafe. Ehrensalut und Iranergottesdienst London, 20. Juli. Der englisch-türkische Zwischenfall bei Samos tvird von der englischen Presse nunmehr als bcigelcgt betrachtet, nachdem di« türkische Regierung der Einsetzung einer gemischten englisch-türkischen Untersuchungskommission zugestimmt hat. Ein türkisches Kriegsschiff begleitet am Freitag den englischen Kreuzer„London" in türkische Gtwässer. Beide Schiffe werden einen Ehren- s a l u t abfeuern. Auf dem türkischen Kriegsschiff wird ein Trauergottesdienst für den erschossenen Marinearzt Robinson veranstaltet werden. Die Hoffnungen auf die Auffindung der Leiche sind so güt wie aufgegeben worden, da die dortigen Ge- wässer vo» Haifischen wimmeln. Leningrad, 20. Juli. Der Pilot Evdo» k i m o v, der dieser Tage einen Fallschirmabsprung aus 8100 Meter Höhe ausführte und damit den bestehenden Rekord schlug, erklärte, er habe sich dazu seit März vorbereitet. Während des Fluges und beim Absprung benutzte Evdokimov einen Sauerstoffapparat. Als das zweisitzige Flugzeug auf 8100 Meter Höhe angelangt war, beschrieb der Pilot Kreise über dem Flugplatz; das Wetter schlug plötzlich um, Wolken verdeckten die Sicht. Als Evdokimov vom Apparat absprang, Ivurde er sofort durch den starken Luftstrom her- umgedrcht und stürzte mit dem Kopf nach unten 8000 Meter tief. Die ersten 400 Meter drehte er sich mit ungeheurer Geschwindigkeit um sich selbst. Tagcsnanghcitcn 120 Millionen Zloty Schaden Krakau, 20. Juli. Nach einer provisorischen Aufstellung tverdcn die durch die Ueberschwem» mungskatastrophe in Kleinpolen ängerichten Materialschäden auf ungefähr 120 Millionen Zloty geschätzt, wobei die Ernteverluste nicht mit eingerechnet sind. Die größten Schäden wurden durch die Vernichtung von Eisenbahnen, Straßenbrük- kcn, Bahnstrecken und Gebäuden verursacht. Die Besserung der Lage in dem Ueberschwem- mungsgcbiet hält an. Die Gcbirgöflüffe in den Karpathen« und Tatragegendcn kehren in ihre normalen Bette zurück. Bedrohlich ist die Lage noch an der Dnnajccmündung. Im Bezirke Tar- nov vereinigte sich bei Szczucin der Tunajec mit den anderen Gewässern, darunter dem Flusse Aren, und fließt in einer Breite von 80 Kilometern. Die Bevölkerung dieses Gebietes befindet sich a u f I n s e l n, welche von allen Seiten von einem Waffermeer umgeben sind, und lvartet aus Rettung. Im allgemeinen nimmt jedoch die UcberschlvcmmungSkatastrophc in Kleinpolen ihr Ende. Auf dem Gebiete der Kielcer Wojwodschaf. wurden durch die Wasscrmaffcn der Weichsel bereits Hunderte von Dörfern unter Waffer gesetzt. In der Warschauer Wojwodschaft ist die Weichsel bereits an mehreren Punkten aus den Ufern getreten und hat ebensalls eine Anzahl von Ortschaften überschwemmt. Die Behörden haben umfangreiche Maßnahmen zur Abwendung der UeberschwemmnngSgefahr der Hauptstadt und ihrer Umgebung getroffen. Gin Habsburger klagt Rumänien Streit nm de» beschlagnahmten Besitz Paris, 20. Juli. Vor dem gemischten österreichisch-rumänischen Schiedsgericht in Paris steht gegenwärtig ein Protest zur Verhandlung, den Erzherzog Josef von Hoböbnrg-Lothringcn aus Herausgabe seiner ehemaligen Besitzungen in Siebenbürgen bezlv. Entschädigung in der Höhe von 80 Millionen Schweizer Franken gegen die rumänische Regierung angestrengt hat. Erzherzog Josef lvird vom Rechtsberater der ungarischen Regierung vertreten. Für die Gegenpartei plädiert Paul Boncour. Durch den Vertrag von Trianon waren sämtliche der österreichisch-ungarischen Krone nnd dem ehemaligen Herrscherhaus gehörenden in Siebenbürgen liegenden Besitzungen an die rumänische Regierung gefallen. Erzherzog Josef steht auf dem Standpunkte, daß unter dem Vertrag von Trianon aber nicht der rein private Besitz falle, den sein Vater aus eigenen Erspar- nisten wie irgend ein anderer Sterblicher käuflich erworben habe. Paul Boneour gibt zu, daß der französische Text des Vertrages von Trianon zu Zweideutigkeiten Anlaß geben könne, daß aber der englische Wortlaut ausdrücklich von„sämtlichen den Mitgliedern des ehemaligen Herrscherhauses gehörenden Besitzungen" spreche. Erzherzog Joses will jedoch nur den in Streitfällen allein gültigen französischen Wortlaut gelten lasten. Paul Boncour wendet dagegen ein, daß die Enteignung der österreichischen Erzherzöge eine„Sanktion" fiir die persönliche Veranttvortung der Habsburgerdynastie am Weltkrieg darstelle. Außerdem bestreitet er die Zuständigkeit des Schiedsgerichtes für die Klage des Erzherzogs. Das Schiedsgericht wird in seiner nächsten Sitzung die Zuständigkeitsfrage prüfen. Die Film-Magnaten Re« Bork, 20. Juli. Die Blätter heben aus dem NJRA-Bericht über die Lage der amerikanischen Filmindustrie hervor, daß, obwohl die Filmindustrie als ganzes mit einem Verlust von 20 Millionen Dollar im Jahre 1033 abgeschlossen habe, immer noch 110 in dieser Industrie beschäftigte Personen höhere Gehälter bezogen, als das Gehalt des Präsidenten der Vereinigten Staaten, nämlich 75.000 Dollar. Drei weitere Personen hatten das gleiche Gehalt wie Präsident Roosevelt. Von den fünf größten Filmlonzernen, die diese Riesengehälter zahlten, Ivar eine bankrott, die zweite stand unter Geschäftsaufsicht, die dritte mußte sich reorganisieren, um einer Verschuldung von 42 Millionen Dollar zu begegnen, die viert« Die erste Wolkenbanl durchbrach er während seines Falles in 5500 Meter Höhe, bei 4000 Meter geriet er wieder in Wolken und sauste 500 Meter von Wolken umgeben, weiter in die Tiefe. 700 Meter über der Erde kam er aus den Wolken zum Vorschein. Wie er später erzählte, kostete es ihm ungeheure Willenskraft, nicht eher als 142 Sekunden nach dem Absprung, wie er es sich vorgenommen hatte, den Fallschirm zu öffnen. 200 Meter über dem Boden zog ich, so berichtet er, an der Leine, worauf sich der Fall- schirm sofort öffnete. Glücklicherweise konnte ich auf einem Felde zu Boden gehen. Nach dem Absprung fühlte sich der Pilot vollkommen frisch, nur hatte er den Wunsch, sofort zu schlafen. hatte Im Jahre" 1082 einen Verlust von 18 Millionen Dollar und die fünfte Gesellschaft schließlich verzeichnete gleichfalls einen gewaltigen Gc- winnrückgang,— Es versteht sich, daß die kleinen Leute Hungerlöhne bekamen. Rttroglyzeeln explodiert Paris. 20. Juli. Am Freitag früh gegen drei Uhr erfolgte in der Dynamitfabrik PaulillcS bei Port BcndrcS eine Explosion. DaS FabrikSgc- bändc, in welchem Nitroglyzerin hergestellt wird, flog in die Luft. Zwei Arbeiter wurden getötet, ein Arbeiter verletzt. Es entstand ein Brand, der von der Feuerwehr bald gelöscht werden konnte. Der Sachschaden ist sehr beträchtlich. Die Ursache ist noch ungeklärt. Die wahren Helden! DaS Kommando der ersten Division in Prag hat in einem herzlichen Ätachruf zwei Helden des Alltags geehrt. ES sind Helden, die sich in keinem Kriege ausgezeichnet haben, wenigstens nicht in einem jener Kriege, in die die unverbesserlichen Militaristen so gern die anderen hincinzutrciben pflegen. Jener Heroismus der Kraftmeier, der uns davon erzählt, daß cs keinen schöneren Tod gebe, als den,«vom Feinde" erschlagen zu worden, ist zur Zeit in gewisse» Teilen der Welt große Mode. Aber wnviel schöner ist jener Heroismus, wieviel sinnvoller und zukunstöträchtiger, der daS Leben nicht zur Vernichtung, sondern zur Errettung feiner Mitmenschen einsetzt! Franz Hojer vom Gen.-Regiment Nr. 1 in Theresienstadt und Josef Zebra vom Art.-Regiment Nr. 8 in Leitmcritz waren solche Helden. Sie sind gestor- ben auf jenem Felde der Ehre, daS einmal das Schlachtfeld einer besseren Zeit sein wird. Im Dienste an der Menschheit, als Opfer des heiligen Krieges der Nächsten- und Menschenliebe. Am 28. Juni dieses Jahres eilten sie,„freiwil- lig", wie das Kommando der 1. Division betont, und ohne Zögern einem Brunnenbauer, der bei. seiner Arbeit vo» Erdgasen betäubt worden war, zu Hilfe. Bei dieser Rettungstat fanden sie, selbst von den giftigen Gasen betäubt, den Tod. Sie starben, noch ehe ihnen Hilfe zuteil werden konnte. Das Kommando der ersten Division hat diü gefallenen Helden, die„ein so her- vorragendes Beispiel der Tapferkeit bewiesen haben", in niemoriam zu Gefreiten ernannt und sagt, daß es den tapferen jungen Männern ein ewiges Gedenken bewahren werde. Uns scheint, daß diese heldennüitigen Soldaten, die ihr Leben bedenkenlos fiir ihren Mitmenschen in die Schanze schlugen, keiner ehrenden Ernennung mehr bedürfen. Ihr beispielhaftes Sterben ist Vorbild und ehrende Erinnerung genug. Wir aber sollten den tieferen Sinn eines solchen Sol- datentodes der jungen Generation einzuhämmern wissen und ihr lebendig zu zeigen verstehen, daß dieser Heldenmut der wahre Mut ist, tausendnial schöner, tausendmal ehrlicher als jener Kollek- tivmut beim gemeinsanien Massengang in den Tod! Holzgas in der Landwirtschaft. Zu inter- cffanten Erkenntnisten gelangte man bei Maßnahmen, die auf allen Seiten gegen die katastrophalen Folgen der Dürre in der Landwirtschaft unternommen werden. Die Aufmerksamkeit aller Fachleute und der Oeffentlichkeit wendet sich der Methode der Ausnützung von Holzgas bei dem Antrieb von Bewässerungsmaschinen zu. Die staatlichen Güter in Viglas und die Bauern im Grünzeuggebiet von Theresienstadt Habs» als erste in Europa angesaugtes H o l z g a s für den Antrieb der Maschinen und zur Bedienung weitspritzender Zerstäuber verwendet. Durch Trockendestillation von Holz, event. Anthrazit, wird ein Betriebsstoff gewonnen, der bei voller Leistungsfähigkeit eine bisher ungeahnte Ersparnis bedeutet. Zehn Millimeter Niederschlag auf einer Fläche von einem Hektar koste» ungefähr 8 KC. Beachtenswert dabei ist der Stand der Kulturen, welche vollkommen frei von Schädlingen^ wie Läusen usw. sind. In New Bork 50 Todesfälle durch Hitzschlag. Die noch immer anhaltende Hitzewelle hat in New gort bisher über 50 Todesfälle verursacht. Die Hitze in New Bork ist infolge der hohen Luftfeuchtigkeit geradezu erstickend. In Kansas City wurden Temperaturen von 42 Grad gemessen, in Oklahoma sogar 48 Grad. Vakuienschmuggel. Von einem österreichische» Zollwachbeamten ist ein größerer Valutenschmuggel zwischen Oberndorf und Laufen ailfgcdecki worden. In raffinierter Weise waren viele Tausend Mark im Auto von Laufen herübergeschmug. gelt worden. Die deutschen Behörden haben aus Grund dieser Aufdeckung, die dem österreichischen Beamten gelungen ist, in Laufen mehrere Personen verhaftet. Der englische Fliegerhauptmann Maurice Wilson, der— wie kurz gemeldet— den Mount Everest allein besteigen wollte, ist wahrscheinlich umS Lebe» gekommen. Die eingeborenen Träger, die Wilson begleiteten, berichten, daß er sie in einer Höhe von etwa 7000 Metern verlosten habe, um die Besteigung des Gipfels allein durchzuführen. Seine Ausrüstung bestand nur aus drei Broten, einer leichten Zeltbahn und zwei Büchsen Konserven. Die Träger warteten einen vollen Monat auf seine Rückkehr an der Stelle des dritten Lagers der vorjährigen Rottlcdge-Expedition. Als sie jedoch nach dieser Zeit kein Lebenszeichen mehr von Wilson erhielten, kehrten sie zurück. Wahrscheinlich ist Wilson in einer Höhe von etwa 7500 Metern umS Leben gekommen, da gerade in dieser Höhe sehr häufig furchtbare Schnecstürmc herrschen. Außerdem ist diese Gegend reich an Gletscherspalten. Militärische Studien im Kaukasus. 250 Offiziere der Roten Armee sind nach dem Kaukasus abgereist, um de» höchsten Berg des europäischen Teiles der Sowjetunion, den Elbrus, zu besteigen. Die Leitung der Gesamtexpedition liegt in den Händen des Chefs des militärischen AuS- bildungSwesenS des russischen Generalstabs Sed- jakin. Die Militärexpedition wird mindestens zweieinhalb Monate unterwegs bleiben. Riesen- Waldvrand bei Hannover. Der Heide-, Moor- und Waldbrand im Kreis Neustadt ist nach angestrengtester Tätigkeit zum Stillstand gebracht worden. Das Feuer entstand in der zum Lande Schaumburg-Lippe gehörenden Gemeinde Großenheidorn. Nach Mitteilung des LandratSamteS hat das betroffene Gebiet eine Ausdehnung von mehreren tausend Morgen. Waffrrrohrbruch in Berlin. Die verkehrsreiche Kreuzung der Leipziger- und der Jerusa- lemer-Strahe am Dönhoffplah wurde am Freitag früh gegen 4 Uhr von einem Wasserrohrbruch heimgesucht. An sechs bis sieben Stellen wurde die Fahrbahn aufgeristcn. In kurzer Zeit hatte das Wasser die Dämme überspült. Im Erdboden entstanden Löcher im Durchmesser von 2 bis 3 Meter. Die Asphaltdecke wurde teilweise um 30 Zentimeter gehoben. Feuerwehr und Arbeiterkolonnen der Wasserwerke waren längere Zeit tätig, um die Gefahr weiterer Ueberschwemmun- gcn zu beseitigen. Bis auf weiteres ist der gesamte Fährverkehr auf der Leipzigerstraße zwischen Spittelmarkt und Markgrafenstraße uns aus der Jcrusalemerstraße zwischen Krausen- und Kronenstraße gesperrt. Verurteilte Spione. DaS Kreisgericht in Kaschau verurteilte wegen Spionage den 27jährigen Ladislav Miklossy zu sieben Jahren und den 84jährigen Absolventen der Budapester Militärakademie Mikulas Slalt-y aus Cap zu fünf Jahren Zuchthaus. Auch die Herren* Zahnärzte.. Herr Hitler und seine Getreuen beteuern bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit den Friedenswillen des Dritten Reiches. Das nachstehende Schreiben des leitenden Luftschutzarztes beim Chemnitzer Polizeiprästdnnn zeigt wieder eimnal so recht das wahre Gesicht dieser Friedensapostel. Polizeipräsidium Chemnitz. Leitender Lustschutzarzt. Chemnitz, am 0. Juli 1084. Sehr geehrter Herr Kollege! Die Zahl der Chemnitzer Aerzte in dey verfügbaren Altersklaffen genügt nicht, um im Luftschutz-Sanitätsdienst alle Führerstellen zu besetzen. Das Polizeipräsidium sicht sich daher gezwungen, auf die Herren Zahnärzte zurückzugreifen und ihre Einreihung in die Organisation des Luftschutz-Sanitätsdienstes vorzunehmen und zwar als Führer von Sanitätstrupps m den einzelnen Polizeibezirken und in den Sanitätsabteilungen, Sie werden zu diesem Zwecke um Beantwortung folgender Fragen bis 10. August 1034 gebeten: 1. Sind Sie Mitglied eines Verbandes(SS, SA einschließlich Reserven), des RSDFB oder der HI, und wenn ja, wo und in welcher Stellung? 2. Fühlen Sie sich körperlich so rüstig, um den oben bezeichneten Posten ausfüllen zu können(Tragen von Gasmasken erforderlich!). 8. Sind Sie im Gasschutz bereits auSgebil- det? Wann? Wo? 4. Unter welcher Telefonnummer find Sie tags und nachts erreichbar? In der Antwort wollen Sie die Versicherung anfügen, daß Sie nach den für Personen in öffentlichen Diensten erlaffenen Bestimmungen rein arischer Herkunft sind, sowie Ihren vollen Namen(Rufnamen unterstrichen), Geburtsort und-tag, Wohnung(nebst Praxis) angeben. Polizeipräsidium Chemnitz. i. A. Dr. H a u s p a ch e r, Polizcünedizioalrat. Jk. IS» «nmMnu, 21. Juli 1934 (Seite 5 t Es hat demnach in den ersten fünf Monaten des JahreS 1934 ein Btehrverbrauch an Hoble durch die Industrie von rund 80.000 Tonnen stattgefunden. Während besonders in der Baumaterialienindustrie, einschließlich der Ziegeleien, die von der wirtschaftlichen Erholung noch nicht erfaßt morden ist, und auch in einigen weiteren Industriezweigen noch ein Rückgang festzustellen ist, ist der Kohleverbrauch der Schwerindustrie allein um über 52.000 Tonnen gestiegen. Durch de» Mehrverbrauch der Maschinenindustrie und einiger Zweige der Fertigwarenindustrie konnte der Rückgang des Kohleverbrauchs der übrigen Industrieunternehmungen ausgeglichen und dec verzeichnete Mehrverbrauch erzielt werden. Barlow für dieses teuere Kriegsmittel keine genügende Treffsicherheit bieten konnte. Bei dem den Russen angebotenen Torpedo war die Bahnabwei- chung auf nur zwei Kilometer für einen Flugweg von eintausendfünshundert Kilometern verringert. So wandert die mit eigener Kraft fliegende Bombe, uralt und hochmodern, hin und her zwischen dem Osten und dem Westen bis zu dem Tage, an dem die Kontinente ans der letzten großen Katastrophe wieder in den Urzustand der Barbarei fallen oder für immer dieses lndmittel zer barbei falle» oder für immer dieses und alle Kriegsmittel zerstören. Mittlerweile ist es noch west zu jenem besseren Tag. Am 10. Juni 1934.prüfte das englische Kriegsministerium eine neue Raketen- granate, die man mit Treibstoff für eine Flugzeit von einigen Stunden versehen kann. Die Erfinder behaupten, daß die Granate, in London Äbgeschos- sen, durch automatische Reihenzündung von Triebraketen sich genügend lang in der Luft halten lönne, um bis Berlin zu gelangen. Sozialdemokratische Führer werden auv ihrer Heimat verjagt! Dem OND wird aus Linz (Oberösterreich) berichtet: Dieser Tage wurden die Mitglieder deö oücrüsterreichischeu Landesparteivorstandes der Sozialdemokratie nach fünfmonatlicher grundloser Haft freigelassen. Sie müssen sich zehn Tage in ihren Wohnungen"auf-, halten und dürfen sie, bei sofortiger Verhaftung" nicht verlassen. Innerhalb dieser Frist müffen sie I einen Aufenthaltsort außerhalb Ober-< ö st erreich s, also fern von ihrer i Heimat, suchen. Gelingt es ihnen nicht, einen anderen Aufenthaltsort zu finden, so werden sie, lpie ihnen die Polizei angelündigt hat, in z das Konzentrationslager gebracht/ t . Vatikandiplomaten sprechen lateinisch. Die, italienischen Blätter machen darauf aufmerksam,| laß der Vatikan im diplomatischen Verkehr statt der bisher zur Anwendung gelangten französischen Sprache die lateinische einführen wird, waö aus der Tatsache hervorgeht, daß der vatikanische 1 diplomatische Vertreter in China bei seine»! An- i trittsbesuche beim Präsidenten der chinesischen Republik eine lateinische Ansprache gehalten hat. Ndet rettet sich mittels Fallschirm. Als Freitag auf dem Berliner-Flughafen Tempelhof der bekannte deutsche Sportflieger Ernst Ud et auf einem. neuen aus Amerika mitgebrachten Sportknnstflug» zeug Kunstflüge ausführte, geriet in-etwa 1000 Meter Höhe das Flugzeug ins Trudeln. Udet sprang- auS 800 Meter Höhe mit dem Fallschirm ab und gelangte unversehrt zur Erde. DaS Flugzeug wurde vollständig zertrümmert. Der tödliche Starkstrom. Als bei PartschinS, unweit MeranS, in einem Paßübergang eine Gruppe von italienischen Artilleriesoldaten eine zu Manöverzwecken errichtete Fernsprechleitung abmontierte, fiel ein Draht auf die den Paßübergang durchziehende Hochspannungsleitung. Ein Leutnant und zwei Mann, die den Draht in den Händen hielten, wurden auf der Stelle getötet. Ein vierter Soldat erlitt einen Nervenschok. Fortdauer der Hitze wahrscheinlich. Ueber dem europäischen Binnenland« ist bei schwachem vorwie« I gend östlichem Winde erneut Erwärmung eingetre-1 ten. Der wärmste Ort war Freitag um 14 Uhr Preß« I borg mit 88 Grad. Die Lustdruckunterschiede sind nunmehr sehr gering, so daß sich lokale Gewitterstörungen ausbilden können. Im allgemeinen dürste jedoch daStrockeneundsehrwarmeWei- ter anhalten, da da» Drucktief wesentlich von Irland noch keinen Einfluß auf unsere Gegenden erlangen wird.— Wahrscheinliche» Wetter von Samstag: Im ganzen schön, sehr warm, vorwiegend trocken, nur strichweise etwa» stärker« Bewölkung mit Gckvitterneigung.— WetterauSsichten für Sonntag: Keine erhebliche Aenderuvg. Reue Kraftfahrzeuge in der Tschechoslowakei. Aach den Erhebungen des Statistischen Staatsamtes wurden bei den Evidenzbehörden in der Tschecho- s.öwakei im Juni 1984 1280 neue Kraftwagen und 524 neue Motorräder(mit und ohne Beiwagen) eingetragen'. Von den Automobilen waren 1178 Personenwagen, 47 Lastwagen und 6 Autobusse. Tschechoslowakischer Erzeugung waren 1146(98.2 Prozent), ausländischer Erzeugung 84(6.8 Proz.). — Von tschechoslowakischen Marken. wurden verkauft: Praga 874(im Mai 818), Tatra 809(265), Skoda 190(264), Zetka 108(102), Aero 90(68), Walter 67(88), Wikov 7(10), Java 1. Gesamtstaatliche Tschechoslowakische ü rauben- Hausgesellschaft. Wegen der. großen Bedeutung des modernen' Krankenhauswesens und der Fülle der fachlichen-Fragen, die-auf dem Gebiete de» Krankenhauswesens zu erörtern sind, haben sich in. allen Staaten KrankenhauSgesellschaften gebildet, welche in einer internationalen. Vereinigung zusammenge« faßt sind. Auch in der Tschechoslowakischen Republik besteht seit mehreren Jahren eine Tschechoslowakische KrafikenhauSgesellschaft. In dieser Gesellschaft wa« ren deutsche Fachkreise nur in geringer Fahl vertreten. Die Bedeutung des Krankenhauswesens erfor« dert aber eine moralische und materielle Stärkung dieser Gesellschaft und/ dnc Zusammenarbeit der Fachkreise aller Nationalitäten in diesem Staate. Aus diesen: Grunde wurden von der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit mit der Tsche- choslowakischen Krankenhausgesellschaft Verhandln»» gen über die Aenderung der Statuten durchgeführt. Diese BerhaMungen, die beiderseits von loyalem und rein auf die Sache eingestelltem Geiste getragen waren, haben zu einem schönen Erfolg, geführt. Die Krankenhausgesellschaft hat in einer kürzlich«übgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung eine Aenderung der Statuten beschlossen, welche die sprachlichen Rechte deutscher Fachkreise und die Vertretung im Vorstand voll berücksichtigt, Die Zahl der Vorstandsmitglieder wurde erhöht, so daß durch Neuwahlen Vertreter deutscher Krankenhäuser Aufnahme finden können. Damenhut— ein Kunstwerk. Ein Pariser Gericht fällte die Entscheidung, daß ein Damenhut al» Kunstwerk.anzusehen sei. In dem Prozeß wurde eine Klage Uber Eingriffe in das.-Autorenrecht verhandelt, und der Richter sprach, die Ansicht au», daß französische Mode-Erzeugnisse als Kunstwerke anzusehen find.... Allerdings waren bei den Bezirksgerichte n um 24.227 Straffälle mehr anhängig, als im vorhergehenden Jahre 1981 (646.246 Fälle). Aber in dieser Ziffer spielt das Kontingent der Ehrenbeleidigungsklagen eine große Rotte, die erfahrungsgemäß in Zeiten der Unruhe und Unsicherheit eine Steigerung erfahren— vermutlich eine Folge der nervösen Ueberreiztheit, die sich in breiten Bevöl« kcrungsschichten bemerkbar macht. Der größte Teil dieser Fälle fand aber sein Ende durch E i n- stellung des Verfahrens. Die attein maßgebende Ziffer der urteilSmätzigen Erledigungen zeigt, daß im Jahre 1932 um 11.759 Urteile weniger ergangen find als im vorhergehenden Jahre 1931. Ein analoges Bild zeigt die Judikatur der KreiSgerichte. Bor den Kreisgerichten der Republik waren um 10.146 Fälle mehr anhängig als 1931. Aber auch hier wurde ein Großteil der eingeleiteten Verfahren vor der Hauptverhandlung eingestellt. Besonders bemerkenswert ist das Sinken der schweren Kriminalfälle, die vor den Schwurgerichten zur Verhandlung kommen. Lor den Schwurgerichten wurden gegenüber dem Vorjahre 1931 um 54 Fälle weniger erledigt, vor den Senaten um 208 Fälle weniger; vor dem Einzelrichter um 301 Fälle weniger. Lediglich die Agenda de» Preffegerich- tes ist um 99 Fälle höher alb im Jahre 1931. AuS dieser Statistik geht klar hervor, daß von einem Steigen der Kriminalitätöziffer überhaupt nicht gesprochen werden kann, ja daß die Kriminalität selbst in diesen furchtbaren Kriscnzeiten im Sinken begriffen ist— gewiss ein prachtvolles Zeugnis für die moralische Widerstandskraft der so schwer heimgesuchten Massen unserer Bevölkerung. Dr. Bg. Aedes neue Parteimitglied bedeutet: eine« Freund mehr, einen Feludweuiger. Darum«erbet für die Partei! Wirtschastsbezlehuusen de» Meinen Entenre In: Frühjahr dieses Jahres wurden Verhandlungen geführt, die einen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Staaten der Kleinen Entente zum Ziele hatten. Obwohl das polit. Bündnis seit 16 Jahren fest begründet ist, haben dieWirtschafts- u. Handelsbeziehungen eine lockere und völlig ungenügende Form erreicht. Die an diese jüngsten Verhandlungen geknüpften Hoffnungen scheinen sich nur sehr langsam zu erfüllen. Aus. den bisher vorliegenden Ziffern deö Außenhandels ist ztvar eine geringe Steigerung der Ausfuhr der Tschechoslowakei, nach Jugoslawien zu ersehen, gleichzeitig aber ist die Einfuhr jugoslawischer Waren nach der Tschechoslowakei zurückgcgangen. Im Außenhandel der Tschechoslo- wakei mit Rumänien ergibt sich ein beträchtlicher Rückgang der. tschechoslowakischen Ausfuhr, während die Einfuhr rumänischer Waren etwa den gleichen Umfang wie 1933. erreicht. Die Textilindustrie unseres Staates bettagt den besonderen Rückgang der Textilausfuhr nach Rumänien und sieht die Gründe für die Hemmung der Handelsbeziehungen mit den Staaten der Kleinen Entente vor allem in den: Festhalten der Tschechoslowakei an der agrarischen HanVelspolftik. Seit tausend Jahren ist im Orient die KriegSralete bekannt. Lange, ehe der Mönch Berthold Schwarz daran dachte, für uns da» Schießpulver zu erfinden, trieb man in China die Kunst der brennenden Pulver. Was für die westliche Welt die letzte Entwicklung zum Zukunftskrieg zusätzlich an Wirkung aus den Explosivstoffen .zaubert, die psychologische Wirkung, dte Brandwirkung und die Giftwirkung, das stand im fernen Osten am Anfang. Allerdings beschränkte sich die -psychologische, die Wirkung des Schreckens, Mf die kämpfende Armee und ihre KriegStkere, Pferde/ Kamele und Elefanten, nicht auf-das Hinterland der Frauen, Kinder und Greise. Die Brandwir- kung reichte nur vom Stroh bis zum Holz mü» beim griechischen Feuer schließlich bis zum Brande unter Wasser, während die moderne Elektronbombe überhaupt am liebsten mit FlUssigke.it brennt,, und dabei auch Stahl und Eisen frißt. Die letzte Wirkung von Pulvergemischen, die Giftwirkung, dürfte im Orient nicht über, die Stinkbombe hinauS- geraten sein. Während man in Europa im allgemeinen ich seit der Erfindung des Schießpulvers darauf beschränkt, immer größere Löcher in Mauern und Menschen zu schießen, ist die Entwicklung im Orient durch die Jahrhunderte weniger phantasielos verlaufen. Rauchwolken und Gestank, Brand und Schrecken, schleudert man mit der Kriegsrakete. Einmal schon, im dreizehnten Jahrhundert, War das Wissen von den Kriegsraketen der Chinesen über die Araber nach dem-Westen gewandert. Aber als man in Europa lernte, mit Pulver Steinkugeln und Blei aus Metallrohren zu schleudern, da vergab man diese Raketen schnell. In Indien hatte der Fürst Haider Ali ein Korps von eintausendzweihundert Raketenwerfern. Sein Sohn Tigu Sahib verstärkte diese Spezialtruppe bis zu fünftausend Mann. Er verwendete sie 1799 erfolgreich bei der Belagerung von Seringapatam. In' Indien lernten die Engländer diese Kriegswaffe aufs neue schätzen und Sir William Congrave, Direktor des königlichen Laboratoriums, erfand deshalb diese Kriegsraketen in England. Im Jahre 1804 machte man die ersten größeren Versuche und 1807, konnte, man bereits Kopenhagen damit in Brand schießen. 1813 schickten die Engländer ihren Verbündeten solche Raketenbatterien. Sie wurden bei den Belagerungen von Wittenberg und-Danzig und in- der Schlacht bei Leipzig mit Erfolg verwendet. Die meisten europäischen Armeen führten die Kriegsraket« nun ein.' 1848 erfand der Nordamerikaner William Hale eine Rakete mit gewundenen Auspuffdüsen, die ohne den bis jetzt notwendigen Stab, durch ihre Rotation eine-glatte Flugbahn ermöglichte. Die österreichische Atme« führte sie ein und in den Feldzügen-von 1846 und 1849 gegen Italien und Ungarn wurde-sie erfolgreich verwendet. Man. ver- . schaß von einem dreibeinigen Raket'engestell mit der-Rakete entweder ein gewöhnliches Artillerie-- - aeschaß— Granaten, Schrapnells, Kartätschen— WMM M WM Kohlenverbrauch al» Konjunkturmesier Die ersten fünf Monate 1933 und 1934. Der Anteil der einzelnen Industriezweige an dem Kohlenverbrauch ist sehr verschieden. Infolge der durch die Wirtschaftskrise hervorgerufenen Produktionseinschränkung ist der Kohlenverbrauch aller Industriezweige zurückgegangen. Im Zusammenhang mit den gemeldeten Besserungöer- scheinungen der Wirtschaftslage ist ein Vergleich der für die ersten fünf Monate 1934 vorliegenden Ziffern mit den Ziffern der gleichen Monate dcS Vorjahres recht interessant. Kohle, Koks und Briketts sind umgercchnct auf Steinkohle nach der durchschnittlichen Hcizkraft. Die Tabelle ist nach den in: Bulletin der Tschechoslowakischen Nationalbank veröffentlichten Ziffern zusanunengestettt. Eö betrug demnach der Kohleverbrauch vom Jänner bis Mai in tausend Tonnen: oder für die Rakete besonders konstruierte Sprenggeschosse und Brandgeschosse. Die Ralctcn zeigten besonders im Hochgebirge den ausschlaggebenden Vorteil, daß sie keinerlei Fahrzeuge nötig machten. Rach der Einführung der gezogenen Geschützrohre wurde allerdings die Unsicherheit der Raketenflugbahn besonders augenscheinlich und ihr Mangel an Durchschlagskraft brachte sie dann schließlich in die.Rumpelkammer. Mangel an Durchschlagskraft! Wer braucht im Jahre 1034 Durchschlagskraft, wenn er offene Städte' und nicht mehr.Festungen beschießen willik Unsicherheit der Flugbahn! Wer braucht Sicherheit der Flugbahn, wenn er auf Quadratkilometer Fläche einer pulsenden Stadt und nicht auf kleine Kuppeln betonierter Forts seine Geschosse schleudert. Raketen werden wieder modern! Vor zehn Jahren, Mitte Juni 1924, tvurde in England eine neue Kriegsrakete ausprobicrt. Diese, eine mit Flügeln versehene Brandrakete, sollte einen Regen von geschmolzenem Metall über ein Gelände von zehn Kilometern Umfang streuen. Bei den Versuchen, die bei- dem Dorfe North Fer- riby.in der Grafschaft Aork unteriiotiniien wurden, erklärte der Konstrukteur Ernest Welch, daß in ihren: Wirkungskreis diese Rakete auch jedes Flugzeug vernichtet, weil das zerspritzende Metall Stahl und Asbest durchschlage. Die neuen Raketen wurden auf freiem Feld vorgeführt, aber nian verwendete trotzdem aus Sicherheitsgründen nur eine besonders kleine AuSsührung. Der Feuerregen geschmolzenen Metalls, den diese Muster über das Feld streuten, soll„eine gute Vorstellung" von der fürchterlichen Wirkung dieses Kriegsmittels gegeben haben. DaS war vor zehn Jahren. Vor zwei Jahren, im September 1932, machte der„Vorwärts" in Berlin Angaben über einen Lufttorpedo, der einen Aktionsradius von zweitaufetid Kilometern hat. Seine Explosivkraft ist die von vierundzwanzig großen Fliegerbomben. Im edlen Wettstreit der Großmächte konnte endlich„ein großer französischer RUftungskonzern" das Patent und -Geheimnis dieser Waffe erwerben. Wie der„Vorwärts" berichtete, sollte„ein großer Staat im Osten" die ersten Muster dieser Waffe geliefert bekommen- weil- man hofft, daß man dort am ersten und aus der Ferne die praktische Anwen-, düng beobachten kayn." Der„große französische Rüstungskonzern" dürfte so bekannt sein, wie der große Staat im Osten", zumal es sich ja noch um das Jahr 1932 handelt, Japan machte«in Jahr später, im September 1933, die. sensationelle Ausschreibung, die ganz Europa erregte und in der es vierhundert freiwillige Todeskandidaten für einen neuen Torpedotyp suchte. ES ist interessant, daß nach anderen Zei- tungSmeldungcn des September 1932 der nordamerikanische Ingenieur Bärlow in dieser Zeit den Sowjetrüssen'einen augenscheinlich raketengetriebenen Lufttorpedo angebotey hat. Der. amerikanischen Regierung halte Barlow bereits 1918 ein Projekt zur Zerstörung Berlins mstdiesen Torpedos anarbmen. Das Projekt scheiterte, weil Die Reaktion bemüht sich nach Kräften, die sozialen Fortschritte unserer Justiz dadurch in Verruf zu bringen, daß sie von der„zunehmenden Kriminalität" phantasiert, die angeblich durch die„übergroße Milde" einer sozial eingestellten Justiz verschuldet ist. Die reaktionäre Presse überbietet sich in offenen und versteckten Angriffen gegen die bescheidenen Ansätze einer sozialen RechtSpraris, die bei uns bisher durchzusctzcn waren. Diese Presse sucht ihren kleinbürgerlichen Lesern die Ileberzengung zu suggerieren, daß die Kriminalität in rapidem Aufstieg begriffen sei, daß nur durch radikalste Maßnahmen das zunehmende Verbrechertum be- kämpft werden könne. Was klerikale und nationalistische Prcsseerzeugniffe in dieser demagogischen Kampagne geleistet haben, übersteigt jede Vorstellung. Gestützt auf die publizistische Praxis einer Boulevardpresse, die vo» der unappetitlichen Ausmalung von Mordsensationen lebt, wurde derSchrei nach dem''Henker laut. Eines der reaktionären Blätter tterikalcr Richtung verstieg sich sogar zu der Forderung nach Schnellgerichten, die binnen 48 Stunden den Täter dem Galgen zu überliefern hätten. Da eö zu den charakteristischen Merkmalen deö Spießbürger» gehört, nicht zu denken, sondern jede Phrase sich gläubig zu eigen zu machen, hat auch diese Kampagne gegen die soziale Justiz in breite» Schichten des Bürgertums Eindruck gemacht. Ja, man kann diese Kampagne geradezu .als Schulbeispiel dafür ansehen, wie leicht auch eü:e ganz unbegründete Phrase in kritiklosen Gehirnen Eingang findet. Wie aus der kürzlich veröffentlichten Kriminalstatistik für das Jahr 1932 hervorgeht zeigt die Kriminalität auch in diesem'dritten Jahr der Wirt sch aftSkrisesinkende Tendenz. W WW Don Her„AWen ffiMtr •in» d««ag»glfche Phrase durch dl»«tattsttk Widerlegt—«t«ten der »rl«»«chlitRt selbst tut dritte««risensahr Osten—Westen und zurück Die S»twickl««g der fttitgitaltte Bon Jng. Kurt D o b e r e r. 1931 1933 Bergwerke 64.0 42.3 Eisen- und Hüttenwerke. 719.6 667.0 Maschinenwertstätten.. 93.6 89.1 Elektrizitätswerke... 545.0 560.8 Gaswerke..... 98.7 109.1 Wasserwerke.... 10.1 10.9 Zuckerfabriken.... 79.9 79.4 Chemische Industrie.. 185.2 190.8 Bierbrauereien und Malz- fabriken 88.6 92.9 Spiritusbrennereien und Hefefabriken.... 57.3 55.3 Glasfabriken.... 163.8 136.7 Porzcllanindustrie... 41.7 41.1 Keramische Industrie., 36.5 37.6 Ziegeleien..... 72.6 83.3 Baumaterialienindustrie. 32.4 36.1 Zeinentfabriken.... 97.7 96.2 Textilindustrie.... 319.9 291.6 Holz, Papier, Zellulose. 167.4 156.5 Bersch. Jndustriebranchen 393.1 402.3 Gesamtlieferungen an In- dustrieunternehmungen 3267.0 3177.3 Seite 6 „Sozialdemokrat" «nmWf»®, 21 In« 1034. Jte. 1« Auf dem Stoppelfeld in unseren Leinenschuhen mit dauerhafter Gummisohle. Luftige Lufa-Einlagen Kc 2.> ur. Interview mit Goebbels „Was war das eigentlich für ein Komplott, Herr Minister, das der Stabschef Röhm geschmiedet hat? Sie haben abwechselnd erklärt, daß es revolutionär und daß es reaktionär war. Das verstehe ich nicht. Der tote Röhm..." „Ganz einfach: der tote Röhm war eben ein revolutionärer Reaktionär. Ich habe doch erklärt: der Kerl war pervers 1" „Noch eine Frage, Herr Minister: wie ist dieser Röhm eigentlich hingerichtet worden? Hat man chn im Bett erschossen oder auf dem Tranzport oder in der Zelle oder auf dem Kasernenhof? Hat man ihm einen Revilver in die Hand gedrückt— oder hat man ihn einfach abgcdrückt? Hat man den Dkann verhört und verurteilt, hat er gestanden oder geleugnet, war er überhaupt überführt oder nur verdächtig?" „Verschonen Sie mich mit so peinlichen Fragen! Ich habe, doch erklärt: es waren ekelerregende Sze- neni" Und wie darf man sich. die. neue SA. vorstellen? Ohne Lustknaben, ohne Saufgelage..." „Und vor allen ohne Politik! Dafür sind jetzt nur noch unsere Fachleute zuständig." „Eine letzte Fragen Herr Minister: wird man für die Angehörigen.der Erschossenen sorgen? ES sind doch wohl J^e Pmteigeiwfftzxi. Wird man sich zum Beispiel um RohmS Witwe kümmern?" „Die Witwe RöhmS? Seien Sie unbesorgt: wir sind alle bemüht, unserem Führer seinen schweren Verlust zu ersehen!" .. G. G. im„SimplicuS". Mitteilungen au» dem Publikum. Bei Müdigkeit reiben wir Stirn und Schlägen mit Alpa-Menthol-Franzbranntwein ein und massieren die abgespannten Muskeln. Alpa, das bewährte und seit vielen Jahren gebrauchte Hausmittel. Der Ausflug in« Unwirkliche Bon Oskar Baum (Schluß.) „Was Sie an Ihrem Aeußercn auszusehen haben» möchte ich doch gern wissen," wies er sie zurecht,„aber wir schweifen damit wieder zu sehr von unserer Angelegenheit ab. Würden Sie nicht vorziehen, in eine Stellung einzutreten, in der Sie anderen mindestens so viel lvie hier bedeuten und sich— na— fassen wir es lieber so: Sie sind hier der ordentlichen vernünftigen Entivicklung zweier Familien im Wege, weil Sie das Unvernünftige, wo eS sich zeigt, auszugleichen suchen." "Ich?" «Es wird ein Unglück, wenn Sic darin fortfahren. Sie erziehen überivachcn, unterrichte» meine Kinder und Ihre Geschwister, als wenn das eine Familie wäre. Sie brauchen darüber nicht zu erröten. Ich weiß es längst, wenn ich auch noch so Ivenig zu Hause bin. Meine Kinder sind hier oben mehr zu Hause als unten in meiner Wohnung. Leugnen Sie es nicht; es ist nur zum Teil Ihr Verdienst. Sie machen es meiner Frau und Ihrem Vater zu leicht, sich ledig und allein in der Welt zu wähnen. Die beiden meinen jetzt sicherlich, daß sic nur überwundene ethische Begriffe, Vorurteile verletzen, aber keine faktische«! Pflichten, nachdem alles tadellos wie am Schnürchen weitergeht. Kommen Sic, Fräulein Eva! Kommen Sie mit mir, aber jetzt gleich— Sie können sich darauf verlassen, daß ich es nicht verlangen wiirde, wenn eö nicht notwendig wäre. ES ist nicht die mindeste Röntantik dabei! Ich bringe Sie.in eine Familie, in der Sie Ihrem Gefühls- und Gedankenkreis begegnen werden, meine Familie, die schon auf Ihr Kommen vorbereitet ist." DRÄGER ZEITUNG aber noch int Spital liegt und nicht vernehmungsfähig ist, mutzte der Fäll v e r t a g t werden." ich. Unterstützung- des Dritte« Reichs Ein Leser schreibt unS: Die E. S'. D. im Verein mit dem Reisebüro Globus plakatieren überall eine Vergnügungs- reisc ab Prag über Bodenbach nach MiSdroy Und Swincmündc, 22. bis 20. Juli, mit vierstündigem Aufenthalt bei Rückfahrt im Sonderztig hin und her, in Berlin. Wohl bckomm'S denen, die ehrlos genug sind, in dieser, unseren heimischen Badeorten schweren und durch Hitlerland noch absichtlich erschwerten. Zeit, ihr Geld nach Hitlcr- land zu tragen.— Warum sagt die Plakatierung nicht genau, wo diese beiden„Judenfrcien" Badeorte liegen? In welchem Lande sie liegen.— Denn die<$. S. D. können höchstettö nur die Bahnfahrt Praha—Podmokly beztv. umgekehrt, für sich buchen.— Der Rest fällt der Deutschen Reichsbahn und den Hakcnkreuzlcrn in MiSdoy oder Swincmünde,— in die Taschen. Wer macht im Dritten Reich für unsere Badeorte Propaganda? Niemand! Man plakatiert, daß kein guter Germane sein Geld ins Ausland verfahren soll... Und wir? RachtbUd der Rot Wenn ihr die Not der Großstadt erleben wollt, jene fürchterliche Not, die aus Menschen wie Du und ich, gehetzte Tiere ohne Oibdach und Heimat macht, so müßt ihr. in den Nachtstunden durch die Parks von Prag gehen. Die Bänke, einst für die Liebespärche» reserviert, die hier ein. verschwiegenes Nest für ihre Zärtlichkeiten fanden, gehören jetzt der Not. Jener Not, die viel zu matt und zu schivach ist, um sich noch verkriechen zu können, jener Not, die sich verlöschend vor uns auSstrcckt wie ein waidwundes Tier vor dem Jäger.... Auf den Bänken liegen sie in langen Reihen, Mann an Mann, ein hartes, unfreundliches Lager, aber die Erschöpfung pfeift auf Bequemlichkeit. Ein Glück noch," daß die Polizei einsichtig und menschlich genug ist, diese Acrmstcn der Armen ruhig schlafen zu lassen und sie nicht aufzuscheuchen. Besonders schlimm sind jene daran, die keine Bank zur Verfügung haben» sondern sich auf drei, vier Stühlen ausstrecke» müssen. Es ist ein Lager, daß unter normalen Umständen niemanden zum Schlafen koinen kaffen würde, nur der fürchterliche Druck der zwei, drei Tage langen unfreiwilligen Schlaflosigkeit kann hier ein unruhiges Dämmern erzwingen... Von der Not unscreS. Leb?nS kanyman sich «men Begriff machen, wenn«ine flüchtige Zählung im Stadtpark in einer der. letzten.Nächte annähernd Sv Menschen ergab, die hier einige Stunden der Rtihc suchten... 60 Obdachlose in einem kleinen Park... Fanal einer erbarmungslosen Zeit! P—re. Sonderbare Manieren des Cafttiers Wurm. Das bekannte Cafö Continental war schon oft Zeuge der Aufgeregtheit, die sein Besitzer, Herr Wurm, seinen Angestellten gegenüber an den Tag zu legen pflegt. So wird uns von einem Fall be- „Jch verstehe: Sie wollen hier alles verwaist laffen!" „Oh, meine Kinder bleiben ihrer Mutter, Und Ihre Geschwister dem Bater! Verwaist waren sie bisher!" „Wer die Gerichte, die Gesche? Wenn Sie Ihre Frau verlassen und mich gleichsam—" Sie errötete.„Wie sagt man doch in den Zeitungsnotizen? Entführen?" Er lächelte:„Ich bin Advokat, Fräulein Eva." «Ja, ja, ich bin ganz unerfahren; Sie verübeln es mir doch nicht, aber—" „Jetzt, während wir hier sprechen, sind meine Detektive daran, alles zu sammeln, was ich zur geschlichen Scheidung brauche. Sorgen Sie nicht; ich werde alles schon so einrichien, daß den beideit kein anderer Ansiveg bleibt, als einander zu heiraten." Er schmunzelte schadenfroh und schlug die Hände auf die Knie:«Das Gute soll belohnt und das Böse bestraft werden. Wir machen eine Hochzeitsreise nach Griccheuland." Er erhob sich und legte die Hände auf ihre Schultern. Eva sah vor sich hin! Nein, es ist nicht beleidigend, daß er mit solcher Bestimmtheit annimmt, ich werde mitgchenl „Ich erwarte keine Liebe." sagte er hernie- dcrgebeugt und die Spitze seines Schnurrbarts streifte ihre Wange;„aber ich weiß, daß ich sie fiiidcn werde, daß ich■ alles beisammen finden werde, was ich von einem Weibe wünsche, er-, träume. Ach Gott, ich kenne Sie ja so gut!" Eva stand auf. Fast hätte sie an seinen noch immer herabgeneigten Kopf gestoßen, so plötzlich und ohne Vorbereitung geschah es. „Keine Packereien, keine Toilettegeschichten." Er hielt sie am Arm fest, weil sie sich ins Nebenzimmer gewandt hatte» «So Ivie ich bin?" fragte sie zaghaft. richtet, der sich dieser Tage dort, wieder zutrug und ein Beweis dafür ist, daß Höflichkeit nicht immer zu den Eigenschaften eines Kaffcchausbe- fihcrs zählt. So hat Herr Wurm seinem Garderobier, um ihm wahrscheinlich die Sommerzeit, in der niemand in der Garderobe seine Kleider ablegt, zti versüßen, gedroht, er werde ihm ein paar Ohrfeiget? geben und ihn über die Stiegen hin- nnterwerfen. Herr Wurm machte auch Anstalten, diese Drohung auSzuführen, wobei er in einer Weise brüllte, von der er sicher nicht haben will, daß sich seine Gäste dies zum Vorbild nehmen. Etwas mehr Ruhe und Höflichkeit des Herrn Wurm seinen Angestellten gegenüber wären am Platze und wir würden unS freuen, bald feststellen zu können, daß Herr Wurm das stereotype Lächeln, daS er seinen Gästen zeigt, auch seinen Angestellten znwendeit möge. 8cNcM88«ol Kommrmisttsche Aktion unter Schulkindern Zehn Wschen strengen Arreste» Prag, 20. Jult. Ueber den Prozeß der au» Lett I. and stammenden 24jährigen Franziska Steiner, in deren Wohnung 12- bis 18jährige Schulkinder tm Sinne der kommunistischen Propaganda bearbeitet wurden, haben wir vor einigen Tagen ausführlich berichtet. Die seinerzeit vertagte Verhandlung wurde heute zu Ende geführt. Franziska Steiner wurde zu zehn Wochen streu- gen Arrestes verurteilt. Als erschwerend zog der Senat des GR. T i s e k die wiederholte und systematische Begehung der Straftat in Betracht und ferner den Umstand, daß der staatsfeindlichen Agitation jugendliche, wenig urteilsfähige Personen ausgesetzt waren. Di« Strafe ist unbedingt, aber durch die Untersuchungshaft verbüßt. Franziska S t e i n e r warüb er drei Monate in Hast. tb. Eiue„Abtreibung" ohne Schwangerschaft Mit tragische« Folge« Prag, 20. Juli. Die 58jährige Strumpftvir- kerin Marie I o n ä k aus Hoioviee stand heute vor dem Senat Pisek unter Anklage der fahrlässigen schweren Körperverletzung, begangen, an der HäuSlerSgattin Rosa K. durch Vornahme eines Eingriffes, der der Fruchtabtreibung dienen sollte. Rosa K., die in dizpftigettVerhältnissen lebt und auS materiellen Gründen nicht daran denken kann, Kinder in die Welt zu sehen, lvar aufs tiefste erschrocken, als sie im März d. I. bei sich Schwangerschaft festzustellen glaubte. Sie teilte ihre Befürchtungen der Angeklagten I o n ä k mit, welche ihr sofort sagte, sie solle sich deshalb keine Sorgen machen. Sie— die Jonäk— habe schon vielen geholfen und werde auch ihr helfen. Rosa K. schenkte diesen Reden Glauben und überantwortete sich der „Behandlung" ihrer„erfahrenen" Freundin» die damit endete, datz Rosa K. mit schwersten Unterleibsverletzungen dem Spital eingeliefert werden mutzte. Als Operationsinstrument hatte nebst schmutzigen Drähten eine gewöhnliche Zange gedient. Durch den Eiitgriff der Jonäk war nicht nur die Gebärmutter der Hilfesuchenden mehrfach durchbohrt, sondern anch der Mastdarm schwer verletzt worden. Rosa K. kann vom Glück reden,, datz sie mit dem Leben davonkam. Besonders tragisch wird der Fall durch die Tatsache, das; Rosa K.» wie im. Krankenhause festgestellt wurde, überhaupt Nicht.schwänge r war. Sie hat sich also ganz untsoitst Len schwe- rön Leide« und der Todeigefahr ausgesetzt. Nach dem Urteil der Sachverständigen ist der Eingriff unfachmännisch, unsauber ttnb in brutaler Art vorgenommen worden. Auch hat die Angeklagte keinerlei fachliche Befähigung und weder theoretische noch praktische Kenntnisse auf dem Gebiete der Geburtshilfe und Frauenheilkunde. Da die nachfolgende Operation im Krankenhaus die Entfernung der Eierstöcke nötig niachte, ist Rosa K. auch ein für allemal der Möglichkeit beraubt, Mutter zu werden. Die Angeflagte bestreitet ihre Schuld und bietet sogar für die kritische Zeit ein Alibi an. Ihre Verteidigung erscheint allerdings durch die strikten Aussagen der Beschädigten widerlegt. Da diese «Natürlich, nur einen Mantel herum, weil es schneit." Noch einmal blieb sie stehen:«Sie werden sich nach Ihren Kindern sehnen, auch in Griechenland." „Ja, wie Siel Und wenn wir zurückkommen, werden Ivir nicht hochniütig sein und schließen Frieden mit den Sündern, sobald sie nur mürbe sind und das Leben zu verstehen beginnen. Und dann sind wir alle glücklich Ivie am Ende eines Märchens." Eva fnhr zusammen. Es läutete sehr heftig und anhaltend. Sie ließ das Hemd fallet!, das sie eben in der Arbeit hatte und eilte hinaus. «Ich stehe da gute zehn Minuten! Ich dachte schon, die Klingel sei verdorben. Wo ist denn das Dicnstmädel? Wirtschaft!" Wütend stieß der Vater den Schirm in die Ecke und warf die Tür zu. „Ich habe drin Wäsche anögebeffert; cs ist diesmal so viel zerriffen und ich war so in die Arbeit vertieft!" „Anch eine Arbeit!" brummte der Bater. „Wenn Ihr Frauenzimmer nur einen Tag so viel zu tun hättet tvie unsereins!..." Und er ging direkt ins Schlafzimmer. Da Ivar er sicherlich wieder unten bei Frey» üergS gewesen. Immer war er so schlecht gelaunt, wenn er von unten kam. „Zehn Minuten!" dachte Eva und nahm ihre Arbeit zusammen, um auch schlafen zu gehe»! «Sollte ich das Ganze in dem Zeitraum seit seinem ersten Klingeln geträumt haben?" Sie träumte den ganzen Tag, ob sie kochte, nähte öder, spazieren ging. Aber in zehn Minuten! Und so zum Greifen deutlich, als wenn sie wirklich geschlafen hätte! Sie untersuchte das Hemd. Ja, zwei große Riffe hatte sie dabei geflickt. Befriedigt blickte sie eine Weile ins Lich, ehe sie eg verlöschte. Sie begriff jetzt, wie Bücher und Erinnerungen ei»-eben ausmachen"önnen.. Ans Ser Partei Sozialistische Jugend, Prag. Sonntag Westen wir uns zum Badeausflug vormittags S Uhr Endstelle der 17er und 21er Elektrischen in Hodkoviäky.— Dienstag, abends 8 Uhr, im Parteiheim Vortrag des Genossen Dr. Paul Ehrlich. Thema:„Amsterdam un-d San Francis e o. Gibt es eine Kampffituatton für das Proletariat?" Perflln Sie gut* Cüaaee Dieser Film bezieht seine Motive direkt ans dem Goebbel'schen Propagandaministerium und wird so zu einem aufschlutzreichen Extrakt nationalsozialistischer Kleinbürger-Ideologie. Er ist sogar „sozial" und erlaubt sich einige beinahe antikapita- listjsche Glossen, aber er ist so„antikapitalistisch" und „sozial", wie es dem Stil des kleinen Moritz entspricht, der selbstbewutzt in jeder Branche dilettiert Datz diese Moritzchen-Naivität nicht rührend-kindliche Unzulänglichkeit, sondern jene üble Demagogie ist, die dein aufgewühlten Kleinbürger statt finsterster Reaktion das Originalgebilde eines„deutschen Sozialismus" Vortäuschen soll, sei- nur nebenbei bemerkt. ES sind alle Requisiten da, die zum Vokabularium der braunen Phraseologie gehörten. Ejn martialisch über die Szene■ donnernder Erfinder, der, arm, züchtig und besessen, nur seinem heimlich brütenden' Genie lebt, drei Jndustrieritter, vom Flugzeugbau, die wie raffegereinigte Leitfaden in die neudentsche Pornographie aussehen., sich gegen» seitig betrügen^ und schließlich von dem, kraftverquollenen Jüngling mit der epochalen Erfindung'im siegreichen happy end über den Haufen gerannt werden. Soweit ist alles nicht zwar aufregend,„revolutionär", aber immerhin sozial, allerdings sozial in jener kleinbürgerlich-sentimentalen Manier, die einem schon nach den ersten fünfzehn Minuten unaufhaltsam zum Halse heraushangt. Dann aber kommt der Pferdesutz. Der eineGeldmann hat ein Töchterchen, daS alle sozialen Spannungen nach Propaganda-Josephs Rezept zu lösen versteht. Sie managert die„Volksgemeinschaft", daß es nur so «ine Art hat. Dec Jüngling avanciert zum Teilhaber, ehelicht die etwas exzentrische Dame und beweist so, mit einem sieghaftem Grinsen auf dem unerträglich selbstbewußten Gesicht, datz die brauiie Gelatine die Volksgemeinschaft im Verlauf von anderthalb Stunden so famos Herstellen kann, datz au» einem armen Teufel von Glockenküstersohn iy> Handumdrehen ein ebenso hurtig geldmachender Herr der Welt werden kann, wie aus den Schiebern mit Tradition. Wobei, allerdings eine leichte Uebertreibung, noch kein einziger Kopf zu rollen braucht. Diese Hitler«! in der filtnischen' Westentasche ist also für' den Freund politischer Psychologie nicht ohne Interesse, für den filmkünstlerisch interessierten Menschen jedoch«ine Strapaze, der bei der Premiere nicht jeder bis zum Ende gewachsen war. Man spielt in Kaitonenstiefeln und läßt di« Knallerbsen über die Leintvand prasseln, daß jede Kultur■ zum Teufel geht. Des Millionärs. Töchterlein holt« sich«inen Extraerfolg—, sie spielt so herausfordernd schlecht, daß man versucht ist, an bewußt« Sabotage zu glauben. Verschweigen wir mild und diskret ihren Rainen, man erschießt sie uns sonst vielleicht„auf der Flucht". Schrecklich sind die, drei kapitalistischen Kavaliere, sie spielen wie die Liebhaber beim Vereinsfest, wozu noch erschwerend kommt, daß sie ihre minderwertige Leistung mit Routine beschweren. Als schauspielerische Kuriosität sei Schlattow registriert: Parodiert er sich selbst, oder hat er alle, aber wirklich alle Oua- lität eingebüßt? Eine Träne der Wehmut für Trude H e st e r b e r g, Jakob T i e d t k e, und vor allem Hansi Niese: Diese herrliche, zu früh verstorbene Frau in solchem Sumpf agieren zu sehen, tut weh. Ihre reinen, natürlich-menschlichen Töne in der Wüste dec Unnatur' waren erschütternd.. Als st« mit gebrochener Stimme ein banales Lied von ihrer Jugend singt, bricht Beifall in die offene Szene. Pierre II Spam mH Anzeigen hallt der Inserierenden nkurreni helfen Alft ZMAM in Bold, Motin, Porzellan und«autschuk. Arbeiten Mr die Herren«erste schnell und billta. Anton Kopockf, MittMUn,»nl( VIII., XrMttt 11. 22# »l n g u n g« n: Bei Zustellung m» Haus oder bei Bezug Durch die Post monatlich KC 16.—, vierteljährig KC 48—, halbjährig KC 86.—, ganzjährig KC 182:—.— Inserate werden laut billigst berechnet. Bet öftere» Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bet Einsendung der Retourmarken.— Di« ZettungSfrankatur wurde von der Post« und Telearavbe«« direktion mtt krlatz Nr. 18.800/vä/lB80 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlag»« und LeitungS-L.»G„ Prag.