. 14. Jahrgang Dienstag, 24. Juli 1934 Nr. 170 HnriHinllMr .clnschl'eßlich 5 Heller Fort*5, IEHTRALORGAN PER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME MS MONT AO TX GLICH FRÜH, Redaktion und Verwaltung mag xh., fochova«1. imon stn. anmnutmtion hwon svi. HERAUSGEBER! SIEGT RIED TAU». CHEFREDAKTEUR i WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, MAG. Tschechoslowake In Stuttgart hingerichtet Ein Kommunist Minnich aus Stelnschttnau St«ttgart, 2». Juli(Tfch. P.-B.) Im Hofe des JustizgrbändeS wurden am Montag früh hingcrichtet der am 2. März d. I. vom Schwur- grriihte Stuttgart wegen Mordes zum Tode verurteilte Wilhelm Ulrich aus Schwaikheim und der am 15. d. M. p o n d e m S o n d e r g e r i ch t Stuttgart wegen politischen Mordes zum Tode verurteilte diduard Minnich auS Steinschöna« (Tschechoslowakei). Minnich, der zu Beginn d. I. in Backnang als rühriger 5k o m m u n i st staatsfeindliche Tätigkeit entfaltete, hat dort am 15. Mai den Polizeiwachtmeister Bucke, der gegen ihn einschreiten wollte, durch einen auS nächster Rahe abgegebenen Herzschuß getötet. Standgericht drückt sich um Urteil gegen Nazis Innsbruck, 23. Juli. Vor dem Hiesigen Standgericht Hatten sich Heute die Nationalsoziali« sten Max Mild nnd Hildegard Gössel zu verantworten. weil sie kürzlich eine Höllenmaschine unter das Bett des ehemaligen Heimwehrmitgliedes Anton Streele gelegt hatten, um Rache dafür zu nehmen, weil er vor einigen Monaten bei einer Schietzrrei an der österreichisch-bayrischen Grenze den deutschen ReichSlvehrsoldaten Schuhmacher erschossen hatte. Das Standgericht hat sich mit dieser Angelegenheit jedoch nicht allzulange beschäftigt und siedemordentlichenGericht mit der Begründung abgetreten, daß eS sie nicht in der vorgeschriebenen Frist von drei Tagen hätte erledigen können. * Das Standgericht in Graz verurteilte heute den 23jährigen Nationalsozialisten Hubert Koch- ler zu schwerem Kerker in der Dauer von fünf Jahren, weil er an den nationalsozialistischen Ausschreitungen in Radentheim in Kärnten teil« genommen hat, wo die Exzedenten ein Automobil überfielen, in welchem Gendarmerie einige Na« lioualsozialisten in das Konzentrationslager von Aöilersdorf überführen sollte. Die Exzedenten hatten den Wage» umgestürzt, wodurch die Flucht der Nationalsozialisten ermöglicht wurde. DaS Wiener Standgericht hat den lOjähri« gen Nationalsozialisten AlfonS W i l f e r t, der in der letzten Woche im 2. Wiener Bezirk eine Telephonzelle angezündet hat, zu schtverem verschärftem Kerker in der Dauer von a ch t I a h« ren verurteilt. ♦ Im Zusammenhänge mit dem Fememord an dem Nationalsozialisten Cornelius Z i m m e r ersuchten die österreichischen Behörden die reichsdeutsche Regierung um Auslieferung des Eduard Flach, eines der Mörder, welcher nach der Tat geflüchtet ist und sich, wie polizeilich sichergestellt wurde, in Breslau befindet. MC ostcrrcidiisdie Legion wiener an der grenze Wien, 22. Juli. Wie die„Reichspdst" meldet, wurden in den letzten Tagen in Bad Eibling im bayrischen Grenzgebiet neuerdings 3OO0 österreichische Legionäre konzentriert. Große Pollzelrazzla gegen Leute ohne Schwimmhosen Die Wiener Polizei hat am' Sonntag eine grobe Aktion gegen die Nacktbadenden in der Lobau.durchgeführt. Im Laufe des Nachmittags erschienen' gröbere. Polizeiabteilungen' in den Auwäldern und nahmen die Leute fest,' die in Gruppen ohne'Badeanzüge angetroffen wurden. Sie.wurden zum größten Teil an Ort und- Stelle ,' mit Geldstrafen belegt. Etwa 40 Personen wurden dem' Polizeikommiffariat' Floridsdorf zur AuSweiSleistüng überstellt. Sie wurden erst in den späten Abendstunden wieder auf freien Fub gesetzt. erde» Deutsche Sozialdemokratie und Staat Standserichtsurtell gegen Gori und Ansböck noch diese Woche W i en, SS. Juli. Bor dem Standgerichte werden sich in dieser Woche zwei Schutzbündler, Gerl, und Ansböck, die bekanntlich am Samstag den Polizeiwachtmeister Ferdinand ForSner durch Schüsse verletzt haben, zu verantworten haben. Außerdem werden fünf nationalsozialistische Sprengstossattentäler vor daS Standgericht komme«. Gendarm niedergeschossen Sion, 23. Juli. Heute früh wurde der Gendarmerie-Rahoninspektor Friedrich Stiugeder des Postens Braunau am Inn während der Eskorte de» verhafteten Kommunisten Alois Hinter- obermayer von diesem durch einen Schuß am Hals schwer verletzt. Hinterovermayer ergriff sofort di« Flucht, während Rayoninspektor Sting- edrr trotz der Verwundung noch vier Schüsse auS dem Karabiner dem Flüchtende» nachsandte, di« jedoch schrinbar sehlgingrn. Stingeder brach dann zusammen. Er wurde tm Krankenhaus in Braunau operiert. Hiuterodermayer dürfte nach Augab«« zweier Personen über den Inn geschwommen und nach Deutschland geflüchtet sein. In der Wohnung des Hinterotrrmayer wurden bei der vorgenommenen Hausdurchsuchung vier Stielhandgranaten reichsdeutscher Provenienz, eine Eierhandgranate»«ine kleine Repetierpistole und eine vottkvmmen neue Mauser-Maschinenpistole deutschen Fabrikats vorgefunden. Dor herrliche Verlauf der Olympiade hat die Stellung der Sozialdemokratie im politi- schon Leben der Tschechoslowakei gestärkt. Ganz Prag hat eS mit eigenen Augen gesehen, das; eine Partei, die über derartige Masse» verfügt, wie sie durch die Strasten der Hauptstadt nwrschier ten, das; eine solche Bewegung nicht tot ist und dast sie in Gegenwart und Zukunst bestimmend in daS Schicksal dieses Staates eingreifen wird. Gilt das von der tschechischen Sozialdemokratie, so ist dies nicht minder bei der deutschen Sozial- demokratie der Fall, deren Angehörige die Olympiade zu einem Fest der Zusainmenarbeit der demokratischen Elemente der tschechischen und deutschen Nation gemacht haben. Diese Kundgebung der Macht der Sozial- demokratie hat die reaktionären Kreise des Landes mit Aergernis erfüllt und so sucht man von gewisser Seite deir Eindruck deS Eintretens der iidetendeutschen Demokratie— die vor allein in der Sozialdemokratie verkörpert ist— für die Republik dadurch abzuschwächen, daß man dar- zutun versucht, es sei mit der positiven Haltung der deutschen Sozialdemokratie zum Staate nicht weit her. DaS behauptet daS Blatt des tschechi- scheu Finanzkapitals, die„Närodnk Listy", die dadurch nicht nur die deutsche, sondern auch die tschechische Sozialdemokratie treffen wollen. Die „Närodnk Listy" glauben damit der tschechische» Bevölkerung darzutun, dast die tschechische Sozialdemokratie dem Staat irr ihrer deutschen Bruderpartei nur einen unsicheren Kantonisten gewonnen hat. DaS nationaldemokratische Blatt sucht seine Auffassung durch cinen Rückblick i» die Bergan- genheit und durch einen Vorausblick in die Zukunft zu erweisen. Es stellt die Behauptung auf. „das; sich die deutsche» Sozialdemokraten mit un- i screr Republik erst versöhnt haben, als im be- ' nachbarte» Deutschland Adolf Hitler die Regie- > rung ergriffen hat". Wie verhält es sich nun da- ; mit? Jeder, der die Geschichte der E. S. R. seit ' ihrer Entstehung kennt, weist, ob er nun Sozialdemokrat ist oder nicht, dast z u r g e g e n w ä r- tigenPolitikundTaktikderdeut- scheu Sozialdemokratie seitFah. ren eine gerade und folgerichtige Linie führt. Die deutsche Sozialdemokratie hat schon frühzeitig die Tschechoslowakische Republik als den gegebenen demokratischen Boden ihrer Politik für die arbeitenden Klassen des deutschen Volkes angesehen und war von Anfang an entschlossen, gemeinsam mit der tschechischen Sozialdemokratie vorzugehen. Wir wollen ans die einzelnen Phasen dieser Entwicklung hier nicht zu sprechen komme», sondern nur hervorhebc«, dast wir bereits iin Jänner 1928 lins mit den Vertretern der tschechischen Arbeiterschaft aus dem denklvürdigen K o n g r c st i n S m i ch o v über diese gemeinsame politische Linie geeinigt haben und das; auf diesem Kongrcst eine Entschlietzlmg angenommen wurde, in der von de>; beiden Parteien gesagt wird: Sie werden sich auf dem Boden dieses Staates, auf den sie die Geschichte gestellt hat, und auf dein das Proletariat aller Nationen z ug e ni cin s a in e m S ch icksalau f Gebe i h n n d B er d e r b v c r b u n d e n ist, da dessen Ausgestaltung in einen sozialistischen Staat ihr Ziel ist, in brüderlicher Zusammenarbeit und engster Verbundenheit freudig unterziehen und so einer glücklichen Lösung ent- gcgenführe». Wir haben also bereits in: Jänner 1928, da von einer Herrschaft Hitlers noch keine Rede war, erkannt, dast d a S SchicksalderProleta- tarier b e idc rNationenin diesem Staate au.f Gedeih und Verderb m itc i n a nd c r v e rb u n d c n i st. Während gegen Deutschland welch« radikalen Mttel diese Stellen anzuwen- bat bereit sind, wenn sie dm Willen haben, einem unerwünschten Anstande ein Ende zu setzen. Karwinsky müsse auf Grund eines reichen Tatsachenmaterials konstatieren, daß dieser Witte bisher offenbar nicht bestehe, sondrm daß man viel eher gewillt sei, Anstände, die bisher in Europa nicht ihres Gleichen hatten, weiterhin zu dnldm. konforme Aktion Mussolinis gegen Berlin? Die außergewöhnlich scharfen Ausfälle deS Staatssekretärs gegen Hitlerdeutschland scheinen gewisse Meldungen zu bestätigm, daß die fortgesetzten Nazi-Attentate in Oesterreich Mussolini so verstimmt hatten, daß er einen geinein- samm europäischen Protestschritt in Berlin vorbereite und Deutschland völlig fallen lasse» wolle, wmn es nicht bestimmte Zusicherungen gebe, Oesterreich nunmehr in Ruhe zu lasse». Jetzt glaubt Dollfuß anscheinend schon, seine» Sichrr- heitsdirektor offen gegen Deutschland loSlasse» zu können» wenn Mussolini schützend hinter ihm steht. Die Verdächtigungen, daß auch dir Linke von Dmtschland auS mit Sprengstoffen beliefert werde, werden die Herrschaftm allerdings erst unter Beweis stellen müssen. Was dir erst kurz vor Blattschluß gemrldetrn Massenverhaftnngrn von linken Elementen in Wien bedeuten sollen, ist SprengstoffSchmuggier am Bodensee Bern, 22. Juli..■ oder Litzen tragen.(Lebhafte Zustimmung.)" Abgesehen davon, daß Brückner noch auf das hinkende„sozialistische" Pferd der NSDAP zu sehen scheint und noch von der Verwirklichung ihre« Parteiprogramms faselt, ist cs interessant.' daß er Frankreich der Verbindung mit Röhm und Schleicher beschuldigt. Wie lange werden die braunen Machthaber diese Spiegelfechterei treiben können? Nflflonoltarde verläßt dos strelhdehlet Sa» Francisco, 22. Juli. Der Gouverneur von Kalifornien hat die Zurückziehung der Natio- nalgärde aus dein Streikgebiet bis auf 1200 Mann angeordnet. 4)00 Mann in einem Monat... Paris, 23. Juli. In einer Meldung au« Asuncion werden die Verluste der bolivianischen Ehaco-Armee im Monat Juli mit über 4500 Mann angegeben. AWWW>NWWWW>WjMMMMW>ADWWMAWMaMMAWMMWWWWWW Ausbau der USA»Kriegsflotte Teile 4 Dienstag, 24. Juli 1934 Nr. Iw Amerikas große Sensation: Der Bandit Dillinger erschossen TagcsncmgifcMai Warschau vom Hochwasser bedroht Die WeichselschugdSmme «nzuretchend? Warschau, 23. Juli. Die Ucberschlvcm« mungskatastrophe seht auf dem Gebiet der Zen« iralwojwodschaft ihr Bernichtungswcrk fort. Bei Sandomicrz stehe» bereits 60 Dörfer und übel 200.000 Joch Felder unter Wasser. Der Dachschaden in diesem UcberschwcnunungSgebiet übersteigt vier Millionen Zloty. Der zmichmende Wasscrstand der Weichsel bedroht nunmehr Warschau ernstlich, doch entbehren die Gerüchte, daß Warschau bereits überschwemmt sei, jeder Begründung. Allerdings ist die Gefahr ernst. Infolge der Beschädigung von zwei Schubdämmcn wurden acht Dörfer in der Nähe von Warschau überschwemmt. Die Flutniassen aus Südpolcn haben die Hauptstadt noch nicht erreicht und Ivcrdcn erst a m Dienstag erwartet. Bei dem gegenwärtigen Wasserstand der Weichsel hofft man, die bedrohten Dämme erfolgreich verteidigen zu lönnen. Der Präsident der Stadt richtete per Rundfunk an die Bevölkerung einen Appell, Freiwilligen-ArbcitSkolonncn zwecks Befestigung der bedrohten Schutzdämmc am Wcichsclufcr zu bilden Bis Montag Mittag meldeten sich ca. 300 Frei- tvillige. darunter zahlreiche arbeitslose Ingenieure, Acrztc, Studenten usw. Montag vorniittag und nachmittag tvurdcn zahlreiche Gegenden Polens von einem katast r o p h a l e n Gewitter, das von heftigem Hagclschlag und zahlreichen Blitzschlägen begleitet Ivar, hcimgekuckn. Das Unwetter richtete nicht nur neuerliche schwere Schäden an, sondern forderte auch wieder Menschenopfer. Infolge der mit dem Gewitter verbundenen Wolkenbrüche tvurdcn im Bezirke Pinczolv ztvci Dörfer unter Wasser gesetzt, wobei 13 Bauernhäuser vernichtet wurden. Im Bezirke Stopnicc vernichtete Hagclschlag die gesamte Ernte. Ein orkanartiges Gewitter wütete ferner über den Bezirken Radoni und Pctrikau in der Lodzer Wojwodsckiaft. In den Vormittagsstunden ging aneb über Posen ein orkanartiges Gc- tviltcr mit Blitzschlägen und Wolkenbruch nieder.! Furchtbares Unwetter über Karpathorußland Ein Todesopfer, zwölf Schwerverletzte. Ujhorod» 23. Juli. Gestern zwischen 17 und 18 Uhr entlud sich, von Ungarn kommend, über den Gemeinden Vylok und Fanöikovo und der Bezirksstadt SevluS ein heftiges Gewitter, das von einem wollcnbruchartigcn Regen und Hagclschlag begleitet Ivar, sowie von einem starken Sturmwind, der schrecklich über der Stadt wütete. Das Gewitter forderte ein Todesopfer, 12 Schwerverletzte nnd eine Anzahl Leichtverletzter. Außerdem richtete cö riesige Schäden in den Weingärten, an den Obstbeständcn nnd den Tabnlfcldcr» an. Fast alle hölzernen Tabal-Trockenschuppcn der umliegenden Großgrundbesitze, die in den Weingärten über der Stadt gelegen sind, tvurdcn hinwcggc- fcgt. Am Abhang des Cerni) Vrch wurde durch die gewaltigen Wassermasscn, die große Stcinblöcke mit sich führten, das Hans des Weinbergwächtcrs Paul Pagac niedcrgeriffen, in welche»! sich gerade besten Frau und sechs Kinder befanden. Ein drei Monate altes Kind ist ertrunken, die Frau und zwei weitere Kinder tvurdcn durch Steine und Trümmer des Hauses schwer verletzt. Auf dem Seidlerschcn Großgrundbesitz bei Scvlus suchten fünf Arbeiter und die Frau eines Verwalters Zuflucht in einem Tabak-Trockcnschnppcn, der unter der Wucht des Sturmwindes über ihnen zu- sammcnbrach. Durch die niedcrstürzenden Balken wurden die Frau nnd alle fünf Arbeiter schwer verletzt. Eine große Anzahl vonObstbäumen wurde wie Zündhölzer geknickt. Die Tabakfelder sind überschwemmt, die am Abhang des Cerm) Vrch gelegenen Weingärten wurden durch die Wassermassen in die Straßen hinab geschtvcmmt. Der Schaden ist groß und konnte bisher nicht abgeschätzt werde». Das Gctvitter zog weiter über die Gemeinde Malä Kopanä und die Eisenbahnstation Kralovo nad Tisou, wo jedoch der Schaden bereits geringer ist. als im Kataster der Gemeinde Fan- cikovo, wo die Ernte bis zu 70 Prozent vernichtet wurde.' Ein gewaltiger Gcwittersturm wütete am Sonntag nachmittag über der Stadt Berehovo(Karpatho- rußland). Eine Reihe von Blechdächern wurde vom Sturm fortgerisscn. Auch in verschiedenen Gemeinden des Bezirkes Berehovo wurden große Sachschäden angerichtet. Dee an den Tabakkulturen angerkchtcte Schaden wird auf 4 Millionen Ki geschäht. Auch die bekannten Weingärten von MuZijovo, wo der beste Wein Karpathorußlands wächst, haben durch den Sturm unermeßlich gelitten. Die Mörder von Lipan verhaftet Mähr. O st r a u, 22. Juli. Den gemeinsamen Bemühungen der Staatspolizei und, der Gendarmerie in Jägerndorf ist es gelungen, di« wegen dreifachen Raubmordes in Lipany verfolgte« Verbrecher Kurt 2 a«er«i g, Sari'W ie• Ehicago, 23. Juki. Der berüchtigte Ban. dit John Dillinger wurde in der Rächt zum Montag vor dem Lichtspieltheater im Rordviertel EhiragoS von Polizisten erschossen. Dillinger, der sich in dein kleineren Kino gerade einen Verbrech erfilm angesehen hatte, sah sich beim Verlassen drS Lichtspieltheaters plötzlich den Revolvern von 15 Biiiidrspolizisten gegenüber, dir sofort auf ihn schossen und ihn mit ihren Kugeln buch st üblich durchlöcherten. Eine in der Nähe befindliche Frau wurde durch einen Fehlschuß schwer verletzt. Die Bundespolizei hatte auf die Mitteilung hin, daß Dillinger in das Lichtspieltheater gegangen sei, alle Ausgänge des Theaters mit Kriminalbeamten besetzt. In der Nachbarschaft des Theaters wurde dieses Treiben verdächtig gefunden, und man verständigte die Stadtpolizei davon, daß offcnbar ein llebcrfall auf das Theater geplant sei. Das Mißverständnis rvurde jedoch bald aufgeklärt. An der Stelle, Ivo Dillinger erschossen wurde, sammelten sich innerhalb von wenigen Minuten Taufe ndevon Neugierigen an. Da der tote Verbrecher sehr schnell abtransportiert wurde und niemand an die Leiche herangclaffen wurde, tauchten die Vordersten in der Menschenmenge ihre Zeitungen in die Blutlache; andere wischten das Blut mit ihren Taschentüchern auf. Aehnliche widerliche Szenen wiederholten sich in der Leichenhalle, wo Andcnkenjäger nnd Rcugicrige mit der Polizei'nm ihre Zulassung regelrechte Kämpfe aufführten. Die Polizei gestattete jedoch nic- m a n d e n, auch nicht Journalisten, den Eintritt. DaS.Justizamt in Washington drückte seine Gcnngtuung über das rasche und entschlossene Handeln seiner Beamten ans. Die Erschießung des Verbrechers bildet die Sen s a t i o n des ganzen Landes, denn cs gab während der letzten Monate kaum einen Staat, wo dieser rncksiwtsloscstc aller amerikanischen Banditen nicht angeblich gesehen worden wäre. Unter Tausenden von falschen Fährten hatte die BundeSpolizci jedoch kürzlich eine richtige gefunden, und die Kriminalbeamten waren bereits in der Nacht zum Samstag darüber unterrichtet, daß Dillinger den betreffenden Vcrbre- cherfilm ansehen wolle. So stand dieser bereits unter schärfster Kontrolle, als er seine Eintrittskarte taufte. Beim Verlassen des Theaters hat Dillinger nach den Angaben einiger Augenzeugen Verdacht geschöpft und eine Bewegung nach seinem Nele i n und Adolf K u h n, die sich in den dichte» Wäldern von Jiigetndorf verborge» hielten, zu verhaften. Sie wurden in dir Haft drS Jägern» dorfrr Bezirksgerichtes gebracht. Gleichzeitig mit ihnen wurden drei Personen wegen Mithilfe verhaftet. Die Sicherhcitsorgane waren kurz nach dem Mord daraus aufmerksam gemacht worden, daß auf einem Meierhof bei Hostivak eine gefährliche Räubcr- bande beisammen war. Ihr Führer war der dort als Obcrschwcizcr beschäftigte Strecker, der die übrigen Bandcnmitglicdcr bei sich als laudwirtschastliche Hilfsarbeiter beschäftigte. Die Bande, die Motorräder besaß, hat eine ganze Reihe von Einbrüchen in Böhnien und Mähren auf dem Gewissen. Strecker und ztvei seiner Komplicen wurden verhaftet, die übrigen entkamen. Strecker erscheint dadurch schwer belastet, daß später bei Lipan ein Dolch gefunden Ivurdc, der sich als sein Eigentum erwies. Den Dolch hat aber der Mörder aller Wahrscheinlichkeit nach zu seiner grausigen Bluttat benützt. Strecker leugnet aber bisher. Die Gendarmerie verfolgte vor allem die Spuren zweier seiner Komplicen namens W i c ck l e i n und I a u e r n i g, die sich in Schlesien in den Wäldern verborgen hielten. Zwei andere Bandenmitgliedcr wurden bei Freudental verhaftet, ein dritter namens Kuhn dieser Tage bei Jägerndorf. Kuhn gestand nun, mit Wiccklein und Jaucrnig in Verbindung zu stehen, und erklärte sich bereit, sie zu verraten. Darauf wurde Kuhn am Samstag in Fesseln von einer Madrid, 21. Juli. Der Proteststreik der 240 Arbeiter, die sich weigerten, die im Ban befindlichen unterirdischen Trefforgewölbe der Bank von Spanien zu verlassen, endete auf dramatische Weise, nachdem sie fast 00 Stunden ohne Nahrung dort zugcbracht hatten. Noch in den ersten Nachmittagsstunden erklärten die Arbeiter, nur nach Zusicherung der geforderen Lohnerhöhung ihren Widerstand aufgeben zu wollen. Da schon gestern eine Protestmanifestation von der Polizei auseinandergetrieben worden war und man vom großen Sympathiestreik für den Montag sprach, wurden gegen halb 5 Uhr morgens 160 Mann der Polizeisturmtruppen zu dem Neubau beordert. Die Arbeiter wurden aufge- fordcrt, binnen einer halben Stunde die Gewölbe zu verlassen, sonst würden Tcänengasbombcn an- volver gemacht. Bevor er jedoch diesen zu ziehen vermochte, war er bereits durch die Schüsse der Kriminalbeamten nicdcrgcstreckt. Seine rasche Erschießung war die Folge eines Kongrehaktes des letzten Winters, der den Kriminalbeamten das Recht gab, Schußwaffen zu tragen. Dillinger hatte versucht, sein Aussehen möglichst zu verändern, so hatte er sich die Haare färben lassen und seine GesichtSnarbcn und seine Nase operativ verändern lasten. Auch die Hautlinien an den Fingerspitzen hatte er sich durch Säuren entfernen lasten. Drei andere Verbrecher zur selben Zett ausgebrochen Huntsville(Texas), 23. Juli. Fast gleichzeitig mit der Erschießung Dillingers in Chicago brach einer der gefürchtctsten Verbrecher der südwestlichen Staaten, Raymond Hamilton, zu» sammcn mit fünf anderen, zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilten Schwerverbrechern aus dem hiesigen Gefängnis ans. Das Gefängnispersonal, das sofort die Verfolgung aufnahm, erschoß einen Verbrecher und verwundete zwei weitere schwer. Die übrigen drei entkamen. Eine Frau hat ihn verraten? Auf die Nachricht von dem Ende des Ban- dcnsührers Dillinger hin atmete ganz Amerika erleichtert auf. Die Blätter widmen der kurzen, aber sensationellen Laufbahn des 32jährigen Verbrechers ganze Seiten. Bei der mehrere Monate dauernden Suche nach Dillinger wurden 16 Polizcibeamtc getötet. Die Beute des Verbrechers bei den verschiedenen Banlüberfällen wird auf etwa eine Vicrtelmillion Dollars geschätzt. In der Taschenuhr Dillingers fand die BundeSpolizci ein Bild von Evelyn Frechette, die neben mehreren anderen Personen wegen Beherbergung Dillingers verurteilt worden war. Der Vater Dillingers, ein geachteter Farmer in Moorrsville im Staate Indiana, erfuhr den Tod seines Sohnes durch Radio. Er fuhr sofort nach Chicago, nm die Leiche abzuholen. Ucber die Quelle der Information, daß Dillinger in Chicago weilte, nnd ein Kino besuchen würde, lehnen die Behörden jede Auskunft ab..Angesichts der Schwäche Dillingers für Frauen wird aber vermutet, daß c i n e F r a u die Polizei unterrichtet hat. Für die Ergreifung Dillingers war eine Belohnung von 15.000 Dollars ausgesetzt. schwer bewaffneten Patrouille an eine bcstinnnte Stelle ini Wald bei Jägerndorf gebracht, wo er ein Pfeifsignal gab. Die beiden gesuchten Räuber kamen darauf in der Meinung, daß alles in Ordnung sei und ihr Komplice ihnen die gewünschten Nahrungsmittel bringen wolle, aus dem Gebüsch heraus und wurden, bevor sie noch Widerstand leisten tonnten, verhaftet. Für ihre Uebcrführung wird die Konfrontation mit einem Dienstmädchen aus Böhm.-Brod wichtig sein, der kurz nach der Mordtat, von der noch niemand etwas wußte, ein Mann, der sich am Brunyen die Hände wusch, von dem Mord erzählt«. Zehn Mensche» verbrennen im Auto New Aork, 22. Juli. Ein Autobus mit 40 New Zorker Fahrgästen, die einer sportlichen Ber, anstaltung im Sing-Sing-Gesängnis beigewohnt hatten, geriet während der Heimfahrt plötzlich ins Schleudern, rannte in ein Holzlager, stürzte um und ging in Flammen auf. Das Feuer griff sodann auf die aufgcstapclten Holzmassen über, so daß die Feuerwehr große Mühe hatte, an das Wrack des Autobusses heranzukommen. Zehn Personen fanden in den Flammen den Tod; zwanzig andere, die Brandtvunden und sonstige Verletzungen erlitten, wurden ins Krankenhaus geschafft. Das Holzlager brannte völlig aus. Der Schaden wird auf 150.000 Dollar geschäht. gewendet tverden. Die Arbeiter weigerten sich nach wie vor, worauf das GaS eingelassen werde. Nur wenige Arbeiter kamen heraus, fast alle begaben sich in noch tiefer gelegene Räume ohne Licht. Nachdem aber eine große Menge GaseS eingedrungen tvar, mußten die Streikenden den Widerstand aufgcben. Teils sehr erschöpft und halb betäubt kamen sie einzeln nach oben» viele in beklagenswertem Zustande, einige wurden ohnmächtig. Rach polizeilicher Namensfeststellung durften sie sich nach Hause begeben. Zuleht durchsuchte die Feuerwehr und Arbeiter mit. Gasmasken die ausgedehnten Kellerräume, um dort vielleicht noch Bewußtlose zu finden. Auf der Straße herrschte lange Zeit hindurch große Erregung unter den dort wartenden Familienmitgliedern der Arbeiter, doch war das Gebäude in wcitem. Umkreise abgesperrt. Arbeiter«erbe« ausgeräuchert Mit Tränengas gegen untertags streikende Bauarbeiter Mord ober Eeibftroord? Montag nachmittag Wurde in ihrer MH- nung in der Belcredistraße in Prag die achtundvierzigjährige Musiklehrerin Julie Malatovck tot aufgcfundc». Sic hatte sich anscheinend mit einer Gardinenschnur am Wasserleitungshahn aufgehängt. Kurz vorher hatte die Hausmeisterin zwei Burschen beobachtet, die scheinbar in die einzelnen Wohnungen betteln gehen wollten. Sie fragte auch den jüngeren, der auf dem Flur wartete, was er da suche. Er antwortete, daß er auf seinen Kameraden warte, der in der Wohnung der Ma- latovck sei. Bald darauf verließen die beiden das Haus. Inzwischen war schon das ganze Haus in Aufruhr geraten, da man aus der bewußten Wohnung ein entsetzliches Stöhnen hörte. Der Hans« i meister ünd seine Frau drangen in dje Wohnung, wo sich ihnen der schreckliche Anblick der Erhängten dacbot. Ein Arzt war bald zur Stelle und da die Malatovä noch ganz schtvachc Lebenszeichen von sich gab, gab er ihr sofort ztvei Injektionen. Doch nach einigen Minuten war sic tot. Nun lvurdc apch die Sicherheitspolizei alarmiert» da der Arzt verdächtige Anzeichen bei der Verstorbenen fcststcllte. Die Feststellung, ob Selbstmord, vorlicgt oder nicht, kann jedoch erst nach Sezierung der Leiche erfolgen. Die Malatovä war zwar als ein sehr gutmütiger Mensch bekannt, doch ihre Nerven waren vollständig zerrüttet und sic litt häufig an hysterischen Anfällen. Mit dem Rasiermesser gegen die eigenen Kinder Wahnsinnstat rinrr Mutter. Wien, 22. Juli. Die 35jährige Gattin des landwirtschaftlichen Arbeiters Ringhoffer, Thcrc- sie R i n g h o f f e r in der Ortschaft Hochardt nn Burgenland versuchte gestern, als ihr Mann sich zur Feldarbeit begeben hatte, in einem Anfall von Wahnsinn ihren sechs schlafenden Kindern im Alter von 2 bis 13 Jahren mit einem Rasiermesser die Kehle zu durchschuciden. Sic tötete die drei jüngsten Kinder, die beiden älteren ringen mit dem Tode nnd das sechste älteste Kind erlitt leichtere Verletzungen. Nach der furchtbaren Wahn- sinnStat durchschnitt sich die Frau selbst die Kehle nnd brachte sich eine schwere Verletzung bei. Bo« Blitz erschlagen Kascha«, 22. Juli. Heute kurz nach Mittag ging über Kascha» ein heftiges Gewitter mit Hagelschlag nieder. Der mit seiner Familie auf einem Ausflug befindliche 50jährige Obermaschinist des StaatSkrankenhauseS I. Saska ans Kaschau wurde vom Gewitter überrascht. Er verbarg sich unter einem hohen Baum, in den der Blitz ein» schlug. Saska wurde auf der Stelle getötet, seine Frau vom Blitz betäubt. Sie wurde ins Krankenhaus geschafft, wo sie in den Nachtstunden noch immer bewußtlos tvar. Die 16jährige Tochter des Ehepaares, die neben den Eltern saß, blieb unversehrt. Bei einem Gewitter, das über dem Walden- burger Bergland niederging, wurden drei vom Baden heimlehrende Kinder vom Blitz getroffen. Ein Kind war sofort tot, die beiden anderen wurden verletzt. Ueber Pömbsen(Kreis Jauer) ging ein schweres Gewitter nieder, das zwei Bauern und einen anf Urlaub weilenden Studenten bei einem Spaziergang über die Felder überraschte. Ein Blitz tötete den einen Bauern, während der andere schwer und der Student leicht verletzt wurde. Ueber Rhein-Heffen ging am Sonntag nachmittag ein schlvereS Hagelunwetier nieder, das großen Schaden anrichtete. Ungeheure Wassermassen, die die Weinberge heruntcrströmten, überfluteten die Bahndämme und machten die Straßen unpaffierbar. In Nierstein wurden die Keller unter Master gesetzt. Der Schaden in den Weinbergen ist sehr groß.'In Bacha- rach liegen die Erbmassen und das Geröll etwa zwei Meter hoch, so daß der Verkehr völlig gestört ist. Die Mehrzahl der Weinberge in der Umgebung von Bacharach ist vollständig vernichtet, Autos und Motorzüge blieben auf der Landstraße Im Schlamm stecken. Vom Rundfunk "ntrnnrirtw m hi fturwni Mittwoch: Prag, Sender L.: 6: Gymnastik, 10.80: Deutsche Nachrichten, 11: Schallplatte», 18.10:, Bese- das und Polkas auf Schallplatten» 13.40: ArbeitS- markt, deutsch, 15.15: Blasmusik, 16.40: Konzert aus Podibrad, 17.40: Schallplatte», 18.20: Deutsche Sendung: Aktuelle zehn Minuten, ArbeitSfunk: Dr. Emil Franzel: Zum 20. Jahrestag d-S WeltkriegSauSbrucheS, 18.50: Sozialinformattonen, 18.55: Deutsche Presse, 10.25: Kompositionen von Baöata, 22.15: Tanzmusik. Sender S.: 14: Violinkonzert,'15: Deutsche Sendung: Kinderftunde.— Brünn 13.20: SchaNplatten, 17.45: Deutsch- Sen- düng: Lustiges Programm für die Kinder, 20.10: Konzert des Salonorchesters.— Mähr.-Oftr« J8.15: Nedbal: H-Moll-Sonate.— Ure-ümg 12.80: Orchesteickonzert. Rr. 170 DienStag, 24. Juli 1034 Volhswirtsdiatt und Sozialpolitik Der Verfall des deutschen Außenhandels Die Wirkungen des Boykotts und der amtlichen Drosielungspolitik Die Weltwirtschaftskrise hat den Auhenhan« del aller Länder um viele Jahre zurückgeworfen. In den ersten Krisenjahren war eS eine auffällig« Erscheinung, das; der Umfang des deutschen AußenhandclSrÜckgangeS sich in engeren Grenzen hielt, als der anderer Länder. Dennoch haben di« Nationalsozialisten jahrelang dem Bolle in die Ohren getrommelt, es sei die Schuld dec Demo« kratie und der„Würdelosigkeit" des neuen Deutschland, dah die Welt sich vom Handel mit diesem Deutschland immer mehr und mehr zu* rückziche. Ein nationalsozialistisches Deutschland werde in der Welt ein ganz anderes Ansehen genießen und werde auch den.Handel mit der Welt zu ungeahnter Blüte emporheben. DaS war zwar Unsinn, doch hatte es Methode! Für eine gewisse Zeit konnte sie erfolgreich sein. Wer sich aber iiber die Erfolge des nationalsozialistischen Regimes im Außenhandel an den vorliegenden Ziffern unterrichtet, erkennt rasch, daß die Nationalsozialisten da Hoffnungen geweckt hatten, die die Wirklichkeit inzwischen grausam zerstört hat. Deutschland» Außenhandel ist unter der Hitlerdiktatur weiter zurückgcgangcn, und zwar in einem Umfang, der den durchschnittlichen Rückgang de» Welthandel- übertrifft! Deutschlands frühere Handelspartner ziehen sich demnach mehr und mehr von ihm zurück. Ueber das Tempo dieser Entwicklung werden von Dr. Gerhard Schacher in einem Artikel der .Hospodäkska Politika" recht interessante Angaben gemacht. Dr. Schacher untersucht die Wirkungen deS Boykotts gegen deutsche Waren, der in zahlreichen Ländern eingesetzt hat, und der seit Sommer de- vergangenen Jahres vor allem vom Internationalen Gewerkschaftsbund und der Sozialistischen Arbeiter-Internationale propagiert wird. Die deutsche Handelsbilanz entwickelte sich seit 1032 im Monatsdurchschnitt so: Einfuhr: Ausfuhr: in Mill. Reichsmark 1932. 9•■•• 889 478 1938 35Ü 340 Durchschnitt 5 Monate 1934 385 349 Januar bis Mai 1088 1781 1904 Januar bis Mai 1084 1926 1747 Aus dieser Aufst^ng geA^eröo^Ri^ 8ic Einfuhr(vor allem von für die Rüstungsindustrie notwendigen Rohstoffen) gestiegen ist, daß aber die Ausfuhr deutscher Waren seit 1088 weiter bedeutend zurückgegangen ist. b Diese Entwicklung hat dazu geführt, daß der Ausfuhrüberschuß, der in den ersten fünf Monaten 1033 203 Millionen Reichsmark betrug, sich in den ersten fünf Monaten 1034 in einen Einfuhrüberschuß von 170 Millionen Reichsmark verwandelt hat. Im Monatsdurchschnitt des Jahres 1082 betrug der Ausfuhrüberschuß Deutschlands 80 Millionen Reichsmark, im Jahre 1082 noch 56 Millionen Reichsmark; 1084 gab es nur im März «inen Ausfuhrüberschuß von ganzen 8 Millionen Reichsmark, während in den übrigen Monaten ein Einfuhrüberschuß von 22 bis 82 Millionen Reichsmark vorhanden ist. An Deutschlands bisherigen Außenhandel hatte die Fertigwarenindustrie einen hervorragenden Anteil. Sie wird darum auch von dem Rückgang besonders hart betroffen. In den Monaten Jänner bis Mai betrug sie in Millionen Reichsmark: 1983 1934 Jänner.... 290 250 •••• 584 518 März 021 834 April.... 1228 1078 Mai..... 1556 1388 Es ist daraus zu ersehe», daß der prozentuale Rückgang' der Fertigwarenausfuhr 1934 im Vergleich zu 1088 immer größer wird. Erreichte bereit- im Jahre 1933 der gesamte Ex» portrückgang gegenüber dem Jahre 1032 die Höhe von 868 Millionen Reichsmark» f« ist im Jahre 1034 mit eine««och höhere» Ezportrückgang zn rechnen. Diese katastrophale Entwicklung nimmt der Außenhandel des sasrisirrten Deutschlands in einer Periode, in der andere Staaten mit ihrem Außenhandel wieder langsam vorwärts kommen! Dr. Schacher sicht darin die Wirkungen des Boykotts, der von jüdischen Kreisen, von den freien Gewerkschaften und den katholisch gesinnten Kreisen in den Bereinigten Staaten, Englands— dem britischen Weltreich im Verlauf des Jahres 1938 bedeutend verstärkt worden ist. Hervorgchobcn muß werden, daß auchRuhland seinen Warenbezug auü Deutschland weitestgehend eingeschränkt hat. Reben den Boykottwirkungen hat die fascistische Regierung auch durch die fortgesetzten Provokationen des Auslandes, durch die stümperhafte Devisen-, Wirtschafts- und Handelspolitik viel zur direkten Drosselung des deutschen Außenhandels beigetragen. ES»kcheint,,als. K,sie das Ergebnis selbst be« sMrLk?''M^Mgster'Zeit werdcmmuüicherlN Anstrengungen zur Förderung der Ausfuhr gemacht, die in einzelnen Industriezweigen bis zur direkten Ausfuhrerprcffung gesteigert werden. Eine deutsche Dumping-Gefahr wird Wahrscheinlichkeit! Um so fester muß in allen Ländern der Boywttring geschloffen werden. Einundeinhalb Jahr« dauert nun die nationalsozialistische Herrschaft in Deutschland an. Der Verfall des Außenhandel» zeigt, bi» zu welcher Katastrophe sich unter ihrer Führung die Krise de» kapitalistisch»» Wirtschaftssystem» auSwachsen kann, welch grandiose» Unglück der FafriSmuS für Volk und Wirtschaft bringt. Seit 14. Juli im Schneesturm Da» Schicksal de»»rrgsteiger» Merkel ' Berlin, 28. Juli. Ein vom 18. Juli datiertes Kabeltelcgramm berichtet über da« Schicksal des an der deutsches» Himalaya-Cxpedttion beteiligte» Bergsteigers Merkel, daß sich dieser .seit dem 14. Juli zusammen mit einem treuen Träger ohne Schlafsack in einer Eishöhle am Ranga-Parbat im Lager 6, befindet. Es werden täglich verztvcifelte Rettungsversuche unternommen, die bisher ohne Erfolg blieben. »' In der Kabelmeldung wird weiters der Tod der beide:» Bergsteiger Welzenbach und Wieland bestätigt. Die Hütte des Steinzeitmenschen Archäologische Ausgrabungen bei Kladn» Im Laufe dieser Woche werden in der Nähe von Dketovice bei Kladno die archäologischen Grabungen wieder ausgenommen werden. Man" fand dort bereits vor drei Jahren ein reiches Material aus der S t e i n z e i t, da» zu den besten, in Böhmen gemachten Funden gehört. Es wurde hier nämlich der untere Teil einer ungewöhnlich großen Hütte de» Urzeitmenschen entdeckt, in dem man auf Dutzende von Stein- und Beinwerkzeugen, schöne Schmuckgegenstände und über 299 irdene Gefäße stieß, die größtenteils mit schönen plastischen Elementen verziert sind. Bon diesen Gesäßen haben ungefähr 89 rnondfärmige Henkel, die in der Fachsprache„ansa lunata" genannt werden. DaS Hauptaugenmerk der heuer vorzunehmenden Grabungen wird sich auf die Wohnweise, die ilusmaße der urzeitlichen Hütten, ihre Konstruktion, die innere Anordnung, gegebenenfalls auch der nächstbenachbarten Hütte richten. Gerade in dieser Hinsicht werden die Ausgrabungen am interessantesten sein. Die bisher entdeckte Feuerstätte geht bis zu einer Tiefe von mehr als drei Metern und es führten zu ihr Stufen au» Lehm herunter. Um die Feuerstätte herum waren Aushöhlungen, gleichfalls aus Lehm, in denen die einzelnen Familienmitglieder nächtigten. Auch in anderer Hinsicht verspricht man sich von den Grabungen viel Interessante». Auf Grund genauer Meffungen und photographischer Aufnahmen, für die bereits ein Fachmann gewonnen wurde, soll ein Modell der Hütte des urzeitlichen Menschen hergestellt werden, die ungefähr ein Alter von 4599 Jahren hat. Die Ausgrabungen werden für da» Publikum nur von 4 bi» 5 Uhr nachmittag zugänglich fein, wobei auch immer die gefundenen Gegenstände ausgestellt sein werden. 100.000 Obdachlose in Korea Tokio, 28. Juli.(Reuter.) Durch eine Ueber- schwemmung in Südkorea wurden mehr als 109.000 Personen betroffen. Ueber das Schicksal tausender Menschen, die in die Berge geflüchtet sind, ist bisher nichts bekannt. Ueber 400 Häuser wurden durch das Waffer zerstört und einige tausend menschlicher Wohnstätten wurden über« schwemmt. Uaflchckbar- Schiffe» Boulogne, 23. Juli. Gestern machte hier ein gewisser Julius Guillaume Versuche mit einem besonderen Apparat zur Verhinderung des Sinken- von Schiffen. Er tauchte bi» zu einer Tiefe von acht Metern, kam in einigen Minuten wieder an di« Oberfläche und schwamm weiter. Für die Sicherung großer Ozeandampfer vor dem Sinken wäre ein Apparat im Gewichte von zehn Tonnen notwendig. Entrüsttmg der Pharisäer. Die„Deutsche Presse" entrüstet sich darüber, daß man selbst den Toten keine Rühe läßt. Eine Feststellung, deren Wahrheit leider nicht anzuzweifeln ist und die wir nur deshalb niit Erstaunen zur Kenntnis nehmen, weil sie gerade von dieser Stelle kommt. Welch rebellischer Geist ist in das sonst so Doll- sußergebene Blatt gefahren, daß es plötzlich so gegen den christfaseistischen Stachel zu löken wogt?! Regt sich endlich das christliche Gewissen in ihm, daS so lange zu schweigen verstand?! Ja, man hat den Toten des Volkes, den Toten der Arbeiterschaft keine Ruhe gelassen, man hat sich nicht gescheut, da» Grab, unseres Koloman Wal- lisch, der für die Sache der Freiheit starb und den die Mordkatholiken hängen ließen wie einen Mörder, dem Erdboden gleich zu machen, es zu entweihen und die Blumen der Liebe, die seine Kameraden als letzten Gruß auf daS Grab des Märtyrers legten, zu zertrampeln. Diese nieder, trächtige Schändung ist es, die das Gewissen der „Deutschen Presse" wachgerüttelt hat? Ach nein! Der Grabersturm der Kleriko-Faseisten stört das fromme Blatt nicht. Den findet es ganz in» der Ordnung, für den hat eS, bei aller christlichen Barmherzigkeit oder vielleicht gerade deshalb, das vollste Verständnis. Aber wahre KrokodilS- ttänen vergießt es darüber, daß der Gouverneur der mexikanischen Provinz Tabasco angeblich angeordnet hat, daß von allen Gräbern die religio- fen Symbole entfernt und die Gräber nur noch mit Nummern bezeichnet werden.„Die Bevölke- rung", so schreibt das Blatt in ungewollter Sclbsticonie,„hat das Gefiihl, daß nunmehr der Höhepunkt der Verfolgung erreicht sei, da man nicht einmal mehr den Toten die Ruhe läßt". Die Herren, die so im Glaskasten der Dollfuß-Tyrannei sitzen, sollten nicht die Forderung nach Tale- ranz auf ihre Fahnen schreiben! Wer die Grab. Hügel nur dann respektiert sehen will, wenn die, die unter ihnen liegen, bei Lebzeiten jene Ge. sinnung bewiesen haben, die man höheren kleri- kalen Orts verlangt, kann sich nicht wundern, wenn man über seine Anklagen gegen die Jntole. ranz— der andern achselzuckend zur TageS- ordnung übergeht! Drei Selbstmord« in Jgla«. Aus I g l a u wird uns geschrieben: Der 30jährige Kutscher Josef Grom, Vater dreier Kinder, aus Ostto» vakice bei Brünn-hatte sich mit seiner Geliebten, der 24jährigen Hausgehilfin Marie Nedomovä aus Cernä Belkä Mezitiki verabredet, gemeinsam Selbstmord zu begehen. Sie fuhren beide nach Jglau und ertränkten sich im dortigen Stadtteich. Am Samstag Abend wurde von der Feuerwehr die Leiche GromS au» dem Teich herauSgezogen, während die Leiche der Nedomovä bereits früher aufgefischt worden war. Fast gleichzeitig wurde im nahen Park der beschäftigungslose Arbeiter Martin Rychtecky erhängt aufgefunden. Doppelmord. Am Samstag abends ereignete sich in Reichenau eine furchtbare Familieniragödie. Der Häusler Bohumil Mitvalfky geriet mit seinen Familienangehörigen in Streit, ergriff eine Hacke und tötete mit ihr seinen Schwiegervater. Emanuel Rohr und seine eigene Gattin. Rohr war auf der Stelle tot, seine Gattin starb im Kranlenhause von Rychnov. Auch die.Tochter des Ehepaares wurde verletzt, doch wurde sie gemeinsam mü Mitvalfky verhaftet, weil dieser behaup tete, daß sie den Streit hervorgerufen habe. In der Familie gab es sehr oft Streitigkeiten, west Mikvalsky geradezu krankhaft sparsam war und seiner Familie sowie dem Ausgedinger die Mittel zum Lebensunterhalt verweigerte. Mikvalsty befindet sich in Haft des Bezirksgerichtes. In den An» gesprungen. Der 26jährige Klempnergehilfe Eene! Styblo sprang Sonntag vormittags bei Pardubitz vor den Schnellzug und wurde auf der Stelle getötet. Seinen Tod mußten sein Vater und sein Bruder mit anschcn, die noch im lebten Augenblick da- Unglück verhüten wollten. Styblo beging seine Verzweiflungstat wahrscheinlich wegen Familienzwistigkeiten. Flugzeug stürzt ab. Bei einem UebungSflug sind zlvei Reservisten-Unteroffiziere über dem algerischen Flugplatz Blida aus 300 Meter Höhe abgestürzt. Einer derselben kam um» Leben, der Pilot erlitt einen doppelten Beinbruch. Der Ab« sturz«var dadurch verursacht worden, dah der Motor plötzlich auSsehte. Bei dem 2000-Kilometrr-Rennen durch Deutschland ereignete sich bei Brandenburg«in tödlicher Unfall. Bei Powierse»(Kreis Neider) verunglückte der Fahrer Ludwig Bruvswig aus Hamburg, der als Einzelfahrer ein Motorrad fuhr, schwer. Er wurde in das Brandenburger Krankenhaus eingeliefert, wo er am Montag vormittag starb. Sturm über dem Bodensee. Sonntag brach neuerlich ein heftiger Gewittersturm über dem Gebiet des Bodensees los. Das Motorboot der Landespolizei rettete einige Segelboote, die gekentert waren. Dagegen wird von den Insasse» eine» Paddelbootes der 19jährige Wolfgang Seid- ler aus Leipzig vermißt. Vermißt wird ferner ein im Bad Schachen gemietetes Paddelboot mit zwei Kurgästen. Außerdem liegt von einem Ruderboot mit zwei Lindauer Bootsfahrern bisher keine Nachricht vor. Seit« 5 Waldgürtel gegen Dürre Riest»«» Aufforstungsprogramm in USA. New Bork, 28. Juli. Um einer Wiederholung der augenblicklichen ungeheuerlichen Dürre vorzubeugen, hat Präsident Roosevelt, wie Landwirtschaftsminister.Wallace bekannt gibt, ein riesiges Aufforstungsprogramm in der Höhe von 75 Millionen Dollar ausgearbeitet, das sofort in Angriff genommen werden wird. Dieser Plan sicht die Anlage eines 1090 Meilen langen Waldgürtels von der kanadischen Grenze durch Nord-Dakota, Süd- Dakota, Nebraska, Kansas, Oklahoma und Texas bis zur mexikanischen Grenze vor. Das Landwirt« schaftsministerium hat eine vorläufige Summe von 15 Millionen Dollar zur Aufforstung von 7284 Hektar zur Verfügung gestellt. Tribüneneinsturz bei einem Kinderfest. Bei einem Kinderfest in FiveS bei Lille stürzte eine mit Zuschauern überladene Tribüne ein. Bier Kinder tourden schwer und zwölf leichter verletzt. Bom Kegeln in den Tod. Auf der Landstraße von Ronnenberg nach Ihme im Landkreis Han« nover verunglückte am Sonntag abends ein Personenkraftwagen, der die Mitglieder eines Kegelklubs vom Steinhuder Meer heimfahren sollte, der Kraftwagen fuhr in einer Kurve gegen einen Daum. Während da» Auto in Trümmer ging, trugen die Jnsaflen schwere Verletzungen davon. Der Sattlermeister Ernst Thymian und der 40jährige Karl Wuelfing fanden auf der Stelle den Tod. Bier weitere Personen kamen mit mehr oder weniger schweren Verletzungen davon. Die Rebellen von Tolpuddle, jene Textilarbeiter der englischen Landschaft Dorchester, die vor 100 Jahren als Gründer der ersten Arbeiterorganisation verbannt wurden, leben im An« denken ihrer Klaffengenoffen weiter. Die Jahrhundertfeier im September wird eine gewaltige Kundgebung der britischen Arbeiterpartei sein. Wie der„Daily Herald" berichtet, wird auch Ge« noffe Dr. Julius D e u t s ch als Vorsitzender der Sozialistischen Arbeitersport-Internationale an dieser Manifestation tcilnchmen, die gewiß die Arbeiterpartei ihrem nächsten Ziel, ein« Million Mitglieder zu erreichen, entgegenbringen wird. 250 Opfer der Hitzewelle. Die Gesamtzahl der infolge der anhaltenden erbarmungslosen Hitze bis Sonntag mittag in den Bereinigten Staaten ums Leben gekommenen Personen ist aus 250 gestiegen. Dabei bestehen vorläufig keinerlei Aussichten auf eine baldige Abkühlung. Während die Hitze im Staate New Aorl weiterhin im Steigen begriffen ist, wird aus dem Staate Colorado ■ gleichzeitig gemeldet, daß dort Schnee falle. Berschüttrt« Feuerwehrleute. Beim Brand einer Kerzenfabrit in Antwerpen stürzte ein Teil des FabriksgebäudeS ein und begrub acht Feuerwehrleute unter de» Trümmern. Sie konnten ge« borgen werden, doch waren zwei infolge von Verbrühung durch lochendes Oel bereit« tot, die übrigen zum Teil lebensgefährlich verletzt. Schwere Gewitter in Oberitalien. Am Sonnabend und Sonntag sind in Oberitalien nach drückend heißen Tagen erneut schwere Gewitter und Wolkenbrüche niedcrgegangen. In Novara wurden viele Bäume entwurzelt, Dächer abgedeckt und Häuser beschädigt. Ein 66jähriger Mann wurde vom Blitz erschlagen. Der Straßenbahnverkehr am Comer-See mußte zeitweilig eingestellt werden, da Regen und Hagel hohe Ecd- und Steinmaffen auf die Geleise spülten. Mit großer Besorgnis sieht man der Getreideernte entgegen. Man rechnet mit einem starken unter dem Durchschnitt liegenden Ertrag. Ein Reffe Höckels ertrunken. Bei einer Bootsfahrt auf dem Templiner See(bei Berlin) ist am Sonntag der Ministerialrat und wirkliche geheime Kricgsrat i. R. Georg Häckel, ein Neffe des berühmten Naturforschers, ertrunken. 14 Jahre lang hat Häckel dem Rechnungshof de- Deutschen Reiches zugehört. Di« Region der kühleren Lust, welche in Begleitung von Gewittern vom Westen her nach Mitteleuropa vorgedrungen ist, hat die Gestalt einer schmalen Zunge. Im Gebiet der Ostsee, sowie über Ost- und Südenropa ist«S noch sehr warm. Diese Temperaturunterschiede bedingen es, daß im mitteleuropäischen Binnenland« sehr unbeständige» Weiter niit Neigung zn Regensällen und Gewitter» vorherrscht. Am meisten hat e» Montag in Westdeutschland geregnet. DaS Drucktief über Polen dürste seine Lage nicht ändern, weshalb auch der bisherig« Wettercharakter voraussichtlich anhalten wird.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Unbeständig, im allgemeinen ziemlich bewölkt, Regenfälle von ungleicher Ergiebigkeit. Im Osten der Republik Gewitterneigung und noch im-■ mer wärmer al» im Westen— Wettervorhersage für Mittwoch: Veränderlich, Westwind. GtnoMlnf M Daina Nachbarin schon bal dar *"*"*'—PartalT Seite 6 „Sozialdemokrat" Dienstag, 24. Juli 1034. Re. 170 Literatur Japanische Waren hinter türkischer Maske und Hitler in Mandschuku» behandelt Arthur Seehof in einem Artikel„Angora— Tokio— Berlin", den die soeben erschienene neueste Nummer der„Wahrheit" veröffentlicht. Georg Mannheimer gibt in einem Artikel ,,DaS Jahr-der autoritären Demokratie" einen innerpolitischen lleberblick. Otto Strasser nagelt in einem Interview die Lügen und Widersprüche in Hitlers Reichstagsrede fest. Christian Krug(Wien) geißelt die Judenpolitik Dollfuß', der, Antisemit, gern vom Juden Geld nimmt. Weitere Beitrüge von: Jnsti» Steinfeld, Heinz Liep- mann, F. W. Nielsen, Heinz Kraschuhki. Kleine Wahrheiten, sowie die aktuelle 21. Fortsetzung des „Tagebuchs eines ReichSloehrgeneralS".„Die Wahrheit" ist in allen Trafiken und ZeitungSverschleißcn oder direkt bei der Verwaltung, Prag I., RevoluLnk tkida 8, erhältlich. Telephon Nr. 601—74 und 056—01. Neucintreteude Abonnenten erhalte» die bereits erschienenen Memoiren auf Wunsch gratis nachgeliefert.' Sparen mH Anzeigen hallt dar Inierieranden Konkurranshtlfen in Bold, NlaUn. Porzellan lind Naulschuk. Arbeiten füc die Herren Uerzie schnell uni» billig. Anton Kopnckf, tiUliMIln, Protz« VIII., XrMU 11. 2-,'SS Gin neue« Rauschgift bedroht Europa Statt Kokain und Morphium— Haschisch und Opium! DaS Rauschgiftlaster ist jene Sucht, die sich verkriecht. Sie haust in den Winkeln und Unter« ivclten zivischcn Hongkong, Marseille, London, Nciv Uork, Chicago und Charbin. Europa ist fast wieder von diesen Teufelsgiften befreit— wie Russell Pascha, der Polizeichef von Kairo, in seinem Jahresbericht-1038/34 verrät. Die schweren Schläge, die er im vergangenen Jahre führte, die zur Sprengung der ägyptischen, der griechischen, der bulgarischen Ringe führten, die Enthüllungen der geheimen Agenten in den großen Hafenplähen, die daraufhin bei den einzelnen Staaten unternommenen Aktionen, haben Erfolg gehabt. ... Haschisch und Opium in Front! Die europäischen Rauschgiftfabriken sind, von ganz winzigen Ausnahmen abgesehen, ausgclöst, vcrschivunden. Kokain und Morphium sind selten geworden und demgemäß teurer im schivarzen Handel. Aber sie tverden auch nicht gefragt. Russell Pascha bucht einen Sieg. Doch er rät, die Kampftvaffcn neu zu schleifen, denn eS gelte einen neuen Krieg. Kokain und Morphium sind niedergerungen. Haschisch und Opium stehen auf. Sie kommen aus dem Fernen Osten, aus Syrien, au- entlegenen Teilen der Türkei. Bon den chemischen Mitteln des Rausches lehrt man Ivicder zum Mohn und zum Hanfharz zurück. Russell Pascha stellt eS in Kairo fest. Und wir können cs in Europa riechen... Es„riecht" in Soho» Unterwelts-Kneipen. Man muß sich die Mühe geben, nach London zu fahren und dort(wohlgeführt und behütet nach Möglichkeit) einen Gang durch SohoS Unterweltskneipen zu tun. Auf einmal hat man den süßlichen Geruch in der Nase, den man vom Orient kennt, den der Bettler, der Fakir oft dort ausdünstete: Haschischl Alt ist dieses Laster, so alt wie die Gewinnungsmethode aus dem Harz des Hanfes. In Asien heißt eS Haschisch, in Amerika tauften eS die Indianer Marihuana. Zwischen dem indischorientalischen Haschisch und dem amerikanischen Marihuana ist in der Wirkung kein Unterschied. In beiden Fällen hat man eine raffinierte und doch kindlich primitive GewinnungSmcthode entwickelt. Hüben wie drüben wird dieses Haschisch gegessen oder geraucht, wie es hier in den Kneipen von Soho geschieht. Die„Händler" rollen eS in Zigaretten, geben eine kleine Prise in die Pfeifen. Kein Apparat ist nötig, niemand, der diesen süßlichen Duft nicht kennt, ahnt, daß hier ein Rauschgift seine zerstörende Arbeit tut. Der Preis schwankt zlvischen 3 bis 8 Schilling für die„Zigarette". Wie und wo soll die Polizei da zugreifen, solange nicht alle Bcainten den seltsamen Geruch des verbrennenden Haschisch kennen? Die drei Stufen de» Haschisch-Rausche». Drei Stufen unterscheiden schon die alten arabischen Poeten bei diesem Haschisch-Rausch, der die wildesten Wünsche und Begierden auslöst. Eine ganz kleine Prise gibt sinnlose Heiterkeit und renommierende Tapferkeit,— eine mittlere Menge führt zum Traum, zum Delirium und verführt zu Gewalttaten,— mit einer großen Dosis aber kann man Geisteskrankheit erzeugen und den Tod herbeiführen. Das war das Gift, mit dein der berüchtigte Scheil-al-Jebal, der„Alte vom Berge", seine Banden verseuchte, mit dem er sse fütterte, ehe er sie ausschickte, um neue verbrechen zu begehen. Da» Gift der schönen Helena. Der Aeghpterkönig schenkte es der schönen Helena. Und sie gab da» Gift den Männern, die von einem Uebermut berauscht wurden und in die Schlacht stürzten, ohne auf die Wunden zu achten, die man ihnen schlug. Noch heute zittert der einfache Mann im Orient, wenn er das Wort Assaffin hört: Asas- sinen— nannten sich die Persischen Mitglieder der furchtbarsten Geheimorganisation, die man bis heute kennenlernte. Und sie alle Ivaren Haschisch-Raucher und Haschisch-Esser. Erst vor kurzem hat Freya Stark, eine englische Forscherin, neue Geheiinuiffe des Assaffin» entdeckt, sie fand auch die Burg auf dem Felsen Alamut» wo Hassan die jungen Leute hinlockte, die er in der Burg mit Haschisch halb wahnsinnig machte und dann für sich in den Kampf sagte.— Sie sagten, wenn sie heimkehrten, daß Hassan sie in den Himmel habe schauen lassen. Die AssaffinS wurden hon.den Mongolen geschlagen, sie flohen nach Indien,.in die Wüste, Ah»esa»te Ferienkolonie. In den Sommerlagern des Deutschen Ferienlolonicvereins Prag sind einige Scharlachfälle vorgekommen. Die örtlichen Amtsärzte und drei Prager Universitätsprofessoren behandelten die kranken Kinder, die sämtlich gesundeten und verhinderten weitere Ansteckung. Obgleich die Seuche in den Lagern als überwunden gelten konnte, hat die Berein»- leitung doch vorsichtshalber die Augustkolonicn abgesagt. Diese Mitteilung erhielten Eltern und Kinder am gestrigen Sonntag, als sie zur Besprechung der heute Montag fälligen Abreise der Kinder im Hof des Mädchenlyzcums in der Chavar- tova erschienen. Die Enttäuschung»var groß, aber die Berechtigung der Maßnahme kann nicht bestritten werden. Gcrtchtssaal in die Berghühlen. Aber da» Laster des Haschisch» konnte man nicht mehr-auslöschen.■■ Grotzkampf beginnt! Seit man weiß, daß unbekannte Schmuggler Opium und vor allem Haschisch einzuschleppen versuchen, wurde ein Abwehtkampf im großen organisiert. Die Häfen werden noch sorgsamer als bisher überwacht. Die Mächte werden auf die Türkei, auf Syrien und vor allem auf den Fernen Osten einzuwirken versuchen, damit dort mit Staatsgewalt die Haschisch-Bearbeitung und die Opiumkultur unterdrückt werden. In Zentraleuropa hat man noch keinen einzigen Fall von Haschisch-Laster festgestellt. Soho sollte scheinbar das Cinfallstor(neben Rotterdam und Antwerpen oder Marseille) nach Europa bilden. Man ist der Seuche früh genug auf die Spur gekommen. Bis in den Fernen Osten hinein, immer zentralisiert in der Hand des Russell Pascha in Kairo, hebt dec Kampf an—: Rang man einst gegen die verbrecherischen Fabrikanten der berüchtigten Derivate wie Morphium und„Koks", so wird nun der Krieg wider Haschisch und Opium geführt. L. M. Natürlich hat Frau A. S. von ihrem Gelde nicht einen Heller wiedergesehen. Ferner machte sich der Angeklagte an eine Frau K r o u t i l heran, die Inhaberin eines Nachtlokals, der er plausibel zu mache» wußte, daß ihr Unternehmen dringend der Insertion int „Prager Tag.blatt" und dem ungarischen „P r a g a i H i r l a p" bedürfe. Für„I n f e r- tionögebühren hob er einmal 400 KL und einmal 480 KL ein; natürlich erschien aber in keinem der beiden Blätter ein Inserat, denn der Angeklagte hatte mit ihnen überhaupt nichts zu schaffen. Dann hat der„Redakteur" Strelinger dem Oberkeil« neS des Restaurants„S ch w a r z e R o s e" 600 KL auf Nimmerwiedersehen abgeborgt. Als Pfand hinterließ er irgendwelche fragwürdige Dokument«. Die Verhandlung gegen diesen interessanten „Redakteur" mußte vertagt tverden. da sich einzelne Zeugen nicht eingestellt hatten. rb. Falsche Zeugenaussage nl moralischen Gründen. Zeugin vor dem Strafgericht bestritten. Inzwischen ist e» jedoch zwischen den Lebensgefährten zur Ans» föhming gekommen u. zw. deshalb, weil Wenzel P. seinerzeit von dem Verbrechen der Notzucht freigesprochen und nur wegen„B e s ch r ä n» kung der persönlichen Freiheit" zu einer geringen und bedingten Strafe verurteil: wurde. Heute leben Marie P. und Wenzel K. wieder in Frieden miteinander. Da» Gericht zog alle mildernden Umstände in Betracht und verurteilte die Angeklagte zu drei Monaten Kerker, bedingt auf zwei Jahre, rb. Hurt• Spiel• Körperpflege Bürgerlicher Sport Vom Mitmpaenp. Die Prager Sparta, welche nach der Dauerrunde glücklich die zweite Runde erreichte. hatte gleichfalls nicht das Glück, in ihr eine Rolle zu spielen. Nach der 4:0«Niederlage in Wien gegen Admira war es den Spartanern wohl möglich, das Prager Rückspiel mit 8:2(0:2) zu gewinnen, aber die Wiener erzielten ein Gesamtfkore von 6:3 und kommen nun gegen Juventus.— In Bologna hatte FerencvaroS nichts zu bestellen und verlor 1:6 (1:2); damit steht in FC. Bologna der erste Endgegner fest. Sonstige Fußballergebnissc. B.- B u d w e i S: Slavia Prag gegen CSK. 10:1(8:0).— Tcp- litz: TFK. gegen DSK. Bikin 6:2(8:0).— Asch: DTB. gegen Karlsbader FK. 6:2(6:0).— Warnsdorf: SK. Kladno gegen WFK. 0:1 (4:1). Lei den tschechoslowakischen Schwimmeisterschaf- ten, welche im Prager Barrandotv-Stadion zum Austrag kamen, wurden im ersten Teil einige neue Rekorde verbessert, so im 400 Meter Freistil der Frauen von Schrämet(Brünn) mit 6:17.2 Min.; in derselben Disziplin der Männer von Schön (Brünn) mit 6:14 Min. und in der 8X100 Meter Lagenstaffel der Männer Hagibor Prag mit 8:40.8 Min.— Sonstige Ergebnisse: 8X100 Meter Lagenstaffel(Frauen): 1. Hellas Tetschen 4:47.2 Min.— 100 Meter Micken(Männer): 1. Heiling(Preßburg) 1:16.5 Min. Dir Rudermeifterschaften der Republik gelangten in Melnik zur Durchführung. Im Skiff siegte Zavkel(Laun) in 7:86 Min.; den Vierer mit Steuermann gewann CAK. Raudnitz in 7:17.8 Min. und der Achter wurde ebenfalls vom letztgenannten Klub gewonnen. Der LelchtalhlettMubtampf«SK. Lobositz— Sparta Prag, in Lobositz ausgetragen, endete mil einem Siege von 60:61 Punkten für Lobositz. Ein gelungener„Redakteur" An 30.000 KL erschwindelt. Prag, 28. Juli. Vor dem Senat R o s e k war heute der in Budapest geborene und i» P r e ß« bürg lebende41jährige Desider Strelinger angeklagt der mehrfachen Verbrechens des B e t t u» g e s und der V e r u n t r e u u n g. Er bezeichnete sich als„Redakteur", doch scheint nach den) Resultat der bisherigen Erhebungen festzustehen, daß er in der Kunst leichtgläubige Menschen um ihx Geld zu bringen, seinen Hauptberuf erblickt. Im März 1082 bestellte er bei einer Rand- niher Möbelfirma Kanzleimöbel unter der großartigen Vorspiegelung, daß er sich eine Kanzlei einrichten wolle. Er bezahlte indessen nur 1000 KL Angeld und verschwand sodann. Die Möbel hatten einen Wert von 4600 KL. Im Jänner deS gleichen Jahres lernte er eine Frau A. S. kennen, der er das Angebot machte, Teilhabewin seines Verlags unter nehmens zu werden. Frau A. S. sollte sich mit 20.000 KL an der Herausgabe einer„Illustrierten R o m a n z e i t u n g" beteiligen, wofür ihr eine monatliche Abzahlung von 6000 KL in Aussicht gestellt»vurde. DaS war natürlich eitel blauer Dunst. Frau A. S. ging aber in ihrer Vertrauensseligkeit so weit, daß sie dem„B e»- leger" noch weitere 8000 KL borgte, tveil er ihr Versprach, verschiedene ihrer Verwandten in seinem gar nicht existierenden Unternehmen zu beschäftigen. Prag, 28. Juli.- Der Fall der-jungen Frau Marie P., die heute vor dem hiesigen Kreisgericht verhandelt wurde, ist einer der sonderbarsten seiner Art. Marie P. war angeklagt des Verbrechens der falschen Zeugenaussage. - Die Angeklagte lebte mit einem jüitgtn Mann. Wenzel St., in Lebensgemeinschaft. Wenzel K. kam seinerzeit wegen eines sehr häßlichen Deliktes vor Gericht. Er war angeklagt der versuchten Notzucht an einem jungen Mädchen, das er eines Abends im Baumgarten überfallen hatte..Er wußte indessen diese Sachiuvor seiner Lebensgefährtin zu verheimlichen. Vor Gericht kam er just in dem Augenblick, als M a r i e P. in der Gebäranstalt das Kind zur Welt brachte, das ihr Lebensgefährte mit ihr gezeugt hatte. Als sie vierzehn Tage nach der Geburt als Leumundzeugin vor dein Untersuchungsrichter erscheinen mußte, bestritt sieleiden- schaftlich, mit Wenzel K. jemals etwas zu tun gehabt zu haben, obtvohl sie eben erst das von ihm empfangene Kind geboren hatte. Es»var nicht schwer, diese Zeugenaussage als unwahr nachzutveisen. Die Folge war die heute verhandelte Anklage. Marie P. war geständig. Sie begründete ihre unwahre Aussage damit, daß sie. als sie von der häßlichen Affäre ihres Geliebten ersiihr, jede Verbindung mit ihm abbrechen wollte und auch verhin- dern wollte, daß ihr Kind einen Mädchcnschändern u d W ü st l i n g z u m V a t e r h a b e. Deshalb habe sie die Vaterschaft des Wenzel K. auch als Dte Drei... Von W. Smolin. (Schluß.) »Es Ivar ein glücklicher Gedanke von euch," sagte Monet,»dem König in diesem Regiment zu dienen. ES ist gut so, man wird dort gut gekleidet und die Offiziere sind vermögend. In Perpignan wohnen die Herren eines Kavallerie-Regimentes in.einem Salzspeicher." Den Stock auf der Schulter, durchquerte mau den Wald von Orleans, eine Eichenpflanzung mit vielen Kreuzwegen. Seit einiger Zeit hatten die Intendanten dafür Sorge getragen, verirrten Rekruten an jeder Wegkreuzung durch Pfühle den Weg anzuzeigen. Den Säbel unter dem Arm, die Mühe in den Nacken zstrückgeschoben, marschierte als erster Monet. In einem Abstand von einigen Schritten folgten Manon Chrötin, Lyonel und Durand. Auf ein Zeichen des Mädchens warfen sich die beiden Männer auf Monet, der am Wegrand in? Gras beißen inuhtc. Ausrichten konnte er sich nicht mehr, mit einem Schlage hatte er die Zeit vergessen. Durch einen derben Knüppelschlag ins Genick, hatte ihn Durand wie ein Kaninchen bingestreckt. Manon ChrLtin durchwühlte auf den Knien die Taschen des Feldwebels, zog daraus eine Börse hervor, die sich, nachgczählt, als mtt zweihundert Dukaten gefüllt erwies. Das junge Mädchen klatschte vor Freude in die Hände. Den Leichnam stießen die beiden Gesellen in ein Dickicht. „Nun Durand," sagte Manon,„der Kerl ist tot. Gehen wir!" Auf gut Glück folgte» die drei einem Weg durch den Wald. Sie hofften bald aus eine Herberge zu stoßen, wo ein kühler Trunk den brennende» Durst ihrer Kehlen löschen sollte. Sie wanderten den Rest des übrig gebliebenen Tages, ohne an eine Herberge zu lonimen. Als die Nacht kam, legten sie sich unter einem Baum weit von der Straße zur Ruhe. Durand trug das Geld auf der Brust.' Wie eine Hündin zusammengekauert, den Kopf gegen die Schulter Lyonels gelehnt, lag Manon ChrLtin. Sie schlief nicht. Sie hörte auf das gequälte Atmen Durands. Geschmeidig wie eine Katze näherte sie sich ihm und berührte mit leiser Hand den Rock des Schläfers. Erschrocken richtete Durand sich auf.„Was gibts?" „Ich träumte," sagte Manon,„ich sei aufgestanden, um Lyonel zu suche», aber ich fand ihn nicht mehr." Als der Tag anbrach, machte man sich auf den Weg. Lyonel hatte durch Manon Chrötin genug erfahren. „Kameraden!" erklärte Durand beim Aufbruch,„in der ersten Schenke, die uns im Wege steht, werden lvir teilen, dann kann jeder seinen eigenen Weg gehen." «Schon recht," brummte Lyonel. Einige Minuten spättr senkte er sein Messer zwischen die Schulterblätter Durands. Eine beträchtliche Zahl von Messerstichen Ivar notwendig, um den zähen Kerl vom Leben zum Tode zu befördern. Es hatte reichliche Mühe getostet, ihn zum Schweigen zu bringen. Er heulte. Mit seinen Händen versuchte er die Wunden zu verstopfen. Seine Stimme klang so fürchterlich, daß die vom Schlaf aufgeschreckten Vögel ängstlich flatternd ihre Nester verließen. Während Lyonel die Börse an sich nahm, hielt ihm Manon Chrötin ihre vollen Lippen zum Kusse hi». Sie wogte, als der junge Mann ihren Kopf in beide Hände nahm und nicht aufhören wollte, sich an dem dargcbotenen Lohne zu ergötzen. Und so wiegten sich beide in der stillen Luft wie die zarten Wolken des FrvhhimmelS. Den toten Durand aber überliehe» beide den Wölfen. «Zweihundert Dukaten. Wieviel macht das für jeden?" sagte Manon Chrötin, als sie ejn Stück des Weges gegangen. „Wir werden am Wegrand teilen," erwiderte Lyonel.„Du tvirst dann nach rechts und ich werde nach links gehen. In einer Woche können lvir uns in Bignon wieder finden." „Sehr klug," schwätzte Manon Chrötin. Die Nacht brach herein. Seite an Seite leg- ten sich Mann und Mädchen zum Schlafe nieder. Seinen Rock hatte Lyonel ausgezogen und um die Schultern Manons gelegt, die vor Kälte zitterte. Er brauchte lange, um eiuzuschjafen. Den dämmernden Morgen sah er nicht mehr. Tie Sorgfalt seiner Gefährtin ließ ihn an der Halsschlagader wie ein Schwein verbluten, ohne das Gewuhtscin erlangt zu haben. „Zweihundert Dukaten," summte Manon als sie aufbrach und lächelnd den Toten ter auferstandenen Sonne überließ. Manon Chrötin erreichte bald.die Straße. Auf einem Steinhaufen ließ sie sich nieder. Sie setzte eine schmerzliche Miene auf und wartere. Ein Wagen fuhr vorüber. Der Kutscher trieb seinen Gaul unruhig zur Eile an. DaS Rütteln des Karrens erstickte Manons Seufzer. Die Sonne beleuchtete die Landschaft und verscheuchte die quälende» Schatten der Nacht. Manon Chrötin hatte mit einer Nonne, die, aus dem nahegelegenen Kloster St. Acgidö Milch nach EtanipS fuhr, mehr Glück. Die Nonne ließ den zarten jungen!Nann gern an ihre Sette steigen. Die Fragen der Nonne beantwortete Manon mechanisch. Sie dachte an Pari», dachte an die schönen Kleider, die-sie kaufen wollte; sie ersann den geschickten Handel mit ihren Reizen bei Madame Mistral, der Kupplerin. Aus ihren Augen sprach schon jetzt der Traum vom künftigen Geliebten, mit dem sie später heimlich i»f und davon gehen wird. Das Leben ist schön. Bor Ungeduld bebend betastete Manon heimlich auf der Bimst die zweihundert Dukaten in der Börse aus rauhem Leinen, das diese sehnsuchtsvolle Brust I drückte. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung In» Hau» oder bet Bezug durch dte Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.— halbjährig KL 06.—. ganzjährig KL 102.—.— Inserate werden lau« Tank billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bet Einsendung der Reionrmarken.— Dte ZeituugSfrankqtur wurde von der Post« und Telegraphen» direktton mit krlaß Nr. 1-.800/VH/1V-0 bewilligt.— Druckerei:./OrblS" Druck«. Verlags- und ZeltungS-A.-G., Prag.