14. Jahrgang Donnerstag, 16. August 1SS4 Nr. 190 Hindenburgs Testament Bekenntnis zur Monarchie— Reichswehr als Instrument des Neuaufbaues— Solidarität mit Hitler Wie das deutsche Nachrichtenbüro nieldct, hat der ehemalige Vizekanzler Papen im Auftrage von Hindenburgs Sohn Adolf Hitler ein Schreiben überbracht, welches das politische Testament des Reichspräsidenten enthält. Dieses Testanient wird nun der Ocffentlichleit übergeben. Bon dem Testamente Hindenburgs war bereits vor dem Tode des Reichspräsidenten die Rede und verschiedene Blätter des Auslandes haben Auszüge daraus veröffentlicht. Mit diesen Auszügen stimmt das soeben veröffentlichte Testament nicht überein und es taucht die Frage auf, ob es mehrere Testamente Hindenburgs gibt und ob das vom Obersten von Hindenburg überbrachte Testa, ment wirklich dem Willen des Reichspräsidenten entspricht. Datiert ist das Testament vom 11. Mai 1934, einer Zeit also, in der der siebennndachzig- jährige Reichspräsident sicherlich den Einflüssen feiner.Umgebung völlig erlegen Ivar. ES ist kaum ein Zweifel, daß die Nationalsozialisten dieses Testament beeinstißt haben und daß auch Hindenburgs Sohn sich^um Werkzeug der Politik Adolf Hitlers gemacht hat. Hindenburg beginnt zunächst mit einem längere» Zitat aus einem IS Ist geschriebenen Testament, in welchem die Lage Deutschlands nach Kriegsschluß geschildert und der Hofftiung Ausdruck gegeben wird, daß Deutschland nach der Niederlage wieder den Weg nach aufwärts finden werde. Politisch interessant ist in diesen Ausführungen nur Hindenburgs Bekenntnis zur Monarchie.„So wird," heißt eS wörtlich, „aus dem bewegten Meer völkischen Lebens jener Felsen, an dem sich einst die Hoffnung unserer Väter geklammert hat und auf dem, was vor einem halben Jahrhundert durch unsere Kraft des Vaterlandes Zukunft begründet wurde: Das deutsche Kaisertum." Nach diesem Bekenntnis aus dem Jahre ISIS schildert Hindenburg das, wie er sagt, neue Kapitel seines Lebens, das mit dem Jahre 1925, seiner Wahl zum Reichspräsidenten, begann. Er sagt, es sei seine Hauptaufgabe gewesen,„die innere Einheit des Volkes und die Selbstbesinnung als seine besten Eigenschaften zu fördern. Dabei war mir bewußt, daß das StaatSgrundgesctz und die RcgierungSform, welchc die Ration sich in der Stunde großer Not und Schwäche gegeben, nicht den wahren Bedürfnissen und Eigenschaften unseres Volkes entspreche." Ein Mittel des neuen Aufbaues müßte die Reichswehr werden, die nun in den weitercu Stellen des Testamentes als die Fortsetzerin„der hohen Tradition der alten Armee" gerühmt wird. „Immer und zu allen Zeiten" so heißt cS„mutz die. Wehrmacht ein Instrument der obersten Staatssührung bleiben, unberührt von alle» in- nerpolitischcn Entwicklungen seiner hohen Aufgabe der Verteidigung des Landes gerecht zu werden." Ganz» unvermittelt kommt nun Hindenburg in den legten Absätzen seines Testamentes auf Hitler und den Nationalsozialismus zu sprechen: „Mein Kanzler Adolf Hitler und seine Bewegung habe» zu dem großen Ziele, das deutsche Volk über aste Standes- und Klanen..uterschicdc zur inneren Einheit zpfammenziisühren, einen entscheidenden Sckiritt von historischer Tragweite getan, Ich weiß, daß vieles noch zu tun bleibt und ich wünsche von Herzen, daß hinten dem Akt der na- tionalen Erhebung und des völkischen Zusanimcn- schlnffcs einer solcher der Versöhnung stehe, der das ganze deutsche Vaterland umfaßt. Das hat Hindenburg, Ivie gesagt ain 11. Mai 1934 geschrieben. Wenige Wochen später, mn 30. Juni 1934 Ihat die deutsche Rcichöregierung durch de» Kamcradenmord gezeigt, wie sie den Weg zur Versöhnung beschreiten will. So zeigt das Testament Hindenburgs nur das eine: entweder war der Reichspräsident zu alt, um auf die Diiige einen Einfluß zu nehnic» oder hat er das Schlachten vom 30, Juni gebilligt. Das Testament Hindenburgs erbärtet das Urteil, das die Geschichte über ihn bereits gciällt hat. Ein„Plan zur Besetzung der statt Saaz" Die wahre Mission der Sudctennazls Hitler redet jetzt, da rS ihm inne«- und außenpolitisch überaus schlecht geht, sehr eifrig uom Frieden, dm angeblich niemand heißer ersehnt alS gerade er. In Wirklichkeit bereitet sich Deutschland seit»lehr als Jahresfrist fieberhaft auf den Krieg vor. DaS beweisen nicht nur dir Meldungen über die militärische» S'ü- it» n g e» im Dritten Reich, sondern wird auch durch die Tätigkeit unserer Sude- i r n n a z i bestätigt. Bei den letzten Berhaf- t ii n g e n in S a a z wurde Material gesunden, daS darauf schließen läßt, welche Rolle unseren Hakenkreuzlern von den braune» Hunnen zuge- d a ch t i st. So fand man«. a. einen„Plan zur Besetzung der Stadt Saaz". Hier warm di« wichtigsten Gebäude verzeichnet, die— im Falle eines Krieges natürlich— von den Leuten, die sich jetzt»in de» Henlein scharen, b e- setzt, bzw. i n d i e L»f t g e s v r e n g t werden sollten. Di« Burschen hatten aber auch Ber- zeichnisse von staatlichen Funktionären und von Vertrauensleuten demokratischer Parteien angelegt. Diese Personen- sollten von den Nazis zum geeigneten Zeitpunkt verhaftet werden. Es handelt sich also hier um eine, w o h l organisierte Jrreden ta und den heimischen Ha- kenti-enzlrm war keine gerftigexr Mission perg« schrieben iüS die» bei Kriegsausbruch alS F r a n e t i r e u r S in Erscheinung zu trete«. Die maßgebend« Faktoren wertzm nun hoffentlich erkennen, welche Gefahr dem tschrchoslowakischm Staate von dem braunen Gelichter droht. Nur ein Autounfall? Goering bei einem Zusammenstoß verletzt Obersalzberg, 18. August. Der preußische Miiiistcrpräsidciit G o e r i n g erlitt am Dienstag Abend um 7 Uhr auf der Fahrt von München nach Berchtesgaden in der Gegend von Bad Aibling einen Autounfall. Dabei erlitt Goering eine harte Quetschung an der rechten Rückcnseite, sowie leichte Schnittwunden im Gesicht und an den Knien. Auch die i'ibrigen Insassen des Autos wurden leicht verletzt. Der Autounfall ereignete sich dadurch, daß, als das Auto über eine Bcrgkuppe fuhr, aus der entgegengesetzten Richtung ein Lastwagen kam und gleicbzeitig ein zweiter Kraftwagen, der in diesem Augenblick unvorschriftSinäßigerweise den Last- liaflwagcn zu überholen versuchte. Die Fahrbahn wurde dadurch blockiert und ein Ausweichen un- niöglich. Goering, der scharf rechts fuhr, versuchte zwiswcn den beiden Kraftwägen hindurchzufteuern, was ihm aber infolge der Enge der Fahrbahn nicht gelang, so daß sein Wagen mit voller Wucht gegen das Lastauto prallte. Die linke Seite seines Wagens wurde vollkommen zertrümmert. Die Verletzten wurden durch das Begleitkommando dem Krankenhaus in Rosenheim zugcführt, wo sofort Röntgenaufnahmen gemacht und Verbände angelegt lvurden. Die Aerzte stellten fest, daß zu besonderer Besorgnis kein Anlaß besteht. Nach mehrstündigem Aufenthalt im Krankenhaus konnte die Fahrt zum Landhaus GocringS in Obersalzberg fortgesetzt werden. Dort besuchte ihn noch in der Nacht Hitler. Klndeiitlf London,.15. August.„Morning Post" befaßt sich mit der Wahlkampagne für.die Volks- a b st i m m.u n g in Deutschland und gelangt zu dem Schlüffe, daß das Ergebnis der Abstimmung, selbst wenn cs sehr groß.sein wird,, nichts beweisen wird, cs wäre denn die Macht der modernen Pro» pagandamittpl unter der Kontrolledcs. Monopols für die Verfälschung des. Willens u n d d e r. G e si.n n u'n g der' M e n g e Deutschland seht es besser;, Berlin, 18. August.(Havas.) Diewest- drutschen Städte Bochum," Gelsenkirchen und Dortmund befanden sich in einer sehr bedrohlichen Lage, da von allen Seiten Arbeitslose in dies« StLdte strämtzm, so daß die ArbritSlosenunter- sliitziingcn auf ein Minimum herabgesetzt, werden mußte«. Sommerschule für Starhemberg bei Mussolini • Wien, 15. August. Die„R e i ch S p o st" erhält von. ihrem Berichterstatter aus Rom Mitteilungen über die Ergebnisse der Romreise des Vizenkanzlers Starhemberg. Di« bisherigen B e s p r e ch u n g e n seien. s e h r wert v o l l gewesen.. Abgesehen von den Unterredungen mit Mussolini, habe Starhemberg in seiner Eigenschaft als Sicherheitsministet Gelegenheit genommen, die innere Organisation der italienischen geheimenStaatS» Polizei sowie andere besondere Einrichtungen deS politischen und öffentlichen Sicherheitswesens in Italien näher keimen zu lernen. Der römische Aufenthalt habe für Starhemberg noch der Seite der inneren Verwaltung rind der internen politischen Organisation jene enge außenpolitische und wirtschaftliche Verständigung noch erhöht, die seinerzeit zwischen Dollfuß und Mussolini begründet wurde und die auch— nach römischer Beurteilung — Bundeskanzler Dr. Schuschnigg fortsetzen und gelegentlich seines erwarteten RombesucheS erneut bekräftigen werde.. Auch die Hefmwehren gefunden den Frieden Europas "Eine Schweizer Stimme zur' Habsburger- \ frage.'. Genf, 15.. August.. DaS„Journal des Nation!'.wendet sich sehr schärf gegen den Gedanken einer Rückkehr der Habsburger nach Oesterreich und Ungarn.. ES verzeichnet das Gerücht, daß der österreichische Vizekanzler mit Mussolini zwar nicht direkt über die Habsburger-Restauration, aber über die Einsetzung einer Regentschaft in Oesterreich als Vorstufe für die Monarchie verhandelt habe. Starhemberg scheine die Absicht zu haben, selbst Regent zu werden, um dann mit Hilfe der immer stärker ausgebauten Heimlvehr die Rückkehr der Habsburger nach Wien vorzubereiten. Das„Journal des Nations" hält eine Entwicklung dieser Art nicht für unmöglich. ES sei falsch, wenn man von den Habsburgern Vernunft erwarten würde. Weder die Rückkehr der Habsburger noch die Anerkennung der österreichischen Wiederaufrüstung durch die Duldung der Heimwehren entspreche der friedlichen Lösung, die von der öffentlichen Meinung erlvartet werde. Es handle sich vielmehr um den Funken, der das Pulverfaß zur Explosion bringen könne. Papen In Wien Wien, 15. August. Der neue reichsdeutsche Gesandte in-Wien, von Papen, ist heute um 17.32 Uhr, von Berchtesgaden kommend,- im Flugzeuge Hitlers auf dem Flugplatz in Aspern eingetroffen. Zuchthausstrafen gegen kommunistische Reichstagsabgeordnete Berlin, 15. August. Der Erste Senat des Volksgerichtshofes verurteilte heute die früheren kommunistischen' Reichstagsabgeordneten: Georg Schümann und- Karl. ElgaS, sowie die frühere kommunistische RcichStagSabgcordneie Fran Frida Franz avs Breslau wegen gemeinschaftlicher Vor- bexeitung zum Hochverrat zu je drei Jähren ZuchthaitS,-.unter.Anrechnung von einem Jahr untersuchüiigshaft.... Die Angeklagten hatten noch nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler bis zum Juli 1933 den Versuch gemacht, die kommunistische Organisation in Schlesien neu aufzubauen. Am 7. Juli 1933 wurden sic bei einer Zusammenkunft in einem Breslauer Kaffeehaus verhaftet. SMdcndcutsihc Industrtcpeliflk Der Hauptvcrband der Industrie hat sich mit einer Kundgebung an die Oeffentlichkcit gewendet, welche über die ungerechte Kontingentausteilung bei der Neuregelung der Margarine- erzeugung Beschwerde führt. Es sind dabei dsc ProduktionSquotcn zweier nordböhmischcr Betriebe empfindlich verkürzt worden, was nach den Mitteilungen des Hanptvcrbandcs einen Ausjall von 60Q.000 Arbeitsstunden im deutschen Gebiete bedeutet. Diese Feststellungen sind nun ein gefundenes Fressen für die nationalen und kommunistischen Blätter, welche damit endlich den langersehnten Beweis für die Preisgabe dc§ deutschen Arbeitsplatzes durch die deutschen So- zialdemokraten gefunden zri haben glauben. Es handelt sich in der Tat um eine sehr ernste Angelegenheit, die eine volle Klarstellung erfordert. Wir weiche» dieser Klarstellung nicht aus und werden auf das Thema selbst zurück- kommen. Soweit bei der Zuteilung der Quote» bei der Margarinccrzcugung tschechische. Außen- scitcrsirmcn auf Kosten deutscher Betriebe offen- sichtlich bevorzugt wurden, wird insbesondere der tschechischen Oeffentlichkeit noch mit allem Nachdruck dapzulege» sein, wohin chu solche mit administrativen-Mitteln erzwungene Industrie- Verlagerung angesichts der Massenarbeiislosig-. leit im deutschen Gebiete führen muß.. Zunächst aber muß zur Politik unseres sudetendeutschen Unternehmertums einmal grundsätzlich Stellung genommen werden, um die Frage der Verantwortlichkeit zu kläre». Ter Ouotcnkampf in der Margarineerzeugung wurde im H a n d c l s ni i ii ist e r i u in entschieden, in | jenem Ministerium also, wo der sozialistische Ein- i sluß am geringsten ist und wo der Einfluß der Untcrnehmcrverbände dominiert. Die deutschen und tschechischen Industriellen haben in der Republik eine gemeinsame Spitzenorganisation, den Sväz, der unter der Führung der beiden Nationaldcmokraten Preis und Hodäk steht. Nun hätte der deutsche Hauptvcrband, ehe er sich a>S Ankläger aufspiclt, doch zuerst einmal der -Oeffentlichkeit zu sagen, ob er als Interessen- organisation seine Pflicht erfüllt hat. Jedenfalls tvöre cs seine Aufgabe, Aufklärung darüber zu geben, waruni die deutsche Industrie ihre In- teresscn im Rahmen der gemeinsamen deutsch- tschechischen Unternchmcrocganisation nicht besser zu wahren versteht. Im Kampfe gegen die sozialpolitifchcn Rechte und die Lohnansprüche der Arbeiterschaft sind doch die Herrschaften stets eines Sinnes. Dio deutschen Fabrikanten werden sich wie- der darauf ausreden, daß sie keine politische Vertretung besitzen. Stimmt. Aber durch eigenes Verschulden. Die Haltung der Unternehmer, zu- mindestens ihres iiberwiegcnden und ausschlaggebenden Teiles, ist eines der traurigsten Kapitel der sudetendeutschen Politik. Ihr ewiges Hin- und Hcrpendcln zwischen wirtschaftlichem Akti- viSmuS und politischem Negativismus grenzt anS Possenhafte. Daß- sich die deutschen Fabrikanten nach den« Umsturz als erste Gruppe für daS Verbleiben in der Tschechosiowakischcn Republik auSsprachcn, hat sie nicht daran gehindert, in der Folgezeit die extremen nationalistischen Parteien zu unterstützen.- Wie dick Hakenkreuzler in den Betrieben durch Korrumpierung und Ter- rorisierung der anständigen Arbeiter aufgepäp. Pelt wurden, ist ein Kapitel fiir sich. Die Rolle der Industrie.in der Nationalpartci desgleichen. Zur Zeit des Bürgerblocks entdeckte die nordbötzjnische Industrie ihre aktivistische Seele. Rosche kehrte der Nationalpartei den Rücken. Die Reichenberger Handelskammer lieferte ihm das Material für seine Budgetreden, die ihm den Ruf eines fleißigen Abgeordneten eintru- gcn. Vorübergehend schien es, als ob die nord- Sette» Donnerst««, 16. August 1934 Ar. 190 böhmischen Fabrikanten auch politisch ein posi. tiveS Verhältnis zum Staate suchten und Rosche galt als Ministerkandidat. Das galt aber nur für die Zeit des Bürgerblocks. Aus der heutigen Koalition ist die Gruppe Rosche-Kafka bald aus- gesprungen. Seit Beginn des HItlerrummelS war eS sonnenklar, daß mit dcni Einschwenken der völkischen Gruppen in die Bahn einer kurzsichtigen Abenteurerpolitik die stidetendeutschen Wirt- schastSinteressen aufs schwerste gefährdet werden. Da hätte sich der Hauptverband energisch zu Worte melden müssen. Was geschah? Herr Rosche, der«och immer als Sprecher der nord- böhmische« Fabrikantenkreise gilt, machte als einer der ersten dentschbürgerlichen Politiker einen Kota« vor Hitler. NieinalS.hat in der Zwischenzeit, da Vernunft und Wahnsinn um die Seele der Sudctendeutschcn ringen, einer der deutschen Wirtschaftsführer ein besonnenes und mäßigendes Wort gefunden. Im Gegenteil! Aus allen Teilen des Landes kommen uns Berichte zu, wie von deutschen Unternehmern die Hcn- lcinbcwegung offenkundig gefördert wird, wie die sozialdemokratischen Arbeiter, unsere gewerk- schaftlichen und politischen Vertrauensmänner systematisch ausgehungert und von allen Arbeits- Möglichkeiten ausgeschlossen werden. Wir wer- den darüber mit näherem Material dienen und die betreffenden Herren an den Pranger stellen. Man wird sich nächstens auch die Herkunft der zahlreichen AutoS anschaucn, die bei jeder Hen- leinparadc auffahren. Die stillen Förderer des sudetendeutschcn FaseiSmuS werden dem Rain- penlicht der Oeffentlichkeit nicht entrinnen. Dieses Doppelspiel hat sehr unangenehme Konsequenzen für die Industrie selbst. Soweit die BeschäftigungSmöglichkeitcn unserer indu- striellen Unternehmungen vom Einfluß des Staates abhängen, bleibt eS ausschließlich den deutschen Sozialdemokraten überlassen, in der Regierung dafür einzutreten. Der Bund der Landwirte kümmert sich trotz phrasenhafter Bekenntnisse zur Volksgemeinschaft und trotz seiner FührungSPofition im Bund der Deutschen, darum einen Pfifferling. So kommt eS vor, daß in vielen Fällen, wo das Schicksal von Betrieben auf dem Spiele steht— siehe den Numerus clausus in der Glasindustrie— Arbeitervertreter und Unternehmer gemeinsam bei den Regierungsstellen eingreifen. Auch in anderen Fällen bedienen sich manche Unternehmer gerne des ge-. üierkschastlichen und politischen Einflusses der Arbeiter, wenn es um die Wegräumung büro- kratischer und kreditpolitischer Hindernisse der Betriebsführung geht. Hier wissen sie den staatspolitische« Einfluß der deutschen Arbeiterbewegung zn schabe«. Im Lande draußen macht die deutsche Industrie reaktionäre Klassenpoliük und wirft in vielen Fällen ihre wirtschaftliche Macht in die Waagschale, um diesen Einfluß zugunsten eines politischen Abenteurertums zu schwächen. In einem gemischtnationalen Lande hat natürlich die Arbeiterschaft eines Mindcrheits- Volkes ein eminentes Interesse daran, eine künstliche Verlagerung der Existenzqucllen zu ver- meiden. Die deutsche Arbeiterbewegung dieses Landes hat auch auf diesem Gebiete ihre Pflicht stets erfüllt. Die deutsche Industrie in ihrer Ge- samtheit unterstützt seit der Staatsgründung eine Politik, die gegen ihre eigenen Daseinsinteressen gerichtet ist. Sie hat es unterlassen, sich eine aktionSfahige politische Vertretung zu schaffen und wird in reaktionärer Borniertheit auch in Die zwei Gesichter der„Bohemia“ Die„Bohemia" brachte in ihrer ersten Mittwoch-Ausgabe folgende Meldung: Bayreuth ohne Ausländer Bei den Bayreuther Wagner-Festspielen wurden bisher, wie Reuter aus Bayreuth meldet, insgesamt 872 ausländische Besucher gezählt, gegenüber 1078 im Jahre 1980. Davon entfielen 46 auf England und 88 auf die Bereinigten Staaten, gegenüber 187 Engländern und 846 Amerikanern im Jahre 1980. Der Besuch Bayreuths seitens der Ausländer ist a u f e i n Drittelt»« Ziffern von 1980 zusammenge» schrumpft. Diese Meldung stand, wie gesagt, in der e r st e n Ausgabe der„Bohemia", die immer am Borabend in den Straßen P r a g S zu haben ist. In der am Morgen erscheinenden und auch nach Deutschland gehenden Ausgabe ehlte diese Meldung, die ein paar Stunden vorher als noch so wichtig erschien, daß man ihr eine Ueberschrift in großen Lettern gegeben hatte. Woraus zum hundertsten Male hervorgeht, daß die„Bohemia" zwei Gesichter hat: eines, das sic dem demokratischen Inland zur Schau trägt, das andere, wahre, mit dem sie in Deutschland Geschäft zu machen und bei den Teutonen im Inland Anklang zu finden versucht. Denn Herr Goebbels, dessen reichsdeutschc Blätter natürlich über das „Bayreuth ohne Ausländer" nichts berichten büren, würde Herrn Hitlers„Bohemia" nicht mehr über die Grenzen lassen, wenn.sie auch nut an einer einzigen Stelle eine unangenehme Wahrheit über das Dritte Reich brächte. Ein Urteil über die doppelte„Mo» r al" der„Bohemia" erübrigt si-t>, zumal' es längst und an weit schiverer wiegenden Fällen ge« ällt ist. Vie Internationale Sommerschule In Aussig Sonntag, den 12. August, unternahmen die Teilnehmer der Sommerschule-einen. Danipseraus- flug. Montag, den 18. August,.wurden die Referat« fortgesetzt. Den Borfitz führte Doz. Dr. P k i h o d a (Prag). Bor dem Hauptreferate gab Urech (Zürich) einen änregenden Ueberblick über das Schweizer Schultvescn und dessen Organisationen. Prof. Weber(Paris) sprach über die Entwicklung der Einheitsschule in Frankreich, über die die Bedeutung der richtigen Auswahl der Schüler aus Grund psychologisch fundierter Prüfungen und Tests. In der außerordentlich bewegten Wrchselrede, die eine Fülle neuer Fragen auswarf und besondere Anregungen brachte, sprachen Chaumont(Frankreich), Jadoule(Lüttich), Mühlberger (Trautenau), Zoretti(Frankreich), der als den wahren Zweck der Sommerschule eben den Umstand bezeichnete, daß die vor dem internationalen Forum nur kurz angedcnteten Fragen gerade den einzelnen 25 - FRITZ ROSENFELD: öd(ücjutta BIN BOMAN ZWISCHEN TBAIIM UND TAG Der Kundschafter hielt den Krug, betrachtete ihn lauge. „Woran denkst du, Osmin?" fragte Ala Eddin. „Die Verse Omare j Khajjams klingen in meinem Ohr, Ala Eddin." „Sprich I" „Omar schrieb: Dem Töpfer sah einst im Bazar ich zu, Wie er den Lehm zerstampfte ohne Ruh. Da hört ich, wie der Lehm ihn leise bat: ■„Nur sachte, Bruder, einst war ich wie du." Da stieß Ala Eddin den Krug zu Boden, daß er zerschellte. „Du machst traurige Scherze, Osmin." „Ich dachte an die Worte eines Weisen, Herr." Ala Eddin senkte den Kopf. Mit dem Fuß stieß er die Scherben des Kruges fort. Wein sickerte in den Teppich, rot wurde der Teppich, als hatte «in Erschlagener hn mit seinem Blute gefärbt. Als Osmin gegangen war, rief Ala Eddin die Führer d«S Heeres, Tula, Amar, Omak standen vor ihm. „Die Stadt Kaschgar, jenseits des Sees, verweigert mir den Gehorsam. Die Stadt Kaschgar, jenseits des Sees, lästert Allah und seinen Propheten. Straft die Stadt Kaschgar, legt sie in Trümmer. Erschlagt ihre Männer, bringt mir ihre Frauen. Nehmt Tragtiere mit für die Schätze der Stadt. Osmin zeugt euch den Weg. Wenn dreimal der Mond gewachsen und geschwunden, muß Kaschgar wie der Boden der Düste sein." Sie neigten sich, Tula, Omak, Amur, sie küßten die Pantoffel Ala Eddin». ' Sie riesen ihre Scharen zusammen. Tula, Omak, Amur,'aus Akrod und Alumtt. Die Trommeln dröhnten, die Fanfaren sangen, Schwerter wurden geschärft, Sättel über die Rücken der Pferde geworfen. Die Spitzen ihrer Lanzen prüften die Assassinen, an scharfen Steinen wetzten sie ihre Messer. Pal betrachtete sein Schwert. Rein glanzte eS in der Sonne. Seit dem Tag, da er es gegen Ala Eddin erhoben, hatte er es nicht entblößt. Große Mäntel holten die Assassinen, lange währte diesmal der Ritt, durch viele Länder kanien sie, wehender Schrecken mußten sie sein in der Wüste und in den Bergen. Sie nahmen keine Speise mit: Speise holten sie sich in den Dörfern; die Tiere des Waldes und die Häuser der Menschen, alles war ihre Beute.! Teufel in weißen und roten und grünen Mänteln jagten sie über die Erde. Ala Eddin stand aus der Zinne seiner Burg. Osmin sah zu ihm empor. Ala Eddin hob die Hand, winkte ihm. Drei Scharen standen vor der Burg Ala Eddins. Tula und Omak aus Akrod, Amur mit dem Herr von Alumat, Die Trommeln rollten und die Fanfaren schrien. Die■ Assassinen zogen aus, eine aufrührerische Stadt zu strafen. In einer Wolke von Staub verschwand das jagende Heer. Noch sah Ala Eddin die wehenden Mäntel. Dann ging er in sein Gemach. Wie hatte Osmin gesagt: Haare, dunkler als Ebenholz, Augen, die heißer brannten als die Sonne des Sommers? Er ging zu seinen Frauen. Schwerter? Schwarze Haare hatten seine Frauen. Blut'« Rote Lippen hatten seine Frauen. Schreie der Sterbenden? Süß war der Gesang seiner Frauen. Fluch brechender Blicke? Heiß lag die Sonne über den Dächern seiner Burg, sie war ein goldener Segen. Mit den Gliedern feiner braunen Frauen spielte Ala Eddin, als das Heer dem Gebirge entgegenritt, da» blau und fern am Horizont stand. Zukunft auf sämtliche falschen Pferde setzen. Wenn dann der Einfluß der Arbeitervertreter nicht ausreicht, Schädigungen, wie sie im Falle der Regelung der Margarineerzeugung erfolgt sind, zu vermeiden, dann trägt die durch und durch negative sudetendeutsche. Unternehmer. Politik ein vollgerüttelt Maß von Schuld daran! zum Nachdenken anrcaen. Frau Senatorin S v a a k (Brüssel) wies.auf die wichtiae Rolle der Frau als Mutter und Lehrerin hin und stellte die Forderung' auf, die Frauen der weitesten Kreise in sozialistische Gedankengänge«inzuführen. Der Nachmittag war der Besichtigung der sozialen Einrichtungen der Stadt Aussig gewidmet. (BerufSberatungSamt, Blindenschule, Schulzahnklinik, Warmbad Kleische.) Am Abend im BoSS- haus wurde von I. H» d l(Aussig) ein Ueberblick über dj« politisch« Lage in der Republik gegeben. Den Borsitz führte Frau NyS(Brüssel). Am Dienstag, den 14. August, sprach I. Bracops(Brüssel) Über Eindrücke aus Gesprächen mit österreichischen Lehrern. Daraus konnten alle Teilnehmer der Sommcrschule ersehen, wie gerade die Lehrerschaft die Dcmokratte verteidigen muß. Nur in ihr hat die Lehrerschaft das Recht, sich frei zu organisieren und auf die Schule jenen Einfluß zu nehmen, der ihr zusteht. In: Anschluß sprachen Teilnehmer aller auf der Sommerschule vertretenen Nationen zum Programm der nächsten Sommerschule, die in der Schweiz stattfindet. Zum Schlüsse dankte der Präsident de» Internationale» Berufssekretariats der Lehrer. Univ.- Prof. Zoretti(Frankreich), allen Teilnehmern für den Besuch, den Aussiger Veranstaltern für das Entgegenkommen und die Liebenswürdigkeit, mit der alle aufgenommen wurden, insbesondere dankte er dem Organisator der Sommerschule I. Hu dl (Aussig) für die in allen Teilen glänzend vorbereitete und dnrchgcführte Veranstaltung. Die Sommerschule war von 150 Lehrern und Lehrerinnen besucht. Davon waren 40 Franzosen, darunter einige auch aus Nord« afrika, 15 Belgier, 10 Holländer einschließlich der zwei Vertreter der holländisch-indischen Lehrer, fünf Schweizer, drei Reichsdeutsche 15 Tschechen und 62 Deutsche au» unserem Staate. Einig« Teilnehmer befinden sich noch in Aussig, 48 beteiligen sich an der Studienreise nach Prag, Pilsen, Marienbad und Karlsbad. Wie Einheitsfront-Adressen zustande kommen Au» Fulnek wird uns geschrieben: Im Reichenberger„BortvärtS" war unlängst eine Notiz über eine BerbrüderungSaktion ztvischen Sozialdemokraten und Kommunisten in F u l n e k, dse über die Köpfe der Führer hinweg erfolgt sein soll.' Diese„BcrbrüderüngSaktion" wurde zu» ständcgebracht von einem Kommunisten: namens Luft, der unlängst in Fulnek eine Agitation von HauS zu Haus durchführte und auf diese Weise etwa 20 indifferente Arbeiter für seine Aftion zusammenbekam. Ilm auch ein paar organisierte Sozialdemokraten einzufangen, bedient er sich folgeirden Tricks: Er ließ eine indifferente Frau namens Anna Friedrich unterschreiben, die er für die Obmännin der sozialdemokratischen Organisation, die auch Anna Friedrich heißt, auS- gab. Diese Unterschrift zeigte er nun organisierten Sozialdemokraten und sagte ihnen, sie könnten unbedenklich unterschreiben, weil ja auch die Obmännin der Parteiorganisation einverstanden sei. Tatsächlich gingen dem feinen Herrn zwei Par- Stunden und Stunden, Tage und Tage ritten die Assassinen. Durst brannte in ihrer Kehle Ihre Blicke baten Tula und Omak, ein wenig Rast zu halten. Die aber wiesen Wetter den Weg. vorwärts, die Stadt zu strafen an Leben und Eigentum, die sich dem Fürsten widersetzt! Ala Eddin wollte es, Allahs Prophet! Berge zogen vorüber, Hügel, flaches Land, Häuser, deren Bewohner flohen, als sie die Mäntel der Assassinen am Horizont erblickten. Tiere stoben auseinander, als eine Lanze der Assassinen in ihre Mitte saust«. Dörfer lagen ausgestorben da: Die Assassinen kommen, die Assassinen kommen! In einem der Dörfer machten sie endlich Halt, als die Sonne sank. In leere Häuser gingen sic, die Pferde banden sie an die Bäume. Wo Leben war, hieb ihr Schwert zu. Das Lager der Krieger Ala Eddins muhte sein wie die Wüste, wenn das Brüllen der Löwen alle» Getier verjagt hat. In einer Scheune, auf altem Stroh, schlief Pal. Bon. einer Wiese kam der Duft des Heus. Seine Hand hielt den Schwertknauf umspannt. Noch war das Schwert glänzender, unbefleckter Stahl. Wieviele Tage noch und zerstörtes Leben schrie aus ihm. Am Morgen leuchtete das Schwert, wie das Haar ArjuttaS. Axjutta, Axjutta. Pal stützte den Kopf in die Hände. Weit ging sein Blick, über die Ge- fährten hinweg. Groß und hell und blau war der Himmel dieses Morgens, ein Riesenauge, das klar und gütig auf die Erde niederblickte. Axjutta, dein Haar, hell wie dieser Morgen, Axjutta, deine Äugen, hell wie dieser Himmel, Axjutta, daS Lied deiner Hände, auf dem heißen, weichem Instrument Ningender Lust gespielt, dein Schritt, der tausendfaches Echo wecken mühte, wäre die Welt nicht taub für alle Harmonie. Axjutta! Roch schliefen die Assassinen. Tula ging umher, mit dem Schaft der Lanze weckte er sie. Sie rieben sich die Augen und fluchten. Kaschgar, was teigenossen auf den Leim, die aber sofort ihre Unterschrift zurückzogen, als sie den an ihnen verübten Betrug erkannten. Da auch im„Vorwärts" über die Teilnahme der Mitglieder der„Union der Textilarbeiter" geschrieben wurde, haben wir auch bei dieser nachgeforscht. Die Leitung hat uns ganz dezidiert cr- klärt, das man Herrn Luft bei seinem ersten Versuche sofort hinauskomplimentiert und'kein Funktionär feine« Unterschrift hergegcben habe. Es wurde uns auch eine Erklärung der Ortsgruppenleitung ausgefolgt, die folgendes sagt: „Die OrtSgrupPenleituug der Ortsgruppe der Textilarbeiter in Fulnek erklärt hiermit, daß sie keinerlei Zusagen an die Agitatoren der kommu« nistischen Partei gemacht und auch keine diesbezügliche Erklärung unterschrieben habe. Sollte die» geschehen sein, dann kann eS sich nur um indiflerenie Elemente handeln, von denen die Leitung der Ortsgruppe keine Kenntnis hat." Fulnek, am 12. August 1984. Karl Hahn, Obmann. Von der Leitung der politischen Lokalargani- sation haben wir ein Schreiben erhalten, in dem cs unter anderem heißt: „Die unterferttgte Leitung erklärt hiermit, daß sich die Lokalorganisation unserer Pattei in keinerlei Verhandlungen mit der kommunistischen Pattei eingelassen, und auch keine Erklärung unterschrieben hat. Lediglich zwei Funktionäre, die in Unkenntnis der Sachlage sich überreden ließen und für die die Lokalorganisation die Verantwortung ablehnen muß, haben dem Herrn Luft ihre Unterschrift gegegen. Im übrigen handelt er sich um indiflerenie Arbeiter, unter denen leider auch einige Mitglieder sind, die bei der Hausagitation der Kommunisten ihre Unterschrift auf ein Schriffltück gesetzt haben, von dem ihnen ausdrücklich gesagt wurde, da» die» keine politische Tendenz habe, daher jeder Arbeiter unbedenklich unterschreiben könne. Die ganze Aktion bedeutet nichts anderes, als einen neuen Trick der kommunistischen Agitation, auf den die Parteigenossen anderer Orte.hiermit aufmerksam gemacht werden. Gezeichnet: Anna Friedrich. Eichler Karl, Kraus Stefan. So sicht also der kommunistische Erfolg bet den sozialdemokratischen Arbeitern in Wirklichkeit aus. Dabei haben uns schon eine Reihe Arbeiter erklärt, das sie unter diesen Umständen ihre Unterschrift unter allen Umständen schriftlich wiederrufen werden. Jugoslawien verbietet Kartelle Belgrad, 15. August. Ueber Antrag des Ministers für Handel und Jndustie erließ der Ministerrat Verordnungen betreffend die Aufhebung der Kartelle, die Maximierung des Zinsfußes und das Verbot für Jndustrieunternehmungen, Kleider- und Schuhreparaturen in eigenen Wettstätten zu übernehmen. Durch die Kartellverordnung ist die Bildung von Kartellen prinzipiell verboten. In besonderen Fällen kann die Gründung von Kartellen mit Bewilligung des Ministerrates und unter ständiger Kontrolle der Geschäftsgebarung dieser Kartelle durch besondere Regierungskommissäre gestattet werden. ging sie Kaschgar anl Schlafen wollten sie, satt wollten sie schlafen! Aber der Lanzenschast Tulas fuhr derb in ihre Träume. Da sprangen sie auf, wuschen sich unter dem Brunnen des Dorfes, tränkten ihre Pferde, jagten weiter, über Ebenen, durch Dörfer, über Berge, der Stadt zu, die sie strafen sollten. Wo sind die Mädchen, wo ist der Brunnen, aus dem weiße Milch floß. Wo di« Paläste und wo der große Gong? Sonne brennt nieder, Staub umhüllt die Reiter. Blitzenden Auges sitzen sie stumm im Sattel. Felder fliegen vorüber, über Steppe dröhnt der Huf der Pferde. Amur, Omak, Tula immer voran: die Lanze in den Händen, die grüne Fahne mit dem goldenen Mond. Nicht zu segnen kamen sie und nicht zu ackern. Sie kamen zu töten und zu zerstören. Die Männer in den wehenden Mänteln, die Sendboten Jblis, des Teufels, der Schrecken der Länder, Ala Eddins getreues Heer. Dann waren die Berge, die Hügel vorüber, und auch die Dörfer. Dann kam die große Eben«. Nur selten trafen sie Hirten, die ihre Zelte am Ufer eines kleinen Flusses errichtet hatten. Schnell brannten die Zelte, schnell liefen die Hirten, ihr« Schafe waren eine fette Mahlzeit! Auf steier Erde schliefen sie nachts. Die Lanzen wurden in den Boden gestoßen, die Pferde daran gebunden. Am offenen Feuer wurde di« Mahlzeit bereitet— Schaffleisch, manchmal«in Bär, Vögel, di« ihr Pfeil erreichte. Beutel aus Ziegenfell waren ihr« Krüge. An den Quellen wurden sie prall gefüllt, hoch hielten die Männer die Beutel und ließen das Wasser in dickem Strahl in ihren Mund laufen. Die Mäntel schlugen sie dicht um sich in den Nächten, aber der Frost war scharf, er biß durch die Mäntel und fuhr ihnen in alle Knochen. Eng aneinandergedrängt lagen sie in den Nächten, der Himmel war sternbesät, das Wiehern der Pferde klang langgezogen über die Steppe, und groß« nächtliche Vögel schossen über ihren Köpfen dahin.(Fortsetzung fotzte) He.«0 DonnerSta«, IS. Hugitft 1934 o Seit: Sowjetrußland Die Hlegerexkurston ul» Auftakt xu engen Begehungen und die Tschechoslowakei „Kaiser und König“ Otto Ble MbMrgcrirafe im üe AriHfecslowakischen Republik und in der Sowjetunion. Nachdem die Musik die Sowjethymne gespielt hatte, antwortete auf die Kundgebung Gesandter Dr. Flieder. Er sprach im Namen des Außenministers Dr. BeneS seine Freude über den Besuch der Sowjetflieger aus, den er bloß als Anfang der weiteren Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Staaten bezeichnete. Das, wovon wir bei dem Besuch der Sotojetflieger Zeugen sind, spricht dafür, daß sich diese Zusammenarbeit glücklich entfalten wird und dies um so eher, als beiden Staaten das Streben zur Sicherung des Friedens gemeinsam ist. Wir wünschen alle, erklärte der Gesandte weiter, daß es nicht bei diesem Besuch bleibt, daß sich vielmehr unsere gegenseitigen Beziehungen auch auf die Vertreter anderer Berufszweige ausdehnen. Die Kapelle spielte die tschechoslowakische Hymne, worauf der Chef der russischen Mili- tarmission U n s ch l i ch t spracki. Er betonte, daß daS Flugwesen eine ungewöhnlich große Bedeutung für die Verbindung der Völker und für ihre kulturelle Annäherung besitze. Heute ist dem Flugwesen die neue Aufgabe gestellt, sich in den Dienst des Friedens zu stellen. Aehnlich sagen die weiteren Angeflagten W e r d i n i und Hauner aus, die ebenfalls ehemalige Soldaten sind. Sie erklären, von Schredt Weisungen und auch Waffen erhalten zu haben. Keiner von ihnen will gestehen, geschossen zu haben. Beide dachten, daß cs sich um eine legale Aktion handelt. Der angeklagte . Polizist vrylta erklärt, er sei Mitglied der nationalsozialistischen Partei gewesen. Die Beiträge zahlte er zu Händen deSObcrwachmannes Theißen- b e r g e r, mit dem er übrigens bereits im September des Vorjahres eine Unterredung hatte. Es wurde von der Umbildung der Regierung gesprochen. Die Attion war damals für den Oktober 1933 projektiert, wurde aber verschoben. Am 23. Juli 1934 kam Theihenberger in seine Wohnung und überbrachte ihm die Mitteilung, die beschlossene Aktion werde am 25. oder 26. Juli durchgcsührt werden. Dr. Dollfuß werde nach Rom fahren und die dortige österreichische Gesandtschaft übernehmen, während Dr. Rinte l e n bereits in Wien eingetroffcn sei, um eine neue Regierung zu bilden. Theißenberger teilte dem Angeflagten auch mit, daß er diesbezügliche Aufträge vom Polizeidirektor D r. S t e i n h ä u- s e l erhalten habe. Dieser werde, wenn die neue Regierung zustande komme, alle ehemaligen Rationalsozialiften mit besonderen Diensten betrauen. Der Angeflagte habe diese Schilderung um so mehr geglaubt, als er aus ZcitungSmeldungen von der Zusammenkunft Hitlers mit Mussolini unterrichtet war und auch von den Plänen mit Dr. Rintelen öfter gehört habe. Am 24. und 25. Juli kam Theißenberger, sowie der Angeklagte N i k i s ch einige Male zu ihm. Beide forderten ihn auf, am 25. Juli um 1 Uhr mittags bei dec Ravag zu erscheinen. Theißenberger sprach auch von einem ähnlichen Aviso-des Detektivs Steiner. Zur kritischen Zeit begaben sich der Angeflagte in Begleitung von Nitifch in die Jo- hanneSgaffe zur Ravag. Der Angeflagte MAHleksen hatte eine Art Führcrrolle gespielt. Mit vorgehaltenen Pistolen entwaffnete er uns. Wir mußten die Hände emporhcben. Widerstand wäre zwecklos gewesen und ein Griff nach der Pistole der sichere Tod. Wir gingen über die Stufen in die Portierloge und wurden dort entwaffnet. Da dort hineingeschossen wurde, ersuchten Nikisch und ich, uns abzuführen, damit wir gedeckt wären. Wir wurden dann in die Jnstrumentenkammer gebracht, wo wir bewacht wurden. Hierauf wird der Polizeirevierinsprktor Rikisch einvernommen. Er verantwortet sich äußerst zögernd und bekennt sich nicht schuldig. Seit 1981 gehörte er der nationalsozialistischen Partei an. Der Angeflagte schildert dann, wie ihm der Kriminalbeamte Rotter seinerzeit erzählte, daß Minister Fey sämtliche nationalsozialistischen Wachleute entlassen"wolle. ES handle sich um eine Gegenaktion gegen Fey. Der Angeklagte erwähnt noch, e» sei ihm gesagt worden, wenn er etwa» verrate, werde er aufgehängt oder erschossen. Damit wurde das Verhör der Angeklagten b e« n d e t und das Zeugenverhör eröffnet. Der erste Zeuge, Kanzleidircktor, im Finanzministerium'Götzinger war Augenzeuge der Szene bei der Einfahrt in die Ravag und sagt, er habe einen Mann gesehen, der einige Schüsse abgab: Er sah auch den Schutz- korpSmann auf dem Boden liegen und bemerkte auch, wie die beiden angeflagten Wachleute, mit erhobenen Händen vom Gehsteig in die Ravag schritten. Der Staatsanwalt zu den beiden Wachleuten:„Was sagen Sie dazu, das ist eine ganz andere Aussage. Sie haben angegeben, daß Sie hingcsprungen sind, um dem Schutzkorpsmann zu helfen, der Zeuge erzählt aber, daß Sie schon am Gehsteig die Hände em» porgchoben haben". Der Zeuge erflärt nochmals er könne sich genau daran erinnern, und täusche sich bestimmt nicht. ES werden dann einige Zeugen einvernom- mcn, die diese Szene ähnlich schildern, worauf die Verhandlung auf morgen vertagt wurde. Japan kündigt Hottenabkommen? Tokio, 15. August. Wir hier verlautet, sollen die Besprechungen zwischen dem japanischen Ministerpräsidenten Okada, dem japanischen Kriegsminister Kayafchi und dem japanische« Marineminister Ozumi dazu geführt haben, daß der javanische Ministerpräsident seine Zustimmung zur Kündigung des Washingtoner und de» Londoner Flottenabkommen» gegeben hat. Zwölf Nazi In Gastein verhaftet Wien, 15. August.(AN.) Au» Salzburg wird gemeld.l: Ank Grund einer Anzeige wurden Dienstag in Bad Gastein 12 Arbeiter der Wildbachverbauung, darunter der Paraieführer Christian Straubinger, wegen Hochverrates, Waffen- und SprcngstoffbesitzcS verhaftet und dem LandcSgcricht Salzburg cingeliefert. Die Verhafteten sind sämtlich Mitglieder der SA. und SS. Sie haben tvährend der Julirevolte Bereitschaft gehalten. Acht von ihnen wurden am 28. Juli mit Pistolen bewaffnet. Sie planten einen Ueberfall auf den Gendarmerieposten und auf Schuhkorpsabteilungcn. Der Plan kam jedoch nicht zur Ausführung. In der Nähe der Wiidbachvcr- bauung fand man in einem Rucksack acht PistMst mit Munition, sechs Hakenkrcuzarmbinden, zwei Sprengkapseln, einen mit einer zwei Meter langen Zündschnur adjustierten eineinhalb Kilogramm schweren Ekrasitsprcngkörper und Ammonitpatro- ncn. Die Bevhafteten sind zum Tell geständig. Diebstahl-Nachtrag Wien» 15. August. Die Bundespolizeidirektion Wien hat die Beschlagimhme des Vermögens des Touristenvereines„Die Naturfreunde", sowie des„Vereines für sozialistische Hochschulpolitik" angeordnet, u. zw. auf Grund der Verordnung der Bundesregierung vom 12. Feber, die die Betätigung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Oesterreichs verbietet und ihre Organisationen aufgelöst. Luft- und Seerüstunsen der Vereinigte« Staate«. Washington. Der Vorsitzende des Martne- ausschusses deö Repräsentantenhauses, Binson, der genieinsam mit dem Marineamt das Flugzeugbauprogramm für die Flotte ausgearbeitet hi^t, gab bekannt, daß der Bau von 2100 neuen Marineflugzeugen beabsichtigt sei. Von den ungefähr 1600 Flugzeugen, die die Marine gegenwärtig besitze, seien nur etwa 400 für den Flugdienst tauglich. Das Marinedepartement beginnt mit der Vergebung der Arbeiten der Schissskonstrukteure für den Bau von vier 10.000-Tonnen-Kreuzern, ferner von 14 Torpedozerstörern und sechs U-Booten. Bergsteiger-Unglück Laibach, 15. August. Unweit de» Tschechi- chen Heimes an der Grintovec-Wand ereignete sich ein schweres Unglück, bei dem die Beamttn Hilda Kohn tödlich und drei andere Touristen schwer verletzt wurden. Trotz regnerischen Wetters, gewarnt von Einheimischen, daß Felsrutschungen zu erwarten dien, unternahm eine Gruppe von 7 Touristen, »arunter 2 Frauen, eine Bergtour. Plötzlich kam ei»i Fe l s st ü ck 290 Meter ober den Touristen in» Rollen und zerbrach in Stücke. Beim Anprall von niederfallendem Gestein an ein« Felskante wurde die Beamtin Kohn tödlich verletzt, indem ihr der Schädel völlig zertrümmert wurde. Der Agramer Kaufmann Widram erlitt sehr schwere Verletzungen und man bezweifelt, daß er am Leben bleiben wird. Zwei weitere Touristen wurden ebenfalls schwer verletzt. Das Verhör im Ravag-Prozeß Keiner will geschossen haben Seite 4 DvnnerStag, kV. August 1834 Rr. 1V0 A5 ttitler-gesnes in den Todeszelten TagcsnculgKcMcn Die Sowjetpieger in Prag feterNch und herzlich empfange» Prag, 15,. August.i-Saale des Rcpräscniationshauses in Prag. Morgen wird sich ein Teil der Exkursion, bestehend aus den führenden Personen? mit dem Kommandanten der Exkursion Unschlicht, unter Führung dcS Generals Fajfr nach Karlsbad, M a r i e n b a d und P i l s e n. be- gcven, ein weiterer Teil, bestehend aus den Ingenieuren, wird einige Fabriken besichtigen, während die Mechaniker bei den Maschinen bleiben und sic zum Weiterflug vorberciten werden. Orkan über Belgrad geh» Persone« vermißt Belgrad, 15. August.(Havas.) Infolge des OrkancS, der gestern Nachmittag in Belgrad und Umgebung wütete, ist die telegraphische und telc- Das Welthilfskomitcc für' die Opfer des Hitlcr-FafciSmuö übergibt uns folgenden Aufruf: 92 McnscheN''7i»dt unter der fascistischcu Hitler-Diktatur zmn Tode durch das Beil verurteilt worden, lieber' 10 ivurden bereits hingerichtet. Durch die Welt» ging ein Schrei der Empörung, als der Henker des Dritten Reiches in schneller Folge die Opfer der fascistischeu Justiz zum Richtblock zerrte und ihnen den Kopf abschlug. Aber der Henker wütet auch heute noch in Deutschland. Erst vor wenigen Tagen ist tviedcr ein Ansisascist in Stuttgart enthauptet worden. In den Todeszellen Hitlcrdeutschlands lvartcn 35 zum Tode Verurteilte auf den Henker. Das Wclthilfskvinitce für die Opfer des Hit- lcrfascismuö wendet sich au alle Autifascisteu der ganzen Welt und fordert sic auf, ihr« ganzen Kräfte für die Rettung der in den Todeszolle» sitzenden Antifascistcn einzusetzen. Nur der Protest der gaiizcu zivilisierten Welt kann die Henker daran hindern, auch diese 36 Menschen zu ermorden: die Arbeiter Bartel und Winkler, zum Tode verurteilt am 22. Mai 1983 vom Schwurgericht Chemnitz; die Jungarbeiter Szcodrn und Foelz, zum Tode verurteilt am 25. Juli 1933 vom Schlvurgericht Berlin III; den Arbeiter Trampeuau, zum Tode verurteilt am 30. Juli 1933 vom Sondergericht Harburg; den Arbeiter Schidzik, zum Tode verurteilt am 21. September 1038 vom Sondergericht Hagen; den Arbeiter Reitingcr, zum Tode verurteilt am 5. Oktober 1083 vom Schwnrgersthi Frankfurt a. M.; den Arbeiter Heinrich Wolf, zum Tode verurteilt am 0. Oktober 1038 vom Sondergericht Brann» schwelg;'. phonische Verbindung sehr stark gestört.. Der auf den Feldern ungerichtete Schaden wird ans'einige Millionen Dinar geschätzt. Unter den Trümmern eines vom Winde umgelcgten. kleinen. Hauses lvurdc eine Frau begraben,.eine zweite Frau wurde verletzt? Die in der Donau und in'der Save badenden Städter Ivurden am Nachmittage vom Orkane-so sehr überrascht, daß sie i m B a d c k o st ü m in die Stadt flüchteten. Die Flußbadcanstatten melden, daß zehn Personen vermißt tvcrdcn. Ueberschwemmungs-Ovser in der Mandschurei Shanghai, 15. August. Nach einer Meldung aus der Mandschurei sind durch die Ileberschwcm- mungcu in den Provinzen Taitsikar und Kirin die Eisenbahnlinie Kirin—Kesan und die Eisenbahnlinie nach Lafa unterbrocheu■ worden. Trotz der Anstrengungen japanischer und mandschurischer Truppen sind bisher 81 Todesopfer zu verzeichnen. Ettva 0000 Häuser Ivurden zerstört. Die mandschurischen Behörden haben eine Hilfü- attioil cingclcitct. Bund der ,,Deutschen". Gewisse reaktionärbürgerliche Kreise, die noch vor ganz kurzer Frist im Zentrum der staatsscindlichcn Propaganda gestanden haben und in Verzückung gc- die. Arbeiter Äasparik und'Schmied, zum Tode verurteilt am 22. Oktober 1038 voin. Schwurgericht llhemuitz; i-■ die Arbeiter Marquardt und Beck, zum Tode verurteilt am 10. Oktober 1088 vom Schlmirgericht Chemnitz den Arbeiter Paul Morgen, zum Tode verurteilt am- 20. Oktober 1088 vom.Schlvurgericht Prenzlau; den Arbeiter Letzner, zum Tode verurteilt, mn 0. November 1088 vom Schwurgericht Magdeburg; die zehn Arbeiter Johann llhde, Karl May, Franz Telega, Hugo Gast, Richard Kuechmann, Fritz Scheinhardt, Herbert Scharge, Otto Speckmann, Karl Zellmer und Otto Thalheimer, zum Tode verurteilt am.24. November 1088 von» Schwurgericht Dessau; den Arbeiter Pischon, zum Tode verurteilt am 10. Dczcntbcr 1033 vom Schwurgericht Hamburg; den Arbeiter Heinz Purl, zum Tode verurteilt am 12. Dezember 1088 vom Schwurgericht Hamburg; die Arbeiter Fischer, Deitmer und Helbig, zuni Tode verurteilt am 20. Jänner 1084 vom Schlmirgericht Hamburg; die Arbeiter Schulte und Schier, zum Tode verurteilt am 22. Jänner 1084 vom Schwurgericht Dortmund; die Arbeiter Rapier und Boit, zum Tode verurteilt am 10. Feber vom Sondergericht Dortmund; den Arbeiter Grickschaß, zum Tode verurteilt am 10. März 1084 vom Sondergericht Königsberg; den Arbeiter Hahn, zum Tode verurteilt am 17. März 1084 vom Schwurgericht Breslau; die Arbeiter Sally Epstein und Hans Ziegler, zum Tode verurteilt am 15. Juni 1084 vom Schwurgericht Berlin; die Arbeiter Broede, Mattern und Klause, zum Tode verurteilt am 14. Juni 1984 vom Sondergericht Berlin. rieten, wenn jemand vom„Dritten Reich" sprach, haben in letzter Zeit jäh und ungestüm ihr äkti- vistisches Herz entdeckt. Sic.sagten nicht, daß sie sich geirrt hätten und umzulerncn beabsichtigten. Daö würde man auch als Mensch,, der. auf Charakter und nicht auf Konjunktur Wert legt, zur Not verstehen können. Nein, sie taten so, als ob nichts geschehen wäre, riefen hoch mit beiden Backen, reklamierten die Demokratie für sich und lüfteten nur im allcrengstcn Zirkel ihre MaLke. Hier zeigten sie allerdings, daß sie sich im Grunde um kein Jota geändert hatten, haß sie nur, einesteils aus Feigheit, anderenteils aus Spekulation, die„Loyalen" und die„Demokra- ten" spielten, um, so gedeckt, nur desto frecher ihre Illoyalität und ihren Antidemokrotismus betätigen zu können- Die Sudctendeütscke Hei- matfront des Herrn Henlein ist von diesen! niacchiavcllistischen Kaliber, und so wie diese illoyalen Wölfe im loyalen Schafspelz treiben es viele. Der„Bund der Deutschen" in Marienbad hat diese traurige Erkenntnis unter Beweis gc- stellt. Er hat gemeinsam mit seiner Einsiedler Ortsgruppe ein„Bczirkssest" gefeiert, bei dem cs geradezu schäudlich hcrgegangen ist... Einem ortsbekanntcn Idioten drückten die Regisseure deö Skandals die Staatsfahne in die Hand. Der Geistesschwache zog mit ihr, unter dem verstand- nisvollcn Schmunzeln der Gleichgesinnten, dem „Jest"zuge voran) Im Fcstlokal stellte man die Fahne hinter den Ausschank, wo sie von den Festtcilnehmern zuerst zur Erde getreten und dann über einen Bretterzaun geworfen luurbc. Merken denn die'Urheber solch grundübler „Späße", die, während sic Loyalität schwören, bereits auf neue Bubenstreiche sinnen, nicht, wie durch derartige empörende Infamien die wah- ren Interessen des Deutschtums in der Republik aufs allcrschwerste geschädigt werden?! Wie sehr Pöbclexzesse dieser Art den Chauvinisten im anderen Lager hochwillkommenes Material gegen daö Deutschtum der Republik im allgemeinen in die Hände spielen?! Aber es war schon immer so, daß die, die das Wort deutsch zunl mindesten täglich zehnmal in den Mund nehmen, vom besseren Deutschtum nie einen Hauch verspürt haben! Baxa nach Sowjetrußland? Der Primator von Prag, Dr. Baxa, plant angeblich einen längeren Besuch in der Sotvjetunion. Das Ziel seiner Reise, wird sicherlich zuerst Moskau sein, dann Leningrad und Kijew und vielleicht noch andere wichtige,.Jndustriezentren. Es dürfte auch in des Primators Absicht liegen, Beziehungen mit den einzelnen Gruppen der Solvjcts anzuknüpfcn, doch sein Hauptinteresse wird wohl dem Studium dieses sich ungeheuer rasch entwickelnden Landes gelten. Es ist noch nicht bekannt, zu welchem bestimmten Termin der Primator Baxa diese Reise plant, doch dürfte er sie noch im Laufe des heurigen Jahres unternehmen.. Ein« Himckhtung in Passau. Am Mittwoch früh 3 Uhr wurde im Hofe des Landgerichtsgefängnisses in Passau die Hinrichtung deö vom Schlvurgericht Passan am 7. März d. I. wegen Mordes zum Tode verurteilten 49 Jahre alten Wilhelm Draxlcr aus Tamm in Niederbayern mit dem Fallbeil vollzogen. Draxler hatte am 10. Juli 1983 seinen ehemaligen Dienstherren, einen Brauercibesiher, mit dem er einen Prozeß hatte, im Bett.überfallen und durch mehrere Messerstiche ermordet. Vom Rundfunk «»Psehleaawrrtoa tu den Programme»: Freitag: Prag^ Sender L.: 0: Gymnastik. 10.20: Deutsche Nachrichten. 13: Arbeitsmarkt. 18.40: Schall- platten. 15.15: Orchesterkonzert. 17.40: Schallplatte«. 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Stief: Deutsche und tschechische Jugend. 18.45: Deutsche Arbeit er s e n d u n g:. Redakteur Leopold Goldschmidt: Aktuelle zehn Mnuten. 18.65: Deutsche Presse. 19.80: Uebertragung von den Salzburger Festspielen. 22.15: Tanzmusik.— Sender S.: 14: Flötenkonzert. 14.25: Deutsche Sendung: Halbe Swnde für die Frau.— Brünn: 11: Schallplatten. 18.80: Arbeitsmarkt und soziale Informationen. 18.55: Deutsche Sendung: Gisela: Bon großem und schlichtem Heldentum.— Mährisch-Ostrau: 18.20: Deutsche Seiwung: Fehler in der Erziehung. Lieder und Arien.— Preßburg: 18.25: Licderkonzcrt. Gin kleiner Gchriftfteller mit einem großen Herzen Stellt Euch einen Architekten vor, der sein Leben lang eine große Stadt baut. Nur wenige einstöckige Häuser, der Rest sind kleine Häuschen. Unmodern. Oft schief. Unhygienisch. Schmale, gekrümmte Straßen. Dunkle Ecken. Doch diese wirken malerisch. Die schmalen Straßen sind bunt, an die Häuschen grenzen grüne Nascnflccke, an jedem der Häuser ist eine breite Bank angclchnt, ans der man bequem sitzen kann. In den Häusern ist kein clcltrischcS Licht, nicht überall helle Beleuchtung, dafür lverfen die Kerzen scharfe-Umrisse. In der -Stadt leben nicht Männer und nicht Frauen, nur L e n I ch e n. Kleine Handwerker. Hausbesorgerinnen. Kleine Beamten. Die Zeit spielt keine" große Molle. Geht etwas nicht heute, ist morgen auch ein Tag. Eine solche Stadt baute I g n ä t Herrmann in seinem Roman ans. Nur wenige Romane. Keine Wolkenkratzer sind unter ihnen. Dafür kleine, bunte Häuser. Nur einen einzigen düsteren Roman hat Herrmann geschrieben, ein graues Haus, das in seine Stadt nicht hcreinpaßt. Ein einziges großes Unglück unter lauter„Mal- heurchen": Die Geschichte vom anfgcgessenen Laden(„U snkdemiho krämu") handelt von einem kleinen GreiSler, dem sein Laden, sein Herz und seine Lebenslust von der bösen Welt aufgcgcsscn wurden. Gewöhnlich Pflegen seine Geschichten nicht mit Selbstmord zn enden. Sonst tvcrdcn nur Knödel mit Kraut gegessen, Bier Ivird getrunken, wochentags ein Pfeifchen und Sonntags Zigarren und Virginias geraucht. Die ausgegossene Tinte, die eine Frisur, und einen Tanzabend verdorben hat, füllt viele Seiten. Ein Knecht, der braune Schuhe mit schwarzer Schuhcreme beschmiert, erfreut recht viele Leser. Ja, wieso hat Jgnät Herrmann so viele Leser? Wieso sind cs gerade seine Bücher, die von den Soldaten bis in die Schützengräben mitgenommen wurden? Warum verbringen Menschen,.die sonst recht wenig lesen, ganze Nächte über ihnen? Erstens deshalb, weil- ein jeder gerne über sich s e l b st lie st. Herrmann entnimmt seine Geschichten dem Leben, er formt sic nach Bedarf. Keine seiner Erzählungen hat sich so zugetragen, wie er.es beschreibt, aber dennocli war sic auch nicht anders. Die Geschehnisse stimmen nicht, aber die Typen, die Figuren, die Charaktere sind echt. Er fügt zu einem biederen Malermeister, der vor sechzig Jahren gelebt hat, das Mädchenideal seiner Jugend, stellt zu ihnen einen iungcn Durchschnittsbeamten seiner Zeit und läßt sie Ereignisse erleben, die in seiner Nachbarschaft vorgefallcn sind — und schon ist sein berühmtester Roman, der „Otec Kondelik a zek Vejvara" fertig. Von einem Bekannten nimmt er die Anfangsbuchstaben seines Namens, von einem anderen die ztveitc Hälfte— und findet dann zwei„KondeltkS" im Telephvnbuch und sechse sogar, lvenn er mit der Straßenbahn durch Lieben fährt. Dem berühmten Charles Dickens hat ein Mann Schwierigkeiten gemacht, tveil sich sein Name zufällig mit dem des Nomanhelden„Pickwick" gedeckt hat. Ter Mann tvar so beleidigt, daß er seinen eigenen Namen ändern ließ. Zu Jgnät Herrmann hingegen kommen oft Leute,, die um seine Unterschrift in irgendeines seiner Bücher bitten und behaupten, daß in diesem Buch ihr Schicksal beschrieben steht. Nicht selten melden sich einige Lente zn einem einzigen Buch. Warum hat sich der Engländer bittere Vorwürfe anhören.müssen, während dem Tschechen für dieselbe Tat(die keiner von den beiden tvirk- lich getan hat) der wärmste Dank zuteil wird? Die Antlvort auf diese Frage ist zugleich der zweite Grund von Hcrrinann'S Beliebtheit: Dickens hat verspottet, dort, Ivo Herrmann lächelt. Der Engländer klagt an, während der Tscheche erzählt. Dickens gebraucht die bissigste Satire, wo Herrmann nur sein.en lvarmeii Humor anwendet. Ein sehr gescheiter. Mann soll einmal gesagt haben:„Der Humor ist daö Knurren der Satten, die Satire der Schrei der Hungrigen..." Kennt denn Herrmann keinen Hunger? Hat er nur im Wohlstand gelebt? Ist er ein satter Bourgeois, der mit pikanten Anekdötchen das süße Leben der NichtStner würzt? Nein, er stammt ans einer ganz armen Familie, er hat viel'Rot leiden müssen. Er hat äls.'Handelögehilfe angcfaugcn,— die Geschichte von den erfrorenen Händen, die von Säure zerfressen sind, handelt von seinen eigenen Händen. Er soll uns selbst Antwort geben— aus der Erzählung„Die erste Sünde", die von dem Elend seiner Familie erzählt: „Es ging uns schlecht.-Ich forsche nicht, was die Ursache war, an wen: die Schuld für diese Not haftete— obzwar ich mich vielleicht zu einem richtigen Urteil durcharbeiten könnte. Aber es ist nicht meine Sache, zu urteilen und zu verurteilen. Wer gefehlt hat— hat es bitter gebüßt... Es war doch auch nicht ein jeder meiner Schritte richtig." Diese Zeilen ergeben Herrmann'S Weltanschauung.„... Wer gefehlt hat, hat es bitter gebüßt..." Er glaubt an die Gerechtigkeit in der Welt. Das liest man in jedem seiner Bücher, das spürt man im persönlichen Gespräch. Alles wird sich von selbst entwickeln. Das ist der Punkt, tvclcher diesen sozial fühlenden Menschen von Sozialisten trennt. Herrtnann fühlt sozial, denkt aber nicht. sozial. Auch diesen zweiten Punkt beweisen die obzitierten Zeilen.„... Ich forsche nicht, wo die Ursache war, an wem die Schuld haftete, ob- ztvar.. Nein, er arbeitet sich nicht durch. Er beschreibt. Das kann er vortrefflich. Er zeigt wunderbar, w i e die Welt ist, aber er sagt nicht, warum sie so ist. Er selbst weiß» daß er nur eine Naturgeschichte schreibt, die Naturgeschichte des Spießers. Man nennt ihn einen Realisten. Diese Klassifikation ist nicht vollkommen richtig. Vergleicht ihn mal mit M a s a r y k, der für seine Wirklichkeitslieb« oft die Ungnade der öffentlichen Meinung- gewagt hat. Denkt, an Josef Svatopluk Machar(an den jungm Machar, nicht an dm, der nach, den rühmlichen Beispielen Gerhart Hauptmanns und Knut Hamsuns im Alter mit den Fascistcn kokettiert). Machar hat die bissigsten Angriffe gegen die Kirche oder gegen die unehrliche Presse getan. Herrmann greift nicht an. Gr wird auch nicht angegriffen. Er liebt seine Leutchen, mit all. den Vorteilen und Fehlern.. Er liebkost sein«. Figürchen, er streichelt ihren Egoismus, er versteht den Kampf um die Existenz. Er baut Häuser, die sich nicht zum Himmel emporheben, die Dächer bleiben bei der Erde, es ist kein Platz für hohe Ideale in ihnen, kein Raum für Opfer oder Entbehrungen. Herrmann ist der Schriftsteller der„guten alten Zeit", wo die Existenz des einen noch nicht auf die Kosten der anderen geschaffen werden mutzte: Er selbst hat viel gearbeitet, hat es von einem Handelsgehilfen und Beamten über den Kassier und Administrator zum Redakteur und Schriftsteller gebracht. Er hat die reinste Sprache aller tschechischen Schriststever, er schreibt einfach und richtig, schöpft aus dem Volke und filtriert durch die Wissenschaft. Er hat sich emporgearbeitet in einer Zeit, wo es noch ging, er propagiert als echter„Selfmademan" den Leberis- optimismus und ist deshalb beliebt, er wird gelesen von den vielen kleinen Leutchen, die gerne gröher werden möchten. Er schreibt keine pikanten Anekdoten, er ist kein Roda- Roda, er ist streng moralisch und dabei ein milder Richter. Sein Herz ist größer als sein Gehirn, sein Gefühl geht über seinen Verstand. Und gerade dieser Schriftsteller, der in jeder seiner winzigen Geschichtchen von winzigen Leuten erzählt und immer ein kleines Stückchen von seinem Herzen dazulegt, dieser„kleine Mann" schreibt für grohe Herren. Dieser Realist schreibt in der„Närodni Listy", er sitzt fast 50 Jahre in einer Zeitung, die von kämpfenden Realisten, von einem Machar wegen der verlogenen und romantischen Schreibweise aufs wütendste angegriffen worden ist. Der große-kleine Schriftsteller schreibt Geschichten von kleine.» Leutchen in das Blatt der Grobindustriellen... Das ist kein Verrat, das ist Unklarheit, das ist dieses Kerzenlicht, das am Anfang dieses Artikels di« gemütlichen Häuschen beleuchtet hat. Und so wie diese Stadt trotz ihrer Schönheit und der aufrichtigen Mühe des Architekten Oren Bewohnern, eigentlich wenig nützt, so nützt das großmehr als 80 Bände umfassende Werk des nun achtzigjährigen Jgnät Herrmanns den Arbeften- den dieser Welt recht wenig. Ein neuer Beweis dafür, daß ein noch fo talentierter Einzelner der Weü wenig nützt, wenn er seine» Weg allein geht, wenn er nicht erkennt, daß sein Platz in der großen Gemeinschaft jener ist, die der Weü nützen wollen. h—b. Nr. 180 DonnerStatz, 16. August 1884 Die Waffe«-es«Schfte« Krieges Unter dein Titel„Wie steht der Krieg von morgen aus?" hat der italienische Oberstleutnant Roeeo Moretta ein IriegSwiffen« schaftlicheS Werl geschrieben, das Aufsehen erregt hat. Der Verfasser schildert höchst anschaulich die Entwicklung der Kriegstechnik seit dem groben Bölkerringen und die grauenvollen Aussichten im Kriege von morgen, da man„keinen Unterschied mehr machen wird-wischen Zielscheiben von rein militärischem Charakter und zivilen Angriffszielen". Entscheidenden Einfluß im Zukunftskrieg gibt Moretta der chemischen Waffe, die an Furchtbarkeit alle übrigen bei weitem übertrifft. Der Verfasser schreibt hierzu . folgendes: Unter dem Gesichtspunkte dcx Wirkungen, die sie im Körper der wrenschen verursachen, wurden die Gase kürzlich in sechs Klassen eingeteilt: 1. Stick- und Erstickungsgase(Chlor, Phosgen usw.): Sie greifen die Atmungswege und Atmungsorgane an, reizen zu krampfartigem Husten, zerfressen die Luirgen und führen manchmal den Erstickungstod heäwi. 2. Niesgase(Arsene): Sie durchdringen in Form eines unmerklichen Staubes die Gasmasken, wirken auf die Nasenschleimhäute ein und verursachen schwere Krämpfe, die das arme Opfer nötigen, die Gasmaske abzureihen. 3. Giftgase(Blausäure und Zyanver» bindungen): Sie dringen durch die Poren des menschlichen und tierischen Organismus und greifen vorlviegend die roten Blutkörperchen, das Nervensystem usw. an.> 4. Tränengase(Chlorpikrin): Sie reizen die Augenschletmhäute zu einem so heftigen und schmerzhaften Tränenfluh, dah das Opfer 'ür mehr oder tveniger lange Zeit vollständig erblindet. 5. Blasenziehende oder ätzende Gase (Lewisit, Hyprit): Sie wirken insbesondere au' die Haut und die Gewebe ein, führen zur Bildung von äuherst schmerzhaften und schtver und langsam verheilenden Wunden, wenn nicht in kürzester Zeit der Tod infolge einer gröheren Dichte des Giftes eintritt, mit dem das Opfer in Berührung kommt. 6. Labyrinthische Gase(Mcthylver- bindnngen): Sie greifen das Gehör an, verursachen Bewußtseinsstörungen, Schwindelgefiihl, Verlust des Orientierungssinnes. Im allgemeinen haben die chemischen An« griffsmittel eine spezifische Wirkung, das heiht, ie greifen nur ein Organ oder eine bestimmte Gruppe von Organen an. Aber da die Beziehungen zwischen-der chemischem Zusammensetzung und der physiolügischcn Wirkung noch nicht genau bekannt sind, ich der Wirkungsgrad eines jeden der 28 Giftstoffe, die sich besonders für den chemischen Krieg eignen, sowie der 16 Verbindungen, die aus ihnen hergestellt wurden, verhältniSmähig unbegrenzt, und sogleich kann die Vergiftung sich auch auf andere Organe oder Gewebe ausdehnen. „Um den Gegner zu vernichten," schreibt der Franzose Andrö Mayer,„um ihn zu töten oder kampfunfähig zu machen, wirken die bisher benutzten Waffen mechanisch ein, indem sie den Körper zerreißen oder ein lebenswichtiges Organ verletzen: die Lunge, das Herz, das Zentralnervensystem usw. Dann führt die Verwundung durch Blutverlust zu einer mehr oder weniger ausge- sprochenen Asphyrie oder Lähmung." „Der chemische Krieg wendet viel reichhaltigere Mittel an und zielt auf ganz verschiedene Wirkungen ab. ES gibt keinen physiologischen Borgang und kein einziges Organ, die nicht von irgendeinem Gift gelähmt werden können...." Deshalb wechselt der Gebrauch der Gase, sei es, dah man Truppen auf freiem Feld oder in geschloffenen Räumen angreifen will, sei eS, dah man eine ganze Stadt oder Jndustricgegend oder Eisenbahnknotenpunkt ersticken will. ES handelt ich dabei im wesentlichen um die Wahl des An« griffsmittqls, das sich am besten zur Erreichung des jeweiligen Zieles eignet: der Tötung oder der mehr oder weniger dauerhaften Lähmung des Gegners. Die Gesamtheit aller chemischen Angriffsmittel, mit Ansnahine der ganz tvenigen, die nur einschläfernd wirken, führen früher oder später zum Tod. So kann die chemische Wiffenschaft vollständig das Nervensystem zerstören, indem sie B l a u- säureverbindüngen benutzt, die den Menschen blitzartig töten wie eine Kugel, die ins Gehirn dringt. Die Wirkung, die ein Granatsplitter verursacht, der die Brust zerreiht, kann genau so gut auch durch die Beuuhung von S t i ck g a s e n erreicht werden, die tödliche Verletzungen der Lunge bewirken. Dr. Attilio Izzo ist der Ansicht, dah„die chcmffchcn AngrifsSmittel beim Eindringen in das Innere des Organismus mit Ivafferhaktigen Kör- persäften in Berührung konnnen und eine angehende Hydrolyse(Wafferkösung) erfahren. Jn- fokgcdcffen bilden sich je nachdem unschädliche oder giftige Stoffe, und es tritt eine Steigerung oder Verringerung des Angriffsvermögens der technische» Verbindung ein. Da diese Hydrolyse in empfindlichen Körperteilen(zum Beispiel in den Lungen) erfolgt, begreift man sofort den Grund der Verletzungen, die sie erleiden, zumal die Hydrolyse immer zur Bildung von Säuren(insbesondere Salzsäure) führt. Es ist daher anzunehmen, dah die Giftwirknng der verschiedenen Angriffsmittol teils auf Produste der Hydrolyse und teils auf die spezifische Wirkung des unzer« setzbaren Moleküls zurückzuführen ist." Mit einem grausigen, aber anschaulichen Bild präzisiert Mm>er den Vorgang, indem er erklärt:„Der Mensch, der von einer Lungenendemie befallen ist, stirbt einen langsamen Henkertod l" Will man dem Gegner das Sehvermögen rauben, so hat man die„Tränengas e" zur Hand, die ihn durch qualvolle, schnell unerträglich werdende Aügcnschmcrzen auf die Knie zwingen. Will man verhindern, dah er die Selbstbeherrschung behält, so braucht man ihn nur der Wirkung der Arsenverbin dünge n auszusehen, die heftiges Niesen» Atemnot oder quälende Kopfschmerzen verursachen, die er nicht lange aushalten kann. Um schlichlich zu verhindern, dah der Mensch weiter seinen Dienst versehen kann, greift man zu den„b l a s c nz i e h e n d e n G a s e n", die das Zcllciigelvebc und die Haut mit eiternden Wunden überziehen und auch die inneren Organe zerstören, wenn sie eingeatmet werden. Hyprit und Lewisit zählen zu den gefährlichsten Stossen dieser Klasse. Das Lewisit genicht allerdings nicht den traurigen Ruhm der Kriegserprobung wie das Hyprit. Raturfreurrdebevregung Die Arbeitsgemeinschaft für Natur» und Volkskunde hat an: Sonntag, den 2. September 1884, vormittags 9 Uhr, in der Nollendorfer Naturfreundehütte ihre diesjährige Tagung. Die Leiwng der Arbeitsgemeinschaft wird auf dieser Tagung ihren Bericht für das abgelaufene erste arbeitsreiche, Jahr erstatten. An alle Naturkundler ergeht die Aufforderung, sich an dieser Tagung bestimmt zu beteiligen, Programm der Tagung: Am Vorabend, Samstag, den 1. September 1984, abends halb 8 Uhr, in der Naturfreundehütte in Kollendorf anläßlich des 18jährigen Bestandes der Sektion für Natur- und Volkskunde, Aussig, findet ein gemütliche» Beisammensein statt. Für Unterhaltung sorgt Wg. Klingohr und das Schrammelquartett des Stadttheater- orchefterS Aussig. Sonntag, den 2. September, vormittag» ab 9 bi» 12 Uhr mittags Tagung. Nachmittag» ab l Uhr nawrkundliche Exkursion. Führung: Wg. Fachlehrer H. Lipser, Türmitz. Alle Wandergenossen, welche auf Nächtigung und Mittageffen reflektieren, wollen dies ehesten» an klisons Luprich, Aussig, Arltstrahe 8, bekanntgeben. Lurch Fallschirmabsprung gerettet Zlin, 15. August. Heute um%12 Uhr startete in B a k o v o auf dem Flugplatz mit dem Segelflugzeug„Zlin 7" der Prager Pilot Rodovskh zu einem UebungSfluge, der auf dem neuen Typus unserer Segelflugzeuge an den Konkurrenzen am Berge Ranä teilnehmen soll. Der Aufstieg ging glatt von statten. In einer Höhe von 1200 Metern löste sich daSSegel« flugzeug von dem Motorflugzeug los und glitt in der Richtung von der Stadt Napäjedla zum Flugplatz Bakovo. Das Motorflugzeug, in dem der Flugzeugkonstrukteur Mayer saß und welches vom Piloten T o u ö gesteuert wurde, manüvierte so nahe bei dem Segelflugzeug, daß es mit seinem Schlepptau den Flügel des Segelflugzeuges erfaßte. Der Pilot Rodovflh versuchte durch Kippen der Umschlingung zu entfliehen. Das gelang ihm aber nicht. Als er sah, daß das Seil sämtliche Steuer erfaßt habe und den Flügel abbreche, sprang er mit dem Fallschirm ab, der sich rechtzeitig öffnete. Rodovflh landete glatt cea. 1 Kilometer vom Bahnhof Napajedla. Belgische Militärflieger tödlich verunglückt. Bei Tongres stürzte gestern ein Militärflugzeug ab, wobei die beiden Flieger ums Leben kamen. Todrsrennen. Bei dem Automobilrennen in A c e r b o fuhr der Wagen des algerischen Rennfahrers Guy Moll aus der Bahn, wobei er so schwer verletzt wurde, dah er kurz darauf starb. Entführung und Erpressung. Der Generaldirektor der Labatt-Brauerei in London(Ontario), John L<^atti,4stwährend' einer Autöftchrt von Banditen entführt Wörden: Die Rauper fordern in einem Schreiben an die Familie Labattö ein Lösegeld von 150.000 Dollar innerhalb 24 Stunden. Sie drohen, ihr Opfer zu t ö- t c n, falls die Polizei benachrichtigt würde. Der Bruder Labatts erhielt von den Banditen die An- Ivkisung, das geforderte Geld in Toronto von der Bank abzuheben und dort weitere Nachrichten abzuwarten. Der Bruder Labatts hat sich bereits nach Toronto begeben, um die Forderung der Räuber zu erfüllen. Dampfer-Katastrvphe. Rach einer Havas- meldung aus Bahia ist ein brasilianischer D a m p f e r auf dem Fluß Sao Francisco untergegangen. 30 Personen sollen dabei ertrunken sei». Der Außenhandel im Juli Leichte Belebung. Nach dem Bericht des Statistischen Staatsamtes betrug die Einfuhr im Juli 1984 568,011.000 KC(gegen 585,765.000 Kä im Juli 1.983), die Ausfuhr 616,670.000 KC (501,138.000 KL). Demnach ist die Einfuhr um 17,754.000 KL geringer, die Ausfuhr jedoch um 115,582.000 KL größer gewesen als in der gleichen Zeit des Vorjahres..Die Handelsbilanz,.die im Vorjahre mit 84.63 Millionen passiv war, ist heuer mit 4h.66 Millionen KL aktiv. Vergleicht man die Periode Jänner bis Juli 1934 mit der von 1933, so ist gleichfalls der Aufstieg unverkennbar. Die Einfuhr betrug in dieser Zeit 1984 3.621,425.000 KL(1933: 3.268,809.000 KL), die Ausfuhr 8.767,793.000 (3.199,848.000) KL. Die Einfuhr ist also in dieser Zeit um 363,116.000 KL, die Ausfuhr um 567,945.000 KL gewachsen. Die Aktivum, das in den ersten sieben Monaten 1933 68.46 Millionen KL betrug, beträgt heuer 146.87 Millionen. Wenn auch der Umsatz des Außenhandels in den ersten sieben Monaten 1934 größer ist als 1933, so bleibt er andererseits doch unter dem Umfang von 1932. Nachstehende Uebersicht zeigt den Gesamtumsatz des Außenhandels von Jänner dis Juli von 1930 bis 1934: Einfuhr Ausfuhr in Milliarden KL Jänner bis Juli 1980 . 9.4 9.9 1981. . 6.6 7.5 * 1982. . 4.5 4.8 1988. \ 8.2 8.1 1984. . 8.6 8.8 Vergliche» mit der Ausfuhr von 1930 be trug die Ausfuhr 1931 76 Prozent, 1932: 43, 1933: 31 und 1934: 33 Prozmt. krauen Und die Opfer „Die Frauen haben leider stets für die verbrechen der Männer büßen müffen". Das sagte Hitler in seiner Rede vor dem sogenannten Deutschen Reichstag am 13. Juli, als er das Verbrechen vom 30. Juni zu verteidigen suchte. Das ist ein wahres Wort. Und Hitler muß cs ja wiffen. Denn er ist Gründer und Führer einer Partei, die die völlige politische Entrechtung der Frau zum Programm erhoben hat und die als eine ausgesprochene Männerbewegung und Parteisöldnerarmee die Frau unter allen möglichen Begründungen dorthin zurückdrängen will, wo sie nur noch als passiv Dienende und Duldende die Folgen der ausschließlich von Männern gemachten Politik zu tragen hat. Sie hat dem aus der politischen Schlacht heimkehrenden Parteikrieger das Bärenfell hinzubreiten, hat ihm, zum Lohne geschmückt mit allen Attributen säuerlicher Tugend, Leib und Seele zu hätscheln und dem Männerregiment im trauten Heim, in dem es Jahr für Jahr nach dem Kamillentee der Wochenstube zu riechen hat, die künftigen Parteisokdaten und die künftigen Mütter künftiger Parteisoldaten zu gebaren. Im übrigen aber hat die Frau das still duldende Opfer des Verbrechens der Männer zu sein. Das darf als Frauenpflicht und Frauenlos ein Mann proklamieren, dessen Regime im reichsdeutschen Original und in seinen getreuen Nachbildungen ungezählte Frauen zu Opfern des verbrechens der Männer gemacht hat. Wohlverstanden: nicht ihrer Männer— Hitler hat ausdrücklich gesagt: d e r Männer l Und als er das sagte, zogen vor dem Auge des Radiohörers die Schatten aller jener gequälten und gemarterten Frauen vorüber, die es haben mit ansehen müssen, wie man ihre Männer nacht» au» den Betten zerrte, wie man sie vor ihren Augen blutig schlug, mit Süldnerstiefeln trat und auf die Lastautos stieß, auf denen sie wie Ladungen von Schlachtvieh in die Folterkeller der S. A.-Kasernen und hinter die Stacheldrahtzäune der Konzentrationslager transportiert wurden. Jener Frauen gedachte man, die nach der blutige» Heimsuchung einer Wohnkolonie eine schaurige Fahne hißten: ein blutgetränktes Handtuch, mit dem sie die Munden ihrer zerschlagenen Männer getrocknet hatten. Jene Frauen sah man in langen Reihen stehen, die man stundenlang vor den Toren der Konzentrationslager warten ließ, um sie dann fortzujagen mit dem Bescheid, dah über das Lager Besuchssperre verhängt sei, Frauen mit kleinen Päckchen im Arm, in denen sie mitbrachten, was sie an Lebensmitteln für die gefangenen Männer ihrem eigenen Munde abgespart hatten, armselige Liebesweise, eingewickelt in das Papier gleichgeschalteter Zeitungen, die die Herrlichkeit des Dritten Reiches verkündeten. Jener Frauen gedachte man, die vor Entsetzen gelähmt ihre von Wunden und schmachvoller Zurichtung entstellten Männer nicht wiedererkannten, wenn sie ihnen bein^ Besuche im Lager entgegcngeführt wurden. Und jener Frauen, denen der Tod ihrer Männer lakonisch mitgeteilt wurde:„Auf der Flucht erschossen". Wahrhaftig: Frauen büßen für die verbrechen der Männer— jener Männer, deren Führer da» Wort geprägt hat! Eine entsetzliche, vieltausendköpfige Leidensprozession zieht vorüber, wenn man der Opfer gedenkt. Stimmst Dm deutscher Mann...... Stimmst Du, deutscher Mann, und D», Deutsche Fra«, dem Schwindel zu, Dan Dein Führer ungeniert Eben wieder aufgesührt? Wirst Du Dich in Ehrfurcht neige» Und zu allem wieder schweigen? Machst Du diese» Plebiszit Wieder stumpf und blöde mit? Hast D», deutscher Untertan, Deutsche Frau und deutscher Mann, Richt von alledem genug? Merkst Du nicht mehr den Betrug? Siehst Du nicht, daß er gebrochen Alle», was er je versprochen, Daß er Dich nur auSgelacht, Seit er an der höchsten Macht? Stimmst Du, deutscher Mann,«nd Du, Deutsche Frau, dem Schwindel zu? Seid Ihr den« ein Boll von Tore», Habt Ihr den verstand verloren? Den» die Furcht kann doch allein Roch kein Grund zum Sterben sei» Deutsche Menschen, dentschr» Land, Kommt doch endlich z» verstand k Gebt ihm durch da» Plebiszit Endlich den verdienten Tritt. Kling. es überhaupt Frauenlos wird, für die Verbrechen der Männer zu büßen. Man braucht die Namen von nur vier Frauen nebeneinander zu stellen, um zu zeigen, wie die Frauen schlechthin die Opfer eines Regimes werden, das seine Macht auf das Verbrechen der Männer gründet. Bier Namen nur: Frau Mühsam, die Frau des heimtückisch erschlagenen Dichters geht von Land zu Land, von Stadt zu Stadt und berichtet mit von tausendfachem Leid gehärteter Stimme das unvorstellbare und doch anderthalb Jahre lang erduldete Martyrium ihres Mannes. Frau S t rasser, die Frau des im Schatten des Grünewalds erschlagenen und zertretenen Mannes, bei deffen Kindern der„Führer" Taufpate gewesen ist, sträubt sich vier Tage lang in allen Qualen der Angst und der Ungewißheit gegen die entsetzliche Wahrheit, daß auch ihr Mann, der dem„Führer" die Partei organisiert hat, zu den Ermordeten zählt. Frau Seger sitzt monatelang mit ihrem kleinen Kinde im Konzentrationslager, gefangen als Geisel, weil ihrem Manne die todesmutige Flucht aus der Hölle von Oranienburg gelang. Und nicht der menschlichen Einsicht ihrer Peiniger: sondern nur der unermüdlich anklagcnden Stimme ihres Mannes verdankt sie cS, wenn schließlich englische Helfer ihre Befreiung erzwingen und sie nicht länger daS Schattendasein der ungezählten Frauen teilen muß. die als Geiseln und Gefangene in den Waschküchen der Konzentrationslager die dreckigen Hemden besoffener Söldner waschen müssen. Frau E r u st begeht Selbstmord, die Frau des erschossenen Berliner S. A.-Führers, die kurz zuvor erst als glücksstrahlende Braut am Arm ihres Brautführers Adolf Hitler zum Traualtar schritt und auf diesem blumcnbestreüten Wege für die Bildcrseiten des„Völkischen Beobachters" photographiert wurde. Vier Namen nur für tausend. Trägerinnen des Frauenloses, wie es der„Führer" verkündet hat. Nicht Frauen des Gegners nur tragen eS. Auch Frauen trifft es, die gestern noch unbekümmert um das Schicksal, ihrer. Schwestern begünstigt auf der Seite der Sieger lebten. ES ist in dieser anS Hakenkreuz geschlagenen Welt schlechthin das Los der Frauen, für die Verbrechen der Männer zu büßen. Kann man diese vom„Führer" ausgesprochene Wahrheit und ihre Gültigkeit jür die von Diktatoren gepeinigte Welt überhaupt nackter enthüllen als dadurch, daß man die Nanicn noch zweier Frauen nebeneinanderstellt? Zwei Namen noch: Frau W a l l i s ch, deren zum Tode am Galgen verurteilter Mann sie bei ihren: letzten Besuche in seiner Zelle mit einem in Chloroform getauchten Taschentuche einschläfert, damit sie über seine Todesstunde hinüberschlummert. Und Frau Dollfuß, wankend hinter der Bahre ihres Mannes, den seine Mörder zwei Stunden lang auf einen: blutgetränkten Diwan langsam sich zu Tode bluten ließen wie ein an- geschossenes Tier, das im Gebüsch verblutet. Auch hier: es gibt, wo mit brutaler Gewalt die Diktatur regiert, keinen Bereich, in den: es heute oder morgen nicht das Schicksal der Frauen sein könnte, dem Verbrechen der Männer geopfert zu werden. „Die Frauen haben leider stets für die verbrechen der Männer büßen müssen." Ein einziges Mal sprach Hitler ein wahre» Wort. Er unterließ es nur, hinzuzufügen: Stet» und immer dort, wo verbrecherische Männer di« Macht hatten! Manfred. GEDENKET Und wer alles geht in diesem Zuge mitk Frauen, deren Männer hüben standen, auf Sei-_—M ten der Besiegten, der Geschlagenen, in der zer- f■ H Ug Kj trümmerten Front menschlicher Gesinnung. Und, MM MM M, IM IM I Frauen auch, deren Männer mithalfen, al» die i___ Diktatur das Verbrechen zur Herrschaft erhob.| M«IlM ArMmm Plötzlich erweist es sich, daß eS nicht nur die■_■ Frauen des Gegners als Opfer trifft, sondern daß W®» A*D«fl«rfOrSOFNl „Sozialdemokrat" Donnerstag, 16. Sfitfttttt 1634; Nr.lSO PRAGER ZEITUNG SPD. Emigranten. Heute Donnerstag, den 16. d. M„.7 Uhr abends Zusammenkunft im Parteihcim Närodnk tr. Nr. 4, III. Stock. Genosse I a k s ch spricht über das Thema: W a s wird aus Deutschland? ParteiauSwcis oder Einladung legitimiert. Sport« Spiel• Körperpflege 15 Jahre Arrrk Der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbund lAruk) begeht am 18. und 19. August in T e t s ch e n sein 15« jähriges Bcslandsest. Aus diesem Anlässe werden ein 100 Kilometgr-Strahenrennen Komata u—T etschen und die Bundes- meisterschaften im Radball in Tetschcn ausgctragen. Beide Veranstaltungen weisen eine starke Besetzung, auch in internationaler Einsicht, auf. Am Samstag, den 18. August, wird die Feier durch einen Festabend eingeleiiet, welcher nm 20 Uhr im„Schützenhaus" beginnt und ein ausgezeichnetes Programm aufweist. Im Rahmen der Veranstaltung spricht der seit 1019 tätige Obmann Genosse Feistaucr über die Bedeutung der "Jubelfeier, ferner Vertreter der SA2J und der Partei. Der Start des Radrennens erfolgt am Sonntag, den 19., um 7 Uhr früh in Komo- t a u. Das Ziel befindet sich in T e t s ch e n, Bahnhofstrabe und tvird mit der Ankunft der ersten Fahrer u m 1 0 U h r vormittags gerechnet. Um 11 ll h r erfolgt der F e st z u g und nachniittags um 18 Uhr beginnen im„Schübcnhaus" die Bundes m ei ste r sch a f t e n im Zweier- und Dreier-Radball. Tie Kämpfe werden mit Pnukiewertung ausgciragen und spielt jede Mannschaft gegen jede. Die Mannschaft,- welche die steiften Punkte erzielt, ist dann BundeSmeister 1984. Den Beginn und Abschluß bilden internatio« nalcRadball spiele, die, da der Gegner ausgezeichnet und von früheren Veranstaltungen bekannt ist, sicher sehr guten Sport bringen werden. —- Der Aruk ist derzeit, bedingt durch das Ausscheiden Deutschlands und Oesterreich, der stärkste Rad» sahrerverband der SALI. Wttd-Weftgau duldet— feine Kritik Es ist ja bekannt, tvelchc S t a n d a l e im Futz- ballbetrieb des DFV-Wcstgaues an Sonntagen an der Tagesordnung sind. Da« ihre Veröffentlichung der Leitung nicht angenehm sein würde, tvar vorauszuschen, doch tat sic nichts oder nur tvenig— und das am verkehrten Orte—, uni diese Ucbelstände abzustcllen. Was aber tut man nicht, um eine lästige Kritik loszuwerden? In den Provinzsportblättern erschien vor kurzem ein Artikel mit der bezeichnenden UebersLrikt h e b t i m estg.au?" Sein Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab., 1984 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „eosiallemofrar Verwaltung Prag Xü., Fochova tr. 62, zum Preise von 16 XL monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Name: Genaue Adresse:. Letzte Post: Unterschrift:. Inhalt Ivies darauf hin, dab er ans Kreisen stammt, die der Westganleitung sehr nah« stehen. Und sein Ton zeigte an, wieviel cs geschlagen hat;" es ist nämlich dieselbe„Sprache", Ivie sic in hypcrnationalisti» schcn Kreisen, d. h. bei den Nazis, gang und gäbe ist. Damit wurde die Sache„Wild-Wcstgau" aber nicht besser. Vergangene Woche wurde in D o n i tz bei Karlsbad der Sportbcrichterstatter einer Karlsbader Zeitung von zlvei Burschen überfal- l e n und mit Faustschlägeü traktiert.„Für Ihre»»objektive Berichterstattung des DFC. Karlsbad". Dann nahmen die beiden Rcihaus, nicht ohne dem Ueberfallcncn zu versichern, dab er den DFC.« Platz meiden solle, da sonst„für feine körperliche Sicherheit nicht garantiert" werden könne. Die nationalsozialistischen„Schlagworte" haben also ihren Niederschlag schon gefunden.. Die Westgauleitung wird die Früchte ernten, aber nicht die, welch« sie erwartet. Schlecht getarnt sind die Herrschaften. die daran gehen, heute in Henlein und feiner SHF das zu sehen, welche sie aus der„Notzeit" hcraussühren sollen. Da auch der DFB.- Vorstand wahrscheinlich nicht nichr die Kraft hat, die Verhältnisse im Westgau in anständige Bahnen zu lenken, werden das wohl andere besorgen müssen. Die Eoropameisterschoftem im Schwimme« Am Mittwoch wurde das Semifinale Mer 4 0 0 Meter Freistil der Männer auSgetra- gen. Im ersten Lauf siegte TariS(Frankreich) in 4:57.2 Min. vor den Italienern Cotoli und Signon und dem Ungarn Lengycl. Der zweite Lauf brachte ein totes Rennen des Deutschen Rübke und deS Ungarn Engyel in 5:16.7 Min. Das Finale ühxr 2 0 0 Meter Freistil der Frauen gewann die Deutsche Genenger in 8:09.1 Min. vor ihrer Landsmännin Holzner in 8:09.8 und Kragh(Dänemark). Die Staffel über 4X200 Meter Freistil holte sich Ungarn in 9:80.2 vor Deutschland 9:81.2, Italien und Frankreich. Im Wasserball gewann Belgien gegen Holland 5:2(2:1), Spanien schlug Italien 2:0(0:0), Ungarn gegen Frankreich 5:0(8:0), Deutschland gegen Schweden 6:2(2:2). Die Tschechoslowakei war spielfrei. DK. Kl-dn» schlägt Slavia 3:2(1:1). Den Kladnoern glückte vor Beginn ihrer Amerikafahrt der grobe Wurf: sie schlugen den Meister einwandfrei und verdient. Ihre Mannschaft zeigte ein frisches Zusammenspiel, startete schnell nach dem Ball und diktierte das Spiel. Bei der Slavia war die Stürmerreihe zu langsam, das Half konnte ebenfalls nicht zur Gänze befriedigen und da auch die Verteidigung durch das unaufmerksame Spiel der Bor« derreihen überlastet war, war das Unheil nicht abzuwenden. War die erst« Halbzeit noch so ziemlich ausgeglichen, so brachte die zweite eine gute Utber« legenhejt der Kladnoer, die von d«r 14. Minute an nur mit zehn Mann spielen muhten, da einer der ihren wegen Foul ausgeschlossen wurde. Die Tore der Kladnoer erzielte Kloc, während für Slavia Junek(Elfmeter) und Svoboda erfolgreich waren. Schiedsrichter Slavik schwach. SvwjetrnsilandS Fußballtrnm schlägt Norwegen. In Paris sand Mittwoch im Bufsallo-Stadion das Schlubspiel im Fubballturnier zwischen Sowjet« ruhland und"Norwegen statt. Die Russen gewannen 3:0(2:0). Die Veranstaltung ging im Rahmen des von den Kommunisten veranstalteten internationalen antifascistischen Sporttagcs vor sich. Prags Alte Garde gegen Wiener Alte Gard« 7:2.' In Wien wurde am Mittwoch eine Fuhball» match zwischen den Alten der beiden Landeshauptstädte ausgetragen, das mit einem hohen Siege der Prager endete, die ihre Torschützen in Dvoiakek(8), Podrazil(2), Janda und Sedlaiek(je 1) hatten. Rapid Wien in Schottland. Die Wiener wurden in ihrem ersten Spiele von den Glasgow Rangers 8:1 geschlagen. Das einzige Tor der Wiener stammt aus einem Elser und wurde von Binder eingeschossen. Sonstiger Fnfidall vom Mittwoch. Karls- b a d: KFK. gegen DFC. Prag 8:2(1:2).— Tep- litz: TFK. gegen Reichenberger FK. 4:0(1:0).— Bodenbach: SpVg. gegen DFK. Komotau 5:2 (8:1). Abbruch der sportlichen Beziehungen Deutschlands zu Italien? Bor kurzem hätte in Mailand ein Leichtathletik-Ländcrkampf der beiden Staaten vor sich gehen sollen. Zwei Tage vorher wurde er von Deutschland wegen Hindenburgs Tod abgesagt und auf unbestimmte Zeit vertagt. Sollten da nicht eher die politischen Spannungen der letzten Zeit zwischen den beiden fascistischen Ländern bestimmend gewesen sein? Die„unbestimmte" Nachholung Iaht eher diese Annahme möglich erscheinen. TffdKMdflditii AtuS» Prag. Turnen bereits im vollsten Gange. Die Genossen MöbiuS und Brandl leiten ab Donnerstag, den 16. Aug. wieder das Geräteturnen.(Klavier« bcgleitung.) filme bi Praiier LlditsplelhSuura bis einschließlich Donnerstag, den 16. August. Urania-Kino, KlimentSkä 4:„Zwei himmelblaue Augen." Thimig, Charl. Ander.— Adria: Abenteuer im Südexpreh." Diehl.— Alfa:„Die gelbe Hölle." Menjou.— Avion:„Der rote Wagen." Sensat. Zirkussilin.— Beränek:„Sizilianische Serenade." Musik. Lustspiel.— Fknig:„Ein Fankee als Hofrat." W. Rogers.— Flora:„Leise flehen meine Lieder." M. Eggerth.— Gaumont: Wochcncndzauber" Thimig.— Hollywood:„Grub u. Kuh Veronika." Fr Gaal.— Hvkzda:„Abenteuer im Südexpreh." Susa. — Julis:„Friderika." O. Hörbiger. I. Wüst.— Koruna:„Das Parfüm der Dame in Schwarz."— Kotva:„CharleyS Tante." Paul Kemp.— Lacerna: „CharleyS Tante.— Paul Kemp.— Metro:„Mutter und Kind." Henny Porten.— Passage:„Hochzeit im weihen Röhl." H. Niese.— Praha:„Der rote Wagen." Charl. Bickford.— Radio:„Madame Bo- vary." Nach G. Flaubert.— Dkaut:„Nacktes In« dien." Amerikanischer Abenteuerfilm.— Dvktozor: „Ein Schritt vom Wege." I. Gaynor, Ch. Farrell. — Alma:„DaS Schiff der Selbstmörder." William Boyd.— Bajkal:„Die schöne Unbekannte." Liane Haid.— Belvedere:„Die schöne Unbekannte. Liane Haid.— Beseda:„Der Fall deS Tyrannen." MoZuchin. Fedorova.— Carlton:„Boni Malta Grosso zur Insel der Hoffnung."— Favorit:„Po» larstürme." Louis Trenker.— Lido:„An allem ist die Liebe schuld." M. Eggerth.— Louvre:„Die Nacht der groben Liebe." Äovotnä, Fröhlich.— MaLeska:„In den Fesseln des Gesetzes." Brigitte Helm.— Roxyr„Vater sein dagegen sehr." L. Ullrich.— Sport Smichow:„Fliegende Teufel." Fliegerfilm.— 1t Bejtwdk:„Walzerrausch." Eggerth, Hörbiger.— Baldek:„DaS Lied der Schwarzen Berget H. Rina....... Literatur Leopold SchwarzschUd:„DaS End« der Illusionen".(Querido Verlag, Amsterdam.) Deutsche politische Literatur, die sich mit den aktuellen Problemen Europas besaht, ist nur spärlich vorhanden und deshalb greift man mit Interesse nach dem Buch eines reichsdeutschcn Linkspublizisten, der in der Emigration Gelegenheit hatte, die Reflexe der innerdeutschen Vorgänge in den westlichen Ländern von der Nähe zu beobachten. Der sozialistische Leser ist aber von der ansschliehlich polemischen Behänd« lung des Stoffes durch Schwarzschild enttäuscht. Am besten sind noch die einleitenden Kapitel, welche die Gefahren der offenen und geheimen Aufrüstung des HitlcrregimeS auf dem Gebiete der modernen und modernsten Waffengattungen(Flugwesen l) für Europa und die Knlturwelt eindrucksvoll aufzeigen. In der Darstellung der RachkriegSentwicklung stellt sich Schwarzschikd allerdings mit peinlicher Einseitig- kcit auf den Standpunkt des französischen Ponearis- mus, dem er obendrein noch Schwäche und Jnkonse- WMMWW liegt im billigen Einkäufe UNSER ERFOLG in der Vermittlung bester Kaufgelegenheiten ■ KAUFEN SIE daher auf der XV.ReichenbergerMesse vom 18. bla 84. August 1934 Allgemeine Messe— A Warengruppen— Textilmesse—Technische Messe—Technik im Gewerbe— Textilmaschinen—Btlrobcdarf—Möbel- u.Klaviermesse—Radio—Elektrotechnik—Rationelle Hauswirtschaft— Markenartikel—Erfindungen u. Neuheiten— usw. ♦ Sonderausstellungen: Csl. Tabakregie— Das Amateur!Ichtblld— Siedlungswesen u. «DER KAUFMANN« lehrreich u.Interessant f. jeden Geschäftsmann. 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Gegenüber dieser liebedienerischen Verteidigung Lei ökonomischen Teiles der Friedensverträge, die in Widerspruch mit der bekminten Auffassung nationalölo- nomischer Kapazitäten• im Ententclagcr(Keynes) steht, muh sich jeder, der nach Deutschland hineinwirken und in diesem entscheidenden Sektor die europäische Sclbstzerstörungswut bekämpfen will, schärs- stens distanzieren. Dieses Buch ist ein Beleg dasür, dah die deutsche sozialistische Freiheitsbewegung von einer Linlspnolizistik, welche den Kapitalismus erhalten und seine Folgen. beseitigen will, nichts zu erwarten hat, als Dislrcditicrung.' j. Hvchschnlfährer für Werkstudenten. Der junge Maturant, der nach Prag oder Brünn kmnmt, stehl sich vor eine Fülle von Anforderungen gestellt, denen er in der frentden Grobstadt selten gerecht werden kann. Es fehlt ihm einfach jode Uebersicht. Er sieht zu spät, dah er einen Grobteil der Erledigungen schon von seinem Heimatsort aus hätte vorbereiten können, zu spät, dah einzelne Stipendien schon Anfang Oktober einzureichen waren, es folgt das Hin- und Herschicken von Dokumenten nsio, usw. Es ist jedes Jahr so. Jedes Jahr einfach dtt- halb, Ipeil dem Maturanten trotz oder vielleicht infolge der Herausgabe umfangreicher, teurer Führ» jede übersichtliche Information fehlt.— Der, uut« besonderer Berücksichtigung deS Werkstudiums eben erschienene Hochschulführer 1984/85 der Monati- schrift„Der Werkstudent" ist berufen, hier Wandel zu schaffen. Der minimale Preis von 50 Hellern macht ihn mich dem Mittellosesten sofort zugänglich.(In Marken einsendenl) Bestellungen:„Der Werkstudent", Prag II., Jungmannova 29. 2.-9. September Die Gelegenheit zum vorteilhaften Einkauf 1 38 Procent Fahrpreisermäßigung 2SM Auskünfte und Messeausweise von den Messevertreten oder vom Messeamte in Prag XII., MessenalMt St. Bürokratius Bon Jlf und Petrow. (Aus dem Russischen von S. Brauner.) (Schluh.) „Sind denn das Menschen überhaupt? Ist denn das ein Mensch? DaS ist doch weih der Teufel, ivas. Was sollen wir jetzt machen?" Er war so aufgeregt, dah das Mädchen sich seiner erbarmte. „Weiht du was," sagte sic,„du liebst mich und ich liebe dich. Wir beide sind keine Spiesser. Wollen wir so zusammenleben." lind in der Tat, wenn man sich die Sache überlegt, so hat man mit dem Geliebten das Paradies auch in einer Hütte. Sie begannen also„so" zusammenzuleben. Aber das Paradies in der Hütte ist nur dann möglich, Genossen, wenn die Geliebte in der Hütte gemeldet nnd von der Httttenverwaltung in das Hüttenbuch eingesragen worden ist, widrigenfalls ziemlich verhängnisvolle Variationen möglich sind. Die geliebte Frau wurde im Hause nicht eingetragen, weil sie leinen Moskauer Pah hatte. Einen Moskauer Pah konnte sie aber nur als Gattin des Doktors bekommen. Sie war die Gattin des Doktors. Das Standesamt konnte sie aber als Gästin nur bei Vorlegung eines Moskauer Passes, anerkennen. Einen Moskauer Pah erhielt sie aber nicht aus dem Grunde, weil sie nicht standesamtlich registriert worden war. In. Moskau darf man aber ohne Anmeldung nicht bleiben. Aber.... Auf diese Weise verwandelte fich am nächsten Tage daS Hüttenparadies in eine Hölle. Ljuhja weinte und bebte bei jedem Geräusch an der Tür — es könnten ja plötzlich die Hausmeister erscheinen und sie zum Verlassen der Hütte auffordern. Der Doktor besuchte nicht mehr sein Ambulatorium.„Der beste Freund Schmidts" konnte einen erbarmen. Er war unrasiert. Seine Augen glänzten wie bei einem Hund. Wo bist du, du heih« Nacht am Schwarzen Meer, du Riesenmond und du erstes Glück?I Plötzlich ergriff er Ljuhja bei der Hand und brachte sie auf die Miliz. „Hier," sagte er und deutete mit dem Finger auf die Frau. „Was ist hier?" fragte der diensthabende Beamte und setzte seinen Filztschako zurecht. „Ein geliebtes Wesen." «Run, und was weiter?" „Ich vergöttere dieses Wesen und bitte eS zu meiner Wohnfläche zuzuschreiben." Es gab wieder eine erschütternde Szene, di« zu dem bereits bekannten nichts neues hinzufügte. „Welche weiteren Beweise brauchen Sie noch?" schrie der Doktor nutzer sich.„Also ich lieb« sie sehr. Mein Ehrenwort, ich kann ohne sie nicht leben. Ich kann ste küssen, wenn Sie es wünschen." Ohne die schmeichlerischen Blicke vom Beamten abzuwenden, kützten die jungen Leut« einander mit-bebenden Lippen. Im Milizzimmer wurde es still Der Beamte wandte sich schamhaft ab und sagte: „Vielleicht ist das bei Ihnen nur eine Scheinehe? Die Bürgerin möchte einfach in Moskau bleiben." „Vielleicht ist es aber keine Scheinehe," stöhnte der glückliche Gatte.„Haben Sie auch darüber nachgedacht? Sie bestrafen beispielsweise für zerbrochen« Fensterscheiben, wen soll ich für mein zerbrochenes Leben bestrafen?" Im übrigen sprach der. Doktor sehr energisch und lietz nicht nach, bis es sich endlich herausstellte, datz daS. Glück doch noch möglich wäre, datz es noch einen Ausweg gäbe. Es genüge die Reise zum Wohnsitz der Geliebten, also nach Odessa, nur etwa 1412 Kilometer und alles würde sich in Wohlgefallen auslösen. Mit dem Moskauer Patz wird daS Odessaer Standesamt die Doktorleidenschaft registrieren und die sündige Liebe wird-somit gesetzliche Formen erhalten. Also, was«ist denn da weiter zu machen— die Siebe fordert immer Opfer. Man mutzte fich also zu diesem Opfer, entschlietzen, mutzte sich das Fahrgeld pumpen und einen Zusatzurlaub zur Ordnung vmp Familienängelegetcheiten erbitten. Der Doktor kannte aber noch nicht daS Schrecklichste der Schrecken— er wusste nicht, datz der heilige Bürokratius nicht nur im. Standesamt herrschte, sondern ihn auch auf dem Bahnhof ».rwartete. Wir überspringen sechzehn Seiten der dra- mattschen Beschreibung all dessen, was die jungen Leute zur Verspätung des Zuges gebracht hatte. Wozu sollte man dies auch beschreiben? Jedermann weih, datz es in Moskau nichts lcichteres gibt, als irgendwohin zu spät zu kommen. Der Doktor placierte seine unglückliche Ljuhja auf einem Koffer und eilte fort, um die Fahrkarten für einen Zug umzustempeln. Diese Expedition mißglückte aber. Das Bolkskommiflariat für das Verkehrslvesen war um die Eisenbahn« intereffen besorgt und hatte die Abstempelung von Fahrkarten für einen anderen Zug inzwischen abgeschafft. „Was machen jetzt?" schrie der Doktor auf. „Ihre Fahrkarten sind verfallen," sagte Sankt Bürokratius.„So lautet die Vorschrift. Sie haben sich verspätet, somit sind die Fahrkarten ungültig. „Ja, sind wir denn absichtlich zu spät gekommen?" „Wer kann das wissen? Das geht uns auch gar nichts an, ob absichtlich oder nicht." „Die Fahrkarten wurden aber seit Begründung der Gsenbahnen immer umgestempelt." „Jetzt gilt aber eine neu« Vorschrift, Bürger." »Und dann habe ich mich kein Geld mehr. Jetzt kann ich nicht mehr reisen." Sank Bürokratismus schwieg korrekt. Da begab sich' der Mann, der eine Reihe würdiger Aemter boshaft in ihrer stillen und ruhigen Arbeit störte, zurück zu seiner Ljuhja, setzte sich neben seine'Geliebte und versank in tiefe Gedanken. - Bezugsbedingungen: Bei Zustellung in» Hau» oder bei Bezug durch,die Post monatlich K4 16.—, vierteljährig KC 48.—, Kö 96.—. asmiiiwa im 192—— Inserate werbe« laut xmh «««ft berechnet,«ei öfteren^00»^Post. und TekegraL