14. Tahrgarrg Samstag, 18. August 1934 Nr. 192 Herr Koch soll in Berlin Die nationalsozialistischen Lästerer Hindenburgs haben kein Recht zur Beschwerde protestieren! Herr Koch, weiland Gesandter der Weimarer Republik, nunmehr Vertreter des Dritten Reiches in Prag, hat seine protestlerische Tätigkeit wieder ausgenommen. Dieser Tage sind von ihm wieder einige Noten im Außenministerium überreicht worden, die sich gegen die Pressefreiheit in unserem Staate und gegen die beabsichtigte Herausgabe eines Buches„Hitlerdeutschland in der.Karikatur" wenden. Auch der Regierungskommission dcS Saargebietes wurde eine sehr anmaßende Berliner Verbalnote präsentiert, die in präpotenter Weise gegen die angeblichen»unerhörten Schmähungen" des Andenkens Hindenburgs durch die deutsche Saarpresse protestiert. Gegen diese unerhörte Anmaßung und Heuchelei des deutschen Hakenkreuzregiinrs muh die demokratische Oeffentlichkeit aller zivilisierten Lander mit aller Eutschiedenheit Arant . machen. ES ist einfach unerträglich, dass der im Dritte» Reiche herrschende Manlkarvzwang nun im Wege diplomatischer Breinflussnng ans die schwächeren Nachbarländer übertragen werden soll. De» heutigen deutschen Machthabern fehlt zu diesem Ansinnen jede moralische Legi- timation, den» sie waren rS, die di« ordinärste Beschimpfung deS lebenden lind loten politischen Gegners zum politischen"System erhoben haben. Zur rechten Zeit bringt unser emigriertes Lrnderblatt, der»Neue Vorwärts" einige.Kostproben, Ivie die braunen Bonzen de» lebenden Hindenburg beschimpft haben, den sie jetzt, nachdem er zur rechten Zeit gestorben ist, als einen unantastbaren Heros hinzustellen versuchen. Er schreibt: „Goebbels, der mit umflorter Stimme dem deutschen Volk die Traucrnachricht bekanntgab, erklärte 1880 in einer Rede in Berlin- Wedding folgendes: „DaS Tischtuch zwischen dem Reichspräsidenten und der NSDAP ist zerschnitten, diegroße Attrappe zerfallen, und nur Hatz kann unser Empfinden gegen ihn sein. Hindenburg hat aufgehört, ein Mann, eine achtunggebende Per- sönlichkeit zu sein. Sein letzter Aufruf war nichts anderes, als niederträchtig. Es ist ein Skandal, daß ein Mann von über 80 Jahren, der schonmiteinemBein im Grabe steht, Generationen, die noch nicht einmal geboren sind, versklavt.". In derselben Versammlung fielen Zwischen- rufe tvie»Hindenburg hat Gehirnevlveichnng, er ist völlig verblödet!"•—„Verräter!",—„Lump!" Ma„Loyalität** dar Haimatfront Wir haben dieser Tage gemeldet, daß der Bezirksleiter Minsk der Sudetendeutschen Heimatfront in Schildberg in Nordmährcn verhaftet worden ist unter der Beschuldigung mit einer antistaatlichen Zentrale in Deutschland Verbindungen unterhalten zu haben. Nun lvird uns mitgeteilt, daß dieser Minak lange Jahre der nationalsozialistischen Partei angehört hat und jetzt für die Sudetendeutsche Heimatfront auch als Redner tätig gewesen ist. In Mährisch-Rotwas» ser trat Minak am 80. Juni in einer sozialdemokratischen Versammlung als Gegenredner auf. Er erklärte, über, die Ereignisse in Deutschland nicht sprechen zu können, da dies zur Vergiftung der Beziehungen zwischen den Völkern, beitrage. Er entrüstete sich auch d a r ü b e r, daß dieSozialdemokraten die Loyalitätsbeteuerungen der Heimat front nicht ern st n e h m e n. Wie recht wir damit hatten, lehrt am besten, daß Minak wenige Tag«, nachdem er seiner Loyalität zum tschechoslowakischen Staat Ausdruck gegeben hat, wegen seiner Verbindungen mü Deutschland verhaftet worden ist. usw. Ein andcrcömal behauptete Goebbels, daß «Hindenburg ein seniler Greis fei, der, sich von jedem Idioten etwas cinbläsen lasse." Auch der Herr General G o e r i n g, der heute so erschüttert ist, daß ihm die Tränen in Bächen die aufgeschivennnten Wangen hinunterfließe», hat in einer Versammlung in Berlin- Schöneberg Hindenburg maßlos beschimpft. Er sagte damals: Hindenburg scheint ganz vergessen zu haben, welche Parteien ihn auf seinen Platz erhaben haben, daß es dir Nationalen gewesen sind, die er jetzt durch Bearbeitung deS Zentrums in gemein st er Weife verraten h a t. Daher ist mit dem heutigen Tag» das Tischtuch zwischen der NSDAP und Hindenburg endgültig zerrissen. AuS Hochachtung ist Haß geworden, ein Kampf bis aufs Messer ist entbrannt, in dem rS eia Zurück nicht mehr geben kann." Und Hitler selbst? Er, der heute„tief» bewegt an der Bahre steht und heiß bedauert, daß ein Mann wie Hindenburg aus dem Leben gehen mutzte", hat im Jahre 1032 in einer Versammlung den Satz geprägt: „Wenn Gott mit n»S und Deutschland ist, dann befreit er uns bald von dem Greis in Reudeck." Herr Hitler ist befreit von Hindenburg und markiert jetzt hehre Trauer! * So unecht die nationalsozialistischen Krokodilstränen für Hindenburg sind, so unaufrichtig ist die Taktik, heute jede Kritik der unheilvollen politischen Tätigkeit Hindenburgs auch im Auslande mit dem schivercn Geschütz diplomatischer Interventionen zu bekämpfen. Der tote Hindenburg ist nur vorgescho- brn, um auch jede Kritik an Hitler mit den gleichen Mitteln erwürgen zu können. Denn Hitler ist doch neuestens deutsches Staatsoberhaupt und zu seinen Gunsten ivill die deutsche Diplomatie so etwas wie einen europäischen Ma- Anmaßender Ton Japans Reuter meldet aus Tokio: Der offizielle Sprecher des Außenministeriums hat bekanntgegeben, die japanische Regierung beabsichtige Sowjetrußland zu warnen, damit sich die Zwischenfälle der. letzten Tage an der sowjetmandschurischen Grenze nicht wiederholen. Das bedecktet allerdings nicht, daß Japan nach dich'er Warnung zu den Waffen greifen würde. Der Sprecher bezeichnete ferner das Gerücht, als ob dke. Verhaftung der Sowjetangestellten der ostchinesischm Bahn irgendwie mit einer Aktion oder dem Bestreben Zusammenhängen würde, diese Bahn durch die mandschurischen Behörden zu okkupieren, als eine glätte Erfindung. Keine Enthaftung der Bahnangestellten Tschangschu«, 17. August. Das mandschurische Kabinett hat am Donnerstag zu den letzten Lreig- jestätsbeleidigungsparagraphen den Nachbarstaaten aufoktroieren. Hoffentlich beantworten di« angegangenen Staatskanzleien die Proteste mit der Vorlesung einiger Kapitels aus Hitlers Buch „Mein Kampf" oder einiger Goebbels-Zitate aus dem„Angriff". ES wird ihnen leicht fallen, solcherart den Beweis zu führen, daß der Sauherdenton des Dritten Reiches unüberttefflich ist und daß die blotze Existenz des braunen Gangsterregimes eine der„unerhörtesten Schmähungen" der Kulturwelt bedeutet. Berlin ist beleidigt, wenn die Wahrheit gesprochen wird Berlin, 17. August.(DRB.) Die Reichsre- gierung hat am 14. d. M. an die Regierungskommission des Saargcbictcs nachstehende Verbalnote gerichtet: Einige im Saargebiete erscheinende Zeitungen haben das Ableben des Herrn Reichspräsidenten Generalfeldmarschalls von Hindenburg zum Anlaß genommen, um Deutschland und seine führenden Männer in der denkbar niedrigsten Weise zu beschimpfen und zu verleumden. Sogar die ehrwürdige Person deS Verewigten ist von den unerhörtesten Schmähungen nicht verschont geblieben. Mit stärkstem Befremden muß die deutsche Regierung feststcllen, daß in dem im Namen des Völkerbundes verwalteten Gebiete derartige Exzesse, die in der ganzen Welt nicht ihresgleichen haben, vor sich gehen können, ohne daß die Re- girrüngskommifsion. deS SaargebieteS dagegen einschreitet. Diese Haltung der Regierungskommission widerspricht ebenso sehr den im Vülkerver- kehr allgemein befolgten Grundsätzen,, wie dem besonderen Charakter des SaargebieteS, das kraft des Vertrages von Versailles deutsches Gebiet ist und dessen Bewohner Deutsche sind. Mit aller Entschiedenheit erhebt daher die deutsche Regierung gegen diese Haltung der Regierungskommission Einspruch und erwartet, daß diese alsbald im Saargebict die notwendigen Vorkehrungen gegen solche Exzesse trifft. Als Beispiel führt das DRB. die„Volksstimme" an, die die Beisetzung des verehrten Reichspräsidenten und Generalfeldmarschalls von Hindenburg mit den folgenden Worten begleitet hat:„Wir wollen einen abschließenden Punkt hinter das Bild dieses Mannes setzen und ihn zu den Akten legen als den Repräsentanten deS ungeistigen Barbarismus und eines der Zivilisation abholtstn Deutschlands." gissen an der Chinesischen Ostbahn Stellung genommen. Der mandschurische Verkehrsminister erllätt, daß die Schuld der verhafteten Sowjetruffen an der Explosion des japanischen MunitionSzugeS erwiesen sei. Die mandschurische Regierung sei aus diesem Grunde nicht mehr in der Lage, weiterhin Sowjetruffen an der Chinesischen Ostbahn zu beschäftigen. Hungerstreik Einige der verhafteten Sowjetangestellten drohen mit dem Hungerstreik, falls sie nicht in Freiheit gesetzt würden. Taß meldet aus Charbin, daß bereits vor ungefähr einem Monat der ohne jegliche Ursache.verhaftete. Sowjetbürger Scho- l o m, ein Gehilfe des Stationsvorstehers, zum Zeichen des Protestes gegen seine unbegründet«. Inhaftierung in den Hungerstreik getreten ist. Infolge starker Schwächung dcS Organismus ist schvttm schwer ertrankt. Otto bauer über die Taktik der österreichischen Sozialdemokratie: Keine Versöhnung mit Sdinsdmlgg Der Vertreter des„Social-Demokra- ten" in Stockholm hatte eine Unterredung mit Otto Bauer, die wir nachstehend wiedergeben: In einer Reihe ausländischer Blätter sind Nachrichten verbreitet worden, daß auf Seite der Regierung Schuschnigg Bersöhnungsbcrcitschast gegenüber der österreichischen Sozialdemokratie bestehe. Halten Sie, Genosse Dr. Bauer, diese Meldungen für richtig? Die in der ausländischen Presse ausgestellten Behauptungen, daß die Regierung Schusch. nigg einen Kurs der Versöhnung gegenüber den Arbeitern beabsichtige oder gar schon eingeschlagen habe, sind vollkommen unrichtig. Man hat im Ausland als ein Zeichen dieser Versöhnung aufgefaßt, daß die Regierung den Bürgermeister Seih in ein Privatsanatoriuin bringen ließ. In Wirklichkeit wird. Seitz nach wie vor als Gefangener behandelt und ist in dem Sanatorium ge» nau so eingesperrt, wie in der Zeller er wird ständig von Kriminalbeamten bewacht. Man hat den schwerkranken Mann in ein Sanatorium gebracht, weil man cs vor Europa nicht verantworten wollte, Seitz in einer Gefängniszelle zu- gründe gehen zu leffsen, aber man behandelt ihn weiterhin als Untersuchungsgofangonen, obwohl die Regierung gar nicht daran denkt, Seitz und den anderen Parteivorstandsmitgliedern den Prozeß zu machen, weil sie weiß, daß ein solcher Prozeß für sie ungleich gefährlicher, wäre, als für die Angeklagten. Auch sonst aber ist von einer BersöhnungSbereitschaft gegenüber der Ar- beiterschaft gar keine Rede. Im Gegenteil. Man hat anläßlich des Naziputsches in verschiedenen Gebieten Sozialisten zusammen mit Nazis ver. haftet und in der grausamsten Weise mißhandelt. In Innsbruck wurde unser Genosse Worwitz im Gefangenen-Haus ermordet. In Kärnten ist der junge Arbeiter Petschnig aus Brückl von Heim- Wehrbanditen auf der Straße erschlagen worden. In Wien hat man gerade jetzt den Frauen der ins Ausland geflohenen Schutzbündler die Gemeindewohnungen gekündigt. Das von der Re- gierung erlassene Gesetz, das den Generalkommissär Fey ermächtigt, jeden Unternehmer zu verpflichten, alle staatsfeindlichen Arbeiter und Angestellten zu entlassen, bedroht die Sozialisten in den Betrieben ebenso wie die Nazis. Angesichts des in Oesterreich gegen die Sozialisten herrschenden Terrors ist es grotesk von einer Versöhnung zu sprechen. Ebenfalls nach Blättermeldungen des Aus- landes soll in BudweiS eine Konferenz stattgefunden haben, auf der österreichische Arbeiter von den im Ausland lebenden Führern verlangt haben sollen, dem Versöhnungskurs der Regie- rung entgegenzukommen. Haben diese Meldungen irgend einen realen Hintergrund? „Die Meldungen über eine Konferenz, die inBudweis statt. gefunden haben soll, sind glatt erfunden. Diese Konferenz oder irgend welche ähnliche haben niemals stattgefunden. Ebenso sind die in gewissen Zeitungen verbreiteten Meldungen über Vcrständigungs. und BersöhnungSverhandlungen, die von einzelnen sozialistischen Vertrauensmännern gefiihrt oder angebahnt worden sein sollen, glatt erlogen. Ich habe Anhaltspunkte zu vermuten, daß diese letztere Nachricht von den Konmiunisten erfunden und in die Zeitungen lanciert wurden, um die Sozialisten durch die Behauptungen, daß irgend- welche Berständigungsverhandlungen angebahnt worden seien, vor der Arbeiterschaft zu kompromittieren". Als letzte dieser Nachrichten, die übrigens auch vom Rcgierungsorgan„Reichspost" ver- breitet wurde, ist auch eine Meldung aufge- taucht die von Auseinandersetzungen zwischen Japan schürt das Feuer Höhnische Zurückweisung der Proteste gegen die Verhaftungen an der Ostchinabahn Tokio, 17. August. Die sowjetruffische Beschwerde wegen der Verhaftung von sowjrt- russischen Beamten an der chinesischen Ostbahn wurde vom japanischen'auswättigrn Amt scharf zurückgewiesen, mit der Erklärung, dass di« japanische Regierung sich nicht in die Angelegenhotten des mandschurischen Kaiserreiches einm ischr, das nach der Verfassung völlig unabhängig vom japanischen Kaiserreiche sei! Seite K Sgmstag, 18. ugiill 1934 9k. 192 Psychologie des Nationalsozialismus Ma spanische Krise nicht gelöst Bilbao, 17. August. Der Konflikt Maische» den baskischen Gemeindeverwaltungen und der Madrider Regierung ist bis jetzt noch nichterle- digt. Der hiesige-Gouverneur hat viele Strafen verhängt. So bestrafte er u. a. ein Blatt mit 7500 Peseten, weil sich das Blatt in zu aktiver Weise an der autonoinistischen Bewegung beteiligt hatte. Auch einige Mitglieder der Stadtvertretungen, u. ztv. sowohl die sozialistischen, als auch die nationalistischen, wurden mit Geldstrafen belegt. Die Gerüchte über.die Ausrufuna eines allgemeinen Streikes erhalten sich hartnäckig. Auch die Verhandlungen mit dem Vatikan sind bis jetzt noch nicht gelöst. Die innerpolitische Lage ist um so verworrener, da die agrarische Bolkspar- tei, die die Situation beherrscht, der Regierung Sainper nicht besonders günstig gesinnt ist. Ihnen, Genosse Dr. Bauer, und anderen Genossen in der Einigration wissen will, die angeblich durch Ihre Stellungnahme zum Naziputsch veranlaßt wurde. „Auch das ist natürlich eine lächerliche Er- findung. Wir alle sind selbstverständlich einer Meinung, daß es mit den Nazis keinerlei Ge- meinschast, keinerlei BundeSgenossenschast, auch nicht einmal eine gelegentliche Kooperation ge- ben kann. Aber wir sind auch alle einer Mei- nung, daß eS unsere Pflicht ist, ebenso wie es die Pflicht aller Kulturmenschen wäre, gegen die unmenschliche Bestialität zu protestieren, die die Heimwehrbanditen deS AustrosascismuS nach der Niederwerfung des Aufstandes begangen haben. Wir sind alle einig darin, dagegen zu protestieren, daß ein Major des Bundesheeres beim Kampf um den Pyhrnpaß den Befehl gegeben hat, keine Gefangenen zu machen, sondern alle Personen, die de» Truppen in die Hände fallen, niederzumachen, was dazu gestihrt hat, daß nicht nur die gefangenen Nazis ermordet wurden, sondern auch bei der Einnahme deS Gast- Hauses am Kalkofen eine Frau mit dem Kind am Zirm niedergeschossen und drei an den Kämpfen völlig unbeteiligte Zivilisten getötet wurden. Wir sind alle darin einig, dagegen zu protestieren, daß gefangene Nazis von den Heimwehr, banditen in den Gefängnissen tagelang geprügelt und mißhandelt, einzelne schwer verstümmelt und einige ermordet worden sind. Wir sind einig darin, dagegen zu protestieren, daß man Angestellte, Beamte, Lehrer, Rechtsanwälte, Aerzte und Professoren nur wegen ihrer Gesinnung um Arbeit und Brot bringt, ohne daß ihnen eine strafbare Handlung vorgeworfen wer- den kann. Wir sind einig in der Ueberzeugüng, daß nran kein Recht hat gegen die Barbarei des HitlerfascismuS zu protestieren, wenn man sie selbst sklavisch nachahmt. Wir sind einig in der Ueberzeugung, daß eö für uns kein Bündnis mit den Nazis geben kann und geben wird, daß aber die von der klerikalen Diktatur bedrückten Intellektuellen, Kleinbürger und Bauern, an dem Tag, an dein sie sich von dem Hitlerschen FasciS- muS emanzipieren, um init der Arbeiterschaft für die Ueberwindung aller faseistischen Barbarei zu kämpfen, uns willkommen sein werden, als Mitkämpfer für die Wiederherstellung des allerelementarsten Menschenrechtes, deS Rechtes auf Freiheit und Gesinnungl DI« Ercigniffe des SO. Juni haben eine innerhalb und außerhalb Deutschlands vielbesprochene Vermutung zur Tatsache werden lassen: den starken' Einfluß der Homosexualität innerhalb der nationalsozialistischen Belvegung. Sie haben aber, auch noch eine zweite Vermutung zur Gewißheit reifen,lassen: Die Brutalität, um nicht zu sagen Sadismus,'mit dem die nationalsozialistische Rachejustiz vollzogen wird, ist die Befriedigung dunkler Triebe aus tiefen Seelenschichten. Manche leichtfertige Beurteiler glauben, zwischen diesen beiden Eigenheiten der nationalsozialistischen Seelenverfaffung einen direkten Zusammenhang herstellen zu müssen. Eine Gleichung in dieser Primivität wäre falsch. Dagegen ergibt eine Analyse gemeinsame soziale Voraussetzungen, auf deren Beet beide Anlagen zu gedeihen vermöge», zumal dann, wenn die schwüle und dichte Atmosphäre einer, von Blutsmystit beladenen Be- wcgung sic hoch aufschießen läßt. Die Analyse muß wie im CinzeUeben, so auch bei dieser Massenbewegung auf ihre Jugendperiode zurückgehen. Sie ivurde geboren aus dem Krieg und aus der Rot der Nachkriegszeit. Ihre quälenden Traumata(seelischen Verwundungen) waren die Niederlage und der Wandel innerhalb der sozial und politisch privilegierten Schicht. Junge Menschen kamen von der Schulbank oder aus den Kadettenanstalten an die Front und fanden sich, ohne die seelischen Erlebnisse einer normalen Erotik genossen zu haben, hineinver- setzt in die für sie häufig gefährliche Atmosphäre des Schützengrabens und der Offizierskasinos. In gelvissen Regimentern der alten deutschen Armee war jener eigentümliche Freundschaftsgeist als dessen Poet Ernst von Wildenbruch in seiner Novelle»Das edle Blut" gesprochen hatte, schon m der Vorkriegszeit zuhause und aus diesen feudalen Offizierskreisen stammten auch jene Paladine Wilhelms, die durch den„Eulenburg"prozeß zu einer eigenartigen Berühmtheit gelangt sind. Das dort herrschende»Vice allcmand"(deutsche Laster) fand in der frauenlosen Kriegsatmosphäre einen günstigen Boden und alle Beobachter des großstädtischen Lebens in Deutschland wußten in den ersten NachkriegSjahren von einem starken Anwachsen der Homosexualität in Deutschland zu berichten. Allein in Berlin zählte man in jener Zeit über 40 Männerlokale und zwei oder drei vielverbreitete Zeitschriften.■ Während im allgemeinen dort, wo es sich nicht um eine angeborene Homosexualität handelte, die KriegSallüren einem normalen sexuellen Leben wichen, erhielt sich diese Atmosphäre, am stärksten in jenen Jreiwilljgeß-Veebändqn.'die im Baltikum und im deutschen Osten das Kriegsleben in der verrichten Form des LandSknechtötreibenS fortsetzten. Mag auch sein, daß grade solche Naturen, die sich im Leben des MännerbnndeS wohlfühlten und nicht nach einem familiären Heim Sehnsucht hatten, sich dort zusammenfanden. Jedenfalls steht' fest, daß. das„Fiihrer-Gefolg- schaftsverhältnis" in den weitesten und bekanntesten Freikorps auf einer homoerotischen Basis aufgebaut war. Indem die nationalsozialistische Bewegung Führer und Angehörige der Freikorps von Anfang an für sich zu gewinnen vermochte, erhielt sie sofort ihren invertierten Einschlag. Daß die nationalsozialistische Ideologie auf diese Kreise so stark zu wirken vermochte, lag andererseits daran, daß das, was der NationalsozialiS« fmuS als Sozialismus predigte,- nichts anderes war, als eine Uebertragung des Kameradschaftsverhältnisses der Kriegszeit auf die Nachkriegszeit. Die von ihm gepriesene„Volksgemeinschaft" entsprach ganz jenem bewußten oder unbewußten erotischen Verhältnis, unter den auch der Freikorpsführer den jungen Proleten als seinesgleichen zu empfinden trachtete, Ivobei er eher an eine ausgesprochene oder unausgesprochene LiebeSge- meinschaft, denn an eine soziale und ökonomische Verbundenheit dachte. Es tvar, wenn man so sagen will, ein„AminaliSmuS", der in der äußeren Form den PatriarchalimuS ähnelte, nur daß dessen Güte erseht wurde durch ganz andersgeartete Gefühlsmomente, über die sich allerdings mancher scheute, sich selbst Rechenschaft zu geben. Er verbarg vielmehr diese Motive Hütter einem Schleier von Gefühlen, von Worten, die jener altpreußischen und katholischen Romantik entlehnt wa- rcn, deren bedeutendste Träger nach der Zeit der Freiheitskriege einem ähnlichen Liebessehnen nicht fremd gewesen waren(Kleist, Plate», Novalis usw.) AuS ähnlichen Motiven- fühlten sich Kreise zum Nationalsozialismus hingezogen, denen die „männliche" Weltanschauung, und der.starke Zug von AntifeminiSmuS sympathisch war, den die Bewegung noch jetzt verrät, wenn zu»t Beispiel an der Trauerfeier in Tannenberg im engeren Kreise um das Grabmal nur Männer anwesend sein dürfen. Diejenigen, die zur nationalsozialistischen Bewegung stießen, kamen auch vielfach aus der deutschen Jugendbelvegung, über die Ernst. Blü- her, selbst ein Wegbereiter nationalsozialistischer Ideen, vor dem Kriege bereits ein aufsehenerregendes Buch„Die Wandervogelbewegung als erotisches Phänomen" geschrieben hatte. In diesem Buche und in seinem anderen Werke„Die Rolle der Erotik in der männlichen Gesellschaft" wicö er auf die politische Bedeutung sogenannter „Männerbünde" hin, die von der„heiligen Schar" Griechenlands und den Insassen der Männerhäuser der Primitiven bis auf unsere Tage einen bedeutsamen Einfluß gehabt hatten. Diese Bücher wurden von den Jugendlichen, insbesondere in dem ambivalenten Alter der Pubertät, lange Zeit verschlungen, denn was in den Internaten, in den Jugendbünden und teillveise auch in einer dekadenten Grohstadtjugend, in der noch die„fin-dc-sieöle"-Lyrik eines Wilde, eines Rimbaud und die Strophen eines Walt Withan »achzitterten, heimlich und halbbewuht geübt wurde, fand hier eine Art offizielle Rechtfertigung und wurde von nianchcm älteren Jugendführer, der sich in diese Bewegungen hineingeschmuggelt.hattq? bewußt als Evangelium doziert. Schließlich darf auch nicht vergessen werden, daß die wirtschaftliche Rot der Nachkriegszeit manchen jungen Menschen die Anbahnung normaler ständischer Liebesbeziehungen materiell unmöglich machte und daß die Angst vor den Krankheiten und die Abneigung vor der Enttvürdigung durch die Prostitution Auswege finden ließ, die nichts anderes waren, als ein über die Zeit hinaus beibehaltenes Verharren in jugendlichen Irrungen. Immerhin wäre es falsch, aus bekanntgewordenen Einzelbeispielen verallgemeinern zu wollen. Insbesondere als die Hitlerbewegung an Umfang zunahm, dürfte sich der Prozentsatz invertierter Kreise verringert habend Aber, ba sie sich vorzugsweise unter den„alten Kämpfern" befanden, die zu den Notabein deS Dritten Reiches erhoben wurden, kann eS nicht Wundernehmen, daß sie zu einer Macht und zu einem Einfluß gelangten, der die Vermutung aufkommen lassen muhte, daß so, wie ein großer Teil der Führung auch die Gesamtbewegung aussehe. Einen solchen Schluß zu ziehen, Ware verfehlt, aber die Feststellung, dürfte sich nicht widerlegen lassen, daß es noch nie eine politische Massenbewegung gegeben hat, in der die Rolle der Invertierten von solcher entscheidenden Bedeutung gewesen wäre» wie in dem Nationalsozialismus der Hetz, Rühni, Himmler, Schirach, Heines, und jener vielen anderen, die heute bereits zu nennen, den Rahmen einer wissenschaftlich gemeinten Analyse zu einer persönlichen Denunziation erweitern würde, die ni"' Aufgabe dieser Arbeit Ft Die Brutalität, ja die Bestialität und. der offenkundige Sadismus, der bei Ermordungen und bei unzähligen Mißhandlungen in den Konzentrationslagern festgestellt werden mußte, steht mit der Inversion in keinem direkten Zusammenhang. Vereinzelte Fälle liegen vor, in denen aus den Begleitumständen auf eine sexuelle sadistische Komponente bei den Zuschauern und Befehlsgebern von Mißhandlungen junger Menschen geschlossen werden muß. Im allgemeinen aber handelte eS sich um das Austoben brutaler Machtinstinkte(durch Rache an den Repräsentanten des früheren Systems Genugtuung zu fordern stir das eigene, und vermeintlich durch fremde Schuld erzeugte soziale Notdasein in der Vergangenheit). Teilweise aber auch, gab die unbeschränkte Macht jener Unterwelt, welche die nationalsozialistische Revolution emporgeschleudert hatte, einen Blutrausch den Weg frei, wie ihn Taine in den Anfangsstadien der französischen Revolution ebenfalls konstatieren mußte. Der dabei zutage tretende Sadismus ist also weniger auf sexuelle Komponenten, als auf einen Macht- trieb zurückzuführen, der in der persönlichen Züchtigung des Gegners einen Beweis sucht, mit dem er die eigene Minderwertigkeit Niederkämpfen zu können vermeint. Der unwissende Kraftmensch peinigt den schlvache» Gelehrten, der körperlich mißgestaltete den den Kraftstrotzenden, der Lnm- penproletarier den organisierten Arbeiter, der Habenichts den Kleinbürger, der Klassenkämpfer von oben den Klassenkämpfer von unten und sic alle den Juden, als die ihnen gleichgewordene Inkarnation des Bösen. Beides, die Verbreitung der Inversion und die sadistischen Untaten des Nationalsozialismus, zeigt, von welcher Bedeutung die Analyse des seelischen Tiefenlebens auch für die Erklärung bestimmter politischer Phänomene ist. Wir stehen noch ganz am Anfang der Auswertung der Forschungsergebnisse sich lebhaft bekämpfender psychoanalytischer Schulen.. Eine Psychologie, die aus den ökonomischen Bedingungen und äiis der sozialen Umwelt die- politische» Geschehikillc zu erklären sucht und dabei der Bedeutung der herrschenden Ideologien gerecht zu werden sich müht, wird auch— das lehren die deutschen Ereignisse sehr beredt— nicht an den dunklen Trieben Vorbeigehen könne», die das menschliche Selbsterhal- iungöleben in Gestalt sozial nützlicher und sozial schädlicher Erscheinungen entwickelt und Unter denen der Wille zur Machtentfaltung, gleichviel auf welchem Gebiete, der Lebensäußerungen, an erster und entscheidender Stelle zu nennen ist.- Der Nationalsozialismus als Ganzes wird eines Tages auch noch der Analyse bedürfen und e. wird in der Geschichte der menschlichen Massenpsychosen eines der bedenklichsten und bedeutsamsten Kapitel darstellen. 27 /y. FRITZ ROSENFELD: .«k(bcjutta EIN ROMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAO »B=a=r ns.■ t-L. J--- Brach zusammen, wie von einem Pfeil getroffen. Osmin trat zu iym, hob seinen Kopf in die Höhe: „Narr! Dort ist der See! Mer führt euch irr? Ihr selbst führt euch irr! Schlaff seid ihr und faul." Da biß Pal in seine Hand. In seine eigene Hand biß er mit scharfen Zähnen. Um diese Hand nicht Osmin ins Gesicht zu stoßen. Fremd war ihm diese Hand, diese eigene Hand, er wollte, sie strafen,>vie sie die Stadt trafen sollten, die ihnen fremd war. Axjutta, Axjutta! Mit einem grellen Schrei stürzte einer hintenüber. Mit offenen Augen lag er da. tot. Da stemmten die Assassinen sich auf: Ihre Mantel leuchteten wieder, Mann standen sie wieder neben Mann: „Wir gehen nicht weiter". „Ein halber Tag noch, wir sind am Tee". «Air gehen nicht weiter." '. Da blickte Tula die andern Führer an. „Jenseits des Sees— liegt der Garten. Hört ihr den Gong?" Die Männer sahen einander an— die Manner sahen zum Himmel auf— „Wir hören nichts." .„Ich höre—", schrie einer.„Ich höre den Gong. Der Garten, der Garten." Und brach, das Gesicht zur Erde, zusammen. Ein Murren ging durch die Reihen. Einen Tag noch? Gut. Sie hatten so viele.Tage gehungert und gedurstet, blau waren ihre Lippen, und ihr« Füße wund.-Einen Tag»och. Dann aber... „Einen halben Tag noch", rief Tula.„Dann sind wir am See."« Stille senkte sich über das Lager der Assassinen. Nur einer wachte, Zogu, der Grieche, den sie von einer Galeere befreit, um ihn nun in der brennenden Steppe verdursten zu lassen. Er hielt die Führer scharf im Auge. In seinem Ohr war nur das Murren der Männer. Als die Führer sich gelegt, als das Murren verstummt war, erhob er sich ein wenig, yersüchte fortzuschleichen. Aber die Augen Amurs waren wachsam. Leise nahm er einen Pfeil aus dem Köcher, leise spannte er den Bogen. Kaum hatte Zogu ein paar Schritte gemacht, da zischte es durch die Luft, wie ein Tier sprang Zogu in einem großen Satz empor, dann wollte, er über den Sand lausen, ganz gleich, wohin, der Wind lag in seinem Rücken und trieb ihn wie ein Segel. Aber schneller als er waren Amurs Pfeile, einer traf Zogus Fuß, der Fuß wurde schwer, der Fuß ließ eine Spur von Blut im Sand, der Fuß trug ihn nicht mehr. Zogu sank hin, die Hand am Schwert. Amur und Omak waren hinter ihm her, kamen näher und näher, schon sah er ihre Schatten auf dem Boden, der Mond verriet ihn, der tückisch« Mond. AuS dem Dunkel leuchteten ihre bärtigen Gesichter. Er tvollte das Schtvert heben, tvollte sich wehren, da traf die Lanz« Amur» seinen rechten Arm, nagelte ihn an den flammenden Boden. Blut schoß au» der Hand, da» Schwert fiel frei auf di« Erd«. Sie fesselten Zogu, schleppten ihn zum Lager. In der Mitte des Lagers bauden sie ihn an drei in den Boden gerammte Lanzen fest. Sie sprachen kein Wort mit ihm. Als sie wieder beisammen saßen, die drei, Tula, Amur und Omak, schien e», däß sie berieten. Die Rächt aber trug kein Wort zu Zogu. E» war, al» säße er wieder auf der Galeere, die Riemen vor sich, das erbarmungslose Ruder: er wußte nicht, was sein Schick- I sal war« Am Morgen zogen sie weiter; der Gefesselte ging zwischen Omak und Amur, Tula führte das Heer. Di« Männer hatten kein Auge mehr für den Weg, für den Himmel. Sie suchten den Horizont ab, ihre durstigen Augen spähten nach Wasser aus. Ein grauer Streifen lag vor ihnen, schmal und windbewegt. Da jubelten sie auf, da begannen sie zu laufen, da>var wieder Kraft in ihnen. Ein Wetttaus war eS,-zu Pferd und zu Fuß. Die Mäntel und Waffen flogen zu Boden, als sie das Ufer erreicht hatten Mann und Pferd stürzten sich kopfüber ins Wasser. In den Wunden brannte das Wasser, in den Augen brannte das Wasser. Salzig tvar es, wie das Meer. Aber es kühlte. Trinken tvollte» sie eS; da fuhr Tula sie an: ob sie den Tod trinken wollten? Am Ufer gruben sie Brunnen. Mit ihren Schwertern tvühlten sie die Erde auf. Einen Stab rammten sie in den Boden, Steine, legten sie in gleichen Abständen im Kreis um den Stab. Der Weg des Schatten» von einem Stein zum andern war das Maß der Zeit. Solange gruben zehn Mann. Dann sprangen sie ins Wasser, zehn an- d«re traten an ihre Stelle. Nach einem Tag aber standen sie alle um die Grube. Gab sie Wasser? Tiefer drangen die Schtverter, endlich stieß man auf Wasser. Schnell füllten sich die Beutel au» Ziegenfell, gierig tranken die Männer. - Schwer war in dieser Nacht ihr Schlaf, keiner sang, keiner träumte. Dann befahl Tula, Bäum« zu fällen und Flüße zu zimmern. Mit ihren Aexten, die Schädel gespalten hatten, legten sie die schweigsamen Riesen des Waldes um. Ruder schnitzten sie mit ihren Dolchen.' Scharf waren di« Dolche, ein« Stadt sollten st« strafen. Die Flöße waren fertig, alle Beutel mit Wasser gefüllt. Ein Floß aber Ivurde gezimmert, das war nicht wie die andren: Hoch ragte«in Balken auf diesem Floß, und ein Strick aus festem Roßhaar hing nieder zum Spiegel des See». Bevor die Assassinen abfuhren, ließ Tula die Trommel schlagen. Zogu schleppte man her, gefesselt, schreiend, blutend aus der Wunde am Fuß. „Du hast den Schwur gebrochen, den du Ala Eddi» geschlvoren", sagte Tula.„Zu kämpfen bis in den Tod, gehorsam zu sein bi» in den Tod. Feig wolltest du fliehen. Dich trifft als Strafe der Tod." Zu dem seltsamen Schiff schleppten sie Zogu. Ein schwimmender Galgen war«S, fest gezimniert mit festen Aexten. Zugu schrie und krümmte sich. Die Arme Amurs und OmakS aber waren wie Eisen, sie faßten den Gefesselten, mochte er mit den Beinen um sich schlagen und mit seinem Geschrei die Vögel deS Ufers ausscheuchen. Bald saßen die Geier auf seinem Floß, und die Fisch« schnappten an den Rändern der Balken. Hoch hing ZoguS Leib über dem See. „Ala Eddins Hand erreicht jeden, der feinen Eid bricht", schrie Tula. In den See hinaus trieb da» Floß mit'dem Toten. Zeichen, und Warnung für die schweigenden Männer, di« dem Floß nachblickten,-das langsam, langsam verschwand, Klein und dunkel stand «» noch gegen den.Himmel. Schwarze Vögel kreisten um den schwingenden Leib. Di« Männer schwiegen. Zogu hatte immer Glück beim Würfeln gehabt, dachte der' eine. Er hat mir einmal ein Mädchen weggenommen, das ich wollt«, dachte der andre. Dann rollte die Trommel wieder, die Fanfare dröhnte. Die Flüße lösten sich vom Ufer, Vögel folgten ihnen, Fische schossen an» Licht, mit den Speeren konnte man sie spießen. Zwei Tage zogen die Flöße schweigend über den See. Dann landeten die Assassinen. In einem Tal, in dem viele Zelte standen, und tiefe Brunnen gegraben waren. wird,(auch infolge Ablebens des Berechtigten wird das ArbeitSverhältni« gelöst), so erlischt dieser per, sönliche Anspruch auf Urlaub. Der Anspruch ans Deputatkohle sei nach dem Uebereinkonnnen ein Teil des Lohnanspruches und häng« mit diesem auf das innigste zusammen. Wenn kein Anspruch auf Lohn vorhanden fei, komme demnach auch der Anspruch auf Deputatkohle in Wegfall. Auf Grund eines Appells des Vorsitzenden erklärte sich der Vertreter der Brüxer Bergbaugesellschaft bereit, den Klägerinnen ohne Präzc» denz ein Quantum von 20 Meterzentnern Kohle unentgeltich zuzuweisen. Diese Erklärung er- tveckte unter den Klägerinnen, die diese Entschädigung viel zu gering fanden, große Erregung. Es kam zu stürmischen MißfallenSkundgebungen. Die Frauen umringten unter Beschimpfung den Vertreter der Gesellschaft und drohten gegen ihn tätlich zu werden. Unter allgemeinem Lärm verließ der Gerichtshof und die. Klägerinnen den Verhandln ngSsaal. Die Lebensmittelteuerung Im Dritten Reich Heute Urteil aasen die Raves-Putschisten Wien, 17. August. Im Verlaufe der heutigen Verhandlung gegen die Ravag-Putschisten wur- den die restlichen Zeugen verhört. Einer von ihnen, der Polizeihauptmann R. Grafel, Kommandant der Polizeiabteilung, der herbeigerufen wurde, uni das Ravag-Gebäude zu befreien, gibt an, daß die Putschisten beim Eintreffen der Polizei so fort das Feuer eröffnet haben. Sie schossen auch aus dein Studio und ihr Anführer stellte das Feuer erst nach mehr als zwei Stunden ein. Der Zeuge hatte den Eindruck, daß diese planniäßig vorgingen und gut vorbereitet waren. Der Vorsitzende fragt:„Haben sich die Putschisten ergeben, als sie sahen, daß vor ihnen die legale Exekutive steht?" Zeuge:„Keineswegs. Sie setzten ihren Widerstand fort." Vorsitzender:„Haben Sie den Eindruck gehabt, daß die Putschisten auch bei der Verteidigung des Objektes planmäßig vorgingen?" Zeuge:„Ja." Hierauf wurden noch einige wettere Polizisten verhört, die an dem Kampfe teilgcnommen hatten, und alle sagten in ähnlichem Sinne lvie Grasel aus. Der Staatsanwalt schlägt die Ausschliessung der Angeklagten Crhlke und Rikisch auö dem gegenwärtigen Prozess vor und beantragt, dah ihr Fall zwecks gründlicherer Untersuchung ihrer Schuld dem Landesgerichte zugrwiefen werde. Das Gericht entspricht dem Ansuchen des Staatsanwaltes, lehnt hingegen die Anträge der Ber- teidigung ab, darunter auch den Antrag auf Un- tersuchnng deS Geisteszustandes drS Angeklagten DomeS. Dann ergreifen die Sachverständigen das Wort. Die Verhandlung dürfte morgen schon beendet sein, so daß nut der UrteilSfällung am morgigen Tage gerechnet werden kann. neue Urteile der Sondergerlchte In Korneuburg hatte sich gestern ein Schnellgericht mit zehn Nationalsozialisten aus Ernstbrunn zu befassen, welche verschiedene Sprengstoffanschläge ini Marchfelde verübt hatten. Nach durchge führtem Bewcisverfahren wurden der Rädelsführer Leopold Langer und zwei seiner Helfershelfer zu je fünf Jahren, vier weitere Angeklagte zu je sechs Monaten schweren Kerkers verurteilt. Die übrigen drei Angeklagten wurde» freigesprochen. Das Grazer Militärgericht verurteilte den 21- jährigen Alfred Brandl wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit zu einem Jahre schweren Kerkers. Das gleiche Gericht hat den 27- jährigen beschäftigungslosen Arbeiter Joh. Harrar aus Schreutz, der der gewaltsamen Requirierung von Waffen angcklagt war, freigesprochen, da die Geliebte des Angeklagten sein Alibi bestätigte. Kärntner Regierungsdirektor abgesetzt Wien, 17. August. Wie die„Rcichspost" meldet, tvird Regicrungödirektor Wolfsegger in Klagenfurt, unter dessen Augen sich die unhaltbaren Verhältnisse in Kärnten entwickelt haben, unter lvelchen Beamte, die in ihrem Wirkungskreise Brutstätten der Verhetzung groß werden ließen, und auf luichtigere Posten vorrückten, durch den bisherigen Bezirkshauptmann von Am- stätten, Hofrat Alfons Krhsa-Gersch ersetzt werden. Säuberung verschiedener Bezirkshauptmannschaften in Kärnten wird noch folgen. Das Bundesheer behält 30.000 Mann Rom, 17. August. Wie die Agrnzia Stefani von zuständiger Seite erfährt, hat sich dir italienische Regierung damit einverstanden erklärt, die Verstärkung drS österreichischen HeereS auf 30.000 Man» weiterhin zn gestatten. Werbefahrt Schuschniggs Wien, 17. August. Wie die„Reue Freie Presse" meldet, beabsichtigt Bundeskanzler Dr. Schuschnigg in den kommenden Herbstmonatrn weitere Reise» in europäische Hauptstädte zu unternehmen. Der wahre Grund der Einstellung des„Stürmers“ PariS, 17. August. Dir letzte Rümmer deS Pariser Wochenblattes„Marianne" enthält «ine Mitteilung betreffs der bekannten Beschlagnahme deS nationalsozialisttschen Blattes„Der Stürmer" vom 31. Juli. Die Konfiskation wurde biSher damit erklärt, dah das Blatt einen beleidigenden Artikel über daS Oberhaupt eines ausländischen Staats gebracht hat. Die„Marianne" behauptet aber, dass die Ursache der Konfiskation «ine ganz andere war. DaS Blatt veröffentlicht nämlich gleichzeitig daS Schreiben eines deutschen Studenten, welcher fich darüber beschwerte, dah sich 60 Prozent der UniversitätSjugend von der nationalsozialistischen Partei loSgefagt haben, lieber ausländische Blätter als den„Bölkifchen Beobachter" lesen und dass die Bänke in den UniversltätS- hörfälrn mit sür di» Nationalsozialisten beleidigenden Bemerkung«t gefüllt find. Dieses allzu aufrichtig« Eingeständnis war di« eigentliche Ursache der Beschlagnahme. Wie man Lügen beweisen will Berlin, 17. August, Das Berliner Sondergericht verurteilte heute wegen fortgesetzten Betrug» Erich Prinz zu acht Jahren Zuchthaus und 3000 Mark Geldstrafe. In der Begründung heißt es, daß Prinz, der als'-Sicherheitskommissär der Revolutionsregierung von'1918 bezeichnet wird, beweise, daß die Revolution von Verbrechern gemacht worden sei. Dieser Erich Prinz hat jedoch in den Re- volutionstagen nur«ine vorübergehende^ind übrigen» untergeordnete Rosse gespielt.. Bon dem kommunistischen Polizeipräsidenten Emil Eichhorn wechselte Prinz zu dem sozialdemokratischen Regiment„Reichstag" über, um bald ganz zu verschwinden. Er tauchte aber wieder auf, indem er einen angeblichen Mordbefehl de» damaligen Rekchsminister-Präsidenten Philipp Scheidemann gegen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg den linksradikalen Zeitungen zum Kauf anbot. In diesem angeblichen Befehl war sogar eine Mordprämie von 30.000 Mark ausgesetzt. Bor Gericht wurde dieser Befehl als eine infame Fälschung erwiesen und Prinz zu harter Strafe verurteilt. Bei dieser.Gelegenheit stellte sich heraus, daß er bereits früher wegen verschiedener Hochstapeleien mehrmals bestraft worden war. Auch in den Jahren nach Verbüßung der Strafe wegen der Verleumdung Scheidemanns, mutzte er mehrmals wegen mehrerer Delikte Jahre in den Gefängnissen verbringen. «hier In Hamburg Hitler hat gestern die einzige Rede im Verlaufe des Propagandafclidzuges für die sogenannte Volksabstimmung in H a m b u r g gehalten. Das Deutsche Nachrichten-Büro gibt darüber seitenlange Berichte aus, in welchen viel von gehißten Fahnen die Rede ist und mit Goebbelsscher Begeisterung geschildert wird, wie die Dock- arheiter„jetzt alle in ihren ölgetränkten Arbeitsanzügen den Arm dem Führer heben". Was sich den Arbeitern sonst noch gehoben hat, geht' aus den offiziellen Berichten nicht hervor. Man kann manche Frage' selbst beantworten, tvenn man gleich darauf liest, daß es verboten wurde, dem Führer Blumensträuße zuzuwerfen. Selbstver« ständlich nicht nur, weil eS schade um die Blumen wäre. Baldwin In Frankreich Besuch der Grenzfestungen Die Besprechungen zwischen den General- stabSchefs der französischen und der englischen Armee finden gewissermatzen eine Fortsetzung in der Reise des englische» Bizeminisierpräsidenten Baldwin. Er ist nach dem Kurort Aix-LeS- Bain» im- Auto durch die befestigten Grenzzonen gefahren, und zwar von dem belgischen Namur aus. Der Weg führte ihn über die neugebauten Militärstratzen, von der Nordgrenze über die Hauptbefestigungcn in Lothringen bis zu den Anlagen an der italienischen Grenze.. (Sopade). lieber den Umfang und die Wirkung der LebcnSmitteltcucrung Haven die Handelsund Jndustrickaimncrn von Rheinland-West- salen Mitte Mai 1934 eine streu g vertrauliche Eingabe an die Reichs regic- r u n g gerichtet. Der Eingabe ist eine Tabelle über die Preisbewegung der wichtigsten Lebensmittel Diesem, vom„N c u e n V o r w ä r t s" veröffentlichten interessanten Dokument entnehmen wir folgende Bemerkungen: beigefügt, die die Großhandelspreise vom l. Ja- nuar 1934 mit denen vom 1. Januar 1933 ver- gleicht. Daraus ergibt sich eine Stc igerung bci: Butter», I um 86% Schmalz>> S 58% billigste Margarine. W 182% Kokosfett i■■ s 121% Oele 8 138% Speck,■,, a 26% Eier,,., a 30% Gemüsekonserven, 18—29 % Limburger Käse, a 38%’ Plockwurst.- 38% Kabeljau und Schellfisch 50% .Es ist ein Widersinn, daß in Deutschland trotz großer Kaufschwäche und trotz llcbersluß an landwirtschaftlichen Erzeugnissen eine Lcbensmit- telteuerung und auf dem Gebiete der Fettversor» gung sogar eine Notlage herrscht... Die prozentualen Steigerungen sind so stark, daß sie den Charakter einer Teuerung annehmcn. Dieser Zustand ist je länger, desto mehr unhaltbar... In k e i n e m L a n d e, mit dessen Jndustriewirtschast die deutsche zu konkurrieren hat, herrschen so .hohe. Lebens Mittelpreise, wie in Deutschland.., Da die wirtschaftlichen Verhältnisse durchlveg Lohnerhöhungen nicht gestatten, bedeutet die ei«getreten eLe- benSmittelverteuerung eine einseitige Belastung der kauf- s ch w achen Schichte nder Bevölkerung. Wenn z. B. der Ruhrbergbauarbeiter bei 2—3 Feierschichten und nach Abzug der sozialen und steuerlichen Gefälle sowie der Wohnungsmiete einen Betrag von Mk. 70.—, 80.— für den Lebensunterhalt feiner Familie mit nach Hause bringt, so muß sich demgegenüber die Verteuerung der Lebensmittel, in Sonderheit der Feitversor- gung auf das härteste auswirken, zumal wenn zu der Verteuerung auf dem Fettmarkt noch die lln- tervcrsorgung hinzutcitt, die im rheinisch-westfälischen Jndustricbezirk seit Monaten anhält. Ueber die Wirkung dieser Zustände sagt die Eingabe: „Die Regierung muss fich darüber im klaren sein, welch rin ungeheuerliches Maß von Unzufriedenheit und politischer Verbitterung dieser unhaltbare Zustand in der Bevölkerung, und gerade in den Arbeitrrkreisen, die früher der marxistischen Partei anhjngrn, hervorruft. CS gibt keinen,— wie auch immer gearteten Grund, der die Beibehaltung dieser fortgrfetzt brmiriihigenden Zu- stände auf dem Lebensmittel- und Feltmarkt rechtfertigen könnte..." Heimatfrontier mit Hakenkreuz-Dolch Mitgebrachtes au» Deutschland Der achtundzwanzigjährige Techniker an» Freiwaldau Hermann Kreipel ist am 4. Ang. aus Deutschland zurückgrkehrt. Wie bei anderen Reisenden, welche die Grenze überschritten, haben die Zollbeamten auch bei Kreipel auf einem schlesischen Bahnhof eine Durchsuchung angcstrllt, wobei der Untersuchte durch sein nervöses Benehmen auffiel. Eine genaue Untersuchung hatte nun— wir entnehmen den Bericht de»„Lidovö Rovinh"— ein überraschendes Resultat. Auf dem Boden der Aktentasche wurde zwischen anderen Gegenständen «in scharfgeschliffcnrr Dolch gefunden, dessen Griff mit einem schwarzen Hakenkreuz auf rotweissem Feld verziert war. Auf dem Dosche war die Aufschrift„Blut und Ehre". Der Dolch wurde beschlagnahmt und die Anzeige an dir Polizeidirrk- tion in Troppau, wo Kreipel wohnt, erstattet. Kreipel war zuletzt in Freiwaldau angrstellt und ist dann nach Troppau übersiedelt. Ueber seine politische Tätigkeit weiß man nur, dass er Mit- glied der Henleinschen Sudetendeutschen Heimatfront ist. Gegen Kreipel wurde die Strafanzeige wegen Vergehens nach Paragraph 17 deS Gesetzes zum Schutze der Republik erstatte« SamStag, 18 August 1934 Nr. tta Der Abschied Der Abflug der sowjetrussischen Flieger von Prag war auf Freitag früh 6 Uhr 10 Minuten festgesetzt.;’,tiv Verabschiedung hatten sich der soivjctrussiscl'c Gesandte in Prag mit dem Personal der Gesandtschaft, solvlc die Vertreter der Negierung und der hiesigen Militärbehörden eingefunden. Auf dcni Flugplatz in Kbely stand eine Ehrcnrotte und zum Abschied spielte eine Militär- inusikkapcilc die ,,Internationale" und die tschc- choslowakisclic Staatshymne. Hierauf bereiteten die sowjctrussischc» Flieger den Start ihrer Flugzeuge vor. Zwei der Flugzeuge stiegen auf und freisten über Prag, wogegen beim dritten Flugzeug ein Motordcselt und eine Beschädigung des Sporns iestgcstclit ivurde. Ta die Defekte nicht sofort beseitigt loevden konnten, kehrten die bereits aufgestiegene» Flugzeuge»och einmal zurück. Nach der Bcbebnng des Schadens starteten die Sowjetflieger erneut um 9 Uhr vormittags. Diesmal ging der Start glatt vonstatten. Es begleitete sie die unter der Führung des Oberst- lcutant DragounS stehende-13. Flugstaffel. Die Flieger wurden bei ihrem Start von einem zahlreichen Publikum begeistert begrüßt. Um 10 Uhr vonnitiags überflog die Eska- drille bereits Lodz in Polen. Beim Verlassen der Tagcsnculgkcitcn Neuer Stratosphärenflug Kommt der Ballon in die rfchechoslowakei? Brüssel. Am Samstag werde» in Honr- Havenne im Bezirke Namur dir zwei Schüler drS Professors P i r c a r d, Max 15 o s v n ö und Rere van d e r E l st, zu einem Stratosphiirrn- flug starten. Der Aufstieg wird am Jahrestage drS Startes P i e r a r d S und CysynS, der am 18. August 1932 erfolgte, vorgenoinmen werden. Die Meteorologen nehmen an, daß der Stratosphärenballon von den Luftströmungen wahrscheinlich in der Richtung gegen Bauern oder möglicherweise biS nach der Tschechoslowake i abgetrieben werden wird. Byrds Leidenszeit London. Wie aus Klein-Amerika gemeldet wird, hat sich Admiral Byrd von der Erschöpfung, in die er nach dem in einer kleinen Hütte auf der Eistüste voll Entbehrungen verbrachten Einsiedlerleben geraten war, noch nicht erholt. Byrd litt auch durch die seinem Gasofen entströmten Gase. Oft fürchtete er, nicht mehr mit dem Leben davonzukommen. Aus diesem Grunde traf er auch eine Anordnung, in welcher er seinen Mitarbeitern bekannt gab, wo sich seine Abschiedsbriefe befinden. Eine ähnliche Mitteilung befestigte er mit einem Nagel auf dent Tisch seiner Hütte, vernichtete sic aber später wieder vor seiner Rettung. Infolge der Gasausströmung Ivar er genötigt, seinen Ofen so wenig als möglich zu benutzen, wodurch er aber wiederum unter der Kälte sehr litt. Admiral Byrd ist bis jetzt nicht kräftig genug, um in das Hauptlager transportiert zu werden. Byrd erklärte seinem behandelnden Arzt Dr. Paulter gegenüber, daß er ivährend der langen Dauer seines Aufenthaltes in der EiShiittc sehr schwach und oft bis zur vollständigen Erschöpfung krank war, es aber trotzdem nie versäumte, die meteorologischen Daten zu registrieren und Bemerkungen daran zu knüpfen. Brand der Technik in Karlsruhe rr Sorvjetflieger Grenzen der Tschechoslolvakischen Republik sandte» die Flieger von Bord folgende Radiodepcschen ab: An den Herren Chef deS zivilen Flugwesens Roubkk: Wir verdolmetschen Ihnen den Gruß unserer ga>izen Delegation und Besatzung und begrüben die enge Zusammenarbeit des tschechoslowakischen-zivilen Flugwesens mit unserem sowjetrnssischen. Gez. llnschlicht und Chripin. An den Herrn Adnicegcneral B k l y: Beim Verlassen der Grenze der Republik verdolmetschen wir Ihnen im eigenen, sowie im Namen der Delegation und der ganzen Besatzung den Dank für die herzliche Gastfreundschaft. Unser Besuch trug zur Festigung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Völkern unserer Staaten, sowie zur Aufnahme der Zusammenarbeit zwischen unseren Flugkräften in neuer Richtung am Werke der Friedenspolitik bei. Gez.: llnschlicht und Chripin. An den Herrn DivisionSgeneral deS Flugwesens F a j f r: Für die allseitig herzliche und liebe Aufnahme danken wir Ihnen aufrichtig und sehen Ihrem Besuche entgegen. Gez. Unschlicht und Chripin. Die russischen Flieger wollen die Rückreise nach Moskau in zehn Flugstunden zuriicklegen. Die Luftlinie zwischen Prag und Moskau beträgt 1800 Kilometer. Auf den Tag des Sieges, der all' die Opfer, die man der Bewegung gebracht hatte, nach den Worten des„Führers" reichlich belohnen sollteI Der Tag brach an und am Ende des Tages steht der Galgen. Der Sonderkommissar„seines" Führers aber tauscht mit den Mördern seiner Hoffnungen, den Leuten, die seine Kameraden hängen ließen und auch ihm an den Hals wollen, freundschaftliche Trinksprüche aus! Die Traaik der Verführten ist grenzenlos I Und sie ist eine Warnung, die ainb hier im Lande von den Sckuvärmcr» für ähnliche„Führer" gehört mid beherzigt werden mujzl Gchietzenbe vbstdtebe Kascha». In der Nacht zum Freitag kamen in den Obstgarten des Josef Gazdäk in der Gemeinde Haniska im politischen Bezirke Kaschau- Land eine Anzahl junger Dorfburschen, die Obst zu pflücken begannen. Als drei Wächter den Bur, schen ihr Tun verwehren wollten, eröffneten die Täter gegen sie aus Militär- und Jagdgewehren das Feuer. Die Wächter waren gezwungen, in einem nahen Graben Zuflucht zu suchen und 1% Stunden lang zuzusehcn, wie die Diebe das Obst weiterpflückten. Sie pflückten 12 Apfelbäume vollkommen leer und verursachten dadurch dem Eigentümer einen Schaden, der auf 3800 KL geschätzt wird. Heute verhaftete die Gendarmerie im ganzen 11 Täter, die in die Haft der Staatsanwaltschaft Kaschau eingeliefert wurden. Attentat eines Entlassenen Warschau. In B r e st hat der kürzlich aus dem Dienst entlassene Beamte Gawronski den Vorstand der Finanzkanuner Grzybowski im Büro deö Direktors der Finanzkammer durch Revolverschüsse schwer verletzt. Sodann richtete Gawronski den Revolver gegen den Direktor der Finanzkammer Denisiewicz, doch versagte die Waffe. Zwischen Gawronski und Denisiewicz entspann sich ein Handgemenge, bei welchem der Direktor leichte Verletzungen erlitt. Beamten der Finanzkammer gelang cs schließlich, den Täter festzunchmen. Meuterei im ttefhpl« Rew Aork. 1500 Sträflinge im städtischen Zuchthausc auf der Welfarninsel weigerten sich am Donnerstag früh, ihre Tagesarbeit zu verrichten, weil sie erfahren hatten, daß das neue Staatsgesetz, wonach Sträflingen für gute Führung monatlich eine Anzahl von der Freiheitsstrafe abgezogen werde», mir für Staatsgefängnisse gilt. Die meuternden Sträflinge wurden in den Zellen eingesperrt, wo sie seitdem ununterbrochen lärmen. Henlein steht über der Weltgeschichte. Ein lateinischer Spruch sagt Caesar supra gramma- ticani— der Kaiser steht über der Sprachlehre. Konrad Henlein, ein gottgesandter Führer wie sein Vorbild Hitler, steht augenscheinlich über allen Wissenschaften, vor allem über der Ge- schichte. In seiner„Rundschau" fiihrt er Klage über den„Sozialdemokrat", dessen Hindenburg» artikel Schmähungen enthalte. Henlein glossiert einige Zitatb aus den: Artikel mit der Ueber- schrift„Auch ein Hcldenstiickl" Man sollte meinen, daß eine seriöse Polemik die Behauptungen des Gegners zu widerlegen, durch Be- weise zu entkräften versucht. Und um Behauptungen, uni wissen- s ch a f t l i ch— und sobald cs wieder einmal Gerichte geben wird, vor denen Untertanen des deutschen Reiches ohne Lebensgefahr aussagen können— auch gerichtlich beweis- bare B e h a u p t u n g en, nicht um Schmä- Hungen handelt es sich. Aber Henlein und Sander haben vermutlich von den historischen Tat- fachen, um die es'gcht, keine blasse Ahnung; man könnte ihnen ruhig erzählen, Hindenburg habe die Schlacht bei Leipzig gewonnen oder das Schießpulver höchst persönlich erfunden— nur, eine Lobhudelei muß cs scini Wie lächerlich sich die sudotendeutschen Speichellecker der Nazi gebärden, geht schon daraus hervor, daß unter den angeblichen Schmähungen auch unsere Bemerkung erwähnt wird, Hindenburg habe an der Kaiscrproklamation zu Versailles (18. Jänner 1891) teilgenommcn und auf dem berühmten Gemälde Anton von Werners sei angeblich seine H e l m s P i tz c zu schen. Ob man das symbolisch verstehen will oder nicht, bleibt jedem Leser überlassen. Dem Sander aber möchten wir, weil er sich daran kaum wird erinnern können, doch sagen, daß diese Behauptung während des Weltkrieges immer wieder in den verschiedensten z u m Ruhme H i n d c n- bürg§ geschriebenen Artikeln aufgctaucht ist. Wenn aber Herr Henlein die Emigranten auf- fordert, sie sollten ihre Kritik in Deutschland vorbringen und ihnen den Vorwurf der Feigheit macht, so möchten wir ihm antworten, daß wir und die Emigranten unseres Sache in Deutsch, land vertreten werden, wenn e8 dort wie in Kul- turstaaten unabhängige und objck- tiv urteilende Gerichte, wenn es dort eine auch nur minimale Sicherheit gegen Mord, Totschlag, Folter und Konzentrationslager ge- ben- wird, die ja alle nicht durch Gerichtsurteil, sondern durch willkürliche Entscheidungen von Bandcnführern verhängt werden. Wenn eö wie- der ein Deutschland geben wird, das sich mit Recht daS Land Schillers und Kants wird nen- nen können, dann werden wir vor jedem deutschen Gericht unsere Urteile über Hindenburg erweisen und dem Henlein samt seinem Sander dokumentarisch belegen können, daß H i n d e n- burgeineeinzigeS ch lacht»gewon- nen hat, die von Neudeck, und zwar gegen die Steuerbehörden seines Vaterlandes l Genossin Franziska Goldschmidt gestorben. Am Freitag, den 17. August, ist in Komotau im 73. Lebensjahre Genossin Franziska Goldschmidt, die 'Mutter unseres Redakteurs, Genossen-Leopold Goldschmidt gestorben. Sie war ebenso wie ihr Darmstadt, 17. August. Am Freitag um 15 Nhr wurde die Feuerwehr nach der Technischen Hochschule gerufen, wo in« Nordwestflügel deö Hauptgcdändes ein Brand auügebrochen war. Da der Dachstuhl kurz darauf in vollen Flammen stand,»inßie Großfcner gemeldet werden. Das Gcvälk des Dachstuhls und aufgestapeltes, leicht brennbares Material gaben den Flamme» reiche Nahrung. Stach zwei Stunden konnte das Feuer auf seinen Herd beschränkt werden, da der Nord- wcstflügel durch zwei dicke Brandmauern von dem übrigen Hauptgebäude getrennt ist. Neben dem Dachstuhl sind die Hörsäle und die Dozentenzimmer im obersten Stockwerk stark mitgenommen. Es besteht die Möglichkeit einer S e I b st e u t z ü n d u st g. Wie im Rausch...! Im Ravag-Prozeß sagte einer der Angeklagten bei seiner Einvernahme:„Wegen der nationalsozialistischen Partei habe ich meine Stellung verloren. Ich habe den Winter über gehungert und gefroren. Es war unsäg lich—. Als es dann hieß—, jetzt kommen wir an die Regierung, ist es w i c ein Rausch über mich gekommenI" In diesen drei Sätzen des Ravag-Putschisten liegt alle Tragik des Verführten, der für eine Sache kämpfte, für sie opferte und litt und der dann von den eigenen Führern verraten und verlauft wurde. Hunger und Kälte— er ertrug sie stöhnend, mit zusninincngebissencn Zähnen. Tie Fiebcr- hosjnung„aus den Tag" hielt ihn aufrechU 20j8hrises Jubiläum des Panama-Kanal» In diesen Tagen begeht der Panama-Kanal sein SOjährigeS Jubiläum. In der Zeit von seiner Eröffnung bis heute, haben mehr als 80.000 Fahrzeuge den Kaiial vom Atlantischen zum Stillen Ozean, bzw. umgekehrt durchfahren. Diese interessante Luftaufnahme zeigt die Schleusenanlage des Panazna-Aanals, die tun amerikanischen Kxiegsslugzeugen überflogen wird. vor längerer Zeit verswrbener Mann in- Wem früheren Wohnsitz Teplitz-Schünau viele Jahre lang organisiert und ist unter den dortigen. Genossen gut bekannt und wegen ihrer Güte,und Herzlichkeit sehr geschäht gewesen. Die Parteigenossen in Teplitz-Schönau werden deshalb der Genossin Goldschmidt, welche außer einem Sohn zlvei Töchter hinterläßt, ein ehrendes Andenken bewahren. Die„Union der Bergarbeiter" dringt vor. In zähem Ringen gewinnen unsere freien Gewerkschaften in den vom FasciSmus verseuchten Gebieten wieder Schritt für Schritt an Boden, Der»Glück auf" meldet, daß im Falkenauer Gebiete 180 neue Mitglieder gewonnen wurden, darunter langjährige Funktionäre des Simon- Stark-BcrbandcS„Solidarität", welche den Schacher mit Fahrner nicht mitmachen wollten. Die Werbeaktion der„Union" geht auch in anderen Gebieten erfolgreich vonstatten und wir werden über ihr Gesamtergebnis noch berichten. Ein Preis für Krebsforscher. Die Witwe deö ehemaligen Dekans der medizinischen Fakultät in Madrid, Dr. RecansenS, widmete einen Preis von 18.500 Peseten für die beste Arbeit über die Krebskrankheit. Freie Plätze im Erholungsheim in LuhaLo vire. Die Allgemeine Pensionsanstalt in Prag macht darauf aufmcrksani, daß'in der Erholungsanstalt in LuhaLovice für den Monat September mehrere Betten frei sind, welche Mitgliedern der Anstalt in Begleitung von Familienangehörigen (Gattin, Kinder älter als 14 Jahre) zugeteilt werden können. JnkormationSdrucksorten versenden und Gesuche nehmen an die Amtsstellen in Prag, Brünn und Bratislava. Kinder-Republik„Koloman WalNsch" nennt sich eine Sommerkolonie proletarischer Kinder, eingeordnet am Ufer der Mercczanka von der„Kultur-Liga", dem ArbeitebbildungSauSschuß des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes(„Bund") Polens. In der Arktis ln 20.000 Meter Höhe. Eine „Radiosonde"(ein unbemannter Apparat zum Aufstieg in die Stratosphäre), die man vom Eisbrecher„Jermak" unweit der Halbinsel Jamala aufsteigen ließ, erreichte eine Höhe von 20.000 Meter und überbot so den Rekord einer kürzlich in der Arktis aufgcstiegcnen Radiosonde um 1000 Meter. Die Apparate auf der Radiosonde verzeichneten in 20.000 Metern Höhe eine Temperatur von— 37 Grad, in 8000 Metern Höhe eine solche von— 55 Grad. Neuerdings werden Radiosonden in der Sowjetunion häufig zur Erforschung der Stratosphäre benutzt. Tödlich überfahren. Der Inhaber eiyer Delikatessenhandlung Jaroslav Zahäjskh aus Neuhaus fuhr am 15. d. M. auf seinem Motorrade durch die Gemeinde Hornt Zdäk, als ihm plötzlich das 8jährige Kind des Kutschers Douba, gleichfalls aus Neuhaus, in den Weg lief. Das Kind wurde von dem Motorrad erfaßt und gegen«in eben vorbeifahrendes Automobil geschleudert. Der Aufprall war so heftig, daß das Kind in schwer verletztem Zustande in das Krankenhaus gebracht werden mußte, wo eS verschied. Die Gendarmerie untersucht den Fall. Drei Kinder verbrannt. In der Nähe des Dorfes Vlachi im Bezirk Svcti Vräö in Bulgarisch-Mazedonien brannte die Scheune eines alleinstehenden Bauerngutes nieder, unter deren Trümmern drei Kinder des Besitzers begraben wurden. AIS ihre verkohlten Leichen in Gegenwart der 100jährigen Urgroßmutter der Kinder auS den Trümmern hervorgezogen wurden, wurde die Greisin vom Schlage getroffen und starb auf der Stelle. Tödlicher Anfall aus dem Brünner Bahnhof Gestern früh ereignete sich auf dem Brünner Bahnhof ein tödlicher Unfall. Beim Verschieben geriet der 84jährige Verschieber Josef B u r e S aus ZabSitz unter einen Waggon und wurde überfahren. Der Unglückliche war auf der Stelle tot. Wie da» Unglück sich ereignet«, konnte nicht festgestellt werden, da kein Augenzeuge vorhanden war. Bureö wurde auf den Schienen bereits tot aufgefunden. Er hinterläßt eine Witwe und ein Kind. Ein neues Mineral. Prof. Swjaginzew vom Platin-Institut der Akademie der Wissenschaften hat im Platinerz ein bisher unbekanntes Mineral entdeckt, das Iridium, Osmium, Gold und Ruthenium enthält. Das Mineral hat einen metallischen Silberglanz und tritt in kleinen Körnchen von unregelmäßiger Form in Berbinduiig mii Platin auf. Es ist sehr hart und spröde,und besitzt ein hohes spezifisches Gewicht. Wahrscheinliches Wetter heute: Wechselnd bewültt, mäßig bis ziemlich warm, schwacher Wind.— Wetteraussichten für Sonntag: Keine wesentlich^ Aenderung Vom Rundfunk «mpfehleuamertea- Führer." Seit wann gibt es den Hitlergruh? Seit e» keinen guten Tag mehr gibtl Spitzelet Lis an den trauten deutschen Familtenherd DB. Immer neue Methoden und Mittel werden in Deutschland angewandt, um jeden Deutschen zu bespitzel», um festzustellen, dab keiner auch in seinen eigenen vier Wänden ein freie» Wort wagt. Einen Hinweis darauf, welcher Methoden sich di« Gestapo befwibigt, gibt ein un» gemeldeter Vorfall in Hamburg. Dort sab eine» Abends ein Arzt, ein alter Nationalsozialist, in seiner Wohnung mit einem Freunde. In der ganz privaten Unterhaltung bei tische erzählte der Arzt auch seinem Freunde einige ber in Deutschland so beliebten Hitler«. Goering- und Goebbels-Witze. Nach einer halben Stunde klingelte e» an der WohnungStür. Die Gestapo war da und wollte den Arzt verhaften. Al» Grund wurde angegeben, dah er in seiner Wohnung durch Witze- Erzählcn sich staatsfeindlich betätigt habe. Der Arzt wies sich jedoch al» alte» Parteimitglied mit einer unter Hunderttausend liegenden Mitglied»- numiner au» und erreichte dadurch, dab die Verhaftung nicht durchgefiihrt wurde. Auf die Frage, wo- ber die Gestapo Kenntnis von der harmlosen Witze- Erzählung habe, erklärte dieser, dah sein zweite» Dienstmädchen, da» er— ohne dab er Bedarf dafür hatte— im Rahmen der Arbeitsbeschaffung»«^»» einstellen mubte und da» eine fanatische Hitlerike Ist, mit der Gestapo in Verbindung steht und die Aufgabe habe, ihn zu beobachten. Diese» Dienstmädchen, da» am Abend bei Tische bedient hatte und die Witze be» Hausherrn hörte, ist zum Telephon gegangen und hat die Gestapo verständigt, die prompt zur Verhaftung anrückte und nur von der Verhaftung absah, weil e» sich bei dem Angeschuldigten um ein alte» Parteimitglied handelt, da» diesmal nur verwarnt wurde. Der Gestapo-Beamte, der diese Aufklärung gab, fügte aber hinzu, daß der Arzt auf keinen Fall da» Diensünädchen entlassen dürfe. Täte er e» trotzdem, so würde er bestimmt verhaftet. Der Arzt, der al» aller Nationalsozialist da» Treiben seiner Kameraden sehr genau kennt und der, einmal mit der Gestapo zusammengestoben, weitere Konflikte fürchtete, hat inzwischen sein Geld mobilisiert und hat Hamburg verlassen. Sein Leben war ihm lieber als die teure deutsche Heimat und die Existenz im Hitler- reich. Gegen die Giftschlangen-Plage. Das tsche- choflowalische Rote Kreuz hat in K a r p ä t h o- rußlandan einigen Orten Stationen errichtet, die mit Serum gegen Schlangenbisse ausgerüstet sind. Solche Stationen befinden sich in Bolovk, stijny Verccky, Svalava, Berczny und sind in den Peratungsstellen des Roten Kreuzes untcrgebracht. Die meisten Giftschlangen zeigen sich auf dem Berge„P i k u j i" im Gebiete von Nijni Berecky im Bezirke von Svalava, tvcShalb eine der oben erwähnten Stationen am Fuße des Berges errichtet wurde. Sie ist so eingerichtet, dah sich jeder, der von einer giftigen Schlange gebissen wurde, das Serum selbst in die Muskeln mit einer Injektionsspritze einführen kann. Diese erste Hilfe genügt. wenn binnen zwei Stunden nach dem Bitz da» Serum verabreicht wird. Bis jetzt wurden sechs Personen auf diese Weise behandelt. Er verkauft seine Fra«— für Briefmarken! In einer Vorstadt New Yorks verkaufte ein teidciischaftlicher Markensammler seine Frau für 000 Dollar, um für das Geld seine Sammlung zu bereichern. Alle drei beteiligten Personen wurden verhaftet. Beim Gerichtsverhör wurde festgestellt, daß der Verkaufvertrag m i t Z u st i m« m« n g der Frau zustandekam. Benzin ans Meerwasser? Der„Matin" bringt die sensationelle Meldung, daß ein Mechaniker In Rouen eine Methode erfunden habe, wie man Meerlvasser mit Hilfe eines unbekannten llatalisatorS in Benzin verwandeln könne, dessen Zusammensetzung nur ihm bekannt sei. Er sei bereit, sein Patent um 2 Milliarden Franken zu verkaufen. Durch diese Methode würde eS möglich sein, den Herstellungspreis eines Liters Benzin auf 3 Centime herabzusehen. Der van Gangstern entführte Millionär Latatt ist wieder freigelaffen worden. Die Umstände, unter denen der Millionär in Freiheit gefetzt wurde, tvurden derart geheim gehalten, daß' nicht einmal biß an der Suche nach ihm beteiligten Hauptpersonen einp Ahnung von seiner Rückkehr hatten. Läbatt wurde'in der Umgebung der Stadt Toronto- freigelassen und begab sich sofort In seine-Wohnung in der Stadt London kn Ontario. Er weist keine Spuren einer schlechten Behandlung auf,.ist aber stark nervös, und abgemagert. Die Polizei hüllt sich in Schweigen.— Der evangelische Pastor ASkow, der am Mittwoch einen Autoausflug in die Umgebung der Städte Soldsborough in Nord-Carolina in der. Richtung Smithville unternommen hatte, ist plötzlich auf unaufgeklärte Weise verschwunden. Am Donnerstag erhielt die Gattin des Pastor» einen Brief, in welchem die Entführer des Geistlichen die Hinterlegung von 35.000 Dollar an einer bestimmten Stelle fordern, andernfalls sie den Pastor Men würden. Die größt« bisherig« Silberladung wurde am Donnerstag abends in Southampton an Bord des Dampfers„Washington" mit der Bestimmung nach New York verladen. Die Schiffsladung umfaßt 12.000 Barren Silber im Gesamtgewicht von 400 Tonnen; ihr Wert beläuft sich auf 1% Millionen Pfund Sterling. Zur Beförderung des Silbers von London nach Southampton waren 80 Lastwagen erforderlich. Naturschutzgebiete in Fern-Ost. Zahlreiche Gegenden des Fernen Ostens sollen als Reservationen erklärt werden. Auch die Schantar- und Kommandeur-Inseln, auf denen sich große Zuchtfarmen für Weiß-, Silber- und Blaufüchse und Nerze befinden, werden als Naturschutzgebiete erklärt werden. Ebenso sollen ausgedehnte Gebiete der Tajga in nächster Zeit durch eine Expedition der Wissenschaften erforscht und als Nationalpark erklärt werden, um deren seltene Flora und Fauna zu schützen. Brauner Bildersturm. Wie das Nachrichtenbüro deutscher Zeitungsverleger meldet, hat der deutsche RcichSminister die Entfernung aller in den Dienststellen etwa noch vorhandener Abbildungen von Persönlichkeiten, die am Novemberumsturz deS Jahres 1018 beteiligt waren, und die Vernichtung dieser Gegenstände angeordnet. Die» bezieht sich auch auf die Hoheitsabzeichen des Novembersystems, insbesondere auf schwarz-rot- gelbe Flaggen. Das Ncichsioappen und die Amtsschilder sind von der Anordnung ausgenommen. Goldschatz-Suche nach zweihundert Jahren. Ei» spanischer Ingenieur soll sich mit der Absicht tragen, 10 spanische Schifte, die zu Beginn des 18. Jabrbundcrts in der Bückst von Vigo gesunken sind, zu heben, um den angeblichen großen, Goldschav zu heben, den sie an Bord hab^.i. Der Ingenieur beabsichtigt, diese Bergung durch R i c s« n t a u ch e r a I 0 ck e n zu ben.rkstelli- gen, die über die Wracks gelegt werden sollen. Die Unkosten für die Hebung dieses Goldschatzes sollen sich auf etwa zwei Millionen Peseten belaufen. Ein neues Qualitätszeichen für Glühlampen! Den Osram-Lampen vomtS- i5o DLn wlrdjet^t die Lichtleistung in Dekalumen— DLm—durch Stempelaufdruck attestien.'Verlangen Sie daher nur Osram-Lampen mit dem Q, Osram-0-Lampen, Kommunistische Schülerpropaganda Jrvei 21jährige Sextaner Prag, 17. August. Im Mai d. I. wurde bekannt, dab eine weitverzweigte kommunistische Agt« tationSorganisation an Prager Mittelschulen aufgedeckt worden sei, deren Aufgabe es war, unter der Schuljugend Propaganda für die konmnuiistische Partei z^ machen. Heute fand diese Affäre, die seinerzeit viel Lärm hervorgerufen hatte, ihr gerichtliche» Nachspiel vor dem Senat T i s e k. Die gepflogenen Untersuchungen hatten schließlich zur Erhebung der Auflage nach 88 15 und 17 de» Schutzgesetze« gegen fünf Angeklagte geführt— durchweg» Mittelschüler, Frequentanten der Realschule in der Äerstengaffe. ES handelt sich um die Beschuldigung der Anstiftung zu Anschlägen gegen die Republik und insbesondere gegen ihre Wehrmacht, begangen durch Verbreitung verschiedener Flugblätter staatsfeindlichen Inhalte». Ferner um die unerlaubte Bereinigung zu st a a t S- feindlichen Zwecken. Bon den fünf Angeklagten erschienen heute aber nur zwei auf der Anflagebank de« Kreisgerichtes, das Verfahren gegen die übrigen wurde ausgeschieden und dem Jugendgericht überwiesen, denn c» handelt sich bei diesen drei uni Minderjährige, um 16jährige Burschen, die der Judikatur deS ordentlichen Gerichte» entzogen sind und die auch weder genannt, noch näher bezeichnet werden dürfen. Sensationen bot dieser heutige Prozeß nicht, wohl aber manche interessante Einzelheiten. Da sind zunächst diese beiden Angeflagten, Ladiflav Luk- San und Ladiflav Bejol, beibeSchülerder sechsten Realschulklasse und beide LI. (!) Jahre alt. Sie kamen beide von der Realschule.in Laun und haben ihr Studium derart gründlich genommen, daß sie verschiedene Klassen mehrereniale wiederholten und e« mit 21 Jahren gerade bi» zur Absolvierung der sechsten Klaffe gebracht haben, deren Besucher normalerweise im 16. Lebensjahr stehen. Al» Hauptbeschuldigter figuriert LukSan, der die Kolporiiening verschiedener Flugblätter unter seinen Mitschülern besorgte. Die Anflage betrachtet diese Flugblätter al» staatsfeindlich und insbesondere gegen die Wehrmacht de» Staates gerichtet. Auf ihren Inhalt einzugehen, erübrigt sich. C» ist da» uralte abgedroschene Thema von den angeblichen Kriegsrüstungen gegen den Sowjetstaat«(natürlich erhalten auch die„Sozialfasetsten" darin ihr Teil) und enthalten Sätze, in denen der Staatsanwalt eine Aufforderung zur militärischen Gehorsamsverweigerung erblickt. Die tausendmal wiederholten Phrasen haben auch in dieser Zeit keine Aenderung erfahren, da die Sowjetrepublik mit den Demokratien des Westens in freundschaftliche Verbindung getreten ist. Unterzeichnet sind der„Kommunistische Jugendverband", die „Kommunistische Jugendtnternatio- n»le" und„Agitprop"(die Agitation»« und Propagandaabteilung). Die Sache kam dadurch zutage, daß auf dem Abort der Schule derartige» „Propagandamaterial" gefunden wurde. Der zweitePunktder Anklage betrifft die Bereinigung zu staattfeindlichen Zwecken, welche die Anklage in der Gründung einer„Zelle"«blickt, di« von Sudan unter seinen Mitschülern gegründet worden war und der die fünf Angeflagten angchör« ten. Bei der Verhandlung behauptete Lukßan, er kenne da» Dort„Zelle" nur seiner n a turw'.s« senschaftlichen Bedeutung nach und wisse nicht, was diese» Dort im kommunistisch-politischen Sprachgebrauch für einen Sinn habe. ES habe sich nur um zwangSlose Zusammenkünfte gehandelt, keineswegs um Gründung einer staatsfeindlichen Organisation. Wenn dem Angeklagten auch niemand glaubte, daß er nicht wisse, wa» eine„Zelle" bedeute, so hat er doch, wie au» verschiedenen Protokollen hervorgeht, ein« tiefe Unkenntnis der marxistischen Lehre bewiesen. So hat er einmal erflärt, die„Logik sei eine überwundene Denkmeth-d. und an ihre Stelle sei die Dialektikgetre« t e n(I)". Man glaubt ihm gern, wenn er erflärt, daß er„noch sehr wenig wisse". Wie in vielen ähnlichen Fällen, so stellt auch dieser Prozeß der koni- munistischen„Erziehung" durch bombastische, unverdaute Schlagworte ein blanmbleü Zeugnis aus. Der zweite Angeklagte B e j 0 l erscheint als lediglich passive Figur. Er hat Flugblätter übernommen, aber nicht weiterverbreitet, hat sich an den Sitzungen der fünfköpfigen„Zelle" beteiligt, aber keine aktive Tätigkeit entwickelt. Um sein sozialistisches Wissen ist e- nock) schlechter bestellt, al» um das Luksans. Da» Urteil erkannte beide Angeklagte für schuldig. LukSan wurde nach allen Punkten der Auflage schuldig befunden und zu steten Me» «atm fchwrrm«nd verschärften Kerker« und 1000 Ki Geldstrafe verurteilt. Ladiflav Betel wurde dagegen in einigen Punkten freigesprochen und daher nur zu 14 Tage« strengen Arreste« verurteilt» und zwar bedingtaufzweiFahre. Bei beiden wurste auf Verl«st der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt. rb. Tschechoslowakisches Kapital in Jugoslawien Der JndustrialisierungSprozeß, der in Ju- goslawicn kurz nach der Gründung des Staates im Jahre 1019 einsctzte, ist bald wieder ins Stollen geraten. Das Aufhören der Reparationsleistungen und die Wirtschaftskrise, die Jiigoslatvien mit seinem vorwiegend agrarischen Charakter hart getroffen hat, hat die Industrialisierung in den letzten.Jahre» zu beinahe völligem Stillständ gebracht. ES fehlt im Lande vor allem an Kapital. Die Erfahrungen, die ausländische Anleihebesitzer mit den Schuldnern einer ganzen Reihe fremder Staaten gemacht haben, ermuntern die Kapitalisten kaum, ihr Geld langfristig in fremden Län- dem anzulegen, wenn nicht ganz außerordentliche Sicherheitsleistungen gegeben werden. Es überrascht darum auch nicht, daß verhältnismäßig wenig tschechoslowakisches Kapital in der jugoslawischen Industrie arbeitet. Nach dem Jahresbericht der Tschechoflowakisch-jugoflawischen Handelskammer wird die kapitalmäßige Beteiligung der Lschechoflowaket in Jugoslawien auf etwa 800 Millionen Dinar, das ist etivaS mehr al» ISO Millionen Xi, geschäht. Dieses Kapital ist hauptsächlich in Zuckerfabriken, in der Textilindustrie, der chemischen Industrie und in Schuhfabriken investiert, Kleiner« Beträge sind außerdem auch in der Glas-, Michlen- und Maschinenindustrie, sowie im Hotelwesen festgelcgt. Deutscher Auhenhandel im Juli rückgängig Berlin, 15. August. Nach der soeben veröffentlichten AnßenhandelSstatistit für Juli waren die Außenhandelsumsätze im Berichtsmongt in Ein- und Ausfuhr rückgängig. Die Einfuhr war mit 363 Millionen RM wert» und mengenmäßig um etwas mehr als drei vom Hundert geringer als im Vormonat. Während der Rückgang der Fcrtigwareneinfuhr im wesentlichen eine Saisonerscheinung darstellt, ist der Rückgang dec Rohstoffeinfuhr als eine Wirkung der Eiu- fuhrüberwachungzu betrachten, die in den letzten Monaten durch die Dcviscnlagc erforderlich geworden ist. Weitaus den stärkste» Rückgang zeigt die Einfuhr von Wolle(minus 12.6 Millionen RM). Weitere erhebliche Einfuhrrück- gäuge sind bei fast allen Metallen sowie Häuten und Fellen eingetrctcn. Dem Rückgang der Rohstoff- und Fcrtigwareneinfuhr steht eine verhältnismäßig starke Z»nähme der Lebens- in i tt e l e i n f u h r(plus 17 vom Hundert) gegenüber. Wertmäßig>var die Ausfuhr um tast 17.vom Hundert geringer als im gleichen Vox- jahrsmonat. Ein Glaswerk stiilgelegt. Die Juwald-A. G. hat dem Handelsministerium die cndgiiliigc Stilllegung ihres Glaswerkes in Zlichob bei Prag angezeigt. Ein Teil der bisherigen Erzeugung dieses Betriebes soll in die Fabrik nach Wistrih bei Tcplitz-Schönan verlegt werden. Die Mehrzahl der Arbeiter'und Angestellten übersiedelt angeblich nach Teplih, während der Rest eine Abfertigung erhält. Känferflucht aus den Konsumvereinen des Dritte» Reiches. Aus dem Geschäftsbericht, den jetzt di« Spihenorganisation der völlig glcichgc- schalteten Konsumvereine in Deutschland veröffentlicht, ist zu ersehen, daß die Umsätze bei den Konsumvereinen wesentlich eingcschrumpft sind. Bei den mit der früheren Großeinkaufögcscllschaft deutscher Konsumvereine in Verbindung stehenden Genossenschaften ist der Umsatz im Jahre 1083 auf 718,8 Millionen RM argen 011,3 Millionen RM im Jahre 1932 zurückgegangen. Das entspricht einem Rückgang von nahezu 25 Prozent. Auch für die anderen Konsumgenossenschaften ergibt sich ein bedeutender Umsatzrückgang, der höher alü 20 Prozent ist. Die Arbeiter, die infolge des Terrors ihre Mitgliedschaft In ihre» früheren Genossenschaften nicht aufgeben können, antworten den Nazis demnach mit den.Käuferstreik, von dem man ivünschen möchte, daß er noch größeren Umfang annimmt. Ein Dadi lOr die sozialistische Frau VUa Iftrenßur^ Die Jicfte der Scanne Jlev KO 16.—. Zentralstelle(Ur das Blldungsweses Frag XU., Slezskd 13 „Sozialdemokrat" 18. SuHust 1834. Mr. 182 „Pjotr Antonolvitsch," sage» sie,„Sie sind ein qualifizierter Mensch, kein unreifer Junge. Stellen Sie sich doch vor: Sie Iverdcn einmal, lvcnn Sie betrunken sind, sich den Schädel an einem Pfosten cinhaucn und hi» sind Sie dann! Trinken Sie doch etlvas mähigerl Tun Sie Ihrer Familie den Gefallen!" Pjotr Antonowitsch aber hört nicht zu, so»-' dern trinkt lustig weiter und freut sich über den Genug. Endlich fand sich ein gutherziger Funktionär, der unseren Freund folgendermaßen ansprach: „Pjotr Antonolvitsch, gewöhnen Sie sich den Alkohol ab, ich rat' Ihnen gut. Versuche» Sie, anstatt zu trinken, ins Theater zu gehen. Ich bitte Sie inständig, diese Freikarte hier anzunehmen." Pjotr Antonowitsch erwiderte: „Wenn es eine Freikarte, ist, will ich's versuchen. Was kann mir schon passieren? Es kostet ja nichts." Kurz, er ließ sich Überreden. # Pjotr Antonowitsch ging also ins Theater. Es gefiel ihm gut, ja so gut, daß er sticht mehr Weggehen wollte. Die Vorstellung war längst zu Ende, aber er faß noch immer auf seinem Platz. „Weihin soll ich jetzt gehen?" sagte er. „Vielleicht die Sterne bewundern? Alle Lokale sind schon gesperrt. Verflucht, was die mir für Scherereien machen!" Nachdem er noch einige Zeit gezögert hatte, entschloß er sich schließlich zu gehen. Diesmal kam er also nüchtern nach Hause. Den nächsten Sonntag ging er wieder ins Theater und am dritten besorgte er sich sogar selbst«ine Karte. Und was glauben Sie: der Mensch wurde ein richtiger Thcaternarr, wie er bisher im ganzen Rayon nicht zu finden, war. Wenn, er nur ein Theaterprogramm erblickte, begann er schon zu zittern. Was das Trinken betrifft, so hat er es aufgegeben, wenigstens am Sonntag. Er trinkt jetzt am Samstag und das Baden hat er auf den Donnerstag verschoben. Vorigen Samstag, als er wieder einmal besoffen war, zerschlug er sich den Kopf an einem Pfosten und konnte Samstag nicht ins Theater gehen. Es war die einzige Vorstellung, die er seit Monaten ausließ. Bis zum nächsten Sonntag wird er hoffentlich wieder hergestellt sein und ins Theater gehen können. Die Kunst hat von diesem Menschen ganz Besitz ergriffen, dem Glücklichen! (Uebertragung aus dem Russischen von R. St.) PRAGER ZEITUNG Die Europameisterschafte» im Schwimmen Berbrecherjagd in ZiZkov In der Jcscniova-Gassc in ZiZkov läuteten Freitag früh in der Wohnung des Kolonial- warenhändlcrs Lchky, der sich unten in feinem Geschäft befand, drei Männer und erzählte» der Frau Lchly, die ihnen öffnete, sie seien vom Elektrizitätswerk zur Kontrolle gckonnncu. lind schon warf ihr einer der Männer Pfeffer in die Augen und begann sie zu würgen. Die Angcfallcnc schrie laut, worauf ihr Mann ihr zur Hilfe eilte. Doch den Gaunern gelang cö zu entkommen, und nun begann eine tolle Jagd, die ganz ZiZkov in Aufregung und Bewegung versetzte. Die Banditen trennten sich und flohen in verschiedener Richtung. Einem von ihnen warfen sich ztvei Männer in den Weg, doch erhielt der eine von dem Flüchtling einen so schweren Schlag, daß er taumelte, ein dritter wollte ihn festhaltcn, und cs entwickelte sich ein erbitterter Kampf, in den auch ein Polizist eingriff. Glücklichertvcise konnte man den Banditen daran hindern, seinen scharf geladenen Revolver auS der Tasche zu ziehe». Der zweite Räuber verbarg sich in einem Hause in der Rokycanstraße, sprang dort im Hof von einer Pawlatsch zur anderen. verschwand dann im Keller und konnte von der Polizei, die das Hans sofort umstellt hatte, nicht gefaßt werden. Er hatte angeblich einen, hellen Anzug an und trug eine Aktentasche. Auch der dritte Gauner ist spurlos verschwunden; die Polizei kennt jedoch seinen Namen. Der eine der drei, der gefaßt worden ist, wurde auf dem ZiZkovcr Polizeikonunisiariat einem sibarfcn Verhör unterzogen. Er gestand ein, daß sie die Absicht hatten, die Wohnung dcS Lehky auS- zurauben. Er hatte seine Kompagnons früher einmal in einer Bar kennen gelernt und traf sie zufällig vor kurzer Zeit wieder. Da er ohne Arbeit Iva» forderten sic ihn auf, sich an dem beabsichtigten Einbruch zu beteiligen. Inzwischen ist ein Heer von Detektiven aufgeboten worden, um Jagd ans die zwei entkommene» Einbrecher, die der Polizei schon gut bekannt sind, zu machen. Zum Beispiel! Irgendwo, im Zentrum der Stadt, ist eine Neunzinimcr-Wohnung zu vermieten. Eine Prachtwohnung, mit all dem Konifort, den Leute mit dik- kem Portefeuille verlangen können. Neun«roße, prächtige Zimmer, mit Zentralheizung, fließendem Hasser und natürlich einem Tag uird Nacht zu ihren ^Diensten bereiten Fahrstuhl. Es ist alles da, was schön und teuer ist. Eines fehlt natürlich, wie eö sich in einem so vornehmen Hause von selbst versteht: das Ungeziefer, das sonst in Prag in so reichlichen: Maße vorhanden ist. Just am gleichen Tag besuchte ich eine Familie in ZiZkov. Einen Mann, der mit Frau und zwei Kindern in einer kleinen engen Wohnküche haust. ES ist so schauderhaft eng in dieser„Wohnung", daß die vier Menschen buchstäblich über einander lallen. Nachts schlafen sie zu viert in dem einen muffigen Raum, tagsüber stören sie sich gegenseitig bei jeder Bewegung. Den Kindern fehlt es an Luft und LebenS- raum, dem Mann, ein zu Hause arbeitender geistiger Arbeiter, an einem ruhigen ArbeitSrainn, die arme Frau kann in diesem Tohuwobuhu niemals ordentlich sauber machen. Die prächtige Nemrzimmer-Wohnung im Zentrum der Stadt ist noch immer zu vermieten... ES gibt, wie wir an diesem Beispiel sehen, nichts Sinnvolleres als unsere Gesellschaftsordnung—l vcrcinsnadirlditcn Ortsgruppe Prag. Sonntag, *>cn 19. August, um halb 8 Uhr in öcanik. Fahrt nach P i k o w i tz. Wan- ocrinig in die Stromschnellen. Führer: Gröger.— UrlaubSberatun- a e li, Büchcrauslcihe und Anmeldungen jeden Freitag von 6 bis halb 8 Uhr in der Geschäftsstelle Prag l l.. Närodni tk. 4, 2. Stock, Telephon 48889. Wir treffen un« Sonntag, den 19. August, nm 8 Uhr früh, lvieder an der Endstation der Linie 14 in Kaierov. Bei schönem Wetter gehen wir b a- d e n, bei triibem Wetter w a n- d e r n wir nach D o l n. B r e- Z a n. Kommt zahlreich und pünktlich. Turnerinnen! Ab Montag, den 29. August, üben wir neue Tänze mit Klavierbegleitung ein. Kommt alle und verständigt die anderen! Frei Heil! Aus der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag SonntagSwanderung. Treffen 8 Uhr Endstelle der 17er und 21er in Hodkovikky. Achtung! Wir bitten alle Genossinnen und Genossen, die Kreiseigentmn in ihrer Wohnung aufbewahren, dieses bis zum 1. September im Parieiheim beim Heiniwart abzugeben. Das sind: Bücher, Zelte, Kostüme von der Kabarettaufführnng. Kappen der SIS, sonstige Wander-Ausrüstungsgegenstände usw. Sport• Spiel»Höcperpllege Sportler„werben" für Hitler Am 19. August ist in Deutschland wieder mal „Volksabstimmung". Hitler tvird zum zweitenmal innerhalb zwei Wochen zum Reichspräsidenten ge- tvählt. Zuerst hat er sich selbst ernannt und jetzt soll ihn das Volk nochmals ernennen. Auch das ist ein Rekord. Und zu diesem Rekord braucht er einige Trainer. Dazu wurden u. a. auch einige Sport- ,k a n o n e n kommandiert, die im Rundfunk nach den Methoden der Profikämpscr für die„Wahl" tuerben müssen. ES starten: Pelzer, Sievert, Stuck usw. Sie werden von der sportlichen Leistungsfähigkeit des Führers erzählen und als Beispiel den Putsch in M ü n ch e n anführen, lvo Hitler, als die Polizei kam, der beste K u r z st r e ck e n l ä u- f e r war. Leichtathlettscher Frauen-Länder« kämpf Japan—Lfchechoslowaket Auf der Rückreise von den Frauen-Weltspielen in London traten Freitag die japanischen Sportlerinnen zu einem Läuderkampf gegen die Tschecho- flolvakei auf dem Prager Belvedere-Stadion an. DaS Endergebnis lautete 48:82 Punkten für die Tschechoslowakei.. Gekämpft wurde in acht Disziplinen. in denen die Japanerinnen nur einen ersten Platz belegen konnten,^ und zwar im Speerwerfen durch Aamamoto, welche 89.49 Meter warf. Ansonsten gefielen Wanatabe, welche im Weitsprung sehr gut abschnitt, ohne freilich die Koubkovä zu erreichen, die mit 6.75 Meter einen neuen Rekord anfstellte, und die kleine Jdoda, die im 800- Mcter-Lauf die Weltrekordlerin Koubkovä nur mit einem ganz knappen Vorsprung gclvinnen ließ. Den 100-Meter-Laus gewann Krausovä in 12.7 Sek. Im Diskuswerfen belegte Tudovä mit 40.28 Nietern den ersten Platz.— Ferner fanden einige interessante Kämpfe der Männer statt. Kotratschck(DEHG.) wurde Sieger im Dreisprung mit 14.87 Metern. L. S. Die Ergebnisse sind: 60 Meter: Koubkovä 7.8 Wanatabe 7.9, Krausovä 8 Sek.— 200 Meter: Skalovä 27, Jdoda 27.6 Sek.— Diskus: Dudovä 84.28 Meter, Bodikkovä 82.28, Uamamoto 80,80 Meter.— 800 Meter: Koubkovä 2:80.6, Jdoda 2:81 Min.— 100 Meter: Krausovä 12.7, Wanatabe 12.8 Sek. Der schönste Kampf. Die Japanerin war mit der Siegerin bis zu 70 Meter gleich und erst knapp vor dem Ziel wurde sie geschlagen.— Weitsprnng: Koubkovä 5.75(Rekord), Wanatabe 5.41 Meter.— 4X100 Meter: Tschechoslowakei 50.2, Japan 51.6 Sek.— Rahmenbeweroe: Dreisprung: Kotratschck 14.87, Kudrnatsch(DEHG) 13.10 und I. Novotny(Slavia) 12.21 Meter.— 880 Uards: Rosicky(Slavia) 2:01.7 Min.— 110 Nords: Kudrnatsch 10.5 Sek. In der zlveiten Gruppe des Wasserball- Turniers wurden am Donnerstag ebenfalls di« beiden restlichen Spiele ausgetragen. Die Schiveden blieben über Spanien mit 5:8(2:1) und Frankreich über Holland mit 4:2(1:1) erfolgreich. Der Stand des Turniers der ersten Gruppe ist folgender: Ungarn.. 4 4 0 0 22:8 8 Belgien.. 4 2 0 2 11:10 4 Frankreich.. 4 2 0 2 9:11 4 Jugoslawien. 4 1 0 8 4:10 2 Holland... 4 1 0 8 7:19 2 In der zweite n Gruppe: Deutschland.. 4 4 0 0 21:8 8 Schweden... 4 2 1 1 14:10 5 Spanien... 4 2 0 2 7:11 4 Tschechoslowakei. 4 1 0 8 8:14 2 Italien....■ 4 0 1 8 4:15 1 Die Endkämpfe bestreiten die ersten zwei jeder Gruppe und die nächsten zwei jeder Gruppe kynip- fen um den 5. bis 8. Platz. Am Freitag fanden zwei Wasserballspiele statt, die einen unentschiedenen AuSgang nahmen. Die Tschechoslolvakei remisierte mit Jugoslawien 2:2 (0:2) und desgleichen Belgien mit Schweden 8:8 (2:1).— Neber 1 5 0 0 Meter Freistil tyx Männer siegte im ersten Vorlauf Taris In 20:12.5 vor den Deutschen Nüßke in 21:81.7 Min. Den zweiten Vorlauf holte sich der Italiener Costolli in 21:25.4 vor Weimvright(England) in 21:88 und Schön(Tschechoslowakei) besetzte den dritten Platz mit 22:14.5. Schön schwamm hiebei Über 1000 Meter mit 14:41 Min. einen neuen tschechoslowakischen Rekord.— lieber 1 00 Meter Rücken für Männer wurden drei Borläufe ausgetragen. Im ersten siegte Francis(England) in 1:18.4 Min.; Samanck(Tschechoslowakei) kam mit 1:17.2 Min. als Vierter ein. Der Deutsche Schtvartz gewann in 1:12.9 Min. den zweiten Vorlauf. Den letzten gewann BcSsord(England) in 1:11.6 vor den Deutschen Küpers in 1:12.1 Min.; Heising(Tschechosl.), kam in 1:15.0 auf den vierten Platz.— Den Endkampf über 1 0 0 M e t« r R ü ck e n der Frauen gewann die Holländerin Mastenbrocck in 1:20.8 vor der Deutschen Arendt in 1:20.4 Min. BoheniianS schlugen am Freitag auf eigenem Platz Ecchie Karlin 5:8(2:2). DaS Haporl-Team auS Palästina trug am Mittwoch in K r a k a u ein Spiel gegen Cracowia aus und wurde 8:1(1:1) geschlagen. Die Hapoel» Mannschaft zeigte vor der Pause ein überlegenes Spiel, konnte cs aber nicht durch Tore ansdrücken. Dir Europa-Meisterschaften im Kann und Kajak nehmen heute in O e r«s u n d bei K o p e n h a g e u ihren Anfang und werden am Sonntag beendet. Auch die Tschechoslowakei nimmt daran teil uist> ist durch eine starke Expedition vertreten. Die Meisterschaften beginnen mit der AnStragung des Kajak-Bewer- bcs über zehn Kilometer für Hcrren-Dopleel. Reue Weltrekorde im Schwimmen. Der japanische Student Ncgami verbesserte in Tokio die Weltrekorde über 800 und 1000 Meter Freistil auf 10:04.2 bzw. 12:41.8 Min. Die„Belohnung". In England ging der langjährige Sekretär des FußbaUverbandes Sir Frederik Wall in den Ruhestand. Sein Verband stattete ihm den Tank für seine geleisteten Dienste in Form eines Ehrengeschenkes von 10.000 Pfund Sterling ab. Mit dieser Ehrung war ein Fußballfreund nicht zufrieden und wollte, daß die große Blasse sich ebenfalls erkenntlich zeige. Sein sogenannter„LandeS- appell", eine Sammlung, zu der auch der„kleine Mann" beitragen sollte, war aber ein Mißerfolg. Denn es kamen ganze 80 Pfund ein. Je zehn„spendeten" der Lord Derby und Lord Lonsdale, weiter« fünf ein Lord Wakefield— und der..kleine" Mann? Der schätzte die Arbeit mit sage und schreibe fünf Pfund ein... Sir Wall hat wohl für seinen Verband viel geleistet; dem kleinen Manne bedeutete er jedoch nichts. MgdtliHt StntiigsHiiihi der Arbeiterfürsorge finden jede« Gamstag von 5—7 Uhr im Senin deutscher Arbeiter, Smekkagafse Nr. 27, statt. Gl« Wirksames Mittel Bon Michael Soschtschenko. Man sagt, daß gegen den Alkohol nichts besser wirft als die Kunst: zum Beispiel das Theater, die Musik, das Karussell. Das alles, sagt man, lenkt den Menschen vom Trinken ab. In der Tat, Bürger, nehmen wir als Beispiel nur unseren Schlosser Pjotr Antonowitsch Kolcnko- row Der Mensch richtete sich im wahrsten Sinne des Wortes zugrunde. Er lebte aber auch nicht anders als die letzte Henne, An Werktagen, nach der Arbeit, pflegte er zu fressen, was das Zeug hielt, und an den Feiertagen soff er so lange, bis er sternhagelvoll war. In diesem Zustand trieb er allerlei Unfug, fing mit jedermann Händel an und störte sogar das liebe Rindvieh in seiner Ruhe. Zu Hause kam er meist auf allen Bieren an. Selbstverständlich leistete Pjotr Antonowitsch die ganze Woche keine Kulturarbeit. Denn der Alkohol, den er am Sonntag in sich hineingoß, wirkte eine gute Woche nach. Wo hatte er so noch Kopf für die Kulturarbeit? Seine Verwandten kränkten sich sehr wegen seines Betragens. Zunächst versuchten sie ihm Angst zu machen. Mitteilungen aus dem Publikum. Unangenehme Kopfschmerze» können durch ein, faches Bestreichen von Schläfen und Stirn mit Alpa» Franzbranntwein gelindert werden. Einreibungen mit kllpa lindern auch rheumatische Schmerzen und erfrischen bei Ermüdung. Einige Tropfen Alpa in ein Glas Wasser und Sie haben ein gutes Mundwasser. 100 Ein« neue HochkeistungS-Glühlampe. Je vollkommener die zugeführte elektrische Energie in Lickit ümgewandelt wird, je höher die Lichtausbeute einer Glühlampe ist, desto wirtschaftlicher und billiger ist sie im Gebrauch. Wie auf allen Gebieten technischen Schaffens ein höherer Wirkungsgrad erstrebt wird, so ist man in der Glühlampentechnik darauf bedacht, die LichtauSbeute der Lampen zu steigern. Hervorragende Wissenschaftler haben neue Methoden erforscht, die zusammen mit technischen Fortschritten und Verbesserungen in den Herstellungsverfahren di« Schaffung einer neuen OSram-HochleistungS-Glüh- lampe ermöglicht haben. Diese neuen Osram-Lampen, die unter dem Namen„OSram-D-Lampen" in den Handel gebracht werden, geben gegenüber den bisherigen OSram-Lampen bis zu 20 Prozent mehr Licht für ein Watt. Wer seine Beleuchtungskosten wesentlich herabsehen will, verwende nur noch OSram-D-Lampen. 2677 Der Slim Eine Frau, die weiß, was sie will Mann soll den Tag nicht vor deni Abend tadeln. Aber dieser Saisoubeginn stimmt nicht hosfnungS- froh— und es ist nur zu wünschen, daß er nicht richtungtveisend fürs Kommende wird: daß die Prager Filme nicht alle so wie dieser«ine krampfhafte Nachahmung der schlechten Berliner Leinwandoperette werden, daß sie nicht alle den hier zu bemerkenden Ehrgeiz haben, das fade Tanz-Getändel, den neckischen und sentimentalen Augenanfschlag, die pikfeinen Zimmereinrichtungen im Kurfürstendamm- Geschmack, den ewigen Singsang, die, blödelnde» Scherze und das aus den Klaviertasten tönende Orchester von den Regie-Größen des Dritten Reiches zu übernehmen. ES hagelt sich bei diesem ersten„heimischen" Film der Saison um die tschechische Version eines Barrandow-Produktcs, das in trauter Uebereinstim- mnng zwischen der Prager gtlmfirma Meißner und der Berliner Filmdiktatur Goebbels entstanden ist. Die beiden haben sich darauf geeinigt, eine alte Strauß-Operette auszuplündern, die von einer Schauspielerin handelt, die um des Theaters willen Mann und Tochter verließ, und von ebendieser Tochter, die den dreisten Privatsekretär ihres Vaters heiratet. Dieses keineswegs hinreißende Geschehen wird unter der Regie des Herrn Binovec mit viel Aufwand und mit ebensoviel Umständlichkeit in Dialog und Szenenführung dargestellt,. wobei die flotte Musik des geschickten Oscar Straub sehr ungeschickt durch die einige Wiederholung des Haupt- schlagerS entwertet wird. Als Hauptdarstellerin präsentiert man Maria Krausovä, die vorläufig nichts als ihre Stimme in» Treffen führen kann. Von den anderen Mitwirketi- den ist zu berichten, daß Trude Großlicht wiederum drollig ist und daß der bisher immer schmachtende Vladimir Borsky den begrüßenswerten Versuch macht sich auf groteske Komik umzustellen. —eft— „Bluuren-Zauberdung",' das Blütenwunder Blumen an allen Fenstern! Welche Freude für den Besitzer wie für den Beschauer! Wenn Sie Ihre grünen Lieblinge kräftigen und zu reichem Blühen bringen wollen, verwenden Sie„Blumen-Zauber- dung", ein erprobtes, billige» Düngemittel, ein wahrer Wundertrank für Ihre Blumen. Jetzt müßen Sie mit dem Dungguß beginnen! Bestellen Sie sofort ein Paket bei der nachstehend angegebenen Adresse und legen Sie den Betrag von Ai 5.80 in Briefmarken bei. All« Bestellungen richten Sie an die Verwaltung»DI« Unzufriedene", Prag XII., Fochova tr. 62. Abonnements• Bestellschein. 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