14. Jahrgang Sonntag, 19. August 1934 Nr. 193 ti. Öelntckca atadömie 4*t*rals 70 Heller (•l^0tHaM«b»HellM Porto) aha IENTRALORGAN DER DEUTSCH EH SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERRKRTEI IN MR TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ■RSCHMNT MIT AUSNAHME MS MONT AO TXOUCH FRÜH. MDAKTION UND VERWALTUNG MAG xii., rOCMOVAtt. TMTOMSW. AMMNMTIONIIWOlUaN. HERAUSGEBER■ SIEGFRIED TAUS. CHEFREDAKTEUR, WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Eine Hinrichtung in Wien Der Ravag-Putschlst Domes hingerichtet Zwölf Angeklagte: Lebenslänglich— Zwei Todesurteile In Innsbruck Wien, 18. August. Da- Gericht fällte heut« nachmittags,«in 15.30 im Prozeß gegen die Ra- »ag-Putschisten das Urteil: Der Angeklagte Dome-ward«- nm'Tode durch den Strang, die iiirigt» Angeklagten zu lesmSlänglichem Kerker rerurtrilt. Das Gnadengesuch Johann Domes' «uide äligtwiesen und die Hinrichtung nach 19.30 vellzogey.. Die Urteilsbegründung tungsfrist traf vom Bundespräsidenten Rach» richt ein, das» Josef Aberger zu lebenslänglichem Kerker und Brun» Hagen zu 20 Jahren schwere» Kerker- begnadigt worden sind. Weitere Prozesse DaS Militärgericht in Graz beschäftigte sich mit der Anklage gegen die Nationalsozialisten, Fr. Fräidl und Franz Riegler, beide au- St. Anton bei Schivanberg, die an den dortigen nationalsoziali» schen Gewalttätigkeiten am 25. und 26. Juli d. I. teilgenommen hatten. Riegler wurde wegen Hochverrate- zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt. Die Angelegenheit Freidl wurde dem ordentlichen Gericht überwiesen. Vor dem Militärgericht in Wien wird Dienstag der Prozeh gegen die 22 burgenländischen na- tioiiqlsozialistischen Putschisten an- Jennersdorf u^d Umgebung beginnen. Der Prozeh dürfte fünf Tage dauern. Gestern wurden dun Militärgericht in Wien lveiter- 187 Teilnehmer des nationalsozialistischen Putsche- vom 25. Juli eingeliesert, die sich bisher in Polizeihaft befunden, hatten. Da- Oberste Gericht hat in den letzten Tage« einige freifprechende Urteile gegen nationalsozialistische Putschisten und Terroristen. aufgkhoben. In der Begründung des UrteileS des Mili- tärgerichtShofeS führte der Berhandlungsleiter aus: Was die Beteiligung der einzelnen Beschuldigten an dem Ueberfall auf die Ravag betrifft, so war Johann D o m e S Truppführer der Standarte 8V. Er hatte, den Auftrag, die falsche Nachricht durch die Ravag zu verlautbaren und drang als erster ein. Die übrigen Terroristen haben sich seiner Reihe von Tathandlungen gegen das Gesetz Unschulden kommen lassen. Das Beweisverfahren hat bei dem Angeklagten Franz Paul zu fol» gcndcn Feststellungen geführt:. Für' die. Täterschaft des Paul im Sinne der Anklage auf ver« suchten uiid vollbrachten Mord spricht der Um« stand, daß nach den Angaben des Angeklagten Müller dieser mit Paul die Aufgabe hätte, den Heimwchrposten zu überwältigen. Die Behauptung des Zeugen Kauf, daß nur Paul der Täter sein kann, kann leicht auf einem Irrtum beruhen, umsomehr, weil der Zeuge in großer Aufregung sich befand. Unter diesen Umständen war ein sicherer Beweis dafür, daß Paul den Schuß gegen den Schutzkorpsmann abgegeben hat, nicht zu erbringen. Gegen Domes als Rädelsführer mußte im Sinne des Gesetzes auf Todesstrafe erkannt werden. Im Vergleich zu ihm war die Tätigkeit aller übrigen Beschuldigten eine entfernte. Da das ganze Unternehmen ein besonders gefährliches war, mutzten alle mit schwerster Strafe belegt Werden. Zwei Begnadigungen Innsbrucker Gericht füllt zwei ’ Todesurteile Innsbruck, 18. August. Bor dem Schnellgerichte in Innsbruck wurde heute nachmittag nach Stägiger Berhandung der Prozeß gegen 20 Rationalsozialisten aus Zell am Ser sowie ans Saalfeld m«d Umgebung beendet, die beschuldigt waren, aus Bayern nach Oesterreich in -roste» Mengen Waffen und Explostonsstofse geschmuggelt zu haben. Der Führer der Grnppe, bei deren Mitgliedern». a. einige hundert Handgm- noten entdeckt wurden, ist der Elektrotechniker Josef Aberger. Sein Hauptmitärbeiter war der Tischlergrhilfe Bruno Hagen, beide aus Saal- seid. Rach durchgeführter Berhandung wurde das Brrfahrm grgen 18 Angeklagt« an rin ordentliche- Gericht verwiesen. Die' zwei, Ha»pt angeklagten Josef Aberger und Bruno Hagen wurden um 15 Uhr 29 zum Tode durch den Strang verurteilt. Die..Verteidiger richteten sofort telepho- .'. nisch Gnadengesuche an den Bundespräsidenten. Eine halbe Stunde vor Ablauf der, Hinrich- Militärpakt Italien-Oesterreich? Schuschnigg bei den italienischen Manövem Pari-, 18. August. Der heutige„Paris Soir" veröffentlicht ein Schreiben seines römischen Berichterstatters über den Besuch des Bundeskanzlers Schuschnigg, der den bisherigen Dispositionen zufolge mit Mussolini am 21. August Zusammentreffen soll. Nach Ansicht des Berichterstatters hat der italienische Ministerpräsident dieses Datum auch^deshalb gewählt, weil in die-, sen Tagen Italien vor dem Auslande seine mik- tärische Stärke zeigen wird. An den Manöverm werden nämlich zum ersten Male auch eine französische Militärmission, sowie eine polnische und eine sowjetrussische Militärmission teilnehmen. Deutschland scheint eine Einladung abgclchnt zu haben. Der italienische Ministerpräsident wird während der fünf Tage, die die Manöver dauern, wie gewöhnlich in engstem Kontakt mit den Truppen bleiben. Trotzdem wird ab 21. August Zeit für die Verhandlungen mit dem Bundeskanzler Schuschnigg finden, weil Italien schon längere Zeit einen Plan vorbereitc, über den es vor allem mit Oesterreich als dem' nm meisten interessierten Staate verhandeln will. Es ist noch nicht bekannt, ob es sich um eine Erweiterung des PaUcS vom 17. März oder um eine bilaterale Militärkonvention handle. Da es sich in diesen Fällen um eine Gleichschaltung der österreichischen und der italienischen Politik Händeln würde, wäre nach der Ansicht des Berichterstatters eine Beteiligung Frankreichs und Englands wenig- stenS in Form einer Garantie erwünscht,, damit Prag und vor allem Belgrad befriedigt werden. , Wien, 18. August. Zu der Zusammenkunft bemerkt daS„Neue Wiener Abendblatt", daß die italienische Regierung den Entwurf einer inter- nationtlen Alliance oder eines Paktes vorbereite, der die Unabhängigkeit Oesterreichs und vielleicht auch seine Neutralität garantieren würde. Bei der Zusammenkunft in Florenz werde dieser Vorschlag geprüft werden. Gleichzeitig werde Italien auch mit den Großmächten und mit der Kleinen Entente über die Angelegenheit verhandeln. Mandschukuo trumpft auf S h a n g h a i, 18. August. Rach einer Meldung auS Eharbin äußerte sich der Vertreter des Außenministeriums von Mandschukuo zu den Zwischenfällen an der Ostchinabahn und an der Grenze. Fall- die bisherigen Grenzzwischen fälle, so sagte er, wie die Beschießung von vier Dampfern auf dem Amur durch die Rusten und da- Neberfliegen Suifenho» durch russische Flieger nicht zufriedenstellend beigelegt würde», bestehe kein«Möglichkeit für eine Behandlung künftiger Zwischenfälle an der mandschurisch-sowjetruffischen Grenze auf dipko- matischemWegr. Außerdem seien dann Verhandlungen mit sowjetruffischen Konsulatsstellen über irgendwelche Fragen einschließlich der letzten Verhaftungen russischer Angestellter der Ostchinabahn unmöglich/ Liese Auslassung drS Vertreters MandschukuoS bedeutet eine Verschärfung der sowjetruffisch-mandschurischen Beziehungen, da die Moskauer Regierung die mandschurischen Protest« abgrlehnt hat mit der Begründung, die ihnen-«gründe, gelegten Tatsachen seien unglaubwürdig. In Deutschland verhaftet^ Zwei Teplltzer Jugendliche vereint Teplitz»Schönan, 18. August.•. Seit Mittwoch sind Helmut Mörl auS Graupe» und Karl B r u ch aus Mariaschein, der einr 18» der »adere 20 Jahre.alt, verschwunden.. Sie.wurden, zuletzt in Zinnwald gesehen und man befürchtet,! >»ß sie jenseits der Grenze inhaftiert wurden, zn- Ytal M ö r l häufig sozialistisch«Li t e r a- t trr bei sich trug. Die Gendarmerie hat die Rach- stMimge» ausgenommen, ohne bisher über de« Verbleib der jungen Männer Sicheres feststrllen »t können. I Die Verhandlungen über eie ostchinesische Eisenbahn Moskau, 18. August.(Täß) Die sowjetrussische Rachrichtenangentur veröffentlicht einen Bericht, in dem es Heißt: Angesichts der Abreise der mandschurischen Delegation aus Tokio zu den Verhandlungen über die ostchinesische Eisenbahn veröffentlicht die Regierung MandschukuoS eine Erklärung,, in der? versucht wird; die Verantwortung für.die faktische.Unterbrechung der Verhandlungen auf die.USSR abzuwälzen.. Die sowjetrussische Nachrichtenagentur wandte, sich daher an kompetente Organe um Aufklärung des Sachverhqltes, und. kann folgendes.berichtens Während die Sowjetunion im Verlaufe der'Vör-' Handlungen.ihre Forderungen, von 250 Millionen! Goldrubeln(gleich'625 Millionen Jen) auf 160; Millionen Jen oder etwa 56 Millionen Goldru- bel ermäßigte, erhöhte.'die' japanisch-mandschurische Seite ihr Angebot von‘ 50 Millionen aufj 120 Millionen Jen. Daraus geht klar hexvor, daß die Sowjetunion ein Höchstmaß an gutem Rillen und anNächgiebigkeit zeigte, um zur Sicherung des Frieden im Fernen Osten beizutra- gen.Nichtsdestoweuiger lehnte die japanisch-mand schurische Seite auch den letzten, ein weites Entgegenkommen enthaltenden Vorschlag der Sowjetregierung fast ultimativ ab und die mandschurische Delegation trachtete sogar, Tokio möglichst demonstrativ zu verlassen. Japan spielt den Ankläger Loki», 18. August.(Reuter.) Ein vom japanischen. Kriegsministerium veröffentlichter amtlicher Bericht führt 13 angebliche Zwischenfälle an, die. sich, an der Oststrecke der Ostchinesichen Eisenbahn in der Zeit vom April bis Juni heurigen Jahres ereignet haben, und rechtfertigt die Verhaftung von 17 sowjetruffischen Angestellten dieser.Bahn. In dem amtlichen Bericht wird hervör- gehöben, daß eö sich' in.allen angeführten Fällen um versuchte. Anschläge auf j ä p a n i s ch e T r u p p e n- und M?u nitionstrans- porte Handelte, und. di»'Sowjetarmee im Fer- nen Osten beschuldigt,'in diesem Hinne den sowjetrussischen Angestellten der Ostchinabahn, die.die. Banditenbanden leiteten,Weisungen, erteilt zu haben. Ein« amtliche Nachricht des japanischen Außenministeriums erklärtdie Gerüchte fiir falsch, daß die japanische Armee bestrebt sei, sich der Ostchinabahn mit Gewalt zu bemächtigen. Dlc.Velksabsflniimmg* Das Geheimnis des Massenterrors Wenn die Zentralwahlbchorde und das Propagandaministerium nicht sehr genau achl- geben, dann kann es passieren, daß von den 65 Millionen Deutschen, die es einschließlich der Neugeborenen und Säuglinge im Dritten Reich gibt, 80 Millionen Ja-Stimmen für Adojs Hitler abgegeben werden. Denn bei der Art Volksabstimmung, wie sie das nationalsozialistische Deutschland eingeführt hat,— man fragt sich dabei, ob„v o l k s a b st i m m e n" viel- leicht ein Zeitwort sei, bei dem das Volk die passive Rolle spielt, abgestimmt zu werden— bei dieser Kraftprobe des MassenterrorS besteht nicht wie bei anderen Wahlen die Gefahr, daß die Regierung zu wenig Stimmen erhalten könnte, sondern einzig die, sie könnte zuviel bekam- men und das Manöver könnte durch das glän- zende Ergebnis allzu deutlich enthüllt werden. So ist es ja schon am 6. März 1933 vorgekom- men, daß in einzelnen ostelbischen Gebieten, vor allem in Pommern, Mecklenburg und Nieder- schlesien, die Wahlbeteiligung mehr als 100 Pro- zent betrug. Eine grobschlächtige Betrachtung stellt sich den Terror bei einer Wahl so vor, wie er wohl gelegentlich auch heute noch in Balkanstaaten geübt wird und wie er einstmals in Ungarn oder Galizien gebräuchlich war. Man glaubt, das; Stimmzettel gefälscht, Urnen gewaltsani ent- leert werden, daß Tote wählen und dergleichen. An so veraltete Methoden hält sich das Dritte Reich im großen nicht. Sie wären zu umständ- lief). Der Terror in Deutschland wirkt vorwie- gend durch die Stimmungsmache, die eine P a- nik der Massen erzeugt. Wer es nicht wüßte und wem die Angst vor deni Konzentrationslager nicht in den Gliedern läge, der hätte es in den letzten zivei Wochen unmöglich überhören können, da eö ja täglich dutzendeniale in den Aether geschrien» gedruckt und nachgedruckt wurde, daß die Abgabe der Stimme, und zwar der Ja-Stimme für Adolf Hitler eine nationale Pflicht sei, daß jeder, der sie verweigert, sich aus der Volksgemeinschaft ausschließt und mit der Strafe zu rechnen hat, die im Dritten Reich auf Volköverrat steht. Nun muß man sich vergegen- wärtigen, daß solches in einem Lande publik gemacht wird, in dem seit dem März 1933 rund 150.000 Menschen dje Hölle der Konzentrations- lager ausgekostot, aber mindestens 15 Millionen Menschen dauernd gefürchtet haben, noch dran- zukommen. DaS geschieht in einem Lande, in dem nicht nur Tausende Marxisten zu Tode geprügelt, Tausende Juden an den öffentlichen Pranger gestellt, Zehntausende Menschen ihrer Existenz und darüber hinaus ihrer Rechtsan. spräche, ihrer Pensionen, ihrer Ersparnisse be- raubt, wo Tausenden die Wohnungen geplündert, die Habseligkeiten gestohlen, die Bücher- schränke mit Jauche besudelt wurden, in dem auch am 30. Juni ohne Rechtsspruch und Begründung Hunderte Würdenträger des Herr- schenken Regimes, Machthaber des terroristischen Apparates selbst, dazu hochgestellte Männer der besitzenden Klasse und ein Mann, der vor anderthalb Fahren noch Reichskanzler war, von Mord- staffeln in ihren Wohnungen und Büros niedergemacht wurden. In diesem Lande atmet kein Mensch, ob er rechts oder links steht,, ob er terrorisiert wird oder, selbst mordet, ob er Minister oder ein ent- lässener marxistischer Arbeiter ist, auch nur einen Hauch Luft der Freiheit. In diesem Lande herrscht die erstickende verpestete Atmosphäre der Angst, eine nur zu wohl begründete Hysterie. Es genügt ein G o r ü ch t über die Bespitzelung der Stimmabgabe, um Zehntausende unter stärkeren Terror zu setzen, als er im ungarischm Dorf herrschen mag, wo der Gendarm dabeisteht, wenn der Landarbeiter fiir oder gegen seinen Grundherrn und Dienstgeber öffentlich stimmen Seite 2 Sonntag, 19. August 1934 Stet 198 soll. ES genügt, dch''meinem Wahllokal der SA-Mann sich zruAlrne stellt, daß in einem Lokal Deckcnspicgef den Wahlvorgang tieofadj- fett lassen, daß an einer Stelle da- Gerücht auffliegt, die Wahlzettcl seien mit chemischer Tinte kenntlich gemacht. Da- Gerücht, ob begründet oder nicht, verbreitet sich in Stunden über Tausende Quadratkilometer und seht das Land unter Druck. ES wird auch Sonntag Menschen geben— vielleicht drei Millionen wie im Vorjahr, vielleicht angesichts des stärkeren Drucks nur 300.000— die cs wagen werden, für ihre Gesinnung das Leben cinzusehen, für die Abgabe einer Neinstiinme oder fiir das Fern- bleibe» von der Wahl ihre Knochen, die Existenz ihrer Kinder, ihrer Eltern, die Ehre ihrer Frauen aufs Spiel zu sehen. Aber die große Masse handelt in der p a n i s ch e n A n g st, in der Hypnose, die der raffinierte Masses, terror des Nationalsozialismus über das Land, über ein Volk von 65 Millionen Menschen ver- hängt hat. Ein seelischer Druck läßt sich schwer in mechanischen Größen ausdrücke», aber inan kann wohl behaupte», daß selbst dann, wenn der deutsche FascismuL bei der heutigen Wahl keinen Finger rühren würde, um praktisch jeman- den zu terrorisieren, mindestens 15 Millionen ihre Stimmen im Gefiihl der nackten To- d e s a n g st abgeben würden. Diese Abstimmung ist als„W a h l" s i n n- l o s. Die offiziellen Stellen haben ja erklärt, daß Hitler Reichsführer sei und selbswerständlich die Zustimmung des deutschen Volkes nicht brauche. Das Volk genieße lediglich die Ehre, seinen Beifall ausdrücken zu dürfen. Die kost- spielige Beifallskundgebung wird auch nicht nur wegen des außenpolitischen Effektes veranstal- tet. Wenn auch Neurath versichert, man müsse für Hitler stimnien, uni den Kampf gegen Ver- saillcs zu führen(während Hitler eben noch be- schworen hat, er führe eigentlich keinen Kampf gegen Versailles), so darf man nicht vergessen, daß sich seit dem März 1933 manches geändert hat und daß noch so große Stimmenzahlen den Engländern und Franzosen nicht mehr imponieren, eben weil sic gar so groß sind. Das Regime braucht das Theater viel mehr aus innerpolitischen Gründen. Es gehört zu dem Geheininis des Massentcrrors, daß seine Wirksamkeit sich von Zeit zu Zeit erproben und sichtbar bestätigen muß. Die Diktatur braucht wie das tägliche Brot den Beweis, nicht etwa, daß 40 Millionen sie bejahen und lieben— das glaubt nicht einmal Hitler selbst:—, sondern daß 40 Millionen vorihrzittern, noch zittern. Darum hat die Diktatur, deren Wortführer einst nicht laut genug und nicht oft genug über den Unsinn, die Kostspieligkeit und die Gefährlichkeit der Wah- len und Abstimmungen reden und höhnen kann- ten, das System der Wahlen zu einen: völlig sinnlosen, überflüssigen und nur noch kostspieligen Apparat ausgebaut, den man alle Jahre wenigstens einmal in Betrieb setzt, obschon man mit ihm keinerlei praktischen Effekt erzielt, obwohl daS Ergebnis der Wahl zugegebener, maßen vorher feststeht, kein Gegner da ist und keine Konseguenz aus der Wahl gezogen wird. 28 /y. FRITZ ROSENFELD: (focjuita EIN BOMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAQ Ihr Schwert bekam wieder Blut zu trinken, Schafe drehten sich des abends über den Feuern, Felle schleppten sie herbei, und als sie wciterzogen, brannten die Zelte hinter ihnen, jammerten die Hirten. Da stiegen sie wieder auf ihre Pferde, da hörten sie wieder den Gong, da ivcbrcn wieder ihre Mäntel, da waren sic wieder Ala Eddins unüberwindliches Heer. Die Türmer von Kaschgar sahen die wehenden Mäntel am Horizont. Sie stießen ins Horn. Sie schrieen cs in die schlafende Stadt hinunter: Die Assassinen, die Assassinen kommen! Die Bürger rieben sich die Augen. Hell stand die Sonne draußen. Gute Botschaft brachte dieser Morgen! Wer Waffen tragen konnte, eilte zu den Mauern. Die Tore tvurdcn verrammelt, die Zinnen besetzt. Die Weiber durchsuchten den Hausrat, luden das Wertvollste auf die Rücken der Esel und Kamele. Bereit zur Flucht, wenn die Stadt in Brand geriet. Klein war Kaschgar zu dieser Zeit. Nur dir Mauern waren aus Stein, die Häuser aus Holz. Gut brannten die trockenen Balken, krachend stürzten sie ein und begruben unter sich, was lebte. Draußen wuchs die Wolke aus Staub, in der die Assassinen ritten. Nun sahen sie Kaschgar, aber sie sahen eS nicht: sie sahen den Garten und hörten den Gong. Durch diese Stadt ging die Straße zu dem goldenen Tor. Fegt diese Stadt vom Boden und der Weg ist frei! Tula hielt die Fahne“c goldene Sichel, die die MenÄen Tula hielt das Schwert, daS Papin In Wien „Jeden Abend seh’ Ich nach, ob nicht doch der Goerlng drunter stecktl M Die Volksabstimmung wird durch das groß- artigste System des Massenterrors produziert, das die Geschichte kennt. Mer so sonderbar es klingt, sie selbst dient wieder dazu, dieses System zu stärken und zu erhallen. Sie gehört zum Terror, wie dieser zum FascismuS. Sie wird dem Führer eines bestätigen: daß man ihn furch- et, aber eben das ist ja die einzige Grundlage einer Führcrstellung. Der Altersaufbau der Bevölkerung und feine wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen Die Statistik, als trocken und unverlaßlich verschrien, vermag doch bei richtiger Verwendung ehr wichtige Zusammenhänge zu zeigen und Erklärungen für Crscheinmlgen zu liefern, die sonst unverständlich wären. Die Veröffentlichungen des statistischen Staatsamtes und insbesondere seine letzte große Arbeit, die Volkszählung aus dem Jahre 1930, deren Ergebnisse nach und nach ver- üfsentlicht werden, sind eine Fundgrube wirtschaftlicher und sozialer Erkenntnisse. Da ist z. B. die Untersuchung über den Altersaufbau der tschechoslowakischen Bevölkerung. So Ivie in den meisten europäischen Staaten erfuhr die.Altettjstruktur der^Sevölkxrung m, der Nachkriegszeit'eine große Veränderung, und zwar in zwei Richtungen. Da ist einmal verstärke Geburtenrückgang in den Jahren 1915 bis 1918. Auf dem Gebiet der Tschechoslowakei, wurden, in, dieser Zeit etwa 800.000 Kinder weniger als unter normalen Umständen geboren. Dieser Geburtenausfall äußert sich in einer Schwächung der jüngsten Jahrgänge, also der Kinder von zwei bis fünf Jahren. Es ist üblich, den Altersaufbau, der Bevölkerung in Form einer Pyramide darzustellen. Die breite untere Fläche stellt die Jüngsten dar und die fortschreitende Verjüngung der Pyramide zeigt die— zahlenmäßig schwächeren— älteren Jahrgänge. Bei einer solchen Pyramide sehen wir einen tiefen Einschnitt, hervorgerufen durch die schwachen Kriegsjahrgänge. Im Jahre 1920 waren das die Altersgruppen 0 bis 4, im Jahre 1930 die von 10 bis 14. Die große soziale Bedeutung dieser Erscheinung ist klar. Unter normalen Verhältnissen würden elf Prozent der Bevölkerung heute daö Alter erreichen, in dem sie die Schule verlassen und Arbeit suchen. In Wirklichkeit sind cs nur 0.4 Prozent. Wer die materiellen Schwierigkeiten und seelischen Nöte kennt, die in der Krise auf den jungen Menschen warten, Ivenn er auf den Arbeitsmarkt tritt, kann ermessen, daß die Lage katastrophal wäre, wenn die Zahl der 14- bis 18jährigen heute fast doppelt so groß wäre. In anderer Richtung wurde die AlterSstruk- tur beeinflußt durch den Geburtenrückgang in der Nachkriegszeit, ein Phänomen, von Ernst Kahn in seinem„Internationalen Geburtenstreif eingehend untersucht und von verschiedenen Jdeenttch- tungen verschieden gewettet. Die Folge des Ge« buttenrückgangeS ist, daß die. Alterspyramide auf- gchört hat, eine wirkliche Pyramide zu sein. Ihre Basis hat sich verengt, ihre breiteste Stelle verschiebt sich immer mehr, in die Mitte, eine Folge dessen, daß die jüngsten Jahrgänge nicht mehr die zahlreichsten sind wie vor dem Kriege. Hand in Ha>w damit geht eine verhältnismäßige Ueber- alterung des Volkes. Der Anteil von Personen Uber 60 Jähre wird immer größer. Im Jahre 1910 waren nur 8.7 Prozent SO Jahre alt oder darüber, im Jahre 1930 sind es bereits 10.4 Prozent, also mehr<üs ein Zehntel der Bevölkerung. Dieses Altern des BolkSkörpers kann nicht ohne psychologische und soziologische Folgen sein. Die im Vorhergehenden besprochenen Veränderungen des Altersaufbaues haben ckbcr naturgemäß auch volkswirtschaftliche Auswirkungen. Für statistische Zwecke wird die Bevölkerung in zwei Gruppen eingeteilt: in eine im produftivcn und in eine zweite im unproduktiven Mer stehende. Die zweite setzt sich aus den Jugendlichen bis zum.15. und den Alten über 50 Jahre zusammen. Die erste, produktive, war von 1870 bis 1910 stabil gewesen und betrug 50.3 Prozent. Seit dem Kriege ist sie im Anwachsen begriffen und betrug 1930 bereits 03.4 Prozent. Im Zeitalter der Rationalisierung, die nicht durch entsprechende Arbeitszeitverkürzung und Kaufkrafterhöhung un- Schwert Ala Eddins, des Propheten, der eine ungetreue Stadt strafte für ihre Lästerung und ihren Ungehorsam. Am Tore von Kaschgar, im dritten Haus, kroch ein Mädchen mtt schwarzem Haar scheu in den Winkel. Säcke schichtete es auf. einen Tisch schleppte es vor seinem Versteck. Und dachte nicht an den Brand, der über das Haus fallen, an den Rauch, der in den letzten Winkel dringen konnte. Die Assassinen ordneten sich. Sie hörten den Gong, sie sahen die Mädchen. Auf den Garten ritten sie zu, die Weichen ihrer Pferde bluteten, kraftlos waren sie und auSgedörrt, aber sie sahen den Garten. Blut rann von den Weichen ihrer Pferde, das Blut regierte diese Stunde. Durch die Adern der Assassinen schoß es wild. Die Brunnen des Garten würden es kühlen, dieses brennende Blut, In großem Kreis umjagten sie die Stadt. Die Bogen gespannt, die Lanzen bereit. Pfeile regneten nieder auf sie, zerstoben, bohrten sich in den Boden. Traf ein Pfeil den Arm eines Assassinen, war ein wütend gegen die Mauer geschnellter Pfeil die Antwort, Er durchbohrte eine Kehle, ein Mann stürzte von der Mauer. Die Assassinen zielten besser! Dreimal, viermal, achtmal umkreisten sie die Stadt. Ihre wehenden Mäntel sollten die Bürger von Kaschgar in Schrecken versetzen. Zitterten ihre Hände, war der Hieb des Schwertes schwach, trafen die Pfeile den Sand. So ritten Dämonen um die Städte, die sie zerstören wollten. Endlich gab Tula das Zeichen zum. Stillstand. Die Haufen ordneten sich, die Schilde wurden eng aneinandergeschoben, daß sie einen einzigen großen Panzer hildeten, und nun ging die erste Reihe vor. Die zweite dahinter spannte die Bogen. Die dritte dahinter hatte die Lanzen be- •••‘t Die oierte dahinter entblößte die Schwerter. So rückten sie vor, nicht Menschen,, ein, unwiderstehliches wildes Tier mit ehernem Schuppenpanzer und tausend Stacheln. Die Schilde über den Köpfen, alle Sehnen gespannt, die Blicke starr auf Kaschgar gerichtet, so rückten sie vor» die Assassinen, Ala Eddins unbesiegbares Heer. Steine sausten nieder auf sie, ein Regen großer und kleiner Steine. Sie prasselten auf Helme und Schilde. Aber die Pfeile der Assassinen waren sicherer gezielt als die polternden Steine, und so fiel einer der Verteidiger nach dem andern von der Zinne herab. Die Reihe der Assassinen lichtete sich nicht; traf einen ein Wurf, sprang ein anderer ein. Troff dem einen Blut aus der rechten Hand, hielt er mit der linken den Schild über den Gefährten. Brach einer ins Knie, mit durchschossenem Bein, zog er Pfeile aus dem Boden. Blieb einer liegen, wand sich einer in Schmerzen, die Reihe der Assassinen ging hinweg über ihn. Tula, rief, Amur rief, Qmak rief. Tausend Kehlen nahmen ihren Rus auf. Trommeln rollten hinter der Schar, und in dieser Stunde waren sie wie der große Gong. Näher und näher schob sich die eherne Reihe der-Schilde an Kaschgar heran. Nicht Pfeil noch Stein konnten Lücken reißen in dieses stählerne Dach, das mit tausend Beinen unaufhaltsam vor« wärtskroch. Auf das Tor zu drängte Tula seine Schar. Einen Verteidiger nach dem andern räumten die Bogenschützen von der Mauer. Weiber standen schon auf den Zinnen, Weiberkreischen war das Echo der Affaffinenpfeile. Dann war das Tor frei. Die Assassinen sprangen auf die Schilde, auf der Schulter des einen kletterte der andere hoch, wie Gaukler auf den Märkten. Der erste stürzte, raffelle zv Boden, der zweite schrie auf, einen Pfeil in der Brust, ein dritter sprang an seine Stelle, ein vierter. Der achte gelangte in die Stadt, stieß das Tor auf und der Sttom der Assassinen wälzte sich zwischen die Häuser von Kaschgar. Durch alle Sttaßen gellte eS: Die Assassinen, die Assassinnenl Waffen fielen zu Boden, über die Gefallenen sprangen die Männer und Frauey von Saaser Hakenkreuzler verhaftet Saaz, 18. August. In der Nacht auf 4>on- nerstag wurde auf einem Baum im Garten der Saazer staeülichen Lehrerbildungsanstalt ein Ha- kcnkreuzwimpel angebracht. Als Täter konnte jetzt von der Gendarmette der 21jährige Schuhmachergehilfe Franz Tur sch aus Saaz verhaftet werden. Die Hakenkreuzfahne stammt von der ehemaligen Saazer nationalsozialistischen Jugendorganisation. T u r s ch wurde dem Kreisgerichte in Brüx eingeliefett. schädlich gemacht wird, bedeutet das wettere „Ueberproduktion". Es ist geradezu tragisch, daß das Maximum der Produktionskapazität in einer Krisenzeit erreicht wird. Aber die Statistik hat auch Erfreuliches zu berichten. Bisher waren die Frauen zahlreicher als die Männer. Seit dem Jähre 1920 ist eine Umkehr diese- Verhältnisses festzustellen und im Jahre 1930 häben bereits die ersten 24 Jahrgänge einen Ueberschuß von Männern. Die Aussichten der Frauen auf eine Ehe sind also im Ansteigen. Die Grüiche sinh in dem fast, vollständigen Aufhören der Auswanderung von Männern nach Uebersee und der Verminderung der Säuglingssterblichkeit, die vor allem Knaben ettaßt, zu suchen. O. F. DaS doppelte Gesicht der„Bohemia" ist fest dem Hitlerumsturz so zur Selbstverständlichkeit geworden, daß man in die eine Hälfte nicht blicken kann, ohne an die andere zu denken. So erklärt sich auch die Tatsache, daß wir kürzlich ttnem Irrtum unterlegen sind, indem wir einmal zwtt Ausgaben der«Bohemia" miteinander verwechselten. Wir stellen nun ohne weiteres fest, daß die„Bohemia" ihre Meldung„Bayreuth ohne AuSländer" auch in ihrer nach Deutschland gehenden AuSgwbe enthielt— wobei wir aber wiederum kaum damtt rechnen dürfen, daß die„Bohemia" ihren Vorwurf der bewußten Lüge gegen uns zurückziehen wird. Im übttgen dürste jedermann unser Irrtum eben gerade als charakteristischfürdie„Bohemia" erscheinen: unser Jrttum ist eine Ausnahme, die die Regel bestätigt. Die„Bohemia" hat neunundneunzigmal den Beweis erbracht, daß sie eben Herrn Hitlers„Bohemia" ist. Ein Irrtum zum hundertsten Male wird leider daran nichts ändern; morgen schon wird, nein muß sich die„Bohemia" wiederum auf Wegen entdecken lassen, über die ein Irrtum unmöglich ist„Wex sich, Darüber...durch, den., rüdey Ton, den dieses Blatt gerade gestern wieder gegen uns anschlug, täuschen läßt, dem ist nicht zu Helsen. Ein Buch deS Abgeordneten PeterS verboten. Das Pressegericht in Eger hat daS 1928 erschienene Buch deS Abgeordneten Dr. Gustav PeterS „Der neue Herr von Böhmen" auf Grund des Paragraph 14 des Schutzgesetzes beschlagnahmt. „Rärodni Lisch" konfiSziett. Die SamStag- ausgabe des nationaldemokratischen Hauptorgans ist an mehreren Stellen beschlagnahmt und zwar wegen eines Artikels des Vorsitzenden der nationaldemokratischen Landwirte Miller und wegen eines Berichtes über den Aufenthalt der russischen Flieger in Prag. Kaschgar, Ballen rafften sie auf, Körbe, Krüge, stießen zur Seite, wer ihnen in den Weg trat, kannten nur ein Ziel: daS andere Tor! Das andere Tor ging auf, hie Wagen jagten hinaus, die Weiber hieben auf die Pferde ein, Kamele stürzten, wurden hochgezertt, Esel verrannten sich, wurden umgestoßen, Pferde bäumten sich, schrien, als wüßten sie, waS geschah. Die Schar AmurS aber jagte zu dem zweiten Tor. Kaum waren ein paar W«men, ein paar Tragtiere hundert Schritte weit gekommen, als AmurS Horde sie überfiel und niedermetzelte. Zwischen Sonne und Erde wurden sie aufgerieben wie Staub. Auf nacktem Boden starben sie, Mensch uyd Tier. Das Affassinenschwert hielt Ernte. Die Qual von vielen glutheißen Tagen, den Frost der Nächte, den Hunger und den versengenden Durst, die Assassinen rächten sich an den Schädeln der Männer und Frauen von Kaschgar. Da sprengte Tula durch die Scharen, die Fahne in der Hand. Die. Männer erschlagen, schrie er, die Weiber verschonen! Weiß leuchtete da» Pferd TulaS ip all dem Blut, hell klang seine Stimme in all der Verzweiflung. Ueber. Kaschgar.stieg Rauch auf. Balken krachten. Aus den letzten Winkeln kitzelte der Qualm die Menschen. * O»min suchte da» dritte Hau», verkohltes Holz lag vor der Tür. Rauch schlug ihm ent« gegen. Zwei Reiter rief er, drang mit ihnen* in den Raum. Unter Säcken, unter einem brennenden Tisch, lag da» Mädchen. Schwarz wie Ebenholz. An seiye Brüst griff OSmifl, der Beutel war da, der dicke Beutel voll Goll». Ein Pferd nahm QSmist und jagte in die Steppe hinaus.. .Niemand hat ihn mehr seit dieser Stunde gesehen. Ma» wähnte ihn unter den Toten der Schlacht und gedachte seiner ist Ehren. (Fortsetzung folgt.) «r. 1K3 Sette L Sonntag,-IS. LNgnsi 1834 l.ebt Losvns nock? Der Lsllon über Oesterreich Vie Nieser melden sich nicht Auf einem Frrflug, der in den späten Nachtstunden zu den grössten Besorgnissen Anlass gibt, berührte dar Stratosphärenballon Cosyns' im Laufe de« gestrigen Tage« fast alle mitteleuropäischen Staaten. Auf eine Anfrage in Budapest wurde mttgetrilt, daß man.nur vermuten könne, der Ballon sei in der Richtung nach Bulgarien abgetrieben worden. Der Anteil der Polizei am Putsch vom 2b. Juli. Wien» 18. August. In der.HteichSpost" schreibt der Generalinspektor und Vizepräsident der Polizei Dr. S I u b l über die Teilnahme der Polizisten an den Ereignissen vom Lb. Juli und verweist u. a. darauf, daß bisher vor den Richtern neun Polizisten gestrmden find, der zehnte hat Selbstmord verübt. In diesen Tagen standen zwei weitere Polizisten mit anderen Ravag-Putschisten vor dem Militärgericht. Außerdem wurde Strafuntersuchung gegen den Polizeidirektor Dr. Steinhäusl und gegen den Oberkommissär G o tz m a n n eingeleitet. Gegen 17 weitere Polizeibeamte, u. s. a. auch gegen den Oberkommissär Dr. H ö n g l, Kommissär Dr. Brunner und Major Heischmann, wurde die Strafuntersuchung wegen Teilnahme an dem nationalsozialistischen Putsch erweitert. Fünf Polizeibeamte sind geflüchtet, darunter die bekannten Detektive Steiner, Rotter und K a m b a. Gegen alle diese Polizisten wurde beim Militärgericht die Anzeige erstattet. Außerdem wurden sieben Angehörige der Wiener Wache polizeilich bestraft und ihrer Stellung für verlustig erklärt. Gegen 18 weitere Polizisten läuft ein Disziplinarverfahren. Dasselbe Blatt meldet an anderer Stelle, daß der Major des BundeShcereS Selingcr vom 3. Infanterie-Regiment verhaftet wurde. Weiters wird berichtet, daß der Staatsanwalt Stich, der bisher in Krems tätigt war und wegen des Verdachtes der Unterstützung der nationalsozialistischen Tätigkeit nach Wien verseht wurde, verhaftet worden sei. Der holländische Matrosenaufstand nicht von Kommunisten hervorgrrnfen. Haag, 18. August. Die holländische Regierung hat soeben ein Weiß-Buch über die Unruhen, die sich im vorigen Jahre in Niedcrländisch- Jndien, namentlich auf dem Kriegsschiff„Zeven Provincien" ereigneten, hcrausgegeben. In dem Buche wird eine eingehende Darstellung aller wirklichen und denkbaren Ursachen des Aufstandes gegeben. Gleichzeitig werden alle Belege, betreffend das gerichtliche Verfahren mit den Aufständischen, veröffentlicht. Im ganzen wird konstatiert, daß der Aufstand weder auf Veranlassung der Kommunisten, noch über Anregung der eingeborenen Matrosen, sondern infolge der durch die Anwendung der neuen Lohnvorschrif- t c n hcrvorgcrufcncn Lage entstanden ist. Konteren? der baltischen Staaten Kaunas, 18. August. Das litauische Preßbüro teilt mit: Wir erfahren aus guter Quelle, daß die litauische Regierung Lettland und Estland den Vorschlag unterbreitet habe, es möge entweder nach Riga oder nach Tallin eine Konferenz cinbe- rufen werden, um die Arbeiten der Beratungen von Kaunas zu beenden, die vom 7. bis 8. Juli d. I. abgehaltcn wurden und bei denen es sich um die Vereinbarung- eines Uebereinkommens über eine baltische regionale Zusammenarbeit gehandelt hat. „Freiwilds seht es nicht* „Nnrodni Osvobozent" befaßt sich unter diesem Titel in einem Leitartikel mit dem Problem der Verkürzung derArbeits- zeit in der Tschechoslowakei. Das Blatt erinnert daran, daß am 21. und 22. Juni zwischen den Organisationen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine Vereinbarung über die Einreihung einer größeren Anzahl von Arbeitslosen in den Arbeitsprozeß im Wege gegenseitiger Vereinbarungen getroffen wurde. Bis Hum 15. August sollten die Einzelheiten in den einzelnen Industriezweigen festgesetzt werden, die Arbeitszeit sollte auf etwa 40 bis 42 Stunden in der Woche herabgesetzt und auch bei kontinuierlicher Arbeit sollte ein anderes Schichtensystem eingeführt werden. Die Hoffnungen, die aber an diese Vereinbarungen gesetzt würden, haben vorläufig getrogen. Die Vereinbarungen in den einzelnen Industriezweigen sind nicht zustande gekommen. Die Hauptschwierigkeit beruht darin, daß die Vertreter der Arbeiter keine verküzung der Löhne zulasten wollen, während die Unternehmer eine solche Verkürzung für notwendig erklären, weil sonst die Produktionskosten steigen würden. Ohne Eingreifen der Regierung wird es also, so meint das zitierte Blatt, nicht gehen. Durch freiwillige Vereinbarungen zwischen Arbeitern und Unternehmern werden wir zu keiner Verkürzung der Arbeitszeit kommen. ES bleibt nichts■ anderes übrig, als der Weg des Gesetzes. Gajda will nicht sitzen. Dieser Tage kam an das Brünner Kreisstrafgericht ein Gesuch Rudolf Gajdas um neuerlichen Strafaufschub. Er Hirt bereits einmal Aufschub erhalten. Sein neuerliche» Gesuch begründet er mit dringenden Familienangelegenheiten. Ueber das Gesuch wird das Brünner Obergericht entscheiden. Guttmann und die KPTsch. Der au» der kommunistischen Partei ausgeschlossene ehemalige Chefredakteur des ,Ltuds Prävo" Guttmann, hat dem Zentralkomitt der KPTsch ein Schreiben geschickt, in welchem er die Wiederaufnahme in die Partei verlangt. Das Polbüro hat jedoch das Ansuchens Guttmanns abgelehnt. Der belgische Gelehrte M a x C o s y n s, der als Mitarbeiter von Profcffor Piccard bekannt geworden ist, ist SamStag früh um 6.19 Uhr in Hour-Hacnne in der Nähe von Dinant mit seinem Stratosphärenballon zum dritten belgischen Stratosphärenflug aufgesticgen. Der Ballon führt als Ballast Sandsäckc im Gewicht von insgesamt 1000 Kilogramm sowie 250 Kilogramm Master in unterteilten Bleibchäl-, lern, die insgesamt 300 Kilogramm wiegen, mit sich. Die Flieger führen für sich und für ihre Meßinstrumente Fallschirme mit. In einer Höhe von 8000 Metern an würde.cs genügen, einfach die Gondel zu öffnen und mit den Fallsckürmen herauszufallen. Cosyns erklärte weiter, er beabsichtige, niwt höher als bis zu 15.000 bis 16.000 Meter zu steigen, der Barograph jedoch sei imstande, eine Höhe von 18.000 Metern zu registrieren. Der Ballon wurde beim Start bis zu einem Fünftel gefüllt und wird sich nach und nach automatisch in den höheren Luftschichten durch den schwächeren Luftwiderstand wcstcr füllen, so daß er in einer Höhe von 16.000 Metern das normale Ausmaß haben würde. Der Flus des Ballons Bayern Der Stratosphärenballon wurde ursprünglich mit einer Stundengcschwiudigkcit von ungefähr 40 Kilometer nach Osten in der Richtung gegen Bayern abgetrieben. Tschechoslowakei 15.20: in Brüssel wurde folgende Funkdepesche des Stratosphärenballons CosynS aufgefangen:„Wir befinden unS über der Tschechoslowakei, kömren aber nicht genau erkennen, an welcher Stelle. Wir reichen noch fünf Stunden aus. Die Beobachtungen finden unter guten Nm- ständrn statt. ES ist sehr schön, wir leiden unter der Kälte. AlleS in Ordnung. Oesterreich 17.00: Die Meldung aus St. Gilgen besagt, daß der Ballon in südöstlicher Richtung.w. Er Man schreibt unS aus dem Dritten Reich: Herr Goebbels will wieder einmal, wie er in seiner Rede in Neukölln sagte, dem Ausland zeigen,„das; daS deutsche Bolk hinter dem„Führer" steht". Obwohl nun alle einigermassen Orientierten überall wissen, dass in Wirklichkeit sich nicht mehr ein Viertel deS Volkes zu der Gangstrrn- regierung bekennt, halte ich es doch nicht für überflüssig, als Teilnehmer an der Theateruiahl vom 12. November 1833 einige erlebte Tatsachen weiteren Kreisen mitzutrilen. Abgesehen von dem ungeheuren geistigen Terror, der lügenhaften Propaganda, die vorher über das wehrlose Bolk hin- flutet, behaupte ich: 1. Die Wahl steht unter unmittelbarem Terror; sie ist nicht geheim. 2. DaS Wahlergebnis wird trotzdem noch verfälscht; di« amtlichen Zahl« sind Lügen. Diese Behauptungen möchte ich beweisen. Zur ersten Behauptung: Die Wahlvorstiinde und Zähler sind nur sichere RaziS. Während ich wählte, erschien hinter der spanischen Wand ein SA- Mayn, Mitglied deS„Wahlvorstandes", der osteil- tativ zusah. Nur durch langes, scheinbar ver- tieftes Lesen deS Wahlaufrufs konnte ich einen Augenblick erhaschen, in dem ich mein„Rein" ankreuzt«. Sehnliches habe ich von allen Seiten gehört. verwandte wählten in einem Wahllokal, an dessen Decke schräge Spiegel angebracht waren, die von einer Galerie aus beobachtet wurden. Bor der Wahl wurden bewußt Gerüchte verbreitet von einer Nummerierung der Stimmzettel mit unsichtbarer Tinte. So stimmen viele Millionen aus Furcht tatsächlich gegen ihre Neverzeugung. Nichtwähler wurden aus ihren Arbeitsstellen entlassen» viele in die Folterlagrr überführt. Di« Juden wählten aus Angst vor Pogromen fast alle öffentlich. In einem kleinen Dorf, in dem infolge mangelhafter„Schulung" der SA-Leute tatsächlich so etwas wie«ine geheime Wahl stattfand, ergaben sich schon im November 1933 über sechzig Prozent Nein-Stimmen. Zur zweiten Behauptung nur einen Fall;- Wir waren elf verschwor«« Genossen, jeder unbedingt sicher, die trotz aller Schwierigkeiten mit Rein stimme» wollten und eS auch sertiggebracht haben» wie wir seststellte«. Ich nehm« an» daß wurde hierauf über Bad AuSsee gesichtet, rind zwar in einer Höhe von 2500 bi» 8000 Meter. In gleicher Höhe trieb er langsani über Steinach-Jvdning in südöstlicher Richtung. 17.15: Nach telephonischen Meldungen der Gendarmerieposten wurde der Stratosphärenballon in Gröbming erblickt. Er konnte mit dem Glas zwischen der Kanimspitzc und dem Grinnning gesehen werde». Um 17.15 Uhr wurde er oberhalb Wör- schach in großer Höhe gesichtet. Der Ballon ver- schwand wiederholt in den Wolken, aus denen er wieder auftauchte. Der Ballon fliegt lang s a m in Richtung Graz. Jugoslawien 19.10: Der Stratosphärenballon überflog Graz. Er war bi» 10.05 Ilbr sichtbar. Er war von der Sonne gelb beschienen und wurde vielfach von den Passanten als Mond angesehen. Der Ballon flog in südöstlicher Richtung-nr ungarisch-jugoslawischen Grenze weiter. Gleisdorf meldet, daß der Ballon um 10.10 fihr gesichtet wurde und in östlicher Richtung wciterflog. Ungarn 19.40: Der Stratosphärenballon hat nach Meldung aus Graz am SamStag, um 10 Uhr 40 Min. die österreichisch-jugoslawische Grenze südlich Fehring überflogen und soll sich zur Zeit bei abnehmender Flughöhe über jugoslawischem Gebiet in Richtung Ungarn bewegen. Richtung Bulgarien Auf eine Anfrage deS Tsch.-Pr.-B. in Budapest über den Standort, bzw. dir Landung des Stratosphärenballons CosynS wird vom Ungarischen Trlrgraphen-Korrrspondrnzbüro mitgr- trilt, dass nach dessen Informationen der Ballon über Belgrad abgetrieben wurde nnd gegen halb 8 Uhr abrndS, irgendwo in der Richtung Bulgarien vermutet wird. Die letzte Nachricht Rach Mitternacht erfährt da« Tsch.-Pr.-B. au» Belgrad, daß nach nicht beglaubigten Meldungen der Ballon läng» der jugoslawisch.ungarischen I Grenze treibe. Nähere» Ist nicht bekannt. mindestens noch ftnudert andere Richtsasristen deS Bezirkes einen Weg gefunden haben, ebenfalls den Terror zu umgehen. Bon einigen wurde es mir später bestätigt. Abgesehen davon aber ergab daS amtliche Wahlergebnis acht(!) Nein- Stimmen in diesem Wahlbezirk. Wir allein waren schon elf. Am 19. August folgt der Komödie zweiter Teil. Der Prozentsatz der Ja-Stinnne»— sicherlich wird er in die 90 gehen— steht schon jetzt fest im Propagandaministerium. Sir haben ihre freudig bewegten Mienen für den Photographen vor dem Spiegel geübt. Ueberschrift: Goebbels beglückwünscht Hitler zu seinem Erfolg. DaS Spiel kann beginnen. Ob es noch imnicr einfältige Sechen gibt, die es bestaunen werden...? So« muß„Ja" sagen Speyer, 18. August.(DSM). Der Bischof von Speyer hat sich in einer Bekanntmachung an seine Gläubigen gewendet und Gottes Hilse, seine Erleuchtung und seinen Schutz auf die Volksabstimmung am 10. August herabgefleht. Eö werden Bittgottesdienste veranstaltet, zu denen die Gläubigen durch vermehrtes Läuten aufgefordert lverden. Deutsche Frauen, antreten I Berlin, 18. August. Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet: Um unsinnigen Gerüchten entgegenzutreten wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß selbstverständlich auch die deutschen Frauey am 19. August die Pflicht haben, zur Wahlurne zu gehen, damit keine Stimme für daS Vertrauensbekcnntnis zum Führer verloren steht. 0 Amtliche Statistik des 30. Juni Lager Hohenstein ausgelassen Berlin, 18. August. Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet:„Anläßlich der Röhm-Revolte mutzten im Interesse der Staatssicherheit insgesamt 1124" Personen vorläufig in Schutzhaft genommen werden. Nach angestellten Nachforschungen sind 1078 Personen in Freiheit gesetzt worden. ES befinden sich also zur Zeit im Zusammenhang mtt der Röhm-Revolt« nur noch 45 Per» SOS-Kufe aus der Stratosphäre? Prag. Ingenieur AnLrlit in Sobkslav teilte SamStag um 14 Uhr mit, dass fein Kurz- wrllenapparat OK 1 SZ um 13 Uhr 55 schwache Hilferufe auffing, die nach und nach abflauten, bis sie ganz aufhörten. Die gleichen radiotelegraphischen Rufe vernahm zur gleichen Zeit Amateur Klimeö in S e d l e c bei Kut- tenberg in seinem Kurzwcllcnapparat OK 1 AO. In keinem der beiden Fälle gelang es den Empfänge«, den Ort festzustellrn, von wo die Zeichen kamen. Die Rufe enthielten die Zeichen„DOS" nnd„B9". sonen in Schutzhast, die am schwerste» belastet sind und hinsichtlich deren die Ermittlungen noch fortgesetzt werden müssen. Im übrigen ist die Aktion vom 30. Juni 1034 nunmehi abge- schlosten." Dies« Statistik tvird am Vorabend der sogenannten Volksabstimmung veröffentlicht, um aus die SA Eindruck zu mackjcn. Ihr Wert ist danach zu beurteilen. Aus den Ziffern geht jedoch auch hcwor, daß die Hinrichtungen nach dem 30. Juni nicht mitgerechnct wurden. Da Hitler selbst von 77 Toten sprach, hätte entweder die Zahl der Verhaftungen größer oder die Zahl der Enthaftungen kleiner sein müssen, denn cö ist selbst durch die offiziellen Meldungen aus Deutschland erwiesen, daß SA-Leute hingerichtet wurden, die m S ch u tz h a f t gcnonimen worden waren. Nur von den zuerst genannten sieben SA-Führern, General Schleicher und seiner Frau berichtete das DNB, daß sic an Ort und Stelle nicdergcmacht wurden. Für GocringS Statistik existieren die Toten nicht, weder die cingestandcnen 77, noch jene, von welchen man erst nach und nach erfährt. Dresden, 18. August. In Durchführung der Amnestie bleibt in Sachsen nur noch ein Schutz» haftlagcr in Sachfenburg bestehen, so daß die Burg Hohenstein wieder für ihre ursprüngliche Bestimmung verfügbar wird. Nachtrag rum 30. Juni Weimar, 18. August. Der thüringische Staatsrat E r n st K a tz m a n n ist mit sofortiger Wirkung seiner sämtlichen öffentlichen und Par» teiämtcr enthoben worden, da er Anweisungen der Reichsleitung nicht befolgt und den Anordnungen des Führers eiitgegengchandclt hat. Die estnische Arbeiterschaft unter der .demokratischen* Diktatur Seitdem die Herren PätS und Laidoner ihre Diktatur durchführtcn, angeblich um Putschpläne der Fascisten zu durchkreuzen, hat die Arbeiterschaft unter der Diktatur der„demokratischen" Bürgerlichen viel leiden müssen. Besonders betrifft das die neue Arbeiterpartei, die nach dem Austritt einiger Genossen aus der Sozialistischen Arbeiterpartei gegründet wurde. Die Parteigruppe in Tallin(Reval), die eine linksstehende Richtung vertritt, wurde bald nach dem 1. Mai von den Behörden unterdrückt und die Vorstandsmitglieder verhaftet wegen einer Maiproklamation, worin Auszüge aus dem Maiaufruf der Sozialistischen Arbeiter-Internationale wiedergcgcbcn wurden. Erst nach zwei Monaten wurden die Verhafteten freigelassen und ein gerichtliches Verfahren wird gegen sie eingeleitet lverden. Andere Prozesse stehen bevor wegen Ber- samnilungcn, in denen der Bürgerkrieg in Oesterreich behandelt wurde. Weil polifische Versammlungen verboten sind, haben die jugendlichen Arbeiter geheime Zusammenkünfte durckjgeführt, u. a. am 1. Mai. Eine solche wurde von der Polizei aufgespürt und einige Teilnehmer mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft. Daneben wurde den Arbeitgebern von den Behörden der Rat gegeben, politisch verdächtige Personen zu entlassen. Auch die gewerkschaftlichen Organisafionen können nicht frei wirken. In Pärnu wurden wegen des Hafenarbeiterstreiks inchrere Personen verhaftet, u. a. der sozialistische Abgeordnete U n t, der immer noch im Gefängnis sitzt. In Tartu wurden zehn junge Personen verhaftet und auch auf dem flachen Lande fanden Verhaftungen statt. Das Erscheinen der linkssozialisttschen Zeitschrift wird von der Polizei verhindert. Sic ist nicht unterdrückt worben, aber praktisch darf keine Druckerei sie drucken. In Tartto sind in den letzten Tagen mehr als 20 Personen verhaftet worden; die meisten sind Mitglieder des linkssozialistischen Vereins. In Taflinn wurde eine Person verhaftet. Die Behörden weigern sich, etwas näheres über diese Ereignisse mitzuteilen. Die meisten der Verhafteten sind junge Leute. Auch unter den Kommunisten, die in Estland nur geheim wirken können, fanden in der letzten Zeit Verhaftungen statt; eine geheime Organisation soll aufgespürt Word« sein. Wie es gemacht wird Wahlen im«Dritten Reich* Eine nützliche Reminiszenz F Seite 4 «•rntte*.«.»-«st HM ». rss reift. Stark belastend ist auch der Umstand, daß er sich in der kritischen Mit in Prag ausgehalt« hat. Die Partei jedoch, die er al» Wohnung»« geberin angegeben hat, existiert im ganzen Hau» und in der ganzen Straße nicht. Sein gegenwärtiger Aufenthaltsort ist noch unbekannt. 900.000 amerikanische Textilarbeiter Vor de« Streik New N o r k. Nach der Freitag getroffenen Entscheidung über den Streik ist der TextiUndu- strie werden im ganzen K7K.00V Arteiter, davon 250.000 Arbeiter der Seidenindustrie, gegen den 1. September di« Arbeit einstell«, wogegen 325.000 Hilfsarbeiter der Textilindustrie e» dem Syndikatsausschuß überließen, da» Datum für die Streikeriiffnung festzusrhen. Die Strrikent- schließung wurde mt« Stimmenmehrheit, aber nicht einstimmig angenomm«. Professor Schmidt der rühmlichst bekannte Führer der Expedition des uniergcgangencn russischen Eisbrechers„Tscheljuskin", wird die Leitung einer neuen Expedition übernehmen, die im nächsten Frühjahr zur Erforschung der Möglichkeiten eines Schiffahrtsweges zwischen Alaska und Sibirien in See gehen wird. Hier- sür wird gegenwärtig auf der Werft von Leningrad ein besonders großer Eisbrecher gebaut, der den Namen„Tscheljuskin ll" erhalte» wird. Tagcsncnlghcllcn San Rokyta I a n R o k y l a. welcher am 1V. d. M. seinen 7U. Geburtstag begeht, gab im Jahre 1906 inner dem Einflüsse der Wahlsrechtsdcmonstratio- ncn in Prag im Herbst 1005 ein Gedichtbuch „Hradbn padaji heraus, in welchem er die Bc- slrebnngcn der sozialdemokratischen Arbeiterschaft warm begrüßte. Samson erwacht, zerreißt die Fesseln, lehiit sich an die Säulen des Palastes und zertrümmert die alle Wcitovduung. Prager Arbeiter ziehen am lO. Oktober 1005 vor das Landtagsgebäude. Ter Dichter ist begeistert von dieser Manifestation, von diesen Massen, welche die Illcinscitner Gassen füllten und vor deren Zahl die Maäuhavcr erschraken.„Streng ist die Sprache der Lippen und Hände, dringt wie der Frost ein in Mart und in Bein, Eurer Welt bringt die Zuluust ein Ende, die rote Fahne wird Siegerin sein!" Ein anderes Gedicht, betitelt„Nach dem 5. November 1005", ist dem Tag gewidmet, an lvelwem bei der sozialdemokratischen Wahlrechtsdemonstration der Lehrling Ian HubäL erschossen lvnrdc. Ter Dichter fragt die Herren, wer ihnen das Recht über Leben und Tod gab und maclu sic darauf aufmerksam, daß vom Osten her, aus Rußland, wo die Revolution zu Beginn des Wahres 1005 den Zarenthron wanken machte, eine neue Welle naht, welche die Unterdrücker samt ihren Wasscn begraben wird. Als bei einer weiteren Wahlrcchtsdcmonstration die Arbeiter der Statue der„Ccchia" vor dem Museum auf dem Wenzclsplab eine rote phrhgische Mühe aufschten und ihr in die Hand eine rote Jahne steckten, sah der Dichter, wie dieses steinerne Symbol die Rc- volutionsmiibc und die rote Fahne den Arbeitermassen zum Gruß cntgcgenschtvang. Die Arbeiter nennt er die„Blanikritter", d, s. jene sagenhaften Ritter, die im Berge Blanit auf den Tag warten, an welchem sie das Vaterland vom Feinde zu erretten haben werden. Diese Blanilritter ohne Waffen, Herzoge und Könige, gekleidet in Ar- bcitcrbluscn, Baucrnkittcl und städtische Anzüge, ziehen Hand in Hand in den Kampf, bewaffnet mit Hammer, Spaten, Pflug, Buch und Feder. Dort, tvohin sie ihre Blicke in die Ferne richten, dort liegt die Zukunft der Menschheit. Inn Rokyta, Pseudonym des Ministerialrats i. P. Adolf Pferde Es besteht der-Brr- dacht, daß unter einet» unbekannten Namen ein bekanntes Pferd startete, denn ähnliche Schwindeleien ereigneten sich bereits einmal in Marseille. Die Leitung des Rennplatzes in Enghien gab nachmittags einen amtlichen Bericht aus, demzufolge ba8: Pferd„Hallencourt" distanziert und sein Besitzer zu 1000 Francs Strafe verurteilt wurde. Die Gewinner sind allerdings auf und davon. Sie haben das Rennen gewonnen. Warnung vor einem Betrüger. Bei dem Uhrmacher I. Bulva in Ustt n. Orl. erschien am !6. August ein Betrüger, der sich als Oberleutnant Erstellte und vorgab, von den Militärbehörden beauftragt worden zu sein, für Soldaten, die beim Scheibenschießen cm den Wehrhaftigkeitstagcn Preise erhalten werden, Geschenke auszusuchen, wobei er Empfehlungen vorwies. Da am 10. August in llstl n. Orl. tatsächlich ein Wehrhaf tigkeitstag flattfindet, glaubte ihm Bulva und übergab ihm fünf verschiedene Uhren sm Gesamtwerte von 880 XL. Den Uhrmacher M. Petktk betrog der Unbekannte um Gegenstände für 450 XL, bei dem Uhrmacher Karl Apel in Ufti n. Orl. versuchte er Ware um 445 XL zu erhalten, doch gelang ihm hier der Betrug nicht. Den Uhrmacher Andres versuchte er um 400 XL zu betrügen. Ebenso verübte der Unbekannte an anderen Personen Betrügereien. Der Betrüger wird von der Polizeifahndungsstation in Kuttenberg und Tä» bor gesucht. Es ist anzunehmen, daß er Betrügereien ähnlicher Art auch in anderen Städten versuchen wird. ES handelt sich um einen etwa 25« bis 28jährigen Mann von schlanker Figur, bekleidet mit einer lichten Sportjacke, Hellen Sporthose und Mütze, glatt rasiert. Bei den Verhandlungen pflegt er zu salutieren. Er benützt den Namen Kolät, mit welchem er sich auch unterschreibt. Die Wissenschaft sagt: unmöglich! Der französische Chemiker August Böhal erftärte Journalisten gegenüber, daß eine Gewinnung von Benzin au» dem Meeres wasser, wie sie ein Mechaniker in Rouen entdeckt haben will, chemisch unmöglich sei.-'* Gangster-Drohungen. Die Evangelisten Mc! Phersons, denen der vor einigen Tagen von Banditen entführte Pfarrer Askew in Kalifornien angehört, haben einen Brief erhellten, in dem die Entführer des Pfarrers drohen, den berühmten' Tempel der Sekte in die Luft zu sprengen, wenn' sie nicht ein Lösegeld von 25.000 Dollerr für Pfarrer Askew erhalten würden. In dem Brief heißt eS weiterhin, die Evangelisten würden ihren Pfarrer verlieren, wenn sie die geforderte Summe nicht auftreiben würden. Die Polizei hat wenig Zweifel an der Echtheit des Drohbriefes, der mit einer Schreibmaschine geschrieben ist und den Brief, den Frau Askew erhellten hat, auheror- dcntlich ähnlich sieht. Der Tempel wurde unter polizeiliche Bewachung gestellt. Ei« Serum gegen die Kinderlähmung hat, wie aus Philadelphia gemeldet wird, der Forscher auf dem Gebiete der pathologischen Anatomie, John Kolmer, entdeckt. Seine Wirkung hatte er bereits an Affen erprobt. Nun impfte er damit auch sich selbst und seinen Mitarbeiter. Die. Dac- cina wird aus dem Rückenmark der Affen gewonnen. Drei Dosen, in einwöchigen Intervallen cingespriht, sollen genügen, um den Menschen für sein ganzes Leben lang immun zu machen. Dem Entdecker zufolge wild das Serum zu jeder.Seit und zu billigem Preis« zu gewinnen sei«. Die österreichische Staatsangehörige Emma Faber hat gestern den Aermclkanal durchschwommen. Sie startete beim Kap GriS Nez 45 Minuten nach Mitternacht und erreichte um 15 Ühr 15 die englische'Küste' bei Souths Forelanb?^ftaU Fabtr schlug den Frauenweltrekordfin dir Uebevschwim« mung des AermelkanalS, den FräuleiN'Ederle'im Jahre 1026 errungen hatte, um 4 Minuten.***j> Zunahme an neuen Kraftfahrzeugen.' Rach der Erhebung, di« das Statistische Staatsamt monatlich vornimmt, wurden bei den Evidenzbehörden in der Tschechoslowakei im Juli-1084 1224 neue Kraftwagen und 501 neue Motorräder(mit und ohne Beiwagen) eingetragen..Als neue Kraftfahrzeuge werden die unmittelbar aus Fabriken oder aus Fabriks- bzw. Berkaufslagcrn gelieferten betrachtet."Bon der angeführten Gesamtzahl an neuen Wagen waren 1140 Personenwagen, 68 Lastwagen und 7 Autobusse. In Böhmen wurden eingetragen 845 Kraftwagen(789 Personenwagen. 40 Lastwagen,. 7 Autobusse)» in Mähren-Schlesien 260 Kraftwagen(254 Personenwagen, 15 Lasttvagen), in der Slowakei 102. Kraftwagen(08 Personenwagen, 4 Lastwagen), In der•.Nachglasindustrie, deren Haupterzeugnis Tafel- und Spiegelglas ist, besteht eine weitgehende internationaleKartellierung unter Führung der französischen und belgischen Glaskonzerne. Die Entwicklung-deS gesamten Exportgeschäft der Hauptausfuhrländer wird von den kartcllmäßigen Bindungen entscheidend beeinflußt. Der Menge nach nahm die Ausfuhr von Tafel« und. Spiegelglas durch die Spihenländer in den letzten drei Jechren die folgende Entwicklung: 1088 1082 1081 .. in Doppelzentnern Belgien mit seiner technisch und organisatorisch hoch entwickelten Glasindustrie steht demnach wie bisher weiter an der Spitze der Flachglas-Exportländer. Gegenüber.1031 ist sein Export.um etwa 80 Prozent gefallest. Den größten Exportrückgang gegenüber 1081 hat die Tschechoslowakei äufzuwcisen, während Frankreich den Stand von '1031 überschritten und Großbritannien ihn nahezu'wieder erreicht hat.. Für die Tschcchosiqwakei wirkt sich der Verlust des zehn Jahre lang-ver- traglich. gesicherten Absatzes nach Frankreich un- Belgien.«. 1,847.817 1,405.585 1,046.860 Tschechoslowakei 558.720 665.048 011.818 Deutschland.. 412.822 308.220 550.677 Frankreich.■. 877.403 886.270 360.508 Großbritannien 228.600 175.000 228.050 tn Karpathorußland 8 Kraftwagen(durchwegs Personenwagen). Davon waren tschechoslowakischer. Erzeugung 1138(03 Prozent), ausländischer Erzeugung 86 Prozent).;..Personenwagen tschechoslowakischer Erzeugung 1074 (03.5 Prozent), ausländischer Erzeugung 75 j 6.5 Prozent); Lastwagen tschechoslowakischer Erzeugung 57(83.8 Prozent), ausländischer Erzeugung 11(16.2 Prozent); Autobusse durchwegs tschechoslowakischer Erzeugung 7(100 Prozent). , 137 Ehescheidungen in 110 Minuten. Wie die Blätter melden, hat dieser Tage die 4. Zivilabteilung des Rigaer Bezirksgerichtes einen Rekord eigener Art aufstellen können. In der Zeit von 10.10 1(1)1* bis 12 Uhr mittags würden nicht weniger als 187 Ehescheidungen ausgesprochen,. tms macht also weniger als eine Minute für den Fall, eine Leistung, die selbst im scheidungs- lustigen Amerika als Rekord gelten würde. Die polnische Polarexpedjtion nach der Insel Spitzbogen hat, wie der die Expedition begleitende Korrespondent des polnischen Prehbüros mcldqs,.ihre photogramctrischen und triangulischen Arbeiten auf einem. Gebiete von 300 Quadratkilometern im nördlichen Teil der Insel, die bisher auf der Landkarte als weißer Fleck erschien, beendet! Damit brachte die Expedition das Hauptziel ihrer Sendung, d. h. die genaue geographische Erforschung dieses bisher unbekannten Landes zum Abschluß. vo» der Rüstiger Handelsakademie. Einschreibungen in die vierklassige Handelsakademie und in die zweiklassigcn Handelsschulen für Knaben und Mädchen können noch bis 1. September erfolgen. Die Aufnahmsprüfungen finden am 3. September um halb 0 Uhr früh für die Handelsakademie und Um halb 10, Uhr für die Handelsschulen statt. Anmeldungen für den AbituricntenkurS werden, so- weit noch Plätze frei siitd, bis 1. September entgegengenommen. Auch schriftliche Anmeldungen sind zulässig. Prospekte und Auskünfte durch die. Direktion.der Anstalt.— Die Wiederholungsprüfungen finde» am 3. September um 8 Uhr früh statt. günstig., aus, der durch, die Aufhebung des zehnjährigen LieferungSabkommcns eingetretcn ist. Die Hauptabsatzgebiete der tschechoslowakischen Flachglasindustrie sind: Großbritannien. Bulgarien, Kanada, Deutschland, die Niederlande, Chinä, Japan, die Bereinigten Staaten, Britisch- Jndien, Italien, Oesterreich, Schweden und Brasilien. Außer den aufgeführten fünf Hauptcxport- ,ländern sind noch die Vereinigten Staaten ftir Nordamerika als Ausftthrlaud für Flachglas bon Bedeutung. Die amerikanische Glasindustrie'ist durch die Währungsabwertung am Ende' des vergangenen, Jahres preismäßig begübstigt worden und konnte 1038 fast den gleichen Ausfuhrwert erreichen wie im Jahre 1081. Japan hat im Ausfuhrgeschäft der Spiegel- und Glasindustrie noch keine Bedeutung erlangen können, aber da inzwischen mit der Errichtung leistungsfähiger Glaswerke begonnen worden ist, so muß damit gerechnet werden, daß Japan in nicht allzu ferner Zeit auch in das Nachglas-Exportgeschäft einbrechen wird. Vom Standpunkt der tschechoslowakischen Flachglasindustric aus wäre zu fragen, ob sie bei ihrer Produktionskapazität und ihrem ungünstigen Binnenmarkt bei den internationalen Kartellabmachungen nicht anders berücksichtigt werden müßte. Vom Rundfunk Smpsehlenawette» aas den Programmen: Montag: Prag, Sender L.: 10: Schallplatte», 10.20: Deutsche Nachrichten, 12.10: Schallplatte», 18.30: Konzert des Jazzorchesters, 18.30: ArbeitSmarkt, 15.15: Konzert des Jazzorchesters, 18.10: Walzer auf Schallplatte», 18.20: DeutscheSendung: Pruch-Rölz: Feinde der Kinderseele, 18.55: Deutsche Presse und Wetter, 10.10: Populäre Lieder, 22.15: Tanzmusik, Sender S.: 14.80: Deutsche Sendung: Bunte Schallplattenfolge, 15: Deutsche Presse.— Brünn 11: Schallplatte», 17.50: Deutsche Sendung: Heiteres aus dem Reich der Töne, 18.25: Harmonika-Solo.— Mährisch.Ostrau 18.20: Deutsche Sendung: Josef Schmidt auf Par. Platten, 10.10: Liederkonzert, 20.10: Tanzmusik.— Kascha« 18: Klavierkonzert. Dienstag: Prag, Sender L.: 6: Gymnastik, 10: Schallplatte», 10.20: Deutsche Nachrichten, 12.10: Schallplatte», 17,40: Schallplatte», 18.20: Deutsche Sendung: Leppin: Vorlesung aus„Jahreszeiten der Liebe", 18.45: Universitätsprofeffor Dr. Winter: AuS der böhmischen Geistesgeschichte, 10.10: Bunter Abend,*22.15: Tanzlieder.. Sender S.: 14.25i'D e üt s che*"* S end u n g: Prof. Zwickel: Von Menschen und Dingen, 14.40: Opernszenen.— Brünn 18.20: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Soziale Informationen, Dr. Brügel: Internationale Zusammenarbeit auf den: Gebiete der Sozialpolitik.— Mährisch-Ostrau 15.15: Orchesterkonzert, 22.45: Chansons auf Ultr. Platten.— Kascha« 12.80: Orchesterkonzert, 18.: Lieder von BrahmS. Die neue franzästsche Sendestation Toulouse- Pyrenäen wird in der nächsten Zeit eröffnet werden. Sie ist auf den: Bergplatcau Vergnole errichtet, 25 Kilometer südlich von Toulouse. Die ersten Probesendungen werden, spätestens in zwei Monaten erfolgen. Die Station Toulouse-Pureuäen lvird nach dem Luzerner Plan auf der Welle 776 arbeiten. Der Sender wird also zwischen Leipzig(Welle 7851 und dem englischen Sender Pfittelland(Welle 767) gut zu hören sein. Vom Prager Rundfunk Vom vergangenen Samstag ist der Bottrag des Rusitschriftstellerö Edwin Janetschek—„Musikalische Zeitgeschichte"— in bester Erinnerung. Die Betrachtungen galten diesmal vor allem bcn musikpädagogischen Zeitfragen,, die sich ja aus.überaus wichtigen. Gegenwartsproblemen. Ergeben. Die Menschen von beute*haben sich,ganz einseitig der Pflege der Lportc» hingegeben; die„körperliche Ertüchtigung" beherrscht das' öffentliche Leben, das.Volk ist der Musik ganz entfremdet. Janetschek erkennt zur Besserung nur einen Weg: die Jugend, der Musik wiederzugewinnen l Dein Musikpädagogen er- tvächjt die verantwortungsvolle und sehr schwierige Aufgabe, die musikalische Erziehung des Nachwnchses so zu gestalten, daß die jungen Menschen wieder Liebe zur Musik empfinden lernen. Für das Wie weiß der) Praktiker einige gewiß beachtenswerte Vorschläge zu machen: der Musiklehrer muß mit innerer Freude an die Arbeit gehen;, er muß eine möglichst mühelose, steudemachende Methode für den Unterricht finden»/ er soll wenig graue Theorie lehren* und dafür, mehr das praktische Musizierest pflegen; er soll den! Musikunterricht an unbegabteSchü» ler ab lehnen!(Die letzte Empfehlung wendet, sich wohl nur dorthin, wo Berufsmusiker herangebildet werden sollen.). Die Neuerweckung' der Musikpflege, im Völle ist ein so wichtiges Problem der gesamten Volksex- ziehung, daß gerade der Vortragende als hervor-' ragender Fachmann sehr wohl wissen wird, daß die. Frage einer sehr gründlichen und vielseitigen Durch-' beratung in Fachkreisen bedürfte. Die Setwung möge als Anregung dazu angesehen werden. Möge sie die Beachtung finden, die ihrer würdig ist! Im zweiten Teile der Betrachtungen gedachte Janetschek einiger, durch Gtttenktage aus dem Gleichlauf der. Zeit hervorgehobener bedeutender Musiker: Arnold Schönbergs, Feruceio Busonis und bei Franzosen Francois Boieldieu. Zum Abschluß verwies er auf das neue Werk„Josef Haydn" von Dr. Schmied, das er als besonders wertvolles Volks« und Heimatbuch allen Musikfreunden wärmstens empfahl. Am Sonntag hätte ich noch einige Szenen aus dem Hörspiel mit Musik„Der Prophet von Leitmcritz" von Albin Kraemer. Dramafische straft im Bau, dramatische Leidenschaftlichkeit im Worte überraschen und empfehlen das Hörspiel der Bearbeitung für die Bühne. Bis zum Mittwoch gönnte sich der Berichterstatter kurze Ferien vom Radio; er entfloh dem städtischen Netz der Antennen in die freie Höhenwelt des RiesengebirgeS und war glücklich, einmal außerhalb des Straschnitzer und Liblitzer Wellenbereiches in stundenlangen Wanderungen unerreichbar bleiben zu können für jedes„Hallo!" aus einer Welt, die fief unten jenseits grauweißer Wolkenncbel verschwindet, ganz ohne Verbindung mit den steinigen Kammwegen„ die durch niedriges ÄraS und Latschenkiefcrgebüsch ein vo» tiefblauen Enziansträußen umsäumtes Bandmosaik' ziehen. Schon am Mittwoch abends erreichte das Radio den Flüchtigen. Um ihm zu zeigen, wie nahe und eng die Welt bleibt, der er im Ringe des Reisträgers entronnen zu fein glauben konnte,. trug-.s ihn im Fluge von Sekunden in die Urwälder von Mato Grosso, in die Diamantengruben de» Sumiduoro, den Schauplatz des ganz ausgezeichneten Hörspieles von Helmut Weiß, da» der Lieblitzer Sender in der Regie Sordans aussandte. Die Hauptrollen waren vortrefflich beseht, die fesselnde, sozial fief bedeutsame Handlung sprang von Bild-zu Bild im RhychmuS raffiniert abgeschätzter Spannungsmomente, Diamanten— 100.000 Dollar— vier Menschenleben— die Tanzbär im Hotel zu New Vor!— Flieger im Sturm über dem Urwald— Fieberwahnsinn— Dollar, Geschäft, Geld I*— elendes Sterben'—- „Noch diesen Tanz, gnädige Frau?" Helmut Weiß mischt diese Bilder mit dem sicheren Zugriff de» dramatischen Könners: für das Hörspiel ist er ein Entdecker! Dem Regisseur bleibe fürs nächste Mal in Erinnerung, daß Nebengeräusch«(Musik, Stimmen gewirr usw.) nicht daü gesprochene Wort ersticken dürfen- -Die Straschnitzer Sendung am Freitag bemühte Schallplatte» und Vortragende, um neuerdings die von der Lyrik aller Zeiten bestätigten Beziehungen zwischen„Frauen und Blumen" herzustellcn. Run— seitdem die heutigen Frauen mit soviel Eifer und wenigen Ausnahmen bemüht sind, den nafiir- lichen Reiz ihrer Farbe mit Rouge zu üvernmlen, die gegebene Anmut der Linie zu rasieren und mit Schtvarz in gelvagtesten Bogen nachzuziehen und den Duft blütenhnfter Anmut und Tugend in den Par- fumwässcrn der chemische» Industrie zu ertränken.. seit ihrer Wandlung von der natürlichen Schönheit zur papierenen der Kunstblume muß man cs wohl «dem Hörer überlassen, wie er sich ganz nach seinem persönlichen Geschmack mit der Botanik der modernen Frau abzufinden gedenkt und welche Beziehungen fsir ihn dann noch Geltung haben zwischen„K o r n- blume» und Mohn" und der geschminkten Flora im weiblichen ivtenschcnreiche. Der Berichter möchte in dieses privateste Pcrgnügcn des Einzelnen nicht eindringen. Eine sehr schätzenswerte Betrachtung über .Deutsche und tschechische Jugend" hörte man am Freitag von Dr. S t i e f. Sie gingen' aüS von' Masaryks schönem Wahrworte,„Wir brauchen, einen neuen Menschen" und Svehlas ernster Forderung„Nicht mehr Wissen, sondern mehr Gewissen!" Sie versuchten eine psychologische Analyse der sudetendeutschen Jugendbewegung zu gehen, deren tiofften Sinn der Vortragende in einem treuen Heimatgefühl gefunden zu haben glaubt. Das menschliche Ideal der Eintracht verbindet nach»der Auffassung des Herrn Dr. Stief die völkischen, katholischen und internafional sozialistischen Jugendverbände, die also auf verschiedenen Wegen doch dem gleichen Ziele zustrebcn. Ihnen allen fehle das typisch städtische Zentrum, sie alle ziehe die Schönheit dex sudetendoutschen Landschaft an. Sie seien beherrscht Von romantischen Prinzipien, während die tschechische Jugend weit mehr* verstaudesmäßigeu Anschauungen diene. Möglichkeiten für ein gemein sames kulturelles Wollen im Sinne menschlicher Gerechtig.eit seien für die deutsche und tschechische Jugend gcgebett; es tverde sich erfüllen in der weiteren Entwicklung der Demokratie. Die Ausführungen des Vortrage**den bedürften einer genaueren kritischen 1Interjn...ung als sie hier im Rundfuukberichte möglich ist. Zweifellos wird fiir ein wirklich demokratisches Miteinanderleben der Nationen in unserer Republik die Entwicklung, der Jugend schicksalhaft entscheidend sein. Das Beispiel der lcvendcn Generation ist iut Augenblick noch nicht vielversprechend.— In den aktuellen zehn Minuten skizzierte Genosse E r n st Paul die weltgeschichtlichen Ereignisse der Woche. Die Annäherung Sowjctrußlands an den Völkerbund läßt für die nächste Zeit den Eintritt Rußlands in die Genfer Organisation der Völker erwarten. Auch Amerikas Eintritt wird eine Vermehrung der Friedenssicherungen bedeuten. Sehr bedeutungsvoll für die friedliche Ordnung Europas ist mich der nur von Deutschland und zum Teile auch von Polen ablehnend betrachtete Ostpakt. Die zwischen Rußland und Japan in den Streitfragen um die Mandschurische Bahn eisigetretene Spannung häuft düstere Wolken am weltpolitischen Ho- rizont. Die fiir Sonntag festgesetzte Abstimmung in Deufichland über die Reichspräsidentschaft findet den wirklich bedeutsamen Ereignissen in der Welt gegenüber nur insofern« Interesse, als das Verhältnis zwischen den Ja- und Nein-Stimmen immerhin einen lehrreichen Rückschluß zulasten wird auf die innerpolitische Macht der Diktatur. Die Prozesse in Oesterreich lassen mit wachsender Spannung eine Antwort erwarten auf die Frage, lver die Hinter- männer waren in der Aktion, die jetzt eine ganze Reihe Opfer den Todesurteilen der Schnellgerichte überantwortet. Jit der Sicpublik machen die Bom- benfunde in Saaz berechtigtes Aufsehen; sie eröffnen einen Einblick in das über das sudetendeutsche Gebiet ausgedehnte, jenseits der Grenzen geknüpfte Spionagcnetz, das in Mitgliedern der ehemaligen D.N.S.P. und der jetzigen S.H.F. Henleins seine Stützpunkte hat. Ern st Thöne r. Für Studentinnen moderne Lackschuhe mit geschmackvoller Spange. 2138. Prager Zeitung Ausflugszüge der Staatsbahnen Di« Staatsbahndirektion in Prag veranstaltet nachfolgende SonderausflugS- züge mit Verpflegung und Führung: Vom 25, bis 28. August zu den Jiräsek-Feierlichkeiten in Hr o« nov zum Preise von 165 KL; vom 29. August bis 19. September eine dreiwöchige Kur nach dem Bade 3 I i a£ zum Preise von 1049 KL; vom 1. bis 18. September zur Weinlese nach Jugo» i l a w i e».nach Kupari oder an die Castelnuovo- Riviera zmn Preise von 1199 KL, am 2. September zu den Lausitzer Serben nach Bautzen zum Preise von 115 KL, vom 8. bis 22. September zum Schwarzen Meer für KL 1899, vom 8. September bis 1. Oktober eine dreiwöchige Kur nach Lu haöovice, Trcn L.-Teplice oder nach P iestany zum Preise von 989 KL, vom 8. bis 18. September in die H o h e Tatra und in die Dcmäuovaer Höhlen zum Preise von KL 545, von» 13. bis 23. September nach Karpatho- rnßlaud für KL 519, und in den Tagen vom 27. bis 39. September zur Weinlese nach Bratislava und zum Masaryk-Ring»ach Brünn zum Preise von KL 255. Informationen und Anmeldungen mit einer Angabe erteilt, bzw. nimmt das Ausflugszugreferat im Bazar neben dem Wil- sonbahnhof täglich von 8 bis 17 Uhr. Telephon 383.35." Die ungarische Gesandtschaft in Prag teilt mit, daß am 20. August d. I., dem ungarischen Nationalfeiertag, weder in der Gesandtschaft, noch in der Paßabtcilung amtiert wird. Verlangen Sie In Inder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER M Cie., PILSEN Selchwaren der Fa.HEQNER* Cie.,PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN I Sonntag. 10. Augnft 1034. Rr. 183 ftart‘ Spiel• Kirperpflete Mißachtung— Uneinigkeit im Sport de« Dritten Reiches. Wie sehr der deutsche Sport den Nationalsozia- li-nms achtet, geht aus einem Artikel des„Reichs- sportblatt" hervor. Dieser Artikel nennt sich „Kampfansage gegen die Reaktion", meint damit verschiedene Führer der Sportverbände und hat folgenden Hintergrund: Anläßlich der deutschen Kampfspiele in Nürnberg fand auch der erste Kongreß des neuen„Reichsbundes für Leibesübungen" statt. Dieser Kongreß wurde von einigen deutschen Sportführern sabotiert. Man betrachtet den Reichssportsührer Tschammer-Osten als unfähig, kann aber gegen seine. Ernennung nichts anderes tun, als seine Arbeit zu sabotieren. In den> Artikel heißt cs:„Wenn hie und da eine mehr oder weniger s ch a r f e K r i t i k an dem Ablauf der Kampfspiele in Nürnberg geübt wurde, so kommt sie gerade aus den Kreisen, die in erster Linie die Verpflichtung hätten, sich iestlos für den vom Reichssportführer gezeichnete» Weg zu erklären." Wer glaubt, sich dagegen auflehnen zu können ist als Reaktionär der Turn- und Sportbewegung anzusehen und zu bekämpfen. So sieht also die Einigkeit im deutschen Sport aus. Auf allen Gebieten tritt die Unfähigkeit der „Führer" in Erscheinung, aber die Herren Pelzer, Sievert«sw. faseln im Rundfunk von der großen Volksgemeinschaft des Sports im Dritten Reich. Die Europa-Meisterschaften ßm Schwimme« Am Samstag erzielte die Brünnerin Schrämet bei den Vorläufen Uber 499 Meter Freistil mit 8:96.2 Min. einen neuen tschechoslowakischen Rekord, kommt aber dennoch nicht ins Finale, da sie den vierten Platz besetzte. Bei den Männern wurde das Finale über 199 Meter Rücken ausgetragen und siegte Besford(England) in 1:11.7 Min. vor Küpers(Deutschland) 1:12.6, Karlson(Norwegen). Die 4X199 Meter F r e> st i l- S t a ffel der Männer gewann Holland in 4:41.5 Min. vor Deutschland 4:59.4, England 4:58.8, Dänemark und Frankreich. Ueber 499 Meter Freistil für Frauen wurden zwei Borläufe ausgetragen. Im ersten Vorlauf gewann die Holländerin Den Onden in 5:87 Min. vor der Engländerin Wolstenholme in 5:53.1 Min.; den zweiten Lauf gewann Masten- broeck(Holland) in 5:37.8 Min. vor der Dänin Andersen in 5:49.8 Min. Die Vorläufe über 2 0 9 Meter B r u st der Männer brachten keine Ueber- raschungen. Der Deutsche Schwartz siegt« int ersten Lauf mit 2:49 Min. vor den Dänen Malström und den Finnen Reingold. Den zweiten Borlauf holte sich der Deutsche Sietas mit 2:51.8 Min. vor den Dänen Jensen und seinem Landsmann Norman. Diese werden auch das Finale bestreiten. Im Turmspringen der Frauen siegte die Deutsche Schieche mit 35.43 Punkten vor der Schwedin Sjö- auist, der Dänin Kragh, Bingel(Deutschland) und der Ungarin Fonyo. Im Wasserball schlug Jugoslawien mit 3:2(2:2) Spanien. Ungarn gewann Freitag in einem wenig schönen Spiel über Deutschland mit 4:1. Der Saer-Arbeitersportiag in Völklingen, einer Hochburg des FasciSmus, brachte 22.999 Teilnehmer auf. 2159 aktive Sportler marschierten in das Stadion. ES war ein erhebender Anblick, als Sportler, Naturfreunde und Jugend des saarländischen Proletariats in geschlossener Formation einmarschierten. Die Kundgebung ist ei» Ausdruck des gesteigerten Freiheitskampfes um die Saar, bei welchem die Arbeitersportler eine entscheidende Rolle spielen. Viktoria ZiZkov schlägt Viktoria Pilsen 3:1 (2:0). In diesem ani Samstag in Prag auspetra» genen Spiel siegten die Prager infolge ihrer besseren .Zusammenarbeit verdient über die etwas lustlos spielenden Pilsener. Di« Tore der Prager erzielten- Kukera, Ludl und Ryölavy, während für Pilsen Eulik(Elfmeter) skorte. Eine eigene Fronen-Olympiade. Auf dem Londoner FSFJ-Kongreß wurde einstimmig beschlossen, dahin^u wirken, daß in das Programm der Berliner Olympiade 1936 alle Disziplinen der Frauen- Leichtathletik aufgenommen werden. Im Falle der Ablehnung gedenkt die FSFJ eine eigene Olynipiade für Frauen einzuführen. Die Rad-Weltmeisterschaften in Leipzig brachten auch ein Sechser-Radballsviel als Weltmeisterschaktsbewerb. Bloß zwei Lander hatten gemeldet, und zwar Belgien und Deutschland. Die Deutschen gewannen 9:1 und haben damit einen Titel leicht gewonnen.— Donnerstag abends wurden die Aorläufe zur Steher-Weltmeisterschaft über 199 Kilometer ausgetragen. Im ersten Lauf siegte Metze(Deutschland) in 1:38:33.6 Stdr. vor den Spanier Pietro und dem Belgier Rouff«; Lacouehay (Frankreich) getvann den zlveiten Lauf in 1:26:88 Std. vor dem Italiener Severgini und dem Deutschen Krewer. Alle diese bestreiten den am Sonntag stattfindcnden Endkampf.— Freitag wurden die Weltmeisterschaft im Bicykleball auSgetragen. Die Tschechoslowakei verlor gegen Belgien 5:4, gegen die Schweiz 18:1 und gegen Deutschland 10:8 und kan: dadurch auf den letzten Platz. Belgien wurde Weltmeister vor der Schweiz und Deutschland.— Im Kunstfahren errang der Deutsche Seifert den Titel.— Samstag kam die Welüneisterschaft über 112.8 Kilonieter für Amateure zum Austrag. Es starteten 36 Fahrer. Sieger wurde der Holländer PcllenaarS in 2:43:02.6 Std. vor Deforge(Frankreich). Haupt(Tschechoslowakei) besetzte den neunten Platz. Neuer Geher-Weltrekord über 30 Kilometer. Der Lette Dahlin stellte in Riga über 89 Kilometer Gehen in 2:81:89.6 einen neuen Weltrekord auf. Anerkannte Frauen-Weltrrkorde. Der FSFJ- Kongreß in London hat eine Reihe neuer Weltrekorde anerkannt, darunter auch zwei von tschechoslowakischen Athletinnen aufgestellte, und zwar: Krl. Koubkovas Weltrekord über 809 Meter in 2:16.4 und 2:12.4 Min. sowie den Weltrekord des ZSB. Prag in der Stafette 169X169X296X899 Meter in 4:14.4 Min.— Die weiteren anerkannten Rekorde sind: Walasiewicz(Polen): 69 Meter: 7.8 Sek., 86 Meter: 9.8 Sek. 166 Meter: 11.8 Sek. und 1999 Meter: 8:62.8 Min.— Ueber 10Q.0 Meter wurde auch dec Rekord der Engländerin Lunn in 8:69.6 Min. anerkannt.— 86 Meter Hürden: Engelhardt(Deutschland) 11.6 Sek.— Hochsprung: Gottlieb(Oesterreich) 1.82 Meter.— Weitsprung: Lyffor(Amerika) 5.62.9 Meier.— Fünfkampf: Mauermaycr(Deutschland) 835 und 857 Punkte. — Kugel: Mauermaycr 18.88 Meter:— Diskuö: Wasszowna(Polen) 48.79 Meter(welcher mittlerweile von derselben auf 44.89 Meter verbessert wurde).— Speer: Guiadele(Amerika) 46.74 Meter.— 8X866 Meter: VfB. Breslau 7:87.4 Min.■'■■■'’■■ Bei Meggnbrschwerden, Sodbrennen, vermindertem Hungergefühl, Darmverstopfung, Druck gegen die Leber, Beklemmungen bewirkt ein Glas natürliches„Franz-J»sef"vie die Akazie. Sie kann einem einfach die Sinne rauben; ein einziges Büschel der Akazie duftet stärker als ein ganzer Zweig des Faulbaumes. Sic duftet stark und süß, wie eben ein Baum im Frühling duften soll. Dazu ist uns im Süden das Meer geschenkt. Aus den urältcsten Zeiten stammt«in Ding, das sich die Menschen erdacht haben: das Boot. In den Mondnächten, wenn zu Hause- die Lehrbücher warten und zum Bootfahren keine Zeit bleibt, locken Meer und Boot das lernende Kind, wie der Pol den Forscher lockt. Die Prüfungen waren in vollem- Gange, und an Bootfahren war nicht zu-denken,' aber eines Abends ließen wir(meine Freundi Ljuba und ich) trotz alledem Katharina die Zweite gerade in dem Augenblick im Stich, als sie im Begriffe war, einen ungünstigen Frieden mit den Türken zu schließen, schlichen uns in den Garten und eilten zum Meer. Aus Vorsicht ließen wir die Lampe brennen, damit die Eltern glaubten, daß wir uns weiter mit Katharina und ihren Taten befaßten. Die Geschichte spielt in unserem Landhaus. Wir laufen durch den Obstgarten, gleich hinter uns der Hauslehrer und der Bruder, die mit uns im Einverständnis sind. „Hören Sie, Wera," flüstert mein Lehrer Jakob Martewitsch und drängt sich durch den Drahtzaun,„mein Ehrenwort, ich bin unruhig! Sie hätten noch Arithmetik wiederholen müssen, ganz besonders die Multiplikation der Bruchzahlen." „Macht nichts!" brumme ich, während ich fast den steilen Abhang hinabkollere.„Ich Weitz alles. Um Bruchzahlen zu multiplizieren, mutz ich zunächst meine Schuhe ausziehen, sonst kommt Sand herein." Endlich sind wir beim Meer. Unser Boot heißt„Nini" und wird tagsüber zum Fischfang benützt. Unter der Bank plätschert ein vergessenes Fischlein, das von der Abendfrische aus seiner Ohnmacht erweckt worden ist. «Im Boot ist viel Wasser," sagt besorgt niein Bruder Pawa,„und wir haben nichts, womit wir es auSschöpsen können." „Ja richtig," wendet sich der Lehrer an meine Freundin Ljuba,„da wir vom Ausschöpfen sprechen: was wissen Sie von der Pumpe?" . O Weh, sie Weitz wirklich gar nichts von ihr. Am Horizont erscheint der Mond, gewaltig groß wie die untergehende. Sonne. Ich glaube sogar, ihn später nie mehr, so grotz gesehen zu haben, wie in dieser Nacht. Das Meer ist ruhig, und man sieht bald kupferfarbene, bald goldene oder silberne Streifen über die Wasserfläche tanzen. Mond und Meer scheinen zu verschmelzen. Wir tauchen die Ruder ein, und sanft trägt uns die Meeresströmung, das Boot füllt sich immer mehr mit Wasser, das Ufer entschwindet immer mehr, die Bruchzahlen beunruhigen nüch immer weniger, der Mond steigt höher und höher.. Wir kehren auf demselben Weg zurück, mit trockenen Lippen und nassen Füßen. In unserent Obstgarten, der leider nicht unserer ist, wachsen wunderbare Kirschen. Wie nun der Mond eine kleine Sonne genannt lverden kann, so können diese Kirschen kleine Zwetschken genannt lverden. Sie glänzen im Mondlicht und erscheinen schwarz, vblvohl sie- in Wirklichkeit dunlelrot sind. Es ist bekanntlich eine alte Wahrheit, daß die gestohlenen Früchte am sühesten sind. Dieselben Kirschen, zu Mittag in Tellern aufgetragen, erscheinen leblos, ganz wie Schmetterlinge auf Stecknadeln. Ljuba und ich bleiben beim Anblick der Kirschen wie angewurzelt stehen. Ich spüre schon sm Mund die saftigen, vom Monde abgekühlten Kirschen, und cs scheint mir sogar, daß mir die Multiplikation der Bruchzahlen leichter sn den Kops gehen wird, wenn ich von solchen Früchten koste. „Ljuba," sage ich,„was meinst du?" Aber Ljuba hat keine Zeit mehr zuni Nachdenken. Sie steht schon unter dem Baum» pflückt die Kirschen mit beiden Händen und verschlingt sie gierig. Da beginne auch ich sie hinunterzuschlingen. Pawa und der Lehrer, die unser Verbrechen nicht unterstützen wollen, stehen beiseite und kauen etlvas ganz im stillen. Ich fürchte, datz es auch Kirschen sind. Und gerade in dem Augenblick, in dem der Genuß der gestohlenen Kirschen am höchsten ist, erscheint Ossip, der Pächter des Obstgartens. Er ist furchtbar und grausam, aber ich, genau so wie der Pope in Tschechows Geschichte, erstarre vor lauter Genuß und kann nicht aufhören zu' essen. Das einzige, lvas ich zu meiner Sicherheit tue, ist, daß ich mich ganz dicht an den weißgetünchtcn Stamm des KirschbaunieS schmiege, weil ich hoffe, daß er mich in meineni Weißen Kleid nicht entdecken wird. Aber Ossip hat scharfe Augen. Auch der lvuuderbare Vollmond, der so wie die Sonne das Meer beleuchtet, erweist mir einen schlechten Dienst. Unbarmherzig taucht er den Kirschbaum in Licht, und Ossip konimt näher und näher. Ohne Erregung packt er mich an der Schulter, mich, die ich in der Seele Reue, aber im Mund Kirschen habe. Der Zorn Ossips ist fürchterlich: seine Worte fallen lvie harte Schläge auf mich: Er beleidigt meine Gegenwart, wirft einen Schatten auf meine Vergangenheit und malt in den dunkelsten Farben meine Zukunft. „Eine Diebin wird aus Ihnen!" zischt er mir ins Gesicht.„Ihre Mutter glaubt, es lvächst ihr eine brave Tochter auf, ein Trost im Alter. Sie heiratet einmal einen Doktor oder Buchhalter. Und lvaS macht das Töchterchen um diese Zeit? Wie ein Dieb schleicht cs sich in fremde Gärten! Sie wollen gebildet werden? Das alles ist umsonst, wenn Sie solche Neigungen haben! Aber ich werde morgen alles Pjotr Adrianowitsch erzählen!" Als ich diesen Namen höre, werde ich fast taub und blind vor Schrecken. Endlich, wie wenn ich aus dem Wasser tauche, krieche ich allmählich aus meinem Versteck heraus und sage: ..„Ossip, bitte, ich flehe Äe an, erzählen Sie ihm nichts! Ich weiß selbst nicht, wie das geschah. Mein Ehrenwort, es ist auf einmal über mich gekommen, ich weiß nicht wie." Aber Ossip ist nicht zu rühren. »Ich erzähle alles, aber auch alles," wiederholt er. (Schluß folgt.) B e z u g s b e d i n g u n g e n: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig. KL 96.—, ganzjährig KL 192.—.—Inserate werden laut Taris billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung, der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegräphendirektion mit Erlaß Rr. 13.899/VI1/1V30 bewilligt. Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags, und Zeitungs-A.-G., Prag.