1t. Jahrgang Mittwoch, 2S. Juli 1934 Nr. 171 Die Schutzbündler Gerl und Anzbüdc Revolutionäre neiden vor dem 711111 TIM!!* VPWirfPiltf Standgericht der norderchrlsten 711111 lvuv IUIII lUll Dir Mördcrrcgiernng Dollfuß hat ihre Drohnngrn, gegen die weiteren Sabotageakte mit aller Schärfe vorzugrhen, wahr gemacht. Trotzdem in der letzten Zeit die Urteile gegen angeklagte Nationalsozialisten sehr mUde ausgefallen sind, hat heute das Standgericht in Wien gegen zwei am Samstag verhaftete Schutzbündler, von denen der eine nur an einem geringfügigen Sprengstoffanschlag beteiligt war und der andere in der Notwehr auf den ihn bedrohende» Polizisten schoß, Todesurteile gefällt, die zweifellos unter der österreichischen und der Arbeiterschaft der ganzen Welt eine ungeheure Empörung anslösrn und sicher den Widerstand gegen die Blntrcgierung in de» weitesten Kreisen der revolutionären Arbeiter wach rnfen werden. Obwohl der Schutzbündler Gerl erklärte, die Tat allein ausgeführt zu habe», wurde auch sei« Gefährte Anzböck dem Galgen überliefert. Die Todesurteile sind wohl erschütternd, aber sie werde« nicht umsonst sein. Gerl stand, dem Tode mutig entgrgensehend vor den Doll fußschergen, er sagte ruhig, daß er wußte, welches Schicksal er zu erwarten habe,„aber" fügte er bei:„Meine Idee stand mir höher, als mein Leben". Diese heldenmütigen Worte eine« Todgeweihte« werden gehört und verstanden werde«. Gerl«ndAuzböckwerde« nicht umso« st gekämpft »nd gelitten habe«. W i e n, 24. Juli. Bor Vein Standgericht in Wien hatten sich heute unter dem Vorsitze drS LberlandrsgerichtsratrS Ofsio zwei Angehörige »er a«fgelöfte» soziatdcmokratischen Partei und ehemalige Mitglieder de» republikanischen Schutz- »unde» Josef Gerl und Rudolf Anzböck zu vrr- inlwortrn. Die beiden wurden bekanntlich Samstag früh im 10. Bezirk am Krpplerplatz von dem Polizisten Ferdinand Forstner angehalten, wobei sie ihn auf der Flucht durch mehrere Schüsse schwer verletzten. Nach ihrer Verhaftung gestanden sie, kurz vorher ein Sprengstoffattentat auf »ie Donanufrr-Bah» verübt zu haben» wobei rin großer Materialschade entstanden war. Der Singe« Nagte Anzböck ist rin in Wien lebender tschecho- sl»>vakisit»rr Staatsangehöriger. Die Anklage vertritt der erste Staatsanwalt Dr. Nahrhaft, als Verteidiger fungieren Dr. Sperber und Doktor Schäffernegger. Der Staatsanwalt schilderte in »er Anklage die schon bekannten Ereignisse am Uett'Irrplatz«nd das Sprengattentat ans di« Tonaunfer-Bahn und verlangte für beide Ange- llagte eine strenge Strafe. Der Berteidiger Schäf- sernrggrr beantragte die Delegierung der. Angelegenheit an ein ordentliche» Gericht und eine Uebrrprüfung des Geisteszustände» dr» Angetlag- trn Gerl. Das Gericht wir» beide Anträge ab. Der Angeklagte gestand im Brrlaufe dr» Ber- höre» im wesentlichen die Tat«in, weigerte sichjedochmitzuteilen, von«em er dieWaffenund die Sprengmittel habe. Der Vorsitzende stellt an den Angeklagten die Frage:«Warum haben Sie da» Attentat verübt?" Der Angeklagte Gerl:„D a s A t t e n t a 1 war gegen die Regierung gerichtet." Vorsitzender:«So ein Sterf mit 20 Jahren hat ruhig zu sein. So sind wir erzogen worden." Auch im weiteren Verlauf der Verhandlung lehnt der Angeklagte Gerl jede Mitteilung darüber ab, woher er die Sprengstoffe erhalten habe. Er wiederholt nur, daß er durch den Terrorakt gegen die Regierung demonstrieren wollte. Der Vorsitzende fragt:„Warum?" Angeklagter Gerl: „Weil dir Regierung das Volk vernichtet." Vorsitzender:«Herr Gerl erklärt also, daß die Regierung das Volk vernichte." Angeklagter:„U n d die Arbeiterschaft unterdrückt." Vorsitzender:«Unterdrückt die Regierung auch Sir?" Angeklagter:„I a, u n d s i r l ä ß t k e i n freies Wort z u." Auf weitere Fragen erklärt der Angeklagte, daß er von der Verhängung de» Standrechte» und der Todesstrafe gewußt habe, und" die Tat an» eigenem Antrieb verübte. Da» Attentat sei nur seine eigene Idee gewesen. Auf die Frage de» Vorsitzenden, wie er sein Leben riskieren konnte, erwiderte der Angeklagte ruhig: «Rein e Id erstand mir höher a IS . wein Leben.". Ter Vorsitzende betont, daß der Angeklagte bei seiner früheren Einvernahme zugegeben habe, daß,r sich darauf verließ, daß er nicht hingrrich- let werden würde und daß da» Attentat de« Ra- twnolsozialisten zur Last gelegt werden würde, »wchwch,«ne Versöhnung der Regierung mit de« Nationalsozialisten vereitelt werden sollte. Denn wen» sich die Rcgiernng mit den Nationalsozialisten anSgesöhnt hätte, so wäre dir Sozialdemokratie in die Minderheit geraten. Der Angeklagte stellt diesen Gedanke» nicht in Abrede. Als der Vorsitzende darauf hinwrist, daß die Sozialdemokratie die gewalttätige» Methoden der Nationalsozialisten abgelrhnt habe, zuckt, der Angrtlagt» mit den Schulter» und sagt:„Mir sind die Nationalsozialisten sympathischer als dir Negierung." Damit war das Verhör de» Angeklagten Gerl erledigt. Pari», 24. Juli. Zirka um 20 Uhr,verbreitete» Extraausgaben der Pariser Blätter die Nachricht von dem Beschluß deS heutige» Kabi- nettSratr», durch den der Konflikt, der die innerpolitischen Verhältnisse in Frankreich im Laufe der letzten Tage bedroht hat, in friedlicher Weise erledigt wurde. Der Ministerpräsident sagte in einer(Ec* kkärung, die er im Ministerrat abgab: «Entweder wird dir Regierung in ihrer heutigen Znsammensetznng bleibe» oder e» erfolgt «ine Kollektivdemiffion mit allen ihre« Folgen und r» wird eint neue Regierung gebildet werden mit einem anderen Ministerpräsidenten an der Spitze al» mir. Ich wende mich deshalb an den Patriotismus aller meiner Kollegen, um diese Eventualität zu verhindern und Frankreich dir Ruhe zu sichern, deren eS so sehr bedarf." Dieser Erklärung folgte die Regierung uno wird in. ihrer bisherige» Zusammensetzung weiter im Amt« verbleiben.— Rach dem Verhör deS zweiten Angeklagten Rudolf Anzböck wurde das Urteil de» Standgerichtes gefäAt. Bride Angeklagte wurden im Sinne der Anklage zum Tode durch den Strang verurteilt. Gerl hinnerlchtet Wien, 24. Juli. Der wegen des Anschlags auf dir Donau-Ufrrbahn zum Tode durch den Strang verurteilte Josef Gerl ist am Dienstag »mn 20 Uhr 45 Minuten hingerichtet worden. Um Ruhestörungen zu vermeiden, wurde eine Kompagnie Infanterie zur Absperrung deS Geländes rnnd um daS GerichtSgefängniS eingesetzt. Anzböck wurde im Gnadenwege zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Die Arbeiter demonstrieren Wien, 24. Juli. Ta nach dem Schrecken»- urteil zu erwarten war, daß eS zu Demonstrationen kommen werde, wurden alle öffentlichen Gebäude und dir wichtigsten Plätze unter verftärttr Polizeiaufsicht gestellt. ES kam auch an einigen Stellen der Stadt, wie um Mitternacht gemeldet wird, zu Protestkundgebungen, gegen welche die Polizei mit brutaler Gewalt vorging und eine Reihe Verhaftungen vornahm. Außer der Erklärung Doumergues gab der Führer der radikalen Partei, Minister Hcrriot, noch eine Sonderrrklärung ab, welche lautet: „Die radikalen Mitglieder der Regierung nehmen den Zwischenfall znr Kenntnis, der ihnen eine Verletzung de» Burgfrieden» der Parteien zu sein schien. Da sie unter den gegenwärtigen ernsten Umständen dem Verlangen des Ministerpräsidenten entsprechen und keine Maßnahnien hervorrusen wollen, wie dir Einberufung de» Parlament», beschlossen sie, auf ihren Poste» zu verbleiben, aber die Situation, welcher gegenüber sie sich»ach den letzten Ereignisse» sehen, wird'in« Oktober dem Kongreß der Radikalen und Radikalsozialistischrn Partei unterbreitet wer- den.'l Nach dieser Entschließung ist eS nicht mehr notwendig, für.morgen den Ministerrat einznbe» rufen, der unter Vorsitz de» Präsidenten der Republik stattgesunden hätte. Im Auto Henleins Bei den Anhängern Konrad Henleins, de» selbsternannten und von noch unbekannten aber leicht zu erratenden Hintermännern geförderten „Führers der Sudetcndeutschen", ruft es gewiß jedesmal eine stille aber innerlich umfo stärkere Heiterkeit hervor, wenn er sich„zum Staat, zur Staatssorni und zur Demokratie" bekennt. Diese Anhänger sind so gl»t orientiert, sie rekrutieren sich ja im wesentlichen ans zwei Gruppen: den ehemaligen Mitgliedern der aufgelösten Nazi- Partei und aus der früheren Doniäne Henleins, dem Deutschen Turnerbund. Wert und Nutzen der Tarnung habe«: die einen wie die anderen ebenso kennen gelernt, wie die Bedeutung der neudcutschcn Hitlermoral, dcrzufolge das Lügen und Schlvindeln, soscrnc es im Interesse der Bewegung liegt, von„höheren" Gesichtspunkten betrachtet, durchaus erlaubt ist. Sie begreifen also, warn»: ihnen der„Führer" ein X für ein ll vormacht und sie schmunzeln überlegen über jene, welche das ernst nehmen. Die deutschen Turner wisse», wie sic ihren Henlein einznschät- zen haben aus der Zeit, da er als Obermacher des Deutschen TurnverbandcS sich in seiner Ber- bandszcitung frank und frei als Verächter der Demokratie und als Vcrherrlicher des Dritten Reiches auslebe» konnte. Die ehemaligen Nazi» dagegen habe» schon unter Krebs und Jung gelernt, daß cs der wahren Gesinnung nicht schadet, wenn man sich im gegebenen Augenblick, da es die Verhältnisse erheischen, eine Maske vorhängt, haben doch auch diese Nazigrötzen, als es nach dem Volkssportprozeß brenzlich zu werden be- gann, wiederholt ihre Staatstrcuc und Loyalität bis znr Erregung physischen Ekels beteuert und sich als— treue Demokraten vorgestellt. Auch bei der Heerschau seiner Getreuen des Böhmisch Lcipaer Wahlkreises in Karltal bei Schluckenau hat Henlein keine Ausnahme gemacht und sich— wohl zum verständnisinnigen Gan- dinm seiner Zuhörer— als waschechten Demo- kraten vorgestellt und er hat sogar dafür gesorgt, das; unter den hunderte» Henleinfahiien in schwarz-rot-fchwarz sich auch eine Staatsflagge be- finde. Das scheint auch auf den anwesende» Re- gicrungskonnnissär de» Eindruck nicht verfehlt zu hoben, da er übersah, das; die neuen Henleinfah- neu behördlich noch nicht bewilligt sind und für Henlein sogar soviel Sympathien fasste, das; er nach dem Desile in Schluckenau im Auto mit Henlein nach Karltal fuhr, wo dieser die„Führer- rede" hielt. Es hat lange Jahre gegeben, in denen jede Regung, jede Forderung der Deutschen im Staate, auch solche der deutschen Sozialdeiuokra- ten nach einem größeren Stück nationaler Gerech- tigkcit bei den Regierenden und ihren Organen höchstem Mißtrauen begegnete, nun scheint das bei einigen maßgebenden Faktoren ganz anders geworden zu sein. Man kann heute eine Bewc- gung organisieren, welche die Mitglieder der wegen Staatsseindlichkcit aufgelösten Parteien restlos aussaugt, in Stil, Ton, Tendenz und Geist völlig die Hitlerbewegung nachäfft, in der eigenen Partei, lvo doch die Anhänglichkeit an die Demo- kratie beginnen müßte, jede Demokratie ausschaltet, und für die nationalsozialistische Ideologie wenn auch unter etwas abgeändertcn Symbolen Stimmung macht,— bei einiger Geschick- lichkeit und Heuchelei kann■ man dennoch auf weitgehendste Duldung rechnen. Nicht nur bei manchen RegicrungSfaktoren, sondern bei der lei- der sehr verbreiteten Ahnungslosigkeit über die Dinge und wahren Vorgänge unter den Sude- tendeutschen auch bei manchen links orientierte» Tschechen. So konnte denn die Heerschau Hitlers (jako kdyby se ncchumclilo) in schönster Ungeniertheit unter den Klängen alter Reiter- und Militärmärsche und bei Hcilrufcn mit dem Hit- lrrgrnß verlaufen. Alles was bei den deutschen Nationalsozialisten so verpönt erschien, man kann Schweizer Protest Wegen des Sprengstoffschmuggels 111 mit dem Motorboot Bern, 24. Juli.(SDA.) Der Vorsteher de» ridßenöflischen Justiz- und Polizeideparte- mentrs, Bundesrat B a u n: a n n erstattete in der heutigen Sitzung de» Bundesräte» einen Bericht über die Sprengftoffschmuggelaffäre von Staad. Bauniann bestätigte und vervollständigte die bereits in den Zeitungen erschienene Versio». ES wnrde frstgestellt, daß da» Motorboot, da» mitsamt den Bomben beschlagnahmt wurde, einem SA.Führer gehörte und daß es bereit» mehrmals über den Dee gefahren war»nd wahrscheinlich Schmuggelware mit sich geführt hatte. Dadurch wurde die Aufmerksamkeit ans da» verdächtige Treiben gelenkt und die Polizei zur Beobachtung angewiesen. Angesicht» de» aktenmäßigen Beweises erachtet der Bundesrat eine Demarche in Berlin al» notwendig. Da» Datum und die Modalitäten dr» zu unternehmenden Schritte» wird er erst später festsrhr».. Auf jeden Fall gelangt Artikel 2 dr» SprengstofsgesetzrS zur Anwendung. ES nruß»och geprüft werden, ob auch Artikel-ist de» BmtdrSstrafgrsrtzrS in Betracht kommen wird, wer die Untersuchung führen soll und. welches Gericht mit der Behandlung der Angelegenheit betraut werden soll, ein kantonale» Gericht oder das BundeSgrricht. Kabinett voumergue bleibt Seite 2 Mittwoch. 25. Juli 1031 Nr. 171 er ungestört produzieren, wenn mail nur immer wieder versichert, daß man„staatstreu" und „Demokrat" ist. Der von der tschechoslowakischen Regierung betraute RegierungSkommissär im Auto des Herrn Konrad Henlein kann dann als die Krönung des Ganzen angesehen werd-n. Man könnte fragen, warum den Herren KrÄS und Jung, als sie sich in staatstreuer Gesinnung und Anerkennung der demokratischen Maatsform überboten, weniger geglaubt wurde als Herrn Henlein, hinter den sich zum Schuhe auch ein deutscher Minister und seine Partei ge- stellt haben. Vielleicht deshalb, weil die Haken- kreuzbewegung den deutschbürgerlichcn Parteien, darunter auch dem Landbunde äußerst gefährlich zu werden anfing? Daraus ergaben sich wohl Er- Wägungen, die eindrucksvoller und bcstiinmender waren, als sie selbst von der aktivistischen Ein- stellung ausgingen. Erstaunlich nur die Kurzsichtigkeit, die nicht erkennt, daß die Reaktivierung der Nazipartei in einer etwas anderen äußeren Form für die bürgerlichen Parteien eine nicht minder große Gefahr bedeutet, denn geändert hat sich an der Gesinnung der Scharen, die Henlein als dem Leithammel folgen, nicht das ge- ringste und sie sehen in der Namensänderung und in der notgedrungen zur Schau getragenen Stoatstreue mit Recht nur eine Formalität. Und ob ihr Osaf Jung oder Henlein heißt, macht ihnen auch nichts aus, wenn dabei nur dem gleichen Ziele zugestrebt wird. Auf deutschbürgerlicher Seite spielt natürlich der antimarxistische Koller noch immer eine große Rolle und gewiß auch die Erwägung und Hoffnung, bei freundlicher Ein- stellung zur Heiinatfront mit ihr bei den nächsten Wahlen gemeinsame Listen aufstellen und dabei die Heimatfront bemogeln zu könnet«. Es liegt, da ja Henlein erst einmal festen Fuß fassen möchte, dies nicht außerhalb der Wahrscheinlichkeit, aber daß die bürgerlicheir Parteien nicht mehr als einmal dabei ein Mandatsgeschäft machen würden, könnte auch der minder Weitsichtige einsehen. Das Ende der Liebedienerei um Henlein wird schließlich dasselbe sein, das die bürgerlichen Parteien in Deutschland gefunden haben, aber darüber uns die Köpfe zu zerbrechen, ist nicht unsere Sache. Dagegen geht von den tschechischen Politikern die Meinung, daß sic eine bessere politische Witterung besitzen. Umso erstaunlicher ist das rührselige Vertrauen, das Hen- lein mit seinen Loyalitätsbeteuerungen noch viel- fach findet. Was alles hat Mussolini versprochen, ehe er in den Besitz der Staatsgewalt gelangte -und was alles erst Hitler i Eine Bewegung, die auf demokratischen Grundsätzen aufgebaut ist, muß ihre Bestrebungen und ihr Ziel wenigstens zum Teil ernst nehmen und kattn sich nicht wie eine Wetterfahne fünfzigmal im Tage rundherum drehen. Doch eine, in der— wie es Henlein ausdrückt— das„Prinzip der persönlichen Verantwortung" gilt, das heißt wo die Anhänger nichts zu reden, der autoritäre Führer dagegen alles und alles allein zu bestimmen hat?... Das„Prinzip der persönlichen Verantwortung" besteht darin, daß kein Parteimitglied den Führer persönlich zur Verantwortung ziehen darf. Wer bietet da die Garantie, daß der Führer nicht eittes TagcS die Maske fallen läßt und i>on der vorgefpieücn Staatstreue eine Schwenkung um hundertachtzig Grade vollzieht?... Man hört in letzter Zent ost das Wort, eine Demokratie, die inmitten der faseistischen Seuche ihr Dasein bewahren will, müsse stark sein. Dieses Wahrwort ist dahin zu ergänzen, daß sie auch Gestern Abend hielt der Gouverneur der Nationalbank, Dr. Karel E n g l i 6 einen Radiovortrag über das Thema„Die Erneuerung des Geldmarktes", dessen Gedankengang wir hier wiedergeben. Wir hören jetzt, so begann Dr. Engliö, von allen Seiten, daß wir nicht genug Geld haben. Der Verbraucher kauft nichts, steil er kein Geld hat, der Schuldner zahlt nichts aus demselben Grunde, der Staat unternimmt eben deshalb keine Investitionen. Wenn man von Geld redet, denkt jeder an Banknoten, welche die Nationalbank her- auögibt und die sie selber erzeugt. Wenn es also zu wenig Geld gibt, so glaubt man, sollte die Nationalbank eben mehr Geld auSgebett und es wird mehr gebaut und itwestiert weiten. Diese falsche Auffaffung erfließt aus den zweifachen Sinn des Wortes Geld. Man muß da gut unterscheiden zwischen Einkommen und Kapital auf der einen und Geldzeichen auf der anderen Seite. Das erstere stellt eine gewiße Kaufirast, einen Teil der nationalen Produktion dar. Davon muß man aber gut unterscheiden die Geldzeichen, deren Menge dem Wechseltiden Bedarf elastisch angepaßt werden muß. und das ist Aufgabe der Nationalbank. Durch die Ausgabe der Banknoten wird aber kein neues Einkommen und kein neues Kapital geschaffen. Wenn wir also sage», daß der Verbraucher heute kein Geld hat, bedeutet daS nicht» daß wir zu wenig Banknoten, sondem daß die Menschen zu wenig Einkommen haben, daß die Unternehmungen nicht oder nur kurz arbeiten und kein Einkommen erzeugen. Wenn wir sagen, daß eS keinen Kredit und kein Kapital für Investitionen gibt, bedeutet das nicht, daß wir zu wenig Banknoten im Umlauf bqben, sondern, daß wir zu wenig Kauflräft und zu steüig.Ersparungen der Einkommensträger haben. Diesem Mangel kann man durch künstliche Vermehrung der Umlaufsmittel nicht steuern. Durch den Druck neuer Banknoten würde neue Kaufkraft geschaffen tverden, was zur Folge ein Steigen der Preise hätte. Bei diesem Steigen der Preise würden die Verbraucher, ehe sich ihr Einkommen den erhöhten Preisen anpaffen, geschädigt werden. Das aber iväre Inflation.„Wer rät, daß die Zettelbank Investitionen finanzieren soll, der will eine Inflation, ob er eS nun zugibt oder nicht, ckb er sich dessen bewußt ist oder nicht." Die Zettelbank will aber keine Inflation mache«. Dem Mangel an Kredit und Kapital müssen wir anders begegnen. Wir müffen das notwendige klug feilt muß. Der RegierungSkommissär im Auto des Henlein und manches andere, legt ein solches stagwürdiges Zeugnis dafür ab, daß man leicht befürchten kann, bei solcher Vertrauens- seligkeit könnte unsere Demokratie eines TageS ebenso den faseistischen Wölfen zum Fratze dienen, wie dies schon anderswo geschah. Kapital durch Arbeit und Sparsamkeit schassen. Wir müffen aber freilich auch jenes Kapital, das wir haben und das brachliegt, verwerten. ES Ivird viel thesauriert, aus der Befürchtung her« aus, daß Einlagen nicht genau zurückgezahlt werden. Die Geldanstaltett, welche Staatspapiere haben, sind immobil, sie können nicht jede Menge an der Börse verkaufen. Es ist daher notwendig, den Geldniarlt zu mobilisieren. Zu diesem Zwecke wurde daS ReeSkont-Jnstitut gegründet, durch welches für alle Geldanstalten eine gemeinsame Barschaft geschaffen wurde, auf die sich jedes einzelne Institut stützen kann, um die Einlagen auszuzahlen. Aus den Beiträgen der BersicheruttgSanstalten werden dann die Mittel genommen werden, um deit Kauf vott Staatspapieren an der Börse durchzuführen. Man muß auch die Bolksgeldanstalten, Raiffeisenkassen, Borschuhkaffen und Sparkassen mobilisieren. Die Mittel sind vorbereitet, damit 7000 dieser Anstalten einwandfrei ihren Einlagendienst erfüllen können. Durch die Mobilisierung der vorhandenen Mittel wird bereit- eine große Erleichterung auf dem Geldmarkt eintreten, aber die weiteren notwendigen Kapitalien für Bauten und Investitionen müffen wir uns durch den natürlichen Weg der Arbeit, des Verdienstes und des Sparens schaffen. DaS ist ein zwar langsamerer, aber ein sicherer Weg. Dazu ist notwendig, daß das geschaffene Kapital nicht ganz von den öffentlichen Körperschaften aufgezehrt werde, daß eS vor allem nicht vom Staat zur Deckung des laufenden DefiziteS verwendet werde. Die Voraussetzung der Erneuerung deSGeldmarkteS ist also das Gleichgewicht des Haushaltes aller öffentlichen Körperschafte,« und.voll allem des Staates.". Wir. brauchen also daS Gleichgewicht der.Staats- und öffentlichen Finanzen/wir brauchen eine bessere Organisation des Geldmarktes, wir brauchen Vertrauen und Ruhe, wir brauchen Arbeit und Ersparniffe zur Schaffung neuer Kapitalien und dann können wir mit Sicherheit erwarten, daß eine allmähliche wirtschaftliche Besserung eintritt. Die Demokratie, welche ihr gegebenes Problem begreift und die Nation über die gegenwärtige furchtbare Krise in neue Zeiten hinüberführt, wird damit am besten alle ihre Widersacher schlagen und damit den Veste« Beweib ihrer staat-schöpferischen Tätigkeit geben. Wir hoffe« und find überzeugt, daß da- unsere Demokratie erfülle« wird. nenieln, Hitlers Mncdit Die„Rundschau" hat sich, als fast einziges Blatt der Welt, schon wenige Tage nach dem Kameradenmord vom 30. Juni in der perfidesten Arl zu Hitler bekannt. Was sich seither ereignete, ist nicht etwa eine Rechtfertigung des Mordes, sondern im Gegenteil eine Enthüllung des Mörders, vor dem sich alle Kulturmenschen in Schauder ab. wenden. Die Reichstagsrede, die die Stimmung gegen Hitler in aller Welt verschärft hat, ist jedoch der„Rundschau" eine Offenbarung hitlerischcr Tugend, Treue und Tatkraft: „Reichskanzler Hitler hielt Freitag, den 14. dr. M., vor dem Reichstage seine von der gan. zen Welt mit außerordentlicher Spannung er. wartete Rede über die Vorgänge um den 30. Juni. War man angesichts der Härle und Form der getroffene» Maßnahmen auf aui>er. ordentliche Enthüllungen gefaßt, so entrollte der Kanzler doch ein durchaus überraschendes Bild der unerhörten Vorgeschichte." Sie war aber nicht„gefaßt", sondern gleich begeistert, die„Rundschau". Und was Hitler sagte» nimmt sie nicht nur für bare Münze, sondern unterstreicht auch mit Befriedigung, daß Hitler für seine Tat von dem Marionetten» Reichstag„der Dank für die Rettung des Vaterlands" ausgesprochen wurde. Wir haben uns schon längst abgewöhnt, an daS Kulturgesühl von Barbaren zu appellieren Mögen die Fleischer, die hierzulande nur am Schlachten verhindert sind, immerhin ihren Meister loben. Daß sich aber Menschen finden, die fick' mit ihnen an einen Tisch setzen, hohe Staatsbeamte, die mit ihnen im Auto fahren, Journalisten, die es nicht ekelt, ein demokratisches System, das Bluthunden gestattet, sich als Bolkserneuerer aufzuplustern— das alles ist verwunderlich. Auflassung von Mittelschulen Im Zuge der Sparmaßnahmen soll eine Reihe voir Mittelschulen aufgelassen, beziehungsweise zusammengelegt werden. Allerdings ist das letzte Wort über diese Maßnahme auch im Ministerrat noch nicht gesprochen worden, weil die Kompetenz zur Auflassung der Mittelschulen in den Machtbereich des Schulministers fällt» welcher erst heute, Mittwoch, von seinem Urlaub zurück- lonunt. Die bisherigen Vieldungen sind also nicht feststehend, doch darf an der Verminderung von Mittelschulen kaum gezweifelt werden. Diesem Abbau unterliegen die Realschulen in Brünn, welche mit Beginn des Schuljahres 1984/85 zusammengelegt werden sollen. Weiter besteht die Absicht, die Gymnasien und Realschulen in Reichenberg, B.«Leipa und Leitmeritz zu Realgymna- sien zusammenzulegen, Die Oberstufe: des Realgymnasiums in Aruau und des Reformgymna- siums in Leutschau sollen aufgelassen werde». Außerdem sollen die staatlichen Lehrkräfte der Mädchengymnasien in Teplitz, Troppau und Eger an andere Schulen versetzt werden. Eine ähnliche Maßnahme wird auch für das Reformrealgymnasium in Karlsbad vorbereitet, doch scheint hier noch mehr Hoffnung auf Erhaltung der Schule zu bestehen als es bei den anderen Instituten der Fall ist. Bon der Reorganisation der Mittelschulen werden auch einige tschechische Städte betroffen. Ein endgültiger Bericht über die Auflassung der Mittelschulen wird indes erst nach Abschluß der Verhandlungen im Ministerrat im Beisein des Schulministers erstattet werden können. Voraussetrungen der Wirtschaftsbelebung Radiovortrag des Bankgouvemeurs Englli— Die Erneuerung des Geldmarktes Gegen jegliche Inflation— Nir das Gleichgewicht Im Haushalte der öffentlichen Körperschaften— Eine Aufgabe der Demokratie 7 . FRITZ ROSENFELD: W*«a Cbquita EIN ROMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAG Lange vorher trug der Fluß deinen Körper meerwärtS, ins Nichts. Das Schleifen der Schwerter hört man in den Palästen, Bruder, noch lauter aber hört man die Worte, die der Treue zu seinem Treuesten spricht. Treue? Narr, Bruder Omarl Ein Weib aus meinem Harem, ein Weib, das mir lästig war, das mir vret Jahre gedient, das ausgebrannt und ausgeschöpft war, — und dein Getreuester verriet dich. Narr, Bruder Omar. Jetzt seid ihr wieder da, vereint euch, seid eine Gestalt, ein Wille, e i n Haß. Doch ich zwinge euch nieder, ich bin stärker als. ihr. Seht, meine Hände sind lang und ergreifen euch, wo ihr auch weilt. Seht, meine Augen sind scharf und erspähen euch, wo ihr euch auch versteckt. Hört meine Stimme, sie erschüttert die Erde, Allah hört sie und zittert vor ihr. Zwischen Traum und Wachen jagte Ala Eddin dem Mädchen nach. Sprung über Kiffen, kurzes Verstecken hinter Kiffen, dann wegfliegenve, zur Seite geschleuderte Kissen; ein kurzer Schrei, ein langer Schrei, ein Laut der Wut, ein Aufstemmen, alle Kräfte gespannt, ein Ermüden, Blei in allen Gelenken. Ein Wiederaufraffen: es geht«m das Leben, Ala Eddin, die beiden erschlagen, erdrosseln, enthaupten dich!— Endlich ermattet das Mädchen, In seinen Knien ist keine Kraft mehr zum Sprung, sein Rücken schmerzt, die Finger sind aufgerissen. Da jagt eS mit einem letzten großen Sah zum Fenster, klammert sich an das Gitter, ver- traN sich in die goldenM Stäbe, zieht sich hoch, bietet das Antlitz dem Mond: Nimm mich, Mond, friß mich, hol mich fort, Mond, um jeden Preis. Schon erlahmen die Arme, schon will sie sich sinken lassen, da steht Ala Eddin unter ihr, bereit, sie aufzufangen. Nun hat er sie, die beiden Brüder. Die Adern an seiner Stirn quellen hervor, sein Blut siedet, seine Blicke bohren sich m den bebenden Leib, den seine Hände halten. Nu» hat er sie, die Helle, nun kann er ihre Seele in sich trinken, und seine Blicke in Ihre Augen senken, bis auf den Grund. Schon hatten seine Hände ihren Lech berührt, als sie niedersank, schwer wie ein Sack Salz, der Wasser getrunken. Sie hing üb« seine Arme wie eine Tote. Ihre Augen waren geschloffen, ihre Hände pendelten herab, kraftlos und erstorben. Ihre Seele, dachte Ala Eddin, ist ausgeflogen. Eine Welle hielt er sie in de« Armen. Betrachtete sie. Hell war ihr Haar, dünn die Lider, unter denen die hellen Augen schliefen. Weiß war ihr Leib, weich, geschmeidig, wie die feinsten Stoffe, duftig, wie Seid«, die mtt dem Saft der Blüten getränkt st. Er trug sie zum Lager, bettete sie. Das Blut ging ruhiger durch seine Adern. Die Augen sahen klarer. Er ging zum Fenster, sah empor. Der Mond stand oben, silberhell. Aber— über feinen Rand kroch ein schwarzer Fleck, ftaß sich weiter und weiter, verdunkelte die silberne Scheibe, und ließ ein Frösteln über den Erdball fliegen. Starr stand Ala Eddin. Di« Seele der Hellen war aufgeflogen und verdunkelte den Mond. Zwischen dem Fenster und dem Winkel des Zimmers lief er hin und her. Tot lag das Mädchen, und der Mond starb unter einem schwarzen Schatten. Kalt wurde es, Frost kroch aus den Mauern, atmete ihn an. Er rieb die Hände, er suchte einen Mantel. Stand, sann nach, wurde»an Angst, gepackt, schlug einen Gong an, der im Winkel stand, unter Teppichen verborgen. Die Alte erschien. Er schrie sie an, sie solle den. Haushofmeister holen. Zum erstenmal betrat der Haushofmeister Eiese Räume. Er zitterte am ganzen Leib, als er gerufen wurde. War Ala Eddin in Gefahr? Ala Eddin winkte, deutete auf das Mädchen. „Fort," sagte er, tonlos, eisig. Dann ging et zu seinen Magiern. HI. Pal tastete wie im Traum vorwärts. Im Schatten einer Zypresse sah er eine Ruhebank, mit Kiffen aus gelbem und orangenem Samt bedeckt; ein Tischchen stand davor, mit Schüsseln, weißen Broten, einem kupfernem Krug, in dem Milch war. Pal rieb sich die Augen. Eine Schenke? Wo war der Wirt? Er rief, rief, rief. Das Echo brach sich in den Bergen, aber es kam keine Antwort. Er drehte sich im Kreise. Blauer Himmel war über ihm. Sonnenllarer Himmel. Ein Kranz von Bergen, hohen, zerrissenen Bergen. Sie umschlossen dm Garten, als wären sie seine Wächter. Der Berg dort hafte zwei scharfe, spitze Gipfel, es war, als lugte ein Menschengesicht zwischen diesen Gipfeln hervor; die Mondscheibe, noch ganz blaß, wie eine feine, weiße Wolke. ES lockte, eine» Bogen zu nehmen und auf dieses matthelle Ziel zu schießen. Mitten zwischen die Gipfel. Pal drehte sich. Dort bildete der Berg«inen langest, hohen Kamm, der wie eine unübersteigliche Mauer war. Baumlos ragte dieser Kamm gegen den Himmel auf. Man müßte ein Riesenpferd haben, um über diesen Kamm setzen zu können in einem märchenhaften Sprung. Pal atz und trank. Rief dann Wied«. Rief, rief, ohne Antwort. Er kramte eine Münze aus seiner Tasche, warf sie auf da- Tischchen, vielen Dank dem unsichtbarm Wirtt Er ging die weiße Straße weiter. Sie war dunkel gesprenkelt von den Schatten der Bäume und der Paläste. Hohe Zedern reckten sich stolz in kleinen Gruppen empor, setzten einen dunkelgrünen Fleck zwischen Palast und Palast. Säulen schimmerten in der Sonne, schneeweiße Treppen, große Vasen aus Marmor,.aus denen riesige rote und blaue Blumen ragten. Hell schossen die Wasserstrahlen der Brunnen auf, brachen sich, zerswben in tausend Funken, die tausend Farben spielten. Jeder Blick brachte ein neues Wunder. Dies war das Märchenland, eine Märchenstadt. Ein Volk von Riesen oder Zlvergen, von Feen oder Kobolden mußte jeden Augmblick aus den Palästen stürzen, um ihn anzugreifen, auszuspotten, einzuladen, zu erschlagen oder zu bewirten. Er wäre nicht erstaunt gewesen, sprechende Tiere zu treffen und sprechende Blumen. Wer weiß, ob diese scharlachrote Dolde nicht verraten könnte, wie der Garten heißt und wer d« Herr des Gartens ist? Er kam zu einem Brunnen. Vier lachende Figuren umstanden am Rande des Beckens den silbernen, in den Lüften tanzenden Strahl. Pal Ivusch seine Hände in diesem Becken, wusch sein Antlitz. Die Brunnenfiguren lachten. Knaben mit dicken Bäuchen und dicken Wangen, gut genährte kleine Götter, sie blickten mit Wohlgefallen auf da- Menschlein, das den Garten, die Blumen und die Figuren mit verblüfften, wett aufgeriffenen Augen anstarrte. Pal ging weiter. Er kam zu einem Platz, auf dem ein riesenhafter Palast aus Marmor stand; au- einem marmornen Becken vor dem Haus sprang buntes Wasser, grünes, ametystfar« benenes Wasser in die Höhe, sprudelte lustig nieder und zerschellte zu weitzem Schaum. Langsam schritt Pal die Treppe diese- Hause» empor, eine weite Halle dehnte sich, die nach allen Setten offen war. Biele Stufen führten in die Tiefe, die Halle war in den Boden eingesewkt wie eine Arena.-Fortsetzung ft-gt^ M. Nt Mittwoch, SV. Juli 1934 «eite 8 Neuer Lohnraub in Deutschland Durch Arbeitsstreckung zur Lohnherabsetzung Löhne unter Existenzminimum Kerkerstrafen für Nazi Salzburg, 24. Juli. Das Schwurgericht in Salzburg verurteilte heute den 23jährigen Han- delsangestellten Johann Stöger aus Langewiese, der im Kurpark von Hofgastein drei Bombcnatten- täte gegen die Wohnung des Bürgermeisters und gegen ein dortiges Hotel verübt hat und außerdem in seiner Wohnung Sprengstoffe und Bomben verwahrte, nach 8 4 des Sprengstoffgesehes zu sechs Jahren schilleren Kerkers. Das gleiche Gericht verurteilte den 19jährigen Nationalsozialisten Richard Gruber aus Saatfeld, der von österreichischen Legionären Waffen, Sprengstoffe und Geld überbrachte, zu fünf Jahren schweren Kerkers und seinen Komplicen August Ebner aus den gleichen Griinden zu fünfeinhalb Jahren. Weiters verurteilte das Gericht noch zwei Nationalsozialisten, den 84jährigen R. Küfer und den 29jährigen L. Wach, die in den Pfingsttagen gegen das Kloster in Liefcring Bomben geschleudert hatten, wodurch gegen 800 Fensterscheiben zertrümmert tvurden, von denen einige einen großen künstlerischen Wert besaßen, zu zwölf, bzw. acht Jahren schweren Kerkers. Frelgesprothen und doch in Halt Klagenfurt, 24. Juli. Bor dem Klagenfurter Schnellgericht fanden gestern drei Verhandlungen gegen Sprengstoffattcntäter statt. In der ersten wurde der 23jährige Nationalsozialist Johann Haider aus Sankt Andreas bei Villach zu fünf Jahren schweren Kerkers verurteilt. In der zweiten Verhandlung tvurden die Nationalsozialisten Karl Pacher und Lorenz Maier, die einen Papierböller zur Explosion gebracht hatten, zu je fünf Jahren schweren Kerkers verurteilt. In der dritten Verhandlung lvurde der Elektriker Siegfried Öftrer, Mitglied der aufgelösten sozialdemokratischen Partei, der in Sankt Veit einen Sprengkörper geworfen haben soll, freigesprochen. Der Staatsanwalt meldete die Nichtigkeitsbeschwerde an. Infolgedessen bleibt Ofner weiter in Haft. Vettere Verhaltungen In Vien Wien, 84. Juli. Auch im Laufe des heutigen Tages wurden die Verhaftungen fortgesetzt. Anher Sozialdemokraten wurden auch Nationalsozialisten verhaftet. Di« Zahl der Verhafteten beläuft sich aus 300. „Var wird aus Österreich“ Eine RresüiUre des Genossen Jaksdi Unter dem Titel„Was wird aus Oesterreich?" hat Genosse Wenzel Jaksch eine fnnf- undvierzig Seiten starke Broschüre geschrieben, in der er einen Beitrag zu den Problemen der Arbeiterbewegung in Oesterreich nach dem 12. Feber 1934 liefert. Genosse Jaksch hatte in den letzten Monaten öfter Gelegenheit, die illegale österreichische Arbeiterbewegung aus eigener Anschauung kennen zu lernen. In dem Vorworte zu der Broschüre, das der Genosse Dr. Otto Bauer geschrieben hat, erzählt dieser, daß Jaksch„in den ersten Tagen nach dem Aufstand, in Tagen der Niedergeschlagenheit und Verwirrung, dec österreichischen Arbeiterschaft große Dienste geleistet hat, indem er die abgerissenen Verbindungen zwischen Wien und den Bundesländern wieder anknüpfte". Später fuhr Genosse Jaksch im Auftrage der Sozialistischen Arbeiter-Internationale wiederholt nach Oesterreich, um die Hilfsaktionen für die Opfer des FeberaufstandeS zu fördern. Bekannt ist auch, daß Genosse Jaksch am 1. Mai 1934 in einer illegalen Versammlung im Wiener Wald gesprochen hat, dabei verhaftet und aus Oesterreich ausgewiesen wurde. In zwölf kurzen Kapiteln behandelt Genosse Jaksch alle die Probleme, welche in der Diskussion über Oesterreich seit den Febertagen aufgetaucht sind, so den politischen und militärischen Gesichtspunkt, die Frage„Masse und Vorhut", das Verhältnis zu den Kommunisten, das Verhältnis zu den Intellektuellen, das Problem der Generationen, die Frage„Demokratie und Diktatur" und schließlich die Frage„Masse und Führung". Ueberall werden in der dem Genossen Jaksch klaren und dabei von einem warmen Gefühl für die österreichischen Arbeiter erfüllten Weise die Schicksalsfragen dec österreichischen Arbeiterschaft und ihrer Zukunft in Erörterung gezogen. „Nicht jede seine Erwägungen", so schreibt Genosse Dr. Bauer, im Vorworte,„wird die Zustimmung aller österreichischen Genossen finden. Aber jede ist geeignet zu ernstem, selbständigem Nachdenken über die Wege und Ziele der österreichischen Arbeiterschaft anzuregen" und so wird das Schriftchen des Genossen Jaksch zur Klarheit der Meinungen über die Probleme deö Befreiungskampfes der österreichischen Arbeiterklasse beitragen. Zu den Worten des Genossen Dr. Bauer können wir nur bemerken, daß die Broschüre auch fürdiedeutschenArbeiterderTsche- choslowakci sehr lesenswert ist und bestens empfohlen werden kann. Das Büchlein ist von der Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag XU., Sleszka 13, zu beziehen und kostet XL 3.—(bei Bezug einer größeren Anzahl entsprechender Rabatt) Schlag auf Schlag kommen aus Deutschland die Nachrichten, die von neuen schweren Opfern berichten, die der FasciSmuS der Arbeiterschaft aufzwingt. Die Nationalsozialisten wußten zu genau, warum sie den deutschen Arbeitern zuerst alle politischen, sozialen und kulturellen Rechte raubten; warum sie ihnen ihre politischen und lvtrtschaftliche Organisationen zerschlugen. Der deutsche Arbeiter mußte vorher wirtschaftlich und sozial völlig schutzlos gemacht werde«, wenn der Lohndruck die stärksten Ausmaße annehmen und di« Lebenshaltung immer tiefer und tiefer herabgedrückt werden sollte. S ch o n i m I a h r e 1 S 8 8, als die Nationalsozialisten nach außen hin so taten, als ob die noch in Krast gebliebenen Tarifverträge der Arbeiterschaft auch die bisherigen Löhne sicherten, war eine starkeSenkung deSRomi- nal-unddeSReallohneSeingetre- t c n. Sie wurde herbeigeführt durch verschiedene „Abgaben", die in vielen Fällen vom Lohn oder Gehalt abgezogen wurden und durch die Beseitigung aller übertariflichen Zuschläge. Außerdem wurde von den Arbeitern mit einem Appell an ihr soziales Gewissen die Einwilligung zu L o h n k ü rz u n g e n e r p r e ß t, um die E in- stellung von Arbeitslosen in die Betriebe zu ermöglichen. Diese von verschiedenen Seiten geführten Angriffe auf die Löhne, dazu die unaufhaltsam schleichende Teuerung haben* bei einzelnen Arbriterkategorien zu eine« Sinken deS Rrallohnes bis zu 80 Prozent geführt. Mit dem Inkrafttreten des„Gesetzes zur Ordnung Prag, 24. Juli. Der Bankrat der Nationalbank hielt am 24. Juli d. I. seine ordentliche Monatssitzung unter Vorsitz deS Gouverneurs Dr. EugliS ab. Dem vorgebrachten Geschäfts- berichte entnehmen wir: In der Weltwirtschaftsentwicklung kam in der letzten Zeit das deutsche Moratorium, tvelches wieder das ganze Problem der internationalen Verschuldung und der Transferfrage in den Vordergrund brachte, stark zum Ausdruck, da der internationale Warenhandel ständig an Schwierigkeiten leidet. Auf den freien Märkten herrscht scharfe Konkurrenz. Die Wirtschaftsbelebung der meisten Staaten stützt sich auf bessere inländische Absatzmöglichkeiten. Die Wirtschaftslage der Tschechoslowakei hat sich in der letzten Zeit auf de« bisherigen gebesserten Niveau stabilisiert. Der Geldmarkt erfuhr gegenüber dem Vormonate keine Aenderung. Die Krcditanfprüche seitens der Erzeugung sind dem Beschäftigungsstande angemessen und üben keinen Druck auf den Markt aus. Die Schwierigkeiten des Kapitalmarktes verringern sich»ich t. Die Spareinlagenbildung ist noch immer nicht hinreichend. Bei den Anlagepapieren übte der Tätigkeitsbeginn des Jntervcntionskonsortiums einen günstigen Einfluß aus. In der Preisentwicklung kam es im Juni beim Großhandelsindex der Nah- rungs-, Genuß- und Futtermittel(zum Unterschied von den Preisen in der tierischen Produktion) im Zusammenhänge mit der heurigen Mißernte und mit der vorbereiteten Getreide-Organisation zu einer starken Befestigung. Die Großhandelspreise der Jndustriestoffe und Erzeugnisse sind ein wenig gesunken. Seit dem Bestehen der Statistik des Großhandelsindexes in der Tschechoslowakischen Republik ist zum 1. Juli l. I. der Nahrungs-, Genuß- und Futter« mittelindex zum ersten Male h ö h e r als der kür den Sozialismus und den Frieden London, 24. Juli. Die britische Labour Party veröffentlicht heute den Entwurf eines Programms, welches den Titel führt:„Für den Sozialismus und den Frieden". Dieses Programm wird dem diesjährigen im Herbst stattfindenden Parteikongreß vorgelegt tverden. Das Programm bildet ein umfangreiches Dokument, in welchem auf den sittlichen und wirtschaftlichen Verfall Englands in der letzten Zeit verwiesen wird, der der heutigen Regierung zur Last gelegt wird. Besonders heftig werden die liberalen Parlamentsmitglieder kritisiert. In dem Programm wird die Beseitigung aller Waffen gefordert, welche durch die Friedensverträge des Jahres 1919 den gentralmächten untersagt wurden. Weiter wird gefordert, daß in England ein Sondergesetz über den Frieden geschaffen werde, durch welches sich Großbritannien verpflichten würde, einem System von Kollektivabkommen über den Frieden beizutreten. der nationalen Arbeit" wurden am 1. Mai 1984 alle Tarifverträge und damit auch alle tariflichen Lohnregelungen außer Kraft gesetzt und die Entlohnung der Arbeiterschaft in den Betrieben in das Ermessen des Betriebsführers, also des Unternehmers gestellt. Für ganz« Arbeiterschichte« bedeutete diese Regelung ein« abermalige Lohnkürzung. Dennoch ist jetzt ein neuer Anschlag auf den Lohn in Durchführung. Nachdem die Arbeiter und Angestellten, um die Mehrbeschäftigung von Arbeitslosen zu ermöglichen, schwere Lohnopfer gebracht haben, wird ihnen jetzt mit der Begründung, daß der Rohstoffmangel eine Ar- beitSstreckung erforderlich mache, mit der Herabsetzung der Arbeitszeit auf 38 Stunden wöchentlich eine neue Lohnkürzung um 10 Prozent bis 18 Prozent-«gemutet. Die Fascisten fürchten, daß der verstärkte Druck, die wachsende soziale Verelendung den offenen Widerstand der Arbeiterschaft zur Auslösung könnte. Um eine geschloffene solidarisch« Aktion z« erschweren, soll dieser Anschlag nicht auf einmal, sondern in Etappen in den einzelnen Industriezweigen zur Durchführung kommen. Im Herbst soll dieser 10- bis 18proz«ntige Lohnraub aus dem Umweg über die„Arbeitsstreckung" für alle Industriearbeiter wirksam sein. Die Fascisten haben allen Grund, die Stimmung der Arbeitermassen zu fürchten. Denn nichts besorgt die Abkehr vom FasciSmuS gründlicher, als die Brutalität, mit der unter dem Schutz Hitlers die Kapitalisten die deutsche Arbeiterschaft in das tiefste soziale Elend hineinstoßen. Index der Jndustriestoffe und Erzeugnisse. Auch .das Niveau des KleinhandelSindexeS ist gegen die mittlere Jnnilvoche infolge dcS Anziehens der NahrungSmittelpreisc gestiegen. Die Getreideernte wird in den Frühdistrikten beendet, auch in den niedrigen Gegenden der höheren Lagen wurden die Erntearbeiten begonnen. Verläßlichere Nachrichten über den wirklichen Hektarertrag sind bisher nicht vorhanden. Die Hackfrüchte waren gegen die Trockenheit weit widerstandsfähiger als die Körnerfrüchte und sind deren Ernteäüssnhten bisher befriedigend. Der Mangel an Ärünfutter wird sehr empfindlich verspürt. Die ernsten Befürchtungen einer Futternot werden einigermaßen durch die Aussicht auf eine ausgiebigere Grummet- und Stoppelfeldmischlingernte gemildert. Die ArbeitSloscnsenkung war Heuer im Juni verhältnismäßig geringer als im Vorjahre, worin der geringe Umfang der heurigen Baubewegung voll zum Ausdruck kommt. Die übrigen Jndustricbranchcn behaupteten im ganzen die Beschäftigung der Vormonate, und wo einige kleinere Acnderungen cintraten, waren diese vorwiegend durch die Saisonlage begründet. Der am Transportvcrkehr gemessene Güterumlauf wies im Juni eine Besserung, hauptsächlich im Export, auf. Der Umsatz des Außenhandels ist im Juni gegenüber Mai infolge der AuSfuhrbcsserung in Rohstoffen und Fertigwaren mäßig gestiegen. In der Wareneinfuhr kam cS hauptsächlich in der NahrungS- und Genußmittelgruppe zu einer Senkung. Das Inkasso im Exportverkehr ist aber bisher u n g ü n st i g, vor allem in den Ländern mit Transferschwierigkeilen. Im Jnlande erfuhr das Inkasso eine s a i- so«mäßige Besserung. Die Jnsol- venzenentwicklung ist gegenüber dem Vorjahre ständig besser. Der Kurs der XL gestaltete sich auf den Auslandsmärkten ruhig und war beständig.. Audi französische matter verboten Paris, 24. Juli. Die heutigen Morgenblätter bringen die Nachricht, daß in Berlin aus bisher unbekannten Gründen zahlreiche französische Blätter, darunter„Petit Parisien",„Journal", „Matin",„Figaro",„Gringoire" und viele andere verboten wurden. Mmdnlsdier veizcn auch weiterhin für den Export gesperrt Bukarest, 24. Juli. Der Ministerrat beschloß gestern, die Getreideausfuhr für frei zu erklären, mit Ausnahme von Weizen, für welchen das Ausfuhrverbot auch weiterhin besteht. Es wird bemerkt, daß dieses Verbot durch die Besorgnis einer ungenügenden Ernte verursacht wurde. Russische Eisenbahn- Ingenieure als Spione Sieben Saboteure zum Tode verurteilt Maskau, 24. Juli. Wie erst setzt amtlich mitgeteilt wird, fand kürzlich vor dem Oberste« Gerichte der Sowjetunion ein Spionageprozetz gegen eine Gruppe von 23 Ingenieure« und Technikern statt. Es handelt sich um Ingenieure der Verwaltung der Eisenbahn Moskau—Kasan und um Ingenieure und Techniker der Lokomotiv. werke in Murom. Den Angeklagten wurde Spionage zu Gunsten einer fremde« Macht und Anschläge aus Eisenbahnzüge«nd wichtige Eisenbahn- knotenpunkte uorgeworfen. Ferner wur» dm MobilmachungSpline der Eismbahnstreckm nach dem Femm Ostm ausgekundschaftet«nd einer sremdm Macht(d. h. wohl Japan!) übermittelt. Angesichts der schwerm Bergehm— rS gilt als erwiesen, dass die Gruppe mehrere E i s t n b a h n k a t a st r a p h e n verursacht hat» z. V. bei der Station Tscherna an der Linie Moskau—Kasan«nd bei der Station Panki— und der Tatsache, daß Hochverrat vor- liegt, wurden sieben Mann, di« die Leitung der Gruppe hotten,-um Tode durch Erschießm verurteilt. Die anderen wurden zu zehn Jahre« Konzentrationslager verurteilt. nider rottet weiter aus Der Gauleiter von Pommem fliegt. Der Konflikt innerhalb der NSDAP, der bereits zum Massenmord vom 30. Juni geführt hat, schwält weiter. Zu einem neuen akuten Ausbruch ist es am Samstag nachmittag in Pommern gekommen. Einer der Aeltesten von der nationalsozialistischen Garde ist der Nazi-Gauleiter von Pommern, Wilhelm Karpenstein» Mitglied des Reichstags. Dieser Karpenstein, der trotz seines ostjüdischen Namens einer der wildesten Judenfresser ist, gab sich von jeher einen pseudosoziali-' frischen Anstrich und versuchte sich durch radikale Parolen bei den Landarbeitern beliebt zu machen. Deshalb bestand auch ztvischen ihm und den ost- elbischen Großgrundbesitzern eine ständige Spannung. Karpenstein hat einen wesentlichen Anieil am Aufbau der NSDAP und gilt als Vertreter dcS „radikalen" Revcntlow-FlügelS. Revmtlow selbst hat hundertprozentig vor dem Kameradenkillcr Hitler gekuscht, Karpenstein versuchte zu opponieren. Stets gut informierte Stellen behaupten, daß Karpenstein bereits in Haft genommen und in ein Konzentrationslager gebracht worden fei. Goebbeis-Flonopol ttfr Deichs* lügenmcidungen Paris, 24. Juli. Der HavaSberichterstattcr meldet aus Berlin: Heute wurde eine amtlich: Verlautbarung veröffentlicht, derzufolgc sich Reichspropagandaminister Goebbels die Propaganda und die Informierung Deutschlands und des Auslandes als sei n Monopol Vorbehalt Hiezu tritt noch sei» Aufsichtsrecht über alle öffentlichen Unternehmungen, die von den RcickSbehör- den und der nationalsozialistischen Partei veranstaltet werden, insbesondere seine Aufsicht über Empfänge, zu denen die Diploniaten und die Auslandsjournalisten geladen werden. Unter denjenigen, die von dieser Maßnahme am meisten betroffen werden, befindet sich sicher Rosenberg, der Chef des AußenamteS der nationalsozialistischen Partei. Vereiteltes Hakenkreuz* ottentat Saarbrücken, 24. Juli. Heute morgen hat der Nationalsozialist Johann Baumgärtner aus Saarbrücken aus den Polizeitommissar Machts einige Schüsse abgegeben, die fehlgingen. Mawts machte seinerseits Kehrt und gab mehrere Schüsse auf Baumgärtner ab. Dieser brach zusammen und mußte ins Krankenhau» eingeliefert werden. Mit welcher feindlichen Macht haben Röhm «nd Schleicher verhandelt? In dieser gestern von uns gebrachten Notiz ist der Sinn dadurch entstellt worden, daß eine Zeile ausgelassen wurde. Es handelte sich da um eine Rede, die der Oberpräsident von Schlesien Helmut Brückner am 2. Juli in Ratibor gehalten hat und in der er darauf hinwies, daß Röhm und Schleicher mit Frankreich verhandelt hätten. Es soll in dieser Rede heißen: Ich weiß ferner, daß wir stark genug waren, ohne staatliche Machtmittel den Sieg vom Jahre 1983 zu erringen, auch stark genug sind ün Besitz der staatlichen Machtmittel, jeden I-Punkt de» Parteiprogramme» in die Tat umsetzen zu können. Da» kann man aber nicht mit Frankreich, das kann man aber nicht niit Schleicher-Naturen und schließlich nicht mit Bonzen, selbst, wenn sie Sterne oder Litzen tragen. Stabilisierung aul gebessertem Niveau Der Monatsbericht der Nationalbank Seite 4 Nr. 171 Mittwoch, 25. Juli 1034 einem Soldaten in Turna» nclauft doch waren diese damals schon verschiedentlich befleckt, so daß der Rottmeistec dem Kvak auftrug, sie vom Kompagnieschneider säubern zu lassen, waS auch geschah. Dieser Schneider erinnert sich, schon damals(also vor der Bluttat) den Angeklagten auf blutartige Flecke auf- merlsain gemacht au haben. Ein weiteres Indiz bilden b l u t i g e S p u r e n i m L e i n t u ch der Ermordeten, an dein der Mörder das Mordinstrument abgewischt hatte. Die mikroskopische Untersuch u n g dieser W i s ch s p u r e„ hat wahrscheinlich gemacht, daß die Mordwaffe ein mit Schmirgelvavier poliertes und mit O e l b e st r i ch e n e s Instrument war, was für ein Bajonett allerdings zntrifft. In diesem Zusammenhang beruft sich die Anklage ferner auf die Aussage eines anderen Soldaten, der bemerkt haben will, das; Kvak am Sonntagmorgen nach dem Mord auffällig lang im Waschraum verweilte und verstört auffuhr, als er gestört wurde. Der Kronzeuge.£> o- kvnär will sogar gesehen haben, das; Kvak sein Bajonett wusch. Die chemischen Sachverständigen erklären, das; das Fett, mit welchem das Bajonett Kvaks bei seiner Verhaftung bestrichen war lzum Schuh gegen Rost) bei auffälligem Licht ei» anderes Farbensviel zeigte, als die mit n o r m a l e m W a s- fenfett geschmierten Bajonett« seiner Kameraden. Durch dieses Gutachten wird die Meinung gestüht, das; Kvak das Bajonett abgewaschen und dann in aller Eile mit einem anderen Fett eingerieben hat. Ans Grund dieser Indizien und Aussagen eni- lvirft die Anklage folgendes Bild vom Hergang der Mordtat: Kvak habe sich nachts heimlich aus dem Lager geschlichen, wobei er, nm bei zufälligen Begegnungen nicht erkannt zu werden, sich den Mantel Pe- triks auSborgte» der die gelben Kavallerieaufschläge trägt. Er sei zn der Cavajda gegangen, habe mit ihr geschlechtlich verkehrt und sie dann ermordet. Dan» sei er ebenso heimlich wieder in da« Lager zurückgekehrt. ES wird abznwarien sein, inwieweit diese Konstruktion der Anklage durch das Beweisverfahren erhärtet werden wird. Der Angeklagte, der übrigens unbescholten ist und einen recht guten Eindruck macht, erklärt, mit der Ermordeten überhaupt nichts zu tun gehabt zu haben. Die Aussagen des Kronzeugen Hokynäk stellt er als glatte Erfindungen hin. Bestialischer Mord an einer slowakischen Landarbeiterin— Ein Indizien, prozeß— Der Hanptzeuge aus dem Gerichtssaal in psychiatrische Untersuchung überführt Die verschiedenen Blutflecken erläutert er einerseits dahin, taff die alt gekaufte Montur schon früher beschmutzt war. lleberhaupt habe er am kritischen Wend seine Ererziermontur getragen. Im übrigen habe er noch im März kleinere Verletzungen im Stalldienst erlitten, wie das oft vorkomme und es fei möglich, daß bei solchen Gelegenheiten kleine Blutspritzer in Kleidern und Wäsche entstanden seien. Da das Motiv eines Lustmordes ausscheidet, behauptet die Anklage nnter Berufung darauf, tast die Habseligkeiten der Ermordeten durchwühlt wurden und ein Betrag von 170 Ai vermißt wird, diese bestialische Abschlachtung einer Frau nach vollzogenem Geschlechtsverkehr sei ein kaltblütiger Raubmord? » Unter den heute vernommenen Zeugen erregte natürlich die Einvernahme des Kronzeugen Wenzel H o k y n ä t die größte Aufmerlsamleit. Nachdem er seine in der Voruntersuchung abgelegten Aussagen wiederholt hatte, wurde Soky- näk vom Verteidiger Dr. Mellon ins Kreuzverhör genommen. In seinen Antworten zeigten sich verschiedene Widersprüche und Ungereimtheiten, so daß Dr. Mellan znni Schluß des Verhörs den Antrag stellte, den Zeugen zur Untersuchung seines Gei- steszustandesderpsychiatrischen Klinik zu überstellen. Diesen Antrag begründete der Anwalt mit einer ganzen Reihe gewichtiger Einzelheiten. Tatsache ist, daß Holy« näk seine Zeugenaussage erstzweiTagenach dem Mord angemeldet hat, nachdem er durch Zufall Gelegenheit gehabt hatte, die Gespräche der erhebenden Gendarmen anzu hören. Dr. Mellan verivies auf die allerdings sehr schwerwiegende Möglichkeit, daß der Zeuge Hokynäk den krankhaften Typus eines psychopatht- scheu„Wichtigtuers" darstelle, der sich ganz in seine Phantastewelt einlebe und seine Phantasten in verhängnisvoller Art in die Wirklichkeit übertrage. Das Gericht gab diesem Antrag statt und ordnete die sofortige Neversiihrung des Zeugen Hokynäk in psychiatrische Beobachtung an. Wenn möglich, sollen die Psychiater noch vor Abschluß des Prozesses ihr Gutachten abgeben. In den späten Nachmittagsstunden wurde die Verhandlung auf morgen vertagt. Ein tragisches Intermezzo stellte der Zeugenaufruf deS Soldaten Herkik dar.' Herktk hat vor einigen Wochen Selbstmord begangen, iveil seine Hoffnung, längerdienender Unteroffizier zu werden, durch eine kleine Disziplinärübertretung vernichtet worden war. rb. Ei» Drama,zw.eler Jugendlicher Die beide» Freunde.Karl Röder und Karl Schuldes aus Waltsch bei Podersam saßen Freitag abends im Gasthof„Holzmühle" in Waltsch. Röder toar wahrscheinlich wegen einer Verstimmung mit seinem Mädel äußerst schwermütig. Beide unterhielten sich darüber und äußerten, daß die Welt nichts Schönes mehr zu bieten habe. In gedrückter Stimmung traten sie den Heimweg an. Samstag vormittag wurde in dem Walde bei Waltsch Karl Schuldes in schlver- verlehtem Zustand gefunden. Er hatte einen Kopfschuß. Karl R ö d e r lag mit einem Hcrzschutz tot in der Nähe. Die Verletzung des Schuldes ist sehr ernst, doch nicht lebensgefährlich. Er wurde, ins Podcrsamer Krankenhaus Merführt und wird dort einvernommen. Die Schlachthäuser von Ehieago überfüllt Chicago, 24. Juli. Die Lage in den Chicagoer Schlachthäusern ist außerordentlich schwierig. Alle Ställe sind völlig überfüllt. 75.00t) Stück Vieh wurden am Dienstag gezählt, davon 42.000, die von der Rcgie.rung im Rahmen der Hilfsmaßnahmen für die Farmer aus den Dürre- gebieten nach Chicago gebracht worden sind. Da fortgesetzt neue Viehlieferungen eintreffcn, hat man bereits begonnen, die schwächeren Tiere noch vor der Ausladung zu erschießen, um das Ausladen der stärkeren Tiere nicht aufzuhalten. In den Schlachthöfen sind 700 Schlächter plötzlich in den Streik getreten. Massenhinrichtung von 18 chinesischen Kommunisten Peking, 24. Juli. Wie aus Kaschgar gemeldet wird, sind dort 18 chinesische Kommunisten öffentlich hingerichtet worden. Sie hatten versucht, einen Aufstand in Chinesisch-Turkestan zu inszenieren. Warschau vom Wasser nicht mehr bedroht Warschau, 24. Juli. Der Wasserstand der Weichsel betrug am Montag und in der Nacht zum Dienstag in Warschau durchschnittlich 6.4 Meter. Gegen Morgen ließ sich ein leichter Rückgang beobachten. Die Behörden nehmen an, daß der Wafserstand am Dienstag seinen Höhepunkt erreichen, wird, daß aber der Hauptstadt keine größere Gefahr droht. Entscheidend Ivird sein, ob die Weichfeldämme noch längere Zeit den Fluten standhälten können. Ge«sirtto«s-ProzE vor dem Divisionsgericht loLemeiiWeNai Zwei Großbrände in Mähren 20 Gebäude vernichtet. In der Gemeinde Bohdalau, Bezirk Reustadtl, brach in der Nacht auf Montag in dem Haus des Landwirtes Wenzel P o k l o ü ein Feuer aus, das sich in kurzer Zeit auf acht Wirt- schafts- und 12 Wohngebäude ausdehnie und sic einäschertc. Insgesamt wurden 20 Gebäude vernichtet. Der Gesamtschaden beträgt ungefähr 800.000 XL. «ircheubraud In dem Städtchen Butschowitz brach auf dem Dachstuhl der dortigen historischen Pfarrkirche ein Brand aus, dem der ganze Dachstuhl zum Opfer fiel. Auch die beiden Türme brannten innen vollkommen auS. Die vier Glocken stürzten während des Brandes mit großem Getöse ins Stiegenhaus. Am Brandplatz trafen einige freiwillige Feuerwehren ein, denen es gelang, den Brand einzudämmen, so daß die Inneneinrichtung der Kirche mit den historischen Gemälden und Erinnerungen von; Brand verschont blieb. Der Schaden dürfte eine halbe Million XL betragen. Die Entstehnngsursache des Brandes ist bisher nicht bekannt. Prag, 2-1. Juli. Ein sensationeller Mord- Prozeß hat heute vor dein hiesigen D i Vision ügericht begonnen. In zwei« bis dreitägiger Verhandlung verantwortet sich der aus der slowakischen Gemeinde R o v b S v i t bei 2 u L c n e c stammende 28jährige Soldat Josef Kvak, zngeteilt der HilfSkompagnic des M i l o- w i tz c r Militärlagers, wegen der An« klage, in der Nacht vom 7. April die slowakische Landarbeiterin Eva Cavajda auf bestialische Art ermordet zn haben. Die Getötete wurde von ihrem Dienstgeber, dem Landwirt P bcha, am Morgen des S. Avril(eines Sonntags) in ihrer Gesindekainmec blutüberströmt aufgcfuudeii. Der Körper war bereits erkaltet. Man stellte verschiedene Stich- und Schnittwunden fest und als unmittelbare Todesursache einen mit furchtbarer Wucht geführten Stich in den Schädel, der da« Stirnbein in einer Breite von 3.6 Zentimetern zertrümmert hatte und tief in die Stirnhöhle eingedrungen war. Als Mordinstrument kommt eine schwere und breite Stichwaffe in Betracht, in weiterer Folge erachtete inan die Verwendung eines Bajonetts als wahrscheinlich und dieser Umstand spielt seine Rolle in dem BeweiSversahren. Der erste Verdacht richtete kick; gegen den Gatten der Ermordeten, der als Schweizer aus einem anderen Gut angestellt ist. Da dir Ermordete sich mit ihrem Manne nicht begnügen wollte und allerlei Slbenteuer mit den Soldaten des Milowitzer Lagers hatte, kam es öfter zu Streitigkeiten zlvischen de» Eheleuten. Ter Gatte konnte indessen ein einwandfreies Alibi nachlveisen und nun fiel der Verdacht auf Mordversuch bei Leitmeritz Der Obsthändler Josef Brauer aus Teplitz steht schon seit einiger Zeit mit seiner Frau Rosa Bräuer in Scheidung und diese wohnt jetzt wieder bei ihrem Vater Josef Liehr in Kundratih bei Leitmeritz. Hier empfing Frau Rosa Bräuer auch des öfteren den Besuch deS Kaufmannes Ernst Schuster, geboren 1002 in Außergcfield, lvohn- haft in Teplitz, Grüneringgasse 37. Dies war auch am Sonntag vormittag wieder der Fall. Gleichzeitig war gegen zehn Uhr vormittag auch ihr Gatte Josef Bräuer nach Kundratih in das HauS ihrer Eltern gekommen und hatte der Frau heftige Vorwürfe wegen ihres Verkehres und der Besuche Schusters gemacht. In Gegenwart Schusters kam es zwischen den Eheleuten zu erregten Auseinandersetzungen, dabei zog Josef Bräuer einen Revolver ans der Tasche und gab rasch hintereinander vier Schüsse gegen Schuster ab, der blutend gu Boden stürzte. Bräuer entfernte sich sofort und stellte sich gegen 11 Uhr vormittags der Staatsanwaltschaft in Leitmeritz, Bräuer wurde in Hast genommen, Schuster in das Leitmeriher Krankenhaus gebracht. Bis auf einen Steckschuß in die Bauchgegend, der als schlvcre Verletzung bezeichnet wird, handelt es sich sonst um Durchschüsse in die linke Schulter und Hüften. tret Soldaten, die sich am Abend vor der Mordnacht mit der Ermordeten und mit zwei ihrer Freundinnen, unterhalten hatten. Allmählich konzentrierte sich dieser Verdacht einzig und allein auf einen von ihnen, nämlich auf Josef Kvak. der heute vor Gericht steht. Es ist ein ausgesprochener Indizien«. Prozeß, der einen scharfen Kampf ztvischen Anklage und Verteidigung erwarten läßt. Den Vorsitz führt der Oberstleutnant deS IustizdiensteS Dr. Ladislav R u t a r. die Anklage vertritt der Chef der Prager Militärprokuratur Ulrich K u d r n a, die Verteidigung führt Dr. Mellan. Die Anklageschrift umfaßt 22 Seiten. DaS Beweismaterial, das die Anklage züfammenträgt. enthält an konkreten Tatsachen nicht allzuviel, das Hauptgewicht liegt auf dem indirekten Indizienbeweis. Fest steht, daß die Ermordete am Abend vor ibrem Tode mit ihren jtzvei Freundinnen Anna Eavenöiak und Pauline Pastva lgleichfallsI slowakischen Landarbeiterinnen) mit dem Angeklagten Kvak und seinen zlvei Kameraden Ludwig Lado- mirskh und Josef P e t r i k beisammen tvaren. Doch soll sich die Cavajda mr der allgemeinen Unterhaltung fast gar nicht beteiligt haben. Die drei Soldaten kamen um 0 Uhr abends knapp vor der Re- traite ins Lager zurück, u. zw. lachend und in bester Laune. Der Schauplatz der Mordtat, die Ortschaft Vrutice Benatetskä ist etlva zwei Kilometer vom Milowitzer Lager entfernt. Zu dieser Zeit hat die Cavajda unzweifelhaft n o ch g e l c b t. Nach dem gerichtsärzllichen Gutachten und dem Sektionsbefund ist sie zwischen neu« Uhr abends und Mitternacht er- mordet worden, und zwar«ach vorhergegangenem Geschlechtsverkehr. Spuren irgendwelcher vorhergehender Gewalttätigkeit waren nicht festzustellen, der Geschlechtsakt war also von der Ermordeten guNvillig geduldet worden. Da auch die Kleider der Cavajda säuberlich zusam- niengelegt auf einem Stuhl lagen und auch sonst in der Kammer keine Unordnung zu erkennen war, stand fest, daß eine sexuelle Gewalttat nicht in Frage kommt. Daß es sich nur um einen einzigen Täler handeln könne, ging daraus hervor, daß die Karniner nur 1.80 Meter breit ist. so daß nicht mehr als ein Mensch halbwegs Bewegungsraum hat. Deshalb wurde auch der anfängliche Verdacht gegen die zwei Kanieraden des Angeklagten fallen gelassen..Kvak aber kam auf die Anklagebank. Ter Kronzeuge gegen de« Angeklagten, dessen Aussage die HauptbelastungSniomente lieferte, ist der Soldat des 8. Reiterregimentes Wenzel Hokynäk, der aussagt, er habe am Sonntagntorgen nach der Mordnacht beim Anziehen bemerkt, daß Kvak, der sei» Bettnachbar war, Blutfleckeauf den Schuhen hatte. Auch seien seine Hände ganz b l u t i g gewesen. Anch habe der Zeuge später im Stall Blutflecke an der Gürtelschnalle und an der Bajonettkopvel des Angeklagten bemerkt, sei aber von ihm. als er ihn sragte. grob abgefertigt und sogar gefährlich bedroht worden. Mit diesem Kronzeugen hat es allerdings einen eigene Belvandinis. wie sich beim Beweisverfahren ergab. Der Zeuge Pctrik(einer der beiden ursprünglich Mitverdäch« tigien) erklärte, er habe in der kritischen Nacht im Halbschlaf schleichende Schritte in der Nähe seines Bettes gehört und am nächsten Morgen habe er festgestellt, daß bei seinem Mantel, den er am Abend vorher auf alle Knöpfe zugeknöpft an den Haken gehängt habe, ein Knopfloch offen war. Allerlei Blutspure« und andere Indizien. An diesem Mantel Petriks wurden später frische Blutspuren konstatiert. Blutspuren wurden auch an der A u s g a n g s m o n t u r Kvaks ieitgesiellt, doch ist das Alter nicht festzustellen. Der Angeklagte-hat diese Monturstücke im März von A*ri««tra»»port wtMglMi Mailand, 24. Juli. In einer unübersichtlichen Kurve in Pallanza am Lago Maggiore stießen zlvei Straßenbahnwagen in voller Fahrt zusammen. Der eine Straßenbahnwagen war mit Kindern eines Ferientransportes besetzt. 21 Personen mußten mit zum Teil schlveren Verletzungen ins Krankenhaus eiugeliefert werden, neun Per. sonen erlitten leichtere Verletzungen. Das Unglück ist darauf zurückzuführen, daß der Führer einer der Bahnen ein Haltesignal nicht beachtet hat. Gefecht Mit BkmkrOnber» New Jork, 24. Juli. In Oxford(Kansas) überfielen vier mit einem Maschinengewehr bewaffnete Räuber eine Bank. Sie raubten die Kasse aus und schleppten fiinf Bankkunden und Angestellte als Geiseln mit. Nach lebhaftem Kugelwechsel mit den Verfolgern gelang den Verbrechern die Flucht im Kraftwagen. Bei dem Feuergesecht wurde ein Fußgänger und einer der Verbrecher verwundet. Die Höhe der geraubten Geldsumme ist noch nicht bekannt. Der Todeskampf der Fremdenlegionäre. DaS Systent des katholischen BlutkanzlerS ist offensichtlich bankrott, es ist so hundertprozentig am ideellen und in gewisser Beziehung auch am materiellen Ende, daß der grausige Spuk dieses Regimes längst in alle Winde verflogen wäre, wenn nicht der„große" Benito seinen kleriko. fascistischcn Fremdenlcgionär schützte. Aber auch der römische Diktator kann nicht verhindern, daß die blutige Hilflosigkeit des Regimes aus Bruta- lität und unschlüssiger Hilflosigkeit tagtäglich offensichtlicher wird und dieses Oesterreich, dessen friedliche und lebensfrohe Bevölkerung nichts an- dcreS wünscht, als von Männern ihres Vcr. trauens, und nicht von verlachten Usurpatoren regiert zu werden, immer eindeutiger eine Bente rettungsloser Anarchie wird. Die Regierung for- derte unter Androhung der Todesstrafe die Bc- völkerung auf, ihre Waffen- und Bombenvor. röte abzuliefcrn, niemand reagierte darauf. Die Truppen beginnen an den verschiedensten Stcl- len gegen daS verhaßte Hahncnschwanzrcgimc zu meutern, die StandgerichtL-Richter, nur dann verläßlich, wenn es gegen die verfolgten Roten, gegen die Schutzbund-Heldeir geht, verweigern ihren sonst gern gewährten Henkerdäenst, sobald man die Nazis belangen will und so steht Doll- fuß, von„Kundmachung" zu Kundmachung schreitend, auf einein Trümmerhaufen der staaft lichon Autorität, wie er unrcparierbarer nicht gedacht werden kann. So geht der verzweifelte Todeskampf eines zum Untergang verurteilten Systoins, künstlich verlängert von dein Hausarzt des Herrn Dollfuß, Benito Mussolini, schon viele Monate lang. Wenn das längst fällige Ende ge- kommen seit! wird, werden die Schuldigen eine Riesenrechnung zu begleichen haben. Denn man wird sehen, daß sie nicht nur sich vernichtet haben, sondern auch Oesterreichs Zukunft! Wahrschefttliches Wetter heute: Veränderlich, strichweise noch Gewitter oder Schauer, nur mäßig warnt, abflauender West- bis Nordwesttvind. Wettervorhersage fürmorgen: Allgemeiner Wettercharakter, nicht wesentlich geändert. Die Hitzewelle sucht den Balkon heim. Die Balkanhalbinsel, auf der bisher zum großen Teil kühles und regnerisches Wetter geherrscht hat, wurde plötzlich von einer außerordentlich starten Hitzewelle erfaßt. Das Thermometer stieg in Süd- ferbien auf 47 Grad im Schatten und 60 Grad in der Sonne. In Belgrad wurden 37 Grad im Schatten gemessen. Der Ministerrat beschloß, die Dienstzeit bei den Behörden auf die Vormittagsstunden zu beschränken. Die Hitze hatte zahlreiche UnglückSfälle zur Folge.— In S k o p l j e erreichte die Hitze 46 Grad im Schatten. Aehnlickie hohe Temperaturen wurden auch aus anderen Gegenden Jugoslawiens gemeldet. Bom Wanderkameraden erschlagen. Der 23jährige Johann Tiefenbacher aus Rosenhe-ni (Oberbayern) hatte mit einem Freund eine Wan derung nach dem Brünnstein unternommen, von der er nicht mehr zurückgekehrt war. Jetzt wn' d Tiefenbacher in der sogenannten Tannerhütte aip Brünnstein erschlagen aufgefundett. Der Freund der als Tätet? in Frage kommt, ist flüchtig. Vom Rundfunk «Mpfehle»»»erte» tu Ha Pragramment Donnerstag: Prag, Sender L.: 6: Gymnastik, 10: Schall- platten, 10.20: Deutsche Presse, 11: Schallplatte» 12.06: Opern-Potpourris, 18.10: Deutsche Sendung: Laßt Blumen sprechen, Schallplatten-Revne. 18.30: Landwirtschaftssendung, 10.10: Inge, musiziert, 20: Soldatenlieder, 21.36: Konzee der Tschechischen Philharmonie, 22.15: Konzert de/ Prager Salonorchesters. Sender S.: 10.80: Opern inusik auf Schallplatten, 15: Deutsche Sendniu Marion Hanisch liest eigene Gedichte, 15: Deutscl Presse.— Brünn 14: Deutscher ArbeitSmar 18.20: Deutsche Arbeitersendung: OSkar Mär'• Graf: AuS eigenen Werken, Dr. Johann SBriiite' Das neue Gesetz über die Todesstrafe.— Pro bürg 10.85: Klavierkonzert.— Kascha« 15.1 Schallplatte». Nr. 17t Tritt 5 Mittwoch, 25. Juli 1834 sind. ES bleibe jedoch dem Ausländer unbenovunen, durch Verlassen des Reichsgebiete- der Durchführung des Entschlusses zu entgehen. Das Rcichsgesetz bezwecke, die Gefahr der Erbkrankheiten von: deutschen Volke zu bannen. Dieser Zweck sei erreicht, wenn der erbkranke Ausländer das Reichsgebiet verlassen hat. Tschechoslowakin tu Pari- ermordet. Am Montag wurde in Paris nach einem Streite eine gewisse Veronika Derer, dem„Petit Parisien" zufolge, eine tschechoslowakische Staatsangehörige, ermordet. Der Mörder, ein gewisser Stefanow, wurde bereit» estgenommen. Er erklärte bei der Berhaftung, er habe sich nach der Tat in die Fremdenlegion anwerben lassen wollen. Große kulturelle Investitionen in Frarckreich. Der Pariser„Matin" stellt aus dem Arbeitsbeschaf« ungSplan Marquets die Kredite heraus, die für die Unterhaltung und Ausbesserung geschichtlicher Baudenkmäler und für Unterrichtszwecke bereitgeftell werden. öS Millionen Francs sind für die Instandhaltung und Instandsetzung von geschichtlichen Bauten, so der Notre Dame Kirche in Paris, und zahlreicher Kathedralen in den Probinzstädten, alten Abteien und Schlössern vorgesehen, SS Millionen Franc- für die Ausbesserung der Museen. Ein Kredit von 76 Millionen Francs ist den ProvinzstÄten eingeräumt. Hiervon zieht die Stadt Lyon den gröss« ten Ruhen, die einen Vorschuss von 50 Millionen Francs erhält. Im Rahmen des. Unterrichtsmini» teriumS sind 14 Millionen Francs für die Nationalbibliothek in Paris, 82 Millionen Francs für den Bau eines Gebäudes für die medizinische Fakultät der Universität Paris und 40 Millionen Francs für die Erweiterung der Liller Universität vorgesehen DonderanSflugSzüge im August. Die Staatsbahndirektion in Prag fertigt im August folgende SonderauSflugSzüge mit ganzer Versorgung und Führung ab: Vom 4. bis 6. August: Hokice im Borriesengebirge(Ki 48).— Vom 4. bis 19. August: Aufenthalt im slowakischen Bad Darkov(KL SSO), iu Stub. Teplice(S70 KL), in Lubovna(KL 660), in BojnickL Kupele(KL 670).— Vom 18. bi» 27. August Hohe Tatra(KL 600).— Vom 18. bis 27. August Salzkammergut(KL 1195).— Vom 26. bis 28. August Hronov(KL 166).— Vom 29. bis August bis 20."September SliaL(KL 1040). In den angeführten Preisen ist der Fahrpreis mit Quartier und Verköstigung einbegriffen. Der Ausflug in die Schweiz vom 28. Juli bis 6. August für KL 1628 ist gesichert. Nähere Informationen und Anmeldungen im Referat der AuSflugSzüge im Bazar neben dem Prager Wilsonbahnhof. Gratisvisum für Kuraufenthalt in Rumänien. Die rumänischen Konsulate im Ausland stellen, beginnend mit dem heurigen Jahre, allen denjenigen, die nach Rumänien reisen, um sich in den dortigen Bädern zu kurieren, oder für den Aufenthalt In klimatischen Orten ein GratiSvisum auS. Diese Verfügung bleibt bis 15. Okwber in Kraft. Das GratiSvisum wird bloss für einen mindesten» 15tägigen Aufenthalt gewährt werden. Die rumänischen Eisenbahnen gewähren den in Kurorte reisenden Passagieren eine 50prozentige Ermässigung der Normaltarif«. Alle näheren Informationen erteilt das rumänische Konsulat. StudienhUfe. Der Schülerunterstützungsverein an der StaatSgewerbeschule in Reichenberg wird es 4 Schülern ermöglichen, im Schuljahre 1984/86 zum ermässigten Preise von 8 0 0 KL monatlich für Wohnung und volle Verpflegung im Reichenberger Städtischen Lehrlingsheim unterzukommen. In Betracht kommen nur wirklich bedürftige Schüler de» 2. oder eines höheren Jahrganges der höheren Staatsgewerbeschule, beziehungsweise des 2. Jahrganges der Werkmeisterschule mechanisch-technischer Richtung, welche im abgelaufenen Schuljahre einen mindestens befriedigenden Gesamterfolg und aus Betragen die Note„lobenswert" ausweisen.— Die ungestempelten, mit einem nicht über 1' Jahr alten, amtlich bestätigten Bern«ögenSauSwei» belegten Gesuche sind bis spätestens 10. August 1984 bei der Direktion der Deutschen StaatSgewerbeschule in Reichenberg einzubringen. Hitzewelle«««d Heber- schwemmunge« in Oft««- West Wichtige Fristen aus der novellierten Pen. simSverstcherung der Privatangestettten. Der Allgemeine Angestellten-Ber- band Reichen berg macht darauf aufmerksam, dass Neuansuchen um den Staatsbeitrag zur PensionSbersiche- cungSrente für die Kriegsdienstzeit bis 81. Dezember 1084 eingereicht werden müssen. Nach dem 80. Juni 1980(„verspätet") eingebrachte Ansuchen müssen nicht wiederhott werden, sondern gelten nunmehr als rechtzeitig eingereicht. Belege und Nachweise sind auch bis 81. Dezember 1984 beizubringen. Ebenfalls bis 81. Dezember 1984 müssen sich die Bezieher und Bezieherinnen der bisherigen unbedingten MterSrente entscheiden, ob die weitere Beschäftigung oder der Rentenbezug aufgegeben wird; beides zusammen ist nach den neuen Vorschriften nicht mehr zulässig. Bis SS. Juni 1935 müssen Rentner, denen die Rente gemäss den bisherigen Bestimmungen des- balb herabgesetzt wurde, weil der Ren« tenanspruch niedriger war als die durchschnittliche Höhe der Dienstbezüge in den 60 BeitragSmona« ten vor dem Rentenanfall und für die sich auf Grund der nunmehr geänderten Bestimmungen (Durchschnitt der höchsten Bezüge in 80 von den letzten 90 Beitragsmonaten vor dem Rentenanfall) ein höherer Rentenanspruch ergibt, um Neubemessung der Rente ansuchen. — Die geänderten Bestimmungen über den Eiaaisbeitrag zur Pensionsversicherungsrente für die Kriegsdienstzeit Hachen rückwirkend« Geltung ab 1. Jänner 1929, während die übrigen Bestimmungen der Novelle mit 1. Juli 1934 in Kraft getreten sind.— Nähere Auskünfte über Pensionsversicherungsangelegenheiten erteilt der A l l- gemeineAngestellten-Berband Reichenberg(Zentrale Turnerstratze 27), oder seine Geschäftsstellen in Karlsbad, HauS »Stadt Berlin"; Bodenbach, Dresdnerstrasse 886; Teplih-Schönau, Eichwalderstratze 89; Trau» ienau, Eck Neumarkt; Reichenberg, Schlohgaffe 1; Brünn, Spinners,ässe 11; Mähr.-Schönberg, Neissmartergasse 3; Mähr.-Ostrau, Strasse des 28. Oktober 54. Sonderbarer Selbstmord. Am 8. Juni 1984 erstattete der Maler Blaschek bei der Leitmeriher Polizei die Anzeige, datz seine Frau Auguste Blaschek abgängig sei. Wiederholte Nachforschungen auch in der Wohnung BlaschekS waren ohne Erfolg, bis am 21. Juli, also nach sieben Wochen, Blaschek durch seinen Bruder der Polizei Mitteilen liess, dass er jetzt die schon stark in Verwesung befindliche Leiche seiner Frau in einer Kammer neben seiner Küche gefunden habe. Die Leiche hing an einem Strick und war durch ein Frauenkleid verdeckt. Blaschek wurde unter dem Verdacht«, dass er seiner Frau Gewalt angetan und den Selbstmord vortäuschte, in Haft genommen. Die Obduktion der Toten und die weiteren Erhcbunärnikassen aber darauf schliessen," dass tatsächlich eiik'Selbstmörd'vorliegt, Nue erscheint rS sonderbar, dass trotz zweimaliger Nachschau in der so kleinen Wohnung die Leiche erst nach beinahe sieben Wochen.gefunden worden ist. Bon Erdmassen verschüttet. In der ungarischen Stadt Gyula lockerten sich bei Bauarbeiten die Erdmassen, wobei ein dem Neubau benachbartes Haus einstürzte und zwei Arbeiter vom Schutt begraben wurden. Einer von ihnen könnt« nurmehr als Leiche geborgen werden, während der andere mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden muhte. In den Dolomiten ereignete sich am Montag eine Reihe schwerer Bergunfälle. Ein Bozener Alpinist namens Thurner stürzte im Rosengartengebiet beim Abstieg vom Dclago-Turm, einem der drei südlichen BajolettTürme, 400 Meter in die Tiefe, wo er zerschmettert liegen blieb. Die Leiche wurde am Montag Abend geborgen.— Ein zweiter tödlicher UnglückSfall ereignete sich in der Mendel-Gruppe. Ein 19jähriger junger Mann aus St. Pauls in Eppan stürzte beim Edelweisspflücken am Grossen Gangfofer tödlich, ab. In den Sextener Dolomiten stürzte ein Wiener Student bei der Besteigung des Kleinen Turms ab und Ivar sofort tot. Schon wieder ein deutsches AuSflugSschif havariert. Montag fuhr das deutsche Motorschis' „M o n t e R o s a" der Hamburg-Südamerikalinie. daS sich auf einer Vergnügungsreise nach dem Nordkap befindet, bei der Ausfahrt aus Torshavn auf den Faröer-Jnseln bei dichtem Nebel auf ein Riff auf. An Bord befinden sich rund 1200 Fahrgäste, meistens Reichsdeutsche, und 280 Mann Besatzung. Im Augenblick des Festlaufens fuhr das Schiff zum Glück nür ganz langsam. Der Kapitän nahm die Hilfe anderer Schiffe, die an der Unfallstelle eingetrossen waren, an; infolge des starken Seeganges stiessen jedoch die Arbeiten zur Flottmachung des Dampfers auf grosse Schwierigkeiten. Erst Dienstag um 7 Uhr früh konnte das Schiff mit eigener Maschinenkraft wieder freikommen. Die„Monte Rosa" bleibt jedoch zunächst bei der Unfallstelle liegen, damit durch Taucher festgestellt werden kann, ob und welche Beschädigungen des SchifssrumpfeS eingetreten sind. Erst dann wird entschieden werden, ob daS Schiff sein weiteres Reiseprogramm durchführt oder nicht.. Auch Ausländer können kastriert werden! In einem Beschluss deS Erbgesundheitsgerichtes Berlin über die Auslegung wichtiger Punkte des Reichs- sesetzeS„zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" wird u. a. festgestellt, dass auch Ausländer diesem Kastrier-Gesetz unterworfen sind. Die Richtigkeit dieser Ansicht folge auS dem allgemeinen Grundsatz, dass Ausländer sür die Zeit ihres Aufenthaltes in Deutschland den deutschen Gesehen unterworfen EN« Sah» der Wettertataftrophe« Wir leben in einem Jahr gewalttger Naturereignisse. In den letzten Wochen wurden folgende Katastrophen gemeldet: In Polen hat eine Ueber- chWemmungSkatastrophe gewütet, die Hunderte Menschenleben vernichtete. China wurde von einer Hitzewelle heimgesucht, die tausende Fälle von Hihschlag und Sonnenstich verschuldet haben soll. In. Nordjapan sind bei einer UebcrschwcmmungS- katastrophe 250 Menschen erirunken, viele Häuser und. Brücken wurden,$$ört, J&t.Sn Men hat eine neuerliche UeLttschwemmungSkäiastrophe im Wetterwinkel Assam etwa 1000 Quadratkilometer Boden überflutet. Die Wassermassen haben die Ernte und das Vieh vernichtet, die Häuser zerstört, hunderte Menschen sind in den Musen umgekommen. Aehnlichc Berichte sind seit Monaten fast ständig in den Zeitungen zu lesen. Im Frühjahr hat die Dürre die Ernte der ganzen Welt um viele Millionen Meterzentner vermindert, und jetzt richten die zu spät und zu plötzlich niedergehenden Wassermasscn in manchen Weltgegenden grosse Verheerungen an. Im Haushalt der Natur scheint etwas in Unordnung geraten zu sein. Da» Wetter»ad der Mensch Goethe lässt seinen Faust die Frage stellen: „Sind wir ein Spiel vo» jedem Druck der Luft?" Tie Wissenschaft hat diese Frage seither tausendfach bejaht. Unsere Arbeitsfähigkeit, unser Gesundheitszustand, unsere Stimmungen sind vom Wetter abhängig. DaS schöne Wetter wirkt auf unser Wohlbefinden ganz anders als ein trüber grauer Himmel. Die Schwüle vor dem Gewitter kam: Mattigkeit und sogar Dcklommenhest herbeiführen, die sich bei einzelnen Menschen bis zum Zittern, zum Auftreten von Ohrensausen, Augen- flimmern und Kopfdruck steigert. Das entladene Gewitter wirkt dann wie eine Befreiung. Der Schirokko begünstigt bei besonders empfindlichen Menschen eine verzweifelte Seclenverfassung. Man. weih, dass unter seinem Einfluss die Verbrechen und Selbstmorde zunehmen. Wenn wir uns nach einem Jahr schwerer Arbeit erholen wollen, suchen wir das Klima der Berge oder der Seen auf, und wir können uns sogar von Aerztcn darüber beraten lassen, wie jeder einzelne Faktor des geänderten Klimas, die Sonnenstrahlen, der Luftdruck, die Luftfeuchtigkeit, aus unseren Gesundheitszustand wirken wird. Aber von diesen Einwirkungen abgesehen, erleben wir gerade in einem solchen Jahr der Wetterkatastrophen, dass wir ein Spiel sind von jedem Druck der Lust, datz ein Wetterumschlag nicht nur das Schicksal des einzelnen, sondern ganzer Länder und Völker umgestaltcn kann. Di» Gebiet» de» Hitze «md der Wirbelst«»« Die heitzesten Gegenden liegen nicht am Aequator selbst, sondern zumeist iiördlich vom Aequator. Das gröhte Hitzegebiet umfasst Zentral- und Nord-Afrika und reicht über Arabien und Persien bis nu die Stromgebiete des Indus und des Ganges. Auch das innere Australien ist ein Hexenkessel, der durch seine Hitze und Trok- kenheit unbcivohnbar bleibt. Auf die allgemeine Wettergestaltung scheint aber das mexikanische Hitzezentrum grossen Einfluss auSzuüben. Dort, ösüich der Cordillieren, wo nach den Breitengraden ein gemässigtes Klima herrschen sollte, beträgt die mittlere Jahrestemperatur im Schatten 40 bis 49 Grad. Im Golf von Mexiko entspringt nicht nur der gröhte Meeresstrom der Welt, der das Klima ganz Europas beeinflusst, dort beginnen auch jene fürchterlichen Wirbelstürme, die Tornados und Hurrikane, die auf ihrem Weg in die Vereinigten Staaten fürchterliche Verwüstungen anrichten. Städte und Dür- ser werden von ihnen zerstört, Häuser in die.Luft gehoben"'Wälder'unrgckegt. Oft" auch- tausende Menschenleben vernichtet. Man rechnet in den Bereinigten Staaten alle drei bis vier Jahre mit einer solchen Orkantatastrophe. Kleinere Stürme brausen, alljährlich drei bis vier, über die Tornadogegend. Die Wirbelstürme entstehen in den Aequatorialgebieten, und zwar wenn die dort wehenden regelmässigen Winde zu bestimmten Jahreszeiten plötzlich ihre Richtung verändern. Wie entsteht da» Wetter? Wie Regen und Wind entstehen haben wir in der Schule gelernt. Aber äusser normalen Ein« slüssen, die das Wetter gestalten, gibt cs noch aussergewöhnliche Faktoren, die in den normalen Wettervcrlauf grosse Unordnung bringen lönneu. Genaues über diese Einflüsse weiss man noch nicht. Es sind nur Theorien und Hypothesen darüber ausgestellt, aber sie haben sehr viel Glaubwürdiges an sich. Ein Astronom, Professor Nölte, be- hauptet, dass unser Sonnensystem, das sich mst enormer Geschwindigkeit durch den Weüenraum bewegt, gelegentlich in eine kosmische Staubwolke geraten kann. Eine solche Wolke wäre von der Erde aus nur als feiner Schleier vor der Sonne zu erkennen. Sie könnte also nur eine ganz geringe Abülcndung des Sonnenlichtes herbei- führen. Aber das wäre gerade genug, um die Durchschnittstemperatur um einige Grade herunterzudrücken und damit eine neue Eiszeit auf der Erde herbeizuführen. Zudem müssten die feinen Staubteilchen als„KondcnsationSkerne" dauernd Niederschläge herbciführen. Zum Glück sind aber auf der Bahn unserer Sonne keine Staublvolkcn im Weltenraum zu finden. Andere Forscher be» haupten, dass die Stratosphäre von grossem Einfluss auf die Wettergestaltung ist. In Höhen von 50 bis 60 Kilometer soll cs noch Ivärmer sein als in der Luftschicht dicht über der Erde. Man Hai für diese Höhe schon eine Hitze errechnet, die bis zum Siedegrad ansteigt. Die Hitzewellen auf ter Erde sollen nur Ausstrahlungen solcher heisser Luftschichten in der Stratosphäre sein. Die Raketenflieger, die durchaus in jene grossen Höhen hinaufgelangen wollen, hätten demnach die schöne Aussicht, dort oben gesotten oder gebraten zu werden. De« lamaische Golfstrom Von grossem Einfluss auf die Wettergestaltung ist das Ausmass der Sonnentätigkeit. Zeitweise sind die Glutausbrüche der Sonne so stürmisch, dass auch die Atmosphäre der Erde in Unruhe gerät. Der normale Wetterverlauf, der von einer möglichst gleichmässigen Sonnentätigkeir abhängig ist, wird dadurch gestört. Unser Wetter in Europa ist ausserdem in sehr grossem Mass vom Golfstrom abhängig. Aber der Golfstrom ist ein ehr eigenwilliger Herr. Er sendet seine warmen Wassermassen durchaus nicht gleichmässig an die Nordküstc Europas. Die Ursache seiner Laune» sind noch nicht erforscht. Wir bekommen sie nur in Störungen des normalen Wetterverlaufs zu spüren E» wird übrigens neuerlich wieder behauptet, dass auch die Radiowellen nicht ohne Einfluss auf das Wetter sind, dass sie eine frühere Entladung der Wolken herbeiführen, und damit in einzelnen Gebieten den Regen vermehren und in anderen vermindern. Alle diese Theorien lassen sich nicht beweisen. Am tröstlichsten ist noch die Theorie von ArrheniuS, die uns verheisst, dass es in den nächsten Jahrtausenden auf der Erde wärmer wird, und dass in unserer heute gemässigten Zone wieder Tropenbäume wachsen werden. Wettervorhrrsese« a«f lauge Gicht ES fehlt nicht an Versuchen, das Wetter künstlich durch technische Hilfsmittel zu beeinflussen. Einstweilen sind die Erfolge noch sehr gering. Bis es gelingen wird, das Wetter künstlich zu gestatten, müssen wir uns damit- begnügen, die Aenderung der Wetterlage rechtzeitig vor ihrem Eintreffen zu erkennen. In den letzten Jahren sind auf diesem Gebiet beträchtliche Fortschritte erzielt worden. Man weiss heute, dass es viele Wetterperioden gibt, die für einen beträchtlichen Teil des Jahres das Wetter vorauSsehcn lassen. Jedermann kennt die Eismänner und den Altweibersommer, Re mit einer bestimmten Regelmässigkeit einzutreten pflegen. Solche Perioden gibt es eine ganze Reihe. Der englischer Meteorologe Ralph Abereromby hat auf sie aufmerksam gemacht. Mit anderen Methoden der Wettervorhersage befasst sich Professor Baur in Frankfurt am Main. Auch er verheisst uns, dass es in absehbarer Zeit möglich sein wird, die Wctterprophc- zeihung auf lange Frist verlässlich zu machen. Wie wichtig eS wäre, Wetterkatastrophen lange vor ihrem Eintritt vorauSzusehen, das erfahren loir gerade in diesem Katastrophenjahr. Vielfach wäre «S möglich gewesen, Menschenleben vor Vernichtung zu retten, wenn man rechtzeitig die gesähr« liche Wettergestaltung erkannt hätte. Auch die Landwirte werden den Ertrag ihrer Arbeit besser sichern können, wenn sie rechtzeitig wissen, was für Wetter sie zu erwarten haben. Die Wissenschaft erweckt uns die Hoffnung, dass wir durch die langfristige Wettervorhersage von den Naturgewalten unabhängiger werden und dass Wetterkatastrophen «inen Teil ihre» Schreckens verlieren werden. Jng. Ernst Hartmann. w 3dj möchte jetzt noch kein Pilot sein!" Ein Schulkind schildert seinen ersten Flug. Früher dachte ich nie an das Fliegen im Flugzeug, denn ich war überzeugt, dass es nie dazukommen könnte: Gestern flog ich zum ersten Male über Prag. Wir fuhren mit dem Auto bis., zum Flugplatz. Die Fahrt war sehr" schön, sie' dauerte nicht lange. Wir waren eine halbe Stunde früher auf dem Flugplatz, bevor ich flog. Die Rundflüge über Prag begannen um drei tlhr nachmittags, ich flog mit dem Flugzeug, das um viertel vier Uhr aufstieg. Bevor aber das Flugzeug vom ersten Rundflug zurück war, zeigte mir der Direktor der Fluggesellschaft, Herr Brabec. die Einrichtung des dreimotorigen Verkehrsflugzeuges der Luftlinie Prag—Rotterdam. Er erklärte mir. auch die Führung der Flugzeuge. Herr Brabee war sehr freundlich und liebenswürdig. Er ist ein grosser starker Mann. Ich durfte mich sogar auf den Führersitz setzen. Dckfauf war ich sehr stolz, denn so etwas erlebt man selten. Man weiss vor lauter Hebeln und Pedalen gar nicht, wo man die Füsse hingeben soll. Ich möchte jetzt noch kein Pilot sein, denn ich würde mich bestimmt noch nicht auskennen, da muss man ja viel lernen. Man muh auch sicher sehr kaltblütig sein. Als wir aus der Halle kamen, war daS Flugzeug schon wieder zum nächsten Rundflug bereit, ich kletterte noch geschloind hinein. Im Flugzeug war es aber sehr warm, so dass ich mir den Rock auSzichen musste. Es waren acht Sitze darin, vier links und vier rechts. Sic waren alle beseht. Bevor ich mich noch recht umgcsehcn hatte, rollte das Flugzeug schon an. Dann erhob sich das Flugzeug vom Erdboden, stieg eine Weile und machte dann eine Kurve nach links. Und immer, wenn das Flugzeug in dünnere Luft kam, stürzic der Apparat ein paar Meter hinunter und wnrd.' vom Motor wieder hochgerissen. Das ist aber sehr schön und hat mir sehr gefallen, dass cs mir später ein Vergnügen wurde, wenn der Apparat fiel. Während des Fluges tranken ein paar Leute Kognak, damit ihnen nicht schlecht wird. Wir flogen cinige- male über die Moldau, aber besonders schon sind die Stoppelfelder mit den Kornpuppcn. Es ist gut, dass jeder Fluggast einen Fensterplatz hat. von dort auS er alles beobachten kann. Das Flugzeug braucht zu so einem Rundflug zirka 20 Minuten. Während ick flog, wartete mein Onkel ans dem Flugplätze. Als ich ausstieg, wurde ich photographiert. Die Landung war prächtig durchgeführt und daS Flugzeug setzte weich am Erdboden auf, denn unS führte ein guter Pilot. Während des FlngcS ist eS im Flugzeug gar nicht beängstigend, im Gegenteil, man hat ein sehr sicheres Gefühl. Das Flugzeug war ein einmotoriger Eindecker, der Bauart„Fokker" aus den Flngzeugfabriken der „Avia". Dann entfernten wir uns vom Flugplätze und gingen zu Fuss nach Bysokan, von dort aus wir mit der Strassenbahn nach Hause fuhren. ES war ein herrliches Erlebnis, an das ich lange denken werde.... WH.. Aussig, 13 Jahre alt. * Seite 6 Mittwoch, 25. Juli 1034 Der letzte deutsche Lyriker (8a Slüencrons siinfundzwanzlgftem rodertag) Bon Hermann Wendel. Die Zeit der„reinen" Lyrik ist vorbei. Lilicncron. Wenn Detlev von Lilie»cron einmal bekannte:„Ich bin ein Dichter! Ja! Tiber nur ein Lyriker, nichts weiter", so starb mit ihm am 22. Juli 190g sogar der letzte große deutsche Lyriker in einem vorgestern noch gültigen Sinne. Lyrik, wie man sie vor einem Vicrleljahrhundert noch auffaßtc, gab nur. den Dichter, einzig das Individuum, während man von den Dicht formen, in denen L i l i e n e r o n sich versuchte, doch versagte, von Epos und Drama cr- wartete, daß sie die Weit gäben. Nichts trifft denn für diesen Poeten mehr ins Schwarze als A. W. Schlegels Begriffsbestimmung, daß es die Eigenschaft des Dramatikers zu sein scheine,„sich selbst mit freigebiger Großmut an andere. Personen zu verlieren", die des Lyrikers,„mit liebevollem Egoismus alles zu sich herüberzuziehen." Die lyrische Generation nach L i l i e n e r o n war von ganz anderem Schlag. Eine Lyrik, die sich nicht individuell beschränkte, sondern einem Kollektivgefühl entströmte, begann schon mit Lilienerons bestem Freund D e h m e l und steigerte sich mit den H e y m, Klemm, Werfel, Brecht, Kästner, all diese Dichter sagen: Wir! statt: Ich! Daß Lilieneron anders tvar, daß er sich in sein Ich einkapselte wie der Schneck in sein Haus, daß er seine privaten Erlebnisse, privaten Gefühle, privaten Stimmungen sang, lag ebenso an seinem Lebensgmig wie an seiner Gemütsart. Schon seine Heimat S ch l e s w i g- H o l st e i n, in der er einen großen, ja, vielleicht entscheidenden Teil seines Daseins verbrachte, bedeutete Einengung und Beschränkung. In diese Provinz, ob sie nun wie in des Dichters Jugend zu Dänemark, ob später zu Deutschland gehörte, schlug tvenig von dem stür, mischen Wogen der neuen Zeit herein; nach Lilienerons eigenem Zeugnis lag sie schlafmützig, mißtrauisch, von sich eingenommen„fern wie eine Insel von allem Leben". Daß der Sproß eines verarmten Adelsgcschlecktcs das W a s- sen band wer! ergriff, hieß abermals Einengung und Beschränkung, denn ein Regiment glich einer hoffnungslosen Kleinstadt mit ewig denselben Menschen, denselben Gesprächen, denselben Interessen. Dazu sperrte sich Lilieneron von seinen Kameraden ab; schon der junge Offizier, der nach geistiger Anregung gierte und sich mit religiösen Zweifeln herumschlug, kostete das gefährliche Glück des Alleinseins aus. Ging er auch, ungeeignet für den Gamaschendienst, als Leutnant um die Ecke, so blieb er doch, wenn auch nicht im kommiffischen Sinne, da seinem großen, gütigen Herzen nichts Menschliches fremd tvar, für den Rest, seiner Tage innerlich Offizier. Noch der Vieruudfünfzigjährigc gestand:„Immer bin ick»och mit Begeisterung Soldat, tue ab und zu noch meine Dienstleistung und sichre im Kriege eine Kompagnie(Hurra!)", und wenn der Kampf um des Lebens Nahrung und Notdurft ihm den Atem abschnürte, brauchte das große Kind nur seine alte Uniform anznzichen. um sich wundersam gestählt und gestärkt zu suhlen. Dieser harte Kampf um dastägliche Brot stellte, weil er ihn nicht in der Masse, sondern als einzelner durcktämpstc, noch mehr Wände um ihn. Nicht nur die anderthalb Jahre, die der a. D. als Sprachlehrer, Klavierspieler, Zureiter, Stubenmaler in Amerika durch alle Tiefen des Elends sauste, sondern auch die längste Spanne der Zeit, da er sich in der Heimat als Dichter durchzuschlagen suchte, war Lilieneron der ärmste der armen Schlucker. Diese aufreibenden Jahrzehnte„im, Stachelgebiisch der Schulden und Armut", als er, von Gläubigern und Gerichtsvollziehern gehetzt, hungerte und fror, oft voni Postboten die Briesinarken entlieh, um seine Manuskripte in die Welt zu senden, und nicht ausgehen konnte, weil die letzte Hose unflickbar geworden war, warfen ihn nicht nur immer wieder auf sich ztirück, sondern bannten ihn auch in kleine Rester wie Pellworm, Kellinghusen, Alt- Rahlstedt. So lebte er fern dem Strom der Welt, in halb getvollter, halb erzlvungener Einsamkeit, und Einsamkeit wurde ihm zum menschlichen und dichterischen Schicksal. Als erste Bedingung für einen Schriftsteller erkannte er,„daß er mitten im Leben stehen mutz", er empfand die Furchtbarkeit,„in einer kleinen, 2000 Einwohner zählenden Stadt zu wohnen, er hatte so oft das Gefühl,„in den kleinen, engherzigen Verhältnissen" ersticken zu müssen, und stöhnte unzählige Male auf:„Alle Poeten sitze» mitten im Leben. Ich: ztvischen einigen hundert Bauern und Handwerkern! Ohne auch nur die leiseste Anregung" oder:„In meiner Einsamkeit werde ich zum Kretin. Der Dichter muh mitten im Leben stehen." Aber er machte aus seiner Not eine Tugend und genoß die Einsamkeit wie einen starken Rauschtrank. Je mehr er, verbittert durch Geldnot und mangelnde Anerkennung, sich in Menschenscheu und Menschenhaß verbohrte, desto mehr erschien ihm die Einsamkeit,„die einzige wirklich beneidenswerte Freiheit der Armut", als des Lebens höchstes Ziel: Und bleibe nun stir mich allein, Einsiedler will ich fürder sein Und nichts mehr sehn von dieser Welt! Aber nie war er sich im Unklaren, welcher Abstand den Einsiedler von dem im Leben umtreibenden Dichter trennte:„Byron dichtete die Welt. Ich: ein klein armselig Stückchen davon." Keinem irdischen Wesen wollte Lilieneron weniger gleichen als dem langmähnigen, samtröckigen Poeten der alten Schule:„Es ist geradezu mein Stolz, daß ich immer für eine» Fettwarenhiindlcr gehalten werde." Aber im Grunde ähnelte er doch dem Nur-Dichter alteren Schlags, da auch er an seiner Zeit vorbeilcbte, von den Tagesereignissen nichts wissen wollte und nie vom Rhythmus einer Maffenbelvegung mitgerissen wurde. Wohl brannte ihm im tiefsten Herzen das tausendfache, Das tausendfache, tausendfache Weh, Das tausendmal viel Tausenden geschah, Solang die iveite Welt schon steht, aber in unheilbarem Pessimismus glaubte er nicht die Möglichkeit einer Wandlung: Die Menschheit stinkt aus zahllosen Wunden, Bon denen sie niemals wird gesunden. In Gesellschaft und Geschichte sah er nur Kunterbunt und Durcheinander, in der Menschheit eine unverbesserliche Rasselbande, in der Politik ein ekles Gcschimpf und Geschacher. Ahnungslos tobte er über den„gräßlichen Unsinn der sozialdemokratischen Langweile und allgemeinen Verbrüderung", aber der einzige, mit dem er sich in seinem Abdcra Kellinghusen über literarische Dinge, besonders Goethe, aussprechen konnte, war der Sozialdemokrat M o l k e n b u h r, damals Zigarrenarbeiter, später ReichStagSabgeord- neter. Die Kreuzzeitung lobte der„Royalist bis zum letzten Atemzug" an einem Tag, um am andern in einen Topf zu werfen„Ultramontane, die sogenannten Freisinnigen, Feudaladel& la Kreuzzeitung, Sozialdemokratie und wie das Gezücht onst noch heißt". Wenn denn das Mitleid mit denen, die leiden, seine Poesie hier und da sozial zu färben schien: Kein Mittagessen fünf Tage schon, Die Heimat so tveit, kein Geld und kein Lohn, so geriet Lilieneron doch allemal dort inö Stolpern, wo er so ettvaS tvie Weltanschauungsdichtung zu geben versuchte; er war Lyriker, das ist: verpflichtet, die Welt nicht mit dem Verstand zu erkennen, sondern mit ün Sinnen zu erleben., Und da war Lilieneron wirklich ein reicher Grande, der Schätze zu verschenken hakte, eine, wie Kurt Eisner ihn einmal nannte, .Freilichtseele, welche die ganze Welt cinatmct und alles umgibt mit quellendem Glanz und güldenem Schimmer". Seine saft- und kraftvollen Balladen können sich neben den besten in deutscher Zunge sehen lassen, aber vor allem drang durch diesen Halbjunker, dessen Großmutter eine leibeigene Schweinehirtin gewesen tvar, seit langem wieder einmal frisches, rotes Blut in die lau und blaß gelvordene Natur- und Lebensdichtung der Deutschen. Die Freude an der Sonne und am Weibe, das: Halli hallo la Leben! ward seit dem jungen G o i h e nicht mehr so ursprünglich und sinnenfroh in die Weite gejauchzt. Wie eindringlich ist es gesehen und gestaltet: Es zeigt der Halm der Wintersaat Das erste dunkle Grün; Aus nackter Gartenerde bricht Das erste bunte Krokusblühn. Wie erfaßte ein begnadetes Künstlerauge eine Morgenfrühstimmung: Den Himmel färbt ein kühnes Blau, Der Wind knipst Perlen ab vom Tau. Und Liebesstrophen, Liebesszenen sonder Zahl, in Moll und Dur, leidenschaftlich und zart, Lust und Leid, ein ganzer, blühender, singender Sommer— „Liebesnacht" etwa: Nun lös ich sanft die lieben Hände, Die du mir um den Hals gelegt. Daß ich in deinen Augen fände, WaS dir das kleine Herz bewegt. Oder ein herrlicher Auftakt: Das schönste Mädchen von der Welt, Echt Mecklenburger Rasse, Sitzt endlich mit mir unterm Zelt Auf Oestmanns Elbterrasse. Dies flimmergrüne Augenpaar In Rotdorn und Syringen. Es ist ja Frühling ganz und gar. Und alle Menschen singen. Ja, Lilienerons Natur- und Liebeslyrik ist die holdeste Musik, und ob sie hier von dem Bardengebrüll, dort von dem Jazz unserer zerrissenen und zerhackten Gegenkvart manchmal übertönt scheint, wird sie doch weiterklingen durch die Zeiten. »•r Film Der geheimnisvolle Fall Dover-Calais Dieser englische Kriminalfilm— und das ist immerhin etwas tvert— will nicht mehr scheinen, als er ist. Er verzichtet auf literarische Ambitionen, verlegt sich auf die Sachlichkeit seines düsteren Sujets und erzielt so, durch die milde Brille unserer von den Tatsachen erzwungenen Bescheidenheit gesehen, tatsächlich ein gewisses Niveau. Was angenehm auffällt, ist der Verzicht auf die knalligen Pointen der pseudofilmischen Piel- Hysterie. Auf Leichen-Massenfabrikation wird tvenig Wert gelegt, man arbeitet weniger mit Schauerrezepten, als mit der Nachzeichnung des Atmosphärischen. Hier gelingen ausgezeichnete Bilder, hier werden sogar Andeutungen psi>chologisch erfassender Art erzielt, die in den simplen Schmarren des üblichen Kriminakklichees völlig fehlen. Mehr Klarheit wäre zu erzielen gewesen, wenn man darauf verzichtet hätte, Komödiantisches mit dem geheimnisvollen Fall zu verquicken, ivodurch nur der Stil des Stückes vertvirrt wird. Kreuger-Motive klingen an, ein amerikanischer Industrie-,.Gentleman" geistert als Leitmotiv durch den Film, auch die Liebesgeschichte fehlt nicht. Neber das Spiel, das dem Stück gerecht Ivtrd, läßt sich nichts Nachteiliges jagen. Pierre. Reprise als Gewinn! Der Hochsommer ist die Zeit der Reprisen, also nicht immer die schlechteste Zeit des Fitm-Jah- reö. Es lohnt sich inanchmal mit Filmen ein Wiedersehen zu feiern, ivährend es häufig sehr wenig ratsam ist, neue Filmbekanntschaften zu machen. Zur Zeit läuft in Prag„Die Affaire DreyfuS", jener freiheitlichen Geist atmende Film-Bilderbogen, in dem der unvergeßliche Kampf des großen Ro- maneiers Zola gegen die niederträchtigen Intrigen der militärischen und feudalen Reaktion wieder auflebt. ES ist kein filmisch fehlerfreier Film, er lehnt sich zu sehr an die Bedingungen deS Theaters an und vergißt häufig die besondere Atmosphäre deS Films. Trotzdem hat er ungemein starke und fesselnde Momente. „Die Affaire DrehfuS" stammt aus Deutschlands besserer Zeit. Hier kann der Zuschauer noch einmal die zwingende Leistung Kortners, des Verbannten des dritten Barbarenreiches, bewundern, ein großer Wurf, der die theatralischen Effekte verschmäht und auf die tiefgreifende Zeichnung eines leidenden und kämpfenden Menschen ausgeht. Den Zola aber, jenen Angeklagten, der zum ilammenden Ankläger gegen Justizmord und Unfreiheit wird, spielt Heinrich George. Stark, innerlich erschüttert, nnd ohne Heroenpose. Ein Aufrechter, der.noch mit sich selbst ringt. Derselbe George, der heute, ein Verräter seiner Vergangenheit, um guter Gagen willen, den Kameradenkiller» die künstlerische Kulisse I stellt. Pierre. Sport• Spiel• Körperpflege Das 25jährige Jubiläum des Atus wird vom 23. bis 80. S e p t e m b e r in großzügiger Weise in allen Verbandsgebieten gefeiert Iverden und mit einer großzügigen Werbeaktion verbunden sein. Radiovorträge, Herausgabe einer Festschrift, Fcstver- sammlnngcn nnd der Einbau des internationalen Stafettciiiages geben die Gewähr, daß die Jubi- läumsfeicrlichkcitcn die ganze Oesfentlichkeii erfassen werden. Es wird ein eigenes Jubilänmsfesiabzcichen herausgegeben, außerdem ein Festabzeichen für diejenigen Mitglieder, die 25 Jahre dem Atns angehören. Neues Märchen vom alte« Wolf Im großen, finstere» Walde, dem nächsten hinter der Stadt, in der Sie ivohnen, war wieder einmal das Kind armer Leute auf Schwämme- und Beerensuche. Und da kam auch schon der hungrige Wolf daher, um das hungrige Kind zu fressen. Doch im letzten Augenblick stürzte von rechts die Försterstochter, von links die Dirne herbei, rissen de» Wolf in Stücke und retteten das Kind. Dieses wollte sich mit einem„Vergelt's Gott!" bei seinen beiden Retterinnen bedanken und ihnen die Hände küssen. Die Försterstochter aber sagte:„Gehst denn nicht gleich, dummes Mädel, daß du mich mit einer solchen in einen: Atem nennen möchtest!" Da entgegnete die Dirne:„Spiel dich nicht auf, blödes Mensch! Glaubst vielleicht, lveil's deiner Urgroßmutter ihre Urgroßmutter mit den: Kaiser Josef»'halten hat, bist du was Besseres?" „Freilich bin ich was Besseres. Lies nur in meiner Zeitung, wie da die Försterstöchter immer beschrieben sind: gut, schön, fein und züchtig obendrein!" „Rein zum Lachen!" drauf die Dirne.„Wo in meiner Zeitung am letzten Sonntag gleich drei G'schichten über mich g'standen sind, eine jede von einem andern g'schricben nnd in jeder bin ich die Hauptperson g'lvesen. In der Art führten die beiden Damen den Streit und sie stritten vielleicht heute noch, wenn Technikertagung der SASA Anläßlich des am 6. und 7. Oktober d. I. stattfindenden Kongresse- der SASJ findet auch eine internationale Technikersihung statt. Diese Tagung wird sich mit der N e u g e st a l t u n g des rechnischen Hauptausschusses und der Fachausschüsse beschäftigen. Auch da» 8. Arbeiter. Olympia in Antwerpen wird eingehend besprochen und wichtige Beschlüsse werden gefaßt. Der internationale Sportverkehr soll durch Schaffung besonderer Ländergruppen gefördert werden. Die Tagung wid von besonderer Bedeutung für die Ent- Wicklung der SASJ werden. Internationaler Jugendtag in Lüttich. Am 8. August findet in Lüttich ein internationaler Jugendtag statt, an der auch die S p o r t j u g e>: d der SASJ regen Anteil nimmt. Einige Verbände der SASJ werden eine Stafette nach'Lüttich tragen und der Jugend ihre Grüße überbringen. Die Veranstaltung wird die Jugend zum Kampf gegen den FaseiSmuS aufrufen.— Anläßlich dieser Veranstaltung findet auch eine A u s st e l l u n g der Arbeitersportler statt. Reue- von der Leipziger Arbeiter-Turn- und Sportschule. Wir hatten bereits mitgeteilt, daß die Arbeiter-T»rn« und Sportschule in Leipzig nun Landessportschule von Sachse:: ist. Die Schule wurde zur Verlvaltuug dem sportlichen Leiter der Leipziger Universität, Professor Altrock, übergeben- Prof. Altrock tvar bestrebt, die Schule den Zwecken der Universität dienstbar zu machen. Es wurde also kein neues Pöstchen für die Verwaltung der Schule geschaffen. Das hat den Zorn der„alten" Naziparteigenossen erweckt. Sie haben sich in die Verwaltung der Schule eingcmischt, so daß sich Prof. Altrock gezwungen sah, diese Stelle nieder-ulegen. Nun liegt die Verwaltung der Schule wieder in den Händen des berüchtigten„Treuhänders" W i e b o l s (Leipzig). Herr Wiebols ist mit seiner Treuhänder- Arbeit immer noch nicht fertig. Er ersiuder inuncr neue Schikanen gegen das frühere Personal. Wegen einem vor 1% Jahren gezahlten rechtsmäßigen Lohnvorschub müssen sich die Angestellten jetzt vor dem FUrsorgcami verantworten. Eventuell soll das rechtmäßig verdiente Geld von der Erwerbslosenunterstützung abgezogen werden. Die dem Bund gehörenden Wohnhäuser sollen bereits verkauft worden nnd Wiebols inzwischen Fa- briksbesitzcr geworden sein. Und woher hat Herr„Treuhänder" Wiebols das Geld dazu genommen? Eingesendet. Telephon-Automatengesellschaft für die Tscheche, slowakische Republik in Prag. Der in der gestrigen Generalversammlung genehmigte Bericht für 1933 führt auS:„Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurde eine Aenderung deS Tarifsystems vorgenommen, welche eine durchgreifende Erhöhung der an die Postverwaltung abzuführenden Gebühren zur Folge hatte. Diese Tarifänderung wurde der Gesellschaft durch Erlaß des PoftministeriumS auferlegt, wogegen die Gesellschaft Beschwerde beim Obersten Verwaltungsgericht führte. Unter der Voraussetzung, daß dieser Erlaß und die durch ibn bedingte Gebührenerhöhung aufgehoben werden", kann das Geschäftsergebnis für 1038 in: wesentlichen als den: des Vorjahres ähnlich bezeichnet werden. Di« anscheinend durch die Wirtschaftsverhältnisse bewirkte schwächere Frequenz wurde durch Ersparnisse weti- gemacht. Die Zähl der Stationen hat sich 1988 von 481 auf 542 erhöht." 2671 nicht raschen Schrittes der findige Reporter hin- zugetretcn wäre und den Hut lüftend gesprochen hätte:„Ich habe keine Zeit für ihren Streit. Ich schleiche seit drei Tagen schon hinter dem Wolf her, mein Bericht„Kind von Wolf zerrissen" ist fertig, da konnnen sic daher und bringen mich mit ihrer Retterei um die schöne Sensation. Dann begnügen sie sich mit alltäglichen Ehreubeleidi- gungen. statt einander berichtenswert in die Haare zu fahren. Ich kann nicht länger warten. Ich muß die Sache selbst deichseln. Sprach's, nahm das gerettete Kind an der Hand und ging auf das nächste Tclegraphenamt. Hier drahtete er an eine Korrespondenz:„Für- sterstochter rettet Kind vor Gesreffenwerden durch Wolf" und an die andere Korrespondenz:„Dirne rettet Kind vor Gefressenwerden durch Wolf", eilte auf die Bahn und fuhr mit dem Kinde in die Stadt. Hier hatten mittlerweile die einen Blätter nebst dem Drahtbericht lange Artikel gebracht über die immer wieder sich bestätigende Herzenö- güte der Försterstöchter, die anderen Blätter solche über die aufs neue bestätigte menschliche Güte der Dirnen. Zlvei Wellen der Rührung schlugen von beiden Seiten über der Stadt zusammen. Dm:n versteckte der Reporter das gerettete Kind, das auf der ersten Seite des Blattes im Bilde zu sehen tvar und zur Belohnung eine Tafel Schokolade nebst einem Paar gestrickter Fäustlinge erhielt, über Auftrag einer Zeitung des goldenen Mittelweges im Beserlpark. Wer es fand und den Abonncmcntschein für einen Monat vor» tveisen konnte, erhielt fünfzig Schilling und dar Ganze wurde ein großes Geschäft. Richard Rax. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung ins Haus oder bet Bezug durch die Post monatlich liü IS.—. vterieljährrg K£ 48.—. halbjährig M 98.—, ganzjährig KC 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bei Einsendung der Rewurmarkew— Die Zettungssrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit krlaß Nr. 18.800/VH/1980 bewilligt.— Druckerei: jDcbii". Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-B., Prag