1t. Jahrgang Mittwoch, IS. August 1934 Nr. 18» Der Angeklagte schildert dann, M dir Anklage m den, Militärgericht erhoben: Unruhe gestürzt haben, während der e r n z i g e werden. Wer betrugt wen? Wie n, 14. August. Bor dem Militärgericht k» Wie« begann heute der Prozeß gegen die Gruppe nationalsozialistischer Putschisten, welche am 25. Juli mit Gewalt in da» Hau» der Rundfunk-Gesellschaft„Ravag" im 1. Bezirk i« der JohanmSgasse eingcdrnu- ge« ist. Ans der Anklagebank sitzen 15 Personen, dar, unter zwei Wachleute. Die Anklage besaht sich zu nächst mit den bekannten Ereignissen des 25. Juli und schildert dann im besonderen, wie zur Zeit, al» die Aufrührer in das Bundeskanzleramt eindrangen, eine zweite nationalsozialistische Gruppe, welche sich deute größtenteils auf der Anklagebank befindet, mit Gewalt in das Gebäude der„Ravag" eindrang, in dec Absicht, e i n e n A u fr u h r gegen die Staatsgewalt und einen Bürger» krieg zu entfachen, wobei sie der Staatsexekutive bewaffneten Widerstand entgegensetzte, das Leben ter Angestellten der„Ravag" bedrohte und die Ver breitung der falschen Nachricht vom Rücktritte des stabincttS D.o l l f u ß durch den Rundfunk erzwang. - Die Angeklagten haben sich des Perbrechens des Hochverrates nach Paragraphen 58, der Angeklagte Paul außerdem des Verbrechens des Di o r d e S an Heinrich C e r m a-k schuldig gemacht. Ten an geklagten Polizisten N i k i sch>ind E r y l k a, welche zur Zeit der Aktiv» der Aufrührer bcini kiavag Gebäude den Dienst versahen, wird zur Last gelegt, daß sie den Gewalttätern den Eintritt in da» Gebäude erleichterten. Der Angriff gegen die Ravag war nament lich deshalb inszeniert worden, damit sich die Auf rührer des wichtigsten Zentrums des modernen LerichterstattungSdienstes, des Rundfunks, be mächtigen und ihn hiedurch, in die Dienste des PutschcS stellen. An der Aktion nahmen 14 Per sonen teil, von denen 13 auf der Anklagebank scheu, einer kam umS Leben. Ferner befinden sich aut der Anklagebank zwei Polizisten, welche die Aktion erleichtert haben, während der dritte Poli zist, der bei der Ravag den Dienst versah, auf dem Kampfplätze, tot liegen blieb. Als Führer der Aufrühreraktion gegen die Ravag bezeichnet der Staatsanwalt den Angeklag ten TomeS, welcher den Ansager der Ravag Theo dor Ehrenberger mit der ihm auf die Brust gesetz ten Pistole bedrohte und ihn nötigte, die Nachricht vom Rücktritte Dollfuß zu verbreiten. Der Sturm auf die Ravag vor dem Militärgericht Prag, 14. August. Bor uns liegt die„Weisung Nr. 49" der Sudetcndeutschen Heimatfront, datiert von Eger, 11. August 1934. In organisatorischer Hinsicht geht daraus hervor, daß die Pressestelle der SHF am 1. August von Eger nach Prag verlegt wurde. Politisch äußerst aufschlußreich ist jener Teil der Weisung, der sich über das intime Verhältnis ztvischen den Herrn Spina und Henlein äußert. Er lautet wörtlich: .13. Unser« Stell»«, zu« L a n d st a« d e. Da in der letzten Zeit in einzelnen Fälle« über die Abgrenzung der Tätig. kettSbrreiche zwischen SHF«nd Landftand Unklarheit«« zn herrschen scheine«, erteilt di« Haupt» leitnng d«r SHF i« Interesse der bitherigen srenndschostliche« Znsammen- arbeit mit de« Landftand«»nd im Interest» einer« t i t ,e een Festig»ng nachstehende Weisung: Iw Orten, in denen anher dem DL, dz«. LdL andere Parteien nicht bestanden »der bestehen, sind weder DHF-Ortsgruppe« zn gründe«, noch Mitglieder»« werbe«. Dagegen können in»Le» anderen Orten, in denen anch ander« Parteien eine Tätigkeit entfalt«»,»rgani- sieren»nd werben» DHF-Ortsgruppen gegründet «nd Mitglieder geworben.»erden.. iStilfehler lant Original. D. Red.). In Lersammlnnge« sind all« Angriffe ans dm Landstand»nd seine Exponenten z« vermeiden. . Keinesfalls wellm wir organisierte Angehörige der DL für die SH» werben. Snchm tretz der obige« BeranSsetzungen Angehörig« der DL(BolkSgenostrn, di« ihren Haupterwerb in der Landwirtschaft finden), um Ausnahme in die DHF an, so. sind sie nochmals über unsermStandpunktauszuklärm»ndnur dann t ei-».«4' an f z»« eh men,. wmn sie bei AbUwisung durch»n» in ander« Lager abzufchwim- im* drehen.. Diese Weisung bleibt. big zur- endgültigen Regelung unseres Verhältnisses mit dm» Dadetm- dmtsthm Landstandr in straft." Die Authentizität des zitierten Wortlautes dürfte kann» bestritten ivcrden.Somit liegt nun der Oeffcntlichkeit ein unanfechtbarer Beweis vor, daß zwischen der demokratisch sein wollenden Regie- rungSpartei des Herrn Spina und der fascistischen Oppositionsfront des Herrn Henlein geheime Abmachungen bestehen. Dieses Faktum dürfte in keinem demokratischen Lande der Welt ein Gleichnis finden. Wie steht es mit den Aussichten des seltsame» Zweigespanns Spina—Henlein? Henlein stärkt seine Reihen, wie aus der jesuitischen Fassung dieses Rundschreibens klar hervorgeht, auch aus den Reihen der bäuerlichen Bevölkerung. Der vorletzte Absatz der Weisung gibt fixe Direktiven, wie die Heimatfrontlcr im Lande draußen der deutschen Agrarpartei den Boden abgraben sollen, ohne den Wortlaut der getroffenen Vereinbarungen zu verletzen. Unser« sehr znverläffigen Berichte besage» übrigens, daß die Henleinleute in der Praxis die obmzitierte Weisung ignoriere»»nd OrtS- grnppm«ach in Wirten gründen, wo bisher nur «ine Lokalorganisation deS Bundes der Landwirt« bestand. Spina ist gegen diese systematische Untergrabung seiner Positionen faktisch wehrlos. Er ist heute schon der Gefangene He n l e i n S. Eine Kampfhaltung gegen die sudetendeutsche Fas- cistenfront würde ihm nicht nur den Verlust der Jugendorganisation, sondern auch eine stattliche Zahl von Bezirksorganisationen kosten. Wenn Henlein eines Tages im Innenministerium keiner Protektion mehr bedarf, dann ist es um die deutsche Agrarpartei geschehen. Wir deutschen Sozialdemokraten sind auf diese Entwicklung vorbereitet. Richt wir haben sie zu. fürchten, sondern das ganz« sudetendeutsche Volk wird die Zeche dafür bezahlen, daß keine bürgerliche Partei und kein bürgerlicher Politiker mannhaft gegen eine Neuauflage der fascistischen Abenteuererpolitik aufzutreten wagten. Lang« aber wird, sich diese Zweisefselpolitik des Hertn Spina nicht mehr rentieren.. Saaz, ist eine neue Mahnung, daß zwischen nationalfaskisti- scher Bombenlegerei«nd demokratischer Regie- «DSD« Die durchschnittliche menschliche Lebensdauer Ist, dank den Fortschritten der modernen Medizin, insbesondere aber infolge der Auswirkungen der Sozialhygiene in den letzten drei Jahrzehnten beträchtlich gestiegen, wie uns die Sterbestatistiken aller Kulturländer beweisen. Gleichwohl erreicht nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Menschen das natürliche Ziel seine» Leben», nämlich da» schmerzlese Erlöschen des Organismus— mit anderen Worten den Tod durch Altersschwäche. Weitaus der gröhte Teil fällt vorzeitig einer Krankheit zum Opfer oder, endet durch Unfall oder Freitod. Die„M i t t e i- lungen de» Etat. Staatsamte»" publizieren einen interessanten Uebetblick über die Krankheit»- und Selb st mord» sterblichkeit in den acht Jahren von 1020 bis 1088 auf dem Gebiete der Republik. Die Leistungen unserer öffentlichen Gesundheitspflege sind zahlenmähig am deutlichsten in den ö st» lichen Ländern zu verfolgen. In der Slowakei und Karpathorustland ist z. B. die Sterblichkeit bei an st eckende»Krankheiten in diesem Zeitraum nahezu um die Hälfte gefallen. In der Slowakei entfielen 1026 auf 10.000 Einwohner noch 13.3 Todesfälle infolge Infektionskrankheiten, im Jahre 1038 nurmchr 7.8. In Karpatho» rustland fiel die analoge Ziffer gar von 22.8 auf 11.0.(In Böhmen beträgt sie 6.3, in Mähren- Schlesien 6.6). Sehr erfreulich sind auch die sichtlichen*" Erfolge der Tuberkulosebekämpfung. Im gesamtstaatlichen Durchschnitt entfielen 1033 auf 10.000 Einwohner nur 14.4 Todesfälle an Lungen- und sonstiger Tuberkulose gegenüber 19.8 in: Jahre 1026. In B ö h m e n sank die Tuberkulosesterblichkeit in diesen acht Jahren von 17.4 auf 13.1, in Mähren-Schlesien von 20.0 auf 13.7; in der S l o w a k e t von 21.8 auf 18.17 und in Karpathorustland von 28.8 auf 23.1 vom Zehntausend. Dagegen zeigen Krebs- und Herzkrankheiten eine beunruhigende Zunahme der tödlich verlaufenen Fälle. Die KrrbSfterblichkrit ist im Gesamtdurchschnitt in den acht Beobachtungsjahren von 10.6 aus 12.0 per Zehntausend gestiegen, wobei bemerkenswert ist, dast die Sterblichkeitsziffer von Osten nach Westen enorm steigt(Karpathorustland 8.7, Slowakei 7.8, Mähren- Schlesien 18.0, Böhmen 14.4(!) auf je 10.000 Ein» wohner). Worauf die so verschiedene Gefährlichkeit der Krebserkrankungen beruht, ist nach dem heutigen Stande der Wissenschaft nicht zu entscheiden. Sicher ist,^dast nach der Statistik die Sterblichkeit bei Krcbslewc» auch im Osten der Republik int Anstieg begriffen ist. Ueber die Zunahme der tödlich verlaufenen Herzkrankheiten in den letzte» Jahren ist viel geschrieben worden und tatsächlich zeigt auch unsere Statistik im ganzen Staatsgebiet ein Ansteigen.der durch Herzleiden verursachten Todesfälle von 14.3 Wie beinahe in allen Ländern, so ist auch ist den Vereinigten Staaten von Nordamerika das Gold die Grundlage des Währungssystems. Wie bei uns die Krone in einem festen VerhältnlS zum Gold steht(eine Krone ist.37.15 Milligramm Feingold wert oder ein Kilogramm Feingold wird mit 20.917.90 Kronen bezahlt), so ist cs in den Bereinigten Staaten mit dem Dollar. Seit drüben die Goldwährung in Kraft ist, haben immer bestimmte Kreise gegen sie angckämpft. Sie verlangen die Rückkehr zur Doppelwährung, zum B i m e t a lliS m u s. Unter der Präsidentschaft Roosevelts haben diese Kreise, die ihr Zentrum besonders in einigen Staaten des Westens Amerikas haben, wieder stärkeren Einflust bekommen. Vor einem halben Jahr lieh Roosevelt von dem Parlament das Silbcr- ankaufsgeseh beschlichen, in dem der Präsident ermächtigt wurde, durch das Schatzamt die gesamten im Lande vorhandenen Vorräte an Silber aufzukaufen. Auf Grund dieser Ermächtigung hat Roosevelt vor einigen Tagen eine Verordnung über die Verstaatlichung der Silbervorräte erlassen. Danach muh a l l e s S i l b er, das sich am 9. August im Lande befindet, innerhalb von neunzig Tagen an das Schatzministerium abgeliefert werden. Gleichzeitig gibt diese Verordnung der Regierung die Ermächtigung, Silber anzukaufen, bis der nationale Bestand an Währungsmetall das Verhältnis 28 Prozent Silber zu 78 Prozent Gold erreicht hat. Auch von dieser Ermächtigung hat Roosevelt inzwischen Gebrauch gemacht und den Silberankaufspreis auf 80.1 Cents pro Unze festgesetzt. ES werden neue Silber-Banknoten, sogenannte Silberzertifikate, ausgegcben, die al» legale Zahlungsmittel für alle privaten und öffentlichen Schulden gelten, und auf Verlangen beim Schatzamt in Silberdollars eingelöst werden. Diese Verordnung hat in allen Ländern gewaltige» Aufsehen hervorgerufen. Auf den Devisenmärkten erfuhr der Dollarkurs erhebliche Rückschläge, die inzwischen zum TeU wieder ausgehoben werden konnten. Die Vorgänge Haven«euch für die Arbeiter- schast ihre Bedeutung, da von den Rückwirtun- im Jahre 1926 auf 16.8 für da» Jahr 1988. ES ist interessant, dast an diesem Zuwachs Hmptsächlich die hi.st arischen Länder beteiligt sind.(Auf Böhmen entfielen 1926 an Todesfällen durch Herzleiden 16.9 gegenüber 20.3 im Jahre 1983;- in Mähren-Schlesien stieg die Ziffer von 14.5 auf 17.2, in der Slowakei nur von 10.0 auf 10.9 und in Kar» pathorustland gar nur von 8.2 auf 8.8 auf 10.000 Einwohner. Ist die zunehmende Zahl der tödlich verlaufenen Herzleiden eine Felge des hastigen LrdrnStempaS der medrrnrn Zeit? Diese Behauptung ist vielfach ausgestellt worden und ein oberflächlicher Blick auf die Statistik scheint sie zu bestätigen. Im primitiveren Ostgebiet der Republik ist der Tod durch Herzkrankheiten seltener al» im kultivierten Westen. Demgegenüber ist einzulvenden, dast die höchsten Ziffern in dieser Gruppe der Todesursachen keinem cgs die grasten Städte oder die Industriegebiete aufweisen, in denen doch da» moderne Tempo" sich am meisten aüSwirkt. Der Durchschnitt für„Herztodesfälle" beträgt für da» Land Böhmen 20.3. Maximalzifsern zeigen aber vorwiegend landwirtschaftliche Bezirke. (Beneschau 30.1, Blatna 30.3, TauS 31.1, Kaplitz 31.3, PoliLka 31.6, Prachatitz 30.3, Pribram 30.3, EedlLany 30.8). Den Höhepunkt erreicht T r a u» t e n a u mit 39.3. Aber die grasten Industriestädte bleiben durchwegs weit hinter diesen Zahlen zurück und die H a u p t st a d t Prag unterschreitet sogar die LandeSdurchschnittSziffer mit 14.3 ganz beträchtlich. Hier scheinen also doch wohl noch andere Faktoren am Werke zu sein, al» daS vielberrisene überspannte moderne LehenStempo. Srlbftmordziffer steigt! Die erschütterndste Rubrik dieser Statistik ist die letzte Kolonne, in der die S e l b st m o r d z i f- fern ausgewicsen werden. ES geht natürlich nicht an, die TelbsNnordziffern, diese nüchternen Symbole menschlichen Leides und menschlicher Verzweiflung, nach den gleichen Gesichtspunkten zu werten, wie die statistischen Ziffern des Krankheitstodcs. Tod durch Krankheit ist„höhere Gewatt", Selbstmord ist be» lvustte Auslöschung des eigenen unerträglich gewordenen Lebens. Tas vierte Kriscnjahr 1038 zeigt eine bisher nicht dagcwesene Maximalzahl in allen Länden» unsere» Staates. In Böhmen hält den traurigen Rekord der höchsten Selbstmordzifscr H o h e n e l b e mit 9.1 auf 10.000 Einwohner. Tann folgt P r e h n i tz (8.6), Lestmeritz(8.8), Deutsch- Gabel(7.8), Teilchen(7.1), Trau- t e n a u(6.1), Gablonz(5.8), Braunau (5.8), Warnsdorf(5.4), Reichen» berg(5.1). Die böhmische LandeSdurchschnitt»- z i s.f e r..beträgt 4.0...! Der ökonoinisch-soziale Hintergnind dieser traurigen Zahlen ist leicht zu erraten. Dr. Bg. gen solcher Währungsexperimente ihre soziale Lag« und die Entwicklung der Weltwirtschaft entscheidend beeinflußt wird. Was ist der Sinn dieser Maßnahmen, die auf die Einführung einer Doppelwährung hinauslaufen? Einer der Führer des Silberblocks, Senator Thomas, verspricht, daß die Verstaatlichung der Silbervorrätc eine internationale WährungSver- ständigung herbeiführen werde, die eine neue Periode der Prosperität einleiten werde. Wenn die Bereinigten Staaten Silber in größerem Maßstabe als WährungSinetall benutzten, so werde das auch die anderen Länder veranlassen, eine ähnliche Politik zu befolgen. Diese weitgehenden Erwartungen werden auch von anderen untcrstiiyl, die sich von diesen Maßnahmen eine Steigerung der Kaufkraft der Länder im Fernen Osten versprechen, da China und Indien, die beide noch die Silberwährung haben, au» der hervorgcrufencn Erhöhung der Silberpreise große Vorteile zögen. Roosevelt erklärt, diese neue Währungspolitik sei notwendig, um die inländischen Warenpreise zu stützen und zu stabilisieren und um den ameri» konischen Außenhandel gegen die nachteiligen Wirkungen der Währungsentwertung im Auslände zu schützen. UnS scheint, daß diese„Erwartungen" und „Begründungen" den Kern dieser Maßnahmen nicht berühren. Um den von Roosevelt angeführ» ten Zweck zu erreichen, bedarf es der Silberwäh- rung nicht; denn durch die vom Schatzamt für die übernommenen Silbervorrätc ausgegcbenen Banknoten wird, selbst bei dem hohen Silber-Ankaufs- prcis, der Geldumlauf nur um etwa 100 Millionen Dollar vermehrt. Das ist eine Menge, die bei einem Gesamt-Geldmnlauf von weit über fünf Milliarden Dollar nicht sehr ins Gewicht fällt. Hätte Roosevelt di« Vermehrung de» Vanknotenumlaufs auf Goldbasi» vorgezogrn, die Vet der jetzigen Süprozentige» Golddeckung der BundeS-Reservevanke» noch im weiten Umfange möglich ist, so waren di« beabsichtigten JnflationSwirkungen viel leichter zu Haven. Da» Silber hat seine Rolle al» Währungsmetall ausgespirlt. Bor 130 Jahren noch konnte der Naiional- ötonom Adam Smith sagen:„Der Wert des voikswirtsdian und Sozialpolitik Wirtschaftsankurb?lung durch Silberwährung — oder Riesensubvention für die amerikanischen Minenbarone? Seite. 8.. Silbers dagegen ändert sich sehr wichl von Jahrhundert zu Jahrhundert, dagegen wenig von Jahrzu Jahr, er bleibt oft der gleiche oder nahe.zu der gleiche für ein halbes oder ganze» I a h r h u n d e r t." Seither hat sich die Produktionswirtschaft und die Produktionstechnik gewaltig verändert und die Silber-Gewinnungs» Methoden erheblich beeinflußt. Das Silber fällt heute al» Nebenprodukt bei der Verhüttung von Kupfer«, Blei» und Zinkerzen ab..Seine Produktion unterliegt der Konjunktur der Buntmetalle, und al» Folge davon ist auch sein Preis ganz außerordentlichen Schwankungen innerhalb kurzer Perioden unterlegen. Bon 1986 bis 1932 ist der SilherpreiS fast um zwei Drittel gesunken, in den letzten Monaten, ist er wieder beträchtlich gestiegen. Ein Metall aber, dessen Wert so wenig beständig ist, taugt für den außerordentlich empfindlichen Weltwarenverkehr nicht. An dieser ökonomischen Tatsache kann auch die Verordnung deS Präsidenten der Vereinigten Staaten nichts ändern.. Wenn es aber keine volksivirtschaftlichen Gründe für die Verstaatlichung des Silbers und. für die Ausgabe der Silberbanlnoten gibt, tvclche Gründe sind es dann, die sie veranlaßt haben? Möglich, daß Roosevelt tatsächlich der Meinung ist, er könne der Produktion seines Landes, die jetzt eben bedeutend zurückfällt, einen neuen Antrieb geben. Aber näher als diese Auffassung, die sich, auf längere Sicht gesehen, als eine Illusion erweisen müßte, liegt die folgende Erklärung, die durch die unmittelbaren Wirkungen der Maßnahmen bekräftigt wird: Dieser staatliche Silberkauf ist eine verdeckte großzügige Hilfe für eine bestimmte kapitalistische Gruppe: dir Minenbesitzrr in den amerikanischen Weststaaten. Schon in den letzten Monaten ist der SilberpreiS durch den angekündigten Eingriff künstlich in die Höhe ge-- trieben worden. Durch den staatlich festgesetzten. Ankaufspreis wird den Minenbesitzern der Absatz ihrer Silberproduktion zu den hochgetriebenen Preisen garantiert. Im Handumdrehen verdienen sie durch diese Verordnung glatt 70 Millionen Dollar, und wenn eine ProdnktionS-. erhöhung vorgenoinmen wird, wächst diese staat- li«hr Subvention noch weiter. Roosevelt hat natiirlich auch diese realen Wirkungen seiner Verordnung vorher gekannt uiw es ist schon möglich, daß er die Minenbesiher da«, mit zu Gegenleistungen bei den kommenden Wahlen verpflichten will. Für die Weltwirtschaft bedeutet dieses Silber-Experiment keinen Schritt zu einer Bereinigung, keine Fundierung des Vertrauens und keinam Stabilisierung einer konjünkt'ürcllen- Erholung. r'" Die Lage in der tschechoslowakischen Hutindustrie In der Tschechoslowake! befindet sich eine leistungsfähige Hutindustrie. Diese ist, wie andere der gleichen Art, in erster Linie auf den Export angewiesen. Seitens der Gewerkschaftsvertreter dieser Branche tvurden aus dem kürzlich stattge- fundcnen Kongreß der Hutarbcitcr-Jnternatio- nale interessante Ausführungen über die Entwicklung und den Export von Hüten gemacht. Im Jahre 1929 wurden 14.485.000 Stück Hüte im Werte von rund 329 Millionen KL ausgeführt. Im Jahre 1931 war dec Export auf 6,897.000 Stück im Werte von 170 Millionen KL gesunken. Eine weitere Senkung des Exports erfolgte in den Jahren 1932 und 1933. Im Vorjahre konnten nur noch 4,449.829 Stück im Werte von rund 75 Millionen KL ausgeführt werden. Die Ausfuhr hatte sich also gegenüber dem Hoch» konjunkturjahr 1924 um ein Drittel in der Menge und um rund ein Viertel im We-.'e vermindert. Im ersten Halbjahr 1934 ist eine Besserung in der Ausfuhr von Hüten eingctreten. Die Zahl der exportierten Hüte stieg gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres von 1,309i000 auf 2,024.000 und der Erlös von 21,7 Millionen KL auf 32,4 Millionen KL. Es mag hierbei erwähnt werden, daß die Löhne, namentlich in den Fabriken viel zu wünschen übrig lassen. Die Gcwerkschaftsorgani» sationcn der Hutarbeiter haben sich trotz der Krise gut entwickelt. Dße Melt—eizenernte Das Internationale Landwirtschastsinstitut in Rom nimmt die europäische Weizenernte nach dem Stand vom 1. Juli 1934 mit 40 Millionen Tonnen an. Die vorjährige Ernte betrug 47 Millionen Tonnen. Die russische Ernte ist m diesen Ziffern nicht einbezogen. Es wird für Rußland mit einer guten Durchschnittserntc gerechnet, so daß sich«in kleiner Exportüberschuß ergeben dürfte. Für die Vereinigten Staaten, Australien und Kanada werden die Aussichien der Weizenernte ungünstig beurteilt. Im ganzen genommen wird die diesjährige Weltweizenernte beträchtlich geringer sein als im Vorjahre. Es besteht daher die Hoffnung, daß die alten enormen Weizenbe« stände der Welt zur Deckung des Weltverbrauchs in größerem Umfange werden in Anspruch genommen werden müssen. Immerhin wird von dem Weizenüberschuß, der zu Beginn der Saison 1933 bis 1934 18.6 Millionen Tonnen betrug, noch zuviel übrig bleiben, als daß man wieder von normalen Verhältnissen aus den Weltweizenmärkten sprechen könnte. „Sozialdemokrat- Mittwoch, 15. Auanst 1934. Nr. 189 —....i-■•■■■■' Gt. Bürokratius Bon Jkf und Petro«. (Aut dem Russischen von S. Brauner.) Ein junger Moskauer Arzt kam nach Odessa, um dort seinen Urlaub zu verbringen. Al« er zum crstcnnml in seinem Leben über zwei freie Wochen verfügte, bemerkte er plötzlich, daß die Welt schön war, ebenso die Menschen, ins« besonders deren weibliche Hälfte. Er fühlte, daß ohne sofortige energische Maßnahmen seinerseits er niemals im Leben glücklich sein und als ekelhafter Junggeselle in einem Zimmer sterben werde, unter dessen Bett alte Socken und Fla« schcn liegen würden. Nach einigen Tagen spazierte der junge Medikus am Meeresstrande, Arm in Arm mit einer junge» Dame. Er machte die größten Anstrengungen, um ihr zu gefallen. Er sprach natürlich mit leidenschaftlicher Bruststiinme, erzählte selbstverständlich allen möglichen Unsinn. Er log sogar, daß er Mitglied der Tscheljuskin-Expedition und der beste Freund des Profcfssors Schmidt sei. Er machte ihr einen HciratSantrag, bot ihr ein Zimmer in Moskau, sein Herz, eine eigene Rüche und Zentralheizung an. Das Mädchen überlegte ein wenig und willigte ein. Hier überspringen wir acht Seiten einer künsilcrischen Beschreibung der Reise mit einem geliebten Wesen in harter Wagcnklasse.(Wir schlagen nur folgenden Aphorismus vor: Besser mit der Geliebten in der harten Wagcnklasse, als allein im Schlafwagen). In Moskau kauften sic einen Flicdcrstranh und begaben sich aufs Standesamt, um dort ihr "eigenes Glück zu unterschreiben. Was ein Standesamt ist, weiß doch jeder. E« ist dort nicht sonderlich sauber. Nicht besonders hell. Und es ist dort auch nicht sonderlich heiter, weil Ehen, Todesfälle und Geburten in ein und demselben Zimmer registriert lverden. Als der Doktor mit seiner Fran Doktor das Standesamt, lächeln nach allen Seiten, betrat, erblickte er sofort an der Wand das vorwurfsvolle Plakat: Der Kuß ist ein Infektionsträger! Außerdem hingen noch an der Wand Adressen von Beerdi- gungSbüroS und anmutige Bildchen, auf denen in tausendfacher Vergrößerung blasse Spirochäten, temperamentvolle Gonokokken und Kockische Stäb-1 chen abgrbildet waren. Ein reizendes Plätzchen für Eheschließungen! In der Ecke stand eine an schmutzige Fußlappen' erinnernde künstliche Palme in einem grünen Bottich. Das war eine Gabe der Epoche. Sozusagen— das sprießende Grün der Zünfte, lsever derartige Dinge pflegten die Abendblätter mit kaum unterdrücktem Entzücken zu schreiben: „Suckmm in Moskau. Die Standesämter schmiik- ken sich." ''Der Standesbeamte prüfte die Dokumente de« jungen Paares und gab dieselben zurück. -•„Sic können nicht registriert iverden." „Aber ich bitte, wieso denn?!" fragte der Doktor besorgt. „Es geht nicht, weil der Paß Ihrer Begleiterin in Odessa ausgestellt wurde. Wir registrieren aber nur ans Grund von Moskauer Pässen." „Was soll ich also tun?" „Ich weiß cs nicht, Bürger. Mit auswärtigen Pässen registrieren wir nicht." „Es heißt also, daß ich ein Mädchen aus einer anderen Stadt nicht lieben darf?" „Schreien Sie gefälligst nicht. Wenn alle schreien tvürden..." „Ich schreie nicht. Aber dies bedeutet, daß ich nur eine Moskauerin heiraten darf. Kann es denn in LicbeSfragen eine Ortszuständigkeit geben?" „Mit LicbeSfragen befassen wir»nS nicht, Bürger. Wir registrieren nur Ehen." „WaS geht eS aber Sie an, wer mir gefällt! Haben Sie hier vielleicht einen Familienglück- iLerteiler eingerichtet? Regulieren Sie hier den Seelenverkehr?" „Etwas weniger laut, Bürger, besonders was die Verkehrsregelung anbetrifft." „Sie zertreten hier Liebcsblüten," heult« der Doktor. „Benehmen Sie sich hie ranständig." „Und ich lvicderhole: Sic zertreten." „Sie sollen hier die Ruh« nicht stören." „Ich bin ein Ruhestörer? Somit ist also die Liebe kein himmlisches Gefühl mehr, sondern eine Ruhestörung? Ausgezeichnet. Gehen wir weiter, Ljußja." Draußen auf der Straße konnte sich der naive Ehekandidat lange nicht beruhigen. (Schluß folgt.) MMMMlLM ZEITUNG Gerichtsbeamter als Schreibmaschinendieb und Betrüger Ein Sonderling. Prag, 14. August. Der 23jährige GerichtSbcamtc Karl S. aus N u s l c, der bei einem hiesigen Bezirksgericht tätig war, wurde heute dem Strafsenat Marecek aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Er war angeklagt, aus den AmtSräumen seiner Dienststelle zwei Schreibmaschinen gestohlen zu haben. Seine Festnahme lvurde dadurch ermöglicht, daß die Polizei die^sofortige llebcrwachung aller Prager Versatzämter anordnete, in der Voraussicht, daß der Dieb seine Beute dort in Geld umsetzen werde. Tatsächlich erschien gleich am nächsten Morgen ein Dienstmann, der mit den vermißten Maschinen beladen war, in der Hauptanstalt des Vcrsatzamics in der Neustadt. Ter am Schalterfcnster lauernde Detektiv konnte eine Viertelstunde später den Dieb verhaften, der unweit des LeihamteS auf seinen Boten wartete. Es war Karl S., dem nun nichts übrig blieb, als sich zu seiner Verfehlung zu bekennen. Da kein Grund vorlag, ihn in Untersuchungshaft zu belassen, wurde er nach einiger Zeit mif freien Fuß gesetzt. Tas Erste, wozu er seine wiedergewonnene Freiheit benützte, war ein weiteres, sehr häßliches Stück. Er begab sich nämlich schnurstraks zu den Eltern einesZellen genossen, der ihm während der Haft allerlei von seinen persönlichen Verhältnissen mitgctcilt hatte und lockte ihnen unter der Vorspiegelung, er konnne im Auftrag des Sohnes, 5000 KC heraus, angeblich zur Erleichterung der Haft. Heute war Karl S. also angeklagt der Verbrechen des Diebstahls und des Betruges. Er verteidigte sich mit angeblicher U u z u r e ch« »ungssähigkeit und führte eine Reihe sonderbarer Handlungen an, dnrch die er seine Abnormalität glaubhaft nmchcn wollte. So antwortete er z. B. auf jedes.Heiratsinserat, kaufe kostspielige Dinge auf Raten und verschenke sie dann an seine Freunde u. dgl. Einmal habe er die eingelaufene dienstliche Post in den Papierkorb geworfen. Tas Gericht blieb indessen dieser Verteidigung gegenüber ziemlich skeptisch, denn schließlich war Karl S. Beamter gewesen, ohne daß bei seiner Tätigkeit Spuren einer geistigen Störung zutage kamen. Die Gerichtsärzte erkannten den Angeklagten mich als zurechnungsfähig verantwortlich im Sinnendes Strafgesetzes, billigten ihm aber erbliche Belastung und psychopathische" Veranlagung zu, infolge derer" er als Sondcrlingsthpus zu betrachten sei. Dies verschaffte dem Angeklagten einen gewichtigen MilderungSgrnnd, so daß ihn der Gerichtshof zwar zu v i e r M o« naten schweren Kerkers verurteilte, gleichzeitig aber trotz doppelten Deliktes den bedingten Strafvollzug zubilligte. !st«I• Spiel• KinperpHege Die Europameisterschafte« im Schwimmen Die Europa-Meisterschaften in Magdeburg brachten am Mo n t a g einen dramatischen Kamps über 100 Meter Freistil, den der Ungar C z i k nut durch Handschlag gewann. Die Zielrichter konnten sich schwer einigen, lver gewonnen hatte. Schließlich verkündete man, daß Czik mit 50.7 Sek. Sieger sei und Fischer(Deutschland) mit 50.8 als Zweiter ankam. Das war der einzige Schlvstum- kampf des TageS, den dann Wasserballkämpfe ausfüllten. Die Mannschaft der Tschechoslowakei verlor wiederum, und zwar wurde sie von Deutschland 4:1(.8:0) geschlagen. Eine Neber- raschnng bildete der 2:1(2:1)-Sieg Jugoslawiens über Frankreich. Ungarn hatte mit Holland leichte Arbeit und gewann 0:1(4:0). Schivcden und Ita lien spielten 1:1(0:1). Dieser Kampf war sportlich minderwertig und wurde von den Italienern sehr roh durchgeführt. Am Dienstag wurden die Bewerbe im Springen und die 100 Meter Frei st il vergraue n ausgetragen. Im Springen besetzte Leikert(Tschechoslowakei) unter 15 Teilnehmern den dritten Platz, während der zweite tschechoslowakische Springer, NcSvadba, auf den siebenten Platz kam. Die Brünnerin S ch r a m e k erzielte über 100 Meter Freistil einen fünften Platz. Außerdem gelangten die Vorlänfe über 400^Meter Freistil und die der 4 X 200 Meter zur Austragung. lieber die 400 Meter kam in: ersten Vorlauf Schön(Tschechoslowakei) mit 5:20.8 Min. als Dritter ein. Die beste Zeit erzielte in diesen Borläufen nicht der Franzose Taris, sondern der Ungar Engiel mit 5:13.4 Min. Im Staffel-Bclvcrb startete die Tschechoslowakei nicht. Die Fortsetzung im Wasserball« T n r n i e r brachte der Tschechoslowakei eine schlvere Niederlage mit 3:0(2:0) dnrch Schweden. Ungarn konnte gegen Jugoslawien nur nach Kampf mit 8:1(1:1) gewinnen. Frankreich schlug Belgien 4:2(0:1) und Deutschland blieb über Spanien mit 6:1(2:1) erfolgreich. Die Ergebnisse: Springen: 1. Esser(D.) 135.74, 2. Marauhn(D.) 120.53, 8. Leikert(Tsch.) 120.88, 4. Poussard(Frankreich) 128.24 Punkte. Ncsvadba erzielte 08.10 Punkte.— 100 Meter Freistil(Frauen): 1. Den Ouden(Holland) 1:07.1,2. Mastcnbroeck(Holland) 1:08.1, 8. Arendt (Deutschland) 1:10.8, 4. Bloudcau(Frankreich) 1:10.9, 5. Schrämet(Tsch.) 1:12.2, 6. Sälbert (D.) 1:12.0 Min. DFE. Prag gegen«ienna Wie« 2:2(2:2). Ein mageres Ergebnis für die Prager, wenn man bedenkt, daß dieses Spiel schon das v i e r t e ist, das die Wiener seit Donnerstag voriger Woche auStrn- gen. Ter DFE. konnte auch diesmal keine Freude erwecken. Das Half schwamm, Ulanov 1 am meisten, und die Stürmerreihe bot ebenfalls nichts einheitliches. Die Vienna, welche mit Ersatz antrat, hatte ihren besten Teil im Dreiinnen und in der Verteidigung. Internationales Leichtathletik-Meeting in Hal- land. In Amsterdam fand am Sockntag ein international reich beschicktes Meeting statt, das u. a. sehr gute Ergebnisse brachte, und zwar: 100 Meter: Berger(Holland) 10.5, Peacock(Amerika) 10.6 Sek. 200 Meter: Berger 21.9, Sweeneh(England) 22 Sek. 400 Meter: Harding(Amerika) 47.0, Stanley(England) 49 Sek. 800 Meter: Ben Eastnian(Amerika)"1:58.8, Cooper(England) 1:56.4 Min. 1500 Meter: Lowelock(Neuseeland) 3:53.3, Bonthron(Amerika) 8:54.1 Min. 4X100 Meter: Holland 42 Sek., Amerika(Brustbreite). 5000 Meter: Kusocinsti(Polen) 14:50.4, van Rumst(Belgien) 15:25.1 Min. Hochsprung: Johnson(Amerika) 1.95, Metcalfe(Australien) 1.90 Meter. Weitsprnng: Peacock 7.12 Meter. Kugel: Torrance(Amerika) 16.25 Meter. Wa« ging da dar? Bei den Ruder-Meisterschaften in Luzern blieb— wie wir berichteten— der Skiff-Fahrer Zavkel unerklärlicher Weise dem Start fern. Der„P. M." meldet nun, daß der Sportler daran schuldlos sei, sondern daß sich die offiziellen Vertreter nicht um ihn gekümmert haben und ihn auch nicht verständigten, daß seine Disziplin darankomme. Zavkel erfuhr es erst, als ihm das Warten zu lange dauerte, daß alles schon vorüber sei... Die Niederlage des tschechaslawakischrn Frauen- Hazena-TramS bei den Frauen-Weltspielen in London, die überraschend wirkte, soll, wie verlautet, Gegenstand einer hochnotpeinlichen Untersuchung werden. Nimmt man vielleicht an, daß die Repräsentantinnen gar— gebummelt haben? WaS man in Deutschland allerdings glaubt. Der Düsseldorfer„Mittag" brachte über den Berliner Fußballspieler Hanne Sobcck u. a. folgendes: die Ucbernahme des Trainings bei.Hertha- BSC. durch ihn— ehrenamtlich, ohne Aufwandsentschädigung— hindert Hanne aber nicht, auch in der neuen Saison seinem Verein alSSpieler auSzuhelfen." Knust und Wissen Schriftstellerkongreß in Moskau. Derzeit findet in Moskau der allrussische Kongreß der sowjetruffischcn Schriftsteller statt. Am ersten Tage des Kongresses wird Maxim Gorki ein Referat über die sowjetrussifche Literatur halten.. In Moskau sind bereits zahlreiche ausländische Schriftsteller sowie auch Delegierte aus Weißrußland, aus Grnzinien, Armenien, Azerbentschan, aus dem Fernen Osten, aus der Krim, aus Turkmenistan, aus den nördlichen Gebieten und aus Uzbekistan eingetroffen. Aos der Partei SPD.Flüchtlinge Prag. Donnerstag, den 16. August, 8 Uhr im Parteiheim der D2AP., Narodni tk. 4/111., Vortrag des Genossen I a k f ch: ,,W as war, was ist, was wird sein." Eint ult nur gegen Parteiausweis, bzw. besondere Einladung. Ycrclnsnadirlditcn AtuS, Prag. Turnen bereits im vollsten Gange. Die Genosse» Möbius mrd Brandl leiten ab Donnerstag, den 16. Aug. wie- , der das Geräteturnen.(Älavier- bcgleitung.) Literatur Ott» Straffer: Der 30. Juni. Der bekannte Führer der„Schwarzen Front" Otto Strasser veröffentlicht soeben eine mehr als 40 Seiten starke Broschüre, in der er die Vorgeschichte, den Verlauf und die voraussichtlichen Folgen der Abschlachtungen, die in Deutschland am 80. Juni erfolgten, darstellt. In der angczeigten Schrift wird der Versuch gemacht, die verschiedenen Richtungen in Deutschland aufzuzeigen und zu charakterisieren, sowohl diejenigen, welche nach dem 80. Juni an Macht ge- tvonnen haben, als auch jene, welche an diesen: Tage entnmchtet worden sind. Straffer schließt mit dem Bekenntnis zur zweiten Revolution, für die er im Bunde mit allen sozialistischen Elementen kämpfen will. ot. filme in Präger Llthtsplelhäuum bis einschließlich Donnerstag, den 16. August. Urania-Kino, KlimentSkä 4: ,Lwei himmelblaue Augen." Thimig, Charl. Ander.— Adria: Abenteuer im Südexpreß." Diehl.— Alfa:„Die gelbe Hölle." Mcnjou.— Avion:„Der rote Wagen." Scnsat. Zirkusfilm.— Beränek:„Sizilianische Serenade." Musik. Lustspiel.— Ftnix:„Ein Fankee als Hofrat." W. Rogers.— Flora:„Leise flehen meine Lieder." M. Eggerth.— Gaumont:. Wochcncndzanber." Thimig.— Hollywood:„Gruß u. Kuß Veronika." Fr Gaal.— Hvkzda:„Abenteuer im Südexpreß." Tuja, — Julio:„Friderika." O. Hörbiger, I. Wüst.— Koruna:„Das Parfüm der Sonic in Schwarz."— Kotva:„Charleys Tante." Paul Kemp.—Lucera»: „Charleys Tante.— Paul Kemp.— Metro:„Mutter und Kind." Henny Porten.— Passage:„Hochzeit im weißen Rößl." H. Niese.!— Praha:„Der rote Wagen." Charl. Bickford.— Radio;„Madame Bo« vary." Nach G. Flaubcrt.— Skaut:„Nacktes Indien." Amerikanischer Abenteuerftlm.— Svitozor: „Ein Schritt vom Wege." I. Gaynor, Ch. Farrell, — Alma:„Das Schiff der Selbstmörder." William Boyd.— Baikal:„Die schöne Unbekannte." Liane Haid.— Belvedere:„Die schöne Unbekannte. Liane Haid.— Beseda:„Der Fall des Tyrannen." Mojuchin. Fcdorova,— Carlton-„Boni Malta Grosso zur Insel der Hoffnung."— Favorit:„Polarstürme." LouiS Trenker.— Lido:„An allem ist die Liebe schuld." M. Eggerth.— Louvre:„Die Nacht der großen Liebe." Novotnü, Fröhlich.— Maöetka:„In den Fesseln des Gesches." Brigiii« Helm.— Roxy:„Vater sein dagegen sehr." L. Ullrich.— Sport-Smichow:„Fliegende Teufel." Flie« gerfilm.— U Brjvodn:„Walzerrausch." Eggerth, Hörbiger.— Baldrk:„Das Lied der Schwarzen Berge." I. Rina. W 'Al Der Mann, der de« Spatzen Veld-«warf Bon John Carlon. Ein reicher Mann lag krank im Bette: glaubte, daß er werde sterben müssen. In Wahrheit bestand seine Krankheit in zu gutem Essen und, zu wenig Bewegung. Immerhin, er selbst war' überzeugt, daß es ihm sehr schlecht gehe, und er begann sein langes Leben mit allen seinen Schlechtigkeiten zu bereuen. Er dachte an alle, die er betrogen hatte, um reich zu werden, an alle, die er bestochen hatte, damit sie ihm helfen sollten, an die Vielen, die er beraubt hatte; denn seine Medizin schmeckte ihm nicht. Es war Winter, und draußen vor dem Fenstersims lag eine hohe Schicht Schnee. Die Luft war schneidend kalt, der Wind blies scharf. Im Zimmer war es warm, ein helles Feuer knisterte lustig im Ofen. Der reiche Mann lag in seinem Bette sehr behaglich. Keine Falte drückte ihn, die Kissen waren so gerichtet, wie er es am liebsten hatte. Aber bei aller Behaglichkeit war er sicher, daß er sterben müsse und die Erinnerung an seine früheren Taten wollten ihn nicht verlassen. Plötzlich hörte er vor dem Fenster ein Geräusch. Er blickte auf und sah drei Spatzen, die zitternd auf dem schmalen Streifen, den der Schnee auf dem Fenstersims freigelaffen hatte, saßen und frosterstarrt an die Fensterscheiben pickten, als ob sie herein wollten. Wäre der reiche Mann nicht krank gewesen, so hätte er seinem Diener geläutet und ihm befohlen, die Spatzen zu verjagen; aber heute, da er sich dem Tode nahe glaubte, tat er nicht nach seiner sonstigen Gewohnheit, sondern das, was er nie in seinem Leben getan hatte: er versetzte sich in die Lage eines anderen. Er dachte, wie. kalt es aus dem Fenstersims sein müsse, ohne Feuer, ohne Kissen, in Wind und Schnee. Die armen kleinen Dinger! Sie mußten hungrig sein und frieren. Er hatte Lust, sie. ins Zimmer hereinzulassen, damit sie sich erwärmen könnten; aber was würde sich der Diener denken, waö der Doktor» dessen Besuch er jeden Augenblick erwartete, wenn sie drei Spatzen sehen würden, die sich vor dem Ofen wärmten? Der reiche Mann bekleidete in der Welt'eine sehr große Stellung, er mußte immer seine Würde wahren. Aber die armen kleinen Spatzen pickten in ihrem Hunger immerfort auf die Scheiben. Der reiche Mann fühlte, etwas müsse für sie geschehen. Er sah sich im Zimmer nach etwas Eßbaren um. Nichts war da. Seinen Tee hatte man ihm noch nicht gebracht, das Essen von früher war schon I wcggeräumt, da war nichts, was man den Tier- I chen hinwerfen konnte.. Da erinnerte er sich wieder daran, daß er doch ein reicher Mann sei, mit Geld ließe sich ja alles machen. Er konnte die Spatzen nicht hereinlassen, weil er fürchtete» der Diener und der Doktor könnten ihn auslachen, und er gehörte zu denen, die das Gute nur in Heimlichkeit tun. Aber er könnte den Spatzen doch Geld geben, Spatzen fliegen schnell, wenn sie über dem Markte das Geld fallen ließen, würde man sie schön dafür füttern. Er griff unter seinen Polster, dort lag eine schöne, dicke Brieftasche; und da er ein Mittagessen nie mit weniger als mit fünf Dollar bezahlt hatte, nahm er für die drei Spatzen drei Fünfdollarnoten heraus, ging mit vieler Anstrengung, denn er bildete sich doch ein, daß er sterbenskrank sei, ans Fenster, und mit noch größerer Anstrengung machte er es auf. Die drei Spatzen flogen davon. Der reiche Mann rief und rief, erst lockend, dann in befehlendem Tone, die Spatzen saßen mit aufgcplüstertem Gefieder außer Reichweite. Der reiche Mann, war schon ganz zornig; aber er wollte doch eine edle Tat vollführen, also beherrschte er sich, und legte die drei Fünfdollarnoten auf den Fenstersims auf dem schmalen Streifen, den der Schnee frcigelassen hatte, machte das Fenster wieder zu und legte sich ins Bett. Nach, einer Weile kamen die Spatzen wieder, und sahen die Geldscheine auf dem Sims liegen; sic- überlegten, wozu die wohl gut sein könutcu. Der eine Spatz sagte, das wäre ein Ding zum Nester bauen, der andere, das wäre zu gar nichts nütz, nur der dritte, der wohl der hungrigste war, meinte, man könnte doch propreren, ob das nicht auch cttvas zu essen wäre. So versuchten die Spatzen, die Dollarscheine zu essen. Sie geben es jedoch bald wieder auf und flogen davon. Der reiche Mann aber hatte sich beim offenen Fenster eine Lungenentzündung geholt und starb drei Tage später. Was die drei Dollarscheine betrifft, so halte sie der Wind» als die Spatzen sie liegen gelassen hatten, in die Stadt gewirbelt und zwei davon ins Wasser geweht. Der dritte fiel einem verhungerten Vagabunden vor die Füße. Der glaubte, sein Glück wäre ihm direkt vom Himmel geschickt, prüfte noch vorsichtig, ob das Geld nicht falsch sei, kaufte sich dafür einen Revolver, und fiel nun drei auf dem Heimweg verspätete Männer an, die nicht wußten, daß der Revolver nicht geladen ivar, und nahm ihticn ihr Geld und ihre Uhren ab. Die Moral von der Geschichte: Wenn ein Dummkopf auch einmal, eine gute Absicht hat, so müssen sie andere sehr oft teuer bezahlen. (Aus dem Amerikanischen übersetzt.)' Bezugsbedingungen: Bei Zustellung in» Haus oder bei Bezug durch die Poft monatlich US 16.—. vierteljährig UL 48.—, halbjährig UL 96.—. ganzjährig Ui 192.—.— Inserat« werden laut Tarif billigst berechnet. Bet öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Maniskripten«folgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von d« Poft» und Telegraphen« direktton mit krlaß Är. 18.800/VB/1980 bewilligt.— Druckerei: ,-vrbi»", Druck«. Verlag»- und Zettung»-A.-G., Prag.., occuu ■''•">'„•! f?’*?';',■‘‘