14, Jahrgang Sonntag, 12. August 1VS4 DEE DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATVCHEN ARBEITERPARTEI IN DER«VHBWMSNAUSCHVN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xn^rocnowme. trurom smp. ammnntrawomhkm HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAU«. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, MAG. Mitteilung des Bundeskanzler Freunden zuge- ArtikrlS von Ward Prij» durch di« Mzipvesse und dk deutsche» Dender m dar Weltöffentlichkeit erzeugte, hot den„PöMfchen Beobachter" zu einem tliiglichen Rückzug gezwungen. Aber selbst in der Berichtigung, die er jetzt veröffentlich», lügt er, einer„Mystifikation" zum Opfer gefallen zu sein. Wmn daS Blatt wünscht, daß die Welt seinen Angaben diesmal Glauben schenke, so muß eS sich die Feststellung gefalle« lassen, daß sein„llhef dom Ditznst", der stellvertretende Hanptschrift- leiter Hauptmann a. D. Weiß»' Borfitzender drS ReichsvorbandeS der deutschen Presse, nicht fühlg ist, zn prüfen, waS die englifiche Presse veröffentlicht. Di« Berichtigung deS faseistischen Zentral» organS lautet:.,'■ „Wir brachten kürzlich über dir Hinrichtung Franz Holzwebers und.Otto PlanettaS einen Aufsatz, der in wesentlichen.Teilen auf der Schilderung beruhte, die der englische Journalist Ward Priee in der„Daily Mail" über diesen Bssrgang veröffentlichte. Wir waren allerdings bei dies« Veröffentlichung einer Mystifikation insofem zum Opfer gefallen, als der Aufsatz nicht eine wort, getreue llebersrtzung jrner Schilderungen von Ward Priee darstellte, sondern Ergänzungen enthielt, die der Ueversrtzer auf Grund eigener Informationen eingefügt hatte. Der Uebersetzer per» säumte es,, sein« eigen««'Zusätze vom dem Bericht des englischen Blattes deutlich und.für jeden hesrr erkemichag zu. trennen." Lid„Frankfurter Zeitung" bemerkt zn dem Fall:„Wie ei» Vergleich mit dem heute vom »völkischen Beobachter" zur Richtigstellung gebrachten Originalbericht der„Daily Mail" ergibt, find jene Zusätze keineswegs gleichgültig und sehr zahlreich." Der Kriegsherd im Osten Verschärfung des Konflikts um die Ostchinesische Eisenbahn Suvich nach Wien? Havas meldet auS Rom: ES zirkulieren Gerüchte, daß. Staatssekretär Suvich zum Vertreter Italiens in Wien ernannt werden wird. Denselben Gerüchten znfolgr, die allerdings keinen amtlichen Charakter tragen, soll die italienische Gesandtschaft in Wien zur Botschaft erhoben werden. Starhembers In Rom Rom, 11. August.(Stefan!.) Der österreichische Vizekanzler S tar Hemberg landete auf dem Flugplätze in Littorio. Mussolini begab stch nachmittag in Beglei- tmig des Unterstaatssekretärs Suvich auf den römischen Lido, wo er eine mehr als einstündige Unterredung mit Starhemberg und Suvich hatte. Keine Restaurierung der Habsburger, well da*. Ausland es nicht zulleBe W i e n, 11. August.(Revier.) In einer Unterredung mit dem Berichterstatter deS Blattes „Äew ChronirleC erklärte der österreichische Bize- lanzler Starhemberg: Persönlich bi« ich Monarchist, aber di« Restaurierung der Habsburger ist mmöglich, da die Großmächte sie nicht gestatten. Der Gedanke einer Habsburger-Restauration be- rcitet auch Italien nicht allzuviel Bergnügen. Wir tonnen uns keine Abenteuer erlauben. Wir haben nicht das Berlangen, die Kleine Entente zu verletzen und find verpflichtet, alle unsere Kräfte dem Aufbau des österreichischen Staates zu widmen. Die Militärgerichts-Prozesse Wien, 11. August. Der Prozeß gegen die neim Polizisten, die an dem Putsch vom 35. Juli Der„Völkische Beobachter muß Fälschungen eingestehen“ Der ProteststM«, de» die Fälschung deS :.'rls von WärixMij» durch di« Mzipvesse und Handlungen über den Verkauf der Ostchinabahn auSzuüvcn und vergeuden zu diesem Ztvecke mehr Kräfte, als sie für die Berhandungen in Tokio verwenden. Aus der.einen Seite bemühen sich gewisse japanische Kreise, diese Bahn möglichst zu ruinieren, auf der anderen Seite bearbeitet die Presse die öffentliche japanische Meinung in der Richtung, daß Japan sich der Eisenbahn mit Gewalt bemächtigen werde. Der Kleinkrieg an der Ostchinabahn Die Tclegraphenagentur der Sowjetunion meldet auö Charbin: Der Direktor der Ostchinabahn Ru du iibcrreichte der Bahnverwaltung einen Bericht über die böswilligen llcberfälle auf die Ostchinabahn und über die Eiscnbahnunfälle, die im Zusammenhang mit der Mangelhaftigkeit oder dem vollständigen Fehlen eines Bahnschuhes verursacht wurden. Rudu weist in seinem Bericht darauf hin, daß in der Zeit vom 1. Jänner bis 6. August auf dm Bahnlinie sechzehn Eisenbahnunglücke infolge böswillig«» AufreißeNS des Schienen- . stranges, 91 bewaffnete Ueberfülle auf di« Swtionen und Kasernen stattfanden»' 116 Eisenbahn«,gestellte in die Gefangenschaft ent- führt und 46 ermordet sowie 103 verwundet wurde». Außerdem fanden eine ganze Anzahl von Plünderungen und Brandstiftungen statt. Eü,e besonders böswillige Zunahme dieser Handlungen erfolgte in der Zeit vom 17. Jänner bis 6. August. Durch die erwähnten Eisenbahnunglücke wurden 31 Lokomotiven und 207 Waggons zertrümmert oder in beträchtlicher Weise beschädigt. In dem Bericht verweist der Direktor weiter darauf, daß sich durch die Zertrümmerung von Betriebsmaterial allein die Verluste der Bahn auf über 800.000 Goldrübel belaufen und außerdem die Heilung der Arbeiter,-die bei den tieberfällen zu Schaden kamen.,.100.000 Goldrnbel in Anspruch 'nahm. Die Bahndirektwn hat den Hauptstab der. Schütztruppen, um Verstärkung zum Schuhe ersucht und selbst Maßnahmen ergriffen, so zum Beispiel die..Aussendung eines Kundschafterzuges. Infolge-der zunehmcntzcn. Uebe'rfälle aus der Ost-, chinabahn sind die ergriffenen Maßnahmen jedoch 1 imiuYnnGltA’‘'*■ gegangen, so daß, den, DRB zufolge, von einer akuten Lebensgefahr nicht mehr gesprochen werden kmm. Die Aerzte erklären, daß man mit einer völligen Wiederherstellung Dr. Rintelens rechnen könne. In Oesterreich herrscht Kühe und Sicherheit Wien, 11. August. Rach „Neuigkeitsweltblattes" Habe Schuschnigg der Anregung von stimmt, eine Leibwache nach Art des Garde du Corps in Deutschland zu bilden. Sie soll aus ehemaligen Offizieren der Kaiserschühen bestehe», die den Verbänden der ostmärkischen Sturmscharen angehören. Die Leibwache, die auch mit Maschinenpistolen ausgerüstet sein tvird, soll den Kanzler nicht nur in Wien, sondern zum Teil mich auf seinen Reisen begleiten. Die österreichische Legion wird nach Ostpreußen deportiert? Wie«, 11. Anglist. Di«„Neue Freie Presse" meldet an« München: Wie von Mitglieder« der aufgelöste« Landesleitnng der«atio- nalsozialistischrn Partei in Oesterreich mitgr- teilt wird, ist die österreichische Legion auf unbestimmte Zeit beurlaubt, words«, Eine Anzahl vo« Legionären wurde gestern nach Berlin befördert, nnd es verlautet, dass eine Reihe von ihaen«ach Ostprenßr« geschickt werden wird.. Das Ringen um Oesterreich Italienische Anstrengungen Starhemberg:„Habsburger-Rückkehr unmöglich* Während auf der einen Seite Deutschland mit allen Mitteln versucht, seine Niederlage in Oesterreich wettzumachen, ist auf der andere» Seit, Italien bestrebt, seine Position auSzubaun. trllgenommen hatten, wurde heute auf Montag vertagt. DienStag wird der Prozeß gegen die Putschisten von der R a w a g beginnen. Das sogenannte Schnellgericht in Wien hat heute den beschäftigungslosen Arbeiter Wihany, welcher Mitglied der aufgelösten nationalsozialistischen Partei war, zu acht Jahren schlveren Kerkers verurteilt, weil er in seiner Wohnung 20 Kilogramm Ammonit aufbelvahrt hatte. Der Mitangeklagte Grin wurde freigesprochen. Das Militärgericht in Graz verurteilte den Nationalsozialisten A. Binder wegen deS Verbrechens des Aufstandes, dessen er sich durch seine Teilnatene an der nationalsozialistischen Revolte in Deutsch-LandSbrrg schuldig gemacht l)attc, zu zwei Jahren schweren Kerkers. Rlntelen außer Gefahr? Wien, 11. August. Im Befinden deS ehemaligen^Gesandten Rintclcn ist eine merkliche Besserung cii'eireten. Die Embolie ist znrijck- MvSkau, 11. August.(Tatz.) Unter dem Titel„Ein primitives, aber schädliches Spiel" schreibt die„JSwestija": In der letzten Zeit haben die japanische und die mandschurische Presse— offenbar auf eine ihnen gegebene Weisung hin— eine neue sowjetfeindliche Kampagne begonnen. Die ,,JSwestija" betont, daß die Verhandlungen hinsichtlich der ostchinesischenEisen- b a h n heute den Hauptpunkt darstellen, der die sowjetrussisch-japanischen Beziehungen bestimmt. An der ostchinesischen Eisenbahn werden Verhaf tungen sowie gesetzwidrige Hausdurchsuchungen bei sowjetruffischen Organisationen vorgcnonimen. Mit anderen Worten, eö wird das bekannte Spiel getrieben, das auf Herbeiführung irgendwelcher Zwischenfälle an der Ostgrenze des Sowjetverban- deS abzielt. Die japanische Presse bemüht sich, die sotv- setrussischc Friedenspolitik bösartig auszulegen und behauptet, der Sowjetverband strebe die Schaffung eines Ostpakteö nur deshalb an, um die Möglichkeit zu gewinnen, Japan anzugreifen. Die „JSwestija" sagt weiter, der offensichtliche Zweck dieser Schilderungen sei, die japanische Oessent- lichkeit hinter- Licht zu führen. Der Sowjetverband habe' den Verkauf der Ostchinabahn unter der Voraussetzung in Vor schlag gebracht, daß dadurch. die Spannung im 'Fernen Osten gelockert werden könne. Das Blatt fährt fort: Die japanischen Kreise, di« diese Bahn billig kaufen oder sie' überhaupt umsonst erhalten wollten, scheuen vor keinem Mittel zurück, das zu diesem Ziele führen könnte. Eine dieser Mittel in allen Etappen der Tokioter Verhandlungen über diese Bahn stellt der unanständige Drück auf die Sowjetunion dar, der sich in verschiedenen Provokationen an der Ostchinabahn äußert. Die Organisator«, dieser sowjetfeind lichen Kampagne müssen daran erinnert wer de«, daß die radikale« Elemente, di« ihnen— insbesondere auf dem Gebiete der Mandschurei — dienen, diese Kampagne zur Vorbereitung eine-Krieges benützen. DaS Blatt erinnert weiter an den AuSfprnch des ehemalige« japa- . Nische« Ministerpräsidenten Baron. Tanaka: ,„Wenn«in Krieg auSZrichf, wird die Frage der , Ostchinabah» am. leichtesten und Natürlich gelöst . werd««,"/.. Die„Prawda" schreibt in"einem Leitartikel:- „Wir haben es mit- einem neuerlichen Versuche tjgpanischcr Regierungskrvise.zü tun, durch unan-,.... 1 ständige Aktionen einen Druck auf die ganzen Ber-' unzulänglich. Um die Kreditpolitik der Nationalbank Seit einiger Zeit ist um die Politik" und das Vorgehen der tschechoslowakischen National- bank eine neuerliche Diskussion entbrannt, wo- bei von verschiedenen Seiten ernste Bedenken gegen die Auffassungen des gegenwärtigen Na- tionalbankgouverneurS Dr. E n g l i ö erhoben werden. Die Tschechoslowakische Nationalbank steht damit innerhalb von kurzer Zeit zum zweiten- male im Mittelpunkt von Erörterungen. Man wird sich noch erinnern können, daß im heurigen Winter monatelang um die Währungspolitik der Tschechoslowakei diskutiert wurde und daß diese Erörterungen mit derDclvalvation der tschechoslowakischen Krone im Feber ab- schlossen, was zum Rücktritt der alten National- bankleitnng, sowohl des Gouverneurs Doktor Pospiöil als auch der beiden Obcrdircktorcn führte. Es wurde eilte neue Leitung der Ratio- nalbank eingesetzt, deren Maßnahmen aber auf neuerliche Widerstände stoßen. Zuerst war cS daS Zentralorgan der tschechischen Agrarier, welches der Nationalbank vorwarf, daß diese für die Kreditbediirfnissc der Landwirte zu wenig sorge und nun sind es tschechische sozialdemokratische Blätter, welche von der Nationalbank zur Er- | lyichterpng der Krcditverhältnissc und damit zur Belebung der Wirtschaft die Einführung der so- genannten Operat i o n c n a u f dem freien Markte verlangen. Bon beiden Seiten wird davon ausgcgan- gen, daß in.der Tschechoslowakei zu wenig Um- laufsmittel und zu wenig Kredit vorhanden seien. Tatsächlich hat seit einem Jahre der Um- lauf an Geldmitteln in der Tschechoslowakei eine Verminderung erfahren. Während Ende Juni 1933 der Banknotenumlauf 6367,982.000 AL betrug, ist dieser bis Ende Juni 1931 auf 5523,614.000 Kc, das ist also um 1044,368.000 Kc oder 15,8 Prozent gesunken. Nun ist es zweifellos, daß der Geldumlauf in der Zeit der Krise geringer sein muß als in der Zeit der Konjunktur, denn in der Krise ist der Waren- Umsatz geringer und dem geringeren Waren- Umsatz entspricht auch ein geringerer Gcldum- lauf. Wenn man jedoch die Wirtschaftslage im Juni 1933 niit der int Juni 1934 vergleicht, so wird man finden, daß die Krise in dieser Zeit nicht größere Ausdehnung erfahren hat, sondern daß im Gegenteil die Wirtschaftsbelebung Fort- schritte gemacht hat. Ende Juni 1933 hatten wir 675.933, ein Fahr später jedoch 589.730 Arbeitslose. Die Zahlder Arbeitslosen ist also zurückgegangen, die Masse d e r U m l a u f.s m i t t c l ist aber in derselben Zeit nicht größer geworden, sondern in: Gegen- teil beträchtlich gesunken. Tschechische sozialdemokratische WirtschaftS- fachleutc, insbesondere" der Abgeordnete und Professor an der Prager Handelshochschule Dr. Ma eck, empfehlen nun die-Einführung der sogenannten Operationen auf. dem freien Markte, die bei uns noch nichb üblich gewesen sind, von der Bank von England aber seit mehr els eineinhalb Jahrhunderten und in den Ver- einigten Staaten seit 1913 betrieben werden. Worum handelt cs sich da? Um das auseinanderzusetzen, sei zunächst vorausgeschickt,. daß das Einpumpen.von Bank- noten in den Wirtschaftsverkehr, dadurch gc- schicht, daß die Nationalbank Handelswechsel diskontiert, d, h., daß.sic für Handelswechsel Banknoten hcrgivt. Außerdem belehnt sie Wert- Papiere durch sogenannte Lombardkrpdite. Durch diese Maßnahmen wird jedoch nur kur z f r i- stiges Gold in den Verkehr eingeführt, denn die Lombardkredite laufen ganz kürze Zeit(wc- nige Wochen) und die Banknoten, durch welche Handelswechsel bevorschußt werden,' gelangen wieder an die Bank zurück, wLnn die Wechsel eingelöst sind. Woran, cs aber heute man- gelt, sind nicht kurzfristige Gelder,- sonder» Sette 2 Nr. 187 Stmntafl, 12. Ifuguft 1934 Tagung der Hutarbelter-Intemationale Ole neue Streikwelle In Amerika Washington, 11. August. Nach einer Mitteilung des amerikanischen Gewerkschaftsbundes hat der Rat der Aluminiumarbeiter beschlossen, daß am Freitag um Mitternacht in sämtlichen Fabriken der„Aluminiumgesellschaft von Amerika" der AuSstand beginnen soll, da alle Vermittlungsversuche gescheitert seien. Der AuSstand zieht sieben Fabriken mit 18.000 Arbeitern in Mitleidenschaft. langfristige Kredite. Diese langfristigen Kredite sollen nun dadurch geschaffen werden, daß die Nationalbank sogenannte Operationen auf dem freien Markte vollfiihrt, d. h. langfristige Wertpapiere, vor allem StaatSpapicre, kaust und verkauft. Dadurch würden gröbere Betrage für langfristige Kredite frei wcrdeir und es würde der Kurs der Staatspapiere gehoben werden. Wenn dies geschähe, dann würde daS Vertrauen zu den StaatSpapicre» gehoben und die Bevölkerung würde für den Ankauf von Staatspapieren eher Geld zur Verfügung stellen, so daß wieder mehr Geld fiir langfristige Krc- dite zur Verfiigung gestellt werden könnte. Die Anhänger der fogenamiten Operativ- nen auf dem freien Markte erklären mit aller Energie, daß die von ihnen vorgeschlagenen Maßnahmen durchaus keine Inflation darstcl- len, daß os sich ihnen nur uin eine Erleichterung der Kreditgewährung handelt, welche eine Belebung der Wirtschaft herbeifiihren würde. Vom Standpunkt der Arbeiterschaft muß auch mit aller Entschiedenheit betont werden, daß, wie eö die Resolution unserer Abgeordneten und Senatoren vom 24. Jänner besagt,„die Stabilität unserer Währung erhalten bleiben muß". Eine Entwertung des Geldes würde eine Erhöhung der Preise herbeiführen und bei den gegenwärti- gen wirtschaftlick)en Zuständen hätte cs die Arbeiterklasse außerordentlich schwer, durch Erhö- hung ihrer Löhne einen Ausgleich fiir die Preis- erhöhung zu finden. Dio eben erwähnte Entschließung unserer parlamentarischen Vertreter hat daher jede Inflation abgelehnt, aber Maß- nahmen zur Erleichterung der Kreditgewährung empfohlen. Es wurde damals darauf hingewie- sen, daß die Vorschriften bei der Diskontierung von Warenwechseln, die ungewöhnlich streng sind, gemildert werden könnten und daß die Laufzest der Lombardkrodite ausgedehnt und so für die Industrie leichter Betriebskapital ge- schaffen werden könnte. Daß eine Erleichterung der Kreditgewährung durch die Nationalbank möglich wäre, lehrt die einzige Tatsache, daß nach dem Ausweis der Nationalbank am 23. Juli 1934 die Deckung unseres BanknotcnumlaufeS nicht weniger als 42.7 Prozent betragen hat. Der Stand der Deckung unseres Geldumlaufes würde es also möglich machen, Maßnahmen zu treffen, durch die zum Ausdruck käme, daß fiir die tschechoslowakische Wirtschaftspolitik nicht irgend eine unabänderliche Doktrin gilt, sondern, daß auch unsereKreditpolitik von realpölitischen Gesichtspunkten au s g e h t. Zu den Berufen, die die internationalen Verbindungen seit Jahrzehnten gepflegt haben, gehören die Hutarbeiter. Bereit» im Jahre 1889 wurde ein internationale» BerufSsekrctariat geschaffen, welche» die Aufgabe hatte, die Jntereffen der Berufskollegen in allen Ländern wahrzunehmen. Im Laufe der 48 Jahre ist eine gute Arbeit in der Interessenvertretung der Hutarbeiter« kollegen geleistet worden. DaS internationale Hutarbeitersekretariat befand sich in Deutschland. Mit der Vernichtung der deutsche» Gewerkschaften ging nicht nur alle» Material, sondern auch daS Vermögen des internationalen Hutarbeitcrsekre« tariatS zum Teufel. Namentlich auf Betreiben der tschechoslowakischen und der französischen Gewerkschaften der Hutarbeiter wurden alsbald nach dem Raub der deutschen Gewerkschaften die internationalen Fäden wieder zu knüpfen versucht. Die provisorische. Leitung der Internationale wurde von dem bisherigen Präsidenten derselben dem Genoffen Milan, Frankreich, auSgeübt. Kürzlich fand in Reichenberg ein Kongreß zur Wiederflottmachung der Hutarbeiterinternationale statt. Die Leitung des Kongresse» lag in den Händen von HanS Köller, Bekleidungsarbeiterverband, Reichenberg, und Franz U h l i k, Hutarbeiterverband, Prag. Vom'Änternationalen Gewerkschaftsbund war der Genoffe S ch o r s ch entsendet. Als Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbunde» in der Tschechoslolvakischen Republik war der Genoffe Franz Kirchhof anwesend. In der Eröffnungsrede schilderte der Präsident der Internationale und stellvertretende Sekretär P. M i l a n, Paris, die Verhältnisse, wie sie sich seit seiner Amtsführung gestaltet haben. Da alles Material des bisherigen in Altenburg, Thüringen, befindlichen Sekretariats verloren ging, mußte ganz von vorn angefangen werden. Nur der Opferwilligkeit der angeschloffenen Verbände, wobei die Verbände unseres Landes an erster Stelle genannt werden müssen, war es zu danken, daß recht bald wieder alle Verbindungen angeknüpft werden konnten. Und so konnte die neuerstandene Internationale ihre Tätigkeit wieder beginnen. Doch kaum hatte man sich etwas erholt, als ein neues Glied der internationalen Familie der Hutarbeiter"zerriß, eS war die Gleichschaltung de» österreichischen Hutarbeiter-BcrbandeS. Auch dieser Verlust konnte überwunden werden, wenn auch der Bund "ehr wesentlich durch den Verlust der Verbände in Deutschland und Oesterreich geschwächt wurde. Begrüßungsreden hielten sodann Genoffe Schorsch als Vertreter des 2GB und Genoffe Kirchhof von der Zentralgewerkschaftskommission des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Den Willkommengruß feiten» de» Bekleidungst- industriearbcitcr-Vcrbandes übermittelte K ö l- kei', Rcichcnberg. AuS dem B'ericht deS Kassierers des Bundes R o u s s i n, Frankreich, ging hervor, daß e» der sparsamen Geschäftsgebarung gelungen war, wieder diejenigen Mittel anzusammeln, die zur Aufrechterhaltung des Sekretariats notwendig sind. Der Kollege HanS Schiller, Reichenberg, berichtete von der erfreulichen Hilfsaktion des Bunde» für die Kameraden in Deutschland. Der provisorischen Geschäftsführung des Bunde» wurde einstimmig Entlastung erteilt. Wie sich die w i r t s ch a f t l i ch e n 8 e t* hältnisse in der Hutindustrie gewandelt haben, ging au» den Berichten der Landesverbände hervor. Wurden früher Hüte rein handwerksmäßig hergestellt, geht heute die Erzeugung fabriksmäßtg vor sich, wenigsten» wa» die gangbarsten und normalisierten Sorten, wie Herrenhüte usw. anbelangt. Die Rationalisierung hat in den Fabriken, wie z. B. der größten Hut» fabrkk hierzulande, Hickel« Reutischein, große Fortschritte gemacht. Geklagt wurde von einzelnen Landesvertretern, daß ungelernte Arbeiter in größerer Zahl eingestellt werden, was eine Folge der Serienfabrikation ist, und die zunehmende Heimarbeit die gewerffchaftliche Arbeit sehr stört. Der Beseitigung der Quecksil- berbeize wurde feiten» der Gewerkschaften infolge der gesundheitlichen Schädigung der Arbeiter die größte Aufmerksamkeit geschenkt. QroBhandetolmlex Im 3uN zurUckgegangen Der nach dem Stande vom 1. Lugust d. I. ermittelte Index der Großhandelspreise weist gegenüber dem 1. Juli einen Rückgang um 1.8 Prozent von 698 auf 687 au». Der Index der NahrungS- und Genußmittel sank um 8.2 Prozent, von 721 auf 698, der Fiittermittelindex festigte sich um 1.6 Prozent von 681 auf 692, so daß der Gesamttndex der NahrungS-, Genuß- und Futtermittel 697 gegenüber 719 im Vorjahre beträgt, d. i. ein Rückgang um 3.1 Prozent. Dagegen bleibt der Index der Jndustriestofse und»Erzeugnisse beinahe unverändert, er beträgt 677 gegenüber 676 im Vormonate. Bei den pflanzlichen Nahrungsmitteln sind die Weizen- und Roggenpreise gegenüber den Notierungen an den Produften« börsen zu Beginn de» Monate» Juli um 8.2 und 7.1 Prozent niedriger. Kartoffeln verbilligten sich um 34.1 Prozent und Mai» um 20.8 Prozent. In der Gruppe der tierischen Nahrungsmittel verbilligte sich einzig Kalbfleisch um 18.2 Prozent. Ein Steigen der Preise weisen Schweinefleisch um 11 Prozent, Schöpsen- fleisch um 6.9 Prozent, geräucherter Schinken um 11.8 Prozent, inländisches Schweinefett um 8.9 Prozent und ausländische» Schweinefett um 4.8 sowie Butter um 2.4 Prozent au». Von den übrigen Nahrung»« und Genußmitteln verbilligte sich unbedeutend Hopfen, Tee, Malz, Kaffee und Rohzucker, Während sich Kakao verteuerte. Die Gruppe der Metalle weist eine Festigung bei den. Eisen-Halbfabrikaten und Fertigwaren'um 0.6 Prozent und bei Zinn um 8; Prozent au».— Dagegen verbilligten sich Kupfer um 2 Prozent und Gießereieisen um 1 Prozent. Auch bei Steinkohle ist der Durchschnittspreis um 1 Prozent niedriger, während der Durchschnittspreis von.Koks um 2.8 Prozent höher ist. Bei den Textilien steigen die Preise von Baumwolle um 8.8 Prozent und von Baumwollgarn um 2.7 Prozent. Einen Preisrückgang weisen auch flowakische und überseeische Schafwolle um 8 Prozent, Jute um 1 Prozent und Flachs um 3.4 Prozent aus. Bon den übrigen Jndustriestof» fen festigten sich Rohleder um 1.4 Prozent, gegerbte» Leder um 1 Prozent und Leinöl um 1.1 22 /y. FRITZ ROSENFELD: W” 1«4 Cbqatta EIN BOMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAS „Es soll geschehen sein, sagen die Märchenerzähler, daß eine große Liebe die Toten zurückrief, und die Meere glättete, so daß Ferne und Ferne ein Land wurden. Es soll geschehen sein, daß eine große Sehnsucht Sonne und Mond wie Pferde vor einen Wagen spannte, um über die Berge zu fahren, zu dem Menschen, den man liebt." „Du bist gut, Jv." «Ich habe viel gelitten, Axjutta. Bin viel verlacht worden, ein Zwerg ist ein Narr, mit dem alle ihren Spaß treiben. Und doch wuchsen in diesem Hirn Pläne, wie sie keiner von den starken Männern ersinnen konnte, und doch wuchs in diesem Hirn der Plan des Gartens..." „Verflucht sei dieser Garten und die Stunde» in der du ihn bautest." Jv schwieg. Axjutta hatte sich auf die Erde geworfen. Weinen schüttelte ihren Leib, ihr Haar hing wirr, die Hände waren naß von Tränen. «Wenn einer diesen Garten verflucht hat, Axjutta," sprach Jv,«so bin ich es. Wenn einer zahlen wird für diesen Garten, zahlen mit Leib und Seele, Axjutta, so bin ich es." Nebel legte sich über die Sonne. Tief hingen Wolken über den Bergen. Der erste Regen fiel. Axjutta schauerte zusammen. Jv legte ihr seinen Mantel um die Schultern, seinen fleinen, grünen Mantel. Dann führte er sie durch den Garten, zu einem Weg, der abseits von den großen Straßen mitten durch die Büsche leitete. Schweigend gingen sie nebeneinander, ost sah Jv zu Ax- jutta, sie aber hatte leinen Blick für ihn. In dichtem Gebüsch endete der Weg. Jv schlug mit der Hand die Zweige auteinander, sie kamen in eine Halle au» Bäumen, in der es düster und kühl war. Dann sah Axjutta die Mauer. Wieder schlug Jv Büsche auseinander, eine Tür kam zum Vorschein, die in die Mauer eingelassen war. Er klopfte viermal kurz hintereinander, die Tür öffnet- sich, zwei Lanzenträger erschienen, hoben die HoMd an die Stirn, grüßten den Zwerg. Mit Axjutta schritt Jv durch das Keine Tor, es war nicht schwarz wie das Tor des Tode», aber auch nicht golden wie da» Tor, durch das man in» Glück trat. Einen Waldweg schlugen sie ein, zu einem Hau» kamen sie, das einsam lüg, mitten unter Zedern. »Hier wohne ich," sagte Jv.«Hier wirst du wohnen, Axjutta." G Wie Fahnen wehten die Mäntel der Assas- sinen im Sturm, mit ihren Lanzen spießten sie die Fetzen von Nebel auf, die niedergesunken waren, mit ihren Schwertern zerhieben ste den Regen. Der Ritt weckte ihre Wildheit. Wie toll jagten sie über die Berge» nur wenn sie zu einer Brücke kamen, die über reißende Flüsse führte, staute sich der rasende Zug, wurde er schmal und schütter, um sich dann wieder zu verbreitern und hinzuströmen wie der über die Erde auSgegoffene Zorn eine» Gotte». Der Zorn eine» Gottes, da» sind die Assaf« stnen. Man fürchtet sie von Aegypten bi» an» Kaspische Meer und die Wolga hinauf. Man fürchtete sie in Persien und in Indien. Man fürchtete sie in den Oasen der Wüste und auf den weißen Gipfeln der Berge. Die Assassinen kommen: Die» Ningt furchtbarer im Ohr der Hirten al»: der Wolf ist in deiner Herde, die Heuschrecken verwüsten deinen Acker. Die Affassinen kommen: Die» Ningt furchtbarer im Ohr der Städter oft: die Pest ist in der Stadt, die Stadt brenntl E» wächst kein Gras mehr auf den Wiesen, über die sie retten, kein Korn mehr auf den Aeckern, die ihr Blick gestreift, keine Frucht mehr an der Rebe, die ihr Atem berührt hat. Pferde, die den Druck der Affasstnenschenkel gespürt, tragen keinen anderen Reiter mehr. Schwerter, die in Affaffinenfäusten gelegen, fallen anderen Kriegern au» den Händen. Wie Sturm rasen sie über die Ebene, Häuser stürzen sie um und die Türme wanken, wenn der Fuß ihrer Pferde den Boden hämmert. Wie Wasserfälle rauschten sie durch die Täler, Trümmer laffen sie hinter sich, gefällte Menschen, zerstörte Hütten, den dunklen Qualm der großen Brände. Die Affassinen kommen, rettet da» LebenI Da» nackte Leben! Die Affassinen kommen, der Tag de» jüngsten Gericht»! Pal«itet mitten unter ihnen. Sein Pferd aber trägt einen toten Reiter, e» nimmt den Weg der anderen Pferde, e» spürt nie Willen und Befehl seine» Herrn. Die Affassinen reiten. Nach Beute für Ala Eddin? Nach Pferden, Kamelen, Schafen, nach Edelsteinen und Geweben, nach Kannen au» Silber und Krügen au» Gold, nach Frauen für den Fürsten? Sie jagen nach dem Garten und den Mädchen, nach dem Schatten der Bäume und dem Singen der Quelle, nach der Flöte und nach dem großen Song. vor ihren Lugen ist nur dieser Garten, jede Hütte ist Tor diese» Garten», über jede Mauer springt ihr Pferd wie in diesen Garten. Wenn die Erde ringsum aufbrüllt, in Staub und Blut und Geschrei, dann hören sie den Gong, ewig rollt der Gong, blutig rollt der Cong, der große Gott de» Garten». So jagen die Affassinen, über die Berge, durch die Täler, der Schrecken der Länder sind sie von Meer zu Meer, der unbesiegbare Feind aller Fürsten, ein Heer, dem kein Gegner gewachsen ist. Nicht die Hand eine» Menschen treibt sie, und nicht der Wille eine» Menschen. Ihre eigene Ueber den Antrag, die Internationale der Hutarbeiter mit der der Bekleidungsarbeiter zu verschmelzen, wurde eine längere Debatte geführt. Trotzdem kam der Kongreß zur Ablehnung de» Anträge». Die Vertreter waren der Meinung, daß die speziellen Jntereffen der Hutarbeiter am besten in einer eigenen internationalen Organisation vertreten werden können. Als Sitz des Internationalen Sekretariats wurde Paris, als internationaler Sekretär Milan, Frankreich, als Vorsitzender des Bunde» Genoffe Schiller, Reichenberg, und Genoffe Uhlit, Prag, und als Kassier Roussin, Paris, bestimmt. Die Schlußansprache hielt der Vorsitzende Köller, Reichenberg. Prozent. Der Ziegelprei» ging um 2.7 Prozent zuttick. In eigener Sache ersucht un» Genoffe Dr. Franzel um Veröffentlichung folgender Klarstellung: 2n der„Sozialistischen Aktion" wird behauptet, daß eine Erklärung, die ich aus innerparteilichem Wege den Vertrauensmännern hatte zukommen laffen, mir offensichtlich a b gepreßt worden sei. Ich hatte mich in dieser Erkürung gegen den Mißbrauch gewandt, der von Parteigegnern, insbesondere von der kommunistischen Presse, die mich seit Monaten mit ihrer polemischen Beachtung beehrt, mit einem angeblichen«Fall Franzel" getrieben wurde. Ich muß eS zunächst verurteilen, wenn diese aus wohlerwogenem Parteiinteresse intern verbreitete Erklärung jetzt zum Gegenstand öffentlicher Diskussion gemacht wird. Ich sehe mich aber auch gezwungen, der Behauptung entgcgen- zutreten, als sei jene Erklärung mir abgepreßt worden. Ich besitze genug Disziplin und Verantwortungsgefühl, um aus freien Stücken einen Schritt zu unternehmen, der im Parteiintereffe notwendig erscheint. Ich habe die erwähnte Erklärung dem Generalsekretär der Partei, Genossen Taub, mit der Bitte, sie in einem Rundschreiben zu veröffentlichen, übergeben, ohne daß Genosse Taub den geringsten Druck auf mich ausübte (welche Möglichkeit sich ja aüch durch den Charakter des Genossen Taub für alle, die ihn kennen, ausschließt). Jeder Sozialdemokrat Ivird für ein Vorgehen, bei dem man persönliche Meinungen und persönliches Prestige im Interesse der Bewegung hintanseht, aus Verständnis aufbringen. Ich hoffe, daß die, Diskussion über den höchst unwichtigen«Fall Franzel" damit abgeschlossen ist. Agrarische Umorientierung in Karpotho- rutzland. Die tschechischen Agrarier haben in Kar- pathorußland bisher die Russifizierung der Bevölkerung unterstützt, sind aber davon in der letzten Zeit abgekommen. 2n ihrem dortigen Wochenblatt erklären sie, daß sie die Bestrebungen der Ruthenen von nun an unterstützen werden. Diese Schwenkung scheint die Folge davon zu sein, daß vor kurzer Zeit eine eigene ruthenische Agrarpartei gegründet worden ist. Eine flowakische Zeitung in Prag. In den nächsten Tagen wird in Prag eine neue Zeitung unter dem Titel„SlovenSkh HlaS"(Slowakische Stimme) erscheinen, deren Chefredakteur Dr. Rudinskh sein wird. DaS Blatt wird nach außen hin überparteilich sein, taffächlich aber ist es ein Organ deS agrarischen Landwirtschaftsministers Dr. Hodja. Sehnsucht treibt sie. Ihrer Sehnsucht gehorchen sie, wenn sie Ala Eddin gehorchen. Ihrer Sehnsucht können"sie nicht» entgegensetzen, nicht Hernach Wille, nicht Sinne poch, Leib. Am lindesten brennt diese Sehnsucht, wen»/sie aus den Pferden hocken und ihre Schwerter ftwber Sonne blitzen. Am heißesten brennt diese,'Wehnsucht, wenn sie ruhen, am Feuer, de» nacht»,,-im Schatten der Bäume, an den Tagen. Darum ruhen sie nicht, darum sitzen sie Tag und Nacht zu Pferde, darum halten sie Täg und Nacht da» Schwert in den Händen, darum Men sie Tag und Nacht. Da» sind die Assassinen: da» unüberwindliche Heer«la Eddin», de» Fürsten der Berge. Da» Heer, da» Heere von Leichen hinter sich läßt, die Retter, die die Sichel de» Tode» führen, die Götter der Rache und der Vernichtung. Berge von Beute bringen sie heim. Doch Silber und Edelstein«, Gold und Gewebe lindern ihr« Sehnsucht nicht. Höher und höher wachsen die Schätze in Ulleika; schon Regen in Akrod und Alumat Berge, von Beute in den Kellern. Aber alle Reichtümer der Erde wiegen nicht einest Augenblick der seligen Trunkenheit im Garten de» Gong» auf, ver« blaffen neben einem armseligen Funken ihre» Sehnsucht. Da» sind die Assassinen, Ala Eddin» unüberwindliche» Heer. Im hohen Saal von lllleika standen Tula, Amur, Pal und Schagin vor dem Fürsten. „Du hast da» Schwert erhoben gegen mich, aber du hast e» nicht erhoben gegen meine Feinde," sagte Ala Eddin zu Pal.«Nun werde ich dich zwingen, meine Befehle zu erfüllen. In Rai, der Stadt, die mich gebar und die ich Haffe, well sie mich verachtet, wohnt Mu Uffa, der Teppichhändler. Kunde kam an mein Ohr, daß er mich verlacht. (Fortsetzung folgt.) 9t. 187 r Sonntag, 12 August 1634 bl da* die Einheit l Die Kommunisten wenden sich auch an alle Untergliederungen des Sozialistischen Jugendverbandes und fordern sie auf, gemeinsame Aktionen mit chnen zu unternehmen. Diese Aufforderungen sind nutzlos. Für den Sozialistischen Jugendverband und alle seine Untergliederungen gelten die Weisungen der Partei und die SJ steht restlos hinter der Antwort, die der Parteivorstand den Kommunisten auf ihr Angebot gab. Sie ist der Meinung, daß man uns heute nicht als Verräter und Fascisten und«wogen als Kameraden bezeichnen kann. Sie steht vor allem auch hinter der Auffassung des Sekretärs der Sozialistischen Arbeiter-Internationale Fritz Atller, der über die Möglichkeiten des einheitlichen Kampfes in der Juli-Folge des»Kampf" schrieb. Bezeichnend ist, daß die Kommunisten wie immer auch bei dieser Aktion nicht ehrlich sind. Sie veröffentlichten z. B. die Mitteilung, dass die Sozialistische Jugend in M.- O st r a u und in Eger mit ihnen die Einheitsfront geschlossen hat. DaSistnichtwahrl Unsere Genoffen haben lediglich erklärt, dah sie die Einheit wollen und als eine Voraussetzung die Acnderung der kommunistischen KampfeSweise gegenüber der SJ und der Sozialdemokratie fordern. Wir bringen an« schließend die Antwort der SJ Eger an die kommunistische Jugend zum Abdruck: „Die Notwendigkeit gemeinsamer sozialistischer Aktionen sowie die Vereinheitlichung der Arbeiterbewegung erkennend, tragen wir in uns den Wunsch und die Hoffnung, zur Erfüllung dieser Notwendigkeit ehestens zu gelangen. Wir unterlietzen bei keiner Gelegenheit, den kommunistischen Jungarbeitern diese unsere Anschauung kundzutun und alles zu vermeiden, war die bestehende Kluft zwischen den beiden Bewegungen vertiefen hätte können. Wir taten dies mit der Ueberzeugung, dah unS auf der anderen Seite dieselbe Ehrlichkeit und.dasselbe Vertrauen entgegengebracht wird. Dieser Vertrauen wurde zur sel- ' ben Stunde, da wir zu Euerem Angebot Stellung nehmen wollten, bedenklich erschüttert. Von unserer VerbandSleitung erhielten wir die Nachricht, datz in der kommunistischen Presse der Vorwuche bereits über«ine zustande gekommene Einheitsfront in Eger berichtet wurde. Wir erklären, datz solche Lügenmeldungen unsere EinheitSbestrebun- gen nicht beeinträchtigen können und wir in diesem Sinne unsere bisherige Tätigkeit fortsetzen Soll jedoch unser Bestreben zu einem Erfolge führen, so müssen wir verlangen, datz auf der Gegenseite die Einheitsfrontbestrebungen von gleicher ehrlicher Absicht getragen sind. AlS Älied der Sozialistischen Jugend sind wir nicht gewillt, di« Beschlüsse unserer Bewegung zu mitzachten und daher nicht in der" Lage,' Euer Angebotzustnn- mend z« erlediget" I Der ganze Kampf der SJ gilt der Verein» heitlichung des proletarischen Kampfes. Sie ist gegen jede Zersplitterung, deshalb auch dagegen, dah die Kommunisten unter der Losung der Ein« heit der Kampfes die Schwächung der Sozialdemokratie betreiben. Es find die Kommuni st en, die sich ändern müssen, wenn wir zu einer Einheitsfront kommen wollen. Es ist vergebliche Mühe, die SJ zu Sonderabmachungen und zu einer Frontstellung gegen die Auffassung der Partei bringen zu wollen. DieSJstehtgeschlos- sen hinter der Partei, sie will die Einhei t.lehntaberdieunehrlichen Manöver, die wieder angewenoet werden, entschieden ab. Internationale Sommerschule In Aussig Im Rahmen des Programms sprach über das, aktuelle Thema„Autorität und Freiheit in der Schule" Gen. Jadoulle-Lüttich. Die Vortragende umrih zunächst kurz ihrenStandpunkt alsPädogo» gin und Sozialistin und ging dann sofort auf die Behandlung der Kernfragen ein, wie weit der individuellen Freiheit in der Erziehung Rechnung getragen werden und in welchem Matze in der freien Klaflengemeinschaft Autorität zur Geltung kommen müsse. St« kennzeichnete die Anschauungen matzgebender Philosophen, Psychologen und Pädagogen auf diesem Gebiet« und ging dann auf die Behandlung der Schwierigkeiten über, die sich ergeben, wenn man sowohl dem Individuum al» der Gemeinschaft gerecht werden will. Diese Schwierigkeiten seien psychologischer Art(Berücksichtigung der Eigenart des Lehrers und der verschiedensten Ausdrucksformen des kindlichen Temperamentes), ökonomischer Art(Wirkung des verschiedenartigen Milieus, in dem die Kinder der allgemeinen Volksschulen aufwachsen und das vom Erzieher unbedingt gekannt und berücksichtigt werden müsse), pädagogischer Art(Schülerzahl, Beschränkung durch Zeit» Stoff, Lehrmittel, die. zur Verfügung stehen,) und wissenschaftlicher Art, da die Forschung gerade auf dem Gebiete des Freiheitsinstinktes noch viel zu leisten habe. Das Kind müsse im Unterricht solche Bedingungen vorfinden, datz es jederzeit seine schöpferischen Fähigkeiten frei entfalten könne mrd dah ständig sein schöpferisches Interesse wachgehalten werde. Die Autorität des Lehrers wirke am besten un« , bemerkt durch die Persönlichkeit und durch sachkundig« Führung und Hilfeleistung, denn Freiheit, de» künde» in seiner Entfaltung bedeute keinesfalls Passivität de» Lehrer». Klar und aufschluh« reich wurde gegeigt, inwiefern man in den verschiedenen Versuchsschulen auf der ganzen Welt gevecht zu werden versuch«. Ausserordentlich wich tig ist dabei die gründliche psychologssch« Schulung' de» Lehrers, dem ein Schulpsychologe beobachtend und beratend zur Seite steht, damit der bestmöglichen Ausbildung der individuellen Fähigkeiten de» Kindes Rechnung getragen, sein Berantwor- tungsbewuhtsein der Gemeinschaft gegenüber geweckt und erhalten und jedes künd nicht nur in der Schule, sondern auch im Beruf auf Grund dieser Fähigkeiten an den richtigen Platz gestellt werd«. . Die Ausführungen wurden mit grösstem Interesse verfolgt und mit Beifall angenommen. Der Vortrag wurde von Prof. Dr. Hertzka(Lett« merih) ins Deutsche, von Doz. Dr. Pkthoda (Prag) ins Tschechisch« überseht. Am Nachmittag fand eine Exkursion nach Teplih-Schönau statt, wohin die Teilnehmer der Sommerschule von der Städtisch ,t Kurverwaltung herzlich eingeladen worden waren. Sie wurden vom Bürgermeister Rufs y begrüht. Das„östcrrckhisdic Antlitz“ Bestialitäten Bee christlichen neelmes Wir entnehmen der„Arbeiter-Zeitung" folgenden Bericht: Des Bundesheer mordet Gelungene, Frauen und Kinder Wir haben wiederholt vergebens Rechenschaft verlangt für-den gemeinen Mord, den in den Fe« berkämpfen eine Abteilung des Bundesheeres in Holzleithen begangen hat. Dort hat da» Militär unter dem Kommando des Majors Charwat nach der Einnahme des ArbeiterheimcS sechs Schutzbundsanitäter auf die Bühne de» Kinosaale» gestellt und erschossen. Unserem Verlangen, dah Major Charwat wegen dieses Morde» zur Verant» Wortung gezogen werde, hat die austrochristlich« Regierung nicht entsprochen; aber den Major Charwat hat trotzdem die Rache ereilt. Der Mordmajor von Holzleithen hat die Abteilung deS BundcSheeres kommandiert, die während des Naziaufstande» am Pyrhnpah gekämpft hat. Er hat sich im Juli gegen di« Nazi ebenso als Bluthund benommen, wie im Feber gegen die Bergarbeiter des Wolfsegg-Trauntaler Reviers. Auch jetzt wieder hat er den Befehl gegeben, keine Gefangenen zu machen, sondern jeden, der in die Hände der kämpfenden Truppe fällt, nieder- z u m ach e n. Der Befehl hatte furchtbare Folgen. Neun gefangene SA.-Leute wurden am Pyrhnpah niedergemacht. Im Gasthaus zum Kalkofen am Pyrhnpah wurde die Wirtin mit einem dreijährige»Kinde auf dem Arm erschossen, solvohl die Mutter als auch das Kind sind tot. Ein zweites Kind der Wirtin, ein zwölfjähriger Knabe, konnte sein Leben nur dadurch retten, dah er sich in einem Kanal versteckte. Alle, die in dem Gasthaus« waren, so ein Reisender aus Liezen, ein zufällig anwesender Handwerksbursche und der Lebensgefährte der Wirtin wurden kurzer Hand erschossen. Die Leichen blieben einen ganzen Tag liegen, so dah die L e i ch e der Wirtin von den Schweinen- an ge- f r e s s e» wurde. Aber- den'Major C h a r v a t, dessen Befehl diese unerhörten Bestialitäten verschuldet hat, hatte vorher schon die tödliche Kugel erreicht. Die Behauptung, di« Wirtin hab« ihn erschossen, ist erlogen; sie ist nur erfunden worden, um den schmählichen Frauen« und Kindermord zu rechtfertigen. HclmwehrhcsflalltiHen gegen Gelungene Aus allen Teilen Oesterreichs wird un» berichtet, dah die Heimwehr während de» Naziauf- stande» und nach ihm die Gefangenen unmenschlich mihhandelt hat. In Linz, wo überhaupt keine Kämpfe waren, haben die Hahnenschwänzler gefangene Nazi im Keller deS Hotels„Schiff" so mihhandelt, datz schliehlich sogar die Polizei dagegen eingeschritten ist. Arbeiter. aus Traunbei Linz— kein« Nazi, sondern Sozialisten— wurden während des Naziauf- stände» verhaftet und von der Heimwchr so mih- handelt, dah die Polizei sie inS Spital überführen muhte. Nach den Kämpfen am Pyrhnpah wurden drei Bauern, die chr Vieh aus der Gefechtszone treiben wollten, von der Heimwehr gefangen, nach Liezen gebracht und an die Wand gestellt. Nur ein Offizier des BundcsheereS, der zufällig dazu kam, rettete im letzten Augenblick das Leben der Bauern. In Salzburg wurden die gefangenen Nazi in der Festung untergebracht und schwer misshandelt. Bauern sind auf den Feldern von den Heimwehrleuten eingefangen und bloh- fähig auf die Festung getrieben worden. Die Jammerschreie der in der Festung Misshandelten waren bis zum Stiegenkcller hörbar. In I n n s- druck wurden alle Gefangenen geschlagen, viele schwer mihhandelt. Drei Nazi sollen erschlagen worden sein. In W i e n wurden gefangene Nazi in dem Hietzinger Brauhaus blutig geschlagen. In Simmering zog am 80. Juli nachmittag» die Simmeringer Heimwehr, mit Knüppeln bewaffnet, durch den ganzen Bezirk und fing auf den Strassen junge Sozialisten zusammen. Die jungen Leute wurden in die Helmwehrkaserne geschleppt und dyrt furchtbar mihhandelt. In PerchtolSdorf wurde«in junger Bursche, der wegen nationalsozialistischer Betätigung ver, hastet gewesen, ckber, weil er erkrankte, aus dem Gefängnis wieder entlassen worden toar, von Ortwehrburschen au» seinem Krankenbett geholt und in die Heimwehrkaserne geschleppt. Dort wurde er ht haarsträubender Weise mißhandelt; man trat IhmdieHoden rin. Tag» darauf ließ man ihn wieder laufen. Al» er in dl« Wohnung seiner Mutter wankte, konnte ihn dies« kaum erkennen: er war an dem «inen Tag zum Grei» gealtert. In Wiener-Neu st adt veranstalteten die Heimloehrleute in der Nacht vom 30. auf den 31. Juli eine Razzia. Sie überfielen Leute, die ihnen«AS Nazi bekannt waren, auf der Strasse und brachten sie in da» von den Heimwehrlern gestohlene Arbeiterheim. In der Umgebung war die ganze Nacht hindurch Schreien und Wehklagen zu hören, da» aus dem geschändeten Ar« besterheim drang. Aehnliche» ereignete sich auf der ganzen Südbahnstrecke. Heimwehrler und Orts« wehrler zogen durch die Orte, überfielen Nazi oder andere Leute, die ihnen nicht zu Gesicht stehen, misshandelten die Gefangenen und plünderten ihre Geschäfte. In Waidhofen a. d. Dbbs ist die Schule vollgestopft mit Nazi, die dort ganz unmenschlich behandelt werden; in der ganzen Umgebung ist ihr Schreien und Wehklagen zu hören. Am Tage de» Doll fuß-Begräbnisses bekamen die dort Gefangenen überhaupt nichts zu essen und muhten eine Stunde habtacht stehen. Ein dreiundzwanzigjähriger Arbeiter aus ttzm nahegelegenen Böhlerwerk, namens Franz Trolp, der sich nationalsozialistisch betätigt hatte, wurde am letzten Freitag, als er auf seinem Rade von der Arbeit heimkehrte, von Heimwehrüurschen abgefangen, mit Gewehrkolben vom Rad geschlagen und so furchtbar geprügelt, dah er in ernster Lebensgefahr schwebt. Es ist kein Zweifel, dah die Bauern« burschen zu solchen viehischen Roheiten von den Heimwehrführern aufgehetzt werden. Diese sind gerade in Waidhofen lautervorbe st raste Subjekte: der Oberförster Karner, der we« gen Unterschlagungen beim Holzverkauf und Bücherfälschungen von der Gemeinde gemah« regelt werden muhte; der frühere Gemeindesekre- tär Lechner, der wegen Betrügereien zu neun Monaten Kerker verurteilt worden ist, die er aber jetzt als wackerer Heimatschützcr nicht mehr ab- zusitzcn braucht, und ein gewisser HolubrowSky, der als Sittlichkeitsverbrccher an einem kleinen Mädchen abgestraft ist. In Neunkirchen ist ein zwei« undsechzigjähriger Buchhändler, ein alter Groh- deutscher, von den Heimwehrlern als Nazi verhaftet und in brutalster Weise über die Strasse geschleift worden;, jein Buchladen wurde geplündert. Au» allen Teilen der Steiermark und Kärntens wird un» berichtet, dah di« Gefangenen furchtbar mihhandelt wurden. Ungeheuerliche Bestialitäten haben die Heimwehrleute in Spital und Seeboden begangen. Ein.Heimwehrmann schlug einen Gastwirt»- sohn so» daß da» Gehirn blotzgelegt wurde; der Mann liegt im Sterte». In Spital haben die Heimlvehrbestien ihre Opfer in da» ehemalige Arbciterheim geschleppt, sie mit den Händen auf Kleiderrechen hochgezogen und sie mit Gummiknüppeln bearbeitet. Auch in Villach, Feldkirchen, St. Veit a. d. Glan hat die Heimwehr ein bestialisches Terrorregime etabliert. Zugegeben, die Nazi selbst wüten in Deutschland gegen ihre'Gefangenen ebenso. Aber bekämpft man darum die Bestialitäten Hitlers, um sie sklavisch nachzumachen? Wer wehrlose Gefangene mihhandelt, ist ein feiger Lump, mag er ein Nazi, ein Hahnenschwänzler oder ein Polizist'sein, o „Unbeugsamer trotziger Widerstand** Wie unsinnig da» Gerede der kommunistischen Presse von irgendeiner Annäherung der fascistischen Machthaber in Oesterreich und der österreichischen Sozialdemokratie ist— wir haben schon erzählt, dah die angebliche sozialdemokratische Konferenz in Budwei» nie stattgefunden hat— zeigt nachstehende» Zitat der „Arbeiterzeitung"(Brünn): Nur wenn wir in unbeugsam trotzigem Widerstande gegen die fascistische Diktatur verharren, nur wenn wir ihr beweisen, dah keine Gewalt uns zu beugen und zu brechen vermag, nur wenn wir alle, die zu ihr überlaufen, achten, alle ihre Organisationen und Einrichtungen boykottieren, allem ihrem Terror trotzen, nur wenn wir zum unversöhnlichen Kampf gegen sie rüsten, nur dann werden wir sie mit jener Furcht erfüllen, die heute wieder wie vor einem halben Jahrhundert allein imstande ist, ihr Achtung vor den Arbeitern und Zugeständnisse an die Arbeiter abzuringen. Und darum gibt e» keine Versöhnung mit der Diktatur, die unsere Besten, von Weissel, Münichreiter und Wallisch bis zu Josef Gerl, gehängt hat, die unsere Berdtrauensmänner und unsere Schutzbündler in den Kerkern hält, die un» in einer Woche zerstört und geraubt hat, was wir in einem halben Jahrhundert aufgebaut und erkämpft hatten, keine Versöhnung mit einer Diktatur, die un» das höchste Recht des freien Menschen verweigert: das Recht, uns zu unseren Ideen zu bekennen und für unsere Ideal« zu werben und zu kämpfen. ..?fitc 8 Friedensreden— die grolle Mode Rach Hitler auch Gömbö» Pari», 11. August.(Hava»)„Petit Journal" bringt eine Unterredung seine» Korrespondenten mit dem ungarischen Ministerpräsidenten G ö m b ö S. Dieser erklärte u. a.:„Ich habe den Krieg als Soldat mitgemacht und glaube, dass derjenige, welcher einen neuen Krieg beginnen tvollte, nicht weih, wa» ist Krieg ist, oder so getvissenlo» ist, dah er gehängt zu werden verdienen würde. Eine wirksame und vertrauensvolle Zusammenarbeit erfordert allerdings Gleichheit der Rechte und Pflichten zwischen den solidarischen Teilneh- mern. Ich glaube daher, dah die Bildung von gegeneinanderstehenden Blocks weit entfernt davon ist, den Frieden und das Einvernehmen zu erleichtern und dah sie zur Folge haben wird, dass der Antagonismus verlängert und die Eutwick- lung zur europäischen Solidarität aufgchalten werden wird. Man muh daher, um zu dieser Solidarität zu gelangen, zu den Prinzipien zurückkehren, ohne die es nie möglich war, eine gesunde und stabile internationale Lage zu schassen. Es ist die» die Idee der Freiheit und Gerechtigkeit, welche nach einem Ausspruche Jean Jack RouffeauS eine gegenseitige sein muh. Ick glaube fanatisch, dah nur eine auf Gerechtigkeit begründete Politik die Welt retten kann." Sicherung der Saar-Abstimmung Saarbrücken, 11. August. Die Regierungskommission hat den zuständigen Stellen einen Erlass zugcleitct, in dem sie ein grundsätzliche» Verbot von Sammelcinreifen inS Saargebiet ausspricht. In der betreffenden Verfügung hciht eü: Im Einvernehmen mit der durch den Bölkerbundsrat in Genf eingesetzten VolkSabstimmungSkonunission wird mitgeteilt, dah es angesichts der bereits stattfindenden Vorbereitungen für die Abstimmung nicht möglich ist, Sammelcinreiscgenehmigung für Personen, die an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen wollen oder als Mitglieder eines Verein» in das Saargebiet einzureisen beabsichtigen, zu erteilen. Bemaschek In Moskau? Wien, 11. August. Wie di« Blätter mitteilen, ist der ehemalige Leiter des oberösterreichischen Schutzbundes Bernaschek, der im Feber d I. sich in Linz gegen die Staatsexekutive gestellt hat und die bekannten Feberunruhen hervorgerufen hat, Donnerstag in Moskau eingetroffen. Bernaschek wurde nach den Febcrereigniffen in Oesterreich verhaftet, doch gelang e» ihm, nach Deutschland zu flüchten. Germanische Religion Feldmarschall von Hindenburg ist in da» Reich eingekehrt, au» dem es keine Wiederkehr gibt: die Geschichte wird über ihn urteilen. Hitler hat auch hier sein Machtwort gesprochen: für ihn ist der alte Herr nach Walhalla übergesiedelt l Wie dieser Rückfall in germanische„Heldenzeiten" auf die übrige kultivierte Welt wirkt, zeigt Gal- lu» in seinem Leitartikel im„Jntransigeant": „Und j«tzt, glorreicher Feldmarschall, zieh' in Walhalla einl" So hat Reichskanzler Hitler seine Rede an Hindenburgs Grab beendet. Walhalla ist da» Paradies der germansschen Krieger, wo sie weiter von frisch-fröhlichen Massaker träumen. Wenn wir an der Bahre eines Toten vom Himmel sprechen, so geschieht das im Gedanken an einem Ort der Ruhe, der Erholung und des Friedens. Sin die Deutschen immer noch so lveit zurück, dah sie der Meinung sind, selbst der Tod lösche die armseligen Streitereien und die kleinen irdischen Strebercien nicht aus und dah sich auch in der Einigkeit die Seelen am Waffengeklirr ergötzen? Was für eine erstaunliche und primitive Religion t Aber der ReichSwchrbischof Pfarrer Pohrmann hat nach Hitler das Wort ergriffen. Hat er das christliche Ideal gefeiert, den Frieden auf Erden und im Jenseits die Läuterung von den Leidenschaften der Menschen? Nein. Er hat recht seltsame Worte gesprochen, die ich dem..Petit Paristen" entnehme:„Die kleinen Menschen", hat er gesagt,„brauchen nur einen kleinen Gott oder nur einen Gott. Die grossen Menschen, die schwere Verantwortung tragen, brauchen einen mächtigen, einen lebendigen Gott." Was soll dieses ketzerische Geschwafel andere» bedeuten, als dah vielleicht Hitler ein Gott sei und dah jede Religion ihr erste» Dogma darin sehen müsse, ihn zu verehren? Wir haben diesen Sah schon öfters von hitzigen Pfarrern gehört, die in ihm einen neuen Christus sehen. In zahlreichen deutsche» Hirnen wütet ein Delirium. Vermerken wir jedoch, dah der Kanzler nebenbei der Hosfnung Ausdruck gegeben hat, dah man schliesslich noch einmal die Möglichkeit finden werde, dem deutschen Volke das Glück des Friedens zu sichern und es gegen das Unglück eines Krieges zu schützen. Wir können feststellen: dah diese Möglichkeit bereits vorhanden ist; das deutsche Bolt braucht nur endlich bereit zu sein, aufrichtig mit allen anderen Völkern zusammenzuarbcitc» und seine Eroberungspläne aufzugeben." Leite 4 Sonntag, 12i August 1034 Rr. 187 Die Pogrom« In FraiuMIlch-Afrlka Eine mit Kleiderfetzcn bedeckte Straße der algerischen Stadt Constantine, wo die- durch einen betrunkenen jüdischen Soldaten gereizte arabische Bevölkerung gegen das Judcnvicrtcl vorging. Etwa 28 Juden kamen ums Leben, Hunderte wurden veäeht, und zahllose jüdische Geschäfte wurden geplündert. Tagcsnculgkcltca Jgnät Herrmann 80 Jahre alt Sonntag, den 12. August, feiert der Nestor der tschechosloivakischcn Journalisten, der Schriftsteller I g n ä t H c r r m a n n, seinen 80. Geburtstag. Er wurde im Jahre 1884 in Chotibok in der sogenannten Oberen Mühle na Dubravce geboren und besuchte die vicrtlassige Normalschulc und die erste Klasse der Realschule in Königgräh. Er sollte Kaufmann werden. Im Herbst des Jahres 1871 trat er in ein Galanteriewaren» geschäft ein, wo er zwei Jahre tätig war. Im Herbst dcS Jahres 1878 wurde er vom Vertag I. Otto aufgcfordcrt, in seine Dienste zu treten. Dort verbrachte er fünf Lehrjahre, wurde später Kassier und Expeditor von Ottoö„PalcLek". Nach dem Austritte August NevSimals übernahm er die Redaktion des„Paleöek" und leitete sic von 1876 bis 1878. Hierauf war er in einer Advo- katcnkanzlci angcstellt. Im Jänner 1881 nahm er eine Stelle in der Administration der„Nä- rodni Listy" an, wo er später Kassier wurde. Anfangs des Jahres 1885 kam er in die Redaktion her„Närodni Lisch". Nahezu acht Jahre schrieb er Berichte für die GcrichtSrubrik. In dieser Zeit schrieb er auch zahlreiche Diärchcn und Humoresken für die Sonntagsbeilage des genanntes: Blattes. Die Anfänge seiner schriftstellerischen Tätigkeit fallen in das Jahr 1878, wo er für die „Humoristicki Listy" und für Ottoö„Paleöek" schrieb. Im Jahre 1882 gründete er die humoristische Zeitschrift„Svanda dudäl". Im Jahre 1004 gelangten seine gesammelten Schriften zur Ausgabe, die 30 Bände umfaßten. Am bekanntesten und interessantesten sind Herrmanns literarische Arbeiten aus dem Leben des Prager Kleinbürgers„U sucdcncho Irämu" und„Otec Kondilik a Zenich Bcjvara" sowie auch„Tchän Kondilik o zek Bcjvara". Jgnät Herrmann ist ein Meister der humorvollen Idylle. In der kleinen feuilletonistischen Novelle» die nicht große Charakteure, sondern bestimmte Typen, nicht die ganze Gesellschaft, sondern Keine, aber' charakteristische Milieu-AuS- schniite gibt, hat er Hervorragendes geleistet. Die Neigung der tschechischen Prosa-Erzählung zu einem heiteren Realismus, der sich von der trasien Elendsmalerei und von der sezierenden Psychologie fernhält, aber dabei auch kitschige Sentimentalität durch einen überlegenen Humor und feine Ironie zu vermeiden weiß, tritt in Herrmanns reichem Schaffen in klassischer Weise hervor. Unsere Leser hatten sehr oft Gelegenheit, das Werk Jgnät Herrmanns kennen zu lernen, denn wir haben eine Reihe seiner kleineren Skizzen, aber auch manche größere Erzählung in eindrucksvollen Uebersetzungen zum Abdruck gebracht. In den letzten Jahren wurden viele Werke von Jgnät Herrmann verfilmt. Lchreckeusszetre bei einer Filmaufnahme Bon Einer Straßenwalze getötet. Prag. Samstag wurden vor halb 4 Uhr nachmittags vor den Filmateliers A B auf dem Barrandov di« Außenaufnahmen für den Film „Hej Rup"<„Holla Hop") gedreht, der von der Gesellschaft Meitznor-Film hergestellt wird. In diesem Film kommt eine Szene vor, in der Werich seine Hosen mit einer Dampfwalze bügelt. Die Dampfwalze lenkt sein Partner WoSkovee. Bei dieser Szene verliert nach dem Szenarium WoS- kover die Herrschaft über die von ihm gelenkte Dampfwalze» pringt von seinem Sitz herab und die Walze fährt in di« vollbesetzte Kantine. Hiebei wird die Walze allerdings von einem versteckte« Fachmechaniker gelenkt. Bei der achten, der letzten Probefahrt, ereignete sich ein tragisches Unglück. Der 50jährige Schauspieler Adolf Marek auS Troja wich in der Kantine der Walze nicht aus, wurde überfahren und auf der Stelle getötet. Adolf Heidrich Btarek war Direktor einer Wanderbühne. Rach der Dürrer Ueberfchwemmuug New Aork. Zahlreiche Gebiete des mittleren Westen der Vereinigten Staaten leiden noch weiter unter der großen Trockenheit. Andere Staaten hingegen, vor allem Colorado, Nebraska, Indiana und Kentucky, wurden von Wolkenbrüchen und ausgiebigen Negenfällen heimgesucht. So kam eö in der Gemeinde Morehaed im Staate Kentucky zu einer plötzlichen Ueberschwemmung, die durch das angesammelte Regenwafser nach einem heftigen Gewitter verursacht wurde, wobei das Eigentum von hundert Familien wcggeschwemmt wurde und zwei Kinder ums Leben kamen. Das Wasser in den niedriger gelegene» Gebieten der Bezirke Garter und Rotvan verursachte Ucber- schwemmungen. Mütter mit ihren Kindern.und ganze Familien mit Gepäck flüchteten in die Bergx, von denen sich Wildbäche, von ausgiebigem Regenwafser genährt,, herabstürzen. Jedweder Verkehr auf den Straßen in der Umgebung von Morehaed ist unmöglich. Die Wassermaffen führen tote Schafe und Rinder mit sich. Dl« Dorf in Flamme« Friedland(Mecklenburg). Das Bauerndorf Fichtenberg wurde in der Nacht zum Samstag von einem Großfeucr heimgesucht. Das Feuer breitete sich infolge der Trockenheit und des starken Windes mit rasender Schnelligkeit auf die angrenzenden Gebäude aus. Insgesamt wurden 18 Gehöfte mit 48 Gebäuden, davon elf Wohnhäuser, eingeäschert. Zahlreiche Kühe, Pferde, Schweine und viel Federvieh kamen in den Flammen um. Fenertod in der Scheune Münster in Westfalen. Beim Drehen in der Scheune eines LandlvirteS in Ladbergen fing aus ungeklärter Ursache das Stroh an der Dreschmaschine Feuer. Der starte Wind trieb die Funken in die Scheune. Die in der Scheune beschäftigten Personen konnten sich nur zum Teil retten. Z:w e i P er s o neu kamen i.n^ en Flam m c n u m S Leben, zwei andere erlitten schwere Brandverletzungen. Losschwindler verhaftet Karlsbad. Auf Grund des BerhaftsbefehleS der Aufsiger Polizei tvurde in Karlsbad der Los« fchtvindler PSeniLka verhaftet, der einem Kaufmann aus Ausiig auf betrügerische Weise 48.000 Kö herauSlocktc und außerdem eine Reihe weiterer, bisher noch nicht fsstgestellter Betrügereien beging. Durch seine Festnahme wurde das letzte Mitglied, ein er verzweigten Bande v.on Los- s ch w i n d l e r n» die im Aussigen Gebiet« ihr Unwesen trieben, unschädlich gemacht. Die DoppelzSagigev. Ein Regime, das allzu oft* den„starken Mann" markiert, leidet meist an innerer Schwäche. DaS Bramarbasieren ist stets, sowohl beim Einzelindividuum, wie bei ganzen Staaten, der Beweis eines Defekts. Minderwertigkeitsgefühle durch dick anfgetragenc Höherwertigkcitsphrasen abzutöten, ist auf die Dauer stets ein untaugliches Mittel. Die Art, wie die braune Barbarei die Untertanen von aller Wahrest sorgfältig fernhält, wie sie erwachsene Menschen mit einem Netz von halben Wahr- Heiken und ganzen Lügen von den Tatsachen fernzuhatten sucht, ist nicht nur ein erschütternder Beweis für die moralische Untertemperatur der Diktatur, die vollsinnige Menschen wie Ent- mündigte im Dunklen tappen läßt, sondern auch ein untrügliches Indiz für das schlechte. Gewissen und die heillose Schwäche deS nur scheinbar sa starken Systems. Die deutsche Reichsregierung erleidet außenpolitisch eine Schlappe nach der andern. Nach allzu keckem, allzu skrupellosem Borstoß folgt regelmäßig ein schmählicher und kopfloser Rückzug. Selbst dem winzigen Oesterreich gegenüber hat Hitler angesichts der Empö- rung der ganzen Welt sehr klein beigeben müs- scn. Die Auflösung der österreichischen Legion, die jetzt erfolgt ist, ist nicht nur eine'völlige Ka- pitulation des großmäuligen Regimes, sie ist auch ein schmählicher Verrat an den armen Ver- führten, denen man Heimat und Stellung gc- raubt, den Himmel auf Erden versprochen und schließlich jetzt die Degradierung und Abschiebung nach Ostpreußen gegeben hat. Von der politisch, eminent wichtigen Tatsache der Auflösung der österreichischen Legion dürfen die deutschen Zeitungen keine Zeile chrjngen!.Stumm bleiben die Lautsprecher der Herrn Goebbels, der Untertan darf nicht er- fahren, wie haltlos das Regime der Phrase und der Gewalt von einer außenpolitischen Blamage in die andere taumelt. Der Untertan darf aber auch nicht erfahren, wie sehr Untreue das Symbol des„Dritten Reiches" ist. Starke Worte zur Aufpulverung der Enttäuschten und Betrogenen im Innern, Kotau und haltloses Zügelschleifen nach außen. Ein System absoluter Doppelzüngigkeit, unehrlich und demagogisch, und doch, bei aller Gerissenheit hilflos. Dies Roßtäuscher- tum ist schwach. Elend schwach. Man sieht es an seiner Angst vor der Wahrheit! Wer den Krieg verhindert. Wer s noch nicht wiffen sollte, kann vom„Berliner Tageblatt" vom 4. August erfahren, welch heroische Leistung Adolf Hitler mit seinem Brief an Papen betreffs Ueber- nahme des Gesandtenpostens in Wien vollbracht hat.„Der Brief des deutschen Reichskanzlers er-, sparte nicht nur Oesterreich eine Besetzung durch fremde Truppen, er ersparte seinen südlichen Teilen vielleicht sogar, zu einem Schlachtfeld eines neuen Krieges zu werden." Aber Hitlers englischer Kollege Sir Oswald MoSley ist doch noch klüger. Ihm blieb cS nämlich Vorbehalten, in einem kürzlich in Newcastle abgehaltenen Meeting die Erfolge des FasciSmuS ins richtige Licht zu rücken. Wie der„Daily Telegraph" vom 30. Juli meldet, sagte er:„Mussolinis energische Führung hat den Frieden in einer europäischen Situation zu erhalten vermocht, die in einer sozialistischen Demokratie zum Krieg geführt haben Ivürde. Die Krise ähnelt jener, die vor zwanzig Jahren im Krieg endete. Aber der Tod des Dr. Dollfuß hat nicht zum Krieg geführt, weil Italien und Deutschland unter neuen Systemen lebe» und energische Maßnahmen getroffen wurden, den Krieg zu vermeiden." Sb, nun wissen wir's..' Selbstmord eines Arzte». Samstag früh wurde der staatliche Distriktsarzt in Petrvald bei TiStn im Bezirke Mährisch-Ostrau MUDr. Ota- kar S t i e b e r in seiner Wohnung tot auf« gefunden. Der hevbeigerufene Arzt stellte eine Vergiftung mit einem unbekmmten Gifte fest. Die Todesursache wird untersucht. Wahrscheinlich handelt es sich um Selbstmord. Der Tote stand im 87. Lebensjahr und lvar sehr beliebt. Straffere Branchengrnpplerung auf der Prager Herbstmesse. Die anläßlich der vergangxnen Frühjahrsmesse begonnene Ncugruppieruyg der Aussteller wird auf der bevorstehenden Herbstmesse weiter fortgesetzt werden. Eine besondere örtliche Zusammenfassung der verschiedenen Fachgruppen wird namentlich für die sehr stark beteiligten Spezialindustrien durchgeführt. Braune Monotonie. Die deutschen Rundfunksender habe«: eine Neuerung im. Sendewcsen durchgeführt. Zur„Belebung der Nachrichtensendung" und zur.„Beseitigung der Monotonie bei längerer Nachrichtendurchgabe" soll von nun ab der Nachrichtendienst ständig durch z w e i S p r e- cher durchgegeben werden. Daß der deutsche Nachrichtendienst von tödlicher Langeweile ist, wird also jetzt auch amtlich zugegeben^. Aber glaubt man wirklich, dem Uebcl- dadurch: beikommen zu können, daß man den gleichgeödeten SchwindÄ in der Sprachvariation verschiedener Stimmen serviert?! Vielleicht aber hat die Neuordnung im deutschen Radio andere Gründe. Da der deutsche Nachrichtendienst offensichtlich, kontraktlich' verpflichtet ist, keiye wahre Meldung, sondern nur braungefärbte. Lügen zu senden, läßt sich verstehen, daß ein einzelner derartigen Anforderungen nicht mehr gewachsen ist. Nun hat man' das Gewicht der falschen Tatsachen auf zwei Schultern verteilt. So gehts vielleicht noch eine Zeitlang. Bis sich die Ballen mitsamt den Archer« Wellen biegen werden! Die Stelle des BeztrtSschulinfpettorS für.die I Volks- und Bürgerschulen und die Kindergärten Init deutscher Unterrichtssprache in den Schulbezirken Marien bad undTeplmit dem Amtssthe- in Marienbad gelaugt zur Bcsct- hung. Die ordnungsgemäß belegten Gesuche nimmt der Landesschulrat in Prag bis einschließlich 30. September 1034 im Dienstwege entgegen. Bier neue Briefmarken. Zum Andenken an di« Schaffung der ersten Freiivilligcn-Truppcn vor zwanzig Jahren gwt die Postvcrwaltung vier Cr- innerungömarken heraus. Auf der grünen Fiinf- zig-Heller-Marke ist die Vereidigung der tschcchi- chen Legion in Kiew abgebildct, auf der roten Einkroncn-Dtarke die Legion„Nazdar" in Bayonne und auf der blauen Zweikronen-Marke der erste Freiwillige. Die braune Dreikronen« Marke zeigt eine allegorische Darstellung von drei Böllern in ihrer Volkstracht: Frankreich, Rußland und Serbien. Die Marken werden am 15. August in Umlauf gebracht und ohne jede Zuzahlung verkauft werden. AnSländischr Gäste in Bad Trplitz'Schönau. Die Hörer der vom Internationalen Berufs- sekretariateder Lehrer veranstalteten, derzeit in Ausiig abgehaltenen Sommerschule besuchten am Donnerstag, den 0. August, die Badestadt, um die wichtigsten Tepliher Knreinrichtunge» kennenzulernen. Ungefähr 120. Lehrerinnen und Lehrer aus Frankreich, Belgien, Holland und der Schweiz; Franzosen, Flämen, Holländer, Tschechen und Deutsche: Vertreter aus Marollo und Nieder- ländisch-Jndien wurden im Steinbade von Herrn Bürgermeister Genossen Josef Rusiy mit herzlichen Worten empfangen und von Herrn Badeverwalter Weis durch dieses Bad, Las städtische Kurhaus, in das Theater und in die städtischen Lichtspiele geführt, wo den Gästen alle sonstigen Sehenswürdigkeiten des Kurortes auch im Film vorgeführt wurden. Herr Dr. Emil Stein erklärte in einem kurzen Vorträge die Heilwirkung der Teplitzer Thermen bei Gicht, Rheuma und Ischias. Universitätsprofesior Genosse Zoretti aus Paris sprach für den liebenswürdigen Empfang den Dank im Namen der Gäste aus und rühmte die Schönheit der Stadt und di« Füll« des Gesehenen. Den Abschluß der Wanderung durch Teplih bildete ein Besuch des Kurkonzertes im Kurgarten, wo die Gäste bewirtet wurden. Alle Teilnehmer waren entzückt von dieser Studienfahrt, insbesondere von den modernen Einrichtungen der Teplitzer Kuranstalten, und versprachen ihre in Bad Teplitz-Schönau gewonnenen Eindrücke ihrer Heimat zu übermitteln Wahrscheinliches Wetter heut«: Unbeständig, von Westen her fortschreitende Abkühlung mit Schauern, einzelne Gewitter, West- bis Nord- wcstwind. Im Osten zunächst noch keine wesentliche Aenderung.— Wetterauösichen für Montag: Unbeständiges und relativ kühleres Wetter bei nordtoestlichem Wind. 30.000 Katze«. Der Stadtrat von Istanbul beschäftigte sich in einer Sondersitzung mit der ungeheueren Vermehrung der Istanbuler Katzen, die schätzungsweise in einer Anzahl von 30.000 Stück durch Geschrei und Zudringlichkeit die Stadtbewohner belästigen. Die Gemeindevertretung beschloß, die Katzen fangen und auf eine verlassene Insel im Marmara-Meere schaffen zu lassen, wo sie in gleicher Weise ihrem Schicksal überlassen werden sollen, wie seinerzeit die auf dieselbe Art behandelten Hunde, die dort alle grausam Hungers starben- Vom Rundfunk GmPfehl»>mW«t«» tu de» Programmen r Montag:.. Prag, Sender L.: 10: Schallplatten, 10.20: Deutsche Nachrichten, 11.05: Konzert des Salon- orchesters, 12.10: Schallplatte»: Mozart, 13.30: Arbeitsmarkt, 15.15: Konzert des Salonquartetts, 18.20: Deutsche Sendung: Direktor Maresch: Reichenberger Messe, 18.35: Dr. Rettl: Die Salzburger Festspiele 1034, 13.55: Deutsche Presse und Wetter, 10.50: Orchesterkonzert, 20.45: Harmonium und Hausmusik, 22.15: Estländische Volkslieder, 28: Deutsche Nachrichten. Sender S.: 14: Liederkonzert, 14.80: Deutsche Sendung: Bunte Schallplattenfolge.— Brünn 18.80: Arbeitsmarkt, 17.45: Deutsche Sendung: Dr. Schönfeld: Ueber den Schlaf und seine Störungen, 18.20: Opernarien, 19.80: Saxo- phonsolos. Mährisch-Ostrau 18.20: Deutsche Arbeite rsendung:Kr en tz: Die menschlichen Beweggründe dir GimossenschaftSbewegnngen, Haas: Humor vor den Ferien, 22.45: Chansons. — Preßiurg 10.30: Klavierkonzert. Dienstag: Prag, Sender L.: 10: Schallplatten, 10.20: Deutsche Nachrichten, 12.80: Orchesterkonzert, 18.40: Schallplatten, 15.15: Orchesterkonzert, 17.40: Schallplatte», 18.20: Deutsche Sendung: Kreische liest ein Kapitel aus seinem Roman: DaS neue Geschlecht, 18.85: Lieder aus dem Elbetal, 10.10: Schallplatten, 20.10: Sommereindrücke, 22.15: Konzert des Salonorchesters. Sender S.: 10.80: Orchesterkonzert, 14:10: Harfenkonzert, 14.25: Deutsche Sendung: Purkart: Die deutsche Blindenselbft- hilfe, 14:85: Schallplatten von I. S.«ach.— Brünn 17.55: Schallplatten, 18.20: Deutsche Sen- düng: Arbeiterfunk: Soziale Infor-, mationen, 18.25: Schulz: Wochenende am Toten Meer.— Mährisch-Oftra» 18.05: Walzer auf Schallplatten, 19.10: Orchesterkonzert, 21.85: Klavierkonzert.— Preßburg 20.55: Liederkonzert.— Kascha« 21: Opernstündche«. 911. 187 Sonntag, 12. August 1934 „Sozialdemokrat" «Seite 5 Das Schlachtfeld der Arbeit Die 28 proletarische« Berufskrankheiten ObersanitätSrat i. R. MIlDr. Ernst Kalmus, Dozent an der Deutschen Technischen Hochschule, beschäftigt sich in einem sehr instruktiven Artikel in der„Medizinischen Klinik" mit den „Berufskrankheiten und ihrer Entschädigung". Bor etwa 200 Jahren schrieb der berühmte italienische Arzt Bernardino Ramazzini, der Vater der Gewerbehygiene, sein grundlegendes Werk„De morbis artificum". In ihm gab er zum ersten Mal eine Schilderung jener Krankheiten, die wir heute als Berufskrankheiten bezeichnen. ObersanitätSrat KalmnS stellt fest, daß Ramazzini bereits von 40 Krankheiten zu berichten wußte, und teilt dann u. a. mit: „Die Fabrikarbeit hat eine große Zahl von Berufsgefahren verschiedener Art mit sich gebracht. So mußte in England durch ein Gesetz aus dem Jahre 1833, also vor 100 Jahren, bestimmt werden, daß Kinder vor ihrer Einstellung in einem Fabrikbetrieb ärztlich überprüft werden, ob sie die Entwicklung eines neun- bzw. 18jährigen Kindes erreicht hatten, da für die Kinder dieser Altersstufen eine verkürzte Arbeitszeit vorgesehen war. Amtlich waren in Frankreich Arbeiter- schuhgesche seit 1841 erlassen und durch die weiteren Gesetze vom 4. Marz 1881, vom 9. Mai 1874(Fabrikinspektion) erweitert, aber erst seit dem Jahre 1900 zu einer einheitlicheren Regelung gebracht worden. In der Schwei z, wo einzelne Kantone, wie Basel und Zürich, schon im 17. Jahrhundert manche entsprechende Verordnungen erlassen hatte, lam cs erst i. I. 1877(Gesetz vom 28. März 1877) zu einem einheitlichen eidgenössischen Fa» brikgcseh, das die Frauen- und Kinderarbeit beschränkte, einen elfstündigen Maximalarbeitstag festsehte. Auch in Belgien konnte stchdie Arbeiter« schutzgesehgebung erst seit dem Jahre 1887 durchsetzen, die Gewerbeinspektion seit 1898. In Oesterreich gab es zwar schon zu Ende des 18. Jahrhunderts einzelne Schutzbestimmungen für jugendliche Arbeiter, aber erst mit dem Gesetz vom 28. Dezember 1889 wurde die Fa- brikarbcit der Kinder und Jugendlichen eingeschränkt, durch das Gesetz vom Jahre 1888 die Fabrikarbeit der Kinder unter 14 Jahren verboten und erst das Gesetz vom 17. Juni 1883 brachte die Einrichtung der(technischen) Gewerbeinspek- ioren. In einer in den Veröffentlichungen des Tschechoslowakischen Nationalkomitees für wissenschaftliche Organisation erschienenen Arbeit, wird der durch ÄNfälle in einem-Hahre(1926) verur-' sachte rein materielle Schaden'inder Dschcchoflo« walischen Republik einschl. der Land« und Forstwirtschaft und des Baugewerbe», sowie aller bis» her nicht versicherten Gewerbe auf etwa 1 Milliarde KL geschätzt. In der Tschechoslowakischen Republik besitzen wir seit dem 1. Juni 1982 ein Gesetz über die Entschädigung von Berufskrankheiten, das 28 Krankheiten bzw. Krankheitsgruppen umfaßt und am 1. Juli 1982 in Kraft trat." ObersanitätSrat Kalmus gibt sodann eine grundlegende Analyse dieser Berufskrankheiten, chres Auftretens und ihrer Verbreitung. ES heißt in diesem Teil der Arbeit u. a.: 1. Erkrankungen durch Blei und dessen Verbindungen. Die Bleivergiftung ist nach der Er« kam Prager Rundlunh Am Beginn der Woche stand der sehr beachtenswerte Vortrag des Gartenarchitekten Karl Schlägel:„Das Siedlungsproblem und die Erwerbslosen". Den Forderungen nach großzügiger und planmäßiger Lösung des Siedlungsproblemes, verbunden mit wirklicher sozialer Wohlfahrtspflege kann man nur zustimmen. Die sachlich ruhige und überzeugende Art des Vortrages berührte ungemein sympathisch. Am Dienstag las in der DichterstundeLudwig W ind er die eigene Erzählung„Der Freier"; das ist ein bescheidener Ausschnitt aus dem engen LeienSkreiS eines Handlungsgehilfen, ein aus nachdenklichen Augen kommender, Blick in die Lüge einer Liebe, die als stummes Opfer in das Dasein eines braven Menschen eine Blume Pflanzt, eine Blume, die wohl keine» Duft spendet, aber doch die Täuschung schenkt, daß irgendwo der Frühling übers Land ging. — Nachher spielte die Pianistin M i m i Jäckel mit sauberer Behandlung der thematischen Probleme und virtuoser Beherrschung der techiiischen Forderungen einige Klavierwerke von dem Meister Ansorge. In den aktuellen zehn Minuten am Mittwoch teilte Redakteur Hornig seine Gedanken zu den Tagesereignissen mit. Er verwies auf die propagandistische Bedeutung deS Besuches des Königs von Siam in Prag und verzeichnete, sehr im Gegensätze zu den Klagen des Herr» GcwerberateS Dr. Kreisel in der Borwoche, eine erfreuliche Steigerung des Fremdenverkehrs, der vor allem einen beträchtlichen Auftrieb des inneren Fremdenverkehrs zeige.(Jeder steht eben die Welt von einer anderen Seite.) Die Tendenz der Besserung auf dem Arbeitsmarkte hält an; der Juli brachte einen Rückgang der Zahl der Arbeitslosen um 16.840