14. Jahrgang Dienstag, 31. Juli 1-34 Nr. 176 Mussolinis neuer Mann; Um die deutsche Sdiule Schuschnigg Bundeskanzler Starhemberg Vizekanzler und Sicherheitsminister Fey bleibt H Qeneralstaatskommiss8r(< Sonntag nacht hat der Ministerrat, offenbar nach langen bewegten Auseinandersetzungen, unter dem Druck der Heimwehre«, die Wien besetzt batten, die Ministrrposten aufgetrilt und Montag früh konnte der Bundespräsident die endgültige Ministerlist« genehmigen. Während der ganze« Rächt starrte Wien in Massen. Rach der einen Ver» sio» befürchtete man einen zweiten Putsch von Seite der Rationalsozialiften, nach der andern batte der Hrimwehraufmarsch nur den Zweck, ihre Forderungen zur Reuvildung der Regierung zu erzwingen. Sie haben ihr Ziel erreicht. An der .Spitze der Regierung steht das Triumvirat Schuschnigg, Starhemberg, Fetz. Line kritische Macht Daö Kabinett Dr. Schuschnigg wurde nach einem bewegten Ministerrat und in einer ungewöhnlich kritischen Rächt eingesetzt, in der die ganze Innere Stadt, sowie, auch die anliegenden Wiener Gemeindrbrzirke in ein bewaffnete- Militär- und Polizeilager»mgrwan- delt worden waren. Alle diese Vorbereitungen zeugten von«ine» außergewöhnliche« Spannung, dir noch durch die verschiedenartigsten Gerüchte über bevorstehende neue Aktionen der Rationalsozialisten, die sich noch immer nicht als geschlagen fühlen, gesteigert wurde, oder auch über eine Aktion d e r H e i m w e h r, die einen weiteren verschärften Kurs im Sinne ihrer Forderungen erwirken wollen. Erst kurz nach Mitternacht erschien der neuernanute österreichische Bunde-- tanzler Dr. Schuschnigg mit den Mitgliedern des neuen österreichischen Kabinette- beim Bundespräsidenten Dr. Mikla-, der die Angelobung »ornahm. Vie Urte der neuen Reglerungsmltglleder: Bundeskanzler Schuschnigg, der gleichzeitig die Bundesministerien für Landesverteidigung, für Unterricht und für Justiz führt; Vizekanzler Ern st Rüdiger von Starhemberg, der gleichzeitig mit der Führung der Angelegenheiten de- gesamten SicherheitswesenS betraut ist; Bundesminister Ego n Berger-Wak» d e n e g g, der mit der Führung der auswärtigen Angelegenheiten betraut wird; Bundesminister Major Fey übernimmt zu seiner bisherigen Funktion als Generalstaats- tommissär die Angelegenheiten der inneren Ber- waltung; Bundrsminister für Finanzen Dr. Karl V u r e s ch; Bundrsminister für Handel u n d B e r- kehr Fritz S t o ck i n g e r; Bundrsminister fürsozialeVerwal- tu ng Bodo Reustädter- Stürmer,dem überdies die Angelegenheiten der berufständischen Reuordnung zngewiesen werden; Dem Bundeskanzler werden zur Vertretung in Angelegenheiten des Bundesministeriums"für Landesverteidigung der bisherige Staatssekretär Generalmajor Wilhelm Zehner, zur Vertretung in Angelegenheiten des Ministerium- für Unterricht SektionSchef Dr. HanS Pernter, zur Vertretung in Angelegenheiten der Justizverwaltung der bi-, berige Staatssekretär Karl Karwinski als Staatssekretär beigegebrn. Dem Vizekanzler wird zur Vertretung in den Angelegenheiten des Sicher- heitswesenS ein Staatssekretär beigegebrn, dessen Berufung unmittelbar tevorstrht. Nachträglich wurde noch der Landeshauptmann von Nioderösterreich Josef R e i t h e r zum Bundesminister für Land- und Fortsttvirtschast und der Sicherheitsdirektor für Oberösterreich Hans Hamm er st en in- Equord zum Staatssekretär für Sicherheitswesen ernannt. nelmwehr fordert drün-weioe Staitsltatfc In einer Kundgebung der Tiroler Heimwehr wird darauf verwiesen, daß die Heimwehr zum zweiten. Male. im Lause dieses Jahres den Staat aus einer schweren Situation gerettet und einer gesunden staatlichen Entwicklung im Sinne des Korneuburger Programms des Heimatschuhes freie Bahn geschaffen habe.'. Rach Beendigung der Aktion gegen die Aufrührer werden nun schwerwiegende politische Entschliehün- gcn zu treffen sein, bei denen der Heimatschuh in Ansehung der schweren Blutopfer, die. er bringen mutzte, seine Mitwirkung forderte Die Tiroler Heimwehr erwartet, dah ihre Opfer nicht umsonst gebracht worden sind,- sondern im Zeichen der Erneuerung des Staates und datz in Zukunft die grün-weiße Fahne neben der rot-weitzen Fahne als zweite Staatsflagge über Oesterreich wehen.wird. Rfiteien" sollte befreit werden Wie nachträglich bekannt wird, versuchte in der Rächt auf Montag«in« Gruppe von ungefähr 4V Rationasozialisten da» Allgemeine Kran- kenhanS zu überfallen, um Dr. Rintelen zu befreien. Der Versuch wurde vereitelt und einige Rationalsozialisten wurden verhaftet. Dr. Rintelen ist am Montag zum erstenmal im Kranlcnhaus polizeilich vernommen worden. Sein Zustand soll sich im Laufe der letzten Nacht • I Wie in jedem Staat, in dem die legalen Gewalten von putschistischcn Banden und die verantwortliche» Staatsmänner von den zugehörigen Bandenführern abgelöst wurden, so entziehen sich auch in Oesterreich die Geschehnisse einer logischen Betrachtung in dem Sinne, in dem man die Politik eines zivilisierten Staatswesens durchleuchten und erklären kann. Ein Teil der Geschehnisse ist in Oesterreich, wie seit Jahresfrist in Deutschland, nur aus den Motiven und Treibereien der politischen Unterwelt, aus dem Spiel und Gegenspiel patriotischer und nationalistischer Gangster zu erklären. Klar scheint in Oesterreich zu sein, datz die Heimwehren und vor allem der Gcncral- staatskommissär Major Feh b c i d e m P uts.ch der Nationalsozialen von allem Anfang eine zweideutige Rolle gespielt haben. Dah es am hcllichtcn Tage zur Besetzung des Palais am Ballhanöplatz kommen konnte, datz der Putsch, rechtzeitig avisiert, nicht im Keime erstickt wurde, dah Fey untätig blieb und die Stürmtrüppe der Nazi, vorbcifahrcnd an der groben Kaserne in der Atiftkaserne und an der Kaserne der Vaterländischen Front hinter dem Kanzlerpalais, dieses zu besehen vermochten, die«jäheren Umstände.beim Tode Döllfuh, die Rolle Feys bei der Kapitaluation der Putschisten, der „Selbstmord" RintelcnS, all das sind noch sehr dunkle Kapitel der letzten' österreichischen Geschichte und sie werden vielleicht nie ganz aufgeklärt werden. An den letzten Ereignissen ist deutlich geworden, dah eS offensichtlich eine starkeRivali« tät zwischen C h r i st l i ch s o z i a l e n und H e i m w e h r e n einerseits, zwischen S ch u s ch n i g g und S t a r h e m b ergandererseits gab. Hatte lvährend des Putsche« Schuschnigg die RcgierungSgejvakt einfach an sich gerissen, so nahm sie ihm— anscheinend ohne Befragen Miklas'— Starhemberg. Samstag wieder aus der Hand..Dann gab es einen sehr aufgeregten Sonntag, crsüllt von»vieren Gerüchten. In den Kreisen um Miklas soll die Absicht be- so weit"gebessert haben,•' dah seine Vernehmung möglich war. Man hofft, durch die'Aussage»; Dr. RintelcnS," die stenographisch ausgezeichnet werden, weitgehend die Zusammenhänge des Aufstandes zu kläre»." Dr. Rintelen befindet sich weiter unter strengster Bclvachuiig auf der Klinik Professor Ranzi. Die Gerüchte über seine angebliche llcberführung in das Gcfäugniolranken- hauS sind schon deshalb unrichtig, weil der Pa- zient den Transport nicht aushalten würde. standen haben, ei» Kabinett K u n s ch a k mit Baugoin als Heercsminister zu berufen und die Macht der christlichsozialcn Partei wiederherzustellen. Daraufhin und unter dem Borwand, die Polizei' sei' unsicher, bereiteten die Hcimwchrcn einen regelrechten Putsch vor. Offensichtlich unter dem Truck der Heimwehre» wurde das christlichsoziale Projekt fallen gelassen. So ist das Kabinett ein Ministerium der H e i m w e h r e n, und zwar stärker als das letzte Kabinett Dollfuß ni o na r ch i st i s ch gefärbt. Schuschnigg hatte sich seinerzeit zur Monarchie bekannt, Starhemberg und Fey haben immer.mit der Restauration der Habsburger kokettier. ES" würde durchaus in die Politik Mussolinis passen, dah er je tz t w i e d e r einmal Otto H a b s b ii'r g aus der Versenkung, a u f- t auch en lägt, nicht um ihn wirtlich zurückzuführen, sondern Um Hitler gefügig zu machen und auch den autihgbsburgisch orientierten G ö m- bös zur Ordnung"z>n rufen, falls er eine andere mitteleuropäische Politik treibt, als Mussolini wünscht. ' Das: entscheidende Wort bei. der Berufung Schuschniggs hat ohne Zweifel. Mussolini gesprochen. ES gibt seit dem Sturz der zweiten englischen Arbeiterregierung keine Regierungsbildung in Oesterreich, zu der nicht Mussolini seine Genehmigung gebe», mutz.-Diesmal, da italienische Divisionen'marschbereite am Brenner, an der Birnlücke und im Pah! von Pontafcl stehen, ka»"n die Kabine t t s b i l d ii n.0 überhaupt nichts anderes .gewesen sein als ein B o r s ch lag M i k, l a s', a u s.dem Mussolini' dengeeigne- t e.n Man» a u s w ä h l t c. Die Ketten, mit denen der-österreichische" Triüutärstaat an den italienischen Imperialismus gefesselt ist, sind verstärkt worden.- Herr Schuschnigg wird i m N.-a m e n'M u-sfol i-n.i- Öe.st e r reich regi e r e n, dessen Volk z».vier.'.Fünfteln von diesem-Regime, nichts. wissen will. Europa darf sich nicht Wundern, wenn in nicht zu ferner Frist ein« neue Welle der Revolution auch diese La- kaicndittaiur hiinvegspülcn wird. neue der DcafMhMrderiidici Md KimmiRlitn Das in wenigen Wochen beginnende neue Schuljahr sowie einige von den Schulbehörden fette schon in Angriff genommene, teils erst ge- plante Sparmaßnahmen, haben in letzter Zeit die allgemeine Aufmerksamkeit wieder auf die deutsche Schule gelenkt. Das deutsche Schulwesen in der Tschechoslowakei hat seit 1918 verschiedene Phasen der Entwicklung aufzuweiscn. In den ersten Jahren nach dem Umsturz hatten wir es mit einer bedeutender» Einschnürung der deutschen Schulen zu tust, viele Mittelschulen wurden ausgelassen, viele Volksschulklassen artsgelöst und höher orga- nisierte Schulen in nicderorganisicrte verwandelt. Einige Jahre nach dem Umsturz trat hier eine gewisse Stabilisierung ein und die wieder wachsende Kinderzahl sowie geänderte politische Ver- Haltnisse hatte»» eine Wiedererweiterung des deut- scheu Schulwesens zur Folge, die in der Eröss- nung neuer Schulen und besonders neuer Schulklassen in Erscheinung trat. Seitdem die allgemeine Wirtschaftskrise eingesetzt hat und die Ein- »»ahmen des Staates zuriickgcgangen sind, haben nun auf allen Gebiete»; der Staatsverwaltung Sparmahnahmen eingesetzt, von denen auch das Schulwesen nicht ui;bertihrt blieb. Seit mehr als einem Jahre wird über Maßnahmen verhandelt, die sowphl bei tschechische»; älv auch bei deutschen Schulen z»; Ersparungen im Schulbudgct führen sollen. Die Schulbehörde»; haben nun insbesondere aus de»»» Gebiete der Mittelschulen in den letzten Wochen zu Maßregeln gegriffen,»vodurch staatliche Lehrkräfte Vai; nichtstaatlichen Mittel- schulen, insbesondere Mädchcnmittelschulcn, abbe- rufen und anderweitig verwendet werden sollen, einzelne Mittelschulen mit anderen vereinigt und einige voll auSgcbautc Mittelschulen zu llnter- mittelschulen reduziert werden sollen. Die deutsche Sozialdemokratie hat seit eb und je der Schule ihre besondere Aufmcrksainkcit zugeincndct. Es kann nicht anders sein, als daß eine Partei, welche die Interesse»; der ärmere»; Volksschichten vertritt und welcher der Ausstieg der arbeitende»; Klasse zu verdanke»; ist, dem Schulwesen mit größter Sympathie gegenübersteht und ihren politischen Eiitsluß zur Förderung deS Schulwesens verwendet. Wir haben den Kampf der Deutschen in der Tschechoslowakei um ihre Schule»; stets mit aller Energie gesührt, in her Zeit, bevor unsere Partei i»; der Regierung vertrete»;»var, ebenso»vic seit 1929, da wir an der Regierung des Staates beteiligt sind. Dieser vo>; uns gesührte Kampf ist auch nicht ohne Er- folg geblieben und wenn dein»»ach den; Ilmsturz erfolgte»; Abbau des deutschen Schulwesens seinerzeit ein Ende gesetzt worden ist, so ist das var allen; unser Verdienst. In»-Kampfe un; den Wei- terausbau der deutschen Schule sind jedoch Schwierigkeiten entstanden, einesteils infolge der Sparmaßnahmen des Staates, die wieder aus die Wirtschaftskrise znrückzufi'ihrc»; sind, andern- teils durch den schwache»; Besuch gelvisser Schulen, ans die von der ilntcrrichtsbehördc immer hin- gewiesen»vird und»vorin die Schulbehörde die Möglichkeit von Erfparungc»; sicht. Seit Monaten nun bemüht sich die deutsche Sozialdemokratie und bemüht sich vor allen; unser Vertreter i»; der Regierung jedem Abbm» in; deutsche»; Schul- »vesen entgegenzutreten und wir weife»» dabei mit vollen» Rechte darauf hin, daß die.Verringernng der Schülerzahl in manchen Schulen-nur eine vorübergehende Erscheii»»»ng ist und daß' trotz der schweren finanziellen Lage, des Staates gerade im Schulwesen nicht übermäßig gespart werde»; soll. Dieses unser Eintreten für das deutsche Schulwesen in der letzten Zeit ist gleichfalls nicht ohne Erfolg gehlieben, wen»; auch nicht in jedem einzelnen Falle unsere Auffassung vollkommen durchgcsctzt lverdei» konnte. Die biirgerlichc»; Parteien benützen nun diese Situation, um für jede Maßnahme aus den; Gebiete des Schulwesens die deutsche Sozial- Seite 2 Dienste-, 31. 1934 demokratie verantwortlich zu machen. Wie un- sachlich von gewisser Seite vorgegangen wird, dafür ist wohl der beste Beweis, daß von bürgerlicher Seite stets nur von den deutschen So- zialdemokratcn gesprochen, aber daß niemals erwähnt wird, daß schließlich nicht Dr. Czech der einzige deutsche Minister in der Regierung ist und daß es noch einen Herrn Professor Spina gibt, der gleichfalls Minister ist. Die deutsch-bürger- lichen Parteien glauben, daß ihre einzige Aufgabe auf dem Gebiet deS Schulwesens darin bc- steht, alle- von der deutschen Sozialdemokratie zuverlangcn. Bezeichnend ist in besonderem Maße das Benehmen des Bürgermeisters von Arnau, der christlichsozialen Senators Reil. Wenn sich der Herr Bürgermeister von Arnau in besonderem Maße als Vorkämpfer des deut- schon Schulwesens aufspielt und gegen die deutsche Sozialdemokratie loSzicht, so kann cS ihm passte- ren, daß auch wir über seine Unterredungen mit den beiden deutschen Ministern Näheres er- zählen und insbesondere die von ihnt in den Ver- sammlungen herumgeschleiften ministeriellen Aeußerungen auf doS richtige Maß zuriickfüh- ren werden. Das deutsche Bürgertum hat Hoch, wie eS selbst glaubt, gegenwärtig eine große politische Bewegung, die Sudetendeutsche Heimatfront, die jüngst in Schluckenau eine große Kundgebung veranstaltet hat. Warum hat Konrad Henlein in der Schluckenauec Der- sammlung nicht von der deutschen Schule gespro- chen und warum mobilisiert er seine Hunderte von Ortsgruppen nicht, damit diese mit aller Kraft, deren sie sich rühmen, den Kampf für das deutsche Schulwesen führen? Während in der letzten Nummer des Henlein-Organs, der„Rund- schau" über die Schluckcnauer Tagung ganze Spalten zu lesen sind, wird die für das sudetendeutsche Volk wichtigere, augenblicklich aktuelle Schulfrage mit wenigen Zeilen abgetan— um den Eindruck der Loyalität Henleins dein Staat gegenüber nicht abzuschwächen. Welche Demagogie in der ganzen Frage getrieben wird, lehrt auch das Verhalten der Kommunisten, die an dem Tage, nachdem Dollfuß ermordet worden war, auf der ersten Seite nicht die Ereignisse in Oester- reich gebracht haben, sondern ihre Anhänger zuin Kampfe gegen die nationale Unterdrückung in der Tschechoslowakei aufgerufc» und die auch eine große Versammlung in Reichcnberg abhalten und sich dabei mit der Lage des deutschen Schul- wesens befassen wollte». Kein Mittel ist den Christlichsozialen, de» Heimatfrontlern und Koni- munisten genug schlecht, um nicht daraus Kapital gegen die Sozialdemokratie zu schlagen und die Sparmaßnahmen auf den: Gebiete des deutschen .Schulwesens bedeuten sür die Gegner der Sozialdemokratie vor allem auf die große antisozia- listischc Trommel zu schlagen. Die deutsche Sozialdemokratie ist sich be- wußt, in den letzten Jahren für das deutsche Schulwesen außerordentlich viel getan zu haben. Sie wird diese Arbeit unbeirrt fortsehc» und das deutsche Schulwesen wird an keiner Partei einen besseren Freund finden als an der deutschen Sozialdemokratie. Wir können nicht immer darüber im einzelnen berichten, wieviel Schulen und Schulklassen die deutsche Sozialdentokratie vor dem Zugriff nationaler Chauvinisten gerettet hat. weil wir nicht dem Gegner das Material liefern können, damft er dem deutschen Schulwesen noch größeren Schaden antue. Auch in den kommenden Wochen werden wir auf der Wacht stehen und jede deutsche Suse und jede Schulklasse mit aller Kraft verteidigen. Aufgabe der übrigen deutschen Parteien ist eS, uns in diesem Bestreben zu un- terstützen, sofern eS ihnen wirklich um die deutsche Schule und l«m nichts anderes geht. Die„Prager Preffe" beschäftigt sich in ihrer SonntagSauSgabe sehr ausführlich mit der Henleinfront. Wir entnehmen den bemerkenswerten Ausführungen die folgenden Stellen: Konrad Henlein verfügt nach seinen Angaben über zehntausende namenloser Mitkämpfer. Er hat also Zulauf. An den Evolutionsetappen demokratischer Parteien gemessen sogar einen abnyr» malen Zulauf, der lebhaft an die sprunghaften Erfolge der deutschen Nationalsozialisten erinnert. Henlein glaubt sich mit einem Wort auf dem besten Wege, der deutsche Lodgmann deS Jahres 1934 zu werden. Der selbsternannte Landeshauptmann Tr. Lodgmann hatte nach dem Umsturz im deutschbürgerlichen Lager nicht weniger Schwimmsand vorgefunden wie derselbster- nannteFührer Konrad Henlein. Mit Lodgmann ging der ganze politische Schwimmsand, der sich nach dem Zusammenbruch der Monarchie in der Tschechoslowakei entweder nicht zurechtfinden konnte öder wollte. Führerlose Leute, die in Unkenntnis der Dinge jedem Gefolgschaft leisteten, der ihnen nach dem Mund sprach. Auch Dr. Lodgmann war kein Gegner der Männer des Schützengrabens, die sich das Ende ganz anders vorgestellt hatten. Und er konnte auch mit den jugendlichen Kräften der Sudetendeutschen rechnen. Waren sie ja doch im Geist des Alldeutschtums erzogen! Was soll damit bewiesen sein? Die nachweisbare Tatsache, daß sich historiMe Umgruppierungen im deutschen Lager der Tschechoslowakei im engsten Anschluß an die außen- und innerpoli- tischcn Ereignisse in Deutschland vollziehen oder vorbcreiten. Nach dem Umsturz war die deutsche Einheitsfront in der Tschechoflowakei das politische Produkt des engen geistigen Zusammenhanges mit dem NachkricgSzustand des deutschen Reiches. Dr...Lodgmann konnte' sich jedoch nur solange behaupten, solange bei'Umschwung zur Politik oeS Aufbaus und der Pazifizierung auf sich warten ließ. Als Stresemann die Verständigungslinie ergriff und in vielen Belangen durchsetzte, begann die von Lodgmann geführte Einheitsfront zu zerfallen. StresemannS Erfolg, die Locarno- Politik, fand in der Tschechoslowakei ihren Reflex in einem innerpolitischen Locarno: es kam 1928 in der politischen Niederlage Lodgmanns, seinem Austritt aus der aktiven Politik zum Ausdruck und führte ein Jahr später zum Eintritt der zwei stärksten deutschbürgerlichen Parteien in die Regierung. Einen besonders starken Reflex fanden dann bei einem Teil der deutschen Landsleute die Bor- Eln Erfolg unserer Partei 9n feen letzten Tagen wurde die Ritteilnng verbreitet, daß sich unter de» Mittelschulen, denen die staatlichen Lehrkräfte entzogen werde« solle«, auch daS Mädchen- Reform* Realgymnasium in Karlsbad befinde. Wir haben erfahre«, daß eS den Bemühungen der leitenden Genossen der Partei gelungen ist, die Abba«.Maßnahmen von dieser Schule abzuwehren. gänge, die zur Hitler-Revolution führten. Der offensive Geist, den die vor bald Jahresfrist aufgelösten deutschen Nationalsozialisten in der Tschechoslowakei 1982 zur Schau trugen, ist sattsam bekannt. Die Vorgänge im Volkssport spielten sich in einer Zeit ab, wo die reichsdeutschen Nationalsozialisten auf der ganzen Linie den Entschei- Nle sollst Du mich befragen I Dr. Otto Strasser, der Bruder des von Hitler gemordeten Gregor Strasser, hatte in seiner Zeitschrift einen offenen Brief an Henlein gerichtet, in dem er sich mit der Behauptung der „Rundschall" auScinandcrsetzte, am 30. Juni seien in Deutschland lediglich ein paar Verbrecher„gerichtet" worden. Der Brief an Henlein tvar in durchaus sachlichem Tone gehalten und gipfelte in einigen dem Adressaten allerdings unangenehmen Fragen. Die Antwort, die Henlein ertellt, ist seiner würdig. Er läßt in der„Rundschau" einen gewissen f. c. eine derart zynische Erwiderung schreiben, daß sie als daS stärkste Bekenntnis zu Hitler und seinen Methoden wirtt, das man bisher von den Henleinleuten hörte. Zunächst beruft sich die Henlein-„Rundschau" darauf, daß das Asylrecht Herrn Dr. Strasser eigentlich zum Schlveigen verpflichte. Es sei selbst die Meinung unseres Ministerpräsidenten, haß der Genuß des Asylrcchteü zum Respekt vor allen innerpolitischen Institutionen und Faktoren verpflichte.(Für deren wesentlichen Teil sich die Henlein-Fascisten halten.) ' Mali' sehe sich einmal diesen Henlein genau' an!. Er. lobt den Hiller, weil dieser seine Kameraden killte. Und wenn ihn jemand stellt, der zumindest ob des persönlichen Verlustes, der ihn traf, eiil menschliches Anrecht darauf hat, wenn ihn also Otto Strasser fragt, warum Henlein Strassers ermordeten Bruder einen Verbrecher schimpft und den Mord gutheißt, dann benifen sich die Ehrabschneider und Hitlcrknechte auf— unseren Ministerpräsidenten und verweigern unter Berufung auf ein Asylrecht die Antwort, das von der Hit- lerei unter hcnleinscher Tarnung mit fröhlichem Gottvertrauen in Anspruch genommen wird. Man glaube aber nicht, daß die„Rundschau" nicht doch das Bedürfnis fühlt, eine sachliche Bemerkung z» macken: Rr. 176 dungSkampf um die Macht entfesselt hatten. Jung und der später nach Deutschland geflüchtete K r e b» riefen zwar die Demokratie an, aber erst dann, als sich die Demokratie gegen iAe staatsgefährlichen Umtriebe zur Wehr zu«HAi begann. A.' Mit der deutschen nasioncklsozinlistischrnMr- beiterpartei ist aber nicht auGder-Weist'vWVer politischen Bildfläche verschwusstzei^dem^tz^hren Aufstieg zu verdanken hatte, der ideelle Zusammenhang mit dem reichsdeutschen Nationalsozialismus. Bei dieser Blickrichtung hatte Henlein ein verhältnismäßig leichtes Spiel, als er sich bald nach der Manifestanten Turnerheerschau in Saaz zum Führer der sudetendeutschen HeimatSfront proklamieren ließ, nach denJntentionen seiner Hintermänner einer Bewegung, die nichts mehr von einer Einheitsfront wissen wollte, sondern in Analogie zu den Vorgängen im Reich diesmal aufs Ganze loSging, auf eine sudc- tendeutsche Einheitsbewegung. Trotz aller Politik scheu Bindungen, die man Henlein abgerungen hat, läßt er von seinem Ziel nicht locker und will eine geschloffene Volksbewegung aus dem Boden stampfen. Der neueste BelveiS dieser Absichten war Schluckenau. Die Analoaie mit den Zielen der politischen Gleichschaltung ist also lückenlos. Die Schriftleitung der„Rundschau" ist der festen Ueberzeugung, daß sie mit Rücksicht auf dar sudetendeutsche Volk und die deutsche Sprache überhaupt mehr als genug tut, wenn sie mtt Bedauern feststellt, daß der bisher in nnserer Heimat der deutschen sozialdemokratischen Presse vorbehaltene Mißbrauch der Sprache Goethes zu nichts anderem, als zu Angrsften gegen völkisch empfindende Sudetendeutsche nun neue ebenbürtige Förderer gefunden hat. Wir müssen allerdings Zweifel hegen, ob der Anspruch Dr. Strassers auf soviel Freizügigkeit zu recht besteht. Denn Dr. Straffer hat nur einen Bruder verloren, Henlein aber liefe Gefahr, um die Sympathien Hitlers zu kommen, wenn er, der sich aus Goethe zu berufen nicht müde wird, einen Mord Mord hieße und sich auf die Seite derer schlüge, die um der Kultur Goethes willen den Mörder auf dem Kanzlerstuhl Haffen. Wir können nicht in den Verdacht kommen, mit den Ideen Otto Strassers übereinzustimmen. Aber gerade das verpflichtet uns, die elende Niedertracht der Henlein-Leute aufzuzeigen. Sie billigen— in der Sprache Goethes— einen Massenmord und berufen sich, zur Rede gestellt, auf ihre hohe Kulturgesinnung, die es ihnen nicht gestatte, den Frager auch nur eines Wortes zu würdigen. Sie bekennen sich zu deni Mörder und denunzieren jene, die nach dem Warum fragen wegen angeblichen Mißbrauchs des Asylrechtes. Und weisen schließlich die' Frager an, sich ihre Wißbegier von den— Ministern der Tschechoslowakischen Republik stillen zu lassen. Die„Rundschau"„kann aus ihrem politischen und kulturellen Verantwortungsgefühl heraus nicht anders und nicht besser handeln, als dem schlechten Beispiel einer persönlichen Anrempelnng und eines hochnotpeinlichen politischen Verhör» das gute Beispiel nachsichtig lächelnder Zurückhaltung entgegen zu stellen". DaS Lächeln wird nachgerade zum vergnügten Grinsen über eine Demokratie, die sich solche Schurkereien gefallen läßt und der Pflege der hunnischen Mördergesinnung den organisatorischen Rahmen zubilligt. Wie lange noch? Vie Analogie mit«der Gleich schaltung Henlein und die Hintermänner 12 /y. FRITZ ROSENFELD: mA dxtutta BIN BOMAN ZWISCHEN TRAUM UNO TAO Nun stand sie dicht neben dem Brunnen. Das Wasser fiel auf ihr Haar, wenn der Wind kam; feuchter silberner Staub. Lange stand sie so, als lebte nichts um sie her, als wäre sie allein mit Sonne und Wind und dem Brunnen, als hörte sie die Männer nicht und nicht den großen Gong. Tann lief einer zu ihr, riß-ihren Kopf hoch, wollte rhr in die Augen sehen. Sie schlug seine Hand weg. Da faßte er ihre beiden Hände, zerrte sie hock), bog sie auseinander; die Helle preßte die Lippen zusammen, schloß die Augen. Ihr Gesicht war fahl und erloschen vor Schmerz. Und da wußte Pal in einem Augenblick, warum er in diesen Garten gekommen, und wo sein Glück lebte, wenn es Glück gab. Er stürzte vor: Nimm dir das Mädchen, das dir gefällt, klang eS ihm im Ohr. Jede kannst du haben, du kannst glücklich sein. Schon stand er neben der Hellen, schon saßen seine Hände an der Kehle des Mannes, der sie bedrängte, schon holte seine Faust aus, schon traf sie den Mann, daß er taumelte, hinrollte wie ein leeres Faß und mit dem Schädel an den Rand des Brunnenbeckens schlug. Nun stand Pal dem Mädchen gegenüber, in den Augen des Mädchens war der Funke Haß erlöschen, Pal trägt keine Lanze, er hat nur eine sichere,' harte Faust, die befreit. Aber immer noch brennt die Sonne trüb, denn dieses Haar ist da, diese Augen find da. Nie sah Pal so heller Haar, nie so helle Augen. Der Mann erhebt sich, blutenden Kopfs, wirft Pal einen bösen Blick zu, trollt sich fort. Bä find genug Mädchen da. Muß er die blonde Hexe sein, mit den hellen Augen und den hellen Haaren? Er greift eine Dunkle, die sich scheu an den Brunnenrand drückt. Packt sie, nimmt sie. auf den Arm, trägt sie wie ein Kind fort. Sie schreit,, hämmert mit den Händen auf seine Brust, seinen Kopf. Er lacht. Der Gong rollt, erstickt ihren Schrei, zermalmt ihren Schrei, rollt, rollt, ewig, der große Gott dieses Gartens. Pal steht mit dem Mädchen allein, feuchter Hauch weht vom Brunnen, er weiß nicht, was er sagen soll. Er fühlt, daß er da ist, um sie zu beschützen. Bor den Männern, vor dem Garten, vor dem Gong. Er weicht ihrem Aug aus, blickt zu Boden. Dann sieht er Tung-Li, mit seinem Keinen Gott, mit dem bunten Tier an der dünnen Kette. Glücklich sein. Rach so vielen Jahren der Qual, nach einer geschundenen Kindheit; glücklich sein. Da kann er auf einmal das Mädchen ansehen, Aug gegen Aug. Und er glaubt in dieser Srunde an Glück und an einen GlückSgott, der unsichtbar eine gute Hand über seinem Schicksal hält. Ihre Hand liegt auf dem Rand des Brunnen, seine Hand liegt dicht daneben. Er blickt auf diese schmale Frauenhand. Er blickt auf das zer- spellte Wasser, da» auS der Höhe niederstürzt und in zahllose Farben zersttebt. Endlos könnte man in diese» Wasser sehen. Da hört er die Stimme des Mädchen». Sie klingt leise, wie eine silberne Saite: „Ich heiße Axjutta. Wie heißt du"„ „Ich heiße Pal. Bin der Sohn eine» Hirten, jenseits der Berge." «Wo bin ich?" Pal sah in diese hellen Augen: „Ich weiß eS nicht. Jeder fragt, keiner kann Antwort geben. ES ist ein Garten, und die Männer, die ich traf, sagen, der große Gong sei der Gott deS Garten», und sie seien glücklich." Der große Gong rollte, sie verstanden ihre Worte kaum. Da sprachen sie jene Sprache, die kein Gong verschluckt: Me Sprache der Augen. „Du bist schön, Axjutta," sagten seine Augen. „Du bist ander-, als die Männer hier," sagten ihre Augen.. «Ich will dich beschützen, Axjutta", sagten seine Augen. »Beschütze mich, Pal," baten ihre Augen. Sie gingen. Ihre Schritte waren klein, aber eS war unendliche Musik in ihrem Gang. Sie gingen an Tung-Li vorüber, der auf den Stufen saß. „Der GlückSgott, Tung-Li, der GlückSgott!" ries Pal in den Gong. Tung-Li sah auf: „Fragst du noch, wo wir sind, wie wir hierher kamen?" Der Gong rollte dumpfer, rollte greller. Die Bäume erzitterten. Gelächter scholl aus den Gebüschen. Ein Kreischen, ein schriller Schrei, der jäh abritz. Starb dort ein Mensch? Zerbrach dort ein Mensch, der sich glücklich wähnte, an seinem Glück? Der Gong fraß alles, der große Gott des Gartens, der ewige Gong, der ewige Gong... Pal führte Axjutta in eines der Keinen Häuschen aus goldenen Stäben und golddurchleuchtetem tiefgrünem Laub, die unter den Bäumen standen wie Menschenhäuser am Fuß eines BergS. Axjutta setzte sich, ihr Haar war wie eine Sonne in diesem kleine^ Raum, und ihre Augen wie Sterne. Aa» zwischen ihnen lag, unüüersteigliche Kluft noch, brandende» Meer, dem niemand Zügel anzulegen vermochte, war das Geheimnis de» Gartens. Beide wußten, daß sie nicht antworten konnten, und beiden lag die Frage auf der Zunge. In allen Blicken war diese Frage: Wer lenkt unser Schicksal, wer baute diese Stadt, pflanzte diesen Garten, gründete diesen ewigen Gong der entfesselten, trunkenen Leidenschaft?' „Gib mir deine Hand, Pal"/ sagte Axjutta. Seine Finger, die schmalen Finger eine» Hirten, der nie ein Schwert erfaßt, lagen in ihrer Hand. „Du hast eine gute Hand, Pal", sagte das Mädchen.„Ich habe viel böse Hände gesehen, die nur Schwerter führen wnnten". Ihre Augen gingen über ihn hinweg: „Ich habe viel Blut gesehen. Mein Vater, meine Mutter lagen erschlagen vor mir. Meine Brüder fielen in ungleichem Kampf. Der Jüngste ...." Sie hielt die Hand vor die Augen, schwieg. «Ich habe viel Feuer gesehen", sagte ss» dann, ganz langsam.„Es fraß unser Haus, un» ser Dorf. Unsere Tiere brüllten. Es ftatz die Menschen. Mich haben sie fortgeschleift. Wenn du einer von denen wärest, die mich wegge- schleppt haben..." Pal sah zu ihr auf. Blicklos fern Ware« ihre Augen. „Würdest du mich hassen, Axjutta?" Sie sah ihn an. Aufgerissen waren ihre Augen, ganz leer waren sie, ein Abgrund lag hinter ihnen: „Ich würde dich nicht hassen können, auch wenn du wie die andern wärest."— Langsam neigte sich der Tag. Sie merkten e» nicht. Sie faßen unter dem grünen Dach von Laub, sie sahen einander an und sprachen kein Wort. Auch der große Gong erstarb. Rur die Quelle war noch da, die in der Nähe ihre ewigen Wasser geduldig in die steinerne Rinne ergoß. Wenn die Tage ihre» Leben» so verrinnen könnten, mit der gleichen Musik, au» gleichem Ursprung zu einem gleichen Ziel: Glücklich sein. Da»' Wort ging Pal nicht aus dem Kopf. Glücklich sein. Alle sagen, daß sie glücklich find'. WaS ist daS: Glücklich sein?. Und da ftagte er Axjutta, nach lange« Stunden de» Schweigen»: „Was ist da»: Glücklich sein, Axjuttn?" (Fortsetzung folgt.) Sfc.t7« DienStag, 31. Juli 1934 Stott S Militärgericht Um Mitternacht vertagt gegen Pianetta und Holzweber „Rache für Gerl I" Wie«. 30. Juli.(EPB.) Samstag nachmittag« wurde Josef Gerl, der bekanntlich zum Lode verurteilt und hingerichtet worden ist, auf de« Amtralfriedhof bestattet., Au« diesem Anlast wurden auf dem Zentralfriedhof umfassende Vorkehrungen getroffen. Rur etwa 40 Personen, darunter die Mutter und die Braut Gerl«, wurden zur Einäscherung zugelaffrn. Mehrere hundert Personen, die sich vor dem Krematorium angesammelt hatten, wurde» von der Polizei vertrieb«». Mn Kranz mit einer roten Schleife und mit der Aufschrift„Im Tode so treu, wie im Le- im* von Anzböck, dem Mitangeklagte« Gerl«, wurde polizeilich beschlagnahmt, ebenso feine Todesanzeige, die von der Familie Gerl« und sei» »er Braut stammte und auf der stand, datz er „al« Opfer seiner Ueberzeugung gestorben" ist. Als der Sarg in dir Tiefe gelassen wurde» weinten di« junge Braut und dir' Mutter Gerl« laut. Hieb« Härte man Ruse„Rache für Gerl". Daraufhin schritt die Polizei ein und vertrieb di« Trauernden. Ar Simon über Oesterreich London, 30. Juli. In Beantwortung einiger Anfragen de« Unterhauses erklärte Außenminister Sir John Simon: Es ist mir Wer die Absicht, den Böllerbundrat zu einer Sondersitzung zwecks Prüfung der Lage Oesterreichs einzuberu- fcn, nichts bekannt. Die britische Regierung verfolge die österreichischen Berhältnissc weiterhin sehr sorgfälttg, doch denke sie an keine Aktton. Der Standpunkt der Regierung Großbritanniens —> sagte Sir John Simon im Unterhaus— bleibt, soweit es darum geht, sich nicht einzumi- scken und die Einmischung anderer zu verurteilen, unverändert. Der Austenminister wurde auch gefragt, ob die Regierung von Großbritannien gemeinsam mit anderen Regierungen Schritte unternehmen werd«, um Deutschland nachdrücklich daran zu erinnern, dast die Ungehörigkeiten in Oesterreich ein Ende nehmen müssen. Sir John Simon antwortete auf diese letzte Frage nicht. Dollfuß und das„Prager Abendblatt". Denn ganz Europa Begeisterung heuchelt über die großen Taten des ermordeten österreichischen Bun- -iskanzlerS, so kann das„Prager Abendblatt" auch nicht zurückstchcn. In seiner Ausgabe vom 30. Juli ist zu lesen, daß der ermordete Kanzler „der österreichischen Oeffentlichleit im st ra h- lcndenLichteohne Mak.el erscheint". Wohl jener österreichischen Oeffentlichleit, der es in der Diktatur allein zu reden gestattet ist: den Nutznießern des saseistischen Snstems. Die andere, wurde im Feberistuchm gemacht,.Es ist dem Chef-,' redakteur des„Prager Abendblattes" dringend zu empfehlen, bei Frau Münichreiter anzufragen und auch bei Frau Walfisch Erkundigungen einzuzichn. Frau Weisse! könnte ebenfalls mit genauen Angaben über den Kanzler„im strahlenden Licht ohne Makel" Auskunft geben. Und viele, viele andere Frauen, denen Dollfuß die Männer nahm, viele Kinder, die ihre Väter verloren und viele Männern die in den Kerkern sitzen, weil sie den Fascismus des ermordeten Kanzlers bekämpft, weil sie sich gegen sein Hcnkerwütcn gestellt haben.— Warum scheut sich das„Prager Abendblatt", über den blutigen Kanzler die Wahr- h c i t zu sagen? Meint cs, die armen Leute, die eö lesen, vertrügen sie nicht? Wenn sie menschlich fühlen— nicht nur mit dem toten Kanzler, sondern auch ntit den vielen und vor allem mit ihnen, die e r auf dem Gewissen hat, werden sie den Gc- sckiMsschreibern im„Prager Abendblatt", ihr Machwerk vor die Füße werfen. Eine„Revolution und eine Revolte", erzählt die„DeutschePresse", habe Oesterreich glücklich überstanden„kann da noch jemand an seiner Lebensfähigkeit zweifeln?". ES kommt eben darauf an, was man unter Leben versteht, und ob die bloße Tatsache, daß nach dem mißglückten Experiment Dollfuß', auf den Bajonetten, zu sitzen, nun Herr Schuschnigg cs versucht, schon ein Beweis der Lebensfähigkeit eines Landes und seiner Kerrschen Cliquen ist. Die„Deutsche Presse" sollte weniger empört über die ruchlosen Verschwörer und Rebellen, weniger stolz auf die beiden Siege der„Exekutive" sein, sondern sich lieber fragen, ab es ein Beweis für die Stabilität eines Regimes, die Ordnung und die christliche Gesinnung eine« Staatswesens ist, wenn zweimal in so kurzer Zeit nur der Einsatz schwerster bewaffneter Macht den Sturz der Regierung verhindern kann. Das christlichsoziale Blatt, das die mazedonischen Zustände in Oesterreich anscheinend für ideal hält, solange nur trotz dieser Zustände Mussolinis Lakaien„regieren" können, sollte sich lieber an die löblichen Tendenzen zur Umkehr erinnern, die es in der Zeit um den christlichsozialen Parteitag geäußert hat. Damals bekannte man, daß es mit der Diktatur nichts sei, man riskierte einen leisen Tadel der Dollfußmethoden und forderte Parlament und Demokratie. Sollte cs nicht an der mit Galgen und Kanonen betätigten Abneigung der Dollfuß« und Schuschnigg-Ehristen gegen ein de- mokratisch geordnetes Staatswesen liegen, daß sie in einem halben Jahr zwei Rebellionen verzeichnen können? Und wäre es nicht zweckmäßig, aus diesem Anlaß darWer nachzudenken, ob die geordneten Verhältnisse dieses Staates, der keine fo traurigen Siege zu erfechten braucht wie Herr Fey, nicht doch der Demokratie zu dan- l c n sind, deren Erhaltung freilich kein Verdienst der Christlichspziale» Wien, 30. Juli. Bor dem Militärgerichts. Hofe» dessen Präsident Generalmajor O b e r w«- g e r ist, fand heute die erste Berhandlung statt, u. zw. gegen den Mörder des Bundeskanzler« Dr. Dollfuß, den 34jährigen Handrl«angestelltrn Otto Planetta, und gegen den Anführer de« UeberfalleS gegen da« Bundeskanzleramt, den 29jährigen Elektrotechniker Franz Holzwe- brr. Beide sind der Hochverrate««ach 8 88e, Plauetta überdies de« Morde« a« dem Bundeskanzler nach 8 134 Strafgesetz angeklagt. Knapp nach 8 Uhr erschien der Gerichtshof im Saal«. Den Vorsitz führt Oberst Kubin; öffentlicher Ankläger ist der erste Staatsanwalt Dr. Tuppy. Der Saal steht unter militärischer Bewachung, sind mehrere Abteilungen des Jnfantetteregiments Nr. 2 auSgerückt, die mit aufgepflanztem Bajonett in und vor dem Saal Aufstellung genommen haben. Zunächst werden die beiden Angellagten nach ihren Personalien gefragt. Planetta wurde am 2. August 1899 in Wisch au in Mähren geboren. Er ist nach Dien zuständig, verheiratet, Handelsangestellter und nicht Vorbesttaft. Franz Holzweber wurde mn 20. November 1904 in Wien geboren, er ist ElekttotechnAer, unverheiratet und ebenfalls nicht vorbesttaft. Staatsanwalt Dr. Tuppy erhob sodann die Anklage und erllärte nach einer Schilderung der UeberfalleS auf daS Bundeskanzleramt«. a., daß der Türhüter H e d v i k e k den Bundeskanzler durch eine Reihe von Zimmern über eine Wendeltreppe zum rückwärttgen Ausgang in Sicherheit bringen wollte. In diesem Augenblick wurden die zwei zum Gäulensaal führenden Türen eingedrückt und zehn bis zwölf Aufrührer drangen mit erhobenen Pistolen ein. Dollfuß hob zur Abwehr die Hände über den Kopf; in diesem Augenblick wurden nacheinander zwei Schüsse abgefeuert, die ihn trafen. Dann mußten die Zeugen sich mit erhobenen Händen mtt dem Gesicht gegen die Wand stellen und konnten nichts mehr sehen. Dollfuß wurde erst nach 20 Minuten verbunden; er starb gegen%4 Uhr nachmittags. Ai, der Leiche des BinwcSkanzlerS wurden zwei Schußverlehungen festgestellt. Rach den Angaben der Gerichtsärzte ist ein Schuß links am Halse eingedrungen, hat das Rückenmark durchbohrt und ist durch den Körper bis zur rechten Achselhöhle gedrungen. Der zwette Schutz drang links an der Herzseite neben dem Herzen ein und war ein Steckschuß. Keiner der beiden Schüsse war un- msttelbar. töpfich, vielmehr^ ist der. Top durch Verblutung Upgetttten.', r..., Nach Entwaffnung her Eindringlinge, die etwa um 7 Uhr eofolgte, wurde eine Menge Waffen und Munition, die von ihnen weggeworfen worden war, im Hause vorgefunden, u. a. 69 Steyr-Pistolen, 21 Bajonette, 200 Ladestreifen, 1765 lose Pattonen. Eine Reih« von VerdachtSuwwente« lenkte jedoch di« Annahme, die Schüsse abgefeuert zu haben, auf P l a u e t t a. Dieser gibt auch zu, daß er möglicherweise auch beide Schüsse Vie Grenze gesperrt Die Innsbrucker Blätter meld«, daß sich in der Rächt auf Sonntag an der bayrisch-öfter- reichischen Grenze bet Kufstein«ine Gruppe österreichischer Legionär« zeigt«, di, offenbar di, Grenze überschreite« wollte. Die Exekutive ergriff ofort die erforderlichen Maßnahme«. Jnzwichensch« trafen Abteilungen derdey.tschenRrichswehr ein, drängte« die Legionäre zurück, entwaffnete« sie und eskortierten sie nach Deutschland-»rück. Einige Legionäre, die Widerstand leisteten, wurden dabei erschossen. Die Pariser Zeitungen testen hiezu noch mstr Die Meuterei der österreichischen Legion brach unweit Kollerschlag an«. Ein«Abteilung österrrichischgr nationalsozialistischer Legionäre bereitete sich vor, auf äfterreichi- sches Gebiet einzudringen; sie stand unter dem Oberkommando de« Kepitän« Geist, eines ehemaligen Offizier« de« österreiischm Bundesheer««. Diese« Mentor» stellte« stch Mitglieder der SA.«utgegeu und es kam zu einem Tausdilb geht wieder nach Berlin Bundeskanzler Dr. Schnschnig empfing heute den Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten In«. T a»s ch i tz und teilte ihm mit, daß es I« Hinblick auf die allgemeine Lage erforderlich sei, daß er wieder die Lei- tung der österreichische« G e- saudtschaft in Berlin übernehme. Staatssekretär Tauschitz wird sogleich«ach der Uebergabe seine« Amtes an den Außenmini- ster Berger-Waldeuegg iu dm» nächste« Tagen . auf den Bundeskanzler abgegeben hat. Seine Bee- tridigong geht dahin, daß er» i ch t die Absicht gehabt habe, den Bundeskanzler zu treffen, geschweige denn, ihn zu töte«, um so weniger, als ausdrücklich di« Parole a»«gegeben worden fei, datz keinerlei Gewalttaten, insbesondere keine Er- schtrtzungen vorgenommen werden dürfe«, ausgenommen in den dringendste« Notfällen. Seine Verantwortung geht dahin, daß di« Schüsse u n- beabsichtigt lo-gegangen seien,«ögttcher- weise durch eine Berührung der Waffe durch de« Bundeskanzler selbst. Diese Verantwortung erklärte der Staatsanwalt, ist of f enb ar u n r i ch t i g. Es hat sich ein Zeuge gefunden, der angab, daß ihm Planetta nach der Tat gezeigt hatte, wie die Schüsse auf den Bundeskanzler losgegangen seien. ES ist dies der Maschinenschlosser Johann Stein. Unter den in das Bundeskanzleramt eingedrungenen Personen hat Franz Holzweber eine führende Rolle gespielt. In seinen Händen hat sich gewissermaßen bei der Durchführung der Putschattion die Leitung befunden. Er war«S, der den Kommandanten der militärischen Wache d«S Bundeskanzleramtes entwaffnet hat. Auf Anttag der Verteidigung unterbricht hier-- auf der Vorsitzende die Berhandlung bis 18 Uhr 16 Mm., um der Verteidigung die Möglichkeit einer Rücksprache mit dem Angeklagten zu geben. Rach nochmaliger Vertagung wurde um 9 Uhr 30 die Verhandlung wieder ausgenommen. Zunächst kommt der Fall Planetta zur Verhandlung. Auf die Frage des Vorsitzenden, üb er sich schuldig fühle, erklärte Planetta, datz er sich nur in dem Sinne schuldig fühl«, datz er unabsichtlich geschossen habe. Der Angeklagte schilderte dann die Fahrt zum BmvdeSkaiizleramt und wie er im ersten Stock mit etwa 12 Genossen ankam. Sie kamep zu einer versperrten Tür. Er habe an ihr ge- rüttcli und als sie cintraten, sah er einen großen Mann in einem gaiy, verdunkelten Zimmer. Er schrie ihm zu:„Hände hoch!" Im Hintergründe des Zimmers habe er noch eine zweit ePerson gesehen. Während Planetta den Mann angeschrien habe, streifte ihm irgendetwas am Arme. Dadurch sei er erschrocken: Irgend etwas stieß an seinen Arm undderSchußgingloS. .,.Auf den Einwurf des Vorsitzenden, daß diese Darstellung' unglaubhaft erscheinet, Erwiderte der Angeklagte, er habe immer nur den großen Mann gesühcn Mann gesehen. Den kleinen Mann habe er gar nicht geehen. Erst als er umgefallen sei, habe er sich über ihn gebeugt und da habe er erkannt, daß der Mann der Bundeskanzler war. ltm Mitternacht wurde die Verhandlung vertagt, da die Verteidiger plötzlich die Verteidigung niedersegten und Ex-offo-Verteidiger um diese Zett nicht aufzutreiben waren. Feuergefechte. Zwei österreichisch« Legionäre sande« bei dieser Schießerei den Tod. Im Zusammenhang mit diese» Ereignissen war eine Zettlang«ine vollkommene Verkehrs- sperre an der Grenz««ei Kufstein verfügt worden. Die durchgehend« Züge München—Kufstein —Brenner passierte« die Grenze nicht und di« Reisende» mußten umsteigen. Erst Sonntag nacht« wurde der durchgehende Zugsverkehr wieder aufgenommen, doch«erde« die Reisende« einer äußerst strenge« Kontroll« unterworfen. Deutsche> Reisende bedürsen für die Durchfahrt einer besondere« Bewilligung. Auch der Keine Grenzverkehr ist gesperrt. In der Nähe von Innsbruck kam es am Sonntag zu kleineren Zusammenstößen mit Na- ttcnalsozialisten. In Lustenau in Vorarlberg wurde ein Bombenanschlag auf die dortige Trans« formatorenstätion verübt, wodurch großer Mattrialschaden verursacht wurde. Tin zweiter Anschlag wurdck gegen dar dortige Bahnhofsgebäude verübt, wobei ebenfalls Sachschade angerichtet wurde. nach Verfi«, zurückkehren, um die Leitung der dortige« Gesandtschaft zu übernehme». Agrtment Wir Papen erteilt? SB i e», 30. Juli. Wir verlautet, wurde bereit« darüber.entschieden, datz die österreichisch« Regierung Pape« da« Agrtment erteile« wird. 20 Beamte diszipliniert Im Zusammenhang mit dem nationalsozialistischen Putsch am Mittwoch wurden etwa 20 Beamte des Bundeskanzleramtes pensioniert oder entlasse». Jean Jaurü Der erst« Tote des Weltkrieges In diesen von dauernder Unruhe erfüllten 'Tagen, in denen die Zeitungen in sensationellen Schlagzeilen fast täglich neue Schrecken berichten und niemand weiß, was inorgen sein wird, in diesen Tagen, in denen dunkle Machte heute das Ehaos entfesseln, um morgen selber von ihm verschlungen zu werden— in diesen Tagen schweift die Erinnerung um zwanzig Jahre zurück zu jenen Sommertagen des Jahres 1914, in denen die Schüsse von Sarajevo den Weltkrieg entfesselten. Jeder wußte es entweder in blindem' Rausch oder in lähmendem Entsetzen: diese Schüsse waren da« Kriegssignal. Genau einen Monat nach jenem Attentat marschierten die österreichischen und serbischen Armeen. Der Totentanz der Völker begann. Aber ehe noch auch di« Kriegserklärungen Deutschlands, Frank reichs und Rußlands Europa in Brand setzte», fielen in Paris zwei Schüsse, denen«in tapferer Mann als der erste Tot« des Weltkriege« zum Opfer fiel: JeanJauräS. Mit ihm verstummte eine letzte, mächtige Stimme des Friedens; in jäher Unentrinnbarkett nahm das Verhängnis seinen Lauf. Denn nun war auch den Friedensbemühungen der sozialistischen Internationale in entscheidender Stunde eine starke moralische Kraft entrissen; gelähmt sanken die Arme, di« dem Schwerte hatten Einhalt gebieten wollen. Es ist unwahrscheinlich, datz e» ohne den Todesstreich gegen den tapferen Vorkämpfer in dieser schon vom Blutrausch besessenen Stund« noch hätte gelingen können, die Kriegs» furie zu fesseln; daß nach diesem Mtentat alle Mühen hoffnungslos geworden waren, ist gewiß. Bis zur letzten Stunde hatte Jaurä» seine mahnende und warnende Stimme als ein Hüter des Völkerfriedens erhoben.Und deswegen mutzte er sterben k Mit ihm verlor die ftanzösische Arbeiterbewegung einen unerschrockenen Führer, der internationale Sozialismus einen seiner klügsten und feinsten Köpfe. Ssin ganzes Leben war dem Kampfe um das Glück der Menschheit gewidmet. Schon als Sechsundzwanzigjähriger bcttat der lunge Professor der Philosophie von der Univer» sität Toulouse die politische Laufbahn, die ihn an die Spitze der französischen und schließlich auch der internationalen Arbeiterbewegung führte. Ueberlieferungen seiner Herkunft— er wurde 1889 als Sohn kleinbürgerlicher Eltern in. Südfrankreich geboren— beengen als utopisch- philantropische Vorstellungen nur kurze Zeit den jungen Deputierten, der bald den Weg zum Sozialismus findet und, ausgerüstet nicht nur mit dem reichen Wissen des humanistisch Gebildeten, sondern auch der geistigen Kraft eines ungewöhnlich klugen und scharfiinnigen Denkers, sein unermüdlicher Bekenner wird. Als um die Jahrhundertwende die Drcyfns-Affäre Frankreich und die Welt aufwühlt, steht neben Emile Zola, der mit seinem mutigen„J'aecuse!" das Banner des Rechts und der Wahrheit entrollt hatte, und neben Anatole France auch Jean Jaurös in der ersten Kampflüste der„Dreyfusarden", gegen welche Ne wütende Meute der Chauvinisten und Antisemiten vergeblich anrennt. DreyfuS wird 1906 freigesprochen; das Recht hat gesiegt, und Jean JauräS. der seit 1908 Vizepräsident der Kammer ist, darf sich zu den Siegern zählen. Um dieselbe ZUt ist Jean Jauräs in der französischen Arbeiterbewegung eine stark umstrittene Persönlichkeit als Führer des als„reformistisch" bezeichneten Flügels der französischen Sozialisten, denen der radikale Flügel um Jules GueSde entgegenstcht. Taktische Gegensätze in der Beurteilung dessen, was Im Rahmen einer bürger- lich-kapitalisttschen Republik im Interesse der Arbeiterbewegung zu tun und was nicht zu tun sei, Meinungsverschiedenheiten über die Beteiligung an einer bürgerlichen Regierung» über di« Budgetbewilligung, über die Stellung zur Armee usw., hatten zur Spaltung der französischen Sozialisten in zwei Parteien geführt, die sich als „GueSdisten" und„JauröSisten" erbittert befehdeten, Es waren die Jahre grotzer theoretischer. Md taktischer Auseinandersetzungen, die auch innerhalb der deutschen Sozialdemokratie als Kampf zwischen„Revisionismus- und„Radikalismus" die Köpfe erhitzten. Und nachdem'.der berühmte Dresdner Parteitag der deutschen Sozialdemokratischen Partei im Jahre 1303 nach tagelangen heftigen Debatten mit ülnihMttzpnßss Blutiger Kampf zwischen Legionären und der Deichswehr Jgeite i Majorität gegen die»Revisionisten" entschieden hatte, hegten die GueSdisten die Dresdner Resolution' dem internationalen Sozialistcn-Kongreß von 1904 in Amsterdam zur Annahme als internationale Leitsätze vor. Auch hier entfesselte diese Resolution lange Debatten i» einer besondere» Kommission und im Plenum, in denen August Bebel, Victor Adler, Jean JauröS und Emile Vandervelde die Hauptredner waren und die auch hier schließlich zur Annahme der Dresdner Resolution führten. Waren damit die JauräSisten, denen di« Haltung dcS exsozialistischen Ministers Millerand, des alten Kampfgenossen von Jauröö, als Mitglied der französischen Regierung sehr geschadet hatte, gegen die GueSdisten unterlegen, so führten doch die Amsterdamer Debatten zu einer Befriedung des französischen BruderstreitcS durch die. einstimmige Annahme einer Entschließung für die Einheit der Partei, in der der Kongreß er» klärte, daß es in jedem Lande gegenüber den bürgerlichen Parteien nur eine sozialissische Partei geben könne, Ivie cs nur e i n Proletariat gibt, und daß cS Pflicht aller sozialistischen Organisationen sei, diese Einheit der Partei herbeizuführcn. In ihrer Folge, nicht zuletzt auch durch die in ihrer Ilcberlegenhcit auSgleichcndc Kraft Jaurös' kant cS dann auch zu einer Einigung der französischen Sozialisten unter einer einheitlichen Führung, an deren Spitze Jean JauriS als Repräsentant von unbestrittener internationaler Geltung stand. Er war ein geistiger Führer von großem Format'. Rag er in seiner Neigung zu philosophisch milderndem Ausgleich der nackten Machtverhältnisse da und dort unterschätzt und im Vertrauen auf einen„vernünftigen" Ablauf der'Entwicklung manchmal geirrt haben, so hat er in vieler Hinsicht, mit Meinungen und Auffassungen rechtbehalten, die damals heftig umstritten waren. Die Arbeiterschaft Europas hat inzwischen grausam harte Lehren darüber hinnehmen müssen, wie wertvoll demokratische Besitztümer sind, deren Wert oft zu gering veranschlagt worden ist, und mancher Gedanke in den Reden und Schriften JaureS' könnte beute erneut zu Diskussionen anregen. In der Erinnerung des internationalen Proletariats lebt Jean Jauräs fort vor allem als ein unermüdlicher, in der Tiefe seines, warmen Herzens überzeugter Vorkämpfer für Böllerfrieden und Völkerverständigung. Die Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland, vor allem zum Wohle beider Völker, zum Segen Europas und der ganzen Welt war ihm, der deutsches Gedankengut aus eigenem Studium kannte und schätzte, wie den geistigen Besitz seiner französischen Ration, mehr als. ein weltpolitisches Gebot, es war ihm Herzenswunsch eines wahren Humanisten und Sozialisten. Der Erhaltung des Friedens hat sein Streben bis zum letzten Atemzuge gegolten. Roch am Abend des 31. Juli 1914 war er im französische''. KriegSministexium gewesen', um noch in letzter Stunde seine Kraft für die Verhütung der Kata- strophe einzusetzen. Dann war er wie alle Tage in die Redaktion der„Humaniiä", damals die führende, sozialistische Zeitung Frankreichs, gegangen. Dort schrieb er seinen letzten Artikel— einen Artikel für den Frieden! Als er dann zur Erholung in später Nachtstunde im Cast du Croissant saß, schob, von der Straße her eine Hand den Vorhang des offenen Fensters, an dem Jaur-S saß, un- nierklich beiseite— im nächsten Augenblick krachten zwei Schüsse, unter denen JauröS blutüberströmt tot zusammenbrach. Raoul villain hieß der Mörder, der den großen Freund der Menschheit niederschoß; es war ein junger Student. der in fanatischem chauvinistischem Wahne glaubte und stolz sich brüstete, mit dieser heim« tückischen Bluttat seinem Vaterlande einen Dienst erwiesen zu haben. Es ist immer das„Vaterland", auf das sich die politischen Attentäter berufen, wenn sie Ideen der Menschlichkeit mit Revolverkugeln zerschmettern wollen. Der gleiche Wahn, dem Jean Jaur^S zum Opfer fiel, hat den Mördern die Waffe in die Hand gedrückt, unter deren Schüssen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, Kurt Eisner, Gustav Landauer und Hugo Haase, Erzberger, Rathenau und Theodor Lessing und ungezählte andere bis zum„Selbstmord" Erich Mühsams gefallen sind. Und wenn jetzt die Diktatoren, unfähig, überhaupt noch Ideen zu erfassen und nur noch um die ner- sönlichc Macht sich raufend, ihre eigenen Freunde von gestern, ihre Rivalen und Gegenspieler«r- mordcn oder ermorden lassen, so tun sie auch das „tat Namen des Vaterlands". Es führt eine Bkuispur vom Cast du Croissant bis in den Hof der Lichtenfelder Kadettenanstalt, wo die ehemaligen Freunde Hitlers füsiliert wnrden, und bis in das BundeSkanzlerpalaiS in Wien, in dessen Salöit' Dollfuß verblutete.. Manfred. Gerätschaft der österreichischen Arbeiter In einem Aufruf der„Arbeiter- Zeitung" an die österreichischen Arbeiter heißt eS zum Schluß: Haltet euch bereit, Arbeiter! Im stürmifchm verlaust der Ereignisse kann eure Stande bald schlagen!, Wir kämpfen nicht für die Schwarzen und nicht für die Braunen. Wenn wir ein greifen, daun nur für«ufere«ige«, Sach«!* Wir kämpfen für den Stur, der stlfeistisch« Regierung, für di« Befreiung unserer Gesäuge» nen, für die U,bergab« der Rächt in Wien an unseren BallSbürgermeister Seitz, für di« Wiederherstellung der FeeidettSrecht« des«beitende« MMt Dienstag, 31. Juli!9!kl 17«:... Roter Jugendtag msutaa Massenkundgebung der Arbeiterlügend ffllr die sozialdemokratische Partei Scharfe Kampfansage gegen die Sudetendeutsche Helmatfront Bodenbach, 2V. Juli. In dem Nein«» Städtchen Eulau bei Bodenbach fand gestem und heute, ein Treffen der sozialistischen Jugend statt, daS durch seine Massenbeteiligung— obwohl nur drei GrrichtSbrzirke anfgcrufen worden waren— eine bedeutsame Veranstaltung des Sozialistischen Jugendverbande« und durch di« ebenfalls starke Beteiligung der sozialdemokra- tifchrn Parteiorganisationen dieses piebieteS, von Alus- und Kinderfreundeformationen und der R. W. etar Kundgrbuug der Sozialdemokratie überhaupt wurde. Di« starke Delegation der Partei wurde dem Kreisparteivorfitzenden Abg. Emst Grünzner und von dem KrriSparteistkrrtSr Franz Kügler geführt. Dl« Bedeutung, die dieser Veranstaltung für die gesamte deutsche sozialisttsche Jugendbewegung dieses Staates zulam, fand ihrm sichtbaren Ausdruck in der Teilnahme des Ber- »andovorfitzenden.Karl Kern und des BerbandSfekretärS Rudolf Geißler sowie einer Reihe weiterer Mitglieder deS BerbandSvorstandeS. •.* Um gleich vornweg zu nehmen: Dieser Jugendtag war prächtig. Wir heben nicht nur die äußerst st a r k e Be t e i l i g u n g der soziali« stischen Arbeiterjugend hervor. Biel prachtvoller und erhebend ist cS, daß diese vielen Hundert von Burschen und Mädels gekommen waren, trotzdem der größte Teil vo>t ihnen seit Wochen, Monaten, ja seit Jahren keine Arbeit hat, trotzdem auch alle anderen unter dem schweren lvirtschaftlichen Druck zu leiden haben, der auf der Arbeiterjugend lastet, daß sie gekommen waren, trotzdem sie sich die Fahrtkreuzer vom Munde absparen oder weite Strecken zu Fuß oder per Rad zurücklegen mußten. Was sie konnten, haben sie gegeben, nur. um am Jugendtag teilnehmen zu können. Prächtig die Kraft, der Mut, die Jngendfrische, der alle Röte deS Tages nichts anhaben konnlcit, prächtig nicht zuletzt daS Bewußtsein, das einem bei ihrem Anblick erfüllt: Die Zukunft der Arbeiterklasse ist gesichert. .. Hier in Eulau hatten alle, die sich nicht genug tun können am Gerede von der„alten" Sozialdemokratie, Gelegenheit, zu sehen, wie leer und albern ihr Geschwätz ist. An der Freude und der Begeisterung, mit der die Führer der Partei, mit der vor allem auch derBerbandsvor- s i tz en de deS Soziali st i sch« n Fuge ndvcrban des, Karl Kern, begrüßt wurden, hätten alle eines Besseren belehrt tverden können, die so gern Gegensätze zwischen alt und jung in der Sozialdemokratie oder zwischen der sozialistischen Jugend und ihrem Ber- bandsvorstand konstruieren.— Den Wert einer solchen sozialdemokratischen Kundgebung erkennt man aber erst,.wenn man. von ihr aus in die Welt.schaut und in anderen-Staaten den FaseiS- mus wüten— aber auch wieder wanken sieht, wenn, man, um beim Eulauer Jugendtag zu bleiben, überlegt, daß zivei Wegstunden von hier, mit dem Gebiete der- Tschechoslowakischen Republik auch'Freiheit, Menschenwürde und Kultur aufhören, und die ihrer Unkultur und Roheit, in ihrer Niedertracht und Barbarei dem menschlichen Denken kaum vorstellbare Wüste deS Dritten Reiches beginnt. DaSGefühld« r Fr eudeander F r e i h ei tu n d das G e fü h l d e r Sicherheit— sind wertvolles Gu t, das die jungen Menschen von e in e m solchen I» g e n d t a g mit n a ch H aus« nehme«! rrcnciwckr mSuMlatdaM Schon nachmittag- begann das Städtchen „blau" zu werden, schon nachmittags kamen unsere Jugendlichen in ihrer schmucken Kleidung, mit der Bahn, zu Fuß, per Rad in Eulau an und erfüllten vor allem den Platz vor der Boltshalle und den Massenquartieren mit regem Leben. Ein langer Zug bewegte sich dann kurz vor Einbruch der Dunkelheit auf den Sportplatz des Atus zur Abendfcier, in welcher der Kreisvertrauensmann Heinrich Weißbach die ersten Worte der Begrüßung seitens der Kreisleitung sprach. Auf dem großen weiten Platz, den die Jugendlichen und die Eulauer Bevölkerung in dichten Reihen umstanden, begrüßten die Eulauer Organisationen mit ihren Darbietungen: Arbeitersänger trugen Chöre vor. Turner und Turnerinnen führten wirkungsvolles Fackelschwingen vor, und die S o z i a l i st t s ch e n Jugendgruppe von Steinsdorf schloß die Abendfeier mit einem S p r e ch ch o r w e r k ab. Ein gegen 800 Teilnehmer zählender Fackel- zug zog vom AtuSplatz dann hinab in di« Stadt und zur Boltshalle. smiik irini weckten Fanfaren von den Bergen herab die Schläfer des EulautaleS. Weckruf.strammer Musikzüge machte Eulaü schon am frühen Morgen wieder lebendig.— Die Nerfcucicr vereinte beim Gastspiel des Teplitzer Stadttheaters, über das wir»och berichten werden, die«eisten Jugendtagsteilnehmer wieder in dem überfüllten großen Saal der Boltshalle. Ber MeMflraöMizig Den Höhepunkt des FestzugcS bildete entschieden der imposante Dcmonstrationszng am jkpnntag«achnütttsti. Musikziige der R. L. und der Jugendgruppen, stramme und wohldisziplinierte Ordncrformationen, rose Fahnengruppen — und Jugend, und immer wieder Jugend, Burschen und Mädels in blauer Kleidung, mit roten Fahnen und Wimpeln, mit leuchtenden Augen, lange Züge von arbeitenden Männern und Frauen, AtuS in Uniform— so marschierte dicker DemonstrationSzug durch die Straßen des roten Eulau, in denen er von der Bevölkerung stürmisch akklamiert wurde. In• der KiMtcMnt an Miulplatz sprach nach einer kurzen Eröffnung durch den KreisvertrauenSmann der Sozialistischen Jugend, Genossen Weißbach zunächst der Bürgermeister von Eulau, Genosse Windrich der die sozialistische Jugend im roten Eulau namens des Gcmeinderates und yamens der großen Mehrheit der Bevölkerung begrüßte. Als er, vom roten Eulau sprechend, sagte, daß es für die Sozialdemokraten seit dem Bestehen deS allgemeinen und gleichen Wahlrechtes in Eulau noch keine Niederlage gegeben hat, da dankten ihm die Jugendlichen mit lebhaftem Beifall.— Namens der Partei sprach deren Kreissekretär, Genosse Fran» Kügler: Als wir vor einem Jahre in einer eindrucksvollen Kundgebung gegen fascistische Barbarei für Freiheit und Demokratie am Antifascistischen Jugend- und Arbeitertag in Tetschen demonstrierten, Ivar das politische Bild noch ganz anders als heute. Erinnern wir uns! Denn nichts ist dem FascismnS gegenüber verhängnisvoller als Vergessen! Ist doch eben dieser FasciSmus nichts anderes als eine einzige große Spekulativ» auf d i e Ber g e ß l i ch k e i t et n d> D ü mm- hei t der Mensch e'n. Genosse Kügler sprach dann davon, wie unsere sudetendeutschen Spießer von dent Glanz der Pa- raden und Feste im Dritten Reiche geblendet und begeistert waren von den Rilitärmärschen. die das Radio herübersandte, wie jede Rundfunkrede des von seinem Siege berauschten FasciSmus für unser gleichschaltungsbereites Bürgertum eine Offenbarung war. Kein Wort, des Protestes gegen die unmenschlichen Grausamkeiten, verübt an den Vertrauensmännern der Arbeiter, kam über die Lippen sudetendeutscher Bürger, kein Wort des Protestes stand in ihren Zeitungen. Im Gegenteil: al» wir sagten, daß in Deutschland Verbrecher Regierung spielen, da fühlten sich auch unsere Bürger beleidigt. Gen. Kögler charakterisiert dann den Hitler- faseiSmuS, der am 39. Juni 1934 selbst gezeigt hat, wie wankend er schon ist, und spricht dann von „unseren" Fascisten. Am 27. Oktober 1933 noch nazistisch; hitlerisch, fascistisch und am 28. Oktober, da hatte sich— den Seinen gibtS der Herr im Schlafe— das Wunder vollzogen. AuS den( Anhängern der fascistische» Diktatur waren plötzlich Demokraten geworden, die am Tage der Republik mitmarschieren und der Republik, die sie kurz zuvor. in ihren Liedern verächtlich gemacht hatten, Referenz erwiesen.—' Unter stürmischer Heiterkeit der Versümmlung und von ihrem Beifall begleitet, fährt Kügler fort: „DaS war rin palitischeS Akrobatenstück, vargeturnt»I« Kanrad Henlein, den„Gatt und die Geschichte" über Nacht» it au» Zufall oder Verse- den, daS ist nicht klargeftell«, zum„Führer" jene» sudetendeutschen Balkes gemacht hat, da» nicht alle wird." Stolz bekennt es sich jetzt zur sudetendetttschen Heimatfront, die nichts anderes ist als eine Front gegen die Arbeiter, die nur deshalb„neu" herge- richtet wurde, damit sich die fascistische» Bürgerlichen vor dem.energischen Zugriff der wehrhaften Demokratie.bewahren. Die Henleinfrant ist nur die Kulisse» hinter der sich FasciSmus und Arbriterfrind- lichkeit verbergen. Daher unser, und var allem»n- serer Jugend, entschiedener Kampf gegen den in der Henleinfrant getarnten FasciSmus sudetendeutscher Prägung.— Am Schluß seiner Rede ruft Gen. Kügler die Jugend zu diesem Kampfe auf, der hier ei» Kampf um den Sir» der Arbeiterklasse und um den Sazialismu» ist.- Nach Kügler sprach der Verbandsobmann des sozialistischen Jugendverbandes Karl-Kern» der die Grüße des Verbandsvorstandes überbringt. Kern gedenkt des Wiener Jugendgenossen Josef Gerl, der vor ein paar Tagen von den fästistischen Henkern Oesterreichs hingerichtet würde, und führt dann aus: Der Richter in Wien, der dem sich heldenhaft verteidigenden Josef G e r l mit der Belehrung taS Wort fiel, daß so ein Zwanzigjähriger überhaupt nichts zu sage» hätte, hat dem ganzen Bürgertum au» der Seele gesprochen. Die jungen Arbeiter sollen nach der Meinung. deS Bürgertums schweigen und nicht denken. Daß wir eine starke Bewegung haben und so große Kundgebungen veranstalten können, paßt ihnen nicht in den Kram. Und Ivenn cS ihnen schließlich auch nicht gelingt, in dieser politisch, bewegten Zeit die Jugend von der Politik fernzuhal- ten, so versuchen sie cs. nun mit der großen Gleichschaltung der Jugend, die Kanrad Henlein durch-' führen soll. Diese Gleichschaltung kann ihm aber nur bei der Turnerjugend und bei jener hündischen bürgerlichen Jugend gelingen, die sich das Denken schon längst abgewöhnt hat. Wir wissen, daß es mit dieser neu-fascistischcn sudctendeutschen bürgerlichen Jugend cbcnsotvenig eine geistige Auseinandersetzung geben tvird, wie früher mit der Hakenkreuzjugend, daß wir an» besteig daran tun, unsere Kampfkraft zn. stärken nnd uns bereit zu halten, dieser Henlein« Jugend mit jenen Argumenten entgegenzutreten, die ihr allein imponieren. DaS Bürgertum hofft nun, mit Konrad Henlein die sudetendeutsche Arbcüer- betvcgung Niederschlagen zu können. Sie spekulieren auf die„innere Schwäche" der Sozialdemokratie.— Aber gerade ans dieser Kundgebung, die die Verbundenheit der sozialistischen Jngend mit der sozialdemokratischen' Parkei so sinnfällig zum Ausdruck bringt, Ivollen wir Veit Heimatsrontleutcn sagen,- wie wenig begründet ihre Spekulation ist. Die jtmge Generation steht nicht, nur treu zur sozialdemokratischen Partei, diese junge Generation schult sich in der Partei rind an der Partei, um einst Richter i» sein über jene, die heute den Mord an unseren Kameraden loben» um einst abzurechnen mit jenen, die sich hier freuen, tvenn anderswo unsere Freunde gemordet werden. Die Jugend der Arbeiterklasse kann nur befreit werden, wenn die Arbeiterklasse überhaupt befreit wird. Am nächsten Sonntag, so sagte Kern weiter— wird es auch international zum Ausdruck kommen, daß die junge Generation in der Arbeiterklasse stark ist. Am Internationalen sozialistischen Jugendtreffen in Lüttich am 4. und" 5. August wird man sehen, daß das jnnge sozialistische Europa trotz FasciSmus«ine Macht ist. Wir wollen zum Au>tz druck bringen, daß wir hier in diesem Lande treu zur Sozialistischen Jugendinternationale stehen, zuversichtlich und froh und stolz darauf sind, daß die Entwicklung, die die fascistischen Diktaturen jetzt schon wieder wankend macht, unserem Kampf, unserem Streben recht gibt. * Nach der Rede des Gen. Kern begrüßte noch Gen. Jäger- Eulau iin Namen der sozialdc- ntokratischen Organisationen die Kundgebung. Mit der„Internationale", gespielt vom Mlisikzug der R. W. Bodenbach, fand die große Kundgebung, an der weit mehr als tausend Leute teilnahmen, ihren Abschluß. - f(.l4«Bi üJ&J Der Nachmittag vereinigte jung und alt zu frohem Festtreiben im Volköhallengarten. Aus dem Nachmittagsprogramm sind besonders dir Vorführungen der Eulauer' Arbeitersänger hervorzuheben. Beim Sdiliiftappcll am Spätnachmittag,'sprach Gen. Geißler über die unmittelbar bevorstehenden organisatorischen Aufgaben.— Damit fand der Jugendtag seinen offiziellen Abschluß, die Jugendlichen selbst blieben noch biö zum Abend in Eulau und auf dem Fcstplätz. ssiu dec flrbeiler-Turn- und SporüMniigwig Das erste Rundrennen über 100 Kilometer Auf der Bczirksstraße NiedcrgeorgeNtal— Johnsdorf führte am Sonntag voriger Woche der Kreis Teplih-Saaz des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer-Verbandes(Arnk) ein Rennen Uber 100 Kilometer auf der 9.9 Kilometer langen Rund- strecke durch, welche e l f m a l durchfahren werden mußte. Am Start loaren neun Fahrer erschienen. Schönfelder(Komotau) der bei der Olhm- piade in Prag bereits seit» gutes Können unter Beweis stellte, nahm sofort nach dem Start die Spitze und absolvierte die ersten vier Runden in fabelhaftem Tempo. Seine Zeit für die erste Runde betrug 14 Minuten. DaS Fahrerfeld zog sich deshalb sofort auseinander. Das scharfe Tempo und die Hitze trugen dazu bei, daß nach fünf Runden nur noch vier Fahrer im Nennen waren. Schönfelder mäßigte später das Tempo und wurde von I u st(Kroch- Witz) und Fleischer(Ratsch)' eingeholt. Gemeinsam nahmen sie dem vierten Fahrer K r o h(Komotau) eine Runde ab. Die letzte Runde nahm einen äußerst spannenden Verlaus. Zuerst führte Fleischer, dann übernahm Just das Komnmndo, der mit Schönfelder Fleischer bald einige hundert Meter zu- rückließ. Da legte aber Schönfelder los und gewann im Endspurt sicher. Das Rennen war dar erste lange Rennen, das die Fahrer bestritten und die erzielte Zeit ist unter diesen Umständen ganz hervorragettd. Das erzielte Stundenmittel beträgt 89 Kilometer 159 Meter. Auch propagandistisch wirft« diese Veranstaltung ungemein, denn Huttderte von Zuschauern, hatten sich an der Rundstrecke eingefunden. Die Ergebnisse: 1. Schönfelder(Komotau) 3:19:99 Stunde». 2. Justi(Krochwitz) 4:19:95. 3. Fleischer(Ratsch) 8:29:92; 4. Kroh .(Komotau) 8:42:90. Fünf Fahr« aufgegchen. Sette 5 DienSt««, 31. Juli 1934. Ein politischer Einbruch der Bewölkung und Erwärmung.. Im Nordosten'noch strichweise Schauer.— WctterauSsichten für Mittwoch: Im ganzen schön, im Westen und Süden der Republik sehr warm. der gewohnte Mangel an Takt, der di« Reinkul- tur der„germanischen Rasse" auszeichne..— So wenig berechtigt die italienischen Fascisten sind, über ihre deutschen Brüder zu Gericht zu sitzen, so bezeichnend mag es doch sein,, doch die Barbarei Stufen erreicht hat, wo der eine Schlächter sich mit Entrüstung vom andern abwendet, weil er im Grunde vor dem eigenen Spiegelbild erschrickt. Der Schriftsteller Ernst von Wolzogen gestorben. Am Montag früh starb in München der bekannte Schriftsteller Ernst Freiherr von Wol- zogen im 79. Lebensjahre. Schon in seiner Ju» Versuchter Menschenraub Der 29jährige Franz Wachaus und der 26jährige R. D o s p i e l wurden in ihrer Wohnung in Görkau verhaftet und gestanden bei der Einvernahme, daß sie einen sozialdemokratischen Emigranten über die Grenze schaffen wollten. Auf den Kopf des Emigranten ist in Deutschland eine Belohnung von 4000 UL ausgesetzt und die beiden machten sich Hoffnungen, daß e« ihnen gelingen könnte, den Emigranten in betrunkenem Zustande bei Katharinaberg, über die Grenze zu bringen. Sie wandten sich an einen Schuldiener in Katharinaberg, der ihnen die genaue Beschreibung des DkanneS verschaffen sollte. Da dieser aber auch Hakenkreuzler ist und den Emigranten nicht kannte', wandten sie sich an einen anderen Herrn. Dieser ließ jedoch dem Bedrohten sofort eine Warnung zukommen und so mißlang glücklicherweise der scheußliche Plan. Dublin» Hauptstadt vor dem Streik Dublin, 30. Juli. Die Hauptstadt de» Irischen Freistaat«» ist von einer Streikwelle bedroht. Abgesehen von dem Au»stand der Drucker und der Scher, der die Hauptstadt ohne all« Fettungen läßt, erklären nunmehr auch die Straßenvahn-! und Autobusangestellten, daß auch sie.yom! 4. August 1934 ab feiern werden. Da»'gesamte Personal der Wäschereien von Dublin^beabsichtigt, ebenfalls die Arbeit niederzulegen. Die Angestellten der Eisenbahnen weigern sich, mehr Exemplare der englischen Tageszeitungen zu befördern, als. vor dem Streik geliefert wurden. Unternehüiende I Deutschland geboren, aber, italienische StaatSbür» Zeitungshändler nutzten die Gelegenheit au» und gerin und im Besitze eines gültigen italienischen verleihen eiiglische Blätter für zwei bis drei Pen« Paffes. Das Turiner Blatt knüpft an die Meldung für je eine Stunde aus. Daraufhin hat der Trans* ein« überaus scharfe Kritik der Nazibarbaret, die Portarbeiterverband die Beförderung englischer l eine völlige Absage an die gesamte Geschichte der Zeitungen in Dublin und in den Provinzstädten Menschheit und ein Bekenntnis zur Herrschaft der völlig verboten. I Materie über den Geist bedeute: Das geschehe im Lande Kants und Beethovens. Di« Bürger Deutschland» werden wie das Bieh behandelt und -registriert. Es sei aber besonders grotesk und em« beim Bruder de» gewesenen Minister» LhautempS. pörend, daß die angeblich eugenetische Maßnahme Vari», 80. Juli. Di- heutigen Zeitungen einer Italienerin vollzogen werde Es sei daS bringen eine Nachricht über«inen Einbruch in die W» NA Billa Peter ChautcmpS im Departement Unter-Loire. Der Tourser Advokat Peter Chan» temps, ein Bruder des ehemaligen französischen Ministerpräsidenten K a m i l l ChautempS wurde in der Borwoche vom parlamentarischen Untersuchungsausschuß wegen der Stavisli-Unterschla» gungen verhört. Seine Einvernahme hatte allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Die Blät ter bemerken hiezu, daß es nicht auSgeschloffen sei, daß die in die Billa eingedrungenen Räuber den Versuch unternahmen, einige politische Belege zu vernichten; gleichzeitig bemerken jedoch die Zei-Igend erfüllte ihn größte Liebe zum Theater. Er tungen, daß eS an Hand der ersten Ergebnisse der studierte Literaturwissenschaften und wandte sich Untersuchung noch nicht sicher erscheine, ob die» zunächst der Schriftstellerei zu. Um 1900 machte auch tatsächlsch geschehen, ist.' 1“ Das erste weibliche Opfer der deutsch« Sterilisation— eine Italienerin! Die„Aazetta del popolo"(Turin), zittert eine Meldung.de« „Lavoro faseista" aus Berlin,'derzufölge dieerste Frau, an der in Deutschland laut Gerichtsurteil die Sterilisation vollzogen wurde,«ine Italienerin ist. Sie heißt Rosa Lab r io la, ist 1893 in der besten Schilderer und Kritiker der Jahre 1898 bis 1910. Mit viel Humor, aber auch wohlgemeinter Satire schildert er di« Menschen jener Zeit, die satt und mit sich zufrieden waren. Der Weltkrieg hat der 60jährige als Landsturmoffo- zier im Schützengraben mitgemacht. Di«»rotzen Waldbrände bei Marseille, die bereits einige hundert Hektar Wald zerstört und schon die Umgebung von Marseille bedroht haben, wurden endlich beivältigt^ Einige Personen erlitten leichte Brandwunden. In der Nähe von Konstanza havarierte ein F Explosion im Kohlenbergwerk Bereu(Kentucky), 2V. Juli. Im Lager- hau« de» hiesigen Kohlenbergwerke» explodierten an» unbekannter Ursache 37 Pulverkistrn. Zwei Arbeiter wurden getötet, 18 ander« schwer verletzt. Unruhen in Port Said.„Daily Herold" meldet aus Port Said: In Port Said kam es am Sonntag beim Eintreffen des früheren Ministerpräsidenten und Politikers, des Führer» der nationalistischen Wafd-Pärtei, Nahas Pascha, zu Zusammenstößen zwischen der Menge und der Polizei. Die Ruhestörungen begannen, als die Polizei den Kraftlvagenführer des früheren Mi- nisterpräsidentcn aus dem Kraftwagen drängte und durch eine» Geheimpolizisten ersetzte. Nahas erhob Einspruch und schließlich wurde ihm der Fahrer wieder zurückgegeben. Die Polizei ging dann gegen die demonstrierenden Massen vor, wobei eine Anzahl von Schüssen abgefcuert wurde. NahaS Pascha selbst lvnrde von einem Polizeiknüppel getroffen. Er schlug darauf den betreffenden Polizisten inS Gesicht. Acht durch Steinwürfe verletzte Polizisten und drei Schwerverletzte aus der Menge wurden ins Hospital eingeliefert. Wetterbericht. Auf' das Weiter in unseren Gegenden dürfte der Einfluß eine» kleinen Druck« hochgebietcs zur Geltung kommen, welches sich von Südwesten her nähert. Bei un» war e» am Montag nur den Südrand der Republik entlang warm; Preßburg hatte um 14 Uhr 31 Grad. In den übrigen und namentlich in den nördlichen Teilen de» Staate» treten, noch zahlreiche Regenschauer mit Abkühlung auf.— Wahrscheinli ch e»Wetter von Kinder als Mörder Ein« schuldige Mutter in einer mitschuldigen Gesellschaft. Es gibt Ereignisse, die alle unsere Illusionen in ein Nichts zusammensinken lassen. Wir haben Mütter kennen gelernt, die ihre Kinder gemordet Haden. Gibt e» das, so sagten wir erschauernd. Mütter— das war doch da» Verstehen, die Güte, die unendliche Hingabe selbst, Mütter, da» Ivar die absolute Reinheit der Menschwerdung,, an, de? alle» zerbrach, was Kritik und schließliche Abschätzung bedeutete. Unausdenkbare Entartung, so sagten wir.und hofften vielleicht, vor Gericht grausige Spulerscheinungen, rasende Megären zu sehen, die e» uns leicht machten, über die tieferen Ursachen dieser Taten hinwegzugehen. Doch so leicht wurde e» un» nicht gemacht. Es waren Menschen wie du und ich, Menschen, die nicht bösartiger und gemeiner waren als tausende und aber tausende, die nie mit den Strafgesetzen in Konflikt geraten. Ihre Verbrechen waren die Verbrechen der Gesellschaftsordnung, unter der wir leben müffen, sie waren Verbrechen der menschlichen Not, Verbrechen, die geboren wurden au» der Schmach de» Unrechts, das ein« ganze Welt mißregiert. Eine Mutter in Prag hat noch etwa» Schlimmeres getan, als ihr Kind leiblich gemordet. Sie hat ihren fünfzehnjährigen Jungen seelisch vernichtet, sie hat die Reinheit eines jungen, gläubigen Menschen geschändet und aus einem Kinde, das nicht wissen konnte, was es tat, einen Mörder gemacht. Einen Mörder, der, um Geld herbeizuschaffen, die Klavierlehrerin Malat überfiel und umbrachte. Wir hören es und faffen es nicht. Eine Mutter. die ihr Kind dazu aufstachelt, ein Menschenleben auszulöschen? Die diese» Kind mit Bitten beschwört, zu morden, die die Liebe ihre» Jungen auSnuht, um die fürchterlichen Triebe der Vernichtung in dem Fünfzehnjährigen zu wecken—? Hier hat, gerade hier, die Anarchie der Gesellschaft ihr« Mitschuld eindringlich nachgewirsen. Eine geschiedene Frau, die mit Muftrr und zwei Kindern in einer Wohnküche zusammenlebt, ist gezwungen, mit insgesamt 800 XL' im Monqt ein« vierköpfige Gemeinschaft durchzubringen. 300 XL zahlt der geschiedene Mann, 200 Xi erhält die Frau AlimentationSgeld vom Vater eben jene» unehelich geborenen Jungen, der jetzt zum Mörder geworden ist. Die Familie hungert. Aber abend» lieft man, verelendet und ausgepumpt, mit leerem Magen und heißen Köpfen blutrünstige Detektiv, schmöcker, Groschenheftprodulte einer zwar kranken, aber sehr spekulakionSsüchtigen Phantaiie. Sie hungern und träumen von Gold. Bon Millio- nem):/di«'^nbruchSgeivandt'e. GenNemen, romän* tijumlvsiteri^'ff: enser?'.achtero^ü^aücn. Ein«. Atmosphäre des Verbrechens umgibt die vier. Und die Theorie wird zur Tat. Es ist alles jo. fürchterlich kitschig wie oft daS Leben. In einem Kol> portagcheft findet Flau Luley, die Mordanstif- tcrin. daS System, de» Verbrechens, zu dem sic ihren Sohn anstiftet. Der sträubt sich zuerst. Wehrt sich, und unterliegt schließlich doch dem Einfluß dieser fürchterlichen Mutter... So werden Kinder zu Berbrechern, Mütter zu Bestien... Und keines und keine, die dazu „bestimmt" waren, Mörder und Bestien zu werden! Nichts soll ihnen ihre furchtbare Geduld nehmen, nichts diese unsagbare Mutter, die(chän- dete,'was sie unter Schmerzen gebar, rein waschen. Aber nichts soll auch uns hindern, die Mitschuld der Gesellschaft an dem grausigen Geschehen vor aller Welt bloßzustellen.—th. _....... ,t Dir Streikwelle in USA. InRewVork Fleische ist,, ist der Nacht^Utm Aqntgg Wachste sind 12.000 Zimmermaler und Dekorateure in ! Sirchl.getreteii, nist'! gellen die beabsichtigi^Lohnsi' senku'ng und BeMngerung der Arütftszen'zü pro- testieren. Bom neuen Tranöozeanflug. Der britische Flieger John Grierson, der auf dem sogenannten Nördlichen atlantischen Wege aus Großbritannien nach Kanada fliegt, ging gestern auf Island zur ! weiteren Etappe seines Fluges an den Start. Sein Hydroavion hatte jedoch einen längeren Anlauf, als der Flieger ursprünglich angenommen hatte, und erfaßte mit einem Flügel einen Fischcrkutter. .Da der Flügel der Maschine Grierson» bedeutend l beschädigt wurde, wird der Transozeanflieger sick- genötigt sehen, seinen Start etwa um zwei Wo« chen zu verschieben. Flügelloser Aeroplan. Aus Moskau wird -uns geschrieben(Taß): Auf dem Bersuchsplatz -des Zentralen Aerohydronämischen Instituts ist die erste Serie der Probeflüge des. neuen zweisitzigen Autogyrs„A—8" zum Abschluß gelangt. Nach seiner Konstruktion nähert sich der«A—8" dem flügellosen Autogyrstyp. Der Apparat entwickelte bei Probeslügen eine Stündengeschwindig- I leit von 180 Kilometern, eine Mindestgoschwindig- Unfall- Bersicherungepflicht der geschäftsreifenden Autolenker. Nach den Bestimmungen de» Nnfall-VersicherungSgeseheS müssen diejenigen Geschäftsreisenden, die auf ihren Geschäftsreisen ein Auto ihrer Firma benützen und dieses selber lenken, gegen Unfall versichert sein. Wir machen auf diesen Umstand aufmerksam, nachdem diese Bestimmungen in der letzten Zeit häufig nicht eingehalten lvnrde». „Wiener Weltkriegs-Festspiele" heih! der Leitartikel von Georg Mannheimer, der die Ermordung Dollfuß' und ihre Bedeutung für Oestcrre'ch und das Ausland in der soeben erschienenen neuesten Nummer der„Wahrheit" behandelt. Ein zur Zeit i.r Prag weilender hervorragender österreichischer Politiker stellt eine Prognose der Zukunft Oesterreichs, Justin .Steinfcld schreibt eine Weltwochenschau untere dem Motto:„Heute Dollfuß, morgen...?" Zu einer internationalen Enquete zum 20. Jahrestage des WeltkriegsgySbruchs schreiben, die. tschechoslowakischen Minister Krofta, Spina und Bradäi, sowie Otto Lch- mann-Rußbüldt und der Grazer Theologe Prof. Uhde. Der italienische Oberst Rocco Moretta schildert al» Sachverständiger mit nüchternen Worten, das Grauen des zukünftigen Weltkriege». Josef Wecht- berg, der soeben von einer Siidamerjka-Fahri zu- rückgckchrt ist, schreibt über„Zwei Gesichter de» Au». landSdcutschtumS". Ferner:„Kleine Wahrheiten", sowie die 22. Fortsetzung de»„Tagebuch» eines Reichswehrgeneralö".„Die Wahrheit" ist in allen Trafiken und Zeitungsverfchleißest öder direkt bei der Verwaltung, Prag l., Rcbolukni tkida 8, erhältlich: Telephon Nr. 601—74 und'650—01, Neueintretende Abonnenten erhalten die bereits.erschienenen Memoiren auf Wunsch gratis nachgclicsert. Haifische in der Themse'? l,„Petit Parisien" meldet au» London, daß in der Themse,-die bekanntlich bi» London schiffbar ist, zwei Haifische beobachtet wurden. Nach den Berichten der Schifter, die sie beobachtet haben wollen, sollen die Haifische drei bis vier Meter, lang getvesen sein.">- Autobus gegen Personenzug Unglück bei Brandri». Prag, 30. Juli. Am 29. Juli 1934 um 28 Uhr 12 Minuten fuhr beim Bahnübergang in Kilometer 0,521 der Lokalbahn Brande!» a. d. E. —Neratowitz der Autobus der tschechoflowakischen Slaatsbahnen Nr. D 8682 gegen die geschloffenen Eisenbahnschranken und stieß mit dem Personen» Ptg Nr. 3823 zusammen. Bei dem Zusammenstoß wurde der Autobus sehr beschädigt. Die Lokomotive des ZugeS 3823 cntgleistte. Bon den Paffa- gicren de» AutobuffeS wurden acht Personen leicht verwundet,, die nach ärztlicher Hilfeleistung in häusliche Pflege entlaffen wurden. Der Lenker de» Autobusse« wurde ernstlich verwundet. V?« Rundfunk Empfehle»»»et« mm kntneMKMU Mittwoch. .*M», Sender L.: 6: Gymnastik. 10.20: Deutsche Nachrichten. 10.25: Schallplatte». 11.08: Konzert de» Salonorchesters. 13.40: Deutscher AroeitSmarkt. 15.15: Konzert de» Prager Salonorchesters. 17.86: Schweizer Militärmusik. 18.20: Deutsche Sendung: Aktuell« zehn Minuten. 18.80: Arbeiter funk: Dr. Walter Lustig: Die Ideologie vom FÜhrertum. 18.60: Sozialinformationen. 18.66: Deutsche Prcffe. 19.40: Schweizer Musik. 22: Uebectragung au» der Schweiz. 28: Tanzmusik.— Sender S.: 14.26: Dmtsche Sendung: Kinderstunde. 16: Deutsche Preffe. - Brüun: 13.20: Schallplatten. 18.30: Arbeitsmarkt und Sozialinformationen. 17.46: Deutsche Leitung: Konzert. 18.20: Opern-Ouverturen. 19.40: Klavierkonzert.—Mähr. Ostrau: 12.80: Orchesterkonzert. 22.45: Tanzmusik. TaacsncDlKkcNoi Abgestürzter Stratosphärenballon Ne« Kork, 29. Juli. Der amerikailffche Stratasphärenballon, der am Samstag früh in Rapid City(Süd Dakota) zu einem Stratosphärenflug aufgestiegen war, ist am Samstag abend um 23.45 mitteleuropäischer Zeit bei einer Farm in der Nähe von Holdrege(Nebraska) gelandet. Der Ballon fiel in einer Höhe von etwa 285 Metern in sich zusammen, so daß die Jnsaffen genötigt waren, mit ihrem Fallschirm über Bord zu springen. Alle drei Ballonflieger kamen unverletzt auf dem Erdboden an. Der Ballon landete kurz darauf ebenfalls. Die Gondel blieb unbeschädigt und alle Instrumente waren unversehrt. Der Leiter der Expedition, Major Kepner, erklärte nach der Landung, daß der Ballon in einer Höhe von etwa 2700 Metern in seiner Hülle Riffe bekommen hätte. Einer der Jnsaffen sei auf die Hüll« geklettert und habe versucht, die Hüll« so herzurichten, daß sie als ein riesiger Fallschirm wirken und die Insassen unversehrt herabtragen sollte. Di» Met tat El«, Der Leiter der Stratosphärenabteilung der Moskauer Gesellschaft Ossoaviachim, Profeffor Ledenfli, der an dem Bau des Stratosphärenballon»„UdSSR" beteiligt war, erllärte, der Mißerfoiig der amerikanischen Stratosphärenflieger sei»ach seiner Auffassung auf di« zu großen Abmessungen des Ballons zurückzuführen.. Sein Rauminhalt habe das Sechseinhalbfach« de» russisch« Ballon» betragen.. Infolge der übergroßen Oberfläche der Ballonhülle hätten sich Falten gebildet, die später dem ausströmenden GaS nicht mehr Hall bieten konnten.- er den gewagten Versuch, das französische Kabarett das aus der Pariser Bühöme herausgewachsen ä*.mfc-f k». qa- a iti|>var, nach Deutschland zu verpflanzen. DaS von „«.***? L"E"tz"erha»e. WaS ist ihm.gegründete„U e b e r b r e t t l" hatte zunächst >aS hervorstechendste Charakteristikum einer Dik-1 einen großen Erfolg. Wolzogcns Idee wurde aber tatur? Ihr ständiges Mißtrauen, das aus dem von anderen Leuten inS Unkünstlerische gezogen ständig schlechten Gewissen kommt. Immer wer- und verkümmerte bald. Als Schriftsteller hat von !>et ihr die Diktatoren in der Oeffentlichkeit nur Wolzogen dagegen bleibenden Wert. Er war einer unter größter Bewachung sehen, Schuhhaftgefan-.'“ gene ihrer eigenen Schandtcsten gleichsam. Wenn Hitler, der Blutchef der deutschen Barbarei, zu! einem„jubelnden Volke" spricht, zieht er'stets reiwillig einen Pestkordon um sich. DaS geschieht nun nicht auS der humanen Absicht, andere vor der Berührung mit einem so suspekten Jndivi- duum, wie er eS unleugbar darstellt, zu bewah ren, sondern einzig und allein auS der blassen Furcht vor der Rache der Gepeinigten, die ihn trotzdem eines Tages erreichen wird. In Wien »»» w blutigen Afsen bi, MtI~ gSÖS SSSS» Mit der Konkurrenz m so heftigem Kampfe l,e- kamen. gen, obwohl sie im Grunde Fleisch von ihrem fleische ist,, in der Nacht zum Montag eine neue. Regierung: gebildet. Da» unheilvolle Werk des kleinen Kanzlers, den die Kugel der hsttcrfasci- stischen Terroristen traf, soll fortgesetzt werden. Die äußeren Umstände, unter denen die Medi zinmänner des Regimes das klägliche Gebilde zur Welt brachten, umbrandet vom Haß eines ganzen Volkes, das mit allen Mitteln den Weg der Be- freiung vom Albdruck der klerikal-„autoritären" Schreckensherrschaft sucht, sind typisch für die „MassenbasiS" der Diktatur. Drahtverhaue und spanische Retter waren draußen aufgerichtet, vor dem Bundeskanzleramt standen die Maschinen gewehre, bereit, ihren Segen über dem Volke von Wien auszugießen, in den Seitenstraßen versam- meltcn sich ganze Regimenter mit aufgepflanz tem Bajonett, selbst in die Wohnungen der um liegenden Häuser drangen die Angstschlotternden ein, um unter den Betten nach den agressiven Be weisen der Überschaumonden Liebe de» Volke» zu suchän. So wie in Deuffchland, so in Oesterreich! Hinter den Läufen dec Maschinengewehre ver steckt, sitzen die Usurpatoren und warten gleich. D sam auf das unvermeidliche Ende. Wobei, wie so I leit von 40 Stundenkilometern. Die höchste Flugost im Oesterreichischen, die düstere Tragik des höhe betrug 8000 Meter. Dramas vom Operettenhasten des Milieus über-1 deckt wird. Kann eS zum Beispiel etwas Grotes keres geben als die Tatsache, daß die Repräsen tanten des einen Gewaltregimes von den Rach- läufern des anderen im Namen der Volksfreiheit auf Leben und Tod angerannt werden?!„VolkL- rcgierung" hinter Drahtverhauen. Wie lange noch—? Ein sehr vergebliches Bemüh'en. Draht verhaue sind nie für die Ewigkeit gebaut. Sie haben die Eigenschaft, zu rosten. Und sie rosten sogar recht schnell—! Der König Mn Siam in Prag. Sonntag, den 29. Juli, sind in Prag König Pradschadhivok von Siam und Königin Rambai zu einem neuntägigen Aufenthalt in der Tschechoslowakei eingetroffen. Pari» unter Ameisen. Gestern ließen sich an einigen Stellen in Paris ganze Wolken von beflügelten Ameisen nieder, die besonders die be kannten Cafes auf dem Montparnaffe und in den großen Boulevards überschwemmten. In den Alpen erfroren. Die Studenten 1 Paffenberger und Kümmel, beide aus St. Pölten, ; sind auf einer Tour von der neuen Prager Hütte über den Groß-Venediger beim Aufstieg zur Badener Hütte erfroren. Die Leichen sind zu Tgl gebracht worden. Todesurteil wegen Getreidedirbstahi». Amt lich wird mitgeteilt: Da» Gericht in Leningrad!heute: Bon Südwesten her allmähliche Abnahme verurtettte vier Leiter der Getreideversorgung des~ Leningrader Gebietes zum Tode durch Erschießen wegen Diebstahl» von Getreide. Die Todesurteile wurden berett» vollzogen. Bezugsbedingungen: Bck Zustellung in»-au» oder bei Buua durch die Bott monatlich U« 1» m»rt»»aiw4<» vn. xa_ t-twat-,- w«.„^,..,,.1'.'.'„ 77 einem Knochenarm Vom Schädel fehlt die Diese Vision ist 1928 geschrieben. Felix Fechen» bach wurde 1914 als Anfanterist eingezogen. Er stand vier Jahre im Felde. Für wiederholte sehr gefahrvolle Patrouille» bekam er da» Eiserne Kreuz und wurde zum Unteroffizier befördert. Zweimal „Sosinkdemvkrnt" Anzeigen hellt der Inserierenden Konkurrenz helfen An Uniform schimmerndem Burberry im linken Lüftungsloch ein Lorbeerzweig,— sag der Held auf seinem pechschwarzen Roß und schwur Rache den Arbeitern, die wagten, ihre Rechte zu verteidigen. Auf seiner weißen Stute nahm er die Parade seines FünffchillingheercS ab und dankte der Mordbande für die»aufopfernden" Dienste, die sie in den Febcckagen dem Baterlandr leisteten. Heute steht er am Daikon des Bundeskanzleramtes und bittet seine Mördcrbande, ja keine Aktion gegen die Raziaufrührer zu unternehmen, weil sicht sein Lebe» auf dem Spiele steht I I««» gfßyeMtfsv- während d. Kerlen od. Echullahr Im Beeil»»»« UNdlniua «diel». 3t.«Inder 6—20 3. Tschechisch, Kran».. Enal. Musik, Short, Sielten, Schwimmen. Sonnenbäder slir Schwache «. Blutarme. Rhciiia-Äeilaiistalt. Prospekte gratis. 2410 und alle ihre Bütteln zu hassen. » blitzblanken Stiefeln und in schlichter des Frontsoldaten— allerdings aus mit Stahlhelm— wurde er schwer verwundet. Da», erste Mal ei« Granatsplitter in die Schulter und Oberarm daß zweite Mal drei Beinschüsse. Mit Felix standen drei seiner Brüder im Feld. Einem wurde das Bein oberhalb des Knie» abgeschossen, der zweite ist durch eine schwere Knochenverletzung 89 Prozent kriegsbeschädigt. Der Dank des Vaterlandes? Felix Fechenbach wurde am 11. März 1988 eingesperrt unr am 7. August„auf der Flucht erschossen." Neuer Weltrekord im Olympischen Stassellazf der Frauen. Die bürgerlichen Leichtathleten dei, Tschechoslowakei trugen in Prag zum ersten Male die Meisterschaft im Fünfkampf aus. Im Rahmen dieser Kämpfe wurden von den Frauen zwei Staffeln gelaufen. In der Olympischen erzielte die Staffel der Hochschülerinnen eine Zeit von 8:14.4 Min., welche besser als der derzeitige Weltrekord ist. Di» 4mal 189 Meter holte sich eine sogenannte Londoner Staffel in L9.1 Sek.; diese Zeit ist besser als der tschechoslowakische Rekord.— Den Fünfkampf gewann Knknicky(SV. der. Hochschüler Prag) mit 8685.825 Punkten. De« Leichtathketik-Läntzeckampf England gegen Frankreich» welcher in Pari» zur Austragung kam, gewannen die'Engländer mit 68.5:58.5 Punkten. Die finnischen Leichtathletik- Meisterschaften gingen diesmal ohne Nurmivor sich. Die Leistungen waren guter Durchschnitt, aber einzelne außergewöhnlich gut. Im Speerwerfen blieb Matti Järvinen mit 72.47 Meter Sieger. Die Tour de Franer, die große Radrennfahrt um Frankreich, wurde am Sonntag beendet. Sieger wurde der Franzose A. Magne. Die tschrchoslowakischen Schwimmeisterschasten wurden Sonntag in Prag beendet. Erwähnenswert sind folgende Ergebnisse: Heber 299-Meter-Frei- stiel verlvieS der Brünner Schön den Titelverteidiger Getreuer(Hagibor Prag) auf den zweiten Platz. Schön benötigte 2:28.8 Min. Jn der4mal 196, Meter-Brust-Staffel der Frauen siegte Hellas Tetschen in neuer Rekordzeit mit 6:88.4 Min. In der Klubkonkurrenz blieb Hagibor Prag mit 158 Punkten überlegener Sieger. betrogen, hat ihre ehrliche Begeisterung mißbraucht! Machthunger der Großen hat sie in den Kampf gehetzt. Besitzgier der Raffsüchtigen ihnen den Tod gebracht. „Den Heldentod", sagt ihrl Wißt ihr, Ivie man den Heldentod stirbt? Du liegst im Graben, in einem Hagel von Geschossen, Granaten schlagen ein, krepieren und zerfetzen die Leiber, verschütten die Kameraden, Es trommelt, kracht und dröhnt, als sei die Hölle los. Du liegst wehrlos dem Feuerhagel ausgeliefert; kannst nichts dagegen tun. Denkst nur immer: Wann wird's Dich zerfetzen? Wahnsinn droht langsam ins Gehirn zu kriechen: Oder: Wir haben Wilid von drüben. Dann lassen sie Giftgas ab. Die Gasmaske schützt dich. Aber da geben sie Reizga». Das dringt durch die Maske, reizt zu Husten und Niesen, verschlägt dir den Atem. Du reißt die Maske ab, um Luft zu kriegen, atmest das Gift ein und stirbst den.Heldentod". Nnd dann, wenn sie dich verscharren? Ob der Arm, den ste zu deinem Leib legen, auch dir gehört, ist nicht wichtig. Nur weg mit den granatenzerfetzten Leibern, damit die nachkommende junge Mannschaft sie nilht sicht. Ein paar große Gruben geschaufelt, zwanzig Leichen in einer Reihe und eine Kalkschicht drüber. Noch eine Reihe zerrissener Körper und wieder Kalk. So geht's weiter, bis eine Grube voll ist. Und oben drauf ein Kreuz, das Symbol christlicher Liebe. Das darf nicht fehlen. Mit dem Kreuz haben sie ja die Mordwaffe gesegnet, mit dem Kreuz in der Hand das große Schlachten zu einer heiligen Sache geniacht. Hüben wie drüben. Da gehört das Kreuz auch aufs Massengrab. Jahrzehntelang habt ihr die Jugend verhetzt. Ihr und die andern, jenseits der Grenzen. Den Krieg habt ihr den jungen unverdorbenen Gemütern als etwas Herrliches, Erstrebenswertes dargestellt. Die Kinder schon habt ihr Krieg spicken lassen, nur damit sie einst mit Hurra zum großen Schlachten ausziehen sollen für die Herren über Kohle und Eisen, für die Beherrscher de» Geldes. Und jetzt? Ein neues Geschlecht wächst heran, weiß noch nichts vom Grauen und Irrsinn des Menschenschlachtens. kennt die Verwüstungen und Zerstörungen nicht, die die Kriegsfurie angerichtet hat. Und schon preist ihr den Kommenden und Werdenden wieder den Krieg als herrliche Großtat Die jungen Gehirne werden verkleistert mit bramarbasierenden Reden und Geschichten vom Heldentod auf dem Felde der Ehre. Warum sagt ihr den Kindern nicht die Wahrheit? Die Regierungen blasen laut die Friedensschalmeien. Aber sie blasen nur deshalb sa laut, damit mau..nicht hört, wie sie neue Maschinen, neue Gistgäst herstellen Und ausstappeln. War das Millioncnsterben vergeblich? Warum sind wir gefallen» wenn nicht dazu, Euch den Wahnsinn des Krieges klar zu machen? Sagt Euren Kindern die Wahrheit!.Hämmert es Ihnen ins Gehirn, daß Krieg Wahnsinn und Verbrechen ist. Lehrt sie sich aufbäumen gegen KriegSrüstung und Bölkerverhetzung. Lehrt sie den Krieg gegen den Krieg führen! Erzieht sie zum Kampf gegen diese Geisel der Menschheit... l". Einen Augenblick war eS still. Dann wird cS lebendig auf den vielen Grabhügeln im weiten Feld. Ueberall kriecht eS hervor. Lautlos, gespenstisch, hundert, tausend» Hunderte, tausende von Beingerippen! Sie klettern aus ihren Gräbern und streben zu einander. Deutsche, Belgier, Franzosen und Engländer. Eine grauenvolle Verbrüderung der Toten. Und wie im Sprechchor aus Hunderttausen den.von Kehlen dröhnt es jetzt über das nächtliche Feld:.•>. „Nie, nie wieder Krieg!" Dann wai: plötzlich der ganze Spuk verschwunden. Ob man den Ruf in der Welt gehört hat..? Mit lässiger Geste nahm er am 13. Feber den Telephonhörer, befahl, die Kanonenmündungen gegen die Arbeiterhäuser zu richten und bedenkenlos ließ er dir Kanonen abfeuern. Damals verbrachten Gerl und Genossen unangenehme Stunden, aber sie ergaben sich nicht. Heute verbringt der offizielle Held des Maria- Theresia-OrdenS vor den Revolverläufen unangenehme Stunden und der Held— kapituliert. In Gefahr lernt man den Mann kennen. Helden vom Schlage des Fey, Karwinsky hat die Welt am 26. Juli kennen gelernt. Hans Hirth. DienStn», 31. Juki 1034. Nr. 178 Schau über das.Werk des neue» Augenblicks" ist für den 18. September 1984 geplant. Neueste Lieder von Richard Strauß und Dichtungen von Gottfried Benn sind für das Progrannn vorgesehen.— Eine unter« ! haltsame Plauderei über»Bildung und Dichttverl" steuerte Gen. Prof. Dr. K l e i n b e r g für die Montag-Sendung bei. Eine philologische Betrachtung untersuchte zunächst die Frage, wer denn als»gebildet" anzusehen sei. Ergebnis:»Wir sind um so gebildeter, je eindrucksfähiger sich unsere geistig seelische Substanz für das erweist, was auf sie formend eindringt; je feiner die Linien unseres inneren Angesichts unter dem Prägestempel Leben wurden; je mehr an Kräften und Leistungen das Leben, das Schicksal au» der Urmaterie unsere» Ich» hervorgemeiselt Hai". Die Dichtung ordnet Kleinberg den wesentlich »formenden Kräften" bei. Zum Beweis werden Storm»„Aehrenfeld der Mutter" u.Dehmels„Erntelied", als Gegenbeispiel Dreschers»Wir fordern Brot" vorgetragen. Zum Schluß gab der Vortragende den Hinweis, daß alle Kräfte der Freiheit nötig sind, die Wirkung der Bildungswerte lebendig zu erhalten; daß jeder Zwang Bildung ausschließtl — A«n Dienstag hörte man über LibUtz eine halbe Stunde Klavierhausmusik aus der Zeit der deutschen Romantiker. Kapellmeister Singer spickte mit poetischer EinfühlungSkrast Mendelssohn, Schu- bert, Schumann. Die verbindenden Worte sprach .Musikschriftsteller Janetschek. Der Künstler am Instrument und der Führer im Wort versetzten die Hörer in die fast sagenhaft gewordene schöne Zeit vor etwa hundert Jahren, da Hausmusik noch zum glücklichsten Besitz des JamilieistebenS gehörte.— In den aktuellen zehn Minuten am Mittwoch gab Dr. Walther Körthing eine Uebersicht über die. Schicksale der verschiedenen Himalaja-Expeditione», Seinen Schilderungen der ungeheuren Schlvlerigkeiten und der kaum vorstellbaren Gefahrenwelt in den Höhen über 7999 Meter folgte man mst Spannung.— Zum 29. Jahrestage des WeltkriegSauSbrncheS erinnerte Genosse Dr. Franzel in der Arbeiter- „Reine Idee stand mir höher als mein Leben." Der zum Tode verurteilte Arbeiter Gerl vor dem Standgericht in Wien am 24. Juli 1984. ES ging um da» Lebe» der beiden. Der eine wurde von einer Juri verblödeter alter Generale zum Helden des Maria-Theresien-RitterordenS ernannt, der andere von den Blutrichtern des ersteren zum Verbrecher gestempelt und gehenkt. Ritter von Fey winselte um sein Leben vor den Nazi-Anführern, die er kaum vor einer Stunde mtt»allen Mitteln" bekämpfen wollte. Ec bot ihnen freies Geleite an, wenn man ihn laufen ließe. Der»Verbrecher" Gerl wußte, daß er sein eigenes Todesurteil fällte, als er zugab, die Re-, giernng Sport• Spiel* Kfirperpllege Zwei leichtathletische Veranstaltungen der DTJ. fanden am Sonntag statt. In Prag ging die Begegnung DTJ. Kokin— DTJ. St. Byso- ö a n y vor sich. Die Koliner gewannen als die ausgeglichenere Mannschaft den Wettkampf mit 69:87 Punkten. Bei Bysaöany waren eine Reihe guter Einzelkämpfer; die übrigen werden bei eifrigem Training noch bessere Leistungen erreichen. Die wichtigsten Ergebnisse: 69 Meter: Zitek (K.) 7.5 Sek.; 499 Meter: Cerny(K.) 59.9 Sek.; 1599 Meter: Vokäl(K.) 5:58 Min.; Kugel: Zitck 19.91 Meter; Diskus: Zitek 82.85 Meter;. Speer: llerny 43.44 Dieter; Wettsprung: Goth lB.) 6.49 Meter; Hochsprung: 1. und 2. Stkibrsky(V.) und Cerny je 1.61 Meter; Dreisprung: Goth 12.87 Meter; Schwedenstaffel: Kolin 2:25.6, Vysoöany 2:88.8 Dtin.— Der zweite Vereinswettkampf fand in B e r a u n zwischen DTJ. Prag Vkl. und DTJ. Beraun statt, welchen die Prager mit 59:87 Punkten gewannen. Trotz schlechten Piatzverhält- niffen wurde guter Sport geboten. Die einzelnen E r- gebnisse: 199 Aard: Bleek(B.) 11.1 Sck.; 499 Meter: Blöck 68.2 Sek.; 899 Meter: Kuüak (P.) 2:89.5 Min.; Weitsprung: Vantuch(P.) 5.59 Meter; Hochsprung: Bantuch 1.55 Meter; DiSku»: Vezchleba(P.) 29.92 Meter; Kugel: Bezchleba 19.68 Meter; Speer: Bantuch 85.25 Meter; 4 mal 199 Meter: Beraun 56.1 Sck. Im Rahmen dicker Veranstaltung wurden auch zwei Hazenaspiele durchgeführt. Die erste Mannschaft der Prager siegte 9:6 und die Reserve ebenfalls mit 7:1. BflrgerHeher Sport Der Mitrsparup geht zu Ende. Am Sonntag wurde in Genua da» Rückspick A d m i r a Wien gegen Juventus Turin auSgetragen, da» die Italiener zwar mit 2:1(2:1) gewannen; da sie aber in Wien 1:8 verloren hatten, bestreiten die Wiener nun mit Bologna da» Endspiel. DSV. Saaz macht derzeit eine Gastspielreise im Westgau. Er gewann am Samstag in Schwaderbach mit 11:1, konnte aber am Sonntag in Chodau gegen Sturm nur ein 8:8(1:1) erzicken. I« Wild-West»»« herrscht Rahe? Vor einigen Wochen hatte die Leitung de» Westgaue» im DFB. einen llkas in der Presse veröffentlicht, der gegen die„schädigenden Auswüchse", die allsonntäglich bei den-Spielen an der Tagesordnung sind, scharf Sicklung nahm und hckanntgH, daß die Leihma mit sozusagen diktatorischen Vollmachten ausgestattet wurde, um allfällige„Zwischenfälle" im.Keime zu ersticken" und die Urheber„exemplarisch" bestrafen wird. Inwieweit diese Kundmachung auf die Vereine uiw ihre Faiwuseks gewirkt hat, ist daraus zu ersehen, daß am Sonntag in Neudek ein Schiedsrichter verprügelt worden wäre, wenn nicht ein Massenaufgebot von Ordnern eS verhütet hätte. Die völkische Mehrheit deS Wild-Westgaues schert sich toenig darum, was ihre Führer in befehlshaberischer Form in die Oeffentlichkeit posaunten.. Sonstige Fußballergebnisse. B u d w e i S: Karlsbader FK. gegen