Dienstag, 7. August 1934 14. Jahrgang Nr. 182 IMHiTlMf (•ImcMIattlch 5 H«ll«r Fort«) UNTRA1ORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DIR TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK UtSCHMNT MIT AUSNAHME DBS MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und Verwaltung nag xh.. fochova n. mooM SK. Administration telefonsw*. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR< WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Der Demokratenhut als Tarnkappe Hitler kapituliert vor Europa Hitler wAi keinen Anschluß, keine Kolonien und keine Revision! Die Welt, die sich das Staunen bereits ab- gewöhnt hat, empfing gestern aus dem Munde Hitlers, die immerhin verblüffende Mitteilung, Lotz Herr Hitler— ein Mustcrdcmokrat ist. Der „Führer" gab dem Korrespondenten der englischen Zeitung„Daily Mail" ein Interview, in dem er klipp und klar erklärte, das; Deutschland keinenKrieg wolle, auf die K o l o n i e n, die Revision und den Anschluß verzichte und, um dos Maß an Bravheit voll- zumachcn, überhaupt ein„Land besserer Demokraten" sei, als so manche andere Nation.. Wenn das Deutsche Nachrichtenbüro, das es ja wissen muß, den Wortlaut dieses merk- würdigen Interviews nicht selbst auSgesendet hätte, könnte man versucht fein, cS für eine Mystifikation zu halten, oder doch jeden Augenblick darauf zu warten, daß Hitler sich auf Grund dieser Acußerung wessen„VerateS nationaler Belange" selbst verhaften läßt. Um die ganze Erbärmlichkeit und innere Verlogenheit dieses Regimes zu erkennen, muß man sich einen Augenblick lang vorstellen, wie Herr Hitler und seine„braunen Bataillone" reagiert hätten, wenn Walther R a t h e n a u, oder Reichskanzler Hermann Müller, vor aller Oefscntlichkeit auf die Revision, die Kolonien und den. Anschluß Verzicht geleistet hätten. Um weit geringerer staatsnotwendigcr Konzessionen halber ist Ra- thenau von Hitlers Mörderbanden zu Tode ge- hetzt und schließlich gekillt worden, wurde Strese- mann und Hermann Müller und daS ganze .System" Jahr für Jahr unterwühlt, bespien und in den Kot gezerrt. Niemals hat sich der Nationalsozialismus so schäbig demaskiert, als in dem Augenblick, da er sich die MaSkc der „sriedfcrtigcn Demokraten" anpassen möchte. Dem aufmerksamen Beobachter war cS ja schon längst klar, daß die Politik der braunen Maul- Helden von dem Augenblick an, da sie an der Macht und damit an der Verantwortung waren, die Politik deS Verrates an all den„Belangen" war, deren AuStrommelung sie an die Macht gebracht hatte. Mit der. Preisgabe der Deutschen in Südt ir o l hat dieses Regime sein Amt angetreten, mit dem Verzicht auf Danzig setzte es fort, mit dem Verzicht auf die zu saueren ö st e r re i ch i s ch e n Trauben will cS sich nun im schwankenden Sattel halten. Den Deutschen außerhalb des Reiches könnte es allmählich klar werden, in wie sicherer Hut ihre„nationalen Belange" sich bei Herrn Hitler befinden. Wenn spätere Geschichtsschreiber sich einmal nach dem Tage fragen werden, an dem der deutsche Faseismus ideologisch zusammengebro- chen ist, werden sie vielleicht auf jene» Tag zu- rückgreifen müssen, an dem Hitler dieses Inter- View gegeben hat, auf jenen Tag, an dem Hitler vor der Welt, zugeben mutzte, daß er au Stelle des„Systems" die Hölle des dritten Reiches, seinen Terror,. seine•, Massenmorde, seine Men- schenmartcrn, seine Konzentrationslager gesetzt hat, um schließlich bei. dey Staatsmännern dieses„Systems" in die Schule zu gehen; um von denen, die-er.morden und begeifern ließ, staats» männssche Notwendigkeiten zu lernen. Von dem versprochenen- Prachtbau des«befreiten dritten. Reiches bleibt nun, da nach der„sozia- listischen" auch noch die„nationale" Ideologie verraten ist, nichts übrig als das sinnlos blutige Gerüst der Barbarenherrschast. n Reichswehr um Frankreich Hitler gab dem Berliner Vertreter der Londoner„Daily Mail" ein Interview» welches rin vollkommenes Eingeständnis deS Zusammenbruches der drntfchrn Politik feit HitlerS Machtantritt bedeutet. Das amtliche Deutsche Nach richten-Bureau gibt darüber folgenden Bericht auS: Aber diese Demaskierung kommt zu Plötz- IK, als daß man von Europa erwarten dürste, daß es sie ungeprüft zur Kenntnis nimmt. Man erinnert sich noch zu gut jener Stellen auS Hitlers„Mein Kampf", in denen Frankreich als Erbfeind, in denen der Kampf um die Revision, um die Wiedergabe der Kolonien, um den Anschluß Oesterreichs als unverrückbares Endziel Eingestellt wird, aber man erinnert sich auch ebensogut jener Stelle, an der die Lüge als erlaubtes und willkommenes politisches Kampfmittel gepriesen wird. Und wenn just am gleichen Tage, an dem Hitler dieses Interview gab, der erste Mitarbeiter des Reichswehrministers Blomberg, General von Reichenau, einem französischen Journalisten erklärt, Deutschland strebe eine Annäherung, ja ein Bündnis nist Frankreich an, dann wird Europa.allzuleicht stutzig und entsinnt sich, daß die Ersindung des „getarnten" Kampfes von eben jenem Hitler stammt, der jetzt in die Friedensschalmei bläst. Die Welt wird Hitlers neueste Wendung als Do- kument inncrpolitischen Zusammenbruches und Verzicht auf Kolonien Auf die Zwischcnfrage des Korrespondenten: Nicht einmal Kolonien? erwiderte der Führer mit erhobener Stimme: Ich Ivürde nicht das Leben eines einzigen Deutschen opfern, um irgendeine Kolonie der Welt zu erlangen. Wir Ivissen, daß die vormals deutschen Kolonien in Afrika ein kostbarer Luxus, sogar für England, sind. Die Vermehrung der britischen Luftflotte erregt nicht die geringste Erbitterung in Deutschland. Die Engländer können ihre Flotte verdoppeln und vervierfachen, sie können sie auf jede beliebige Stärke bringen. Es geht uns nichts an, da wir nicht beabsichtigen, sie anzügreifen. Der Korrespondent warf ein, England baue Flugzeuge, weil es glaube, daß Deutschland eine große Luftflotte baue, so wie cs vor dem Weltkrieg eine große Kriegsflotte baute. Hitler erwiderte: Die Engländer haben sich nicht bedroht gefühlt, als Paris, 6. August.(Havas.) Der erste Mitarbeiter des deutschen RcichswchrinkuistcrS General von Blomberg und Leiter des Büros für Nationalverteidigung, General v. Reichenau, gewährte dem Korrespondenten des„Petit Journal" eine Unterredung, in welcher er u. a. Vic volle Loyalität gegenüber dem Reichskanzler Hitler betonte., Er erklärte:„Die Armee bewundert Hitler wegen, seines persönliche» Mutes und unterschreibt in vollem Umfange seine vor einigen Tagen gehaltene Rede, in welcher er erklärte: „Die Reichswehr kann sich"auf mich verlassen, so wie auch ich mich auf sie verlasse."' Der General erklärte weiter:„Unsere Treue zum Regime ist eine vollständige.. Wir stehen alle hinter unserem Kanzler. Es ist absolut falsch, wenn davon gesprochen wird, daß' wir für irgendeine reaktionäre Regierung sind." In Angelegenheit der Abrüst u n g s k o n v e n ti o n erklärte der Generäl:„Für meinc Person seht der Begriff„Gleichberechtigung" eine A n n ä h e r n n g a n Die erste Frage des Korrespondenten bezog sich auf die allgemeinen Rüstungen und die internationalen Spannungen. Hitler erwiderte: Soweit es an Deutschland liegt, tvird es leinen neuen Krieg geben. Deutschland kennt die schlimmen Folgen eines Krieges besser als irgendein anderes Land, Es ist die Ucberzeugung der nationalsozialistischen Bctvegung, daß Krieg niemandem Nutzen bringt und nur Ruin zur Folge haben kmm. Uns würde ein Krieg keinen-Gewinn bringen. 1918 war für uns eine Lehre und eine Warnung. Wir glauben, daß die Probleme des heutigen Deutschland nicht durch Krieg geregelt werden können. Seine dem übrigen Europa gegenübergestellten Forderungen schließen keine Gefahr eines solchen Unglückes in sich. Wir verlangen nur, daß u n s.e r e j e h i g c n Grenzen aufrecht erhalte n bl e ib e n sollen. Wir werden bestimmt niemals wieder kämpfen, außer in Notwehr. Ich habe den Franzosen wiederholt versichert, daß es nach Regelung der Saarfrage keine territorialen Schwierigkeiten geben wird, tvährend ich an unserer Ostgrenze unsere friedfertigen Absichten durch Abschluß eines Paktes mit Polen bewiesen habe. Mr. Baldwin hat gesagt, die defensive Grenze. Großbritanniens liege künftig am. Rhein. Vielleicht wird ein französischer Staatsmann noch weiter gehen, und sagen, daß Frankreich an der Oder verteidigt werden mutz, oder Rußland wird vielleicht behaupten, seine nationale Verteidigungslinie erstrecke sich längs der. Donau. Man kann Deutschland bei dieser Lage. schwerlich einen Vorwurf daraus machen, wenn es. nationalen Schutz'.innerhglv seiner Grenzen sucht. Zu Ihnen,, als einem Engländer, sage ich. wenn England uns nicht angreift, werden/wir niemals einen Streit mit England haben, fei. es am Rhein öder anderswo.' W i r wollen» ich t s von En gl a n d. Fraickreich eine große Luftflotte baute. Warum sollten sie über deutsche Maßnahmen der Selbstverteidigung erregt sein? Großbitanuten liegt außerhalb unserer Berechnung. Unsere Schritte, wie wir sie tun. sind bestimmt, der Tatsache gerecht zu werden, daß wir ans dem Kontinent von einem Ring von mächtige»'Feinden umgeben sind, die eines Tages Forderungen an uns stellen könnten, die wir nicht annehmen können. ES ist nicht daS AuSniaß der Rüstungen, das die Gefahr eines Krieges schafft, sondern die Ungleichheit Ser Rüstungen. Sie ermutigt die stärkeren Nationen ehrgeizige Pläne zu hegen die die schwächere Nation nicht dulden kann. Verzieht aut Oesterreich Hitler antwortete bezüglich O e st e r r? ch. Wir werden Oesterreich nicht angreifcn, aber mir tonnen die Oestcrrcichcr nicht verhindern, zu versuchen, ihre frühere Verbindung mit Deuischland wieder herzustclleu. Diese Staaten sind nur durch eine Linie getrennt und- beiderseits dieser Linie leben Völker derselben Raste. Die Frage deS Anschlusses ist nicht ei» Pro. vlrm des heutigen TagrS. Dir österreichische Nnavhäugigkeit liegt außerhalb jeder Diskussion und niemand stellt sie in Frage. Wir wissen alle, daß dieses Ziel gegenwärtig nn- erreichbar ist, den» der Widerstand deS übrigen Europa würde zu groß fein. Der Demokrat vom SO. Juni Der Korrespondent ermähnte die ungeheuere Macht, die jetzt in Hitlers Händen vereinigt sei. Hitler erwiderte: lln fedem Jahre unterbreite ich meine Machtbefugnisse bei irgendeiner Gelegenheit dem deutschen Volke. Dieses hat die Möglichkeit, sie zu bestätigen oder zu verweigern. Wir wilden Deutschen sind bessere Demokraten al- andere N a t i o n e n. Frage: Behalten Sie daö vereinigte Amt r>eS StaatsobcrhanvteS und Kanzler auf Lebenszeit? Hitler: Es'wird dauern, bis eine nationale Abstimmung der jetzigen Rcgicrnng ihre Grundlage entzieht. Sentimentale Worte an England Dir anschließenden Worte Hitlers galten der Notwendigkeit, der Kriegspsychose ein Ende zu machen. Er sagte, er habe auf ein bcstercs Einvernehmen mit Großbritannien hingearbeiict und tue cs noch immer. Zwei germanische Rationen sollte» durch die bloße Kraft des natürlichen Instinktes Freunde fein. Die nationalsozialistische Bewegung würde einen Krieg gegen England alS rin Berbrrchrn gegen die Raffe ansehen. Frankreich voraus und sollte die Einleitung zu derselben bilden. Falls cS zu derselben nicht kommt, werden sich binnen kurzem neue technische Schwierigkeiten ergeben nnd cS wird sich die Notwendigkeit Herausstellen,. dieser Konvention eine neue Form zu geben, denn der andauernde Fortschritt in den Rüstungen.erfordert eine Vereinbarung, welche von Zeit, zu.Zeit revidiert Iver« den müßte. Falls diese Konvention nicht den Beginn einer neuen Politik bilden wird, werden ständig neue Schwierigkeiten zwischen den beiden Ländern bestehen. Das..einzige. Land, welches Frankreich die Sicherheit gelvährlcisten kann, ist Deutschland. Wir sind Nachbarn,und habe» veide eine glänzende militärische Tradition. Wir beide vereint müßten niemanden fürchten.. Die französische Presse, die dem Albdruck der Sicherheit unterliegt interessiert sich leider außer dieser Frage im besonderen nicht für irgendein spezielles Problem betreffs dieser oder jener Angelegenheit." des Verrates an seinen Anhängern„würdigen", aber sie wird weiter auf der Hut fein', solange als Begleitmusik zu Hitlers Fricdcnsworten die Eisenhämmer der geheimen Rüstnngssabriken im Rheinland dröhne» und die militärischen Kommandowortc in den deutschen Kasernen für „Ertüchtigung der Jugend" schnarren. Herr Hitler unterschätzt das berechtigte Mißtrauen, das die Welt seinen Enuntiationen entgegenbringt, wenn er meint, daß er nun nach dem ideologischen Zusammenbruch seiner Blutherrschast sich retten könlic, indem er den Dcmokra- tenhut als Tarnkappe verwendet. Entweder glaubt Hitler was er sagt: dann hat daö dritte Reich seine mörderische Rolle anSgcspielt. dann hat cs nach diesem Eingeständnis seines völligen Versagens a b z u t r c t c n und einem zivilisierten, menschenwürdigen Staatswesen Platz zu machen— oder Hitler lügt, um die Welt in trügerische Sicherheit zu wiegen: dann weiß sie, waS. sic von den FriedenSglocken, die jetzt ini Reichskanzlerpalais angeschlagen werden, zu halten hat. außer In Notwehr** Wurden die Hakenkreuzmorde nicht auch alS Notwehr bezeichnet? •eitet DikliStog, 7. Juli 1934 «r. 182 Bersarbetterlntemationale tagt Lille, 6. August. Der Kongreß der Berg, arbeiterinternationale wurde heute hier eröffnet, bei dem 1,606.000 Mitglieder dieser Organisation vertreten sind. Die australischen und amerikanischen Mitglieder haben sich entschuldigt, desgleichen die Jugoslawen, die sich soeben im Streit befinden. Zum Schluß der VormittagSsihung, in welcher hauptsächlich Begrüßungsansprachen gehalten wurden, teilte der Sekretär des Cxclutio- ausschuffes Delattre mit, daß von der internationalen GewerffchastSorgänisation der Kommunisten ein Antrag zur Bildung einer Einheitsfront eingelaufen sei, den jedoch die PlenarHung aus Grund einer früheren Abmachung ablehntc. Nachmittag wurde die erste ArbeitSsihung mit einem Referat des Generalsekretärs Delattre eröffnet, in welchem er auch der politischen Ereignisse in Deutschland und in Oesterreich gedachte, die die Lostrennung der dortigen Mitglieder von der Bergarbciterinternatioimle zur Folge hatte. Lobend sprach er sich Eber die mutige Politik del Präsidenten Roosevelt aus, die er für sehr glücklich hält. Vandervdde über Dcutsdiland UM Ute Kriegsgefahr Brüssel, 6. August.„Soir" bringt eine von B a n d e r v e l d e in Lüttich gehaltene Rede. Bandervelde sagte in seiner Deutschland sehr start angrekfcnden Rüde u. a.: „Wir befinden uns hier in 4« Kilometer Entfernung von der Regierung der Barbarei. Mr befinden uns hier in Reichweste der schweren Artillerie und drei Viertel Stunden Weges mittel- Panzerautomobil von der Stelle entfernt, wo der Krieg fieberhaft vostbcreitet und wo gemordet wird." Im weiteren Teile seiner Rede führte Bandervelde aus, wie schtvere Schuld die Autoren des Versailler Vertrages auf sich geladen hätten, daß sie den besiegten Ländern die Bil- dung von Freiwilligcn-Armecn gestatteten, die Söldner vorstellen und sich aus den elendsten Schichten rekrutieren und au- Brotintereffcn zu jedem Dienste bereit sind. Zu Ende seiner Rede sagte der Minister, er fürchte, das Morden von 1914 könne sich wiederholen. In einem solche« Falle wär« es die Pflicht aller Sozialisten, nicht nur pafliv allen KriegSbefehlen zu gehorche«, sondern auch als frei« Menschen die-Verantwortung für einen eventuellen kriegerischen Konslid zu beurteile», um dann daraus die Konsequea- zen zu ziehe«. An der gestrigen Kongreßsihung nahm eine große Zahl ausländischer sozialistischer Delegationen hauptsächlich aus Frankreich, England, der Tschechoslowakei und anderen Ländern teil. AuS Prag war eine zahlreiche Delegation österreichischer Sozialisten eingetroffen, welche in ihrem Zuge eine mit schwarzem Flor umhüllte rote Fahne trug. WeiterS haben an dem Kongreffe viele deutsche und italienische Sozialisten, welche al- Emigranten im Auslände leben, teilgenom- men. Aus der Sozialistischen Arbeiter-Internationale Sitzung des Bureaus: Die Aktionseinhest in Frankreich, die Ta erfrage, Italien Im Sitzungssaal der„Prkvoyance Sociale" in Brüssel tagte am 3. und 4, August unter dem Vorsitz von Emile Bandervelde das Bureau der Sozialistischen Arbeiter-Internationale. ES waren anwesend: Aising Andersen(Dänemark), Otto Wels(Deutschland), A. Brücke (Frankreich), W. GillieS(Großbritannien), I. D. Albarda(Holland), G. E. Modigliani(Italien), ein Bcrtreter der österreichischen Sozialdemokratie, R. Abramowitsch(Rußland), R. Lindström(Schweden), R. Grimm(Schweiz), F. Soukup(Tschechoslowakei), Ban RooSbrocck, Kassier, und Friedrich Adler, Sekretär der S.A.J. Das Bureau beschäftigte sich mit der a 1I- gemeinen politischen Lage und nahm einen Bericht von W. Gillies(Großbritannien) entgegen Bracke(Frankreich) berichtete über die von der französischen Sozialistischen Partei und der französischen Kommunistischen Partei abgeschlossene Aktionsgemeinschaft. Daran knüpfte sich eine Diskussion, an der alle Mitglieder des Bureau- teilnahmen. Dem Wunsch der franzö- sischen Sozialistischen Partei entsprechend, daß die Frage der Aktionsgemeinschaft der sozialistischen und der kommunistischen Parteien der Exekutive der S.AH. unterbreitet werde, beschloß das Bureau, diesen Gegenstand auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung der Exekutive zu setzen. Auf Antrag des Vorsitzenden hat das Bureau einstimmig folgende Entschließung über die Volksabstimmung imSaarge» biet gefaßt: Der Böllerbund hat einmütig seinen Willen' bekundet, die höchstmögliche Sicherheit der Stimmfreiheit bei der Volksabstimmung im Saargebiet zu gewährleisten. Das Bureau der S.A.J. ist der Meinung, daß diese Freiheit nicht vollständig wäre, wenn die Bewohner der Saar keine andere Wahl hätten, als die zwischen der Unterwerfung unter die Tyrannei Hitlers oder der endgültigen Trennung von Deutschland. Es wäre im Gegentell eine werwolle Garantie der Freiheit der Abstimmung, wenn von maßgebender Seite eine Erllärung abgegeben würde, wonach im Falle sich die Mehrheit der Be- völlerung des Saargebietes für die Beibehaltung des gegenwärtigen Zustandes entscheiden sollte, diese Entscheidung nach gewisser Zeit durch eine neue ersetzt werden könnte und wenn indessen der Bevölkerung des Saargebietes die Sicherheit gegeben wurde, daß sie in demokratischer Weise an der Verwaltung des Gebietes teil haben werde. Das Bureau fordert die Parteien der S.A.J. auf, in diesem Sinne auf ihre Regierungen einzuwirken. Einstimmig wurde folgende Resolution beschlossen: Da- Bureau der S.A.J. hat zur Kenntnis genommen, daß in Italien nicht nur die grausamen Verurteilungen wieder begonnen haben, sondern selbst die Namen der Verurteilten und die Taten für welche sie verurteilt wurden, nicht mehr veröffentlicht werden, so daß da» Inquisition-verfahren de- Au-nahm-gerichte- sich künftighin noch verschärft durch die vollständige Ausschaltung jeder Möglichkeit einer Kontrolle der öffentlichen Meinung über die unerträglichen Schandtaten de- Regime- in Italien. Da- Bureau lullt daher die Aufmerksamkeit der Kommission zur Untersuchung der Lage der politischen Gefangenen auf diese Tatsache und forderte sie auf, im Hinblick darauf ihre Aktion zu verstärken und die Forderung nach einer vollständigen Amnestie für die Opfer de- Kampfe- für die Freiheit und den Sozialismus in allen Ländern zu erheben.\ Anläßlich des zwanzigsten Jahrestages dir Kriegserklärung hat da- Bureau ein Manifest an die Arbeiter aller Länder gerichtet. Da- Bureau hat Adler, Tompton und Gillies zur Tagung de- Ausschusses de» Internationalen GewerlfchaftSbunde» delegiert, die am 27. und 28. August in Weymouth stattfindet. Adler wurde zu dem großen Fest delegiert, das die holländischen Sozialdemokraten am 26. August in Amsterdam aus Anlaß des 40. Jahrestages der Gründung ihrer Partei veranstalten. Zum 20. Jahrestag des Kriegsanshrndis Arbeiter und Arbeiterinnen aller Lander! Zwanzig Jahre nach dem Ausbruch heS schrecklichsten Kriegs, den die Menschheit je erlebt hat, steht dicWelt von neuem vor dem Abgrund. Vom Fieber der Krise erfaßt, haben die im Weltkriege niedergerungenen Völker MittcleuroaS von neuem jene Kräfte an die Macht gelassen, die vor zwanzig Jahren in verbrecherischem Vorsatz oder verbrecherischer Fahrlässigkeit den Wcltbrand entzündet haben. Erinnert Euch! Auf den drei europäischen Kaiserreichen von 1914 lastet die ungeheure Blutschuld der Krieg- st iftung. Imperialistische Gegensätze hatten de» Boden vorbereitet; das Wettrüsten die Entscheidung nahegerückt. Da faßte der Kronrat in Wien in unfaß- licher Verblendung den Entschluß, daS Attentat in Sarajevo zum Vorwand zu nehmen, um loszuschlagen. Der Hohenzollernkaiser trieb Oesterreich vorwärts, der Zar machte durch die Mobilisierung Rußlands jeden Versuch der Rückkehr zur Vernunft aussichtslos. So begann, ausgelöst von den drei Kaiserreichen, durch imperialistische Kräfte in allen Ländern verschärft, der Sturz in den Abgrund vier Jahre währenden Massenmorde». Noch leben Hunderttausende von Krüppeln, die der Krieg verstümmelte; Millionen von Witwen und Waisen, die der Krieg ihrer Ernährer beraubte; noch windet sich dieWeltwirt« schäft in einer furchtbaren K r i s e, an deren Schtvere der Krieg und sein« unmittelbaren Folgen die Hauptschuld tragen— aber schon erheben dieselben Mächte triumphierend ihr Haupt, die sich mit der Untragbaren Verantwortung fiir den Weltkrieg belastet haben. Zwar hat die russische Revolution mit dem Zarismus zugleich die feudalen und bürgerlichen Kräfte gebrochen, die 1914 zum Kriege drängten. Aber in Deutschland herrscht bluttriefend die Hakenkreuzdiktatur, erfüllt von Revanchelust und der Monopolkapitalismus, gejagt vom unersättlichen Drang nqch neuen Märkten und neuem Profit;, in Oesterreich und Ungarn«giert die feudale monarchistische Reaktion, in Italien der beutegierige Fascis- muS, der erst vor wenigen Tagen während de» nationalfascistischen PutscheS in Oesterreich hart daran war, einen Krieg zu entfesseln. Die alten Kriegshetzer i»Europa sind wieder auferstanden und haben im FaseiSmu» ihrs» Steigbügelhalter gefunden. Noch schlimmer: Jenseit» der Grenzen Europas glimmt ein neuer KriegSherd. Der japanische Imperialismus ist Brüssel- den 4. August 1984. zur Offensive übergegangen, hat die drei nordostchinesischen Provinzen erobert, zu einem Marionettenstaat unter seiner Herrschaft vereinigt und rüstet sich unter ständig erneuten Herausforderungen zum Angriff a u,f d i e Sowjetunion. Imperialistische Kräfte in Deutschland und Polen lauern auf diesen Augenblick, um ihrerseits einen Beutekrieg gegen die Sowjetunion zu beginnen. Nur der schärfste Kamps gegen die imperialistischen und fascistischen Kräfte kann Europa und die Welt vor dem neuen Krieg retten. Gelingt es den werktätigen Massen nicht, den Fas« cismus zu entmachten, bevor er Europa von neuem in Brand gesteckt hat, so ist eS zum Untergang in Mord und Brand verurteilt. Gelingt es dem Sozialismus nicht, die imperialistischen Kräfte niederzuhalten, so ist der neue Welürieg unausweichlich. So verschmilzt der Kampf um Friede und Sozialismus, um politische Selbstbestimmung der werktätigen Massen und soziale Freiheit in Eines Von seinem Ausgang hängt das Schicksal der Menschheit ab. Arbeiter und Arbeiterinnen aller Länder! Die Sozialistische Arbeiter-Internationale ruft Euch zu ununterbrochener Wachsamkeit.und höchsterKampf» bereitschaft für den Frieden auf. Ihr habt erkannt, Ihr müßt erkennen, was auf dem Spiele steht. Gerade die letzten Tage, in denen neuerdings von Wien der Kriegsbrand auszugehen drohte, haben die ganze Gröhe der Gefahr gezeigt. Nie wieder darf die Internationale wie 1914 zerbrechen vor der Hochflut nationalistischer Leidenschaft, in welchen Mantel sie sich auch verhülle. Nie wieder darf das Proletariat den Kriegslosungen der kapitalistischen Mächte, daß„dieser Krieg der letzte Krieg" sei, daß aus ihm Gerechtigkeit, Wohlstand' und Frieden au-gehen werde, Glauben schenken. Aus einem neuen Kriege, wenn er trotz allem über uns hereinbrechen sollte, wird mit unwiderstehlicher Gewalt die proletarische Revolution gegen die fascistischen Kriegshetzer und ihre imperialistischen Auftraggeber hervorgehen. Krieg de« Krieg«!, DaS heißt nichts ander«», al» erbarmungsloser Kamps gegen den Faseismus, volle opfer. «ich« Hingabe an die Bache de» BozialiSmu». ES lebe die Internationale! Dm DircH der Sezlahsflsdien ArbeHer-McrMOeMle 17 /y. FRITZ ROSENFELD: o*«*(bejutta BIN BOMAN ZWISCHEN TBAUM UND TAO «Dann fordert er den Preis für die Tage im Garten? Fordert er Gold? Fobert er mein Leben? Muß ick ihm ewig als Sklave dienen? Fordert er mein Blut oder ist die Qual, di« ich erlitt, ihm Preis genug für dies Spiel?" «Du wirst den Tag erleben,^"/wiederholt Jv,«warte ruhig". „Ich kann die Folter nicht mehr ertragen. Du weiht, wo wir sind. Du weißt, wer mit uns spielt. Hilf uns doch. Zeig uns doch einen Weg aus dieser dreimal verdammten Hölle." „ES gibt leinen Weg aus dieser Stadt. ES gibt nur die eine Straße die vom goldenen Tor zum schwarzen Tor führt. Du wirst sie gehen, Pal, du wirst gerufen werden". „Du kennst diese Straße. Du kennst den Sinn dieser Straße. Sag mir, wo wir sind!" Pal zitterte am ganzen Körper. Sein Augen waren starr und glanzlos. ,Hch habe diese Straße gebaut, diesen Garten angelegt", sagte Jv.„Ich habe die Rühre geführt, die die Milch in die Brunnen leiten, ich habe die Quellen von den Bergen bis hierher gelockt." «Dann kannst du uns«tten. Ich habe kein Gold und keine Schätze, die ich dir geben könnt«. Ich habe nur mein Leben. Ich will dir dienen, Jv. Wenn du mich mit Axjutta fliehen läßt, so bringe ich sie in Sicherheit und kehr« zu dir zurück, wohin du willst, und diene dir mein Leben lang. Ich schwö« es dir. Ich bitte dich auf den Knien: Hilf uns!" Bedächtig hüb Jv die Hand. ,WaS du forderst, liegt nicht in meiner Macht. Ich kann dir, wenn du Betäubung suchst, einen Brunnen zeigen, au» dem Betäubung fließt. Ich kann dir, wenn du Mille suchst, ein Hauzeigen, daS nie ein Mensch betritt. Aber ich kann daS Tor nicht für dich öffnen, und ich kann das Gesetz, das der He« dieses Gartens erlassen, nicht umstoßen. Selbst wenn ich mein Leben aufs Spiel setzte: ich kann eS nicht umstoßen". Pal stand mit schlaffen Armen, den Kopf gesenkt. Axjutta faßte ihn, er riß sich los, er lehnte sich an einen Baum- die Hand vor der Stirn, wollte nichts sehen, nichts hören. Unter den hohen Zweigen stand er, die Hände vor den Augen. Der Gong rollte, da preßte er di« Fäuste vor die Ohren, aber sein Leib wiegte sich im Takt mit, schneller und schneller, da fraß auch ihn der Gong, zum ersten Male, da überließ er sich dem Gong, obgleich er die Fäuste gegen die Ohren preßte, fester und fester. Der Gong war lauter, der Gong war nicht zu betäuben- der Gong hatte ihn diesmal, der Gong nahm ihn mit, d« Gong saß in seinem Ohr, der Gong befahl ihm: der Gong, der Gong, der ewige Gott diese» Gartens. Da riß Pal Axjutta mit sich fort. Er sah Jv nicht mehr, der ihm nachschaute und den Kopf schüttelte; den alten, weisen Zwergenknopf. Er lief mit Axjutta dem Gong nach, heute gehörte er ganz dem Gong, sie hatten all« recht, dumm war eS, immer zu fragen, wo die anderen glücklich waren, ein Na«, ein Na« war, wer sich nicht zufrieden gab... Der Palast der Feste strahlte in Licht. Die Fackelträger standen auf den Stufen, die Männer wälzten sich schwer die Treppe hinauf, Pal sah nicht die Fackelträger, sah nicht die Männer, sprang über die Stufen, heute fragte^,er keines dieser sta«en Gesichter unter den Helmen mehr, heute stand er nicht mehr abseits. Heute saß er mit Axjutta unter den andem, heute ließ er keinen Blick von den tanzenden Lei bern dort unten auf den steinernen Fliesen, heute sah er nur die Blumen, die im Haare leuchteten, nur die Schleier, die biegsame Gestatten kaum verhüllten, heute sah er nur den goldenen Wagen und die nackte Frau, heute lief auch er gegen das glühende Gitter an, immer wieder rannte er an, und wußte doch, daß«s glühte... Als der Tanz zu Ende war, das Gitter versunken, als Dunkelheit einbrach, griff er nach einem Mädchen, biß sich in die Lippen des Mädchens, bog seinen Kopf zurück, verbiß sich in seinen Hals, küßte mit heißem Mund Kehle und Hals und Schultern, und biß wieder in diesen Mund, der weich und willig war... And eS rollte der Gong und es rollte der Gong und Pal sich nichts als das Mädchen, dunkle Augen hatte es, dunkles Haar, ganz schmale Finger hatte e», die ihn zu liebkosen begannen, die seinen Leib entlangstrichen tvie die Finger der Hölle, ein einzige» Feuer. Und dann setzte der Gong aus, und die Fanfare kündete neuen Tanz und eine neue Frau auf einem neuen goldenen Wagen... O, der He« dieses Gartens unterhielt feine Gefangenen, er führte prächtige Spiele für seine Sklaven auf, niemand durfte ihn schelten, niemals hatte es in Kerkern solche Schauspiele gegeben. Schon schob sich der Stein wieder beiseite, sttegen die ersten Frauen herauf, grüne Gewänder trugen sie heute, rote Rosen im Haar, Reifen hatten sie in der Hand, die mit Blumen umwunden waren.— da sah Pal plötzlich auf, ließ das Mädchen zu Boden sinken, das er im Arm hielt, seine Augen brannten, das Mädchen flam« werte sich an ihn, er schüttelte es ab, seine Augen suchten Axjutta, er fand Axjutta, er sah helle» Haar, seüt Blick traf hell« Augen, er riß Axjutta hoch, bahnte sich einen Weg Wer die Stufen, Flüche folgten ihm, die Männer schrien, dem einen war er auf die Hand getretm, dem andem hatte er den Becher umgeworfen, er sah nicht, er hörte nicht, er sah nur Augen, die ihn liebten, Haar, da» er liebte, sah nur Axjutta. Sie standen auf den Stufen, die ins Freie führten, die Tür lag hinter ihnen, das Gewitter der Gier entlud sich hinter ihnen, die stummen Fackelträger sähen sie die Treppe hinunterjagen, große Schatten warfen ihre Gestatten, wehende Schatten. Pal sah nichts mehr, er rannte die Straße hinunter, Axjutta jagte ihm nach, er faßte sie wieder, verlor sie wieder, verschwand hinter Büschen, sie jagte ihm nach, ein Lachen begleitete ihn, er llang wie das Lachen Jvs, aber eS konnte auch das Lachen SchaginS sein oder eines anderen Räubers, der irgendtvo in diesem Augenblick sein Opfer faßte und erschlug. Dann stürzt Pal hin, in einer Wurzel verfing sich sein Fuß, Axjutta warf sich Wer ihn- ihre Hände kühlten seine Stirn« ihre Augen sahen ihn an, schweigend und gut. Eine Weile lag er still» dann hörte er wieder den Gong, dann brüllte wieder sein Blut, dann spannten sich die Finger seiner Hände, griffen Axjutta, der Gong rollte, tasteten ihren Leib äb, der Gong rollte, schoben ihre Kleider beiseite, der Gong rchllte, zerfetzten ihre Kleider, der Gong rollte. Axjutta sich ihn an: da» war ein fremder Pal, in seine» Augen war nicht er, in seinen Augen war ein Tier. Aber sie liebte ihn, unb so liebte sie diese» Tier. , Nur der Gong war da, sonst nichts, nur der ewige Gong dieses Gartens. Da warf Pal sich Wer sie, chr Haar schimmerte hall, ihre Augen waren geschloffen, ihre Arme sanken herab, sie hörte nur den Gong, nur den Gong, und alle» Leben strömte in einem Herzschlatz zusammen. (Fortsetzung folgt.) Nr. 182 Di«stag, 7. Juli 1834 «eite 3 DerTurnerbund m Österreich wird einem ReglerungskommlMür unterstellt Wer war der Führer des Putsche»? Wien, 6. August. Wie der„Morgen" erfährt, wird der Turnerbund 1818 m de« nächsten Tagen der Kontrolle eine» Regierungskommiffärs unterstellt werde«. Sämtlich« Gau» und Bezirksleitungen deS TurnerbundrS fall« aufgeläst werde« und alle Turnvereine, die dem Turnerbund angehSren, in Zukunft von eigene« Kommissären geleitet werd«. Sie Regie- rungSkommissäre werd« die Aufgabe haß«, di« nationalsozialistische Betätigung der Turn- vereinSmitglieder zu verbinde«. Wegen McMtMt Nasarvks Streuners nelzklatt ,erboten Nürnberg, 5. August. Das DNB meldet: Die Rr. 31 der Wochenschrift„Der Stürmer" wurde wegen der darin enthalten« Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes von der Nürnberger Polizei beschlagnahmt und sofort ringrzogen. Die Wochenschrift„Der Stürmer" wurde auf die Dauer von 14 Lagen polizeilich verboten.. 44 Politisches Testament Hindenburgs? Hitler gegen Hohenzollern. Paris, 5. August. Der heutige„Paris Soir" bringt einen Prager Brief seines mitteleuropäischen Berichterstatters Charles Sicard, in welchem nach den Informationen des genannten Berichterstatters aus absolut lompetenden Quellen die Frage der Nachfolge Hindenburgs in einer Gehcimsihung vom 30. auf 31. Juli gelöst wurde, an welcher Sitzung die engsten Mitarbeiter Hitlers teilnahmen. In dieser Zusammenkunft wurde der Beschluß gefaßt, diese Frage ujnc Uebcreinkommen mit der Reichswehr zu lösen. Der preußische Ministerpräsident Goering soll bei dieser Gelegenheit darauf aufmerlsam gemacht haben, daß Reichspräsident Hindenburg eine Art politisches Vermächtnis ausgearbeitet habe, in welchem er die Wahl eines Hohenzollern zum Reichspräsidenten empfahl. Es ist nicht bekannt— laut Goering— ob sich dieses Dokument in Doorn befindet oder in dm Händen irgendeines Freundes Hindenburgs. Hierauf habe der Reichskanzler erklärt, daß, wenn dem wirklich so sei, die Hohenzollern aus Deutschland ausgewiesen werden würden und ihr Vermögen beschlagnahmt würde. Nach der Lösung der Frage der Nachfolge im Amte des Reichspräsidenten erläuterte der Reichskanzler den Kommandanten der Reichswehr die Gründe seiner Lösung und schloß so eine Art Allianz des Reichsführers mit der Reichswehr. Mehr Schauspiel als Trauerffeier Reudeck, 6. August.(DNB.) Die weite Umgebung von Neudeck steht seit dem Spätnachmittag völlig im Zeichen der militärischen Vorbereitungen für die Trauerparade zur Ucberführung des verstorbenen Reichspräsidenten nach dem Tannenberg-Denkmal. An der Straße von Manenberg nach Hohenstein über Deutsch-Eylau, Osterode ustd Mühlen werd« Vorbereitungen für die Aufstellung öineS Fackelspäliers in" der"Länge von 100 Kilometern getroffen, vom Parktor von Neudeck bis hinauf zum Gutshaus steht ein enges Spalier von Reichswehrsoldaten mit Fackeln. Die große Freitreppe ist von zwei in der Schlacht voll Tannenberg erbeuteten Geschützen flankiert. In der Halle des Gutshauses von Ncudcck steht auf dem Katafalk der Sarg, bedeckt von der deutschen Kriegsflagge. Darauf liegen Helm und Säbel, auf einem Tischchen davor der Marschallstab und die Kiffen mit den Orden. Zwei Hauptleute und zwei Kapitänleutnants halten die Totenwache. An der Trauerfeier im Haus Neudeck nahmen u. a. Reichskanzler Hitler und Ministerpräsident Goering, führende Funktionäre der SA. und SS., Vertreter der Reichswehr und Staatssekretär Meißner teil; Oberst von Hindenburg und Frau und die anderen Angehörigen. Hitler-Rede in der Kroll-Oper Die offizielle Trauerfeier für Hindenburg. Berlin, 6. August. Mit großem Gepränge fand heute in der Kroll-Oper die Trauerfitzung des Reichstages statt. Hitler hielt eine längere Rede, in welcher er das Leben Hindenburgs schilderte und nicht vergaß, darauf hinzuweisen, daß er selbst vom Schicksal ausersehen worden sei, Reich und Volk weiterzuführen. Goering, welcher den Vorsitz führte, schloß hierauf mit einer kurzen Ansprache die Sitzung. vle Pariser Presse zu Hillers Erklärungen Paris, 6. August. Das heute veröffentlichte Interview mit einem Redakteur des Blattes „Daily Mail" bestätigte außerordentlich rasch die Ansicht, daß das Deutschland Hitlers in erster Reihe die wirtschaftlichen und finanziellen Fragen zu lösen haben werde. Die heutigen Pariser Nachmittagsblätter kommentieren vorläufig nur im allgemeinen die erwähnte erste Erklärung Hitlers nach der Verschmelzung des ReichSPrä- siedentcnamtcS mit dem Amte des Reichskanzlers. Ihre Kommentare sind sehr zurückhaltend, mitunter aber auch ironisch und ablehnend.„Paris Midi" sagt direkt, Deutschland stelle sich friedfertig, weil schon heute sich die Unterhändler in London um einen angelsächsischen Kredit bemühen, vor allem um einen englischen und amerikanischen Kredit, nachdem ihr versuch, einen fran» zöstschen Kredit zu erhalten, cchsolut mißlungen ist. Man habe nicht umsonst von einem sogenannten zweiten Diktator, nämlich von Dr. Schacht gesprochen.. Diesem wird die Aufgabe zufallen, entweder Devisen oder die notwendig« Rohstoff« zu beschaffen In Rieds» Oberösterreich wurde die Turnhalle deS Deutschen Turnerbundes amüich geschloffen. In Freistadt in Oberösterreich wurden 45 Mitglieder des dortigen Deutschen Turnerbundes verhaftet. Die Turnhalle wurde in ein« Heimwehrkaserne umgewandell. hrHICRTcrdn ailtfelM Die Bundespolizeidirektion Wien hat die Beschlagnahme deS gesamten vermögens de« Vereines deutsch-akademischer Juristen angeordnet und de» Verein aufgelöst, da er stch im Ginne der nationalsozialistischen Partei betätigt hatte. PreraeM'ZCHlnilc cnMccM In Alm bei Salzburg wurden bei Hausdurchsuchung« 120 Handgranaten beschlagnahmt. In Linz wurde eine geheime nationalsozialistische Propaganda-Zentrale ausgeforscht, in der eine Unmenge Propagandamaterial beschlagnahmt wurde. Mehrere Personen wurd« verhaftet. DcrViackaiMc namens Maus der Sohn des Generals Wächter? Wi«, 6. August. Der„Morgen" nennt den bekannten nationalsozialistischen Rechtsanwalt Dr. Otto Gustav Wächter al« den Drahtzieher des Putschversuches vom 25. Juli. In den Händen dieses Mannes sind wahrscheinlich alle wichtigen Fäden zusammengelaufen und dieser Mann tvar offenbar direkt den Münchener nationalsozialistische» Behörde» verantwortlich. Dr. Wächter weilte kurz vor dem Putskyver- suche in München und ist" mit dem Manne identisch, den die beiden Mörder deS Bundeskanzlers Dr. D o l l f u ß als ihren Auftraggeber Klaus bezeichnet haben. Dr. Wächter ist eiy, Sohn des Generals Wächter und ist unmittelbar nach dem mißglückten Putsch in der Nacht zum 26. Juli aus Wien geflüchtet. Man nimmt an» daß er bereits in Deutschland ist. Selbstmord im ecMndnls Innsbruck, 6. August. In der Nacht auf grstem hat sich der 20jährige Schlosser,ehilfe RndokfWarwitz, der weg« Betätigmig für di« verbotene nationalsozialistische Partei in Haft war, im Innsbrucker Polizeiarrest erhängt. Russische Rugzeug- seschwader nach Paris und Rom. Moskau» 5. August, vom Moskauer Flugplatz aus starteten Sonntag früh«in russische« Großflugzeuggeschwader nach Rom und ein anderes nach Paris. Das erst« Geschwader steht unter der Leitung des ehemaligen Chefs der Akademie des russischen GeneralstabcS und derzeitigen Chefs der Gesellschaft„Offoaviachim", M. Eidemann. Die nach Paris gestartete Staffel wird von dem Chef der sowjetrussischen Zivilluft- streitkräfte, llnschlicht, dem früheren Stellvertreter deS Chefs der„OGPU" und späteren ersten Stellvertreters des Kriegskommissars der UdSSR Woroschilow geführt. Erfolge In Chicago Chicago, 6. August.(Reuter.) Der Streik der SchlachthauSangrstelltrn wurde»ach einer Beratung mit Johnson beendet. Es wird die 48stiindige Arbeitswoche«ingeführt» ohne daß die Löhne gekürzt werde». Regierungssieg In China Kämpf« bei Futscha«. Schanghai, 6. August. Nach einem Kabelo- gramm aus Futschau haben chinesisch« Regierungstruppen di« kommunistische Armee geschlagen, welche Futschau bedrohten. Die Lage der 5000 kommunistischen Angreifer ist diesem Bericht zufolge kritisch. In der Umgebung der Stadt Schuikou, unweit von Futschau, kam es zu einem heftigen Kampfe. Ein HilfSkorpS hat bereits Fu- kien erreicht und den Kommunisten den Rückzug abgeschnitten. Die Lage in Ost-Fuki« ist aber andauernd ernst. Futschau ist derzeit außer Gefahr. Das britisch« Kriegsschiff bleibt weiterhin im Hafen. mnsae Wahlen—»ui London, 6. August. Die heutige„News Chronicle" veröffentlicht eine Meldung, derzu- folge di« britische Rationalregierung beschloss« hat, für d« Mai 1838 Neuwahl« auszuschrei- b«. 1J fahre Kerker mr Nau-Kommandanten Graz, 6. August. Das Militärgericht in Graz verurteitte heute einen 21jährigen Nationalsozialist«, Sohn de« Großgrundbesitzers Anton Eisenhut aus St. Margareten, wegen Hochverrats zu 15 Jahren schweren Kerkers. Eisenhut mobilisierten am 25. Juli die Nationalsozialisten von St. Margareten und gab Befehl zum Angriff auf die dortig« Gendarmeriestation und das Postamt. Poilzeininkttenarc in lintersnchnngshalt Wien, 6. August. Die polizeiliche Untersuchung gegen di« nationalsozialistischen Putschisten vom 25. Juli ist beendet, und die Putschist« werden gruppenweise dem Lande«-, respektive dem Militärgericht zur Bestrafung übergeben werde». Die Anklage lautet auf Hochverrat, bei manchen verbunden mit Mordverdacht, Mißbrauch der Amtsgewalt und böswillige Beschädigung fremden Eigentums. Auch der ehemalige Polizeidirektor Dr. Steinhäusel und Oberkommiffär Dr. Gotz- mann befinden sich in Untersuchungshaft des Landesgerichts. Gegen den Advokaten Dr. Wächter wurde der Steckbrief erlassen. Zwei weitere Putschisten, die versucht hatten, über die Grenze »rach Ungarn zu entkommen, wurden verhaftet und nach Wien zurückgcbracht. Wallcndepot beim Bürgermeister Wien, 6. August. Gestern wurde auf dem Wege von Pertisan zum Aachensecwerk eine Kiste mit 6 Kilogramm Sprengmitteln gefunden. Bei dem Bürgernieister von Mariasaal, der dem Landbunde angehört, wurden 30 Mannlicher-Gewehre beschlagnahmt. Bolltno-SdiUllmtc Wie«, 6. August. In der nächst« Zeit werd« Zwei-Schilling-Münzen mit dem Bildnis des ermordet« Bundeskanzlers Dr. Dollfuß geprägt«erd«. In den Brrkehr werde» diese neuen Münz« erst im Oktober d. I. gesetzt werden. Vie britische Rhelnffront Geheimverhandlungen mit Holland und Belgien? Der außenpolitische Mitarbeiter des Londoner„D a i l y H e r a l d" berichtet seinem Blatt, daß England und Frankreich inoffizielle Besprechungen mit Holland und Belgien eingeleitet hab«, um im Kriegsfall die Flugplätze dieser beiden Länder auch britischen und französischen Kriegsflugzeugen zu öffnen. Damit würden die Worte in der jüngsten Parlamentsrede des Vize- premierö Oliver Baldwin, daß Englands Grenze am Rhein lieg«, eine Bestätigung finden. Gegenüber einem Reuterdementi hält der„Daily Herald" aufrecht, daß auf der Londoner Wirtschaftskonferenz bereits ein solcher inoffizieller Vorschlag dem holländischen Ministerpräsidenten Colijn gemacht worden sei. Wenn Holland in eine solche Lage versetzt werden sollte wie Belgien 1914, so soll die britische Luftflotte die holländischen Flugplätze zu ihrer Verfügung haben. Mit diesem Vorschlag verfolge die britische verteidi- gungSpolitik das gleiche Ziel, dem schon die Besuche des Generals Wcygand in London und des Kriegsministers HailSham in Paris zu dienen bestimmt waren und wozu auch gehört, die Festsetzung deutscher Streitkräfte in Belgien und Holland zu verhindern. ehandl tut Buße Bombay, 6. August.(HavaS.) Mahatma Ghandi wird Dienstag zu Hungern beginnen und sieben Tage darin verharren, um Buße für einen Fehler zu tun, den sich einer seiner Schüler zuschulden kommen ließ. Nach Beendigung deS Hungerns will Ghandi in einer Rundfunkrede sein künftiges politisches Programm erörtern. EIK kk MkweilidK Partei Stockholm, 6. August.(HavaS.) Dieser Lage wurde hier eine neue bürgerliche Linkspartei gegründet, die die Bezeichnung volkspartei erhalten hat. Sie ist aus dem Zusammenschluß der Prohibitionspartei, die im Senate 17 und im Abgeordnetenhaus 20 Mitglieder zählte, und der liberalen Partei entstanden, die im Senate zwei und im Abgeordnetenhaus vier Sitze besaß. Hiezu konnnen noch einige kleinere Gruppen, welche im Parlament nicht vertreten find. Eile Jill 566.470 Arbeitslose Rach den vorläufigen Zählung« war« am 31. Juli 1934 bei den ÄrbeitSvermittlnngsan- staltrn 568.470 arbeitslose Bewerber gemeldet. Am 30. Juni 1934 betrug Mach dem definitiven Ergebnis der Zählung die Arbeitslosenzahl 582.810. Im Juli 1934 ist die Zahl der trichtuntrr- gebrachten Bewerber gegenüber dem Juni 1933 um 73.890, das ist um 11.5 Prozent, kleiner. Der Rückgang der Arbeitslosenzahl beträgt End« Juli d. I. gegenüber dem Juni d. I. 16.340, das find 2.8 Prozent. In denselben Monat« des JahreS 1933 bet«g er 35.573 Personen, das find 5.3 Prozent. Wenn wir den Juli mit dem Jänner 1934 vergleichen, stell« wir lein« Rückgang der arbeitslose» Bewerber um 272.512, da« find 32.5 Prozent, fest. In den entsprechend« Monat« deS Vorjahres betrug der Rückgang 232.415 Person«, daS find 26.6 Prozmt. Vie tschechischen Agrarier Wir die Demokratie Di« Diktatur« scheite« an der Wirtschaft Der Sieg des FasciSmuS in Deutschland am 30. Jänner 1933 Hat seine Wirkung auf die bürgerlichen Parteien fast aller Länder auSgeübt und auch die tschechischen bürgerlichen Parteien sind seinerzeit davon nicht unberührt geblieben. Sowohl den Nationaldemokrate», den Agrariern als auch den Klerikalen konnte eine Bewegung von vornherein nicht unsympathisch sein, welche die Partei und Gewerkschaften der klaffenbewußten Arbeiter zerschlug. Seit dem 30. Juni 1934 aber, da die Gegensätze des deutschen FasciSmuS mit blutiger Grausmnkeit sich offenbarten, ist innerhalb der tschechischen bürgerlichen Parteien, die eine gute politische Witterung besitzen, der Sieg de« demokratischen Flügels entschieden. Die National» dcinokraten, die am ehesten geneigt waren, fasci- stische Gedankengänge aufzunehmen, haben feit- her öfters ihre demokratische Ueberzeugung bekannt, die Tschechisch-Klerikalen, deren Organ sich eine Zeitlang zum Träger der Ständeidee machte, sind von diesem Ausflug in die Gedankcnloelt des Ständestaates zur Demokratie zurückgekchrt und auch— was politisch bedeutsamer ist— in der tschechischen Agrarpartei ist der fascistische Flügel verstummt. Scharf und klar hat das agrarische Hauptorgan nach dem 30. Juni seine Meinung in die Worte zusammengefügt:»Demokratie ist DiSkufsi o n, Diktaturen lind Hi n r i ch t ü n ge n." In der Sonntag-Nummer des„Penkov" nun setzt der Chefredakteur dieses Blartes, der zum konservativen Flügel seiner Partei gehört» seine Polemik gegen den FasciSmuS fort bemerkenswert in dieser Polemik und für den grundsätzlichen Charakter dieser Ausführungen kennzeichnend, erscheint uns insbesondere» daß der„ven- kov" nicht nur gegen den deutschen, sondern auch gegen den italienischen FasciSmuS Stellung nimmt und daß weiters der wirtschaftliche Mißerfolg aller Diktaturen hervorgehoben wird.„Wir waren die ersten unter den tschechischen Journalisten", so schreibt daS Blatt,„welche auf den Mißerfolg der Diktaturen in wirtschaftlicher Hinsicht hingewiesen haben." Was hätten die Lobredner der Diktatur gesagt, so schreibt der „Vcnkov" an die Adresse der Nationaldemokrate», Ivenn Mussolini Italien auS der Wirtschaftsnot herausgeführt hätte.„Er hat es nicht hcrauSge- führt, wir sehen dort die Zeichen der wachsenden Krise." Die Schlußfolgerung des angeführten Artikels ist nun die, daß die Tschechoslowakei mit Rücksicht auf die schlechten Erfahrungen, die man mit den Diktaturen im Auslande gemacht hat, die Pflicht hat, ihre demokratischen Einrichtungen weiter auSzubaucn. Angesichts der Ausführungen des tschechischen agrarischen Blattes taucht die selbstverständliche Feststellung auf, daß das deutsche Bürgertum hinter diesen realpolitischen Ansichten der tscl)e- chischc» Bourgeoisie weit zurückblcibt. Im vorigen Frühjahr tauinelte die gesamte bürgerliche und kleinbürgerliche sudetendeutsche Bevölkerung, Ha» kcnkreuzler, Deutschnationale, Christlichsoziale, Bund der Landlvirte, Roschegruppe in der Begeisterung für den deutschen FasciSmuS. Wie lvcit die Ansteckung des sudetendcutschcn Bürgertums mit fascistischen Gedankengänge» gediehen ist, zeigt wohl am besten das Verhalten des Bundes der Landlvirte, dessen Führer, Minister Spina, vor dem Ständegcdanken kapitulierte und m seiner Partei alles auf dem Führkrgedanken aufgebaut wiffen wollte.(Auch der Bund der Deutschen hat sich rasch umgestellt und sich einen Führer erwählt, der seine Stellvertreter ernennt.) Während nun das tschechische Bürgertum sich des fascistischen Gedankengutes entledigt, wird das deutsche Bürgertum mit dieser Last noch lange Herumlaufe» und wird so den Nachlveiö erbringen, daß es ganz im Sinne des alten Oesterreich Politik macht, das immer um einen Gedanken zu spät gekommen ist. Die deutschen bürgerlichen Parteien sind bemüht, die Mode von gestern zu tragen, während das tschechische Bürgertum die Zeichen der Zeit aufmerksam verfolgt und besser zu deut« versteht. Seite 1 Nr. 182 Unwetterkatastrophen überall Tagcsnailgkcltcn Unser Holitscher 75 Jahre! Wenn man diese Ueberschrift Nest, wird man eö nicht glauben, aber es ist doch wahr, daß unser Neber Genosse Dr. Arnold HoIitscher heute 75 Jahre alt gelvordcn ist. Wer den bclveglichen, temperamentvollen, frischen Mann kennt, wird cS nicht für möglich halten. Desto mehr werden sich alle Genossen, tvenn sie feststellen, daß Holitscher am 7. August 1850 geboren worden ist, freuen, daß dieser sympathische und gebildete Mann, dieser offene nnd ehrliche Charakter, dieser Mensch, in deut sich der Sozialismus als Kulturbewegung geradezu symbolisiert, dieser Sozialist, der so umsichtig an jedes Problem herantritt, aber doch so bestimmt und entschieden in seinen Ansichten ist und mit so feurigem Temperament zu überzeugen weiß, noch seinen Mann in der vordersten Front des Kampfes stellt, wie ein Jüngling. Bon Holitscher brauchen wir nicht viel zu erzählen, da ihn jeder in der Partei kennt und man weist, dast er erst als Arzt in Wien und Niederösterreich, dann als Fabriksarzt in Westböhmen, erst inSchlaggen- wnld, dann in Pirkenhammer gelvirkt hat und jetzt noch unermüdlich als Chefarzt der Komo- t.tner Bezirkskrankenkassa tätig ist, dast er feit Jahrzehnten in der Partei wirkt, dast er auf dem Gebiete der Bekämpfung des Alkohols in ganz Europa bekannt ist, dast er im Krieg in der Cr- nährungsfrage austerordcntlich viel geleistet hat und dast er auf dem Gebiete der Sozialfürsorge unser Berater ist. Sowohl im Abgeordnetcnhause, dem er von 1920 bis 1025 angehörte, als auch im Senat, dessen Mitglied er seit 1020 ist, hat er sich durch seine Tätigkeit Achtung weit über den Kreis seiner Parteigenossen hinaus erivorben. Ncberall, wo deutsche Sozialdemokraten n: der Tschechoslowakei sind, aber auch unter den tschechischen Genossen und autzerhalb unserer Grenzen Ivird man heute unseres Holitscher gedenken und wird sich freuen, wie er seinen 75. Geburtstag erlebt. Man wird nur den einen Wunsch haben, dast dieser liebe Mensch noch lange Jahre für die große Sach«, der er sein Leben geweiht hat, wirken möge! Ornbeukatastrophe in Sitginien Neu. Nork, 6. August.. In einem Kohlenbergwerk in Big Stone Cap im Staate Birginien ereignete sich eine furchtbare Gas-Explosion. Bisher wurden neun Tote geborgen. Man befürchtet jedoch, bah noch»eitere Leichen im Schacht liegen. 7b Bergleute konnte» sich durch einen alten Grubrnschacht retten. Awei«eitere Bergleute wurde» durch di« Rettungsmannschaften lebend geborgen, sie hatten jedoch so schwer« Verletzungen davongetragen, daß sie in» Hospital gebracht werden mußte«. SatttKMMb—wegen einen Etikett! Chrudim, 6. August. Der 46 Jahre alte Häusler Rudolf Bacek lebte mit seiner 89jährigen Gattin Anna in ständigem Streit. Gestern vormittag gab er auf die Frau, die bei Tisch säst, aus einem Jagdgewehr einen Schutz ab, der sie schwer verletzte. Die Frau konnte fliehen, doch schost der Mann weiter und tötete sie. Der Mörder floh in die Felder, stellte sich aber dann dem Kreisgericht in Chrudim. Er ist Vater zweier Kinder im Älter von sechs und neun Jahren.' Lodeeftnrz einer Fliegerin Bandalia(Ohio), 6. August. Die berühmte amerikanische Pilotin Frances Harrel M a r s a l i s, die an den gestrigen Frauen-Flug- wettbewerben in Bandalia teilnahin, stürzte bei einer Flugübung ab und wurde getötet. * Pari», 5. August. Blättermeldungen zufolge stürzte unweit MoulinS ein Sportflugzeug mit der Gattin des bekannten französischen Fliegers Peile t i e r d' O i s y an Bord ab. Der Pilot uttd ein ztveiter Passagier erlitten Verletzungen, während Frau Pelletier ohtte Unfall davonkam. Motsr-ng rast gegen Sil-ng Amsterdam, 5. August. In der Nähe des Weesperport-Bahnhofes überfuhr ein Dieselmotorzug eilt Haltesignal. Er stieß mit einem in voller Fahrt, befindlichen Eihug zusammen. Einer der Dieselmotorwageir wurde in der Flanke von dem Tender der Lokomotive erfastt und vollständig aufgerissen. Verschiedene Abteile wurden ineinandergeschoben und die Reisendeit durcheinandergewirbelt. Zwölf Personen wurden verletzt, darunter sieben schwer. Die meisten der Verletzten haben Beinbrüche erlitten. Daß die Zahl der zu Schaden kommenden Personen nicht höher ist und kein« Toten zu beklagen sind, wird auf die Stahlkon- struktio» des Dieselzuges zurückgeführt. Gchweres AntsBnnnngUttk Belgrad, 5. August. Gestern ereignet« sich untveit der Stcwt Pozsega in Serbien ein schweres Autounglück, Ein Autobus mit zehn P ass a g irren geriet durch einen Mißgriff des Chauffeur» in den Straßengraben und stürzte um. Der ehemalige verkehrsmini- ster Radivojevic wurde lebens- Wirbelsturm über Schlesien Mährisch-Ostrau, 5. August. Im Gebiet von Mährisch-Ostrau wütete am SainStag nach 20 Uhr ein schweres Unwetter, verbunden mit eincnt W i r b e l st u r m, der insbesondere an den Bmimen schweren Schaden anrichtete. Auch die elektrische Lichtleitung ivnrde unterbrochen und die Drähte wurden durch die entwurzelten Bäume an zahlreichen Stellen zerrissen. In Z ä b i c h »ad Odr o n trug die Wirbelsturm eilten Schornstein nnd die Hälfte des Daches mit sich fort. Dach und Schornstein fielen auf die elektrische Lichtleitung der Vitkovieer Werksbahn und verbarrikadierten die Strecke. Der Verkehr wurde durch Umsteigeit aufrechterhalten. Verwuitdet wurde niemand. An der Hochspannungsleitung der Mährisch- schlesischen Elektrizitätswerke■ wurden ebenfalls schwere Schäden angerichtet, so daß zahlreiche Gemeinden im Gebiet von Troppau und Jägerndorfbis nach Zuckmantel fünf Minuten stromlos blieben. DaS Gebiet von Wagstadt war dreimal fünf Minuten stromlos; in drei Gemeinden dauerte die Unterbrechung der Stromzufuhr mehr als vier Stunden. Im Grotzelek- trizitätswerk in Treboviee wurden fünf Isolatoren vernichtet. Erdbeben bei Kladno Kladno, 6. August. In der Nacht von Samstag zu Sonntag, gegen 10 Uhr, spürte man in Kladno und einigen südlich von Kladito liegenden Gemeittden ein- starkes Erdbeben, begleitet von unterirdischem Grollen. Diele Menschen sprangen entsetzt aus den Betten und liefen auf«die Straße. Schäden an Personen und Sacheit sind bisher nicht bekannt geworden. Unwetter in Polen Warschau, 6. August. In der verflossenen Nacht ging über die nördlichen Gebiete der Pom« merschen Wöjwodschaft ein orkanartiges Gewitter, verbunden mit einem Wolkenbruch, nieder. In der Ortschaft Nawary schlug ein Blitz in eine» Heuschober und verursachte einen Brand. Einige Ortsbewohner, die an Ort uitb Stelle geeilt waren, um den Brand zu löschen, mutzten schließlich ihre Bemühungen aufgeben und in eine Scheune flüchten, in welche abermals der Blitz einschlng. Sechs Arbeiter wurden auf der Stelle getütet, vier erlitten schwere Verletzungen. In einer-anderen Ortschaft des pommerschen Gebietes wurden zwei Bauern- hurch Blitzschlag getötet. Msttenbrnch in Mntmntt Kopenhagen, 5. August. In verschieden«« Gebieten DänmerakS, ging am Samstag ein schwerer wolkenbruchartiger Regen nieder,' der graste Verheerungen und UeÜerschwemmungen anrichtete. Am stärksten ist die Stadt Nakskow in Laaland betroffen, wo in den niedrig gelegenen Stadtteilen die Straßen unter Wasser gesetzt wuvden. goo Tot« in Teheran, 5. August. Mehr, als 800 P e'r s o n e n find bei einer katastrophalen Uebrr- schwemmung unweit von.Teheran ums Leben gekomm en. Zahlreiche Kinder wurden von den Fluten fortgeriffen. Ein Teil der Stadt T a b r i z wurde zerstört. And 200 in vftchinn Shanghai, 5. August. Die' erste Totenliste der bei der furchtbaren Überschwemmung des Flusses Dungting in der Provinz Hupeh ist nunmehr veröffentlicht worden. Danach wurden biS- h e r 200 Leichen geborgen. Durch die Ueberfchwemmung wurden 21 Städteunter Wasser gesetzt und insgesamt 100.000 Häuser zerstört. Das Erholungsheim des Verbandes„Arbeiterfürsorge in Hirschberg beherbergt gegentvartig den zweiten Turnus.der Ferien linder. Es sind meist Kinder ans den Bezirken Teplitz, Reichenberg und Trautenau.'Kinder aus dert Textil» und GlaSarbeiter-ElendLgebieten, die schon jahrelang unter den grüßten Entbehrungen und Hunger zu leiden haben. Ihr Aussehen entspricht dieser Not, von der sie ständig gequält werden. Unterernährung, Freudelosigkeit und die Angst vor dem»Morgen", sind in den Gesichtern der Kleinen eingeprägt und man braucht kein besonders, guter Menschenkenner zu sein, um auch an der Kleidung der Kinder die Not, in der sie leben, abzulesen. Wie bei den Kindern vorher, fehlt eS auch den jetzigen Bewohnern des Für- sorgeheimes an Wäsche und Kleidung und ebenso sehr an Spielsachen. Unser Appell, mit dem wir an Genossen uttd Genossittnen durch die TageS- preffe herantraten, um den Kindern Kleider, Wäsche und Spielsachen zu verschaffen, hatte einen nennenswerten Erfolg. Eine große Anzahl Pakete langten in Hirschberg ein und brachten den Kin- deru vieles von dem, lvaS sie brauchten. Allein von der F r a n e n o r g a n i s a t t o n Bodenbach kamen ach t z i g H e mch e n, die in gemeinsamer Arbeit der Bodenbacher Genossinnett her- gestellt wurden. Ein Musterbeispiel praktischer und zweckmäßiger Fürsorgearbekt. Aber auch die anderen Sendungen entsprachen den an die Solidarität unserer Genossinnen gestellten Erwartungen. Dem ersten Ferienturnus wurde damit eine große Hilfe zuteil. Aber di« zweite bedarf der Hilfe ebensosehr wie die erste. Deshalb wiederholen wir unsere Bitte um Sachspenden für die in Hirschberg untergebrachtcit Kinder uttd ersuchen unsere Genossen und Genossinnen, die von der Rot unserer Zett wenig oder nichts spüren, in den Kleiderbeständen ihrer Kinder nachzuschauen, ob nicht hie und da etwas übrig gemacht werden könnte, ob nicht aus alten Sachen der Erwachsenen, mit wenig Mühe» aber etwa» Liebe, für die Kinder ein brauchbares Kleidungsstück hergestellt werden könnte. Schließlich wird man in dem einen oder andern Falle sehr, wohl in der Lage fein, ein Restchen zu kaufen» um ein Hemdchen oder ei» Kleidchen zu versertigen. Bei Bekannten wird man oft ohne große Mühe Schuhe, Wäsche» Kleidungsstücke und Spielsachen bekommen können, wenn man ein gutes Wort gebraucht. Jeder tue daher seitt Bestes, tim auch den jetzt in Hirschberg untergebrachten Kindern zu helfen. Je eher dies geschieht, um so wirksamer wird die Hilfe. Der Dank der Kinder und der Eltern uttd nicht zuletzt -der Arbeiterfürsorge-für jede, selbst,,die kleinst Spende, ist allen Gebern gewiß. Der Personenverkehr auf der Elte wurde, wie die Sächsisch-Böhmische Schiffahrtsgesellschaft mitteilt, auch auf der sächsischen Elbstrecke, aus der er wegen Trockenheit längere Zeit geruht hatte, wieder ausgenommen. Ab Dienstag fiikdct der gesamte Verkehr auf der Strecke Leitmeritz- Mühlberg wieder fahrplanmäßig statt. Die Frachtschiffahrt kaitn Transporte zunächst nur in bc- schränktem Maste durchfi'chren. Oesterreichisches Tafelobst für die Tscheche- slowakei. Nach einer Mitteilung des österreichischen Landwirtschastsministeriums wurde bei den letzten österreichisch-tschechoslowakische» Beratungen über die Ausfuhr österreichischen Tafelobstes indie Tschechoslotvakei vereinbart, dast die Tschechoslowakei 200 Waggons Aepfel übernehmen wird. Die Ausfuhr wird bereits, in den nächsten Tagen beginnen. Fatriksbrand in Rouen. Am Montag nackt« mittag ist in einer in Uainville bei Ronen gelegenen Fabrik für elektrische Erzeugnisse Grotz- feuer.ausgebrochen. Die Feuerwehr von Rouen hat sämtliche verfügbaren Löschzüge eingesetzt und bekämpft den Brand mit aller Energie. St weit man bisher übersehen kann, dürfte sich der Sachschaden auf mehrere Millionen Franken belaufen^ In der brennenden Fabrik sind bereits die verkohlten Leichen zweier Arbeiter gefunden tvorden. Wahrscheinliche» Wetter heute: Noch einiger- mahen. unbeständiges Wetter. Namentlich im Nordosten und im Osten des Staates stärkere Bo- wölkung und verschiedctttlich etwas'Regen, nur mästig warm. Im übrigeit Gebiete überwiegend trocken, West- bis Nordwestwind. Vom Rundfunk «mpfetzlenowerteo«w den Pr^rawwe», Mittwoch: Peog, Sender L.: 10.20: Deutsche Nachrichten, 10.25: Schallplatten, 18.30: ÄrbeitSmarkt, 13.55: Deutsche Presse, 15.15: Konzert, 17.50: Litauische Volkslieder, 18.20: Deutsche Sendung: Aktuelle zehn Minuten, 18.80: Arbeiterfunk: R. Geißler: Helft der arbeitslosen Jugend, 18.50: Sozialinforinationen, 18,55. Deutsche Presse, 10.10: Schallplatte», 10.80: Zithersolo, 22.15: Orchesterkonzert. Sender S.: 14: Volkslieder^ 14.25: Deutsche S e n d um: Kinderstunde.— Brünn 14.80: Deutscher«rbeitsmarkt, 17.45: Deutsche « e.n dun g:' Das Modell: Heiteres Hörspiel, l».20: Unterhaltungsmusik, 10.80: Klavierkonzett. —- Mährisch-Öftra» 22.45: Tanzmusik.— Preß' !»n 21: Klavierkonzert.— Kasch,» 21: Orchesterkonzert. gefährlich verletzt, die übrigen Insassen erlitten leichtere Verletzungen. Der schuldtragende Chauffeur ergriff die Flucht. 500 Auto« verbräunt Rew Aork, 6. August. In Bnfallo brach in einer riesigen Autogarage ein Grostfeuer aus, das sich so schnell ausbreitete, daß der gröstte Teil der dort stehenden Kraftwagen nicht mehr gerettet werden konnte. 500 Kraftwagen wnrden durch das Feuer zerstört. Der Schaden wird auf eine halbe Million Dollar beziffert. Der jüdische Fast-Bundeskanzler- Nichts ist manchmal grotesker als das Leben. Ost kann auch der knalligste Filnt nicht mit seinen Abenteuerlichkeiten Schritt halten. Im Allgemeinen Krankenhaus in Wien liegt der Gesandte Rinte- len, der gescheiterte Bundeskanzler der Putsch. Nazis, der sich, als er in der Haft kein Entrinnen ntchr sah, eine Kugel in die Brttst schoß. Hitlers Beinahe-BundeskanzlerS, der Vertrauensmann des wüstesten Antiseinitismus also, hatte schon als Pressechef einen Mann auscrsehcn, dessen Stammbaum allein einem Streicher hundert schlaflose Nächte bringen tnüßte. Dieser Gent- ltinan mit dem glühenden nationalsozialistischen Herzen und der suspekten Blutmischung war Herr Nagelstock, eine rituelle Zierde aus jenem galizischen Osten, der den Berufsantisemiten stets als die Quelle hebräischer Niedertracht erschienen ist. Hier, wo die Weisen von Zion stets auszusteigen pflegten, wenn sic ihre teuflischen Pläne in der Bearbeitung für die Kolpoktage- Heftc der natiotischcn Pogronipropaganda faßten, hat die Wiege jenes Mannes gestanden, der dazu auscrsehcn tvar, die auf das Hahnen- schwanzregimc glcichgcschaltetc österreichische Presse auf Rittialiuord Streicher und die Seinen umzuschalten. Aber inzwischen ist es noch viel besser gekommen. Herr Rintelen, der sich in Lebensgefahr befindet, war gezwungen, einen Blutspender in Anspruch zit nehme». Dieser hilfreiche Spender aber, Streicher, verhülle dein Haupt, war ein Wiener jüdischer Flcischergehilfe. Eine wirklich katastrophale Perspektive! Nicht nur, daß der Vertrauensmann des Hitlcrisnius in Oesterreich mit der fatalen Möglichkeit rech- ncn muß, eventuell mit Hilfe jüdischen Blutes am Leben zu bleiben, er ist auch nach den strengen Gesetzen der Rassefexe, ein Rasse-Jude geworden. Gesetzt der Fall, die Braunhcntden würden in Oesterreich doch ttoch in den Besitz der Staatsmacht gelangett, so wären sie Hinsicht- lich ihres Bundeskanzlers in der größten Ver- lcgenhoit! Sie könnten einerseits einen Mann- der so Außerordentliches fiir sie geleistet und gelitten hat, nicht'beiseite schieben, andererseits würden sie sich mit dem fürchterlichen Fluche belasten, den ersten jüdischen Staatschef in Mit- teleuropa in den Sattel gehoben zu haben. Eine von Heers-Bersammlttng im Rintelen-Oester- reich zunt Beispiel müßte zu fürchterlichen Konsequenzen fiihren: Aufruf zum Pogrom unter der Aegide eines Rassejuden! Wahrscheinlich kommt cö nie so weit und dieser Zwang, den Rassewahystnn selbst ad absurdum zu fiihren, bleibt den Nazis-erspart! Aber auch ohne dieses Debacle ist der jüdische Blutspender für den Hitler^Sendboten Rintelen einer jener köstlichen Witze, die sich die Geschichte manchmal zu leisten pflegt und aus der die Menschen lernen könn- ten, wenn sie nur wollten. Ja, wenn sie wollten! Ein Flngfestin Karlstad veranstaltete am Sonntag unter dem Protektorat des Nationalver- leidigungsministers Bradaö die Ortsgruppe der Mäsaryk-Flugliga Karlsbad auf dem staatlichen Flugfeld. Nationalverteidignttgsminister Dr. B r a d ä t traf in einem g>'sten dreimotorigen Militärflugzeug aus Prag ein. Den Veranstaltungen wohnten u. a. die Vertreter der staatlichen ynd städtischen' Behörden, die Konsuln der in Karlsbad vertretenen auSländlschen'Siaaten sowie General AntoneSeu und Major Michaleseu von der rumänischen Armee bei. Das Flugfeld war von 20 bis 30.000 Zuschauern besucht. DaS Programm begann mit dem Abwurf der Staatsflagge aUS einem Flugzeug des West» böhmischen Aeroklubs. Gleichzeitig wurde die Staatshymne gespielt. Das Programm umfaßte sehr interessante Flugleistungen, wie Gruppen- akrobatie, eine Ballonverfolgung, Segelflüge im Schlepptau von Motorflugzeugen, einen Fallschirmabsprung, einen Anflug auf das Flugfeld durch 9 Bombenflugzeuge, sowie individuelle akrobatische Uebungen der hervorragenden tsche- choflowalischen Flieger, Stabskapitän AmbruS und Stabsrottmeister Roväk, die durch ihre Siege im diesjährigen internationalen Pariser Flugwettbewerb bekannt sind. Unter den Piloten ragten durch Einzelleistungen auch Jng Elsnik und Radovflh hervor. Das Flngfest verlief in voller Ordnung, ohne den geringsten Zwischenfall. Schul- und Jugendfunk. Bei den Sonderberatungen der Programmlonferenz des tschecho- sloivakischen Rundfunks in Sliaä wurde vereinbart, dast der Jugendfunk in der kommenden Programmperiode derart geregelt werden soll, daß er den Schulfunk auf jenen Gebieten ergänze, die der,Schulfunk in sein Programm nicht anfzuneh- men vermag. Das bisherige Marionettentheater wird durch aktuelles Theater für Kinder und für die Jugend ersetzt. Es wird in unterhaltender dramatischer Form die Jugend mit hervorragenden Ereignissen unserer Zeit bekänntmachen. Es ivird allerdings notwendig werden, die Mitarbeit von Schriftstellern zit gewinnen, die ein positives Verhältnis zur Kinderliteratur haben und auch eine geeignete Rundfunkform zu finden vermögen. Run kann er zufrieden sein... In Mellion- nec in der Bretagne wurde am Sonntag eine Pietätsfeier veranstaltet, bei der öffentlich das An- deiiten des Soldaten Franz Laurent rehabilitiert wurde, der infolgeeinerJ u st i z irr- tu ms im Oktober 1914 erschossen worden ist. Schreckensfahrt eine» Aula». Auf der Straße zwischen Gent und Froiidegem in Ostflander» wurde Sonntag ein Greis von einem Auto erfaßt mtd tödlich verletzt. Das Auto setzte seine Fahrt nach Erondegem fort. Dort ritz es eine Frau zu Boden und tötete sie. Das Automobil zertrümmerte noch einen Mast der elektrischen. Leitmtg und fuhr in den Gitterzaun eines Garten». Eine Zaunstange durchstach den Motor,, wodurch der Wageii zum Stehen gebracht ivurde. Der Wagenlenker ivurde in sehr bedenklichem Zustande in- da» Krankenhaus gebracht. Die vier Wageninsassen würden hingegen nur leicht verletzt. Nr. 182 DienSta«, 7. Juli 1834 Sette 5 ^Stürmer"^Seschichtchen aus Deutfch-ohmen In Streichers berüchtigtem antisemitischen ' Hetzblatt„Der Stürmer" Nr. 30 vom Juli 1034 sind in halbfetter Borgisschrist folgende„Erlebnisse aus dem Tgerland" veröffentlicht: „Vor dem Schaufenster eines Warenhauses in dem Badeort Teplitz-Schönau standen zwei, blonde Blödels. Es waren offensichtlich Schwestern.' Sie öffnete ihre Geldbörse und überzählte den Inhalt. Al» sie sah, daß das Geld zum Kaufe nicht auSreichte, sagte sie halblaut:„Ich bekomme den Hut dennoch." Die ältere Schwester flüsterte entsetzt:„Du wirst doch nicht wie- derzudem Kerl gehe n." In. mir stieg ein furchtbare» Ahnen auf. Ich sollte meine Befürchtung bald bestätigt erhalten. Nachdem ich etwa eine Viertelstunde auf meinem Beobachtungsposten auSgeharrt' hatte, steuerte auf die beiden Mädel» ein typischer Talmudjude zu. Er ist einers der vielen au« Deutschland nach hier geflüchteten Juden. Er verschwand mit der jüngeren Schwester im Warenhaus. Und erstand um ein Paar lumpige Kronen das billige Hütchen. Wer den Juden kennt, weist, was er al» Gegenleistung dafür gefordert haben wird.- Ein weitere» Vorkommnis, das sich vor einiger Zeit in Bodenbach an der Eger zutrug, beweist, wie die jüdischen Emigranten unter den Frauen de» Egerländer wüten. In Bodenbach hatte der Sudetendeutsche T h ö n e r«in Eafö. Thön er war ein angesehener Geschäftsmann. Al» im vorigen Jahr die Juden zu Hunderten au» Deutschland ins Egerland kamen, lieh sich T h ö- ner von seiner Frau bestimmen, einem dieser Juden Obdach zu gewähren. Er ahnte nicht, welchen Satan er in sein Haus ausgenommen hatte. Sine» Lage» ertappte er seine Frau in unzweideutiger Verfassung mit dem Juden. Thön er nahm sich die Schande so zu Herzen, dast er sich erschoß. Er versäumte, ganze Arbeit zu machen. Mit den Kugeln, die er sich selbst in den Kopf jagte, hätte er den Juden und die Dirne, die sich einmal seine Frau hieh, richten sollen. Ob in Deutschland, in der Tschechoslowakei oder sonstwo in der Welt, überall bewahrheitet sich der Satz:„Wer sich mit dem Juden einläht, geht an ihm zugruadek" Der„Stürmer" bemerkt einleitend zu diesen Geschichtchen:„Unser Mitarbeiter in der Tschecho« slowakei teilt dem„Stürmer" folgende Erlebnisse mit."‘ Dieser tschechoslowakische Mitarbeiter kennt seinen ,',Stürmer".'Er wich- welchen'Stofs man dieser Redaktion änbieten'muß.' Ob"Mali dabei das Zinnwald- und Elbesandstein-Gebiet ins Egerland verlegt, Bodenbach an die Eger verschiebt, das ist Nebensache. Hauptsache sind ein paar unbewiesene Schauergeschichten von Juden mit dem sexuellen Einschlag. Der Herausgeber dieses Blattes, der durch die Verbreitung solcher Skan- dalgcschichten und durch Ritualmordlügen ein reicher Mann geworden ist, heißt Julius Streicher und ist des Reichspräsidenten Hitlers Duzfreund. Judenpogrom in Algier Algier, 6. August. In der Nacht auf heute kam e» in L o n st a n t i n e aus persönlichen Ursachen zwischen Eingeborenen und dort ansäsiigen Juden zu einem Handgemenge, da» zur Zett noch andauert. Hiebei wurden jüdische Ge- fchäftslädcn geplündert. Mehrere Male mußten Militärabteilungen einschreiten. Ten bisherigen Meldungen zufolge wurden viele Personen verletzt und einige getötet. Kampf«it»a«schg»itschm«sgler» Re» Bork, 6. August. Am Sonntag wurden hier zwei Rauschgiftschmuggler verhaftet, die die Bundespolizei für Angehörige eiirer der größten internationalen Schmugglerbanden hält. Das Hauptquartier der Bande, das sich in Paris befindet, verkehrte mit seinen Agenten in'New Dort mit Hilse von verschlüsselten Kabeltelegrammen. Die Polizei kam in den Besitz des Schlüssels und ließ eine falsche Mitteilung absenden, in der eine Zusammenkunft mit den Agenten vorgeschlagen wurde. Zur angegebenen Zeit traf an dem bezeichneten Ort ein Kraftwagen mit zwei Männern ein, die sofort verhaftet wurden. Einer der Männer wurde bei der Festnahme in einem Feuer« g e f e ch t verwundet. In dem Kraftwagen fand man Herion, Opium und Morphium im Werte von 128.000 Dollar. Po» der Spielbank in den Tod. Ein Wiener Huthändlec hat sich am Sonntag vergiftet. Er war in der vergangenen Woche in Baden gewesen und hatte im Spielkasino sein Vermögen verloren. Aus Kränkung darüber hat er Selbstmord verübt. Straßenbahnwagen neuesten Modells. Die Straßenbahnverwaltung hat vier Motorwagen eine» ganz neuen Typs bestellt, die im Herbst vorläufig probelvcisc werden in Betrieb gestellt werden. Der neue Motorwagenthp faßt 80 Personen und unterscheidet sich von den bisherigen vor allem dadurch, daß das Einstetgen ausschließlich durch di« Vorder» und Hintertüren und das Au»- jteigen nur durch«ine Mitteltür erfolgt. Ferner Japanische relephanistiane« mit Sin Bild, das einen starken Eindruck vermitteltvon der Ernsthaftigkett, mst der Japan sich auf den Kriegsfall vorbereitet. Alle Personen, die im Dienste der Oeffentlichkeit stehen, werden so ausgebildet, daß sie auch bei einem Luftangriff mit Gasbomben chre Funktionen zu versehen vermögen. Steqnatto 100« Todestag Am 7. August jährt sich der 100. Todestag von Joseph Marie Jacquard, de« Eri sinder« d«S heute in der ganzen Welt verbreiteten Jaequardstuhle». Joseph Marie Jacquard wurde am 7. Juli 1782 in Lyon, dem bekannten Zentrum der stanzösischen Weberei, geboren. Von Beruf Buchbinder, übernahm Jacquard von seinem Vater zwei Handwebstühle, auf denen er für eigene Rechnung gemusterte Seidenstoffe herstellte. Der Betrieb florierte jedoch nicht und Jacquard setzte dabei sein ganze« Vermögen zu. Bereit» vor dem Jahre 1790 beschäftigte sich Jacquard mit'einer Erfindung, um die bi« dahin komplizierte Weberei gemusterter Gewebe durch eine mechanische Vorrichtung zu vereinfachen. An frühere Erfindungen, die sich jedoch nicht bewährten, anknüpfend, erfand er 1808 die nach ihm benannte Vorrichtung, di« da« Weben gemusterter Stoffe mechanisierte und schon bald ihren SiegeSzug durch die ganze Welt antrat. Für die Weberei gemusterter Stoff« verursachte die Erfindung Jacquards geradezu eine technische Umwälzung. Bereits im Jahre 1812 waren in Frankreich 18.000 Jacqüardstühle in Verwendung, 1822 wurde der Jacquardstuhl in England eingeführt und bald darauf eroberte er die Weberei anderer Länder. Die Prinzipien, die der Erfindung Jacquards zugrunde liegen, haben sich bei den Jacquardstühlen bi« auf den heutigen Tag erhalten. werden auch wieder, wie einst in einem Typ von Anhängeivagen, zum Teil Quersitze eingeführt werden. Die neuen Wagen sind mit einem automatischen Türschließer ausgestattet, der in Tätigkeit tritt, sobald sich der Wagen in Bewegung setzt. IMMM«IMM Preisschere zugunsten der Landwirtschaft Die Preis« für die Agrarprodukt« liege» höher al« Jndustrieprodukte In den vergangenen Jahren hatte die Preisentwicklung zu einer immer größeren Differenz zwischen den Preisen für Industrie- und die Agrarprodukte geführt. ES gab eine Zeit, in der die Jndustrieerzeugnisse einschließlich der Rohstoffe im Preise stiegen, während die Preise für -die.agrarischen ErzeuMisse sanken.. Dieses AuS- einanderklaffen der' Proste^bezeichnet man'als „Preisschere". Diese Preisschere ist seit 1914 andauernd zugunsten der Industrie geöffnet gewesen. In den mitteleuropäischen Industriestaaten ist diese Entivicklung durch den starken politischen Einfluß der schwer- und finanzkapitalistischen Gruppen bewußt gefördert worden, durch eine, nur ihre Interessen in den Vordergrund stellende Zoll- und. Wirtschaftspolitik. Das lange Andauern der Wirtschaftskrise hat an diesem Zustand in den meisten Staaten keine grundlegende Acnderung herbeiführen können. In der Tschechoslowakischen Republik sind zwar, wie die Indices der letzten Jahre zeigen, die Preise sowohl für Agrar-, als auch für Jndustrieprodukte zurückgegangen. Aber der Rückgang erfolgte bis vor gar nicht langer Zeit für die agrarischen Erzeugnisse in einen: rascheren Tempo als für die industriellen. Seit ISIS lag i« unserem Staat« der Prei«. index für Industrie-Rohstoffe und Produkte höher al» der für die Nahrung«, und Genußmittel, wenn auch der Atstand sich zuletzt nur noch in müßigen Grenzen hielt. Die Agrarier in unserem Staate haben die Preisschere für die Krise verantwortlich gemacht. In Wirklichkeit ist sie nicht die Ursache der Krise, wohl aber hat sie dazu beigetragen, die Schwierigkeiten der Landwirtschaft und der Agrarstaaten zu vermehren und sie als Konsumenten von Industriestoffen und-Produkten in größerem Umfang auSzu schalten. * die be- Für di« Tschechoslowakei hat fich nun im Juli 1934 eine grundsätzliche Wendung ergeben. Zum ersten Mal in der Geschichte unserer Wirt» schäft liegt der Preisindex für NahrungS- und Genußmittel und Futter mit 721 höher al« der Index für Jndustrierohstoffe und-Produkt«, der 67V betrügt. Dir Agrarprodukt« in unserem Staatsgebiet« find demnach teurer al« die Jndustrieprodukte. Man kann also jetzt von einer verkehrten Preisschere sprechen. Zu dieser verkehrten Preisschere ist eS gekommen, weil die Preise für agrarische Produkte in den letzten zwei Monaten weiter angezogen haben, während die für Jndustrieprodukte seit März leicht zurückgegangen sind. ES betrug der Index: Wirkung begrüßen würden, so wenig wagen wir e«, sie zu erhoffen. zu einem niedrigeren Preis angeboten, al» die tschechoslowakischen Erzeugnisse. Durch da» sozial« Dumping, die niedrigeren japanischenLühne allein, sind diese billigen Preise nicht zu erklären, da ja inzwischen die Löhne fiir einzelne Schichten»er tschechoslowakischen Industrien: beiterschaft n'cht mehr allzu weit über die japanischen hinauSgeben und zum anderen diese Differenz durch die Kosten deS weiten TranSportlveges von Japan bis Jugoslawien stark herabgemindert wird. Wir sind noch immer der Meinung, daß es bei einem Entgegenkommen unseres Landes an die Exportbedürfnisse Jugoslawien« möglich sein miiß- te, die beiderseitigen Handelsbeziehungen zu beleben und der japanischen Exportindustrie nicht durch einen allzu billig erungenen Sieg einen Absatzmarkt zu überlassen, auf den die tschechoslowakische Industrie auch weiterhin angewiesen ist. Jugoslawien, das keine entsprechende Exportsteigerung nach Japan aufzuweisen hat, würde ES ist mit viel Wahrscheinlichkeit anzunrh. men, daß die Preise für agrarische Erzeugnisse fich in der nächsten Zeit weiter erhöhen«erden, so daß selbst bei der zu befürchtenden Tendenz höherer Preise für industriell« Produkte die Preisschere vorläufig wenigstens«eiter zugunsten der Land- wirtschaft offen bleiben wird. Ob sich dieser Zustand für die Wirtschaft unseres Staates insofern günstig anSwirken wird als nunmehr die Landwirtschaft stärker als Abnehmer der Industrie in Erscheinung tritt, muß abgewartet werden. Für die Arbeiterschaft muß diese Entwicklung. weniger günstig beurteilt«erden. Um so mehr, alS der Gesamtindex für die Produkt« beider Gr»ppe« feit Anfang diese» Jahre« ein« Stet- gerung von 647 auf 701 aufweift. DaS bedeutet für die Arbeiterschaft die weitere Herabdrückung ihrer Konsumfähigkcit. Die Landwirtschaft hat zwar jetzt ihre hohen Preise, aber ob sie ihre Erzeugnisse in dem alten Umfang absetzen kann, das ist eine andere Frage. Die Umkehrung der Preisschere wird aber auf jeden Fall zeigen, daß die Preisdifferenz zn- Japan dringt in Jugoslawien vor Bedrohung des tschechoslowakischen Export». Während die Bemühungen, die besonder« von politischen Stellen ilnserer Republik für den Ausbau der Handelsbeziehungen mit den Staaten der Kleinen Entente unternomen werden, nur einen mehr als bescheidenen Erfolg haben, gelingt e» Japan, mit seine» Ausfuhrwaren in Südosteuropa immer weiter vorzudringen. Die Einfuhr japanischer Waren über Saloniki nach Jngo- flawien z. B. betrug im Jahre 1038 19.196 Kilogramm im Werte von 640.000 Dinar. Im ersten Halbjahr 1934 erreichte die Einfuhr bereits 30.000 Kilogramm im Werte von über einer Million Dinar. Unter den Einfuhrwaren sind vor allem Baumwollstoffe mäßiger Qualität, Glühlampen, Porzellan, Kinderspielzeug, Bleistifte, Lackwaren, also Jndustrierzeugnisse, die zum guten Teil auch aus dem tschechoslowakiseNen Bündnisstaat-bezogen-werden können. Aber die Einslihr der Tschechoslowakei nach Jugöslatvicn bat sich in den ersten sechs Monaten 1934 gegen 1933 mengenmäßig nicht erheblich gebessert. Dem Mert nach weist sie allerdings eine Steigerung von 23 Prozent auf, aber es muß dabei die durch Kronenabwertung hervorgerufene Differenz achtet werden. Die japanischen Waren werden sicher ungunsten der landwirtschaftlichen Erzeugnisse sicher tschechoslowakische Waren kaufen» wenn die nicht die Schuld an der Krise getragen hat, sonst Tschechoslowakei sich nicht von den jugoslawischen müßte die Krise nunmehr von der tschechoslowa- landwirtschaftlichen I nSfuhrprodulten abschließen kischen Wirtschaft weichen. So sehr wir eine solche' würde. für Agrarprodulte für Industrie Produkte im Juli 1932 683 689 im Juli 1983 646 701 im Jänner 1084 629 667 im Feber 1984 628 667 im. März.1084• ,, 643 600 im April 1934 ■ 689 689 im Mai 1934 630 689 im Juni 1984 638 684 im Juli 1984 721 679 Girr Kranz fftt Felix Fechenbachs Grab Erschossen„auf der Flucht" am 7. August 1936. Ihr glaubt ihn zu töten , aber er lebt. Lebt und mahnt ' daß ihr ihn gemordet um der Lüge willen, von der ihr lebt. > Sonnig und klar ist der Tag. Um die Gräber auf dem FriedhofinRimbeckinWest- falen tanzen Mücken. Wehmut liegt auf dem ungepflegten Hügel mit der kleinen Holztafel: FelixFechenbach. Ein Jahr schon ist es her, da sank sein junger Leib in das geheimnisvolle Dunkel, um Erde und Asche zu werden. Aber sein Geist ist lebendig in un« allen. Felix Fechenbach! Du hast Deine Treue mit dem Tode besiegelt. Dein Leben war selbstlose» Ringen gegen Ungeist und Gewalt, Kampf für Menschliihkeit und Freiheit. Da» beherrschende Gesetz Deine» Wesen»: Man muß entschlossen sein, da», was man im Herzen und im Beist trägt, auch zu verwirklichen. Du glaubtest' an die heilige Mission de» Sozialismus und an das Gute im Menschen. Es war stet» fühlbar: hier steht einer, der im Innersten erfüllt ist von der Idee, für die er wirkt, der nicht nur Opfer fordert, sondern bereit ist, sich selbst einzusrtzen, seine Freiheit, sein Leben. Er hätte fliehen können. Ja seine Parteifreunde baten ihn sogar, zu fliehen. Aber er lehnte ab. Nur seine Frau bat er, sich mit feinen drei Kindern in Sicherheit zu bringen. Er glaubte feige zu handeln, wenn er ginge. So fiel er den braunen Mördern zum Opfer wie so viele. Nun verlangt auch sein Blut nach Vergeltung. Dreiundzwanzig Jahre wirft« Felix Fechenbach in selbstloser Weise in und für die Partei. Er kämpfte mit glühender Leidenschaft, hielt Kurse, Vorträge, schrieb Artikel, Bücher, Reportagen. Sein Lieblingrthema waren die«sittliche Idee des Klaffenkampfes" sowie Fragen der Gefängnis- und ZuchthauSreform. verschiedentlich war er Mitarbeiter auch an ausländischen Zeitungen, und lange Zeit deutscher Korrespondent der Basler Nationalzeitung. Obwohl Fechenbach rednerisch und schriftstellerisch manche Erfolge hatte, ging c» ihm materiell schlecht. Die Not wich nie von seiner Seite und mit seiner Familie lebte er in bescheidcnefl Verhältnissen. Nm von diesem äußeren Elendsweg abzukommen, suchte er eine Redakteurstelle. Jahrelang waren seine Bemühungen erfolglos. Endlich klappt es. Im Oktober 1929 wird er Redakteur in Lippe- Detmold. Mit allen Kräften stürzt er sich in die Arbeit und unter seiner Schriftleitung gewann das Par» teiblatt an Ansehen und an Abonnenten. Allenthalben schätzte man Fechenbach wegen seines lauteren Charakters und er war ein vielbegehrter Vortrag»«und VersammlungSredner. Kurz war die Freude und der Erfolg seine« Schaffen«. Roch ballen wir unmächtig die Hände. Statt Kränze legen wir am Jahrestag deine« Tode» da» heilige Gelöbnis der Treue nieder und an Stelle eine« Grabsteine» meiseln wir Deinen Namen in die Herzen der Genossen. Dein rote» Blut verströmte in den Sand, Dein kühner Geist mahnt hell zu neuem Rin« gen.. Sette 6 „Sozialdemokrat" Dienstag, 7. August 1884. Ne. 182 Der Invalide Bon Afißmend Mörirz. In einer großen Stadt der ungarischen Tiefebene war ich zu Gast bei einem Großbauern, der tausend Morgen sein eigen nennt. Der Bauer Halle im ganzen sechs Volksschulklassen besucht, aber den größten Teil seines Besitztums selbst erworben. Seine Frau, deren Eltern ebenfalls Kleinbauern waren, und er sahen aus als hätten sie die Universität besucht, und ihre Wohnung machte den selben Eindruck. Ihre Lebensweise jedoch war di« alte geblieben. Sie gaben mir ein großes Essen, mit vielerlei Fleisch» largien mit nichts, wa- bei ihnen gedieh, gaben aber nach Möglichkeit keinen Heller für Ladenware aus. Nach dem Essen wurden zwei prächtige Pferde vor«inen kleinen Bauernwagen gespannt und der Großbauer fuhr mich aufs Gehöft hinaus. Das Gehöft lag auf zwölf Kilometer von der Stadt entfernt. Es war ein sehr schönes Gehöft, große Wirtschaftsgebäude, fabelhafte Stallungen, prachtvolle Tier« und riesige Weizenfelder. Der Bauer erzählte mir prahlend, er wirtschafte so, daß er den ganzen Winter über insgesamt drei Leute beschäftige, die das Bieh betreuen und die Stallungen in Ordnung halten. Er brauche nur zum Säen und Ernten Leut«. Sonst aber kümmere sich der Herrgott um den Weizen, sorge für guten Regen und guten Sonnenschein. Ich betrachtete nachdenklich das Reich, denn tausend Morgen sind ein großes Stück Land- In der Stadt lungern sechstausend Arbeitslose herum, und er beschäftigt auf einem so ausgedehnten Gebiet nur drei Landarbeiter. Dieser tauseich Morgen besitzende Großbauer lebt wie sein Großvater gelebt, der nur siebzehn Morgen besessen, und tose sein Bater, der cs auf dreihundert gebracht hatte. Für seine Tier« hat er tadellose moderne Stallun- gm bauen lassen, aber sein Wohnhaus auf dem Gehöft ist das alte» niedrige, ungesund«, mit gedeckte Gebäude geblieben. Demzufolge können auch die Knechte nicht klagen, daß sie in ähnlichen, oder noch armseligeren Lehmhütten Hausen, ist doch der Bauer selbst mit einem strohgedeckten Häuschen zufrieden. Reben dem großen Ochsenstall fiel mir ein sonderbares kleines Anwesen auf; es sah aus, oU wäre es von Kindern gebaut. »Was ist denn das?", fragte ich.»Ein Backofen?" „Rein", antwortete der Bauer,»hier tvohnt der Invalide." Er erzählte mir, daß einer seiner Knechte aus dem Krieg als hundertprozentiger Invalide zurückgekommen sei, was in diesem Fall« bedeutet, daß er nicht gehen könne, keine Füße habe. Er behielt diesen Menschen aus Mitleid und gibt ihm denselben Lohn, den er ihm geben würde, wenn er heil und gesund zurückgekommen wäre. Ich war neugierig, wie ein solcher Mensch in der erstaunlich kleinen Lehmhütte lebt. Wir gingen hinein. Die Hütte hatte ein kleines Borzimmer, das zugleich auch als Küche dient«. Die Hälfte war vom Herd in Anspruch genommen. Eine niedrige schmale Tür führte in die kleine anstoßende Stube. Diese hatte keine Zimmerdecke. Das Dach war von innen mit Lehm verschmiert. Und auch von außen. In der Stube standen: ein Bett, ein kleiner Tisch, zwei Stühle und ein Kleiderschrant. Mehr hatte darin nicht Platz. Und dann gab es hier auch eine Frau. Eine rotbackige gesunde Frau, die uns mit demütiger Und freundlicher Herzlichkeit empfing.. »Der Invalide ist verheiratet?" fragte ich. »Ja. Er kann für sich nicht sorgen, da er keine Füße hat. Er brauchte eine Frau und da er seinen Lohn halle, bekam er cstie. Er hat auch drei Kinder."- »Wie schlaft ihr denn hier zu fünft?", fragte ich die Frau. »Gut"— antwortete sie heiter.»Mein Mann schläft im Bett mit einem Kind, und ich swlafe auf dem Boden mit den beiden andern. Ich bringe jeden Abend das Stroh herein, darauf schlafen wir." »Auch im Winter?" »Ja. Es ist ein sehr angenehmes kleines Haus, so warm wie ein Kessel. Ist eine sehr gute Wohnung. Wir haben hier alles." Und sie zeigte mir den an die Wand gehängten Salzstreuer, die unters Bett geschobene Mehltruhe, und die über dem Tisch hängende klein« Petroleumlampe. In meinem ganzen Leben hatte ich noch keine Hausfrau gesehen, die auf ihre Wohnung ebenso stolz gewesen wäre. Der Bauer wurde wegen irgendeiner Kuh- geschichte hinausgerufen, und ich setzte mich in der Meinen Stube und plauderte mit der Frau. »Wie haben Sie Ihren Mann kennen ge- ttwut?", fragte ich ste.•' »O, das tvar sehr interessant"— antwortete sie mit glänzenden Augen.„Man hat ihn mir empfohlen. Aber er konnte nicht zu mir kommen/ deshalb bin ich zu ihm gekommen, Um mir ihn: anzusehen. Er hat mich sofort sehr lieb gewonnen, ist ein sehr guter Mensch. Aber die Leute sind mir wegen meines Glücks neidisch geworden und wollten mir ihn abspensttg machen. Ich wurde beredet, daß ich mich nicht zur Frau eines armen Menschen eigne. So was mir nachzusagen, wo doch mein Bater und auch mein Großvater so arm war, daß sie nicht einmal recht zu essen hatten. Daß ich mich gern herausputze und gern tanze. So was mir nachzusagen... Und sie wollten, daß er eine Magd heiratet, aber eine, die kein ganzes Kleid hatte... Und von der nur so der Schmutz geronnen ist, daß hinter ihr die Erde, wo sie ging, schwarz.wurde... Daß die zu ihm paßt. Und der Narr hat sich mit ihr schon fast trauen lassen, als mir das zu Ohren kam. Selbstverständlich bin ich sofort, noch am selben Abend zu ihm gegangen und hab ihm gesagt, was ich gehört habe... Air sind dann rasch einig geworden, ich hab die Nacht hier bei ihm verbracht, und da bat er mich nicht einmal mehr fortlassen wollen, so lieb hat er mich gewonnen... Ich mußte ihm schwören, daß ich zurückkomme. Denn schließlich mutzte ich ja fort, um der Familie meines verstorbenen ersten Mannes zu sagen, daß ich mich verheirate. Damit sie nicht sagen können, daß ich einfach weggelaufen bin." Sie erzählte mir schamhaft und lachend den ganzen Roman und ihr Gesicht glänzte davei so, daß die kleine Stube davon hell wurde. »Und wo ist Ihr Mann?" „Ach, der ist in der Stadt, im Spital. Er ist von der Leiter gefallen und hat sich was gemacht. Er ist zwei Dtonate gelegen, dann haben die Herren Aerzte gesagt, daß^r heim kann. Aber cS ist doch nicht gut geworden, wenn'die Herren Aerzte es auch gesagt haben. Da haben sie ihn dann noch einmal untersucht und es hat sich herausgestellt, daß der Knochen gebrochen ist. Das Bein war schon brandig geworden. Me haben es ihm bis zum halben Schenkel abgeschnitten, und jetzt heilt cö, Gott sei Dank, schon ganz schön.." Die drei Kinder standen neben ihrer Mutter, lächelnde, kleine rotbackige Kinder, ganz wie die roten Aepfel. Und ich fühlte beschämt, daß ich mich hier jetzt auf der Insel der Seligen befinde. Wer daS Unglück nicht zu erfaffcn vermag, der ist glücklich. Das'Glück ist kein Geschenk des Himmels, dachte ich, sondern ein Fluch des Himmels. Weder dieser Tausend-Morgen-Grotzbauer weiß, daß man auch anders leben kann, als er lebt, bei Speck utzd Brot und mit drei Menschen auf tausend Morgen, noch weiß cs diese bettelarme Jnvalidenfamilie. Was läßt sich da tun? (Einzig berechtigte Uebersetzung au» dem Ungarischen von Stefan I. Klein.) Dar Film Ltzarleye Saute Auch»Lharleys Tante" ist der Berfilmung nicht entgangen. Was herauSkam, war ein Lheaterbilder- bogen, der einen tatsächlich hie und da zu einem milden Lächeln veranlassen konnte. Wenn ein junger Mann, al» brasilianische Erbtante verkleidet, über die Leinwand stolperte und dabei nicht versäumt, bösartigen Ziehvätern Berlobungödokumente abzupreffen, so daß am Schluß drei glückliche Pärchen oben agieren, so muß man sagen, daß er seine Pflicht voll erfüllt hat. Als turbulente Posse gespielt, kann dieser Ber- kleidungSscherz eine zwar derbe und nicht sehr anschlagende, aber durchaus humorvolle Kost sein. Wird er aber so kurzatmig und so uneinheitllch inszeniert wie hier, so wird die Naivität de» Borwurfs streckenweise doch unerträglich. Dabei gibt e» Ansätze, die Einfall und Geschmack verraten. Sogleich bricht der Faden jedoch ab, die Schablone beginnt wieder. Paul Kemp zeichnet die Tante. Mit einem Schuß trübseliger Philosophie und einem verhaltenen Humor, der ein wenig nach Resignation schmeckt. Der begabte Schauspieler experimentiert offensichtlich, wa». heraus kommt, ist eine humoristische Studie die Völlig au» dem Rahmen des Spiel» und der Regie fällt. In weiteren Rollen unter anderem Rasp, Gülstorff, Henckels und Ida Wüst. Auch des RanuskriptverfafferS sei gedacht. Er heißt Stemmle, spielte drüben einmal den Sozialisten und ist dann in der schmählichsten Weise zum guten Honorar des Feindes übergclaufen! Pierre. Matter aad Stiafr Soviel Rührseligkeit auf einmal ist schwer zu ertragen! Wer gern und ausgiebig weint, wird in dieser Schmalz-Eligie der göttlichen Henny(Porten) gewiß auf seine Kosten kommen. Eine Reitzer- Attacke auf schwächliche Tränendrüsen,, mit schönen Aufnahmen und ständigem Massenaufgebot an fingerdick anfgetragener Kinntopp-Verlogenheit. Eine Hausangestellte bekommt ein Kind und will ins Wasser gehen. Ein steinreiches Ehepaar, das immer im Film, nie aber in der Wirklichkeit anfzutreten pflegt, sieht die happy end-Ehance rechtzeitig und saniert Braut und Bräutigam. Selbst da» Kind, jener Kind nämlich, das die Hälfte des Titel» bestreitet, und auf das die Mäcene zuerst reflektieren, gelangt zum voll befriedigenden Abschluß zurück in die Mutterarme. So ist das Leben. Ist es so? Bei dem Regiffeur St ein ho ff jedenfalls, der glaubt, es mit glücklichen Zufällen und einer TränenberleselungSanlage meistern zu können. Wenn der Filmgeist schwach und die Einfälle rar wie Brombeeren sind, liefert die Industrie gern dar Innenleben. Da» Innenleben, wie es sich das kleine Moritzchen an der Kassa vorstellt. Und in d i e f e r Beziehung ist die Vorstellung leider auch durchaus richtig. Pierre- M• Spiel• Körperpflege Bürgerlicher Sport Wieder ein Privinzverein in Geldnöten. Die bürgerlichen Fußballklubs in der Provinz haben sich in den letzten Jahren zu viel zugemutet. Um das Spielniveau zu heben, wurden fremde Spieler herbeigeholt. die natürlich bezahlt werden mutzten. Kämpfe mit Klubs von Namen verschlangen ebenfalls viel von den Einnahmen. Als dann zur Sanierung Vereine von sogevannter Minderer Güte herangezogen wurden, da blieb die sonst so blind- loütige Anhängerschaft aus und die Spiele wurden erst recht ein Fiasko. Die weitere Folge solcher Transaktionen waren dann Schulden, die ins unermeßliche wuchsen, bis die Gläubiger ihre Taschen zuknöpsten und Bezahlung verlangten. Nun hat in K o m o t a u der dortige DFK. dieses System bürgerlicher Sport-Mitzwirtschaft zu spüren bekommen. Seine Schulden sollen zirka 100.000 Ke betragen. Davon sollen rund 80.000 Ke verschiedenen Funktionären gehören. Vereine, die in den letzten Wochen in Komotau spielten, erhielten nicht ihre volle Entschädigung ausbezahlt, da der Besuch ein trostloser war. Die Leitung des DFK. versuchte alles niögliche zur Hebung der Besucherzahlen, aber auch die Ankündigung in der OrtSpresse, daß„Damen in Herrenbegleitung" einen„ganz niedrigen Eintritt" genießen, hat nichts genützt. Zu all dem soll dem Verein, wie man hört, der Verlust des Platzes drohen,' den die Gemeinde angeblich auf Drängen des OrtSschnlrateS und der Lehrerschaft als Jugendspielplatz bcistellen soll. Die alten Fnnktionäre des DFK., die ihn hochbrachten, haben sich zurückgezogen und denken nicht daran, nochmals ihre Zeit und— Angeftelltenversarnmdmtz ta Prag veffentliche Sereiaavetfaatailaag über daS neue Privatangestellten-Gesetz am Mittwoch, den 8. August, 8 Uhr adrnd, im Hand wer kerheim, Smriky. Angestellte au- Handel, Industrie und Verkehr seid zahlreich zur Stelle. auch ihr Geld in eine Sach« zu stecken, die innen faul und morsch ist. Unter diesen Umständen ist der Zusammenbruch des 3HK. Komotau nicht auszuhalten. Der Sport wurde durch das Geschäft erschlagen... Der Prager Fußball wies am Sonntag keine Spiel« von Bedeutung auf. Die Spiele des DFC.. der feine neue und halb alte Mannschaft ausprobieren wollte, mußte wegen Regen—• am Sonntag tvar wohl Sonnenschein— absagen. Di« Fußballspiele tn der Provinz. In K a rls- bad gastierte die Prager Slavia und schlug die dortige Sparta mit 0:2(6:1).— DSV. Saaz gewann daheim gegen VfB. Teplitz mit 8:1(8:1). — In Bodenbach siegte der Teplitzer FK. über die SPBg. durch einen Zufallstreffer aus 50 Meter Entfernung mit 8:2(1:1).— SK. Kladno machte in Gablonz mit dem BSK. wenig Federlesen und gewann 0:2(8:1).— InKolin standen sich DFC. BudweiS und AFK. gegenüber. Das Match endete 2:2(0:1).— Komotau: DFK. gegen DSK. Reudek 6:4(2:2).— Reichenberg: DSV. gegen DSK. Gablonz 8:2(1:0).— Trauten au: DSB. gegen DSV. B.-Leipa 4:2(4:0). — Brünn: Zidenice gegen Vienna Wien 2:1 (1:0), SamStag.— Kasch au: Huugaria Budapest gegen KAE.—Törekvcs komb. 0:8(8:0).— Ungvar: SK. Rusj gegen Bocskay Debreczin 4:8(1:2). Neuer Weltrekord im Kugelstoßen. Bei einem internationalen Meeting in Oslo, an dem auch Amerikaner an den Start gingen, wurden sehr gute Ergebnisse erzielt, und zwar stellte u. a. im Kugelstoßen der Amerikaner Torrance mit der ausgezeichneten Leisttmg von 17,40 Metern eine neue Weltbestleistung auf. Der Weltrekord Doudas(Prag) wurde um volle 1.20 Meter überboten. Deutsch-tschechischer Leichtathlrtikwrttkamps. Am Sonntag fand in Reichenberg eine Begegnung bc£ DLAB.-NordgaueS mit dem tschechischen Ostgau^ statt, den die Deutschen mit 70:51 Punkten gcwanD neu. ES wurden gute Durchschnittsleistungen erzielt.. Starhrmberg diktiert. Bürgerliche Sportler aus Oesterreich wollten nach dem Dritten Reich und da von dort ebenfalls ein Sportboykott über Oesterreich verhängt wurde, hat der„Fürscht" dasselbe getan und die Sportler mußten daheim bleiben. Bürgerlicherseits wird immer beteuert, daß gerade ihre Veranstaltungen zur Bölkerversöhnung und -Verständigung beitragen. Wir erlüben e» aber säst täglich, wie der bürgerliche Sport mehr denn je ein Werkzeug der Politik wird. An 4a* Partei Sozialistische lüftend, Kreis Praft Donnerstag, den 0. August, abends 8 llhr: Antikriegtz-Kundgebung der Jugend im Saal des Einheitsverbandes der Privatange- stelltcn, Jungmannova 20. Alle in Jugendkleidung. Keiner darf fehlen. I! »»«kN« mk Anzeigen helBt dar ■nitrierenden Konkurrent helfen In Bold, Platin, Porzellan und Nautickuk. Arbeiten HU die Herren Aerzte schnell und btllia. Anton Kopeckf, gnSntechniker, Prada VIII» XrlUtt 11. 2268 Gin Mensch Mrd ««sichtbar Unter den seltsamen Erzählungen, die von Jack London im Sammelband„Mondgesicht" erschienen sind, findet sich eine über die Unsichtbarkeit. Er nennt sie„Der Schatten und das„Funkeln". Diese Geschichte beginnt damit, daß zwei befreundete Chemiker die Tarnkappe der Njbc- lungeii, das Problem, sich unsichtbar zu machen, auf zwei grundverschiedenen Wegen zu erreichen suchen.‘, Jeder Körper, sagt sich der eine, wird dadurch sichtbar, daß seine Oberfläche die Eigenschaft hat, besfimmte Farben zurückzuwerfen. Ein rot angestrichener Gummiball hat die Eigenschaft, von den farbigen Lichtern, die auf ihn fallen, nur die,roten zurückzuwerfen. Er verschluckt all« anderen Farben und wirkt rot. Ein weißer Körper tvirft alle Farben zurück, ein schwarzer keine. Nun, sagt dieser Chemiker sich, wenn ein schwarze^ Körper leige Lichtstrahlen zurückwirft, sann er vom Auge auch' nicht wahrgenommen werden. Schwarze Körper sehen wir- weil sie eben nicht vollkommen schwarz sind. Wer daS vollkommene Schwarz findet, der wird unsichtbar. Jeder Körper, sägt sich der andere Chemiker, wird dadurch sichtbar, daß er die Eigenschaft hat, Licht) das auf ihn fällt, zurückzuwerfen. Läßt er das Licht durch sein Gefüge passieren, dann wird er unsichtbar. Glas und Quarz haben diese Eigenschaft schon in hohem' Maße. Finde ich eilte chemi sche Substanz, die lebende Stoffe in der Struktur so verändert, daß sie das Licht vollkommener als Gallerte passieren lassen, dann bin ich unsichtbar. Es ist der Vorzug dieser Erzählung, daß sie den Erfinder, eben ans jedem Wege zum Ziele führen kann.. Der eine unserer Chemiker findet also das vollkommene Schivarz, der andere die vollkommene Durchsichtigkeit. Aber wie es bei Erfindungen so ist, beide haben einen Fehler. Der vollkommen schwarze Mensch wirft einen Schatten, der vollkommen durchsichtige funkelt, wenn die Lichtstrahlen schräg auf ihn fallen. Durch diese kleinen Fehler sehen und finden sich die beiden Konkurrenten doch und— ein wahrhaft moderner Endeffekt einer großen Erfindung— sie prügeln sich beide zu Tode. Diese Erzählung wäre durchaus nicht tveni- ger interessant, wenn nicht in diesen heißen Augusttagen Nachrichten in großer Aufmachung auftauchen würden, die mit vielen Photos kchil- dern, wie sich in England.ein Erfinder mit elektrischen Strömen unsichtbar machen könne. . Strahlen sind ja der moderne Ersatz der altehrwürdigen Seeschlange, die jeden Sommer um diese Zeit auftauchte, die aber nun durch die Tatsache ihrer wirklichen Existenz unaktuell geworden ist. Obskure Dinge muß man von weit her beziehen. Sie scheinen dadurch glaubwürdiger zu iverden. Erzählen wir also, Ivie eine Zeitschrift, aus Chicago diesen seltenen Fall von Unsichtbarkeit, mit drei photographischen Aufnahmen, I schildert. Ein junger englischer Forscher behauptet, er hätte nach jahrelangem Experimentieren einen Apparat gebaut, welcher einen Menschen, der greifbar vor uns steht, unsichtbar machen kann. Die Prinzipien, nach denen die Umwandlung zur Unsichtbarkeit vor sich geht, sind ein tiefes Geheimnis. Es ist nur bekannt, daß die Versuchsperson mit einem sogenannten„Elektrohelm" und einem„Spektralmantel" bekleidet ist In dieser Ausrüstung sieht der Mann wie ein Tiefseetaucher aus. Er steht damit vor einer offenen Kabine auf einem sehr gut beleuchteten Matz. Nun berührt er mit beiden Händen die Kontaktkugeln, die über seinen Schultern aus der Kabine ragen. Ein Strom fließt stärker und stärker und jetzt ivird behauptet, daß der Mann dann immer mehr durchsichtig erschiene. Er verschwände langsam, zuerst die Hände, am Ende auch der Kopf. Der Mann bleibt berührbar, aber er ist nicht mehr zu sehen. Zuschauer werden eingeladen, mi: der Hand nachzuprüfen, ob der Mann noch im Kabinett stände. Diese behaupten dann, ihn zu fühlen, aber nicht zu sehen. Auch die Kamera könnt- das Geheimnis nicht enthüllen. Die während eines erfolgreichen Versuchs gemachten Aufnahmen zeigen dasselbe wie das Auge. Man könnte nach diesem Bericht versucht sein, eine Theorie über die Abbiegung van Licht- strahlcn in elektrischen Kraftfeldern zu entwickeln. Aber überlassen wir diese Aufgabe lieber dem Erfinder selber. Er könnte sonst vielleicht erstaunt sein, daß ein Trick, mit dem eine Anzahl von Zuschauern düpiert wurde, nun auch noch eine wissenschaftliche Erklärung erhäft.' K. D. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung in»-au»'oder bet Bezug durch die Post monatlich KG 16.—, vierteljährig KC 48.—. halbjährig KC 06.—. ganzjährig itt 192.—..— Inserate werden laut Tarif: mm»» Bef öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZettungSfrankatur wurde von der Poft- und Telegraphen» d dirrktion mit krlatz Rr. 18.800/VH/1980 bewilligt.— Druckerei:»Orbis". Druck-, Verlag,, und Zeitung»-»..».. Prag..