14. Jahrgang Mittwoch, 8. August 1934 Nr. 183 Wiedlr Todesurteile Bin Wehrmann gehenkt in Oesterreich Wien, 7. August. Der Mitttärgericht-Hof in Wen verurteilte heute nachmittags den Soldat« des österreichisch« Lundesheeres Ernst Feile wegen des Verbrechens de- Hochverrats zum Tode durch den Strang. C. Feile«ar der Anklageschrift zufolge der einzige aktive Svldat, der an dem nationalsozialistischen Putsch am 28. Juli teilgenommen hatte und gemeinsam mit anderen Putschist« in da- Gebäude des Bundeskanzleramtes eingedrungen war, wo er mit der Waffe in der Hand di« verhafteten Beamten bewacht«. Der Angeklagte, der vorerst beim Jnf.-Reg. Nr. 4, den„Deutschmeistern", gedient hatte und dann-um 2. Feldjägerbataillon kam, fühlt sich unschuldig. Er machte den Versuch, zu beweise«, daß er in der tlebrr- zrngung, daß es sich um eine legale Aktion handele, vorgegangen sei., llebrigrns habe er bloß dir Befehl« feiner Vorgesetzten, vor allem PlanettaS, befolgt. Der Angeklagte gestand ei«, daß die Putschisten drei Wochen dindurch die Aftion vorbereitet hatten. Nach der Fällung des Todesurteil- über den Soldaten de- österreichischen BundeSheeres Fette, hob dieser die Hand und rief„Heil Hitler!"— Sein Verteidiger brachte ein Gnaden- gefnch ein, das jedoch abgelehnt nmrde. Feile wurde um 17 Uhr 83 Minuten gehenkt. Hitler findet keinen Glauben I Paris, 7. August.„Temps" schreibt in seinem Leitartikel„Deutschlands Friedenswille", daß sich in den letzten Reden des Reichsführers Hitler zahlreiche Widersprüche vorfinden. Abgesehen von den Zweifeln, di« seine Ansicht über die österreichische Frage wecken muß, seien seine Ansichten über den Weltfrieden vorläufig nicht ernst in Betracht zu ziehen. Der„Temps", der in dieser Ansicht über die Reden des Reichsführers Hitler mit der Mehrzahl der französischen Blätter einer Meinung ist, sagt weiter, daß der deutsche Wille zum Frieden etwa- anderes sei, als die deutsche Bereitwilligkeit zur Zusammenarbeit mit den übrigen Mächten. Bor allem werde eS notwendig sein, daß der Rcichsführer seinen Worten die Tat folgen lasse. ANdmH in Parts Frankreich traut Hitler nicht Paris, 7. August.(HavaS.) DK französische Presse kommentiert eigentlich nicht im wahrsten Sinne des Wortes das Hitler-Interview, denn, so führt das Blatt„L'Ordre" aus:„wir find in der Tat genötigt, zu konstatieren, und dies mit Bedauern, dah auch in dem Falle, wenn wir Hiller vertrauen, wir nichts in dem Interview vorfinden, was unS wirklichen Trost gibt." —„Le Jour" schreibt: Nichts von all' dem, wa- gesägt würde, ist neu. In dem Text des Interviews gibt cs verschiedene Unbeholfenheiten, wie zum Beispiel die Erklärung über die Rassenliebe zu Großbritannien, dar in keiner Weise für den Rassismus begeistert ist. UebrigenS verpflichte di« Art, in der sich da» Reich zu seinen österreichischen„Brüdern" verhält, diese Vetter ebensowenig, wie die der deutschen Mentalität fernen Angelsachsen, dazu, über«ine Verwandtschaft dieser Art begeistert zu sein. Lars deerge glaubt nMM an Krieg London, 7. August.ar machen. Bor einigen Monaten Hai man ver- ucht, eine Konzentration der tschechischen Fasci- tcn durchzuführcn und eS wurde eine Uebergruppe, die sogenannte„Närodni fronta" gegründet, an deren Spitze der ehemalige nationaldemokratische Senator Prof. Mares trat, deßen Stellvertreter Aajda wurde, der mit seiner nationalen Fasci- stengcmeindc in die„Nationale Front" einirat. Allein schon bei der Gründung gelang es nicht, alle fascistischen Gruppen unter einen Hut zu bringen, denn Stkibrny blieb mit seiner Liga außerhalb der Nationalen Front. Bor einigen Tagen ist es nun zum Austritt auch GajdaS aus der„Nationalen Front" gekommen und die Fascistengemeinde gehört nun der„Nationalen Front" nicht mehr an. GajdaS Blatt polemisiert auf das heftigste gegen die„Nationale Front" und die dem Prof. Mares nahestehenden Nationaldemokraten. Gajda erklärt, daß er nichts mit dem nationaldemokratischen Großkapital gemein haben will. Bon glrichgeschalteten und von charaktervolle« Demokraten. Die gleichgeschaltete österreichische Preße Hai sich nicht genug tun können mit spaltenlangen Schmockereien über die„Größe" und die Verdienste des erschoßenen kleinen Blutkanzlers. Unter diesen Hymnensängcrn befanden sich auch Blätter, die sich noch heute für„demokratisch" halten. Diesen Byzantinern sei das Urteil eines wirklichen bürgerlichen Demokraten, des bekannten Schweizer Politikers Ständerat Dr. H. K. Sonderegger gcgenübergestellt, der in Nr. 60 feines Blattes„S a e n t t s" u. a. schreibt: „Am Jahrestag des berühmten Jnstizpalast- brande», am 25. Juli, hat sich in Wien daS Bolt wiederum gegen seine Regierung erhoben. Dabei wurde offenbar ein einseitiges Ziel verfolgt: die Beseitigung des Bundeskanzlers, der als wichtigster Träger der volksfeindlichen Herrschaft galt. Dieses Ziel ist erreicht worden; Bundeskanzler Dollfuß ist seinen Verletzungen erlegen. Wenn di« Angabe von Minister Fey richtig ist, so hatte er noch die Möglichkeit, die Sterbesakramente seiner Kirche zu empfangen. Das mag dem sterbenden Kanzler wohlgetan haben; aber seine Verbrechen gegen das eigene Volk konnten sie weder aliSIöschen noch gntmachen. Dollfuß hatte Frau und Kinder; aber sein Geschick erschüttert uns nicht und erweckt auch unser Mitleid nicht. Denn von all den politischen Glücksspielern, volkswirtschaftlichen Ignoranten und brutalen Volksverderbern, an denen gegenwärtig nicht einmal China mit seinen Generälen reicher ist als Europa, war der kleine Dollfuß mit seinem freundlichen Lächeln einer der schlinmisten, trotz Mussolini, Hitler usw. Aber so klein Dollfuß in allem auch war, in einem Stück hat er seine Kollegen der Tyrannis doch übertroffen: in der Verlogenheit seiner Politik... Dollfuß hat sich als verlogener Hüter der Demokratie das Vertrauen der Welt erschlichen... Es ist notwendig, daß man sich über die Bilanz diese» angeblichen Staatsmannes im Klaren ist Niemals wird man vergessen, wie er das Kul- «turwert der Wiener Sozialdemokratie, die weiß Gott nichts Revolutionäres und Schlimmes an sich hatte, zerstört hat. Ob er daS alles befohlen oder erst nachher gebilligt hat, bleibt sich gleich. Niemals wird man das blutige Gericht vergeßen, das der freundliche Schlächter an seinen geliebten Landeskindern genomnien hat... Unfähig gegenüber den Problemen der Wirtschaft, treulos gegenüber der Verfaßung und dem eigenen Volke, treulos gegenüber den außenpolitischen Freunden; so steht dieser vielgerühmte BundeS- kanzler vor der Welt da. Er hat sein Ende verdient. Wer mit Treulosigkeit, Blut und Gewalt regiert, darf sich nicht beklagen, wenn er in Aufruhr und Gewaltet sein Ende findet." So beurteilt ein wirklicher Demokrat den blutigen Weg des blutig geendeten Kanzlers! Der „Deutschen Preße" und gewißen anderen Hofblättern des Hahnenschwanz-FasciSmus seien diese Sätze eines ehrlichen bürgerlichen Politiker--um eindringlichen Studium empfohlen! Ueber die Vorgänge im Bichzuchtgebiete I und auf dem FuttermittÄmarkte erhalten wir I von kleinbäuerlicher Seite folgende bemerkenswerten Darstellungen:, Der Tatbestand: Der übevgroße Teil unse-! cer Randgebiete ist auf, die Erträgnisse aus der i Viehhaltung angewiesen. Obwohl von Natur au-! hintangesetzt, wurden diese Schichten des Lande-: auch von der Agrarpolitik sehr stiefmütterlich behandelt. So kam es, daß die Bichzuchtgebiete selbst in der Zeit der guten Konjunktur bercchtig- icn Grund zu Klagen hatten. Die jahrelang betriebene Zollpolitik nahm krön« Rücksicht ans die besonderen Interessen der Gebirgsgegenden. Auch fehlt den weitesten Teilen dieser Landstriche jede Absahorganisation, so daß der Landwirt dem mörderischen Zwischenhandel auSgelie- fcrt ist. Daran hat sich auch heute noch nichts geändert. Durch Eintreten der Wirtschaftskriise versickerten di« ohnehin geringen Absatzmöglichkeiten, die Preise schrumpften zusammen, die auf den Nebenberuf angewiesenen Gebirgler wurden arbeitslos— und sind eS bis heute. ES herrscht« daher in den letzten Jahren schon in vielen Gebirgsgegenden die bitterste Not. Statt ausgiebiger Hilfe kam noch ein neues Unglück hinzu: In den meisten Biehzuchtgebieten fiel Heuer die Heu- und sonstige Futtcrmittelernte fast ganz auS, so daß selbst im Sommer für die Weiterhaltung deS Viehes kein Futter vorhanden war. Die Vieh« hälter mußten Notverkäufe selbst von Beständen vornehmen, die sic zur Bewirtschaftung und Erhaltung ihrer Familie dringend benötigen würden und noch dazu zu Preisen, die jeder Beschreibung spotten. Einige Beispiele auS den uns vorliegenden Berichten sollen das Gesagte bestätigen: Aus dem Erzgebirge: In einer Gemeinde, wo Anfang des Jahres 100 Stück Vieh standen, sind gegenwärtig nur mehr 70 Stück. Infolge des katastrophalen Futtermittelmangels mußten Notverkäufe von Nutzvieh zu O hleuderpreisen vorgenommen werden. Oder: Am schlimmsten wirkt sich überall die Not an Futtermitteln aus, weil Heuer der durchschnittliche Ertrag um 70 Prozent geringer als im Vorjahre ist. Die Angswerkäufe und Noi- schlachwngen von Vieh nehmen fortgesetzt zu. Aus dem Saazer Land: Auf einem Acker von" drei Hektar, ist der Klee-Ertrag insgesamt 40 Kilogramm. In unserem Gebiete ist der Futtermittelausfall 80 bis 100 Proze t. Was ab Mitte August werden soll, weiß kein Mensch, denn jetzt mußten bereits größere Bauern von 170 Stück Vieh 80 verkaufen und wissen nicht, was sie den restlichen 20 Stück füttern sollen. Die Fleischer boten KL 2.80 bis 2 Kc Lebendgewicht, auch in einzelnen Fällen bloß 1 KL Aus Nordböhmen: Der Heu- und KleeauSfall beträgt 70 biS 80 Prozent. Im Winter wird eine Katastrophe eintrete«, wenn nicht Vorsorge gettoffen wird, daß die Futtermittel auf Kredit und wett verbilligt abgegeben werden. AuS West» und Südböhmen: Der Ausfall bei Heu und Klee beträgt 80 Prozent. Oder: Der Minderertrag auf den Wiesen wurde mit 90 Prozent angegeben, Klee ist überhaupt keiner. Oder: Die Kleefelder mußten zum größten Teile auSgeackert werden; der neu auSgesäte Mischling ging infolge der Trockenheit nicht auf. Der FuttermittelauSfall beträgt 90 Prozent. Unid so liegen uns auS allen Bezirken des Randgebietes Berichte vor, die überall den gleichen katastrophalen FuttermittelauSfall konstatieren, in dessen Gefolge Notverkaufe zu Schundpreisen erfolgen und eine berechtigte Panikstimmung in der Bevölkerung erzeugen. Die Sorge um das nackte Leben im bevorstehenden Winter bringt sie zur Verzweiflung. Rascheste«nd durchgreifend« Hilfe tut hher not! Wir haben bereits vor Monaten auf die großen Gefahren, die den Bewohnern unsere- RawdgebicteS drohen, hingewiesen und entsprechende Vorkehrungen, sowohl im Landwirtschaftlichen Ausschuß, beim Landeskulturrat, als auch beim Landwirtschaftsministerium verlangt, und da» Hauptgewicht auf die Verbilligung der Futtermittel und Beschaffung dieser in ausreichenden Mengen, Beistellung von billigem Kredtt zum Ankauf dieser und dem Schutze»er Viehzüchter vor Zwangsverkäufen zu unerhört.niedrigen Spekulationspreisen gelegt. Da- Landwirtschaftsmini» sterium scheint jedoch die Dringlichkeit dieser For- demngen nicht erfaßt zu haben. Denn soviel un» bekannt ist, wurde nur eine allgemein« Katastro- phenhilfe von 102 Millionen KL vom Finanzministerium, eine 40prozentige Frachtermäßigung auf Futtermittel vom Eisenbahnministerium und eine Zollrückerstattung bei Fuüermittelbezug im KL 88.80 KL 66.— KL 98.80 KL 70.— KL 104.— KL 90.— KL 106.— KL 86.— Bergleute verschanzen sich im Stollen well fie AOWMtzeeGelt Werde» solle» Pari-, 7. Au,nist- Seit Montag haben sich im Stollen Nr. 10 des Bergwerkes Escarpelle bei Lens 800 streikende polnische Bergleute verschanzt. Sic haben die Licht« und Telephonanlagcn durchschnitten und ihre französischen Vorgesetzten gefangen genommen. Anlast zu diesem Vorgehen war ein Bc- schlug der BcrgwerkSdircktion, die polnischen Bergleute, die vor kurzem an einem Streik teilgenommen hatten, a u ö z u w e i s e n.• Am Montag früh 6 Uhr beim Schichtwechsel fuhren die polnischen und französischen Bergleute in den 800 Meter tief gelegenen Stollen ein. Kaum waren die Polen angckommen, so legten sie den ganzen Stollen still und in Dunkelheit. Die Franzosen Tagcsncuigkcncn Der LharrfferrrmSrder ausgeforscht Bel der«erh»st»»s erschaffe» TrPlitz.Schöna«, 7. Augast. Dar Mörder de» in der Rächt auf Sanistag bei Tüp» pel-grün im Bezirk Karlsbad erschaffenen Ehauf», frurs Beverka au- Saaz wurde hier in der Person■ de- 26jährigen Mechaniker- Ferdinand Jarosch! fichrrgestellt. Er wohnte bei seinen Eltern in Turn. Jarosch war seit der Tat flüchtig und wurde heute! vormittag- in Bodenbach von Gendarmen erkannt! und angehalten. Ebe man e- verhindern konnte, zog Jarosch seinen Revolver und schoß sich eine! Kugel in den Kopf. Er wurde in schwer verletz, tem Zustand in da- Krankenhau- gebracht. Jarosch war wegen eine- Kaffenrinbruchr- schon vorbestraft. Er ist verheiratet und Bater eine- Kinde-. Seine Frau lebt von ihm getrennt. 17 Lodesopfer bei« Sruberr- unslück I« Bßrglnße» Rrw?)ork» 7. August. Die Zahl der Todesopfer, die die Gasexplosion im Kohlenbergwerk von Big Sion Cap im Staate Birginien gefordert hat, hat sich auf insgesamt 17 erhöht. Räuber im Pfarrhaus Ujhorod, 7. August. Montag abends kurz vor 20 Uhr überfiel eine Bande von fünf bis sechs Räubern, die mit Schußwaffen ausgerüstet waren, die griechisch-katholische Pfarre in der Gemeinde Filipcic im Bezirke Bolovö. Zwei der Räuber hielten in der Küche zlvei Dienstmädchen in Schach, lvährend die zwei anderen Räuber in die Stube cindrangcn, in der sich der Pfarrer aufhielt. Der Pfarrer verriegelte das Zimmer, ließ trotz der Drohungen der Räuber die Tür verschlossen, öffnete das Fenster und rief um Hilfe. Einer der Räuber schoß gegen den Pfarrer, doch ging der Schuß fehl. Der Pfarrer erwiderte aus seinem Revolver das Feuer, so daß schließlich die Räuber erschrocken in der Richtung auf Bolovce das Weite suchten. Dieselben Räuber raubten wahrscheinlich auch in Bolovce da- Geschäft eines Kaufmannes Mayer aus, wobei verschiedene Lebensmittel enttvendet wurden. Die Gendarmerie nahm sofort die Fahndung auf. Aus Ruche getStet? Schüttenhofen, 7. August. In Pakejov fand am 8. August eine Tanzunterhaltung statt, an der auch der 28jährige Steinmetz Oncirk aus Olöany teilnahm. Bei der lkNtcrhaltung kam es zwischen ihm und mehreren jungen Leuten zu einem Streit. Am Morgen wurde Oncirk auf der Bahn» strccketotaufgefunden. Wie er dorthin gelangte, konnte bisher noch nicht festgestellt loerden. Man nimmt an, daß er von dem acht Meter hohen Bahndamm aufdieStrecke geworfen wurde. Der Vorfall wird von d« Gendarmerie untersucht. 12 Mensche« verbrannt Kairo» 7. August. Im Kellergeschoß eines Hauses in Kairo ereignete sich eine schreckliche Brandkatastrophe, die 12 Menschen da» Leben lastete. Als sich eine Familie am Montag abends gerade zum Abendeffen setzte, fiel plötzlich das offene Licht, das zur Beleuchtung des Raumes au der Wand angebracht lvar, zu Boden und setzte einen im Zimmer befindlichen Benzinvorrat in Brand. Es entstand eine gewaltige Explosion und da» Zimmer brannte sofort vollkommen au». Drei Männer, zw^i Frauen und siebe« Kinder kamen in den Flammen um. Opfer de» Pogrom» Paris, 7. August, lieber das blutige Po» grom in C o n st a n t i n e in Algier liege««unmehr nähere Einzelheiten vor. DwS jüdische Bier» tel von Constantine gleicht einem Trümmerhau fen; der Sachschaden ist noch nicht zu überschen. 1 28 Pers onen sind bei denZusam»^ m en st ö ß e nu m s Leben gekommen, darunter 22 Juden. Unter den Opfern befinden sich auch acht Kind er. Die Zcchl I versuchten, sich diesem Zerstörungswerk zu widersetzen, wurden aber von den Polen entweder vertrieben oder gefangen genommen. Man ist über die mehr als 200 Mann starke Belegschaft sehr beunruhigt, da sie nicht einmal Nahrungsmittel bei sich hat. Bisher sind alle Verhandlungen zwischen den Streikenden und der Bcrgwerksbc» Hörde gescheitert. Ein starkes Polizeiaufgebot ist angcfordert worden. beigele-t Rach den letzten Meldungen wurde der Konflikt bcigclcgt und die Bergarbeiter sind wieder ausgefahren. der verletzten wird von der einen Seite mit 30, von einer anderen Seite sogar mit annähernd 200 angegeben. Mehrere der getöteten Juden sind als Geldverleiher stadtbekannt. Man glaubt deshalb, daß sie eher persönlichen Racheakten einiger Geldnehmer als dem religiösen Fanatismus zum Opfer gefallen sind. Bezeichnend ist, daß kein Europäer zu Schaden gekommen ist. Sämtliche im Ghetto liegenden Häuser, die die Aufschrift„christlich" trugen, sind verschont geblieben. Auch einige jüdische Geschäfte in der Umgebung von Constantine sind von der musel» manischen Meng« angegriffen worden. Zlvei jü- disckic Grundbesitzer kamen dabei ums Leben. Die Zahl der vorgenommenen Verhaftungen beträgt vierzig. Rach Constantine wurden militärische Verstärkungen berufen. Für das Begräbnis der getöteten Juden wurden besondere Sicherheitsmaßnahmen getroffen.' Flugzeug abgestürzt Warschau, 7. August. In der Nähe von Lublin stürzte bei einem Uebungsfluge ein Militärflugzeug ab und wurde zertrümmert. Die Flugzeuginsaffen. zwei Flicgeroffizierc, erlitten dabei ernste Verletzungen.. Landung der russischen Flieger in Pari» Pari», 7. August. Das Sowjetgeschwader, das Montag zu einem JreundschaftSbesuch nach Frankreich gestartet war, ist an: Dienstag vormittags hier eingetroffen, wo es von offiziellen Vertretern herzlich begrüßt wurde. Ein zweites russisches Flugzeuggeschwadcrbefnidet sich auf dem Arge nach Rom; es hat Dienstag mittags Wien paffiert. Flugzeug auf dem Jungfraujoch gelandet. Der bekannte Flieger Ndet landete am Montag, von Bern kommend, mit seinem, mit Schncekufen ausgerüsteten Flugzeug auf dem Jungfraujoch unter dem Berghaus. Zur Aufnahme von Szenen für einen Film startete und landete Udet einige Male auf dem Jungfraufirn. Der Flieger hatte die Absicht, über Nacht auf dein Jungfraujoch zu bleiben, um Dienstag morgen seine Flüge fortzusctzen. Zur Sicherung seines Flugzeuges wollte er die Maschine im Schnee eingrabcn. Am Montag abends aber erhob er sich wieder von seinem ungewöhnlichen Landeplatz und startete in Richtung Bern, da ein Witterungsumschlag zu bcfürchten war. All»!-»Wille» eilig»b»ebe»»»t Ehrudim, 7. August. Heute früh brach aus bisher unbekannter Ursache im Hause des Baumeisters Vaclav Libal im Chrudimer Stadtviertel „Stromovka" ein Feuer aus. Das Feuer vernichtete das Haus vollkommen. Auch da» Eigentum der dbrtz wohnenden fünf armen Faniilien wurde vernichtet, so daß sie ganz an den-Bettelstab gebracht worden siyd. 1» Jahre Arbeiter-Rad- und Itzraftfahrrrband Anläßlich sesnrs 18jährigen Bestandes hat der Arbciter-Räd- und Kraftfahrer-Bund seine Bundcszeitung vom. 1. August als Jubiläumsnummer herauSgcbracht. In guter graphischer Aufmachung enthält das Matt eine Schilderung des Werdegangs des Bundes und Beiträge" führender Funktionäre der Sozialistischen Arbeitersport-Internationale. Die Bestandsfeier findet am 18. und 1V. August im Rahmen der diesjährigen Radballmeisterschaften des Bundes statt. Gemunkel«m Bald«». Eine seltsame„amtliche Verlautbarung kommt aus Berlin.„Wegen Verbreitung unwahrer Gerüchte über den „Jugendführer des Deutschen Reiches B a l d u r von Schirach wurden", so wird gemeldet, „in verschiedenen Gegenden des Reiches zähl, reiche Personen in Hast genommen, die sich die Lügenmeldungen zweier ausländischer-Sender zu eigen gemacht hätten". Höchst seltsam i Was haben die beiden„Lügensendcr" wohl behauptet? Da gibt eS nur Vermutungen, aber doch immerhin Vermutungen mancherlei Natur. Soll, ten sie vielleicht von der Homosexualität des JugendführerS des Dritten Reiches gesprochen haben, von der die Spatzen von den deutschen Dächern zwitschern und die Otto Strasser in seinem Blatte ausdrücklich festgestcllt hat, ohne daß es irgendwie dementiert worden wäre? Dann sollte man ihnen dankbar sein. Hat nicht der„Fiihrer" nach der Ermordung seines Freu», des"Röhm mit Einphase versichert, daß er„Männer, aber keine lächerlichen Affen" um sich habe»» wolle?! Hat er nicht, der„Ahnungslose", seinem Abscheu gegen die homosexuellen Exzesse seiner Komplicen stürmisch Ausdruck gegeben, sobald er von ihnen erfuhr, beziehungsweise, sobald die grollenden Päderasten von ihm abfielen?! Soll der Mann, ohne dessen Wissen bekanntlich nichts in seiner Partei geschieht, wieder einmal„zu spät" von den„Eigentümlichkeiten" seines Lieb- lings Baldur erfahren? Wie peinlich wäre das! Denn in der„amtlichen Verlautbarung" wird ausdrücklich betont- daß Baldur der Eigentum- liche als Gast Hitlers in der Reichskanzlei ge- weilt habe und mit seinen Mitarbeitern an den Trauerfcicrlichkeiten in Tannenberg teilnehme. Aber so ist cs ja gar nicht gemeint! Der große Mann weiß längst, wie es um den kleinen Baldur und seine Veranlagung steht. Daß er ihn hält und als Gast zu sich bittet, obwohl er von seiner Veranlagung wissen muß, ist an sich noch kein Grund, sich zu erregen. Daß er aber den Gemeuchelten des 30. Juni ihre Anormalitäten inS Grab hinein zum schärfsten Vorwurf macht, daß er in einem Erlaß gegen die Homosexuellen in der Partei förmlich wütet und öffentlich erklärt, er dulde nicht mehr, daß solche Männer weiterhin in der Partei eine Rolle spielen, den so gearteten Balduv aber wenige Wochen später zu sich in die Reichskanzlei bittet, ist eins von den vielen Dingen, die man in zivilisierten Ländern nie verstehen wird. Die Verwegenen jedoch, die es gewagt haben, die Wahrheit zu sa- gen, werden in die Kerker geworfen. Bis wieder einmal, bei bet nächsten Tcrrorwclle, der Führer die unwahren Gerüchte als letzte Wahrheit verkünden»vird! Genosse Paul Diurr-Dkne- gestorben. Rach kurzem Leiden ftaro gestern Genosse Paul Diner» DsneS. Er ist nur 88 Jahre alt geworden. Jung, mitten in der Arbeit entriß uns ihn der Tod. Diner-DsniS war ein geborener Ungar. Er nahm teil an der ungarischen Revolution und ist Mitglied einer Militärkommission der Karolyi-Regie« rung in Wien gewesen, als die Kommunisten in Ungarn die Macht ergriffen. Er kehrte nicht mehr in seine Heimat zurück, sondern übersiedelte nach Berlin, wo er alle die Jahre hindurch als Journalist arbeitete. Genosse Diner-DöncS blieb seiner revolutionären Gesinnung treu, und als im Jahre 1938 Goering del, Reichstag anzündetc, wurde auch Diner-DöneS verhaftet. Nach kurzer Zeit ließ man ihn frei und er flüchtete nach Prag. Außer der täglichen journalistischen Arbeit schrieb er hier noch einige Broschüren über das Dritte Reich, die auch in tschechischer Sprache herausgegeben wurden. Der Name des Genossen Dincr- Dkncs ist unseren Lesern gewiß nicht unbekannt: seitdem er in Prag lebte, schrieb er politische Notizen und unterhaltende. Feuilletonc in unserem Blatte. Paul Diner-Dönes ist der Sohn des Genossen Josef Diner-Dönes, der seit der Niederwerfung der ungarischen Revolution als Mitarbeiter des„Populaire" in Paris lebt. Motorradfahrer getötet. Dienstag, um 13 Uhr stieß ein Motorrad unweit von Zclöany bei Nezvistice im Bezirk Pilsen mit einem Lastauto zusammen.. Bei dem Zusammenstoß wurde der Motorradfahrer, der 32jährige Typograph der graphischen Werke. des Blattes„Novä Doba" A. Kohöur aus Pilsen getötet. Autounglück. Auf der Straße zwischen Vo- lovcc und der Bezirksstadt Bolovö verunglückte ein Autobus, der den Personenverkehr zwischen den böiden Städten besorgte. Aus den Trümmern des Autobusses wurden drei Personen in schwcrver- letztem und sechs Personen in leichtverletztem Zustande geborgen. Sie wurden in das Krankenhaus nach Mukaöcvo gebracht. GlaS und Porzellan auf der Prager Herbst» messe. Auf der bevorstehenden Prager Herbstmesse, die bereits am 2. September beginnt, wird die tschechoslowakische GlaS- und Porzellanindustrie lviedcr stark vertreten sein. Nach dem bisherigen Stande der Anmeldungen nehmen 98 Firmen teil, lvclche das Erzeugungügebiet dieser tschechoslowakischen Elitcindustrie vollkommen vertreten werden. Die Beschickung dieser Gruppe ist bereits jetzt besser als zur Frühjahrsmesse. FürforgekurS für Aerzte. Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit veranstaltet in der Zeit vom 27. bis 30. September, mit Bc- ivilligung des Profcfforenkollcgiums der medizinischen Fakultät der Deutschen Universität in Prag, unter Leitung des Herrn Univ.-Prof. Dr. Berthold"Epstein-in der" II". Deutschen"'Univcrii- tätsklinik einen Fortbildungskurs für praktische, besonders in der Fürsorge tätige Aerzte. Der Rcichsvcrband für Kinderschuh und Jugendfürsorge in der CSR., Reichenbevg, Waldzeile 4, gewährt Kursteilnehmern einen Beitrag zu den Reise- und Aufenthaltskosten. Gesuche sind bis zum 1. September an den Rcichsvexband zu richten. Die Teilurhmcrzahl ist auf 20 beschränkt. TaS genaue Kursprogramm wird noch bekanntgegeben. Anmeldungen sind bis zum 1. September an die Geschäftsstelle der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit, Prag ll.» Preslova 7, Deutsches Hygienisches Institut, zu richten. Leiche«fand bei Klitscht«. Im Klitschiner Busch bei Saaz wurde am Sonntag die Leiche einer nur mangelhaft bekleideten alten Frau gefunden. In der Toten wurde später die in Saaz, Seimnering, wohnhafte, 03 Jahre alte Anna B rb a erkannt, die seit Freitag abgängig war. Die Greisin litt an Sinnes- vcrlvirrung. Wie sie den Tod fand, wird erst die Untersuchung ergeben. Wahrscheinliches Wetter heute; Im Nordosten der Republik Abnahme der Bewölkung; im Südwester: unsicheres Wetter und einzelne Gewitter oder Schauer. Mäßig bis ziemlich warm, Wind aus östlichen Richtungen.— Wettcraus- sichten für Donnerstag: Wechselnde, zeitweise stärkere Beivölkung, mäßig bis ziemlich warm, strichweise Gewitter oder Schauer. Vom Rundfunk Empfehl«mmert« mu tai Programme«« Denner»tol, Prag, Sender L.: Gymnastik, 10: Schallplatte«, 11.05: Konzert de» Sälonquartett». 11.08: Schallplatte», 12.80: Konzert. 18.40: Schallplatte». 18.88: Deutsche Presse und Meter. 18.10: Deutsche Sendung: Bürgcrschuldirckwr Rohn-Reiche«berg: Die internationale Bereinigung der Lehrerverbände, 18.80: Landwirtschaftliche Sendung, 20: Uebertragung des SinfoniekonzerteS aus Karlsbad, 22.16: Rachtkonzert. Sender S.: 10.80: Unterhal- tung»konzetl auf Schallplatte«, 14.10: Flötenkonzert, 14.26 Deutsche Sendung: Kissinger: Alltagssorgen der Industrie. 14.48: Bekannte Operetten« «wlodien, 16: Deutsche Preffe.— Brün«: 14: Deutscher Arbeitsmarft, 17.46: Wandervogelfunk. 18.20: Deutsche Sendung: Kulka: Selbsthilfeorganisationen der Arbeiter-Gewerkschastens 21.36: Beliebte Lieder von Dvokäk.— Mähr.-Ostrau: 16.16: Orchester- konzert, 17,40: Schallplatte«, 18.20: Deutsche Sen- duag: Spunda: Italien in der Poesie, 19.10:«iv- derstunde.. «Iltzer»«»»er HvPfe»er»te,»le jetzt I»«a»«r ist ,Sr. 183 Mittwoch, 8. August 1934 «rite 5- für den Abgemertete Währungen Seit dem Jahre 1930 sind die nachstehenden wichtigsten Währungen in ihrem Werte herabgesetzt worden: in Japan, gen um 84 Prozent, in England, Pfund um 37.8 Prozent, in Schweden, Krone um 41.2 Prozent, in den Vereinigten Staaten, Dollar um 39.3 Prozent,in der Tschechoslowakei, Krone um 16.7 Prozent. In den Waffenschmieden der Welt klirrt der Stahl. In den Laboratorien der Chcmieindustrie schwelen Giftgase. Auf den Prüffeldern der elektrotechnischen Werke summen Strahlen— Todesstrahlen. Gigantische Vorbereitungen zur Der« nichtuna von Kultur und Zivilisation trifft jeder gegen alle. Der Tod lauert auf Ernte. Und doch. Alle diese Mordmittel potenzierte» Wahnsinns könnten der Hand des imperialistischen Kapitals entwunden, Mittel sein zur Ausbreitung von Fortschritt, Zivilisation, von Kultur. Nordamerka hat das Riesenwasserflugzeug X P II Y II gebaut. Was erfahren wir davon? Datz seine Baukosten hundertsechzigtausend Dollar betrugen. Dan es mit einer Stundengeschtvindig« leit von zweihundertfünfzig Kilometern jederzeit den Ozean überfliegen kann— ausgerüstet mit mehreren Maschinengewehren und einer Last von zwei Tonnen Sprengstoff. Zur gleichen Zeit baute Rußland das Riesenflugzeug K 7 aus Chrom- Molybdän-Stahl. Das größte Landflugzeug der Welt, der Stolz der Sowjetunion. Seine«Armierung" sollte eine Zeitungsdruckerei sein, die ihre Nachrichten funkentelegraphisch empfängt, und die Zeitungen über die gerade überflogenen Orte der weiten Steppen abwirst. Die Flugmaschine stürzte nach zwanzig gelungenen Flügen im November letzten Jahres. Die rusiischen Konstrukteure gaben sich nicht geschlagen, sie bauten in kürzester Frist einen neuen stärkeren Bruder des X 7, den Fluggiganten»Maxim Gorki". Das größte Flugzeug der Erde— und kein Bombenflugzeug. So sehr leben wir schon in einer Vorkriegsatmosphäre, daß wir uns darüber wundern. Ein Flugzeug-Gigant, ausgerüstet mit den modernsten Errungenschaften der Technik. Aber cs sind dies nicht Schnellfeuerkanonen, nicht Urber- maschinengewehre und nicht Elettrobomben» es sind Rotationsmaschinen. Riesenlautsprecher, Projektionsapparate. Kulturträger soll der riesige russische Monoplan»Maxim Gorki" für die weiten Länder der Sowjetunion sein. Auf freitragendem Flügel von dreiundsechzig Metern Spannweite» mit der Kraft von siebentausend Pferdestärken aus acht Motoren, hebt er seine eigene Last von zweiundvierzig Tonnen und dazu siebentausend Kilogramm Propagandamaterial in die Wolken. Neben seiner Besatzung von dreiundzwanzig Mann kann er dreiundvierzig Fahrgäste mit einer Stundengeschwindigkeit von zweihundertfünfzig Kilometer» nach einem zweitausend Kilometers entfernten Zieltragen. Der Gigant ist im Fluge eine Keine. Welt für sich. Er hat auch eine eigene elektrische Kraftzentrale notwendig. Keine niedrig gespannte Miniaturgleichstromanlage wie auf normalen Flugzeugen. Wie ein Wohnhaus hat der Riesen« äroplan ein Wechselstromnetz von 120 Volt. Zwei Benzinmotoren mit zwei Dynamomaschinen erzeugen die notwendige Energie. ES ist selbswerständlich, daß dieser fliegende Koloß auch eine richtige Telephonzentrale nötig hat. Diese hat sechzehn Anschlüsse. Außerdem bestehen noch einige direkte Verbindungen. Den drahtlosen Verkehr mit der Außenwelt stellen zwei Langwellensender mit einer Reichweite von zweitausend Kilometern und noch ein Kurzwellensender her. Wie um dieses übermoderne Bild abzurunden, besitzt der»Maxim Gorki" auch äne Rohrpostanlage. Allein da» Netz der elektrischen Leitungen erreicht so eine Länge von zwölf Kilometern. Durch einen Riesenlautsprecher kann sich die Besatzung des Flugriesen mit den Erdbewohnern direkt unterhalten. Seine Lautstärke reicht aus, um aus einer Höhe von tausend Metern in einem Umkreis von zwölf Kilometern gehört zu lverden. Hier ist der Punkt, an dem man sich auch Erdbeben erschüttert eine Schreibmaschine. Eine Meldung aus Panama vom 7. August besagt: In Porto ArmuelleS wurden durch ein Erdbeben schwere Verwüstungen angsrichtet. Die eingeborene Bevölkerung lief in vollkommener Panik ins Innere des Landes. Nach amtlichen Mitteilungen wurden auf der nahe gelegenen Insel Coiba in einem Badeort mehrere Gebäude zerstört. — Dieser Meldung folgte die nachstehende Richtigstellung: In unserer Meldung über da» Erdbeben in Panama soll es in der letzten Zeile rich» tig heißen:... in einer Strafkolonie... (nicht: Bade ort) k Lei der Exlplofion eine» Gasometer» bei Aainvilleinder Nähe von Rouen wurden drei Arbeiter auf der Stelle getötet, drei andere verletzt. Die Gewalt der Explosion war so groß, daß die Fensterscheiben sämtlicher Häuser von Aainville zersprangen. Ein Zuschauer beim Stierkampf getötet. Ms bei einem Stieüampf in La Corona in Spanien, der Matador sich anschickte, den Stier zu töten, schlug dieser ihm den Degen aus der Hand, welcher einen in der ersten Reihe sitzenden Zuschauer in die Brust traf. Der Schwerverletzte, welcher ftckd darauf seiner Verletzung erlag, zog den Degen noch aus seiner Brust heraus und warf ihn von sich. rech» Mensche» vom Blitz getvtet Warschau, 7. August. In der Nähe von Neustadt bei Gdingen schlug der Blitz in ein Haus ein, in dem zehn Arbeiter Schutz während eines Gewitters gesucht hatten. Sechs von ihnen wurden a u f der Stelle getötet, die anderen vier schwer verletzt. eine Verwendung de» Luftgiganten Kriegsfall gut vorstellen kann. Auf einem Schlacht- eld von fünfundsiebzig Kilometern Umkreis kann man sich mit allen Kämpfenden, also auch mit den Soldaten des Gegner» direkt verständigen. Da» Riesenflugzeug besitzt auch eine Druckerei, um Propagandamaterial nach letzten Meldungen herzustellen. E» ist die» keine Handpresse, sondern ein« RotationSmaschin«, die viertausend Exemplare in der Stunde herstcP. Die optische Ausrüstung de»»Maxim Gorki" besteht au» den in die Flügel eingebauten Aufnahmekamera» und au» einer Tonfilm-Bor« sührungSapparatur. Nach der Landung können auf einer in der Nähe de» Flugzeuge» ausgestellten Leinwand Tonfilme vorgeführt werden. Nachdem alle technischen Wünsche in diesem Flug-Giganten erfüllt sind, könnte man sich schließlich nur noch vorstellen, daß er sein« Tonfilme, ähnlich den deutschen Laterne-magica-Bersuchen im Weltkrieg, während de» Fluge» auf die Wolken projiziert. Mm» spricht soviel von der Luftau»rüstung Rußland» und vergißt, daß in diesem weiten Erdteil das Flugzeug wirklich ein natürliche» Verkehrsmittel ist. Die Aufzählung der Vorteile des Flugverkehrs sind nicht, wie in manchen dicht be« fiedelten, mit engmaschigem Straßen« und Schie« nennetz überzogenen Ländern, nur.Borkrieg»» Phrasen. Rußland hat Arbeit für seine Flieger. Sie sind nicht nur Sämänner de» Tode», sie säen auch Brot. Er wurden im Jahre rund fünfzigtausend Hektar vom Flugzeug au» besät. In diesem Jahr« wurden auch in der Ukraine zum erstenmal über dreißigtausend Hettar vorfrüh angebaut. Die Vorfrühsaat wird normalerweise als Handsaat auf aufgcwetchten, schwer begehbaren Boden gebracht. Diese viel Zeit und sehr viele Ar- beitskraft erfordernde vorfrühe Saat wird nun durch Einsatz des Flugzeuges garantiert. Diesen Herbst will man in der Ukraine auf diese Art wieder fast sechstausend Hektar bestellen. Aber e» werden nicht nur die Flugzeuge für die Kultivierung der weiten Landstrecken Rußland» eingesetzt. Auch Giftgase müssen helfen, die LebenSbcdingungen zu bessern. Im Jahre 1932 wurden in einem Gebiet von über einer halben Million Hektar die Malaria übertragenden Stechmücken unschädlich gemacht. Auch in diesem Jahre soll die Bekämpfung landwirtschaftlicher Schädlinge auf einem Gebiet von dreiundfiebzigtausend Hettar Pom.Flugzeug au» geschehen» x In letzter-Zeit-versuchte-man- auch Ultra« zurzwellen, die sogenannten Tode»strahlen- für diese Zwecke einzuspannen. Auf einer Welle von sieben Metern mit einem Sender von großer Energie bestrahlt man lagerndes Saatgut, um die Schimmelbakterien und die Käferlarven zu töten. Daneben glaubt man die Beobachtung gemacht zu haben, datz bei Kurzwellenbcstrahlung die Keimfähigkeit der Körner erhöht wird. Mit diesen Versuchen steht allerdings Rußland nicht allein, wenn sie auch dort in dieser Richtung am systematischsten getrieben werden. Auch in Wien haben versuche gezeigt, datz Schimmelpilze und Bakterien durch Wellen im Wachstum gefördert werden können, daß jede Art von Mikroorganismen zugleich ein bestimmte» Ultrakurzwellen« bereich hat, das für sie spezifisch tötlich ist. Diese versuche wiederholte der englische Ingenieur Pawel, der in Gegenwart von Spezialisten sein neugeborenes Kind ohne Besorgnis einer Ultrakurzwelle aussetzte, die für Insekten im gleichen. Augenblick tötlich war. Diese» Experiment dürfte aber nicht den Optimismus berechtigen, mit dem Pawel in Begleitung von Vertretern landwirtschaftlicher Organisationen nach Afrika geftogen ist, um mit seinem Apparat den Kampf gegen die Heuschreckenschwärm« aufzunehmen. Antze nordischen«,»» gesncht! In einer großen bürgerlichen Zeitung der Schweiz erschien diese» Inserat: «Junges, fesches, deutsche- Sportmädel, Israelitin, sehr wohlsituiert, blond, lebensfroh und liberal denkend, wünscht Ehekameraden, groß(über 178 Zentimeter), blond bevor« zugt, wieüberhauptnordischerTyP, Akademiker in sehr guten Verhältnissen, jüdischer Kaufmann, 27- bi» ööjährig, intellek- well, natur- und sportliebend." Da Wird sich das fesche deutsche Mädel Wohl ein Zusammensetzspiel anschaffen müsienl noch die notwendige Erfahrung und Voraussetzung fehle". 4: Reichspropagandaminister Dr. Goebbels ließ al» Leiter der. deutschen Theater in einer Kundmachung vom 12. Juli in Berlin(D. A. g. vom 18. Jüli)' die Theatertruppen, Wanderbühnen und Theatervereine der S.-A.-Vereinigungen einsttllen, da„da» Theater Volksgut sei und gemeinsam vom ganzen deutschen Volk ohne. Unterschiede gefördert werden müsse. Da eipe einheitliche oberste Führung besteht, ist gewährleistet, daß die Aufführungen jedem Sonderinteresse gerecht, werden können. DilletantiS» müs aber habe im deutschen Theaterleben nichts mehr zu tun". v. Gleichzeitig wurde von Dr. Goebbels angeordnet, laß die„notleidende S.-A.-Filmgesell- schaft in Berlin mit allen Verbindlichkeiten von der. nationalsozialistischen Filmunio)», übernommen werden soll. 6. Die Reichskulturkammer' beschloß auf Antrag de» Kulturbundes in einer Sitzung vom 14, Juli die Anweisung auf Umbenennung der S.-A-Verlage und S.-A.-Büchereien, die jedem deutschen BolkSgenosien zugänglich seien, in volkS-verlage und BolkS-Büchereien. <7; Als oberster Herr de»' deutschen Rundfunk» hat. Dr. Goebbels am 14. Juli angeordnet, daß eine einheitliche Zusammenfaflung sämtlicher Ausbruch de» 0Uim In der«Deutschen Allgemeinen Zeitung" kann man lesen: »In einem Braunschweiger Kino kam et bei der Vorführung des FilmS:»Du sollst nicht begehren" zu heftigen Tumultszenen. Etwa 88 Jungbauern protestierten auf das lebhafteste. Einzelne Besucher nahmen eine so bedrohliche Haltung ein, datz die Vorstellung abgebrochen werden mutzte. Der Film wurde vom Programm abgescht." Der schöpferische Film unter Joseph Goebbels' Aegide scheint wirklich seine tiefgreifende Wirkung auf daS Publikum nicht zu verfehlen! gens sowie dauernden Ausschluß au» dem deutschen Sportbetrieb zu erwarten. Bon dieser Verfügung des Reichssport führerS werden ungefähr 290 Vereine mit einem Mitgliederstand von über 200.000 Mann betroffen. E» ist heute zu gefährlich, die S.-A. unter sich Sport betreiben zu lassen, 2. Der neue Stabschef der S.-A., Luhe, erlietz am 4. Juli auf Anordnung Hitler» den Befehl, daß unverzüglich die Vereinigungen der „Alten Garde"(S.-A., Parteimitgliedsnummer 1—100.000) aufzuläsen seien. Die Vereinsvermögen werde» zugunsten der S.-A.-Jnvalidcn und der Angehörigen und Hinterbliebenen, von im Kampf füx das Dritte Reich schwerbeschädigten oder.gefallenen S.-.A.-Leuten verwandt. Die Durchführung des Befehls überwacht der Stabschef selbst.(„Der S.»A.«Mann" vom 7. Juli.) 8. Der Reichsjugendführer Baldur von Schirach kündigte am 10. Juli in.einer Rede in Magdeburg, an die Führer der Hitlerjugend an; daß eine große ReinigüngSaktion unter den Führern und Erzithern der Hitlerjugend, die zum grüßten Teil aus der S.-A. stammen, durchgeführt werde,„um zur Erziehung der Jugend ungeeignete Elemente von ihren verantwortungsvollen Posten zu entfernen." Auch die enge Verbindung, die zwischen H.«J. und S.-A. bestand, soll„gelockert" werden, da e»„nicht angehe, die Jugend mit Problemen zu belasten, für die ihr •eeeeeeeeeeeeeeee Neue Schriften Äosef Hofbauer:,”77.; Wien (Ein Zyklus Gedichte als Chor, werk eingerichtet.) Mit Holz.' schnitten von Geprg Trapp. Wen- el I a k s ch: Was wirt MstetcrreKM Im Verlag der Nordböhmischen Druck» und yerlagSanstalt Gärtner L Lo., Bodenbach, soeben erschienen. Zu bestellen durch die Zentralstelle für Btl» dungSwesen, P rag.XII., Glezska 18. »OOOOOGOGGGGGOGGG' Funkstunden für einzelne Sondergruppen der Bevölkerung haben in Hinkunft zu unterbleiben. Damit wurde die S.-A.-Rundfunkorganisation sowie der S.-A.-Rundfunk aufgehoben. 8. Stabschef Lutze verbot am 10. Juli bis auf weitere» den S.-A.-KameradfchaftSbund und die Weiterführung de» Verein». Das vermögen wird einstiveilen von einem Treuhänder verwaltet.(„Angriff" vom 11. Juli.) 9. Der Reichsminister für Wissenschaft, Er- ziehung und Volksbildung hat am 14. Juli ein verbot neuer Studentenbünde im ganzen Reich»« gebiet erlassen. Alleinige studentische Vertretungen sind die deutsche Studentenschaft und der nationalsozialistische Studentenbund. Damit ist man dem im Feber in» Leben gerufenen S.-A.-Stu« dentenbund an« Leben gegangen, der jene Studenten zusammenschloß, die neben ihrem Studium auch noch aktiven Dienst in der S.«A. absolvierten. 10. Reichslustfahrtminister Goering hat sämtliche privaten und parteimäßigen Flugsportverbände unter dem„Nationaldrutschen Flugsportverband" zusammengefaßt. Hierdurch wurde den S.-A.-Flugstasfeln ein Ende bereitet. Eine Keine Auslese von Verfügungen, die alle aus Angst vor der S.-A. getroffen wurden. Ob sie den Zusammenschluß der verratenen, empörten und auf Rache brütenden S.-A. verhindern können, ist sehr zweifelhaft. Heute steht dem „Führer" zur Niederhaltung der S.-A. kein gläubiges, begeistertes Volk und leine in die Millionen gehende aufgepeitsche Mürderarmee wie damals im Kampf gegen die Marxisten zur Verfügung. D^ie Mörder von gestern werden auch die 'Mörder.von morgen.sein., r Friedlicher Krieg Riesenflugzeuge— Giftgase— rodeafteahle» Bon An». Kurt Dodec«. Die zehn Tete der S.-A. Bon Curt Haas. HttlerS Dolchstoß vom 80. Juni gegen seine Getreuen von gestern ist keine befreiende Tat gewesen. Weder für ihn selbst und seine Getreuen von heute, noch für das Volk, in dessen Namen und zu dessen Schutz und Frommen er stet» zu handeln vorgibt. Da» Abwürgen der alten Revolutionsgarde, darüber ist sich auch das Triumvirat Hitler-Gocring-Goebbels klar, ist mit der Ermordung der Köpfe der ehemals so verwöhnten Landsknechtsarmee noch lange nicht gelungen. Der Hydra S.-A. wachsen die Köpfe immer wieder nach und bedrohen mehr denn je zuvor den treubrüchigen„Führer" und sein Drittes Reichs. Nach der Bartholomäusnacht ist die Angst eingekehrt. Und sie ist berechtigt, Ueber zwei Millionen S.-A.-Leutr stehen dem Regime heute feindlich gegenüber und warten auf den Moment, in dem sie Rache nehmen können. In jeder Familie hat cs einen S.-A.-Mann gegeben, der jetzt anstatt gegen die Marxisten und Juden gegen die Mörder vom 30. Juni hetzt. So ist es erklärlich, daß Hitler augenblicklich keine größere Sorge hat, als die S.-A. vollends zu zertrümmern. In den letzten Tagen sind 10 Verlautbarungen ergangen, von verschiedenen Stellen aus und an verschiedenen Tagen, damit ein Zusammenhang nicht deutlich werde, die darauf hinauslaufen, irgendwelche Zusammenkünfte gleich welcher Art zwischen S.» A.-Leuten unmöglich zu machen. Keine Gelegenheit zu einer Aussprache, zu einer. Kritik, zu einem Gespräch oder gar zu einem Revolte-Plan soll möglich sein. Unauffällig wird die S.-A. mundtot gemacht, ausgeschaltet, geknebelt. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan... 1. Der Reichssportführer von Tschammer« Osten hat am 8. Juli angeordnet, daß sämtliche Sportklubs, di« ausschließlich S.-A.-Charakter tragen, sofort aufzülösen sind, da«die S.-A. sich nicht mehr wie bisher außerhalb der bürgerlichen Volksgemeinschaft zu stellen hat, sondern mit dem Volk innig verwachsen muß".(„Mittag, Düsseldorf, vom 10. Juli). Die S.-A.-SportklubS haben sich mit bürgerlichen Sportvereinen zu fusionieren. Die Aktion hat bis. zum 1. August durch« 'führt zu sein. Klubs, die dem Befehl nicht nach- iommen, haben den Verlust ihres BereinSvermö- MlMMriMMi Richt Vergessen! Der Weltkrieg, an dessen Beginn die Menschheit vor 20 Jahren stand, kostete 12,996.871 Tote, 16,287.000 Verwundete, 8,669.000 dauernd Invalide. Die gesamten KriegSanSgaben betrugen 186.283,637.097 Dollar. Um die astronomische Summe in unsere Währung zu errechnen, muß man sie mit 23 multiplizieren! Attiv im-nudel mit Deut ichlnud Seit einer Reihe von Jahren ist der Außenhandel der Tschechoslowakei mit Deutschland für unseren Staat passiv gewesen. Es wurden von der Tschechoslowakischen Republik viel mehr Waren von Deutschland bezogey, als nach dort ausgeführt wurden. Das Pafsivum gegenüber Deutschland l>«trug: Jahr in Millionen Xi 1929...... 1.029,8 1980..*.... 1.018,8 1931 1.260,8 1982 774,4 1933...... 164,8 In den ersten fünf Monaten des Jahres 1934 ist di« Passivität für die Tschechoslowakei vollständig geschwunden und es ergibt sich für sie sogar ein Aktivum, daS bereits 12,2 Millionen Xi beträgt. Diese vollständige Wandlung ist vor allem erreicht worden durch eine beträchtliche Steigerung der tschechoflowakischen Ausfuhr nach Deutschland, die fast 40 Prozent der gesamten Exportzunahme der Tschechoslowakei im ersten Halbjahr 1934 in Anspruch nimmt. Gegenüber 1983 konnten vom Jänner bis Juni 1934 für 200 Millionen X mehr Waren nach Deutschland au», geführt werden. Allerdings hat auch die Einfuhr deutscher Waren in die Tschechoslowakei zugenommen, aber bei weitem nicht in dem gleichen Um», lang. Ob diese günstige Gestaltung unserer Handelsbilanz sich noch weiter ausbauen läßt, hängt natürlich ab von der Iveiteren wirtschaftlichen Ent» _ Tl,...„.. Wicklung Deutschlands und von seinen devisenpoli» Rundfünkorganisationen erfolgen müsse. Auch I tischen Maßnahmen. .«eiteB, „Sozialdemokrat" Mittwoch, 8. Au»,ist 1934. Nr.«S PRAGER ZEiTVNQ Neues ModeD Da» tSdlich« Prinzip Wer freie Menschen unterjocht, »er mit de» Beile herrscht«ad henkt, »er blutig ans Kanenm pocht, der»ird vernichtet, eh er denkt. Er»ird and seiner Macht rntsernt dnrch jene, die von ih« gelernt! Er stirdt am eigene» Prinzip, da» ihn pol Tücke ans»itrt» trug. Da» Recht, da» er sich selber schriet, zerschmettert ihn. Da» ist sei» Fluch. Da hilft«rin friedliche» Geschwätz, Bknt fordert BMI Da» ist Gesetz. Mar schreibt der Rache Harke» Blei. Gestreng und redlich führt(• Buch. Da» Weltgericht spricht keine« frei, der Menschenrecht zuschanden schlug. I« Oesterreich hielt r» schon Terufin. Bo« dort an» wird r»»eiter ziehn. Der Rot«-Van». War MorRatf Sine Blutstatistik tat Diktaturen. Die blutigen Ereignisse in Oesterreich, die tödlichen Schliffe auf den klerikofascistischen Diktator, erhellen blitzartig die Situation, in der sich die Welt befindet. Der Ficbertvahn der Gewalt, der den Frieden der Erde gefährdet, die Völker rechtlos macht und die Fackel der Zerstörung von Land zu Land trägt, ist fascistisch, so eindeutig fascistisch und antidemokratisch, daß cs angebracht scheint, diese Pest der Destruktivität, hinter der keine Ideen, sondern nur die Brownings irrege» führtcr und aufgeputschter Desperados stehen, gleichsam statistisch zu untersuchen. In ganz kurzer Zeit standen wir an den Särgen von vier gemeuchelten Ministern und Regierungschefs, und da» alles in mehr oder weniger absolutistisch und»autoritär" regierten Ländern. Registrieren wir: in Rumänien ermordet ein Mitglied der fascistischen»Eisernen Garde" den Ministerpräsidenten einer Regierung, die sich zwar„liberal" nennt, jedoch die Wahlen mit den schimpflichsten Methoden und mit einem Terror und einer Korruption ohnegleichen stets in ihrem Sinne zu dirigieren weist. In Polen, dem Lande der Pilsudski-Diktatur, in dem das Parlament ein gespenstische» Schattendasein führt und die Willkür zum Prinzip erhoben worden ist, fällt der Innenminister P i e r a c k i der Kugel eines Fanatiker» zum Opfer. In Deutschland der Konzentrationslager und des Gestapo- Schrecken» meuchelt das rasende Regierungssystem die eigenen Kameraden zu vielen Dutzenden, unter den Abgeschlachteten befindet sich ein aktives Mitglied der Regierung, nämlich Herr Röhm. Und schliestlich als letzte» Glied in unserer BeweiS- führung, das Attentat im Lande der Kanonenchristen^ der tödliche Schuh auf einen Kanzler, der sich in allem und jede« über die Rechte des Volkes Hinwegsetzen zu können glaubte. Hier schaffen Fascisten auf«inen Fascisten; die Condottieri, die Dollfuß nicdermachten, find gewih noch robuste« Bolksverächter, al» e» der Getötete gewesen ist. AVer bas kommt hier erst in zweiter Linie. Unwiderlegbar ist die Mordpsychose, die durch die fascistischen Diktaturen wütet, dies primitiv« System der politischen Blutrache, das schliestlich den Revolver als das einzig würdig« Motiv einer politischen Auseinandersetzung betrachtet. Der»moralische* Gehalt des fascistischen System», die allgemeine Bestialisierung, die e» zwangsläufig im Gefolge hat, kann durch nichts klarer aufgezeigt werden, al» durch diese- fürchterliche Mor-sepie, die sich hinter de» Gittern der Diktaturen austobt. Au» Haß und Gewalt geboren, au» Menschenverachtung und Ungeistigkeit zusammenge« schweitzt, find die von fascistischen Gedankcngän- gen beherrschten Staaten, in denen nach Komi- tatschi-Manier jeder gegen jeden schießt, unheimliche mittelalterliche Rudimente in der modernen Welt von 1984. Wie aber die„felifche und staatspolitische Erneuerung" aussieht, von der ihre Repräsentanten so ost zu faseln pflegen, illustriert eindeutig und mit seltener Beweiskraft diese Blutstatistik I Pierre. A«»slu»»züge. Die StaätSbahndirektion in Prag veranstaltet folgende SondcrausflugSziige mit Verpflegung und Führung: In den Tagen vom 18. bis 27. August in die H o h e T a t r a für 680 Kc (bereits nurmehr beschränkte Zahl). In den Tagen vom 26. bis 28. August zu den Jiräsek-Feierlichkeiten nach H r o n o v. In den Tagen vom 2V. August bi» 19. September zu dreiwöchigem Kuraufenthalt nach S l i a i für 1049 Kc In den Tagen vom 1. bi» 16. September zur Weinlese nach Jugoslawien(Bad Kupari und Jugoflawische Riviera) für 1100 Ki. Am 2. September zu den Lausitzer Serben nach Bautzen und R o t i b o r für 116 Ki, in den Tagen vom 8. bis 22. September zum SchwarzenMeer für 1080 Ki, in den Tagen vom 8. September bis 1. Oktober zu dreiwöchigem Kuraufenthalt in Luhatschowitz, Treutfchin-Teplitz oder P y st i a n für 980 KC, in den Tagen vom 16. bis 28. September nach Karpathoruß(land für 619 Ki, in den Tagen vom 27.—80. September zum Wein- lesefest nach Preßburg und znm Masaryk-Ring nach Brünn fiir 240 KC. Informationen und Anmeldungen mit einer Angabe zu allen Zügen nimmt das Referat der SonberauSflugSzüge im Bazar neben dem Wilson-Bahnhof täglich von 8 bis 17 Uhr entgegen. Telephon 88—885. Spart* Spiel• KBrperpflepe Die Olympiade wirkt sich aus Rege Tätigkeit der Prager DTJ.-Leichtattzleten Nach einer kurzen Pause nehmen die Leichtathleten des 1. DTJ.-KreiseS(Prag) ihre Tätigkeit wieder auf. DaS Herbstprogramm weist für August und September folgende Veranstaltungen auf: Am LS. August findet in Prag ein Sport tag statt, welcher vom 1. Kreis durchgeführt wird. Vormittags finden im Stadion de» CfÄAU. auf der Letna leichtathletische MannschastS- kämpfe(Feldek-Memorial) und Einzelbewerbe für Frauen und Mädchen statt. Am Nachmittag gelangen auf dem DTJ.-Sportplatz auf der Hetzinsel Hazena- und Wolleyball-Wettspiele zur Austragung. L. September: Städtewettkampf Prag- Brünn in Brünn fiir Frauen und Männer. 9. September: Veranstaltung des 14. DTJ.-BezirkeS auf dem Sportplatz der DTJ. Libeü. ES kommt ein MannschaftSbewerb im Sechskampf zur Austragung, der folgende Disziplinen umfaßt: 80 Meter. Hoch- und Weitsprung, Kugel. Diskus und 1500 Meter. IS. September: Propaganda-S t a f e t- tenlauf durch Prag. Start beim Sia-HauS am Kat; Ziel am DTJ.-Sportplatz auf der Hetzinsel. Veranstalter ist die DTJ. Prag I und V. 2 8. September: Mannschaftswettkampfe für Männer auf dem Sportplatz der DTJ. Byso- iany. 80. September: Gtädtewettkampf Prag— Pilsen in Pilsen für Männer. Sm Schweizerische B«»dest«r»sest in Luzern hinterließ einen gewaltigen Eindruck. Rund 250 Turner- und Turnerinnensektionen traten auf. Zum Einzelwetturnen stellten sich 1800 Teilnehmer, in der Schwerathletik 110, im Schwimmen 120 und im Wassersport gingen 160 Wettkämpfer an den Start. ES wurden auch einige neue SatuS-Bestleistungen aufgestellt. Die Massenfreiübungen zeigten eine herrliche Geschloffenhen. Die ganze Schweizer Oeffentlichkeit war von dein Fest beeinflußt. Die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen zeigten ihre Anerkennung für den Arbeitersport. Ein mustergültiger Festzug mit über 6000 Teilnehmern wirkte propagandisch und das Festspiel mit den 700 Mitwirkenden war etwa» ganz neues und für die Zuschauer eigenartiges. Alle ausländischen Delegationen waren der Meinung, daß der Schweizer Verband mit seinem Fest das Ansehen und die Ehre der Arbeiter-Internationale gestärkt und vermehrt haben. Zwei neue Weltrekorde in der Leichtathletik. Die amerikanischen Leichtathleten, die derzeit in Oslo an den Start gingen, haben nach dem Kugel- Weltrekord Torrance« wiederum zwei Erfolge auf- ziuveisen. Am Montag lief Beard die 110 Meter Hürden in 14.2 Sek. und Eastman siegte über 600 Meter in 1:02 Min. Die Zeit im Hürdenlauf öl besonders sehr gut und ist wohl kaum anzunehmen, daß sie noch weiter unterboten werden kann. Lll8 der Partei Sozialistische Jafeit, Kreis Prag Donnerstag, den 9. August, abends 8 Uhr: AntkkriegS-Knndgetnng der Jugend im Saal des Einheitsverbandes der Privatange- stellten, Jungnunmova 29. Alle in Jugendkleidung. Per Film Hochzeit im„Mteltra MW Das selige»Weihe Röhl" in einer besonder» trostlosen Filmausgabe, die man nur achselzuckend registrieren könnte, wenn nicht Hansi Ries« den meterhohen Kitsch mit dem Adel ihrer vitalen, fiesmenschlichen Kunst veredeln würde. Sie spielt ein GutMof-Faktotum mit vielen ihr von einer geistlosen Regie aüfgezwungenen Mätzchen und einigen bleibenden Augenblicken, in denen sie die erschütternde Minderwertigkeit des ManuflripteS überwindet. Zwei Szenen bleiben haften: ihre aufgelöste Ratlosigkeit im Tnibel des Berliner Verkehrs und ihre Soloszene auf der Galerie eines Theaters. Zwingende Leistungen. Zu loben wären noch einige Landschaftsbilder, nicht sehr originell gefaßt, aber doch plakathaft-schön. Sonst versagt die Krittk. Der junge Gutsbesitzer, der, von einem kalauernden Revuedirefior als Star entdeckt, nach Berlin Verschleppt wird, uw dort reu« .mutig den viel erörterten Geruch der. ländlichen Scholle zu entdecken, spielt so rührend schlecht, daß ihm die öffentliche Anprangerung erlassen sei, Rax G ü l st o r f f übt sich offensichtlich in Miesmacherei, in seinen schlechten Augenblicken sicht(> Adolf Hitler verblüffend ähnlich. Die Regie Hans Behrendt beschränkt sich auf»aljbewährte" Griff« in die verstaubte filmische Hausapotheke- Bor dem Hauptfilm läuft rin Bildechogen vam Dollfuß-Begräbnis. Besonders bemerkenswert ist die verschwenderische Brustdekoratton des Herrn Fey, die Herrn Goering ernstlich neidisch machen könnte- Ob sich ein wohlverdienter TapferkcitSorden für Leistungen in allerjUngster Zeit unter der überwältigenden Sammlung befindet, ist nicht verwerft. Srrrft Mrd konsequent Ernst war Jungkommunist. Er war»richtig liniert" und darum Führer— bis auf weitere». Er haßte die©ogi und da vor allem wieder die Führer. Denn sie verhetzten die Acheiter, sabotierten die Einheitsfront, saßen mit den Klassengegnern beisammen,, schacherten, trieben Kuhhandel und verrieten die Arbeiter. Das alles stand für Ernst fest. Mtt Vergnügen hätte er jede Woche zwei Soziführer verspeist. Doch leider waren weder sein Magen noch seine Kauwerkzeuge auf derartig« Kost eingerichtet. Er beschränkte sich, daher darauf, in Neinen Versammlungen und gelegentlich in seiner Zeitung die Sozis zu vernichten. In der„Arbeiter-Turn- und Sportzeitung" hatte Ernst vor Jahren den Artikel eines Sozial- fascisten entdeckt mit. dem Titel:.„Konsequent seinl" In diesem Arfikel. wurde gewisse Zusammenarbeit mit- bürgerlichen Vereinen abgelehnt. Dieser Artikel war ein gefimdene» Fressen für unseren Ernst. Bei'allen passenden und unpassep- dcn Gelegenheiten brachte er Auszüge aus diesem Artikel und bewies damit, wie sehr die Sozi» von ihrer richtigen Linie abgekommen sind. Aber ach, so sehr Ernst auch sein Maul aufriß, soviel Tinte er auch verspritzte— diese verblendeten Sozis achteten nicht auf sein Geschrei, befolgten nicht seine wohlgemeinten Ratschläge. Das wurmte ihn sehr und so beschloß er denn, gewaltig nachzudenken, wie er cs wohl an« stellen könnte, damit diese verruchte Bande auf ihn-höre.., Und siehe, die furchtbare Gedankenarbeit war fruchtbar. In seinem Gehirn funkte ein Gedankenblitz. Oh, er war entzückt von sich selbst, denn er war fest überzeugt, daß sein Gedankenblitz das Dünkel der Welt erhellen würde. Hätte der lieb« Ernst damals geahnt, welches Unglück diese Idee über ihn bringen wirst, so würde er weniger erfreut gewesen sein. Richtig, fast hätte ich vergessen. Sie wollen doch sicher die Idee Unseres Ernst kennen lernen. Kurz gesagt: Bisher hatte er nur geredet, aber nun wollte er eine Tat setzen! Jawohl! Er selber wollte konsequent sein, d. h. werden! Er wußte, daß er eS nicht war, daß seine Lebensführung das Gegenteil von dem war, was er forderte. Vormittag«bettete er in der Redaktion, nachmittags ging er in» Kaffeehaus, drosch dort seinen Skat— in einer Gesellschaft» di« alles ander« denn revolutionär war. vor dem Nachtmahl ging er noch, einmal in die Druckerei und abends suchte er ein wenig Zerstreuung in der Barbarma- Bar, sofern er nicht ein« revolutionäre Sitzung hatte, oder irgendwo"auf weibliche Wesen Jagd macht«. Auch seine Hochzeit, die erst kürzlich in der Kirche stattgefunden hatte, stand im Gegensatz zu seinen Reden. Also wie gesagt, da» sollte anders werden! Zuerst ließ er sich von seiner Frau wieder scheiden, denn ein richtiger Revolutionär kann doch nicht verheiratet sein. Dann: Im Kaffeehaus redete er nicht mehr mit diesen Herren, denn da» waren doch seine Klassengegner. In die Bar ging er überhaupt nicht mchr, denn das ivar auch nur eine Einrichtung der Bourgeoisie und mußte daher bekämpft werhen. Das dadurch ersparte Geld schenkte er den beschäftigungslosen Straßenmädchen. Lügen wollte, er auch nicht mehr! Aber das durchzuführen, war am schwersten fiir ihn! So— und jetzt, nachdem er sich konsequent umgestellt hatte, jetzt sollte die eigene Partei darankommen, Jawohl! Wenn die verfluchten Sozis mit dem Klassengegner packelten— nun, die Kommunisten durften das nicht tun, Im Parlament hatten sie überhaupt nichts zu suchen. Lauter Gegner saßen dort. Erst wenn sie die Macht in der Hand hatten, dann sollten sie im Parla- men einziehen und die andern hinauslversen. Doch halt! Zuerst mußten die Gemeinden gesäubert werden, denn auch hier saßen seine Genossen mit den Sozialfascistcn und den bürgerlichen Gegnern beisammen, packelten und feilschten. Auch in allen übrigen Korporationen, wo sie mit Andersgesinnten beisammen saßen, mußten sie seiner Auffassung nach ausziehen. Jawohl, konsequent sein, das war es, was ihnen zum Siege verhelfen würde! In der nächsten Parteiversammlung hielt er eine Rede über die'Konsequenz der kommunistischen Partei, über die neue und richtige Linie. Als er seine Rede beendet hatte, erhob sich ein Sturm der Begeisterung. Jawohl, so müßte es gemacht werden, dann endlich würden sie direkt auf die Weltrevolution lossteuern! Einige Tage spater traf er einige Freunde, die seinen Vortrag angehört hatten.„He, Ernst," sagte der erste und faßte ihn beim Rocktnopf: „WaS du uns erzählt hast, ist ja gar nicht wahr! Es besteht kein Auftrag der Partei, aus den Gemeinden und allen übrigen Institutionen auSzu- treten, wo Bürgerliche und Sozis sitzen." «Was heißt die Partei? Ich frage euch, können wir denn den Sozis einen Vorwurf machen, daß sie in der Regierung sitzen, in den Bezirken und Gemeinden und sonst überall ihre Leute haben, wenn wir es selbst nicht anders machen? Wir müssen Taten setzen, das Reden allein tuts nicht! Durch euren Beifall habt ihr mir doch alle recht gegeben!" »Jawohl Emst, du hast recht, wir müssen konsequent sein. Das muß die neue Linie werden!" Damit trennten sie sich. Ernst wurde immer konsequenter! Die Stim in revolutionäre Falten gelegt und das Haupt von einem gewaltigen Schlapphut beschattet, durch» pflügte er die Stadt..Er hätte schon dringend ein Paar neue Schuhe gebraucht, doch wo sollte er sie kaufen? In einem bürgerlichen Schuhgeschäft oder im sozialdemokratischen Konsumverein? DaS wäre doch nicht konsequent gewesen! Also schrieb er nach Rußland und bestellte sich Schuhe, gleichzeitig auch Zigaretten, denn er wollte doch die tschechoflo- wakische Tabakregie nicht unterstützen. Mit dem Essen hatte er auch seine Schwierigkeiten. Wohl hatte er eine kommunistische Wirtin, aber die Lebensmittel mußten doch in bürgerlichen Geschäften gekauft werden und wurden von Kapitalisten erzeugt! So schränkte er sich im Essen aufs äußerste ein, denn Ernst war konsequent. Eines Tages wurde er vor die Parteileitung bemfcn. Dort wurde ihm mitgeteilt,, daß er aus der Partei ausgeschlossen sei wegen Nichteinhaltung der richtigen Linie. „WaS!" schrie er, und sein« Stimme überschlug sich,„ich und nicht di« richtige Linie? Ihr seid wohl besoffen? Aber ich gehe, jawohl, ich gehe freiwillig und werde eine neue Partei gründen, eine Partei, die konsequent ist!" Er ging. Seine Schuhe hatten keine Sohle« mehr. Ein kalter Regen war niedergegangen. Am nächsten Tag war Emst total verkühlt, hatte Husten und Fieber. Sollte er einen Arzt mfen lassen? Nein, er konnte doch keinen Gegner unter«, stützen! Es wurde aber immer schlimmer mit ihm,' er aber blieb konsequent und—- starb..» Wir hatten Beziehungen zueinander, denn ich war der Verfasser des von ihm kritisierten Artikels„Konsequent sein". Daher hatte ich ein Recht, zu seinem Begräbnis zu gehen. Am Grabe sprach ich kurz, ein paar Worte und schloß unge«' fähr so:„Konsequent ist schön. Unser Freund hat bis ins Letzte konsequent gelebt; er starb für diese Idee. Ich hoffe, daß sie seine Tat zu würdige» wissen, seinem leuchtenden Beispiel folgen, ebenso konsequent. leben und, recht bald so konsequent sterben.werden wie,er. Amen." Sofie Novy. ? e» u? r b« d i n g ung e n:«et Zustellung in» Hau» oder bet Bezug durch die Post monatlich Ke 16.—, vierteljährig Kö 48.—. halbsährtg Ke 96.—, ganzjährig Kö 192,—.— billigt berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß'— LüMMng von Maniskriptin effolgt nurbei Einsendung der Retourmarken.— Die ZetfimgSfrankatur wurde von der Post« mch Telegraph direktion mtt krlaß Rr. 18.800/V11/1980 bewilligt.— Druckerei:.OrbiS". Dmck-, Verlag»« und Zeitung»-A.«B.. Prag.