9 Eimlgnis TB'IMItr («inicliliaMch WiHir r#rto) ■MCMMT WUT AUSNAHM« MS MONTM TMUCH MIM. MNMN VW HHtAUSOMRi SlfOHIIED TAU*. CHtHHDAKRU*> WIlHtlM 14. Jahrgang Sonntag, 29. Juli 1934 Nr. 175 M Sonderflugzeug nach Wien war bereit Die„SBienet Beitritt" erklärt, au* allerbester Quelle erfahren zu haben, hast Habicht und Frauenfeld sich den ganze« Mittwoch über »an vormittags 0 Uhr ab bereit hielten,«ach Wie« zu fliege«, um an der Re- zierunzSbildun g t ei l zun el men, ja sogar, daß rin Tonderflngz e u g für sie bereitstand. Aus diesem Wrunde sei auch die für Donnerstag geplante Rundfunkrede Frauen- selb» über Oesterreich abgesagt Werde». ItsIieniscKe leilmobilisieruns R a m, ,28. Juli. Sämtliche de« der Auslandspresse verbreiteten Meldungen über dir Einbrrnsung von drei Jahrgänge« z« de« Was- sru sind vollkommen unrichtig. Die italieuische Regierung hat keine derartige Maßnahme getroffen. Richt bestritten werden die Meldungen über Truppenkonzrntrationrn. Alle italienischen Alpenstraßen sind mit Truppe» überfüllt. Die Soldaten sind mit voller GebirgsauSrüstung versehen.- Unter den mobilisierten Truppe» befindet sich auch die erste mechanische Division in der Stärke von 8000 Mann. Sie besteht ans Tanks und Panzerautos ganz neuer Art, schwerer und leichter Artillerie sowie sechs- und achträdrigen Lastautos. Die mechanisierten Einheiten bewegen sich hauptsächlich auf. der Straße U d i n e—T arvis, während Bersnglierio, Radfahrertruppen und Piemonteser Ulanen auf der Monte Eroee- Straße vorüberziehen. Mai» schätzt die Zahl der Truppe» auf mehr als 40.000 bis 50.000 Mann. In Mailand, Rom und andere» Städte» ist r» gestern zu Demonstratio»« zngnnstrn Oesterreichs gekommen. In. viele» italienische» Minos wurden Bilder aus Deutschland mit Pfuirufen bedacht, so daß sie ans der Wacheüscha« entfernt werden maßten. Wenn auch die Meldung einer italienischen Teilmovilificrung später dementiert wurde, so zeigen doch die unwidersprochenen Meldungen über die Konzentriernpg aktiver italienischer Truppen an der Kärntner Grenze den Ernst der durch die Ereignisse in Oesterreich hervorgerufenen internationalen Situation. Borläufig ist allerdings nicht zu befürchten, daß der europäische Friede gestört werden wird. Ter Grund, warum Italien der ganzen Welt zeigen will, wie ernst es ihm ist in der Abwehr dessen, daß Oesterreich unter den Einfluß der deutsche» Hakenkreuzler gerät, liegt auf der Hand. An dem, was in Oesterreich geschehen ist, i st ftz t a l i e n mitschuldig. Der leitende italienische Staatsmann war es, der Dollfuß, in seinem Bestreben nach einer„autoritären" Slaatsführung ermuntert hat, und der italienische tlntcrstaatSsekrctär E u v i ch war cs, der die Möglichkeiten der Zusammenarbeit der Sozialdemokraten mit dem demokratischen Flügel der Christlichsozialen verschüttet hat. Italien will vor der Welt diese Schuld verbergen» indem cs nun gegen Deutschland auftrumpft. Bestärkt wurde Mussolini darin noch durch die Entsendung P a- v e n s nach Wien, was in Italien die Befürchtung machgernfcn hat, daß der neue deutsche Gesandte durch seine Beziehungen zu den katholischen Kreisen in Oesterreich den Einfluß des bisher in Wien allmächtige» italienischen Gesandten paralhsicren wird. Vielfach wird angesichts der Zusammenziehung italienischer Truppen an der österreichischen Grenze die Frage aufgeworfen werden, was denn d i e a n d c re n Gr o ß m ä ch t e, vor allem Frankreich und England, zu der Entwicklung in Oesterreich zu sagen haben. Die brutale und ungeschickte Außenpolitik Deutschlands hat Frankreich, England und'Italien lvieder zusammenge- siihrt und es ist daher nicht zu erwarten, daß Mussolini ohne Einvernehmen mit den anderen Großmächte» etwas unternehmen wird. Wie«, 28. Juli.(Eigenbericht.) Die amt liche« Berichte der österreichische» Regier»»», die bereits gestern von einer Liqnidirrung des Pnt- schrs sprachen, sind vollkommen gefälscht. I» Wahrheit halt die Unruhe i» Oesterreich fast»»- vermindert an. Die Stadt Wie» glich gestern in ihre« innere« Bezirke« durchaus dem 12. Feber. Es war i« de« Abendstunde« bekannt geworden, daß sich Rationalsozialisteu ans dem Westbahnhof so wie im-III. und im XX. Bezirk als Heim- wehrlente verkleidet hatten, um ge» g e« d le i«« e r e S t a d t zu marschiere« und dort««erlich da» Bundeskanzleramt zn besetzen.. Die innere Stadt wurde hierauf a b g e r i e- gelt.'Der Ring war mit Militär und Polizei besetzt, die Stahlhelm und Karabiner trugen. Ruch zivile Paffanten wurden nicht durchgelaffe«. I« der Gegend der.Oper, des Kriegsmini steriums und im XX. Bezirk auf dem Engels platz wurden zwischen heranziehende« National sozialisten und dem Bundesheer Fenrrge-^ fechte geliefert. Während noch geschoffen wurde,' meldete der Wieper Radiosender, es herrsche .überall vollkommene Ruhe. Auch vir Meldung brr österreichischen Re gierung, baß oil dem Putsch int BimlikSkanzler- amt keine Militärpersonen teilgenomme» habe«, ist vollkommen falsch. Es sind bisher 14 a k t i v e Offiziere des Bundesheer«» unter de» Berhafteke» festgestellt. Unter diesen befindet sich auch der im HrrreSministerium sehr gut akkreviert« Major Seliger. Durch die neue Taktik der Nazi, sich als Heimwehrleut« zu verkleiden, herrscht, überhaupt eine f n r ch t b a r e B e r w i r r n n g, da jetzt auch die Heimwehrtrupp», die infolge der Mo bilisierung überall anftanchra, mit Mißtraue» angesehen und an verschiedenen Stellen aufge- halten werden. In Kärnten ist die Regierung sichtlich über- hanpt nicht Herrin der Lage. Bei St. Leit an der Glan gab es gestern«nd Heut««och schwere Kampfe, in denen die Regierung wiederum Haubitzen gegen BolkSwohuuugeu richtete. Die Stadtverwaltung von St. Leit erklärte ans Anfrage eines Berichterstatters, daß es dort bei diesen Kämpfe« mindestens 50 Tote gegeben habr.?,,.^..! Ein Offizier de» österreichischen HeereSmiui- steriums erklärte Ihrem Berichterstatter, in Steiermark allein habe es mindestens 200 Tote «niet der Exekutive gegeben, also viermal soviel zimmer winde ein nationalsozialistischer Gc- als die Regierung öffentlich zugibt.. h e i m s e n d e r konfisziert. Vie Unruhe dauert an Neue Putschgerikhte In Wien— Verlustreiche Kampfe In Kirnten Selbst die kurzen amtlichen Bericht« kaffen edcnncit, daß die Kämpfe außerordentlich erbittert sein müssen und daß die Exekutive durchaus nicht überall sofort Herrin der Lage war. So heißt cs in einem Bericht aus Kärnten: Dir Operationen werde« hauptsächlich in dm gemischtsprachigen Gebieten durchgrfiihrt. Dir in Bölkermarkt lirgende Kompagnie des 11. Alpenjäger-Regiments wurde zur Säuberung»ach Wolfs berg beordert und geriet dort gegen die Terroristen i» Minderzahl. Ihre Lage war länger« Zeit bedrängt. Der Kommandant Major Small« fand hiebei den Tod. Eine Kompagnie» die als Verstärkung eutsmdrt wurde, erzwang sich dm Weg durch Bölkermarkt, wobei vberst- leutnant Powalatz verwundet wurde. Di« Trup- pm marschieren gegen das Lavanttal. Bon Norden her ist«in motorisiertes JSgrrbataillon im Anmarsch. St. Beit wurde heute mm der Bundrsrxe- lntive besetzt. Rebe» zahlreiche» kleineren Orte» wurde auch Feldkirchen befreit. An der Lienzer ^Strecke'finden noch SäuberungSaktioiirn statt. *1 Bei St. Donat haben die Nationalsozialisten "nach einem Angriff der Hkimatschützler dir Waffen toeggrworfrn. Obrrdrantzurch Grrifrnburg und Millstatt sind von de» Nationalsozialisten gesän- t-ert worden. Auch Friesach und Eisenkapprl wurden Pefitvit. ^Sei St: Georgen haben sich gestern nachmittags ungefähr 100 Nationalsozialisten mit Maschinengewehren znsammengerottet. Gendarmerie und Heimwehr»nternahmrn einen Angriff ans die Stellung der Nationalsozialisten, welche in die Flucht geschlagen wurden, wobei sie neun Tote und 16 Schwerverletzte zuriiitlirßrn. Zwei Maschinengewehre wurden erbeutet. Die Strecke zwischen St. Beit und St. Donat ist bereits gesäubert. Das Drantal war u o r ü b e r g e h e n d i n den Händen der. R a t i o n a l s o z i a l i st e n, dir dort zwei Brücken gesprengt haben. Das Renterbüro meldet aus Wien: Die Rationalsozialistrn in Kärnten haben ihre« Generalstab in B l r i b n r g errichtet. Die NegiernngStrnpprn eröffneten bei Tagesanbruch einen Angriff auf dir Stadt, wo der Kampf weitergeht. Die Verluste auf beiden Seite» sind s eh r groß. Andere Abteilungen der Nationalsozialisten haben das Gebiet-wischen Lavamünd und Wolfs» berg in Hände» und gehr» in Richtung gegen dir jugoslawische Grenze zurück. oekelaiCRler in ter Dlrcktlomkaizlcl Der Direktor' der staatlichen Gewerbeschule Hofrat Mayer wurde sm Zusammenhang mit der Revolte in Kärnten verhaftet. In seinem Amts- Zwanzig Jahre Zum Gedenktag des Kriessausbruches Am 26. Juli 1014 mobilisierte Oesterreich- Ungarn seine Arinecn gegen Serbien, am 28. Juli wurde die offizielle Kriegserklärung über- reicht, am 1. August erklärte Deutschland den Krieg an Rußland, am 3. August an Frankreich, worauf am 4. August England an Deutschland den Krieg erklärte. Dann folgten die Kriegserklärungen eine nach der anderen: am 6. Angusi Oesterreich an Rußland, am 23. August Japan an Deutschland, viele andere kamen noch dazu, bis die ganze Welt in Flammen stand. Fast viereinhalb Jahre lang regierte in der Welt da» Schwert. Die Völker der Erde watete» durch ein Meer von Blut, ungeheures Leid er- goß sich über alle Länder. Unzählige Tote, Per letzte und dauernd Verkrüppelte waren das Er- gcbniS des wahnsinnigen Massenmorde»», i» dem eine Zivilisation sich selbst begrub, ein Ab- schnitt der menschlichen Entwicklungsgeschichte abgeschlossen wurde. Tas einzige, was am Ende dieses Golgathaweges die Menschheit noch auf- recht hielt, das war die Hoffnung, daß ans den Greueln des Krieges eine neue und bessere Welt erstehen würde, in tvelcher die Solidarität der Völker, ihr Zusammenwirken entstünde, so daß ke,in_nouev Krieg mehr möglich wäre. In den besiegten Staaten trat die Arbeiter klasse die Herrschaft an. Es war die Herrschaft über einen Trüininerhaufen. in dem unter un- täglichen Mühen Ordnung geschaffen werden mußte, damit die Mensche» endlich wieder einmal ruhig und friedlich leben konnten. Doch statt ihre vereinte Kraft auf die Bewältigung der ungeheuren Aufgabe zu konzentrieren, spaltete die Arbeiterklasse ihre Kräfte und angesichts des Chaos kam cs zum brudermördcrischen Kampfe, wo Proletarier gegen Proletarier standen und >vo im blutigen Bürgerkrieg wieder und wieder neue Opfer fieleii. In diesem unseligen Beginn lag schon die weitere tragische Entwicklung beschlossen und als dann gar der Nebermut der Sieger den Völkern der besiegten Staaten— denn die Herrschenden, die de» Krieg verlclnildet hatten, konnten und wollten sie nicht Irenen— das Friedensdiktat anszwang. wurde die Saat gelegt für all das weitere Unheil, dos die Völker Europas und darüber h'uwus der ganzen Weil betroffen hat. Der Krieg hatte alle Fäden zerrissen, welche vordem die Weltwirtschaft verbunden halte». Als nun Deutschland gezwungen werden sollte, jähr lich viele Milliarden Mark an Reparationen zu bezahlen, da verstanden es die deutschen Kapitalisten, durch daS Mittel der Inflation zunächst die Volksmassen all ihrer Ersparnisse zu berauben, sich, die Landwirtschast und auch das Reick saft schuldenfrei zu machen. Ungeheure Vermögen wurden in den Händen einzelner konzentriert und lvas nichts anderes war als ein ungeheuer- licher Raubzug aus die Taschen der kleinen Sparer, daS wurde nun ebenfalls auf das Konto der Reparationen gesetzt. So wuchs in Deutschland jene Welle des verblendetenNationalismus, von der Unvernunft der Siegerstaatcn genährt und gehoben, die dann hinüberleitete in die Acra des blutbedeckten FasciSmuS.,. Nach der Stabilisierung der Mark begann in Deutschland eine ne»ie Aera. Das Kapital> fühlte sich frei von seinen Schulden; es konnte also neue Schulden ausnchmeu. Der Ruhrkamps Hatto den rheiitischen.Industriellen ungeheure Summen aus Neichünlitteln gebracht- die sie zu wahnwitziger Rationalisierung ausnützten. Im- wer neue Investitionen wurden gemacht- und die Welt sollte von deutschen Waren überschwemmt werden. Unter dem Vorwand, daß man sonst die Reparationen nicht bezahlen könne, wurde der deutsche Erport ständig in die Höhe getrieben, dieweil in Wahrheit die Gläubigerstaaten der deutschen Industrie mehr Geld.borgt«» als die 1 7 »■ Lonning, 29. Infi 1934 EtttteL ganzen Reparationssummen betrugen. Vergebens Warnten vernünftigere DolkSwirtfchafter vor-er Fortsetzung dieser selbstmörderischen Politik. Sie warnten und riefen zur Einkehr. Weg mft den Reparationen und zurück zu einer veniünstigen Produktion?, und Handelspolitik: das war die Stimme nicht nur der Sozialisten aller Lander, sondern auch die Stimme einsichtiger Menschen, welch« die drohende Katastrophe kommen sahen. KeyneS, Cassel und viele andere setzten sich für die Vernunft ein, aber vergebens. Dio französische Kapitalistenklasse hatte nicht umsonst dem fron- zösischen Sparer eingeredet, Deutschland morde alles zahlen,»le boche paycra tont", nun sollten die Versprechungen auch erfüllt werde». Noch glaubte cs niemand, daß es in diesem furchtbaren Kriege keine Sieger, sondern nur Besiegte gege- ben habe, daß sie alle die ungeheuerliche Rech, nung würden bezahlen müssen, durch Not, Elend, Arbeitslosigkeit, Hunger, endlose Ausbeutung und schließlich niit dem FasciSmus. So behau- delte man die wirtschaftliche Frage der Repara- tionen auf politische Weise, machte viertel und halbe Zugeständnisse, die aber wie jede Halbheit immer viel zu spät kamen, bis schließlich das ganze Kartenhaus zusammenstürztc und die Welt erkannte, daß hier nur überall betrogene Be- trüger waren. Die Welt begann sich gegen den wirtschaft- lichen Expansionsdrang Deutschlands zur Wehre zu setzen. Der früher blühende Welthandel wurde fast völlig vernichtet. AbspcrrungSinaßnahnien aller Art, Hochschutzzölle, Kontingentierungen, Einfuhrverbote, Deviscinnaßnahmen machten auS der Welt einen Wirtfchaftsfriedhof. Einzelne Staaten hofften sich mit der Entwertung ihrer Valuta zu helfen, doch mußte» sie bald erkennen, daß das nur einen Anreiz für die anderen bot, eS ihnen gleichzutun. So wurde überall rationalisiert, um den Vorsprung des Wirt- schastsgegnerS auszugleichen. Doch inimer kam man zu spät, da inzwischen neue Erfindungen die alten verdrängt hatten. Die Maschinen spien ungeheure Mengen von Produkten aller Art her- auS, in der Landwirtschaft verzeichnete man Fortschritte wie nie zuvor, der menschliche Geist machte sich die Natur untertan, bis um 200 Kilometer weiter nach Norden wurde in Kanada und Sibirien die Getreidezone vorgeschoben, cS gab alles im Ucberfluß: aber die Maschine hatte inzwischen den Menschen verdrängt, Millionen und Abermillionen wurden arbeitslos, auSge- schaltet aus dem Konsum all dieser Massenerzeug. nissc, welche die tote Maschine nicht verbrauchen konnte. AuS dem Massenelend wuchs die Vcrzweif- lung. Jeder Scharlatan, der Arbeit und Brot versprach, hatte eS leicht, zahlreiche Unzufriedene um sich zu versammeln und sic von seiner neuen Heilslehre zu überzeugen. Besonders der deklas- siertc Mittelstand, der den Absturz in das Prole- tariat fürchtete und soziologisch zu wenig gcbil- det und aufgeklärt, die Ursache seines Unglücks in der Begehrlichkeit der Arbeiter, nicht aber in den Gesetzen der gesellschaftlichen Entwicklung sah, folgte den Betörungen der faseistischen Heilsapostel. Viele Arbeiter ließe» sich für die Lands- knechtStruppen der wirtschaftlichen und politi- schen Reaktion anwerbcn und so wurde der große Kampf um die Neugestaltung der Gesellschaftsordnung mttsKilfe gekaufter und irregeführter Dellafsierter toieder einmal zugunsten des Kapital« entschieden. ES ist finster geworden in Europa und der Welt. Nachdem es Hitler und seinen Trabanten gelungen war, in Deutschland die Macht an sich zu reißen, befand sich die Welt eine Zeitlang in einem ähnlichen nervösen Zustand wie'in den gewitterschwangcren Julitagen deö JahreS 1914, die zwischen der Ermordung deS österreichischen Thronfolgers und zwischen dem Beginn der einsetzenden Kriegserklärungen lagen. Vielfach wurde die Ansicht vertreten, man müsse t mit Deutschland einen Präventivkrieg führen, müsse seine wahnsinnigen Machthaber früher zu Boden schlagen, bevor sie in die Lage kämen, die Welt in eine neue Katastrophe zu führen. Man hat diese Idee glücklicherweise fallen lassen, denn auch dieser Präventivkrieg hätte wie jeder andere nur neues Unheil, neues Verderben über die geschlagene Menschheit gebracht. Aber inzwischen ist eingetroffen/ was man befürchtet hat. Deutschland ist heute zu einer einzigen Rüstkammer geworden, die ganze Produktion wird fast ausschließlich unter dem Gesichts, punkt der„Wehrhaftmachung" Deutschlands organisiert und geführt. ES ist besonders die chemische Industrie, der hier eine ungeheure Rolle zugewiescn wird und soll Deutschland dm Krieg nicht anders gewinnen können, so mit Giftgasen und Pestvazillcn, die man über die Bevölkerung der„feindlichen" Staaten streuen will. Die Welt hat die riesige Gefahr erkannt, in der sie schwebt. So sind wir Zeugen gewaltiger Müchieumgruppierungen, die alle nur dem einen unausgesprochenen Zweck dienen, das von Wahn- sinnigen beherrschte Deutschland von der übrigen Welt zu isolieren. So wie man Pest- und Lepra- kranke von der Umwelt absperren muß ebenso wie Tobsüchtige, so muß auch der akuteste Gefahrenherd Europa», Deutschland, abgesperrt werden. Versucht Deutschland sich mit Japan zu verbünden, um Rußland in die Zange zu bekommen und den Ritt nach Osten zn wagen, hat Hitler sogar mit Polen, dem östlichen„Erbfeind" mit deni Korridor, einen zehnjährigen Freund- schaftSvertrag abgeschlossen, um gegen Rußland freie Hand zu haben, so hat sich das demokratische Frankreich mit Sowjetrußland verbündet, hat sich die Kleine Entente diesem Bündnis ange- schlosscn, haben die mächtigm Vereinigten Staaten von Nordamerika und nach einigem, Zögern wohl auch Großbritannien den Friedensstörern' der Welt deutlich zu verstehen gegeben;'daß ihr Unterfangen von vorneherein dazu verurteilt ist, in die Katastrophe zu fiihren. Gegner deS militärischen Blocksystems, müssen wir in diesem Zeit- punkt ganz deutlich erklären, daß eS keinen anderen Ausweg für die Rettung des Weltfriedens gab als die Schaffung einer starken Mächtegrup- pierung, die jedem Angreifer von vorneherein die Lust nimmt, sich in ein gewagtes Abenteuer zu stürzen. Dem Desperado freilich ist alles zuzutrauen. Jene, die ihre gestohlene und erschlichene Macht wanken sehen, werden nach so vielen Morden, niit denen sie ihr Gewissen bereits belastet haben, nicht davor zurückschrecken, ihr blutiges Werk mtt einem neuen Weltbrand zu krönen. Dazu aber müssen wir gerüstet sein, nm im entscheidenden Augenblick besser die Zeit zu nützen al» eS 1918 der Fall war^ Gegner jede» Kriege» mit seinem unvorstellbaren Grauen wollen wir e» heute, am zwanzigsten Jahrestag der Weltkatastrophe, die alles Unglück verschuldet Hal, da» über uns kam, den Herrschenden laut und vernehmlich in die offenbar taub gewordenen Ohren schreien, daß sic diesmal nicht so leichten Kaufes.davonkämen wie in jenen trüben Oktober- und Novembertagen de» Jahres 1918. Diesmal würde ganze Arbeit gemacht werden, um das Nebel an der Wurzel zu packen. Denn Kapitalismus, das bedeutet, wenn nicht Krieg, so doch mindestens ständige Kriegsgefahr. Und in gehäuftem Maße dort, wo die Schicksale der Völker von ein paar unver- antwortlichen Größenwahnsinnigen geleitet wer- Massenversammlungen unserer Partei . Die Ereignisse deS 80. Juni in Deutschland und die letzten Vorfälle in Oesterreich haben— wie nicht anders zu erwarten war— die leidenschaftlichste Anteilnahme unserer Arbeiterschaft gefunden. Die Partei hat in einer großen Anzahl öffentlicher Versammlungen, in Konferenzen und internen Parteiveranstaltungen zu ihnen in ausführlicher Weise Stellung genommen. Die Versammlungen waren überall massenhaftbesucht, die Auftlärungen der Redner über die Entwicklung deS FasciSmus in Deutschland und in Oesterreich wurden mit dem größten Jntereffe und unter stürmischer Zustimmung zur Kenntnis genommen. ES sprachen z. B.: Genoffe Kügler in öffentlichen Versammlungen in WarnSdorf, Schiinlinde und Eula«, Genaffe Senator R e y z l in Schlucken««, Genaffe PaulinAsch, Mährisch- Triidau, Graupen und Re«ern, Genoffe Kern inLandökran, Böhmisch- Kamnih und Freiwal- da«, Genoffe Dr. Wiener in Haida, Genoffe Rehwald in Tiefendach und I o- hanneSthal, Genoffe Kutscha in Wig- ft a d t l und Gen. vierer in Mährisch- Rothwasser. von vielen anderen Versammlungen liegen nach keine Berichte var. In den Versammlungen hatten sich auch vereinzelte Gegner cingefunden, die von den-AnS- sührungen unserer Genossen, deren Richtigkeit sie nicht abzuleugnen vermochten, vielfach sehr betroffen waren und in ihrem Glauben an die Rettung durch eine fascistische Diktatur mächtig erschüttert wurden. Nur in den. seltensten Fällen wagten es ganz Unentwegte das Wort zu ergreifen und Herrn Hitler oder Herrn Henlein zu verteidigen. Der bürgerlichen Presse sind unsere Versammlungen sichtlich unangenehm, sie versucht sie, in gewohnter Weise herabznsctzen und begleitet sie mit hämischen Bemerkungen. So berichtete z. B. die„Ascher Zeitung" über die Versammlung in Asch und bemerkte, daß daS Thema falsch bezeichnet war und eigentlich hätte lauten sollen: „Wie lerne ich aas Gruseln?" Wir haben von unserer Schriftleiter-Presse nicht erwartet, daß sie die Vorgänge in Deutschland ob- ' i ttt. 175 -en, nämlich m den Staaten' W faseistischen Diktatur.\ Wir aber, die wir den Frieden wollen, weil wir wissen, daß zunächst und in erster Linie die Arbeiter e» sind, welche die Kosten deS Krieges bezahlen müssen, wir wollen gerade in diesen Tagen furchtbare» Gedenkens geloben, mft verstärkter Kraft mitzuwirken und mitzubauen an einer neuen Welt, an einer Ordnung der Frei- heit und Gerechtigkeit, in der jedes Volk sich selbständig entwickeln kann und in der die Pöl- ker antreten zum gemeinsamen friedlichen Wett- streit um die Palme der Bildung, der Kultur, der Entwicklung zur Schönheit und Freude zu erringen, nicht aber zum gegettscitigen Morden, zur gegenseitigen Vernichtung. Diese Ordnung aber, sie kann nur der Sozialismus sein, dem wir mit allen Fasern unseres Herzens nachhän- gen und den zu erkämpfen wir un« in diesen ernsten Sftmden gegenseitig versprechen. jektiv wiedergeben wird, da sie dann ja höiic gegen ihre fascistische Gesinnung schreiben müssen. Wir wollen aber dem Schriftleiter der Ascher Zeitung doch sagen, daß er anders berichten würde, Ivcnn er mir den zehnten Teil besten selbst erleben müßte, was ein Marxist in einem deutschen Konzentrationslager gewöhnlich erdulden muß. Die Partei wird ihre AuftläritngSkanwognc über die Entwicklung des FasciSmus in Europa unermüdlich fortsehen. ES gilt, das fascistische Gift auS den Gehirnen der Menschen zu entfernen und cS gilt nachznwcisen, in welch glänzender Weise unsere Vorhersagen durch die tatsächlichen Erscheinungen bestätigt werden. Sozlalistenverhaftungen In Polen Man schreibt der„Internationalen Information" aus Polen: Aus Anlaß der Ermordung deS polnischen Innenministers Picracki sind bekanntlich in Polen nach deutschem und österreichischem Vorbild Konzentrationslager eingerichtet tvorden, selbstverständlich mit der offiziellen Zweckbestimmung, die Rechtsattentäter zu isolieren. Bisher sind in der Tat auch Anhänger der Linksparteien nicht in das Konzentrationslager gebracht tvorden. Dafür hat aber die Regierung zahlreiche v e r h a f t u n g e n von Funktionären der Arbeiterbewegung vorgenoninie'n. So find-Kommunisten, Mitglieder der P. P. S.(Polnischen Sozialistischen Partei), Führer des polnischen jüdischen „Bund" verhaftet tvorden. Dazu gehören das Mitglied des Zentralkomitees des„Bund" Joseph L e st s ch i n s k i, das Mitglied des Zentralkomitees der Jugendorganisation'- des„B und" S ch w a r z und viele andere. Es ist in Polen ebenso wie überall: unter dem Vorwand, die Rechtsputschisten abtvchren zu müssen, wird die Verfassung verletzt, aber die Ausnahmeverfügungen richten sich bald mit voller Schärfe stets gegen denselben Feind— gegen die Arbeiterklasse. 11 FRITZ ROSENFELD: W* Cbtyutta EIN BOMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAO Nur wenige lagen noch auf den Stufen. Die einen schliefen, satt in der Sonne, sie lagen mit ausgcstreckten Armen wie Tote da, fast wie jener Gott dargestellt wurde auf den hölzernen Kreuzen, der für die Menschen gestorben sein soll auf emem Berg im sinkenden Abend und zu dessen Grab nun die Reiter mit den weißen mid roten und schwarzen Kreuzen auf den Mänteln zogen, die Reiter, die den Krieg ins Land trugen, die Täler in Blut badeten, Tod um sich streuten und namenlose Verzweiflung. Andre würfelten. Eine» goldenen Armreifen zu gewinnen, ägyptische Arbeit, war besser, als ein Weib ins Gebüsch schleppen. Weiber gab es genug; die warteten, der Zufall, der goldire Armreifen brachte, wartete nicht. Pal saß abseits, als Schagin zu ihm kam, sein Mädchen im Arm. DaS Mädchen lachte Pal an, Schagin lachte, wie» auf Pal, schrie rauh: „Ein Neuer, er getraut sich nicht. Hol der ein Mädchen, schnell, wo ist die Dunkle mit den Perlen? Du wirst eS lernen, lauf." Schagin schrie eS, ritz sein Schwert heran», an dem Blut war, schlitzte das Wams der Tscher- keffin auf,-atz die goldnen Schnüre sprangen. Das Rädchen reckte die Arme, da» Wams fiel ab, das Rädchen lacht«, lachte, lachte, Schagin schleppte es fort. Der Gong rollte im Blut. Die Soime kochte ta Blut. Die Hitze warf Schleier vor die Augen Pak». Die Männer und Tänzerinnen verschwanden, in Gebüsche», ini Bald, und über dem Gar- ftr m»«ch wie ein einziger Rhythmus aufstöhnender, aufjauchzcnder Lust groß und gewaltig da» Rollen des Gongs, das Rollen des Gong». In alle Poren drang e»; jedem Nerv teilte es sich mit. In die Welt schrie es, IvaS in dieser Stunde unter tausend Bäumen dieses Gartens geschah: die Kreatur lebte und glühte. Besinnungslos lebte und glühte die Kreatur. So rollte der Gong, rollte der Gong. Pal saß auf den Stufen, Tung-Li in seiner Nähe. Der Chinese hatte denKops gesenkt, die Beine an den Leib gezogen. An seinem Hals, an einer dünnen Kette, pendelte ein seltsames Keines Tier. Benn die Sonne darauf fiel, konnte Pal es sehen. Es mochte ein Hund sein; doch war sein Schädel breiter als der eines Hundes. Es mochte auS weißem Stein sein, doch war es bemalt, rot und blau und schwarz. Große Augen hatte das Tler, rund wie Punkte, rote Flecke in den Ohren, ein Halsband, wsiße Punkte zwischen blauen Streifen, und ei» roter Rand lief um den ganzen Leib des Tiers. Pal ging zu dem Chinesen. Das seltsame Tier lockte ihn. Tung-Li sah auf: aus seinen schmalen Augen traf- Pal ein guter Blick.. „Ein Glücksgott," sagte Tung-Li.„Born Vater meine» Vaters." Er hob da» Tier, Pal konnte et genau betrachten. ES war geheimnisvoll und angsterregend in seiner Ruhe, in seiner Machtbewutzthett. So mußten Götter sein, zu denen man fliehen konnte, wenn das Leben nicht mehr zu ertragen war. «Mc Schiffer auf dem Vang-Tse-Kiang tragen diese» Glücksgott," sagte Tung-Li. „Deine Heimat sind die Ufer des Vang-Tse- Kiang?" „Mein Vater war Schiffer und di« Väter meines Vaters. Mich schleppten Räuber fort, als ich drei Jahre alt war. Ich lebte bei ihnen, dann verkauft«» sie mich. Dm Glücksgott ließe» sie mir. Sie fürchteten ihn.— Mir hat er kein Glück gebracht—." „Bie kamst du hierher?" Tung-Li lächelte. „Die große Frage. Jeder stellt sie, am ersten Tage in diesem Garten. Und jeder vergißt sie. Niemand Weitz, woher er kommt, und jeder Weitz, daß er dorthin geht, wohin die Götter ihn senden: Alles Fragen wird sinnlos.— Ich wurde an Kaufleute verkauft, die mich nach Westen schleppten. Ich sollte ihr Diener sein, sagte mir ein grotzer Mann in einem-dicken Pelz, mtt«inan Beutel, darin Gold war. Aber der Kaufmann wurde überfallen, erschlagen, sein Beutel, sein Pelz, seine Sklaven geraubt. Mich traf ein Stein an. der Stirn, al» man kämpfte. Ich fiel ins Dunkle, die bösen Drachen hielten mich in Haft, viele Tage wohl. Al» ich erwacht«,, war ich hier." Tung-Li sah den Glücksgott an. „Beinahe scheint es, als bewährte sich der GlückSgott jetzt. Ich habe zu essen, habe ein Lager. Mich jagt keine Peitsche morgen» au» dem Schlaf. Nur der große Gong. Es ist der Gong der guten Götter. Sie haben den Garten gesegnet." „Wer schlägt dies«, großen Gong, Tung- Li?" „Du willst alle» wissen. Du bist jung," sagte Tung-Li mit seinem müden Lächeln um die Lippen.„Wenn man lange auf der Erde ist, durch viele Geschlechter, ist man nicht mehr so neugierig. Ob den großen Gong ein Gott schlägt oder ein Mensch— seine Stimme ist güt in meinem Ohr, sie betäubt, sie läßt vergessen, wa» vorher war. Und glücklich sein. Pal, heißt alles vergessen." Tung-Li starrte auf sein Amulett. Glücklich sein, klang es in PalS Ohr. Alle sprachm hier davon: glücklich sein. War der große Gong das Glück? War ßicfer Garten das Glück? Glück war Sehnsucht; wonach sehnten sich die, die alles hatten? In dieser Stunde betrat Axjutta den Platz der Feste. IV. Die Sonne stand hoch. Ihre Lanzen, ihre Pfeile fielen dichter, stachen tiefer. Pal suchte einen Brunnen. Netzte die Stirn mit kaltem Wasser. Füllte einen Krug mit weißer, schäumender Milch. Als er sich umwandte,, dem Platz der Feste zu, der nun fast einsam dalag, gewahrte er einen Zug Menschen. Lanzenträger, Frauen zwischen ihnen. Die Frauen trugen die Gewänder der Tänzerinnen, Schleier, schmale Jacken um die Brust. Ringe an den Armen, Blumen im Haar. Man führte sie auf den braunen steinernen Platz, bi» zu dem Brunnen. Dann gingen die Lanzenträger die Stufen wieder hinauf, weckten di« Männer,- die schliefen, stießen sie mit den Lanzenschäften, lachten ihnen voll ins Gesicht. ES war nicht gut, sein Glück zu verschlafen. Eine neue Sendung Weiberfleisch. Für die, die nicht satt wurden. Für die, die morgens leer aus- gcgangen. ' Die Männer rieben sich die Augen, sahen die Frauen. Sprangen in drei großen Sätzen auf die braunen Steine, rissen die eine, die andre an sich, verschwanden mit ihr. Die Frauen schrim. Aber über ihren Schrei rollte der Gong, zermalmte ihn. Der Gong, der große Gott dieses Gartens. Am Ende des Zugs ging ein Mädchen mtt hellem Haar und hellen Augen. Pal sah sie: und die Sonne brannte fahl. Er ging ihr nach, erhaschte einen Blick, in dem Angst war, weltweite Verlorenheit, eine bange stumme Bitte. Und hilfloser Hatz: al» trüge auch Pal eine Lanz«, bewachte auch er ihren Weg. (Fortsetzung folgt.) Nr. 178 Die Arbeiter In Alarmbereitschaft Die Arbeiterschaft in Oesterreich hält sich, wie nnser Sonderberichterstatter meldet, ans di« Parole de- Zentralkomitee- im Hintergrund, um die Aktionen der beiden faseistischen Gruppen gegeneinander nicht z« stören. Da- sozialdemokratische Zentralkomitee hat die Weisung hrrau-gegeben, sich i n A l a r m» bereitschaft zu halten und, soweit noch Waffen vorhanden find, diese bereit z» halten, da e- möglich ist, daß Situationen eintreten, die ein, aktive- Eingreifen der Arbeiterschaft erfordern. Rur die Kommunisten haben«och während der Aktton der Nazi ein vollkommen finnlose- Flugblatt herau-gegebe«, in dem sie-um Generalstreik und zum bewaffnete« Aufstand auffor» der«. Diese- Flugblatt hat nirgend- den geringsten Erfolg gehabt, da die Arbeiterschaft der Meinung ist, daß ein« Aktton in diesem Augenblick nur den Nationalsozialisten genützt hätte. Alpine-Cheff verhaftet Freitag wurde der Generaldirektor der Al- pine-Montan-Gesellschaft Apold in Hast genommen. Di« Verhaftung ist darauf znrückzuführen, daß die Alpine für den Aufstand in der Steter» mart di« Waffen an- jene« Lager« zur Verfügung gestellt, hat, di« seinerzeit von der Regierung für die Heimwehr angelegt wurden. Unter den Verhaftete« befindet sich auch Prof. H u g e l m a n n, der frühere christlichsoziale Abgeordnete und Vorsitzende de- Bunde-» rates, der später zu dm Rationalsozialisten überging. Verhaftet wurde ferner der Präfident des Lesterreichisch-deutschen Volk-bunde- Dr. Reubacher. Der chemische Krieg Reue Enthüllungen Steed-. Pari-, 28. Juli. Ein ganze Reihe von Blättern veröffentlicht die Antwort des englischen Journalisten S t e e d auf die Kommentare, die in der Presse zu seinen bekannten sensationellen Enthüllungen der deutschen Vorbereitungen für den chemischen und bakteriologischen Krieg gemacht wurden. Steed veröffentlicht neue Dokumente zur Tätigkeit des bekannten Dr. Hugo Stol- z e n b e r.g, des Hamburger Chemiker», dessen Name im Zusammenhang mit der geheimnisvollen Phosgen-Explosion vom 20. Mai 1928 genannt wurde. Steed macht auf das Patent aufmerksam, das in Deutschland unter der Bezeichnung»Wie kann man aus großer Höhe künstlichen Regen im Kampf gegen Ungeziefer erzeugen" eingetragen wurde, und verweist darauf, daß diese Erfindung den Gegenstand des Studiums eines höheren reichsdcutschen Offiziers unter der Bezeichnung „h e fti g st e G i f t e" war. Steed weist die Kri« tiken zurück, die bei feinet ersten Enthüllung laut wurden, und macht insbesondere auf sehr interessante Details über das Iperit-Gas aufmerksam, die ihm ein ftanzösischer Gelehrter mitgeteilt hat. Englische Hilfe für die Opfer de- Lustrofasri-m«- Loudon, 28. Juli. 4890 Opfern des Austro- faseismuS hat die organisierte britisch« Arbeiterschaft Hilfe gebracht, indem sie für ihre V e r» teidigun g vor Gericht und für rech ts- freundlichen Beistand schon in der Hast sorgte. Dies lvird durch einen Gesamtbericht des gemeinsamen Rates der politischen und gewerkschaftlichen Organisation dargetan, der soeben der Leitung der freien Gewerkschaften(Trade Unions) zur Kenntnis gebracht worden ist. Besonderer Dank wurde dem Genössen Elwyn Jones ausgesprochen, der sich um diese Aktion sehr verdient gemacht hat. Er hat auch die großbritannische Regierung bestimmt, für eine menschliche Behandlung der nach dem Feberkampf Verhafteten einzutreten. Der oberste Gewerkschaftsrat beschloß, eine Abordnung zum ö st erreicht schenGe, s a n d t e n zu entsenden, um gegen die neue Ber- folgungSserie Protest zu erheben. Von 6er Netter rum Mord angestiftet Prag, 28. Juli. Die Untersuchung des Mordes an der Musiklehrerin Malätova hat eine sensationelle Wendung genommen. Der verhaftete sechzehnjährige Mörder hat gestanden, daß er von seiner Mutter zu der Tat ange- sttstet worden war. Die Frau wurde mn SamStag von Detektiven der Prager Polizei in Zöckr verhaftet, wo sie zur Sommerfrische war. ES ist dies die 36jährige geschiedene Beamtin Marie Luley aus Prag VH. Die. Verhaftete gestand, den Jungen zum Mord verleitet zu habens um au- ihrer finanzielle« Rot herauSzukommen; sie hatte dem Jungen auch einen genauen Mordplan ausgearbeitet. Sie will den Gedanken hiezu aus einem Detektiv- roman entnommen haben. Sonntag, 29. Juli 1934 Seit« 8 Papen noch nicht in Wien Bedingungen der österreichischen Regierung? Der Korrespondent des Reuierbüro» meldet aus Wien: Die ursprüngliche Information, wonach Herr von Papen im Namen der deutschen Regierung an den Trauerfeierlichkeiten anläßlich der Beiset- zung deS Kanzler- Dollfuß teilnrhmen sollte, habe« fich als u» r i ch t i g erwiesen. Von Pape« wird da- Deutsch« Reich bei dem Begräbnis nicht vertreten. Da- österreichische Kabinett hat entschiede«, daß Herr von Pape« al- deutscher Gesandter a«« e h m b a r fei, doch«nrd« trotzdem gestern abend- im Kabinett-rat die Frage diskutiert, ob e- nicht gut wär«, Dentschland gewisse Bedingungen zu stelle«, bevor Herr von Pape» definitiv das Agrkawnt erteilt würde. Hierüber ist e» bisher«och zu keiner Entscheidung gekommen und Herr von Pape« weilt daher vorläufig«»eiter in Berlin. Keine Kompromisse Vizekanzler Starhemberg sprach Freitag nachts im Rundfunk. Er antwortet« n. a. auf den Brief de» Reichskanzler» Hitler an Papen folgende»: Ich erkläre im Name« der Regierung und entsprechend dem Vermächtnis unsere- wie« Führer-, daß wir mit den Rationalsozialift«« niemals da- g e r i« g st eK o« p r o» m i ß mache» werden. Die Freiheit und Unabhängigkeit Oesterreich- wird niemand beeinträchtigen. Wir kenne»«ach wie vor unsere denttche Sendung nnd werde« st« auch durchführe«. Die Art und Weise aber, wie wir da- tun werden, laste« wir un- von niemandem vorschreib»«. Wir brauche« unS dabei auch nicht berate« und beeinflnffen lasten. Wenn auch henke der Versuch gemacht wird, die Verantwortung für die Ereigniste von gewissen Stelle« außerhalb Oesterreich- abzutvälzrn, so hindert«n- da- nicht, mit aller Strenge gegen dieBrteiligten vorzugehen. Wir habe« in der letzten Zeit genug mitgemacht, um mit Mißtranen und Reserviertheit gewisse« Erscheinungen rntgegenzutreten und nicht alle- ruhig hin- zunehmen.. Wir wolle« abwarten, ob. gewisse Erkkürungen auch di« Date« folgen werde». Wir werde« in dieser krittschrn'Zett nicht auf Versprechungen und Phoosen hineinfalle«. Auch die.Reichspost" kommenttert an leitender Stelle den Brief Hitlev» an Papen. Unter dem Titel.Keine faulen Koachromisse" erklärt da» Blatt u. a.: Das österreichische Volk wird in den nächsten Wochen sehr aufmerksam darauf hauchen, ob die Abrüstung de» Haffe» und des Terrors restlos erfolgte. Die Miffion des neuen Vertreters DeustchlandS in Wien wird eine ehrenvolle und erfolgreiche fein, wenn sie auf diesen Voraussetzungen fußt, und wenn Papen wirklicher Gesandter eines befreundeten deutschen Reiche» in Wien sein wird, sonst nicht». E» gibt keine Kompromisse in der Vertretung der Unabhängigkeit und Freiheit Oesterreich». Starhemberg wM die Wahrheit sagen... Vizekanzler Starhemberg hat heute eine Kundmachung erlassen, in der ermitteilt, daß der Oeffentlichkeit bereits in allernächster Zeit das Ergebnis der Untersuchung der Ereignisse vom 25. Juli genau mitgeteilt werden würde. Die Bevölkerung wird aufgefordert, sich durch unverantwortliche Gerüchte nicht verwirren zu laffcn. Korn gegen Papens Ernennung Di« Ernennung von Popens-nm deutschen Gesandte» in Wie« findet in Rom keine Zustimmung; st« wird mit der Erricht««- eines deutschen Oberkommissariats für Oesterreich vergliche«, wobei die deutsche Gesandtschaft in Wien eine Art Zweigstelle»der Untersektion der Berliner Regierung sein soll. Auch die heutigen Pariser Nachmittagsblätter beschäftigen sich immer noch sehr kritisch mit der Ernennung PapenS und führen, gestützt auf die Verurteilung dieses Vorgehens in den englischen und italienischen Pressestimmen, an. daß diese Ernennung keine Beruhigung der internationalen Verhältnisse herbeiführen könne. Der Londoner„Manchester Guardian" i widmet der Ernennung Papen» große Aufmerk-1 samkeit und erblickt in dieser Tatsache gleichfalls einen neuen Beweis für die Schuld Deutschlands. Da» Blatt stellt fest, daß dies« Ernennung in kompetenten Kreisen Londons kein vertrauen erweckt, da e» ein Beweis ist, daß das Verhältnis Deutschlands zu Oesterreich sich keineswegs geänderthat.- 7.., Italien hält Demarche für ungenügend Rom, 28. Juli. Di« heutige» römisch«« Blätter betonen durchweg-, daß, wenn in Berlin diplomatisch« Demarche« unternommen werde« sollte«, Italien nicht daran teilnehmen werde, weil«in« wirksamere Aktion notwendig sei, al-«in diplomatische- Einschreite». Allgemein wird behauptet, daß Italien durch seine Meldung über militärische Vorbereitungen angedeutet habe, w i e man vorgehen müsse. .Osscrvatore Romano", das offizielle Organ deü Vatikan, beschäftigt sich wiederum in einem aus der Feder seines Chefredakteurs stammenden Leitartikel mit den Ereignissen in Wien. In dem Artikel, der sich fehrfcharfgegendie Nationalsozialist en wendet, heißt es u. a.: »Die Barbarei der Nationalsozialisten übersteigt alle erdenklichen Grenzen und muß in der öffentlichen Meinung allgemeine Verurteilung Hervorrufen." Dollfuß wäre zu retten gewesen — aber an beiden Annen gelähmt geblieben In: Laufe des Freitag wurde die Leiche des Bundeskanzlers von Professor Arzt nnd dem Chefarzt des Theresianums Dr. Cefka untersucht. Das Ergebnis der Untersuchung war die Feststellung, daß kei n er der beiden Schüsse, die Dollfuß trafen, unbedingt tödlich war. Hätten die Mörder einen Arzt zngelaffen, wäre der schwerverletzte Bundeskanzler zu retten gewesen. Allerdings wären die beiden Arme gelähmt geblieben. Der Tod des Bundeskanzler» ist in erster Reihe durch Verblutung cingetrctcn. Hur 2 Offiziere und 15 Mann getötet? Staatssekretär Karwinsky teilte Samstag abend- in. einer Rundfunkansprache mit, daß der Aufstand al-»usammengebroche n gelten könne. Die Verluste de- Vnnde-heere- beziffern fich nach amtlichen Angaben auf zwei Offiziere und 15 Mann, die getötet wurden, und vier Offizier« und 20 Mann Schwerverletzte. Otto Verschiebt besuch In Wien Pari-, 28. Juli., Der Anwärter auf den österreichischen Thron OttoHabsburg, dessen Rückkehr nach Wien heute gemeldet wurde, befindet sich nach einer Jnforination des Sonderberichterstatters des„Paris Spir" aus Brüssel zur Zeit in Belgien und hast wegen der kürzlichen Ereignisse in Wien seinen^geplanten Besuch in Oesterreich, den er Ende Juli abstatten wollte, verschoben. minderte aut jugoslawisches Geniel üeilüditel Die österreichischen Hakenkreuzirr, bedrängt durch den Vormarsch der Regierungstruppen, flüchten massenweise über die jugosla- «ischeGrenze. Vishrr haben mehrere Hundert bewaffneter Nationalsozialisten die Grenze überschritten nnd die Waffen abgegeben. Die Flüchtlinge«erden zunächst für eine gewisse Zeit in Konzentrationslagern unweit der Grenze interniert und sodann in das Innere des Lande- verschickt werden. Diejenigen, die fich weigerten, die Waffen abzugeben, wnrdrn von der Grenzwache unverzüglich mit Gewalt entwaffnet. Sämtliche nationalsozialistischen Flüchtlinge aus Oesterreich wurden unter starker Bewachung indasJnneredesLandes gebracht, insbesondere in die Städte Belovar, Baräsdin und PoZega, wo sie bis zum Eintreffen weiterer Befehle interniert werden. Die Flüchtlinge sind zum grüßten Teile bereits waffenlos auf jugoslawisches Gebiet gelangt, doch haben die jugoslawischen Behörden bei ihnen trotzdem bisher 200 Militärgewehre, ein Maschinengewehr und 20 Revolver beschlagnahmt. der Schauplatz blutiger Kämpfe zwischen der Exekutive und den nationalaodaUsti. achea AufbtÄndiechen. •eeeeeeeeeeeeeeee Naue Schriften 8»k« f Hofbauer: Wien (Ein Zyklus Gedichte als Chor- werk eingerichtet.) Mit Holz- schnitten von Geotg Trapp. Wenzel Falsch: Was wirt ous Oster rciai* Im Verlag der Nordböhmischen Druck- und Verlagsanstalt Gärtner& Eo., Bodenbach, soeben erschienen. Zu bestellen durch die Zentralstelle für Bil- dungSwesen, Prag XII., Slezska 13. »0000000000000000« Rintelen wurde ermordet? Bon einer Persönlichkeit, di« Rintelen außerordentlich nahestrht, erfährt unser Wiener Berichterstatter, daß gar kein Zweifel darüber bestehe, daß Rintelen nicht Selbstmord begangen hat, sondern erschossen worden ist. Rintelen war bekanntlich vom Chefredakteur Funder der„Reichspost" in das Heeres- ministerium vorgeführt worden und wurde dort unter Bewachung von drei hohen Heimwehrossizieren gehalten. In diese Zimmer kam Fey, wobei es, wie Draußenstehende hörten, eine sehr heftigeund la u t e A u s e i n a n d ersetz u n g ztvischen Fey und Rintelen gab. Rintelen verließ das Zimmer und sofort darauf fielenSchüsse. Als man in das Zimmer hinein konnte, lag auf dem Tisch ein Zettel, auf dem mit versagender Schrift ausgeschrieben war:„Ich bin unschuldig..." Tie beiden letzten Buchstaben konnte Rintelen offenbar nicht mehr schreiben. Der Getvährsmann, der Rintelen sehr gut leimt» und auch über seine Pläne unterrichtet ist, erklärt, daß dieser sogenannte AbschiedSbrief in Wahrheit ein letzter Versuch des erschossenen Rintelen tvar, zu dokumentieren, daß er unschuldig ermordet tourde. DaS Aussehen dieses Zettels verrät, daß er bereits mit dem letzten Be- tvußtsein nach dem tödlichen Schutz geschrieben wurde. Die österreichische Regierung erklärte gestern und heute, datz Rintelen noch lebt. Leute seiner Umgebung behaupten aber, datz man lediglich den Eindruck ertvecken wolle, mau bemühe sich, durch Operationen und Bluttransfusionen- Rintelen am Leben zu erhalten, um dann die Legitimation zu haben, datz man alles zur Er- halttmg seines Lebens getan habe. Wie weit diese Darstellung des Gewährsmannes tatsächlich auf Richtigkeit beruht, lätzt sich im Augenblick nicht beurteilen. Tatsache ist, datz sie die allgemeine Meinung in Wien wiedergivt. Das Begräbnis des Kanzlers Wien, 28. Juli. Das Leichenbegängnis des Bundeskanzlers Dr. Dollsutz nahm heute bei schönem Welter im Bottssaal des Wiener Rathauses programmähig um 14.30 Uhr seinen Anfang. An der Bahre versammelten sich die Familienmitglieder des verblichenen Kanzlers, der Bundespräsident Millas, die Mitglieder der Regierung mit Starhemberg an der Spitze, das nahezu vollständige diplomatische Korps(auch der tschechoslowakische Gesandte Fierlinger war mit dem Personal beider VertretungSämter anwesend), weiters die ausländischen Gäste, die Generalität etc. Kurz nach 14.30 Uhr begannen die kirchlichen Zeremonien. Nach einem Traucrchoral ergriff Bundespräsident Miklas das Wort zur Trauerrede, in der er die Bedeutung deS ge- schehenen Verbrechens als eines an ganz Oesterreich begangenen fluchwürdigen Verbrechens hervorhob. Hierauf sprachen Vizekanzler Starhemberg, Bürgermeister T ch m i tz und der Landeshauptmann von Nicderüsterrcich Dr. Reither namens der österreichischen Bauern- schäft. Nach diesen Traucrkundgcbungen setzte sich der Leichcnzug in Bewegung,. der von Abteilungen des BundcSheeres nnd den militärischen Formationen des Bundeskanzlers eröffnet wurde. Hinter 13 Autos mit Kränzen schritt die Geistlichkeit. \ Hierauf folgte der Sarg, der zu beiden Seiten von ! Offizieren und Studenten flankiert war. Tann kam die von Millas und Starhemberg geführte Witwe, die Minister, die Landeshauptleute, das diplomatische Korps ete. Als der Trauerzug die Stcphanskirche erreichte» gab Kardinal Dr. Jnnitzcr der Trauer der katholischen Kirche über den Tod ihres großen Sohnes Ausdruck. Nach der kirchlichen Einsegnung setzte sich der Trauerzug über den Kärntnerring und die Ringstraße auf den Hietzinger Friedhof in Bewegung. Militärgericht tritt zusammen Nach den letzten Meldungen ist damit-» rechnen, daß bereits an, Sonntag oder Montag früh da- Militärgericht»usammeniritt,«n di« Mörder de- Lnnde-kanzler- abzunrteilen. Seit« 4' Sonntag, 29. Jüli-IOfff Nr. 17k Hartwig und die„S.Ä.* Neben Henlein, den Konnnunisten und der deutschen Schriftleitcrprcsse, die dem Krakecler- blnlt, daS sich anmastend„Sozia l.i st i s ch e Aktiv n" nennt, eifrigst Reklame machen, ist ihm noch ein neuer Förderer erstanden, nämlich der im März d. I. auS der Partei ausgeschlossene Herr Professor Hartwig. DaS ist nicht im geringsten erstaunlich, denn die„Sozialistische Aktion" will ja nach, eigener Versicherung das Sammelbecken der Ergüsse aller irgendwie malkontenten Elemente sein, was so nach ihren verworrenen Begriffen Wohl ihr Beitrag zur Förderung des KlassenkampseS sein soll. Leider ist eS bisher ihr einziger geblieben, denn auger sich steigernden und Km Kommunisten wie den schäbigsten unter den Schriftleitern gleich- nlästig abgelauschten Anrcmpelungen der Ber- traucnsmänncr der Partei, hat daS„oppositionelle" Blättchen bisher noch nichts produziert, lvaS sachlich tvert erschiene, sich damit auseinander zu sehen. Herr Hartwig hat nun, offensichtlich in der frohen Erwartung, eine Gelegenheit gefunden zli haben, sich an der Partei wegen seines Auö- schtusseS sein Mütchen zu kühlen, daü persönliche Opfer gebracht, auf seine Kosten ein Rundschreiben an die Freidenker, denen er nahe stand, zu versenden, in dem er unter Aufwand stärkster Kraftworte, wie„revolutionäres Klasscnbewußt- sein" und„proletarische Solidarität" an die Adressaten appelliert, sich hinter die„S. A." zu stellen, sic zu abonnieren und„alles daran zu sehen, dieses DiskussionSorgan mit allen Mitteln zu halten." Dast Herrn Hartwig die„S. A." schon in der kurzen Zeit ihres Bestandes ans Herz gewachsen ist, kann nlan gerne glauben, Ivenn man weist, dast derselbe Geist des Oucrulantentums es war, wie er ans den Spalten der„S. A." spricht, der znm AuSschlust Hartwigs geführt hat. Er, der selber schon ein betagter Herr ist, faselte in einem im Freidcnkerorgan erschienenen Artikel von der „vollständigen Verkalkung des PartciapparatcS", was noch eine der zartesten Blüten in dem duftenden Strauß von wüsten Schmähungen der Führung der Partei war, die er sich nach kommunistischem Muster damals leistete. Es lohnt nicht, auf diese jedes Geistes der Verbundenheit mit der Partei entbehrenden Ergüsse Hartwigs in diesem Zusamnrenhange näher cinzugehen, cö genügt die Feststellung, daß Harttvig es nicht einmal versuchte, vor dem von der Partei seinerzeit eingesetzten Schiedsgerichte seine Auffassungen zu verteidigen, sondern dem Schiedsgerichte fernblieb. Beachtenswerter erscheinen die Gründe, von denen er in seinem jetzt herausgegebcnen Rundschreiben sich leiten läßt, zur VerbrejtuM der„S,,A." aufzusovdcvn.- Er hat entdeckt, daß die„S. A." einen„Hoffnungsstrahl für alle bedeutet, denen der Sozialismus mehr ist als ein bloßes Lippenbekenntnis". Will man nach einer Erklärung dafür suchen, wo und wie Herr Hartwig solches aus der„S. A." her- ausgcfunden hat, kann man nur zu dem Schlüsse kommen, daß er in seiner Freude darüber, daß sich einige Leute die Unterminierung der Partei zur Aufgabe gemacht haben, den Inhalt der „S. A." gar nicht richtig versteht. Hätte er sich dazu die Blühe genommen, so hätte er doch nicht zu deni Schluffe kommen können, die„S. A." sei ein Blatt, welches„den Kampf gegen reformistische Illusionen und ideologische Verfälschungen des KlassenkampseS führt". Er sehe sich doch nur das „Programm" der„S. A." an, da lvird er recht sonderbare Wahrnehmungen machen. Nicht nur, daß von ihr die lächerliche Behauptung erhoben wird, ivir hätten„kein Programm", wird fiir ein solches gefordert, es müsse„von der Verbundenheit der tschechischen und deutschen Nation im Nahlnen des tschechoslowakischen Staates, vom Bekenntnis zum Staate als n» s e r e m S ch i ck s a l" ausgehcn.„Wir müsse» nach Prag blicken, nicht mehr nach Wien und Berlin. Es muß das Programm der Generation sein, die im Guten oder Bösen mit diesem Staate lebt oder st i v b t." Wir wollen nicht untersuchen, ob das richtig oder falsch ist, aufregend klassenkämpferisch im Sinne Hartwigs ist es jedenfalls n i ch t. Herr Hartwig ist unzufrieden mit der Teilnahme unserer Partei an der bestehenden Koalitionsregierung,>vaS aber die„S. A." will, das ist, daß wir nicht in der Klasse, sondern im S t a a t unser alleiniges Schicksal erblicken sollen und sie fordert eine Verbundenheit mit diesem Staate auf Leben und Tod,>vaö nach Hartwig offenbar keine „ideologische Verfälschung des Klaffenkampfes" ist. Keine Koalitionspolitik— erst recht in Koalitionspolitik hinein, ivir gestehen, daß ivir nicht verstehen, ivie man das«Kampf gegen reformistische Illusionen" nennen kannl Wohl ist in dem Programm an anderer Stelle von„Entfesselung des revolutionären Willens" und ähnlichem di« Rede, aber auf dem Hintergründe der geforderten Staatövcrbundenheit(„im Guten und BösenI"), beweist es nur, daß nicht Revolution, sondern K o n f u s i on die Triebkraft der„S. A." ist. Herr Hartwig aber selber iveiß offenbar gar nicht, daß die Leute um die„S. A." eine Rechts- und nicht eine Links oppositio» sein wollen. Was schließlich den bon Hartwig geforderten Kampf'uM dic„Reinheit der Bewegung" betrifft, so sieht es mit diesem Kmnpf so aus, daß die Verfertiger der„S. A." sich nun auch schon den deutschbürgerlichen Brünner„Tagesbote" dazu ouserwählt haben, Um darin ihre parteischädigende Arbeit zu betreiben, daß sie zum Gaudium des grinsenden Bürgertums ihr Blättchen an den Straßenecken, ausrufen lassest und daß dessen' Spalten ain allerivenigsten dazu dienen, ernst und sachlich nach einem neuen Wege für die Arbeiterbewegung zu suchen, sondern der Vergiftung des gesunden Geistes der Partei. Wenn Hartwig ange« Tagcsncuighcitcn Stratosphärenflug in USA Drei Offiziere in dem bisher größten Ballon New Kork, 28. Juli. Major Kcpncr, Hauptmann Svens lind Hauptmann Anderson sind heute früh in. Rapid City in Süddakota mit einem Ballon zu einem Flug in die Stratosphäre aufgestiegen. ES handelt sich um den größten Ballon, der bisher überhaupt in die Stratosphäre aufge- stiegcn ist. Ettva 20.000 Personen wohnten dem Start bei. Als der Ballon beinahe gefüllt wax, rissen drei Ankerseile. Der.Haltemannschaft gelang es jedoch, den Ballon in ihrer Gewalt zu behalten. Nach dem Start stieg der Ballon.kerzengerade auf, um dann in nordöstlicher Richtung zu segeln. Er sührt Radiogerät mit. Die Stratosphärenflieger haben aus etwa 5000" Metern Höhe einen Funkspruch an den Kommandeur de» Armreflirgerkorps in Washington gerichtet, in dem sie mittrilten, dast st« die Absicht haben, mit ihrem Ballon eine Höhr von 23.000 Metern zu erreichen. Die letzte Meldung über den kühnen Flug lautet: Der Kommandant des Stratosphärenballons K r m p n e r teilt mittels FuntspruchS mit, daß sich der Ballon in der Höhr von.16 KUomrtern befindet. Rach einem weitere» Funkspruch hat dir Ballonhülle am unteren Teil zwei Risse erhalten, so daß der Ballon stecken blieb und nicht imstande ist, niederzugrhen. Arber das Schicksal der Besatzung herrsche Ungewißheit. Der Ballon befindet sich nach der letzten Standortmeldung über Nordamerika. Spanischer Expreß überrennt Antob«» Sechs Tote und drei Schwerverletzt«. Madrid, 28. Juli. Der Exprcßzug Paris- Madrid überrannte an einem Bahnübergang bei Briviesca(Provinz Burgos) einen ReiseautobuS, der von Madrid zur sranzösischen Grenze fuhr. Der AutohnS wurde vollständig zer- trum wert. Sechs Fahrgäste waren. sofort tot, drei weitere wurden lebensgefährlich verlebt. Fünf Arbeiter im Schacht verschüttet Zwei, davon tot. Paris, 28. Juli. In einem BergtvertSschacht in Escaudain in der Gegend von Lille sind fünf Arbeiter durch einen Erdrutsch verschüttet lvor- den. Zwei polnische Bergarbeiter konnten nur als Leichen geborgen werden, die anderen drei sind schwer verletzt. Der Absturz des„Eondor" noch nicht geklart. Berlin, 28. Juli. Die schweizerische Luftverkehrsgesellschaft Swiß Air teilt zu dem schrecklichen Unglück ihres Flugzeuges„Condor", das aus 2800 Meier bei Tuttlingen abstürztc, mit, daß die amtliche llntcrsuchung über die vermutliche Ursache des Absturzes noch nicht abgeschlossen sei» und dast daher noch nichts Bestimmtes gesagt wer- dcn könne. Wahrscheinlich aber handele eS sich um einen P r o p c l l c r b r u ch. Held und Maulheld. Die kleriko-sascistischc Wiener„Reichspost" hat auch in tragischen Zei- tcn Sinn für Humor. So berichtet sie von einem höchst seltsamen Disput, den der inzwischen abberufene deutsche Gesandte Rieth im Burghof mit den Ministern Fey und Karwinski geführt hat. Die beide» Herren waren soeben von den Putschisten aus der Haft entlassen worden und Herr Rieth, ganz Prcußenschneid, schnarrte, sie im klassischen Diplomatcnjargon folgendermaßen an:„Sahren Sie mal, was war denn das für eine dolle Geschichte?" Herr Rieth, dem es danach ait der Wiege eher gesungen tvar, die kabaret- tistische als die diplomatische Karriere einzuschla- ge«r, sitzt inzwischen fern voll Madrid und kann über die Rolle deS Sündenbocks nachdenken. Aber die beide» Minister arntieren noch frisch und munter und davon wollten»vir reden. Besitzt doch die„Reichspost"' den köstlichen Geschmack, von der„bewundernswerten Haltung" der beiden Recken zu sprechen. Hohn von der eigenen Presse? Das sollten sich die blamierten Hahnenschwanz- Experten doch verbieten! Oder war, was allerdings kaum glaubhaft erscheint, die Bemerkung tatsächlich ernst gemeint f l Dann müssen wir den Schmocken des Systems schlicht, aber eindringlich sagen, daß das, gelinde gesagt, eine Unverfroren- hcit ist. Wir haben selten einen Minister gesehen, sichts dieses jedes Gefühls für die..Notwendigkeit der Einordnung baren Treibens der ,rS. A."- Leute glaubt, an das„revolutionäre Klaffen- bcwusttscin" zum Zwecke des Abonnements der ?,S. A." zu appellieren, so hat er"damit nur aufs neue den Beweis erbracht, wie gut die Partei daran getan hat, ihn seiner Wege gehen zn lassen. der stets so tollkühn den Mund aufzureiben pflegte und der in der Praxis so jämmerlich der- sagt und sich so wenig männlich benommen hat, wie der. Herr, Fey. Damals allerdings konnte er leicht den mutigen Krieger spielen, als er im Schutze seiner Kanonen als zynischer Triumpha- tor durch die zerschossenen Wohnblocks der nie- derkartätschten Wiener Proletarier fuhr. Hier aber, wo es darauf ankam, auch einmal persön- lich Courage'zu zeigen, fiel ihm das Herz in dcst Hosenboden und die Art, wie er gleichsam zum beredten Dolmetsch der Rebelten wurde, nur um sein wertvolles Leben zu retten, hat einen fast operettenhaftcn Anstrich.'Wer die bewegten Stimmungsbilder der gleichgeschaltctcn Wiener Gazetten,gelesen hat, die doch bestimnft dem „eisernen" Fey aus Pappmachö nicht übel wollen, rnuß schon sagen, daß wohl nie beamtete Männer in entscheidenden Augenblicken unwür- diger und haltloser so nur an sich gedacht haben wie dieser ministerielle Heinuvehr-Major, der der Mitwelt gezeigt hat, wie kläglich„große Männer" in Unterhosen aussehen können. Wenn wir damit vergleichen, wie heldenhaft und tun»- hoch überlegen der zweiundzwanzigjährige So- zialist Gerl für seine Idee in den Tod ging, so offenbaren sich am Beispiel des angstschlotternden Hahnenschtvanz.Ministers und dieses jungen Arbefters, der Sieger geblieben ist, über den Tod hinaus, zwei Wellen. Die Well des bramarbasic- renden faseistischen Maulhelden und die Welt des jungen, zukunstsglühenhen Sozialisten, dem die große. Sache, der ep dient, mehr gill als das Lobe»! Hörspiel-Preisausschreiben der Prager deutschen Sendung. Die Prager deutsche Sendung schreibt fiir Hörspiele tschechoslowakischer Autoren drei Preise im Gesamtbetrag von Kd 3000.— auS. In der Wahl des Stoffes lvird den Autoren freie Hand gelassen, die AnfführungSdaucr darf 60 bis 70 Minuten nicht überschreiten und soll mindestens 20 Minuten betragen, die Personen- zahl möglichst gering sein. Jeder Autor darf sich mit höchstens zwei Arbeiten beteiligen. Letzter Einsendetermin: 1. November 1031. Die Bedingungen sind durch daS VolkSbildungShanö Urania, Abteilung-Präger deutsche Sendung,- Prag--I I., Klitnentskä 4, zu beziehen.' Malypetr auf Urlaub. Der Vorsitzende der Regierung, Malypetr, wird, beginnend mit 1. August bis auf weiteres keine Besuche empfangen. Während dieser Zeit wird auch keinerlei Korrespondenz erledigt werden.— Justizminister Dr. Derer empfängt im August keine Parteien- besuche und seine Privatkorrespondenz bleibt während dieser Zeit unerledigt. DillingrrS Nachfolger. Aus Henderson(Kentucky) wird berichtet: Der Bandit Nelson, der seit der Erschießung Dillingers den zweifelhaften Ehrentitel„Staatsfeind Nr. 1" innehat, scheint der Führer einer Gruppe von vier Räubern gewesen zu sein, die eine Bank in Henderson überfielen und 37.000 Dollar raubten. Sie entkamen in einem gestohlenen Kraftwagen. Kurzschluß verursacht Waldörand. Infolge eines Kurzschlusses in der Starkstromleitung entstand in der Umgebung von P a s a d e m a(Kalifornien) ein Waldbrand, der sich mit größter Geschwindigkeit ausdehnte und bereits 3000 Mor- gcn Wald erfaßt hat. An den Löscharbeiten sind Tausende von Freiwilligen beschäftigt. 3-1 Personen haben Brandwunden erlitten, die zum Teil schlverer Natur sind. Starker Wind und die große Hitze erschweren die Löscharbeitcn außerordentlich. Das Fcner dehnt sich in der Richtung auf den bekannten Kurort Mount Lowe weiter aus. Der Ort ist geräumt worden. Sowjetflieger in Warschau. Samstag nm 16 Uhr landete auf dem. Warschauer Flugfeldc ein sowjetruffisches Jlugzeuggeschwadcr, bestehend aus drei viermotorigen Flugzeugen. Die sowjet» russischen Flieger, 20 an der Zahl, mit dem Stellvertreter des sowjetruffische» Generalstabschefs Mtezeninow und dem Chef des sowjetrussischen Fltegerstabes C h r y p i n an der Spitze, statten de» polnischen Fliegern einen Gegenbesuch" für den im Vorjahre in Moskau erfolgten polnischen Fliegerbesnch ab. Fvrtdauer M unbeständigen Wetter». Die Luftdruckstörung über Skandinavien, welche daS Wetter in ganz Mitteleuropa beherrscht, hat sich noch vertieft. Ueberall ist eS bewölkt, die Temperatur ist unter dem Normalpunkt gesunken und auf den Bergen erreichte der Westwind Sturmftärke. Unter dem Randeinfluß der nordeuropäischen Störung ist Fortdauer des unbeständigen und zeitweise unruhigen Detters zu erwarten; mit der Möglichkeit lokaler Schauer.muß weiterhin gerechnet werden. Dfe Temperatur, dürfte sich, von kurzfristigen Schwankungen abgesehen, nicht wesentlich ändern.— Wahrscheinliches Wetter von Heu t e: Unbeständig, wechselnde, untertags im allgemeinen, stärkere Bewölkung, strichweise Schauer pder Gewitter, Temperatur ohne erhebliche Aenderung, Winde aus westlichen Richtungen, auf den- Bergen Deutsches Dementi: „Wir sibd erstaunt. Und dementieren kräftig. Wir haben stets am Daumen nur gelutscht, Die Judenpresse aber, vielgcschäftig, Behauptet frech, daß wir in Wien geputscht!. Wir sind die Unschuld schlechterdings persönlich, Was geht nns diese ganze Chose an—? Wir sind die Sündenböcke, eben wie gewöhnlich, Woraus man seine Schlüsse ziehen kannl Ihr sprecht von Bomben—? Frech und dreist erlogen! Ihr sprecht von Dynamit? Was war's—?. Spinat! Und die Gewehre,-die von un- bezogen, DaS waren Ladungen mit Kopfialat l Bon Rnndfunkhehe wird dahergeredet— Und jeder weih, der Frauenfeld gehört. Der Arme hat doch nur zur Nacht gebetet, Selbst das niißgönnt man ihm—. Wir sind empört! Und welch Geschrei um Habichts Legionäre! Die wurden cingeübt als Mannerchor, Und jetzt stellt nmu die braven Kerls auf Ehr«. Als richtige Putschisteyiruppe vor! Die Nazis drüben seien unsre Brüder? Wir lachen hell den Schwätzern ins Gesicht, Knallt die Berführteil nur nach Kräften nieder, Die deutsche Treue? Kennt man bei uns nicht! Die Welt ist schlecht. Wozu sich da beklagen— Doch wer nns etwas anzuhängcn sich erfrecht. Dem wollen wir in aller Ruhe sagen, Daß Pontius Hitler sich in Unschuld wäscht!" P-. Böhmens vielfach stürmisch.— Wette raus- sichten für Montag: Andauern des veränderlichen WitterungLcharakters. Der König von Siam in Prag. Am heutigei! Sonntag trifft in Prag der König von Siam Pradschadhipok mit der Königin Rambai zu neuntägigem Aufenthalt in der Tschechosiowakei ein. Das königliche Ehepaar wird in Prag im Hotel„Alcron" absteigen. Am Montag, den 30. ds., wird das Königspäar am Grabe des Unbekannten Soldaten in der Kapelle des Altstädter Rathauses einen Kranz niedcrlegcn, sich am gleichen Tage an dem ihm zu Ehren vom Gesandten Jan Masaryk gegebenen Mittagessen beteiligen und am Nachmittage Karlsbad besuchen. Am Dienstag ist die Besichtigung Prags und der Glasfabriken, am Mittwoch der Besuch-einiger Jndustrieweicke, am Donnerstag ein Besuch in Pilsen, am Freitag die Besichtigung der Bata-Werke in Zlin, weiters der Werke der tschecho- slowakischen Wäffenfabrik vorgesehen. Am SamStag reist das siamesische Königspaar nach Strda, wo es bis 7. August verbleibt, an welchem Tage die Weiterreise nach Budapest erfolgen wird. Fahrpreisermäßigung für Hopfenpslücker. Anweisungen für Hopfenpflücker für die zulässige Fahrpreisermäßigung anf den Staatsbahnen nach dem Tarif 4(etwa 50 Prozent) werden zu 20 Heller Per- Stück ausschließlich in denBezirkS- a n stal t c n f ü r u n c n t g el t l i ch e Arbeitsvermittlung verkauft. Die Partieführer (-Führerinnen) von Pflückerpartien wollen sich rechtzeitig diese Legitimationen dort besorgen. In den Anstalten erhalten dieselben auch ein Flugblatt, in welchem auch eine Belehrung über die Begünstigungen für Hopfenpflücker bei Bahnfahrten enthalten ist, nach welcher genau vorzugehen ist, weiters die„Bedingungen" des ArbcitSvcrtragcS für die heurige Hopfenpflücke. Sowohl die Ausfüllung als auch die vorgeschriebene Beglaubigung der Legitimationen für die Fahrpreisermäßigung besorgen die BezirkSanstalten. Partien, tvelche keine im voraus vereinbarte Arbeitsstelle bei der Hopfenpflücke haben, werden keine Legitimationen ausgestellt. Vom Rundfunk chmPfehleuamertr» au» dr» Programmrnr Montag: Prag, Sender L.: 10: Schallplatte«, 10.20: Deutsche Nachrichten, 11: Schallplatte», 13.30: Ar- beitSmarkt, 15.15: Konzert des SalonorchesterS, 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Hahn: Vorlesung des Kapitels: Rationelle Gedächtniswirtschaft, 18.55: Deutsche Presse, 10.10: Schallplatten, 22.15: Tanzmusik, 22.45: Deutsche Nachrichten,. Urlaubsfahrten im Automobil durch die Tschechoslowakische Republik. Sender S.: 14: Klavierkonzert, 14.30: Deutsche Sendung: Bunte Schallplattenfolge, 15: DeuffchePresse.— Brünn 17.45: Deutsche S.e n dun g: Dr. Hogenauer: Fragen des Alltages, 18: Honsig: Fahrt auf der Donau bis ans Schwarze Meer, 19.80: Die Welt singt.— Mähr.» Ostrau 18,20: Deutsche Arbeitersen» düng: Emil Kutscha: Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, 22.45: Tanzmusik. Dienltag: Prag, Sender L.: 6: Gymnastik, 10.20: Deutsche Nachrichten, 12.10: Schallplatten, 12.80: Konzert, 18.20: D e u tsche S e n d u n g: Dr. Husch: Wirtschaftliches Relief, 18.80: Böhmerwaldgeschichten. 18.55: Deuffche Press«, 21: Konzert der.Tschechischen Philharmonie, 22.15: Blasmusik. Sender S.: 10.80: Opern-Phantasien, 14.10: Gitarren- Trio, 14.25: D eutsche S e n d u n g: Jng. Kleiber: Forstmann im Kampf« gegen Baumschädlinge, 14.40: Heitere Lieder.— Brünn: 17.55: Orchesterkonzert, 18.20: Deutsche S« n d u n g: Sozialinformationen, Jng. Buhl: Arbefterschutz in Industriebetrieben.— Mährisch. Ostrau 20.20: Liederkonzert, 22.45: Tanzmusik.— Pretzturg 10.25: Gesangskonzert.— Kascha» 12.80: Zigeunermusik..... % M, M. Sonntag. 29. Juli 1934 von Mitarbeitern wie V o l t a i r e, H ol b a ch, M a r m o n t e l, Q u e S n a y, T u r g o t, Recker und andere Leuchten der Zeit,«in einziger Generalangriff gegen jede Autoritä t, die sich nicht vor dem Richterstuhl der Vernunft zu behaupten vermochte. Wer einen der dicken Bände aufschlug, dem wehte entgegen: Haß wider die Tyrannei und Liebe zur Freiheit, Glaube an den Menschen und Ehrfurcht vor dem Leben und immer wieder Abscheu vor dem Fanatismus, Preis der Duldsamleit. Vertrauen auf den Fortschritt. Di« eS anging, merkten es nur zu bald. Die gesamte Klerisei, an der Spitze die Jesuiten, schrie Zeter und Mordio, nach den beiden ersten Bänden«ntriistete sich die könig» liche Ratskammer über die in ihnen ausgesprochene Tendenz,„das Ansehen des Königs zu zerstören, den Geist der Unabhängigkeit und Auflehnung Bahn zu brechen und unter dunklen und zweideutigen Ausdrücken Irrtum, Sittenverderbnis, Gottlosigkeit und Unglauben zu verbreiten" nnd 1769 schleuderte Papst Clemens Vlll. seinen Bannstrahl gegen die„Enzyklopädie". Hätten nicht einfluhreiche Gönner, darunter die. Mar, quise dePomPadour, die Maitresse Ludwigs XV.« ihre schützende Hand Über sie gehalten, es wäre um das kühne Unternehmen geschehen gewesen. Obwohl anfangs d' A l e m b e r t als Mitherausgeber zeichnete, trug in Wahrheit Diderot das ganze gewaltige Werk auf seinen breiten Schultern und bedurfte all der uncr- im Gegensatz zur Ex» und Hohlglasindustrie 1031 einen weitere» „Sozialdemokrat" Verschollenes Fliegerpaar «ach drei Jahre« gefunden Robinsonade ei«« Filmstars und eine» Flieger» Die Gefangene» auf der DSmonen-Insel Handwerker war, stand dar Haus schon nach wenigen Wochen fertig da. Madge Arbuckle ging ihm bei allen Arbeiten tatkräftig zur Hand. Zwei Einsame lernen sich lieben. ES konnte nicht auSbleiben, dah Floyd sehr bald eine innige Zuneigung zu der schönen und unverzagten Genossin seines Abenteuers faßte. Seine Liebe blieb nicht unerwidert, und so führten die beiden Einsamen ein Leben wie im Paradiese. Den ersten Schrecken hatten sie bald überwunden, und bald schwand die Sehnsucht nach der zivi- lifierten Welt. Floyd entfernte da» Signalzeichen, da er nicht mehr die Absicht hatte, nach Amerika zurückzukehren. Die Monate vergingen und immer mehr gewöhnten sich Lloyd und Madge an ihr Robinsonleben. Schließlich kam die junge Frau mit einem Knaben nieder. Die Geburt verlief ohne jede Gefahr. Jetzt war das Glück der beiden unbegrenzt. Die Ankunst des Kapitäns bedeutete für sie zwar eine freudige Ueberraschung, aber mit ihm zu gehen, verzichteten sic. Nur mußte ihnen der Kapitän versprechen, so bald wie möglich mit einigen dringend benötigten GebrauchSgegenftän» den wiedcrzutommen. Der amerikanisch« Frachtdampfer.Abraham Lincoln" ist im Hafen von Panama eingelaufen. wo der Ktchitön den Schiffahrtsbehörden von einer sensationellen Entdeckung Bericht gab. Er hat auf der Keinen Insel Ta« rapee, die auch den Namen Jla de Deminicos, Dämoneninsel, führt, den seit drei Jahren verschollenen Flieger Lloyd Floyd und die Filmschauspielerin Madge Arbuckle gefunden.. Die beiden, die längst totgeglaubt waren, haben sich auf der kleinen, menschenleeren Insel so gut eingelebt, daß sie darauf verzichteten, mit nach Amerika zurückzurrisen.. Madge Arbuckle war eine junge Filmschauspielerin, der man in Hollywood eine große Kar- riere prophezeite. Sie kam vom Barictt, wo sie sich als Tänzerin eines großen Namens erfreute. Ich« ersten Versuche im Filmatelier gestalteten sich zu einem vollen Erfolg. Da sie außerdem als Verwandte des dicken Komikers Fatty über große Beziehungen verfügte, stand chrer Filmlaufbahn nichts mehr im Weg«. Mitt Juli 1931 sollte fie noch einmal ein Engagement als Tänzerin in einem Varietö in Honolulu antreten. Um die Reisezeit nach den Sandwichinseln abzukürzen, entschloß sie sich» dorthin zu fliegen. Am 13. Juli 1931 stieg sie als einzige Passagierin in dem zweimotorigen Verkehrsflugzeug„Shouthsea III" auf dem Flugplatz von San FranziÄo auf. Torpedoboote suchen die Verschollenen. Am Steuer saß Pilot Lloyd Floht, der al- zuverlässiger Flieger bekannt tvar. Niemand hegte daher zunächst ernste Besorgniffe, al- von Honolulu der telegraphische Bericht kam, daß die ..Shouthsea III" zur vorgesehenen Ankunftszeit nicht eingetroffen sei. Dennoch wurden sofort mehrere Torpedoboote abgeschickt, die auf der Strecke nach Honolulu das Meer absuchrn sollten. Die Anfragen vom Flugplatz in Honolulu wurden immer dringender. Jetzt war nicht mehr zu hoffen, daß das Flugzeug sich noch in der Luft befinden tonnte. ES war, so glaubte man, zweifellos auf dem Meere niedergegangen.' Mehrere Wochen dauerte die systematische Suche der Torpedoboot- flotille und der später ausgesandten Wasserflug- zeuge. Die«Shouthsea Hl" blieb verschollen. Mqn nahm schließlich an, daß die beiden Insassen längst ertrunken wären und gab die Suche auf. Da das Wetter klar und windstill gewesen war, blieb als einzige Erklärung ein Motordefekt, der Lloyd Floyd zwang, auf dem Wasser ein« Notlandung äu-zuführen, die den Untergang der Ma- chine und seiner bejden Jnsaffen zur Folge hatte, Da» Paradies in der Süds««. vor.einigen Wochen legte der Frachtdampfer „Abraham Lincoln" an der kleinen Insel Tarapee an, um feinest-Vorrat an' Wasser und Früchten zu ergänzen^ Das Eiland, das im Kriege der amerikanischen Flotte als Kohlenstation gedient hatte, ist seitdem,'völlig unbewohnt. Der Grund dafür iit nicht«sichtlich; denn mit seinem Reichtum an Früchte»', Kokosnüssen,.Brotfrüchten, Orangen und Taroknollen, seinen großen Herden an verwilderten Hausschweinen, den unzählige» Kaninchen und schmackhaften Schildkröten bietet da» Eiland in der Südsee dem Menschen geradezu paradiesische Lebentbedingungem Dazu kommt ein '„Wer ihn," sagte M a r m o N t e l vdn Denis Diderot,„nur aus seinen Schriften kennt, hat ihn nicht gekannt." Denn dieser unendlich regsame und rastlose Geist gab fast sein Bestes in mündlicher Aussprache, im sokratischen Gedankenaustausch; wenn er sich im Freundeskreis in dem berühmten„Caft Procope" ereiferte und erhitzte, stiegen die ferner sitzenden Gäste auf die Tische, sein Mienenspiel zu erspähen und seine Witzwort« zu vernehmen. Wir freilich, des unmittelbaren Reizes entbehrend, den seine Persönlichkeit ausströmte, müssen uns an seine Schriften halten, aber obwohl erst vor kurzem Andrk Billy in einer sehr lebendigen Monographie sein Wesen heraufbeschworen hat, ist leider der Name DiderotS bekannter als sein Werk; fast scheint eS, als bliebe nur sein Standbild auf dem Pariser Boulevard Saint-Germain. Wenn dem so wäre, sündigten wir mehr gegen uns als gegen ihn, denn da D i d e r o t die Stirn ganz der Zukunftzugekehrt hatte, gehört er in einem höheren Sinn zu unseren Zeitgenossen als viele, die sich nur einbilden, Im Jahre 1934 zu leben und in Wirklichkeit Gespenster einer grauenvollen Vergangenheit find. Der am 8. Oktober 1713 in L a n g r e s als Sohn eines Mefferschmiehs zur Welt kam, bewahrte immer den damals seltenen Stolz auf seine plebejische Abkunft. Früh vertauschte er die Heimat mit der.Hauptstadt, inn'kick» nach t it Studien den langen Rest seines Daseins mft seiner Feder durchzuschlagc», anfangs cm rechter LiteraturzigeuNer und auch später, als es ihm an hochmögenden Gönnern, wie Katharina kl. von Rußland, nicht fehlte, stets ein armer Teufel von Geistesarbeiter. Was immer er aber schrieb, Erzählungen, wie ,,D e r weitzeBogel", „Die verrät«ri s ch e»Edelsteine" und„D e r F a t a l i st I a k o b", Dramen wie„D e r F a m i l i e n v a t e r", Dialoge wie„R a m e a u S R e f f e", philosophische Abhandlungen oder kunstkritische Betrachtungen, in jeder Zeil« seiner hellen, freudigen, beschwingten Prosa erwies sich Diderot als der vorgeschobenste Vorposten jenes noch entrechteten, aber schon auf s äs sigen franzö s i- schenBürgertnmS, das sich zu seinem historischen Waffengang gegen Feudalismus und Absolutismus anschickte. In einer Epoche, da schon der Hauch eines fteien Worte» gegen Staat und Regierung unweigerlich in die Bastille führte, konüte er Politisches um so weNia^r iMsein Werk einfließen lassen, al» er selbst wegenemer allzu kühnefiSchtift für einige Monate des JahreS 1749 die Haft imTurmzuVrncenne» kennen gelernt hatte. Aber wie er für die Bühne erklärte:„Was liegt uns Franzosen des achtzehnten Jahrhunderts an den Abenteuern AgamemnonS und OrestS? Meinesgleichen, meine Zeitgenossen will ich auf dem Theater sehen", so verfocht er allenthalben die Sache der Gegenwart wider eine unholde Vergangenheit. Todfeind aller Pfafferei, richtete er vor allem die Spitze und Schärfe seines Geistes gegen.die Kirche als das wesentlichste Bollwerk einer überalterten und schreiend ungerechten Gesellschaftsordnung. Ganz im Sinne des deutschen Dichters, der später sang:. Dir wollen hier auf Erden"schon Da» Himmelreich errichten, predigte er den G la ub e n an dasDieS- s e i t s, und um daS Diesseits wohnlich zu gestalten, schien ihm nichts dienlicher, als daß die Menschen statt dunklen Urtrieben ihrer Vernunft folgten. Vernunft, raison, ratio— den Begriff schrieb er mit großen Buchstaben, und wenn er sich auch der Bedingtheit aller menschlichen Erkenntnis--und alles irdischen Strebens beioiitzt blieb, formulierte er doch treffend: „Nächtlicher Weile in einem gewaltigen Forst verirrt, habe ich nur ein kleines Lichtchen, um mich zu leiten. Da kommt ein Unbekannter und sagt: Lieber Freund, blase deine Kerze ans, um deinen Weg besser zu finden."— Dieser Unbekannte ist ein Theologe. Gegen solches Ansinnen sträubte sich D i d e r o t aufs heftigste und tat alles, damit sich der Kerzenstumpf Vernunft in«ine Fackel, eine grpße Lichtquelle verwandele, in alle menschlichen Beziehungen hineinzuleuchtcn. Der, nie. zu beruhigende Wahrheitssucher, dem. alles Leben und Sterben nur Veränderung von Formen war, drang Mit- dem Weitertreiben seiner entschlossen m a t e r-i a-l.i st i s ch e n P h i l o» s o p h i e so halsbrecherisch verwegen vor, daß er auf die E n t w i ck l u n g s l e h r e kam und zu den geistigen Ahnen voll" D a r w i n, P a st e u r und. Edison gehört. Ein so unermüdlicher Anreger und Befruch- ler aber Diderot mit seinem ganzen Schaffen war, den nachhaltigsten Eindruck hinterließ die „E n z y k l o p ä d i e", die er von 1781 bi» 1772 in fünfunddreißig Bänden herauSgab, im Grunde-ein alphabetisch-geordnetes Nachschlagewerk wie der große Br ock h a u s oder" Larousse und doch unendlich mehr; daS„allgemeine Handbuch der Aufklärung",„das große Festungswerk der Aufklärungsphilosophie" und „in der Geschichte der Geisteszivilisation das gr.ößte Ereignis seit der Erfindung de» Buchdrucks". Obwohl in den oft vorsichtigen Artikeln Ivellig unmittelbare Angriffe gegen überlieferte Autoritäten steckten, war da» Ganze, gefördert sehr' angenehmes Klima und der völlige Mangel an Raubtieren, Schlangen und Skorpionen. Als der Kapitän der„Abraham Lincoln" an: Strande Ausschau hielt, glaubte er seinen Angen nicht trauen zu können. Dort, in einem kleinen Tal zwischen zwei hohen Bergen befand sich eine geräumige Hütte, die augenscheinlich bewohnt war, denn es führte ein sorgfältig gepflegter Fußweg »Uw Strand.. Der Kapitän, so schildert er.selbst sein Erlebnis, zögerte einen Augenblick.' War es ein Trugbild, das er vor seinen Augen sah? Narrten ihn die Dämonen, die nach dem Aberglauben der Seeleute auf dem Eiland hausen sollten? Er packte seine Jagdflinte fester und schritt näher. „Mein Name ist Lloyd Floyd...!" Er war auf etwa 29 Schritt herangekommen, al» ein junger, braungebrannter Mann in einem Monteurlittel und eine junge Frau in einem Bademantel aus der Hütte traten. Sie zeigten sich nicht minder überrascht beim Anblick des Kapitäns, als dieser über ihre Existenz hier auf der angeblich verlassenen Insel. Der Mann im Monteurkittel faßte sich zuerst:„Mein Name ist Lloyd Floyd I" stellte er sich vor, um dann dem Kapitän weitere Aufklä- rungen zu geben. Der Kapitän erinnerte sich sofort des Namens und des verschollenen Flieger», und so war er denn bald im Bilde. Lloyd Floyd hatte an dem verhängnisvollen 13. Juli 1931 während seine» Fluge» plötzlich feststellrn müssen, daß der Betriebsstoff durch Bruch der Zuführung bis aus einen Keinen Rest ausgelaufen war. Dieser Rest reichte aber auf keinen Fall mehr für den Flug bis zu den Sandwich-Jnseln. So hielt er Ausschau nach einer anderen Landemöglichleit. Da er einen sehr südlichen Kur» gewählt hatte, gelang eS ihm, die Insel Tarapee, 600 Kilometer nördlich von der Manahiki-Gruppc in der Südsee, zu erreichen. Bruch bei der Notlandung. Da die Insel keine geeignete Landefläche aufwies, mußte sich Floyd zu einer Sturzlandung auf einer schmalen Wiesenftäche entschließen. Sie verlief, den Verhältnissen entsprechend, äußerst günstig. Die Maschine ging selbstverständlich in die Brüche, De» beiden Insassen geschah jedoch .nichts. Sie kamen mit ganz geringfügigen Hautabschürfungen davon und machten sich sofort auf ,die Erkundigung des Eilandes. Sie stellte» fest, daß e» unbewohnt war, daß es ihnen aber— wenigstens für die erste.Zeit— alles Lebensnotwendige bot.— Streichhölzer hatte Floyd mit sich, und so "konnte schon am ersten Abend ein kunstgerecht über der Flamme gerüstetes Kaninchen verspeist werden, 'das der Flieger mit einem Knüppel erschlagen hatte.-• Floyd errichtete auf dem höchsten Gipfel der Insel ein Signalzeichcn, um vorübersahrende Schiff« aufmerksam machen zu können. Dann ging er daran, für seine Begleiterin und sich eine Hütte zu errichten.- In dem Werkzeugkasten des Flugzeuges befanden sich alle erforderlichen Hand- wertSzeuge, und da der Flieger ein geschickter Mderst Ä« feinem Oun&ertfttufstaften«MHtao Von Hermann Wendel. -WMUM WM Die höhere Fertigwaren- Ausfuhr Der tschechoslotvakische Außenhandel hat im Juni 1984 eine erfreuliche Steigerung de» Fer- tigwaren-ExporteS gebracht. Sie beträgt gegenüber dem Juni 1938 dem Werte nach 124 Millionen Kronen. An dieser Steigerung sind hauptsächlich die führenden Industrien unseres Lande» betsi« ligt. Vor allem die Eisen» und Eisenkvarenindu- strie, deren Ausfuhr im Juni aeaenüber dem Vormonat um 18 Millionen Kronen zugenommen hat, die Glas- und Glaslvarenindustrie, die Wollwaren-, die Konfektionsindustrie und einige weitere Industriezweige. Diese günstige Entwicklung belebt Hoffnungen, daß es unserer Exportindustrie recht bald gelingen möchte, ihren alten Stand wieder zu erreichen. Diese Hoffnungen werden sich aber in der nächsten Zeit kaum erfüllen können, denn man darf nicht außer Acht lassen, daß di« zahlreiche» Handelshindernisse, die beinahe alle Staaten aufgerichtct haben, in der großen Mehrzahl weiter sortbestehen. Auch mit der Juniziffer ihrer Ausfuhr sind die beteiligten Zweige der Fertigwarenindustrie immer noch recht weit von dem früheren Stand der Ausfuhr entfernt. Es ist die Frage nach der Ursacke der Steigerung unseres Fcrtigwaren-ExporteS aufgeworfen worden. Dabei wurde auf die Tatsache verwiesen, daß eS schon in der Märzausslchr einmal einen Höhepunkt gegeben hat. In de» beiden Steigerungen sieht man einen Erfolg der Kronenabwertung. Daß er sich nach einer zweimonatigen Pause bei der Fertiglvarenausfuhr stärker geltend macht, wird, damit erklärt, daß zwischen dem Zeitpunkt der Bestellung und der Durchführung de» Auftrags bei Fertigtvarcn ein größerer zcitlrcker Abstand liegt. Diese Erklärung wird durch eine Umfrage bei den wichtigsten Industrien bestätigt. Sie ergibt, daß tatsächlich im gegenlvartigen Zeitpunkt in einigen Industriezweigen eine gewisse Mengenlonjunttur besteht. Damit wäre bewiesen, daß wenigstens teilivcise und vorläufig die Kon, kurrenzfähigteit dieser Industriezweige auf den Auslandsmärkten durch die Krvnenabwertung zu- rückgcwonnen worden ist. Ob sich dieser Vorsprung nach der Verarbeitung der teurer gewordenen ausländischen Rohstoffe und auch der im Preise anziehende» inländischen Rohstoffe aufrecht erhalten läßt, muß freilich abgcwartet werden. ES gibt aber auch Ztveigc der Fertiglvaren- industrie, die au der Steigerung des Exports keinen Anteil haben. Ein Beispiel dafür ist die Gablonzer Industrie, die portstcigerung der Tafel- auch im ersten Halbjahr Rückgang erkennen läßt. schöpflichen Begeisterungsfähigkeit seine» Gemüt», um Über den endlose«Widrigkeiten mit säumigen Mitarbeitern, abfallenden Freunden, verräterisch feigen Verlegern und stumpfsinnig bösartigen Behörden nicht di« Flint« ins Korn zu wetfen Aber er hielt durch, und e» wurde sein bester Ruhmestitel, mit der„Enzyflopädie" die Batterien befehligt und gerichtet zu haben, die die Trutzburgen königlicher und pfäffischer Willkür sturmreif machten. Durch D i d e r o t und nur durch ihn wurde die„Enzyflopädie" auch zu einer großartigen Rehabilitierung derHand» arbeit, die von den Aristokraten de» Schwertes und Weihwedel» bi» dahin mißachtet worden war. Voll feiner Witterung dafür, daß die Zukunft der Industrie gehörte, suchte er da» Volk bei der Arbeit auf und mühte sich, daß die„Enzyklopädie" über alle Gewerbezweige und Betriebsmethode» erschöpfend Auskunft gab; der a r b e i» tende Mensch steht im Mittelpunkt vonDiderotS Welt. Erweist sich der Messerschmiedssohn auS LangreS nicht allein durch die Begriffsbestimmung des Worte» Journalier— Taglöhner oder Lohnarbeiter als Vorläufer kommender Generationen und ihrs» sozialen Glaubensbekenntnisses?„Arbeiter," heißt es da,„der mit seinen Händen arbeitet und tagewtise bezahlt wird. Diese Art Menschen bildet den größten Teil einer Ration; ihr Schicksal muß ein« gute Regierung hauptsächlich im Auge haben. Wenn der T a g e l ö h n e r elend ist, ist auch di« R a t i o n elend." Am 80. Juli 1784 starb DeniS Diderot. Fünf Jahre später ging im gleichen Monat die Saat seiner Gedanken herrlich auf: da» Volk von Pari» stürmte die Bastille. f feite 6 Das Ende des„Paradieses" von Medias Literatur 415 i2S252525Z52525252525252S2S25252S252S252525252S2S252SZ5ES2525252!i Laufendai In—rat mit Dingen plagen, die in so sehr entferntem Zu» ! sanunenhang mit ihrem persönlichen Schicksal stan- L«Ic—e«n ckae cn..pN.rEU «Rv VIE aUAtfeOLTMt „Soiinldrmokrat" Hilde erlebte in dieser Zeit— außer einem fast zu ernst getvordenen Flirt— nichts besonderes. Uebrigens hatte ste sich auf Drängen einer Freundin entschlossen, dem TenniS-Klub beizutreten. Ztvar hatten die notwendigen Unterrichtsstunden, Ralett und Sportdreß eine Menge Geld gekostet, aber sie bedauerte das nicht: in dem Weißen Kleidchen sah sie so fesch aus, und da» tvar auch etwas wert. Außerdem lernte sie beim Spiel ein paar nette, freundliche Herren kennen, deren Wesen sich angenehm von dem ihrer meisten Arbeitskollegen unterschied.' ♦ Verlangen Sie In Inder Verkeufutelle des Konsumvereine* SELCHWAREN der Rrme HEGNER* Cie., PILSEN bringt laufenden Absntsl z» stellen. Die Politik unserer Tage ist eben ein eigenes Ding. Sie kümmert sich nicht darum, ob der einzelne Mensch etwas mit ihr zu tun haben will, sie ist wie ein exotisches Meeresungeheuer, das unzählige unheimlicheFangarme ausstreckt und dem arglos im Strom des Lebens dahinplätschernden Menschen plötzlich die Kehle zusammenkrallt, ihm die Luft zum atm«» nimmt und in die gähnende Tiefe zieht,— ohne Rücksicht darauf, ob der Mensch die Existenz der Polypenarme früher anerkannt hat oder nicht. Jttt'Lauft welliger Kochen wurden in der Fabrik-von-vierhundert Beschäftigten-dreihundert entlassen, Hilde war unter ihnen. » Möblierte Zimmer sind nicht besonders billig. Auch dann nicht, wenn ihre Fenster nach Norden den Blick auf eine- anmutige Waldlandschaft eröffnen und von Osten den grüßenden Strahlen der Morgensonne freien Eintritt gestatten. Hilde mietete deshalb eine Schlafstelle in der Stadt. Ein einfaches, düsteres Zimmer in einem grauen Hinterhaus war es, das sie nun mit zwei Schlafgefährtinne» teilen muhte. Bon den Fenstern sah man keine romantische Landschaft, sondern»iur die graue Wand eines Nebenhauses, aber wenige Straßen entfernt waren die Aushängetafeln einer Zeitung: Wohl dem, der nach Anschlag«» der neuen Ausgabe als erster zur Stelle war. Die freien Stellen stehen in unserer Zeit immer in einem ungünstigen Verhältnis zur Zahl der Anwärter. Haben Sie schon einmal versucht eine angekündigte Arbeitsstelle zu bekommen?! Wenn ja, so werden Sie entdeckt haben, daß ii: »»eunundneunzig von hundert Fällen andere immer noch schneller und glücklicher als Sie gewesen sind und in dem hundertsten Fall Sie ein Arbeitgeber erlvartet, der seine Bedingungen von vornherein auf verzweifelte, hoffnungslose, zu jeder Erniedrigung bereite Anwärter zugeschnitten hat. Rach qualvollen Monate«» las auch Hilde eines Morgens ihren„hundertsten Fall". „Hübsche, gefällige Räbchen, euch Anfängerinnen, werben zum Bedien«, der Gäste gesucht." Mechanisch notierte sie sich die Adresse. Dann ging sie zögernd und mit innerem Widerstreben-zu der bezeichneten Stelle,— und diesmal hatte sie Glück, mußte es wohl auch haben, denn sie lvar ja Immer noch ein nettes Mädel und frische unverbrauchte Ware lvar an ihrer neuen Arbeitsstelle immer willkommen. Prüfend glitten die Augen der behäbigen Besitzerin über ihren.Körper, tastend abschätzcnd, gleichsam auSkleidend und blieb«» dann in dem Gesicht haften:„Bedient haben Sie noch nicht?" «Nein, aber ich glaub«, daß ich es lernen werde." „Das glaube ich auch,„sagte die Wirtin, die davon Überzeugt war, daß das Mädchen dei» Stammkunde» gefallen würde,„wenn Sie mit den Bedingungen einverstanden sind, können Sie gleich hier bleiben. Lohn erhalten sie ocks Anfängerin natürlich keinen, doch bin ich bereit. Ihnen einen gc- wissen Teil der Einnahmen zu Überkassen, die durch Ihre Mithilfe erzielt werden. Die Höhe de» Verdienstes zu bestimmen, liegt ganz in Ihrer Hand. Also Wollen Sie?" Und zuckende» Herzens unterschrieb Hilde Brunner den Vertrag, der erst endgültig den harmlos-heiteren, von allen Anfechtungen und schweren Prüfungen freien Teil ihre» Lebens abschloß. Frühlings- und Sommermorgen weckten ste die rötlich schimmernden Strahlen der ausgehenden Sonne, umspielten grüßend ihren schlanken Körper, wenn ste die gewohnten leichten Morgenübungen vornahm und sich dann einige Minuten ins Fenster lehnte, versunken in den Anblick der nahen Aaldberge» um deren Gipfel die leichte» Schleierfehen der Morgennebel wöben: An solchen Morgen war sie es zufrieden, einsam zu sein. Dann hatte sie an arbeitsfreien Tagen die Gesellschaft einiger Freunde und- Freundinnen, die immer gut aufgelegt waren.-g^ch-dam^twenn /ste keine Ursache däzu gehabt hatten. Da tonten auch, noch dtc lustigen, unterhaltenden'Tanzabende, die gewöhnlich einen Ueinen SonntagsauSslug abzu- .schlietzen pflegten, die Kino» und Theaterbesuche, die sie die langtveilige Arbeitswoche vergessen ließen. von großen Hoffnungen, Wünschen und Be- fürchtungen war sie frei, warum sollte sie also Genossin! ist Deins Nachbarin schon bei dar ===== Partei rühmtheit gelangte. Bon weit her strömten die Reisenden, nicht nur um sich das Wunder dieses Paradieses anzusehen, sondern um gleichzeitig in der mUden, fast warmen Atmosphäre Erholung zu suchen. Media» wurde über Nacht zum Mittelpunkt des Fremdenverkehrs, und seine Bevölkerung Ivar nur besorgt, daß dieser Segen für alle Ewigkeit änhalten möge. Die„flammende Erde".,erlischt... Unerwartet,-wie dieses Wunder der-Natur damals aufgctaucht ist, ist es nun wieder entschwunden. Nachdem schon vor einiger Zeit ein gewisses Nachlassen der Leuchtkraft der lodernden Flammcngarben beobachtet werden konnte, was darauf schließen ließ, daß der unterirdische Vorrat an Methangasen sich allmählich erschöpfte, stürzte in der Rächt der.Hauptkrater in sich zusammen, und die Flainmen erloschen. Der Zusammensturz war von einem donnerähnlichen Getöse begleitet und versetzte die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Ein Teil der Bevölkerung flüchete sogar in die weiter gelegenen Wälder. Ob dieses Ereignisses herrscht in ganz Me- dias größte Bestürzung, denn durch den Untergang des Naturwunders versiegt tatsächlich eine Quelle des Wohlstandes für den Ort und seine Bevölkerung. Auf Anregung des Bürgermeisters soll daher schon in den nächsten Tagen eine Versammlung der Notabeln und der Hotelbesitzer einberufen werden, die über die Mittel und Wege beraten soll, wie dem Uebelstand abgeholfen werden kann. ES besteht schon jetzt die feste Absicht, eine Sammlung zu veranstalten, oder sogar eine Anleihe aufzulegen, um in den Besitz der Mittel zu gelangen, die eS dann ermöglichen, die Einbruchsstelle des Krater» wieder freizukegen. Man hofft auf diesem künstlichen Wege der Natur nachzuhelfen und das Paradies von Medias in seiner vollen Schönheit wieder erstehen lassen zu können. SA-Führer al» Emigrant«», Papen auf Urlaub, Mussolini und Hitler. Sparta—Hungaria u. finden Sie in der neuen Rümmer 27 der illustrierten sattrischen Wochenschrift„Simplicus. Beiträge von Arnow Hahn, Bert, Godal, Sekora. „Blumen-Zauberdung", das Blütemvunder Blume« an allen Fenstern! Welche Freude für den Besitzer wie für den Beschauer! Denn Sie Ihre grünen Lieblinge kräftigen»md an reichem Blühen bringen wollen, verwenden Sie^Dlumy»-8auber- düng", ein erprobte», billiges Düngemittel, ein wahrer Wundertrank für Ihre Blumen. Jetzt müssen Sie mit dem Dungguß beginnenl Bestellen Sie sofort ein Paket bet der nachstehend angegebene« Adresse und legen Sie den Betrag Von KC 6.60 in Briefmarken bei. Alle Bestellungen richten Sie an die Verwaltung„Die Nnznsriedeno", Prag XH„ Fochova tr. 62. MMgllmD« tat„Urania" ttaMitolttae Wiederaufnahme der Spielzeit. Freitag, den 3. August, mit dem neuesten Anny Ondra»Film. Die Forderung der englsschen^Torys wurde erfiillt und in den Industrieländer!» des Kontinents wurden mit einem Schlage zehntausende Arbeiter und Angestellte arbeitslos. Unter ihnen waren viele lausende, Hilde Brunnen gesinnungs- Verivandter Menschen, die es nie für möglich gehalten hätten, daß die bloße Erfüllung einer wirt» schaftspolitischen Forderung im englsschen Parlament genügen würde, ihre wirtschaftliche Existenz zu zerschlagen, sie aus ihrem gewohnten Berufskreis herauszureißen und vor das blanke Nichts I l Bei Ischia» erfolgt auf ein Glas natürliche» „Fra«z-Jdf«f"'Bitterwaffer, früh nüchtern genommen, beschwerdelos ausgiebige Darmentleerung, in» die stch ein behagliche» Gefühl der Erleichterung anzuschließen pflegt. Aerztlich.bestens empfohlen. •' 2108 Aus Media» in Transsylvanien ist die Meldung cingetroffen, daß jenes Räturphänomen der ,«flammende» Erde", das dort vor einigen Monaten plötzlich auftanchte, zum grüßten Bedauern der Bevölkerung der ganzen Gegend nun unerwartet wieder verschwunden ist. ES sind jetzt etwa acht Monate her, da entzündete sich aus unerklärlichen Gründen eines jener großen MethangaSvorkommcn, wie sie in der Gegend von MediaS vielfach anzutreffen sind und bildete von nun an eine riesige, weithin sichtbare Flamme, die dadurch, daß ihr durch das aus der Erde entströmende GaS immer neue Nahrung zugeführt wurde. Tag und Nacht loderte, Wochen und Monate lang. Diese seltsame Naturerscheinung versetzte die Bevölkerung zunächst in einen panikartigen Schrecken, da befürchtet wurde, die brennende Gassäule sei der Vorbote für vulkanische Ausbrüche. ES stellte sich jedoch bald heraus, daß diese Angst unbegründet war, und daß diese flammende Hölle sich für das ganze Tal vorteil- haft und segensreich auswirken sollte. Blühende Rosen und Leilchrn mitten im Winter. Um den Hauptkrater, der einen Durchmesser von etwa 100 Meter hatte und von einer Reihe von kleineren Ausbruchsstellen umgeben war, entstand allmählich, mitten im Jänner, zu einer Zeit also, wo ganz Transsylvanien unter Schnee und EiS liegt, ein wahres Paradies. Uebcrall sprossen in dem Tal die Blumen aus dem Erdreich. Die Veilchen begannen zu blühen und die Rosen wuchsen-und dufteten herrlicher denn je,, während nur zwei bis drei Kilometer von diesem Paradies entfernt, der Boden bei einer grimmigen Kälte von 20 Grad-unter Rull erstarrt dalag und im Frost knisterte, und die ganze Landschaft mtt einer tie« fen Schneedecke zügedeckt war. Kein Wunder, daß das Tal von MediaS unter diesen Umständen z»i einer plötzlichen Be» diese Frage hätte beantworten können. Sie spürte wenig von der großen Krise, bic, drückend aus der Menschheit lag. Ihr Betrieb arbeitete fast ausschließlich für den Export und es war kaum zu erwarten, daß das Unternehmen in absehbarer Zeit mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen haben würde. Der erste Direktor der Finna jedoch prüfte ' sehr, aufmerksam die Nachrichten, die aus dem Jnselreiche jenseits des Kanals herüberkamen. Es schien eine Folge dieser Prüfungen und tagelanger Besprechungen mit den leitenden Beamten zu sein, daß er-anordnet«, mit allen Kräften an der Fertigstellung der englischen Aufträge zu arbeiten.— Das geschah auch, und in den nächsten Wochen gingen oft Zahltags die Arbeiter mit einem hüb- „.......... scheu Happen Geld in der Woche heim und lachten schränkte ihre Zeitungslektüre auf das Feuilleton' über die ewien Miesmacher, die ein baldiges Adder neuen Morgenzeitung, die sie seit einigen Mo-> flauen der Konjunktur prophezeiten, natcn abonniert hatte. Sie bekam auch keine Ar beiterzeitung in die Hand, in der sie ein ausführ liche» Kommentar zu der beivußten Rede gefun den hätte, ja, sie laS nicht einmal»nehr das Wo chenblatt deS AngestclltenverbandeS, das die in ternationale Bedeutung dieser Forderung eben falls würdigte, denn sie hatte sich schon vor län gerer Zeit ensschlosscn, die Mitgliedschaft bei die sem verbände zu kündigen, da es nach ihrer Mei nung schade war um das viele Geld, das sie Woche für Woche einzahlen mußt«, ohne eine sichtbare Gegenleistung fcststellen zu können. Sie blieb von wirtschaftlichen Sorgen, die das Denken und Handeln der kleinen Leute ihrer Umgebung dauernd beeinflußten, fast vollständig verschont. Ihre Arbeit im Büro der großen Wirk warenfabrik wurde zwar nicht überzahlt, aber sie war mit ihrem Lohn zufrieden, brauchte sic doch nur für sich selbst zu sorgen. Wenn sie die Familienvcrhältnisse in der Kolleginnen mit den ihrigen verglich, konnte sie sich sogar als vom Glück bevorzugt preisen. Sie hatte außerhalb der Stadt eine nett eingerichtete, schön gelegene Heine Wohnung, deren Fenster einen freien Ausblick nach Nord» und Osten gewährten. Jeden Hellen »"''»72, IM 1031. Ar.-178 Eingesendet. 28. JVIt 1286. 5«ÄÄÄ Ei«eRaferrafestraphe,dieGegEn brachte—Der«undervulkan eingestürzt halten. Der Versicherungsbestand Ende 1038 umfaßt 8 7 0.5 22 P oliz z« nmit ttä.11.781,461.667 versicherter Summe und K£ 17,930.876.— jährlicher Rente. Die Prämieneinnahme beträgt Kä 681,168.600.52, die Erträgnisse der Kapitalsanlagen Kö 181,201.048.20. An Versicherte und deren Hinterbliebene wurde« K4 276,004.756.71 »»»gezahlt Der R e äl i t ä t e n b e s i b der Gesellschaft im Gesamtwerte von Kd 400,826.123.50 umfaßt 141 Gebäude»nid 11 Baugründe in 12 Staaten Europa» und deö nahen Orient». Der Wert papierbe st and hat einen Buchwert von K6 1.205,872.280.10, wovon 05 Prozent ans festverzinsliche Anlagewerte und 5 Prozent mif Anteile von Notenbanken, dwerse Aktien und Beteiligungen an Versicherungsanstalten entfallen. Der Hypothekarbestand umfaßt 442 Hypo thekardarlehen mit zusammen Xi 160,287.880.10; die Darlehen auf eigene Polizzen betragen Kü' 278,820.684.60. Die gesamten G«währ» leistungsmittel der Gesellschaft belaufen sich auf K5 2.616,880.474.67. In der Gruppenver sicherung(gemeinsam mit der Metropoli tan Lch-fe Insurance Company N e w Jo r k) sind 40.617 Angestellte»md Arbeiter auf ein Kapital von rund ttö 846,600.000.— ver sichert. Die Gesellschaft ist an einer Anzahl in« und ausländischer Versicherungsanstalten durch Aktien» kapital und(gemeinsam mit der Prudential AssuranceCompanyLimited, Lan ds u), durch Rückversicherung beteiligt.. Aus dem Ueberschuß von Kt 2,017.162.83 wird eine 5prozen- tige Aktiendividende im Betrage von Kä 770.000.— verteilt. Aus dem Rest werden die Kapitalsreserven Lottert»md KL 782.822.48 mif neue Rechnung vor getragen.(Die Umrechnung der Schillinge und ande rer ftemder Währungen in sschechoflowakische Kro nen ist auf Grund des SchillingSk»»rses vom 81. De zember 1083(1 Schilling— Kä 8.85) erfolgt, so daß sich durchweg» wesentlich geringere al» die der hcuttgen Parität entsprechenden Ziffern ergeben.) 2281 PBEMIER- FAHRRÄDER Tourenräder- Rennräder- Knabenräder Ballonräder- Strapazräder-Mädchenräder Luxusräder- Volksräder- Kinderräder MMX Premier-Werke A.-6., Prag- Eger BIDSLjA q Vertretungen In allen sröSeren Orten. Wo nicht vertreten, wende man eich direkt an die Fabrik in Beer lerne tf<&e<£ifO I wahrend d. Kerlen cd. Schuljahr im VenltoMt KUidinnm I«adel a.«.«Inder 6—20 I. Tschechisch. Kran».. Enni. Musik, Sport, Reiten, Schwimmen. Sonnenbäder Mr Schwache a. Blutarme. Rhema-Heilanstalt. Prospekte aratis. 241* „Das Unterhaus beschließt.. von Martin Grill. Wenn sich Hilde für volkswirtschaftliche Fra gen interessiert hätte, iväre ihre bestimmt eine turze Notiz,.in den TqgeMätftrn'ausgefallen, die besagte, daß Sir John Blight, gelegentlich einer. Debatte über Wirtschaftsfragen, im Namen sei ner Klubkollegcn verlangt hätte, die Regierung möge die Einfuhrzölle auf einige Warengruppen um fimfzig Prozent erhöhen. Und wenn die zwei« nndzwanzigjährigc Hilde Brunner über die poli- Wichtigleit politischer Geschehnisse erfassenden..-------- SÄ fit I tro- seiner FraktionSkoflcgen im britischen Weltreich erstes Gesetz geworden war und im logischen Ab lauf der Entwicklung die vorgebrachte Forderung sehr bald ihre Erfüllung in einer Neuregelung der gesetzlichen Bestimmungen finden würde. Nur ein Mensch, der dies ans der lurzen Notiz hcrausge- lesen hätte, wäre auf den Gedanken gekommen, daß sich in der leidenschaftslos gehaltenen Rede eines englischen Abgeordneten, wenn auch nur fern und blitzartig, so docki immerhin klar erkennt lich, cine schwerwiegende Bceinflussnng seines per sönlichen Schicksales cknli'indigte. Aber Hilde blieb vm» beunruhigenden Ueberle- gungen verschont. Sie erfuhr weder von dieser Rede, noch von der zustimmenden Antwort des Handelsministers im Unterhaus. Sie fand politische Nachrichten sehr wenig unterhaltend und be- ie <„a ftm,a ahet hei Bezug durch die Post monatlich Kä 16.—. vterteljährig sie 48.—, halbjährig Kä 96.—, ganzjährig Kä 102.—.— Inserat« weedm laut Tarif Miaft buuhnet. Bei isswren Sinschattm^ Pve8nEaß,- Rückstellung von Maniskript«, essolgi nur bei Einsendung derR-wnrmarken.- Me 8-iwngSfrankatur wurde von der Poft- und Telegraph««, d tzriatz R«, H.800/VU/1080 bewilligt.— Druckerei:„Orbis, Druck-, Verlag»- und ZeltungS-A.-G., Prag. - Überreichung in Prag! 2638 Heute-und täglich das groBe B««unailf Sensationsprogramm in.. 1*1 vUlln Frei I., Calstsi 17, Telefon 60790