14. Jahrgang Dienstag, 14. August 1934 Nr. 188 Dei’ Geist des Dritten Reichs: Eine Bombenfabrik in Saaz Nach der Verhaftung des Henlein-BexIrksHIhrers neue Enthüllungen Ehemalige Nazi und SHF-funktlonSre als Organe des Dresdner Spionagedienstes Im Zuge der Untersuchung, welche der vor einigen Tagen gemeldeten Verhaftung von Mit- gliedem und Funktionären der HriniatSfront HenleiuS folgte, machtet», wie„A—Zet" meldet, »le Behörden in Saaz weitere anfsehenerregende Entdeckungen. Die Gendarmerie von Brüx nahm «ntrr Mitwirkung der Komotauer und Saazer Stationen Hausdurchsuchungen bei weiteren Per» senea vor, die unter dem Berdachte standen, in Verbindung mit der Dresdner Hakenkreuz-Zen- ttale zu sein und antistaatliche Aktionen vorzu» »ereiteu. Die Nachforschungen hatten ein überraschendes Ergebnis. In der Wohnung deS Richard K r a b e tz, »er vor einigen Tagen verhaftet worden war, wurden zwei fertig adjustierte Bombe»» gefunden, die ganz nach rrichSdeutschrm und österreichischem Muster hergrftellt waren. Eine dieser Bombe»» hi» der Größe von 8 mal l> Zentimetern bestand aus Sprengpulver- in einer Papierhülle. Eine ähnliche Bombe war bereits am 28. Juni gesunde» worden, alS auf daS HauS, in welchem der Kommissär der Saazer BezirkSbehörde Dr. Hartman», wohn», ein Anschlag verübt wnrde. Tie zweite Bombe ist viel gefährlicher. Der 2»rengstoff, welcher in GipS eiugegossei» wnrde, siukt in einer Blechdose, so daß die Explosion eine tkdeutend größere Wirkung gehabt hätte. ES»vnrdeu der Gärtnergehilfe Rudolf K o- ritenskh, der Ehanffeur Anton Mohl und der Arbeiter Friedrich KrejLi verhaftet, die sämtlich Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei waren. Mohl war bereits einmal im April d. I. in Haft, als er sich an der versuchten, jedoch vereitelten Entführung eines deutschen Emigranten nach Sachsen beteiligte. Die Gendarmerie bracht« in Erfahrung, daß Krejöi damals Waffen auS der Wohnung MohlS zu Arabetz gebracht hatte. Die Verhafteten erklären, daß der Bombenanschlag«in Protest grge»» die Verhaftung MohlS sein sollte. Auch daS zweite Attentat sollte gegen| Dr. Hartmann gerichtet sein. Bei Krabetz wurden aber noch andere Funde gemacht. Er besaß einen große»» Borrat verschiedener Chemikalie« und Gifte, deren Herkunft und Zweck jetzt nachgeforscht wird. Wie die„Pr. Presse" erfährt, sind insgesamt nenn Verhaftungen vorgenommen worden, davon acht in Saaz und eine in W r j- p e r t. Die beschlagnahmten Flüssigkeiten werden zur Zeit untersucht. ES haiidelt sich nm beträchtliche Quanten. Mai»' nimmt an, daß eS sich um A r s e n haiidelt. Sollte die Ana- Ihse die Richtigkeit dieser Annahme bestätigen, würde rS sich um Mengen handeln, die geeignet wären, eilte große Zahl von Menschen zuvergiften. Die Verhafteten standen mit der Dresdener S p i o 1» a g r z r n» r a l e in Ber- binduug, an deren Spitze M a j o r H e l m steht. Diese Zentrale hat ein ganzes Spionage- netzüberRordböhmen aufgebaut. Man ist gegenwärtig neuen Verbindungen auf der Spur. Bemerkenswert ist, schreibt die„P r. Press e", daß einer der Verhafteten M. i t• glied von Henleins Sudetendeutscher Heimatsfront ist. Die Untersuchung deS Falles, der in der ganzen tschechoslowakischen Oeffentlichkeit das größte Aufsehen erregt hat, wird mit aller Energie fortgesetzt. Noch ein SHF-Mann verhaftet I Ebenfalls der„Pr. Presse" entnehmen wir folgende Meldung: Der BezirkSleitrr Minarz der Sudetendeutfchen Heimat- f t ent(Führer Konrad Henlein) in.Schild- berg in Rordinährei» wurde am Samstag verhaftet. Er wird beschuldigt, mit einer autistaat- ! licken Zentrale in Deutschland Berbinduugen 1 unterhalten zu haben. Minarz wurde in die Haft ! des Bezirksgerichtes ringeliefert. Die Beschreibung der Bomben zeigt, daß rS sich um ähnliche Fabrikate handelt, wir sie die Nazi vor dem 1. Mai in Schönlinde und I in Teplitz vorbereitet hatten. Keine Gnade bei Mlklas Vier Hinrichtungen I Wien, 13. August. Die Gnadengrsnche der vier zum Tode durch den Strang verurteilten nationalsozialistischen Polizisten wurden abgewiesen. Um 22 Uhr 35 Mi«, haben die Hin- richtnngen begonnen. Polizei nnd Bundesherr haben mit Rücksicht auf die Hinrichtungen nm- saffende Sicherheitsmaßnahme« im Landrsge» richt nnd in den umliegenden Straße» getroffen. Wen wird Mussolini berufen? Habsburg tu Starhemberg Rätselraten der Weltpresse um Oesterreich— Der Kleinstaat als Spielball der GroBmächte— Die Auflösung der Exekutive: 260 Polizisten verhaftet I’- Während sich hie Weltpresse, besonders' die französischen und englischen Blätter äußerst lebhaft über die Zukunft Oesterreichs unterhalt und aus der Reise Schuschniggs«ach Ungarn, der Fahrt deS»Fürsten" Starhemberg zu Mu ffolini, dem Familienrat der Habsburger in Biareggio und der Reise OttoS nach Schtveden ei»»e klare Linie zu konstruieren versucht, ist nur eines sicher» die Rrgierung Schuschniggs sitzt wie die Dollfuß' auf Bajonetten, aber diese Bajonette sind zum großen Teil die einer nazistischen Exekutive. Der P»l i z i st r n p r o z e ß belastet nicht unr die Polizei, sondern auch sehr stark den lang« verdächtigen Major Fe y, dessen Rolle am 25. Juli auf jeden Fall nicht nur die deS stillen Beobachters war. Rach Vlättrrmeldungm sind jetzt wieder 2Ü0 Polizisten verhaftet worden, die nach einer im Zusammenhang u»it dem Putsch aufgefundenen Liste biS in die jüngste Zeit ihre Mitgliedsbeiträge an die Nationalsozialistische Partei entrichtet haben. Reben der Tatsache, daß die österreichische Regierung sich ans ihre Exekutiv; fast noch weniger verlassen kann als auf ihr Volk und daß die jeweiligen Verhaftungen von Funktionäre« immer von denen dnrchgeführt»verden, deren Name« man bei der Berhaftnng und Hausdurchsuchung auf deu Mitgliederlistei» findet, neben diesem Beweis der„Unerschütterlichkeit" der Heimwehrdiktatnr sind sich die Weltblätter nur noch darüber einig, daß Oesterreich drin- geud Geld braucht und der„F ü r st" Starhemberg noch dringender. Vereinzelt tauchen neben viele»» sinnlosen Gerüchten auch vernünftigeStimmen auf,, die eS unumwunden aussprechri», daß Oesterreich, solange eS der Spielball.deutscher und italienischer Interessen ist, nicht gerettet werde« kann, sondern nnr durch die H e r st e l l« n g d emo k r a t i sch e n L« ß e n i’ n n 111 Garantie deS B S l k erbundes. Was säst England? London, 13. August. Ueber den Besuch. Star- hcmbergS in'Rom veröffentlicht die Londoner Presse ausführliche Berichte.„Daily Telegraph" bringt den Besuch mit dem Wunsche Starhem- bcrgs in Zusammenhang, die Heimwehr zu reorganisieren.-Her Wiener Korrespondentdeö Blat- »es bemerkt, I t a l i e n habe von jeher viel zur Finanzierung der Heim wehr beigetragen, und man glaube in Wien, Starhem- perg werde versuchen: Mussolini von der Notwen- «glicht g« Worgeugon, dar Heimwehr noch weitere Unterstützung zuteil werden zu lassen. An der „Times" heißt es, in Ermangelung einer amtliche»» Erläuterung dürfte der Hauptzweck des Besuches sein, darzutun, daß die Zusammenarbeit zwischen Italien,'Oesterreich und Ungarn so stark wie jo sei. Wahrscheinlich sei auch Herrn von PapenS Mission erörtert worden. Ferner sei vielleicht die Frage finanzieller Hilfe erwogen worden. DieösterreichischeFi-nanz- lage sei durch die kostspielige Unterdrückung der Juli-Ereignisse sehr schwierig. Andererseits sei nicht anzimehmei». daß den Besprechungen, die der Bundeskanzler Schuschnigg im September in Rom haben wird, borgegriffen worden ist. Ueber die Haltung der.Kleinen Entcnie gegenüber einer etwaigen Wiedereinsetzung der Habsburger heißt es in der„Times", verantivortliche Staatsmänner der drei Staaten der Kleinen Entente hätten sich in deutlichen Worten darüber geäußert. Die Erklärung, daß ein solches Ereignis Krieg bedeuten würde, sei zlvar in letzter Zeit nicht wiederholt worden, aber zweifellos habe die Kleine Entente ihre Absichten in dieser Beziehung nicht geändert. „Dally Herald" glaubt, der F ü r st p l a n e, Präsident v o» O e st e r r e i ch zu w e r- d e n und dieselbe Rolle zu spielen, lvie Reichsverweser Horthy sie in Ungarn spielt, das heißt, Regent zu sein, ohne durch das Vorhandensein eines Königs in Verlegenheit gesetzt zu werden. In Rom werde vielfach geglaubt, daß die„italienische Lösung" des österreichischen Problems nicht mehr Erzherzog Otto, sondern Fürst Starhemberg heiße. Goebbels plant neue Aktionen? Im„Paris Soir" schreibt Charles S i- e a r d, daß Goebbels in P a s s a u eine neue tcr- »rristische Aktion gegen Oesterreich vorbereite nnd daß Pape» völlig isoliert sei. Er werde auch nach Wien von Geheimpolizisten begleitet werden. lNwrtsetzung auf Seite 3.), Das spiel mit der Einheitsfront Die Kommunistische Internationale hat an alle ihre Sektionci» die Aufforderung gerichtet, mit den sozialdemolratischci» Parteien die Einheitsfront hcrzustellcn. Dabei haben die einzelnen kommunistischen Parteien offenbar die Freiheit erhalten, d i e Taktik zu wählen, die sich au§ den Bedingungen ihres Landes ergibt. So sehen »vir nun überall, wo eö konimunistische Parteien gibt, deren Führer sich abmühcn, der neuen Wendung ihrer Moskauer Vorgesetzten gerecht zu werden. Ai» Stelle der„Einheitsfront von unten", die bisher propagiert wurde und jede Verhandlung von Partei zu Partei als eine oppur- tuuisrischc Abweichung von der Linie arg der- Ponte, ist nun die„E i n h c i t s s r o u t von eben" getreten. Was sind die Ursachen, die die Aendc- rung in der Haltung der kommunistischen Internationale herbei geführt haben? Erinnern wir uns, daß Moskau noch»»ach der Macht- c r g r c i f u n g H i t l c r s, aber vor dem 8. März 1933 ein Angebot der So- zialdemokratischen P,arte! Deutschlands zur Herstellung lein er Einheitsfront im Kampfe gc- ! gen den Fascismus a b l s h>» t e. Erinnern wir I uns, daß im ganzen Jahre 1933 und in den er- sten Monaten von 1934 die Koiiummisten überall den unsachlichsten und heftigsten Kamps gegen die sozialdemokratische Arbeiterschaft gc- führt haben, daß sie sic als„Sozialsascisten" verunglimpsr und die Vernichtung ihrer Orga- nisationei» als eine Vor a u s s e h« n g für die Niederlage des FasciSinns auSgcgeben haben. Es gibt da eil» für die tschechoslowakischen Verhältnisse bezeichnendes Dokument, das erst ! einige Monate alt ist: eine R e s o l u t i o n d c o i Z c n t r a l k o m i t c c S der K o m m u• ii istische n Partei der T s ch e ch o s l o- w a k c i. Diese hohe Führung war damals eben von dem„Opportunisten" Gutnian gesäubert worden. Schon beinahe ein Jahr wütete der Hit- ler-Fascismus in Deutschland, und ebenso lange »vurden die sozialdemokratischen Arbeiter in den Konzentrationslagern und in den Kerkern deS Dritten Reiches gefoltert, ebenso lange führten andere in der Illegalität einen bcivundernngS- würdigen Kleinkrieg gegen das fascistische Ter- rorrcgime. Diese Tatsachen hinderten die Kommnni- sie» unseres Landes nicht, vor einigen Monaten in ihrer Resolution den Ausdruck von Stalin als richtig zu unterstreichen:„daß F a s c i s m u ü u n d S o z r o l f a s s i s m u s nicht Antipoden, sondern Zwillinge sind". Und aus eigener Erkenntnis fügten unsere Kommunisten hinzu: „es zeigt sich darin von neuem, daß die sozial- faseistischen Parteien im Dienste der Bourgeoisie einfach zu jedem Verbrechen an den. Interessen des Proletariates fähig sind." Weiter ist die So- zialdentzckratie die soziale Hauptstütze der Bour- .geoisic, sic ist keine Arbeiterpartei, sondern eine bürgerliche Partei, eine sozialfaseistischc Partei.. Die Zulassung irgendwelcher Zweifel an der Richtigkeit dieser Charakteristik der Sozialdemo- kratie treibt Wasser atif die Mühle des Sozial- fasciSnius. Eine ganz b e s o nd erc Ausgeburt des„S o z i a l f a s c iSmu S" ist die S o z i a l d e m okr a t i e in der Tschechoslowakei: In der- Tschechoslowa- kischen Republik, so sagt die Resolution der Kommunisten,„wird die sascisierten bürgerliche De- mokratie zue fascistische» Diktatur»:. Die Re- gierung Malypetr-Meißner-Benesch-Czech wird zur Regierung der faseistischcn Diktatur". Da- ! rum„muß besonders scharf die. Rolle und die Linie der tschechoslowakischen ^Sozialsascisten a ng.epranger t werden". Denn sie treiben angeblich die tschechische Bourgeoisie zu einer imperialistischen Politik gegen Deutschland! Wenn die Sozialdemo- traten von der Verteidigung der Demokratie, das Seite 2 DienStaq, 14. Anyust 1934 Sr. 188 IImiNam CmmIm WllmSCv jpUIIIWI AMloRomle Madrid, 18. August. Gestern hat der Kon- fMt zwischen der Madrider Zentralregierung und den baskischen Provinzen, der fich bereits seit längerer Zeit hinzieht, eine bedeutende Verschärfung erfahren. ES handelt sich hiebei um die Wahl der Mitglieder in einen Sonderausschuß zum Schutze der Verfassung. Die baskischen Provinzen sind hiebei in der Hauptsache bestrebt, die vollständige administrative und politische Autonomie zu erlangen. Die Wahlen in den erwähnten Ausschuß, die von der Madrider Regierung verboten worden waren, wurden gestern in einigen Städten trotzdem durchgefilhrt. Die Gouverneure und Vertreter der Regierung liehen daher— wie das spanische Innenministerium mitteilt— die Bürgermeister von 28 Gemeinden der Provinz Bilbao verhaften. Außerdem wurde noch eine Reihe anderer Personen verhaftet. Im Zusammenhang mit diesen Meldungen sind auch Gerüchte aufgctaucht, denen zufolge als Protest gegen dieses Vorgehen in den baskischen Provinzen der Generalstreik verkündet werden soll. ist die Verteidigung der politischen Rechte und Freiheiten der Arbeiter sprechen, so ist da- nach der Erkenntnis der Kommunisten nur ein„lin- kes Manöver".»Ist doch schon die Errichtung der fascistischen Diktatur in der Tschechoslowakei unter der Losung der Verteidigung der De- m o k r a t i e ein solches großzügiges.linkes' Manöver, durch das der Sozialfascisnius den ontisascistischcn Stimmungen der Arbeiterschaft entgegenkoninit und sie voin rechten Wege ab» lenkt." Es soll damit nur„das westere rasche Tempo der Fascisierung der Sozialdemokratie verhüllt werden." Die tschechischen Kominunisten haben ent- deckt, daß der„Sozialfascisnius die wichtigste soziale Stühe der bürgerlichen Herrschaft über- Haupt ist und daß er in der Tschechoslowakei eine besonders entscheidende Rollo bei der unmittel, baren Verwirklichung der offenen fascistischen Diktatur spielt. Es ist ganz klar, daß die Der- nichtung deö Einflusses der sozialfaseistischen Parteien, dieser sozialen Hauptstützen der fasci- Nischen Diktatur, auf die Massen die Voraus- setzung des Sturzes der fascistischen Diktatur ist" Wohlgemerkt: Damit ist immer die Sozialdemokratie gemeint! Das S y st e m d e r fas- ristischen Diktatur wird in der Tschccho- slowakci„hauptsächlich durch die heutige Regierung repräsentiert". Nach dieser VerlcumdungSflut ist die So- zialdemokrätic abgeschlachtct! Trotzdem hat das Zentralkomitee der Kommunisten in der Tschccho- slowakei nicht vergesse», der Resolution auch einen Abschnitt über die Einheitsfront einzu- fügen darin heißt cS:„Die Einheitsfront ist keine Politik des Blök- les der 5k o m m u n i st i s ch c n Partei mit der Sozialdemokratie,...darum muß in der Einheitsfront unbedingt die führende Nolle der Kommunistischen Partei... dnrchgesctzt werden. Die Tendenz, die Einheitsfront über die Partei zu stellen, die Orieutie- rnng auf die spontane Führung der EinheitS- tzeont durch die Massen selbst, das alles hemmt und erschwert de« Nebergang der Massen zum Kommunismus!" Heute kluge» die kommunistischen Kam- mentare zur Einheitsfront ganz anders. Die noch vor ein paar Monaten als Zwillingsbruder des FasciSmus verleumdete Sozialdemokratie wird heute zur EinhettSfront gegen den Faseis- mus eingeladen! Wie kommen die Kommunisten zu dieser Haltung, die ihrer Einstellung von gestern sovollkommeninSGesichtschlagt? Die Antwort ist einfach: so, wie sie mst der Resolution ihres Zentralkomitees, aus der wir alle die vorstehenden Züate entnommen haben, dagute Zeugnis eine- gelehrigen Schülers von Moskau erwerben wollten, so jetzt mit ihren Einheitsangeboten an die Sozialdemokratie und ihrem offenen Brief an die Arbeiter. Es ist leider nicht eine über Nacht gekommene bessere Einsicht, daß die proletarische« Interesse» und der interyationale Kampf der Arbeiterklasse hie Zu- sammenfaffnag der Kräfte erheische», sondern es find dir»»ssische» Staatsinteressen, die der Kommnistische» Internationale ihren Sektionen> diese Schwenknag befehlen laßt. In den führenden Kreisen der russischen Bolschewisten stellt man sich immer mehr auf die Unvermeidbarkeit eines Krieges im Fernen Osten ein. Unter dieser Perspektive haben sie in den letzten zwei Jahren«ine erfolgreiche diplo- matische Offensive zum Abschluß von Bündnis- und Nichtangriffspakten mit einer großen Reihe von Staaten geführt. In diesen Bemühungen wurden sic vorwärts getrieben durch die Aggressivität, die Hitler gegen den Osten hin entwik- kelte, und durch das enge Bündnis, daö Polen mit dem fascistischen Deutschland eingegangen ist. Es liegt daS furchtbare Eingeständnis des vollständigen Zusammenbruchs der gesamten Tätigkeit der Kommunistischen Internationale und aller bolschewistischen RevolutionSpläne darin, wenn das bolschewistische Rußland in dieser gefahrdrohenden Situation sich nicht an daS internationale Proletariat wendet, sondern seine Zuflucht bei den kapitalistischen Regierungen aller Länder und im Völkerbund, den es fünfzehn Jahre lang herabgesetzt und als kapitalistisches Instrument verschrieen hat, sucht. Der Eintritt Rußlands in den Völkerbund scheint die Frage einer nur noch sehr kurzen Zest zu sein. Sowjctrußland ist dann, und durch seine engen Bündnisse nut den bürgerlichen Regierungen, nicht mehr ein selbständiger Faktor in der Welt- Politik, sondern nur eine unter den Mächten, di« die Entwicklung den Interessen der herrschenden Klasse entsprechend vorwärts treiben wollen.' In dieser Situation, in der nicht die Arbei- ter, sondern die bürgerlichen Regierungen die gegebenen Bundesgenossen der nissischen Bol- fchewisten sind, hat die Kommunistische Internationale kein Interesse mehr an der„revolutionären Propaganda" ihrer Parteien. Eine Rechtsschwenkung wäre ihr durchaus erwünscht und insofern stellt auch die neue Einheitsfront-Strategie nichtanderes als ein Manöver dar, hinter dem d-iese Rechtsschwenkung verborgen werden soll. Der Sinn des 30. Juni Wer wii den Reichstagsbrand wuBte, wurde ermordet Unter den Münchener Opfern de» 80. Juni befand sich, Dr. Fritz Gerlich, der seit der„Machtergreifung" im März 1888 sich in Haft befand. Auf Grund de» Berichtes eines früheren Mitgefangenen werden jetzt nähere Einzelheiten Wer das Martyrium, dem dieser Vorkämpfer des Katholizismus in Bayern feit eineinhalb' Jahren ausgesetzt war, bekannt. »In der Nacht vom 30. Juni 1934 ist in München der' Schriftsteller Dr. Fritz G e r l i ch ermordet worden. Dr. Fritz Gerlich war da- erste Opfer de» Umsturzes vom 9. März 1933 in München. Er wurde am Abend des 9. Marz 1938 verhaftet und in das Polizeigefängnis in der Löwengrube gebracht. Ich wurde wenige Stunden später festgenommen und in die Zelle Nr. 36 im dritten Stock geworfen. Dort traf ich Dr. Gerlich an. Er war mit Striemen und Blutergüssen übersät und konnte sich vor Schmerzen auf dem ganzen Körper kaum aufrechterhalten. Ich verbrachte mit ihm einige Tage in gemeinsamer Hast, dann wurde er von mir getrennt und in die Einzelzelle von Nr. 35 nebenan gesteckt. In dieser dunklen kleinen Zelle blieb er bis zum 28. Juni 1938, kam auf einige Tage in schreckliche Haft nach Sta- delheim und wurde" dann wieder in seine alte Zelle Nr. 35 in die Löwengrube in München übergeführt. In der Morduacht des 30. Juni 1934 wurde er mit anderen Opfern des Terrors in die Zelle Nr. 37, einen Stock höher, geführt und ' dort mit einem Gewehrkolben erschlage». AlS er sterbend am Boden lag, gab ein SS-Mann m eh r e r e S chü f f e auf chn ab... Dr. Ger- lichs Gefangenschaft war ein grausames Martyrium. In der Nacht zum 18. Mai 1933 Mrde er aus der Zelle geholt, angeblich zum„Verhör". Es war der erste Mordversuch, der gegen ihn unternommen, wurde. Er wurde unmenschlich geschlagen und trug schwere Verletzungen davon. Dr. Gerlich war viele Jahre lang, bis 1928, Thesredakteur der„Münchener Neuesten Nachrichten", dann Herausgeber der katholischen Wochenschrift«Der gerade Weg". In dieser Zeitschrift bekämpfte er Hitler und seine Bewegung sehr scharf und warnte unaufhörlich davor, Hitler Gsauhe» zu schenken; denn er kannte ihn, die Ent- stehmig seiner Bewegünamid seine intime Anhängerschaft gänz Dessau.''^Gerlich »ar außerdem in dem Besitz von Dokument« gelangt, die Hitler, Goering und Röhm schwer belastet«, und hatte diese Dokumente zum Teil im«Geraden Weg" veröffenüicht. Ich verbrachtet wie bereits erwähnt, die ersten. Tage im Gefängnis gemeinsam mit Dr. Gerlich, vom 10. bis zum 17. März 1933. Ich hatte Gelegenheit, ihn nach der Schreckensnacht des 16. Mai zu sehen und zu sprechen. Ich sah und sprach ihn zum letztenmal während eines Spazierganges im Zuchthaus in Stadelheim am 6. August 1988. Ich kannte Dr. Gerlich von früher her, und er brachte mir ein freundschaftliche» Vertrauen entgegen/ das auf dem gemeinsamen polittschen Kampf und den Erlebnissen im Gefängnis begründet war. Am 12. März 1933 sagte er mir, getreu meinen täglichen Eintragungen: „Ich weiß, man wird mich ermord«. Ich weiß, daß Hitler erklärt hat— Information durch Dr. Georg Bell(der damals noch Hitlers Vertrauen hatte, am 5. April 1933 aber auf Hitlers Befehl in Durchholzen bei Kufstein, auf österreichischem Boden, von einem SA-Kommando erschossen wurde),— ich würde zu denjenigen zählen, die, wenn er. zur Macht kommt, aufgehängt werden. Geben Sie mir das feierliche Versprechen, falls ich hier den Tod finde, und falls Sie lebend aus dieser Hölle kommen, die Oeffevtlich- keit Wer folgendes aufzuklären: „Ich weiß durch Dr. Georg Bell, Nachricht vom 5. März 1933, daß Goebbels de» Reichstagsbrand inszeniert hat und daß Goering die Ideen verwirklicht hat." Dr. Gerlich sagte weiter: „Geben Sie mir Ihr Ehrenwort, in der Oeffentlichkeit zu erklären, daß ich, wie immer die Nachricht von meinem Tode lauten möge, als überzeugter Katholik den Selbstmord verabscheue und niemals SeGstmovd begehen tverde." Am 6. August 1938, als ich Dr. Gerlich zum letztenmal sah— es war bei einem Spaziergang auf dem Gefängnishof zu Stadelheim—, konnte er mir folgendes zuflüstern: „Wir komm« nicht mehr lebend»ns diesen Manern. Man will uns einen Hochverratsprozeß machen und uns hinter Zuchthausmauern verschwinden lassen. Wenn Sie— Sie sind Ausländer und haben vielleicht doch die Chance— herauszukommen, vergessen Sie nicht, was ich Ihn« in der Löwengrube gesagt habe. Hitler wird mich ermord«. Wenn die Nachricht von meinem Selbstmord kommt, dann wissen Sie, was sie bedeutet." Ich habe das Versprechen des Ermordeten erfüllt, und wahrheitsgetreu, auf Ehre und Gewissen, zu Papier gebracht, was mir Dr. Gerlich berichtet hat. Dr. Gerlich ist am 30. Juni ermordet Word«. Ich weiß, daß das in der Zelle Nr. 37 geschehen ist. Hitler hat, als er über die Morde vom 80. Juni sprach, keinen Namen genannt, er hat auch mit keinem Wort der furchtbaren Mordtat an Dr. Gerlich Erwähnung getan." Goering-Methoden In China Nanking, 12. August. Sieben chinesische Kommunisten sind in Kanton wegen Hoch« und LandeSverrates-hingerichtet worden. Sie sollen die Aufgabe gehabt haben, in Fukien einen Aufstand zu inszenieren.. 23 W FRITZ ROSENFELD: DD Cbcjutta EIN ROMAN ZWISCHEN TRAUM UNO TAO Kunde kam an mein Ohr, daß der Teppiche seilbietet, die prächtiger sein sollen als die Teppiche auf Illleila, Akrod und Alumat. Kunde kam an mein Ohr, daß er in höhnischen Reden meiner Herrschaft noch wenige Tage gibt. Schon soll Asrael seine dunklen Flügel ausgebreitet haben, um die Schatten des Todes auf mich zu senken. Nun, ich lache der Worte eines Toren. Aber ich dulde nicht, daß man meiner lacht. So habe ich seinem Leben nur noch wenige Tage gegeben, schon breitet Asrael seine Flügel aus, um Abu Usias Auge zu verdunkeln. Das Schicksal eines jeden Menschen ist um seinen Hnl» gebunden, lehrt der Prophet. Abu Ussa hat durch seine Worte den Tod gewählt' Du, Pal, und du, Schagin, ihr zwei Tapferen aus dem Heer der Lssassinen, bringt mir seinen Kopf." Pal biß die Lippen aufeinander, seine Blicke gingen dem Muster auf dem Teppich nach. Einen Mann sollte er erschlagen, der nichts verbrochen hatte, nur ein paar böse Worte über Ala Eddi» waren sein Vergehen. „Ich gebe euch diesen Dolch mit," sagte Ala Eddin und zog eine lange spitze Klinge au» seinem Gürtel.„Er öffnet euch alle Wege. Zeigt ihn, wenn eure Pferde ausgepumpt sind, zeigt ihn, wenn ihr Kamele braucht, zeigt ihn in den Schenken, wenn ihr hungrig seid. Sagt: Mester Ala Eddin»!" Schagin faßte den Dolch. Kostbar war sein Griff, haarscharf seine Klinge. Das Räucherwert bohrte im Hirn, biß in die Augen. „Run schärft euch meine Worte ein," sagte Ala Eddin.„Dieser Dolch wird, wenn die Sonne dreimal gesunken ist, in der Brust Abu Ussas stecken, dort, wo sein Herz schlug. Mit diesem Dolch im Herzen wird man Abu Ussa auf dem Markt von Rai treffen, und alle werden wissen, wer den Dolch in Abu UssaS Herz gestoßen. Ihr aber werdet heimkehren, an diesen Ort, und mir berichten. Ich werde euch belohnen oder bestraf«, wie ihr euer Amt verwaltet habt." Die Blicke Ala EddinS, diese Micke! Wie Nadeln stachen sie, wie Gift drangen sie in den Körper und beherrscht« chn. Zu Tula sprach Ala Eddin:■ „Gib ihnen Pferde. Gib ihn« estwn Krug Wein. Gib ihnen grüne Mäntel. Es ist kalt in den Bergen." Pal und Schagin neigten fich, Tnia und Amur küßten die Pantoffel de» Alien. Pal und Schagin tranken einen Krug Wein leer, starker, roter Wein war e», der schläfrig machte und die Gedanken lähmte. Dann stiegen sie auf ihre Pferde und ritten in die Richtung, die Tula ihnen wie». Gegen Rai, Abu Ussa zu bestrafen. Eine Nacht ritten sie schweigsam, es war kein Mond, es waren keine Sterne am Himmel, Wolkenburgen standen über den Berggipfeln, tief hingen Wolken bi» ins Tal herab. Die grün« Mäntel zogen sie eng um den Leib, e» war kalt, Am Morgen waren ihre Pferde ausgepumpt, sie gingen in eine Schenke. Als der Wirt die grünen Mäntel sah, hob er die Hände, als er den Dolch sah, neigte er sich bis zur Erde, als Pal sagte: „Reiter Ala Eddins," kam ein Wortschwall über, seine Lippen, der die Rester seiner Dienstbereitschaft versichern foHie. „Neue Pferde," befahl Schagin. Der Wirt führte sie in seinen Stall, gab ihnen seine besten Rappen. Gab ihnen Speise und Trank, hüllte die Pferde, auf denen sie gekommen waren, in Decken. Pferde Ala Eddins!. Durch ein Tal ging der Weg. Sie konnten die Rappen traben lassen. «Hast d« je von Ab» Ussa gehört?" fragte Pal. „Nein," sagte Schagin. „Hast du je von Rai gehört?" „Nein." „Und wir müssen Rai in Schrecken setz« und Abu Ussa töten. Weil er es will." „Sein Wille ist Gesetz." „Wie ich ihn hasse." „Er hat dm Schlüssel zum Garten," sagte Schagin. So ritten sie weiter. Das Tal mündete in, die Wüste. Hoch war der Sand, mit den Pferden kamen sie nicht durch. Da liehen sie Kamele: der Dolch, die grünen Mäntel, das Wort:„Retter Ala Eddins" erschloß ihnen jeden Stall. Zwei Tage ritten sie durch die Wüste. Dann standen die Minarette von Rai wie Spielzeuge in der Ferne. Am Tor von Rai, in einer Schenke, ließen sie die Tiere, die Mäntel. Als zwei Wanderer, bestaubt, müde, kamen sie in die Stadt. Nach dem Haus Abu Ussas fragten sie. Neben dem Bazar liegt es, sagte man ihnen, am Fuße des Minarett». Teppiche hängen an den Türen. vor dem Haus Abu Ussas standen sie. Der Abend dämmerte, die Silhouette des Hauses zeichnete sich scharf auf dem durchsichtigen, blaßblauen Himmel ab. Schagin faßte den Dolch: „Wer stößt zu?" Pal sagte, die Hände zu Fausten geballt: Du bist gewohnt, das Schwert zu führen, stoß zu!" Schagin nickte. Sie klopften an die Türe, 'sie sagten, Teppichhändler wären sie, ihre Karawane lagerte vor der Stadt, Abu Ussa wollten sie sprechen, einen Handel abschließen mit ihm. Man ließ sie eintreten. Abu Ussa kam: ein hoher Greis, mit sehnigen Häikden und einer guten, milden Stimme. Er hieß sie niedersehen, er bewirtete sie. Pal sprach: er log, er log gut. Er log von Ländern, die er nie gesehen. Schagin fühlte nur den Griff de» Dolches. Auf dem Markt mußte Abu Ussa liegen, diesen Dolch im Hxrzen. „Seht euch unsre Waren an," sagte Schagin. „Morgen, morgen," sagte Abu Ussa.„Es ist dunkel, meine Augen sind trüb." „Morgen reis« wir"weiter. Du mußt noch heute unsre Teppiche besehen." „Müde bin ich vom Tag. Bringt sie her!" „Es sind ihrer guviele. Unsre Tragtiere schlafen schon. Kurz ist der Weg bi» zum Tor. Komm mit uns!" Da erhob sich Abu Ussa, und verließ sein Haus, das er nicht Wiedersehen sollte. Sie gingen über den Markt, vor dem Minarett fragte Schagin: „Kennst du Ala Eddin? Er soll mit seinem Heer heute wieder eine Karawane gefangen haben." „Allah wird ihn strafen," rief Abu Ussa. „Den Mörder, den Räuber, den Feind des Frieden»! Meinen Sohn hat er erschlagen, weil sein Weib ihm gefiel. Meine Tochter hat er geraubt. Allah zerschmettere ihn, den Feind aller Guten." Die Worte standen im Raum, erfüllten den Platz. Schon wollte Schaglns Hand einhalten, doch da dachte er an den Platz der Feste, an den Palast mit der nackten Frau. Und da sagte er: er hatte e» schreien wollen, aber er sagte e» nur leise: „Einen Gruß von Ala Eddin— und die»!" Die Hände Abu Ussa» griffen an» Herz, ein Schrei gellte aus seinem Mund. Der Schrei weckte die Stadt. An den Fenstern zeigt« sich Köpfe, (Fortsetzung folgt.' Ifc. M® Sette 8 14. August 1934 Vier Todesurteile und schwere Kerkerstrafen Im Putschlstenprotefl Internationale Sommerschule Aussig In der Wechselrede zum Referat des Genossen I a d o u l l e, sprachen am Freitag Dr. Rühlberger(Trautenau), Weber(Bet» sailleS), Dr. Walter(Zürich), und Dr. Ritter(Warnsdorf). Wie Wechselrede hatte soviel neue Probleme angeschnitten, daß beschlossen wurde, sie noch nicht als gelöst zu betrachten und später in der Debatte fortzusetzen. Schorsch(Oesterreich) brachte dann aufschlußreiche Tatsachen über die Lage des FGB in Oesterreich und die Stellung der Lehrer. Der zweite Bormittag der Sommerschule verlief auf diese Weise außerordentlich angeregt und brachte wohl allen Teilnehmern Anregungen und erwünschten Aufschluß. Für den Nachmittag war ein Ausflug nach Hirschberg vorgesehen mit Besichtigung des Kinderheims der„Arbeiterfür- sorge", von dem die Teilnehmer und Gaste aus dem Ausland restlos begeistert waren. Am Samstag hatte das Hauptrcferat Kurt, der über Liberalismus, FasciSmuS, Sozialismus und die Erziehung der Jugend sprach. Der Vortragende gab zunächst einen klaren Ueberblick über die geistigen Voraussetzungen des Liberalismus und kennzeichnete dann diese Bewegung und ihre Auswirkung auf dem Gebiete der Wirtschaft, Naturwissenschaft, Kunst und insbesondere der Pädagogik in ihrer Blütezeit und die Folgen der schrankenlosen Befreiung dcS Individuums in der Verfallszeit. Die in dieser Etappe atomisierte Masse versuche der FasciSmuS durch seine allbe- lannten Methoden zusammenzufassen. Auf welche Weise er dies auf dem Gebiete der Erziehung versucht, wurde an den Grundgedanken dcS Krieck» schen Buches: Nationale Erziehung aufgezeigt. Wesentlich sei die Ausschaltung des!verstandesmäßigen Denkens, da- durch Gefühl, Symbolik, Me- thaphysik erseht werde. Während sich so die Geisteshaltung des FasciSmuS immer weiter von der Realität entferne, baue der Sozialismus auf den erkannten naturwissenschaftlichen Grundlagen auf und erkenne und erfasse vor allem die Bedeutung der menschlichen Arbeit für den Einzelmenschen und die Gemeinschaft. Diese grundlegende Erkenntnis müsse in der Erziehung jederzeit maßgebend sein und habe in den Arbeitsschulen seinerzeit nützliche Anwendung gefunden. Die Errungenschaften der Technik mußten auch eine technische Neuordnung der Gesellschaft bedingen. In der Bewegung der Kinderfreunde habe diese Neuordnung teilweise ihren Ausdruck gefunden. In der Diskussion sprachen Dr. Walter (Zürich), und Prof. Herbig(Budweis). Am Nachmittag hielt Doz. Dr. P k 1 h o d a (Prag) einen außerordentlich aufschlußreichen Vortrag über die Schulpolitik der Tschechoslowakei, worin er deren Hauptbestrebungen: Vereinheitlichung, Verstaatlichung. Ausbau und di« Schulversuche der Einheitsschulen besprach.(Individualisierung des Unterrichtes, aber Kollcktivisierung der Erziehung). In die Debatte griffen dann Weber(Versailles) Mercier(Casablanca) und Borgers(Rotterdam) ein. Aus der Wechselrede ergab sich der Wunsch, die cntsprchcnden ausländischen Verhältnisse kenncnzulernen, eine Aufgabe, die der nächste BortragStag lösen wird. Konsolidierung der Sozial demokratie In KarpathoruBland Am 12. August fand, wie„Prävo Lidu" berichtet, eine sozialdemokratische Konferenz in UZHorod statt, an der auch der Zentralsekretär der tschechischen Sozialdemokratie, Genosse D u n d r teilnahm. In dem Bericht über diese Sitzung wird gesagt, daß alle Hoffnungen der Gegner der So- zialdemokratie auf eine Zersplitterung der Partei in Karpathorußland zunichte geworden sind. Die sogenannte„ungarische Opposition", die sich in der Sozialdemokratie Karpathorußland- aufgetan hatte, hat nicht in sachlichen Dingen» sondern in unerfüllten persönlichen’ Ambitionen ihren Grund gehabt. Die Positionen der Partei sind nach wie vor unerschüttert. Das vertrauen in die Partei in Karpathorußland muß noch wachsen, weil die Agrarpartei selbst nunmehr die Richtigkeit der Politik der tschechischen Sozialdemokratie in der natiomklen Frage Karpathorußland- hat «»erkennen müssen, bezw. diese Politik nachahmt. Die tschechisch« Sozialdemokratie ist stet- ruthenisch und nicht großrussisch orienttert gewesen und die Agrarier fördern jetzt auch(wie wir übrigen- vor einigen Tagen schon berichtet haben) da» Athenische Element." »(Fortsetzung von Seite 1.) Wien, 13. August. Sämtliche Angeklagte« iw Putschisten-Prozeß wurden de- Hochverrate-, Zranz Leeb außerdem der öffentlichen Gewalt» tättgkeit, begangen durch Freiheitsberaubung an dem Kriminalbeamten, für schuldig erklärt. E» werden verurteil: Josef H a S l» Franz L e e b, Ludwig Matze« und Erich Wohlrab-um Lode durch de« Strang, Emil Schrott und Joh. Dobek zu leben-länglichem Ker. ker, Leopold Steiner und Franz Fröhlich zu 20 Jahren schweren Kerkers und Franz PrrngerzulS Jahr« schweren Kerker-, o In einer Reihe österreichischer Städte tagten Montag die Militärgerichte gegen national» ozialistische Putschisten. ES wurden Kerkerstrafen von 10 bis 18 Jahren verhängt. Ole kommunistisch« Verleumdungs- kampagne I« der kmuuruuistischeu Presse wird, wie nicht«der- zu erwarten, weitergelogeu. Rur dass rS augenblicklich im Zeichen der„Einheitsfront" geschieht. Go berichte» di« kommunistische» Zeitunge»«»erlich, daß O t t o Bauer oder seine Mittelsmänner mit de« Kabinett Schuschnigg über die gegeusettige Tolerierung verhandel«. Alle diese Rachrichte« find frei erfunden. Die SPOe.,»ad zwar sowohl die Revolutionäre» Sozialisten als da- Brünner Auslandsbüro, führe« keinerlei Brr- Handlungen mit dem DiktatnrkaViuett und seine» variable« Lakaien. In bürgerlichen Blätter» taucht»euer- ding» die Meldung auf, dass der frühere Abgeordnete Schneeberger«tt der Regierung über de« Eintritt der Arbetter i« die EiuheitSgewerkschast verhaadle. Auch da- ist ei» unbestätigtes Gerücht. Wenn aber Gchureber» ger oder sonstwer tatsächlich verhaadelt hatte» so wäre« das selbständige Gschaftlhubereien einzelner Leute, aber keine Aktion der Partei. Oesterreich muh wieder ddntökratlsch werden I Pari», 13. August.(Havas.) Der ehemalige jugoslawische Minister Svetozar Pribicr- vie gewährte dem Berichterstatter de»„Petit Journal" ein Interview über di« österreichische Frage, wobei er unter anderem sagte: ES ist not- wendig, dem RationalsozialiSmu» in Oesterreich mit einer Hebung de» österreichischen nationalen Qktantat» zu begegnen. Den einzigen Schutzwall gegen den Anschluß» der unter den heutigen Per- hältuiffen sicherlich verheerende Wirkungen nach sich ziehen müßte, bildet gerade der österreichische demokratische Geist, der mtt dem deutschen Hit» leri-mus nicht zu vereinbaren ist. Die ö st e r r«i» chische Demokratie ist leicht zu er neuern, und zwar in der Weise, daß die früheren frrundschastlichvn Lande zwischen den Christlichsozialen der Provinz und den Sozialdemokraten in den Städte« wieder erneuert werde«. Aus diese Weise ließe sich da» Problem wenigstm» provisorisch löse«. Immer neue Wattenkunde Wien» 12. August. I« den letzten Tagen wurden abermals zahlreich« nationalsozialistische Waffenlager, so». a. in Kapfenberg in Steiermark und in den Böhlerwerken gefunden, wo man drei Maschinengewehre, groß« Mengen von Munition» hundert Bajonette«sw. auffand. Gegen diese Firma wird in ähnlicher Weis« wie gegen die Alpine Montangesettschaft eingeschritten werden. Vie Industriellen als„Nationalsollallsten“ Wien, 18. August. Außer der Alpinen Montangesellschaft und den Böhlerwerken stehen noch andere große Jndustrieunternehmungen im verdachte, die illegale nationalsozialistische Tätigkeit unterstützt zu haben. Auch gegen diese Unternehmungen wird eingeschritten werden. Es handelt sich vor allem um die Oesterreichisch-amerikani» sche Magnesitgesellschaft in Radenthein in Kärnten und um die Firma Schoeller und Bleckman. 11«! Im„Burgenvereln" Wien, 12. August. In den Kanzleien de» Vereine» zur Erhaltung alter Burgen, des sogenannten„Oesterrcichischen BurgenvereinS", wurde eine polizeilich« Haussuchung vorgenommen, deren Ergebnis zu der Verhaftung des Sekretärs des Vereine« Grafen Aichelburg wegen illegaler nationalsozialistischer Tätigkeit führte. Der österreichische Burgenverein, dem zahlreiche Adelige angehören, wird wahrscheinüch aufgelöst werdru, Der Wiener Putschistenprozeß brachte keine weiteren Ueberraschungen. Die Angeklagten blieben dabei, daß sie die Sache für eine legale Aktion gehalten hätten. Das Gericht billigte ihnen diesen Glauben nicht zu. Soweit die verhandlungsleiter die Klarstellung de- Sachverhalts nicht absichtlich verhinderten, verdichtetesichderverdach., daß an dem Putsch höhere und höchste Stellen beteiligt waren. Es ist ganz ausgeschlossen, daß die stundenlangen Vorbereitungen, an denen sich untergeordnete Polizei-Organe in großer Zahl beteiligten, ungehindert hätten vor sich gehen können, wenn nicht ein stilles Einverständnis mit höheren Stellen geherrscht hätte. UebrigenS fahren die reichsdeutschen Zeitungen fort, Fey der Mitwisserschaft zu beschuldigen. Pari», 13. August. Rach den charakteristi» chen Anzeichen einiger Meldungen Mer die Habsburger, die nunmehr in den Pariser Blättern immer häufiger auftauchen, und nach den Vermutungen— z. B. daß Otto Habsburg sich aus Stockholm eine Braut heimholen wolle, oder daß der ehemalige König Alphons XIII., in Bled den jugoslawischen König Alexander für die Restauration zu gewinnen versuche— könnte man mit Recht glauben, daß die Restaurierung der Habsburger den üblichen journalisttschen Stoff für den Sommer bilden werde. Das heutige„Petit Journal" leitet jedoch seinen Kommentar mit den Worten ein:«Wir mögen wollen oder nicht, sicher ist, daß die häufigen Reisen der ehemaligen Kaiserin Zita und Otto Habsburgs, die Beratungen der Herren Schuschnigg und Gömbös und vor allem die Erklärung Starhembergs die Habsburgerfrage in das vorderste Interesse gerückt haben." Auch wenn anzunehmen ist, daß es sich eher um ein den erwähnten verantwortlichen Politikern gewidmetes Interesse handelt, ist es doch sicher, daß sich solvohl die gestrigen als auch die heutigen Pariser Blätter sehr eingehend mit der Habsburger-Frage befassen. Bon den gestrigen Blättern machte das sozialistische Organ„P o p u l a i r e", welches sich gegenMer der gegenlvärtigcn österreichische» Regierung und dem Kabinett Mussolinis ablehnend verhält, auf die Gefahr einer etappenweisen Durchführung der Habsburger-Restauration auf» mcrksgm. Da Mer alle, durch die Unabhängigkeit Oesterreichs aus« Tapet, gebrachten, Fragen eine Kriegsgefahr bedeuten, ist das einzige Mittel zur Lösung dieser Frage die Anrufung des Völkerbundes, welcher»ach Anschau« u»g des sozialistischen Blattes einzig und allein in der Lage ist, den Ereignissen die Stirn zu bieten. Aus einem absolut entgegengesetzten Lager stellt der gestrige„Echo de Paris" fest, daß gewisse Anzeichen des Versuches vorliegen, Europa vor das Dilemma zu stellen: Anschluß oder die Habsburger, abgesehen von einigen Anzeichen dafür, daß der Reichsverweser Horthy gegen die Restaurierung der Habsburger auf den ungarischen Thron ist. Sicher ist, daß sich Gömbös und Schuschnigg gleichwie Mussolini und Starhemberg mit diesen beiden Fragen befaßt haben. Es ist allerdings bekannt, daß sich Mussolini gleichwie die Kleine Entente und mit ihr Frankreich dem Anschlüsse cntgegenstellen. Etlva in der Mitte dieser zwei extremen Stimmen steht der gestrige„Le Temps", welcher an einigen Stellen von den Habsburgern spricht. So kommentiert das Blatt in seinem„Die Unabhängigkeit Oesterreichs" betitelten Leitartikel die Reise Starhembergs nach Italien, welche es als eine Ueberraschung bezeichnet und geht von der Anschauung aus, daß sowohl die Restaurierung der Habsburger als auch der Anschluß eine Kriegsgefahr bedeuten, um so mehr als die Nachfolgestaaten die Expansivbestrebungen der Habsburger in Wien befürchten mühten. Aus Genf wird dem Tsch. P.-B. geschrieben: Wie gewöhnlich wird vor der Konferenz der Session des Völkerbundes eine Ratssitzung stattfinden. Der Rat tritt bereits am 7. September zu seiner 81. Sitzung zusammen und wird außer einigen BerwaltungSfragen eine ganze Reihe politischer, finanzieller, wirtschaftlicher, und sozialer Probleme zu beraten haben. DaS Völkerbund-Plenum, das zu seiner 18. Session am 10. September in Genf zusammentritt, findet in seinem Arbeitsprogramm einige schwerwiegend« politische Fragen, deren Lösung allgemeiner Aufmerksamkeit begegnen wird. Der Konflikt Paraguay— Bolivien wird zum erstenmal auf dem Arbeitsprogramm des Völkerbund-Plenums stehen. Außerdem soll in der zuständigen Kommission bestimmt werden, wie mtt dem Vorschlag der polnischen Regierung auf Verallgemeinerung der internationalen Verträge über den Schutz der Minderheiten verfahren werden soll. ■ Man rechnet mit Bestimmtheit damit» daß Rußland unter Umstände» durch LermittüMO Segen den deutschen Gesandten bzw. gegen die Rede, die er anläßlich des Todes Hindenburg» gehalten hat, wenden sich die„Li- dovc Noviny". DaS Blatt schreibt: Es Merrascht, daß der deutsche Gesandte sich nicht, wie eS diplomatischer Brauch ist, aut ein Einschreiten im Außenministerium beschränk», sondern sich darüber in einer öffentlichen Kundgebung beschwert hat... ES ist notwendig zu sagen, daß der deutsche Gesandte einen eigenartigen und sehr ungewöhnlichen Weg der Beschwerde gegen die Regierung eines Staates erhoben har, bei welcher er Gesandter ist. Es wäre weder rötlich noch zweckmäßig, die Protest- oder polemischen Kundgebungen gegen dieses Auttreteu des deutschen Gesandten zu unterschätzen. Wir beschränken unS deswegen darauf aufmerksam zu machen, daß unsere Presse nicht mit Gewalt gleichgeschaltet wurde und es ist auch notwendig zu sagen, daß die kritischen Bemerkungen der erwäbn- ten Presse Mer Hindenburg bei weitem nicht so grob und beleidigend waren, wie einige Artikel der gleichgeschalteten deutsch« Presse, darunter auch deS offiziellen nationalistischen„Völkischen Beobachter" über den Präsidenten Masaryk. Schließlich muß man auch bemerken, daß unser Standpunkt und unsere Stellung zur deutschen Emigration nicht von den Wünschen der deutschen Nationalsozialisten, sondern durch unsere grundsätzliche demokratische Ueberzeugung und durch unsere Rücksicht auf das Staatsinteresse bestimmt sind. Diese tapfere Sprache des tschechisch-bürgerlichen Blattes könnten sich die deutschbürgerlichen Blätter, wie die„Bohemia" und di«„Landpost" zum Muster nehmen. Schlecht getarnt Bor einiger Zeit Haben die Kommunisten in dem Bestreben, einen Keil in die Einheit der sozialdemokratischen Arbeiterschaft zu treiben, unter dem Namen„Klassenkampf"— den sie damit schänden— ein Blättchen herauSgegeben, das als„Organ für die oppositionellen sozialdemokratischen Arbeiter und Jugendlichen" bezeichnet wird. Sie tvollten diesmal ganz besonders schlau sein und ihre Absichten tarnen, deshalb ließen sie den Wisch nicht in der KarlSgaffe in Reichenberg erscheinen, sondern von einem sonst unbekannten Herrn K n e s ch e in Alt-PaulSdorf herauSgeben. Wen der Inhalt des Blättchens— eS ist das bei den Komniuiiisten übliche Gelöster über die Sozialdemokratie— noch nicht über dessen Herkunft unterrichtet hätte, der wird jetzt gründlich aufgeklärt. Der letzten Nummer lag ein Rundschreiben bei, das folgendermaßen beginnt: AltpaulSdorf, 10. August 1934. Werter Postabonnent l Wir haben Ihnen mit heute die 7. Nummer der neuerschienenen sozialdemokratischen Oppo- sitionSzeitschrift„Klassenkampf" gesendet und, da Sie die Zeitung nicht retournierten, nehmen wir an, daß Ihnen diese Zeitung gefällt und Sie sie regelmäßig zu abonnieren wünschen. In diesem Falle ersuchen wir gleichzeitig, bei dem Kolporteur des„V o r w ä r t s", der „Internationale", des.Kämpfer" oder auch des„Tempo" den geringfügigen aufgelaufenen Betrag zu begleichen. Aber, aber, wer lvird denn so ungeschickt sein! Besser tarnen, ihr Kommunisten, sonst gibt Väterchen Stalin eine schlechte Zensur. Otto In Schweden Stockholm, 12. August.(Reuter.) Otto von Habsburg ist heute früh aus Kopenhagen kommend in Helsingborg eingetroften und reiste mit- tels Automobils in nördlicher Richtung ab. In Stockholm wird er Montag abends oder Dienstag früh erloartet. irgend eine- anderen Staates oder einer Staa- tengruppe seine Kandidatur auf dir Mitgliedschaft im Völkerbund anmelden wird. Dir Hindernisse, die sich der Ausnahme Rußlands al» Mitglied des Völkerbünde-»och entgrgrnstellen, sind nicht mehr internationaler Art, sondern au-schließlich nationaler» tor-halb sie nicht mehr in Erwägung gezogen werden. Auch di« Schweiz, die bi-her Rußland d« jure nicht anerkannt hat und deren Presse die Sowjetunion immer noch scharf angreift, wird in keiner Weise gegen Rußland manifestieren, höchsten» wird sich der schweizerische Vertreter in der Bökkerbundversammlung der Sttmme enthalten. Allgemein ist man der Ansicht, daß ver E i n t r i 1 t R u ß l a n d- in den Völkerbund zur normalen Entwicklung der politischen Situation in Europa gehöre und daß gerade die Ablehnung Sowie». rußlands in Genf die größte Ueberraschung darstellen, wenn nicht gar eine ernste Komplikation in der europäischen Politik Hervorrufen würde. .••• SPOe verhandelt nicht mlt| Französische Stimmen Schuschnigg Genf in Erwartung der USSR Seite 4 DienSka», 14. Au»nst 108+ Anglücks-Lhronik zweier Tagd Mer Eisenbahn-Katastrophen Zwei Tote imd 160 Verletzte bei Halle Halle. Sln» 12. August um 7.35 lllir stieß im Kilometer 87 auf der wegen Umbauarbeitcn eingleisig zu befahrenden Bahnstrecke Halle- Leipzig innerhalb des Personenbahnhofes Halle der auSfahrcnde Tricbwagcnzug 1203 auf den auf gleichem Geleise einfahrcnven Berwak- iungssondcrzug 4243 von Meißen nach Goslar. Drr Führer des PcrwaltnngSsvndcrziigcS Holdftri»-Leipzig und eine Neifende wurden getütet und etwa 160 Reisende wurden verletzt, davon 17 schwer. Die Schwerverletzten stammen alle auS Sachsen. Sic wurden sofort in. die Halleschen Krankenhäuser ausgenommen. Die Leichtverletzten sind mit Notverüänden teils zurück, teils Iveiter gefahren. Nach den bisherigen Untersuchungen liegt ein Verschulden deö Fahrdienstleiters vor. Der Präsident der Reichsbahndireltion begab sich sofort an die Unfallstellc. geh« Wage« timt Süterzuges zertrümmert Leipzig. Ein GüterzugSungkück, bei dem vier Ei sc»bahn beamte leicht verletzt und zehn Wagen zertrümmert ivurden, ereignete sich in der Nacht zum Montag auf dem Bahnhof BorSdorf bei Leipzig. Bei der Ausfahrt ans dem Bahnhof fuhr der TurchgangSgüterzug 7056, der sich auf der Fahrt von Leipzig-Engelsdorf nach Döbern befand, auS bisher noch nicht geklärter Ursache auf einen Prellbock, wobei die Maschine um stürzte. Einige Wagengcrieten in Brand und wurden vernichtet. Während die eine Fahrtrichtung der zweigleisigen Strecke bereits tvieder freigemacht worden ist, ist das andere Geleise zur Zeit noch gesperrt. Die amtliche Untersuchung ist im Gange. Sieben Tote und 31 Verletzte in Avignon Paris. Bei der Einfahrt in den Bahnhof von Avignon kam eS Sonntag früh zu einem schweren Eisenbahnunglück. Als um 3.45 Uhr ein Schnellzug der Strecke Genf—V entimiglia mit einer Stundcngeschioindigkeit von 20. Kilometern einfuhr, entgleiste ein Waggon, der noch vier andere Waggons auö dem Geleise riß, die sodann auf einen Lastzug auffuhren. Nach ebnem amtlichen Bericht des Ministeriums für öffentliche Arbeiten wurden' bei dem Unglück stoben Personen getötet und 31 Personen vljrlebt, darunter vier schiver. DaS Blatt„Pa,riS Sott" dagegen behauptet, das- das Unglück acht Tote forderte. Paris. Zn dem Eisenbahnunglück bei Avignon lvcrdcn folgende Einzelheiten gemeldet: Der Genf um 20 Uhr verlassende Schnellzug nach Ventimiglia befand sich etwa 200 Meter von der Einfahrt in den Bahnhof Avignon, als der Dienstwagen ans de» Schienen sprang und vier weitere Wagen mit sich riß, die mit einem auf dem Nebcngeleisc stehenden Lastzug karambolierten. Der Dienstwagen tvnrde vollständig zertrümmert und hiebei derLokomotivführerschtver verletzt. Die Einfahrt in den Avignoner Bahnhof sowie alle vier Geleise der Strecke Paris —Marseille wurden verrammelt. Bei dem Zusammenstoß lvurden auch die elektrischen Leitungen zum Bahnhof zerrissen, so daß der Bahn- h o f f a st g a n z i m D u n k e l lag, wodurch die RctiungSarbeiten ungemein erschwert wurden. Auf der Lokomotive entstand nach dein Zusammenstoß ein Brand, der die Betriebsapparate vernichtete, wodurch die Feststellung der Ursache deö Zusammenstoßes sehr erschwert wird. Den Meldungen der Pariser Blätter zufolge Hal die bisherige Untersuchung ergeben, daß das Unglück dadurch hcrvorgerufen wurde, daß der Zug dieWeichcn in itzu großer Geschwindigkeit passierte. Erst nach Beendigung der gerichtskommiffio« nclleii Uutcnsuchnng am ttnfallöort wird eln amtlicher Bericht mit den Namen der Verunglückten veröffentlicht werden. Z« fchnelle Fahrt? Avignon, 13. August.(HavaS.) Der Loko- m o t i v f ü h r c r des Schnellzuges Genf—Ventimiglia, der gestern entgleiste, wurde verhaftet, da ihm die Schuld an der Katastrophe beigemessen lvird. Er soll mit unzulässiger Geschwindigkeit über die Weichen gefahren sein. 1« Tote und 10 Verletzte bei Muwen Mulde n. Auf dm Personenzug Mulde«— Kirin ist einAns ch lag auSgefiihrt wordm, der iur Entgleisung des Zuges führte. Die Polizei meldet, das 16 P e r s v n r n g e t ö t e t m» d 10 verletzt wurden find. Mer Flugzeug-Katastrophen Militärflugzeug mit Besatzung I verbrannt O l m 8 tz. In T r o u b e l i e e bei Mährisch- Reustadt havariert« Montag früh ei» Flugzeug d r S Fliege rregi in r n trS Rr. 2, dessen Besatzung aus dem Pilot-Gefreite» Pajtkch H a« ä t und dem Beobachter ZugSfüh- reraspirant Karl R k m e i c t bestand. Di« Unter- suchungskoimnission stellte an der Unfallstrlle auf Grund de» Zeugenaussagen fest» daß der Pilot in geringer Höhe über der Gemeinde flog, wo um 8 Uhr di« Hochzett seiner Schwester stattfinden sollte. Um einem Baume auSznweiche«, ritz der Pilot daS Flugzeug scharf nach rechts' und stich toahrschrinlich infolge AuSsetzenS des MotorS an einen Gartenzaun. Das Flugzeug wurde, zertrümmert und verbrannt« samt der Besatzung vollständig. Et» Gportfl«sze«g abgestürzt Berlin, Montag vormittags gegen 0 Uhr stiirztc das Sportflugzeug„D 2300" über Friedri chshagcn bei Berlin aus bisher noch nicht geklärter Ursache ab. Der Führer des Flugzeuges, RegierungSoberinfPeltor Kempe vom Reichöluftfahrtministerium, lourde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus cingelicfert. Das Flugzeug wurde schwer beschädigt. Bei der Zwischenlandung vernnglüett London. DaS in der vorigen Woche in England eingetroffene Flugzeug„Trail of the Cari- Vom Rundfunk Swpfrhlrnowrrte» an» beit Prograuuueni Mittwoch: Prag, Sender L.: 6.30: Gymnastik, 9: Tschechische Arbeiterseiidung, 17.30: Schallplatte«, 17.65: Deutsche Sendpng: Helmüt Weiß: Diamanten am Sumidoure, Hörspiel, 18.55: Deutsche Presse, 20.55: Schallplaiten, 22.20: Deutsche Presse 'und Sport, Sender S.': 14.80: Deutsche Sendung: Musikalisches Bilderbuch. 15.80: Wallachi« sch« Volkslieder.— Brünn 9.40: Liszt: Barationen auf ein Thema von Bach, 17.80: Tanzmusik.— Kofcha» 17.80: Populäres Orchesterkonzert..- I bon" hatte am Sonntag einen Unfall, durch den es schwer beschädigt wurde. Kapitän Reid hatte mit einer Dame Bristol verlassen, um nach Manchester zu fliegen. Er mußte aber lvcgcn schlechten Wetters in Hamble eine Zwischenlandung unternehmen. Dabei stieß daö Flugzeug gegen die Hecke, die den Flugplatz begrenzt. Beide Tragflächen brachen, der Propeller ging in Stücke und ein Teil des Untergestells wurde abgerissen. Die beiden Insassen erlitten nur leichte Verletzungen. Zwei Flieger verbrannt Chicago. Neber dem Flugplatz von Harbour stiessen in einer Höhe von 400 Metern zwei Flugzeuge zusammen. Beide Flugzeuge gingen in Flanimen auf und ihre Insasse», zwei a m e r i k a- Nische Flieger, verbrannten. * Und drei Auto-Katastrophen Znfant Gonzalo getötet Klagenfurt. Am Sonntag fuhr die T o ch- ter des ehemaligen Königs von S p a n i e n, B e a t r i x, mit. ihrem Bruder, dem Infante» Gonzalo, im Auto von Klagenfurt nach Pörtschach, Beim Passieren von Krumpcndorf kam dem Auto ein betrunkener Radfahrer entgegen. Um ihm auszuweichen, mußte die Infantin das Auto nach rechts verreißen und fuhr an eine Mauer an. Hiebei erlitt der Jnfant eine schwere Magenguetschung, wobei einige Blutgefäße platzten. Der Jnfant erlag seinen Verletzungen. Der Radfahrer Ba r o n R i ch a r d N e n m a n n hat seine Schuld an dem Unfall eingestanden. A«tv führt in Nennsahrergrupp« Paris. Kurz nach dem Start eines Straßenradrennens von Rohan nach St.'Junien fuhr ein Auto in eine Gruppe von Rennfahrern hinein. 15 von ihnen wnrden mchr oderwe» Niger s ch w e r verletzt. Drei mußten in besorgniserregendem Zustand ins Krankenhaus überführt Iverden. Schwerer Autozusammenstotz London. Auf einer Landstraße bei Romford in Essex stießen am Sonntag zwei vollbesetzte Autobusse zusammen. 18 Personen wurden schwer und 30 leicht verletzt. * Schlagende Wetter Mnkden, 18. August. In der Kohlengrube Fuschun bei Mulden kamen bei einer Schlagwetter-Explosion 28 Bergleute ums Leben. Ueber 30 Bergarbeiter wurden verletzt. .« Tornado Algier, 13. August.(Reuter.) In Seduk und Ucdamizur, etwa 150 Kilometer von Algier entfernt, sind in einem heftigen Tornado z e'h n Eingeborene ums Leben gekommen. Außerdem wurden zahlreiche Häuser beschädigt und auch viel Bich ist umgekommen.. Die Weingärten und die Ernte auf den Feldern sind vernichtet. VaSeriimiiitzenm Opfer der Berge TüdNch abgestürzt Garmisch. Auf der Dreitor-Spihe sind, zwei Münchener. Berg st eiger, namens Kugler und Schweditsch, tödlich abgestürzt. Kurz vor Erreichung des Vordcrgipfels stürzten die am Seile hängenden Männer etwa 800 Meter tief ab. Wegen des schlechten Wetters konnten die Leichen noch nicht geborgen werden. Siebs« Sühne in de« Beese» verlöre« Wien. Kürzlich wurde in einer Gletscherspalte des Domc-GipfclS im Dlontblanc-Äebiet die Leiche eines Bergsteigers gefunden, von der vermutet wurde, daß es sich um Franz Kainzbauer aus Wien, der seit einem Jahr vermißt wurde, handelte. Nunmehr hat die Mutter des Vermißten einwandfrei festgestellt, daß die Leiche die ihres Sohnes ist. Frau KainKaucr hatte siebenKinder, diealle .in denBergen denTod fanden. Franz Kainzbauer war ihr jüngster Sohn. Bo« Tobe Gerettet Mailand. Durch die mutige Tat einiger Alpinisten' wurden fünf mit dem sicheren Tode ringende Bergsteiger im Dolomitentztblet"gerettet. Ein deutscher Alpinist, der am Sonnabend spät nachmittag an der Wand des Campanile Alto (Brenta-Gruppe) eine Bergsteigergruppe entdeckt hatte, die sich offenbar ingrötzterLebe ns- g c f a h r befand und verzweifctt um Hilfe rief, meldete seine Beobachtungen in dec Pedrotti- Schutzhütte. Eine aus ijalienischcn Studenten und Bergführern zusamntengeschte Rettungsmannschaft ermittelte bei Einbruch der Nacht zwei Männer und drei Frauen, notdürftig angeseilt in verzweifelter Lage auf einem kaum zugänglichen Felsvorsprung. Daraufhin erkletterte die Mannschaft trotz der Dunkelheit unter größten Anstrengungen die Wand, deren Besteigung durch plötzlich einsetzenden starken Regen und Kälte noch gefährlicher wurde. Nach drei Uhr früh gelang cs, an die völlig Erschöpften, von denen ein Mann schwer verletzt lvar, heranzukommen. Während ein Mann der RcttungSexpedition die vier Gesunden durch Seile sicherte und die ganze Nacht bei ihnen verblieb, schafften die übrigen Mitglieder der RcttungSexpedition unter größter Mühe den Verletzten zu Tal. wo er ist einer Schutzhülle in ärztliche Obhut genommen wurde. Die übrigen vier Verunglückten wurden am Sonntag vormittag glücklich geborgen. Kellereinbrnch tötet vier Menschen Brünn. In der Gemeinde Hovorany bei Kyjov stürzte bei einem Kellerumbau im Hause des Bürgermeisters derGemcinde plötzlich die Decke des Kellers ein und begrub den Bürgermeister und die beim Bau beschäftigten Arbeiter unter sich. Der Bürgermeister, I. V y k y d a l, der 50jährige Arbeiter I. M a L i k, der 35jährige I. Bu r g e r und dep 38jährige R. Gromolec wurden von den einvrecheirdcn Stein- und Erdmaffen getütet. Der 39 Jahre, alte Arbeiter. Tomas D o b r o v o l n y erlitt- schwere Verletzungen. Polarforscher Byrd gefunden Viereinhalb Monat« allein m ekner Eishütte! Washington. Der amerikanische Polarforscher Admiral B y r d, der den Südpolar-Winter in einer Observationshütte in völliger Einsamkeit 200 Kilometer von seinem Hauptstützpuntt entfernt verbracht hatte, ist jetzt von der Hilfsexpedition, die ihn abholen sollte, erreicht worden. Der Admiral ist abgemagert und erschöpft, aber, guter Laune. Die Expedition, die von Dr. Thomas Poulter geleitet lvar, hatte am 8. August„Little America" verlassen. Zwei frühere - Rr. 188 suche lvarcn mißglückt, da die Expedition beide« male durch Sturm und Unfälle zur Umkehr ne« zwungen wurde. Eineln Berichte zufolge, den die nationale geographische Bereinigung von der Expedition des Admirals Byrd erhalten hat, weilte dieser vom 28. März bis 12. August allein in einer kleinen Eiöhüttc, um die meteorologischen Verhältnisse dieser Gegend zu studieren. SabttLaMS-Madreaae« de» Aruk Komotau—Tetschen Anläßlich der Feier des 15jährigen Bestandes führt der Aruk, Turn-Tcplitz, am 10. August ein Radrennen über 100 Kilometer auf der Strecke Komotau-Tetfchcn durch. Der Stark der Fahrer erfolgt in Komotau, Prager Straße, um» 7 Uhr früh; sie werden um 10 Uhr in Tetschen eintreffen. Das Ziel befindet sich in Tet>chc>. Bahnhofstraße. Die Fahrstrecke sührl von Komotau über Udwitz, Gürkau, Scestadtl, Kemmern, Brüx, Dnx, Tcplitz-Schönau, Turn, Pric- sten, Kulm, Königswald, Eulau, Bodenbach nach Tetschen.— Aus den bisher vorliegenden Meldungen ist zu erkennen, daß die wirklich besten Fahrer des Aruk den Kampf aufnchmen werden. Wahrscheinlich lvcrdcn sich auch tschechische Arbeiter-Rennfahrer beteiligen, die gesondert klassifiziert werden. Das Jubiläumsrennen Komotau— Tetschen wird jcdcsJahr wiederholt werden. s« die Niagara-FAlle gestürzt New?)ork. Die Fahrgäste der Seilschwebebahn, die vom amerikanischen zmn kanavijchxn Ufer mitten über die Niagara-Fälle führt, waren am Sonntag Zeugen eines aufregenden Vorfalles. Als die Kabine der Schwebebahn sich mitten Über dem Wasserfall befand, überstteg e i n e F r a u in selbstmörderischer Absicht das Geländer der Plattform und stürzte sich in die tosenden Fluten, wosiedenTod fand. Es handelt sich um eine aus Branford(Pcnnsyl- vanicn) stammende Frau Ruth Hyde. Der Gründer Tat ist nicht bekannt geworden. Die Göheusucher. Im„Dritten Reich" des Herrn Hitler ist der Wotanskult sehr populär. Als der neue Reichspräsident dem toter» Hindenburg die Leichenrede hielt, endete er mit dcni nicht sehr originellen, aber ungemein patheti- schon Ausruf:„Nun geh' ein in Walhall!" Schwülstige Trauungen der Mitglieder der deutschen GlaubenSbcwegung, die unter Zuhilse- nähme prähistorischen Zeremoniells vor sich gehen, wobei am Schluß der Posse die glücklich Vereinigten wie entflammte Derwische um ein flackerndes Feuer, zu springen pflegen, sind in Berlin keine Seltenheit. Der„Volkhafte", daist der nordische Geistliche, absolviert dabei einen urkomischen Segensspruch, dör in der Pointe gipfelt, ohne Verzug ermassig hochwertige Kinder zu züchten.Ganz in dieses Milieu der erwachten vorchristlichen Zeit paßt ein Artikel, den ein Wulf Soerensen in der nationalsozialistischen Zeitschrift„Nordland" veröffentlicht. In diesen! Artikel stellt Soerensen fest,„daß die Leiche eines Gehenkten oder Enthauptete»» bei weiten» nicht so furchtbar anzusehen sei, wie die Leichcndar- stellung eines Menschen, den man ans Kreuz nageltet! Nachdem Soerensen seiner arischen Em- pörung darüber A»«sdr»lck gegeben hat, daß deutsche Frauen und Mädchen vor solchem Bilde betend niedcrkilien, fährt er, ein kleiner Wotan mit den» Donnerkeil fort:„Ist es des nordischen Menschen des beginnenden zweiten Iohrtau- sends der noch übliche» christlichen Weltordnung würdig, an allen Straßenecken und Plätzen und an den herrlichen Stellen der deutschen Fluren das Slbbild des Hingerichteten jüdischen Erlösers zu dulden, von dem sie sagen, er sei der Welt- Heiland gewesen?" Wenn Herr Soerensen das Hängen und Enthaupten den Untertanen schmackhaft machen will, so kan»» man dahinter vielleicht die weise Hand des RcichSproPagandamanagerS erblicken. In einem Land, in den» so oft und so schamlos gesetzlich— ungesetzlich gemordet wird, ist cs wohl notwendig, dem Publikum die tag- lichc Justizleiche als eine Notwendigkeit des Alltags zu stlggericren, an die man sich gewöhnen m»»ß, wie mau sich an den täglichen Morgenkaffee und den täglichen Schwindel in den gleichgeschalteten Gazetten gewöhnt hat. Was aber den jüdischen Erlöser nach dem Willen des Herrn Soerensen ablösen soll, ist leider noch nicht be- kannt.Vielloicht versuchen cS dieHcrren mit einem jener Götze»» der„Slltvordcren", denen man gut durchgebratenen Menschenopfer z»» bringe» pflegte. ES bedarf dazu keiner große» Umstcl- lung, weit genug ist das Regiine bereits dazu! - Ein« Prager Gartenbaumeffe. Für di« erste Sepieinbcrwochc ist in Prag die Veranstaltung einer Gartenbaumesse geplant, welche alle Sparten der Gärtnerei und eine FrischobstauSstellung umfassen wird. Vom Starkstrom getötet.. Am Samstag abends war am Neubau der Hydrozentrale in UZhorod der 25jährige verheiratete Monteur Franz Faktor mit Montagearbeiten beschäftigt. Bei Montierung der elektrischen Leitung wurde er plötzlich vom elektrischen Starkstrom w faßt und a«j i>«4 gatittot. 188 Seite-5 DienStag, 14. Eine Krim mit starken Nerven. Die Mitarbeiterin des Forschungsinstitute» für die Zivilluft- schiffahrt Frau Buseva stellt« am 9. August einen neuen Weltrekord für Frauen im Fall« schirmabsprung aus dem Flugzeuge mit verspäteter Lösung des Fallschirmes auf. Frau Buöcva sprang in einer Höhe von 2000 Metern aus dem Flug« zeug und öffnete den Fallschirm erst in einer Höhe von 400 Metern oberhalb der Erde. Während dreißig Sekunden fiel die Pilotin wie ein Stein in die Tiefe und legte so 1000 Meter zurück, bevor sie den Fallsckiirm öffnete. Am 11. August wiederholte Frau Buscva den Sprung aus einer Höhe von 2600 Metern und öffnete diesmal den Fallschirm erst in einer Höhe von 600 Metern über dem Erdboden. Der AuSsttllnngSmarkt in Botiee wurde Sonntags eröffnet und wird zehn- Tage dauern. Eine neue Kautschuk-Pflanze entdeckt. Wie au» Taschkent berichtet wird, entdeckte eine August 103« Expedition der Akademie der Wissenschaften und des Institutes für Kautschuk und Guttapercha, die in dem Gebirge Kuschitan an der Grenze Turkmenistan und Uzbekistan Forschungsarbeiten un« ternommen hat, in einer Höhe von 2000 Metern über dem Meeresspiegel große Mengen wolfs- milchähnlichcr Pflanzen, die einen hohen Prozentsatz Kautschuk enthalten, der sich industriell auswerten ließe.* Ein Denkmal für den tschechisch-polnischen König Wenzel HI. wurde am Sonntag in O l- mütz enthüllt. Wenzel III. wurde am 4. August 1806 an dieser Stelle im Kapiteldekanat in Ol- müh meuchlings ernwrdet. Das Denkmal, das als Vorlage das Wenzelssiegel hat, ist eine Arbeit des Bildhauers Hladik aus Olmütz und im sogenannten Pkcmyslidensaal aufgestellt, in WÄ- chem alle Denkwürdigkeiten, die sich auf die Mitglieder der Familie der Pkemysliden bezieh«», vereinigt sind. Rordböhmisches Jndristrieelend Die Wirtschaftskrise im Bezirke Letsche« 765 Meter»ater« Meeresspieael Hamilton(Bermuda-Inseln). Die amerikanischen Forscher Dr. William Beebe und LiiS B a r t o n stellten in ihrer kugelförmigen „Bathysphere" acht Seemeilen östlich von Saillt Georg einen neuen Tiefenrekord auf. Sie erreichten eine Tiefe von 765 Metern unter der Meeresoberfläche. Die Forscher verblieben drei stunden unter Wasser und machten in großer Tiefe Kino-Aufnahmen durch Luarzfenster mittels Starkstrom-Scheinwerfern. Eie gaben telephonisch fortlaufend eine Beschreibung ihrer Erlebnisse und berichteten, daß das Tageslicht bis in eine Tiefe von 570 Meter dring« und daß in größerer Tiefe die Tier« und Pflan- unweit unvorstellbare Formen an Fahl und Ztönheit aufweise. Die„Bathysphcre" hat zwei Meter Durchmesser, ist zwei Tonnen schwer und ähnlich ausgerüstet, wie ein Stratosphärenballon. Der Smetana- Auösttllung ia Leitomischl halte am Sonntag, den 12. d. M., seit ihrer Er- öfsnung den besten Besuch aufzuweisen. Auch der Minister für Nationalverteidigung Bradckö besuchte in Begleitung des Obersten Kvapil und des Gesandten Dr. B. Kybal die Ausstellung. Diebe, die sich selbst verscheuchen. In Lo- ricnt. in Frankreich, spielte sich in der Nacht zum Montag ein eigenartiger Zwischenfall ab. der ein ganzes Stadtviertel in Aufregung brachte. Kir- chendiebc hatten sich Eingang in die Kirche ver« schasit und nach einigem Suchen einen elektrischen Schalter gefunden, von dem sie annahmen, daß er die Lichtleitung bediene. Kaum hatten sie jedoch auf den Knopf gedrückt, als sämtliche Glocken der Kirche zu läuten begannen, denn der Schalter bediente da» elektrisch betriebene Läutewerk. Die Bewohner der Umgebung, die durch dieses unerwartete Geläute beunruhigt waren, liefen zur Kirche und sahen die Diebe gerade noch entfliehen. Ein Han» für Polarforscher wird setzt in Moskau gebaut. Es soll Polarforschern, die nach längerem Aufenthalt in der Arktis in die Heimat zurückkehren, nebst ihren Angehörigen als komfortable Erholungsstätte zu längerenl Aufenthalt offen stehen. Der Bau wird einen Rauminhalt von 70.000 Kubikmetern umfassen.— Der Neubau des größten Theaters in Sibirien nähert sich seiner Vollendung. Die Bühne wird eine Fläche von 4000 Quadratmetern etnnehmen. Außer dem Theater werden im Gebäude Säle für Kunstanssttllungen und für Biblotheken untergebracht sein. Das Theater wird so konstruiert sein, daß cS im Bedarfsfälle auch in einen Zirkus umgewandelt werden kann, Ein Führer vor modernen Architektur' ge> Horben. Am Sonntag starb im Haag im Alter von 78 Jahren der holländische Architekt vpn Weltruf Dr. H. P. Berlage. Er war der Begründer der modernen vereinfachten, sachlichen und konstruktiven holländischen Architektur. Bon seinen hervorragenden Bauten ist insbesondere die Amsterdamer Börse ,bekannt. Er beeinflußte auch hie Architektur anderer Völker, in der Tschechoslowakei z. B. den Architekten Kotira. Propaganda-Flugtag in Mareenbad. Die Masaryk-Fliegerliga veranstaltete Sonntag, den 12. August, auf dem staatlichen Flugplatz in Maricnbad einen Propagandaflugtag. Es waren sechs Flugzeuge ausgestellt, von denen drei starteten. Den Höhepunkt des Programms bildete das Auftreten de» Stabsrottmeistrrs Noväk als Flir« gerakrobat, dessen Vorführungen vom Publikum mit Applaus quittiert wurde». Der angekündigte Segelflug des Piloten Rodovsky entfiel, weil das Segelflugzeug vormittags beim Start in Karlsbad beschädigt wurde. Die Veranstaltung verlies ohne Unfall. Ein Segelflieger-Kurs wurde am Sonntag am Berge Rana bei L o u n y eröffnet. Er ist von der Masaryk-Flugliga eingerichtet: und tvird vom Flieger Elönic geleitet. Ein Ortsmuseum in Slapaniee bei Brünn wurde am Sonntag eröffnet. Erhängt aufgefundrn. Am Sonntag wurde vor der Restauration„Zur Schießstätte" in P il- s e n um 4 Uhr früh ein Mann erhängt aufge» iundcn. Nach dem bei ihm gefundenen Taufschein, wurde er als der 51 Jahre alte arbeitslose Gärtnergehilfe F. Thväla, zuständig nach Hostie« bei Tabor, festgestellt. veffentltchr Ausschreibung. Die Staatsbahndirektion Brünn schreibt im öffentlichen Wettbewerb die Lieferung von Schwellen Type 2, 8 und 4, Weichenhölzern, Brückenhöllzern und anderen Oberbauhölzern im Jähr« 1685 für sämtlich« Linien der tschechoslowakischen Staatsbahnen aus. Der Wortlaut der Kundmachung für die Ausschreibung wird im.Bfftnik pro jelezniee a plavbu" und in den„Üredni listy Leskoslovenft« republiktz* vom 15. August 1984 oder in der nächsten Nummer veröffentlicht werden. Die Angebotsformulare und zugehörigen Bedingungen der AuS- schreibung sind gegen Barbezahlung bei der Kaffa der Staatrbahndirektion in Brünn, Zerotinova näm. Nr. 7, und zwar für Ouerschwellen, Weichenhölzer, für Brückenhölzer und andere Oeberbauhölzer zu Xi 6 zu erhalten. Wahrscheinliche» Wetter hentt:.Fortdauer de» unbeständigen Wetter», ziemlich start bewölkt, zeitweise Regen, mäßig kühl, West- bis Rordwest- Wind.— Wettervorhersage für Mittwoch: Bom West« her nur voriwMPchmdk Besserung. Der politische Bezirk T e t s ch e n mit B e n- s e n und B.- K a m n i tz ist ei» I n d u st riebe z i r l mit nur geringem agrarischem Hinterland. Der Bezirk Tetschcn grenzt zum Großteil an Deutschland. Dann an inländisches Industriegebiet wie Aussig, Karbih, Ruinburg und nur ein geringer Teil grenzt an agrarisches Gebiet, wie B.-Leipa. Dadurch wird der Bezirk Tetschcn von der Wirtschaftskrise besonders stark erfaßt. Raffee» von Industriearbeitern, dtt früher in der Textil», Metall», chemische»», Knopf- Industrie tätig waren, sind seit Jahren arbeitslos und köniun nirgends mehr Verdienst finde»». Dazu konemcie noch die vielen Hunderte von Sach- scngängern. die vornehmlich seit den» Jahre 1088 ihre Arbeitsplätze aufgeben mußten. Bon rund 800 ehemaligeee Sachsengängerei find hceete kauen mehr 50 unersetzbare Personen im Auslande beschäftigt. Die Landwirtschaft, die früher eiiemal im politischen Bezirke Tetschcn rund 500 bis 600 Personen beschäftigte, gibt derzeit kauen 800 Personen Arbeit. Die F o r st>v i r t s ch a k t, in der früher einmal 600 Persoeeen tätig tvaren, beschäftigt zur Zeit nur mehr 200 Personell. Der Einfluß des polnische»» Holzes zeigt sich hier sichtbar. B e r g b a ee gibt es im Bezirke Telsche» -nur in Wernstadt und beschäftigt kaeim 20 Per- soeeei». Die T o n-, S ch a m o t t e-, G l a S-, Z i e- g.e l e i« und Stein-Industrie, die früher einmal»inen sehr erheblichen»-Teiloder. Bevölkerung Beschäftigung'gab, ist ebenfalls--starl zurückgegangen. Große Betriebe, wie die Bo- denbacher Firma Didier, arbeiten mit verringerter Belegschaft Kurzschicht. Ziegeleien sind ebenfalls schlecht beschäftigt. Die Firma Fcigl, Ziegelei Tetschen, die früher 70 Personc»» beschäftigte, hat zur Zeit nur noch sechs Arbeiter. Die Ziegelei Feigl, Bodenbach, früher 50 Mann Belegschaft, lvurde aeifgelaffe»». Das gleiche gilt für die Schamotte-Industrie; die Firma „Ehamotte", Bodenbach, beschäftigt von der früheren Belegschaft(160 Personen) nur noch 70 Personen. Auch die S t e i n b r a n ch e leidet unter geringen Aufträgen. AeislandSaeifträge bleibe»» überhaupt aus. Der Beschäftigungsgrad beträgt im Vergleich zu 1027/28 kann» 50 Prozent. Die GlaSJndnstrie, die vornehmlich im Bezirke V.-Kamnitz dominiert, zählt zur Zeit ungefähr 8800 Arbeitslose. Dieser Industriezweig wird sich von beit schweren wirtschaftlichen Erschütterungen kaum mehr erholen. Die Metall- und Maschine«-Industrie, dtt früher in» Bezirke Tetschen rund 4000 Per- sonen beschäftigte, arbeitet zur Zeit nur mehr mit SS Prozent Die Firma ClemenS-Müllcr, die früher 340 Personen beschäftigte, arbeitet jetzt mit 60 Personen. Die Firmen Ehaudoir und Kritik, Bodenbach, arbeiten schon seit Monaten Kurzschicht und n»it der .Hälfte der frühere»» Belegschaft. Eine Anzahl kleinerer Betriebe, mit 20 bis 50 Personen Belcg- sckast, wurden gesperrt. Eine Ausnahme macht nurdttEmailgeschirr-Jndustrie. Die Firma„Sphinx", Neschwitz, konnte in der letzten Zeit umfangreiche Betriebserweiterungen vornehmen. So wurde ein neuer Ofen ausgestellt und eine größere Anzahl Kräfte aufgenommen. Trotzdem beträgt der Stand der Belegschaft noch um 500 weniger als in dem Jahre 1927. Zur Zeit beschäftigt die Finna 1400 Personen. Die Elektro-Jndustrie kann sich ebenfalls nicht mehr erholen. Die Firma AEG., Bodenbach, hat ihre Belegschaft von 400 Personen auf 150 herabgesetzt; die Firma Freudenberger u. Meißner, Bodenbach, desgleichen von 115 Personen auf 80. Rur die Firma Schmidt u. To., Tetschen, hat ihren Betrieb crlveitcrt und beschäftigt in der Hochsaison ungefähr 400 Personen. Der Betrieb der gleichen Firma in Bodenbach ist glcichgeblieben. Einige kleinere Betriebe der Eleltrobranche sind stillgelegt. Die Metall» und S t e i n n»t ß.k n o p f- I n d u st r i e, di« in der Vor« und Nachkriegszeit für viele im Winter die Zufluchtstätte vor der 1 Stellenlosigkeit war, ist schwer.betroffen.-Größere Betriebe der Metall-Knopf-Jnbuftri« haben ihre Belegschaften stark reduziert: div Firma Hieke in Tisia von 230 Personen auf 1o0, die Firma Püschner, Tisia, die 120 Personen beschäftigt, hat den Betrieb gesperrt, die Firma Jäger u. Prokops Söhne, Tisia, von 120 auf 80 Personen reduziert. Der Betrieb der Firma Koralek, Top- kowitz, mit einer Belegschaft von 300 Personen lvurde geschlossen, desgleichen die Fabrik Kraus»». Basch, Peiperz,»nit 200 Personen. Die Firma Exlcr, Riegersdorf(Hornkuopffabrik), hat ihre Belegschaft von 240 auf 1t>0 herabgesetzt. Nur der Betrieb der Knovs-AG., Tetschen, hat die Ar» beitcrzahl von 300 auf 380 Personen erhöht. Zur Zeit wird jedoch auch in diesem Betriebe kurzge- arbcitct. Die Textil-Industrie, die im politischen Bezirke Tetschen einmal einige tausend Personen beschäftigte, ist zum Großteil stillgelegt. So existiert der Betrieb Makosa, Bodenbach, mit 440 Personen nicht mehr. Die Firma Botschen, Königswald(Samtbanderzeugung), hat die Belegschaft von 240 auf 70 Personen reduziert. Der Betrieb Miinzberg mit 160 Mann Belegschaft ist gesperrt. In B.-Kamnitz arbeiten die Textilbetriebe ebenfalls beschränkt. Der Mautncrkon- zcrn in Bensen arbeitet ebenfalls Kurzschicht. Nur der Betrieb„Konkordia-Spinnerei Stöhr", Ncsch- tvitz. hat in der letzten Zeit einige Kräfte ausgc- ! nommen. Derzeit arbeiten je dock» auch hier einige Abteilungen Kurzschicht. ->> Die'S ä'ge'w e rk'e siiid durch'den vollständigen Stillstand des Bangetvcrbrs ebenfalls i-iuvcr betroffen._ Die Firma Fritsche, Bodenbach, hat ihre Belegschaft von 40 auf 20 Mann reduziert, die Firma Peschke, Tetschcn, von 150 auf 60 Personen. Einige kleinere Sägewerke sind gänzlich stillgelcgt. Die Schokoladen« und Süßwaren- Industrie»vurdc ebenfalls von schweren Erschütterungen heimgesucht. In dieser Branche wird seit Wochen Kurzschicht gearbeitet, im Gegensatz zu früheren Jahren, wo zu dieser Zeit die sogenannte Weihnachtssaison begann, Größere'Betriebe, wie Rüger, Hartwig u. Bogel, Jordan u. Timäns in Bodenbach, laffen Kurzschicht arbeiten. Obwohl flir die B a u st o f f i n d u st r i e, das Baugewerbe und die bau handwerksmäßige»Berufe die jetzige Jahreszeit günstig ist, ruht dort die Arbeit fast gänzlich. Der jetzige Beschäftigungsgrad beträgt im Vergleich zu übrigen Jahren lediglich 25 Prozent. Größere Betriebe wurden gesperrt oder finden mit ein bis zwei Personen ihr Auskominen. Hier spielt die Nichtflüfsigmachung von Kredite»» flir Privatbauten eine große Rolle. Beschäftigung in diesen Berufszweigen ist fast nur in Form von RotstandSarbeiten vorhanden. Während früher im Bauberufe im Bezirke ungefähr 5000 Personen beschäftigt waren, beträgt die Zahl der Beschäftigten derzeit kaum 1000 Personen. Im graphischen Gewerbe wird zur Zeit mit 60 Prozent der FriedcnSkapazität gearbeitet. Größere Betriebe arbeiten Kurzschicht »nit verringerter Belegschaft. Auch in der chemischen Industrie »nacht sich die Wirtschaftskrise durch bedeutende Verschlechterungen bemerkbar. Viele größere Betriebe wurden gesperrt. Die Firma Rappe n. Hecht, Kiinstblnmenerzeugung in Bodenbach, arbeitet mit der Hälfte der Belegschaft. Die Betriebe, welche kosmetische Artikel Produzieren, sind von der Krise gleichfalls nicht verschont geblieben. ' Die kaufmännischen Berufe sind durch die Krise auch schlver betroffen. Durch die Anschaffung von Kanzleimaschinen»istv. werden zahlreiche Angestellte überflüssig. Zu all dem kommt noch, daß die Arbeitgeber gewisse Ber- tranenSstellcn mit sogenannten Volontären besetzen, die meistens Absolventen von Mittel-.der Handelsschulen sind und monatlich nicht mehr als 60 bis 100 KC Lohn erhalten.. Der Handel und Verkehr und die sogenannten LagerhauSqrbciter sind durch vcu niedrigen Wasserstand der Elbe in diesem Jahre Ein Bit Mir sie soztallstlsdic Frau 31ia v f Arcnfiurg IMe Hefte Hpr Scanne Aev KC 16.—. Zentralstelle für das Bildungswesen Prag XU., Slexskä 13 tark betroffen worden. Wiederholt mußte die Elbeschiftahrt stillgelegt werden. Waren in diesem Erwerbszweig früher 2400 Person«»» beschäftigt, so sind es zur Zeit kaum noch 300 Personen. Dazu kommt i»och, daß die verschiedenen Lagern Häuser Kräfte aus fremden Bezirken hcranziehen, ö daß die heimischen Kräfte dauernd arbeitslos sind. Dies in gedrängter Form eine Ucbersicht Aber die triste Lage auf dem Arbeitsmarkte im politischen Bezirke Tetschcn. Durch den Umstand, daß über die Betreuung des Arbeitsmarktes ge- ctzliche Bestimmungen zur Zeit überhaupt nicht bestehen, ist dem Schleichhandel mit Arbeitsstellen Tür und Tor geöffnet. Menschen, die unschuldig ihre Arbeit verloren haben, irren jahre- lang herum, oh»»e Arbeit zu erhalten. Auf diesem Gebiete m»»ß Ordnung geschafft»» werde»». Die wirtschaftliche Erschütterung bringt die Arbeiterschaft nicht nur körperlich und seelisch her.» unter, sondern bringt sic auch zu politischen Irrungen, die zuin Teil unterbleiben»vürden, wenn man auf dem Gebiett d'cS Arbeitsmarktes geivisse Zwangsmaßnahmen ergreifen würde. Es widerspricht der sozialen Gerechtigkeit, wenn mm» auf der einen Seite dem Arbeitgeber das Recht der fteien Wahl gibt, sich Arbeitskräfte zu nehmen, von wo er will, also auch solche cinzustellen, die anderweitig Stellung haben, während anderseits Tausende auf der Straße liegen. Darüber hinaus bedarf es erhöhter sozialer Fürsorge und einer verständigen Wirtschaftspolitik. Die internationale Situation ist allerdings nicht darnach angetan, große Hoffnungen auf Besierung zu erhoffen. Erst eine sozialistische Plan- und Bedarfsdeckungswirtschaft wird allen Arbeitsmenschen eine sichere Existenz bieten. Der Wirtschaftsdiktator Hjalmar Schacht ist zum deutschen Wirt- schaftSdiktator- ernannt worden. Seine Tittaiur ist zwar nur auf sechs Monate befristet worden, aber wie Georges Bin» im.Journal" meint, hieße es den Reichsbantpräsidenten schiech» kennen, wenn man annähmc, er werd« sein Amt nach sechs Monaten wieder ausgebcn: .Der Reichsbantpräsident hat die Wirtschaftsdiktatur in einem Augenblick üvernominen, in dem das Schicksal des von Hitler errichteten Regimes ausschließlich von einer schnellen Situation abhängt. Wir können die Dauer seiner Diktatur heute noch nicht vorauSschen. Es wird nicht lange dauern, vis wir ihre ersten Acußerungen werden verzeichnen können, und'mancher Prophet des Dritten Reiches wird ihr gehorchen müsse»». In der Tat kann heute alles,»vaü sich in Deutschland auf rein politischem Gebiet ereignet, nur einen episodischen Eharaktcr tragen gegenüber den entscheidenden Problemen der Wirtschaft. Das Schicksal Hitler-Deutschlands wird in den nächsten sechs Monaten entschiede»» werden, und weder die verstärkte Propaganda noch Reden und Proklamationen, weder Regierungsumbildungen noch Absetzung von Führern würden den geringsten Einfluß auf den Lauf der Dinge ausüben tonnen, wenn es Schacht nicht gelingt, dem Mangel an Devisen ein Ende zu bereiten, der die Einfuhr von Rohstoffen gefährdet und damit den ganzen schweren Produkt!'nsapparat Deutschlands. Schacht Hai eine gigantische Aufgabe übernommen und man kann mit Recht sagen, daß die Diktatur, die er ausüben muß, wichtiger sei als tie Hitlers. Schacht wird, um eine Katastrophe zu verhindern, eine Ausfuhrkampagne beginnen, wie sie noch niemals gesehen wordeit ist, und von ihrem Erfolg wird die Zukunft des Reiches abhängen." Rohstoff-Aufrüstung Die Kruppsche Erzgrube„Wolf" bei Herdorf im Siegerland, die seit längerer Zeit still liegt, soll mit den Gruben^.Friedrich Wilhelm" und „Füsseberg" zu einer Gesamiänlage zusammengc- schlossen werden. Tas Ausbauprogramn», das bis zum Frühjahr 1036 realisiert, sei»» soÜ. sieht- eilte Steigerung der Leistungsfähigkeit auf 25.000 Tonnen Eis c n c r z monatlich vor. .., Zur Frage der Ersahrohstoffe empfehlen die -.Führcrbriefe" die Anwendung der Methode tzstz Chemikers Professor B e r g i u», der aus Holz Stärke, aus dieser Zucker, aus dem» Zucker Hefe und aus der Hefe schließlich Eiweiß gewinnt, Das Blatt teilt weiter mit, daß Versuche zur Getöiy-- nung von Kunstseide und Wolle aus tierischen» Eiweiß vorgenommen werden. So sei es beispielsweise kürzlich gelungen- Kunstseide aus Magermilch herzustellen. «rite 6 PRAGER ZEITUNG Spart• Spiel»Körperpflege Aus der Partei Arbeitnehmergewerkschaft sind, bezahlte man aber den alten Lohn weiter. Etz wurde jedoch in einer Versamm« lung dieser Arbeiter beschlossen, 10 Prozent des Lohnes in Form eines Scheines zn nehmen, für welchen im eigenen Werlskousum Waren bezogen werden könne». Bei dieser Versammlung war angeblich Herr Weber selbst Referent. Jenen Arbeitern, welche einen öprvzcntigcn Lohnabzug über fick ergehen ließen, gab man auf Befragen bekannt, daß der Lohn zu hoch sei, da die Arbeiter der Ma« sckiuenfabril Weber den Textilarbeitern gleichgestellt werden müßten. Ter höchste Lohn für einen Metallarbeiter Hei dieser Firma war bisher" KL 3.94 und wurde nun auf KL 3.77 herabgesetzt. lliiS ist bekannt, daß am 27. Juni 1934 eine Regierungsverordnung von» 15. Juni 1934, Nr. 118, tundgemacht tvurde, in welcher ausgesprochen lvird, daß bis 30. April 1935 die ArbeitSkollcktivverträge, soweit sic Lohnfragcn regeln, nicht gekündigt werden können und dort, wo leine Verträge bestehen, die bei Wirksamkeitsbeginn dieser Verordnung geltenden Löhne in Wirksamkeit bleiben müssen. Trotz dieser klaren Bestimmungen baut man den Arbeitern die Löhne ab. Wir müssen nun Herrn Weber, der als guter deutscher Mann bekannt ist, fragen, e-b ihm diese VorgangStveise richtig erscheint, bztv. ob sie in seinem Auftrag durchgcjührt wurde. Bemerken wollen wir, daß cs sich bei diesen Arbeitern n u r um d e u t s ch e A r b e i t e r handelt, die allerdings nicht dieselbe politische Stellung einnahmen, wie Herr Weber selbst. Gleichzeitig müssen ivir fragen, ob Herrn Weber das oben zitierte Gesetz bekannt ist und>vie er sich die Einhaltung der Gesche vorstellt. Daß Arbcitcrschuh- gesctze geschaffen werden, um übertreten zu werden, glaubt wohl Herr Weber selbst nicht. Wir wissen wohl,-baß die Firma Weber in'Schluk- kcnau selbst und in deren Umgebung durch ihre wirtschaftliche Macht tonangebend ist, glauben aber aufmerksam machen zu müsse»,. daß auch diese Macht Grenzen hat. Wenn von der Firma und ihren Angestellten immer erklärt wird, daß sie keinen Ztoang auf die Organisationszugchörigkeit ausübe, so wäre doch eine Untersuchung dieser Z u st ä n d e durch die Behörde notwendig, denn nicht nur der offizielle Zwang ist strafbar, sondern auch der inoffizielle, mit wirtschaftlichen Mitteln durchgeführte Ztoang. Anders kann man. diese Bor- gangöweisc wohl nicht bezeichnen. WWÄkNiWWl Ein Heimatfrontler al» Ausbeuter deutscher Arbeiter Gelten dir Gesetze deS Staates für alle Nntev^hmer? . Man müßte annehmon, daß in unserer Republik die Gesetze des Staates für alle gelten, auch für die Unternehmer. Dies scheint aber nicht immer der Fall zu sein, Ivie nachfolgender Vorfall zeigt: In Schluckenau befindet sich die F».i r,m a W e b c r, die eine Samtfabrik und auch eine Maschinenfabrik in Schluckenau betreibt. Der Inhaber dieser Maschinenfabrik ist W. Weber. Der Name dürfte den Lesern bekannt sein. Als die Henleinfront das erstemal anftrat, stickte sie sich Schluckenau heraus. Als die Festrede des „Führers" beendet Ivar, trat nach den Zeitungsmeldungen Herr Willi Weber an den„Führer" heran und schüttelte ihm recht kräftig d i c H a n d. Beide wußten lvarum. . Bei dieser Firma dominiert nun— wie nicht anders zu erwarten ist— die deutsche Arbeit- ttchmcrgewerkschaft, der ein Großteil der Arbeiter dieser Betriebe angchört. Ein Teil der Arbeiter ist jedoch bei anderen Organisationen oder unorganisiert. Bisher waren die Agitationsversuchc der Herren Vorgesetzten, alle Arbeiter zu überzeugen, »e,uLSbtzdingu ngenr.iv«t tzuMimo Ins Haus oder bet Bezug> durchdie Poft.mmmtkichKS BtetttlWta Ke.48.-»; halbjährig Ke 08,—. gauzjährig Ke 192.—.— Inserate werden Unit Tärft bMigst berechnet."Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur-bei Einsendung,der,Retonrmarken.— Die Leitungsfrankatur wurde von der Poft« und Tskearaphrn» direktion mit krlaß Nr. 18.800/V2/1980 bewilligt.— Druckerei:.^OrbiS", Druck«. Verlags» und ZeitungS-A.-G., Prag. »GB Film Der rote Wagen. Zirkusfilme sind zahlreich wie Sand am Meer. Die Buntheit deS Milieus, die auch Minderbegabte Regisseur«, zu erträglichen Pn- blikumserfolgen avancieren läßt, wenn nur ein paar wildromantische ZirkuSszenen die Monotonie vo» Spiel, Handlung und Regie aufpulvernd beleben, lockt immer wiäler zum Manegen-Sujet. Dieser englische Film macht es sich nicht so leicht, die breiten Wege der Routiniers im gemächlichen Trott zu passieren. Er gibt, gut geschnitten und von einer blicksicheren Regie zusammengerafft, eine optisch verjüngte Ausgabe deS unoriginellen Themas, dem die Regie neue filmische Lichter aüfzusetzen weiß. Es gibt hier Szenen von außerordentlicher Realistik, Effekte des Reißerischen, gewiß, aber in diesem grobschlächtigen Rahmen von so geschlossener Wucht, daß man über die Einfältigkeit der ewig gleichen Handlung hinwegsieht. Im Kranz der fleißig agi^-n- den Schauspieler sei Charles Bickford hervorgehoben, im Mimischen eine Art Kammerspialcr der Brutalität, der das Pathos kompromißloser Männlichkeit gestaltet, ohne in die Kitschpose der tremo- lierenden Grimassenschneider zu verfallen. Als Begegnung von Wert sei das Wiedersehen mit Paul Gräh registriert, dem Urberliner, der sich jetzt in der Emigration zu neuen Möglichkeiten durchtastet. Pierre. Bürgerlicher Sport Internationale Meisterschaftskämpfe Nach den für die Tschechoslowakei erfolgreichen Frauen-Weltspielen gingen ischcchoslolvakische Sportler und Sportlerinnen bei den am Sonntag in Magdeburg begonnenen Europa- Schwimmeifterschasten an den Start. Der erste Tag war wenig ermutigend, denn das Wasserballteam wurde überraschend von Spanien geschlagen, lieber 100 Meter Freistil der Männer erschien Schön(Tsch.) nicht am Start; er hatte nichts versäumt, denn sogar der Favorit, der Ungar. Szckely, konnte sich nicht einmal vlacie- ren. Bei den Frauen über dieselbe Strecke kan: Schraniek(Tsch.) auf einen ehrenvollen Dritten und damit ins Finale.— lieber 100 Meter Freistil (Männer) wurden drei Vorläufe ausgetragen und erzielte der Ungar Czik mit 59.2 Sek. die beste Zeit. Bei de» Frauen gab es zwei Borläufe. In: erste» Gang siegte Den Oude»(Holland) in 1:08.9, 8. Schrämet 1:12.5 Min.; im zweiten Borlauf schwamm die Holländerin Biastenbroek mit 1:07.9 eine bessere Zeit, lieber 200 Meter Brust(Frauen) ebenfalls zwei Vorläuse, in denen Hölzner(Deutschland) mit 8:09.6 Min. die beste Zeit schwamm.— Im Wasserball gab es folgende Resultate: Spanien gegen Tschechoslowakei 1:0(0:0), Ungarn gegen Belgien 5:1(1:0). Deutschland gegen Italien 5:0 (8:0) Holland gegen Jugoslawien 8:1(1: