EJattipeH 70 Natter (•IrwcMIeWch 5 Heller Förto) IE NTRALORGAN MR DEUTSCHEM SOIIALDEMOKRATWCMEW ARBEITERPARTEI IM MR TSCHECHQSI0WAK1SCHEN REPUBLIK IMCHBMr Mir AUSNAHME MS MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion uno vhwmwmo ma und wehmütig zu gestehen, daß es ans einmal sein Wunsch sei, „insbrsonders das seit langem getrübte Ber- hiltnis zu de« deutsch-österreichische« Staat wieder in normale und freundschaftliche Bahnen geleitet zu sehen". Auch der Landerinspekteur für Oesterreich, der berüchtigte H a b i ch t, der vom Münchener Sender an» seine Hetzrede« gegen Oesterreich lo»- ließ, ist zur Disposition gestellt worden, angeblich weil ,,i« einem einzige« Falle" in der Rnnd- snnlberichterstattnng über die österreichische» Er- rigniffe ein„B er seh en" unterlaufen sei. Frauenfelds geplante Rundfunkrede wurde ebenfalls abgesagt. Bo« Papen wird in Wie« wohl mft großer Zurückhaltung ausgenommen werden, da man ' dort wie bei den Großmächte« die wahren Gründe dieser plötzlichen Wendung um 180 Krad nur allzu klar durchschaut. Immerhin hat durch diese Kapitulation des Dritten Reiches die außenpolitische Situation eine Entspannung erfahren. Wenigstens wird am Abend au» Paris gemeldet, daß der mehrfache Meinungs- austausch zwischen Frankreich, Italien«nd Eng- land n o ch n i ch t zu einer diplomatische« Aktion führen mufft. Falls ober eine Demarche in Berkin erfolgen müsse, würde sie von alle» drei Großmächte«»nternommen werde«. G Hitler hat an Vizekanzler von Papen nachstehende» Schreiben gerichtet: In Verfolg der Ereigniffe in Wien habe Ich mich gezwungen gesehen, dem Herrn Reichspräsidenten die Enthebung des deutschen Gesandten in Wien Dr. Rieth von seinem Posten vorzuschlagen, weil er auf Aufforderung österreichischer BnndeS- minister, bzw. der österreichische« Ausständischen sich berritfindrn liest, einer zwischen diesen beiden getrofsrnen Abmachung bezüglich freien Geleites und Abzug nach Deutschland ohne Rücksrage bei der Reichsregierung sein« Zustimmung zu geben. Der Gesandt« hat damit ohne jeden Grund da» Deutsche Reich in eine i n t e r n e öfter- rei ch i s ch e Angelegen he i t hinrin- eezogen. Da» Attentat gegen den österreichischen Bundeskanzler, da» von der deutschen Reichsregierung aus das schärfste verurteilt und bedauert wird, hat die an sich schon labile politische Lage Europa» ohne unser.« Schuld noch weiter verschärft. ES ist daher mein Wunsch, wenn möglich, zu einer Entspannung der" Gesamtlage beizutragrn, um i n S b e s end r r«d»» seit langem getrübte Brr- hältni» zu dem deutsch-österreichischen Staat wieder in normale«nd freundschaftliche Bahnen geleitet zu sehen. AuS diesem Grunde richt« ich di« Bitt« an Sie, sehr verehrter Herr von Papen, sich dieser wichtigen Ausgabe zu unterziehen, gerade weil Sie seit' unserer Zusammenarbeit im Kabinett mein vollstes und««eingeschränkte» Vertrauen besaßen und besitzen. Ich habe daher dem Herrn ReichSpräfidenten vorgeschlagen, daß Sie unterAuöschei- d r n a u S dem Reichbkabinett und Entbindung von dem Amt al» Saarkommissär für rin« be- fei stete' Zeit in T o n der« iss iß st ans dem Posten de» deutschen Gesandten in Wien berufen«erden. In dieser Stellung-werden Tie mir unmittelbar unterstehen. Wenn ich Ihnen auch heute noch einmal danke für alle», wa» Tie einst für die Zusammenführung der Regierung der nationalen Erhebung und seitdem gemeinsam mit nn» für Deutschland getan haben, bin ich Ihr sehr ergebener gez. Adolf Hitler. Mit der Betrauung de» bisherigen Vizekanzlers von Papen mit dem Amte de» Gesandten in Wien hat sich die günstige Gelegenheit geboten, Papen auf normale Art aus dem Kabinett mts- scheiden zu lassen, in dem seine Stellung seit dem 30. Juni schlechthin unhaltbar geworden war. Hitler versichert zwar Papen in einem eigenhändigen Schreiben seines Vertrauens. Damit ist jedoch keineswegs der Gegensatz beseitigt, der zwischen Papen und dem jetzigen Regime nach der Erschießung zweier Sekretäre entstanden ist. Infolgedessen ist kaum anzunehmen, daß Papen seinen Wiener Posten mit jener Autorität versehen'wird, die angesichts der außerordentlichen Umstände erforderlich wäre. Der Umstand, daß die Mission PapenS befristet ist, verstärkt nur den Eindruck, daß es sich um eine Notlösung handelt. Bis in die Abendstunden ist nicht bekannt geworden, ob die Wiener Regierung dem neuen Gesandten das Agrement erteilt hat. Aus dieser Verzögerung wird vielfach der Schluß gezogen, daß die österreichische Regierung mit der Entscheidung deS Kanzlers Hitler nicht von vornherein einverstanden ist, ja es wird nicht einmal für ausgeschlossen gehalten, daß die österreichische Regie.» «sung, bevor sie das Agrement stir Herrn von Papen erteilt/ von der Reichsregierung verschiedene Au f klär'ung gefordert oder bestimmte Bedingungen stellen wird. Urtiere raten massen lomcni In den Wiener diplomatischen Kreisen werden zwar Hitlers Brief an Papen und die Absetzung Habicht» als ein Rückzug betrachtet, dem/jedoch seitens der Führung deS Dritten Reiche» noch, w eitere T a t e n und Haupt- f ä ch l ich G a r a n t i e n folge« miiffen. Italienische Armeekorps marschbereit an der Grenze •■• R o m, 27. Juli. Schon beim ersten Eintreffen der Nachricht, von der Ermordung des Bundeskanzler» Dr. Dollfuß wurden für die Eventualität von Kompllkatlo- n e n Truppenverschiebungen des Heeres und der Aviatik an den Grenzen deS Brenners und von Kärnten ungeordnet Die Kräfte sind ausreichend, um jedem Ereignis gegenüber gewachsen zu sein. Da jedoch die Lage in Oesterreich in den normalen Zustand zürückzufindrn scheint, darf man anneh- men,, daß es nicht notwendig sein wird, über diese Vorbereitungen, die dr» Eharakter von Vorsichtsmaßnahmen tragen, hinauszugehen. .. Wie der Reuter-Korrespondent erführt, werden."die italienischen Armeekorps von 40.000 Mann an der-österreichischen Grenze so lange hlribrn,- bi- die Situation in Oesterreich wieder norm»! ist. Weitere 10 0.0 0 0 Mann wurden im mittleren Norditalien einberufen, wo die jährlichen Manöver, die am 1. August beginnen, vorbereitet werd«»..- /,/ Niederschmetternder Eindruck tiel den klmpfinfin Nazis. Das Schreiben Hitlers an Papen /hat in Wien begreiflicheSAufseh en hervorgerufen. Die„Reichspost" veranstaltete bereits in den frühen Vormittagsstunden eine Extra- Ausgabe, die Wiener Rundfunkgesellschäft Hai das Schreiben in den Vormittagsstunden einige Mal« verlautbart, ebenso-die Meldung Wer. di« Absetzung Habichts. Auch wurden beide Meldungen mit Hilfe von Regierungsflugzeugen besonder» Wer den Positionen der nationalsozialistischen Putschisten in Steiermark und Kärnten abgeworfen. Ans di« österreichischen Nationalsozialisten -«achten diese beiden- Meldungen einen n i e- ... derschmetternden Eindruck. Besonder» auf die noch kämpfenden Putschisten wirkte diese» Friedensangebot Hitler» wie eine Bombe. Die übrige Bevölkerung Oesterreichs nahm bie Nachricht r u h i g und mit einer gewissen Reserve auf. Auch in österreichischen' Regierungskreisen wird die neueste Wendung Hitler» vorläufig noch skeptisch ausgenommen. Man will erst-weitere Tat e n des Führers des Dritten Reiches äbwarten. Was wird aus Oesterreich! gerbten oder PlemontT Wieder einmal hat sich die gespannte euro. päische Atmosphäre in tödlichen Schüssen ent. laden. Die Ermordung Franz Ferdinands gab vor zwanzig Jahren das Signal zum Weltkriege. Waren die Berschwörerkugeln, denen Dollfuß zum Opfer fiel, Abschluß einer gefährlichen Ent- Wicklung oder die Auslösung einer noch schlim- mercn Wirrnis? Das erste Echo der jüngsteii österreichischen Ereignisse könnte zu trügerischen Schlüsseii führen. Ausgerechnet Mussolini gibt den Ton der moralischen Entrüstung an, welche die. Aenße. rungen der europäischen Staatskanzleien und der offiziösen Presse ersüllt. Ausgerechiiet Mussolini tritt als Ankläger gegen die politischen Mörder und ihre Hintermänner auf, jener Mann, unter dessen Herrschaft der Mord am politischeii Geg- ner zur italienischen und zur europäischen Mode geworden ist. Daß nun auch in dsr Presse demo- kratischer Lander mit Vorliebe die entrüsteten Stimmen der gleichgeschalteten italienischen Presse zitiert werden, hat taktische Hintergründe. Jin Urteil über die Dollfuß-Mörder spiegelt sich die politische Konstellation Europas. Der französische Staatenblock steht im Duell gegen den deutsch-italienischen Revisionsblock. Hitler konnte nur deshalb Europa in einen Zu- stand der Unsicherheit und Verwirrung bringen, weil ihm Mussolini sekundierte. Darum setzt die französische Außenpolitik alles daran. Deutsch, land und Italien zu entzweien. Sie hat richtig darauf spekuliert, daß die dicke Freundschaft der Diktatoren im Streit um die österreichische Beute entzwei gehen werde. Deshalb ließ Frankreich den Dingen in Oesterreich freien Lauf. Aus.die- sein Grunde unterstreicht Paris jedes Wort, ivelches daö faseistische Italien gegen die Macht, gelüste des faseistifchen Deutschland richtet. Ja selbst die alarmierende Meldung von den italienischen Truppenkonzentrationen an der tiroler und kärntnerischen Grenze wird aus diesem Ge- sichtspunkte mehr mit Befriedigung, denn mit Unruhe verzeichnet. Ein gefährliches Spiel! Die öffentliche Meinung der demokratischen Länder mutz sich auch deS Risikos dieser gewiß schlauen Taktik bewußt werden. Die Situation wäre mit einem Schlage verändert, sobald etwa die österreichischen Legionäre Hitlers ans eigene Faust ein Abenteuer wagten, sobald infolgedessen der erste italienische Soldat österreichischen Bo- den beträte. Ergreift Italien von dem kärntneri- scheu Drautal Besitz, dann befindet sich Jugo. slawien in der Gefahr einer tödlichen Nmklam. merung. Schickt Mussolini seine Soldaten bis in die Steiermark, dann hat er die direkte Verbindung mit Ungarn gewonnen und der ungarischen Aufrüstung sind praktisch keine Grenzen mehr gezogen. Das bedeutet schwerste Gefährdung auch der Tschechoslowakei und Rumäniens. Wo sind die Grenzen des diplomatischen Spiels, wo be. ginnt der blutige Ernst? In Oesterreich gibt eS keine Ruhe, keine Stabilität, solange die Heimwehrsührer an der Macht sind. Die Quellen dieser Unruhe liegen aber nicht nur an der deutschen, sondern auch an der i t a l i e n i s ch e n,E i n m i s ch u n g. Ohne die Rückendeckung Mussolinis hätten die Heim- Wehrführer mit Dollfuß an der Spitze de» Staatsstreich nicht gewagt. Dje braune Gefahr war nur ein Vorwand. Ohne die ständige italienische Einmischung wäre die christlichsoziale Par- tei einfach gezwungen gewesen, den Weg der demokratischen Verständigung mit den Sozialdemokraten zu gehen. Mussoliniwärin den letzten Jahren der böse Geist per österreichischen Politik. Er trägt die Hauptschuld daran, daß daS arme Land Seite 2 Lomsing, 28. Anli 103-t *■ »<.‘174 Schweizer Protestnote äbgegangen Vern, 27. Juli. Der sckuveizerlsche Bundesrat genehmigte den Entwurf zu einer Rote, die zum Zeichen des Protestes gegen die Einscbmugge- lung von Explosivstoffen bei Staad unverzüglich am die deutsche Reichsregierung abgehen soll. 1 schon Verwicklung von unabsehbaren Ausmaßen, aber auch ein europäisches Piemont, der Mittel, punkt einer auf demokratischer Verständigung be- ruhenden europäischen Föderation. Oer aus Oesterreich ein zweites Serbien machen will, un» tersvitze das bluttriefende Heimwehrregime, er- muntere Miissolini. WcrauSOe st erreich wieder ein europäisches Kultur. land machen w i l l« n d e i n e B a st i o n de-Friedens, der mutz dem öfter, reichifchen Volke und der öfter, reichifchen Arbeiterklasse bei der Wiedcrerringung derrepu. blikanischen Freiheiten behilflich sein. in einen Zustand latenten Bürgerkrieges gestürzt worden ist. Auch die demokratischen Westmächte sind nicht ohne Mitschuld, daß es soweit kam. Sic wollten den Teufel mit dem Beelzebub austrei- den, indem sie Dollfuß gegen Hitler ausspielten. So konnte die lächerliche Legende entstehen, in deren Mittelpunkt Dollfuß als angeblicher Vor- kiimpfer der österreichischen.Unabhängigkeit stand. Jener Dollfuß, der das Parlament unter nichtige» Borwänden auSschaltete, weil er seine Politik nicht nach dem Willen deS österreichischen Volkes, sondern nach den Ratschlägen aus Rom und Riceione einrichten wollte. Dollfuß, der dieses Abenteuer mit dem Leben bezahlte, ist glei- chcrmaßen ein Opfer Hitlers wie Mussolinis. Entscheidend für eine demokratische Betrachtung ist. aber, daß die vorherige oder nachträgliche So- lidarisierung des Auslandes mit der Politik Dollstiß' und seiner Heimwehre» die Zustände in Oesterreich noch kompliziert, statt sie zu cntwir. ren. Sie dient zu einer wenigstens vorübergehen- den moralischen Stärkung jener blutbefleckten Heiniwehrführer, die nun das Erbe deö toten Bundeskanzlers antrcten sollen. Ein Fey, der um sein Leben feilschte, während er Dollstiß verblu. ten ließ, ein Nenstädtcr-Stürmer. der schon im Parlament mit Wurfgeschossen argumentierte, ein Starhcmbcrg, den ein ckristlichsozialcr Fül;. rcr als Lausbuben bezeichnete, ein Schuschnigg, von dem man nicht weiß, ob er im Dienste Habs- burgS oder Hitlers steht— diese fragwürdigen Gestalten sollen vielleicht künftig Oesterreich als Treuhänder Europas beherrschen? In einem Land soll Ruhe werden, das in a l l e n W i n k c l n b e f l c ck t i st v o. n B r u. d c r m o r d, d e s s e n G e f ä n g n i s s e n i ch t m c h r a u s r e i ch c n, u m a l l d i e F c i n d e einer Bajonettherrschaft zu fassen? Die Miissolinischc Konzeption ist gefährlich und unaiinchmbar, weil sie die einzige wirkliche Ordnungsgewalt, die eS in Oesterreich noch gibt, absichtlich nicht in Rechnung stellt: die sozial- demokratische Arbeiterbewegung. Denn ganz in der italienischen Linic liegt die bodenlose Schur- lerei, als Antwort auf einen Naziputsch den Hoch.: verdienten Dr. Renner wieder ins"Gefängnis werfen zu lassen, den Bürgermeister Seitz im Kerker zugrundezurichten, die sozialdemokrati. ■ scheu Arbeiter auf die Bahn terroristischer Der. zweifliingsakte zu treiben. Je mehr die Anarchie in Oesterreich ivächst, desto besser für Mussolini. .Umso eher wird er.einen Anlaß finden, die be» gehrte Beute, womöglich mit einem Mandat deS Völkerbundes hiezu ausgerüstet, einzustecken. Sein Spiel ist zu durchsichtig. Noch ist eS Zeit, «S zu durchkreuze». Oesterreich kann ein zweites Serbien wer» den, nämlich der Ausgangspunkt einer kriegeri- Das gebrochene Geleite Die amtliche Darstellung erlogen—DollfuB* Tod war bereits bekannt ist '• während der Feberkämpfe als der tapfere Held icrn ließ, der im Kugelregen nicht gezuckt Habel seine Leute sonst fürchteten, trotzdem niedergemacht zu werden. Rieth habe zunächst nichts zugesagt. Doch habe ihn dann der cingeschlossene Fey angerufen und ersucht, sofort in das Bundeskanzleramt zu kommen und sich dort die von Neustädter-Stürmer getroffene Abmachung bestätigen zu lasten, weil davon ihre Durchführung ab hänge. Rieth begab sich persönlich zu Neustädter- Stürmer. der ihm zu Beginn der Unterredung mitteilte, daß Dollfuß tot l e i. Neustädter-Stürmer bestätigte ihm den Inhalt der getroffene« Vereinbarung und die Zusicherung des freien Geleites für die gesamte im Gebäude befindliche bewaffnete Truppe. Die gleiche Bestätigung erhielt er mich von dem ebenfalls anwesenden Fey. Nur Karwinsky Ivar noch im Gebäude eingeschlossen. kam dann aber auch noch heraus. Ueber Bitten Karwinstyö begab sich der Gesandte samt Fey und Karwinskv zu einem Tor des Gebäudes und teilte dem durch einen Türspalt blickenden angeblichen Hauptmann Friedrich mit, daß ihm die M i n i- st e r das Abkommen bestätigt hätten. Ausdrücklich erklärt Rieth abschließend: „Fch stelle auch fest, daß die Erklärungen der drei RegierungSmitglieder über das freie Geleit mir gegenäber abgegeben wurden, nachdem ste mir bereits das Hinscheiden deS Bundeskanzlers Dollfuß mitgeteilt hatten, daß als» diese Zusage i n »oller Kenntnis dieses traurigen Vorfalles gegeben worden ist." Mc Darstellung Dr. Rieths Aus der Darstellung Dr. Rieths geht hervor, daß der Rädelsführer der'Terroristen, der sich als Haupiniann Friedrich vorstellte, kurz vor Ablauf des Ultimatums den Gesandten telephonisch anrief, ihm zugesicherten freien Geleites darauf zurückzufüh- rcn sei, daß die Zusicherung nur unter der Voraussetzung erfolgte, daß keiner der gefangenen Minister tot sei. Erst nach der Masfcnstrcckung der Terroristen habe man erfahren, daß Dollfuß nicht vcrivundet, sondern bereits tot sei. und habe sich daher nicht mehr für verpflichtet erachtet, das freie Geleit auch Ivirklich zu gewähren. AuS einer Darstellung, die der abberufene Gesandte Dr. Rieth durch das Deutsche Nachrichtenbüro veröffentlicht, geht aber hervor, düst diese amtliche österreichische Darstellung erlogen ist, da der Tod Dollfuß' bei Zusicherung des Geleites bereits bekannt war. Für den Maria-Theresicn-Ordenörittcr Fey ein solcher Bruch eines gegebenen Versprechens gerade nicht sehr rühmlich. Immerhin ergänzt diese Episode das Charakterbild dieses Herrn, der si< sc Offiziell hatte die österreichische Regierung i von der Zusicherung de» freien Geleites Mitteilung nach dem Zusammenbruche des Butsches festgestellt, machte und ersuchte, sich diese Zusage von dem zu- daß die Nichteinhaltung des ursprünglich Migen Eine Genugtuung rar die Demokratie Bemerkenswertes Urteil des agrarischen Hauptblattes über die Vorgänge in Oesterreich Bon den Stinunen der tschechischen Presse über,den 25.,Juli 1034 muß besondere Beachtung den Ausführungen des.„Penkov?, des Blattes der Agrarier, geschenkt' wecken,.- LM „Neuerliche Satisfaktion für die Demokratie" schreibt daS Blatt in seiner Ausgabe vom 27. Juli: Die, blutigen Mittwoch-Ereignisse in Wien bedeuten für die Demokratie eine neuerliche Satisfaktion... Wenn wir auch die verschiedene strukturelle Lage der Staaten und Rationen anerkennen und die Verschiedenheit der politischen Nlethoden begreifen... könne wir dennoch insbesondere in der heutigen Zeit nicht blind sein gegenüber den Ereignissen rings um uns, die klar und nach allen Seiten hin aufzeigen, daß iyr Zeitpunkte einer großen wirtschaftlichen und sittlichen Depression jene Länder am besten daran sind, welche der Demokratie tteu bleiben. Für uns ist eö eine Belehrung, daß wir uns unsere-Demokratie höher schätzen, daß wir mehr an sie denken und ihrer Sicherung mehr Aufmerksamkeit widmen sollen. Wir wiirden uns freuen, ein so offenes und klares Bekenntnis zur Demokratie als Lehren aus den Ereignissen vom 30. Juni und 25. Juli 1084 auch aus dem Munde deutscher Agrarier zu Wey'si..'.v e?<•< 5-.......-,4z«,' Kein Privileg für Italien „Prnvo Sibtt" über die Stellung der Großmächte zu Oesterreich. Unter dem Titel»Europa hat das Wort" veröffentlicht das.„Prävo Lidu" gestern einen Leitaufsatz, in dem auf die Nachricht Bezug genommen ivird, daß Italien für alle Fälle militärische Vorbereitungen getroffen hat und daß cs an eine Aktion nur schreiten werde, wenn England und Frankreich zustimmen tvürden.„Da taucht nmt die Frage auf", so führt das Blatt aus,„warum nicht schon früher ein entschiedenes Einschreiten in Berlin und Oesterreich eriMst ist und warum nicht,zu verstehen gegeben ivucke, daß die österreichische Frage sowohl im Jnlande als auch im intemationalen Maßstäbe gelöst werdest müsse. In internationalem Maßstäbe bedeutet das, Deutschland gegenüber zum Ausdrucke zu bringen; daß man nicht mehr weiter dulden werde, wie es in Oesterreich Berschlvärungen und terroristische Handlungen unterstützt... Aber eS müßte auch gesagt werden, daß auch Italien seine priviligierie Stellung als Beschützer Oesterreichs aufgeben und daß die Unabhängigkeit Oesterreichs praktisch durch alle Großmächte garantiert werden müsse." Was die innere Lösung der österreichischen Frage betrifft, bemerkt das Blatt, cs werde niemals in Oesterreich Ruhe sein, solange im politischen Kurs der Regierung Dollfuß fortgeschritten werden wird. In eine Regierung, die Oesterreich aus seinen Wirren herausführen willll, darf leim Politiker sein, der durch die Teilnahme an der Regierung Dollfuß kompromitiert ist. DaS unglückselige Erbe des ermordeten Dollfuß muß liquidiert werden. natfinspcmion Schon im Mai beantragte daS Ministerium für öffentliche Arbeiten die Bestellung von zwei geprüften Piloten, die zur Getvährleistung eines umfassenden Sicherheitsdienstes im Flugivcsen dienen sollen. Die Karlsbader Flugkatastrophe zeigte die Dringlichkeit der sofortigen Verwirklichung dieser Maßnahme. Der Aufbau der Fluginspektion, die vor allem der Sicherung des Lebens und der Gesuiidheit der im Flugdienste beschäftigten und durch ihn beförderten Personen dienen soll, soll einerseits durch ständige Kontrolle der von den Fluggesellschaften benützten Flugzeuge erfolgen, anderseits durch Mitwirkung bei der Erzeugung, dem Betriebe und den Prüfungen der Flugeignung der Flugzeuge, weiters durch Nachprüfung ihrer Einrichtuiigen, Bestandteile und Motoren. . Damit alle diese Aufgaben erfolgreich durchgeführt werden können, bewilligte die Regierung die Ausnahme ztveier Piloten für die Fluginspektion deS Ministeriums für öffentliche Arbeiten. Der DerittniMM die Sdiimac rar die dcutsdie wlrtsdialt Die katastrophale Situation, in der sich die Wirtschaft im Dritten Reich besindet, wird am besten durch die erschreckende Devisenknappheit charakterisiert, die den gesamten deutschen Import und damit auch bestimmte, ans die Einfuhr von Rohstoffen angewiesene Produktionöztoeige wie den Export zu ertvürgen droht. Wie ernst die Lage geworden ist, geht aus folgender in den reichsdeutschen Blättern veröffentlichten Kundmachung heckoti" Im August nur 5 v. H. Devisenzuteilung. Die Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung hat angeordnet, daß der Grundbetrag der allge- meinen Genehmigungen für die-Wareneinfuhr im August nur sis zur Höhe von 5». H. In Anspruch genomnien werden darf. Für Juli waren noch Ist- v. H. genehmigt. Die Dcvisenlage hat also. eine, erneute Halbierung der Zuteilung von Euizcl- genehmigungen anzuivenden. Weiter wird angcorS- »et, daß die RcnibourSkredite im August nur bis zu 10 v. H. in Anspruch genommen werden biirfcit. Wie lange wird die deutsche Wirtschaft diesen Zustand, der einem langsamen Selbstmord gleicv- kommt, noch ertragen? 10 ■ FRITZ ROSENFELD; «A Ctajwtta SIN ROMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAO Da rollte wieder der Gong. Gewaltig rollte sein Ton über den Garten, aus dem Unsichtbaren drang er, in machtvollem Takt. Der Gong schrie ins Blut, der Gong rollte im-Blut, der Gong wirbelte das Blut auf. daß die Glieder nicht mehr gehorchten, daß die Männer auf den steinernen Stufen zu tanzen begannen, die Krüge hoch in den Händen, plump und schwer, tvie Bezechte. Der Gong ließ keinen frei, der Gong riß alle mit, den Kopf zivang er zum Wiegen, die Hüften zivang er zum Wiegen, die Beine ließ ec auf den Boden stanipfeu, dumpf und schwer. Schagin lachte; der Gong machte glücklich.— Nun brach der Gong ab. Stille lag über dem Oval des Platzes. Nur die Sonne brannte. Nur ihre Strahlen klirrten, Millionen feine goldene Pfeile, auf Mensch und Tier und Blume gezielt. Jrgendivo aus dem Wald brach mit Schreien und mit dem Schmettern unsichtbarer Fanfaren eine. Schar tanzender Mädchen hervor. Die einen liefen, die anderen sprangen, die dritten drehten sich, im Kreife um sich selbst. Die Ringe und Ketten an ihren.Händen und Füßen machten Musik. Ihre Schleiergeivänder waren so dünn» daß die Sonne, sie durchleuchtete und den Umriß.ihrer Körper zeigte: schmale, hohe, biegsame Leiber. In' ihren Haaren waren Blumen, die Haare der einen waren wie wehende Mäntel aus seltsamem schwarzem Gespinnst, die der anderen waren zu dicken Zöpfen geflochten, in denen rot und gelb und grün die, Blumen leuchteten. Die Augen der Männer richteten sich auf die Mädchen, der weiße Strahl floß einsam aus dem Brunnen, niemand füllte mehr seinen Krug. In tausend Tropfen zerstob der dicke lveißc Strahl... Die Mädchen liefen bis in die Mitte der Fläche aus braunem Stein, ordneten sich zu einem großen Kreis und umtanzten den Brunnen, dessen Wasser hoch aufschoß. Die zersplitterten Tröpfchen ließen sich die Mädchen als blinkenden feuchten Staub in ihr Haar wehen, das Antlitz hielten sie dem zerstäubten Wasser entgegen. Dann schwiegen die Fanfaren und eine sanfte Musik begann, von unsichtbaren Instrumenten kam sie aus dem Wald, drang heran, schwoll an, riß mit, stürzte die Mädchen in ihren Tanz. Der große Kreis zerfiel, Keine Gruppen bildeten fich, zu vieren und fünfen drehten sie sich, sprangen sie hoch, warfen sie sich einander in die Arme. Köpfe und Hände und Beine und Leiber flirrten vorüber, und die Männer ließen kein Auge von ihnen; Schagin ließ kein Auge von ihnen. Er saß neben Pal, die Beine unter dem Leib' gekreuzt. »Siehst du die mit dem roten Leibchen, mit der goldenen Verschnürung, die große dort, nein, die, die jetzt am Brunnen ist.;. die will ich. j. d.*■-* Seine Hände waren ve^rampst, er preßte sie rechts und links gegen den Boden, um sich aufzustemmen, höher zu sein, bester zu sehen. Seine.Augen umklammerten das Mädchen, alle seine Sehnen waren gespannt, er war nur Aug, war nur Beckingen, war nur Blut. Dann wandte er sich zu Pal:* »Die dort nimm dir— im grünen Schleier — mit den Perlen. Die Dunkle. Nimm sie dir, Pal. Ich hatte eine, wie. die ist., Ich werde sie nie vergessen.. Unten stob der Tanz wie" ein Orkan über die Steinfläche. Immer toller- raste die Musik, immer toller der Tanz. Die ganze Fläche, die sonst so majestätisch ruhig dälag, war nun Bewegung, ein Chaos von Attßen und Beinen und schwingenden Leibern, von Schleiern und Kränzen, die sich gelöst, von Haaren, die offen hingen, sichtbarer Wind im unsichtbaren Atmen der Erde. Die Männer ivaren nicht mehr zu halten. Die Leiber der Mädchen spiegelten sich in ihren Augen. Sah einer den anderen an, so sah er nur Mädchen; im Gesicht eines jeden tanzte die, die er begehrte; und alle begehrten alle. Ms der Tanz den Gipfel erreicht hatte,.rollte der Gong wieder über den Garten. Er rollte über, die Musik hin und zermalmte sie; er rollte über den Gesang der Vögel hin und zermalmte ihn. Nichts blieb bestehen vor ihm: Der Herr des Gartens war er, eigenmächtig und stolz, er duldete keinen Rivalen. Reue Hitze goß der Gong in das Blut der Männer, es hämmerte in ihren Schläfen und trübte ihren Blick. Es schäumte in den Adern; der Brunnen tanzte mit, die Bäume. Der Wald dahinter tanzte, die Berge. Der Nebenmann tanzte mit; sein Gesicht eine Grimaffe, darin tausend Mädchen sich spiegeln. Die Glieder gehorchten dem Gong. Die Männer tanzten. Im Takt mtt den Mädchen. Plump und unbeholfen, aber im Takt mit den Mädchen. Der Gong verschmolz sie zu einer Maste. Der Gong verstrickte sie, daß sie sich niemals mehr voneinander lösen könnten. Denn die Stunden des Gongs waren wie Ewigkeiten, Hörige des Gongs erfüllten den Garten. Wie der Gong es wollte, sprangen die Beine, wie der Gong es wollte, wiegte sich der Leib. Wie der Gvng es wollte, fuhren die Arme durch die Luft, den Gong wollten sie fangen und festhalten, daß er endlich still hielte, und ihnen eine kurze Frist gewährte, um Atem zu schöpfen. Der Gong aber ließ sich nicht fangen/ er rollte, Wester, brüllte weiter, donnerte Wetter, trieb die Männer die Stufen hinunter, Hämmerle ihnen im Hirn; es gibt kein Gesetz für euch, jede gehört jedem,>timm sie, schlepp sie fort, sie ist dein, alles ist dein,>vas dein Arm saht— dies ist das einzige Gesetz des GartenSl Ueber Stufen und Stufen sprangen die Manner; die hinten saßen, setzten über die Köpfe derer, die vorne saßen, die vorne saßen, faßten von itzren Bänken aus die Mädchen, riffen sie zu sich, legien sie über den Schoß, küßten sie, verbisten sich in ihre Lippen. Andre packten die Mädchen u»v setzten mit ihnen den Tanz fort, einen regellosen, sinnverwirrenden Tanz, nur der Gong befahl. Schwere Männer mit Waffen an der Seite waren wie die leichten Wesen in den wehenden Gewändern, wie die Frauen in den gelben und roten und grünen Jäckchen mit den goldenen Schnüren. Ball spielten die Männer mit diesen Leibern, in Streit gerieten sie um die Leiber, und mancher faßte an den Gürtel» Mester blitzten, aber die Mädchen warfen sich dazwischen, ichlich» teten den Streit mit einem, grellen Lachen. Hs waren ihrer sovieke, und jede war schön, Fede' konnte den Traum eines jeden erfüllen. Auch Schagin hielt ein Mädchen im Arm, die Narbe auf seiner Wange brannte rot, es ivar die Große mit dem roten Wams und den goldenen Schnüren. Er wickelte mit ihr umher, dem Gong gehorsam, der befahl; als einer kam, das Mädchen ergriff» an sich reißen wollte: Ich will sie, sie ist meint—- nahm Schagin sein Schwert und ehe das Atädchen ihm in den Arm fallen konnte, hieb er auf den Gegner ein... Er hatte als Kind getötet und ist erst viel, viel später glücklich geworden. Der andre war verwundet, rollte die Treppe hinab, ein Mädchen nahm sich seiner an, schleppte ihn fort. Irgendwo schluckte ihn der Wald. lFortsetzung folgt.) Nr. 174 SnmStng, 28. Juli 1034 Seite 3 hin an sie abführen. Und Henlevr schweigt auch! dazu! Er schweigt, wenn die Nationalsozialisten, die vorgegeben haben, den Kapitalismus zu bekämp- ’en, jetzt die nationale und internationale Kartellierung und Vertrustung des Kapitalismus mit allen Kräften fördern und ihm damit eine noch tariere Ausbeutung der Volksmassen und getval« tige Sonderprofite sichern helfen. Bon denen, die von den Sudetendeutschen Heimatfronilern gewonnen werden sollen, müssen Henlein und die Seinen über diese Dinge zum Reden gebracht werden. Wir haben Verständnis dafür, daß dies peinlich ist für sie. Aber weil schon die Arbeiterllasse im großen Nachbarlande das Opfer der hemmungslosen Demagogen geworden ist, müssen unserer Arbeiterschaft diese furchtbaren Leiden,erspart bleiben I Der Dollfußmörder festgestellt Ein früherer Wehrmann Otto Panetta Im Laufe der Verhöre wurde die Person des Haupimördtts des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß festgestellt. ES ist dies der 3bjährige ehemalige Wehrmann Otto Panetta. Er diente durch 17 Jahre Seim Militär und war im Krieg« Kaiserjäger. Später diente er Set der BolkSwehr und beim BundeSheere und wurde. wegen nationalsozialistischer Wühlereien unter den HeereSangehörigen entlassen. lind Henlein sdiwclgt... Die herrschenden Fafeisten in Deutschland machen ihren Gesinnungsgenossen in den anderen Ländern das BorwärtSkommen recht schwer. Ihre Maßnahmen und ihre Gesetzemacherei durchkreuzen die zügellose Agitationsdemagogie, mit der anderswo die BolkSmaffen gewonnen werden sollen. Nicht nur der„Sozialismus" Hitlers, auch die „wahre Volksgemeinschaft" des Herrn Henlein Wird als Lüge entlarvt, wenn sich in Deutschland unter dem Schuh der Nationalsozialisten die schrankenlose Diktatur deö Großkapitals breitmachen kann, unter der die Arb-'termasscn immer tiefer in da» soziale Elend versinken. Wohl darum entfalten Henlein und die in seiner Sudetendeutschen Heimat-Front untergekrochenen Nationalsozialisten einerseits eine so großzügige Agitation, arrangieren sie Paraden und Kundgebungen, bei denen es»ach den phantasievollen Berichten ihrer Propagandeure neuerdings ohne 16,000 Teilnehmer nicht mehr abgeht. Andererseits aber hüllen sie sich in Schweigen, das nicht zu brechen ist. So traktieren sie die Menge mit Pomp, Lärm und Phrasen, während klare Rede und Antwort notwendig sind. Die Diktatoren des Dritten Reiches, deren inbrünstige Anbeter die Mehrzahl der Henleinfront» ler ist, stellen ihnen jetzt Probleme, um die es kein Herumdrücken geben darf. Der Schmus, den der sudetendeutsche Nachäffer Hitlers in der lehten Zelt mit der Demokratie getrieben hat, entbindet leinen Verteidiger der wirklichen Demokratie— die wir in der weitesten Ausgestaltung des Mitbe» stimmungü- und MitentscheidungSrechtS der breiten BolkSmaffen im gesellschaftlichen Leben sehen — von dec Verpflichtung, diese falschen Freunde der Demokratie.in dem Zustand der Ohnmacht im Staate zu erhalten, in dem sie sich in der Tschechoslowakischen Republik zum Glück des Volles befinden I' Seit dem 80. Jänner 1033 bis heute ist in Deutschland so vieles geschehen, das derjenige, der seinem Volke ein neuer Führer sein will, nicht mit Stillschweigen übergehen kann. Erst recht nicht, wenn er sich anmaßt, auch die Arbeiterklasse mit seiner Führerrolle zu beglücken. Dennoch haben die Henleins bis heute kein Wort gefunden gegen die Masseneinkerkerungen, gegen die Maffenfolterun- gc» und gegen die Diaffenmorde, die an den deutschen Arbeitern in den achtzehn Monaten des na» tionalsozialistischep Terrorregimes vollbracht worden sind. Schweigen Henlein und seine Anhänger deshalb darüber, weil sie die Anwendung dieser Gcwaltmethoden zur„Entfaltung der freien Volkspersönlichkeit", von der sie jetzt schwatzen, für notwendig halten? Schweigen sie zu dem Raub der Gewerkschaf- ien, der Betriebsräte, der Zertrümmerung des Arbeitsgerichtswesens, dem Streikverbot, der Aufhebung aller Tarifverträge und zu den wiederholte» Lohn- und Gehaltskürzungen, weil sie dies alles mit ihrer nebelhaften Volksgemeinschaft für^ver- einbar halten? Jawohl, sie schlveigen, weil sie in allem die Gesinnungsverwandten der reichsdeutschen Fascisten sind, und weil sie darum kein Wort für die Verteidigung der schutzlos der wachsenden Unternehmerwillkür preisgegebenen Arbeiter und Angestellten wagen können. Auch die neuen, heimtückischen Anschläge auf die Lebensintereffen von Millionen deutscher Arbeiter können das Schweigen Henleins nicht lösen. In der Textilindustrie ist soeben mit der Einfiih- rung der 3Ü-Stu»den-Acbeitswoche begonnen worden, da angeblich der Rohstoffmangel eine Ar- beitöstreckung erzwingt, Entlassungen aber vermieden werden sollen. Bis zum Herbst 1034 soll die 36-Stundenwoche in allen Industriezweigen zur Einführung gekommen sein. Diese Maßnahme bedeutet nicht» weniger, als daß die Arbeiter- und Angestelltenschaft, der in den achtzehn Monaten des fascistischen Regimes schon eine Senkung ihres Reallohneä bis nahezu 60 Prozent aufgezwungen worden ist, eine neuerliche Kürzung ihrer Löhne . und Gehälter um 10 bis 15 Prozent erfährt. Arbeitende Familienväter, die an Stelle in den Arbeitsdienst gezwungener jüngerer Leute eingestellt worden sind, erhalten jetzt niedrigere Löhne, als sie vorher Unterstützung bezogen haben. Diese Maßnahme, von der alle Arbeitenden hart getroffen werden, haben die Industriellen von der Regierung erzioungcn. Sie ivollen nicht länger die Kosten für die im Verlauf der„AvbeitSschlacht" eingestellte» Arbeitslosen tragen. Darum werden diese Kosten jetzt ausschließlich auf die Gesamt- Arbeiterschaft äbgewälzt und deren Leben-Haltung damit auf ein noch tieferes Niveau herabgedrückt. Henlein schweigt dazu. Auf das Gebot des Großkapitals hin ist die Deutsche Arbeitsfront, deren Vorhandensein bisher eine gewisse Wahrnehmung der Arbeiterinteressen gegen den im Dritten Reich frisch und fröhlich weiterlebenden Kapitalismus Vortäuschen sollte, vollständig kaltgestellt worden. Der neue Wirt» schaftSführsr, ein Graf von der Goltz, hat sie in einem amtlichen Aufruf vom 10. Juli ausdrücklich von jeder Anteilnahme an sozialpolitischen Fragen unb von jeder Wahrnehmung der Arbeiterinter- essen ausgeschlossen. Der Arbeiter ist in dem Betrieb ohne jeden Schutz und ohne jedes Recht dem Unternehmer ausgeliefert. Der Unternehmer bestimmt die Arbeitsverhältnisse, den Lohn usw.— der Arbeiter hat nicht zu mucksen l Die Deutsche AtbeitSfront, aus der Zusammenlegung der einst großen, kampffähigen und erfolgreichen Gewerkschaften hervorgegangen, ist nicht zur Regelung der„materiellen Interessen" dal Aber hohe Bei- tpg! müssen die Arbeiter und Angesftllten'wejter« 30 Putschisten vor das Militärgericht Bon den 144 nationalsozialistischen Aufrührer«, die Mittwoch vorläusig in der Polizeikaserne in der Marokkanergaffe interniert worden waren, befind« sich seit gestern abend» 30 in dem Polizei- gesangenenhau» Rossauer-Lände. Unter ihnen sind der Mörder de» Bundeskanzler» Dr. Dollfuß sowie die Rädelsführer, darunter der angebliche Hauptmann, in Wirklichkeit aber der frühere Gefreite Friedrich, sowie der angebliche Major, eben- fall» ein entlassener Gefreiter de» BundeSheere» «amen» Fran» Holzweber. Wie der„Telegraf" mitteilt, werde» diese 30 Putschisten vor da» gemäß dem gestrigen Be- chluß de» Ministerrate» errichtete Militär- geeicht gestellt werden. Die übrigen Auf- rührer werden sich vor dem Schnellgericht zu verantworten haben. SS-Standarte als Terrorgruppe Wie die„RcichSpost" meldet, wurde der Angriff auf das Bundeskanzleramt von einer natio» nalfozialistifchen SS-Standarte unternommen. Insgesamt haben sich an der Aktion 106 entlassene Wehrmänner beteiligt, der Rest bestand aus anderen Nationalsozialisten. Die taktische Durchführung der Unternehmung oblag dem ehemaligen Gefreiten Holzweber. Der Plan de» Putschversuches liegt» wie bereits einwandfrei festgestellt ist, w e i t z u r ü ck. Hohe PoHzeibeamte kompromittiert Wie das Blatt weiter meldet, sind die Aufrührer bei der Entwaffnung der Polizeimannschaft im Bundeskanzleramt„im Namen des Polizeipräsidenten Steinhäusl und des Generalinspektors Dr. Gotzmann" aufgetreten..Gegen den Polizei- direkter S t e i n h ä u s l, der Vorstand der Kriminalsektion der Bundespolizeidirektion ist, soivie gegen den Polizcikommiffär Dr. G o h- m a n n ist das Verfahren bereits eingeleitet. Dr Steinhäusl befindet sich Blättermeldungen zufolge schon seit vorgestern in Haft. Unbestätigte Gerüchte besage», daß sich der ehemalig« Polizeipräsident Dr. Brandl-erschossen hat. Der langjährige Mitarbeiter de» Gesandten Dr. Rintelen in Presseangelegenheiten, Hofrat Perl, wurde verhaftet. vor Salzburger Polizeidirektor In Schutzhaft I Wie der OND. au» Salzburg erfährt, ist der dortige Polizeidirektor I n g o m a r in Haft genommen worden. Er steht unter dem Verdacht, Pläne der Polizei a» da» Ausland— unzweifelhaft an Deutschland— verkauft zu haben. Zwei andere Beamte der Salzburger Polizeidirektion find weg« Konspiration mit de» Nazi» und wegen Beteiligung a« Sprengstoffanschlägen in Salzburg ebenfalls verhaftet worden. V Der Fememord en Zimmer oulgeMart Man fürchtete Verrat de» Putschplane» Die Wiener Blätter teilen mjt, daß der ermordete nationalsozialistische Führer Kornel Zimmer in den Putschplan eingeweiht war. Da man in nationalsozialistischen Kreisen festgestellt hatte, daß Zimmer Beziehungen zu den Heimwehren unterhielt, wurde der Nationalsozialist F l o ch beauftragt, Zimmer zu beseitigen. Floch entledigte sich dieser Aufgabe dadurch, daß er Zimmer ermordete und dann nach Deutschland floh. In Verbindung mit diesem Mord wurden mehr al» 100 Personen verhaftet und zum Ler- hör vorgeführt. Vereinzelte Vorstöße ler asierrei.nd aufreizender Rechtsungleichheit tvird noch dadurch verstärkt, daß eine Reihe von Nationalsozialisten, die zugleich mit Gerl und Ansböck tvegen viel schwererer Bombenanschläge verhaftet wurden, nichtvor daSStandgericht gestellt wurden. Das standgerichtliche Verfahre» mutz drei Tage nach der Verhaftung'abgeschlossen werden. Die österreichische Regierung stellte nun nicht die Nationalsozialisten vor das Standgericht, sondern die zwei sozialistischen Jugendlichen. Inzwischen ist die dreitägige Frist verstrichen und die Nationalsozialisten sind dem Standgericht entronnen. In Wirklichkeit ist durch die Hinrichtung des sozialistischen Jugendlichen und die a u f r e i z e» d e S ch o n u n g der R a t i o n a l s o z i a l i st e» deren L u st zu Alte»taten noch gesteigert worden. Der Kamps des Anstrasaseismus gegen den braunen FaseiSmuS erweist sich wieder älü plumper Schwindel l nn Neid steht rar Gericht übt habe. Gerl verantwortete sich mit geradezu heldenhaftem Mut. rin sozialistischer Jugendiunktlondr Gerl ist ein armes Proletarierkind. Aus geradezu trostlosen Familienverhiiltnissen hat er sich zum Verständnis der sozialistischeit Idee durchgerungen. Seit Jahren Ivar er einer der bekanntesten Wiener Jugendfnnktionäre: seit vier Jahren versah er die Funkiion eines. Unter- gru ppen ob ma n» es in e i n e r g rotz e n p role ta r i sch e» B ez i r k S g r u P p e der S o z i a I i st i s ch e n Arbeiterjugend. Bei allen Aktionen der letzten Jahre stand er im Vordergrund. Gerl war auch Mitglied des Republikanischen SchuhbnndeS und nahm auch an den Tagancalghcncn Großfeuer in Falkenau-Kittlitz •in Cüflewett abgebrannt Ein verhängnisvolles Grohfeuer hat in der Nacht von Donnerstag, den 29., zum Freitag, den 27. Juli, den kleinen Jndustrieort Falkenau an der Bahnstrecke Bodenbach—Warnsdorf heimgesucht. Gegen halb 12 Uhr nachts brach in dem Sägetverk Johann T ö p p e I, u. ztv. in der Holz- tvolleerzeugung, ein Feuer aus, das an den trok- kcncn Holzvorräten reichliche Nahrung fand und mit Windeseile um sich g'riff. In kurzer Zeit stand nicht nur das Sägewerk, sondern auch das Wohngebäude des Besitzers und große Holzvorräte in. hellen Flammen. Der Feuerschein tvar weithin sichtbar und wurde sogar bis iit B.-Leipa gesehen. Trotz der späten Nachtstunde erschienen in kurzen Intervallen sechs Motorspritzen am Brandplatze und in angestrengter Arbeit der Wehrmänner gelang es wenigstens, ein Uebergreisen des Brandes auf andere Objekte zu verhindern. Erschienen waren die Wehren von Haida, Böhm.- Kamnitz, Nieder-Kreibih, Hillcmiihl, die Ortölvchr von Falkenau-Kittlitz u. a. Das Sägetverk»rit allen Maschinen und das Wohnhaus sind vollständig niedergebrannt. Ebenso sind große Vorräte Schnittholz verbrannt. Der Schaden tvird ans 800,000 Ke geschäht, dem nur eine VersicherungS- suninte in etwa der halben Höhe gegenübersteht. Leider werden durch diese Katastrophe Ivieder eine Anzahl Arbeiter beschäftigungslos, was in dem ohnehin schtvcr von der Krise heimgcsuchten Glasindustriegebiet besonders hart enrpfunden wird. AIS Ursache des Brandes tvird, wie uns mitgeteilt wird. Selbstentzündung von Holzwolle angenommen. Ein slowakisches Dorf brennt 28 Häuser eingeäschert. Galant«, 27. Juli. In der slowakischen Gemeinde Hodd im politisch« Bezirk Galant« brach am Donnerstag, de» 26. Juli, um 15 Uhr im Anwesen des Landwirte» Horuik ein Schadenfeuer aus» das einen katastrophale» Umfang annahm. Dem Brande fielen 28 Häuser, 300 Stück Schweine, eine grosse Menge Geflügel, nahezu die ganze heurige Ernte» Futtermittel» Stroh» landwirtschaftliche Maschinen und alle Bäume im Umkreis der Gemeinde»um Opfer. An der Brandstätte trafen insgesamt 2V Feuerwehren aus der ganzen Umgebung» darunter auch a«S Trnava» Sered und Galant«, mit fünf Motorspritzen ein. Infolge Wassermangels mutzt« das Wasser bi» au» dem 1 ich Kilometer entfernten Galant« zugeleitrt werden. Bei den Löscharbeiten erlitten drei Feuerwehrleute leichtere Brandwunden. Da» Schadenfeuer konnte erst in de» Morgenstunden de» heutigen Tage» vollständig lokalisiert werde». Di« Gemeinde Hodd besteht au»«ngefähr 60 Häusern und zählt 518 Einwohner. Bon diesen ist annähernd die Hälfte ohne Obdach. Der Sachschaden ist bedeutend. Vor Gericht zeigte sich Josef Gerl als wahrer Held. Er hatte sLlbst den Sprengstoffanschlag gestanden. Er tvurde ohne Zusammenhang mit dem Bombenanschlag in einem ganz anderen Teile Wiens verhaftet. Ein Wachmann verfolgte ihn als verdächtig. Gerl gab auf den Wachebeamten, der einen Revolver gezogen hatte, einen Schutz ab. Das war der Grund seiner Verhaftung. Beim Verhör gestand er selbst den Sprengstoffanschlag. Vor dem Standgericht bekannte er sich zu seiner Tat und erklärte auf die Frage des Vorsitzenden, ob er gewutzt habe, daß auf die Tat die Todesstrafe stehe:„M ein Ideal steht in trhöheralsdas Leben. Ein Leben in einemStaate» indemes keine Freiheit gibt, ist nicht Wirt, gelebt z u Werde nl" Gerl erklärte dann, daß et die Tat aus eigenem Antrieb verübt» mit niemandem über sie gesprochen und von niemandem den Auftrag zu ihr erhalte» hat. Im Verhör versuchte er außerdem, seinen Mitangeklagten Genossen Ansböck zu entlasten, indem er immer lvwtzAi erklärte» doch er allein den Anschlag verSchweizer Verkehrsflugzeug abgestürzt T«t t l i n a e n, 27. Juli. Zu dem bereit» gemeldeten Absturz eine» schweizerischen«erkehr». flugzeugeS wird noch ergänzend mitgeteilt: Am Freitag früh» kurz nach 10 Uhr» flog da» fahr- planmätzige Verkehrsflugzeug Zürich—Stuttgart der schweizerischen Luftverkehrsgesellschaft über Tuttlingen. Au» bisher nicht geklärten Ursachen stürzte daS Flugzeug au» einer etwa 1000 Meter hohen Wolkendecke in«ine« Wald ab und wurde vollständig zertrümmert. De» Motor wurde etwa einen Kilometer von der Unfallstell« entfernt auf- gefunden und in weitem Umkreis« lagen Flügel- und Metallteile. Bo« de» Insasse« könnten bisher vier al» Leichen geborgen werde«. Da» Meldebuch de» Flugzeugführer» verzeichnete al» letzten Eintrag„Zürich» v Uhr 25 Min.» 1500 Meter Höhe, Wetter klar» wolkenlos." Bei dem Absturz sind insgesamt 12 Personen ums Löt« gekouun«,«ämlich neun Fluggäste, Feberkämpfen-teil. Seit Jahren war Gerl arbeitslos. In der Standgerichtöverhandlung erklärte er auch, daß für die von hoffnungsloser Arbeitslosigkeit Heimgesuchten das Leben nichts bedeute. Trotz der furchtbaren Jugend, die Gerl durchlebt, und der Noi der Arbeitslosigkeit, die er erlitten hat, hatte die Negierung mit, dem armen Teufel kein Mitleid. Gerl starb als Märthrer der sozialistischen Idee, den einzigen Inhalt seines suitgen Lebens. Erst vor einer Woche sind bei dem Feuerüberfall sascistischer OrtStvehren und Gendarmen auf eine friedliche Versammlung von Sozialisten im Wiener Wald drei sozialistische Jugendliche, der Arbeitslose Johann Fröhlich aus Liesing bei Wien, der arbeitslose Richard Lehmann, ebenfalls aus Liesing, der Konsumvereinsangestellte Reitmayer aus Liesing getötet, worden. Nun ist ein Jugendlicher hingerichtet worden. Unermeßlich sind die Blutopfer, die die österreichischen Arbeiter in ihrem Kampf gegen den FaseiSmuS bringen! «in Pilot, ein Funker und eine Stewardess. Unter den Fluggästen befanden sich ein« Fra« und ei« etwa drei Jahre altes Kind. Sech» Fluggäste sind Deittsche. Der Mord an Jutta Malät aufgeklärt Durch einen Zufall gelang es der Polizei, die Belveiskette zu schließen, daß die Malät, die man am Wasserhahit erhängt in ihrer Wohnung vorfand, doch einem scheußlichen Raubmord zum Opfer gefallen ist. ES stellte sich nun heraus, daß die Täter die drei jungen Bttrschen waren, die in dent betreffenden Hause gesehen tvorden sind und auf die auch sofort der stärkste Verdacht gefallen ist. Nachdem in den Zeitungen die Gegenstände, die in der Wohnung der Erntordete» fehlten, genau beschrieben tvaren, meldete ein« Verwandte des einen Burschen der Polizei, daß sie in seiner Wohnung eine neue Lederbörse und eine golden.' Herrenuhr mit Kette gesehen habe. Die beiden Gegenstände Ivurden dort tatsächlich gefunden und in einem Ledergeschäft in Prag konnte einwandfrei festgestellt werden, daß die Lehrerin Malät diese Geldbörse vor kurzem dort gekauft hatte. Die drei Bursche«, von denen keiner noch das 18. Lebensjahre erreicht hat, so daß ihre Personalien nicht bekannt gegeben werden dürfen, erzählten zuhause, daß sie sich auf eine Wanderung in den Bühmertvald begeben. Ihre Spuren führ«» tatsächlich nach Südböhmen. Freitag, um halb 18 Uhr wurden auf dem Bahnhofe von Wtntrrberg von Prager Detektiven der Gendarmeriefahndungsstation und der örtliche» Gendarmerie die drei jmigen Leute angehal- trn» die im Zusammenhang mit dem Morde an der Musiklehrerin Malatova gesucht werden. Der ausgebrochene Raubmvrder Gombik in Bodenbach verhaftet Am 12. d. M. gelang es dem 1007 geborene« und wegen Raubmord zu 18 Jahre» Zuchthaus verurteilten Johann G o m b i t mit noch einigen Sträflingen aus der Militärstrafanstalt Theresienstadt zu flüchten. Während die anderen Flüchtlinge in kurzer Zeit Ivieder festgenommen werden konnten, blieb Gombik trotz aller umfangreichen Nachforschungen verschwunden. Am Mittwoch, den 25. d. M., hielt nun der Bodenbacher Gendarmeriewachtmeister Niedermeier am Bodenbacher Bahnhofe einen Mann wegen Bedenklichkeit an und brachte ihn zur Äen- darmeriestation. Der Angehaltene besaß keinerlei Ausweispapiere und gab an, Johann Müller zu heißen und von seinem Brünner Regiment desertiert zu sein. Eine sofortige Anfrage bei der betreffenden Militärstelle ergab die Haltlosigkeit seiner Angaben, und einem scharfen Verhöre unterzogen, gab er schließlich zu, der gesuchte Gambit zu sein. Br wurde mittel» starker Eskorte der Militärstrafanstalt Theresienstadt«ingeliefert. Gombik war von Theresienstadt in Sträf- lingskleidern geflüchtet und hatte dann einem Badenden an der Elbe die Kleider gestohlen und angelegt. Er war über die Grenze geflüchtet und hatte sich einige Zeit in der Nähe von Königstein in Sachsen aufgehalten. Da er keinerlei Papiere besaß,, fürchtete er draußen Schwierigkeiten zu begegnen und kam ivieder über die Grenze zurück. Er hatte seinerzeit ivährend seiner Militärdienstzeit in Südmähren eine Frau getötet und beraubt und war dafür zu 18 Jahren schweren Kerker verurteilt worden. Großer Waggonbrond bet Komotau In der Station Udwitz bemerkte Frettqg nachts um 12 Uhr ein Bahnwärter in einem der Waggons Ftuer. Während der Zug weiterfuhr und auf dem Komotauer Rangierbahnhof hielt, wurden in der Zwischenzeit die beiden Komotauer Feuerwehren alarmiert. Die Löscharbeiten waren infolge Wassermangels sehr schwierig. Trotz der Hb ävr llrdetwr-liu» und Iporlbenteaung 25-Jatirtcler«cs AIDS Rach den Mitteilungen au» den Berbend», gebieten zu schliess«, wird die Feier in all« Tti- len de» Bunde» grosszügig durchgefvhrt werd«. Richt nur di« Turnorganisation«, sondern anch die Partei»«nd Gewerkschaftsorganisation«, wer. den bei diesem Feste nach Kräften Mitwirken»ad so dm Dank für di« 25jährige Arbeit des Awt abstatt«. Dir Beranftaltung dürste als» von der gesamt« Arbeiteröfsentlichkeit mitgeseiert werden. grüßten Anstrengungen gelang es jedoch nicht, den Waggon rechtzeitig zu entleeren, so daß etwa 90 Prozent der Ladung, die au» Keramikgegenständen der Firma Dittmar u. Urbach, Probstau, bestand und einen Wert von 50.000 XL hatte, unbrauchbar wurde. Die Löscharbeiten dauerten, da die Holzivolle immer wieder Feuer fing, bis 6 Uhr früh. Mitschuldige, die schweige« müsse«! Air sind keine Unmenschen. Wir haben Verständnis für den Schmerz einer Frau, die an der Bahre ihre» gemeuchelten Mannes steht. Wir haben Ver- ständnis für ihr Leid, auch wenn diese Frau am Leichnam unseres erschossenen Feinde» trauert. Mer für ein» haben wir allerdings kein Vcr- ständnis—: für jene» entartete Christentum nämlich, dos in Tränen der Rührung zu zerflie- ßctt scheint, wenn das Leid in den Kreis seiner politischen Freunde eingebroche» ist und daS kalt, grausam und. nnerbittlich bleibt, wenn das Unheil über die armen, gehetzten Frauen geniordc- ter Proletaricrhcldcn herniederbricht. Wir siel, len den Pharisäer, wo immer er uns seine Breit- stite darbietet. Und wir könnett nicht umhin, die „Deutsche Presse", die in ihrer Freitagnummer ein Bild der Witwe des getöteten österreichische» Bundeskanzlers bringt, ein Bild aus dem Bade- ort Rierione und eS mit der Ueberschrift versieht:„Arme Fran, arme Kinder!" rücksichtslos zu stellen. Kein Wort gegen ihre Totenklage. Aber wir fragen die„Deutsche Presse", die jetzt so löblich ihren Sinn für Mitgefühl und Mensch, lichkeit entdeckt hat, wo ihre Stiinme blieb, als Frau Münnichreither, die Arbeiterfrau, der man den Mann in der infamsten, in der bestialischesten Weise gemeuchelt hatte, vor deni entseelten Kör- per ihres gehenkten Lebensgefährten stand. Wir fragen diese„Deutsche Presse", und wir werben nidjt aufhören sie und ihresgleichen zu fragen, wo ihr jetzt so entflammtes Herz blieb als nicht ei» erschossener Bundeskanzler, sondern der Dor- kämpfer des Volkes, der edle uns unvergeßliche Koloman Wallisch auf der Bahre lag und die Schergen der kleriko-fascistischen Diktatur sich nicht schämten, die Frau des Gemordeten von ihrem zum Tode durch den Strang verurteilten Kameraden fortzurcißen und ins Gefängnis zu schleppen?! Damals, als cs darum ging, sich für die Htnnanität oder für die flmnenschlichkeit zu entscheiden, schsitgen sich die Herren dcS Klerika- liSntus auf die Seite jener, die cs wagten, im Namen des Christentums den Vernichtungskrieg gegen Frauen und Kinder, gegen Witwen und Waisen zu führen. Und darum haben, die Tränen dieser Herren nicht den mindesten Wert! Wer gebilligt hat, daß das Regime der Kleriko-Fasci- sten, um seiner elettden, verfluchten Diktatoren, sitze willen, daS Wien des LichtS, der Freude und der besseren Zukmft in Trümmer schoß, hat zu' schweigen, was auch immer geschehen mag! Er hat das moralische Recht verwirk, Ankläger zu werden. Denn die Anklage gegen ihn, denen gedient zu haben, die ihre Macht auf Tod und Vernichtung aufgebaut haben, ist so fürchterlich, daß er mitschuldig geworden ist! Mitschuldig an allem, was sich in dieser Atmosphäre der mörderischen Gewalt ereignet. Vom Rundfunk vwpsetzleMewert« m ta|M|NMMti Smmtagr Prag, Sender L.: 6.80: Gymnastik, 9: Tschechische Arbeitersendung, 9.40: Der Schwan, Musikskizze, 12.05: Presse unb Wetter, 18.45: Soziale Informationen, 16: Übertragung des Konzertes aus dem Baumgarten. 17.80: Unterhaltungsprogramm, 17.56: Deutsche Sendung: Otto Pick: lieber den Dächern Prags, zum 100. Geburtstag Rerudas, 18.65: Deutsche Press«. 21: Konztrt der tschechischen Philharmonie,. 22.80: Schramatel- konzert. Sender S.: 14.80: Deutsche Sendung: Landwirtschaftsfunk, 14.46; Arbeiterfunk: Der Emil Stranß: Die Demokratie in der tschechoslowakischen Geschichte, 15: Fran» Lehm- Robert Stolz, 16.80: Frauenfunk.— Brünn 18.16: Orchesterkonzert. 18.46 Opern-Arten, 17.56: Deutsche Sendung: Kavarett-Stunde, 20.10: Do- belsackmustk.— Mährisch-Ostrau 9.15: Klavierkonzert, 17.86: Deutsche Sendung: Wochenend und Sognenschein.— Presst«, 17.80: Orchetzewon- zert. I I Ar. 174 Samstgg» 28. Jvli 1834 Seit« 8 An Genoffenschaft« insgesamt gab es dem- Explosion in einem Bergwerk Landon, 27. Juli. In einem Bergwerk in Aotlinghamshire ereignete sich am späten Atent des Donnerstag eine Explosion, der«in Brand felgte. 31 Bergleute erlitten schwer« Brand» »onden. Sieben Kinder unterm Ang Ar« Bork, 27. Juli. Als eine Gruppe von sinaben und Mädchen im Alter von 12 bis 14 Jahren einen Eisenbahnübergang bei Shelton (Connecticut) überschritt, geriet sie zwischen zwei aus entgegengesetzten Richtungen kommende Züge. Sechs Kinder wurden getötet, eins wurde schwer «ersetzt. Flüchtlinge nach Brasilien. Das Jüdische Hilfskomitee für deutsche Flüchtlinge in Prag hat gestern 18 Personen nach Brasilien abgesertigt. Dieses Komitee hat im Laufe des Jahres aus der Tschechoslowakei insgesamt 400 deutsche Emigranten nach Uebcrsec einschließlich Palästina und ungefähr 800 nach anderen europäischen Staaten abgefertigt. Renn Tot« im Brunn«. Ein Einwohner der Ortschaft Kahale bei Btirut Ivar in seinen Brunnen hinabgestiegen, um AusbefferungSarbei- ten vorzunehmen. Als er»ach geraumer Zeit nicht wieder ans Tageslicht erschien, stiegen nach einander acht Personen in den Brunnen, um festzustellen, warum die Borgänger nicht wieder herauf- tämen. Alle neun hat man nachher tot auf dem Grunde des Brunnens gefunden. Man nimmt an, daß sie durch giftige Gase erstickt sind. Deutscher Sportsiieger abgestürzt. Am Freitag vormittag ist der bekannte deutsche Sportflieger Freiherr Wolf von Düngern in der Nähe von Augsburg abgestürzt und kurz nach dem Unfall seinen schweren Verletzungen erlegen. Die Ursache des Absturzes konnte bisher noch nicht geklärt werden. Zur Zeit des Unfalles herrschte stark böiges Wetter. Zwei deutsch« Spione veehastrt. Die Metzer Polizei verhaftete einen gewisse» H u i l i e r unter dem Verdachte der Spionage zugunsten Deutschlands, die der Festgenommene hauptsächlich im Gebiete der Ostbefestigungcn betrieben haben soll. In Saargemünd ivnrde einer selyer Mitschuldigen namens Schimeck verhaftet. Die beiden Verhafteten gaben an, daß sie durch Vermittlung von Nationalsozialisten ans dem Saargebiet in Verbindung mit dem reichsdeutschen Spionagedienst gestanden seien.„ Ende der amerikanischen Hitzewelle. Die furchtbare Hitzetvelle, die zu den Rekordsempera« turen geführt und ungeheueren Schäden angerichtet hat, hat im mittleren Westen ihr Ende gefunden. Aus vielen dortigen Bezirken werden niedrigere Temperaturei« und Regenschauer gemeldet. Die Zahl der infolge der ungeheueren Hitze in Amerika Gestorbene» hat sich jetzt ans 1361 erhöht. In Missouri beträgt die Zahl der Todesopfer jetzt 378, in Illinois 380. Es ist demnach eine geringe Abnahme bei den Kreditgenossenschaften zu verzeichnen. Auffällig ist, daß sich nach dieser Statistik die Raiffeisen» und die bürgerlichen Borschußkassen ausschließlich auf Böhmen und Mähren-Schlesien beschränken. Die Erwerbs» und Wirtschaftsgenoffrnschns» t« nahm« folgende Entwicklung. Es bestanden: noch im Gebiet« der Tschechoslowakei Ende 183317.221 gegenüber 17.231 Ende 1832.' i Unter den landwirtschaftlichen Produktions-' genoffenschaften haben die Molkereigenoffenschaf-. ten die Führung, deren Zahl sich im Jahre 1888! um 26 erhöht hat. ES folgen 478 SpirituSbren- nerei-Genoffenschaften, 269 Biehzucht-Genoffen- chaften und 264 Fach- und Siedlungsgenoffen» schäften, deren Zahl gegenüber 1882 um 14 geringer ist. Außerdem gibt es noch Mühlen« und Bäckerei-Genossenschaften, Gemüse- und Obst- perwertungS-Genoffenschaften, Flachsbau-Genossenschaften, Weinbau-Genossenschaften. In der Gruppe der anderen landwirtschaftlichen Genoffenschaften sind 2161 Elektrizitäis- Genoffenschaften aufgeführt. Ihre Zahl ist um 8 höher als 1882. Weiter gibt es noch 281 Ma» schinen-Genoffenschasten, 1Ü6 Wald« und 100 Weide-Genossenschaften, deren Stand sich, wie der der übrigen, nicht bedeutend verändert hat. Bei der starken Ausbreitung des genas, senschaftlichen Zusammenschluffes in der Landwirtschaft stellt sich die Frage» ob er nicht weitgehender für«ine rationellere Gestaltung der Getreideproduktion eingesetzt werden könnte. Denn auf di« Dauer kann di« Sicherung auskömmlicher Preise für di« agrarischen Produzenten nicht allein durch künstliche Monopolpreis« garantiert werden. Der Uebrrgang zu preiSverbilltgenden Produklionsmethoden ist ein« Notwendigkeit, und der grnoffrnschaftliche Zusammenschluß könnt« hierbei sehr fördernd wirk«. Bei der Gruppe der gewerblichen Genoffrn- schasten handelt es sich vorwiegend um Produk- tionsgenoffenschaften. Ihre Zahl war Ende 1833 , 1070. Es folgen 634 Ein- und BerkaufSgenoffen- schafien, die sich im Jahre 1883 um 24 vermehrt haben, Herausgeber-, Verlags- und Buchdrucker- genoffenschaften gibt es 124. Da- sind 6 mehr als Ende 1882. Die Transport-Genossenschaften ' haben sich um 3 auf 48 vermehrt. Die Konsumgenoffenschaft« sind in der 1 Gruppe„Sonstige Genoffenschaften" aufgeführt. Mit einer Verminderung um nur 8 haben sie sich i beinahe auf dem Stand des Vorjahres gehalten. Nicht ganz so krisenfest erwiesen sich die Bau- und WohnungSgenoffenschasten, die eine Verringerung um 47 aufweise. Außerdem finden wir noch Ge» noffenschasten für: Lichtspieltheater, Theater, Fischerei und Teichbewirtschaftung, Heilanstalten und Kurhäuser, für soziale Selbsthilfe usw. Die überwültig«de Mehrzahl der Gen off«- schuft« stellt ihre Tätigkeit ebenso auf di« Erzielung des kapitalistisch« Profits ein, wie die Privotunternehmung« auch. Es ist nur eine Nein« Minderheit der sozialistisch geleitet« Genoffenschaften, unter den« die Konsum-, Vroduk- tions-, Bau- und Strdkungsgenoffenschasten zahlenmäßig an erster Stell« stehen, deren Wirken über das kapitalistische Prositprinzip hinausweist. mDa» Gold der Sterne- Entdeckung einet amerikanischen Astronomen. Die Meteorsteine, die gelegentlich ans dem Weltraum auf die Erde sausen, bestehen zum grüßten Teil aus Nickel und Eisen. Anch von anderen Elementen sind schon Spuren gefunden tvorden, wenn auch meist in nur sehr geringen Mengen. Trotz genauester Analyse solcher Meteoriten ist es dagegen bisher noch nie gelungen, irgendtvelcheS Gold festznstellen. Astronomen und Geologen neigten daher längst zu der Auffassung, daß auf anderen Himmelskörpern kein Gold vor- kommen könne. Nun kommt aus Amerika die Mitteilung, daß es einem amerikanischen Astronomen Tr. Dean Gillespie doch gelungen ist, das Vorhandensein von Gold in einem Meteorstein nachzuweise». Dr. Gillespie hat den Meteorstein, um den es sich dabei handelt, in der Nähe von Melrose in Neu- Rexiko aufgefunden. Die genaue chemische Untersuchung des Fundes fand in dem staatlichen Laboratorium von Denver statt. ES hat sich allerdings nur um sehr geringe Quantitäten gehandelt. Daß also sozusagen ein richtiger»Goldregen" von den Sternen auf die Erde niedergehi, t ist nicht zu erwarten. Bankraub. Drei bewaffnete Banditen überfielen die hiesige Zweigstelle der Bank von Montreal in Toronto lKanada) und raubten 28.000 Dollar. Die Räuber entkamen unerkannt in einem Kraftwagen. Großftner in Merseburg. Donnerstag um 20 Uhr 30 brach in der Engelhardt-Brauerei in Merseburg ein Großfeuer aus, das. vom Winde begünstigt, die große Malzfabrik der Brauerei, die mehrere tausend Zentner verarbeitete Gerste enthielt, in Asche legte. Gegen Mittemacht wurde die Gefahr eines Uebergreifens des Feuers gebannt. Die Ursache soll Kurzschluß sein. 6000 bis 6000 Zentner Malz- und Gerstenvorräte.sind dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Schaden dürfte sich auf mehrere hunderttausend Mark belaufen. Dampfer gerammt. Das Schlachtschiff»Arizona" teilte durch Funkspruch mit, daß es am Donnerstag früh bei dichtem Nebel an der Washington-Küste den amerikänischen Dqmpser „Umatilla" der Purse-Linie gerammt habe. Zwei Seeleute wurden getötet. Einzelheiten stehen noch aus. Sprung aus dem neunzehnten Stockwerk. Im Bundesjustizamt in Chicago, das im 18. Stockwerk liegt, sprang ein Mann natnenS ProüaSco am Donnerstag aus dem Fenster. Probaseo war zur Vernehmung geladen tvorden, weil die Regierung unterrichtet worden war, daß Dillinger und einer seiner Hauptgefährten sich in der Wohnung ProbaSroS einer chirurgischen Operation zur Veränderung ihrer Gesichtszüge unterworfen hätten. Die Justizbehörde sucht noch immer den Arzt, der die Operation votnghm. Ehouffeurstreik in Mexiko. Di«.Kraftdrasch, kenfahrer der Stadt Mexiko legten am Donnerö- tag mittag als Protest gegen die Erhöhung des Gasolinpreises den gesamten Verkehr in dtr Innenstadt lahm. ES mußten starke Polizeikräfte zusammengezogen werden, um die Ordnung wieder herzustellen. Dabei kam eS.verschiedentlich zu Zusammenstößen. Die Polizei ging mit der blanken Waffe vor, so daß mehrere Personen verletzt wurden. Rundfunkzwiegespräch mit der Byrd-Expedition Der Meinungsaustausch mit den Südpolar. Forsche« Der New Dörfer Rundfunksender steht jeden Mittwoch, 11.80 llhr, in Kontakt mit der Byrd- Expedition. Stationzeichen ist das Gebell der Schlittenhunde. Dann spricht der Direktor der Radiostation mit Byrd, bestätigt eingeqangcne Nachrichten und überträgt Wünsche und Anfragen der Zeitungen, wiffenschaftlicher Institutionen. Dann sprechen die Verwandten der Expeditionsteilnehmer. Männliche Anverwandte erzählen meistens von Geschäften und schließen mit»Machs gutl". Dann werden die Briefe derer verlesen, die nicht zur Radiostation kommen konnten, und man spürt förmlich, mit welcher atemlosen Spannung die Leute am Pol diesen so banalen, aben innigen Worten lauschen. Dann spricht ein Fräulein im Auftrag irgendeiner Firma, deren Erzeugniffe von Byrd mitgenommen wurden, und gibt Ratschläge, wie die Mißstände, die vorigen Mitttvoch tnt Radio beklagt wurden, an: beste» behoben werden können. Und es rührt einen, zu hören, daß die ganze Woche Leute in einem Laboratorium hier experimentiert haben, nm denen am Pol im kleinen Alltagskampf mit der Materie helfend bei-,»stehen. »Wir haben also drei Teile Glyzerin, das und jenes gemischt und die damit bestrickicnei. Psan- nengriffe haben trotz einer Temperatur von... unser Chemiker bittet, ja nicht zu vergeffen..." Dann ist das Piepsstimmchen zu Ende, und durch Meeresrollen und SturmeShculcn hört man die Stimme der Expedition, die gerührt dankt für alle Beweise des Gedenkens, und beschreibt, wie alle nms Mikrophon geschart sitzen, wie sogar die Hunde schlveigen, daß John bei dem Briefe seiner Mutter Tränen in die Augen bekam und Francis zwei Finger der rechten Hand leicht erfroren hat, James fast kein Fieber mehr habe... und so fort bis zu den allgemein interessierenden Berichten über Wetter und Fortgang der Expedition. Zum Schluß stets die Ziehharmonika und der Chor der Besatzung, Heimaiölieder singend in der Polarnacht. Und dann bellen die Hunde Abschied. Rinder.«erden erschaffen «eil sie verdursten. Forworth(Texas), 27. Juli.(Havas.) Die Cowboys erschießen täglich mehr als 1000 Stück Rindvieh, um es vor dem Verdursten zu retten. Mährend der letzten 7 Wochen wurden in Texas aus diese Weise mehr' als 61.000 Stück Rindvieh getötet. Wenn die Dürre noch weiter anhält, Ivird es notwendig sein, aus Texas über eine Million Stück Vieh wegzuführen. In dm Mitteilung« des Statistischen StaatS- amteS wird eine tabellarische Uebersicht über den Stand und die Bewegung der Genoffenschaften im Jahre 1933 gegeben. Sie veranschaulicht, daß der genüssenschaftliche Zusammenschluß auf vielen Gebieten unseres vielgestalteten Wirtschaftslebens vorwärtsschreitet. Im Kreditwesen, der Produktion, im Transport, im Verbrauch— überall haben sich die Genoffenschaften der JnterefftnteN eingeschaltet. DaS Statistische StaatSamt unterscheidet zwei Klaffen: die Kreditgenossenschaften und die Erwerbs- und Wrrt- "chaftsgenoffsenschaften. Unter den Kreditgenoffenschaften nehmen die R a i f f« eisenkassen den ersten Rang ein, außerdem werden noch bürgerliche Vor» 'chußkassen, gewerbliche Bor- chußkassen und sonstigeKredit- zenossensch ästen aufgeführt. Bunt ist das Bild der Klaffe der Erwerbsund WirtschaftSgenoffenschafien. Sie ist in drei Hanptuntergruppen eingeteilt: landwirtschaftliche Genoffenschaften, gewerbliche Genoffenschaften und sonstige Genoffenschaften. Innerhalb dieser Hauptuntergruppen gibt es: Ein» und BerkaufSgenoffen- schaften, Produktionsgenossenschaften, landwirtschaftliche Fach- und SiedlungSgenoffenschasten, Konsumgenossenschaften, Bau- und WohnungS» genoffenschaften und sonstige Genoffenschaften. ES bestanden Krcditgen»ffenschaft«: Anhalten d«S veränderlich« Wetters. Mit Rücksicht auf die Luftdruckverteilung kann vorausgesetzt werden, daß die allgemeine nordwestliche Luftströmung und das veränderliche Wetter anhalten werden. An einigen Stellen Nordivest- europaS lvurden Freitag nachmittag nicht einmal mehr 16 Grad erreicht; an der französischen Riviera und in Italien wurden dagegen vielfach 30 bis 31 Grad verzeichnet. Auf den mitteleuropäischen Berggipfeln ivehen Stürme.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Audauern des veränderlichen Wetters mit strichweise» Schauern, allmähliche Abkühlung, frischer, auf den Bergen vielfach stürmischer Nordwestwind.— Wetteraussichten für Sonntag: Allgemeiner Aettercharakter anhaltend. Richard Strauß kapituliert var Streicher. Rille Juli protestierte der„Stürmer", das Zchandblatt Streichers, gegen die geplante Auf- sührung der neuen Oper von Richard Strauß, weil das Textbuch zu dieser Oper von dem„Juden Stefan Zweig" stamme. Der Angriff Streichers wurde von dem Dresdner„Freiheitskampf" ausgenommen; das Dresdner Parteiblatt forderte den Rücktritt des Dresdner Generalintendanten Adolph, der die Oper zur Aufführung angenommen hatte. Jetzt wird bekannt, daß Richard Strauß auf Grund der von Streicher eingeleiteten Kampagne seine neue Oper zurückgezogen hat. Sie wird also in Deutschland nicht gespielt werde». Bata baut in Agram ein« Wolkenkratzer. Die Stadtvertretung von Agram hat das Angebot der Firma Baka lvegen Ankaufes eines Bauplatzes aus dem Jelacicplatz im Zentrum der Stadt angenommen. Der Bauplatz befindet sich auf den Gründen des ehemaligen städtischen Krankenhauses neben dem Palast der Pensionsanstalt und der städtischen Sparkasse. Der Bauplan sieht einen Bolkenkrkiher mit 14 Stockwerken vor, der das größte Bauwerk in Agram und nach dem Laibacher Wolkenkratzer der zweite Hochbau in Ju- goflawien wäre. Der Anteil der Tschechoslowakei an dem Aremdenverkehr in Jugoslawien. Die Fremdenverkehrskonvention zwischen der Tschechoslowakei und Jugoslawien lvurde, wie aus jugoslawischen -reisen mitgeteilt lvird, bis zum 30. Ollober 1934 verlängert. Die Tschechoslowakei nimmt im Tou- ristenverlehr Jugoslawiens einen allerersten Rang ein. Von der Gesamtzahl der Touristen (216.654), die im Jahre 1838 Jugoslawien aufgesucht haben, entfielen auf die Tschechoflowakei 63.847 Personen, womit die Tschechoslowakei den ersten Platz im Touristen- und Bäderverkehr Jugoslawiens eingenommen hat. Die zweite Stelle hat Oestetreich mit 69.584 Personen, dann Deutschland mit 21.134 Personen, Ungarn mit 16.117 Personen. Im Jahre 1830 stand die Tschechoslowakei erst an dritter Stelle mit 43.708 Personen, der Oesterreich mit 72.174 Touristen die Führung ll>atte, und Deutschland als zweites Land mit 47.731 Personen folgte. Im Jahre 1831 schoben sich die Tschechoslowaken mit 42.830 Personen an die zlveite Stelle vor. Damals hatte Oesterreich" mit 62.184 Personen die Spitze, als drittes Land war Deutschland mit 33.187 Touristen vertreten. Im Jahre 1982 war die Reihenfolge: Oesterreich mit 40.820 Personen, Tschechoslowakei Mit 28.762 Personen und Deutschland mit 18.518 Personen. Das Theater der Rat« Arme«. In Moskau, auf dem Rot« Platz, ist der Bau eines Riesengebäudes begonnen worden, das gtwiffermaßen ein Denkmal' für die Rote Armee sein soll. Der Entwurf sieht die Form eines fünfzackigen Sterns vor, das Gebäude wird von einem Säulengang umgeben und mit Bildern und Skulpturen ans- geschmücki fein, die an die wichtigsten Episoden der revolutionären Kämpfe erinnern werden. Das Gebäude lvird einen großen Theateisaal haben, der dreitausend Personen faffen soll, die Bühne lvird mit den Modernsten technischen Einrichtungen versehen sein. Das ganze Gebäude wird von einer vierzehn Meter hohen Statue gekrönt, die einen Soldaien mit einem flammenden Siern in der Hanh darstellen wird. Die Genoffenschaftsbewegung im Jahre 1933 Eie und Fett-Schwein Das Rotwelsch des Verräters Goebbels. Unter Gaunern ist eS bekanntlich Üblich, sich einer Geheimsprache zu bedienen. Dies„Rotwelsch" auch„ginkersprache" genannt, dient der „Unterwelt" dazu, ihre dunklen Pläne vor den Nachforschungen der Polizeiorgane zu verwischen und zu tarnen. Nun wird eS gewiß jeder Gauner weit von sich weisen, mit Kameraden-Killern und Treuebrechern vom Stil der Hitler, Goering und Goebbels in einem Atemzug genannt zu werden und er hat ein Recht zu diesem Protest. Mit diesem ausdrücklichen Hinweis möchten wir einen Brief aus dem braunen„Zinker"-Milieu zum Abdruck bringen, den englifche Blätter veröffentlichen und der ein vollendetes Beispiel neudeut- fcher Treue ist. Er lautet: „DaS ich dazu sage? Meine Ansicht kennst du doch eigentlich. ES ist ihm das züzutrauen. Erinnere dich nur an alte Geschichten. Mir nicht» Neue». Die beste Parole wäre: feige und gemein, alle verkauft und verraten. Gestern sprach ich mit Ele, Dummkopf, hat sich vieles au« der Rase ziehen kaffen. Fett-Schwein sein Bruderherz. Bleicher Kaliber. Man ist schon bereit. Halte Aussprache dringend erforderlich, als» komme." DaS ist so schön, daß es aus einem Wallace» Schmücker stammen könnte. Aber noch schöner wird eS, Ivenn man weiß, um wen eS sich handelt. El«,„der Dummkopf", ist der Reichs- lvehrminister Blomberg, Fett-Sch w ein Ministerpräsident Goering, der Lametta- General, und mit„i h m" ist er, der„F ähre r". gemeint. Dies Hohelied braun-deutscher Kame- ' radschafi sollte man unkommentiert lassen. Es ' spricht durch sich! 31. 12. 1033 31.12.1033 Raiffeisenkaffen... 4382 4384 Bürgers. Vorschußkaffen 1680. 1697 Gewerbl. Vorschußkassen 632 537 Kreditgenoffenschaften. 1181' 1183 Kreditgenoffenschaft, zuf. 7685 7701 91. 12. 1933 31. 12.1032 Landwirtschaft!. Ein- u. VerkanfSgenoffenschaft. Landwirtschaft. Produk» 1149 1144 tionsgenossenschaften. Andere landwirtschaftl. 1644 1648 Genoffenschaften.. 2566 2550 Gewerbl. Genoffenschaften 1460 1429 Konsumgenossenschaften 1021 1029 Baugenossenschaften.. 121 106 Erwerbs- u. WirtschaftS- genoffenschaften zus. 9536 9530 «rite 6 „Sozialdemokrat">. LamStag, 28. Juli 1084«r. 174 306.006 SüfefttM. rette» ftanüt Einzigartiger Export Ungarn«— Frachtgut Iber Bremen... . Eine merkwürdige Gesellschaft, bestehend au« vier englischen Gelehrten, tauchte vor einiger Zeit in Ungarn in der Ortschaft Jzsak auf. Die Herren mieteten sich dort in einem Gasthof ein, waren aber den ganzen Tag nicht zu Hause, weil sie von früh bis spät abends draußen auf den Feldern, und Wiesen in der Gegend von Jzsak hcrumkrochcn, meist auf allen Bieren, eifrig damit beschäftigt, in ihre riesigen Botanisiertrommeln eine bcslinmite Art von Insekten zu sammeln. ES war ein recht possierlicher Anblick,. die würdigen Professoren immer mit der Nase auf dem Erdboden herumfahren zu sehen, und die Bevölkerung hat sich manchen Scherz und Witz erlaubt. Die Engländer ließen sich jedoch durch nichts, in ihrem Eifer stören, und nachdem sie an 300.000 Insekten gesammelt hatten, traten sic eines Tages mit ihrer Beute die Rückreise»ach England an. Bei der Zollabfertigung auf dem Budapester Bahnhof wurden die fleißigen Sammler endlich einmal, gefragt, was es nun eigentlich mit diesen Insekten für eine BctvandtiiiS habe/woraufhin die Gelehrten erklärten, daß die ganze Sendung für Kanada bestimmt sei.'Dort in Kanada werden die in Ungarn gesammelten Insekten über die weiten Nadelwälder des Landes verstreut werden, damit sic den Schädlingen, die seit Jahr und Tag diesckn prachtvollen und wertvollen Nationalbesitz Kanadas ruinieren, auf den Pelz rücken. Die für einen erfolgreichen Kampf gegen die Parasiten in Kanadas Fichtenwaldungen am besten geeigneten Insekten gibt eS nämlich nur in Osteuropa; daher diese seltsame Expedition nach Ungarn. Die 300.000 Insekten sind jetzt übrigens kn einer großen Zahl von Käfigen verpackt worden, damit sie die lang« Fahrt über den Ozean wohlbehalten. überstehen. Diese Kästen bestehen fast vollkommen aus GlaS, so daß der Transport mit großer Borsicht durchgeführt werden, muß» und auch Luftlöcher hat man nicht vergessen. Die ganze Sendung geht von Budapest qjS Frachtgut über Bremen nach Montreal. Jtameraben iw Rächt Juricich erwachte. Ein Strohhalm hatte sich unter seinem rechten Auge in die Haut gebohrt und der Schmerz drang, bis in die innerste Kammer seines Empfindens. Noch riktielte er schlaftrunken an den Toren eines verworrenen Traumes, ehe er völlig erwachte und fluchend nach der Taschenlampe tastete. Die Lust-war..dick und heiß, im Stall und abertausend,Strohstäuhchen. janzs;n in HM,lächerlich schmalen Lichtkegel der Stäblampe. Der scharfe Dunst der Kartoffelmaische, mit welcher die Ochsen fetfgefiittert wurden, brannte wie Feuer in den Augen Juricichs. Er fühlte unter seinem Auge, fand, aber leine Verletzung. Doch in seinen Schultern meldete sich wieder der Schmerz des verdammten Rheumas» welches er sich in all den Jähren geholt hatte, die er nun schon in Scheunen, Ställen und Chauffccgräben schlief. Er wanderte durch den längen Stall, vorsichtig mit der Lampe vor sich herleuchtcnd. Wie riesige weiße Flecken lagen die Mastochsen im Stroh und ganz von hinten kam das Gcraspel der noch immer WMMMWU MWWWWM Kleine Szene... Kinder balgen sich. Bon dem. freudigen Kreischen abgewckt, begibt man sich an»die Stätte ihrer Wirksamkeit. Sie ist mitten auf dem. Platz, wo seit unzähligen Jahren die runden Frauen sitzen, thronend hinter ganzen Gebirgen von Obst und Früchten. Je nach des. Jahres Zeit funkelt es dort rot von Kirschen, grün von Stachelbeere», golden von Orangen. Der Erdbeeren lieblichen Purpur, der Zitronen reifendes Gelb und der Trauben sattestes Blau kannst du bewundern und— laufen. Wenn du.... usw. Die Kinder, die dort vor einer Bude am Obstmarkt hell jubeln und kreischen, sind sicher keine Stammkunden. Es sind ärmlich gekleidete Proletarierkinder mit schmalen Gesichtern und dünnen Beinen. Was ist geschehen, daß sie sich so freuen, daß sie so lachen, ungewohnt herzlich und glücklich? Nun— eigentlich nicht viel. Doch für sie ein großes Ereignis. Ein. Korb mit. Kirschen ist üm- gestürzt, und rings um diesen Korb-liegen jetzt in'unendlicher Fülle die großen, reifen Früchte, hellrot in der Sonne schimmernd. Der Händler aber, dem daö Mißgeschick passiert, hat gutmütig die Kinder herbeigerufen und erlaubt ihnen, sich Mund und Taschen nach Herzenslust mit Kirschen zu füllen. Ein ganzer Schwarm hat dieser Einladung Folge geleistet. Doch ein großer Korb voll Kirschen scheint unermeßlich zu sein wie die Herr« lichleiten des Schlaraffenlandes. Und so kommt es. daß di« Kinderschar ißt und ißt» sich die Taschen stopft und alle Spuren bereits auf Gesichtem und Kleidern trägt, und der Reichtum scheint noch immer nicht erschöpft. Dem Betrachtenden hallt das Kinderlachen, von Kindern, die sonst kaum wissen, was Lachen ist, lange in den Ohren. Der AuSdmck dieser, jungen Gesichter steht lange vor seinem inneren Blick. Daß ein Korb Kirschen soviel Freude hervorzuzaubern vermag I Leicht scheint eS daran gemessen— die ganze Menschheit zu beglücken. Ließe man sie nur teilnehmen in ihrer Gesamtheit an der Ueberfülle dieser Erdei Katja. käuenden Pferde.' Juricich zündete sich, eitle Zigarette an, das Streichholz vorsichtig verlöschend. Seine lange Gestalt warf einen ungeheuren Schatten an di« Stallwand» an der das Wasser niedertroff. »Warum schläft alle-" murmelte Juricich, »die gesamte Kreatur, und ich bin zum Wachen verdammt?" Haß wuchs im Herzen des einsam wachenden Juricich, Haß gegen alles Schlafende und Schmerzfreie, der seinem Gesichte einen wilden und boshaften Äusdruck verlieh. Schon wollte er einem schlafenden Tiere den Stiefel in die Weichen stoßen, als er erschrocken den Fuß zurückzog. »Warum bin ich böse?" fragte er sich und setzte sich neben das Tier, ins Stroh. Seine Gedanken stolperten über hunderte von Fragen, deren Lösung Jnricich nicht fand.»Nichts ist mehr für uns geblieben als der Schmerz" sprach er ganz laut und seine Stimme klang in dem.Gewölbe dumpf und traurig.»Ich will kein Tier quälen, loer aber quält mich, den Menschen Juricich, der ein Ebenbild Gottes sein soll, ärger als ein Tier?" So saß er im Miste, ließ die kranken Schultern'hängen und verfluchte sein ganzes armseliges Dasein. Die dicken Mauern des Stallgebäudes ließen leinen Laut von außen herein und. Juricich horchte vergebens nach dem Schläge der Dorfuhr, um die Länge seiner Nacht zu ermessen. Schwerfällig rappelte er sich endlich wieder hoch, den Ochsen flüchtig überö Fell streichend. Schlürfenden Schrittes ging, er zur Tür, sie leise öffnend. Ein kalter Windstoß riß sie ihm fast aus der Haiid und schnell schloß er sie wieder. Dann löschte er die Lampe und tastete wieder zu seinem Lager zurück. Aber das Rheuma tobte immer wieder in seinen. Schultern und ließ ihn lein Auge schließen und neben ihm lag Schimanek und schnarchte. Der kleine Schimanek, der täglich ein Stück seiner kranken Lunge heraushustete. Irgendwo hatte Juricich ihn aufgeltsen und mitgenommen. Hatte in seiner rauhen unbeholfenen Art für den Kleinen gesorgt, ohne sich um dessen Herkunft zu kümmern. Schimanek schnarchte, sein Atem kam rasselnd aus der schmalen Brust, sich den Weg durch die Nasenlöcher bahnend. Juricich horchte auf dieses Schnarchen. Und er haßte plötzlich diesen Schimanek mit einer unerklärlichen Wut. Er brannte die Lampe wieder an und leuchtete ihm ins Gesichts Klein und mager, wie ein verdorrter Apfel sah cs unter dem zerrissenen Rock hervor, mit dem der Kleine zugedeckt Ivar. Juricich fürchtete sich vor dem seltsamen Tier, das in seinem Innern wqr und ihm jetzt befahl, den Kameraden/ ins Gesicht zu schlagen. »Wie er schnarcht, wie er häßlich schnarcht", murmelte er zu seiner Entschuldigung, während er fühlte, wie sich feine Faust ballte.„Ich will ihn ins Gesicht schlagen", sprach Juricich,„wenn er so schnarcht, während ich vor Schmerz heule» könnte rind wachen muh." Eine fremde Macht ballte seine Hand. Die große schwere Handwerkerhand. Er zitterte wie ein frierender Hund vor Aufregung und die Haut an den Fingerknöcheln spannte sich. Und Schimanek schnarchte ahnungslos die Luft durch seine vertrocknete Lunge. Da hob Juricich bie Faust nach der Richtung, aus der Schimanekö rasselnder Atem kam. Dieser stöhnte auf, noch ehe der Schlag geführt war. Mit seinen beiden Händen griff er in Juricichs Faust.„Mutter, liebe Mutter", bat er leise. Die Faust löste sich. Sie wurde weich,, und milde strich Juricich dem Kameraden durchs feuchte Haar:,Karl,, schlaf, HWW ist wieder Sonnenschein, lieber guter Karl- Dl« Stimme Juricichs war so weich wie die einer jungen Mütter. Ruhig schlief der kleine Schstna- nek weiter und sein Atem ging leiser. Sachte löste Juricich seine Hand aus den Händen des Genossen. Dann ging er wieder zu. den Ochse» und setzte sich in den Mist. Er fühlte den Schmerz in seinen Schultern nicht mehr. Er fühlte, daß ihm eine große.Gnade in dieser Nacht, geworden, da er Schimanek ins Gesicht schlagen wollte und ihm dann Genosse'und Mutter zugleich sein durfte. Und Jnricich merkte, daß er weinte, als durch das kleine blinde Stallfenster das erste Morgengrau dämmerte. Walter F e h r c r. I Mitteilungen au» dem Publik«». Sind. Sie geistig»der körperlich ermüde»? Massieren Sie Ihren Körper! Dies geschieht am erfolgreichsten mit unverdünntem Franzbränntwe'n Alpa. Eine solche Massage verbessert den Blutkreis, kauf, stärkt die Muskeln und erfrischt die Nerven Beraten Sie sich mit Ihrem Arzte über die Art de» Massage. Ab«t Partei Der Jugeadadend ist statt am Dienstag an» Donnerstag um 8 Uhr im Parteihcim. Referent Tr. R. Wiener.(Sozialpolitisch» Fragen.) Sozialistisch« Jagend, Kreis Prag. Morgen. Sonntag, Wanderung ins Berauntal. Treffen 8 Uhr Endstelle der 6er Elektrischen in Hln- bokeph.— Donnerstag im Parteiheim Vortrag des Genossen Dr. Wiener:»Sozialpolitische Gesetze". Beginn 8 Uhr. Novellierung de» So- zialvcrsicherungSgeseheS u. a. RrdiMiiMa PRAG Ein billige» S»nntagS»er. gnügen ist, mit dem AtuS baden zu gehen. Treffpunkt: 7 Uhr an der Endstation, der Linie 14 in Kaöerov. Bringt gute Laune und schönes Wetter mit! MtMKMiitWrtMeii der Arbeiterfiirsorge finde« jede« Gamstag von 5—7 Uhr im Berei« deutscher Arbeiter, Smrkkagaffr Nr. 37, statt. I! 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