V vmOMUrWuW» DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECNOSI0WAK1SCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME IMS MONTAG TÄGLICH FRÜH, ho AKTION und umwAUUNO hao xii., fochova«. rtttroM surr. AOMtwwmmoMTfUPON sxn. HHtAUSOfMRt Sieonin TAU». CHIHtCDAKTtUHt WIlHEtM NIESSNE«. VHANTWORHtCMR REDAKTEUR■ 0*.»Mil STRAUSS, MAO. 14. Jahrgang Samstag, 11. August 1934 Nr. 18» Aus siovr„demokratischen“ Partei Manats. dir den genannten Staaten oder ohnesie,, schreibt das a n deren S taa-t wollen. Natt weiter, verwirklicht werden, ünd zwar' wahr- Sich aber bis. zur Erreichung ihre» Zieles aller fchMich, wie wir denken, noch vor Ende dieses schützenden Einrichtungen des alten demokrati- Monats.. scheu Staate» gern bedienen. 'Mit'Riesenschritten geht da» p a r la« m e n t a r i s ch e S ystem seiner A u f- ' I ö s un g entgegen,^.allenthalben entstehen m a ch t v olle Bewegun« g e n» die dest Kampf gegen den Parlamentarismus und da» Parteiwesen auf ihre-Fahnen geschrieben haben und Vie-einen ne-u, en, einen zieher, durch Heinrichs Mund, jede Fähigleit zur Staatsfi'ihrung ab: ES ist keine einzige sachlich richtige Entscheidung im demokratischen Verfahren deS AuSzählenS zu gewinnen, eS wäre denn durch Zufall.., Als besondere Gefahr sicht er cs an, daß die grasten Wirtschaftsverbände sich die Parteien für ihre Zwecke dienstbar machen. ES ist nur merkwür-. dig, daß eS just jene Parteien sind, in denen die Hitler, Henlein, Spann und Heinrich Führerrollen haben, die vor allem in den Dienst der großen Wirtschaftsverbände geraten I Man hat nicht gehört, dah die Thyssen und Schacht in der Demokratie zu„Wirtschastsdiktatorcn" ernannt Ivurden, oder daß die Alpine Montan den Marxismus finanziert hätte! Auch stört den Heinrich, dast die Führung der Parteien meist anonym geschieht. Man weih in den meisten Fällen nicht, welche Kräfte der Partei die Wah- ■ len, die Parteipresse und die Parteisekretäre zahlen... Bei den demokratischen Parteien weist man es und kann eS jederzeit überprüfen. Was die faset st i s ch e n betrifft, mag er recht haben. Aber da hilft unter Umständen eine Hausdurchsuchung. Die fördert dann ans Tageslicht, was ihm ewig verborgen bleiben sollte, dah hinter den Führern die Jndustriellenverbändc und Bankenkonzerne stehen, z. B. hinter der Freiheitsbewegung deS ehedem weißgrünen und nachmals schwarzweihroten Heinrich die Alpine M o n- t a n und der Generaldirektor A p o l d l Auf die Demokratie— und nicht wie man meinen sollte, auf die Nazidiktatur— bezieht sich auch folgende Weisheit des Heinrich: Zuletzt vertritt der Führer nicht mehr die Gesamtheit, sondern n u r m e h r sich: die echte, unverdeckte Tyrannis folgt auf die verdeckte, verkappte Tyrannis des Parteisystems. Wer würde nicht erkennen, dah sich das auf Ebert und nicht auf Hitler, auf Paul Löbe und nicht auf Göring bezieht?! Der Staat wird unter der Einwirkung des demokratischen Parlamentarismus und des Parteiensystems z e r st ö r t: seine Führung wird unstetig; er wird nicht mehr nach sittlichen Grundsätzen... sondern nach den Interessen einzelner Geldgruppen... regiert... Sagt Walter Heinrich, ein Parteigänger deS 8V. Juni, und Henlein übergibt es' seinen Feldwebeln, damit sie daraus demokratische Staatsbürgerkunde studiere». In Fettdruck schlicht das Kapitel: Demokratie, Parlamentarismus, Parteienstaat: eine Lüge, eine Unmöglichkeit, eine Krankheit des Boltskörper». DaS ist unser Ergebnis. Da» unsere ist die Frage, warum und wozu man eigentlich vor Jahr und Tag die na- tionalsozialistische Partei verboten» dem Jung da» Handwerk gelegt und'den KrebS zur Hel- denflucht gereizt hat, wenn man nun den Herrn Heinlein in dieser Art Lolkserziehung betreiben läßt. ' In der Broschüre folgt dann ein Kapitel stber den Ständestaat', das genau so wirr und dumm ist wie alles, was die Theoretiker des Monstrums von Ständestaat noch von sich gegeben haben, und dann eine Gegenüberstellung„Ständestaat gegen Parteienstaat". Lebendige, k a ui e radschaftltche Treue . und Gefolgschaft siehe Röhm! '.' zum Führer gegen da» Ideal der Führer losigkeit: echte Füh« In der SHF wird eine sehr systematische Erziehungsarbeit geleistet. Den einzelnen Werbern Henleins wird eS kcineStvcgS überlasten, sich zu den Gcschehnisten des Alltags ihren' Reim zu machen. Die Gleichschaltung liegt dem Vorturner Konrad Henlein im Blut und die Gehirnübungen müssen klappen wie die Gelenksübungen. Daher werden die Redner und Agitatoren nach einem ganz bestimmten Schimmel eingeschult und allesamt Uber eine Leiste gebogen. Die Hauptleitung läßt den Bezirken Material zugehen, das als Unterlage deS gemeinsamen Kampfes gegen den Marxismus und den demokratischen Parteienstaat zu dienen hat. Es ist nun überaus interessant zu beobachten, waSfürMaterial Henlein seinen Unterstellen zukommen läht. Herkunft und Inhalt dieser Propagandaschriften verdienen die volle Beachtung aller Demokraten. Kürzlich sind den Bezirksleitungen der SHF in je 8 bis 6 Exemplaren zweiBroschüren zugegangen, die beide in Graz und zwar im Verlag deS H ei matsch utzvcr- bandesSteicrmark, erschienen sind. Dieser Heimatschutzverband S t e i e r m a r k ist eineAbteilUyg der steirischen Helmwehren, die al» zweifelsfrei nationalsozialistisch gilt. Sie war am Pfriemer-Putsch beteiligt und ihr Kommandant, ein In». Rauter, lebt in München. Die Schwenkung zu den Nationalsozialisten vollzog sich bei diesem Verband schon im Jahre 1920. Man sieht, dah alle Wege Henleins doch zu Hitler ftihren. Die Pfade sind machmal verschlungen, man vermeidet sorgfältig dir nächsten Wege, die von Asch und Eger ins Dritte Reich führen, man macht den kleinen Umweg über Graz, aber der Geist weht doch von München.■ Die beiden Broschüren nationalsozialistischen Ursprungs und nationalsozialistisch-ständestaatlicher Tendenz die Henlein seinen Bezirksleitungen zum Studium übergibt, haben zu Autoren den Naziprofessor O t h m a r Spann, der sich in.seiner bekannten Art über«Die Irrungen des Marxismus" auöläht, und einen Reinald Dassel, der„Gegen P a r t e i e n st a a t, Für Ständestaat" schreibt. Reinald Dassel ist niemand anderer als der Spann-Schüler Walter Hei n r i ch, seiner Abstammung nach ein Sudetogermane, der sich in Wien habilitiert, bei Spann denAntimarxismuS erlernt und den austro» fascistischen Heimwehren das erste Programm geliefert hat. Wie sein Lehrer Spann rutschte er später zu start nach der Hitlerseite ab, so daß er gegenwärtig in Oesterreich selbst kaltgestellt ist, sofern er nicht wie andere gelernte Steirer bei dem Habicht-Rintelen-Putsch seine Finger im Spiel hatte. Herr W a l t e r H e i n r i ch, alias Reinald Dassel, hat seine deutschböhmische Heimat nicht vergessen, als er nach Wien zog, um sich als aka- demischer Flickschuster des Antimarxismus zu etabilieren. Er war der g e i st i g e N ä h r- vaterdeS Kameradschaftsbundes. Die Herren Kundt, Brand, Bürger usw. verehrten in Heinrich ihren Meister. Kein Wunder, daß Henlein, dessen göttliche Berufung zum Führer der Sudetendeutschen ja im Kameradschaftsbund zuerst entdeckt wurde» seinerseits dem Heinrich ein gute» Angedenken bewahrt und dafür sorgt, daß seine Ideen in der SHF eine Heimstatt«inden. WaS also hat Herr Walter Heinrich den Wie Henlein seine Redner schult Antidemokratische Propaganda In der SHF im Vordergrund der Arbeit Ostpakt noch im August? Paris, 10. August.(HavaS.) Da» Blatt... „Se Journal" beschäftigt sich abermals mit dem' Demokraten von der SHF zu erzählen? Ostpakt, und schreibt:;• Trotz des Standpunktes I Deutschlands und Polens verlieren Vie Anhänger de» Ostpaktcs, betreffend Vie gegenseitige Hilfe«-, lnsiung, nicht den Mut,. Deutschland wird' ge zwungen werden, sich.zu'dem Patte-zu äußern,! und Polens-Sache wird es sein.den oder jenen Weg zu wählend Das'Projekt wird', mit den beiden; Saar-Katholiken gegen Hitler Pari», 10. August.„Petit Parisien" bringt«inen Leitartikel über di« Stellung der Katholiko» im Saargebirt. Au» der Unterredung «U einem hervorragenden Mitglied de» Saar- Klerus zitiert„Pettt Parisien" folgende Worte: Als Deutscher würde ich für di« Rückkehr zu Deutschland stimmen, alS Katholik kann ich ob« bei meinem Gewissen nicht für Hitler stim- mm. DaS Hitler-Deutschland ist nicht da» wirkliche Deutschland, und wir wollen un» nicht der verhaßten braunen Diktatur auSliefern lassen. Englische Ausfuhrsperre gegen Deutschland London, 10. August.(Reuter.) DaS Reu» kerbüro erfährt, dah heute in Berlin daS englischdeutsche Uebereinkommen über den Zahlungsausgleich getroffen wurde. Das Abkommen bezieht sich, auf Schulden und'künftige Transaktionen, nicht aber auf laufende Transaktionen. In einer heute stattgefundenen Versammlung von Verirrtem der Textilindustrie, die nach Deutschland exportieren, wurde gegen dieses Abkommen protestiert. Es wurde beschlossen, nach Deutschland keine weitere Ware auszuführen, solange Situation der Handelsschulden gegenüber Geschäftsleuten nicht geklärt wurde. . Hitlers Emtesorgen Der Berliner Korrespondent der„New Aork Limes" befaßt sich in einem ausführlichen Artikel mit den Ernährungsschwierigkeiten Hitlerdeutsch» lünds und stellt fest:„Wenn die deutsche Bevöl- kerung sich einen einzigen Augenblick von der poli- üschcn Lage, die sie völlig in Anspruch nimmt, abwenden könnte und sich mit der wirtschaftlichen Krise, insbesondere mit dem drohenden Brotmangel, beschäftigen würde, mühte sie die letzten Reste ihres Optimismus verlieren... Die Perspektiven sind in der Tat unheilverkündend." Das Blatt betont, man sei sich allgemein llar darüber, daß die Ernte in diesem Jahr 23 Prozent weniger ergeben werde als im Vgrjahr. Deutschland habe im Vorjahr 90 Prozent seines Getreidcbcdarfs aus eigener Ernte gedeckt; in diesem Jahr sei eine Einfuhr in Höhe von 20 Prozent des Bedarfes erforderlich. Der deutsche Export sei von 26 Prozent der Weltproduktion im Jahre 1932 auf 14 Prozent gesunken; die schlechte Ernte bedeute die ernstesten Schwierigkeiten, denen Hitler bis jetzt gegenüber gestanden habe. Der Zeitungsverfall In Deutschland offiziell bestätigt Berlin, 10. August.(DNB.) Durch die erneute Anordnung des Präsitwnten der Reichr- preffekammer ist die seit Mitte Dezember v. I. verhängte Sperre für Neugründungen von Zeitungen und Zeitschriften bi» zum 31. März 1985 verlängert worden. Maßgebend für diesen Entschluß sind Feststellungen über die Gesamtlage der deutschen Presse, die zu dem Ergebnis geführt haben, daß der mit der Anordnung vom 31. Dezember 1933 verfolgte Zweck«wer Befriedung der wirtschaftlichen Verhältnisse im Bereich der periodischen deutschen Presse nicht in einem solchen Ausmaß erreicht ist, daß die endgültige Aufhebung der Sperre schon jetzt sich rechtfertigen würde. Die parteiisch-parlamentarische Demokratie ist im Kerne f a u l, ist zu innerst erkrankt... Welch ein Glück, daß wir Aerzte wie Hitler, Henlein, Spann und Heinrich haben! Sie bieten uns zunächst einmal eine„Kritik des Parteienstaates", Heinrich wendet sich gegen das Schlagwort der Lolkssouvtränitit". Aber abgesehen davon, daß der MehrheitSwille nicht den Volkswillen darstelle(was ja wieder: durch die Abstimmungen in Deutschland bewiesen ist) so ist die Behauptung, daß in der Demokratte wirklich daS Volk herrscht...«ine Fiktion, eine Lüge.., Vielmehr herrschen die Parteien und zwar üben sie— im Gegensatz etwa zu den milden Herr- schaftSsormen der fascistischen Diktatur— eine „T yranniS" aus: Diese T y r a n n i S, die verdeckt wird durch die Vorspiegelung, als ob die Masten selbst ihren Willen hättest und aussprächen, während er in WirNichkeit völlig von der Parteiführung bestimmt ist, ist die e r st e Lüge de» demokratisch-parteiischen System»: diese» spricht von Volkssouveränität und ist in Wirklichkeit Tyrannis. Henlein» Unterführer werden eS nicht ganz einfach haben, diese Lehren mit dem wiederholten Bekenntnis ihre» Führer» zur Demokratie zu vereinigen. Die„zweite Lüg e" sagt Heinrich ist daS Ideal und die Forderung der G l e i ch h e i t DaS Possenspiel der demokratischen Wählerei macht er den Werbern der SHF an folgendem Beispiel deutlich: Wenn plötzlich an der Kreuzung der Kärntnerstrahc und deS Opernrings durch ein Haltesignal alle Wagen zu Stehen gebrächt und nun gefragt Ivürde„Wollen wir mit oder gegen Frankreich Außenpolitik machen"(die Grammatik dieser Frage geht zu Lasten des Univcr- sitätsprofessorS Heinrich), so würden die verschiedenen Passanten erklären, daß sie davon nichts verstehen. Schon diese» Beispiel zeigt die völlige Unmöglichkeit der A b st i m m u n g, der Wählerei, deSMehrheitS- grundsatze» und de» gleichen Gewichte» der Stimmen der einzelnen Staatsbürger. In Wirklichkeit kann niemand nach dem Grundsatz der Mehrheit leben... Derlei hört man von Henlein in der Oeffentlich- kcit nicht. Man muß schoit hinter die Kulissen blicken, um den wahren Geist seiner Demokratie zu begreifen. Heinrich, Henleins Lehrer und Inspirator, geht noch einen Schritt weiter. Er sagt, eS sei v öl l i g er Wahnsinn, zu glauben, haß durch ein staatliche» System, da» au» Wahlen hervorgeht und auf Mehrheitsbeschlüssen beruht, die Massen de» Volke» zur Regierung fähig würden. Der BolkSwille sei in Wirklichkeit gleichzusehen mit der U n st e t i g- keit der Massen la une, daher die Innen« und A ußenpolitik demokratischgeführter Staaten sehr leicht in eine z e r st ö r e n de Un st e t i g- kett hineingerät,... Wie anders doch bei diktato risch regierten Staaten! Welche Ruhe, Stetigkeit und Sicherheit in dem Kurs- etwa'des Dritten Reiche» oder gar Oesterreichs l Welch vorbildliche Sicherheit'in den Ereignissen des 30. Juni oder des 28. Juli! Der Demokratie, zu der sich Henlein, der Führer, so gern bekennt, spricht Henlein, der Er- Seite 2 Nr. 18« Samstag» 11. August 1934 eine bedeutsame Rede Roosevelts: Schluß mit den alten Zuständen! Minister in Uniform i Sen ehrlichen Geschäftsmann wolle man nicht schädigen. Die Regierung wolle nur. nicht dulden, daß die einen bestohlen werden, damit die andern sich bereichern. Man müsse die Idee der s o z i a- len.Gerechtigkeit durchsetzen. Die neue Politik der NSA erklärte Roosevelt, sei so alt wie die christliche Moral und die Unabhängigkeitserklärung oder die Berfaffung der Bereinigten Staaten. Der Präsident schloß: DaS Volk der Bereinigten Staaten will diese alten Zustände nicht mehr habe»! Japan rüstet Tokio, 10. August/ Der Hau-Halt des Heeres für 1985/86, der dem Finanzminifter zur Prüfung vorgelegt wurde, beläuft sich auf inSge» samt 560 Millionen Fen. Das sind 120 Millionen mehr als im Vorfahre, Für die ordentlichen Ausgaben sind 200 Millionen««gesetzt, dagegen 360 Millionen für die außerordentlichen. Flugzeuge gegen Aufständische Schanghai, 10. August.(Reuter.) In der Provinz Fukien beschießen ununterbrochen Regierungsflugzeuge die kommunistischen Abteilungen, die sich auf dem Rückzüge befinden. eng gegen Anarchie: Führung durch die jeweils Sachkundigsten... Das Ideal der Führerlosigkeit wird wahrscheinlich durch Masaryk, die Anarchie durch das Fehlen von Putschen und Massenschlächtereien erwiesen? Die Führung durch die jcweilSSach- kundigsten, das dürfte die Führung der Reichstagsbrandstifter durch Göring feint Echte„Vertretung" der Volke» in den ständischen Spitzenkörperschaften gegen die demokratische Par- lameniSregierung, die weder Staat noch Volk vertritt. Das tschechische Volk müßte also durch den Dr. P r e i h statt durch Malypetr, durch H o- o a ö statt durch B e ch y n k, die Sudetendeutschen durch M ü h l i g und Schicht statt durch Czech und Spina vertreten sein? Persönliche Führung de» Staate» durch eine Schicht von Menschen, die zu jedem Opfer für die Gesamtheit bereit sind... genug davon t Was in den letzten Monaten in Deutschland und Oesterreich geschehen ist, läßt alle Theorie über den Banditenstaat des-Fascis- mus grau erscheinen und macht Heinrichs Wort zu einem fabelhaften Witz: Da» ist da» Bild de» neuen Staates gegen die traurige niederschmetternde Wirklichkeit de» heutigen, de» alten. Man braucht gegen einen Bankrotteur desStande- gedankens, einen verkrachten Putschisten, der sich mit jedem Wort seiner Polemiken und seiner Prophezeiungen lächerlich macht, nicht zu polemisieren. Aber man muß fragen: Haben wir eS nach dem, was Europa seit dem Reichstagsbrand gesehen und miterlebt hat, nach dem 30. Juni, nach Hitlers Griff nach der Alleinmacht im Staate, nach dem österreichischen Nazi» putsch, nach dem ökonomischen Bankrott dreier FaseiSmen, nach dem kläglichen Zerfall des tschechischen FaseismuS und der Bewährung der Demokratie in diesem Staate, noch nötig, uns von Herrn Henlein das biete» zu lassen? Müssen wir zusehen, wie nun die Tschechoslo» wakei zum Experimentierfeld von Narren und Hochstaplern gemacht, die Bevölkerung gegen den demokratischen Staat, gegen Parlament und Regierung verhetzt, eine neue Hitlerei großgepäpelt wird? Tie einzige Antwort aus diese Provokationen kann sein:SchlußdamitISchlußmitFüh- rerspiel und LügelSchluß mit Henlein! Auflösung der belgischen Milizen Brüssel, 10. August.(Belga.) Das belgische Amtsblatt hat ein Gesetz veröffentlicht, ui welchem da» Berbok von„Privatmilizcn'' und allen anderen Sonderorganisationen ausgesprochen wird. Zur Begründung dieses Gesetzes wird angeführt, daß die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und die Obsorge um die Verteidigung der Nation in erster Linie und ausnahmslos dem Staate Vorbehalten bleibt. Sogleich nach Veröffentlichung dieses Gesetzes hat der Nationalausschutz der sozialistischen Miliz die Auflösung dieser Organisation be- scblossen, ebenso wie die Auflösung der übrigen Sonderorganisationen, die sich im Rahmen der belgischen Arbeiterpartei gebildet hatten. Auch der Führer der flämischen Rassisten-Organisation „DinazoS" hatte bereits vor Veröffentlichung des Gesetzes die Auflösung dieser Miliz verkündet. Präsident Roosevelt, der bereits die Wahlkampagne für den Herbst eröffnet, hat in Green Bay im Staate Mississippi«ine Rede«Fakten, in der er sich sehr scharf«egen hie Bestrebungen gr- wisser Kreise auSsprach, zu den alten wirtschaftlichen Berhältnifsrn zurückzukehren und dir Staatskontrolle über die Produktion aufzulockern. Der n e u e K n r S dürfe nicht atgrbaut, sondern er müsse noch verstärkt werden, sonst würde der Weg zurück in die Dschungel führen. Bald würden, wenn der Staat dir Industrie nicht kontrolliere, wieder Schwiudrlrabatte bei de» Bahnen gewährt und schlechte Nahrungsmittel hergestrllt werden. Rom, 10. August.(Stefan!.) Im Rahmen der bevorstehenden Manöver der italienischen Armee im Apennin werden umfangreiche Ucbun- gen in der Flugzeugabwehr durchgeführt werden, und zwar fast in ganz Emllia und Toöiana. Während der Dauer der Manöver werden sämtliche amtierenden Minister mid Unterstaatssekretäre in ihrer Charge zu ihren Militävformatio- nen einrucken und werden Militärdienst machen, und zwar in jener Dienstcharge, die sie bekleideten, als sie zuletzt beim Militär dienten. Sie werden tvährend der Manöverzeit die einzelnen militärischen Einheiten befehlen. Hill„Ernte der österreichischen taialdemohratie"? Nein: nnr das Ende einer neuen kommunlstlsdien LOge Dieser Tage brachte das„C e s k L S l ov o" einen Bericht über eine angebliche Konferenz der österreichischen sozialdemokratischen Emigration und der Vertreter der illegal in Oesterreich arbeitenden Partei. Die Tagung soll in B u d w e i s stattgefunden und den Besorgnisse» entsprungen sein, die in der Parteileitung wegen der Bolsche- wisierung der Bewegung bestehen. Die kommunistische Presse wußte zu dieser Ente noch„e rgän z c.n d" zu berichten, daß die revolutionären Sozialisten auf-er Konferenz Otto Bauer„wegen seiner Politik, ein«! Annäherung zur Regierung Schuschnigg zu erreichen" heftig angegriffen und schließlich die Konferenz verlassen hätten..Das kommunistische Blättchen, da» die ganze Sensation unter dem Titel „DaS Ende der österreichischen Sozialdemokratie" bringt, schließt mit der Behauptung: Die Konferenz endete mit dem Abgang der revolutionären Sozialisten, die Otto Bauer den Rücken kehren, weil sie den Weg der Schäftung der AktionS- und organisatorischen Einheit der österreichischen Arbeiterklasse beschritten haben. Da eS in der kommunistischen Presse stand, war es von allem Anfang mehr als verdächtig. Wir haben ein übriges getan und uns an den zu ständigen Stellen erkundigt. Selbstverständlich ist die ganze Geschichte erlogen. Weder in Budtveis noch sönst irgendwo hat eine derartige Konferenz stattgcfunden. Von dem Konflikt und dem angeblichen Exodus der revolutionären Sozialisten gilt dasselbe. Sie sind freie Erfindungen der kommunistischen Presse. Unzureichende RotstandShilfe. Die Notstandsaktion zugunsten der durch die Dürre geschädigten Landwirte ist bisher aus Diangel an finanziellen Mitteln völlig unzulänglich. Dem politischen Bezirke Leitmerih z. B. wurde lediglich ein Betrag von 150.000 K£ zugewiesen. Der für 90 Gemeinden von den 178 vorhandenen bestimmt ist. Anspruch hat nur jener Landlvirk, dessen Ernte mehr als 60 Prozent Ausfall zeigt. Es erhält jedct per Stück Vich.^ur einen Zuschuß von.?L 'zu«Änkmi'f'pvn Sojäbohnensch'rot." Man be- konimVflr diMlt'Bekr'ätzHirka 30 Kikogranuir'vie- seü hochwertigen Futtermittels. Besitzer bis zu 20 Stück Vieh haben Anspruch auf diesen Zuschuß. Andere Bezirke zahlten bis zum vorgeschriebenen Höchstbetrag von 40 KL. aus.,Die Berücksichtigung der großen Besitzer schädigt selbstverständlich die Kleinlandwirte. Für die agrarische einseitige Einstellung der deutschen Sektion des LandeSkultur- raieS spricht die Tatsache, daß sie für die Bezirksnotstandskomitees lediglich Landbündler ernannte. Internationale Lehrertagnng in Prag. In Prag tagt zur Zeit der Kongreß der Internationalen Föderation der Lehrerverbände. Vertreten sind auf ihm 17 Verbände, darunter 13 aus Europa. Zum Vorsitzenden wurde der Engländer Humphrey getvählt. Gegen die Verlängerung der MllltSrdienstzelt wendet sich in einem ausgezeichneten Artikel in den„Lidovk Nobiny" deren militärischer Mitarbeiter S. N. Den Anlaß zu seinem Artikel bietet ihm ein Aufsatz de» Obersten B e j l in dem Blatt der tschechoslowakischen Offiziere, in dem sich Bejl für die zweijährige Dienstzeit einsetzt. Dazu schreibt der Mitarbeiter der„Lidovö Noviny": Die militärische Pflicht ist eine sehr schwere, wenn auch sehr ehrenvolle Pflicht. Je kürzer sie sein wird, desto beliebter und populärer wird sie sein. Ander» geht ein Mensch zum Militär, wenn er sich von der Freiheit auf ein Jahr verabschiedet und ander» derjenige, der auf drei Jahre einrückt. Militär ist eben Militär. Und eine lange Dienstzeit drückt einen sehr. Machen wir kein Geheimnis daran». Wir reden stet» vom moralischen Faktor. Wir kbissen nicht, wo eine größere Begeisterung zu staatlichen Pflichten sein wird, ob bei demjenigen, der eine kürzere Dienstzeit antritt oder bei jenem, der auf Jahre hinaus gefesselt ist. Das. was an Drill und Disziplin gewonnen wird, das geht an der Frische freudigen Denkens und an Begeisterung verloren... Oberst Bejl behauptet, daß auf die Bereitschaft der Armee Einfluß haben der sittliche Wert, der Materialwert(Ausrüstung) und Ausbildung. Je vollkommener die Ausbildung und Ausrüstung sind, desto besser ist die Armee. Aber waS ist die Ausbildung wert, wen» man auch der Moral bedarf und jeder Nichtmilitär wird dem Obersten Bejl sagen, daß diese Moral um st schwächer ist, je länger die Dienstzeit ist, weil die Militärpflicht um so drückender ist. Mit anderen Worten: Was man an der Ausbildung gewinnt, verliert man an der Moral. Sodann befaßt sich S. N- mit einem anderen Argument des Obersten Bejl. Dieser behauptet nämlich, daß zur Ausbildung eines ordentlichen Soldaten zehn Monate genügen, daß aber die längere Dienstzeit zur Ausbildung von Unteroffizieren notwendig sei. Das ist nach Meinung von S. N- kein Argument. Nur jeder vierte Soldat ist Unteroffizier oder dessen Stellvertreter. Das würde bedeuten, daß wegen der Ausbildung eines Viertels der Rekruten zu Unteroffizieren drei Viertel der Rekruten, die niemals Unteroffiziere werden/ länger dienen müssen. Das ist ungerecht, unlogisch und demoralisierend. Positiv macht S. A. einen anderen Vorschlag. Damit die Armee imstande sei, Ueberfälle rechtzeitig abzuwehren, ist nicht längere Dienstzeit notwendig, sondern dreimotorisierteTivi- sionen, von denen die ein« in Böhmen, die andere in Mähren und di« dritte in der Slowakei .stationiert werden könnte. Diese würden für die Sicherheit des Staate» besser sorgen, als es durch eine längere Dienstzeit bewerkstelligt werde» könnte. Es geht um die Sicherheit de» StaatesundnichiumdieAuS- b i l d u n g. Monarchisten Warden nicht verfolgt Wien, 10. August. Das Strafverfahren gegen Oberst Wolff, den bekannten Führer der schwarz-gelben Legitimisten, das gegen ihn als Schreiber monarchistischer Artikel in dem Blatte „Staatswehr" anläßlich der Rückkehr des ehemaligen Erzherzogs Eugen nach Oesterreich eingeleitet worden Ivar, ist eingestellt worden. 21 /y. FRITZ ROSENFELD: W*«A Cbqutta EIN ROMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAO Kisten liegen im Sand, Reichtümer, seidne Gewänder aus China, Gewürze aus Indien, das rote Blut der Weiustöcke von den sonnigen Berghängen Persiens, die kostbarste Arbeit der Goldschmiede von Damaskus. Der Wüstenwind kann damit spielen, oder— Ala Eddin. Schon ist der Hügel nah, vielleicht bescheiden die Räuber sich mit der Deute, schonen sie das Leben der Menschen und Tiere. Aber der Kaufherr kennt Ala Eddin nicht, er hat in den Basaren von ihm sprechen gehört als von dem großen Räuber der Wüste und er hat dies für Märchen gehalten. Hinter dem Hügel liegt»die Schar Amurs, ein dreifacher Hornruf Tulas bringt ihre Pferde auf die Beine, hoch ragt die grüne Fahne in der Hand Amurs, hoch ragt sein Schwert, und so stürzt er hinter dem Hügel hervor und die Sturzflut der Reiter ergießt sich über die Karawane. Nun steht sie zwischen zwei Heeren, von zwei Seiten kommt der Regen der Pfeile, die Treiber sinken, in die Kehle getroffen, ins Aug getroffen, der eine vornüber, der andere auf den Rücken, daß er da liegt wie ein satter Schläfer. Und schon ziehen die Assassinen um die Karawane ihren unheimlichen Kreis, schon reiten sie im Kreis, schon wird dieser Kreis kleiner und kleiner, schon sind die Spitzen der Lanzen näher und näher. O, der Kaufherr steht tapfer da mit seinem Schwert, aber sein Blut gerinnt, und er würde alles hingeben, Last und Tiere uyd Träger, wenn man ihm sein nacktes Leben ließe. Da hebt«ine Trommel an, f es ist die Trommel dm Assassinen, es ist die Trommel des Todes, ein großes Sterben kündet sie. Wie eine Sturzwelle dringen die Assassinen auf di« Karawane ein, die Tiere stieben auseinander, Riemen reißen, Ballen koflern zu Boden, Kisten bersten» Säcke platzen; die Menschen aber drängen sich aneinander, einer hinter den Leib des andern, jeder ist jeden zu opfern bereit, wenn er einen Augenblick länger atmen darf. Doch die Schwerter der Assassinen sind lang, sie kitzeln"die Feigsten hinter den Leibern der Feigen hervor, sie hauen Schädel ab und spalten die Rümpfe. Menschenschädel— wie Kiesel sind sie den Assas- sinen, sie rollen lustig über den Boden, und der letzte Schrei der Verzweifelten ist Musiki— Die Bewaffneten sinken, die Tiere sinken, Staub wirbelt hoch, Schwerter brechen, Blut netzt den Sand, Beute liegt auf dem Boden. Dann legt sich ein großes Schweigen zwischen, die Hügel, die Pferde der Assassinen stehen still, die Fichrer sammeln ihre Scharen. Drei von den Assassinen traf das verzweifelte Schwert der Knechte. Einem hieb es de» Arm ab. Zwei liegen tot im Sand. Pal halt sein Schwert flach gegen den Boden. ES liegt in seiner Hand wie eine schwere Last. Er hatte es nicht erhoben: er konnte es nicht erheben, seit dem Augenblick, da er es vor dem Antlitz eines andren hatte sinken lassen.•'■■■ Die Assassinen springen von den Pferden, wühlen in der Beute. Die Sonne küßt, verhüllte! Seide wach, alle Farben spielt das Gespinst. Die Sonne spiegelt. sich in Edelsteinen, wie große! Tropfen des morgens an den Gräsern hängen sie an dem Halsschmuck ast» Damaskus. Dort ist ein neuer Mantel, ein grüner Mantel, wie ihn. die Führer der Assassinen tragen. Schagin wirft ihn sich um— ein Blick Tulas trifft ihn, der Mantel sinkt zu Boden. Niemand darf die Beute berühren. Die As- sassinen sind ausgeschickt, sie zu erobern, mit ihren Fäusten, mit ihrem Blut. Haben die Schwerter; ihr Werk getan, stoßen die Raben nieder auf die Toten, füllt Geruch von Blut die Luft mit stummem Schrei, dann kommt Ala Eddin und holt die Beute. Er ist der Herr, und sein ist die Beute. Hart klingt Amurs Stimme: „Wer wagt es, Ala Eddins Eigentum zu berühren?" Da zucken die Hande zurück, aufgerollte Seide sinkt zusammen, Halsbänder klirren in die Truhe hinunter. Die Tiere werden eingeholt, die geflüchtet waren, die Rücken der Pferde werden beladen. Zwei und zwei reiten die Assassinen auf einem Pferd, das andere schleppt Kisten und Ballen. So geht es durch den Tag, durch die Nacht, mit Gesang und mit verhaltnem Murren. Die Sterne solgen ihnen, wie eine stumme Drohung, wie das Antlitz der Erschlagenen, die liegen blieben, den Schakalen zum Fraß. In PalS Kopf klingt das Lied Thu-FuS: Tschangan, o mein Heimatland. Bor PalS Blik» keil' sitzt Tung-Li, spielt mit seinem Gott. Das Glück, da8 Glück, wo war daS Glück.... Wochen und.Wochen gingen hin. Fast jeder Tag sah die Assassinen auf der Spur von Kara- lvauen, reiche Beute schleppten sie nach Hause, aber die Beute kam nicht nach Akrod und Alumat, die Burgen der Assassinen, sie kam nach Ulleika, auf daS Schloß Ala Eddins.' Murrten die Assassinen, so hieß es: DaS Par.adieSl Der Garten! Die Brunnen und die Festes Klingt euch der Gong nicht mehr im Ohr? Zermalmt die Ungläubigen mit euren Schwerte«, dann schickt Allah euch wieder zu den Palästen, in den Arm der Mädchen!■. So tonten; die Tage, Gesang war in den Nächten, ein glühender Traum, und eine uferlose Sehnsucht. Blut Ivar an den Tagen; rasendes Reiten, und viel Beute türmte sich in Ulleika auf. Jv steht vor Axjutta. Sein Lachen ist versunken, Güte liegt in seinen Zügen, aber sie ist ohnmächtig gegen die Trauer, die Axjutta zu Boden drückt. .»Kommt Pal wieder?" Seil Wochen steUt sie nur diese Frage. Kein andres Wort kennt sie als: Kommt Pal wieder? 2v legt die Hand auf ihre Schulter. „Sie nennen die Straße, die aus dem goldenen Tor in das schwarze Tor fließt, die Straße der Toten. Keiner kehrt wieder, der diese Straße gegangen. Sie ist die Straße zwischen Geburt und Tod. Reiner kommt wieder, der durch daS schwarze Tor geht." „Wo ist Pal?" „Wo alle sind, die die Straße der Toten gingen: Krieger ist er im Heer Ala Eddins, mit den Assassinen jagt er durch daS Land, Ungläubige tötet er, Schätze sammelt er für den Propheten Allahs." „Pal kann nicht töten, Pal kann nicht rauben." „Alle töten und alle rauben, die durch diesen Garten geschritten sind. Es ist der Gong, der»och in ihnen klingt." Axjutta stand auf, Ivs Hand glitt ab. „Kannst du ihn nicht retten?" „Wer Ala Eddin verfallen ist und der Sehnsucht«ach dem Garten, kann nicht gerettet iverden." „Ich kann hier nicht leben, Jv. Ich kam, nicht die Männer sehen, die glücklich sind. Sie greife» nach mir. Ich kann nicht die Straßen gehen, die ich mit Pal ging. Nimm mich fori von hier, Jv. Wenn du ein Herz im Leibe hast, Jv, nimm mich fort von hier." „Die Hand dxs großen Töpfers holt mich bald aus der Reihe der Lebenden, und knetet mich um. Bevor der Staub meiner Knochen zu Krüge» wird, und die Schale meines Hirns ein Becher, aus dem ein König trinkt oder ein Bettler, will ich dir, Axjutta, ein Haus bereiten, in dem du in Frieden PalS warten kannst..." «Kommt er, Jv, kommt Pal wieder?" Jv hob die Hand. Seine Blicke gingen zur Sonn«. (Fortsetzung folgt.) Nr. 18« SamStag, 11. August 1934 «eit, 3 Reichsdeutscher Druck auf die Tschechoslowakei? Herr Gesandter Koch gegen die tschechoslowakische Preßfreiheit! Drohungen der Berliner Presse— Die reichsdclltfche Kolonie in Prag hat eine Gedächtnisfeier für Hindenburg veranstaltet, bei der Gesandter Koch die Gedenkrede hielt. Leider beschränkte sich Herr Koch nicht darauf, den Toten zu feiern, wozu sein Amt ihn ja verpflichtet, ohne daß seine Ueberzeugung dabei mitzusprcchen hätte, sondern er leistete sich auch an zwei Stellen seiner Rede Ausfälle-egen di« Zeitungen der Tschecho- ssiwakei, die eS sich erlaubt haben, anlässlich de» TedkS Hindenburgs ihrer Urberzeugung Ausdruck zu geben und gewissen Legenden die erwiesene und jederzeit von neuem erweisbare geschichtliche Wahrheit rntgegenzuhalten. Dr. Koch sagte u. a.: Wie jedem Groben hat eS ihm an Feinden nicht gefehlt. Aber die Gegnerschaft deS anständigen Feindes endet an den Grenzen des Lebens. Ich habe in diesen Tagen aus dem Munde von Vertretern und Angehörigen ehemaliger Feindes« staaten so manches pietätvolle Wort gehört, das den Heimgegangenen Reichspräsidenten und Generalfeldmarschall ebenso ehrte wie denjenigen, der eS sprach. Mit um so tieferem Ekel habe ich mich von den unflätigen Verunglimpfungen abgewendrt, die einzelne hiesige, in deutscher Sprache erscheinende Blätter dem großen Toten in ihrem niederen Haffe über daS Grab nachrie» fen, und«S war sür mich«ine schmerzliche Enttäuschung, daß dir Regierung eine» Lande», da» seine eigenen großen Männer«ohl zu ehren vrr» ftrht, keine Mittel und Wege fand, diesem schamlose» Treiben alsbald und au» eigenem Antrieb entgrgrnzutrrtrn..... Und ganz besonders wir Reichsdeutschen im Ausland, die wir— ich habe Ihnen schon oft davon gesprochen— gezwungen * sind, daS, was im Reiche geschieht, in dem unreinen Spiegel einer feindlichen Preffe verzerrt und entwürdigt» nmgrlogen und absichtlich lügenhaft dargrstellt zu sehen, war seine Haltung zu vielen Malen richtungweisend und mabgebend. Diese heftigen und eine von Diplomaten ungewohnte" Kbitik"der Regierung Enthaltenden Worte des deutschen Gesandten können sich nur gegen die deutsche sozialdemokratische Preffe und gegen da»„Prager Tagblatt" richten. Diese» hat aus Anlaß des Todes Hindenburg» den Artikel TheodorLessings abgedruckt, deffentwegen Lessing mit allen Hunden des fascistischen Gang- statumS gejagt und schließlich ermordet wurde. Sein Mörder floh nach Deutschland, in das Reich, daS der feinfühlige Dr. Koch hier vertritt, und konnte dort bis heute„nicht ausgcforscht" werden. Die sozialdemokratische Presse hat in ihrem Artikel über Hindenburg zlvcicrlei fcstgestellt. Sie hat die geschichtliche Wahrheit über seine militärische Rolle ausgesprochen im Gegensatz zu den Tausenden deutschen Zeitungen, die auch aus diesem Anlaß die sonnenklare historische Wahrheit vergewaltigt haben. Und die deutsche sozialdemokratische Preffe hat ihre Meinung über einen Mann zum Ausdruck gebracht, der von IS Millionen deutschen Demokraten zum Treuhänder der Republik getvählt worden tvar und Adolf Hitler zum Kanzler dieser Republik ernannt, daS heißt jene IS Millionen der Sicherheit von Leben, Freiheit und Eigentum beraubt hat, der in die Hand Paul LöbeS eine Verfassung beschworen und die Macht über diese Verfassung in die Hände der Goering, Röhm, Heines, Goebbels ustv. gelegt hat. Herr Dr. Koch scheint zu glauben, auftragsgemäß zu glauben, daß er die Verbreitung der geschichtlichen Wahrheit auch dort hindern kann, wo cs noch nicht Sitte ist, daß ein Ministerpräsident sich zum Staatsoberhaupt auf Lebenszeit ernennt. Er scheint zu glauben, daß Deutschland, eben durch seine Politik»«»««über Lesterreich vor aller Welt bloßgeftellt, jetzt tigin» nm kann, der Tschechoslowakei zu diktieren, wie sie ihr« Verfassung und ihre Gesetze handhabt. Charakteristisch ist, daß die„B o h e m i a" am selben Tag, da Herr Dr. Koch seine aggressive Rede hielt, in ihrer Auslandsausgabe einen heftigen Angriff auf die„Emigrantenpreffe" brachte, tvelchselben sie aber in ihrer Jnlandsausgabe unterschlug. Das Blatt des Außenministers^ die „Prager Presse", hat an die„Bohemia" die Aufforderung gerichtet, mit derartigen Methoden zu brechen und sich auch im Inland offen als das Nazi-Organ zu bekennen, das sie ist. Die Berliner Blätter bringen die Rede Kochs in auffallender Ausmachung und knüpfen daran noch verschiedene Drohungen. Die„Berliner Börsenzeitung" schreibt unter dem Titel »Warum schlveigt der Hradschin?" u. a.:„Wir müssen Regierungen für Verunglimpfungen, wie sie in Prag und anderswo ungesühnt gedruckt wer« den können, verantwortlich machen. Man wird in Zukunft derartige Regierung«« und ihre Mitglieder politisch und menschlich mit einem besondere« Matze zu messe« haben." Vie Bohemia im Komplott? Mit welchem Maße der deutsche Nationalsozialismus die Mitglieder gegnerischer Regierungen zu messen pflegt, das hat ja Dollfuß erfahren müssen. Es bedarf da keiner weiteren Andeutungen. Demokratische Staatsmänner wissen, was ihnen von dieser Seite droht. Dem Herrn Gesandten Koch wäre aber in Erinnerung zu bringen, daß schon ein fremder Diplomat Prag verlassen muhte, weil er sich zum Schulmeister der tschechoslowakische« Regierung aufgeworfen hat. Die Republik wird ihre Würde zu wahren wissen, ob die Macht, die hinter einem Diplomaten steht, nun groß oder klein ist, und vollends ohne Rücksicht darauf, mit welchen Drohungen eine Presse, die den politischen Mord für ein erlaubte» Mittel der internationalen Politik hält, der tschechoslowakischen Regierung gegenübertrittl Wien, 10. August. In der heutigen Preffe« konferenz erklärte Vizekanzler Starhemberg al» Leiter des gesamten SicherheitSwcsen» u. a., daß der zur Ausrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit, Ruhe und Ordnung dienende Apparat oeS Staates absolut sicher in der Lage sei. die Sicherheit aufrecht zu erhalten. Wir sind von dem unerschütterlichen Willen beseelt, unter keinen Um- ständen eine unangebrachte Milde walten zu lassen und uns unter gar keinen Umständen dnrcki Kompromißverhandluugen».dergleichen von unserem Ziele, gesicherte Zustände in Oesterreich üer- beizuführen, abbringen zu laffen. Wir sind un» selbstverständlich bewußt, daß wir es mit terroristischem, politischem Banditentum zu tun habe», das vor allem deshalb gefährlich ist, weil seine eigentlichen Führer und Drahtzieher außerhalb Oesterreichs sitzen, unzugänglich unserem Zugriff und weil der Führung diese» politischen Banditentums Mittel zur Verfügung stehen, vor allem Geldmittel, die uns, den Vertretern der legale» Macht,' nicht zur Verfügung stehen. Wie ein» Schuschnigg für Italien Rom, 10. August. Das italienische Pretzbüro veröffentlicht eine Unterredung seines Wiener Korrespondenten Dr. Negrelli mit Bundeskanzler Dr. Schuschnigg vor deffen Abreise nach Szegcdin. Dr. Schuschnigg betonte gleich eingangs, daß cs sein Bestreben sein werde, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Wien und Rom aufrechtzuerhalten und zu vertiefen. Weiter wiederholte er, die Regierung wolle in der österreichischen Politik die gerade Linie lveiter verfolgen, die durch den Namen des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß gekennzeichnet ist. Ein anderer Kurs ist nicht möglich. So lvie in der inneren Politik werden wir auch in der Außenpolitik vom Dollfußkurs nicht um Haaresbreite abweichen. Wir werden vor allem jene neue Wirtschaftspolitik fortsetzen, die ihren Ausdruck in den römischen Protokollen gefunden hatte, und ganz im Geiste jener Männer Was bezweckt der russische niegerbesuch In Paris? Pari», 10. August. Das konservative Blatt „Le Jour" kommentiert in beachienSwerter Weise den Besuch der sowjetruffischen Flieger in Paris. Mit Genugtuung wird konstatiert, daß die Sowjetflieger auf qualitativ hervorragenden Kampfflugzeugen eintrafen, woraus man eine gute Vorstellung über die Stärke des sowjetruffischen Flugwesen» gewinnen kann, das eines der ernjtesten Sorgen des deutschen Generalstabes ist. Im Zusammenhang mit den Enthüllungen des englischen Journalisten Wickham Steed, die in Deutschland niemals dementiert wurden, ist eS beachtenswert, die Entwicklung der sowjetruffischen Industrie zu konstatieren. ES besteht kein Zweifel darüber, daß sich durch die Schuld Deutschlands Europa in der Gefahr eines wirklichen oder latenten Krieges befindet^ Der italienische Ministerpräsident erfaßte die Gefahr und ließ in zwölf Stunden seine Wehrmacht an der österreichischen Grenze antreten. Man könne nicht sagen, daß e» sich, um eine imperialistische Geste haMc, im Gegenteil, der Imperialismus existiere in Deutschland einzig und allein. Deutschland gibt Geld wandfreie Berechnungen und Feststellungen der letzten Ereignisse ergeben haben, stehen den nationalsozialistischen Terror- und Putschorganisatio- nen Mittel zur Verfügung, lvie sie eben dem Rahmen eines ü0-Millionc»staateS entsprechen. ES ist keine unbegründete Behauptung, eS ist vielmehr eine durch unzählige Belveisc zu erhärtende Tatsache, daß zwischen hohen Stellen des Deutschen Reiches und den Ereignissen des 28. Juli rin inniger Zusammenhang besteht." Vizekanzler Starhemberg schätzt dann die Zahl der Todesopfer auf feiten der Regierungstruppen auf 05. Davon hätte das freiwillige Schuhkorps 61 zu beklagen, und davon seien wie- der 50 Angehörige der Heimwchr gewesen. Zum Schluffe erklärte Starhemberg:„Ich fühle mich verpflichtet, hier sestzustellcn, daß zweifellos die ganz entschiedene und eindeutige Haltung Italiens und der italienischen Regierung den Ablauf der Ereignisse in Oesterreich entscheidend beeinflußt bckt." I" •• weiterarbeiten, die die Protokolle unterzeichnet haben. ... und Schßnburg-Hartensteln für Deutschland Essen, 10. August. Generaloberst Fürst Schönburg-Hartenstein, der als offizieller Vertreter der österreichischen Wehrmacht an den Trauerfeierlichkcitcn für den verstorbenen Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg teilgenommen hat, äußerte sich in einer Unterredung mit dem Vertreter der„Nationalzcitung" über seinen Besuch in Deutschland und seine Eindrücke. Schönburg-Harienstein gab der Zuversicht Ausdruck, daß cs Adolf Hitler gelingen werde, den Konflikt zweier Brudervölker beizulegen. Was im- iner auch kommen möge, so schloß er, wir Deutsche Oesterreichs werden nie und nimmer unsere gesamtdeutsche Mission vergessen. Wir Deutsche Oesterreichs tverdcn unser Schicksal nie und nimmer in nichtdeutschc Hände legen. „Schulter an Schulter**— wie 19141 Der Kommandant der magyarischen Armee, Vitez Karpa thy, nimmt auf der Heimkehr von Tannenberg in Berlin die Parade der Reichswehr a&. Starhemberg: Keine Kompromlss- Verhandlungen 25 Jahre ATUS Eine Feier der gesamten Arbeiterschaft Die umfangreich-» Aktionen zur Feier des 25jährri- gen Bestandes des Atus haben nicht nur den Zweck, die 25jäh- rige Arbeit zu würdigen, sondern auch den Zweck, die Verbundenheit der gesam- Ä i°» Arbeiterschaft mit dieser Organisation ofsentlich zu zeigen. ES soll einer weier aller Arbeiterorganisationen dieses Landes und zum Teil auch der Inter« naiiuolc werden. Wir müssen hier wohl kaum auf die Wichtigkeit der 25jährigen Arbeit Hinweisen. Allen Parteigenossen ist diese Arbeit jahrzehntelang öffentlich sichtbar gewesen. Wenn wir nun bitten, unsere Festlichkeit zu einer Aktion der Gcsamtarbciterschaft zu gestalten, so ist das sicher nicht unbescheiden. Bor allem bitten wir, daß alle Arbeiterorganisationen dafür sorgen, daß unscu: Jubiläum S a b z e i ch e n, das zu dem geringen Preis von KC 1.— erhältlich ist, im Monat September sichtbar getragen wird. Weiters hoffen wir, daß unsere Fcstfeicrn von der Arbeiterschaft massenhaft besucht werden und daß auch unsere schön gestaltete Festschrift in den Organisationen weite Verbreitung findet. Die großen Stafcttenläufe, die ein Teil des internationalen Stascttcntages sind, sollen ebenfalls eine Masscnteilnahmc aller Organisationen bringen. Und zum Schluß bitten wir unsere Werbeaktion, die dahin gerichtet ist, iviedcr tausende junge Burschen und Mädels in unsere Reihen zu bringen, durch die Mithilfe der Organisationen zu unterstützen. Unsere Fcstplakale sollen im Monat September in jedem Vereinslokal, in jeder Konsum« vercinsfilialc uud bei allen Geschäftsleuten, die Arbeiter zu Kunden haben, angebracht sein. Wir bitten euch alle werte Genossen und Genossinnen an unserer großen Aktion mit tätig zu sein. Frciheil: Arbeiter-Turn- und Sportverband, Sitz Aussig. Unwahr— bis zur nächsten „Reinigung**? Man spricht von Unterschlagungen LeyS und Schirachs. Auö Karlsruhe meldet Jmpreß: • Die Fülle von Gerüchten, die in Hitler- deutschland kursieren, sind ein Symtom. der herrschenden Unruhe und Unzufriedenheit. In allen Gebieten werden immer wieder öffentliche Warnungen uud Drohungen erlassen. Das Karlsruher Partciblatt, der„Führer", teilt heute mit:„Durch das badische Geheime Staatspolizeiamt wurde der Färber Adolf Kämpf, Lörrach, in Schutzhaft genommen, Iveil er das, den Tatsachen.nicht entsprechende Gerücht mitvcrbrcitet hat, daß der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley seines Postens durch den Reichskanzler Ivcgcn Unstimmigkeiten enthoben worden sei. Gegen. weitere Verbreiter dieses unsinnigen Gerüchtes wird zurzeit gefahndet, um sic ihrer Bestrafung entge- genzuführen. In letzter Zeit mußte fcstgestellt werden, daß derartige Gerüchte, besonders über angebliche Unterschlagungen Dr. Leys und des Reichsjugendführcrs Baldur v. Schirach, von Gegnern der NSDAP systematisch und bctvußt verbreitet werden, um damit daö Vertrauen der Bevölkerung zur Staatsregierung zu untergraben. Wer mit solcher Leichtfertigkeit derartig niederträchtige und verlogene Gerückite weiterverbreitet, setzt sich schärfster Bestrafung auö." Trautes Wort, Ich hör dich wieder... Berlin, 10. August. In einem HeereSbefchl teilt, wie das NDZ meldet, Reichswehrmiiiistcr von Blomberg mit, daß der Führer und Reichskanzler befohlen hat, die Anrede aller Soldaten der Wehrmacht an ihn solle lauten:„Mein Führer". «eite 4 SamSta«, 11. August 1934 Rr. 18« Verheerende Unwetter Der Prozeß gegen die Polizisten Fey sagt aus Wien, 10. August. Im Prozeß vor dem Wie« ner Militärgericht gegen neun Wachleute, die wegen Beteiligung am Putsch vom 25. Juli an« geklagt sind, wurden heute zahlreiche Anträge der Verteidigung verworfen, u. a. auch ein solcher auf Vornahme eines LolalaugenscheinS im Bun- deskanzlcramte. Hierauf wurde an das Verhör der Zeugen geschritten. Als erster Zeuge wurde Minister Feh einvernommen, der auf die Frage des Vorsitzenden, ob er die auf der Anklagebank sitzenden Putschteilnehmer erkenne, antivortete, daß ihm die Gesichter ztvar In Erinnerung seien, daß er sich aber nicht gcna» erinnern könne, da sich in dem Zim mer, in welchem er bewacht wurde, hauptsächlich Soldaten befunden hatten. Der Vorsitzende fragt den Zeugen, ob er den Angeklagten Maizen wiedercrkenne. Maizen steht auf. Fey: An diesen Mann kann ich mich nicht erinnern.— Vorsitzender: Dieser Angeklagte, Herr Minister, hat Sie auf den Ballon und auf den Hof des Gebäudes begleitet.— Fey: Es ist möglich, daß der Angeklagte dabei war.— Aehn- lich sagt der Zeuge auch auf weitere Fragen des Vorsitzenden aus. Der zlveite Zeuge, Hofrat Humpcl, der die Polizeiabteilung anführte, die zu Befreiung des Bundeskanzleramtes aus der Macht der Putschisten dirigiert worden Ivar, erkennt in dem Angeklagten Maizen jenen Polizisten wieder, der in der kritischen Zeit in der Durchfahrt Wache hielt. Ein weiterer Zeuge, der Polizist Hrusovan schildert, wie er am kritischen Tag im Bundeskanzleramt Dienst versah und von den Putschisten überfallen und entwaffnet wurde. Der Zeuge bemerkte unter den Putschisten den Angeklagten Wohlrab mit einem Revolver in der Hand. Der Chauffeur des Ministers Fey schildert als Zeuge wie die Putschisten in Automobilen vor dem Bundeskanzleramt eintrafcn. Sie sprangen aus den Automobilen heraus und drangen in die Räume ein, in denen sich die Detektive aufzuhalten pflegen. Die Putschisten umstellten den Zeugen mit Revolvern in den Händen und riefen:„Die Regierung ist zurückgetreten, Herl Hitler!" Der Zeuge erkennt in Maizen einen der Putschisten. Der Detektiv Prisching belastet gleichfalls Maizen. Der Sektionschef des Bundeskanzleramtes Dr. Otter gibt in seiner Zeugeneinvernahme an, daß er von seiner Kanzlei in den Hof hinausgejagt wurde und schildert weiter, wie ihm ein Putschist aus dem Knopfloch das Abzeichen der Vaterländischen Front herausriß. während ihm ein zweiter Putschist eine Ohrfeige versetzte. Als er sich wehren wollte, wurde er von mehreren in militärische Uniformen gekleideten Putschisten geprügelt. Das Zeugcnvcohör konnte auch heuie noch nicht abgescblosicn werden. Der Prozeß wird wahrscheinlich bis Montag dauern. v»5 Militärgericht urteilt Graz, 10. August. Der Militärgerichtshof verhandelte heute über die Zwischenfälle, in Stainz, wo die Nationalsozialisten während des Putschcs einen Ueberfall auf den dortigen Gcn- darmerieposten unternahmen und es auf beiden Seiten Tote und Verletzte gab. Die beiden Angeklagten, der 48jährige Landwirt Michael Greinitz und der 35jährige Installateur Ludwig Flanjek wurden des Verbrechens des Aufruhrs für schuldig erkannt. Tas Militärgericht verurteilte Greinitz zu lebenslänglichem und Flanjek zu 10 Jahren schwerem Kerker. Klagenfurt, 10. August. Das Militärgericht in Klagenfurt verurteilte heut« den 28jährigen Leopold Sut und den 23jährigen Johann Reiner, beide Hilfsarbeiter, die an dem Putsch in Kärnten teilgcnommcn hatten, und an dem Angriff auf die Gendarmeriestation in Deutsch-Griffen am 27. Juli sowie an der Schlacht mit der Exekutive in Altenmarkt beteiligt waren, zu 5, bczw. 7 Jahren schtveren Kerkers. Das gleiche Gericht verurteilte in einer zweiten Verhandlung die Grundbesitzer Georg Pollinger und Elias Reiner, die bei den erwähnten Kämpfen als Mandatare der Putschisten fungiert hatten, zu je 10 Jahren schweren Kerkers. Fünf Jahre Kerker Klagenfurt, 10. August. In Spittal an der Drau explodierteil unlängst etwa zehn Petarden. Unlveit einer der Explosionsstellen wurde in einer Deckung der 22jährige Nationalsozialist Siegmund Grantner, von Beruf Fleischergehilfe, festgenommen. In seiner Nähe befand sich noch eine gebrauchsfertige Petarde. Gestern hatte sich Grantner vor dem Klagenfurter Schöffengericht zu vtr- antwortcn. Er lvurde zu fünf Jahren schweren Kerkers verurteilt. Nasi fluchten weiter nach Jugoslawien Belgrad, 10. August.(Havas.) In Jugo- slatpien treffen ständig Gruppen von österreichischen nationalsozialistischen Flüchtlingen ein. So wurde am Donnerstag die Grenze wiederum von 82 Flüchtlingen überschritten.*- Schwerer Schade« am Nhei« Nierstein. Ueber Nierstein, das vor ettva 14 Tagen von einem schweren Unwetter heimgesucht worden war, entlud sich am Donnerstag in den Spätnachmittagsstunden ein schweres mit Wolkenbrüchen verbundenes Geivitter. Die Waf- sermassen rissen in den Weinbergen zahlreiche Mauern ein. An vielen Stellen wühlte das Wasser drei bis vier Meter tiefe Löcher. Man ist noch damit beschäftigt, die nach Schlvaböburg führende Straße, die mit Schutt und Schlamm bedeckt ist, freizulegen. Der Schaden in den Weinbergen ist sehr groß, da ganze Reihen von Rebstöcken aus dem Boden herausgcrisscn wurden. Auch der Schaden auf den Feldern ist noch nicht zu übersehen. Das Wasser hat die Weingärten völlig überschwemmt, und nur die Reben ragen noch heraus. Eine Wasserhose richtet Vernichtung a» Paris. In der Gegend von CharolleS(Departement Saone et Loire) ging am Donnerstag TatfcsncuUEkcltcii Luise Kautsky, die Siebzigjährige Luise Kautsky wird heute, am 11. August siebzig Jahre alt. Ist das möglich? Kalendarisch stimmt es wohl, aber geistig sicherlich nicht. Sie, die ewig junge, ewig anregende und verbindende, sollte bereits das„biblische Alter" erreicht haben? Luise Kautsky ist der gute Geist ihres Mannes gewesen, dcffen Wert unschätzbar und unwägbar für ihn und somit auch für die Bewegung geworden ist! In ihr repräsentiert sich die beste geistige Kraft der Bewegung. Wo wcrwolle Menschen die drängenden Probleme dieser Zeit diskutierten, wo um die Ideen des Sozialismus gerungen lvurde, da lvar der Name Luise Kautsky zu Hause. Ihre warme, verstehende Menschlichkeit führte ihr unzählige Freunde zu, sie lebte so sehr im Mittelpunkt aller sozialistischen Kräfte, daß man sich die Vorkriegszeit ohne die unermüdliche Tätigkeit Luise Kautskys nicht vorstellen kann. Mit Klara Zetkin und R o s a Luxe m b u r g lvar sie eng befreundet, die von ihr herausgegebenen Briefe der gemordeten Rosa Luxemburg sind nicht nur ein Portrait dieser einzigartigen Frau, sondern auch ein Denkmal Luise Kautskys, wie es schöner nicht gedacht werden kann. Luise Kautsky lvar eine treue Lebensgefährtin ihres Mannes und eine verständnisvolle Sie- gelbelvahrerin seines großen Werkes, darüber hinaus aber war sie selbst publizistisch sehr aktiv. In vielen instruktiven Arbeiten hat sie klärend und lvegwcisend in den politischen Tageskampf eingegriffen. Seit über 40 Jahren ist Luise, die Tochter einer Wiener Bürgerfamilie, mit K. Kautsky verheiratet, von London kamen die beiden nach Stuttgart, lvo sie lange Jahre lebten und wo ihre Wohnung Kristallisationspunkt der sozialistischen Geistigkeit wurde. Wie viele haben sie dort schätzen und lieben gelernt, diese wache und lebensnahe Frau, deren Intellekt nie die wundervolle Weite ihrer Gefühle überwuchert hat. Später, um die Jahrhundertlvende, zogen Kautskys nach Berlin. Als die deutsche Revolution ausbrach, die leider schon in den Wehen versandete, wurde Karl ins Auswärtige Amt gerufen, um Kriegsdokumente zu sichten. Luise Kautsky lvar in diesen Tagen in der Ueberwa- chungsstelle des Berliner Haupttelegraphenamte» tätig und bewährte sich hier genau so, wie sie sich überall bewährt hat, wo sie ihre Kraft einsehte. Im übrigen ging sie damals in ihrer abkömmlichen Zeit ins Auswärtige Amt und„empfing" dort. Sie war keine geborene Diplomatin, aber ein« gewandte, sehr begabte Amateurin auf glattem Parkett. Auch in der Berliner Kommunalpolitik spielte Luise eine Zeitlang«ine Rolle. So war sie in einer Seffion Bezirksverordnete in Berlin-Charlottenburg. Zu ihrem siebzigsten Geburtstag können wir nicht nur sie beglückwünschen, sondern auch uns. Persönlichkeiten ihres Wertes sind selten. Möge Luise KautSky, unsere Luise, wie sie so viele genannt haben, die Last dieser siebzig nicht spüren. Ihr, der das Leben nur Dienst an der Sache war, an der Sache,, für die sie nicht mit dem Pathos des Ehrgeizlings, sondern mit der schlichten Selbstverständlichkeit eines ganzen und guten Menschen kämpfte, wünschen wir, daß sie noch viele Jahre so dem Leben verbunden wie heute, unter un» bleiben möge.—re. Zwei Benzinzüge in Flammen Zahl der Opfer«ach nnbekmmt. B u k a r e st. Bei der Eisentahnstatien Recea auf der Strecke Bukarest— Craiova stieße« in der Rächt zum Freitag z M e i Benzin- TranSportzüge zusammen. Alle Wage« und die Lokomotiven entgleisten. In wenigen Augenblicks» war, da da« Benzin auSlief, die Unglück»stätte in eine Wasserhose nieder, die ungeheuren Schaden anrichtete. An vielen Orten stand da» Wasser in den Häusern 50 bis 60 Zentimeter hoch. Mehrere Gehöfte wurden durch Blitzschläge in Brand gesteckt. Eine Menge von Rindern und Pferden ist nmgekommen. #. Wolkenbruch in Colorado Denver(Colorado). In den Ausflugsorten westlich von Denver richtete ein schwerer Regensturm großen Schaden an. Zwei Personen wurden getötet, 18 Personen werden vermißt. Man befürchtet, daß sie von der reihenden Flut, die sich von den Bergen ergoß, mitgerissen worden sind. Eine zweite Meldung aus Denver besagt: Während eines Gewitters wurde von den Fluten eines Flusses ein Brückensteg fortgeschtvemmt, über den gerade sieben Frauen schritten. Alle sind e r t r u n k e n. ein Fla mmen meer g,eh üllt, aus dem kurz hintereinander die Explosionen der Benzintank» zu vernehmen waren. Da» Feuer war auf eine Entfernung von 40 Kilometern zu sehen. Infolge der großen Hitze konnte sich niemand den Unglückszügen nähern» so daß die Zahl der Opfer bisher noch nnbekannt ist. Man fürchtet, daß da» ganze ZugS» perfonal den Flammen znm Opfer gefallen ist. Frühmorgens wurde der Bahnhof Recea geräumt, da der Brand auf die Bahnhofsbauten überzugreifen droht. Der Betrieb auf der Strecke, der sonst sehr lebhaft ist, muhte eingestellt werden. Blutrausch eines Irrsinnigen Christburg(Ostpreußen). In der Nacht zum Freitag bekam der als harmlos geisteskrank bekannte Fleischer Max Lübek aus Christburg einen Wahnsinnsanfall. Hiebei drang er in das Zimmer eines Fleischerlehrlings ein, dem er im Schlaf die Kehle durchschnitt. Seinen hinzukommendcn Bruder verletzte er durch Messerstiche am Kopf und an den Armen schwer. Er eignete sich dann ein im Hanse befindliches Gewehr an, mit dem er auf der Straße morgens gegen 4 Uhr einen in der Nachbarschaft wohnenden Landwirt, der aufs Feld ging, durch einen Bauchschuß schwer verletzte. Der Landtvirt ist inzwischen ge« st o r b c n. Eine in der Nachbarschaft tvohnende Frau, die nach der Ursache des Lärms sehe» wollte, wurde durch einen Knie schuß schwer verletzt. Darauf nahm sich der Geisteskranke aus dem väterlichen Stall ein Pferd, mit dem er davonritt. Unterwegs hat er das PferddurchMessersticheschwerver« w u n d e t. Er ist darauf in die Felder gelaufen, in denen er zur Zeit durch ein Ueberfallkom« mando der Schutzpolizei Elbing und durch Landjägerei gesucht wird. Deel Lote hei ei«em Schiff»z»sa«me»ftoß Rom. Bei der Rückfahrt de» zweiten italienischen Flottengeschwaders von der römischen Küste nach Tarent stieß der Torpedobootzerstörer„Ufr* dimare" in den ersten Morgenstunden de» Freitag in der Meerenge zwischen der Insel Proeide und dem Kap Misono, also am Eingang zum Golf von Neapel, mit dem Küstcndampfcr„Pallas" zusammen. Der Zerstörer erhielt ein starke- Leck auf der Steuerbordseite des Bugs, konnte jedvch noch mit eigener Maschinenkraft die Neapeler Docks erreichen. Bon der Besatzung des Kriegsschiffes sind dreiManntotund 1 7 verwundet. Der Küstendampfer erlitt sonderbarer Weise keine Beschädigung. Dee A4. vAea»ft«g A«erißo— GnesPo London. Mit der Ankunst der britischen Flieger Ayling und Reid in Hasting»(Middlesex) am Donnerstag abend» ist derer st«direkte Flug Kanada— England durchgeführt worden. Natürlich sind die beiden Flieger enttäuscht darüber, daß ihnen die Absicht, den Fernflugrekord zu brechen,, nicht gelungen ist. Sie mußten banden, west infolge eine» Motorschaden» der Benzinverbrauch zu groß wurde. Unterwegs sind sie durch Rebel und Kälte sehr behindert worden.' Eine Funkawlage hatten sie nicht an Bord. Die Flugstrecke von insgesamt 5900 Kilometern ist in 80 Stunden 51 Minuten zurückgelegt worden. Der Flug war die 24. Ueberquerung de» Atlantischen Ozeans von Westen nach Osten. »0 polnische Vmlnite werken onogewtefen letal. Infolge des Konfliktes zwischen polnischen und französischen Bergleuten auf den Gruben in Escarpelle kündigte gestern der Präfekt des Departements Pas de Calais 80 polnischen Bergleuten an, daß sie binnen drti Tagen das französische Territorium zu verlassen habem i 86 Lote infolge der Hitze Rew Park, 10. August.(Reuter.) Den mittleren Westen suchte in den letzten Tagen ein« neue Hitzwelle heim, di« den Tod von 86 Personen zur Folge hatte. In einem bretten Gürtel in den Staaten des mittleren Westens, besonders in Colorado, Nebraska, Indiana und Kentucky wurde die schreckliche Hitze plötzlich durch einen geradezu sintflutartigen Regen unterbrochen. Antovn» in den Flntz gestürzt Warschau, 10. August. Bei einem Unfall eines Autobus, der in den Fluh Bug stürzte, sind 18 Personen umgekommen. 16 Personen, die ertranken, wurden geborgen. Zwei Leichen konnten noch nicht gefunden Iverden. An der Unglücksstätte haben sich herzzerreißende Szenen abgespielt alö die Familienangehörigen der Ertrunkenen ihre Angehörigen erkannten. Drei Hinrichtungen in Ging Ging Rew Mark. Im Sing Sing-Gefängnis wurde die Mutter von drei Kindern, Anna Antonio, nach lümonatiger Haft hingerichtct. Sie hatte ihren Gatten ermordet, um Versicherungsgelder zu erhalten. Sofort nach ihrer Hinrichtung fand die Hinrichtung ihrer zwei Helfershelfer Saetty und Feraei statt. Biel Hilst viel! Fm„Prager Tagblatt" von: 8. dö. M. lesen wir die Notiz, daß der preußische Ministerpräsident Göring am Sarge Hindenburgs in Tannenberg dreiKränze niederlegen ließ: einen vom Reichsmini. sterGöring mit der Aufschrift:»In unauslöschlichem Danke", einen vom Reichstags. Präsidenten Göring und den drit. ten vom Reichsforstmeister Göri ng. Man niuß sich eigentlich wundern, daß Herr Gö. ring nicht noch mehr Kränze hingelegt hat, ist er doch jener Mann, der int neuen Deutschland die meisten Titel und Würden besitzt, so daß er die Kranzspenden für Hindenburg ohne weiters allein hätte bestreiten können. Jedenfalls hat aber dieses Protzcntum des Herrn Göring nichts mit Pietät zu tun; es ist nur der sinnfällige Ausdruck seiner krankhaften Gefallsucht und Eitelkeit. WaS hilft da dem„Führer und Reichs- kanzler" das Predigen von der spartanischen Einfachheit, durch die sich die hochgestellten natio- nalsozialistischen Führer auSzuzeichnen haben. Herr Göring bevorzugt die Auffälligkeit.„Es darf auch etwas Teueres fein." So sagt er be- stimmt, auch wenn er wieder einmal nur drin- gend benötigte Streichhölzer kaufen sollte. Die Verlosung der Gewinste der 8. Klasse der 31. tschechoslowakische« Klassenlotterie wird am 18. August um 8 Uhr im ZiehungSsaäle der Direktion der Staatslotterie Prag I., Kozi ul. 4, beginnen und wird am 20. August um 8 Uhr fortgesetzt werden. Verlost werden im ganzen 2700 Gewinste im Gesamtbeträge von 1,907.600 Xt, welche den Spielern ohne Abzug auSgezahlt werden. Bon höheren Gewinsten werden anSgelost: ein Gewinn zu 140.000, einer zu 70.000, drei zu 20.000, sieben zu 10.000 KL usw. Die amtliche BerlosungSliste wird am 21. August 1984 erscheinen. Vom Rundfunk Euwsehlenowerteo au ven Programmen: Sonntag: Prag, Sender L.: 6.80: Gymnastik, 7: Karlsbader Konzert, 9.15: Klavierkonzert, 9.40: Opern- Arien auf Schallplatten, 12.15: Orchesterkonzert, 18.45: Soziale Jnformattonen, 17.80: Leichte Musik, Schallplatten, 17.55: Deutsche Sendung: Prophet von Lettmeritz, Hörspiel, 20,15: Unterhaltungsmusik, 20.45: Übertragung aus dem Salzburger Dom: Di« Salzburger Festspiele 1984, 22.25: Deutsche Presse und Sport, 22.80: Schrammel-Konzert. Sender S.: 14.80: Deutsche Sendung: Landwirtschaft, 14.45: Deutsche Arbeitersendung: Dr. Walter Lustig: Die Ideologie des Führer- tums, 15: Otto Pick: Im JubiläumSsonderzug zu Jgnat Herrman, 15.30: Frauenfunk.— Brünn 18.55: Unterhaltungsmusik, 14.20: Deutsche Sendung: Dr. Reutter: Robot des Bauern in der Vergangenheit, 17.80: Liederkonzert, 17.55: Deutsche Sendung:«ltklassische Musik.— MSHrisch-Ostr-u 20: Gesang»« und Mandolinen-Ouartett.— Sascha» 20: Opern-Arien. Der neue Rundfunksender bei Banst« Bystriea Am 3. August 1934 wurde dem Post-:md Telegraphenministerium die Baubewilligung für die Errichtung eine» Gebäude» für den R u n d« funksender bei Banska Bystriea erteilt. Der Platz wurde gewählt nach dem Ergebnisse vieler Messungen auf den Wassergehalt der Erde, die auf dem ganzen Gebiete der mittleren Slowakei im Frühjahr des heurigen Jahre» vorgenommen wurde und die mehr als zwei Monate dauerten. Die Messungen ergaben das beste Er« gebnis für den Platz auf dem Berg LaSkomer, zirka drei Kilometer nördlich von Banfla Bystriea. Die Seehöhe dieses Orte» beträgt 583 Meter. Da die Welle, mit der der Gender arbeiten wird, ziemlich lang sein wird(765 Meter), ititeb eS notwendig sei», ein ziemlich ausgedehntes Antennensystem aufzustellen. E» sind daher zwei Türme in einer Höhe von 220 Metern und ein ErdungS- system im Ausmaße von 86 Hektar projektiert. ». IM Samttag, 11. August 1934 Seite 5 Hundert Prozent Ernteausfall Klelnbauemelend Im Kaadner Land und In den Duppauer Bergen Hameln war. Und schließlich beging es an lenen verhängnisvollen 5. März 1983 politischen Selbstmord, der das Werk von Weimar zusam« menbrechen Netz und die republikanisch gesinnte Arbeiterschaft, die die Verfassung von 1919 jahrelang mit allen Kräften und zuletzt in einem vierjährigen Guerillakrieg gegen die brauiien Banden auch mit Leib und Leben verteidigt hatte, ritz öS mit i» das braune Grab. Zwei Drittel des Bolles— denn man mutz ja auch die kominmiistischen Stimmenmillione» als antidemokratische Stimmen mitzählen— entschieden sich an jenem Tage gegen die Demokratie, gegen die Republik und damit für die Diktatur. Das Ivar der Todestag der Weimarer Verfassung, die zuletzt noch ihren Feinden als raffiniert beniitztcö Instrument hatte dienen müssen, dem« Hitler war ja„legal" zur Macht aufgestiegcn. Mit diesem Wahltage, nein, richtiger schon mit dem Tage des Reichstagsbrandes beginnt die Geschichte der Diktatur. Hitler hat es sich leisten können, die Weimarer Verfassung gar nicht formell außer Kraft sehen zu müssen. Es hat sie einfach zertreten. Ihre letzte Schciuexistenz erlosch. mit dem Tode Hindenburgs. Wenige Tage vor diesem 11. August bestimmt der Diktator sich selbst aus eigener Macht zum Nachfolger, noch ehe.Hindenburg die Auge» geschlossen hatte und der Diktator an seiner Bahre„trauern" konnte, lltib er hat den erstaunlichen Mut, ein nachträgliches Plebiszit als Dekoration zu„wünschen" und diesen Wunsch vor den Ohren der wissenden Welt in die Worte zu kleiden:„Fest durchdrungen von der Uebcr- zcugung, daß jede Staatsgewalt vom Volke ausgeht und von ihm in freier und geheimer Wahl bestätigt sein nnitz..." Hätte jemand eine Satire schreiben wollen, er hätte die Worte nicht bissiger wählen können I Manfred. Vielfach wird nicht gemäht, sondern einfach umgeackert. Zum Drusch kommt meist nur der Roggen. Aber selbst dazu fehlt vielen Bauern der Mut. Denn die Druschkosten allein liegen heuer nicht viel unter dem Werte der ganzen Ernte. In manchen Jahren wurden pro Halbtag ungefähr fünfundsiebzig Säcke ausgcdroschen. Heuer maximal echs bis sieben! Die Kosten sind aber nicht geringer geworden. Die Miete der Dreschmaschine kostet pro Stunde 12 KL, der Strom pro KW. KL 1.59 (durchschnittlicher Stundenverbrauch 5 KW.). Löhne ca. KL 70.— pro Stunde; das ergibt eine tägliche Regie von ungefähr KL 720.— bei einem maximalem Wert des Ausdrusches von ea. KL 1700.—. Rechnet man die übrige Regie ein, vom Düngen und der Saat bis zur Ernte, so ergibt die Rechnung ein gewaltiges Defizit. Obtvohl wir an der Richtigkeit der Angaben unseres Gewährmannes, des dortigen Bürgermeisters Genossen Willomiher, nicht im mindesten zweifeln konnten, forderte er uns auf, nnS durch Augenschein zu überzeugen. Wir sahen uns eine ganze Reihe Felder an. Der Anblick war furchtbar. vom ach so ost besungenen„wogenden Aehren- meer" nichts zu sehen! DaS ganz kurze Stroh— der Hafer ist 10 bis 20 Zentimeter hoch und die anderen Getreidearten nicht höher— steht steif im Winde, wie herbstliche Stoppeln. Die wenigsten Halme tragen Aehren. Oft ist auf vielen Quadratmetern keine einzige zu finden und die wenigen sind meist ganz leer. Besonders arg ist der Mangel an Futter. Schon setzen die Katastrophcnverkäufe ein. Kühr, die der Bauer vor zwei Jahren um dreitausend Kronen kaufte, muß er heute für zwei- bi» dreihundert Krone» abgeben. Die Viehhändler und Fleischer erleben eine große Zeit. Der Konsument aber merkt von einer bis zu 90 Prozent gehenden Verbilligung des Rohproduktes recht wenig. Wie schon erwähnt, sind die Mitzcrnteergeb- nissc in den anderen Orten des Flachlandes dieses Bezirkes die gleichen. Ein anderes Bild bietet da» Duppauer Gebirge. Das Getreide steht dort leidlich gut. Zwar kann von einer guten Ernt« keine Rede fein, das Getreide ist sehr schütter, aber eüensotvenig von einer ■ Getreidemitzernte. Hier haben wir e» mit einer schwarz-rot-goldenen Farben der Weimarer Republik fast n»r auf den öffentlichen Gebäuden und auch nur bei anbefohlencr Verpflichtung an festlichen Tagen gesehen, wenn nicht die republikanische Arbeiterschaft sic in ihren Schrebergärten gehißt und ihren Kundgebungen vorangetragen hätte. Es ist schwer zu untersuchen, wie oft alle diese verschiedenen Ursachen und Wirkungen das einmal Ursache, das andrem«! Wirkung waren, wie sehr sie einander bedingt, beeinflußt und gesteigert haben. Eins aber ist gewiß: dieses so geartete Volk mußte leichter als jedes andere, politisch reifere und geschultere Volk eine willige Beute jener Kräfte werden, die alles ausboten, Millionen um Millionen an Geld, ein unüberbietbares Maß an verlogener, hetzerischer Demagogie, Waffen einer skrupellosen, verleumderischen Propaganda und Waffen aus wirklichen Waffenfabriken, die Zeitungen kauften und Abenteueret: und Ehrgeizler besoldeten, um das Werk von Weimar zu vernichten. Und das deutsche Volk, beladen mit allen Komplexen des Unterlegenen, in seiner geistigen und moralischen Widerstandskraft zermürbt durch die Unzufriedenheit der von der Krise beiseite Geschleuderten, durchsetzt von den Leidenschaften der Erfolglosen, der Gescheiterten, verhetzt und irre gemacht durch gewissenlose Agitatoren und Intriganten, zerrüttet durch jahrzehntelangen Bruderkampf auch in breite» Schichten der Arbeiterschaft— dieses Volk folgte in immer größeren Scharen der verlockenden Pfeife eines Rattenfängers, der diesmal nicht von Nachstehend sei ein Bericht über eine agrarpolitische Wandenmg durch das Kaadner Land und die Duppauer Berge gegeben, auf der der Verfasser ein erschreckendes Bild der Agrarkrise erhielt. In fast allen Gemeinden des bereisten Bezirkes wurden die gleichen oder sehr ähnliche Daten erhoben: In Willomitz bei Kaaden ernten die Bauern Heuer überhaupt nichts! Der Erntcauöfall betragt nach den Schätzungen des dortigen Gemeindeamtes bei ärmer gewordenen Gegend nicht vor dem Ver- hungern bewahren. Das ganze Duppauer Gebirge, dessen Haupt- crwerbszweig. die Viehzucht, durch die Juttermiß- ernte ruiniert ist, stellt ein einziges Notstandsgebiet dar. Und doch soll der Duppauer Gerichtsbczirk in einer Gänze als solches nicht anerkannt lverden. Die„Katastrophenkommissäre" des politischen Bezirkes Kaaden, dem ursprünglich nur Mitglieder des fudetendcutschen Landstandes alias Bund der Landwirte angehörten, in die erst später eine Vertretung unserer Kleinbauernorganisation berufen wurde, brachte nur sieben Gemeinden des Duppauer Gerichtsbezirkes als NotstandSgemcin- den in Vorschlag. Sie bilden kein zusammenhängendes Gebiet, sind auch keineswegs ärger betroffen als der übrige Bezirk. Eine von ihnen weift Heuer sogar die günstigste Niederschlagsmenge im ganzen Bezirk auf. Wie kam gerade sie unter die vorgeschlagenen Notstandsgemeinden? Genau läßt sich die Frage nicht beantworten. Es sei aber bemerkt, daß in dieser Gemeinde eine landbündleri» sche Genossenschaft Besitz hat und ferner, daß ein führender Funktionär dieser Genossenschaft eines der ursprünglichen Mitglieder der Kaadner Be- zirkSkommiffion ist. Wir könnten mit näheren Angaben dienen, hätte uns nicht unser Jnfornmtor gebeten, dies seinetwillen zu unterlassen. Unser Informator ist selbst Mitglied und Funktionär deS Bundes der Landwirte. Wo unsere Kleinbauern Einfluß haben, geht es weniger„autoritär" zu, dafür aber sachlich und gerecht. Die siebcngliedrigc OrtSkommission von Willomitz z. B., wo ein Genosse Bürgermeister ist, bietet keinen Anlaß zu Beschwerden. Sie besteht auS zwei Vertretern unserer Kleinbauernorganisation, zwei Koinmunistcn, zwei Landbündlcrn und einem Vertreter der tschechischen Minderheit. „Parteienwirtschnft" in Reinkultur— aber merkwürdig, gerade dort wird sachlich gearbeitet! Die angegebenen Daten, denen noch viele beigcfngt werden könnten, mögen als Beweis der dringenden Nottvendigleit einer Hilfsaktion für die nun wirklich notleidende Landwirtschaft genügen. Die Tatsache, daß sich Heuer fast niemand dieser Notwendigkeit verschließt, kann aber nicht darüber Hinwegtäuschen, daß alle bisherigen Methoden, Schutzzölle, Subventionen etc. nicht geeignet sind, das Hauptproblein zu lösen: die Deklassierung der Klein, und Mittelbauern zu verhindern. Mißernten sind Naturkatastrophen und als solche natürlich nicht politisch zu bewältigen. Eine Frage der Politik allerdings ist eö bereits, ob und wie man den von der Katastrophe Betroffenen hilft. Ob man die Mächtigen unterstützt oder die Kleinen vor dem Zugrundegehen bewahrt, llnd Naturkatastrophen können politische und soziale Zustände verdeutlichen. Die heurige Mißernte zeigt das Abnehmen der Widerstandskraft der kleinen und mittleren Bauern gegen das ökonomische llnwettcr der Krise. Die Bankschulden werden bald stärker sein als die„Verbundenheit mit der Scholle". Sie sind eö bereits vielfach. Die Mehrzahl der Bauern vor dem Rückfall in den Robott zu belvahren, sind tiefgreifende Maßnahmen notwendig. Maßnahmen, die den eng gewor- dencn Nahmen der kapitalistischen Mißwirtschaft sprengen müssen. Ringen sich die Bauern nicht zu dieser Erkenntnis durch, lverden sie mit dem Verlust ihrer wirtschaftlichen und politischen Freiheit dafür bezahlen müssen. Der moderne FcudalkapitaliömuS kann nur bestehen, wenn cs ihm gelingt, die politische und wirtschaftliche Freiheit der Bauern und die politische Freiheit derer, die die wirtschaftliche nie besaßen, der Arbeiter und Angestellten, zu vernichten. Wenn die Bauern dem Fascismus die Mauer machen, werden sie den hohen Preis bezahlen müssen. Am 11. August 1934 hätte die B er-' sassung der deutschenRepublik. ihren fünfzehnten Geburtstag feiern können, wenn i sic nicht ein Jahr zuvor erschlagen lvorden wäre. Wgn hat sie— trotz mancher Mängel, die i auch ihr noch anhaftcten— als die freieste Ver- p fassung der Welt gerühmt. Und wer sie h e u t e studiert, den dünkt sie ein Märchen. Ein Märchen, auS dem eine blutige Tragödie geworden ist. i „Die StgatSgesvast geht, vom Volke aus." DaS' Ivar ihr Leitsatz, llnd cs war ihren Autoren Ernst 1 damit. Leider hat>nan aber in der Folgezeit an -entscheidenden Stellen und in entscheidenden Stun- dcu zu oft vergessen, daß Vcrfassungsfragen zu allen Zeiten Mckchtfra'gen waren und es immer noch und in dieser von Krieg und Kriegs»' folgen krank gewordenen Welt erst recht sind. 1 Rachtbcsitz aber verschleißt sich durch Nichtanwcn- i düng sehr schnell, um zuletzt in völliger Machtlosigkeit aufzugchcn. Das haben die deutsche Republik und die deutschen Republikaner bitter i genug erfahren und büßen müssen. Diese fünfzchn Jahre Geschichte der Weimarer Verfassung schreiben, heißt eine Geschichte dcr Versäumnisse und Unterlassungssünden, der Schwachheit und Unentschlossenheit schreiben. Gewarnt worden ist diese deutsche Republik wahrlich ost und deutlich genug. Waren schon die Schüsse auf Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, auf Kurt Eisner, Hugo Haase und Gustav Landauer ausschreckend« Alarmschüsse in den frühen Morgenstunden der Republik, so waren dcr Kapp-Putsch, der Hitler-Putsch, die Morde an Rathenau und Erzbcrger ganz unzweideutige Signale aus dem immer stärker gcrüstetenLager der unversöhnlichen Feinde. Und sie sind doch überhört worden! Man hat die schlimmsten und heimtückischsten Feinde geivährcn lassen in einer verhängnisvollen und selbstmörderischen Verkennung des Begriffes der Demokratie. Man hat sich im Gefüge um so größerer Sicherheit gewiegt, wenn wieder einmal ein reaktionärer Putsch niihlungen war, dem nian nach einigen Tagen schon keine Bedeutung beimatz als die. lachhaften Stoff für Witzblätter zu liefern. Bestimmungen der Verfassung, gedacht als Freiheiten eines freien, demokratisch gesinnten Volkes, wurden zu verläßlichen Schlupftvinkeln. gehässiger Feinde; man entsürne sich nur, mit welcher Gemeinheit schon in der Frühzeit der deusschcn Republik der„Mießbacher Anzeiger" als würdiger Vorläufer des„Völkischen Bcobach« IcrS" die Republik und ihr« Farben, ihren Präsidenten und ihre Regierung beschimpfen und be- geiscrn durfte, ohne daß ihm je cttvas Ernsthaftes widerfahren wäre. Noblesse verpflichtet? Gut— aber bestimmt nicht zu selbstmörderischer Nachsicht und Schwachheit einem hämischen Feinde gegenüber. Jedoch e» hieße der Republik und den Republikanern Unrecht tun, wollte man ihnen allein die Schuld am Zusammenbruch des Werkes von Weimar bcimeffcn. Selten in der Geschichte ist einer Republik nicht nur von innen, sondern auch von außen her das Leben so sauer gemacht worden, wie dieser deutschen Republik. Eü hat sich als ein schwerer und nie wieder gutzumachcnder Fehler von weltpolitischen Folgen erwiesen, an dcr Republik die Sünden des wilhelminischen Imperium» zu vergelten und ihr damit innenpolitische Schwierigkeiten zu bereiten, an denen sie schließlich ihre Kraft verbrauchen mutzte. Und es wäre «ine grimmige Ironie der Weltgeschichte, wenn jetzt die Diktatur dank ihren kriegerischen Drohungen einheimsen sollte, ivaS den friedlichen Bemühungen der Republik versagt blieb. ES hietze ihr nachträglich noch die schwerste Niederlage bereiten, denn eS wäre eine beweiskräftige Rechtfertigung dcr Politik der starken Faust, wie sie die Diktatur betreibt. Wenn man jetzt die außerdeutsche Presse liest, wenn man staunend erkennt, wie sie jede» Wort Hitler» wie ein Evangelium aufzeichnet, wie sie nach dem 30. Juni, nach dem 25. Juli, nach dem Tode Hindenburgs und der Selbsterhöhung Hitlers auf den Präsidentenstuhl diesem Regime immer wieder Chancen zu geben sich bereit zeigt, so sieht man diese grimmige Ironie sich schon vollziehen. So erschwerend und schließlich zerstörend aber auch alle dies« widerstreitenden innen- und außenpolitischen Verstrickungen gewesen find— entscheidend ftir dcn Verfall des Werkes von Weimar war schließlich doch die politisch unbrauchbare Wesensart des deutschen Boltes selbst. Es hatte die freieste Verfassung der Welt, jawohl, aber dieser Verfassung fehlte das freidenkende, frecheitsliebende Volk. Die Republik hatte zu wenig Republikaner. Die Demokratie entbehrte zu sehr der demokratisch fühlenden Menschen. Cs gab noch zu viele Untertanen. Untertanen jener jämmerlichen Art, die jemand treffend mit dem Borte charakterisiert hat:„ES ist des Deutschen Schichckl, vor einem Schalter zu stehen— eö ist des Deutschen Sehnsucht, hinter einem Schalter zu sitzen." G» ist die doppelte Sehnsucht» kommandiert zu werden und kommandieren zu dürfen. Diese» Volk hat nie begriffen, welchen Garantiebrief des Selbstbestimmungsrechtes und der Freiheit e» in der Weimarer Verfassung befaß. Es hat sie gar nicht gekannt, hat sie nie gelesen. Es hat die Farben der Republik nie als die Fahnen Mer Freiheit erkannt und geehrt; man hätte die schlechten Mittclernte zu tun, wie sie auch in guten Erntcjahren gebietsweise auftritt. Dio Futterernte aber ist im Duppauer Gebirge um nichts besser als im flachen Lande. Ein Beispiel bloß: Ein Bauer, der voriges Jahr 110 Wagen Heu erntete, erzielte Heuer auf einer größeren Fläciie 26 Wage». Tas ist— ohne Berücksichtigung der Anbauflächenvergrößerung— ein Rückgang von ca. 76>/ a%; berücksichtigt man den Flächenunterschied, ergibt die Rechnung ungefähr 85%. Der Futtermangel trifft den Gebirgsbauern aber noch viel härter als den im Flachland. Denn er lebt fast ausschlietzlich von Viehzucht. Ein Bauer im Gebirge pflegt mindestens zweimal mehr Vieh zu halten, als ein gleichviel Feld besitzender im flachen Lande. Ein in der ganzen Gegend als ausgezeichneter Ockonom bekannter Landwirt gab uns an mit seinem Futter bestenfalls bi» Wrihkiachten langen zu können, llnd er würde nicht einmal solange änSreichen, wenn er jetzt nicht alles Vieh, auch die Arbeitspferde, weiden ließe. Diese Futterlala- strophe bedeutet für die mittleren Gebirgsbauern* den Ruin. Welche Bedeutung sic für die ganz kleinen hat, die nichts besitzen, als ein einziges Stückchen Feld und eine Kuh oder einige Ziegen, das auszudrücken, ist der stärkste Superlativ zu schwach. Ihr Lebensstandard ist heute schon so niedrig, daß eine weitere Senkung nichts anderes heißen kann, als ihren und ihrer Familie physischen Untergang. Den» selbst das Bcttelgehen, was an Stelle sozialer Fürsorge zu empfehlen manche fromme Gemütsmenschen nicht müde werden, da es die Demut stgrke, die„sozialen Lasten" mildere und auch sonst moralfördernd wirke, selbst das Betteln kann in dieser armen und nun noch *)„Mittlerer" Bauer in BebiraSrelaUoni Sie flnb fall aulfdtliehlid) arme leufet. Dir fetten Jahre, in denen der „mittlere" Landwirt etwa im Saarer Lande LundcrNaulrndc an Hopsen derdienie,«ab et im Brbtrae nie! 6in Bild des Grauens Rinder,, die vor Hunger und Durst umgekommen sind.— Derartige Bilder kann man in den' Teilen der Bereinigten Staaten, die von der nunmehr seit Monaten herrschenden Trockenheit heimgesucht sind, überall sehen. Täglich kommen Hunderte von Rindern aus Mangel an Wasser und Futter um.- gedenket bei«Mm AhMmm der Arbeiter!Ursorge/ Nach fünfzehn Jahren Ei« Nekrolog zum 11* August Korn.,,, Gerste., B g • B 100% Weizen., 9 1 O 9 100% Hafer.. 9 B B 100% Kartoffeln. 9 9 100% Wiesen.. 75% Klee(Frühernte) • 00% Rüben., 100% Gurken., B B 100% Erbsen.. • • O 100% ««Ite 6 „Sozialdemokrat" SamStag, 11. August 1934. Str..186 FO r*> BAD. I-JÄ" Badegarnitur aus Gummi: Haube, Badeschuhe, Gürtel und die praktische Tasche die aufgeblasen, als Polster be- —nütztwerden kann.— -29.- Aufblasbare Bälle mit leinenhülle ab 1W.B Die braunen Elstern! Nazi-KreiSleiter stiehlt Arbeitergelder— Ein Danziger Sensationsprozetz In Danzig hat am Freitag den 3. August, ein sehr interessanter Prozeß stattgefundcn. Der Ingenieur Paul Tolpolski, Kreisleiter der N. S. B. O.-Gruppe Schiffahrt stand unter der Anklage, fortgesetzt GcwerkschaftSgel- der unterschlagen zu haben. Topolski wurde wegen Untreue zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Der höchst ehrenwerte Ober-Nazi hatte nach dem gerichtlich sanktionierten Diebstahl der Gewerkschaften durch die Nazis im Mai 1933 die Gesamtleitung der Danziger N. S. B. O., Gruppe Schiffahrt, übernommen. In der Verhandlung kamen die Methoden zur Sprache, nach denen die korrupte braune Bonzokratie Gewerkschaftsangelegenheiten zu„bearbeiten" pflegt.„Führer" Topolski hat grundsätzlich keine Bücher geführt und alle Buchungen unterlassen. Bor Gericht wurde unter allgemeinem Schmunzeln festgestellt, daß bis Mai 19 3 3, bis zum Anbruch der ach so sauberen Raziherrschaft also, die Buchführung korrekt und peinlich gewissenhaft Wan DaS Tollste an der stinkenden KorruptionS- affaire des Danziger Nazi-Regimes ist, daß sich kein Mensch um die ständigen Betrügereien des langfingrigen KreiSlciters kümmertet Er unterschlug Aufnahmegelder und setzte sie in Bier und Schnaps um! Im Namen des Verbandes ließ er bei den Firmen schnorren und verwandte das so unter sanftem Druck gewonnene Geld zu höchst feuchten Gastmählern. Selbst der Nazi-Staatsanwalt mußte feststellen, daß der Angeklagte ein solches Tohuwabohu in seinem Büro hinterlassen hat,, daß er begründete Hoffnung haben konnte, in ihm die Unterschleife untertauchen zu lassen. Topolski verteidigte sich mit„Arbeitsüberlastung" und stellte seelenruhig fest, daß dergleichen— das„Berlorengehen der Belege" nämlich— überall" passieren könne. Das Gericht verurteilte den Hitler-Bertrau« ensmann schließlich zu der eingangs mitgeteilten Strafe, nachdem der Staatsanwalt 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis beantragt hatte. Der Prozeß hat in Danzig größtes Aufsehen erregt und wird besonders in„gleichgcschal- teten" Gewerkschaftskreisen lebhaft besprochen. Zeigt er doch, wie es mit dem Gerede der braunen Tartüffes von der„Reinigung" der Nation in Wahrheit bestellt istl Sauberkeit und Ordnung vor Anbruch der blutigen Diktatur, übelste Korruption, ungehemmtes Dcfraudantentum und ein unkontrollierbares«Tohuwabohu", seitdem die Bonzen des„Dritten Reiches" im Speck der gestohlenen Arbeitergelder sitzen.— Paul Topolski, der Nazi-Ehrenkreislciter von Danzig, ist nur einer von vielen. Ganze Wolken von Parasiten haben sich, gleich ihm, auf dem Körper des gepeinigten Volkes niedergelassen. P. „Blumen-Zauberdung" das Blütenwunder Blumen an. allen Fenstern! Welche Freude für den Besitzer, wie für den Beschaueri Wenn Sie Ihre grünen Lieblinge kräftigen und zu reichem Blühen bringen wollen, verwenden Sie„Blumen-Zauber- düng", ein erprobtes, billiges Düngemittel, ein wahrer Wundertrank für Ihre Blumen. Jetzt müssen Sie mit dem Dungguß beginnen! Bestellen Sie sofort ein Paket bet der nachstehend angegebenen Adresse und legen Sie den Betrag von lki 6.60 in Briefmarken bei. Alle Bestellungen richten Sie an hie Verwaltung„Die Unzufriedene", Prag XII.. Fochova.tjt., 62. PRAGER ZEITUNG Abonnements- Bestellschein. Die Staatsbahndirektion in Prag veranstaltet folgende Ausflugszüge mit Verpflegung und Begleitung: 18. bis 27. August: In die Hohe Tatra 686 Kd(nur noch beschränkte Teilnehmerzahl).— 28. bis 28. August: Nach Hronov zu den Jirasek-Feiern; 165 Kd.— 20. August bis 10. September: Dreiwöchige Kurexpcdition nach Sliak; 1040 Kd.— 1. bis 16. September: Zur Weinlese nach Jugoflawien, nach Bad Knpari und an die dalnmtinische Riviera; 1100 Kd.— 2. September: Zu den Lausitzer Serben nach Bautzen und Radwor; 115 Kd.— 8 bis 22. September: Ans Schwarze Meer; 1080 Kd.— 8. September bis 1. Oktober: Dreiwöchiger Kuraufenthalt in Luhatschowitz, Trent« schin-Teplitz oder in Pistyan; 080 Kd.— 15. bis 28. September: Nach Karpathorußland; 510 Kd.— 27. bis 80. September: Zur Weinlese nach Preßburg und zum Masaryk-Ring nach Brünn; zirka 240 Kd.— Informationen und Anmeldungen mit Anzahlung für alle Züge im Referat der AuSflugS- züge im Basar neben dem Wilsonbahnhof täglich von 8 bis 17 Uhr. Telephon 888-85. Die Bestattung deS Genoffen Paul Diner- DtneS findet heute Samstag um 11 Uhr vormittags vom Krematorium aus statt. Aus der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag Morgen, Wanderung. Zusammenkunft um 8 Uhr Endstation der 6er im Baumgarten. Dienstag, Heimabend im Parteiheim. Vortrag über„Die politische Situation in Europa." Der Bärner BczirkSarbeitertag, welcher Samstag, den 4., und Sonntag, den 5. August, stattfand und trotz des schlechten Wetters einen erhebenden Verlauf nahm, wurde Samstag mit einer gut vorbereiteten und mit einem sorgfältig ausgewählten Programm versehenen Kulturveranstaltung eingclcitet, die geradezu massenhaft besucht war. Sonntag vormittags fanden die sportlichen Wettkämpfe statt und auch die Arbeitergesangvereine traten zum Wettstreit an, währenddem die Roten Falken einen Propagandamarsch unternahmen. Nachmittags fand eine Kundgebung am Ringplatz in Bärn statt, zu der unsere Arbeiter geschloffen mit den, tschechischen Gegossen äufmarschierten und bei der nach der Eröffnung durch Genoffen O n d r c j k a für die tschechischen Genoffen Senator Caöny und für unsere Partei Genosse Z i s ch k a sprachen. Ein Konzert schloß die für unsere Bewegung außerordentlich fruchtbar verlaufene Tagung sozialdemokratische^ Ar-' beiter. Spart• Spiel»Kürperpllege Internationale Technikertagung der SASJ. Anläßlich des am 6. und 7. Oktober in Karlsbad stattfindenden Kongresses der SASJ findet auch eine internationale Sitzung der SASJ-Techniker statt. Die Tagung hat wegen der politischen Situation besondere Bedeutung und sich mit der Neugestaltung des technischen.Hauptausschusses und der Fachausschüsse zu beschäftigen. Durch eine Umgestaltung des technischen Haupiausschuffes soll auch dessen Arbeit erweitert werden. Zur Beratung steht ebenfalls das 3. Arbeiter-Olympia 1087. das in Antwerpen vor sich gehen soll. Zu diesem Punkt liegen bereits einige Anträge vor. 80 Jahre Profi-Fußball in England. Mit Beginn der Vorbereitungen der Meisterschaft 1084/85 sind cS 50 Jahre, seitdem der erste bezahlte Fuß baller in England austauchte. ES gab damals selbft- ständlich viele Warner, die auch den Untergang deS Fußballsports vorhersagten. Sie haben alle unrecht gehabt. Eigentlich war«S ein Schotte, der als bezahlter Amateur den Stein ins Rollen brachte. Als der Profi-Fußballer längst anerkannt war, wurde in London ein Klub mit Ausschluß bestraft, weil er einem Spieler ein Paar Treter ersetzt hatte. Die Bestrafimg verwandelte die Tottenham Hotspurs in einen Profiverein, welcher heute eine Reservekonto mit 80.000 Pfund Sterliitg besitzt und einen Rückblick bilden auf eine seltsame Zeit, wo nicht mehr Zuschauer den Spielen der Spur» zusahen, als dieser derzeit an Spielern inklusive seinen Junioren besitzt. Die Frauen-Weltfpiele in London. Im Fünfkampf holte sich die Deutsche Mauermaher den Weitsprung mit 5.51 Metern; Pekarova(Tschechoslowakei) kam mit 5.22 Metern auf den dritten Platz. DaS Speerwerfen gewann die Polin KwaSniensü» mit 86.05 Metern.— Hochsprung(Finale): 1. Grieme(Deutschland) 1.54 Meter.— Kugelstoßen (Finale): 1. Mauermayer 18.67 Meter; 8. Pekarova 11.81. Meter.— Im DiSkuS qualifizierten sich fünf Sportlerinnen für das Finale und weist die Polin Weiß mit 80.00 Metern die beste Leistung auf. In den Vorkäufen der 100 Meter kam im fünften Vorlauf die Tschechoslowakin Krausova auf den zweiten Platz. Die beste Zeit war hier 12.2 Sek.— lieber 200 Meter fanden sechs Vorläufe statt, in welchen die Engländerin HiScock mit 25.5 Sek. die beste Zeit lief.— Uetzer 800 Meter gab eS zwei Vorläufe und kam im ersten die Tschechoflo- wakin Koubkova auf den zweiten Platz; die beste Zeit lief die Engländerin Lunn mit 2:22 Min.— Die 4X100 Meter brachten drei Vorläufc. Die deutsche Staffel lief 48.6 Sek.— Ferner fanden vier Vorläufe über 80 Meter Hürden statt. Die 60 Meter Finale werden Wohl einen harten Kampf zwischen der Polin Walasiewicz und der Holländerin Schuurman bringen, die beide im Semifinale 7.6 Sek. liesen.— Die Weltmeisterschaft im Hazena der Frauen wurde überraschenderweise von Jugosiawien gewonnen, das die Tschechoslowakei mit 6:4(8:1) besiegte. Vcrclnsnadirtdtfcn AuSflug nach Kunratice zu unserem beliebten Bad e- o r t e. Wasserrutschbahn. Bol- leybäll-Platz, Musikkapelle beim Strand, also alles vorhanden für einen gemütlichen Tag. Treffpunkt, Achttmgl 8 Uhr Endstation der 14er in Kakerov. Pünktlicher Abmarsch, Nachzügler gehen allein Turnerinnen, Achtung!' Wir turn««., wieder regelmäßig jeden Montag und'Donnerstag von 7 bis 0 Uhr in der Turnhalle, Prag kl., Stkpanska ul. 20, mtt Klavierbegleitung. Kommt alle) Ortsgruppe Prag. S o n n t a g, den '2.'.'UmuitUm 7 Uhr am Smicho- jer Bahnhof.. Fahrt nach Dobkicho- witz. Wanderung in die Wälder des Brdy-WaldkammeS. Bei heißem Wetter Baden. Führer: Schaffer.— Urlaubs- beratungen, Informationen und Anmeldungen jeden Freitag von 6 bis halb 8 Uhr in der Geschäftsstelle Prag II., Narodni tk. 4, 2. Stock; Telephon 48860. Abonniere ab 1984 dal täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „GogialftemoVrat" Verwaltung Prag XU., Fochova tk. 62, zum Preise von 16 Kd monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Name: ,,si Genaue Adresse:■((, Letzte Post: Unterschrift: Mitteilungen lms dem Publikum. 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August an das volle Einkommen ihres verstorbenen Gatten für die Dauer des Witwenstandes sowie die üblichen Kinderzulagcn." Zweifelsohne eine noble Geste! Sie hat nur einen Schönheitsfehler, daß die schäbigen 50.000 bis 60.000 Schilling im Jahre nicht die Herren Fürsten, Grafen, Maria-Thkresicn-Ritter und sonstigen Kavaliere springen lassen, sondern daß sie aus den blutigen— im wirklichen Sinne des Wortes: blutig— Groschen der Arbeiter bezahlt werden. Wir wissen, daß dieser spontane Beschluß, der zum Gesetz gemacht wurde,„mit dem Wunsche des ganzen österreichischen Volkes in vollem Einklang ist". Wir sind überzeugt davon, daß die Arbeiter von Ottakring, Favoriten, Hernals und Meidling, die von Graz, Linz, Bruck,a. M. nichts sehnlicher erwünscht haben, als daß die Witwe des„Bolkskanzlers" ihre standesgemäße Rente erhält. Aber man kann nicht über diese Tatsache ohne Nebengedanken hin- wegkommen. Wer sorgt für die Hinterbliebenen der Feberopfer der Arbeiterschaft? Wer für die Frauen der von der Exekutive der Regierung Dollfuß ermordeten Arbeiter? Der Staat nicht! Sie waren doch Rebellen! Und ihre Witwen haben für die Ueberzeugung ihrer Männer, die Kinder für ihre Väter zu büßen. Mehr noch! Sie wurden ihrer kärglichen Pension, Arbeitslosen- oder Fürsorge- untcrstützungen verlustig erklärt, sie mußten aus ihre» Wohnungen heraus, ihre Möbeln, die wenigen Habseligkeiten stehen und liegen lassen, um sich vor den Bütteln des„Bolkskanzlers" in Sicherheit zu bringen. Sic sind doch nur die Witwen von„marxistischen Bolksverrätern", die die Verfassung und ihre Rechte verteidigten. Sic haben Hungers zu sterben. „Brüder, ich schäme mich...." So sprach Herr Alois Amort, ehemaliger Obmann der Pcrsonalvertretung der Wiener Gemeindewache, am 7. August ins Radio-Wien. Wir schäme» uns auch. Oh nein, nicht für oder wegen des Herrn Alois Amort! Wir schämen uns, daß cs möglich ist, daß ein Alois Amort zu den Führern der österreichischen Arbeiterschaft sich zu sprechen traute, daß wir es nicht verhindern können, von ihm als„Brüder" genannt zu werden. Wir schämen uns hören zu müssen, daß Alois Amort von Seitz, Sever, Körner und allen den Märtyrern vom Feber als„unseren ehemaligen Mandataren" spricht. Herr Adam, der Goebbels von Oesterreich; stellt ihn vor das Mikrophon, um im Namen der Arbeiterschaft auf Dollfuß einen Nachruf zu halten..Alois Amort enttäuschte seine neuen Herren nicht. Er spricht Wort für Wort die geschwollene Rede eines Verräters ins Mikrophon hinein. Und er schämt sich. Er schämt sich nicht seiner Rede, sondern:' „Brüder, ich schäme mich.-Es hat in Oesterreich keinen selbstloseren, keinen ehrlicheren Menschen gegeben als Dollfuß. Ich schäme mich, Brüder, daß er allein starb...." Zum Schluß seiner Rede maßte er sich an noch zu sagen: „Aber all die Hunderttausende sind nicht gewillt, für Phrasen internationaler Dialektik und für Parteiphantome hjer in Oesterreich zugrunde« zugehen. Die Zeit hat die Parteien überholt., Brüder, ich schäme mich, euch zu sagen, Waich fühle. Ich schäme mich, mir vorzustellen, was ihr denkt! Brüder! Wir müssen uns schämen, daß ehrliche Arbeiterhände das Mikrophon erzeugten, in welches der mit einer Handvoll Silberlinge bezahlte Renegat hineingesprvchen hat. HanSHirth. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung tnS Hau» oder be, Bezug durch di« Post monatlich Kd IS.—, vierteljährig Kd 48.—. halbjährig Kd SS—, ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarren.— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Post« und Telearavben« direktion mit krlaß Nr. 1S.S0S/VH/1SSS bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und Zettungs-U.-G,, Prag.•