I a k r i'1 e m i e 14. Jahrgang Mittwoch, 22. August 1934 Nr. 195 (•intcMitMIch 5 Hellar Polio) IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI INDERTSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK IRSCHUNT MIT AUSNAHME DBS MONTAG TÄGLICH FRÜH. RCOAKtiOKi UNO Verwaltung präg xii.,*ochova«. iwpom stvr. Administrator imeson smm. HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. YERANTWORHtONR REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FEAS. li Mussolinis SdUcpptaD SMusMniSL in Florenz Goebbels wird nach Warschau abgeschoben? Warschau, 21. August. Der heutige„Kurjer Warszawski" behauptet tu einer Meldung aus London, daß der reichödeutsche Propagandamini- jtcr Dr. Goebbels für den Posten des deutschen Gesandten in Warschau auöcrsehen sei. Die Entsendung Dr. Goebbels nach Warschau soll angeblich auf die Forderung Dr. Schachts hin erfolgen, der eine Acnderung auf dem Posten des Reichspropagandaministers wünscht. Rintelen auch nnanzieller Machenschaften beschuldigt $n der Untersuchung der Affäre deS ehemaligen österreichischen Gesandten Dr. Rintelen ist, Ivie die„S t u n d c" von informierter Stelle erfährt, in den letzten Tagen eine sensationelle Wendung eingetretcn. Das Vermögen Rintelens wurde, diese» Informationen zufolge, nicht nur zur Sicherstellung der durch den nationalsozialistischen Putsch verursachten Schäden in Stoicr- marl, sondern auch deshalb beschlagnahmt, weil die Behörden nunmehr den Ursprung des unerwartet großen Vermögens des ehemaligen Ministers und Gesandten untersuchen. Anbiederungsversuche an die Unke Bundeskanzler Dr. Schuschnigg erklärte gegenüber der Wiener Vertreterin des„Giornale d'Uälia"Autoritäre Stäatsführung heißt nicht, daß man-Gruppen, die früher auf dem Standpunkte des reinen Negativismus standen, zurückweist, lvcnn sie den ehrlichen Willen zur Mitarbeit zeigen. Es ist im Gegenteile jeder, der guten Willens ist, im Rahmen der großen vaterländischen Aufbau-Organisation der Vaterländischen Front willkommen. Die Landcslcitung Tirol der Ostmärkischen Stnrmscharcn hat einen Aufruf erlassen, der sich mit der Haltung der Arbeiterschaft in den Juli- Putschtagcn befaßt. Der Juli-Putsch habe gezeigt, daß die Arbeiterschaft österreichisch einst e st c l l t sei. Schon deshalb habe der oraune Aufruhr zusammcnbrechen müssen. Das dürfe man den österreichischen Arbeitern nie vergessen. Ter Aufruf schließt mit den Worten:„Verletztet und kränket den Arbeiter nicht, wenn er auch früher euer politischer Gegner war, vergesset nicht, daß in ihm in den Feber-Tagen eine Gedankenwelt zusammknbrach, die ihm ebenso wert war, als euch die eure. Schonet seine Gefühle und achtet an ihm die Tatsache, daß er heute österreichisch ist, obwohl man ihm die alten Ideale nahm. Lasset ihm Feit, sich abzufinden und zurechtzufinden. Lasset ihm verwinden und vergessen und meidet alles, was ihn daran erinnern muß, einst euer Gegner gewesen zu sein." * Die Hintergründe dieser Anbiederungsversuche des Kanzlers an die sozialdemokratische Arbeiterschaft sind viel zu durchsichtig, als daß sie ernst genommen werden könnten. Herr Schuschnigg weiß nur zu gut, daß auf die schöne Lta- stenreisc. eine welliger angenehme. Reise nach Genf folgen müssen wird, da von Mussolini alles, nur nicht die. unbedingt notwendige finanzielle Hilfe zu erreichen ist. Herr Schuschnigg will sich für das Genfer Forum durch ein paar billige Redensarten den Anstrich geben, als ob. er im Grunde seines Herzens doch ein Mann der inneren Versöhnung und nur die anderen solche unverbesserliche Trotzköpfe seien, die sich absolut nicht durch die„autoritäre" Führung beglücken lassen Ivollen. Ob ihm dieses Manöver aber gelinsten wird, muß stark bezweifelt werden. Frankreichs Außenhandel hoch Immer rUckliufls Paris, 21. August. In den ersten sieben Monaten des heurigen Jahres betrug die Einfuhr nach Frankreich 14.328 Millionen Franken, was gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres-einen Rückgang um 2.VS1 Millionen bedeutet; die Ausfuhr be.trug 10.150 Millionen Franken, d. s. um 280 Millionen weniger als im vergangenen Sabre. Florenz, 21. August. Bundeskanzler Dr. Schuschnigg ist heute in Begleitung deS Sekretärs SektionSrat Dr. Seidl unt 10 Uhr 43 in Florenz ringetroffen. Zur Begrüssung des Kanzlers hatten sich Ministerpräsident Mussolini in Begleitung deS Staatssekretärs Suvich sowie zahlreiche Vertreter der staatliche» und städtischen Behörden und der faseistischen Partei am Bahnhof eingefunden.. lieber die Besprechungen der beiden Staatsmänner wurde ein amtliches Kommunique veröffentlicht, in deni es heißt: Der Vorsitzende der italienischen Regierung, Mussolini, und der österreichische Bundeskanzler Dr. Schuschnigg, hatte in der Billa Marini zwei Unterredungen, die im ganzen drei Stunden dauerten und bei welchen alle Angelegenheiten, welche die beiden Staaten in wirtschaftlicher, politischer und kultureller Hinsicht betreffen, ausführlich behandelt wurden. Die beiden Staatsmänner konstatierten die Urbereinstimmung ihrer Ansichten bezüglich der Richtlinien und Methoden zurErhaltung der U n a b h ä n g i g k e l t u n d Integrität Oesterreichs, sowie der innere» österreichischen Autonomie, die dem allgemeinen europäischen Interesse dient, und der Er- .Haltung der Ruhe lm Donangebiek. In w tr t- schaftlicher Hinsicht wurde die Bedeutung der Protokolle von Rom betont, deren Inhalt e r- w eitert und vertieft werden kann. Beide Staatsmänner anerkannten übereinstimmend die Nützlichkeit einer weiteren Tätigkeit im Sinne der herzlich«!» Zusamnienarbeit zwischen den beide» Staaten, dir von dem verstorbenen Bundeskanzler Dr. Dollfuß eingeleitet und verwirklicht wurde und die auch in Hinkunft die leitende Idee für die gegenseitigen Beziehungen zwischen Italien und Oesterreich bleiben soll. Millthrkonventlon? Der Sonderkorrespondent deS„Malin" meldet auS Florenz, dass über eine dauernde M i l i- tärkonvention» wahrscheinlich in Form eines gegenseitigen Hilfe-Pakts, eriuogrn werden wird. Kleine Entente soll wirtschaftliche Opfer bringen? Die Wiener„Reichspo st" schreib! über das Programm der Zusammenkunft: Ein Hauptpunkt für Oesterreich wie für Italic» sei die mögliche räumliche Erlveiterung der Rompakte als Ausdruck der Interessengemeinschaft der verschiedenen Wirtschaftöbindungen im Donauraum. Italien würde es sicherlich begrüßen, wenn die Kleine Entente, z u m i» d e st einzelne Partner dieses BlockstzstemS, sich entschließen könnten, dem Wiederaufbau Mitteleuropas wirtschaftliche Konzessionen zu machen. Man glaubt darüber hinaus in kaufmännischen italienischen Kreisen, daß sowohl P o l e n als auch Bulgarien besondere Möglichkeiten einer noch engere» Zusammenarbeit mit Italien, Oesterreich und lingarn hätten als bisher. Rach den Informationen deS Berichterstatters der Agentur HavaS drehten sich die Unterredungen eher uni di« praktische Geltendmachung der bisherigen Abkommen, als um daS Suchen eines neuen Planes oder einer neuen Lösung. An italienischen amtlichen Stellen wird hervorgehoben, dass die heutigen Unterrednngeti hauptsächlich für diejenigen Staaten Bedeutung haben können, welche ebenso wie Italien für die(sogenannte)»Unabhängigkeit" Oesterreichs zu arbeiten bereit sind. Der PaffuS deS amtlichen Kommuniques über di« Erlveiterung der römischen Protokolle wird an zuständigen italienischen Stellen als A v p e l l a n d i e K l e i n« Ente n t e und hauptsächlich an Jugoslawien erklärt. Die Frage der Rückkehr auf den österreichischen Thron habe überhaupt nicht auf dem Berhand- lnngöprogramm gestanden, ebenso nicht die Frage eineS besondere« italienisch-österreichischen Mili- tärabkommenS. Friedensfühler gegenüber Deutschland? Bundeskanzler Schuschnigg erklärte dem Vertreter der Agentur Stefan!, er habe bei dem Duce weitestes. Verständnis für die österreichische Politik gefunden, die von dem Grundsatz der absoluten(?!) Freiheit und Unabhängigkeit Oesterreichs ausgehend, ihren europäischen, d. h. pazifischen, der politischen und wirtschaftlichen Erneuerung Oesterreichs dienenden Charakter stets beibehalten werde. Deutschland gegenüber bleibe der Standpunkt Oesterreichs unverändert. Die österreichische Regierung müsse vollständig und in jeder Richtung das Lebensinteresse ihres Landes im Auge haben. Sobald dieser Standpunkt Anerkennung finden werde, werde jedes Hindernis einer Wiederherstellung der nor- malen Beziehungen zu Deutschland Wegfällen und die gegenwärtigen Schwierigkeiten, für die nicht Oesterreich verantwortlich sei, verschwin den. DaS kleine Oesterreich habe sich stetS in Berteidigungsposition befunden. keine Zusammenkunft mit Zita An den Unterredungen Mussolinis mit Dr. Schuschnigg beteiligte sich auch der Unterstaatssekretär für AcußereS Suvich. Gleich nach Beendigung der zweiten Unterredung begab sich Mussolini im Auto in das Hauptquartier der italienischen Manöver. Gegenüber den verbreiteten Gerüchten wird erklärt, daß sich Bundeskanzler Dr. Schuschnigg während seines Aufenthaltes in Italien nicht nach Biareggio begeben wird, wo bekanntlich soeben die Exkaiserin Zita weilt. Einsiedel Wie schon der Name sagt, handelt cs sich um eine stille und bisher wenig bekannte Agrar» gemeinde im Tcplcr Hochland, die zum Schau» Platz einer Peinlichen Affäre geworden ist. In Einsiedel ist auf einem Feste des Bundes der Deutschen die Staatsflagge zum Anlaß eines Konfliktes geworden, der den Nationalisten hüben und drüben erwünschten Agitationsstoss liefert. Zu dieser Angelegenheit ist auch vom Standpiülktc der deutschen Sozialdemokratie ein offenes Wort zu sagen, und zwar nach beiden Seiten hin. Zunächst der Tatbestand. Die erste Meldung des amtlichen Prcssebureaus behauptete, die Staatsfahnc sei auf dem besagten Einsiedler Festumzug von einem geistig beschränkten Menschen getragen worden. Diese Behauptung scheint auf einer Ncbertreibung zu beruhen, denn sie kehrt in dem Nachtragsbcricht des Pressebureaus nicht wieder. Es dürste in diesem Punkt die Dar» stellung der Veranstalter richtig sein, welche er- klären, die Staatsfahne sei von dem Ehrenob- mann der landwirtschaftlichen Burschenvcrcini- gung getragen worden. Dagegen ist in anderer Hinsicht die amtliche Berichterstattung b c st ä- t i g t worden. Wenn nämlich die Gemeinde Einsiedel eine Geldbclohnung von 180 Kronen für die. Nennung des Täters ausschreibt, der die Staatsfahne über den Gartenzaun geworfen und vernnehrt hat, dann straft sie das Dementi der Veranstalter Lügen. Denn dieses Denienti besagte:„Während der ganzen Dauer des Festes befand sich die Fahne auf ihrem Platz und die Gendarmerie fand keinen Grund zum Ein» schreiten." Auf diese Einzelheiten muß hingewiescn werden, um darzutun, wie nationalpolitische Affären entstehen und wie sic leider auch aufgc» bauscht werden. Soweit der Tatbestand nunmehr geklärt erscheint, liegt zweifellos eine grobe Ungehörigkeit vor. Kein Staat läßt firli seine Symbole ungestraft beleidigen und liniere Deutschbürgerlichen, die sonst sehr für die StaatSantorität schwärmen, müßten dafür ganz besonderes Verständnis haben. Die dontschbürger» liche Presse hielt cS aber nicht für notwendig, gegen diese volksschädigcndc LauSbübcrei ein Wort zu sagen. Selbst die„Landpost" begnügte sich damit, das im Kern nun als unwahr erwiesene Dementi der Veranstalter zu vertreten und die Darstellung des Prcssebureaus als„frei er- funden" zu bezeichnen. Die„Bohemia" ging einen Schritt weiter und schrotete die ganze Sache unter der lausbübischen Uoberschrift„Polizeihund überflüssig" gegen die deutsche Sozial- demokratie aus. Dieses Bürgerblatt erdreistete sich an unsere Adresse zu schreiben: Aus fast jeder Ruß, die heute von diesem Baum gepflückt wird, kollert, wenn sie zerschlagen wird, ein größeres oder kleineres Denuntiatiönchen heraus, das dann wieder von tschechischer Seite ohne jede nähere Prüfung mit Behagen verzehrt wird. Die„Bohcmia" bezeichnete, ohne sich von dem Sachverhalt näher informiert zu haben, die ersten Berichte aus Einsiedel einfach als „Schaumschlägerei". Die. Ausschreibung einer Belohnung durch das Bürgermeisteramt Einsiedel und das bannt verbundene Eingeständnis der vorgefallcnen Geschmacklosigkeit enthebt uns der Aufgabe, die Anmaßung der„Bohemia" mit einer neuerlichen Züchtigung ihrer demokratisch getarnten Nazimethoden zu beantworten. Das repräsentative Organ des sudetendeütschen Bürgertums wird auch weiterhin jede hakenkreuzle- rische LauSbübcrei decken und damit seinen Teil zur nationalen Vergiftung beitragen, wenn eS bei solcher Liebedienerei ein bißchen Geifer gegen die deutschen Sozialdemokraten verspritzen kann. Ein Verantwortungsgefühl hat diese Presse nie gekannt. Und die Presse deS Herrn Spina? Sie HAte über den Fall Einsiedel von Anbeginn am beste» Goebbels Wahlschlacht Seite 2 Nr. tSb Mittwoch, 22. Auzttst 1934 In flagranti ertappt I via Kampfmethoden unserer deutschbllrgerllchen Presse Charblner Generalkonsul referiert in Moskau Moskau, 21. August. Der am Montag in Moskau eingciroffeue sowjetrussische Generalkon« sul in Charbin Slaivetzli erstattete heute im Austenkommissariat der Sowjetunion einen Bericht über die politische Lage an der chinesischen Ostbahu. Der Generalkonsul wird mehrere Wochen in Moskau bleiben, angeblich zwecks Wiederherstellung seiner Gesundheit. informiert sein müssen, zumal sic mit dem Bunde der Deutschen durch ihren Abgeordneten Toni Köhler enge Verbindungen hat. Sic überlaßt eü aber nach wie vor den Blätter» der deutschen Sozialdemokraten, den besseren Teil des sudetendeutschen Boltes gegen die täglichen Nazibübereien in Schutz zu nehmen. Statt zwischen der- antwortlicher Regierungsarbeit und nationalso- zialisti scheu Bubenstücken einen scharfen Trennungsstrich zu ziehen, wctteiscrt die„Landpost" mit der„Bohcmia" und der lokalen Schriftleiterpresse darin, die deutsche Sozialdemokratie wegen ihrer grundsätzlich antifascistischen Haltung der „Denunziation" zu bezichtigen.' Wir erwarten von den deutschen Agrariern keine Ueberraschungcn mehr. Ewig werden sie ja das Vergnügen, auf zwei Stühlen zu sitzen, nicht auskosten können. Der Gegensatz zwischen den Pa- triotischen Reden der Herren Krepek und Zierhut und dem Bestreben, im Lande draußen den An- fchluß an die Front des deutschvölkischen Negati- vismus zu finden, ist zu auffallend. Die„Land- Post" möge, ehe ihr nächster Wutausbruch gegen die Marxisten fällig ist, wenigstens eindeutig erklären, ob sie die Vorgänge in Einsiedel weiter zu decken gewillt ist und ob sie auch das Geständnis des dortigen Bürgermeisteramtes etwa als sozialdemokratische Denunziation betrachtet. Diese krstische Stellungnahme gegen den deutschen Chauvinismus und seine Helfer berechtigt uns aber auch, mit aller Schärfe Front zu machen gegen die demagogische AuSschrotung deS Vorfalles von tschechisch-nationalistischer Seite. Wir berichtigen in aller Form die in einigen Blättern aufgetauchte Meldung, daß an der sonn- tägigen Kundgebung des Herrn Dubickh organisierte deutsche Sozialdemokraten teilgenommen hätten. Wir führen unseren demokratisch-republikanischen Kampf aus eigener Kraft, gestützt auf die Solidarität unserer tschechischen Genossen. Jede Gemeinschaft mit der Gren^lerpolttik des Herrn Dubickh lehnen wir entschieden ab. Jene Herrschaften^ welche den Vorfall.Einsiedel jetzt gegen die Deutschen schlechthin auSschroten möch- ten, mögen sich lieber anschauen, wie unsere Ar- beitsmenschen in den Grenzgebieten leben. Eine Politik, welche den letzten Deutschen aus dem Staatsdienste verdrängen und die Deutschen auch Schritt für Schritt in der Privatwirtschaft aus- schalten, zum Bettlcrtum und zum Hungertode verurteilen möchte, schafft gerade jene vergiftete Atmosphäre, welche Zwischenfälle, wie den Ein- siedler, zeitigt. Wer der nationalen Brunnenver- giftung Einhalt tun und eine wahre Völkerver- ständigung herbeiführen will, muß gegen die Fronten des deutschen u n d des tschechischen Na- tionalismus eine eisenfeste Front der nationalen Verträglichkeit und Zusammenarbeit aufrichten. Was ist da» doch immer für ein Geschrei über den„Ton" der sozialdemokratischen Presse, der die zarten Ohren unserer Bürgerlichen so verletzt I Was gab e» doch in der letzten Zeit wieder für eü» Gezeter Über die„verabscheuungSwiiM» gen Methoden", mit denen wir unsere Gegner angeblich bekämpfen! Waö wurde uns doch nicht alles als„Lüge" und„Verleumdung" angekreidet, ivas nichts anderes war als die lautere Wahrheit, was wurde nicht alles als„Denunziation" verschrien,>vas einfach die Feststellung auf der Hand liegender Tatbestände wär. Nun rvollen wir einmal an einem kleinen Beispiele die Methoden charakterisieren, deren sich die angeblich so objektive, angeblich so wahrheitsliebende und seriöse bürgerliche Presse bedient. In den„Lidovi No- vinv" erschien in der Vorwoche folgende Notiz: »Wie da» Ministerium für öffentliche Arbeiten bei der Vergebung von Arbeiten vergeht. Bor kurzer Zeit hot das Ministerium für äftentliche Arbeiten den Bau der Hydro zentrale an der W a a g bet Lader einer um mehr als eine halbe Million teuereren Firma vergeben, obwohl eine konkurrierende Firma ebenso gut war,' so dah der Staat diesen Betrag hätte ersparen können. ES verlautet, dast sich ähnliche Unzukömmlichkeiten unter den gleichen Umständen und Einflüssen bei der Vergebung deS BetonzuleitnngS- kanales zu dieser Hydrozentrale wiederholen sollen. Der Minister für öffentliche Arbeiten ist ein perföickich integerer Mensch— wir empfehlen ihm, die Wirtschaft seine» Amte» mit öffentlichen Lieferungen persönlich zu überwache» und nicht davor zurückzuschreeken, Einflüssen, die er dabei feststellt, entgegenzuwirken, auch wenn da» Einflüsse von ihm nahesteheirden politischen Sekretariaten sein werden." Diese Notiz enthält also einen Angriff auf da» Arbeitenministerium, der, Ivie in anderem Zusammenhänge noch nachgewiesen werde» soll: vollkommen unberechtigt ist und vollständig daneben geht. Mer die„Lidovö Noviny" stellen in ihrer Veröffentlichung ausdrücklich fest, daß der Minister für öffentliche Arbeiten, Genosse Dr. Czech, ein Mann von persönlicher Die Kommunisten und die Abstimmung vom 19.-August Nicht uninteressant ist die eigenartige politische Haltung der Kommunisten anläßlich der Volksabstimmung in Deutschland zu betrachten. Die Kommunisten gaben nämlich die Parole aus, bei der Abstimmung für Thälmann zu stimmen. Diese Sttmmen wurden aber al» ungültig betrachtet. Hätten die Kominunisten sowie die anderen antifascistischen Gruppen in Deutschland die Wahlparole„nein" auSgegeben. wäre wohl die Zahl der Nein-Stimmen größer gewesen. Man glaubt auch, daß die Anhänger der kommunistischen Partei in Deutschland nicht einheitlich gestimmt haben. Die einen, welche von der Wahlparole der Kommunisten erreicht wurden, haben auf die oben erwähnte Weise ungültige Stimmen abgegeben, Integrität ist und geben damit deutlich zu verstehen, daß ihr— im übrigen unberechtigter — Angriff seine Person nicht betrifft. Schon am nächsten Tage bemächtigten sich die„R e i ch c n b c rg e r Zeitung" und mit einer geringfügigen Variante der Brünner „T a g e s b o t e" dieser Notiz der„Lidovö No» viny", die seitdem via.„Sudetendeutsche Tageszeitung" den Rundgang durch die Schriftleiter« presse der Provinz angetreten hat. Mer in welcher Fassung wird den Lesern diese Notiz dargeboten! Dian höre: „Zu hohe Lieferungsangebotel Der Bau deS großen Wasserwerkes an der Waag wurde dieser Tage vom Arbeitenminiflerium einer-Firma vergeben. Der„Lid. Roviny" zufolge sei das Angebot um eine halbe Million höher als das einer anderen qualitativ' gleichen Gesellschaft. Aehnlich soll bei der Vergebung des Baues der Zuleitungskanäle zum Elektrizitätswerke vorgegangen worden sein. Da» genannte Blatt fordert den Arbeitenminister auf, die öffentlichen Lieferungen zu überwachen, auch wenn er dabei den Ueberfluß (soll wohl heißen: Einfluß) von ihm nahestehenden Parteisekretären feststellen sollte." Hier ist also dieStellevon d e r Person l i ch e n Integrität des Mini- st e r s weggelassen und das ganze in einen Angriff auf den Genossen Dr. Czech umgebogen, dem indirekt vorgeworfen wird, daß er bei der Vergebung von Lieferungen nicht mit der nötigen Objektivität vorgeht. Wie gesagt, cS wird noch gezeigt werden, daß die Vorgangsweise des Ar« beitenministeriums in dieser Sache jeder Kritik standzuhalten vermag und daß auch die Bemerkung der„Lidovö Noviny" von den dem Minister nahestehenden politischen Sekretariate vollkommen unbegründet ist. Aber wir unterbreiten der ganzen deutschen Oeffentlichkeit diesen Fall, der ja schließlich nicht irgendwelche Halenkreuzwische der Provinz betrifft, mit der Frage, wa» sie dazu sagt, daß die dentschbvrgerliche Presse aus einer Notiz eines tschechischen Blatte», da» einem deutschen Minister ausdrücklich die persönliche Integrität attestiert, diesen Satz bewußt hinauSfälscht, um die ganze Sache zu einem schäbigen und nota Vene ganz unberechtigtm Angriff aus die Ehre eine» deutschen Ministers mißbrauchen zu können. die andere»» aber, welche voit der Wahlparole der Kominunisten»licht erreicht wurden, oder mit die- scr^Wahlparole nicht einverstanden waren, haben mit den übrigen Äntifascisten mit„nein" gestimmt. Hätten die K o m m, u n i st e»» sich an die einheitliche Wahlparole der antifascistischen Gruppen in Deutschland gehalten, wäre die Zahl der Nein- Stimmen noch größer gewesen als sie ist. Das Vorgehen der Kommunisten liefert wieder einmal den schlagenden Beweis dafür, wie unernst es den Kommunisten mit der Parole der Einheitsfront ist. Wenn irgendwo in der Welt ein einheitliches Vorgehen notwendig ist, so war cS sicherlich am 19. August in Deutschland der Fall. Daß es die Kommunisten nicht getan haben, zeigt, daß sie eS mit der Parole der Einheitsfront nicht wirklich ehrlich meinen. Mn vernichtendes Urte» . über Popen» diplomatische Fähigkeiten' Der amerikanische Diplomat Perry Belo m o n t erklärte i»n»Petit Journal? u. a„ die preußische Mentalität sei sehr tzrfitidcrisch und durchdacht, aber auch kurzsichtig, und paffe sich sehr schlecht der Mentalität anderer europäischer Staaten und noch weniger der Mentalität Frankreichs, bet Vereinigten Staaten und Englands an. Wir hatten, erklärte Belmont, während des Weltkrieges ii» den Vereinigten Staaten Beispiele dieser Mentalität in Kapitän v o n P a p e n, der Agent eines geheimen und feigen Kampfes war. Unsere Regierung forderte die Abberufung dieses merkivürdigcn Diplomaten. Seine Tätigkeit war ein schwerer Fehler für Deutschland, denn sie erleichterte un», an die Seite der Verbündeten zu treten. Es ist bedauernswert, daß die Wiener Regierung es als ihre Pflicht erachtete, Herrn von Papen al» deutschen Gesandten anzuerkennen. Unfallstatistik im Bergbau Da» Ministerium für öffentliche Arbeiten teilt mit: Eine Prager Tageszeitung brachte vor einiger Zeit die Nachricht, daß es in unseren Bergwerken alljährlich im Durchschnitt zu 6000 tödlichen Unfällen komme. Ihre Zahl sei gegenüber dem Jahre 1920 wesentlich gesunken, in welchem Jahre es 7617 tödliche Unfälle gegeben habe. Im Jahre 1932 habe es 6522 solcher Unfälle gegeben. In Wirklichkeit ereigneten sich in sämtlichen tschechoslowakischen Gruben in dm Jahren. 1929 1930 1931 1932 1933 tödliche Unfälle: 162 132 102 116 81 die Zahl aller sta tistisch erfaßten (also sowohl töd lichen alS auch schweren) Unfälle betrug... 7617 7S22 6638 SS5L 5206 Die von dem erwähnten Blatte genannten Zahlen der tödlichen Unfälle bedeuten also die Gesamtzahl der Unfälle, d. i. der tödlichen und der schweren zusammen. Tschechoslowakei kauft Welzen in Jugoslawien In den letzten Tagen fanden in Belgrad zwi- chen der tschechoslowakischen Getrerdegesellschaft, Sie durch ihren Präsidenten Dr. Feierabend vertreten war und den jugoslawischen Staat Verhandlungen über Weizeneitikäufe statt. Diese Verhandlungen sind mit einem positiven Ergebnis beendigt worden, die Tschechoflowakei verpflichtet ich von Jugoslawien 6000 Waggons Weizen einzukaufen und behält sich die Option für weitere 4000 Waggons bis 15. Januar vor. Der Ab- chluß erfolgte zu einem Preise von 140 Dinar ür Theißweizen und 136 Dinar für anderen Weizen loko Bratislava, lieber den Einlauf von MaiS wird später verhandelt werden. Dieses VerhändlungsergebniS wird nun für die Tschechoslowakei auSgenützt werden müffen. Wenn die Tschechoflowakei einen so großen Tell ihres Weizenbedarfes in Jugoslawien deckt, so »nüßte nun auch getrachtet werden, im Rekompen- ätionSwcge tschechoslowakische Jndustrieartikel in Jugoslawien anzubringen. Es wird Sache der kompetenten Faktoren sein, Maßnahme zu tref- on, die eine Hebung des tschechoslowakischen Jn- dustrieexporteS nach Jugoslawien bedeuten. SO /y. FRITZ ROSENFELD: «4 Cbqutta EIN ROMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAG IX. Mit Trommeln und Gesang zogen die Affas- sinen dahin, ein siegreiches Heer auf dem Heimweg. Ein Fest wollten sie feiern, vor Atrod und Alumat, Reiter sollten ihre Kunsfftücke zeigen, tanzen»volltcn sie und die Bogenschützen sollten ihre Kraft messen. Gaufler wollten sie laden, der Wein sollte fließen. Die Mauern von Ullcika standen am Horizont, da sagte ihnen eine Reiterschar entgegen. In schneeweißen Mänteln auf schneeweißen Pferden^ Die grüne Fahne voran mit der goldenen Sichel. „Ala Eddin ist es," raunten die Reiter.„Ala Eddin begrüßt uns." Auf einem Hügel, unweit der Burg, trafen sie Reiter. Die zwölf Tapfersten aus der Leibwache Ala Eddin waren es, die den Fürsten begleitet hatten. Hoch hob der Fürst die Hand, Halt gebot er den Reitern. Tula gab das Signal. Die Trommeln nahmen es auf. Fanfaren stießen gegen den Himmel: Ala Eddin, der Herr, heißt uns willkommen! Boin Pferd stieg Ala Eddin, vom Pferd stie- gen Tula, Amur und Omak, vom Pferd stiegen die Assassinen. Tief neigte sich Tula: „Allah war mit uns, Herr, wir straften die Ungläubigen. Niemand lebt in den Mauern von Kaschgar, der Allah lästern könnte." Ala Eddin sah streng im KreiS: „Ihr habt eure Arbeit gut getan,'' sagte er. ^Allab wird euch Dank zollen." Aber eS war etwas in Ala Eddins Blick, eine große Unruhe und Unzufriedenheit. Tula sah ihn an: da wußte er: Der Fürst will die Beute sehen. Er lvinkte den Reitern. Wies auf die Truhen. Auf den Speeren trugen sie die Truhen heran. Schlugen den Deckel auf. Goldene Gefäße lagen da, silberne Schüssel und Teller. Geschmeide, wie man es den Toten vom Leib gerissen. Diesen Ring mit dem grünen Stein hatte Tula selbst dem Aeltesten von Kaschgar vom Finger gezogen. Diesen Becher hatte ein Reiter aus Syrien gefunden, er hatte ihn verbergen lvollen, da traf ihn Tula» Mick, da saß Tulas Schwert an seiner Brust, und er ließ den Becher in die Truhe rollen. Aber die Beute erfreute die Blicke des Fürsten nicht. Er besah die Geräte, die Schüsseln, zuckte die Achsel. Tausende und tausende dieser Art besaß er längst. Er suchte nicht, was er bereits besaß. „Pie,Frau?n," befahl er, Tula stockte. E» war nicht Ala Eddin» Art, die Frauen im Freien zu mustern, vor den Augen des Heere«. In seinem Saal, bei Licht der Fackel»» entschied er; welche seine» Harems würdig wären und welche in den Garten kamen, für die Männer. Einen Herzschlag lang schwankte Tula. Aber er wagte nicht, dem Befehl auszuweichen. Die Frauen wurden geholl. Demütigen Blicks gingen sie an Ala Eddin vorüber. Drei ließ er gehen. Die Vierte packte er an den Aknen, das Tuch riß er ihr vom Leib, fest sah er in ihre Augen. Sie Ivaren grau, wie ein See bei Regen. Ganz nah nahm er nun die Frauen; prüfte sie. mit Aug und Händen. Es waren junge darunter, die weinten, und alte, die weinten. Ditz alten stieß er mit dem Fuß weg. „Hattet ihr sie. doch ersäuft!" schrie er zornig. Die Jungen ließ er zu einem Zug ordnen. Des abends sollten sie nochmals vor ihm stehen: dann wollt« er wählen. Die aber mit den Haaren, schwärzer als Ebenholz, und mit den Augen, heißer als die Sonne de» Sommers, fand« nicht. „Wo ist Osmin?" brüllte er. „Er ist vor Kaschgar gefallen," sagte Tula. „Gefallen," sagte Ala Eddin hämisch.„Geflohen, meint ihr?" ' Tula wußte keine Antlvort. Er hielt den Blick des Fürsten aus, so gut er konnte. Der Fürst war zornig. Eine Stadt hatte er in Asche gelegt, wegen einer Frau. Die Stadt starb; und die Frau— starb sic mit ihr oder ritt sie mit Osmin über die Steppe? „Sucht Osmin I" schrie Ala Eddin.„Sucht das Land ab. nach Osmin. Wer ihn bringt, bekommt drei Beutel mit Gold und zehn Weiber. Sucht Osmin." Langsam schritt Ala Eddin auf dem Hügel auf und ab. „Findet ihr ein Weib bei ihm, bringt e» zu mir", sagte er. Die Sonne lag in seinem Rücken, ein großer Schatten ging vor Ala Eddin her. Die Männer hofften: nun wird er befehle»», uns in den Garten zu führen, nun klingt uns bald der Gong in» Ohr und die Mädchen tanzen für.un». Tula hoffte: nun wird er sagen: Du bist ein getreuer Diener, Tula, einen großen Beutel Geld schenke ich dir, unter den Frauen darfst du dir die schönste wählen. Amur und Omak hofften: nun wird er sagen: treue Diener, seid ihr, habt das Heer gut geführt und gut im Zaume gehalten. Die» Gold soll ein kleines Zeichen meines Dankes sein. . Ala Eddin aber richtete sich groß' auf und sagte:' i „Ihr habt eine Stadt gestraft, wie ich eS wollte. Gut. Nun werdet ihr ein Land strafen. Ihr werbet ein Land züchtigen mit dem Schwert. Eschat nicht Allah gelästert, es hat mich, gelästert. Drei meiner Reiter wurden erschlagen, ihre Köpfe an den Toren der Hauptstadt aufgespießt. Rächer werdet ihr sein. Sechs Sonnen habt ihr Rast. Dann rüstet eure Pferde." Die Männer sahen einander an. Ein dumpfes Murren stieg aus ihren Reihen aus. Der Garten? Der Garten? Ala Eddin hörte die Worte nicht, aber er verstand ihren Sinn. Da wuchs er über fich hinaus, daß sein Blick einen jeden traf, da schrie er über den Hügel, daß ein tausendfaches Echo von den Bergen rollte: „Ihr zieht zu den Höhlen, ihr rastet sechs Sonnen, dann seid ihr bereit. Schärft eure Schwerter, cs wird euer härtester Kamps. Ich will es. Wer widerspricht mir?" Groß standen diese Worte um Ala Eddin, wie ein hoher Mantel umschlossen sie seine Gestalt. Die Blicke der Männer sanken zu Boden. Schweigen lag über dem Hügel Nicht nach Akrod, nicht nach Alumat. Kein Fest und keine Spiele. Kein Wein und kein Tanz. In die Höhlen, die feucht sind und kalt, Kerker für Verbrecher. Strafe statt Dank. Die Trommeln dröhnten. Die Fanfaren brüllten. Die weißen Reiter Ala Eddins nahmen die Beute in ihre Mitte, die Lasttiere und die Wagen mit den Frauen und Kindern. Leer zog das Heer der Assassinen in seine Höhlen. In die Berge eingeschnitten waren diese Höhlen. Einst hatten hier Räuber gehaust und die Karawanen überfallen. Nun hausten hier... „Sind wir anders als Räuber?", sprach der verwitterte, fahlgraue Perser, der neben Pal gekämpft.,, „Räuber sind tvir, die beraubt werden", schrie einer aus der Mitte der Retter. Schlaf fiel auf ihre Augen, in den Höhlen sanken sie hin, drei Tage und drei Nächte schliefen sie.-■-- Wasser sandte ihnen Ala Eddin und gedörrtes Fleisch. „Spielt er ein ehrliches Spiel, der Prophet Allahs?" fragten die Männer. (Fortsetzung folgt e die auf fünf Tage veranschlagte Verhandlung auf Mittwoch vertagt. Standrecht für Wien aufgehoben Wien, 21. August. Die österreichische Bundesregierung verlautbart heute die Aufhebung des Standrechtes über das Gebiet der Stadt Wien mit Wirkung vom 21. August, 24 Uhr. Die Verhandlungen der StandgerichtSscnate und der Militärsenate werden dadurch nicht berührt. Auch sonstige verschärfte Sicherheitsvorkehrungen, die außer der Standrechtsverordnung erlassen wurden, bleiben bis auf tbeiteres aufrecht. Exminister Bachlnger verhaftet Wie die Politische Korrespondenz meldet, wurdeir im Zuge der Erhebungen über die Rc- voltc in der Nacht vom 26. auf den 27. Juli in Gaspoltshofrn der ehemalige Minister B a ch i n- g e r, ein Landbmrdfiihrer und Jng. Pamperl sowie der Redakteur Jtzinger von der»Welser Bauernzeitung" verhaftet, und nach Welü überstellt. Sie werden als die geistigen Führer der notionnlen Verbände und damit auch der Revolte von GaSpoltShofen bezeichnet. Die„Säuberung“ des Tumerverbandes Zu der kürzlich gemeldeten Umbildung des österreichischen Turnerverbandes unter Aufsicht eines RegierungSkommiffärS wird noch gemeldet: Der Turnerverband in Oesterreich zählt 700 größere und kleinere Einheiten und bildet eine wichtige Position der nationalistischen Elemente. Deshalb hat die Regierung nicht dessen Auflösung angeordnet, um diese Einheiten nicht aus der Kontrolle zu verliere», sondern hat den Verband unter einer strengen Aufsicht unterstellt und zu diesem Zwecke den ganzen Vorstand abgesehl und ihn durch einen Rcgierungslomnnssär.ersetzt. Die Tätigkeit der Einheiten wurde einstiveilen bis zur Ernennung neuer Vorstände eingestellt. Diese Ernennung stößt aber auf Schwierigkeiten,,da oft in kleinen von den Hakenkreuzlern völlig durchsetzten Orten Leute gefunden werden müssen, die sich offen als Vertrauensmänner der Negierung erklären und eine Säuberung/in den Turnereinheiten durch Ausschließung pblitisch verdächtiger oder lvcgen politischer- Uebertrctungen polizeilich bestrafter Mitglieder vornehmen.- Einige Einheiten wurden bereits früher wegen hakenkreuzleri- scher Umtriebe aufgelöst,"ihre Tätigkeit wird aber »ach Einsetzung neuer Vorstände wieder ausgenommen werden. MiftSoch, 22.»tjmst WM. Offensichtliche Enttäuschung über das Hitlerregime Die„Times" Uber den Wahlausgang London, 21. August.(Reuter.) In Kommen« tierung der deutschen Volksabstimmung schreiben die»Times": In dem jetzt beginnenden neuen Kapitel wird der Führer reichlich Gelegenheit finden, durch politische Gesten die Aufrichtigkeit seiner Worte zu beweisen. Die Wahlkampagne setzte sich aus einer Reihe von Faktoren zu» fammen, die beunruhigend wirken. Die große Zahl der Kundgebungen an das Volk stellte Deutschland den Wählern das völlig falsche Bild eines Volkes vor, das umklammert ist von eifersüchtigen Staaten, die vorbereitet sind, bei erst- bestet Gelegenheit sich auf Deutschland zu stürzen. Das Ergebnis Ivär das Hochgchen einer großen Welle der Gefühle des FremdenhaffcS, die sehr schwer als Beitrag zum internationalen Frieden angesehen werden lapn. Es wird viele Ursachen zur tatsächlichen Bcnnruhignng geben, falls man es in Deutschland für notwendig halten wird, weiterhin mit derartigen Anfrufen gegen die durch den jetzigen Plebiszitausgang bereits offensichtliche Ent.täuschung anzukämpfen, und diese Beunruhigung wird sich noch vertiefen, falls sich die wirtschaftliche Situation weiter verschlechtern wird, was höchstwahrschein- l i ch ist. London, 21. August.(Reuter.) In Besprechung deS deutschen Plebiszits schreibt„Morning- post": Die Größe der aufrichtigen Unterstützung, die Hitler im Volke besitzt, könne mit dem Erfolg der Volksabstimmung nicht gemeffen werden da einen ungeheuere Menge der verschiedensten Motive unter der Gesamtziffer von 38 Millionen „Ja" verborgen bleibt. Die tatsächliche Begeisterung für den Führer hat zweifellos Millionen von Deutschen erfaßt, es mußte aber weitere Millionen Deutscher geben, denen zwar diese Begeisterung fehlt, die aber dennoch der Maffen- suggestion unterlegen sind, und weitere M i l l i o n e n, die einer wenig sympathischen Regierung gegenüber k e i n er Regierung den Vorzug gaben, und schließlich Millionen, die Zweifel über ben' tatsächlich geheimen Wahlcharakter hegten. Gleich dem„Daily Telegraph" hebt auch„Daily Chronicle" den bedeutsamen Rückgang der Stimmen zu ungunsten Hitlers hervor. Nichtsdestoweniger aber anerkennen sämtliche Blätter, daß die Volksabstimmung in Deutschland Hitler eine erhöhte Macht in die Hand gegeben hat.„Daily Mail" fügt hinzu:„Wie wird Hitler die Ergebnisse dieses Ber« trauenSvotums auSnützen?"„Daily Herald" behauptet, daß die Abstimmungsziffern in keinem Verhältnis zu den Tatsachen stehen und daß die wirkliche Gesinnung deS deutschen Volke» auch weiterhin unbekannt bleiben. Stockholm, 20. August. Die gesamte schwedische Presse hobt hervor, da» gestrige deutsch« Plebiszit habe eine Per'-">rnna der Autorität Hitlers gezeigt. Das lousecvative Organ„Svenska Dagbladet" fragt, ob in der deutschen Entwicklung nicht eine neue tragische Wendui^ eintrete. Die Offfizlersverschwörung In Griechenland Gegen 50 Verhaftungen Athen, 21. August. In Athen wurden weitere fünf subalterne Offiziere verhaftet. Die Anzahl der Verschwörer gegen die Regierung überschreite angeblich nicht 50 Militär- und Zivilpersonen. Der Kriegsminister Condillcs erklärt aber, cs handle sich um eine neueschrcrnsteVer- schwörerbewcgung, an der aktive und pensionierte Offiziere sowie zahlreiche Zivilpersonen beteiligt seien. Die Regierung sei bemüht, die Ruhe im Lande aufrecht zu erhalten. Später schwächte das griechische amtliche Preßbüro diese Darstellung wieder ab, indem es meldete, daß die Untersuchung bisher noch keine Umstände an den Tag gebracht hätten, die darauf Hinweisen würden, daß die Bewegung eine solche Bedeutung hätte, wie man ihr im ersten Augenblick beigelegt habe. Die Untersuchung dauert an. Venizelos macht den Kriegs minister verantwortlich Der ehemalige Ministerpräsident Venize- l o s erklärte in einer Unterredung mit dem Vertreter des Reuterbüros, der ihn über die angebliche revolutionäre Bewegung in Athen befragte u. a.:»Solange der KriegLminister C o n d i l i S seine Versuche, Diktator zu werden, fortsehen wird, werden in Griechenland Verschwörungen und Gegenverschlvörnngen an der Tagesordnung sein. Der Ministerpräsident sollte sich von Mini- stcr Condilis nicht so weit beeinflussen lassen, daß er das Land der Gefahr eines B Ur g e r k r i e- g e s aussetzt. Es ist sehr wahrscheinlich, daß alles, i was die verhafteten Offiziere erzielen wollten, I nur eine Manifestation gegen die diktatorische Po- ' litil des KriegsmimsterS war." Rom, 20. August. Die italienischen Blätter widmen heute ihre größte Aufmerksamkeit den großen Manöver» in der Umgebung von Bologna und nur der„Meflaggero" bringt all» einziges Blatt einige Notizen zu den Berliner Ereignissen. Aus diesen Bemerkungen geht hervor, daß nach Ansicht des Blatte» der gestrige Erfolg die Erwarmngen der Nationalsozialisten nicht erfüllt hab«,. Das Tschechoftowakische Prehbüro meldet aus Berlin: Der Umstand, daß bei der sonntägigen Volksabstimmung besonders in den großen Städten ein verhältnismäßig hoher Prozentsatz der Stimmen gegen Hitler abgegeben wurde, wird u. a. auch dadurch erklärt, daß in diesen großen Zentren der auf die Wähler ansgciibte»moralische Druck" nicht so stark war und daß die Bevölkerung, die dort von einer viel größeren Anonymität umgeben ist als in den Landstädten und Gemeinden, es wagen konnte, ihrer Unzufriedenheit mit dem Regime freien Lauf zu lassen. Der»Angriff" ist bestrebt, den ungünstigen Eindruck von dem unerwarteten verhältnismäßig hohen Prozentsatz der gegen Hitler abgegebenen Stimmen möglichst zu mildern. Er erklärt, das-in dem Gebiete zwischen dem Rhein, Belgien und Luxemburg aufgetretene Anwachsen der gegen das Regime abgegebenen Stimmen mit wirtschaftlichen und namentlich mit konfessionellen Gründen und deutet an, daß die Par- \ tei Sorge tragen werde, daß»da» Vertrauen unter der Bevölkerung dieser Gegenden zunehme". ♦ Hitler— der Krieg Die Baseler„National-Zeitung" fragt in ihrem Leitartikel:„Was wird die Auswirkung des deutschen Staatsstreiches sein, lvtrd er den Krieg beschleunige» oder in die Ferne rücken?" Das Blatt kommt zu dem Schluß:„Gelingt die deutsche Diktatur, dann wird der Krieg auf die Dauer unvermeidbar. Aber viele Anzeichen sprechen dafür, daß sie nicht gelingen wird". Zugleich werden die Gefahren betont, die in jedem Fall bestehen:„Die bisherige deutsche Entwicklung hat ein starkes Mißtrauen im Ausland und im Inland, ein allgemeines Sinken der Lebenshaltung, neben' ahnungslos bli»dem Bert rauen auch Spit- zeltum und allgemeine Ängst erzeugt.'Also muß auch die Gefahr bestehen, daß die Verhältnisse dann untragbar werden und die bekannte Diversion eintritt, wonach die U n z u f r i«- d e n h e i t gegen die eigene Regierung auf äußere Feinde ab gelenkt wird. Wer die Ausführungen der Nazipreffe liest, ihre Redner hört, der bemerkt, daß bisher schon diese Taktik eingcschlagen wurde. Was immer mißglückt, ist nicht etwa eigenen Fehlern, falschen Grundsätzen, Abkehr von erprobten Prinzipien, sondern bösen Feinden zuznschreiben". Die Politischen Ziele H i t l e r s, die in seinem Buche ausgesprochen wurden,„scheinen mit der Aufrechterhaltung des Friedens un- vereinba r". Otto wvar bei tlussoiini? Angeblich auf die Zukunft vertröstet Pari-, 21. August. Der Sonderkorrespondent des»Echo de Paris" sowie das Londoner Blatt„Daily Telegraph" veröffentlichen die Nachricht, daß Otto Hgbsburg vor Antritt seiner skan- dinavischen Reise eine Unterredung mit dem italienischen Ministerpräsidenten in Ricciona hatte und deshalb auch seine frühere antifascistische Erklärung desavouierte. Er versicherte Mussolini, daß seine Politik nicht auf die Rückgabe Südtirols gerichtet sei. Auch über die Möglichkeiten einer Union zwischen Oesterreich und Ungarn sei verhandelt worden. Mussolini hat Otto Habsburg angeblich gesagt, daß vorderhand von einer Restaurierung der Habsburger keine Rede sein könne, ihm jedoch die Möglichkeit späterer Erwägungen über diese Frage in Aussicht gestellt, und zwar, bis sich die innere Lage Oesterreichs gebessert habe. Such die Klmtner Industrie ! unter Kontrolle FeyS Freundschaft ersetzt fachliche Qualitäten Minister Fey, der Generalkommiffär für die Bekämpfung von staatsfeindlichen Elemente» deS österreichische» Wirtschaftslebens, ernannte im Einvernehmen mit dem Handelsministerium zum Kommissär ftir die Kärntner Jndustriennterneh- mungen den RegierungSrat Bernhard Scheichel- baucr, der ein p e r s ö n l i ch e r F r c u n d Feys 1 noch von der Front her ist. Scheichclbaner>var bisher Preffereferent der Landesregierung von Kärnten nnd Korrespondent der „N euenFr ien Presse" in Klagenfurt.. T.'I" 2 Wirrwarr Die Gegensätze im allfaseisti» schen Lager spiegeln sich auch in der katholische» Welt wieder und treiben groteske Blüten. In Deutschland fordert der Klerikalismus mehr Meinungsfreiheit, in Oesterreich würgt er sie mit ab, während umgekehrt der blutbefleckte Kle- rikofasciSmuS der sadistischen Hitlerdespotie erschreckenden Mangel m» Christentum und entsetzliche Mißachtung der Rechte anderer Völker vorwirft. Zu diesem babylonischen Zungenwirrivarr gehört ein Artikel der katholischen„Germania", in dem das Blatt, dem Papen immer sehr nahe stand, über das Kesseltreiben berichtet, das nach dem 25. Juli gegen Hitlcrdeutschland einsetzte und die Angriffe zurückweist: „Wir wollen gar nichts beschönige» und Volksgenossen, die in Recht und Sitte sehlgehen, nicht entschuldigen. Aber wir dürfen uns doch a l S V o l k mit den anderen messen, um wenigstens vor dem eigenen Gewissen bestehen zu können. Was ist denn das Vergehen der Deutschen Oesterreichs, die sich mit dem Gesamtvolte eins fühlen und sich verzweifelt gegen einen RegierungSkurS wehren, der die nationale Gemeinschaft verleugnet und die Deutschbcwußt» heit zur Staatsfeindschaft stempelt? Was ist denn unser Vergehen im Rei ch....? Sind die n a t i o n a l e n Gefühle, die sich unter dem gewaltsamen Truck manchmal explosiv Luft machen, so unerhört in der Welt und so frevelhaft vor der Geschichte?" Worin das„Vorgehen" des Dritten Reiches in diesem Falle besteht, das formulierte nach dem 25. Juli sehr scharf ein anderes katholisches Blatt, nämlich das Organ des Vatikans: „Die nationalsozialistischen Gangsters sind so in ihrem Blutrahmen geblieben, der um ihre Infamie gezogen ist... D o l l f u ß ist wie sein Bruder Klause« n e r gefallen." Mag die Germania den heiligen Vater fragen, was er sonst noch über die Gangsters denkt! Was aber sagt der Gesandte P a p e n zu dem Artikel seines Organs? Er soll ja doch wohl in Wien„ausgleichend" wirken, soll das Nazilrei- ben dämpfen helfen, während seine„Germania" gleichzeitig für die nationalsozialistischen„Ele- mcntarkräfte", die sich in Oesterreich angeblich Bahn brechen, eine Lanze einlegt.— Wahrlich, ein wildes Durcheinander, dieses wirre Gerede, Geschreibe und Geschieße im Lager der Totalregierer und antidemokratischen Welterneuererl 70.000 iiidlsche Emigranten Genf» 21. August. Auf der internationalen jüdischen Weltkonferenz erklärte der jüdische Statistiker Jakob Lestschinski, daß nahezu 70.000 Juden vor den Persekutionen seitens der Nationalsozialisten aus Deutschland geflüchtet seien, seit das neue Regime in Deutschland zur Maä» kam. Die politische Stellung der Juden sei in Osteuropa günstiger und lasse keine Hoffnungen für junge Juden zu, da die Verarmung in den breiten Schichten dieser Länder katastrophal sei. Die fortschreitende Verarmung des jüdischen Mittelstandes sei dadurch zu erklären, daß die nationalen Mehrheiten verschiedener Staaten ihre wirtschaftliche Ausdehnung auf Ko st en der nationalen Minderheiten vornehmen. Der Staatskapitalismus und die StaatSwirtschaftS- politik diene ihnen dazu, die Juden aus allen Berufen, die ste schon seit Jahrhunderten anSüben, zu verdrängen. Die krasseste Form einer derartigen Politik sei in Deutschland zutage getreten. Deutscher Kardinal für die Juden Der Diünchner Erzbischof Kardinal Faulhaber hielt dieser Tage eine Predigte- kosten betragen 280 Xö. Darin sind cinbezogen die Bahnfahrten(Schnellzüge), Nächtigung, Verpsle- gung, Einlaßkarten, Verbindungsfahrten(Autocar), Führer, Unfallversicherung und Trinkgelder. Näheres im Sonderprospekt, das kostenlos durch die Geschäftsstelle deS TouristenvereiueS„Die Naturfreunde". Aussig a. E., Marktplab 1 l, angefordert werden kann. standssozialiSmus" zu sagen weiß, liest man besser und gründlicher in den Schriften Ferdinand Frieds und des„Tat"krcises, journalistisch packender in Otto StrasterS Arbeiten. Allerdings muß man zu Ehren der Letztgenannten sagen, daß sie ihren Sozialismus bckenntnismäßig ernster nehmen, als der Feuilletonist auf dem Berliner Katheder. Bei ihm wird vom Ständestaat philosophiert. von kapitalistischer Planwirtschaft gesprochen, die UnmiSweichlichkeit der Autarkie bewiesen. Siedlung unter Schonung des GroßgrundvesibeS gefordert und Arbeitsbeschaffung mit(einem ganz kleinen bißchen) Inflation gefordert. Also kurz und gut: Werner Sombart deckt gravitätisch der» Mantel der Wissenschaft über die Gedanken bläßen deS Dritten Reiches. Mit dem Zitat einer„vortrefflichen Siedlerkorrespondenz" schließt das Buch.„Wir muffen uns in unserem deutschen Boden geradezu ein- graben, wenn wir uns in dem Wirrwarr der Welt behaupten wollen." Herr Profestor Werner Sombart hat das nun nicht mehr nötig. Mir diesem Buch hat er sich sein Grab bereits geschaufelt. Wenn man allerdings an seine Vergangenheit denkt, hätte man ihm einen besteren Grabstein gewünscht. Fichte gegen das Dritte Reich Johann Gottlieb Fichte, der deutscheste unter den deutschen Philosophen, hat schon vor 140 Jahren das Dritte Reich vorausgeahnt, denn er kannte die Unterdrücknngsmcthoden blut- saugerischcr deutscher Despoten und hat das deutsche Volk oft vor ihuen gewarnt. Mit folgenden begeisternden Worten hat er das deutsche Volk aufgerufen, sich die Denkfreiheit zu bewahren, die seht mit den Methoden des Naziter- rorS unterdrückt wird: „Nein, ihr Völker, alles, alles gebt hin, nur nicht die Dcnkfreihcit". Immer gebt eure Söhne in die wilde Schlacht, um sich mit Menschen zu würgen, die sie nie beleidigten, oder von Seuchen entlveder aufgezehrt zu werden, oder sic in eure friedlichen Wohnungen als eine Beute mit zurückzubringen; immer entreißt euer letztes Stückchen Brot dem hungernden Kinde und gebt es dem Hunde des GünstlingS— gebt, gebt alles hin, nur dieses von» Himmel abstammendo Palladium der Menschheit, dieses Unterpfand, dgß ihr noch ein anderes Los bevorstehe, als dulden, tragen und zerknirscht werden,— nur dieses behauptet. Die künftigen Generationen möchten schrecklich von euch zuriickfordern, lvas euch zur Ueberlieferung au sic von euren Vätern übergeben wurde. Wären diese so feige gewesen als ihr,— ständet ihr dann nicht noch immer unter der entehrendsten Geistes- und LeibeSsklovere» eines geistliche» Despoten? Unter bluiigei» Kämpfen errangen jene, was ihr nur durch ein wenig Festigkeit behaupten könnt." birgt, der Arbeit und Brot mitführt, dei» Mann, der fegen- und verderbenbringend wie ein Gott über den vierzig Einzclsck'Icksalen steht, die zitternd, mit flehenden Augen um seine Gunst bitten. Der blickt wie ein Feldherr über seine Sol- daien. Wechselt mit dem llnterüeamten einige Worte und beginnt sechzehn Mann einznstcllen. Sechzehn Mann stürzen auf das Werkzeug und umklammern die Strahenschlange, um sic mit Bürsten, Besen, Hacke und Schaufel zu bearbeiten. Sechzehn Mann! Sie haben im Taumel der verwirklichten Hoffnung auf ihre 30 Brüder ver- gesten, die müde und schleppend mit leerem Rucksack einer nach dem anderen hinter der scharfen Kürve verschwinden. Niemand fragt nach dem Augenblick, wo die Dreißig zu Hause cingetreten. Niemand interessiert die Augenblickstragödie, lvo der Mann in seiner Familie lvieder eine Hoffnung begräbt.— Niemand bewundert diese 30 Mann, die heldenhaft gegen ihren seelisch moralischen Niedergang wciterlämpfen. Niemand erkennt die menschliche Größe dieser Dreißig, die trotzdem weiterleben und verpflichtet sind, Gesetz und Gesellschaftsordnung einer verfaulten Hierarchie zu achten! Jos. Egerer- Neuberg... „Sozialdemokrat" Mittwoch, 22. A»gnst 1934. Nr. 19b Braune Boxhalbschuhe mit schön verziertem Rist. 214J. Der Diebstahl Von Wer« Inder. (Schluß.) Die ganze Nacht schlafe ich nicht und denke an Pjotr Adrianowitsch. Sogar die Angst vor den Prüfungen verblaßt vor diesem Schreck wie der Hunger vor dem Durst. Pjotr Adrianowitsch ist der Besitzer der Datsche. Er ist ein stilles, altes Männlein mit ganz tvcißem Haar. Seine einzige Beschäftigung sind die Rosen und der Obstgarten. Jeden Morgen sehen wir ihn, wenn er den Garten mit Schere und Vergrößerungsglas umkreist. Durch das Vergrößerungsglas mustert er die Zweige, ob nicht irgendtvclche schädliche Würmer darauf sind. Im Verkehr mieden Menschen ist er trocken und wortkarg, aber ich selbst habe einmal frühmorgens, als ich mühselig den Lmnonosow studierte, gehört, wie er mit den Weinslöcken sä)ält, daß sie nicht in der gewünschten Richtung wüchsen. „Ich verstehe euch schon," sagte Pjotr Adrianowitsch, während er mit der Schere die grünen Zwciglein stutzte,„ich verstehe euch schon: ihr sucht die Sonne, aber ihr habt euch hier um diese Stange zu winden. Das ist traurig, aber notwendig. Also bitte!" Er nahm das trotzig? Zwciglein und zeigte ihm den Weg.„Hier! Denn später, wenn die Birnen reifen, werdet ihr einander im Wege sein. Jedes an seinen Platz!" Dann ging er fort und setzte sich mit einem Buch auf die Terrasse. Aber auch während des Lesens blickte er noch immer von Zeit zu Zeit auf den widerspenstigen Zweig, dein cs eingefallen war, der Birne im Weg zu stehen. Alles an Pjotr Adriauoivitsch, angcsangeix von seiner Jacke und seiner Schere bis zu seiner Gewohnheit, mit den Pflanzen zu sprechen, erweckte in mir einen starten Schrecken. Begreiflich also, daß ich bei dem Gedanke» zitterte,'er könnte durch Ossip etwas von dieser furchtbaren Nacht erfahren. Ich crlvachtc blaß aus einem von Angstträumen erfüllten Schlaf, und als ich bei der Gco- metrieprüfung gefragt wurde, ob man durch einen Punkt'zwei Gerade ziehen könne, antwortete ich, 'daß dies nicht möglich sei, weil sie einander, wenn die Birnen reif wären, im Wege stehen würden. Es kamen Tage, wunderschöne Tage, di? letzten Tage des Spätfrühlings. In den Pausen während des Lernens spielten Ljuba und ich manchmal rasch ein oder zwei Partien Krocket und gingen dann fort, um einem jüngeren, glücklicheren Geschlecht, das noch nichts von Prüfungen tvußle, Platz zu machen. Aber nach einiger Zeit kam wieder eine Nacht, Ivo tvir uns heimlich ans Meer schlichen und auf dem Rückweg in die Macht des Kirschbaumes gerieten. Der Mond war nicht mehr da. Klein und mager zeigte er sich nur in der Mor- gciidäinmerung und war mitten in der Nacht nicht mehr gefährlich. Die Nächte waren dunkel und forderten zur Sünde auf. Das Lernen war noch immer bitter, aber die gestohlenen Kirschen unglaublich süß. Nicht einmal Ossip, ja nicht einmal Pjotr Adrianowitsch, konnten mich in Furcht versehen. Im Gegenteil: es kam eine Art Raserei über mich, jede Furcht war verschwunden, ich schüttelte die Zweige, daß sie laut rauschten, und wählte mir die saftigsten Kirschen. „Er soll nur kommen, der Ossip!" dachte ich. „Mir ist alles gleich. Mag selbst Pjotr Adrianowitsch kommen:. ich habe keine Angst mehr vor ihm. Ich sag' es ihm ins Gesicht, daß Menschen, die sich so für eine Prüfung quälen, auch das Recht au feine kleine Freude haben!" Aber Pjotr Adrianowitsch kam nicht, und Ossip schlief, wie ein Kirschkern in der Erde. ES vergingen drei Wochen. Ljuba und ich bestanden di« Prüfungen.. Bor uns lag das Leben. Allen Menschen, die nicht so glücklich waren wie wir, kamen.wir mit Nachsicht und Zärtlichkeit entgegen.. Als. wir mit den Zeugnissen nach Hause zurückkehrtcn, sprachen wir, ich noch mehr als Ljuba, mit jedem, der uns in den Weg kam; nutz Ljuba erzählte dem Schaffner in der Straßenbahn, als wir aus der Stadt hinaus- fuhrcn, daß sie die Medizin studieren und sich besonders mit den inneren Krankheiten befassen werden. Ganz nahe von unserem HauS erblickten wir Ossip, der die Stiefmütterchen begoß. „Sehen Sic, Ossip," sagte Ich in schmeichelndem Ton zu ihm,„jetzt sind wir schon fertig. Wir können Ihnen sogar helfen, die Würmer im Gemüsegarten zu suchen, denn wir haben jetzt viel Zeit. Sie sind ja nicht mehr jung, Ossip, und sollten sich ein wenig auSruhcnl UebrigenS schlafen Sie sehr fest! Neulich haben wir wieder Kirschen gestohlen, und Sie find nicht einmal erwacht. Jetzt kann ich es Ihnen schon beichten, es gehört Gestern und heute Am Tisch im Automatcn-Buffct, ringshcruni beseht von eiligen Gästen, sitzt unter den anderen eine Frau. Jbr Alter ist unbestimmt, denn die Wangen tragen Schminken und der Mund ein falsches Rot. Trotz der Bemalung ist die Frau einfach, fast kleinbürgerlich gekleidet, unaiiffällig und nach einer Mode, zwei, drei Jahre zurück. Durch nichts würde die Frau auffallen, wenn nicht ihr geschminktes Gesicht in so sonderbarem Gegensatz zu dem kleinbürgerlichen Anzug stünde. Und vor allem— das Lächeln in diesem Gesicht.. ES ist gewollt kokett und hurenhaft. Aber eS wirkt doch nur verkrampft. Wem gilt in jenem Augenblick das Lächeln? Ich folge dem Blick der Frau. Er haftet herausfordernd und doch ängstlich auf dem Gesicht einer älteren Spießers, der, schon angegraut, jeder Versuchung den Widerstand seiner Jahre ent- gegenzusehcn vermag. Er ißt sein Gulasch, trinkt sein Vier, und als er die Ansnierksamkcit und dar Lächeln der Frau bemerkt, geht zwar ein fettes Schmunzeln über sei» Gesicht, aber daS ist auch alles. Der Tisch leert sich. Zurück bleiben nur wir drei: die Frau, der Mann und ich. Der Mann ißt noch immer, die Frau hat keinen Teller vor sich, cS ist offensichtlich, daß sie sich das Nachtnmhl erst„verdienen" muß. Wird ihr der Dicke zu einem warmen Abendbrot verhelfen. Das Lächeln der Frau ist längst nicht mehr herausfordernd. Es ist flehend. Aber der mm Gesättigte schiebt den Teller fort, steht auf und geht, nachdem er seinem Gegenüber mit wohlwollender Herablassung zugenickt hat. Die Frau sitzt jeht allein. Dar Lächeln ist erloschen. Schlaff und müde hängen die Mundwinkel herunter. Sie ist keine Hure mehr, die auf Männerfang auSgcht. Sie ist nur noch ein armer hungriger Mensch. Ein Mensch mit schwerem Herzen. Und dann entlädt sich dieses Herz. Sie redet zu mir. Das Gestern: da war sie Näherin und verdiente, was sie zum Leben braucht«. Daun verlor sie die Arbeit. Fand keine neue. Niemand, gibt gern das Dach überm Kopf her. Eine kranke alte Mutter gab es auch noch zu ernähren. Nun ja, und so sieht das Heute aus. Aber es sei schrecklich, besonders wenn man nicht mehr jung ist. Und überhaupt. Es klingt wie ein Hintertreppenroman, was sie erzählt. Doch instinktiv fühlt man, sicht es auch mit etwas Menschenkenntnis, daß die Frau nichts als die Wahrheit spricht. Es ist sicher kein Ansnahmcschick- sal in. unserer Zeit. So wie ihr ergeht es viele». Doch der Unterschied: von den anderen hört und liest man, dieser Mensch aber sitzt einem gegenüber, und das gesprochene Wort ist mächtiger. Phrase» des Trostes sind dumm und armselig in solchem Fall. Und so bleibt man stumm. Der Fran genügt es, daß sie einmal sprechen durfte. Jeht steht sic auf, und schon, während sie sich erhebt, gleitet das maskenhafte Lächeln wieder über ihr Gesicht. Denn ringsherum sind viele Dkänner... Und so geht sie:, mit de» braven kleinbürgerlichen Kleidern von g e st e r n und dem unanständig-gcschminkten grauenhaften Lächeln von heute. Katja Flüchtlingsfürsorge. SPD- Emigranten! Fortsetzung der lebten Versammlung morgen Donnerstag abenA um 7 Uhr im Parteiheim, Prag kl.. Närodni 4. VoSkovee und Werich nicht entzweit. Die Direktion des„Osvobozeni divadlo" teilt niit: Die Meldung in einen» Prager Abendblatt, daß die beiden tschechischen Schauspieler Voskovec und Werich nicht mehr zusammen arbeiten, beruht offenbar auf einer falschen Information; es kann von einem Aus- einandergehen der beiden keine Rede sein. •er Film Die schwimmende Welt Das Leben ans einem Ozeanriesen querschnitt- haft darzustellen, von den Passagieren der ersten Klasse bis zu den Heizern im Kesselraum, das wäre eine lohnende Aufgabe für einen realistischen Film. Aber dieses amerikanische Leinwandschauspiel von den Schicksalen an Bord der„Transatlantic" ist nicht realistisch und macht von den Möglichkeiten des Stoffes sehr geringen Gebrauch. Anfangs scheint es noch, als hätte man wenigstens die„Menschen im Hotel" auf den Ozean verpflanzen wollen. Aber bald beginnt sich das ganze Treiben an Bord nur noch um einen Kriminalfall zu drehen, der ebenso uninteressant wie verwickelt und unwahrscheinlich ist— und der sich dann sehr plötzlich in vorschriftsmäßige happy end auflöst. Man zeigt hier die deutsche Fassung dieses Hollywood-Produkts. Aber es ist ein unbeholfenes und mißtönendes Deutsch, daS da erklingt. Immer noch besser freilich als das Schmettern, Schmachten und Phrasendreschen der Goebbelsfilme, aber ärgerlich genug. Es spricht weder für die Klugheit noch für die ja der Vergangenheit an! Aber wir waren geschickt. Die Hauptsache im Leben ist nämlich Geschicklichkeit. Jeht hab' ich überhaupt vor niemand mehr Angst, nicht einmal vor Ihrem Pjotr Adrianowitsch! Sie können Ihm das mitteilen. Und die Kirschen waren sehr, sehr gut!" „Was denn?" brummte Ossip zu den Stiefmütterchen.„Ich kümmere mich nur um die Wirtschaft. Da mir Pjotr Adrianowitsch diesmal die Kirschen und auch die Birnen im vorhinein abgekauft hat, hab' ich geschwiegen. Mein Geld hab' ich weg, sogar um zwei Kopeken mehr, als ick> ani Bahnhof bekommen hätte, und so schweig' ich." Auch ich schwieg. So endeten die Träume der Jugend, und es begann das reife Leben. Kultur der Filmproduzcntcn jenseits(und diesseits) des Ozeans, daß sic in einer Zeit, in der die lvert- vollstcn Künstler deutscher Zunge außerhalb Deutschlands leben, keine wertvollen deutschen Filme zu- standcbringen.—eis— Der«Scher Disk Tnrpi« Mit schwarzer Maske vor den Augen, mit lochenden» Mantel un» die Schultern, sprengt der edle Räuber auf stolzem Rappen durchs Land, um Geld für die Arnien zu erbc»»ten, um Gefangene aus dem Kerker zu retten, um große Herten zu züchtigen und schönen Frauei» zu dienen. So sprengt er(von dem kraftstrotzenden Victor MacLenglen dargestellt) kreuz»md quer über die Leinwand, bis er sein treues Roß zu Tode geritten, alle Freunde verloren, alle Gegner zur Strecke gebracht und so viel Fausthicbc, Degenstöße und Schüsse verabreicht Has wie Douglas Fairbanks in seiner heften Zeit. DaS einzig llcberraschcnde an dieser aufregenden Darbietung ist, daß sie nicht in Amerika, sondern in. England hcrgestellt wurde, wo^man die historischen Kostüme liebt und mit Perücken nicht spart, wenn die Handlung wie hier im achtzehnten Jahrhundert spielt. JttnteMl und Liebe Der Nanie dieses Films sagt so viel über seine Handlung, seinen Humor und sei»» Niveau aus, daß man nichts hinzuzufügen braucht. Angeblich ist es ein Wiener Film, angeblich hat man bei Johann Strauß die Musik geborgt— und angeblich hat La- maL die Regie geführt. Aber cs mangelt so völlig an Charme,. Melodie und Einfällen, daß man weder an Wien, noch an Strauß, noch an LamaL glauben möchte. Henna»»» Thiinig in der Hauptrolle ist allerdings nicht zu bezweifeln— und Lien Deyers wirkt sogar kongenial. !WU*- Körperpflege Aufnahme bee Sportverkehrs mit Somjetr«hls«b T In der am Sanistag in Prag stattgefundenen Sitzung der CsAF. gingen die Beratungen auch um die Frage der Ausnahme der fnßballsportlichen Be- ziehungei» mit Sowjetrußland. Einmütig wurde konstatiert, daß ein gegenseitiger Spielbetrieb dem tschechoslowakischen Fußball nurzum Vorteile gereichen könnte.— Diese Stellungnahme ist recht begreiflich, wem» inan bedenkt, welche Perspektiven sich damit den bedürftige»» Klubtassen eröffnen würden. Sollen doch in Leningrad und Moskau bei bedeutenden Spielen Zuschaucrmassen von 100.000 und mehr keine Seltenheit sein. H. Im Auftrag« der Ufa! Wie die Blätter melden, wird der Vorsitzende der CsAF., Prof. Dr. Pelikan, im Auftrage der F i f a mit dem Fußballverband in Sowjetrußland Verhandlungen pflegen, um die Russen zun» EintrittindieFifaz»» bewegen, damit ein geregelter Spielvertehr vor sich gehen könne. Augst beherrschte Mugbeburg Wie die„Stimmung" bei den Europa-Meister- schaften im Schwiinnien ii» Magdeburg war, ist aus einen» Bericht des„Prager Mittag" z>» ersehen, in dem cs heißt: „Die Europameisterschaften der Schwinnner waren in»nehr als einer Hinsicht interessant. Deutschland gewann fünf Titel und das Länderklasse- ment vor Ungarn durch die vielen Plätze, die eS nebenbei errang. Aber von diese»» fünfTiteln waren vier nicht in richtige»» Wettkonknrrenzen errungen, sondern im Kunstspringen, wo die Resultate ost nicht von» tatsächlichen Können, sondern vom Geschmack und der Einstellung der Richter abhängig sind. Hier triumphierte nun Deutschland viermal, niemals aber so, daß man hätte sagen können: der Sieg war absolut ver- dient. Wie. unser Sonderberichterstatter kabelte, hatte die ausländische Presse in Magdeburg den Eindruck, als ob die Richter Angst gehabt hätten, gegen Deutschland zu stimmen." Wie. wird es da erst beim Berliner Olympia 1086 fein?... DaS Festspiel am Schweizer BundeSfest der Arbeitersportler war sehr eindrucksvoll und wurde von den Massen mit Begeisterung ausgenommen. Der Autor war Genosse Zimmermann(früher Leipzig). Der Inhalt kann kurz wie folgt wixoer- gegeben werden: Lichtbringer mit Fackeln steigen von der Höhe heriinter, der kämpfenden und leidenden Menschheit das Feuer der Freiheit bringend, daS auf einem Altar entzündet wird und hoch auflodert. Jubelnd unltanzen die Menschen daS ihnen gebrachte Geschenk. Aber die gleichen Menschen lassen sich, betören von der Anbetung der Gewalt, die der Herrscher fordert. Er befiehlt, daS Feuer auszulöschen. Di« Wächter werde» überwältigt, doch das Feuer der Freiheit bleibt unberührt, ja noch mächtiger als zuvor steigt die Flamme zuin Himmel. Da oronet der Gewaltherrscher die Inbrandsetzung der ganzen Stadt an. Fackel»» eilen hinweg, aber eS sind nicht mehr die Glückbringer, eS sind die Verderber, ll». zählige Opfer fallen für die Freiheit. Friedlich und freiheitsgesinnt lebt in Europa eii» viersprachiges Volk.„Rettet die Freiheit!" rufen vier Chöre deutsch, französisch, italienisch und romanisch; sternförmig marschieren sie ans daS Zentralfeuer zu. Neber den Nationen und Nasse»» steht die Menschheit. Freudig genießt dieses Volk seine Freiheit. Im Reigen wird diese gefeiert von Fabrikarbeiter»» und Landleuten und von der snigenden, wandernden Jugend. Zu.Marseillaise" und„Banda rossa" wird getanzt, der„Sozialistenmarfch" bringt den Höhepunkt. Viktoria Zijkov und Rachod endgültig ans der Staatsliga. Am grünen Rasen war das Schicksal dieser beiden Klubs ja längst entschieden, aber es war dainit noch immer keine definitive Entscheidung gefallen. Was um den Weiterverbleib dieser beiden Klubs ii» der Staatsliga sich in der letzten Zeit alles getan hat, wirft ein grelles Licht auf den sportlichen Geist in» bürgerlichen Fuhballager. llm Ehre ,»nd Ansehen der CsAF. doch noch im letzten Augenblick zu retten, wurde in der famstägigen Sitzung die Erweiterung der Staatsliga um die beiden gennnntcn Klubs endgültig abgelehnt. Als ein kleines Pflaster wurde diese»» eine Erleichterung für dc>» Aufstieg in die nächstjährige Staatsliga versprochen. Der Internationale Schwimmverband lFina) hielt am Montag in Berlin seine Tagung ab. U. a. wurde ein Antrag, der zr» seinen» Inhalte Halle. Schwimmern Lohngeld für Verdienstentgang zn zahlen, abgelehnt. Interessant ist auch, daß Rnmä- nien, Indien, Kanada, Uruguay und Chile keine Beiträge entrichteten luib daher gestrichen werden mußte»». Polen hatte«inen Antrag auf Anf- nahme des Sportverkehrs mit Sowjet- rußland eingebracht, welchen es aber im Laufe der Tagung zurückzog. Slavia Prag nach Deutschland. Am Sanistag spiele»» die Prager ii» München gegen FC. Bayern und Sonntag in Weiden gegen SB. Die StaatSliga nimmt am kommenden Sonntag ihr«» Anfang. Es gelangen folgende Spiel« zum Austrag: Cechie Karlin—Tcplitzer FK., SK. Pilse»—Bohemians, Zidenice—DFC., AFK. Kolin gegen Proßnih. Die Spiele gehen auf den Plätzen der erstgenannten Bereine vor sich. Die Begegnungen Slavia—Kladno und Sparta—Viktoria Pilsen wurden a»»f einen späteren Termin verlegt. Die BalkaN'OlymPiade beginnt am komnHiiden Sonntag in A g r a m, an der sich Albanien. Grie« chenland, Bulgarien, die Türkei und Jugoslawien beteiligen. Ausscheidung im DaviS-Eup. In B erl i n gewann Deutschland gegen Rumänien 5:0.. Der beste HinderniSrriter im Dritten Reich—- Jude. Der jüdische Jockei Willi Wolff darf stch als einziger Jude im Pferderennsport betätigen und feine Liste weist trotz längerem Boykotts eine ansehnliche Zahl von Erfolgen aus, die von de» Ariern bisher noch nicht erreicht wurde. vcrdnmdirlditen „AtuS" Leichtathleten, Achtung!!! Heute abeiS »un 6 Uhr, haben sämtliche Sportler auf der Hetzinsel zu fein. Wettkampf gegen DTJ Prag I. u. V. und gegen DTJ Tlustovouzy. All« Genossen werde» un» ihre Teilnahme ersucht. Gäste willkomnren. Eintritt frei. Literatur Dittrich: Die Sezialverflchenmg. Das Büchlein kon»mt gerade zur rechten Zeit. Am ersten Juli ist die Regierungsverordnung Rr. 112/34 in Kraft getreten, welche wesentliche Aenderungen in der Kranken», Jiwaliditäts» und Altersversicherung brachte. Der Verfasser, der in diesem Zweige der Sozialverficherung selbst praktisch tätig ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Handbüchlein für jedermann zu schreiben. Die Arbeit ist kein vollständiger Kommentar des Gesetzes und will auch, wie im Vorwort gesagt wird, kein solcher sein, es ist aber ein praktischer Ratgeber für jeden, der irgendwie mit dem Gesetze z>» tun hat. Die wörtliche An- führnng der gesetzlichen Bestimmungen und zahlreiche erläuternde Beispiele, sowie die angeführicn Judikate der verschiedenen Behörden u»»d Gerichte, ermöglichen eine rasche Orientierung. Das Büchlein wird sicherlich jedem Vertrauensmann der Ar- beiterbewegnng ein wertvoller Behelf sein, um so >nehr, als die Anschaffungskosten geringe si»»d. Das 176 Seiten starke Buch kostet XL 7.50(bei Mindestabnahme von zehn Exemplaren XL 6.50) und ist vom Verfasser, B. Dittrich, Saaz 1662, direkt zu beziehen. kllma In Prager LldifspielhBusern Vis einschließlich Donnerstag, den 28. Avgust 1984 Urania»Kine, Klimentske 4:„So ein Hundeleben." Deutsche Premiere. Kämpers, L. Deyers, Jak Tiedtk«. Adria:„Abenteuer im SÜdexpreß." Alfa:„Eine Frau, di« weiß, was sie will." Avion: „Der rote Wagen." Beranek:„Soldatenleben— «in luftig Leben." Flair:„Ein Hankee als Hofrat." Flora:„Die Gräfin v. Monte Christo." Gaumont: „Wochenendzauber." Hollywood:„Flughelden."Aus- gezeichnetes Lustspiel. Hvkzda:„Der Rächer Dick Turpin." JuliS:„Die schwimmende Welt." Kerana: „Der Rächer Dick Turpin." Ketva:„Bella Donna." Lnrerna:„Bella Donna." Metro:„Karneval ü,» Liebe." Musikal. Lustspiel. Passage:.Karneval und Liebe." Musikal. Lustspiel. Praha:„Der rote Wa- gen." Radio:„Soldatenleben— ein lustig Leben.!' Skaut:„Ihr letzter Rekord." Svitozor:„Karneval und Liebe." Musik. Lustspiel. Alma:„Das Lied d, Schwarzen Berge." Belvedere:„Die Königin amüsiert sich.««esvda:„Die Schlacht." PltAGEIt MfBlft Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—, viertclinhrig XL 48.—, halbjährig XL 96.—, ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt zinr bei Einsendnng der Retourniarke». 77- Die ZeitnngSfrankatur wurde von der Post- u»ü> Telegraphendicektion mit Erlaß Rr. 18.8ÜÜ/Vll/1080 bewilligt. Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag.