14. Jahrgang Mittwoch, 1. August 1»34 WWWWWW^ PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DBS MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTKSN UNO VHWMWNO NA* Xll„ ROCHOW» tt. wra»M7. AOMlNMTtATtCN HWM OtM, HERAUSGEBER i SIEGFRIED TAV». CHEFREDAKTEUR, WHHELM NIESSNER. VERANTWOMMCHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Hindenburg im HWßen? Professor Sauerbruch an seinem Krankenlager—Kabinettsrat nach Berlin einberufen Planetta und Holzweber hingerichtet 1622z« •••—— I*•#*-*•*. VVHV|VI. IL'Ul'VlIl, VW IVIIIIL VUI Fey habe zweimal sein Soldatenehrenwort für die' Bedeutung und Kraft haben. Hitler seinen Urlaub abgebrochen und alle berufen hat. mit, dass keine Meldung vorliegt. Der KrankheitSznstand ist gleich geblieben, so dass heute kein Bulletin. weiter auögegeben wurde. ES sei richtig, daß man' auf alles gefaßt sein müsse, doch spreche nicht- dafür, daß heute eine Verschlimmerung im Befinden eingetreten sei. Der Irrweg des Fascismus Kandidaten: Als Kandidaten werden in Berliner Kreisen u. a. genannt: Marschall.M a ck e n s e n und der ehemalige Herzog von Braunschweig Ernst A u g u ft, rin Schwiegersohn deS Exkaisers Wilhelm. Der Warne des ehemalige» Kronprinzen, der in zahlreichen früheren Kombinationen in: vorigen Monate genannt wurde, wird vorläufig BO Bulletin hatte folgenden Wien, 31. Juli. Dir Verhandlung vor, dem Militärgerichtshof gegen den Dollsußmörder P l a n r t t a und den Führer der Putschisten, H 0 l z w e b e r, die heute um v Nhr fortgesetzt wurde, endete um 13 Uhr 40 mit der Verurteilung beider Angeklagte« zum Tode durch den Strang. DaS Gnadengesuch der beiden wurde abgelehnt und ihre Hinrichtung um 10 Uhr 35 vollzogen. Zuerst erfolgte die Hinrichtung Holz- weberS, der nach der Verkündigung des Urteils rief:„Ich sterbe für Deutschland, Heil Hitler!«' Auch Planetta rief vor der Justifizierung„Heil Hitler!". Beide haben biS zum letzte« Augenblicke vollständige Ruhe bewahrt. Holzweber und Planetta hatten geistlichen Beistand verlangt. ES erschien deshalb in der Armesünderzelle ein katholischer und rin evangelischer Seelsorger. Auch die beiden Frauen der zum Tode verurteilten Putschisten waren erschienen,'um von ihren Männern Abschied zu nehmen. Am Schluffe der Gerichtsverhandlung hatte Planetta Habtachtstellung eingenommen und di« Frau deS Bundeskanzlers Dollfuß um Verzeihung seiner Tat gebeten. * In der gestrigen Verhandlung hatte Planetta noch erklärt, daß seine Gruppe die Regierung gefangen nehmen wollte; dies sei ihn; anbefohlen worden. Zum Schluß betonte er nochmals, daß er nicht die Absicht gehabt habe, den Bundeskanzler zu erschießen^ sondern nur eine Person, die er schattenhaft in dem verdunkelten Zimmer gesehen habe. Er bleibt oabei, daß nur durch seine Aufregung oder durch einen anderen unglücklichen Zufall die Waffe'losgegangen sei. Abschließend erklärte Planetta: Nicht nur vom politischen Standpunkte halte ich die Tat für verfehlt, sondern auch vom rein menschlichen Standpunkte aus tut'es mir leid;'daß ich den Bundeskanzler cr- schössen habe?• Holzweber erklärte sich nur insofern schuldig, als-er'in das Bundeskanzleramt eiützedrnngen fei;! eine gewaltsame Handlung habe er dort n i ch t vollbringen wollen. Er habe nür den Auftrag ge- habt, kn» Namen i des Bu.ndes;p.räfi»! besten, die dort befindlichen RegierungSMit- gliedcr zu berhafken.undhaLe geglaubt, daß''die ganze Angelegenheit leg al'sei/da schon eine neue Regierung Rintelen gebildet sei. Mm: habe ihnen weiter gesagt, daß die Exekutive auf ihrer Seite, sei. boten. Die fragliche Nummer wurde beschlagnahmt. Dem verantwortlichen Schriftleiter wurde sofort bis auf weiteres die Pressekarte entzogen. Das Blatt hatte erklärt, daß Erwägungen über die Nachfolge auf dem Präsideutenstuhl ü l> e r fl ü s s s i g seien, da das Schicksal des deutschen Volkes nnd damit auch jede Entschließung in einer Hand Luhe, nämlich in der Hand des Reichskanzlers Hitler. Die Verfassungsartikel, die sich auf den Reichspräsidenten beziehen, bestehen aber noch und diesen zufolge müßte der vorläufige Nachfolger des Präsidenten der Vorsitzende deS Obersten Reichsgerichtes Dr. Bumke werden, der ans dem Reichstagsbrandprozeß bekannt ist. Der definitive Reichspräsident müßte dann aus einem Plebiszit hervorgehen. Die. von der Verteidigung gestellten Anträge, ;tic. die Frage des freien Geleites betrafen,, wurden vom Gericht, als irrelevant, abgelchnt. Der Staatsanwalt erklärte, die Erklärungen über däs freie. Gclejte. seien nur durch unerhörte Gewalttätigkeiten erpreßt worden.. In seinem" späteren Plädoyer Ivies der Staatsanwalt daräüf hin," daß alles auf einen Bürgerkrieg abzielte:- ,,Nn Fünkchei» hätte genügt und wir hätten . fremdes Milnät nnd fremde Mächte in unsekem . Lände gehabt" Von Abolition könne keine Rede sein. Durch unsägliche Gewalttaten sei das Versprechen abge- preßt wövden; cs könne daher keine moralische Einhaltung des freien Abzuges gegeben, an den keine Bedingung geknüpft war. Hieranf wird der Held Fey selbst als Zeuge einveruommen. Er redet sich auf Ncustädter-Ttürmer aus, der die Verhandlungen geführt habe; über die Bedingungen des freie» Geleites fei er nicht orientiert gewesen. Ans die direkte Frage des Verteidigers, ob er sein Wort gegeben habe, daß die Aufrührer freigelassen werden, behauptet Fey, weder sein Wort, noch sein Soldatenwort(welche seine- Unterscheidungl!) gegeben zu haben, tocil er angeblich keine Vereinbarungen treffen tonnte. Er habe lediglich als Dolmetsch fungiert. Die Aufrührer hätten ihn gefragt, ob sie siche« sein könnten, daß die Vereinbarungen eingehalten werden, worauf er erklärt habe, er glaube, daß sie sicher sein können. Staatssekretär K a r w i n s k y erklärt, das Geleite' sei' nur unter der bekannten Bedingung gewährt worden, daß kein Minister am Leben gefährdet oder geschädigt wird. Minister Neustädter-Stürmer modifiziert dies dahin, daß die Bedingung gelautet habe, daß von dem Moment a n bis zum Abzug niemandem etwas geschehe. Allerdings sei der-Tod deö Bundeskanzlers damals noch nicht bekannt gewesen. Beim Abzug der Putschisten sei Minister S ch u s ch- n i g g im Bundeskanzleramt erschienen und habe erklärt, der. Tod des Bundeskanzlers schaffe eine vollkommen neue Situation. Dienstag vormittags wurde als letzter Zeuge der Kriminalbeamte Steinberger einvernommen, * Berlin, 31. Juli. Heute vormittags wurde die Öffentlichkeit durch die Nachricht von dem besorgniserregenden Zustand des 87jährigrn Reichspräsidenten alarmiert, an dcffcn Krankenlager Professor Sanerbrnch aus Berlin und andere Aerzte weilen. Allem Anschein nach ist ernsthaft mit dem Ableben Hindenburgs zu rechnen. Die Frage, wer sein Nachfolger wird, kann infolge der hohen Bedeutung, welche namentlich der dem Reichspräsidenten znstehende Oberbefehl über die Wehrmacht gerade unter den jetzigen-Verhältnissen hat, auf die weitere Entwicklnug in Deutschland großen Einfluß nehmen. Daß auch Hitler bereits mit dem Tod Hindenburgs rechnet, geht daraus hervor, daß ’?*,, 7-" 7 Reichsmmkster zu einem Kabinettsrate ein- Der stärkste Zutrciber des Fascismus war die Ratlosigkeit der Bielen gegenüber der Bc- drüngnis, in die sic durch die Krise des kapitalistischen Wirtschaftssystems geraten sind. Selbst die Aussicht, das wertvolle Gut der Freiheit zu verlieren, konnte sie von der Begeisterung für ein fascistischcs Regierungssystem nicht heilen, den» war schien ihnen Denk- und Meinungsfreiheit, wert, da Verschuldung, Arbeitslosigkeit und Exi- stenzunsichcrheit sie bedrückten. Sic glaubten, sie hätten nichts mehr zu verliere» und die sasci- stischc Demagogie, die mit verschwenderischer Freigebigkeit Befreiung von der Zinsknechtschaft, Streichung aller Hypotheken, Brot und Arbeit in Ucberfiille versprach, konnte sie leicht in ihr Netz locke». Anstatt niit dem Begriff KapitaliS- MUS verbanden sic nut dem Begriff Demokratie die Ursache ihrer Nöte und Leiden und selbst die Skeptischeren glaubten, schlechter könne es ihnen auch in einer Diktatur nicht gehen. Von eigenen Sorgen gedrückt, waren ihnen die Kämpfe der proletarischen Parteien, die sie meist gar nicht verstanden, zuwider, erfreulicher erschien ihnen ein Zustand, in den; ein Einzelner, der von der Vorsehung gesendete Diktator, ihnen alle Sorge nm die Lenkung von Staat, Wirtschast und ihres eigenen Schicksals abnahm rind rasch alles einem guten Ende zuftihrtc. Wie schon oft in der Weltgeschichte, da aus Verzweiflung der Glaube an das Wunder ge- baren wurde, war cs auch dicünral ein Wunder- glaube, der ihnen verheißungsvoller erschien als daS Wirken der durch freie Bolkswahl eingesetzte» Regierungen nnd Parlamente. Es war der Glanbe, der weise Diktator werde als alleiniger Lenker deS Massenschicksals wie das jedes Ein- zelnen durch seinen ungehemmten Willen Reckst, Ordnung und Wohlstand sicherer verbürgen, als cs das bisherige„System" vermochte, dem die sascistische Agitation heuchlerisch die Schuld a» allen Nebeln zuschob. So hatte der Fascismus lange Zeit gutes Wetter. Da die Völker und Massen recht handgreiflicher Gründe bedürfen, damit sich ihre Begeisterung in Abneigung ver- wandle, schien die Aufklärungspropaganda gegen ihn, so notwendig sie war, wirkungslos. Auch Erwachsene, besonders wenn sie einer Massen- Psychose erliegen, sind oft wie Kinder, nicht Worte mache» sie klüger und vorsichtiger, sondern ledig- lich die eigene schmerzliche Erfahrung. Im Norden und Süden von uns sind bin- nen Jahresfrist zwei neue Diktaturen entstanden und die Besorgnis, bald werde die sascistische Welle auch über die noch demokratisch regierten Staaten Europas dahingehcn, schien berechtigt. Dieses Jahr des stürmischen Aufschwungs des Fascismus hat aber auch zugleich seine Vergäng- lichkeit bewiesen. Er mag kürzer oder länger seine Herrschaft fristen, er mag die mittelalter- lichstcn und grausamsten Methoden zu seiner Er- Haltung anwendcn, heute bereits besteht die Gewißheit, daß er dein Untergang geweiht ist. Ob er sich bei seinem Machtantritt auf eine Massenbasis stützen konnte wie in Deutschland, oder ob bloß auf den Besitz von Kanonen und Maschinengewehren und auf der Sehnsucht gewisser bürgerlicher und monarchistischer Kreise nach Wiederherstellung der früheren Vorherrschaft des. Besitzes wiie in Oesterreich, die Bröcklichkeit seiner Grundlagen hat sich hier wie dort eklatant erwiesen. Daß der Fascismus kein einziges der Staätsproblemc zu lösen vermochte, nicht einmal Ansätze, dazu erreichen konnte, ja das; jeder Ver- gleich ergibt, mn wie viel erfolgreicher die demo- kratisch regierten. Staate» mit. diesen Problemen ringen,.das allein hätte den Entwicklungsprozeß trotz des bitteren'Erwachens vieler von der fasci- stischcn Phrasologie Berauschter nicht genug bö- schleunigt, denn noch immer finden sich viele Menschen bereit, ihm eine weitere Chance zu geben nnd aus eine fernere Zukunft zu hoffen. Was das autoritäre System tödlich trifft, daS ist Das alarmierende; um 9 Uhr ausgcgebcne*"" Wortlaut: Der Herr Reichspräsident, der feit einige:» Monate» an einer Blasen erkrank« ng leidet; hatte in dtcndeck wesentliche Erholung gefunden. In völliger geistiger Frische nnd erfreulicher lörperlicher Verfaffung erledigte er seine. Dienstobliegenheiten und war noch gestern ft» der Lage, Vorträge entgegenzunehmen. Eine leichtekör- p e r l i ch e Schwäche, die seit einigen Tagen sich beinerkbar machte, hat jedoch in dieser Nacht zugenommen. Bei dem hohe:» Alter deS Herr:» Generalfeldmarschalls ist daher ernste Sorge vorhanden^ Die behandelnden Aerzte sind in Reu- deck anwesend; fortlaufende Berichterstattung wird folgen. Ein späteres Bulletin besagt: . Der Herr. Reichspräsident nahm am Vormittag Auen Morgenimbiß außerhalb des BetteS zu sich. Hierbei war er voller Teilnahme für seine Umgebung. Rach Rückkehr in daS Bett ttat ein ruhiger Schlaf ein. Fieber ist nicht vorhanden. Puls kräftig, zahlenmäßig erhöht. Gez. Prof Sauer- vruch mit Dr. Kraus, Dr. Adam, Profeffor Kaufmann. Um 17 Uhr-16:> Im. Zustand des Reichspräsidenten ist keine Verschlechterung eingetreten. Zu Mittag erfolgte eine geringe Nahrungsaufnahme. Kein Fieber. PulS zufriedenstellend. gez. Prof. Sanerbruch. Der Reuterkorrespondent meldet am Abend aus Berlin': Sofort nach.Eintreffen der alarmierenden Nachrichten über den Gesundheitszustand deS Präsidenten' von Hindenburg hat ReichSkän-ler Hitler sämtliche Mitglieder, der ReichSregierung nach Berlin einberufen. Die' letzten Nachrichten anS Neudeck besagen, daß das.Ableben des Reichspräsidenten je d e n A n g e n-b l.i-ck^ erfolgen'könne.' Kun’ vor BlattschluB:,? Unverändert ernst Auf eine gegen Mitternacht vom Tschecho- stowatischen Pttffebüro gestellte Anfrage betreffend das Befinden deS Reichspräsidenten Hinden- Emi teilt das Deutsche Nachrichtenbüro in Berlin Ein„taktloser“ Kommentar und seine Folgen Die„Deutsche Zeitung" tvurde wegen eines zu der Erkrankung deS Reichspräsidenten herauS- gegebenen„taktlosen Kommentars";in ihrer. Abendausgabe vom 31. Juli auf acht Tage ver-1 nicht angeführt. «Seht 2 Mittwoch, 1. August 1934 SK. 177 f die durch die letzten Ereignisse in Deutschland sc», wohl wie in Oesterreich rapid gesteigerte Erkenntnis, daß eS nicht eine neue und bessere Ordnung der Welt bringt, sondern daS Produkt einer Pestseuche ist, die Mord. Totschlag Verbrechen, Korruption und ständige Unruhe züchtet, Erscheinungen, tausendmal schlimmer, alS sie jemals in parlamentarisch regierten Staaten Fuß fassen könnwn. Was am 30. Juni in Hitlerdeutschland und am 28. Juli im Dorado deS christkatholischen DollfußfasciSmuS sich ereignet hat, läßt die Ge- schichte deS Gangstertums vou Edicago als harmlos erscheinen. Wo eS das Volk aus dein Derhal- ten der über ihn gesetzten Autoritäten nicht selbst zu erkennen imstande ist. dort verkündet e§ einer der Führer von den anderen, daß die Diebe, Korruption»»«». Pädvrasten und Schlemmer auf Kosten der Aermsten der Armen Und oder auch crbärmlicke Feiglinge, die nur insolange mutig sind, als sie aus sicherer Deckung heraus ihre Söldnersckarrn zum erbarmungslosen Wüten gegen daS arbeitende Volk kommandieren, aber feige zusammenklappen, wenn ihre Person in Gefahr kommt. Nach den Tagen deS 30. Juni und 28. Juli mögen die Pressclakaien behaupten, auch Ereignisse würden an der Festigkeit und Rich- tting deS Kurses nichts ändern, ihre Tiefenwirkung wird in den betreffenden größer sein als man zugcbcn will und auch auf daS Auslands- deutschtum ihren Einfluß nicht verfehlen. Doch auch sonst in der Welt weht der Wind nicht mehr auS der fascistischen Ecke. In England hat sich der einflußreiche ZeitungSkönig Rothcrmere plötzlich von der fascistischen Gruppe MoSleyS, die er eifrigst unterstützt hatte, zurückgezogen, in Schweden haben die Konservativen beträchtlich von ihrer Vorliebe für den FasciSmus eingc- büßt, in anderen Ländern setzt sich die Staatsgewalt gegen fascistische Bestrebungen entschieden zur Wehre. Ueberblickt man die Weltlage, so darf nian, ohne große Kühnheit annehmen, die fascistische Woge, welche Europa zu überfluten drohte, habe den Scheitelpunkt überschritten. Wo der Fascis- mus regiert, dort kann er eS nur durch steigenden Terrorismus gegen die eigenen Staatsbürger. Er verwandest diese Länder in ungeheuere Gefängnisse und seine Regierungen beweisen, je brutaler und grausamer sie sich auffiihren, nur ihre innere Schwäche. Sogar für die bürgerlichen Kreise, welche voll froher Erwartungen im FasciSmus daS Mittel zur Ausbeutung und Ber- fklavung der Arbeiterklasse sahen, beginnt, da sie dar mtt ihm auch für sie verbundene Risiko erkennen, sein Ruhm zu erblassen. Seine schwindende Anziehungskraft aber darf nicht bedeuten, mft fatalistischem Gleichmut der weiteren Ent- Wicklung zuzusehen. Jetzt muß die Demokratie erst recht zur Offensive übergehen. Je rascher dem FasciSmus die Hoffnung genommen wird, seine blutigen Fänge nach den demokrattsch verbliebenen Ländern auszustrecken, desto kürzer wird der Leidensweg sein, den die von ihm er- griffenen Staaten noch zu gehen haben. IS M FRITZ ROSENFELD: «X» Cbqutta „Ich war einen Augenblick lang glücklich. Gestern. Als der Mond mich zu sich nahm und ich kraftlos in die Arnie eines Mannes fiel, der mich als Tote nicht mehr wollte..." „Wer war der Mann?" «Ich weiß eS nicht," sagte Axsutta. Da sprang Pal auf, stemmte die Füße gegen den Boden, spreizte die Arme, wie jener Man», der am Kreuz gestorben sein soll für die Menschen: eS trieb ihn in den Irrsinn, dieses ewige: Ich weiß eS nicht. Niemand weiß, wo wir sind, niemand weiß, waS mit uns geschieht, Leben geschieht jeden Augenblick, Tod kann jeden Augenblick geschehen, der Gong schweißt Menschen zusammen und zerbricht Menschen, niemand weiß, warum, nieman weiß, wie lang, wie können die Männer im Garten dies alles ertragen... Tung-Li ging leise vorüber. Er spielte mit seinem kleinen Gott. Er war allein. Er war immer allein, unter asten Menschen in diesem Garren. Ohne die Pflicht, das Schwert zu heben, ohne die Pflicht, zu morden. DaS war Glück. Pal dachte an Schagin. Wo mochte er sein, mtt seinem Mädchen? Er dachte an die andern. Sie lagen mit Weibern in den Häusern, unter den Säumen. Tas war Glück? Da drehte er sich zu Axjutta, sah ihr starr in di« Augen, daß sie fast erschrak: »Es.muß doch ein Wiste sein über ast dem. Einer muß doch diese Marter ausgedacht haben, die sie Glück nennen!" «xjuttasah ihn stist an: "«Ist eS wirklich eine Marter, Pal?" Da sank er vor ihr nieder. Die Not In Deutschland wichst - Die Massen hungern Der deutsche Exportüberschuß ist so stark zu» rückgegangen, daß es an Devisen fehlt, um die Er» nährung des Volkes und die Rohstoffversorgung der Industrie sicherzustellen. Die deutsche Industrie muß fast die Hälfte(40—80 Prozent) ihres Roh- swffbedarfeS importieren, die Lederindustrie 60 Prozent, die Textilindustrie gar 80 Pro.zent. Der soeben erschienene BierteljahrSbericht des amtlichen deutschen Instituts für Konjunkturforschung teilt mit, daß die Autofabriken schon heute nicht mehr in der Lage sind, ihren Aufträgen nachzukommen; sie waren schon im Juni infolge der „Verknappung wichtiger Metalle, die auS dem Ausland eingeführt werden müssen".mit der Lieferung von 20.000 Fahrzeugen im Rückstand. In zahlreichen Unternehmungen der L e d e r industrie mußten aus Rohstoffmangel Feierschichten eingelegt werden; in der T e x t i l industrie pars laut Verordnung deS RetchSwirtschaftSministcrS nur noch höchstens 36 Stunden gearbeitet werden. Durch diese Kurzarbeit wird der bereits durch Lohnsenkung geschmälerte Arbeitsverdienst der Industriearbeiter noch weiter verringert, und gleichzeitig steigen die Lebcnömittelpreise. Etwa ein Fünftel d«S deutschen NahrungS- mittclverbrauchs muß auch bei normaler Ernte importiert werden. Durch den regenarmen Sommer ist in diesem Jahre di« Getreideernte gegen 1988 um 22 bi« 28 Prozent zurückgegangen, die lveit über den Weltmarktpreisen liegenden deutschen Getreidepreis« stiegen entsprechend. In Form „einer örtlichen Korrektur" wird der Brotprei» erhöht. In Jahren der Brotteuermnt steigt in Deutschland im allgemeinen der Verbrauch von Kartoffeln. Durch die Agrarpolittk der Nationalsozialisten aber ist auch der Kartoffelpreis gestiegen. Die Nationalsozialisten haben die Einfuhr ausländischer Futtermittel gedrosselt, die vom deutschen Großgrundbesitz verkauften Futtermittel sind für den Bauern unerschwinglich! Er ist gezwungen, in stärkerem Ausmaß das Vieh mtt Kartoffeln zu füttern. Jetzt müffen die deutschen Arbeiter, deren Arbeitsverdienst durch die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik ohnehin schon erhebsich verringert tvurde, auch noch für Brot und Kartoffeln höhere Preise bezahlen; Margarine und Sah; hat ihnen daS Dritte Reich bereit» verteuert. Der Verdienst reicht nicht mehr zum Leben, die geknechteten Massen hungern. Zwei Leichen und ein Ehrenwort Planctta, der gestern in Wien Hingerichtete Hakenlreuzler, hat durch die Ermordung deS Bundeskanzlers ein schweres Verbrechen begangen, daS nur durch eine hohe Strafe gesühnt werden kann. Daran kann sicherlich kein Zweifel sein— wenn man auch bedenkt, daß die Mörder MünichreiterS, Meissels und GerlS ebenfalls deS Todes schuldig sind. Mit Planctta ist auch der Rädelsführer beim lleberfall auf das Bundeskanzleramt,' der Nationalsozialist Holzweber, hingerichtet worden. Vom Machtstandpunkt der Schuschnigg und Konsorten auS hat auch er ein schivereS Verbrechen begangen, oblvohl in Oesterreich jeder Putschversuch durch den Eidbruch des Bundespräsidenten«ine Vorschuß-Rechtfertigung hat. Aber bei der Beurteilung der Fälle Holz- loeber und Planetta scheiden juristische Erwägungen aus. Denn die beiden hätten nach dem Ehrenworte des Fey nicht vor Gericht gestellt werden dürfen, sondern waren ohne jede Bedingung an die deutsche Grenze zu überstellen; sie und ihre 142 Genoßen. Mit ihrem Leben hatte der Fey das seine erkauft. ES war ein würdelose» Geschäft, bei dem die sagenhafte Soldatenehre des Fey vollkommen kaputt ging, aber cö war immerhin ein Geschäft, da« im Glauben an die Birffamkeit eines feierlich gegebenm Ehrenwortes abgeschlossen wurde. E» war sogar das Ehrenwort eines aktiven Minister» der österreichischen Pseudorepublik. Fey kann nicht leugnen, der Geschäftspartner gewesen zu sein; aber sein Schuschnigg kümmert sich einen Dreck-um ihn, sondern läßt die gutgläubigen Putschisten hängen. DaS macht dem Fey nichts; er, der als RegierungSmttglied mitschuldig ist an dem Bruch des Ehrenwortes, zieht das Ministergehalt seiner Ehre vor und in der moralischen Atmosphäre eine» autoritären Regimes kann ein solcher Schuft weiterhin etwa» gelten I Die Welt muß sich versagen, die Urteilsbegründung zu analysieren, denn den beiden Gehenkten hätte überhaupt kein Prozeß gemacht werden dürfen. Die Feigheit des Fey. wollte eS so. Daß sie doch gemordet wurden, läßt die Richter und ihre Hintermänner nur erst recht al» Lumpenhunde erscheinen. Erst packeln sie mit den Dollfuß-Mördern, dann schicken sie sie an den Galgen. ES ist kein Zweifel, daß die Burschen auf den Ministerstühlen auch für solches Tun eine Begründung in der„Quadragesimo anno" finden werden. Bor ihrer Kirche sind sie vielleicht gerechtfertigt, vor dem Gewissen der Welt und vor ihrem Volke nicht. „Sommerlest” und„PreisschleBen" BundeSkommiffär Adam machte im Rundfunk Mitteilungen über ein Dokument, das am 25. Juli bei einem geheimen Kurier der Natio- nälsöziälisten. der bei Kollerschlag die Grenze icherschreiten wollte, in den Schuhen versteckt auf« gefunden wurde. ES waren Blätter mit genauen Verhaltungsmaßregeln für die Nationalsozialisten im Falle de» Sturze» der Regierung Dollfuß. Auf da» Stichwort„Sommerfest" sollte zunächst ein unbewaffneter Aufmarsch erfolgen, der im Falle des Widerstandes der Staatsgewalt in eine bewaffnete Jnsur- gentenaktion übergehen sollte. Da» Stichwort für den zweiten Fall lautete„Preisschießen". Der Handstreich gegen das Bundes» kanzleramt sollt« angeblich jene Situation schaffen, für die das„Sommerfest" vorgesehen war. Die Kommunisten schinden das Andenken Josef Gerls Auch da» Andenken eine» im Kampfe für die Arbeiterklasse und für die Freiheit gefallenen Genossen ist den Kommunisten nicht heilig, denn sic betrachten alle», was in der Welt geschieht, und was sie dazu schreiben, von dem Standpunkt aus: Wie kann man der Sozialdemokratie schaden? So erzählt der kommunistische„Vorwärts" vom 29. Juli allerhand Lügen über den von den österreichischen Fasciften Hingerichteten Genossen Josef G e r l. Danach konnte Gerl„bei seiner lustigen Berfassuna... nicht lanae die Terrorakte und Widerwärtigkeiten ertragen, mit denen fetten» der sozialdemokratischen Emigrantenfürsorge gegen die Emigranten vorgegangen wurde." Gerl und einige andere verlangten angeblich Arbeitsstellen, was von der sozialdemokrattschen Emigrantensür- sorge„kaltblütig", wie der„Vorwärts" schreibt, äbgelehnt worden sein soll. Diese Mitteilung des kommunistischen Blatte» ist von Anfang bis zu Vnde er- logen. Gerl war mit den sozialdemokratischen Schutzbündlern in der Tschechoslowakei öfters beisammen und hatte mit den Funttionären der österreichischen Arbeiterschaft Zusammenkünfte und Besprechungen. Er hat niemals irgendeine Arbeitsstelle verlangt und ist im besten Einvernehmen mit der Sozialdemokratie wieder nach Oesterreich gegangen, wo er seine revolutionäre Tätigkeit aufnahm und seine Gesinnung mit dem Heldentod bc- zahlt hat. Bor der kommunistischen Presse, die so da« Andenken des toten Heldeki schmäht, indem sie der Welt einigen will, zwischen Gerl und der Sozialdemokratie sei es zu irgendeinem Konflikt gekommen, kann jedermann nur Ekel empfinden. Uneinigkeit unter den tsdiediisdien Fasdsten Die tschechische fascistische Lelvegung leidet seit ihrer Entstehung unter der Zersplitterung in verschiedene Gruppen. Rach dem Ueberfall, den einige Fascisten seinerzeit auf die Schimiher Kaserne verübt haben, griff in den fascistischen Reihen Niedergeschlagenheit und Anarchie Platz. DeS- lvegen wurde von gewissen Kreise», hinter denen unter anderem auch der Mitarbeiter der„Närodni Politika", Prof Rikolau, steht, die sogenannte „Närodni fronta" geschaffen, an deren Spitze der ehemalige nationaldemokratische Senator Prof. Mares gestellt wurde, ein Mann, der über 70 Jahre alt ist. Zwischen den Anhängern Maret und Gajdas, welch letzterer durch die„Nationale Front'' an die Waiitz gedrückt werden sollte, ist ti nun zu Auseinandersetzungen gekommen und auch Sttibrnh verhält sich mit seiner Liga der„Nationalen Front" gegenüber abwartend. In Mähren ist es sogar zu offenen Konflikten zwischen den Gajda-Faseisten und Ligisten gekommen. In der letzten Zeit bemühen sich die„Nationale Front" insbesondere auf dem Lande Fuß zu fassen mid überschwemmt dit landwirtschaftlichen Gebiet.' mtt zehntausenden Exemplaren ihrer Zeitschrift ,„HlaS närodni fronty"(Stimme der nationalen Front). Dieses Blatt wird in der Druckerei der „Närodni Ltsty", des Hauptorgans der Nationaldemokraten gedruckt und man glaubt daher, daß die Nationaldcmokraten die ganze Aktion unterstützen, um den agrarischen Einfluß auf dem Lande zurückzudrängen. „Verzeih. Ich segne den Tag, der mich hierher geführt. Ich segne alle Qualen, di« ich erlit» -ten, um hierherzukommen. Und was morgen geschehen wird— ich werde e» segnen, well du da bist." Der Gong rannte wieder durch den Garten mit seinem Riesenschritt. Schwer brachen seine Schläge durch die Dämmerung. Sie weckten die Schläfer, holten die Verborgenen aus ihren Winkeln hervor. Der Garten war wieder voll Menschen. Hand in Hand gingen sie. Arm in Arm. Und nur wenige dachten an ihr Schwert, an den Dolch, de» sie dem Rivalen in den Lew rennen wollten. So glücklich waren sie. Auf dem weißen Weg lag jetzt der Mond. Immer schneller gingen die Menschen, denn immer lauter rief der Gong. Sie kamen zu der großen weißen Straße. Sie gingen über die Straße, einem Licht nach, das durch das Laub der Bäume brach. Von dort schien der Gong zu kommen. Dort mußte das Herz dieses Wunders sein, da» Gehirn diese» Gartens. Wie eine Lampe de» Abends die Falter lockt, so lockte da» Licht die Männer au« dem Walde. Sie begannen zu laufen. Sie verloren die Diädchen; die Mädchen verschwanden, an den Seiten des Wegs. Pal und Axjutta gingen unter den letzten. Wo da« Licht war, konnte nicht mehr Glück sein al« hier, auf dem weißen Weg, ttn Lichte de« Monde«. Endlich kamen sie zu dem Palast, den Pal schon de» morgen» gesehen. Die hohe Treppe war nun mit Fackelträger» besetzt, auf dem Dach standen Fanfarenbläser, zu beiden Seiten der Gäulen standen Männer mit kleinen Becken, au» denen«in süßlich betäubender Rauch aufstteg, und über all dem rollte, rollte, rollt« der rufende Gong. Pal stieg die Stufen hinan, sein Aug hing an den- Männern mit den Fackeln.'Er sprang einen an, verkrallte di« Hand im Kleid de« Manne«, fragt« ihn hastig: „Wie heißt diese Stadt? Wer brachte mich hierher? Ber schickte Dich? Wa» geschieht mtt un»?" Der Fackelträger blieb stumm. Sein Aug ging an Pal voübei. Narr, der meint, er wäre der erste, der diese Fragen stellt! Hunderte stellen sie an jedem Tag. Starr blickte Pal ihn an. Da« Gesicht des Fackeüriiger» unter dem großen Helm bewegte sich nicht. Da fragt« Pal den nächsten. Den dritten. Er schlug mit den Fäusten dem vierten auf die Brust. Bat den fünften mtt aufgehobenen Händen. Keine Antwort. Axjutta zog ihn in di« Ritte der Treppe, langsam die Stufen hinan. „Wa« all« tragen, Pal, werden auch wir tragen. Keiner weiß es, und doch sind«llle froh. Wir wollen froh sein, Palt" Sie liefen weiter, sie traten durch die Säulen, traten durch ein« Tür in den großen, ttefen Saal. Hundert Fackeln erhellten iP». In seinen Ecken sprudelten Springbrunnen in verschiedenen Farben. Und wieder säßen die Männer auf den Stufen, die zu der steinernen Fläch« hinunterführten. Und wieder rief der Gong und wühlte ihr »lut auf. Im Licht der Fackeln schien die» alles noch gespenstiger al« morgen« unter der Sonne. Im Licht der Fackeln leuchteten die Augen der Männer noch wilder, war chre Haut dunkler, jeder war wie ein Seemann, der von langer Reise heimkehrt, hungrig nach Weiberflessch; der e» nimmt, wo er e» findet. Der Gong schwieg. Unerträglich wm: diese Ruhe, die plötzlich hereinbrach. Auch die Stimmen der Männer rissen ab. Mit leisem Kreischen schob sich eine steinerne Platt« de« Boden» langsam zur Seit«. Au« dem Viereck, da« frei wurde, stieg ein« Frau, eine zweite, eine dritte, mit Blumen, wie di« Tänzerinnen, mit wehenden Schleiern, wie die Tänzerinnen. Doch nur die ersten trugen Schleier. Dann kamen Frauen, die nicht» trugen al»«inen Streifen Blumen um den Leib, grellbunte Blumen. Sie ordneten sich, zwei und zwei, e» war, al» wären sie al» Zugtiere vor einen Wagen gespannt. Streng geschloffen umschritten sie die Fläche,, immer länger wurde der Zug, die steinerne Oeffnung ließ ein Frauenpaar nach dem andern in» Licht steigen. Endlich hiw sich aus der steinernen Oeffnung ein goldener Wagen. Auf zwei riesigen Rädern ruhte ein riesiger Thron, auf goldenen Polstern lag eine große, nackte Frau. In ihrer Rechten hielt sie eine lange goldene Peitsche, die sie über die Köpfe der Mgnner sausen ließ, die den Wagen zogen. Die Männer sprangen auf. Eine Frau, wie diese, hatten sie nie gesehen.<&o hoch schlug in diesem Augenblick die Gier der Männer, daß sie den ganzen hohen Raum erMte, daß Axjutta sich eng an Pal preßte, um von dieser, Gier nicht an die Wand geschleudert zu werden. Die Männer stürmten di« Stufen hinunter— jede Frau gehört jedem, dem sie gefällt!— jeder wollt« die Km: auf dem Wagen für sich. Kaum aber hatte der erste di« steinern« Fläche erreicht, al» ein Gitter aus dem Boden wucht, da« die ganz« Tanzfläche mannshoch umschloß. Einen Augenblick lang schreckten die Männer zurück, dann versuchten sie, da« Gitter zu überklettern. Aber der erste, der denversuch macht«, riß sich die Hände blutig und fiel zu Boden. Ein anderer versuchte e»; seine Hände brannten,.« schrie auf. Glühte da» Gitter? Ein Dritter sprang hoch, über di« Köpfe der Gefährten hinweg wollte er in den vergitterten Raum—da kam ein Pfeil, irgendwo unter dem Dach abgeschoffen, traf sein« Knöchel, der Mann sank zu Boden, heulte auf. Wut erMte den Raum, in die Wüt schlug dumpf der Gong. Ein rasender Tanz der Männer begann, vom Gong gepeitscht, vom Gong geführt. (Fortsetzung folgt.) fern Mittwoch, 1. Ktarit 1084 GM»- Dn„autoritären“ Wien (Son unserem nach Wien entsandten Spezial- berichterstatter.) Der»behördlich bewilllate" Nazivutsch ist scheinbar vorläufig erledigt. Für wie lang«? Nie« mand in Oesterreich, lein Arbeiter, lein Bürger, lein Polizist, ja lein Regierungsmitglied glaubt an Ruhe in Oesterreich. Sie alle fühlen bedrückt, daß daö autoritäre„Regime der Ruhe und OÄ« nung" das Land in einen Hexenkessel verwandelt hat, von dem kein Mensch weiß, wann er das nächstemal brodelnd überlocht. „In Oesterreich herrscht überall Ruhe und Ordnung. Gegenteilige Gerüchte sind böswillig« Erfindungen" meldet das Radio mit aufregender Monotonie. Aber an der GepackMagestelle des Bahnhofes hängt eine funkelnagelneue Tafel: „Die Aufbewahrung explosiver Stoff« in der Garderobe ist strenge verboten. Abgegebene Koffer müssen auf Verlangen geöffnet werden". Und das Verlangen bleibt nicht aus. Jedes Handtäschchen wird sorgfältig durchsucht, denn niemand traut der Ruhe und Ordnuna. Und webe dem, der versuchen wollte, sich dieser Durchsuchung zu entziehen, indem er seinen Koffer nicht in der Bahnhofsgarderobe abgibt, sondern ihn mit sich nimmt. Der Weg vom Ostbahnhof zur inneren Stadt dauert gemeiniglich fünfzehn Minuten— mit Handkoffer nimmt er mindestens drei Stunden in Anspruch, denn an jeder Straßenecke wird der Reisende von einem Hilfspolizisten mit Karabiner und aufgepflanztem Bajonett angehalten und mißtrauisch perlustriert. Wien gleicht in diesen Putschtagen fast dem Wien der Februartage. Rur mit umgekehrtem Borzeichen. Während in den Frbruartagen ti Arbeüerbezirke der Hölle glichen und gleichzeitig die bürgerlichen Bezwle fast unberührt ihr tägliches Bild zeiaten, ist cs jetzt umaekehrt. In den bürgerlichen Bezirken ist die Stimmung zum Zerreißen gespannt. Steigende Nervosität liegt aus allen Gesichtern, die Leute reißen sich die stündlich erscheinenden Extraausgaben mit den amtlichen Lügen aus den Händen, jeder spürt, daß hier mit den allerletzten Karten gespielt wird. Währenddessen herrscht in den meisten Arbeiterbezirken vollkommene Ruhe. Sogar die stahlhelm- und kara- binerbewehrten Doppelposten sind hier seltener. Die Hoffnung der Nazi, daß die Arbeiter dumm genug sein würden, ihnen die Kastanien au» dem Feuer zu holen, ist nicht eingetroffen. Die Arbeiter sehen mit stiller Genugtuung zu, wie sich die beiden Gruppen der Fascisten— oder sind es schon mehr?— die Köpfe einschlagen. Ein Genosse vom Schutzbund, der mitten in der illegalen Arbefl 'steht, sagtmir:„Unser Kreis hat alle seine .Alarmvorbereitüngen getroffen‘ und wir haben auch wieder genug Waffen bereit. Aber losschla« gen werden wir, wenn wir wollen und nicht wenn es den Nazi paßt. Unsere Zeit ist noch nicht gekommen. Aber wenn eS so weiter geht, wird sie Küher da sein, als die Herren in der Reaieruna träumen."- Run— die Herren in der Reaieruna beginnen bereits zu ahnen, wohin sie sich und das Land im Namen der Ruhe und Ordnung gebracht haben und ihre Träume fiitb recht drückende Angstträume. Die verzweifelten und viermal unterbrochenen Verhandlungen um die Regierungsbildung haben gezeigt, daß diesen Herren gar nicht mehr recht wohl in ihrer Haut zu scheint. Mit amtlichen Lügen kann man vielleicht ein paar ganz sture Untevia» ncn dumm machen, aber auf die Dauer nicht sich selbst. Und auch die Zahl der gläubigen Untertanen wird von Stunde zu Stunde geringer. Ich war Donnerstag abends bei einem Genossen in der Nähe de» Engelsplatzes. ES war nicht leicht hinzukommen, denn Wien gleicht in diesen Stunden wieder einmal einem Heerlager. Die Polizei hatte Nachricht bekommen, daß die Hakenkreuzler sich an -er Peripherie der Stadt sammeln und wieder einen Versuch machen wollen, das Kanzleramt zu stürmen. Der Ring ist wie mit einer Mauer von Bundesheer und Polizei mit Maschinengewehren und Karabinern abgesperrt, auch harmlose Zivi- listen dürfen nicht passieren. Aber schließlich gelingt es doch zum Engelsplatz vorzudringen und den Genossen zu besuchen. Kaum bin ich in seiner Wohnung, falle» draußen die ersten Schüsse zwischen Nazi und Polizisten. Und während die Schüsse knattern, meldet sich am Radioapparat der Ansager:„Böswillige Gerüchte erzählen von neuerlichen Zusammenstößen in Wien. Es wird festgestellt, daß diese Gerüchte jeder Grundlage entbehren und daß in ganz Wien volle Ruhe und Ordnung herrscht". Däm kann sich vorstellen, Wadi« Leute, die diese Nachricht mit Bealeituna von Gcwehrknatter anhören, von der Wahrheitsliebe ihrer antoritären Regierung halten... Die Kanonenchristen haben in der österreichischen Bevölkerung ja nie großen Anhang gehabt. Aber das Häuflein ihrer Getreuen wird sichtlich von Tag zu Tag kleiner. Das Bürgertum beginnt langsam einzuseben, welche Suppe«S sich mit seinem„ÄntimarxiSmuS" eingrbrockt hat. Solange Wien«unter der roten Bolschewikenherrschaft stöhnte", war cS eine lebendige, gedeihende Stadt, jetzt ist es eine gelähmte, vor täglich neuem Unheil zitternde Heimwehrfestung. Ein biederer christlichsozialer Geschäftsmann sagte mir:„Alle» was recht ist— aber der Breitner hat in einem Jahr nicht soviel für Fürsorge verbraucht, wie die in einer Woche für Schießen". Dazu kommt noch da» bedrückende Standrecht, da» alle Lokale zwingt, um acht Uhr zu sperren, so daß die Straßen de» Großstadt in den Abendstunden verlassenen Dorfstraßen gleichen und daß die wenigen Fremden, di« B doch versucht haben, jetzt M fluchtartigem verlassen der ungastlichen Stadt veranlaßt. Im größten Hotel Wien», im Briswl aus dem Kärntnerring, waren Freitag— also inmitten der Fremdensaison— sechs Zimmer vermietet. So sieht der„Stadt der Lieder" heute aus da sie unter die Knute der Ordnungsbestixn geraten ist. Wie ein quAender Albdruck liegt diese» Bild noch auf einem, wenn man bereits auf de» Eisenbahn sitzt, um da»«autoritäre" Land schaudernd zu Verlässen, immer noch an die groteske „Ruhe und Ordnung" gemahnt durch die gespen« Wie», 31. Juli. Der außerordentliche Mmisterrat, der hrutt nacht» unter Vorsitz deS Bundeskanzler» Dr. Schuschnigg stattfand, beschloß u. a.«in Bundrsverfaffungsgesetz betreffend den unverzüglich anzuwendenden Maßnahmen gegen di, am Umsturzversuch beteiligten Personen. Rach diesem Gesetz werde die Anhaltung der Beteiligten in Auhaltelager« mit Zwangsarbeit, andererseits«in« Kon- fiSkation drSBermögen» aller an diesem Aufruhrversuchr beteiligte« Personen rrsolgen. Weiter» beschloß der Ministerrai, den Gene« ralprokuraior Winterstein mit der Leitung der besonderen Untersuchung über die Vorfälle in Wien zu beauftragen und das Referat zu Ende zu führen, dessen Ergebnis der Oeffentlichkeit bekanntgegeben wird. Der Staatssekretär für Sicherheit stellt fest, daß in ganz Oesterreich die Ruhe wieder hergestellt ist und die Zusammenrottungen der Aufständischen zusammengebrochen sind. Das Bundeskanzleramt hat einen telegraphischen Runderlass ausgegeben, wonach die am 1. August und weiterhin fälligen Dienstbezüge von unter der Diensthoheit des Bundes stehenden Staatsbediensteten, gegen die der begründete Verdacht besteht, daß sie an de» AufstandSbeloegung der letzten Tage unmittelbar oder durch Begünstigung teilgenomnien haben, bi» auf weiteres zurückzuhalten sind. Bezüglich der der Diensthoheit der Länder unterstehenden Staatsbediensteten und Gemeindeangestellten ist eine gleichartige Ver- fiigung erlassen worden. Dieser Erlaß umfaßt somit sämtliche Kategorien öffentlicher Angestellter, des Bundes, der Länder und der Gemeinden sowie die unter der Verwaltung der genannten Gebietskörperschafter stehenden Betriebe. Aufsehenerregende Verhaftungen Ein hoher Richter Der Rat des Landesgerichtes Wien I. Dr. Guntram Wenger wurde verhaftet, weil bei ihm Notizen landcsverräterischen Inhaltes gefunden wurden. Ein General a. D. Unter den verhafteten Nationalsozialisten befindet sich auch der bekannte Advokat Dr. W ä- ter. Auch der ehemalige General Bardolff, ehemaliger Chef der Militärkanzlci Franz Ferdinands, der bei den Nationalsozialisten eine wichtige Rolle spielte, wurde verhaftet. Die ersten Nachrichten über seine Verhaftung wurden dementiert. ein Journalist Der Verlag des„Reuen Wiener Journal" teilt mit, daß er sich gezwungen gesehen habe, das Verhältnis mit dem bisherigen Stellvertreter des Chefredakteurs Dr. Walter Nagelstock mit sofortiger Gültigkeit zu lösen. Nagelstock wurde nämlich am Montag in Ischl verhaftet. Er gilt als intimer Vertrauter Dr. RintelenS und war angeblich zum PressechefderRegierung R i n t e l e n auSersehen. Polizeipräsident Dr. Sega abjesw Polizeipräsident Dr. Geydl ist. nach einer halbamtlichen Meldung„infolge übermäßiger dienstlicher Inanspruchnahme- der er durch die Er, eignisse der letzten Jahre und besonders durch di« schrecklichen Geschehnisse der letzten Tage au» g e s e tz t w ar", er- kankt und hat auf Grund'dessen am 30. Juli einen» Urlaub angetreten. Die Leitung der Bundespolizeidirektion in Wien wurde mü gleichem Tage dem Polizeipräsidenten Dr. Glubl übertragen; gleichzeitig gehen die Agenden de» Sicherheitsdirektors und des Gicherhesislommissar» auf ihn über. Auch die Bestellung Dr. Glubl» zum Generalinspizierenden vr die Bundespolizeibehörden bleibt aufrecht. Wie der Amtlichen Nachrichtenstelle weiters mitgeteilt wird, wurden u, a. Gesandter Rin. telen, ferner der Polizeihoftat Dr. Otto' Steinhäuser sowie Polizeioberkommifsär Leo Gotzmann vorläufig unter Kürzung ihrer Bezüge auf zwei Drittel vom Dienste enthoben. stischen Schatten der bewaffneten Heimwehrleut«, die alle zweihundert Schritte das Bahngleise vor der stürmischen Liebe der BevöNerung bewachen Rur die dunklen Silhouetten der Fabrikschlote am Horizont geben Trost in diesem Schauer; dort sind die Männer, die heute noch stumm und verbissen ihre Zeit abwarten, aber eine» Tages mit der Faust auf den Tisch schlagen und im Staat der„Ruhe und rdnung" Ordnung machen werden, daß den jetzigen Herren dieses verheerten Landes Hören und Sehen vergehen wird! Rlntelcn Im inqnsltcnspltnl Wie die„Reichspost" erfährt, hat sich der Zustand Dr. Rintelens gestern so weit gebessert, daß er am Abend m:S dem Allgemeinen Krankenhaus in das Jnquisitenspital überführt werden konnte. sied» nelmwehricule bd Aussee ntedergemadit Aidi ein Kortfast tot Wien, 31. Juli. Sei einem Zusammenstoß, der beiKlachan zwischen Nationalsozialisten und Heimwehrleuten erfolgte, wurden sechs Heimwehrlente und ein Kurgast a n s A u s s e e getötet. Die Bombe im Blumenstrauß Am Montag wurde im Wiener Rathaus ein junger Mann verhaftet, der in der Hand eine in der Form eine» Blumenstraußes verpackte Bombe kug. Die Bombe wurde unschädlich gemacht. Montag nachmittags explodierte im achten Wiener Bezirk eine Petarde. Eine Person wurde v e rw u n d e t, der Sachschade ist bedeutend. In Schönberg in Tirol wurde in einem Kornfeld ein Waffen- und Munitionslager entdeckt. Es wurden dabei auch acht halbadjustierte Bomben gefunden. In Rohrbach hat ein dortiger Nationalsozialist und Mitglied der österreichischen Legiün, der über die sÄrenze gekommen war, gegen sein eigenes Elternhaus, in welchem ein Gcndarmericpostcn untcrgcbracht ist, eine Handgranate geschleudert. Der Nationalsozialist wurde verhaftet. Sprengstolllagcr im Botel Nach dem Morde an dem Bundeskanzler Dr. Dollfuß wurde in dem den Brüdern Reisch gehörenden Hotel in K i h b ü h e l eine Hausdurchsuchung vorgenommcn. Dabei wurden 73 Handgranaten neuesten Modells reichsdeutscher Erzeugung, zwei scharf adjustierte Sprengrohre, eine Sprengbüchse, 73 deutsche Sprengkapseln, ferner Revolver, Pistolen und andere Waffen neuesten reichsdeutschen Modells gefunden. Diese Sprengmittel hätten genügt, um halb Kitzbühel zu verwüsten. Auch bei einigen Hotelbediensteten wurden Waffen gefunden. Einer der Besitzer, Walter Reisch, wurde verhaftet, seine drei Brüder sind flüchtig. Dnmdnm-Gesdiosse verwendet* In der Rocktasche eines toten Nationalsozialisten wurden, wie aus Linz gemeldet wird. Dum-' dum-Geschosse gefunden. Die Obduktion eines in Laakirchen gefallenen Gendarmen hatte ergeben, daß solche Geschosse verwendet tvorden sind; dem Gendarmen hat ein Geschoß den Kopf zur Hälfte zerrissen. Dollfuß' engste Mitarbeiter nationalsozialistisch verseucht. Zu der Nachricht über die Entlassung, resp. Pensionierung von 20 Beamten des Wiener Bundeskanzleramtes im Zusammenhang mit den Ereignissen vom 26. Juli schildert' in der heutigen «Reichspost" Ministerialrat Dr. M umelter in ausführlicher Weise seine Erlebnisse vom 25. d. M., als er zusammen mit anderen Beamten des genannten Amtes auf den Hof getrieben und gefangengehalten wurde: Um%5 Uhr nachmittags kam zu den gefangengehaltenen Beamten ein Mann in der Verkleidung eine» Majors und meldete, daß die Regierung Dollfuß zurückgetre- ten fei und GesandterDr.Rintelen di« Regierung übernommen habe. In einer halben Stunde werde er sein Amt antreten. Als der Mann seine Ansprache beendet hatte, erhoben von den 130 anwesenden Beamten und Angestellten etwa 20 die Hand zum Hitlergruß und ein Teil rief„H e i l H i t l e r". Die nächste Verhandlung heute Wien, 31. Juli. Wie das„Wcltblatt" mitteilt, wird die nächste Verhandlung gegen die Teilnehmer des Putsches vom 26. d. M. vor dem Militärgericht morgen Mittwoch erfolgen. lieber 2000 Neil nach Jugoslawien gefluchtet Klagenfurt, 31. Juli. Den letzten Nachrichten zufolge entkamen an» Körnten mehr al» 2000 bewaffnete österreichische nattonalsozia- ltftische Putschisten«ach Jugoslawien. Die Nationalsozialisten wurde« auf jugoslawischem StaatSterritorium entwaffnet und nach U e» k ü> abgefchobrn. '* Klagenfurt, 31. Juli. Bei L a v a m L n d in Kärnten, nahe der jugoslawischen Grenze, hatten sich einige hundert Nationalsozialisten in einem unübersichtlichen GebirgSterrain festgesetzt. Nachdem die Aufständischen von Abteilungen des Bun» deSheereS bis auf die Grenzstrecke vollständig eingeschlossen worden Ivaren, gaben sie gestern ihre Position auf und flüchteten nach Jugoslawien, woselbst sie festgenommen und entwaffnet wurden. H Wacht am Brenner 0 bleibt weiter aufrecht Pari», 31. Juli. Dec römische Berichterstatter de»„Matin" konstatiert, die italienische Regierung und auch die italienisch« Oeffentlichkeit seien über die rasche Bildung der Regierung Schuschnigg sehr befriedigt und betrachten die Gefahr al» gebannt. Allerdings bleib« die Wacht am Brenner weiterhin aufrecht. In Rom macht sich Beunruhigung hauptsächlich betreffs der Frage P a p e n bemerkbar, da man annimmt, daß er durch geschickte Propaganda auS Wien einen gefährlichen Brennpuntt des PangermaniSniuS machen könnt«. Dcrnaschck|un. nochmals vor den Geschworenen Linz, 81. Juli. Seinerzeit ist der Sohn de» Linzer Schutzbundführer» Vernaschet von den Geschworenen vom Verbrechen de» Aufruhr» in Linz freigesptochen worden. Gestern hat der Oberste Gerichtshof der Beschwerde der Staatsanwaltschaft Folge gegeben und die Sache Ber- naschek junior zur neuerlichen Verhandlung an die erste Instanz zurückgewiesen. Neuer Sabotageprozefi In Rufiland Deutsche Ingenieur« zu« Tode verurteilt Moskau, 31. Juli. In einem Prozeß gegen deutsche Ingenieure der Ural-Maschinenfabrik in Swerdlowsk(früher Jekaterinburg), denen die Anklage verschieden« Sabotageakte, sowie Brandstiftung vorwarf, wurden fünf Todesurteile gefällt. Es handelt sich bei den Verurteilten um den Stellvertreter des technischen Direktor» dec Fabrik, den stellvertretenden Leiter des Walzwerke», den Leiter der Montagearbeiten der Ausrüstung»- scklion, den Leiter der Abteilung für Schwei» ßungsarbeiten und einen Vorarbeiter, den Sohn eines Bauern aus dem Kubangebiet, der 1930 erschossen wurde. Die Hinrichtung der im Eisenbahnerprozeß zum Tode verurteilten acht Personen hat inzwischen stattgefunden. Sie tourden sämtlich erschossen. Der Urlaub der SA beendet DaS Deutsche Nachrichtenbüro verbreitet eine Kundmachung dr» SA-Ehes» L u tz e, in der angrkündigt wird, daß am 1. August der„volle Dienstbetrieb der SA" wieder«insetze. Die SA trete nun im Volk„wieder»oll in Ei^cheinung", allerdings„in einem anderen Sinn, al» e» in den Urlaubsverfügungen der nunmehr beseitigten Verräter zum Ausdruck kam". Der Aufruf enthält noch einige Phrasen, sagt aber kein Wort darüber, wieviele SA-Leute au» dem Urlaub zurückkehren, wer ausgeschieden und wer wieder ausgenommen wurde. Arisdie Rasse— ein Unsinn London, 31. Juli. In der Eröffnungssitzung deS ersten internationalen Kongresses für Anthropologie und Ethnologie in London verurteilte Prof. Elliot S m i t h in seinen: Vorträge die neuaufgetauchte„Theorie von der arischen Rasse" in Europa. Pjof. Smith tviet auch darauf hin, daß es unlogisch sei, das Wort„arisch" im Sinne von„nichtisraclitisch" zu gebrauchen. polen—Ulanen Wiederaufnahme de» Poft- und Bohnverkehr». Warschau, 31. Juli. Im Zusammenhang« mit der gestrigen Konferenz zwischen Marschall Pilsudski und dem Botschaftsrat der polnischen Gesandtschaft in Paris, Minister Mühlstein, der den Marschall über seine in Kaunas mit den Vertretern der litauischen Regierung gepflogenen Konferenzen berichtete, melden die heutigen Blätter, daß das Ergebnis der in Kaunas geführten Besprechungen die in Kürze zu erfolgende Wiederaufnahme eines regelmäßigen Eisenbahn- und Postverkehrs zwischen Polen und Litauen ist, und daß voraussichtlich in einem späteren Zeitpunkte auch die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten zu erwarten ist. Die Beziehungen zwischen Polen und Litauen sind bekanntlich seit dem Handstreich Pil« sudskis gegen Wilna, da» die Literatur als ihre historische Hauptstadt ansehen, Abgebrochen. Maßregelungen und Vermagenskonf Iskatlon vom Ministerrat beschiessen Seite 4 Mittwoch, 1. Sttsuft 1934 «t 177- mmnhund^cbiHg der soztäldcmokraUsdKn Frauen Achttausend marschieren In Falkenau! Während sich die sozialistische Jugend deS Krei- scs Nordvöhmen in E u l a n traf, um in einer machtvollen Kundgebung für die Demokratie und den Sozialismus zu demonstrieren, versammelteil sich die Frauen unserer westböhmischen Kreisorganisation zu ihrer groben Frauen-Kundgebung in Falkenau. Eine grobe Anzahl Frauen war in Soudcrzügen gekommen; auch die entferntesten Bezirke hatten^große Delegationen geschickt. Ter Falkenauer Frauentag wurde zu einem starke«» Bekenntnis der westböhmischen Arbeiterschaft zur Partei, zu einer wuchtigen Kampfansage gegen die fascistische Henleinfront, zu einem herrlichen Beweis für die Kraft und den Siegeswillen unserer Bewegung. Richt mit Unrecht zieht der Karlsbader „Volkswille" in seinem Bericht über Falkenau einen Vergleich mit der Henleinkundgebung in Echluckenan, einen Bergleich, der die Hohlheit der Schluckenaner Versammlung so recht sinnfällig macht. Denn Falkenau war tatsächlich nur durch die unendliche Opferbereitschaft unserer Arbeiter möglich, während siev in Schluckenau nicht die Aermsten ein Stelldichein gaben. In Falkenau gab es klare Parolen und Be- kenntnisse, in Schluckenau nur verschwommene Phrasen. nie rdcnftMrtc Sonntag vormittag- war im Bergarbeiterheim eine Fraueitfeierstunde. Ter grotze Saal war vollkommen überfüllt. Tie Stunde wurde von Genossen d e W i t t e eröffnet, der in einer eindringlichen Rede aus die Bedeutung des Tages himvies. Dann spielte ein Bläscrchor die Liarsellaise, tvorauf die Sängerinnen der Gaue Fischern und. Falkenau zwei Chöre vortrugen. Ein Opfertanz gedachte der im Weltkriege gefallenen Jugend. Im Rahmen eines Sprcchchorwerks sprach Genossin Blatny über die Aufgabe» der Franc». Mit einem Gruppenbild, dargestellt vom Atus, fand die begeisternde Feier ihren Abschluß. Der restzug Herrschte schon am Vormittag angesichts der l e raust» ömenden Massen. die auch das trübe und liihle Wetter nicht abzuhalten verniochte, Staunen und Betvnndernng über die Großtat unserer organisierten Frauen, so steigerten sich am Nachmittag während des Festzuges und bei den darauffolgenden Ver» anftaltnngen am Festplatz Freude und Stolz zu überwältigender Begeisterung. Die Ausstellung des Festzuges vollzog sich beim Sportplatz nächst.-dem'Bergarbeiterheim in kürzester' Zeil und in musterhafter Disziplin. In kurzer Zett schon tonnte der Abmarsch erfolgen. Die Spitze bildete eine Gruppe von Fahnenträgerin» n c u, wie überhaupt die geschlossenen Fahncngruppcn — nebst vielen Vereinssahnen eine grobe Zahl von Srnrnlfahnen— dem ganzen Zuge ein wuchtiges Gepräge gaben. VierRusikkapellen und drei Fanfarenkapellen der Jugend staffeln sorgten für richtigen Marschschritt. Hinter der Festnuisik schritten das FrauenkreiSkomitee, die Mitglieder der Kreisparteivertretung und des FrauenkreisauSschuffeS der Turnerinnen, denen Mädels der sozialistischen Jugend mit Fahnen und sodann die Parteibezirke. Asch und Eger folgten. Eger hatte eine recht stattliche Anzahl Frauen und Mädchen herangebracht, aber auch Wei» p e r t, der entfernteste Bezirk, und Joachims- t h al waren den Verhältnissen angemessen gut ver- , treten. Hinter einer dreißig Mann zählenden Fahnengruppe der Turner kam ein Zug Tu rn ecinnen inTnrnkleidung, gefolgt von dem mächtigen Zug der Frauen aus dem Neudeker Bezirk. Dieser Erzgebirgsbczirk dürfte nicht nur relativ, sondern auch absolut die weitaus stärkste BezirkSgruppe gestellt haue«; größte Aufmerksamkeit erregte vor allem -der stattliche Zug deS weiblichen Persona ls der Gec-Wäschefabrik in Neben dem eigentlichen Festzug gab eS noch zwei andere, nicht minder schöne, die das Maß der Freude zuni lieberlaufen voll machten: Einen mächtigen 5k i n d e r z u g, der herzliche Freude auslöste, und den wohl fünf- oder sechshundert Köpfe starken j Zug der R o t e n F a l k e n, der durch seine straffe Ordnung und Farbenpracht die Arbeitereltern mit Stolz und Zuversicht erfüllte. ES war fast Zuviel deS Großen, was dieser Tag bot. ver Höhepinkl In rascher Folge uiid ohne jede Reibung, fast auf die Minute genau, ivickelte sich das grotze Programm des Nachmittags ab. Den Auftakt bildeten Gemeinschaftsübungen der Turne r i.n n e n an vierzehn Pferden. Währmd die Eudkänlpfe im Lausen, Hochspriiigen und Schleudcrballtverfen vor sich gingen und die Krcisriege einige ausgezeichnete Uebungcn am Barren vorführte, nahmen rückwärts, hinter einer den Platz abschließenden lebenden Hecke, über der ein riesiges Äerbetransparent der Genossenschaften mit drei Fahnen in den Regenbogenfarben prangte, die Vereins» und Sturmfahnenträger aller Organisationen Aufstellung. Brausender Beifall scholl immer wieder über den tveiten Platz, als die leuchtend rote Fahnensäule sich der Müsiktribüne näherte, und wurde znm Orkan, als die an Größe alle anderen überragende Sturmfahne der Roten Wehr mit den Bildnissen von Wallisch, Meissel und Münichrei- ther sich entfaltete und die Tausenden grüßte. Hinter der Fahnensäule leuchtete helles Weitz: Die Turnerinnen und Frauen waren- zu den Massen- freiübungen anmarschiert, die in ihrer Ausführung nichts zu wünschen übrig ließen. Auf dem Stellplätze herrschte inzwischen schon wieder emsiges TreibenDie uniformierten Frauen formierten sich zu mächtigen Kolonne». Bald ivaren auch die Turnerinnen wieder zur Stelle, zwei Züge bildend, und wiederum mit den Fahnenträgern voran erfolgte nun der imposante, unvergeßliche Einmarsch der adjustierten Frmien und Turnerinnen zur großen politischen Kundgebung Tagcsncuigkeltcn ■ Nationalsozialist der Unterschlagung überführt Einer der rührigste» und radikalsten Nationalsozialisten in Eger war der ehemalige Polizist Werner, der fich, al» dir Polizei in Eger verstaatlicht wurde, mit 20.000 K£ abfertigen ließ und der später, als er das Geld verbrauch» hatte und mit, Rücksicht auf seine Berdietiste als Hakrnkreuzlcr' neuerlich bei der Gemeinde angr- strüt wurde. Werner, dem die Kartrnausgabe des Museums übertragen wurde, hat, wie jetzt fest-. gestellt wurde, einige taufe ndKro- ntn unterschlagen, und wurde vom Dienste suspendiert. Er galt als Leuchte der Nationalsozialisten und sein Draufgängertum gegen wehrlose Menschen in der Tchützenhansver- samnilung, in welcher aeaen alte Leute mit Gummiknütteln, Schlagringen und Stuhlbeinen losgeschlagrn wurde, hat ihn in hohes Ansehen beim Bürgertum gebracht. Aber trotz all dieser Verdienste um die deutschrn Belange wird man den Liebling des deutschen Bürgertums kaum vor dem Gefängnis schützen können. Boran über die ganze Breite des Platzes die Doppelreihe der Fahnenträger mit den Vereins- und Sturmfabnen, und dann in zehn Säulen zu je achtzig Viererreihen das Heer der Frauen, und Mädchen in blauen Musen, links und rechts flankiert von je einer Säule Turnerinnen in Weitzer Turnkleidung. Es ist unmöglich, dieses Bild in Worten auch nur an« nähernd zu schildern, wie man auch die Wirkung auf die Zuschauer nicht wiederzugcbcn vermag. ES war ein überwältigendes Erlebnis. Die Jahnensäule marschierte ab und nahm hinter denl Heer Aufstellung. Nun begann die eigentliche Kundgebung. Genossin G ü n z l eröffnete sie mit einer herzlichen Ansprache an die Frauen und einem feurigen Appell zur sozialistischen Arbeit, der begeisterten Widerhall fand. Dann hielt Abg. Gen. Katz unter oftmaliger jubelnder Zustimmung der Massen eine Generalabrechnung mit dem FasciSmuS und den getarnten Fastisten, die hier im öffentlichen Leben, in geheimen Konvikeln und in manchen Amtsstuben ihr Unlvesen treiben. Schließlich ging die Abgeordnete Genossin K i r p a l in einer großen, tiefdurchdachten und oft leidenschaftlichen Rede in alle Probleme unserer Zeit ein. Wahre Beifallsstürme. gaben das Mitgehen der Tausende kund. Genossin Günzl sprach nochmals zu den Frauen Worte der Freude und des DankeS und rief zum Schwur auf. Tausende Fäuste wurden emporgestotzen, wie ein einziger auS tiefstem Grunde kommender Schrei schollen die Worte des Gelöbnisses über den Platz, TreuebekenntttiS zur Partei, zum Sozialismus, und Mahnung an alle Feinde zugleich: Wir wollen Freiheit und Frieden für uns und«ufere Rinder, und wir find für di« Verteidigung und Erhaltung dieser Güter aveS rin- zusetzen bereit! Es würde die Größe und Würde dieses Augenblicks nur abschwächen, wollte nmn diese Kundgebung, dieses Treuegelöbnis in noch so begeisterten Worten— und dennoch nur unzulänglich— zu schildern versuchen. Unter den Klängen der„Marseillaise" marschierten die Kolonnen ab. Mit Tänzen der Turnerinnen, einer Sonder- vorsühtung der Frauen„Mutter und Kind turnen" und der Siegerehrung wurde das nachmittägige Programm abgeschlossen. Mer Bergleute verschüttet Paris, 31. Juli. Im Stolle» eines Erz- brrgwrrtrs bei Angerville in der Gegend'''von! Metz wurden von den dort arbeitenden 2.7 Bergleuten vier durch einen Stollrnrinbruch verschüttet. Bisher konnte nur die Leiche eines Arbeiters geborgen werden. Die Leiche» der drei anderen Arbeiter, die polnischer Staatsangehörigkeit waren, liegen noch unter dem Geröll. Genosse Rudolf Silaba sechzig Jahre Gestern ist einer der erstell Männer der tschechischen Arbeiter-Turil- und Sportbelvegimg und damit einer der führende» Menschen der tschechischen Arbcitcrbeivegnng überhaupt sechzig Jahre alt gelvordcn: Genosse Rudolf Siliba. Der nun Sechzigjährige wurde am 31. Juli.1874 in Kosmanos geboren, erlernte in Jungbunzlau das Typographenhandwerk und war dann in Prager Betrieben tätig, wo er sich der sozialistischen Bewegung anschloß. Das größte Interesse brächte Siliba gleich von Anfang an dem Arbeitertur- nen entgegen und wurde, als im Jahre 1903 der Verband der DTJ'gegriiildet wurde, sein erster Geschäftöfi'ihrer. Als 1905 ein eigenes Organ der DTJ erschien, wurde Siliba dessen Redakteur, später arbeitete er in Wien, wo er eine vorzügliche B ä r r i n g e n, das selbstverständlich restlos in unseren Reihen steht und vollzählig— auch der männliche Teil war in Falkenau— am Frauensest ieilnahm. Ter Neudeker SIS.-Kapelle folgte dann der unübersehbare Zug der Frauen und Mädchen. Auch der Bezirk G r a S l i tz, der sich dem Neudeker anschlotz, stand nicht zurück. Da waren Rothau, Graslitz und Eibeuber». aber auch die kleineren Orte nut starken Abordnungen vertteten. Der Zug des Karlsbader Bezirkes führte die Arbeitermusik von Janesse», bestehend fast durchwegs auS Arbeitslosen, die cS sich nicht nehmen ließen, den Zug ihrer Genössiimen von Janessen«ach Falkenau zu begleiten und im Festzug mitzumarschiere». Dem Karlsbader Bezirk der Frauen folgte,- mit einem breiten Transparent voran, die R r e i S g r u p p e derTUrnerinnen in ll n i f o r m, die von der Egerer SJ.-Faitfarciitapelle geführt wurde. Der Turnerinnenschar schloß sich mui noch ein überaus langer Zug der Frauen aus den Bezirken El b.o g en>md F a l k e n a u an. Eine Hundertschaft strammer Ordner bildete dann den Abschluß. Der Zug marschierte auf der ganzen langen Streck«— der Einmarsch auf dem Festplatz war schon sm Gange und erfolgte zeitweise-in zwei Teilen, als der Schluß sich beim Arbeiterheim erst in Bewegung setzte!—•'■»tret) ein gewaltiges Spalier, von dcn lvar« lenden Massen immer und immer wieder jubelnd begrüßt. Besonders am Marktplatz, wo auch zwei Hundertschaften Roter Wehr und Jugendstaffeln Spalier bildeten und hunderte Kinder Aufstellung genommen hatten, an denen die tausenden Frauen und Mädchen im Gegenzug vorbeimärschierten, gestaltete sich die Begrüßung zu einem Jubel sondergleichem zu ejner hinreißenden Kundgebung der Verbundenheit, und Gemeinschaft. Auch beim Einmarsch .auf den Festplatz nahmen Vie'„FreundschaftI"» unk „Freiheit!"-Rufe schier kein Ende. Vom Jimndtag In Eulaü Organisation der tschechischen Arbeiterturner qm schaffen hat. In der für die tschechische Sozial« demokratie allerärgsten Zeit, im Jahre 1919, att die Kommunisten das stolze Gebäude der tschechischen Arbeiterbewegung zerstören wollten, kam Silaba wieder nach Prag und ist von, da an mit Hummelhans der Führer der tschechischen Arbeiterturner. Er hat auf diesem Gebiete Außerordentliches geleistet, er tvar der Sekretär aller Arbeiter- Olympiaden und die letzte Olympiade im Juli 1934 hat sein organisatorisches und technisches Können im hellsten Lichte erstrahlen lassen. Es lvar ihm auch vergönnt über die Grenzen seiner Nation und seines Vaterlandes hinaus zu wirken. Seit 1920 Mitglied der Arbeitersport-Internationale wurde er schließlich zum internationalen Sekretär gewählt, was eilt Beweis des großen Vertrauens ist, dgs die Nrbeitersportler der ganzen Welt zu den Fähigkeiten Silabas haben. Die deutsche Arbeitcrschast, die in Silaba einen der tatkräftigsten Vorkämpfer der internationalen proletarischen Einheit in der Tschcchoslowa« fei verehrt, bringt ihm an seinem 60. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche dar. Aufstand gegen die mandschurischen Henker Mukden, 31. Juli. Wie eine Mandschurische Agentur meldet, solle!»„chinesische Banditen" in Jnkoon hundert javanische Sonaten mit zwöls Offizieren überrmnpelt und gefangengenommen haben. Nach unbestätigten Meldungen sollen Vie Offiziere von den„Räubern" erschossen worden sein. Japanische Flugzeuge haben darauf Vie Bororte in Jnkoon mit Bomben belegt. Wie«enschlich, wie rührend...! Wenn man die Berichte der Presse, auch der sozusagen liberalen, über die Erinordung Dollfuß' liest, mochte man glauben, daß die Journalisten die empfänglichsten und weichsten Gemüter haben. Wie rührend zu lesen, daß Mussolini beinahe „zärtlich" war, als er Frau Dollfuß die Schrek. kcnSnachricht brachte. Wie interessant, daß er in Staubmantel und Autobrille die Treppe hinauf, lief, wie lehrhaft, nebenbei zu hören, daß der Duee in Riccione nur eilt„bescheidenes" Land. hat«S bewohnt, daß er sich nur die dringendste' Erholung von den, ach, so schweren Regiernngs- gcschästen gönnt! Dani» tröstet er die Kinder, die beim Onkel blieben, während die Mutter noch Wien fährt. Alle Achtung vor dem Schmerz der Mutter und dem Jammer der Kinder. Aber ist das nicht derselbe M u s s o l i n i, der Ta», senden Kindern beit Vater geraubt hat, der den bestialischen Mord a n Matteotti verantwortet? Auch Giacomo Matteotti hinterließ eine junge Frall und kleine Kinder. Aber diese Fran hat der Duce noch Jahre nach dem Tode des Mannes grausam behandelt! lassen. Sie wird überwacht, ste darf Italien nicht verlassen; Men. scheu, die ihr zur Flucht aus dem so menschliche» Reiche Mussolinis verhelfen wollten, sind hart bestraft worden, als wären sie Hochverräter, lind hatte M ü n i ch r e i t e r, den Dollfuß morden ließ, nicht Kinder, hat Svoboda nicht vier Waisen vaterlos hinterlassen, als eidbrüchige Schergen ihn zum Galgen schleiften! Es ist riih- rend, daß Frau Dollfuß von einem so mächtigen und zartfiihlenden Freund wie es der Diktator Italiens ist, getröstet wurde. Mit FräuSta- nck hat man weniger.Geschichten gemacht Als sie, ahnungslos, da der verurteilte Gatte ihr nichts von feinem nahen Los verraten hatte, das Gefängnis verließ, trat ihr der Pfaffe entgegen, sagte ihr brutal ins Gesicht, sic möge deni Mann zur Büßfertigkeit zureden, da er doch in einer Stunde gehängt werde. Auch sie fiel in Ohn- macht, aber die rührselig humane Presse wollte wenig davon wissen. Und sollen wir an P a u l a Wallisch erinnern, die im Gefängnis zugegen sein mußte, als man im Hof ihren Mann moc. bete? Vielleicht ist dem Duce in Riccione der Ge- danke an Frall Matteotti aufgestiegen, dem ster- bcndcn Dollfuß der Schatten der gemordeten Gegner— der liberalen Presse begegnet so etwas nicht. Sic kann sich mit ihren Tränen einschal. tcn, wie sie will. Sie ist stumpf und harthörig, wenn cs um Kinder und Witwen gemordeter Sozialisten geht, sie ist rührselig und human, lveull Henker sterben und ihre Kollegen die Hinterbliebenen trösten. Vom Rundfunk Empfehlen«» erte, mm de» Programmen r Donnerstag Prag, Sender L.: 10: Schallplatte». 10.20: Deutsche Nachrichten. 12.05: Lieder. 18.80: Salonorchester. 18.10: Deutsche Sendung: Der Heimat gilts. 18.20: Ländwirtschastsfunk. 19.50: Lieder- konzert. 20.40: Violinkonzert. 21.85: Klavierkonzert.— Sender S.: 10.80: Opern-Arieu. 14: Hygienetechnik. 14:. Flötenkonzert. 14.25: Deutsche Sendung: Dr..Kreisel: Wirtschaftliche Laue dee deutschen Gastgewerbes. 14.45: Schallplatten. 15: Deutsche Presse.—Brünn: 14: Deutscher Arbeits- mqrkt. 18.20: Deutsche Sendung: Arbeiterfünk: Schramek: Aktuelle Zeitprobleme. 18.40: Ama- teütphotographie. 19,10: Musik für Kinder. 20.10: Das gelbe Europa. Schallplattenrevue.— Mährisch- Ostrau: 15,15: Orchesterkonzert. 18.20: Deutsche Sendung: Klebinder: Berufswahl. 19.50.: Lieder von Massenet Mittwoch, 1.«MKft 1934 Ei» Gang durchs Ariffiger Arbeitslager Die Not der Jugend unserer Zeit ist groß. Die internationale Wirtschaft ist noch immer krank, Millionen arbeitSsreudiger Hände ruhen. Die meisten der Schule und der Lehre entwachse« neu Jugendlichen kennen den Begriff der Arbeit nur vom Hörensagen. ES war ihnen trotz aller Bemühungen nicht möglich, sich in den Arbeit»« Prozeß einzuschalten. Freudlos, inhaltslos ist da» Leben dieser Jugend, die am Leben verzweifeln tnnß, wird ihr nicht Hilfe zuteil. Unmeßbar« menschliche und kulturelle Werte gehen verloren. Die„Wirtschaft- hat versagt. Sie vermag nicht, die Produktion so zu reaeln, daß alle rca« famen, Menschenhände Beschäftigung und Verdienst finden. Der Beutel der öffentlichen Kassen ist leer. Die Menschheit krankt an der Krise... Geeignete und ungeeignete Mittel werden angewandt und ausprobiert, die Wirkungen der Krise zu paralysieren. Ost verzweifelte Mittel, in der Hoffnung, lindernd zu wirken... Ein Mittel,— wenn auch iin Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten ein nur unvollständiges,— die Jugendnot zu lindern, sind die Arbeitslager, die in größerem Umfange nun auch in der<£. S. R. errichtet werden. Weit entfernt davon, behaupten zu wollen, daß mit Hilfe der Arbeitslager das umfangreiche Problem der Jugendnot gelöst werden könnte, darf man doch mit einer Genugtuung sagen, daß die Idee, richtig ausgewertet, sich äußerst wertvoll auswirken kann für die in der körperlichen und geistigen Entwicklung stehenden Jugendlichen. Gemeinschaftsgeist>vird geweckt, Kamerad« schaftsgefühl wird lebendig, der Sinn für Ordnung, Sauberkeit, Disziplin wird gestärkt, die körperliche und geistige Arbeitslust angeregt, das Vertrauen zum Arbeitskameraden gestärkt, der Eigenwille und der persönliche Mut gestählt. Die jungen Menschen ordnen sich gleichsam ein in die Gesellschaft, der sie einstmals wertvolle Dienste leisten sollen. G Die Stadt Ansfig unterhält seit dem 23. Juli ein Arbeitslager. Auf dem Schönpriesener Sportplatz werden umfangreiche Erdbewegungen vorgenommen. Der Platz wird nivelliert, wie eS. schon lange der Wunsch der sporttreibenden Bewohnerschaft war. Angehörige der verschiedensten Berufe: Kaufleute, Handlungsgehilfen, Friseure. Handarbeiter leisten hier Dienst an der Allgemeinheit. Alle sind glücklich, Betätigung gefunden zu haben, freuen sich, der tödlichen Langeweile und der Untätigkeit mit ihren vielfachen Gefahren entronnen zu sein. Es ist eine Freude, die jungen Menschen in-ihrer Tätigkeit zu beobachten und bei ihrenjvc- mühungen, die vielfach ungewohnte Arbeit zufriedenstellend auszuführen. Man darf selbstverständlich nicht die Leistung eines geübten Facharbeiters erwarten. Das entspräche auch keinesfalls den Grundsätzen von Leistung und Gegenleistung. Grundsatz des Arbeitsdienstes soll und muß die Freiwilligkeit der Arbeit bleiben. Di« Logeseinteilung der Arbeitsgemeinschaft ist genau geregelt. Der Tag beginnt um fünf Uhr morgens. Zunächst werden nach dem Aufstehen durch Gymnastik die Glieder beweglich gemacht. Der Morgenkaffee mit Butterbrot stärkt zur Ar beitsleistung und um halb sieben Uhr geht e» mit der Straßenbahn von der Jugendherberge, wo die Arbeitsgemeinschaft vorbildlich untergcbracht ist urib beköstigt wird, zur Arbeitsstätte nach Schönpricsen. Die Arbeitszeit bis halb ein Uhr mittags, wird durch eine halbstündige Frühstückspause, in der e» Butterbrot und Lire gibt, unterbrochen. Dann heißt cö wieder hurtig tätig sein. Und der gesunde Appetit ist verständlich, den die Arbeitsbienen bei ihrem Wiedereintreffen kV der Jugendherberge zur Mittagsrast entfalten. Trefflich mundet da eine gute Reissuppe und ein Gericht Erbsen mit Speck, kräftig und schmackhaft zubereitet..... Die Verköstigung ist abwechslungsreich, wie aus einer Speisenfolge für die Mittagskost hervorgeht: 23. Juli: Nudelsuppe, Gulasch und Reis. 24. Juli: ReiSsuppe, Kartoffeln, Karbonade mit Gurkensalat. 25. Juli: Grießsuppe, Knödel, Tillsoße und Rindfleisch. 26. Juli: ReiSsuppe und Schinkenflecke. 27. Juli: Kartoffeln, Knödel und Heidelbeer« tunke. 28. Juli: ReiSsuppe, Knödel mit Speck und Kraut. In der Mittagspause bis drei kkhr ist jeder frei in seinem Tun. Die meisten strecken die Glieder au» und erholen sich, andere tummeln sich in fröhlichem Spiel. Der Nachmittag, unterbrochen von einer Jause, dient der geistigen und körperlichen Ertüchtigung. Sportliche Uebungen werden abgelöst von Vorträgen aller Art über Hygiene, Sozialversicherung, Staatsbürgerkunde und andere Wissensgebiete. Frei und ungezwungen ist die Art der Borträge und die Aussprache, getragen von kameradschaftlichem Geist... Dreimal wöchentlich wird gebadet im Stadtbad oder im Warmbad Kleiscke. Zur täaliäicn Reinigung stehen, in der Jugendherberge Wasch» und Duscheinrichtnngen zur Verfügung. Die Beköstigung ist tadellos, zwar einfach, aber nahrhaft zubereitet. Sauber und schmackhaft wird das Essen zubereitet. Alle haben die Möglichkeit, sich gehörig satt zu essen, besonders bei den Hauptmahlzeiten, morgens, mittag» und abends. Auch die Unterkunft in der idyllisch gelegenen und praktisch auSgestat- teten Jugendherberge ist einwandfrei... Die Arbeitsgemeinschaft verwaltet sich selbst. Zur Zeit sind neben einem technischen und einem administrativen Leiter einschließlich des Küchenpersonals, daS die Arbeitsgemeinschaft ebenfalls stellt, 32 Personen beschäftigt, Jugendliche im Alter bis zu 25'Jahren. Reben der freien Verpflegung, Unterkunft upd Arbeitskleidung erhalten die Angchöerklen^dör^Gemeinschaf» wöchentlich 30 Kronen. Außerdem sind sie bei der Sozialversicherung versichert. Schaffensfreude, kameradschaftlicher Geist, Lebenslust, Heiterkeit, fanden in der Arbeitsgemeinschaft eine Stätte. Die Arbeit ist der Motor aller Kultur. Dieser alte ErfahrungSsatz bewahrheitet sich hier wieder aufs neue. Hoffentlich folgen dem ersten Arbeitslager der Stadt Aussig noch weitere. Einrichtungen, die linste jungen Menschen der Trostlosigkeit entreißen, verdienen tatkräftigste ideelle und finanzielle Unterstützung der Behörden und aller Kreise der Bevölkerung. D»r Schul»e»im,. Im Hinblick darauf, daß das Schuljahr 1984/35 mit einem Samstag, dem 1. September, beginnen würde, gestattet« der Minister für Unterricht und Volkskultur, daß der Schulbeginn an Mittel-, Fach- und gewerblichen Fortbildungsschulen ausnahmsweise auf den 8. September 1934 festgesetzt werde. Späte«ad halbe Besinn«»». In der christlichsozialen Zeitung„Das Volk" wendet sich der christttche Gewerkschaftsführer HanSSchütz gegen den polittfchen Mord. So erfreulich es ist, dem'er ihn verdammt, so sehr zu bedauern bleibt, daß die Christlichsozialen so spät und erst, nachdem es einen der ihren getroffen hat, zur Besinnung kommen. Denn alle», was Schütz gegen di« fluchwürdige Roheit de« polittfchen Morde» sagt, gegen die Verwahrlosung der Polemik, die noch den Ermordeten beschimpft, all das hat früher auch aeaolten und ist gerade von den Christlich» sozialen nicht anerkannt worden. Die im Feber gehenkten österreichischen Schutzbündler sind Opfer politischer Morde, so gut wie Dollfuß. Sie hatten aber das bessere Recht auf ihrer Seite. Sie kämpften für die Verfassung, für die RechtSord-' nung, für das friedliche Zusammenleben der Völker und der Staatsbürger in der Demokratie. Dollfuß kämpfte für die Erhaltung eines System», da» auf Eidbruch und Gewalt begründet war. „Vielleicht," sagt Herr Schütz,„tritt unglaubliche Roheit dem sich im Todeskampf windenden Menschen noch ein paar Rippen ein." Run, im Feber hat sich in Wien so etwa» abgespielt. Der schwerverwundete Schutzbündler Münichreiter, van den Aerzten bereits aufgegeben, mit zwei Schüssen im Leibe, wird von seinem Schmerzenslager in den Gerichtssaal geführt, in der Tragbahre unter den Galgen geschafft, von den legalen Mördern gemeuchelt— im Auftrag und im Namen jene» Dollfuß, um den die Christlichsozia- len jetzt so heiße Tränen vergießen l Und mit Befriedigung haben die christlichen Blätter damals berichtet, daß die Heimwehrler die gefangenen und verwundeten Schutzbündler„niedergemacht" haben. Wir haben nicht vernommen, daß Herr Schütz damals- zur Bibel gegriffen und da» Kapitel von Kain und Abel nachgelesen hätte. Erft jetzt fällt«» ihm«in. Und noch etwa». Er beklagt immer wieder, daß die Morde in Oesterreich Brudermorde seien, weil Deutsch« gegen Deutsche stehen. Ist also nur der Mord an Konnationalen ein Verbrechen? Ist ri die Moral der„katholischen", also„allgemeinen", der weltumspannenden Kirch«, daß man den AnderSnattonalen abschlachten darf? Die Erkenntnis des Herrn Schütz kommt sehr spät und ist leider nur eine halb« Besinnung. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Aus Wien wird mitgeteilt: Die Nachrichten, daß Richard Strauß sein«! Beteiligung an den Salzburger Festspielen abgesagt habe und daß aus diesem Grunde di« Wiener Staatsoper alle Werke des Komponisten au» dem Programm streichen werd«, entsprechen nicht der Wahrheit. Richard Strauß wild nach Salzburg kommen und dort am 12. August ein Konzert seiner Kompositionen letten. Dir deutsche Httualaja-Etvedttwu. Wie nunmehr berichtet wird, hätte da» Verderben, dem di« deutsch« Expedition zum Himalaja zum Opfer fiel, hintangehalten werden können, wenn die Aufnahmestation den meteorologischen Bericht vom 7. Juli, dec von der Statton in Poona ausgesandt wurde und in dem die Expedition vor heftigen Stürmen und Winden gewarnt hatte, aufgcfangen hätte. Man nimmt an, daß die Aufnahmestatton der Expedition bereit» vom 26. Juni an nicht mehr funktioniert hatte. Ein Gaäunglück forderte in der Nackt zum Dienstag in Ilmenau, drei Tote. In der im Erdgeschoß gelegenen Wohnung de» Lokomotivführer a. D. Hermann T r e i b i g war, während die Eheleute und eine in Untermiete wohnende Posckeamtfn schliefen, durch einen schadhaften Schlauch Gas entwichen. Al» Dienstag morgen' die Postbeamttn nicht im Dienst erschien, forschte man nach ihr und entdtckte das Unglück. Die Eheleute ir.b die Beamtin waren bereits wt. Eine Pragerin in den Savoyischen Alp«« abgrstürzt. Bei Lans-le-Bourg in Savoyen wollten neun Touristen den Gipfel des Berges Madeleine besteigen und Edelweiß pflücken. Eine Touristin, die 54jährige Market« Kuierovä au» Prag, wurde plötzlich von Unwohlsein be« fallen uick stürzte auü einer Höhe von 100 Meter ab. Sie erlitt eine schwere Kopfverletzung und wurde nach LanS-de-Bourg gebracht, wohin ihr Sohn, Advokat in Prag, berufen wurde. Auch der Papst fährt auf Sommerfrische. In vatikanischen Kreisen wird versichert, daß sich der hl. Vater heute zum Sommevaufenthalt nach Taste! Gendolfo begäben wird. . Bilanz der Hochwasserschäden. Am Dienstag wurde die erste offiziell« Aufstellung der durch di« Ueberschwemmungskataftrophe auf dem Gebiete der Krakauer Wojwodschaft angerichteten Materialschäden veröffentlicht. Rach dieser Aufstellung beträgt der Schäden, der allein durch die vernichtet« Ernte verursacht wurde, gegen 100 Millionen Zloty. Insgesamt wurden auf dem Gebiete der KrakauerWojwodschaft. 780 Dorfgemeinden mit 200.000 Hektar Ackerland überschwemmt. In der genannten Schadensumme von 100 Milionen Zloty sind di« Materialschäden, die durch die Vernichtung von' Straßen, Eisenbahnbrücken und Häusern angerichtet wurden, nicht inbegriffen. „Freiwillige" Entschädigung. In Beantwortung einer Unterhausanfrage teilte Lordsiegelbewahrer Eden mit, daß die türkisch« Regierung freiwillig und von sick au» die Zahlung einer Entschädigung an die Hinterbliebenen des bei der Insel Samos von einem türkischen Wachposten versehentlich erschossenen englischen Marinearztes Robinson angeboten habe. Zweitausend englische Pfund seien bereit» al» Anzahlung überwiesen worden. Schutz vor Fliegerangriffen? Die Pariser Polucipräfektur bat überaus umfanareicke Verordnungen icker den Verkauf von Schutzmitteln für die passive Verteidigung der Bevölkerung ausgegeben. Die Verordnung verfolgt in erster Linie den Zweck, die Kontrolle der Mttel für die passive Verteidigung, welch« in den Verkauf gelangen, sicherzustellen, damit diese Mittel den Forderungen der Sicherheit entsprechen. Der Po- lizeipräfekt von Paris gab hierauf in einer Unterredung mit Journalisten auch eine eingehende llebersicht über die Arbeiten in seinem Wir- kunaSbereiche, welche er unternommen bat und noch unternehmen wird, hauptsächlich, soweit e» sich um den Bau von Deckungen. Alärmeinricktunaen und, dergleichen handelt. Die Linksblätter kritisieren die erwähnten Maßnahmen..L'Oeuvre" macht z. B. auf die Berfehltheit der nichtmilitärischen passive» Verteidigung aufmerksam und verweist auf den Unterschiä her Erfahrungen, welche did britischen und die französischen militärischen Kreise gewonnen haben. Rach Anschauung der britischen Militärkreise ist die Berteidi» auna London» nickt gelungen, während'nach Ansicht der französischen Militärkreise die Verteidigung Lyon» gegen Luftangriffe bei den vor kurzem abgehaltenen großen Manöver» gelungen sei.' Der Stlherssrrifrn a«f dem Horizont der Brau, kapitalisten. Die Wirtschaftskrise hat in der Tscheche« slowakischen Repüblik im Minter ihren Tiefpunkt erreicht, die Zahl der Arbeitslosen ist bi» zum Sommer um rund ein Drittel zurückgegangen. Während der BierauSstoß 1981 gegen 1980 um 9 Prozent, 1982 um weitere 6 Prozent, 1988 um 16.7 Prozent zurückging, hält der Anstieg de» BierauSstotze» im ersten Halbjahre 1984 an. Der GrsamtauSstoß(1000 Hek liier) hat von 650<640 im April) auf 794 (745) im Mai zugenommen. DaS PluS gegenüber dem Vorjahre, da» im April nur 1.6 Prozent betrug, ist im Mai auf 6.5 Prozent gestiegen. Auch im Juni ist der Absatz gestiegen. Rach der Borschätzung des BrauerriverbandeS ergibt sich im Juni ein Mehr- auSstoß gegenüber dem Vorjahre von insgesamt 8.5 Prozent. Allerdings profitiert nur da» billig« Schankbier von der Absatzbefferung, das«in Pb'*> von 5.5 Prozent aufweist, während Lagerbier noch um 1.5 Prozent, Spezialbier sogar um 16 Prozent hinter dem Vorjahr« zurückbleibt. In den einzelnen Bezirken ergeben sich folgende Verschiebungen: Prag Stadt plu» 10.5 Prozent, Preßburg plus 8 Prozent, Prag-Land plu» 4 Prozent, Pilsen-Stadt plu» 4 Prozent, Mährisch-Ostrau plu» 4 Prozent, König- grätz plu» 8.5 Prozent, Kolin, Deutsch-Brod plu» 8 Prozent, Eger, Karlsbad, Aussig, Saaz plu» 2.5 Prozent, Reichenberg plu» 2 Prozent,-Pilsen-Land unverändert, Brünn minu» 1 Prozent, Budwei» minus 8.5 Prozent. AnSwandmmng im Juni 1934. Rach den vorläufigen Vormerkungen des Statistischen Staat»- amtes, zu deren Vollständigkeit noch Berichte au» 15 Bezirken fehlen, wurden im Monat« Juni für 886 lim Monate Mai für 675) Personen Au»Wan« dererpässe ausgestellt, u. zw. in Böhmen für 61(63) Personen, in Mähren-Schlesien für 88 (42), in der Slowakei für 279(557), in Karpatho- rußland für 8(18) Personen. Von der Gesamtzahl der Personen, für die AuStvandererpäffe ausgestellt wurden, gäben im Juni im ganzen 224(402) Personen al» Reiseziel europäische Staaten an, u, zw.: Frankreich 158(821), die Union der Soz. Sowjet- Republiken 9(15). Oesterreich 10(8), Deutschland 11(5), Belgien 2(12), Jngoflawien 25(9), Rumänien 4(12). sonstige europäische Staaten 10 (20); Ueberseestaaten im ganzen 162(278) Personen,'«. zw.: Kanada 66(124), die Bereinigten Staaten von'Amerika 48(84), Argentinien 26 (19), Paraguay 18(21), sonstige Ueberseestaaten 14(25). Sttwb Wie Klausener und Deck ermordet wurden Die von katholischer Seiten unter Rückendeckung durch den Vatikan, vorgenommenen Nachforschungen über die Ermordung de» Führer» der katholischen Aktion, Dr. Klausene r, und de» Leiter» de» Münchner StudentenauStaüschbüro», Dr. Beck, haben folgendes ergeben: Am Morgen dr» 30. J«ni erschienen in Klausener» Bür» zwri SD-Leute, di« ihn dringend z« sprech«» wünschten. Klausener, der gerade Besuch hatte, antwortete, dass di« SS-Leute warten sollten. Diese erklärten jedoch, dass ihre An- grlegenheit sehr dringend wäre. Daraufhin schickte Klausener«ine» Besucher, der sich gerade bei ihn« aufhielt, in da» Borzimmer und bat ihn,«inen Augenblick zu warten. Al» d«r Besucher nicht mehr in Klausener» Büro gerufen wurde, verliess er da» Han»; auf der Treppe kam ihm, schreckensbleich, rin Beamter nachgrlaufen, der ihm mitteilte, er habe soeben Klausener mit einer Schußwunde im Hinterkopf tot im Büro liegen gesehen. Am folgenden Tage läutete der RrichSvrrkehrSminister Elz von Rübenach di» Fra« Klausener» an und sagt« ihr:„Ich muss Ihnen mitteil««, dass Jbr Mann v«rhastet wurde,«eil er an einer Per- schwörnng gegen den Staat trilgenommen hat: er hat daraufhin Srlbstmord verübt." Da» war alle». Da» Organ des Vatikan»,„Observatore Romano", berichtet, daß die Leiche Klausener» verscharrt aufgefunden worden sei,«in Revolver habe an seiner Seite und sein Hut zwischen seinen Beinen gelegen.„Die Wahrheit", schreibt da» Blatt,„wurde nur dank der Enthüllungen eines Manne» bekannt, der beauftragt worden war. den Leichnam fortzuschaffen und der die Verwundung gesehen hat: Klausener wurde„selbstgcmordet", von hinten, mit einem Schuß in den Nacken." Dr. Beck wurde am 80. Juni telephonisch angerufen; es wurde ihm mitgeteilt, daß er in München bleiben sollte, um einige Auskünfte zu geben. Um 10 Uhr abend» ist er au» seiner Wohnung geholt worden und schon um 11 Uhr war bekannt, daß er erschossen wurde. Sein« Leiche, die in einem Wald in der Umgebung Münchens versteckt worden war, zeigte schwere Schußwunden am Kops und andere Verletzungen. Die goldene Uhr Dr. Becks und die Brieftasche, in der sich 100 Mk. befunden hatten, waren geraubt worden.(Jn- preß.) NMMt M WM „ B»k BtUMubtl Aus dem voM Sekretariat des Völkerbünde» vorgelegten Monatsbericht geht hervor, daß der Welthandel, nach dem Goldwert berechnet, im Mai 1934 etwas höher ist als im April 1934. Gegenüber dem Mai 1933 aber ist ein erneuter leichter Rückgang festzustellen, der bei der Einfuhr b'/i Prozent bei der Ausfuhr 5 Prozent beträgt. Im Vergleich mit dem besten Welthandelsjahr (1929) ist der Welthandel im Mai 1934 goldwertmäßig auf 33,2 Prozent gesunkenI Da» Völ» kerbundsekretariat nimmt an, daß sich im Jahr 1934 der Welthandel etwa in dem gleichen Umfang hält wie im Vorjahr, da die Goldpreise i-it Beginn diese» Jahre» ständig sinken. DaS würde also bestenfalls eine Stagnation de» Welthandel» bedeuten, keinesfalls aber den Aufschwung, der für 1934 von Optimisten vorauSgesagt worden war. «»»es tetetMtiiMdH Martell Der internationale Zusammenschluß der Kapitalisten geht ununterbrochen weiter. Daß eS sich dabei nicht um eine Organisierung zur planvollen Gestaltung der Produktion, die ja im Kapitalismus auck nicht möglich ist, sondern um die Durchsetzung höherer Preise zur Erzielung eine» UcberprofitrS handelt, dafür ist das eben zustande gekommene internationale Wcißblechabtommen eia »euer Beweis. Diesem Abkommen sind England» die Bereinigten Staaten von Nordamerika, Deutschland, Frankreich und Italien beigetrcten. Die erste Maßnahme war, daß der größte Weiß- blcchproduzcnt der Welt. England, unter dem Schutz de» neuen Abkommens sofort die Preise erhöhte I Konstttuirrnnft einer Sevim» der Vertreter der Mühlen-«d Mehl.«ngre»grs«»ste fei der Union der Geschäftsreisenden und Vettreter. Am Freitag, den 27. d. M., fand die konstituierend« Versammlung einer besonderen Sektion der Vertreter der Mehl- und Mühlen-Engrosgeschäfte unter zahlreicher Beteiligung der Interessenten statt. Die Schaffung des Ge« treidemonopol» hat auch für die Mehlvertreter eine neue Situation geschaffen und stehen diese vor neuen Existenzproblemen, die st« durch gemeinsame» vorgehen lösen wollen. In der Versammlung wurde ein eigener Ausschuß mit der Leitung dieser Sektton betraut und wurden demselben auch Vollmachten erteilt, in der nächsten Zeit di« nöttgen Maßnahmen im Interesse der Mehlvertreter zy ergreifen Böhmen An es 11,71 22,18 Statistik. cs wuchs 2,84 2,38 2,30 10.2 10,70 Gebiet 1033 16,58 17.80 24.80 34.80 Orangen- 1.01 1.50 1.28 4,08 3,78 3,83 3,17 3.06 3,00 T. 2,84 1020 18,00 21,31 20,03 30,40 Tannwald Marienbad Grnlich Pysokön. Jizeron 1.03 Jitin Warnsdorf Haida in der Slowakei in Karpnthvrußland Für das gesamte tischen Republik beträgt der IIcücrschuß der Lcbendgeboreyen über die Gestorbene».im. Jahre 1033 auf 1000 Einwohner 5,50. Im Jähre 102» batte dieser Neberschuß 12,22 betragen. Lieser Höchststand ist seither nicht wieder erreicht worden, so daß als» eine Verlangsamung deö Tempos der Be» völterungszunahme ring-treten ist., Auch bei der B e w egu n g d.e r Geburten- 4 i f f e r n lägt sich mit dem. schärferen Einsehen der Krise ein Rückgang beobachten. Die Geburten- zifser ist in der Slowakei und in Karpathoruß- länd stets bedeutend höher als in dem industriellen Böhmen und Mähren-Schlesien. Es gab den einzelnen Ländern kamen 1033 auf 1000 Einwohner Eheschließungen: 1020 0,47 0,42 0,62 0,56 r c S », Für das.Gebiet der Tschechoslowakischen Republik ist diese Ziffer 8,30. Damit ist in allen Ländern und auch im ganzen Staat»in neuer Tiefstand der Eheschliessungen erreicht worden. Di« größte Zahl der Eheschließungen weist die Stadt Reudeck mit 11,20 auf 1000 Einwohner auf. In Prag entfallen 0,08 Eheschließungen auf 1000 Einwohner. Die niedrigst c n Eheschließung»,»ffcrn haben folgende Orte aufzuweisen: Wintcrberg mit 5,02, Svalava mit 5,80, Zilina mit 5,86, Rcvuca mit5,70, Bhstrica- Povazska mit 5,50 und Snina mit 5,45. Es läßt sich die"recht bemerkenswerte Feststellung machen, daß die Eheschließungen spätestens seit 1031 im Rückgang sind, während sie von 1026 bis 1020 zugenommen haben. Da sich seit 1031 die Krise in unserem Staate schärfer durchzusehen begann, scheint der Zusammenhang zwischen »em Rückgang der Eheschließungen und der Verschlrchternng der sozialen Lage weiter Bevölkerungsschichten durch die Kris« gegeben zu sein. * 13,40 22,05 der Tschechoslowa- ein Hüne. Abends um acht lädt er die Waffe und beginnt seinen Rundgang. Das ist sein Amt, er ist der Wächter des Dorfes. Um elf versorgt ihn eine gütige Küchenfee mit Kartoffelpuffern, er frißt wie ein Scheunendrescher. SeinenRamenhat der„Beduine" nach seiner Heimat Berditschew, einer kleinen Stadt in Rußland, und nach'8em großen Abenteuer seines Lebens: als er auf der Rabbincrschule in Warschau genug Talmud und Tora, auf der Universität Jerusalem genug arabisch studiert hatte, hängte er sich das Gewand der Wüste um. zog nach Transjordanien und lebte zwei Jahre lang als Schafhirt unter Beduinen. In guten Zeiten sang er mit ihnen, in schlechten stahl er mit ihnen, Allah ist groß, Allah wird ihm verzeihen. Jetzt bewacht er also das Landschulheim bei Tel-Aviv. Das ist für ihn„ein ruhiger Posten", man lebt hier, auch in Zeiten, der Erregung, mit den Arabern der Umgebung in bestem Einvernehmen. Kürzlich veranstalteten die Kinder ein großes Schulfest; unter den Gästen waren mehr Scheichs, Fellachen und Fellachinnen als Juden, und das umfangreiche Festprogramm wurde in mehreren Tanznummern von Arabern bestritten. Die Ben- Schemencr stellten pantomimisch die Geschichte von Josef und seinen Brüdern dar. Keiner im Dorf, der an der Aufführung nicht irgendwie beteiligt gewesen Iväre, darstellerisch, als Bühnenarbeiter oder sonstwie. Arabisch ist im Rahmen d«S Unter- rickUsplan sogar Pflichtfach. Das ist gut so, denn die Juden werden mit den Arabern nie zu einer tixfen^Verständigung kommen, wenn sie sich nicht mit ihnen— verständigen können. Aber arabisch wird auch auf den Realschulen und Gymnasien der Städte gelehrt. Eigenartiger ist, wie nach deni bewährten Beispiel der deutschen Arbeitsschulen und durch eigene Institutionen ergänzt in Bcn-Schemeil der theoretische Unterricht ständig mit dem praktischen Leben verbunden wird. In der Schule lernt das Sechsjährige schreiben: Das Huhn hat Federn. Wenn cs zehn Jahre alt ist, hilft cs, fachmännisch, geführt, im eigenen Hühnerstall. Tas Siebenjährige lernt einen Bgum zeichnen— aber mit elf Jahren in der Baumschule ihn zu pflegen. Oder jeder von uns hat an dem Satz geübt: Der Bauer bestellt das Feld. Wer von uns hat schon einmal, ein Feld bestellt? In Ben- Schemen lernen sie's. Die Schule ist das Leben, das Heben die Schule.„Ackerbau",„Hühnerzucht". „Plgntagenbau"— das sind bei. den älteren Schülern einige der Unterrichtsfächer. Andere führen in die Bezirke des Künstlerischen, oder>in Geschichte und Gegenwart fremder Länder, und auch hier soll, die Anschauung, ergänzen: eine Grupp? von Ben-Schcmen-Zöglingen konnte nach Aegypten fahrens eine andere nach Syrien.- Ein Satz aus dem Schnlprogramm:„Trotz der starken Bindung an unser Volk und. an Palästina als Heimatland.. trift, unsere Erziehung offen und eindeutig gegen d i e,Form des Patriotismus auf,.die mit der Idee Palästinas Kinderrepubltt Bon Erich Gottzetzeu, Jerusalem Stets gibt's im Dorfe Neues. Jetzt baut sich ein Museum. Es wird ein Heimatmuseum, die Erzeugnisse des Landes soll es bergen, die Besucher sollen an ihnen lernen... aber vielleicht ivird man auch ein Eckchen des Museums der eigenen Geschichte widmen, das tväre nicht uninteressant. . Der Gründer des palästinensischen Jugend- dorfes B e n- S ch e m c ir ist Doktor Siegfried L c h m a ki n. 1027 kam er ins Land— mit fünfzehn Kindern, ostjüdischen Besprisorni, die er zuvor im Waisenhaus Kowno betraut hatte. Zehn Dunam Boden und eine alte vcrfallnc landwirt- schaftlichcVersuchöstation.waren zur Verfügung gestellt. Die Sechzehn wohnten in' Zelten, ein kleiner Esel lvar auch dabei. Wie primitiv bei diesem Anfang das Leben war. läßt sich deuten. Es gibt noch Bilder jener„Pioniere", sie zeigen schwächliche, bleiche Knaben, scheue Knaben. Diese Photos gehören ins Museum, denn aus den Schwächlichen, Bleichen, Scheuen sind mittlerweile kräftige, gesunde, selbstbewußte Männer gelvordcn. Man trifft die Veteranen in den Siedlungen des Landes, am Pflug und im Stall, bei der ernte und im Weinberg. Was gehört noch ins Museum? Statistik, wie Ben-Schemen wurde, wie 1028/1020: 120 Schüler, 400 Dunam Boden; 1033/34: 300 Schüler, 800 Dunam Boden— aber das sehen wir jetzt nicht mehr im Museum an. der Eifer von dreihundert, der Krach von dreihundert, die Freude von dreihundert— das ist doch nun Wirklichkeit. Diese Buntheit: hier sind ja jetzt außer russischen und polnischen auch deutsche und amerikanische, sephardische und kurdische Kinder. Die Zelte— das sind jetzt ausgewachsene stei- nerc kleine Holzhäuser im Schatten von Johannisbrot- und Maulbeerbäumen. Uiid lvas ist noch alles da: Unterrichts- und Büroräume; Fest- und Speisesäle; Schlosserei, Tischlerei, Wäscherei und große Magazine; ein Schwimmbad, ein herrlicher Garten, ejn ganzes Lehrgut; Orangenpardcö, Gärtlierei, Feld—-7-7 das wäre so ein gedrängtes Inventarverzeichnis, übermorgen muß man's schon tvieder ergänze»;, aus dem letzten Kommn- niqne:„.... Es sollen bestehende Gebäude erweitert, neue aufgeführt, Kindergärten und neu.» Büros eingerichtet werden. Diese Arbeiten erfordern einen Kostenaufwand von 3000 Pfund. 1500 Pfund wurden bereits dem ArbeitSantt überwiesen., Die Ucbcrweisung ist sichtbar, das ganze Dorf' ist.ein einziger großer Bauplatz, der Berditschewo-Beduine muß ächtgeben, daß er bei feinem Nachtmarsch nicht stolpert... Der Berditschewo-Beduine? Wäre eigentlich auch ein Museumsstück.. Er ist groß nnd stark wie Lcbcndgcbozenc Totgeborene auf tausend Einwohner 1033 0,42 0,37 0,54 0,56 u n s e Eine Uebersicht über die Bevölkerungsbewegung. die in den Mitteilungen des Statistischen StaaisamtcS gegeben wird, enthält recht interessante Ziffern. Ta ist zuerst die Entwicklung der Ehcschlicßnngcn, für die lvir die Ziffern von 1010 und für die letzten zehn Jahre wicdergcben. Ak SMemBeWlis in ter AAMMei Tiefstand in der Zahl der Eheschließungen— Bevölkerungszunahme verlangsamt— Bevölkerungsrückgang in einzelnen Städten Mähren-Schlesien Slowakei.. Karpathorußland Im G e s a m t g e b i c t Staates entsallen auf tausend Einwohner nn Jahr 1033 10,10 Lebendgeborcne und 0,44 Totgeborene. In Böhmen und in Mähren-Schlesien gibt es»ine ganze Anzahl Orte, die weniger Lebendgeburten aufzuweifen haben als Sterbefälle. M ist in diesen Orten demnach rin na- tsirlicher Bevölkerungsrückgang sestzustellen. Dagegen ist die Slowakei und besonders Kär- pathornßland reich an Gemeinden, in denen unverhältnismäßig viel mehr Menschen geboren werden, als durch den Tod aligehen. In Tacovo in Nach der„Affäre Dreyfus", einer Reprise, die chen indiskutablen Gelatine-Wust des gleichgeödete» deutschen Films erquickend unterbrach, wird uns jetzt wieder ein Film aus Deutschlands besseren Tagen geschenkt. Ein glücklicher Gedanke, die Qualität des vorfascistischen Deutschland gegen die. niveaulose Quantität der barbarischen Episode unserer Tage auSzuspielen. Wir alle kennen-die sprudelnde Vitalität der „Dreigroschenoper", deren greifende SongS, entzündet durch die sprühende Diusikalität Weills, des heutigen Emigranten, in der ganzen Welt populär geworden sind. An diese Leistung kann der später gedrehte Film gewiß nicht heran.. Er gibt Theater, fesselnder Theater zum Teil, ab^r die faszinierende Lebendigkeit des Bühnenoriginals ist nicht geblieben. Trotzdem ist es ei». Film von Niveau, den man. gern wiedcr- steht.'‘J'- - Da ist die eigenwillige, noble Leistung Forsters, der den Gentleman-Räuber mit der glitzern-.- den Vielheit seines erpcrimcniierendcn Intellekts spielt. Ein Messer, der LaScivität mit„edler Mann», lichkeit" fesselnd zu einen Weitz. Bor allem aber sei der herben Leistung C a r 0 l a R e h e r S, der Frau des unvergeßlichen. Dichters Klabund, gedacht, die, nach anfänglicher- Kühle, bezwingend in ihre Rolle' hiuesnwächst. Wer. die ganze hoffnungslose Schoflig»-' leit der Hjtlerproduktlon erfassen und endgültig boul'. Tolerieren ihres Schundes- geheilt sein will, der. lasse die Kontrastwirkung dieses Filnts ans dem- gemordeten Deutschland aufs sich einströmen.' ■ Pi.e'r.r.e..,: Karpathorußland wurden 1033 auf 1000 Einwohner 28,35 mehr geboren, als Todesfälle zu verzeichnen waren. Zu de» Orten, die infolge starken Geburteu- rückaanas einen natürlichen BcvölkerunaSrückaana aufzuweifen haben, gehören die nachstehenden. Auf tausend Einwohner entfielen im Jahre 1038 lveniger Lebendgeborene als Gestorbene: Rumburg Braunau Brünn Friedland Reichenberg Kratzau Neustadt a. d. Unter anderen haben noch die folgenden Orte weniger Lebendgeburten als Sterbefälle aufzu- lveiscn: Wcckclsdorf, Schluckenau, Hora-Kutna, Hainspach, Rochlitz a. d. Jser, Zwickau, Kladno, Tetsckicn, Trautenau, Gablonz a. N., Deutsch- Gabel, Komotau, Wiesenberg und Karlsbad. ES ist kein Zufall, daß hü» eine Reihe Jn- dustrirort« erscheinen, die eine Bevölkerung haben, deren Armut sprichwörtlich bekannt ist. Die Uebersicht enthält noch Angaben über die Sterblichkeit im ersten Lebensjahre, auf die wir noch zurückkommen lverdcn. des brüderlich«, Zusammenlebens der Völker unvereinbar ist." Erziehung Mr Kameradschaft ist auch das Hauptmotw der„Innenpolitik". Jeweils 25 bis 30 Kinder find in einer Klvuzzäh, in einer Lebens-, Freuden» und Sorgengemeinschaft zusani- mengefaßt. Jede Kwuzzah, der ein Erzieher bei- geordnet ist, verwaltet sich selbst. Ihren äußere;« Ausdruck findet die Selbstrcgierung in wöchentlichen Versammlungen, in denen Arbeitspläne ausgestellt und besprochen oder auch allgemeine Mn- gel behandelt werden. Bor allem aber wird gemeinschaftlich gearbeitet, bei der Zimmereinrich- tung, im Stall, auf dem Feld, hier, dort. Einer hilft'dem änderen. Keiner ist allein.' 1033/34 ist da» Prinzip der gegenseitigen Hilfe besonders aktuell. Hundert Kinder aus Deutschland sind nach Ben-Schemen gekommen. Wie nötig ist es, daß ihnen die„ZabreS", die ein, geborenen oder alteingesessenen Kinder, geschwi, sterlich zur Seite stehen, denn so schön und so romantisch der luxuSlose Lebensstil ist, so schwierig ist die GewShmmg au ihn im Ansang für«die Neuen", zumeist verzärtelte, bisher von neunmal« weisen Gouvernannten überwacht« Kinder-großbürgerlicher Eltern. Außerdem wird nicht Berlinisch sondern Hebräisch gesprochen, auch das will gelernt sein. Aber gelacht wird wenigsten» in allen Sprachen gleich. Milch schmeckt überall-gut, und Anlaß zur Freude, gibt'» s tausendfältig st» Son« nenland im Süden.-Der Schlagball trifft wohlge« zielt den EffenSgong,«» kautet.—:„Mensch, kick ma, Bolle*.. das verlernt sich nicht, auch nicht unter den Maulbeerbäumen.■ Das Witze also Den«Schrmen, tzs Neinere» Umfang gibi'tz noch mehr Jugenddortzr in Palästina. Sie alle wollen die Töre öffnen, da« Land steht vor der Aufgabe, tausende von Kindem einem gesunden naturverbundene» Leben MM« führen. Di« zionistische Organisation hat„kem Geld", aber dar hat sie nie gehäbt und doch stn Land ohne Schulzwang in einem Jahrzehnt 860.000 Pfund für Schulzwecke ausgegeben. Sollt« die Organisation jetzt versagen? Pläne werden geschmiedet, Kostenanschläge errechnete Gelder gesammelt— die Aufgabe Wird gelöst werden. Ein Vorbild ist da: Ben-Schemen, Ben-Schemen am Rande de» Herzl-Waldes. Ben-Schemen ist so schön,' daß zuweilen selbst Araber kommen»Nit der Anftage, ob auch sie ihre Kinder hier erziehen lassen können. Da» wäre doch wa» für Achmahd uyd Kasem... Bez u gDbedt na u noen: Bet Zustellung tn» Hau».oder bei Bezug durch die Post monatlich KC 1«.-^. vierteljährig Aä 48.—. halbjährig itt 98.4-, amuiäbrta Kü 192—— billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nür bei Einsendung der Retourniarkdm— Die ZeitmMrankMur wurde'von«okti direktwn, mit lrkaß Nr. 13.800/VII/l»»o bewillig.- Druckerei:.Lrbi»" Druck. Verlags- und ZeitungS-A^G^Pw,/,°** UB#«•***■• Jahr Zahl der Eheschließungen Auf 1000 Einwohner entfielen Eheschließungen 1010 184.900 13,68 1024 126.624 0,00 1025 130.307 0,18 1026 130.805 0,14 1027 130.237 0,04 1028 137.201 0,48 1020 130.200 0.54 1030 136.050 0,33 1031. 120.000 8.70 1032 127.077 8,80‘ 1033 124.264 8,30 Böhmen... . 8,74 Mähren-Schlesien . 8,21 Slowakei... . 7,63 Karpathorußland . 7,40 Der Neberssbuß der Lebend»«- b 0 r c n c n über die Gestorbenen »trug in Böhmen (auf 1000 Einwohner): 1025 6,44 1030 5.04 1028 5,82 1031 3,01 1027 3,05 1032 3,3t 1028 4,75 1033 2,28 1020 3,06 In den übrigen Ländern betrug dieser tlcberschiiß: 1038 1030 1025 in Mähren -Schlesien, 5,82 8,24 10,00