14. 3«hrga«g Freitag, 27. Juli 1234 Nr. 173 IE NTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERfARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK HtSCHMNT MIT AIMNABM MB MONTAG TMUCH PMM. KDAKHOR uno verwaituhg rnrt.-rciioir r. TBiroin tt.—iihiitmiiiuii nun i—. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WttHELM NIESSNER. WWAN1WOR1EKHER REDAKTEURI DR. EMIL STRAUSS, RAS P r*> a Hydern3Xa ul. Kämpfe in Steiermark Italienisch« Truppen einmarschbereit Massenverhaftungen von Sozialdemokraten—Mussolini droht Deutschland Wie«, 26. Juli. Die Amtliche Rachrichteustelle versucht den Eindruck zu erwecken, daß in Oesterreich Ruhe herrscht. Ju Steiermark wird jedoch erbittert gekämpft und es ist unklar, ob dort uur Nationalsozialisten an dem Aufstand beteiligt sind. Die Kämpfe in der Steiermark haben anscheinend sogar größeren Umfang al» im Feber.— E» ist unwahrscheinlich, daß die Massnahmen gegen die Rationalsozialiste« da» Land befriede» werden. Zwar werde» Mafsenverhaftnngen vorgenommen, doch kroch«» in den verschiedenste« österreichischen Orten noch immer Böller und Bombe».— Bor allem ober ist nicht abznsehen, welche Folge» die neuerliche« brutale» Unterdrncknug-mahnahmen gegen die sozialistische Arbeiterschaft haben werde». Im ganzen Lande werde» die Arbeiter nnd ihre früheren Ber- trauenSmänner verhaftet. So hat«an auch de« früheren Bundeskanzler Dr. Renner, der an» der Haft entlasse« worden war, wieder in de» Kerker geworfen. Die Ruhr der Arbeiterschaft kann nicht al» ei« Zeichen ihrer Schwäche gewertet werde«. E» ist eher die Ruhe vor einem neuen Sturm. Die Regierung will da» System Dollfuß fortsehen. Da» bedeutet, daß e» in Oesterreich keine Ruhe geben wird und daß die Ereignisse der letzte« Stunde« nur der Anstatt zu nenn» Erschüttcrnngen sei» werde«. Sie könne« für ganz Europa von««absehbare» Folgen sein. Nur Waffenstillstand in Steiermark! Zahlreiche Brücken gesprengt— Bin Kriegsbericht der Helmwehr Reuter meldet, daß nach den letzten Berichten au» Wien in'-Steiermark noch keineSwr»» Ruhe herrscht, doch sei zwischen den RezirrungStruppen und den Aufständischen bi» morgen . vormittag» rin Waffenstillstand unter der Bedingung abgeschlossen worden, das? die Aufständischen ihre Wassen hrrauSgeben.(!) I» Steiermark find im ganzen 38 Mitglieder de» Heimatschutze» gefallen. Bi»hrr noch nicht bestätigte Meldungen an» Wien besagen, daß in Steiermark zahlreiche Brücke» in die Lust gesprengt wurden. Die Pressestelle de» Bundesführers der öster- .rcichischen Heimwehr meldet in den Abendstunden: Die Säuberungsaktion in Steiermark hat heute große Fortschritte gemacht. Der Pyhrnpaß mußte von den Nationalsozialisten geräumt werden. Starke Heimatschuhgruppe» haben die Strecke Aussee—Jrdning gesäubert. Die natio- mtlsozialistische Position im Selztal ist im Abbröckeln begriffen. In Judenburg wurden mehrere hundert Gewehre erbeutet. Der Grenzschutz machte hier zahlreiche Gefangene. In Untersteier herrscht nur noch in Halbenrain Gefechtstätigkeit. Die Weststeiermark ist frei. Eine Störung im Eisenbahnverkehr in. Obersteier wurde bereits behoben. Rintelen lebt! Heute fand im Bundeskanzleramt« eine Pressekonferenz statt, in der der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister Ludwig u. a. erklärte, daß di« Nachricht von dem Tode Rintelen» auf einem Irrtum beruhe. Rintele« befindet sich, obwohl sein Zustand ernst ist, noch am Leben. Der Minister besprach dann eingehend die Aktiv» der Exekutive in Steiermark und erklärte, daß diese Aktion»wische« Donawitz nnd Aubser stoch andauere. Die Stadt Litzen wurde besetzt, ebenso die Selztalstrecke. All« Gendarmerieftatio- aeu, di« von den Aufständisch«« gestern besetzt wurdrn, find bereit», befreit. Di« Exekutive zählt tibher 18 Tote. Der Minister«ahm sodann de scharfer Weise gegen di« Berichterstattung der nichödeutschen Blätter, besonder» der„BSrseuzei- tnng" Stellung. Gesandter Dr.. Rintelen, der frühere Lan- .derhauptmann. von Steiermark, der von den Putschisten im Rundfunk al» der künftige Bundeskanzler angekündigt worden war und dessen Verhaftung wir bereits gestern kurz gemeldet haben, hat im Laufe der Nacht im Landesverteidigung»-' Ministerium, wo er interniert war. Selbstmord versucht. Er schoß sich mit einem Revolver, dessen Herkunft rätselhaft bleibt, in die Herzgegend und brachte sich eine lebensgefährliche Per- wuudung bei. Er wurde in bewusstlosem Zustande sofort auf die Klinik des Professors Nancy gebracht. Heute vormittags wurde an ihn? eine Bluttransfusion vorgenommen. Er erwachte eine Zeitlang aus seiner Bewußtlosigkeit und die Aerzte hegten doch die Hoffnung, ihn am Leben erhalte» zu können. In dem Rauni, in dem Rintelen den Selbstmord begangen hatte, fand man einen Zettel, auf dem in kaum leserlicher Schrift die Worte standen:.»Ich bin u n sch u ld i gl" Kein freies fvefeit! Dir Nacht ist in Wien ruhig verlaufe:». Die äffentltchei» Gebäude werden streng bewacht, Polizei mit aufgepflanztrm Bajonett, Heimwchren und Sturmscharen ziehen in starken Patrouillen durch dir Stadt. Da» Telephon ist wieder frrige- gebcn. An den Straßenecken wurde die Kund- machung über die Verhängung de» Standrechtes angeschlagen. Die Putschisten, die da» Bundeskanzleramt beseht hatten und denen man zur Rettung drS teueren Leben» de» Herrn Fey freien Abzug nach Deutschland zugefichert hatte, befinden sich in der Gesamtzahl von 144 noch unter strenger Bewachung in einer Polizeikaserne. Die Regierung hat sich in einer Rachtfitzung nämlich nachträglich auf de« Standpunkt gestellt, daß durch dir Ermordung Dr. Dollfuß eine neue Situation rntstmiden sei und daß dir Aufrührer der standeSgrrichtlichr» Bestrafung zuzuführe» seien und den freie?» Abzug nicht erhalte« dürfe»». Di« Regierung hatte zwar ursprünglich durch den Minister Nrustädter-Stürurer den freien Abzug der Aufrührer und ihre Neverstelümg an die Grenze versprach«??, aber in der Annahme, das? lei??rr der gefangengehaltenen Minister getötet wurde. Erst später(?) habe man in Erfahrung gebracht, daß Dr. Dollfuß nicht nur verwundet sonder?? n?euchling» ermordet worden sei. Au» diesem Grunde würde?? dir Aufrührer in»grsa?nt verhaftet. Dir am Morde des Bundeskanzlers Beteiligte?? werden avgenrtrilt werden. Eine E??tfcheidung der!)lcgicrnng» wen?? da» Lee» vor. Man erwartet, das? die Regierung eine einfahren gegen sie beginne?? soll, liegt noch nicht gehende Untersuchung der Ursache?? und Beweggründe dr» Ausstandes rinleitr?? wird. Bei de?? Verhafteten ha??delt es sich um 141 schwerbewaffnete Mä????cr. Ihr Führer trat in der Uniform eines Majors auf, obwohl er nur ei?? ehemaliger Gefreiter ist; der zweite Sprecher de? Meuterer war ei?? ehc?naliger Zugssührer, trug aber die Uniform eines H a u p t?n a n n e s. Nazlflüchtllnse In Jugoslawien Belgrad, 26. Juli.(Avala.)• Heute etwa gegen die Mittagsstunde überschritte?? zirka hu??dert Mann, die a??S RadkerSburg ii? Oesterreich kamen, de?? Murfl??ß, der die Grenze gegen Jugoslawien bildet. Alle ivurden in der Gemeinde Gornija Rad- gona konsiniert. Nach dem Putsch Die FUhrer Nach Dollfuß— Rintelen! Er ist nicht wie dieser von der Kugel eines der nationalsozialistischen Meuterer nicdergcstrcckt worden, er hat elbst seinem Lebe?? ei?? Ende geinacht und dies m Gefängnis. Warum seine Verhaftung er- iolgte, darüber ist offiziell noch nichts verlalit- bart worden. Daß die Nazis bei der Besetzung des Gebäudes der Ravag den Radioansager z?i verkünde?? gcz>vl?ngen haben, Dollfllß habe dem- missioniert und Rintelen habe die Regieru??gS- gcschäftc iibernoinn?en, kann u??nlöglich die Nr. fache gewesen sein. Ma?? verhaftet doch??ick?r eine?? Gesandten des eigenen Staates bloß des- halb, weil sei?? Name nrißbraucht wurde und cs niiissei? schon schwerwiegendere Gründe gcivese?? Italienische Truppen am Brenner Paris, 2(i. Juli. Wie au» Rom berichtet wird, wurde« zweck» Verstärkung der italienische« Militärgarnisoye» nn der Brenner» und an der Kärknerische« Grenze vier Divisionen bestimmt, da» sind mindestens 33.000 Mann; ihre Reserve» dürsten jedoch viel größer sein. Dir Zahl der Flugzeuge ist bisher noch nicht bekannt. Diesl^Belvegung der stalienische» Armer wird damit erklärt, daß Italien auf alle Eventualitäten vorbereitet sein wolle, denn es wolle eine fremde Einmischung in die inneren Angrlegrn- hritr» Oesterreichs nicht dulde«. sein, die zu dieser lingeivöhnlichcu Maßnahme einen? hohe?? Staatsfunktionär gegenüber sühr ten, wofür auch der Umstand spricht, das; ihm offenbar der Revolver, de>? er gegei? sich richtete, foz?lsagci? von Amts wegen zugcsicckt wurde. Logisch weiter gedacht folgt daraus, das; Rin- tclen etwas zur Last gelegt wurde, was?i?ir der Tod zu sühne?? iinstande ist und mai? hat ihm wohl eine Art Gnade widerfahre?? lasse?? wollen, indem mai? ihn den„Soldatentod" sterbe?? ließ. Ei?? anderer Schluß ist schwer vorstellbar als der, daß wichtige Beweise dafür vorlicgcn, Riiitclei? habe bei den? Wiener Nazip??tsch seine Hand im Spiele gehabt. Wei??? n?u? aber Rintelen hinter dein Nazip??tsch gestände?? ist, wie könnt? ihn? Dollfuß eine?? der»vichtigstcn Gesandtenpostcn, in R o m, von wo der österreichische Fasc'Smns sowohl Weisheit wie Waffen zur Beseitigung der Demokratie bezogen hat, übertragen? Wo bleibt da das P r i n z i p d c r F ü h r e? a u s- lesc, van dem man hört, daß cs allein tmler einer autoritären Staatsstihrung gedeihe? Der fascistischcn Ideologie zufolge kann die Demo- kratie, die liontrollc der Staatssührung durch das Volk nur hemmend auf die Weisheit und Weitsicht des„Führers" wirken, der für alle denkt und unfehlbare Entschlüsse faßt! Hat schon durch die erwiesene Kurzsichtigkeit, mit der der autoritäre Staatslcnker bei der Besetzung eines der wichtigsten Staatsämter vorgcgangcn ist,. daö fascistische Jührerdogma einen schworen Schlag erlitten, so hat der Putsch- tag noch an einem- andern Beispiel die Hohlheit und Verlogenheit des sascistifchen Prinzips der Führcrauswahl in der krassesten Weise enthüllt. Wer in den blutigen Fcbcrtagen den Major Fey, Maria-Thcresicn-Ritter und zur Zeit noch immer Sichcrhcitsminister von Oesterreich im Radio sprechen gehört hat, der mutzte den Eindruck empfangen, hier rede ein Mann, der jede» Gebaute ecs Bundeskanzleramtes aui dein Baimauspiatz in Wien wahrend der Belagerung «Ute 2 Freitag, 27. Juli 1934 M. 123■, Augenblick bereit ist, Leib und Leben für das, was der christliche FascismuS»vaterländischer Gedanke" nennt, ohne mit einer Miene zu zucken hinzugeben. Keine Gelegenheit läßt er vorübergehen, durch den bestellten Photographen der Welt in allen illustrierten Zeitungen seine Mut und Entschlossenheit markierenden Gesibtszüge vor Augen zu führen. In den Febertagen hat auch er»keine Milde" gekannt und er war es, der die Geschütze der Exekutive in lebendige Menschenleiber und in die Heimstätten der Wiener Arbeiter erbarmungslos hincinfencrii ließ. An, Mittwoch nun hatte er selber Gelegenheit, Mut und menschliche Grobe, Heldentum und Hingebung zu beweisen. Doch wie benahm sich der Herr Maria-Theresien-Ritter? In die Gefangenschaft der Nazi-Putschisten geraten, unternahm er nicht den leisesten Versuch, sich mannhaft zur Wehr zu setzen und seine Heldenbrust den ihn bedrohenden Revolvern darzubie- tcn, nein, viel wichtiger als der Einsatz seines Lebens für den christlichen, vaterländischer Staat erschien ihm die Vorsicht und daS Streben, sein nur ihn: teueres Leben zu retten. TagS vorher hatte die Regierung, der dieser Fey angehört, einen Jüngling an den Galgen hängen lassen, der kein Ritter des Maria-Theresien-Ordens, solidem nur ein simpler Arbeiter war, der ober dennoch wahre Heldengröße bewies, indem er im Angesicht des sicheren Todes stolz bekannte: „Meine Idee stand mir höher als mein Leben!" Wie armselig und erbärmlich nimmt sich neben diesem sozialistischen Heldentum der blasse, zitternde Mann auS, der sich zum Parlamentär der Putschisten macht, mit ihnen um seine Befreiung feilscht, auf den Balkon des Kanzlergebäudes tritt und die Kommandaiiten der vor dem Gebäude zum Angriff bcreitstehenden Truppen flehentlich beschwört, um Himmels willen nicht schießen zu lassen, da sonst Men- schenleben, das ist vor allem sein eigenes, in Gefahr gebracht werden würden. Um sich zu ret- ten, bricht er, der stramine MilitärSmann, sogar das Gebot deS Gehorsams. Bundespräsident Miklas gebietet: keinerlei Verhandluilg mit den Meuterern, aber Fey, kläglich bangend vor den gezückten Revolvern, tritt neuerlich auf den Bal- kon und auf seine Allfforderung begeben sich drei der Komniandanten der Exekutive ins Gebäude, um die Verhandlungen mit den Rebellen zu einem für Fey glücklichen Ende zu führen. Auch das ist einer der Männer der„auto- ritären" Regierung! In seiner ichlottcrnden Ängst verschweigt er bewußt den Tod des Kanz- lerS oder doch wenigstens dessen hoffnungslosen Zustand, um die Truppenführer in dem Glau- ben zu lassen, es stehe nicht nur deS FeH sondern auch deS Dollfuß Leben auf dem Spiele und auf Treu und Glauben wird den Putschisten straffreier Abzug und Ausreise nach Deutschland zugesichert. CS bedeutet wenig, daß die Regie- rung nachher Treubruch beging und die nteu- ternden Nazis bis zur Klärung darüber, wer Dollsuß angeschossen hat, hinter Schloß und Riegel setzte. Die Tatsache bleibt, daß Fey als eines der einflußreichsten Mitglieder der Regierung die Vereinbarung, welche die Erschießung des Bundeskanzlers ungesühnt- lassen wollte, abgeschlossen hat und daß dazu kein anderer Grund vorlag, als sein bedrohtes Heldendasein in Sicherheit zu bringen. Dieselbe Regierung hat am Tage vorher ein junges Menschenleben wegen eines Sprengstoffanschlages und Ver- wundung eines Sicherheitsorganes vernichtet! So sieht im grellen Rainpenlichte der Tatsachen das Ergebnis der Auslese der Bestell und Edelsten durch den FaseiSmuS auS! ES ist anderswo nicht besser. Hat nicht vor kurzem ein anderer„Autoritärer", Adolf Hitler in höchst eigener Person, zur Rechtfertigung der von ihm angeordneten Hinschlachtung einiger Dutzend seiner intimsten Freunde versichert, daß cs nicht anders ging, weil erwiese» wurde, daß diese von ihin AuSerwählten Kreaturen der schlimmsten Art gewesen sind, die sich Lustknaben hielten, die Beiträge der ärmsten Parteimitglieder fiir Gelage, Schlemmereien und zu ihrer Person- lichen Bereicherung verwendeten. Moralisch ver- Berlin, 26. Juli. Amtlich wird mitge- teilt: Der deutsche Gesandte in Wien R i e t h hat auf Aufforderung der österreichischen Regierungsstellen, beziehungsweise der österreichische« Aufständischen sich bereit finden lasten, einer zwischen diesen beiden getroffenen Abmachung bezüglich freien Geleites und Abzuges der Aufständischen nach Deutschland ohneRückfrage beider dentschenReichSregierxng feine Zustimmung zu gebe«. Er wurde daraufhin sofort um» seine« Posten abbernfen. Die zwischen den österreichische« Ausständischen und österreichischen Regierungsstellen getroffenen Abmachungen über einen freien Abzug der Aufständischen nach Deutschland stnd für da» Deutsch« bleich belanglos und beinhalten für die deutsche ReichSregirrung keinerlei rechtliche Verbindlichkeit. Die deutsche ReichSregirrung hat daher den Befehl gegeben, die Aufständischen im Falle einer Ueberschreitung der deutschen Grenze sofortz« verhaften. Wien, 28. Juli. Der deutsch« GesändteDi. Rieth hat sich heute früh mittels Flugzeuges nach Berlin begeben, Berlin, 26. Juli.(DRB.) Amtlich wird mitgeteilt: Roch in der gestrigen Nacht wurden von der Reichsregierung Untersuchungen angestellt, ob sich irgendeine deutsche Stelle in Zusammenhang mit den österreichischen Vorgängen eine direkte oder indirekte Beteiligung hat zuschulden kommen lasten. Die im Laufe deS heutigen Tages abgeschlossene eingehende Prüfung und Vernehmung ergab, daß keine deutsche Stelle in irgendeinem Zusammenhang mit den Ereignissen steht, sowie daß alle nach Bekanntwerden der Vorgänge erlassenen Anweisungen sofort und rest- kommene Subjekte, die vor keinen: Verbrechen, nicht einmal vor der Absicht seiner Ermordung zurückscheuten. Unsere kranke, von Fieberschauern geschüt- teste Zeit ermöglicht es raffinierten Heuchlern und Charlätanen in die Höhe zu kommen und unter Entfaltung aller Mittel gerissenster Re- -klame die alles wissenden» alles verstehenden, alles weise lenkenden Nebermcnschen zu mimen. Schule, Presse, Rundfunk pressen sie in ihren Dienst der Vernebelung der Gehirne und in den kriecherischesten Kultus ihrer Person. Als Hel- den, Säkularmenfchen, Cäsaren sollen sie der unten wimmelnden Menge erscheinen. Reißt ihnen die vorgehaltene Maske herunter und seht was sich darunter verbirgt: KarnevalS-Cösaren, Erbärmlinge, lügenhafte Komödianten, Narren und Strcberlinge. Groß ist die Blindheit der Menschen, aber schneller als man jemals zu hoffen gewagt, zer- stiebt die Glorie, zerflattert das sascistische Führerdogma. Auch die Wiener Ereignisse haben dazu beigetragen. los durchgeführt wurden. Insbesondere erfolgte, um jedes unerwünschte Ucbcrschreiten der Grenze zu verhindern, eine durchgehende Absperrung sämtlicher Straßen nach Oesterreich,. während andererseits den Insassen der Anhaltelager der österreichischen Flüchtlinge und Emigranten jedes Verlassen der Unterkünfte untersagt wurde. Es ist daher weder vor« noch nachher eine Grenzüberschreitung von auch nur einer Person vorgekommen, die in Verbindung mit diesen Ereignissen gebracht werden könnte. Bei schärfster Ueberprüfung gelang es» Nur einen einzigen Fall festzustellen, bei dem durch eine nicht gründlich genug erscheinende Kontrolle von Meldungen, die auS Oesterreich kamen und weiter verbreitet wurden, ein vielleicht gegenteiliger Eindruck hätte erweckt werden können. Der für die über den Münchner Sender gegangenen Meldungen verantwortliche Landesinspekteur.Habicht wurde daraufhin heute vormittag 10 Uhr seines Postens als LandeSinspckteur enthoben und zur Disposition gestellt. StaMraNatt Aufruhr Iflr Wien and Steiermark Gegen Mitternacht auf Donnerstag wurde die Kundgebung über die Verhängung deS Standrechtes wegen Verbrechens deS Aufruhr- nach Paragraph 73 und 74 deS Strafgesetze- für da» Gebiet der bundeSnnmittelbaren Stadt Wien sowie für da- Land Steiermark publiziert. Von Freitag an sind die Haustore aller Gebäude im Wiener Polizeirayon sowie in Steiermark»m 20 Uhr abend» zu sperren. Die öffentlichen Gast- und Schankbetriebe müssen um 20 Uhr ab von den Gäste« geräumt und gesperrt sein. Ansammlungen und Gruppenbildungen auf der Straß« find verboten. Wir sto&en vor!*\ Abg. Jaksch spricht in Reu-Bistritz. g’• ■- Tausend Flugblätter mit der Wahrheit Über die grauenvollen Vorgänge in Deutschland ävaren auf-allen Dörfern im Neu-Bistritzer-Gcvict verteilt worden, überall waren Plakate' angebracht worden, auf denen die Bevölkerung eingeladen wurde zu einer großen Versammlung, in der Genosse Jaks ch über die Vorgänge in Deutschland sprechen sollte. Gute Werbearbeit für unsere Partei: geleistet von unseren Jugendgenossen, die in Alben ihr„Kolöman-Wallisch-Lager" errichtet haben und die stolz-sind: für die Partei wirten und arbeiten zu können. Ileberall tvurden die Propagaudatrupps freudig begrüßt, und überall löste die Nachricht, daß der Genosse Jaksch kommen werde, große Begeisterung aus. Die kleinen Bauern, die Landarbeiter, die ganze arbeitende und notleidende Bevölkerung dieses Gebietes betrachtet ihn als ihren Mann und ist stolz auf ihn. Die Versammlung am Morgen de« 22. Juli war deshalb auch sehr gut besucht. Die Jugendgenoffen hatten noch zum guten Besuch beigetragen, indem sie in ihrer blaue» Tracht und ihren rote« Fahnen vorher durch Alben und Neu-Bistritz marschierten und indem sie durch ihre Kampflieder und durch Spiele auf dem Marttplatz die Aufmerksamkeit der Bevölkerung wachriefen. Als dann Genoffe Jaksch den Saal betrat, schallte ihm begeistertes»Freiheit" entgegen. Zum Beginn sangen die Jugendlichen einige ihrer roten Lieder, in denen unsere Not und Unterdrückung, aber auch unser Glaube an den Sieg lebt, und sprachen einen ausrüttelnden Ehor. Und dann s v r a ch der Genosse Jaksch! Er schilderte die grauenhaften Zustände in Deutschland, die furchtbaren Morde und Bluttaten und die Beweggründe, die dazu führten: Die rücksichtslose Unterdrückung jeder Opposition, das unbedingte Ausführen der Befehle des Großkapitals, die brutalste Zertrampelung aller Rechte, die sich die Arbeiterschaft zur Zeit der.Republik erkämpfte, Dann erzählte er von den Leiden und heldenhaften Kämpfen unserer Genossen und gar mancher Arbeiterfrau wurden die Augen naß bei der Schilderung der Aufopferung, mit der sich unsere Genossen in Oesterreich der Arbeit für ihre Partei und damit für die Revolution hingeben. Aber in uns allen tvuchs auch das Gefühl des Stolzes aus solche Frauen und solche Männer, auf eine solche Bewegung. Jetzt müssen sie mit verdoppelter Energie an die Arbeit gehen, aufklären, propagieren. Denn das wissen wir: Auf die Dauer wird sich weder in Deutschland noch in Oesterreich das Regime halten. Wir glauben daran^daß unseres Genossen ihre Kräfte, sammeln werden, und daß sie'ben Kampf aufnehmen werden gegen die, die sie jetzt furchtbar unterdrücken. Und wir müssen hier kämpfen. Arbeiten für die Festigung der Demokratie und die Stärkung des Einflusses der Arbeiter und kleinen Bauern. Begeisterter Beifall dankte dem Genossen Jaksch und übertrug sich auf die Jugendgenossen aus dem Koloman-Wallisch-Lagcr, denen cs zu danken ist, daß der Referent in diese Gegend gekommen ist, und die mit ihrer unermüdlichen Werbearbeit diese Versammlung zu einem solchen Erfolg gemacht haben. In den nächsten Wochen wollen sie diesen Erfolg noch ausnützen und vorstoßen fiir die Partei und den Jugendverband. Hitler rückt von den Putschisten ab Disziplinierung des Wiener Gesandten— Kein Asyl für Aufständische 1 9 Ar■ FRITZ ROSENFELD: if:«4(bcfutta BIN BOMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAQ „Darüber haben ich und die andren sich schon lange vergebens die Köpfe zerbrochen. Wir wissen nur, daß wir einst anderswo lebten, fast haben wir es schon vergessen. Man vergißt auch das Fragen bald." „Ich wurde gestern durch ein Tor geführt" sagte Pal. „Groß und golden, wie Feuer leuchtete es", sagte Schagin. »Ich ging, und sah Häuser und Bäume und «ine Straße". »Durch dieses Tor kamen wir ave". »Wem gehört diese Stadt? Wer ist ihr Herr?"' »Wenn du drei Tage hier bist, wirft du das Fragen verlernen. In den Häusern und unter den Bäumen, im Arm der Mädchen. Wenn die Brunnen rauschen. Wenn der Gong sHveigt. Wenn die Flöten singen. Wen» die Mitten niedertropfen. Man vergißt die Fragen, Pal". Pal schwieg. Auch Schagin schwieg. Nebeneinander gingen sie, fast Hand in Hand. Dann sagte Schagin, beinahe al» schämte er sich, ganz i«ise: »Ich bin noch niemals so glücklich gewesen wie in diesen Tagen." Pal sah ihn an. Die Narbe brannte. Die Augen, die sonst wild leuchteten, hatten ietzt«inen ruhigen, satten Glanz. Er mußte kein friedlicher Hirte gewesen sein, wie PalS Vater. Ein Schwert »st reicher Verzierung, mtt goldgetriebenem Griff, hing an seiner Seite. „Ich hübe schon als.Kind«in Schwert gehvagen", sagte Schagin. ,Hch habe schon als Kind mit dem Vater auf Beute lauem müssen, und habe schon als Kind geMet. Erst Tiere, die sich nicht wehrten, dann Tiere, die Lanzen und Pfeile hatten. Pal. Ich hwbe manche Nacht geheult wie ein geprügelter Hund, daß das Dorf zusammenlief. Ich weigerte mich, das Schwert zu nehmen, aber mein Vater peitschte mich» bis ich vor ihm in die Knie sank und bat, das Schwert tragen zu dürfen. Hier erhebt niemand das Schwert, es ist nur ein Schmuck. Hier gibt es keine Peitsche, keine Strafe. Ich bin in dem Land, von dem die alten Männer uns Kindem erzählten, wenn wir fleißig waren. Im Kreise saßen wir um sie, an einem offenen Feuer. Lange BÄte hatten sie. Tränende Augen. Aber ihr Mund wußte viel, und ihre Hände waren sanft. Ich bin glücklich. Pal." Das Land» von dem die alt« Märchenerzähler sprachen» an stillen Abenden, an einem offenen Feuer. Glücklich. Ein Mensch, der aw Kind getötet hatte, war hier glücklich. Schagin» Worte wirbelten durch Pal- Kopf. Er begriff nicht, was sich hier alles zu« sammendrängte, zwsschen den beiden Toren, zwischen den Bäum«, den Bergen und dem Himmel. Ein Tor,«in« Straße, eine Stadt, und ein Mensch, der glücklich Ist.— ,£S ist nicht mehr West," sägte Schagin. „Dann sehen wir die tscherkessischen Tänzerinnen. Such' dir eine au». Pal, di« Schönste, die dir gefällt. Jede ist dein, die du willst". Pal sah auf den Weg. Weiß leuchtet« er im Grün der Wiesen, zwsschen den Schatten der Bäume. Mit kleinen weißen Steinen war«S besät, wie ein Band auS heller Seide schimmerte er in der Sonn«. Der weiße Weg zu den Tänzerinnen, die er nehmen konnte, wenn sie ihm gefielen. Er griff an die Stirn. Schwantte seine Bahre noch über den Waldpfad? Kochte es noch in seinen Wunden? Hatte er zuviel au- dem großen Holzbecher der Männer im Wald getrunken, dunklen, giftigen Trank?— Schagin ging neben ihm, der Kaukasier, der schon als Kind geMet hatte, und nun glücklich war. Ein zwetter Weg, ein drstter lief in das weiße seidene Band zu seinen Füßen. Die Bäume wichen zurück, ein Platz öffnet« sich, den ein Kreis hoher grüner Sträucher umgab. Ein großes Oval steinerner Stufen, die blaßrot waren und hellblau, umschloß ein« weite, mit braunem Stein belegte Fläche, in deren Mitte ein schmaler.Springbrunnen von ungeahnter Schönheit auffchoß. Sein Strahl ging höher als die höchsten Bäume waren, und um diesen glitzernden, silbernen Streifen wnzten im Kreise kleine, farbige Strahlen. Die Stufen, die zu der braunen Fläche hinunterleiteten, waren wie Bänke, und viele Männer saßen auf ihnen. Nur Männer, sah Pal. Selssame Männer. Mtt zerkratzten, zerhackten Gesichtem, mtt den Zeichen von Schwertern und Dolchen im Antlitz, auf der Brust, auf den Armen. Sie hatten fast keine Kleider. Ein bunter Schurz, eine Mütze aus grellem Stoff, ein schymleS Tuch, Über die Schulter geworfen, das war alles. Auf dm Bildern, die Poll gesehen, gingen die Seeräuber so gekleidet, die Sstaven« hälter au» dm Städten an der Wüste. Ihre Haare warm wirr, struppig, verfilzt. Ihre Gesichter gebräunt, ihr« Hände derb und groß. Die einen trugen hölzern« Sandalm, die anderen kostbare Panwffel wie ein Sultan oder ein Wesir. Viele hatten Ringe in den Ohren, Ringe um die Hand. Der ein« tmg um die Knöchel seines linken Fuße» sechs silbern« Ressen. Sie Mrrten, wenn er den Fuß bewegte, und er bewegte ihn ost, damit sie Mrrten. Einige hatten schmale Gesichter, mit dunklen Augen und dunstem Haar. Die anderen ein« groß« Hakennase, tiefliegende grüngelbe Augen, einen Stoppelbart, brmingeMiche» Haar. Sie schrien laut durcheinander, in vielen Sprachen. Die einen würfelten mit Knochen in der Sonne um einen Dolch, einen Ring, eine Spange. Die anderen hielten große Becher in den Händen, Becher aus Silber und Gold, in denen Milch weiß schimmerte. Straff spannten sich ihre Hände um die Becher, gierig tranken sie, daß die Milch ihnen über den Bauch lief. Jetzt sah Pal, daß in einem Winkel der Hecke ein Brunnen war, aus dem Milch floß. In einem dicken, weißen Strahl. Dort füllten sie ihre Krüge. Sie standen um den Bmnnen, drängten sich. Aber es reichte für alle; d.ie weiße Quelle war unerschöpflich. Schagin kannte einige der Männer; sie grüßten ihn, hoben die Hand, riefen ein Scherz« wort, fragten nach dem Mädchen von gestern. Schagin winkte ab, wischte mit einer jähen Bewegung den Namen aus der Lust;' brüllendes Gelächter antwortete. Ein Enttäuschung? Konnnt vor, Schagin, kommt vor, auch in diesem Garten! Schagin lachte: Vergessen, Kameraden, vergessen, heute ist eine andere an der Reihe. Die Tage kommen, die Tage gehen, die Mädchen kommen, die Mädchen gehen, ich bin glücklich, bin glücklich, Pal. Die Männer sahen Pal. Ein Neuer, ein Unerfahrener, einer der sich noch wundert, einer, der noch fragt. „Man lebt sich schnell ein, Freund" rief ein Mann mit zerdroschenem Gesicht, den Becher in der Hand,„Glücklich sein lernt man bald. Leichter und schnell« al» den Koran..." Sie lachten. Glücklich sejn lernt man bald... Pal riß die Augen auf, spannte die Ohren. Glücklich sein. Frei und froh und glücklich sein. Diese Worte hatte einst der Vater gesprochen; aber er wagte sie nur auszusprechen, wenn er mit Pal allein im Zelt und' die Soldaten de» Kalifen nicht in der Nähe waren. Hier sprach man sie offen, unter der Sonne, am hellen Tag. Frei und stich und glücklich sein...' (Fortsetzung folgt.) Mte«. 2V. teil 1034 S Mussolini fälscht Geschichte Mn MrloMMr Appell an dl« Walt Ritti-nr, SS. Juli.(Stefani.) Dpr Thef der italienischen Regierung, Mussolini, richtete an den österreichischen Vizekanzler folgendes Telegramm: Da« tragische Ende de« Kanzler« Dollfuss bereitet mir tiefen Schmerz. Mich verbanden mit ihm die Band« persönlicher Freundschaft and gemeinsamer politischer Anschauungen. Stet« be- nwuderte ich seiue staatsmännische» Fähigkeiten, sei« Ehrlichkeit, seine Einfachheit und seine» großen Mut. Die Unabhängigkeit Oesterreich«, fiir die er gefalle» ist, ist ei» Pri»zip, da« von Ztalie» verteidigt wurde und mit noch größerer Energie verteidigt werden wird. Kanzler Doll- suss hat in außerordentlich schwierige« Zeiten de« Kolk, au« dem er hervorgegauge» ist, absolut uneigennützig und ohne Rücksicht auf die Erfahr gedient. Gei« Andenken wird nicht nur in Oesterreich, sondera überall in der ganzea zivilisierten Welt geehrt werden, welche diejenigen, welche direkt oder indirekt für seine« Tod verantwortlich find, bereit« moralisch verurteilt hat. Rehme« Sie de» A««druck meine« -eileid« entgegen, der da« einmütige Gefühl de« Abscheu« und der Trauer de« italienische« Bolle« verdolmetscht. G Dieses Telegramm Mussolinis wird von der bürgerlichen Presse aller Länder in grösster Aufmachung wiedergegeben— zum Zeichen dafür, dass der Thef der italienischen Regierung nicht nur die sittliche Entrüstung der Welt teile, sondern die .Unabhängigkeit" Oesterreichs zu schützen bereit sei. Die Freundschaft, die Dollfuss zu Mussolini hegte, war nicht nur Ausdruck der Sympathie, die Mörder grossen Stils getvöhnlich füreinander haben, sondern mehr noch eine Bestätigung der Tatsache, dass die Unabhängigleit Oesterreichs schon längst nicht mehr besteht: Dollfuss war mehr noch der Beauftragte denn der Freund Mussolinis. Auf Verlangen de« italienischen Regierungschefs hat Dollfuss die österreichische Arbeiterbewegung niedergeworfen. Mussolini hat der Heim- lvehr Waffen, Munition und Geld geliefert. Die österreichische Sozialdemokratie, die die wirkliche Unabhängigkeit des Landes wollte, war dem italienischen Diktator ein Hindernis-bei seinen Plänen mit Oesterreich: seit den Febertagen dieses Jahremuss man das Land als eine italienische Kolonie anschen, als eine Schachfigur de« italienischen Diktators. Mehrfach ist also die Schuld Mussolinis an den Zuständen in Oesterreich, die zur Ermordung de» Bundeskanzlers führten und durch sie noch lange nicht zum Bessern gewendet werden. Der italienische Regierungschef hat der -itlerdiktatur immer ein freundliches Gesicht gezeigt, hat sie ermutigt und unterstützt, sederzett bereit, sie sich zur Ausführung seiner europäischen Pläne gefügig zu erhalten. Goering, Goebbels und Hitler wahlfahrteten nacheinander ins gelobte Land des italienischen Fascismns und der Mann, der jetzt Moralspriichlein aufsagt und von der Entrüstung der zivilisierten Welt spricht, hat ihnen ohne Hemmungen und freundlich lächelnd die blutigen Hände gedrückt. Das Recht, von Zivilisation im jetzigen Augenblick zu reden, hätte sich Mussolini früher ertverben müssen. Aber er hat geduldet, dass ihn die deutschen Henker als Beispiel priesen und sich.bei ihrem blutigen Handwerk auf ihn beriefen. Er hat eS geduldet, weil er e» dulden musste. Tenn Mussolini ist der grosse Lehrmeister aller fascistischen Henker. DaS Blut edler Männer liebt an seinen Händen, das Blut eines Männebor allem, vor dessen sittlicher Größe sich die wirklichen Kulturmenschen in Ehrfurcht und Demut beugen: MatteottiS. Wir haben die Schreie der Geschlagenen und Ermordeten von Mailand. Florenz und Mollinella nicht vergessen, wir werden, auch wenn eS die ganze Welt übersieht, nicht übersehen, dass der jetzt moralisch entrüstete Mussolini die blutige Barbarei zum vornehmsten Werkzeug seiner Politik gemacht hat und dass da» Epigonentum der anderen Mörder in Amt und Würden sein bestialische- Beispiel nicht zu verdecken vermag. ■ Mussolini entrüstet sich. Man mutz Mördern, wenn sie moralisch tun, doppelt gut auf die Mn» gcr sehen.. Vie WeHmelnuns Die amtlichen und halbamtlichen Nachrichtenstellen der verschiedenen Länder und die bürgerliche Press« feiern den ermordeten Bundeskanzler als tatkräftigen Führer Oesterreichs und ereifern sich über die Banditen, die sein Leben beendeten. Dir Entrüstung über den Mord ist sehr wohl am Platze; aber sie wirkt heuchlerisch, wenn sie dem Opfer nur Gutes nachsagt. Dollfuss ist durch di« Gewalten gefallen, die er rief. Die natürlichen Bundesgenossen eines freien, selbständigen Oesterreich liess er im Feber niederkartätschen, die Nazihat er immer gestreichelt. Ueber Tote soll man nicht nur Gute» sagen, sondern die Wahrheit. Besonders dann, wenn sie an so hervorragendem Platze standen, wie der ermordete BundeAanzler. Es bleibt die Aufgabe der sozialistischen Presse in aller Welt, diese Wahrheit zu künden: Dollfuß hat seinen Mördern selbst den Loden bereitet und starb belastet mit der Blutschuld für da« Hinschlachten tapferer Männer, die für die Freiheit eine« demokratischen Oesterreich genau so ihr Leien eingesetzt hätten, wie für dir Freiheit ihrer Klasse. Wir können in die Klagerufe um da« edle Leben nicht einstimmen, da« im Bundeskanzleramt ausgelöscht wurde: die Toten des Feber find im Wege. Die Weltmeinung täte gut daran, sich der Feber-Opfer zu erinnern. Sie starben für das freie Oesterreich, das Dollfuss in einen Kerker verwandelt hat. Sein Tod, bewirkt durch die braunen Banditen, ist noch keine Sühne für den Massenmord vom Feber: diese Rechnung werden die Schuldigen noch begleichen müssen. Soldaten als Richter Da dir Standgerichte gegen Nazi« bekanntlich mit Glarö-Handschuhen vorgehen, hat man für„Umsturzversuche" nicht nur die ordentliche«, sondern auch die Standgerichte au-geschaUet und al« Au-nahmegoricht einen Militärgericht-Hos eingesetzt» dessen klaglose« Funktionieren durch Vie striktesten Vorschriften gesichert werden soll. Dieser Militärgericht-Hof erkennt in Senaten, die au« einem Richter al- Verhandlung-leiter und drei Offizieren des vundesheere« bestehen, von denen der rangälteste de» Vorsitz führt. Da« Verfahren vor emem Militärgericht-Hof spielt sich in ähnlich abgekürzter Form ab, wie da« standrechtliche Verfahren. Der MUitärgerichtShof ist nicht befugt, die Strafen unter da- gesetzliche Mindestmaß im Wege des außerordentlichen Milderungsrechte« herabzusetzen. Gegen seine Urteil« gibt e« kein Rechtsmittel. Die Strafe ist sofort zu vollziehen. Starhembers führt die Geschäfte In den frühen Vormittagsstunden sind alle Verantwortlichen Polititer in Wien cingetroffen. Bundeskanzler Millas traf um 5 Uhr früh im Sondcrzug aus Velden ein und begab sich sofort an die Bahre de- erschossenen Kanzler». Vizekanzler Starhembcrg kam am Vormittag mittel« Flugzeug aus Venedig an. Miklatz-Hatte noch am Bormittag längere Unterredungen- mit Schuschnigg und F e q, ferner mit dem Bun- deSkommissär für Heimatschuh Adam, mit dem Bürgermeister Schmitz und mit StarbeM- berg. Mittags trat der M i n i st e r r a t zusammen, der den ganzen Tag über in Permanenz bleiben soll.- Offenbar soll heute noch die neue Regierung gebildet werden. Im Ministerrat übergab Schuschnigg dem Vizekanzler Starhemberg offiziell die Führung der Geschäfte. Nach einer Trauerkundgebung für Dollfuss, in der Starhembcrg u. a. versicherte, die Regierung werde„nach wie vor in engster Kampfgemeinschaft und treuester Kameradschaft".das Erbe des ermordeten Staatsmannes durchführen, beschloss der Ministerrat ein als„Bunde-ver- faffungsgcsetz" kaschiertes Ausnahmegesetz gegen die Putschi st en. Drei Tote la Ser Davag Zum Ueberfall auf die Ravag wird weiter berichtet, dass der Polizerbezirksinspcktor Peter Fluch getötet wurde. Ausserdem sind zwei Mitglieder der Terrorbande, nämlich der Chauffeur C e r m a k und der Schauspieler Ferst, hiebei umS Leben gekommen. Vie Sterbestunde des Kanzlers Di« Polizeibeamten, die zur kritischen Zeit im Bundeskanzleramt Dienst versahen,.schildern die letzten Stunden des Bundeskanzlers Dr. Dollfuss in folgender Weise: Wir standen auf den Gängen des Bundeskanzleramtes und sahen un« plötzlich einer größeren Anzahl angeblicher Militaristen gegenüber, die unter Vorhaltung von Pistolen und Revol- Vern»Hände hoch!" schrien und un« entwaffneten. Gegen IS Nhr 45 Minute« wurde von einem Terroristen gefragt, ob jemand eine« Rotverband anlegen könne. Wir meldeten unS und wurden unter Bedeckung zu Dr. Dollfuß geführt» der in tiefster Bewußtlosigkeit am Bode» lag. Wir ersuchten de« angebliche« Major der Besatzungstruppen, sofort einen Arzt kommen zu lassen oder die RettnngSgesellschaft zu avisieren. Er entgegenete:»»Niemand darf au« dem HauS." Wir legte» sodann Dr. Dollfuß«inen Notverband an, betteten ihn auf«inen Diwan und labten ihn mit Umschlägen und Kölnischwasser, wodurch der Bundeskanzler da« Bewußtsein wiedererlangte. Er verlangte die Minister sprechen zu können. Aus unsere Intervention wurde Fey gerufen. Der Bundeskanzler ersuchte, man möge ihn inS Sanatorium bringen oder einen Arzt und Priester rufen lassen. Eine neuerlichr Intervention bei den Terroristen blieb erfolglos. Dollfuss bat Fey auch, jedes unnühe Blutvergiessen zu verhindern. Er sagte, Fey solle Mussolini auürichtsn, er möge sich seiner Frmr und seiner Kinder annehmen. Zu unS, sagt Dr. Dollfuss schliesst i'- „Kinder, Ihr seid gut zu mir und ich danle('•. Warum sind die anderen nicht auch so. di wollt« j a nur den Frieden. Den anderen möge Gott verzeihen." Bevor Dollfuß neuerlich bewusstlos wurde, sagte er:„Laßt mir meine Frau und.Kinder grüßen." Der Kanzler begann dann immer mehr zu röcheln, erbrach Blut und verschied gegen 1 5 U h r 4 5 Minuten. AnlMinmit im Dachaus Leichenbegängnis am SamStag Heute um 6 Uhr nachmittag« fand unter massenhafter Beteiligung der Bevölkerung die Ueber- führung der irdische» Hülle deS ermordeten Bundeskanzler« Dr. Dolljnß an« dem Gebäude des Bundeskanzleramtes auf dem BallhanSplatz über die Ringstraße in daS Rathaus statt, wo der Sarg zur allgemeinen Besichtigung ausgestellt wurde. Die sterblichen Urberreste de« dahingeschirdenen Bundeskanzler« bleiben in der BolkShalle deS Rathause« bi« SamStag, 12 Uhr mittag« aufgebahrt. DaS Leichenbegängnis findet SamStag nachmittag statt.' V!" Massenverhaftungen In Wien In allen Wiener Bezirken fanden gestern abends und heute früh Mafscnverhaftungen von Nationalsozialisten statt. Ma» schätzt die Zahl der Verhaftetet» auf mehrere hundert. Unter den Verhafteten befindet sich auch da« gesamte Personal der Turnhalle in der Diebensterngaffe. In einigen Bezirken mußten neben dem Polizrikommiffariat Rotarreste errichtet werden. Schreckensurtelle gegen Schutzbündler Wien, 26. Juli. Rach zweitägiger Verhandlung endete vor drin Wiener Dd>wurg«richt heute der Prozeß gegen fünf Angehörige de« Republikanische» Schutzbundes, die a« den Feberunruhen im 10. Wiener Bezirk beteiligt waren. DaS Gericht erkannte alle Angeklagte»» fiir schuldig und verurteilte drei von ihnen, und zwar StaniSlau« Karbon, Mathias Rybarrk und Josef Heindl zu zehn Monaten schweren Kerker«, einen weiteren Angeklagten zu sieben Monaten und dei» fünften zu viereinhalb Monaten schweren Kerkers. Neuwild» Absa»« an die KPi Die Kommunisten haben eich trotz der bereits erfolgten Ablehnung ihres Einheit«- frontangebots unter Bezugnahme auf die österreichischen Ereignisse neuerdings an die sozialdemokratischen Parteien mit„Ein- heitsfront**-VorschlKgen gewandt. Unsere Partei erteilte folgende Antwort: An da« Zentralkomitee dar Kommunistischen PartciderTschechoslowakei Auf Ihr neuerliches Angebot zur Veranstaltung gemeinsamer Aktionen können wir nur mit dem Hinweis auf unsere bereits erteilte Antwort erwidern. Ihre neuerliche Zuschrift ändert an unserem Standpunkt nichts. Die sozialdemokratische Arbeiterschaft dieses Landes hat der österreichischen Arbeiterklasse in allen Phasen ihres Kampfes die tatkräftige Solidarität erwiesen, sie hat für die Opfer der blutigen Feberereignisse alles getan, was In ihren Kräften stand. Sie wird auch weiterhin auf der Wacht stehen, um den Angriffen des Fascismus die Kraft der Arbeiterklasse entgegenzuwerfen. Sie bedarf daher Ihrer Aufforderungen und Angebote nicht, die nichts anderes sind, als ein Deckmantel für die Fortsetzung Ihrer Verleumdungskampagne gegen die Sozialdemokratie. Wir haben| noch zu gut in Erinnerung, wie Ihre Presse den heldenmütigen Kampf der öfterreichl- •chen Sozialdemokratie und des sozialdemokratischen Schutzbundes mit Lügen und Beschimpfungen begleitet hat, als daß wir in der Lage wären, gerade in österreichischen Angelegenheiten mit Ihnen gemeinsame Sache zu machen. Sie haben, während Sozialdemokraten im Kampfe um die Freiheit verbluteten, für die Sache des Proletariats noch nichts anderes beigestellt, als billige Phrasen, Sie haben für die Einheit der Arbeiterklasse noch nichts anderes getan, als Verwirrung unter den Arbeitermassen zu stiften. Wir lehnen es daher entschieden ab, mit Ihnen zu verhandeln. Die Einheit des Proletariats und seiner Aktionen wird nur durch die Ueberwindung Ihrer Methoden verwirklicht werden können. Ein Nazlfführer freigesprochen 1 Am Tage nach der Hinrichtung Gerls Kurz vor dem nationalsozialistische» Putsch in Wien tagte in Wels das Schnellgericht. Angeklagt Ivar der Notariatkandidat Dr. Rudolf S1? m e l aus Vöcklabruck ivegen des Verbrechens nach Paragraph 4 des Sprengstoffgesetzes. Der Angeklagte fungierte in Vöcklabruck als Kommandant der nationalsozialistischen S t u r m a b 1 e i l u n g und erliess am 24. Juli einen Tagesbefehl an die Mitglieder der Sturmabteilung, in welchem er erllärte, dass am 26. Juni die ausländischen Journalisten im Salzkammergut erscheinen werden. ES sei nötig, ihnen daS wahre Gesicht Oesterreichs zu zeigen. Jede Aktion sei zulässig. Weiters wird in dem Tagesbefehl erklärt, daß die Mitglieder über die Durchführung desselben genau zu berichten haben. In Betracht kommen Verteilung von Hakenkreuzen, das Werfen von Papielböllern und Sprengstoffen, da« Hissen von Hakenkreuzfahnen, das Anzünden von Hakenkreuzfeuern usw. Die höchste Aktivität sei notwendig. Angeklagter Dr. Simel erklärte, er sei unschuldig, er habe nie mit den nationalsozialistischen Methoden sympathisiert. Er habe die Gewalttaten der Nationalsozialisten eher verhindert. Sein Verdienst sei, dass in Vöcklabruck kein grösseres Attentat verübt wurde. Der Tagesbefehl, von dem in der Klage die Rede sei, e x i st i e r c z w a r, der Angeklagte habe ihn aber ans Befehl des Wiener Komandos verbreitet. UcbrigenS sei der Tagesbefehl unglücklich stilisiert. Nach der Rede des Verteidigers Dr. S l a- m a, des ehemaligen grossdcutschcn Ministers und des bekannten nationalsozialistisch«» Protektors hat das Schnellgericht den Angeklagten f r e i gesprochen mit der Begründung, daß man seiner Verteidigung Glaube» schenke» müsse. Das Schnellgericht in Wien verhandelte heute den Fall der beiden Nationalsozialisten Peter H a r l a n d e r»». Joh. Scherenthancr aus Zell am See, die am 11. Juli 75 Kilogramm Sprengstoffe und 5 Handgranaten von Bayern nach Taxenbach schmuggelten. Nach längerer Beratung trat das Gericht den Fall den ordentlichen Gerichten mit der Begründung ab, dass auf die Verteidigung der Angeklagte» Rücksicht zu nehmen sei, die behaupten, zu ihrer Tat durch den Terror der Nationalsozialisten gezwungen(I) worden zu sein, welcher Verteidigung das Gericht Glauben schenkte. Ole Dollfuß-Mörder ermittelt E« wurde bereit« sestgestellt, baß der Führer der Putschisten, bi, in bas Gebäude de» Bunde«- kanzleramte« eingrdrungen waren» rin früherer Gefreiter namen« Friedrich ist, der die Uniform eines Hauptmannes trug. E« wurden auch di« drei Mörder dr« Bundeskanzler« Dollfuß ermittelt. Sie waren mit Walter-Pistol« bewaff- nett. nlHt' schon— vielleicht beehren uns die Heeren beld wieder* wenn es ihnen bei un* neleHen hetl“ Sette 4 Freitag, 27.1«« 1834 Nr. 173 freue and Korrektheit Berlin gibt nie Putschisten preis .FreisprfMKK^U „Milowitzer Mordprozetz" SusammLnbrnch des Sndl-ßenbeweifes Prag, LS. Juli. Der aufsehenerregende Mord« Prozeß gegen den Soldaten Josef Kvak vor dem hiesigen DivisionSgericht wurde wider Erwarten bereits heute, am dritten Verhandlungstag, zu Ende geführt, obwohl man erwartet hatte, daß das Urteil erst morgen verkündet werden würde, Der Zuhörerraum war bis auf den letzten Platz gefüllt. Zu Beginn der heutigen Verhandlung erhielt das Wort der psychiatrische Militärsachverständige, Oberstleutnant des Sanitätsdienstes, MUDr. K o S- t a l zur Erstattung des Gutachtens über den Geisteszustand und die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen H» kynckk, der bekanntlich ans dem GrrichtSsaal weg auf dir Beobachtungsstation gebracht wurde, weil sich di« Möglichkeit ergab, daß e» sich bei diesem Zeug«, um einen schwer«, Psychopathen handle, dessen Aussagen keine» Anspruch auf Glaubwürdigkeit machen könne«. Dieses Gutachten, das für den Prozeß von eminentester Bedeutung ist, wurde nüt großer Spannung erwartet. Dr. K o S k a l berichtete ausführlich über die Untersuchung, der Holynär unterworfen wurde. Auf die gestellten Fragen antwortete Hokynäk bei der Untersuchung schwerfällig, mit monotoner Stimme und geringer Bereitwilligkeit. Er verwechselte mehrfach sein Geburtsjahr. Auf die Frage nach dem Datum erklärte er am Tage seiner Einlieferung (dem 24 Juli), es sei der 18. Juni 1082l Im übrigen ist sein Gedächtnis normal entwickelt. Er hat fünf Volksschultlassen angeblich mit gutem Erfolg absolviert, womit allerdings die Tatsache im Widerspruch steht, daß" Hokynäk sehr schlecht lesen kann, besser gesagt, nur mühsam buchstabiert. Seine Lektüre bilden hauptsächlich K i n d e r m ä r ch e n. Bei Rechenaufgaben zeigte er sich sehr schwach(8 mal 7 ist 87; 21 weniger 1 ist 10 u. dgl.). Die Hauptstadt der Republik sei Preßbnrg und die Tschechoslowakei bestehe seit 1014. Ei».Nitometer werde von einen, Fußgänger in einer Stunde znrückgclegt. Hokynäk, der wegen Fahrraddiebstahlü vorbestraft ist, hat die verbüßte Strafe bereits vergessen. Das Jahr habe zwölf Wochen und der Feber sei der längste Monat dcS Jahres. Wie sich aus diesen Pro- Nachdem der Verteidiger Dr. Mellan noch einige Beweisanträge gestellt hatte, die vom Gericht als unerheblich abgelehnt wurden, erklärte der Vorsitzende Oberstleutnant Dr. Rutar das Beweisverfahren für geschloffen und erteilte das Wort dem Ankläger, Militärprokurator Kndrna zu seinem Plädoyer, in welchem er alle bekannten Indizien summierte und zum Schluß die Verurteilung des Angeklagten beantragte. Dann kam der Verteidiger Dr. Mellan zu Wort, der in anderthalbstündiger Rede die Anklage in ihren einzelnen Punkten zerpflückte und darauf verwies, daß das Beweisverfahren völlig negativ ausgefallen sei und einen vollkomnienen Zusammenbruch der Anklage bedeute. Gegen Mittag zog sich dar Militärgericht zur Beratung zuriick. DaS Gericht besteht aus vier Personen: Nebst den, Vorsitzenden fungiert noch ein Justizoffizier und ferner zwei Militärpersonen als Laienbeisitzer, die auS der gleichen Waffengattung wie der Angeklagte stammen und mindestens dessen Charge haben müssen. Diese Beisitzer vertreten im Richterkollegium daS Laienelement, wie es beim Schwurgericht die Geschworenen tun. Der Gerichtshof besteht also aus zwei militärischen Berufsjuristen und zwei Laien. Bei Abstimmung Aber die Schuldfrage entscheidet die Mehrheit; bei Gleichheit der Stimmen entscheidet das für den«Ange« klagten günstigere Votum. Im vorliegenden Prozeß saßen neben den Justizoffizieren als Beisitzer zwei Infanterie g e f r«i t e. Bor überfülltem Auditorium verkündete der Vorsitzende Oberstleutnant Dr. Rutar gegen drei Uhr nachmittags das U r t e i l, durch welches der Angeklagte Josef Kvak»an» Verbrech«, de» Morde» freigesprochen wurde. In der Urteilsbegründung wird ausgesprochen, das Gericht sei zn der Ueberzeugung gelangt, daß die Mordtat überhaupt nicht mit einem Bajonett verübt worden sei. Ferner könne daS Gericht dem Hauptzeugen Hokynäk auf Grund des psychiatrischen Gutachtens k e i n e hinreichende Glaubwürdigkeit zumessen. Ans die von der Angcklage ins Treffen geführten Mordmotive eingehend stellt das Urteil fest, daß ein L u st m o r d nach dem Urteil der Sachverständigen nicht in Frage komme. WaS aber die Möglichkeit eines Raubmordes betreffe, so sei festzustellen, daß der Angeklagte ein Mensch von äußerst sparsamer und an- spruchSloser Lebensführung sei, nicht trinke und nicht rauche und somit die bei ihm vorgefundene„Barschaft" von 10 tii ganz einleuchtenderweise als E r- s p a r»i s s e von seiner Löhnung angesehen werden könnten und keineStvegs als Beute dieses Raubmor- DaS Urteil wurde von dem Publikum mit spontanem Applaus ausgenommen, zumal der Ankläger erklärte, auf Einbringung derNich- tigkeitsbeschwerde zu verzichten. Josef Uvak wurde nach fast viermonatiger Untersuchungshaft auf freien Fuß gesetzt und kehrt rehabilitiert zu seinem Truppenkörper zurück. Das unheimliche Rätsel dcS bestialischen„Mrlo- witzer Mordes" bleibt ungelöst. rb. ben ergibt, ,st Hokynäk zweifellos nicht als ganz vollwertige Person zn betrachten. Zusammenfaffend gelangt das Gutachten zu dem Schluß, der Kron,eügUokynät sei Heistkg neige zur Lügenhaftigkeit, habe eine ütermähige Phantasie und übertrage seine Phantasien in daS reale Leben. Dir Aerzte könnten ihn also nicht al» glaubwürdige Person ausrhrn. Der deutsche Gesandte in Wien abgesctzt, weil er ohne Ermächtigung der RcichSregierung dem Wiener Rumpfkabinctt Aufnahme der geschlagenen Putschisten in, Dritten Reich zugesagt hat. Einreiseverbot und Haftbefehl gegen die Wiener Nazis, wenn sie doch über die Grenze kommen sollten— jegliche Gemeinschaft mit den losge- gangcncn Pg. in Wien weit von sich gewiesen: die regierende Nazibande in Berlin empfiehlt sich den Regierungen der Kulturwclt Ivieder einmal als eine Stühe der Ordnung! Das Dritte Reich gibt sich den Anschein eines Rechtsstaates, drei Wochen nachdem die Hauptmitarbeitcr und nächsten Freunde des„Führers" auf seinen Befehl ohne Gerichtsverfahren abgeschlachtct worden sind. 77 derartige Hinrichtungen hat daS Haupt dieser Regierung öffentlich selbst zugegeben, die wirkliche Zahl ist ein Vielfaches davon. Immer neue Morde werden bekannt. Der Bruder des bestialisch gemordeten PartcigründerS Gregor Straßer berichtet in seinem Prager Wochenblatt, daß Dr. Boß, Führer der SkS-Juristen, in seinem Büro niedergeschoffen wurde, weil er die Dokumente über den Konflikt Gregor Straßer-Hitlec nicht herausgeben wollte, die er als Anwalt zu treuen .Händen in Berwahrung hatte. Der einzige Ueber- lebendc der braunen Kolonne, die unter Führung von Röhm, Heines und Emst am 27. Feber 1082 das Reichstagögebaude in Brand gesteckt hat, E. K r u s e, hat soeben vom Schweizer Asyl aus ein Schreiben an Hindenburg gerichtet und zugleich veröffentlicht, daß die wiederholt ausgestellten Behauptungen über die organisierte Brandstiftung und die Rolle van der Lubbc dabei vollkommen bestätigt. Mit dieser beispiellosen Schandtat hat sich die Naziregierung den„Rechtsboden" für alles folgende geschaffen, angefangcn von der Ausschließung von 80 rechtmäßig gelvählten kommunistischen Abgeordneten aus dem Reichstag bis zu der Vernichtung allen Rechtes, der Zerstörung aller Einrichtungen der sozialistischen und der übrigen nichthitlcrischcn Parteien, der Eristcnzvcrnichtung und Beraubung zehntausendcr Menschen, der Auslieferung von mindestens ebenso vielen an die vertierten Sadisten im Braunhcnrd. Eine Liste von kaltblütig Ermordeten und langsam zu Tode Ge- marterten, von Johannes Stelling und Felix Fechcnbach bis zum Rechtsanwalt Dr. Litten und den. Dichter Erich Mi'chsam erfährt ständig neue Fortsetzungen. In wenigen Tagen beginnt— als sinnvolle Ergänzung neuer Rcchtsbeteuerungcn— ein Ausnahmegericht sein Blutwerk, das durch leinerlei suristsschc Zwirnsfäden mehr behindert, eine Verkleidung fascistischer Gewalttäter in die Toga höchster Richter darsiellt. So ist die wahre Korrektheit eines Regimes, das seine Kricgsrüstungcn von Anfang an mit FricdciiSvcrsichcrungen begleitet und die tollste Hetze gegen andere Völker durch Freundschaftser- klärungcn an alle Welt zu verkleiden strebt. Im Innern himmelweit von Gleichberechtigung aller Bewohner vor Recht und Gesetz entfernt, fordert eS die Gleichberechtigung mit den anderen Ländern, Jnternationalität als Hochverrat verfolgend, sucht cs sich in eine Völkergemeinschaft einzuschleichen, die mit Abscheu und Empörung den Taten dieses Regimes zusieht. Das Abrückcn von den„Pg." in Oesterreich kann aber nicht vergcffcn machen, wie Hitler die Mordbuben von Potcmpa weinend ans Herz gedrückt, wie er den Fememörder Heines und Dutzende gleichen Kalibers auf die höchsten VerlvaltuugSstellcn berufen und ihnen das Bolt ausgcliefert hat. Heines ist erschossen, damit er nichts mehr von dem so gelungene Reichstagsbrand erzählen kann, aber übergenug dieser Banditen walten weiter als Herren des Deutschen Reiches. Wicviele Morde hat nun der gewissenlose Hetzer Goebbels auf dem Gewissen. Als dieser Tage jener Baumgartner in Saarbrücken auf den Polizcikommissär MachiS schoß — wenn auch ohne ihn zu treffen— da rückte die Naziregierung durch ihren Rundfunk sofort von dem Attentäter ab; der gleiche Rundfunk aber hatte tagelang unter der Verantwortung Goebbels' gegen den Kommissar Machts eine der typischen Mordhehen betrieben, die man aus Goebbels' jahrelangem Wirken im„Angriff" und in Naziversammlungen noch gut im Gedächtnis hat. War es denn nicht Goebbels, der einst im Berliner Marmorpalast ausdrücklich Erich Mühsam als einen jener nannte» von denen dieses Deutschland befreit werden müßte? Die-österreichischen Nazi aber, soweit ihnen noch ein Funken kritischen Verstandes geblieben sein sollte, können an den Maßnahmen der Berliner Regierung das Wesen der deutschen Treue aufgenordeten Systems erkennen. Von Deutschland haben sie die Sprengswffc bekommen, von Deutschland wurde ihnen der Habicht als Landesinspektor geschickt, von Deutschland werden sie durch die Oesterreichvorträge eines Frauenfeld und sonstiger Edelmenschen zur Fortsetzung jener Arbeit angespornt, die 1982 der wackere Reichskanzler Franz von Papen als Bekundung des— Aufbauwillens feierte. Das Dritte Reich hat allen braunen Gewalttätern, die aus Oesterreich flüchteten, Asyl gewährt, wenn es sich auch inzwischen für manchen von ihnen in den Aufenthalt in einem Konzentrationslager umgewandelt hat. Jetzt liefert das Dritte Reich seine Wiener„Pg." dem Standrecht und dem Henker der Schwarzgelben aus, die sich zu Herren des ehemals Oesterreich gemacht haben. Für einen Schiedsspruch in San Francisco S a n F r a n c i s c o, 26. Juli. Wie der SchiichtungSauSschusi mitteilt, haben die Hafenarbeiter mit überwältigender Mehrheit für eine schiedsrichterliche Entscheidung ihre» Streites mit de« Arbeitgebern gestimmt. Sturm und Hitze in Amerika 1079 Hitze-Opfer. Bay City(Texas), 26. Juli. Gestern wütete hier ein heftiger Sturm, bei dem elf Personen den Tod durch Ertrinken fanden. Der Schaden wird auf mehrere Millionen Dollar geschäht. Der Sturm erreichte zeitweise eine Geschwindig- keit von 80 Stunden-Meilcn. i Die Hitzewelle in den Bereinigte» Staaten dauert weiter an. Die Zahl der durch die Hitze zugrunde gegangenen Personen erreichte 1070. In Missouri allein kamen 312 und in Illinois 287 Leute um. Furchtbarer Mord an einer Arbeiterin In der Nacht auf gestern hörten zwei junge Männer, die in den Feldern bei Ünter-Gerspih gingen, verzweifelte Hilferufe. Sie liefen an den Ort, von dem die Ruse herkamen und erblickten in der Dunkelheit zwei Gestalten. Ein Mann kniete auf einer zweiten Person und hieb mit einer Eisenstange auf deren Kopf ein. Auf den Anruf der jungen Leute sprang der Mann auf und lief in der Richtung gegen den. Friedhof in Ober- Gerspih davon. Die Jünglinge verfolgten ihn, doch gelang eS dem Unbekannten, zu entkommen. Als die., beiden an den Tatort zuxjickkehrtcn, sprang ein anderer Mann auf und rannte gleichfalls davon. Die beiden Jünglinge riefen einen Nachtwächter herbei und besichtigten mit ihm den Tatort. Dort fanden sie den Leichnam der 38jährigen Arbeiterin Rosa Svoboda aus Unter-Gerspih Der Kopf der Ermordeten wies viele Hiebwunden auf und war bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Neben dem Leichnam lag eine Eifenstange, eine Einkaufstasche, eine Wollwestc und eine Schüssel mit Knödel. Der Verdacht der Täterschaft fiel sofort auf den oftnmls vorbestraften Gatten der Ermordeten, den 42jährigen beschäftigungslosen Arbeiter Ladislaus Svoboda aus Schakwih, der aus dem Gebiet von Groß-Brünn ausgewiesen ist und deshalb mit seiner Frau nicht im gemeinsamen Haushalt lebte. Ein Feldhüter sah Svoboda am Abend der Tat in der Nähe des Ortes, an dem der Mord verübt wurde. Polizei und Gendarmerie nahmen sofort die Nachforschungen nach dem Täter auf, doch blieben diese bisher erfolglos. Die Ursache der Tat ist Eifersucht. Svoboda wurde am Abend verhaftet und hat ein Geständnis abgelegt. Das Ehepaar Svoboda hinterläßt drei Kinder im Alter von drei bis elf Jahren, bei nun der städtischen Jugendfürsorge übergeben wurden. Der Leichnam der Ermordeten wurde ins gerichtsmedizinische Institut gebracht. »Ohne ein einziges grünes Blatt" Di« Dürre-Katastrophe in Amerika. Washington, 26. Juli. Der Kommissar für die Landsiedlung erklärte bei seiner Rückkehr von einer Besichtigungsreise durch die Dürregebiete, daß sich niemand einen Begriff von der Katastrophe machen könne. Die westliche Hälfte von Nord- und Süddakota, sowie der östliche Teil von Montanas und Wyoming hätte von 10.000 Ansiedlern geräumt Iverden müssen, weil die Gebiete eine vollkommene Wüste ohne ein einziges grünes Blatt darstellen. Das Gebiet könne vielleicht später Der Fluch Ala unsre Beiden an der Mauer standen, Und ihre Wunden in uns allen brannten, Da wart ihr froh und lachtet unsrer Not, Wir sahen Herren, die kein Mitleid kannten, Und was sie brachten, war Verrat und Tod! Die Galgen stehn und sind noch unvergessen, Habt Ihr Respekt vor unserm Blut besessen—f Seid Ihr nicht alle schuldbedeckt und gleich— f Denn die Gewalt wird von Gewalt gefressen, Das ist der Fluch in jedem„Dritten Reich"! « Nur wo die Freiheit gilt, da gilt das Leben, Nicht dort, wo sie die Galgenstrioke weben, Und wo die Kette sich um, Sklaven schlingt, Ihr habt dem Mord das Startsignal gegeben Und wundert Euch, daß er sein Werk voll bringt— W Pierre einmal mit Büffelgras besät und als Weideland benützt werden, dürfte aber wegen des Regenmangels niemals wieder als Ackerland benützt werden, wenn man eine Wiederholung der diesjährigen Dürrekatastrophe vermeiden will. Aufruhr in Göttingen h. b. In G ö t t i n g e n ist in der vorigen Woche ein folgenschwerer Streit zwischen den alten studentischen Verbindungen und dem Nationalsozialistischen Studentenbund ausgebrochen, da es die farbentragenden Verbindungen ablchnten, sich von den hundertprozentigen Nazistudenten majorisieren zu lassen. Am Mittwoch der vorigen Woche kamen die Streitigkeiten zum offenen Austrag. Die Korporationen riefen zu einer großen Demonstration aus dem Marktplatze auf, die in vollem Wichs vor sich gehen sollte. Der Nationalsozialistische Studenten, bund versuchte mit Hilfe schnell herbeigerufener Hitlerjugend diese Demonstration zu vereiteln und ging zu Tätlichkeiten über. Daraufhin besetzten ungefähr tausend Korporationsstudenten die Räume des Göttinger Ratskellers. Dort wurden sie von den Nationalsozialisten belagert. Eö kam zu schweren Ausschreitungen. Schließlich griff die Polizei ein und vertrieb die Nazistudenten mit Gummiknüppel und Wasserschläuchen vom Martt- platze. Da sich die Krawalle in den nächsten Tagen fortsetzten, wurden eine große Anzahl farbentragender Studenten verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Diese Maßnahme hat Oel ins Feuer gegossen. Es ist nicht anzunehmen, daß die Reibereien in Kürze, aufhören werden. Leider war es uns nicht möglich, näheres über die Entstehung der Krawalle zu erfahren. Nur soviel steht fest, daß sich weite Kreise innerhalb der Deutschen Studentenschaft gegen die öde Gleichschalterei und gegen die Herrschaft des Mobs an den Universitäten zu regen beginnen. Daß sie das unter denselben Farben tun, unter denen sie im vorigen Jahrhundert schon einmal in Opposition gegen eine übermütige Staatsgewalt standen, wirft ein interessantes Licht auf die innere Verfassung der Angehörigen farbentragender Verbindungen. 12 Millionen Menschen in Todesnot Shanghai, 26. Juli. Die chinesische Presse erklärt,-atz unter-er in China herrschenden Dürre etwa 31 Millionen Menschen stark zu leiden haben. Auf der andern Seite ist die Provinz Scheust besonders schwer durch Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen worden, so daß etwa 12 Millionen Menschen vom Hungertode bedroht find. In dieser Provinz ist die Ernte durch eine große Ueber- schwemmung vernichtet worden. 112 Städte und Ortschaften Schensis u. der benachbarten Provinz Schansi stehen noch immer unter Wasser. Chinesische Wohlfahrtsorganisationen hoffen auf eine Hilfsaktion dec übrigen Welt. * Vom Rundfunk •nqtfana den Pr»Ma»»«i SamStag: Prag, Sender L.; 10,20: Deutsche Nachrichten, 12.80: Konzert. 13.40: Slowakische Lieder, 15.15: Nachmittagökonzert, 17.45: Schallplatte«, 18.15: Deutsche Sendung: Deutsche Spätromantik, 18.55: Deutsche Presse, 10.25: Konzert, 22.15: Tanzmusik. Sender S.: 10.80: Orchesterkonzert,' 14.20: Deutsche Sendung: 40 Minuten Spannung, llaffische Detektivgeschichten, 15: Deutsche Presse.— Brünn 11: ,Schallplatten, 11.05: Orchesterkonzert. 16.40: Lustige».Wochenende, 17.45: Deutsche Sendung: Kabarettstunde, 18.20: Schallplatte«.— Mährisch- Dstran 18.20: Konzert de» Mandolinenorchesters. — Preßtnrg 20: Eine Operette aus dem Atelier. — kkascknm 17.40; Liederkonzert. 18: Schallplatte«. Der Tanz ans dem Pulverfaß MMsH Ht MM Sturmflut in Mexiko Houston(Texas), 26. IM.(Reuter.) Dir plMche Sturmflut, die bis 10 Kilometer weit j» das Binnenland vorgedrungen ist, hat die Küste des Golfes von Mexiko in einer Länge von ISO Mometcrn verwüstet. Der Sachschaden beträgt schätzungsweise über eine Million Dollar. Ueber 30 Personen werden vermißt, davon allein 17 in Lay Cilt). Man befürchtet, daß sie ertrunken sind. In der Landstadt MoreloS sind S Personen getötet worden. ist auch auf Ratenzahlungen erhältlich, bei Bar» Zahlung entsprechender Nachlaß. MeSley u. Co. preisen diesen bombensicheren Schuh an. Es ist auch ratsam, ein«' neuartige, ganz moderne! Schreibtisch-Einrichtung bei der gleichen Firma zu 1 erwerben. Diese Einrichtung ist nicht nur schön, 1 zweckentsprechend und billig, sie kann auch im Verlaufe von fünf Minuten in einen wiederum bombensicheren Unterstand verwandelt werden- Sie glauben«S nichth Der nächste Krieg wird die Stichhaltigkeit dieser Behauptung beweisen. Auch. die Säuglinge werden in der Lage sein, nach dem neuen Kriege in bester Gesundheit von dem Krieg zu, erzählen. Sie werden in luftdicht ver- schloffenen Aluminiumwiegen liegen. Durch einen Gummischlauch wird ihnen die Muttermilch und das zum Atmen notwendige Oxygen zugeführt werden. Der kommende Krieg wird also, darf man dieser Sicherheitsausstellung Glauben schenken, «in großer, gefürchteter und dennoch ungefährlicher Nervenkitzel sein. Nebst der Sicherheitsausstellung beschäftigt Paris besonders stark der Bazillenkrieg. Eine Generalprobe mit Bleisoldaten, mit unschädlichen Bazillen-Kulturen hatten ja die Hitleragenten schon veranstaltet. Nun wartet ein jeder auf die Premiere. Aber es wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht. Gegen die Greuel des Gaskrieges ist die Zivilbevölkerung, dank der Kriegstechnik, wie es hie Sicherheits-Ausstellung zeigt, genügend geschützt. Und der Bazillenkrieg? Die Gasbomben kommen aus der Luft, ihre Wirkung ist furchtbar. Aber wozu uns vor den Bazillen fürchten? Diese kommen ja nicht aus der Luft... sie sind bloß aus der Luft gegriffen. Frankreichs erster Bakteriloge, Univ.-Prof. Charles Nicollo begann meist mit den Beruhi- gungSversuchen. Er erklärte:„Nicht die Laboratorien, in denen Bazillen-Kulturen erzeugt werden, sind gefährlich. Gefährlich sind nur diejenigen, die verkünden, daß die in den Laboratiorken erzeugten Bazillen-Kulturen ein« Gefahr bedeuten." Die Pariser Blätter haben also, wenn sie von der„Großwoche des Todes" sprechen, nicht recht. Diese Tage waren nicht die„Grohwoche des TodeS", sondern— machen wir so, wie wenn wir eS glauben würden— die„Grohwoche des Lebens", der siegreich überwundenen GaSgefahr. Paul Diner-DäneS. Und damals?! Der'blutige Gewaltakt nationalsozialistischer Terrorbanden, dem der österreichische Diktator zum-Opfer gefallen ist, hat die ganze Welt in hochgradige Bewegung versetzt. Bon sittlicher Entrüstung dampfende Leitartikel verlassen die Rotationsmaschinen der Weltblätter, von Mitleid triefende Beileidstelegramme werden abgesandt, Gesandte int-rvenie- ren tränenden AugeS, die halbe Welt fühlt sich im Alarmzustand. Ein Mord, ein entsetzlicher Meuchelmord ist geschehen— so schallt eS auS allen öffentlichen Sprachrohren—, kurzum, das so ost zitierte„Gewissen der Welt" ist wieder einmal erwacht. Aber wo war eS, so fragen wir, als damals die bis an die Zähne bewaffneten Schergen der österreichischen Diktaturregierung mit Bomben und Granaten die schönen, licht» durchfluteten Wohnungen des roten Wien der- wüsteten, als das Kartatschenchristentum den «heiligen Krieg" gegen Frauen und Kinder be» gann, als der staatlich sanktionierte Mord die unsterblichen Helden der Fcberkämpfe an die Galgen schleppte, alS sich ein entmenschtes Regime nicht scheute, einen schwerverletzten Kampfer, den Genossen Münichreither, halbtot am Galgensymbol des KlerikofasciSmuS aufzuknüpfen?! Wir haben gewiß keine Sympathien sür meuchelnde Hakenkreuzbanden, die von hinten anschleichen, aber war das damals nicht auch Mord? Tausendmal schändlicher, tausendmal roher, tausendmal gemeiner als jenes Ball- Haus-Attentat vom SS. Juli?! Wo blieb danutlS das Gewissen der Welt? Wahrscheinliche» Wetter heute: Wechselnd bewölkt, etwas wärmer, Wind aus westlichen Richtungen. Borwiegend trocken. Nur vereinzelte Schauer oder Gewitter, Wallensteinfestspiele in Eger. Die letzten Aufführungen der Wallensteinfestspiele in Eger finden am 28, und 2V. IM statt. Das Hachwaffer in Pommerellen nimmt einen normalen Verlauf. Än der Schwcher Niederung sind die Felder der nicht eingedeichtcn Dörfer überschwemmt. Die Wohnhäuser sind nicht gefährdet. Zwischen Schulitz und Fordon stehen die nicht eingedeichten Felder ebenfalls unter Wasser, doch ist die Lage auch hier nicht besorgniserregend. Die Weichscldämme sind bisher an- keiner Stelle beschädigt worden. Bei Dirschau erstreckt sich das Weichselwasser bereits bis zu den Quellen. Gefahr für die Ansiedlungen besteht nicht. Der vorausgesagte Höchstwafferstand von 7 Metern wird kaum erreicht werden. Der Kulminations- punkt der Hochwasierwelle dürfte etwas über 6 Metern liegen. Die Waldbrände in der Nähe von Toulon habe» sich immer mehr ausgebreitet. Auch das Celvaire-Gehölz bei Toulon steht in Flammen. Die Feuerwehr, Soldaten und Matrosen helfen bei den Löscharbeiten. Es wurde die Leiche eines Zivilisten gefunden, der im Rauch erstickt ist. Sie taufen um! Der ReichSkulturministcr Rust hat an die Vertvaltung der Nazischule in Plön, die bisher den Namen des gemeuchelten Hitlerfreundes Rühm trug, folgendes Telegramm Paris feierte auch dieses Jahr mit ungeheurem Enthusiasmus den 14. Juli, de» Tag des, Bastille-SturmeS. Die Seinestadt verwandelte sich. in einen imensen Bällsaal. An jeder Straßenecke standen Orchester, von Geige und Klavier bis zur Jazz-Kapelle, vor denen auf dem Fahrdamm die Paare tanzten. . Diesmal war es aber«in Tanz auf dem Pulverfaß. Einige Pariser Blätter nennen die vergangenen Tage der Freud«, der Ausgelassenheit, „die Großwoche des Tode»". Und dies nicht ohne Berechttgung. Hinter dem Grand Palais wurde dieser Tage eine„Sicherheits-Ausstellung" eröffnet. Die sogenannte„Sicherheit" liefert natürlich nur den Beweis für die tödliche Unsicherheit unserer Zeit. Meterhohe, riesengroße Photos an den Wänden stellen Paris während de» Weltkrieges dar. Hier ein zerschossener Häuserblock, daneben eine groß« Feuersbrunst. Dann einige Dutzend Tot«. So geht eS endlos weiter. Es ist ein wahres Grauen, der Krieg, wie er einst war. Aber nein. Da» grausame Bild ist nur ein idyllisches Spiel. Erst die Zukunft wird uns das wahre Grauen lehren. Wieder Photos. Flugzeuge von anno dazumal, vor 18 Jahren. Ihre Tragfähigkeit beträgt höchstens 1000 Kg. Bomben, ihr Aktionsradius 200 bis 800 Kilometer. Ein unernstes Kinderspiel! Aber heute! 6000 Kg. Belastung! Giftgase, Brandbomben. Sie vermögen eine Entfernung von 2000 bis 3000 Kilometer zu druch- rasen. Da» Zeigen diese» atemraubenden Unterschiedes zwischen gestern und heute möchte aber seinen Zweck verfehlen, wenn die friedlichen Bürger nicht die erforderliche Lehre daraus ziehen würden. In grellen Farben gehaltene schreiende Plakate helfen einem jeden, dies zu tun.„Kaufet Gasmasken,— kaufet gasdichte Schutzkleidung, — kaufet feuerfeste Möbel, imprägnierte Wäsche, nicht brennbare Tapeten!"—„Entfernt au» der Wohnung alles, was dem Feuer Nahrung gibt! Stahlmöbel sind der neueste Trumpf der Sachlichkeit!" All diese lebensschützenden Kriegsmittel sind selbstverständlich nicht nur zu sehen, sondern auch sofort käuflich. Die seltsamsten Dinge ergötzen und beruhigen da» Herz und Gemüt der vorher kopfscheu gemachten AuSstellungSbesucher. Für alles ist Borsorge getroffen. Ein jeder Geschmack, ein jeder Geldbeutel wird berücksichtigt. DaS erste Erfordernis ist ein eigener betonierter Keller, womöglich mit einer geheimen Treppe versehen. Er Ein Berg von Kränzen auf Dillingers Sarg Maywood(Indiana), 26. Juli. Gestern fand hier das Begräbnis des berüchtigten Gangsters Dillinger statt, dessen sterbliche Ueber« reste auf dem Friedhöfe von Crownhill neben den Gebeinen seiner Mutter bestattet wurden. Der Sarg Dillingers verschwand unter einem Berge von Blumen und Kränzen. gerichtet:„Nattonalpolitische Erziehungsanstalt, zu Händen des Standartenführers Brunk, Plön. Der Spruch des Führers löscht den Namen Ernst Röhm für die nationalsozialistische Bewegung auS. Die Anstalt tragt fürderhin den Namen Rationalpolitische Erziehungsanstalt Plön. Der Chef der Landesverwaltung der Rationalpolitischen Erziehungsanstalten, Rust, Reichs- und Staatsminister." Warum so um- ständlich? Rust hätte die Anstatt„Schule des Dritten— Geschlechtes" nennen sollen. Dann wäre er im Rochmen geblieben und hätte den Namen, solange er Reichs- und Staatsminister ist, nicht mehr zu ändern brauchen. Der ägyptische Arbeiterführer Exprinz Abba» Halim ist nach 25tägiger Haft freigelaffen worden. Die gegen ihn gerichtete Beschuldigung, Arbeiter aufgewiegelt zu haben, ist fallen gelassen worden, ebenso wie die Anklage gegen die Arbeitet, sich ohne Erlaubnis versammelt zü haben. Bor zehn Tagen war der Exprinz in den Hungerstreik getreten. 8000 Arbeiter einer oberägyptischen Zuckerfabrik traten in einen Sympathiestreik. Protektionismus und Weltwirtschaft Unter diesem Titel, befaßt sich in der christlichsozialen„Deutschen Presse" vom 24. Juli 1084 ein Dipl.'Kfm. Willy Kinzl mit Volks- und weltwirtschaftlichen Problemen der Gegenwart» aber in einer Weise, daß es wirklich schade um da» Schulgeld ist, das er um die Erlangung seines Diploms zahlen mußte. Wir stimmen voll und ganz mit ihm überein, wenn er seinen Artikel mit der'Bemerkung einleitet, daß unserem jetzigen Zeitalter jede» weltwirtschaftliche Denken fehlt. Das ist allerdings richtig, aber der Chauvittiöinus, der gegenwärtig mehr denn je die Welt beherrscht, kommt eben über die Grenzen seines Volkes, bzw. Staates nicht hinaus und die Autarkie in Reinkultur will vor allem der Fascismus züchten, wie die» ja am- 13. Juli 1934 Hitler in seiner Reichstagsrede an- gekündigt hat, in der er erklärte, daß Dcntschlaitd sich unabhängig von der Rohstosfeinfuhr und damit vom Weltmärkte machen wird. Aber woran ehlt eS denn nach der Meinung des erwähnten Artikelschreibers? Hören wir ihn selbst: In einer Zeit, in welcher soviel über Führer und Führertum gesprochen und geschrieben wird, ist der'richtige Führertypus scheinbar auSgestorben. Wo sind die Nachfolger der einstigen weitblickenden Wirt- schaftSführer, der stolzen Industriekapitäne, der königlichen Kaufleute? Die auS eigener Kraft und nur aus eigenen Mitteln ohne jede Unterstützung und Förderung Großes geschaffen haben? Die Epoche dieser wirklichen Führer scheint vorüber zu sein, denn die Zeit der Titanen ist vorüber, seit sogar England dem Freihandel Balet gesagt hat. Die Freihandelsperiode war die Blütezeit für die geborenen Jndustricführer. Die Epigonen, den Aufgaben nicht gewachsen, riefen nach Schutzzöllen, hinter deren Wall nur die mindere Leistung gegen die Weltmarktkonkurrenz bestehen konnte. Da weiß man nun wirklich nicht, was man zu einer solche» offenen Verkennung der Tatsachen , sagen soll. Nach unserer Meinung hat gerade in I der letzten Zeit, bzw. in der letzten Periode des . Kapitalismus die Konzentration des Kapitales , solche Formen angenommen, daß die wenigen Be« ' Herrscher der Weltkonzerne und Welttrusts eine Macht in ihre Hände beköinmen haben, von der wir uns gar keine Boxstellung machen können, die wir aber alle zu spüren bekomnten. An diese Macht können, lieber Herr Diplomkaufmann Kinzl, die früheren stolzen Industriekapitäne und königlichen Kaufleute, die aber schon gar nicht„aus eigener Kraft und nur auS eigenen Mitteln ohne jede Unterstützung und Förderung Großes geleistet haben", sondern vielmehr mit Feuer und Schtvert, mit Branntwein und sonstigen„Kulturmitteln" ganze Völker vernichteten, um ihr Gold zu rauben, gar nicht heran. ES ist schon so, daß der Kapitalismus aus Blut und Schmutz geboren tvurde, wie Karl Marx sagt. Wer denkt da nicht an die Verhältnisse in den Fabriken im Frühtavi- taliSmuS, an die unendlich lange Arbeitszeit, an die Kinderarbeit, an das Fehlen jeder Schutzeinrichtung. an das Fehlen jeder sozialen Fürsorge! Sind vielleicht die Leiter dieser früheren räuberischen Handelsgesellschaften oder die Besitzer jener Fabriken, in denen jeder noch so gesunde M-nsch zum Dahinsiechen verurteilt Ivar, sind diese Menschen, die in den Augen der zivilisierten Welt Verbrecher sind, die richtigen Führertypcn nach der Meinung der„Deutschen Presse"? Der ertvähnte Artikelschreiber glaubt, daß für den Protektionismus, der das hetitige Wirtschaftsleben beherrscht, zwei Gründe ausschlaggebend sind: einmal tvcrdcn Industrien gehalten und vom Staate subventioniert, um für die Schlagfertigkeit, der Armee int Kriegsfälle vorzusorgen und dieser Grund habe sogar seine Berechtigung. Der zweite Grund sei das„soziale Empfinden", das die Welt heute beherrscht, die „Ueberempfindlichkeit in der Wirtschaft", an der die Welt krankt. Aus diesem„sozialen Empfinden" heraus werden Industrien unterstützt, die nicht lebensfähig sittd. Das Iväre von den liebeln noch lange das größte nicht, wenn cs sich darunt handeln würde, die Arbeitslosigkeit einiger htmdert Arbeiter zu verhindert:. Aber dem Artikelschreibcr ist wohl bestimmt auch bekannt, da der internationale Kapitalismus Werke stillegt, die durchaus rentabel sind, die vielleicht rationeller arbeiten als die, die er weiter arbeiten läßt. Wenn man also schon den Protcktiouistnus bekämpfet: tvill, wem: man schon htnweist auf die Weltwirtschaft, die uns alle verbinden soll, dann muß man die wahren Ursachen und Wurzeln allen Nebels erkennen.. Und diese stecken eben im kapitalistischen Wirtschaftssystem. Zum Freihandel, de» der Kapitalismus überwunden hat, wird er nie mehr zurückkchren, denn schon lange sind Angebot und Nachfrage nicht mehr ausschlaggebend sür den Preis. Zur Planwirtschaft übcrzugehen, fehlt dem Kapitalismus die Grundlage. Aber nur die Plan- wirtfchaft im Weltmaßstäbe und mit internafio- naler Arbeitsteilung ist imstande, die Produktion und die Verteilung der Güter so zu gestalten, daß sich ein Protektionismus als unnötig erweist. Der Kapitalismus wird schwerlich dieses Problem, das die Gegenwart beherrscht, lösen. Seine Lösung wird erst die sozialistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung bringen. B. B. währte sich vorzüglich. Zwar mußten mehrmals die einzelnen Meldungen wiederholt werden, aber das war auf die atmosphärische Störung zurttck- zusühren, die durch ein schtvereS Gewitter ganzen der Nähe verursacht wurde. Nicht ein einziges Mal verfehlten sich die telegraphischen Meldungen. Zu Beginn der Jagd waren Flugzeug und Polizeiautomobil über 20 Kilometer voneinander entfernt. Dennoch konnte die Verbindung sofort ausgenommen werden. Dir Banditen hatten keine Chan« Minute um Minute verging. Jnnner zuversichtlicher wurden die einzelnen Berichte. Endlich wurde die Stimme des Ansagers im Polizeiwagen mit folgender Nachricht vernommen: «Hallo, Flugzeug, jetzt alles in Ordnung. Wir haben den verfolgten Wagen an der Kreuzung der Straßen Peatling Magna und Brun- tingthorpe gestellt und die Banditen verhaftet. Wollen Sie uns, bitte, zum Flughafen zurückführen!" Es dauerte nicht lange, bis Propellergeräusch zu hören war. Das Polizeislugzeug tauchte auf und während eS vor seiner Landung noch eine Schleife flog, erschien auch schon der Polizeiwagen. Das Manöver, das in Zusammeua.beit mit der Polizei der Grafschaft Leicester und der Mar- coni-Gesellschaft durchgeführt wurde, hat somit ein außerordentlich günstiges Resultat erbracht. Was sich bei den Versuchen ereignet«, kann schon morgen im Ernstfall geschehen. Zum Schluß kurz die Berichte der drei beteiligten Parteien. Der Pilot des Flugzeuges erklärte:»Schon bald nachdem wir aufgestiegen waren, erblickten, wir auf der bezeichneten Straße den Wagen, und obwohl die Banditen versuchten, unseren Blicken in einer engen Waldstraße zu entkommen, verloren wir sie nie aus den Augen. Wir tvaren imstande, das Polizeiautomobil ständig über die Bewegungen der Flüchtlinge zu informieren." Der Bericht des Chefs des Polizeiautos lautet«:„Die Banditen hatten keine Chance. Sobald un» das Flugzeug auf die richtige Spur gebracht hatte, konnten wir uns mit größter Geschwindigkeit auf die Verfolgung machen. Wir erreichten die strategisch so wichtige Straßenkreuzung noch drei Minuten vor den'Banditen, die wir in dem Augenblick stellten, als sie ahnungslos an uns vorbeirasen wollten. Ich glaube, der Versuch hat erwiesen, daß di« drahtlose Telephonie in Zukunft für die Polizei unentbehrlich ist." Die Banditen meinten:„Wir konnten uns gegen das Flugzeug einfach nicht durchsetzen. ES war unmöglich, eS abzuschütteln. Plötzlich tauchte der Polizeiwagen vor uns auf und da wußten wir, daß da» Spiel sein Ende gefunden hatte."< Neuartiges Polizei- Manöver in England Flugzeug jagt Baskraub«— Drahtlose Telephon« zwischen alle» Polizeikräfte» Bon, dem Flugplatz DeSford in der Grafschaft Leicester auS fand ein großes Polizeimanöver statt, das sowohl unter den anwesenden Fachleuten, wie auch, unter dem Publikum Aufsehen erregte. Mit Hilfe eines Flugzeuges und eines Polizeiautomobils gelang es in ganz kurzer Zeit, das Automobil einer flüchtenden„Bankräuberbande" zu stellen. „Heute nachmittag 1.30 Uhr wurde der Kassierer der Williams-Bank in Banbury von zwei Männern überfallen und beraubt. Die Beute betrug 80.000 Pfund. Die Räuber flüchteten in einem Riley-Wagen mit der Nummer M. 2807, der durch ein weißes Dach deutlich von anderen Automobilen zu unterscheiden ist." Das war die Polizeimeldung, die im Laufe des großen Manövers dem Flughafenletter von DeSford übergeben wurde. Während die Besatzung eines Polizeiflugzeuges ihre Maschine startbereit machte, lief folgende zweste Meldung ein: „Das Auto wurde gesehen, als es auS der Richtung Rugby nach Leicester um 2.30 Uhr die Gibbet-Straße kreuzte. Ein Polizeiwagen mit drahtloser Telephonie patrouilliert in der Wel- ford-Straße. Bitte» sucht die Lutter-worth-Straße ab und setzt Euch mit dem Polizeiwagen in Ber« bindung." Di« Jagd wird am Lautsprecher verfolgt Dreißig Sekunden nach dem Einlaufen dieser Meldung erhob sich das Polizeiflugzeug in die Luft. Wenige Minuten später war es schon am Horizont verschwunden. Gin großer Lautsprecher auf dem Flugplatz vermittelte den Sachverständigen und dem Publikum die spannenden Einzelheiten von der Banditenjagd. Man hörte:„Hallo, Polizeiauto. Hier ruft da» Polizeiflugzeug. Wir befinden un» über der Lutterworth-Straße und haben soeben das gesuchte Automobil gesichtet. Es fährt in nördlicher Richtung." Einige Sekunden schwieg der Lautsprecher, dann rief eine andere Stimme:„Hallo, Flugzeug. Das Polizeiautomobil antwortet. Alles in Ordnung. Wir verfolgen die Banditen in Richtung Bruntingthorpe." Der Flieger rief von Neuem und gleich darauf war die Antwort des Polizeiautos zu hören. Die drahtlose Verbindung, die bei diesem Manöver einer Prüfung unterzogen werden sollte, be- . Seite 8 „Sejialbemelrat' tfuitna. 27. Juli 1031. Nr. 173 i5X Eine deutsche Zeitung «»«hte-att-rdttd fllr tztemd-rt Shnttche Es ist eine von vielen. Sic erschein! in ciitcr deutschen Grogstadt, Kleinbürger tvaren von jeher ihre Leser. Auch kleinbürgerlich empfindende Arbeiter, die sich den Werbern der Arbeiterpresse gegenüber damit herauSredcten, daß diese Zeitung doch auch»gegen die Großen" schreibe, oder daß die Iran gerade noch den lau« senden Roman zu Ende lesen Ivolle, oder daß man einen gebrauchten Kinder!vagen laufen wolle und deshalb die Inserate nachsehen müsse, oder auch einfach nur, daß man bei dieser Zeitung so viel Papier bekomme. In den vielseitigen Jnseratenplaniagcn wuchs für den Besitzer des Unternehmens, der Verleger und Chefredakteur in einer Person war, der Profit wie Spargel. Dieser Ernte wegen waren' die Plantagen angelegt, aber wenn sie den erwünschten Gewinn bringen sollten, mutzten hun- dcrttausendköpfige Abonnentcnkolonnen die Inserenten locken, und, um diese Leserkolonnen zu halten, handelte das Blatt nach der Devise:»Der vieles bringt, wird vieten ettvaS bringen." So schillerte denn die Zeitung in mancherlei Farben, und wem in der Vorkriegszeit die liberale Tonart des politischen Teils, sofern er ihn überhaupt las, trotz aller Mäßigung ihrer Meinungsäußerungen nicht in jedem Falle behagte, der fand in den Vereins-, Hof« und Äirchennachrichten Les lokalen Teils, in den Wochenplaudereien und Gerichtsberichten den Quark breitgetreten, der ihm zusagte. Und in den Romaiten aus den literatur- scrnsten belletristischen Manufakturen kützte Theo von Sturmseld die hold erschauernde Elfriede von Bcrrcnlamp, daß cs, beim Kaffee zu lesen, für die Frauen der Milchhändler, Steueramtssekre» tare, Fabriksbuchhalter und aller Indifferenten eine teilnahmsvoll geschlürfte Wonne war. Aber nie versäumte diese Zeitung, gegen das Monatsende den Abonnenten zuliebe das Redaktionssteuer ein wenig nach links z» drehen; vorsichtig natürlich, um niemand zu erschrecke». So flatterte allmonatlich einige Tage lang das soziale Mäntelchen um die feisten Schultern ihres Chefs, um dann bald und ebenso regelmäßig wieher in bürgerlich-würdige Falten zurückzufallen. Es ist nicht feststellbar, tvie diese Zeitung in den Rus gekommen ist, ein demokratisches Organ zu seit»; es lag lvohl einzig daran, daß es in jener Stadt nie, weder vor noch nach den: Kriege eine wahrhaft bürgerlich-demokratische Zeitung gegeben hat, so daß den lokalen Parteikörperschaftcn der Freisinnigen vor und der Demokraten nach dem Weltkriege kein anderes Publitationsorgan zur Verfügung stand. Der Chef aber ließ diese Geltung auch dann noch gern ihre ersprießliche Wirkung tun, als die überzeugungstreuen Anhänger der Demokratischen Partei längst sich entschieden dagegen verwahrten, daß diese Zeitung Organ ihrer Meinungen sei. Das war in den letzten Jahren, als der Chef schon erwittert hatte, Latz der deutsche Wind sich drehe. Denn gute Witterung für politische Luftströmungen hatte er gewitz. Und da war er denn in kritischen Stunden auch zu allem bereit. So erschien er, als im Ro- vembcr 1018 der Umsturz über Nacht hereingebrochen war, gleich in den ersten Tagen im so- zialdeinokratischen Lager und bot, mit breiten Füßen auf dein Boden der neuen Tatsachen sichend, seine Zeitung dem neuen Regime zu Diensten an. Er tat damit nicht einfach, Ivozu es ihn angeblich drängte, sondern spekulierte dabei auf erwartete Gegenleistungen; man hörte die in seinen Taschen verborgene Rechnung knistern. Da die angesprochcncn Partner keine Neigung für ein solches Bündnis hatten, sondern das Angebot nur als Ausdruck plötzlich ausgebrochener Bürgerangst verächtlich belächelten, schillerte die Zeitung weiter, je»ach dem Wechsel der Fronten, immer aber init einem nrchr oder milider deutlichen Vorbehalt gegen alles, was sozialistisch war. So schwankte sie charakterschwach und ohne Mut zwischen den Fronten, bis eines Tages das Gerücht auftauchte und trotz allen zweideutigen Ableugnungen sich hartnäckig erhielt und sicher, auch begründet Ivar, daß dieses Blatt sich in sorgsam verdeckten Ausmachungen einem politisch ein- flutzreichen ZeitungSkonzcrn verkauft habe, wo- bei der Chef nach außen auch weiterhin als Verleger figuriere. Als dann die Deutsche Demokratische Partei jene unmögliche Che mit dem Jungdeutschen Orden MahraunS einging und dieses ungleiche Paar sich»Deutsche Staatspartei" nannte, zählte der Chef dieser Zcsiung zu den begeistertsten Brautführern; es lvar das erstemal, datz ihn die sichere Witterung verließ. Diesmal noch hatte das für ihn weiter keine Folgen. Als es aber nun dem deutschen Volke immer brauner vor den Augen wurde, hielt cS auch diese Zeitung für geraten, dem Nationalsozialismus schöne Augen zu machen. Die Berichte des Blattes über nationalsozialistische Veranstaltungen wurden immer ausfiihrlicher, immer freundlicher gesinnt; man lvar in allen Spalten bemüht, rechtzeitig den Anschlnh zu füidcn, welchem Bemühen ja um diese Zeit Hunderte von deutschen Zeitungen mit gleichem Eifer hingcgeben tvaren; daS besondere in diesem Falle war nur, daß der Chef'dieser Zeitung, von der hier die Rede ist, ein Jude war, der seine semitische Abstammung vergeblich zu leugnen versucht haben würde. Die sozialdemokratische Zeitung schrieb ihm damals bei einer Gelegenheit den Satz ins Stammbuch: „Wenn jemals die Demokratie ihren haßerfüllten Feinden zur Beute fallen sollte, dann wird auch diese Zeitung ihren Teil Schuld daran haben und dann wird auch sie die Freiheit verlieren, für die sie nicht gekämpft hat." Damals mag man wohl im Chefzimmer über eine solche Prophezeiung erhaben gelächelt haben. Aber sie wurde rasch und gründlich erfüllt. Das Blatt hat nicht nur wie sämtliche deutsche Zeitungen seine Freiheit verloren, sondern dxr Chef hat seine Zeitung verloren. Er war der erste, der von den Eroberern hinausgetan wurde. Wie und auf welche Weise ihn die Diktatoren der»erwachten Nation" aus seinem Bereich verjagt haben, entzieht sich unserem Wissen; tvahrscheinlich hatte er sein ZeitungS- unternehmen, in der Meinung, sich zu sichern, seinerzeit doch an eine Macht ausgeliefert, die jetzt zu den Nutznießern der Situation gehörte. Kurz und gut: der Jude flog. Siner von jenen jvdischett Unternehmern, die eS auch ckeKbkn hat: die bereit gewesen tvaren, mit dt«n braunen Rt- gime zu paktieren, wenn eS sich mit der Ausrottung der Marxisten hätte genügen, wohlgesinnten Bon einer abenteuerlichen Expedition 2060 Kilometer durch völlig unerforschte Gebiete der Lydischen Wüste und der südlichen Sahara zu den Ennedi-Bergen an der Grenze zwischen Französisch Aequatorial-Afrika und dem englischen Sudan ist Leutnant R. I. Kaulback nach England zurückgekehrt. Seine Entdeckungen «erden von den verschiedenen ForschungSinsti- Mten für äutzerst wichtig gehalten. Sie erbrachten den Nachweis, datz in den Ennedi-Ber- gen schon vor 8000 Jahren Menschen gelebt haben, die auf hoher Kulturstufe standen. Dir Expedition war mehrmals beinahe dem Tod durch Verdursten auSgesetzt. In einem kleine» Landhaus in Kensington sitzt ein Mann mit lederfarbenem, ausgemergeltem Gesicht und raucht eine Zigarette nach der anderen. Es ist Leutnant R. I. Kaulback von den Royal Irish Füsiliers. Er hat von seinen Vorgesetzten in Anerkennung seiner großen wissen- schastlichen Leistungen während seiner Expedition in die Ennedi-Berge und zur Erholung von de» vielen ausgestandenen Strapaze» einen längeren Nachurlaub bekomme». Bercitwsiligst gibt er den vielen"Journalisten überfeine Erlebnisie Auskunft. Er hatte von Afrikareisenden gehört, daß vor Tausenden von Jahre» in den Ennedi-Bergen ein geheimnisvoller BoltSstamm gelebt habe, von dein die Wissenschaft jedoch nichts Näheres bihher in Erfahrung bringen konnte. Schon seit Jahren lvar cs sein Wunsch gewesen, einmal dieses uyerforschte Gebiet zu besuchen. Als er im> März einen längeren Urlaub erhielt, rüstete er In ganz kurzer Zeit eine Expeditipn dorthin ans. . Sin unbekannter Fisch entdeckt. „Ende März machte ich mich von Khartum aus mit einem arabischen Diener und drei Cag- hawa-Kamelführern auf die große Reise", so erzählte Leutnant Kaulback seinen Gästen.„Die und zu restloser»Gleichschaltung" bereiten Judin aber in. Ruhe ihren Profit auch weiterhin hätte machen lassen. Wo und wie Vieser davoNgejagte Steigbügelhalter heute lebt, wiflen wir nicht. Vielleicht sitzt er irgendwo geduckt in Deutschland, vielleicht zählt er sein gerettetes Geld, in der Fremde, vielleicht schreibt ihm nächstens eine Geisterhand den Satz an die Traumwand:»Dann wird auch diese Zeitung die Freiheit verlieren, für die sie nicht gekämpft hat." . Die Zeitung wurde gleichgeschaltet. Der leitende politische Redakteur, der bei der Annäherung an Hitler nach Kräften mitgesteuert hatte, hielt sich auf seinem Posten. Er. gotb nur seine Frau preis, die er kaum zwei Jahre zuvor geheiratet hatte; er ließ sich von ihr scheiden— sie war Jüdin. Ihr überließ er die Tapferkeit; er zog den bezahlten Dienst am Dritten Reiche vor. Ein zweiter Redakteur, Jude wie sein Chef, wurde in seiner Wohnung außerhalb der Stadt von den braunen Soldknechten heimgesucht; er floh ins Exil. Ein dritter Redatteur des Blattes, trotz mancher Hemmungen als ehemaliger Reserveoffizier fast noch der einzige Demokrat im Re- daktionsstabe und ein lauterer, anständiger Charakter, fügte sich erbittert in den Zwang, den die Sorge um eine siebenköpfige, über jahrelange schwere Privatnöte gerade glücklich hinweggebrachte Familie ihm auserlegte. Er brauchte sich nicht lange zu fügen. Das entwürdigende Tun in der Zwangsjacke einer gleichgeschalteten Siedaktion und neue familiäre Anfechtungen— die älteste Tochter war mit einem jüdischen Studenten verlobt, der noch dazu Sozialist und Pazifist war— machte sein schon fett langem kränkelndes Herz rasch müde; er starb noch vor Jahresfrist an einem Herzschlag, auch er ein Opfer der braunen Diktatur, die sich von Menschenopfern nährt. In die Lücken traten willige Kreaturen. So existiert diese Zeitung tveiter. Vorläufig noch. Eine unter vielen. Gleichgeschaltet bis in die letzte Zeile und selbst von denen gelangweilt beiseite gelegt, deren Leib» und Magenblatt sie einmal war. ES ist in Deutschland heute gleichgültig, welche Zeitung man lieft oder nicht liest— sie sind alle gleich dumm. Und so fallen die Blätter; es ist Herbst im deutschen Blätterwald während des ganzen Jahres. Die Jnseratenseiten kriechen ein wie Wolle in der Wäsche. Jahrhundertalte Zeitungen, mit ihrem Namen Repräsentanten der deutschen■ Zeitungögeschichte, sterben lautlos dahin. Und vielleicht ist der Tag nicht mehr fern, an dem auch dieses Blatt welk zu Boden sinken wird. Dann wird unter dieses hier skizzierte Portrait, das ja nicht erdacht, sondern getreu nach der Wirklichkeit gezeichnet ist, nur noch ein Satz zu schreiben-sein: Sie starb an chronischer Charakterschwäche— eine deutsche Zeitung, eine unter Vielen in Deutschland und eine von jene», die erst iw Sterben begreifen, datz es ihr eigenes Grab war, an dem-sie so eifrig mitgeschaufelt haben. ’* Manfred. Schwierigkeiten einer Expeditton durch die Lybi- sche Wüste hatte ich mir bei weitem nicht so schwer vorgestellt. Hätte ich sie gekannt, wer tveiß, ob ich wirklich das Abenteuer gewagt hätte. Znm zweitenmal möchte ich meine Erlebnisie auch nicht durchinachen. Bis Fada, der letzten Oase vor unserer langen WUstenrcise, machte ich die erste große Entdeckung. Es waren Höhlenzeichnungen von großer Schönheit, über deren Bedeutung ich mir als Laie selbstverständlich leine rechte Vorstellung machen wnnte. Ich photographierte sie systematisch und brachte die Bilder nach meiner Rückkehr dem Well- come-Forschungsinstitüt, von dem mir erklärt wurde, sie stammten von jenem sagenhaften Volk, das dort vor 8000 Jahren gelebt haben nuiß> Aehnliche Zeichnungen seien bisher noch nicht gefunden worden. Weitere Spuren eines uralten Volkes fand ich im Nordosten und Südostcn der Oase, nämlich Töpferwaren und Steinwertzengc, die ich ebenfalls mit nach England brachte. Eine Entdeckung von großer zoologischer Bedeutung machte ich dann bei der Weiterreise in zwei Quellen. Diese bildeten mehrere" kleine Tümpel, in denen sich eine Fischart befand, die ich bisher noch nicht kannte. Es gelang meinen Begleitern, einige Exemplare zu fangen, hie ich photographierte. Die Forscher vom Wellcome-Institut haben mir versichert, datz man den Fisch nicht kenne.' Spätere Geschlechter imitierte« die Zeichnungen. Wär die Reise bis dahin ohne besonder-- Strapazen verlaufen, so sollten wir in den Ennedi- Bergen eine wahre Hölle kennen lerne». Hier gab es so gut wie keine Quelle, so daß wir a»f unseren beschränkten Wasicrvorrat angewiesen waren. Dennoch ließ ich mich" nicht entmutigen, wenigstens die wichtigsten Gebirgsketten zu durchstreifen. Auch hier fand"ich mehrere Höhlen mit Zeichnungen. Reben den kunstvollen Skizzen, wie ich sie schon Fünf Manner sahen den Wüstentod Ans den Spure» non Mensche« vor 8000 Jahren— Die glühende Hölle der Ennedi-Berge Der beiliegende Erlagschein istzur Bezahlung der Abonne mentgebühr zu verwenden! Wer im Rückstände bleibt, schädigt die Partei und deren Presse Die Verwaltung bei der Oase Fada gesehen hatte, befanden sich auch tvesentlich primitivere Zeichnungen. Die wissenschaftlichen Gutachter des Wellcome-Institutes sind der Meinung, daß Nomaden, die lange nach dem Urvolk hierher kamen, deren Zeichnungen zu imitieren versuchten. Fünfzehn Tage lang hielt ich mich in der „glühenden Hölle" auf. Dann glaubte ich da» Wichtigste gesehen zu haben, und zog mit meiner kleine» Karawane weiter. Wir wandten uns nach Süden, in Richtung-nach Abcschr. Der Wüstensand war so tief, datz die Kamele mit ihren langen Beinen darin fast versanken. Man kann sich vorstcllcn, wie langsam unser Weitermarsch vonstätten ging. Lederschuhe für unsere Lasttiere. Je mehr wir nach Süden kamen, um so unerträglicher wurde die Hitze. Unser Wasservorrat ging zur Neige, die Kamele Ivurdcn immer schirä- cher und eine Oase wollte sich nicht finden lasse». Ich mutzte daß Wasser rationieren. Meine Begleiter zeigten sich äutzerst niedergedrückt. Auch ich glaubte kaum noch daran, jemals diesem Sandmeer entrinnen zu können. Der Wüstentod streckt: seine knöchernen Arme nach uns aus... Einer der Kamclführer wandte sich schließlich mit der Erklärung an mich, die Kamele würde» in dem heißen Sand nicht mehr laufen können, Wenn wir ihnen nicht schleunigst Schuhe an die Hust bänden. Wir zerschnitten einen große» Ledersack und nähten den beinahe verschmachteten brave« Lasttieren'Schutzhüllen um die Beine. Jetzt ging es wieder rasch voran. Als wir aber nach mehrere« Tagen noch immer an keine Quelle gekommen waren, brach eines der Kamele zusammen. Ich wollte es nicht zurücklasie» und ordnete daher an, daß seine Last auf die übrigen Tiere verteilt wurde. Der ansgeschöpfte Brunnen. Ich litt unter Fieber und hatte ständig Halluzinationen. Endlich bemerkte ich in der Fernmehrere Palmen. Eine Oasel Jin ersten Aiigc»- blick glaubte ich an eine Fata Morgan«. Aber dar belebende Bild verschtvand nicht, Am Abend hatten wie die Oase erreicht. Wer aber beschreibt nnscrt maßlose Enttäuschung, al» sich herausstelltc, daß kurz vorher eine andere Karawane dagewesen war und den Brunnen bis auf den letzten Tropfen aus- geschöpft hatte. Jetzt gab es für mich die Wahl zwischen weiterem fünftägigem. Schmachten— in fünf Tagen würde der Brunnen loicdcr Wasser haben, so erklärte mir mein arabischer Diener— oder aber den Weitermarsch zur nächsten, auf meiner Karte verzeichneten Oase, die sich in etwa 00 Kilometer Entfernung befand. Ich entschied mich zum Weitcrmarsch und ließ die Kamele unseren gesamten Wasicrvorrat trinken. Auf diesem Weitermarsch fanden wir beinahe den Tod, denn jetzt konnten die Kamele wirklich kaum noch weiter. Schweren Herzens mußte ich mehrere Tiere und einen großen Teil meines Gepäcks zurücklassen. Zlvci Tage dauerte es, dann hatten wir wirklich die rettende Oase erreicht. Die Kamele erholten sich rasch. Die siebentägige Reise nach Bileine, einem französischen Fort, bot dann keine wesentlichen Schwierigkeiten mehr. Dort verabschiedete ich mich von meinen Bcgleiterit und fuhr im Auto nach Abcschr, dem Ziel der großen Fahrt." VcrclRsndffiriffitcR Sonntag, bett 20. Juli. Um 7 Uhr bei der Endstation der 7 Elektrischen in Podbaba. Wanderung— Suchdol— Levis Hradec— Zalov. Baden. Führer: Zechner. Urlaubsberatungen, An meldungen und Informationen jeden Freitag, von ü bis halb 8 Uhr in der Geschäftsstelle in Prag II., Närodni tk. 4. 2. Stock. Telephon Nr. 48880. FRAG BadeauSflug am Freitag den 27., SamStag, den 28., und Sonntag, den. 29. Juli, zum Kunratitzer Teich. Abmarsch um 7 Uhr von der Endstation der Linie 14 in Kaieron. Jede, neue Parteimitglied bedeutet: eine« Freund«ehr, eine« Fei»d weniger. Dar«««erdet für die Partei! B e, ua»bedinaungen:«et Zustellung in» Hau, oder bet Bezug durch dte Poft monatlich ttü 1«.—. vierteljährig Kd 48.—. halbjährig K« VS.— ganzjährig Kd 102.——-Inserat- m»ev.„ u». bill'ast berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß"- Mä^unavon Maniskridtenerkotzt nut bei Einsendung der RewurmaW- Die ZettMgSfrankaturNmrde von d-rÄt.^ndTel^m^- " virektton mit hrlatz Rr.18.800/VII/108l) bewilligt.— Druckerei:.jDtbil. Druck-.«erlag,- und Zeitung,-A.-G. Prag,