EMnMs 7B*IMIer 14. Jahrgang Donnerstag, 23. August 1934 Nr. 196 Ibü I I 1ENTRALORGAN..£ DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATIE CHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xiufochovam. won sw7. Administration telefon ssote. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Arbeitszeitverkürzung Sei Lohnerhöhung in der amerikanischen Baumwollindustrie Initiative Amerikas In Genf! Washington, 32. August. Die NINA hat mit Zustimmung des Präsidenten Roosevelt im Nahmen des Baumwollwaren-Code eine Herabsetzung der Arbeitszeit in der Banmtuollindustric von 40 auf 36 Stunde« sowie eine LOprozentigc Lohnerhöhung bewilligt. Angesichts des drohenden Textilarbeiterstreiks kommt diesem Schritt eine besondere Be- dentung zu. Rach einer Rentermeldung aus Washington vermutet man, daß einer der Gründe, warum die Bereinigten Staaten dem Internationalen Arbeitsamt beigetreten sind, das Bestreben war, die Prinzipien der amerikanischen NRA überdieganzeWcltzuver- b r e i t en. Mau nimmt ferner an, daß die amerikanische Delegation, die nach Genf geschickt werde« wird, in diesen Bestrebungen eine entscheidende Rolle z« spielen haben wird. Ma« hofft, daß es gelingen wird, auch a«d ex e Nationen zu bewegen, dem Beispiele der Bereinigten Staate» zu folge» und die Arbeitszeit herabznsetzcn. Schuschnigg anders als Dollluft? Angebliche Zurückhaltung gegenüber Mussolini und Fühlungnahme mit Paris Neue Hinrichtung In Leoben Graz, 22. August. Bor dem Militärgericht in Leoben wurde heute nachmittags nach drri» liiglgrr Dauer der Prozeß gegen die sieben Ange- llagten and dem oberen EimStal, die an der Julirevolte teilgrnommen haben, abgeschlossen. Alle Angeklagte» wurden nach der Anklage» die ans Hochverrat kantete, schuldig erkannt. Gegen den Angeklagtmr Erlbacher hatte der IlantSaurvalt die Anklage auf das Berbrrcheir deS Morde S an einem Heimwehrfiiyrer ausgedehnt. Amvir ihn schott gemeinsam mit Josef Schiller, dem Arbeiterdichter und Arbeiterführer, dessen Schwester HannichS Frau ivurde, unter den ersten Borkämpfern. Seine Laufbahn begann er im Fachverein der Manufaktnrarbeiter und errang sich bald ein solches Bertrauen unter seinen Kameraden, daß er 1878— vor 56 Jahren — den Webschützen mit der Feder vertauschen konnte und Redakteur des ersten Reichenberger Arbeiterblatteö, des„Arbeiterfreund" wurde. Als solcher hatte er ungemein verdienstvoll durch vier Jahre gewirkt, bis er 1882, in der Zeit der Sozialistenverfolgungen, verhaftet und dem Prager Landesgericht eingeliefert wurde. Bom Dezember 1882 bis zum März 1883 büßte er feine Strafe ab. Dann mußte er tvieder zum Webftuhl zurück, bis er 1886 zum Brünner„Bolksfreund" berufen wurde, den er in der Zeit des heftigen Kampfes zwischen Radikalen und Gemäßigten im Sinne der letztere» leitete. Er hat die Redaktion damals so geschickt geführt, daß er der Regierung nicht die Handhabe bot, den„Bolksfreund" einzustellen, so daß dieses Blatt das einzige deutsche sozialdemokratische Blatt im alten Oesterreich blieb, das sich durch alle Verfolgungen der achtziger Jahre erhalten konnte. 1891 kehrte er wieder nach Böhmen'»rück und übernahm die Redaktion des „Nordböhmischen Bolksboten", der damals in Steinschänau erschien. Einer der glanzvollsten Tage, den er erlebt hat, war, als er 1897 im Wahlkreise Reichenberg mit einer Biersünftel» Mehrheit zum Abgeordneten gewählt wurde— ein einzigartiger Beweis seiner Beliebtheit und die Frucht seiner jahrzehntelangen Alcheir. Auch bei den Wahlen von 1901 konnte er unserer Partei den Erfolg sichern: er Ivar damals der einzige in Böhmen gewählte sozialdemokratische Abgeordnete. An ihm und seinem Wahlkreis brachen sich die Wogen des Nationalismus, die damals das ganze Land übersluteten. 1906 legte er sein Mandat nieder und übersiedelte nach Wien, ein Augenleiden erschiverte ihm fortab seine politische Tätigkeit. Trotzdem er 1907 in keiner Wählerver» sammlung sprechen konnte, wurde er abermals, und zwar im Wahlkreise Rumburg zum Abgeordneten gewählt. 1911 unterlag er bei den Neu» wählen und zog sich— sein Augenleiden hatte sich seither verschlimmert— vom öffentlichen Leben zurück. Er hat seither in Wien gelebt, hat für uns hie und da geschrieben, hat auch manchmal aus dem Schab seiner Eriunerungen geschöpft und ist stets In seinem Herzen der begeisterte, überzeugte, für seine Idee, entflammte Sozialist geblieben. Er hat sich auch als Dichter versucht, hat verschiedene kleine Geschichten, Theaterstücke und einen Band seiner Erinnerungen geschrieben. Das Wirken HannichS gehört der Geschichte an, in der RuhmeShalle der»Begründer der 'deutschböhmischen Arbeiterbewegung ist ihm ein Ehrenplatz gesichert. Seite 4 Nr. 108 Tonnetttatz, 23«ttgttft 1934 Nm der Hrbeiler-Tuni- und Sportbemegung Vom Bundesfeste der Radfahrer Wertungsergebnisse des Strassenrennens Komotau—Tktschrn(87 Kilometer): 1. Schindler, Ungarn 2:26:00 Std., 2. Just, Krochwitz(der 1. Aruk-Fahrcr) 2:31:09, 3. Heinrich, Ungarn 2:82:88, 4,Schiinfeldcr, Komotau 2:88:21, 8. Glöckner, Neudeck 2:44:09, 6. Kroh, Komotau 2:48:43, 7. Pecher, Nenhanimer 2:48:60, 8. Hauptmann,-Altrohlau 2:82:68, 0. Drak, Koniotau 2:67:69, 19. Fleischer, Ratsch 8:01:80, 11. Göß- niher, Altstattl 3:01:80.8,12. Götz, Neudcck 8:02:2V, 18. Wieserle, Komotau 8:02:62, 14. Hein, Ratsch 8:04:45. 4 Fahrer aufgegeben. Die Bunbesmeistcrschast im Viadbnll Den Reigen der Kämpfe eröffnete die ungarische Mannschaft, die gegen Tetschcn antrat. Mit 6:5 blieb das Spiel, das änderst gute Kampfhandlungen brachte, unentschieden. Deut folgten die Spiele in Treier-Radball, ivclche Sodau als Bun- deSmcister 1934 beendete und die im Zweier-Radball, tvclchc ivicdernin Komotau als Bundesmcister 1984 sahen. Komotau sicherte sich damit das zlveitc- mal diesen Titel. Den Beschluß bildete der Kampf des. Bundesmeisters Komotau gegen Ungarn. Mit 8:4 blieben Letztere das erstemal vom Aruk geschlagen. Alle Spiele wurden mit größtem Interesse verfolgt. Ergebnisse: Dreier-Radball: Sodau 8 Punkte(Bundcsmeister), Bernau 6 Punkte, Komotau 4 Punkte, Neu-Titschein 2 Punkte, Türniitz 0 Punkte.— Zweier-Radball: Koniotau 6 Punkte(BundcSmeister), Tetschcn 8 Punkte, Tiir- mitz 8 Punkte, Altrohlau 0 Punkte. Arbeitsgemeinschaft Atu«—Aruk. Der gemeinsame Ausschub beider Organisationen hielt am 20. d. M. eine Sitzung ab, in der die organisatorischen Grundlagen für die genieinsanien Arbeiten durchberaten wurden. Diese sollen sich besonders erslrck- ken auf gemeinsame Schulnngs- rind Erziehungsarbeit, Feste und Feiern. Pcrsamnilungen, Presse usw. Die Arbeitspläne beider Organisationen für den kommenden Winter und das nächste Jahr werden bereits gemeinsam erstellt werden. In den nächsten Wochen sind in den Bezirken und Kreisen nach Richtlinien, die diesen Stellen noch zugehcn lverden, ebenfalls gemeinsame Arbeitsausschüsse zu bilden. Auftakt zu der Jubiläumsaktion de« Atu«. Im September d. I. wird in allen Vereinen des Anis das 25jährige Bestandesfest des Atus feierlich begangen. Am 29. September werden überall Festabende dnrchgcführt, am 28. September werden Stafetten und Werbeläufe die Bevölkerung aus das 25jährige Bestandesfest des Atus aufmerksam machen. Damit nun die ganze Aktion einheitlich im ganzen Verbandsgebiete durchgeführt-- wird, finden in allen Bezirken Funktionärappelle durch Mitglieder der Verbandsleitüng statt. Soweit solche bis jetzt durchgeführt wurden, brachten sie die Gcwiß- heit, daß die gesamte Mitgliedschaft und ganz besonders der Funktionärstab des Atus sich voll in den Dienst dieser Aktion stellen wird. Wollenball im Atu«. Diese« in den tschechischen Arbeitersportvereinen stark verbreitete Spiel wird nun auch im AtuS eingeführt. Dadurch sgllen bessere Spielntöglichkeiten mit den tschechischen Genossen geschaffen werden, aber auch die Turnerinnen sollen damit die Möglichkeit bekommen, ein vxrhält- niSmäßig leichtes Spiel zu betreiben. Allen Kreis- und Bezirksspielleitern wurden die Regelhefje bereits zugesandt. dänische suchen in Flieger V c r- Bar- B. d. K.-GlückSlose zum Preise von 5 XL sind wieder überall erhältlich. Schon am 10. Oktober 1984 findet in Reichenberg die öffentliche Ziehung statt, in welcher 7031 Gewinne im Werte von 300.000 Xi zur Verlosung gelangen. Der erste Haupttreffer im Werte von 100.000 X6 besteht aus einem Hause, welches dem Gewinner erbaut wird, wie und wohin er es wünscht. Weitere Treffer entsprechen dem Werte von 25.000 XL, 10.000 5000, 8000, 2000, 1000, 500, 800, 200, 100. 50 XL usw. Die ersten zwei Haupttreffer werden über Wunsch deS Gewinners in bar aüSgefolgt. Haupttreffer der B. d. K.-Lotterie wurden bisher ausgefolgt nach Asch, Grünwall» a. R.. Komotau, Reichcn- . berg, Aussig a. E., Widach. Schriftliche Losbestellungen nimmt der Bund der Kriegsberichten, Wit- lven und Waisen der Tschechoslowakische» Republik mit dem Sitze in Reichenberg, Lessingstraße 2. ent- i gegen. Selbstmord vor der Operation. Am Dienstag erhängte sich bei dem Landwirte Wenzel Rivnäi in Matkjovec bei Jarosov der 45jährige Knecht Alois P l a tz e r, der krank war und dieser Tage operiert werden sollte. Er war schon aus dem Kriege krank nach Hause gekommen und hat sich seit dieser Zeit nicht wieder erholt. Vielleicht ist die Ursache deS Selbstmordes Angst vor der Operation gewesen. Brandschutz del Flusseuge» London» 22. August.(AR.) Das Ministerium für Flugwesen hat eine Erfindung überprüft, durch tvclchc bei Flugkatastrophen Brände vermieden werden sollen. Dgs Ministerium gestattete, das; der Apparat'm bcn'Zivslfliig'zeügen unt'cbgcvrckcht werde:-Die EisllÄhtüM'Mren'Et- finder Kapitän H. M. S a l m o n d ist: besteht auS einem Schalter, der bei heftigem Aufprall oder beim Umlippen des Flugzeuges auf der Erde sofort und automatisch überall den elek t r i- schcn Strom a u s s ch a l t e t und so ein Entzünden der Bcnzindämpfc durch Funken verhindert. Der Danziger„Dolchstoß". Den Danziger Nazi« ist ein große« Malheur passiert.' Der Oherstc Verwaltungsgerichtshof hat da« Verbot der. nach der Gleichschaltung der Gewerkschaften gegründeten sozialdemokratischen Arbeitorgcwerk- schäftSorganisation wieder aufgehoben. Diese« Verbot, vom Polizeipräsidenten de« von Natio- nalsgzialistcn regierten Freistaat« am 2. November gegen jede« Gesetz und Recht ausgesprochen, war. nichts- andere« al« staatliche« Zuhältertum für Räuber; die gegen-den leidenschaftlichen Wil» kett der organisierten. Arbeiter, mit. gerichtlicher Hilfe die Gewerkschaften, gestohlen hatten und nun den Tod jeder Konkurrenz forderten. Die Aufhebung des Verbot« hat die Danziger Nazi» presse in wilde Schreikrämpfc verfallen lassen. Sie. droht mit allem Möglichen, aber diese Dro- hungo'n wirken in diesem Fälle ein wenig lächer» lief). Gewiß, in Deutschland kann da« entartete System Richter, die den Mut haben, gegen den Stachel zu koken,.ins Konzentrationslager schleppen oder auch kurzer Hand mit Hilfe der zu jeder Schandtat bereiten Terrorgruppen der SS.„auf der Flucht" erschießen lassen. In Danzig geht das nicht so leicht. Dort sitzt der„Hohe Kommissär" de« Völkerbunds, dort existiert noch eine Verfassung, die man, wenn auch zähneknirschend, respektieren nmß. Die Danziger Nazi- Häuptlinge befinden sich in der einigermaßen komischen Situation de« Mannes, der energisch sein will, aber nicht recht kann. Sie möchten ja gar zu gern ungehemmt nach Goeringschcm Re- zept die wilden Männer spielen und nieder- machen, was ihnen an Ilnhcqiiemem im Wege steht. So aber müssen sie die Gezähmten spielen, eine Chance für die Opposition, von der sie kräftig Gebrauch macht. Hier zeigt sich, wie schnell die Hitlersche Herrlichkeit verblüht, wenn sich der Terror nicht im brutalen Morden, sondern nur im Boykott, ständiger Polizcischikanc und härtesten Urteilen für Bagatellsachen, Stichinarke „Beleidigung des Nationalsozialismus" auswir- ken kann. Der Sozialdemokratie bietet sich hier eine Gelegenheit, den Arbeiter»)»nieder eine Vertretung zu'schaffen, die ihren Interessen dient. Der neue Aufbau der Arbcitergcwcrkschast, die vor, ihrem Verbot in sprunghaftem Aufblühen war, wird Zchntauscnde von Arbeitern, die der Demagogie der Nazi« ausgclicfcrt waren, zu ihrer Klasse zurückführen. Aber.auch die ideelle Auswirkung dieses Schlages fiir die Hitlerei ist nicht zu unterschätzen. Sowohl in Danzig» wie im Reich wird die sozialistische Gewerkschaft an- feuernd und belebend auf allo, antisascistischen Kräfte wirken.-Die Isolierung des Diktaturlandes wird immer vollständiger. Nach' dein Auf- bruch der Freiheit an der Saar, dem Anwachsen der Opposition der„Volksabstimmung" die Nie- scnblamagc von Danzig! Selbstmord eine« Liebespaares. An der Nacht auf Mittwoch ließen sich in der Nähe der Eiscn- bahubrücke bei Doubrabla in Pilsen der'40jährige Handelsangcstcllte Aut. Kozäk mit seiner Geliebten der 37jährigen Anna Cubrovä, beide aus Pilsen, vom Zuge überfahren. Kozäk wurde getötet, die Cubrovä»vurde mit schweren, keineswegs aber lebensgefährlichen Verletzungen. ins Krankenhaus cingcliefcrt. Der Beweggrund der Tat war ün- glücklichc Liebe. Etwa« für Star»Liebhaber. In Holl y w o o d hat die Nachricht, wonach dort MaryPickford heimlich mit-Fairbanks gleich nach ihrer Ankunft zusammengetroffen ist, die Vermutung auSge- löst, daß es zwischen den bewen doch.zu Hiner Aussöhnung kommen könnte. Beide sind später-in einem Auto, in bester. Laune und lustig, gesehen worden. Sn der Lnft a«»ei«a»dergebroche» London, 22. August. Bei Wodbridge m der Grafschaft Suffolk ereignete sich am Dienstag der ungewöhnliche Vorfall, daß ein M i l i t ä r« flugzcug in der Lust auSeiiiandcrbrach. Augenzeugen berichten, daß sich eine Explosion ereignet habe,»vorauf eine Tragfläche abgebrochen sei. Der Flieger sprang mit dem F a l l s ch i r m über Bord. Das Flugzeug fiel in den Toben-Flnß, der Benzintank»vurde 100 Meter von der llnfallstcllc in einem Felde gefunden. Die abgebrochene Tragfläche kam 3% Kilometer entfernt herunter. Stake« zietzt feine Veefkiekmgatevppe« von dee Sfteereichische« vrenge zurück Diese Aufnahme, die. zwischen dem Brenner und Meran gemacht wurde, zeigt ein« von. der Grenze zurückmarschiclacnde Kolonne der italienischen Truppen, die anläßlich-der Unruhen in Oesterreich an dicßlrcnze geworfen wären. Tagcsnculgkeitcn Rekord: Raubüberfall in Brooklyn «eine Spur non den Täter« New Aork, 22. August. Der gestrige Raubüberfall in Brovkl»;n auf ein Panzcrauto hat sich als ein überaus sorgfältig vorbereitetes Verbrechen hcrausgestellt. Die Räuber Ware» zum Teil als Schlächter und Händler mit lv c i ß c n S ch ü r z c n bekleidet; ein M a s ch i n e n g e tv e h r war in einem Straßcnhändlcr-Karren verborgen. Der ganze Raub Ivar mit solcher Ruhe ausgcführt»vordcn, daß nur die Nächststchcnden merkten,»vaü vorging. Tie Polizei hat die größten Anstrengungen gemacht. daß Flugzeuge die Motorboote zu entdecken, die die Beute von Brooklyn nach der Küste von Jersey bringen sollten. Vorläufig hat sich indessen noch nicht die gering st c Spur feststellen lassen. Aus der Art und Weise scdoch, wie der Raub vorbereitet und durckigeführt»vurde glaubt die Polizei auf die Person des Verbrechers| schließen zu können, der den llcbcrfall leitete. Die Höhe der Bente stellt übrigens, wie die Polizei mitteilt, eine R c k o r d s u in m c dar. Es wurden zwar verschiedentlich in Nelu Uorl und Chicago Raubübcrfülle ausgcführt, bei denen den Räubern Wertpapiere von 2 bis 3 Millionen Dollar in die Hände fielen. Die gestrige Beute von fast einer halben Million Dollar stellt jedoch die größte jemals in den einigten Staaten geraubte g c l d s u m m e dar. SOS Kopenhagen, 22. August. Bier Schiffe, darunter zivci Kriegsschiffe, den Geivässern nach dem englischen G r i c r s o n, der eine N otlandung vornehmen mußte und SOS-Rufe gefunkt hat.- London, 22. August. Der Fischdämpfcr „Derwisch" ans Hüll hat cincn-Funkspruch Gricr- sons ansgcsangen, der berichtet, an einer einsame n K ü st c im A r k t i s ch c n Meer zu einer Notlandung gczivungen»vordcn zu sein. Der Flieger hatte beabsichtigt, auf der nördlichen Monte über Island—Grönland nach Ottawa zu fliegen. Er halte am 21. Juli Rochester verlassen. Seine Maschine»var bei der» Landung in Rayljavik beschädigt»vordcn. Am Dicnötag dieser Woche trat er nach erfolgter Wiederinstandsetzung des Apparates den Weiterflug nach Grönland an. Am gleichen Tage um 20 llhr fing der erwähnte Fischdämpfcr folgende Botschaft auf: „Eisfreier Fjord— glatte Landung— ungefähr 5 Kilometer von Küste,>vo sie von Osten nach Westen geht— habe Lebensmittel für zehn Tage— bitte stellt Nachforschungen an". In Reykjavik traf die Nachricht ein, daß der britische Flieger Gricrson bereits von einer Hilfseppedition aufgcfunden»vurde und nach der Reparatur feines Flugzeuges nach Augmag- falik in Grönland»vcitcrgeflogen ist. Aus Ang- magsalik»vird geweidet, daß Gricrson an» Mittwoch nm 18 llhr 20 Min. dort wohlbehalten gelandet ist. „Heirats"-Ausstattung Eine Betrngsasfärc in Brün» Brünn, 22. August. Auf Grund der Anzeige deS jetzigen AufsichtSrateS der„Zachrana"-Auö- hilfe-Genossenschaft fiir die HciratS-Ausstattung- von Männern und Franc» in Brünn lvurden die' Leiterin dieses Unternehmens, M. M a c- I o v ä, wohnhaft in Brünn, der K a f f i c r Bv- hnslav HnbäLe k,»vohnhaft in Brünn, und der ehemalige Direktor Josef K u d r n ä c, »vohnhaft in Kolin, unter dem Verdachte deS Betruges verhaftet. Die„Zachrana" wurde im Jahre 1028 ursprünglich in KromökiZ gegründet, übersiedelte später nach Brünn und befand sich seit den» 1. Mai d. I., in L i g u i d a t i o n, wobei Unregelmäßigkeiten fcstgcstcllt»vuvden, die zur Strafanzeige führten. ES»vurde festgestellt, daß die R e g i c deS Unternehmens ungewöhnlich hoch war und die Finanzlage der i Genossenschaft belastete. So bewegten.sich die Gehälter der Angestellten durchweg« zwischen 2600 und 6000 XL monatlich. Obwohl der Stand des Unternehmens im Jahre 1031 überaus schlecht war, wurde in diesem Jahre dem K u d r n ä c bei seinem Abgang eine Sondervergütung von XL 156.000 ausbdzahlt, ihm ein A u t7o für XL 70.000 gekauft und eine zweifache Re- mu n e r a t i o n zu XL 74.500 beschlossen und auch tatsächlich ausbezahlt. Die Mackovä und Hu» bäLck wurden in die Haft de« KrciSstrafgerichteS in Brünn eingeliefcrt. KudrnäL befindet sich bereits in der Hast dcsKrcisgc richtes in Kolin. Sell!s Ml non Ser Welt OB Rettung einer Sowjet-Expedition durch den„Kraffin" London, 22. August. Wie die Blätter berichten, gelang es dem russischen Eisbrecher „Krassin, eine wissenschaftliche Soivjrt-Expedition zu retten» die- seit fünf Iahten von der übrigen Welt vollkommen abgeschnittrn auf der W r a n g e l- I n s e l lebte. Die Expedition»var ursprünglich für zwei Jahre berechnet. Sie mutzte jedoch auf der Insel verbleiben, da die Sowjet-HtlfSexpedition keinen Erfolg hatte»md r« ihr nicht gelang, den Weg'durch da« Eismeer zu durchbrechen. Da die ExpeditionSinitgliedrr für eisten fv langen Aufenthalt ungenügend' ausgerüstet»varei» und die Bervindung mit der übrigen Welt nach der Entladung der Batterien ihrer Rndiostation unterbrochen war, hatten sie unerMetzliche Strapazen zu überstehen.. Vom Rundfunk aurpfehleuoroerte« mm tn Prograwweu, Freitag Prag, Sender L.: 8.00 Gyntnastik, 10.20 Deutsche Nachrichten. 11: Schallplatten, 12.80: Konzert des ' Jazzorchesters, 13.40: Schallplatten, 18.20: Deutsch e Sendung: Konvention oder Sachlichkeit Im täglichen Verkehr von Dr. Rosen, 18.46: Arbeite rs e n d u n g: Leopold Goldschmidt: Aktuelle zehn Minuten, 18.66: Deutsche Presse, 20.15: Violakon- zert, 20.40: Samum von Strindberg, Spiel in einem Akt, 21.05: Orchesterkonzert. Sender S. 14: Klavierkonzert, 14.25: Deutsche Sendung: Halbe Stunde für di« Frau, 15: Deutsche Presse.— Brünn 18.80: Arbeitsmarkt und soziale Informationen, 18: Ballettmusik, 18.20: Deutsche Sendung: Sportbericht.— Möhr. Ostrau 15.15: Orchesterkon- zert, 18.20: Deutsche Sendung: Sommer-Kabarett, 19.10: Bunter Abend.' Reue Wege der Aviatik? Auf dem Flugplatz Finowfurth(bei Berlin) stieg am Dienstag abends der erste H e i ßl u fitz a l l o n, der mit cincin Passagier beseht war, ! auf. Der BaNon, der eine mit R o h'ö l gespeiste Heizanlage mit sich führt, erreichte eine Höhe von ‘ SOO Metern. Er landete nach 30 Minuten. I Di« Strato-FIie-er iw Laibach Laibach, 22. August.(Avala.) Die beiden belgischen Gelehrten und Stratosphärenflieger C o s y n s und van der E l st lvurden gestern abends hier stürmisch begrüßt. Nach den Kund- ! gebungen des Vorsitzenden deS Laibacher Munizi- j palratcS sprach vom Balkon des Rathauses zu der vielt an fcndköpfigcn Menge Prof. . CofynS. Er dankte der Laibachcr Bevölkerung I und den jugoslawischen Behörden für den ihm zn- | teil gewordenen herzlichen Empfang. Seine Rede i schloß er mit Hochrufen auf Jugoslawien. Der Beifall und die Ovationen der Bevölkerung dauerten minutenlang. Vom Rathause begab sich | Prof. Cosyns in den. Laibachcr Autoklub, wo zu 1 seinen Ehren ein Bankett veranstaltet»vurde. Aus . dem Wege dorthin waren beide Belgier. der ” Gegenstand herzlicher Begrüßung durch die-Bevölkerung. Mittwoch vormittags begaben sich Professor CosynS»md sein Assistent iw Flugzeuge nach S n s a k, nm die jngoslaivische Adria-Küste zu besuchen und später nach Zag r e b, von wo sie in» Flugzeuge nach Wien weiter reisen werden. In B r ü s s c l»vcrdcn sie am Donnerstag erlvartct. König Leopold hat dem belgischen.Gelehrten Cosyns»md seinem Assistenten eilt herzliches Glückivunschtclcgrannn übersandt und hat Cosyn zum Offizier deS KroncuOrdcnS und seinen Begleiter zum Ritter des gleichen Ordens ernannt. Rettung einer Sowjet-Expeditton durch den„Arasiin" Donnerstag, 23> August 1S34 EMS Die Tragödie am Himalaja Wie die drei deutschen Bergsteiger, und die sechs Darjeeling-Leute starben Berlin, 21. August. Von der deutschen Himalaja- Expedition ist dem Drahtloses Dienst nunmehr ein ausführlicher Bericht zugegange».über das Unglück am Nanga Parbat, das den deutschen Bergsteigern Merll, Wieland und Welzenhach sowie sechs Darjeeling-Trägern da» Leben kostete. Der Bericht lautet: Bis Aiuft 6. Juli wurde der Angriff planmäßig gegen den Gipfel des Nanga Parbat vorgetragen. Infolge der Anstrengungen war schon an den vorhergehenden Tagen eine graste Anzahl Darjeeling-Hochträge^ marsch un fähig geworden und in die tieferen Lager zurückgekehrt. Durch diesen Ausfall konnten'die fünf Bergsteiger Aschenbrenner, Merkl^Schneider, Welzenbach und Wieland nur mit elf Trägern zu den höchsten Lägern starten. Bekanntlich sind Aschenbrenner und Schneider an diesem Tag. bi« 7900 Meter Höhe vorgedrungen. Sie waren an dieser Stelle nurnochvierStun« den vom Gipfel entferiii. Sie befanden sich in bester Form und warteten hier, wo ursprünglich Lager VIII errichtet werden sollte, auf'die anderen. Die Träger gingen aber nicht so weit, so dast das Lager VIII bereits in einer Höhe von 7600 Metern aufgeschsagen werden muhte. Aschenbrenner und Schneider kehrten in dieses Lager zurück. Das Wetter in der Höbe war bisher verhältnismäßig gut. Die Spitzengruppe war gleich über den Wolken. Nur an den Nachmittagen wurde der Grat eingenebell. An diesem 6. Juli ragte der Nanga wie eine Insel über das gewaltige Wollenmeer, das sich aber nicht über 6800 Meter Höhe erhob. Die Bergsteiger waren guten Mutes und voll Zuversicht, am nächsten Tage den Gipfel zu erreichen. Das Schicksal entschied eS anders. Es begann eine Tragödie, die in der Erforschung de« Hima- laja und in der ganzen Geschichte des Alpinismus nicht ihresgleichen hat. In dieser Nacht setzte heftiger St.urm ein. Trotz dichtester Verschnürung der Zelte lag schlieh» sich der Schnee st aub zentimeterhoch aus den Schlafsäcken.' Unter der Gewalt des Windes brachen die Zeltpfähle. Am'Morgen war dichter Rebel, es schneite und der Sturm raste mit unheimlicher Wucht über die Hochflächen- Man konnte im Freien kaum atmen. Der Sturm war derartig stark, dast die Kocher nicht brannten. Es war daher nicht möglich. Tee und Essen zu bereiten. Die zweite Rächt war noch schlimmer als die erste. Wieder wurde sie schlaflos verbracht. Der Sturm steigerte sich von Stunde zu Stunde und würde schllehlich zum Orkan. Roch leistete zäher Wiste Widerstand gegen, die entfestelten Elemente. Er galt: jetzt, da» Leben zu retten. Am Morgen des 8. Juli wurde der Rückzug beschloffen. Aschenbrenner und Schneider brachen mit drei Trägern auf, um im Schnee den Weg zu suchen. Merkl, Welzenbach und Wieland folgten mit acht Trägern, von denen einer kurz nach Verkästen des Lagers starb. Wahrscheinlich infolge de» dadurch entstandenen Aufenthalte» und eigener Erschöpfung, 'kam diese Gruppe kaum vorwärts und war gezwungen. noch vor Erreichung de» Lager» VII«in Zwischenlager zu beziehen, wo wieder ein T r ä g e r st a r b. Bei unvermindertem Sturm muhte die Nacht ohne Zelte verbracht werden. Schwere Erfrierungen waren die Folge. Am nächsten Tage, den 9. Juli, starb Wieland während des Abstiege», Merkl und Welzenbach «reichten das Lager VII, wo ein Fett stand. Bier Träger gingen weiter, aber nur drei von ihnen kamen später mit einem Ucberlebenden der Trägergruppe von Aschenbrenncr-Schneider in» Lager IV. Welze n b a ch starb im Lager VH. Am 18. Juli setzte Merkl, der seit Tagen ohne Nahrung war, mit übermenschlicher Anstrengung, in Begleitung der Träger AngSsering und Gap-Latz den Weg nach Lager VI(6900 Meters fort, da» aber entweder weggcfegt oder vom Schnee begraben war. Deshalb muhten sie in rtner selbstgegrabenen Schnerhöhle Zuflucht suchen. Angtsering schlug sich am folgenden Tage nach Lager lV durch. Der.treue Gap-Latz blieb bei Merkl, um mit' ihm zu sterben. Die. Darjeeling-Leute haben die Sache der deutschen Bergsteiger zu ihrer eigenen gemacht und wortlos und treu ihr Leben dafür eingesetzt. Sechs Todesopfer hat der Nanga Parbat von ihnen gefordert. „Jtr. 7»6 Hitler-Sieg Und wieder Sieg! Die Fahnen hoch! Laßt unf're Hymnen steigen! Wir durften'» wieder— Hitler Heil! der nrid'gen Welt aufzeigen r Kraftstrotzend steht das Hakenkreuz!— Die lump'gen paar Millionen, die aus der Reihe tanzten— pah! Wir«erden'S ihnen lohnen! Dir Adolf Heil! Wir sind die Herrn— die Thtzffen-Krupp-Entlohntrn. Nun juble Volk! Den Dolch geschärft! Blut fließe an den Fronten! Daan währt rS nicht mehr lange» trau«: Mein Volk, dann wirst du einig! Nur»«gelegt, wa» sich nicht beugt— und Adolf steht alleinig! Traue« übe« Bord Paris, 22. August. Bei einem Feuerwerk in LaRochelle fiel ein Funken auf den Ben- zjnbehälter eines vor Anker liegenden Vergnügungsdampfers. Der Behälter explodierte und dos Feuer griff sofort auf eine Kiste mit Feuerwerkskörpern über, die mit mächtigem Getöse in die Luft flog. Von Schrecken erfaßt, sprangen zwei Frauen über Bord. Rur eine von ihnen konnte gerettet werden; die Leiche der anderen konnte bisher nicht geborgen werden. Der Besatzung des Dampfers gelang es in kurzer Zeit, den Brand zu löschen. .Bl» schwarzer Tag der sranzofifche« Aviatik Paris, 22. August. Frankreich hatte gestern und heute, was das Flugwesen anbelangt, einen schwarzen Tag. Im Laufe deS gestrigen und des heutigen Tages stürzten im ganzen fünf Flugzeuge ab, davon vier militärische. Dabei kamen drei Personen ums Leben und vier Personen wurden verletzt. Heger-Mord? In dem Walde bei BudiS- kovic bei T r e b i t s ch, wurde gestern früh die Leiche des 72jährigen HcgerS Franz KrS ek aus Thn gefunden, der vormittags ins Revier gegangen wär und nicht mehr zurückkehrte. Die Leiche weist einen Brustschutz auf und l- auf dem Rücken. Die Angelegenheit wird von emer Ge- richiskommission und der Gendarmeriefahndungs, stelle aus Trebitsch untersucht. 1.8 Prozent... Der Kultusminister in Berlin, hat, wie die NDZ meldet, bestimmt, daß die Zahl der zuzulassendcn nichtarischen Studierenden und Schüler, in Zukunft 1.5 von Hundert, der Gesamtzahl der Besucher auch in den Fachschulen Deutschlands nicht übersteigen darf. Bei der Errechnung, sowohl der Gesamtzahl,-wie,! des ProzcnwerhältnisscS, werden allerdings Ausländer nicht' Mitgezahlt."'■ ♦ Nach vier Monaten Haft freigesprochen wurde der 2Sjährige britische Staatsangehörige Sodney Haueisen, 29 Jahre alt, in Kassel. Er war am 11. April von SA. unter der Beschuldigung verhaftet woüdcn, als kommunistischer Kurier für das Arbeitsdienstlager Königsberg tätig gewesen zu sein. Dafür wurde er des Hochverrats angeklagt. Die Mitangeklagte Frl. Lude wurde zu IST Monaten Gefängnis verurteilt. Sie ist Deutsche, für sie interessiert sich keine ausländische Macht. Radfahrer-Tod. Dienstag nachmittags stieß der 20jährige Radfahrer A. K o c o u r e k, aus Rennowitz(Mähren) mit einem Personen, auto, daß von einem geivissen^Wagner aus Zidlochovice gelenkt wurde, zusammen. Kocourek stieß mit dem Kopf gegen das Schutzglas und blieb bewußtlos liegen. Er wurde in das Krankenhaus der Unfallversicherung geschafft, wo er eine Viertelstunde nach der Einlieferung verschied.. Parfum aus der vorchristliche« Zeit. Aus Rostow am Donn wird gemeldet, daß auf der Bedlitz-Landzunge bei Tanganrog die Ausgrabungen einer G r a b ft ä t t e, die in das zweit« oder dritte Jahrhundert v. Ehr. zurückreicht, wieder ausgenommen worden sind.■ Aus dem Grabhügel wurden zahlreiche alte Lackgefäße zutagegefördert. In einciu dieser Gefätze wurde eine Mischung von Harz und Pflanzenöl gefunden, die, obwohl sie mehr als 2000 Jahre im Erdreich gelegen hatte, beim Brennen aromatische Dämpfe ergab. In oem Grabhügel sind Skythen neben ihren Sklaven bestattet. WolfSrudck in den Apenninen. Im toskanisch« sizilianischen Hoch-Apenninen-Gebiet waren auf den dort loeidenden Schafsherden in den letzten Wochen weit über hundert Tiere' verschwunden, deren Kadaver man später zerrissen iM dichten Gehölz auffänd. »Die Erklärung dafür wurde jetzt von einigen Hirten gegeben, die in den letzten Tagen verschiedentlich Wolfsrudel bemerkten. Man erinnert sich nicht an das.Vorkommen, von Wölfen in diesem Gebiet der Apenninen.'•' Unsichere Wetterlage. Nach dem Abendwetter- brricht des Staatlichen meteorologischen Institute» dauerte am Mittwoch in einem großen Teil de» Festlandes noch immer das sehr warme Wetter'an. In Mittel- und Südosteuropa wurden nachmittags stellenweise 80 bis 88 Grad erreicht. Da das Druckhoch, unter dessen Einfluß in unseren Gegenden in den letzten Tagen ziemlich schöne» Wetter herrschte. Nunmehr zerfällt, gestaltet sich die weitere Entwicklung des Wetter» unsicher! Später'dürfte vom Ozean eine Abkühlung auf das Festland eindringen. — Wahrscheinliches Wetter von heute: Wechselnd bewölkt, vereinzelte Lokalgewitter, noch ziemlich warm, überwiegend- südwestlicher Wind, später unsicher. Meine Kenn Skizze von Fräulein Maria Braun ist die Sekretärin des Generaldirektors. Sie ist jung und schlank, und ihr blonder Bubenkopf verbreitet ein Leuchten, das die Männer beunruhigt. Aber sie ist die Sekretärin des Generaldirektors. Und alle UNterdirektvren, Ingenieure, Rechtanwälte und Mitarbeiter de» großen Fn- dustriekonzerns respektieren sie als unantastbare Per», söiüichkeiü- Er, der Gewaltige,-, hüt noch.-nie-etwas Vock ihrer- schlanken Jugend-'bemerkst Vom--frühen Morgen bis zum späten Abend erledigt er seine Befehle, Aktenstücke, seine Ideen, seine weitverzweigte Korrespondenz. Maria Braun, ist ein angenehm, beweglicher Mechanismus. Richt mehr, nicht weniger. Ueber all diesen Aktenstücken, Ideen und Briefen merkt Fräulein Braun eines Tages, daß es Sommer geworden ist. Wenn sie aus dem Fenster ihres schmalen Arbeitszimmers auf die Straße sieht, gehen Frauen in hellen Kleidern vorbei. Ueber ihre Maschine und ihre strengen schwarzen Geschäftsbücher gleiten Ströme von Licht. Maria seufzt. Maria ist keine Heilige. Ihre jungen roten Lippen träumen heimlich von Küssen. Aber von morgens bis spät abends zu arbeiten, immer mit aller Rervenkrast angespannt zu sein, das zermürbt. Maria ist froh, wenn sie zu Hause todmüde ihren Kopf in die Kissen legen kann. Schnell reißt sie ihre Gedanken wieder zusam- men. Da stimmt etwas nicht in den Akten des Herrn Direktors Müller. Verflogen ist die Anwandlung von Sensimentalität. Nimmt das Aktenbündel unter den Arm und geht sehr hoch, sehr schlank, und sehr streng in das- Zimmer des Direktors Müller. Der ßtzt im Klubsessel ynd studiert letzte Börsennotizen. Fräulein Braun grüßt kürz,, neigt kaum den Kopf und breitet die finsteren schwarzen Bücher aus.„Herr Direktor, Ihr Bericht über unsere- schlesische Tochtergesellschaft hat'einige Fehler". Knapp und kühl erzählen dies« roten Lippen-von Aktien, Dividenden, Kapitalien und Äufsichtsxäten. Müller,, strahlend, rund ünd-'vrö gnügt, läßt das, alles über.sich ergehen und verspricht eine nochmalige Durchsicht. Dabei gleiten, seine Blicke über Marias Hände; die Sonne legt sich sehr-betont,, sehr raffiniert über ihr Haar.„Nun, Fräulein Braun,.werden Sie bald Ihren Urlaub antreten?" Fräulein Braun siebt keine Abschweifung von'geschäftlichen Dingen.„Vielleicht",. erwidert sie kurz, „das hängt vom Generaldirektor ab."—„Gott, Sie sind so jung und hübsch und, verleben den ganzen Tag zwischen diesen trockenen Akten"— der Sonnenschein auf Marias Haar verwirrt'Müller—„ich habe zwei Karten zum Kleiber-Konzert bekommen, wollen Sitz nicht den zweiten Platz nehmen? Meine Frau ist,verreist 7-7:. ein bißchen Ostende——'! Nur einen Äüg'enhsick'überlegt' Maria., Konzert, Lichterglanz, sommerseideüe. Gewändes. Duft von Blumen Und Parfum». Aber-diese? Mann, dort—.„meine Fräst ist perreist"•-h was soll das heißen? Sie lehnt dankend ab,-verläßt.das Zimmer hocherhobene» Hauptes. . Auf dem Korridor vertritt ihr der Oberingenieur den Weg!„Ich habe Sie gesucht,- Fräulein Braun, Man sagte mir, daß ich Sie bei Herrn Direktor Mül- ler finden würde. Wollen Sie, bitte, dem Herr» Generaldirektor sagen, daß er die neuen Maschinen morgen, vormittag besichtigen kann. Es war ausdrücklich sein Wunsch, sofort bei Eintreffen benachrichtigt zu werden."—„Bielen Dank, Herr Oberingenieur, ich ist verreist... Grete Lwin» werde er ihm sagen, wenn er au» der Konferenz kommt".— Der Oberingenieur ist ein großer blonder Mann. Er trägt den Spitznamen der„Vampyr" und.liebt außer seinen Maschinen nur Sport und schlanke Frauen. Maria Braun? Er hat cs nie ge» .wagt. Und doch— heute erscheint sie ihm im Halb- tzunlel des Korridors so ander«. Weicher, gelöster. ,„Wfill?tt,Kie,sich nicht auch die neu?« Maschinen ansehen». Fräulein. Braun? Großartig. sage ich, Ihnen. UebrigenS habe ich mir da ein neues Rennauto angeschafft. Hat 90 PS, macht 120 Kilometer. Soll ich Sie einmal spazieren fahren?"— Maria sieht sich im Auto, Wälder und Wiesen läßt sie in rasendem Tempo hinter sich. Seen blitzen, Dörfer, friedlich und still, werden vom Klang der Hupe aufgeschreckt. „Kommen Sie mit, Fräulein Braun, morgen ist Samstag, da werden Sie doch auch früher Schluß machen. Ich erwarte Sie hier in der Nähe mit meinem Wagen. Wir fahren hinaus— ich habe ja jetzt so schöne, freie Zeit— meine Frau ist verreist..." Maria zuckt zusammen. Sie denkt irgend etwas von Akten-an-dcn-Kopf-werftn. Aber der„Vampyr" ist mächtig. Sie will ihn nicht verletzen.—„Es ist leider unmöglich, Herr Oberingenieur, ich habe über meine freien Stunden bereits verfügt." Neigt den Kopf.und geht. - In ihrem Zimmer fliegen die Akten auf den Tisch. Sie werden nicht mit der gewohnten Ordnung und Sachlichkeit hingelegt. Nein, sie fliegen. Frauenhaft, befreit vom Mechanismus. Der kleine Rechtsanwalt hört noch das hefsige Geräusch, als er di« Tür öffnet. Verwundert späht er über dunkle Brillengläser zu Fräulein Braun. Da» ist etwa» sehr Merkwürdiges, noch nie Dägewesenes.„Fräulein Braun, ist der Her? Generaldirektor zu sprechen 7 Ich habe eine sehr wichtige Auskunft über die neue Stahl« waren-Aktiengesellschaft erhallen."—„Herr Generaldirektor ist in einer Konferenz. Er muß aber sehr bald-zurückkkehren. Wollen Sie nicht einen Augenblick Platz nehmen, Herr Doktor?"!■ Maria» Gesicht wird wesentlich freundsicher. Dieser kleine Mann mit Jetzt.- blaffen vergeistigten Gesicht ist ihr sympathisch. Ast,» Übrigen-Sekretärinnen beten, ihn an, stellen ihm Bkyiüen auf-seinen Platz und leihen sich Bücher von ihm.'Ihr hat, er auch neulich«kN dickleibige» Weck über die Renaissance gegeben, das ihr viel zu„hoch" ist, und das sie gar nicht intereffiext. Zahlen, Maschinen, Aufsichtsratsitzungen, Konto-Auszüge, Jahres- Abschlüffe, Dividenden, da» sind Dinge, die in ihrem Kopf Platz haben. Aber trotzdem, die Aufmerksamkeit de»„Mitgebrachtbckommens" hat sie erfteut. Der kleine Rechtsanwalt putzt sein« Brillengläser. Merk- würdig, was so ein bißchen Sowie macht. Gleich webt .sie um diese» schlanke Mädchen einen golden«« Heiligenschein. Er seufzt:„Endlich ist es Sommer geworden. Ist das. nicht schön, Fräulein,Braun?"—„Ja", sagt Mätia ernst und sachlich.„Da» ist sehr schön." —„Trotzdem!',-fährt der kleine Mann fort,„liebe ich den Winter viel mehr. An regnerischen Sonntagen -in ein,. Museum zu gehen, ist doch da» Allerhöchste. Dann leuchten di« Farben der Bilder in doppelter Pracht, man wird von der Anmut der Linien, der Leidenschaft des Ausdrucks ganz anders hingerissen, weil man so viel mehr Sehnsucht In sich hat. Kennen Sie die„Singenden Engel" von Botticelli?" Rein, Maria kennt sie nicht.„Ah— die müssen Sie einmal sehen", begeistert sich der Kunstfreund weit«.„Sie Wird da» wirke»? In einer gefährlichen Kurve vor einer Wegkreuzung in der Grafschaft Glatz hat man dieses warnende Verkehrszeichen aufgestellt, das auf eine besonder- eindrucksvolle Weise auf die Gefährlichkeit dieser Wegstrecke aufmerksani macht. selbst haben etwas von Botticelli an sich. Ich habe zü Hause eine wundervolle Kopie vmn„Bildnis einer jungen Iran", dem Sic merkwürdig ähneln. Das sollten Sie kennen lernen. Wissen Sie was? Kommen Sie Sonntag nachmittag zu mir zum Tce, dann zeige ich Ihnen meine Sammlung". Auch Maria hat schon von der berühmten Sammlung gehört. Soll sie zu ihm gehen? Vielleicht sind Bilder doch etwas sehr Schönes. Sie nickt.„Ja, Herr Doktor, ich danke Ihnen, ich werde kommen." Sie reicht ihm die Hand. Der Mann beugt sich übcr'dic kühlen weißen Finger. „Nein, ich danke Ihnen. E» ist eine große Ehre für meine Bilder. ES ist jetzt so still unter ihnen. Meine Frau ist verreist—" Weiter kommt er nicht. Er sieht nur, wie Maria blaß wird, wie sie die Lippen bewegt. Da öffnet sich die Tür— der Generaldirektor stürzt sehr eisig ins Zimmer.„Fräulein Braun, bitte sofort zum Diktat!" Mana nimmt niechanifch Stenogrammheft und Bleistift, folgt dem Gewaltigen in sein imposantes Arbeitsgcmach. Sie ist sehr verwirrt, ihre Gedanken ftallern, zum erstenmal kann sie dem Gebieter nicht folgen, sich nicht ausgeben, nicht Werkzeug seines genialen Willens sein. Der Generaldirektor hat einen scharfen Blick. Von der lautlos funktionierenden Maschine Dlaria Braun hat er nie Notiz genommen, der lebendig zuckende Mensch entgeht ihm nicht.—„Was ist mit Ihnen, Fräulein Braun? Sie sind ja so nervös. Müde? Abgearbeitet? Urlaub notwendig, was?" Maria verliert noch mehr das Glcichgelvicht. Zum erstenmal benierkt er sic, nimmt Anteilnahmc.—„Oh, cs ist nichts, Herr Generaldirektor, gar nichts".—„Sie sagen nicht die Wahrheit." Der scharfe Blick bohrt sich in sie.„Fünf Jahre tun Sie Ihre Pflicht zu meiner vollsten Zufriedenheit. Nie habe ich eine Veränderung an Ihnen bemerkt. Ich weiß, daß Sie sich ganz allein und sehr tapfer durchs Leben schlagen. Ich möchte Ihnen helfen. Also, was ist geschehen? Haben Sie Sorgen? Hat man Sie gekränkt?"— Maria ist einfach überwältigt. Er betrachtet sie also doch als einen Menschen, hat Verständnis für ihren Kummer. Soll sie ihm alles sagen? Er wird ihr Genugtuung verschaffen— gewiß. Aber jetzt erscheint ihr da» Ganze mit ciuemmal so lächerlich, jetzt— wo sie bei ihn: ist, in diesem Raum. Ihre Hände verliere» das Zittern, ein Lächeln fliegt über ihr Gesicht.„Wirklich, Herr Generaldirektor, ich danke tausend- tausendmal für Ihre Güte, aber ich habe nicht die geringste Ursache, traurig zu sein. Ich bin nur ein bißchen müde und abgespannt. Doch ich werde ja bald meinen Urlaub antreten."—„Armes Kind", seufzte der plötzlich so menschlich gewordene Gewaltige.„Sie haben es auch tvirklich nicht leicht bei mir. Sie müssen ja mehr leisten, als mancher unser« Direktoren. Und außerdem noch meine Launen ertragen. Aber warten Sie, ich werde Ihnen eine kleine Erholung verschaffen. Heute nachmittag packen Sie Ihre Arbeit zusammen, der Chauffeur wird Sie abholen und in meine Villa fahren. Dort setzen Sie sich in mein-Arbeitszimmer, öffnen alle Fenster und lassen die schöne Parkluft herein. Abends komme ich dann hinaus, wir werden gemeinsam essen und einmal über ganz andere als geschäftliche Dinge sprechen. Sie tun geradezu ein gutes Werk, wenn Sie mir Gesellschaft leisten. Ich lebe augenblicklich in großer Einsamkeit. Mein« Frau ist verreist—" Er machte eine Pause. Maria lächelt.„Nun?—.. einverstanden?...„Aber Herr Generaldirektor!" Rom Luxemburg: Briefe aus dem Gefängnis - 94 Seiten, broschiert mit farbigem Schutzumschlag KC Zentralstelle fllr des Bildungswesen Prag XII., Slezska 13 iwiwiiimiwwiwwimiwwiwwwim «eite 5 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 23. August 1934. Sir. 198 .2991. Reklame Mensch Von I. Kaut. .Die Speicher und Magazine sind mit Waren gefüllt bis zu den Dächern. Lebensmittel, Stoffe, Luxuöwarcn. Da gibt cs nur eine Sorge: Wer kauft? Wer kauft I lieber den nächtlichen Straßen strahlen die Titel der Firmen, Spiralen und Namen leuchten auf. Tag und Nacht glänzen die Schaufenster in bunter Beleuchtung. Plakate an allen Straßenecken, Rufe gellen durch die Gassen, Zetteln flattern durch die Luft und von Hand zu Hand. Kaufen Siel Kaufen Siel Ein Tanmel erfaßt die Menschen. Bunte Stoffe, Bilder, Filme. Sehnsucht und Wunsch erwacht. Eine junge Frau sieht bunten Stoff, der zu ihrem blassen Gesicht und den blonden Haaren paßt. Eine kleine Frauen- schnsucht wird stark. Kaufen Siel Plakate sind zu wenig grell, Lichter zu wenig auffallend. Durch die Straßen tanzt auf eickcm hohen Rad ein Mann. Auf dem Kopf einen Zylinder: Rot und blau und grün. Auf den schmalen Schultern tragt er einen sechseckigen Kasten, der ihm die Schultern wundrcibt. Eine bunte, kariert» Hose mit vielen Flecken, lind wie komisch seine Schuhe sind, rot und mit aufgebogener Spitze, aus der eine Schelle baumelt. Sein Gesicht ist rot geschminkt. In den Händen und Taschen trägt er weiße, flatternde Zettel:„Kauft! Wir haben den schönsten Stoff I Die billigsten Blusen. Aber schnell müßt Ihr kaufenI" Vielleicht sind die Speicher nur noch bis zum dritten Stock gefüllt. Ter Clown tänzelt durch die Straßen. Alles drängt sich um ihn. Er macht die besten Spässe, hat die zärtlichsten Blicke für die Damen. Nur hie und da hustet er seltsam und schauerlich aus der tiefsten Tiefe seiner Brust. Dann lachen alle über sein komisches Gesicht. Wenn der rote Mund sich in dem Ivciß gemalten Rahmen öffnet... Die Menge drängt sich um ihn, daß er vom Rad steigen muß. Er macht seinen neuesten Witz und taumelt weiter durch Staub und Dunst der Straße. Langsam bricht nach dem langen Tag der Abend herein. Die Lichter und laufenden Bilder und schimmernden Scheiben nehmen ihin die Arbeit ab. Er reinigt sich von Farbe und Staub. Der Rellamechef gibt ihm zehn Kronen und sagt:„Wie blühend Sic ausschen. Ja, die frische Luft de» ganzen Tag. Sie sind sehr beliebt bei den Leuten. Man erzählt im Geschäft von Ihnen. Wir werden Ihnen einen Kollegen niitgebcn... Ja, ja, lebende Reklame ist die beste." Dann lag der Clown in seinem Bett und fieberte und träumte. Tausend Spässe sielen ihm ein und die bittersüßen Geschichten von seinen Kollegen, den Zirkusclowns, die über die Manege rollen wie Bälle. Wieviel größer war sein Zirkus: Eine ganze, große Stadt. Dann fiel ihm wieder die Geschichte ein von dem Clown, dem eine Dame eine Rose zuwarf. Und der Clown verliebte sich in iic, spielte nur noch für sie und weinte bei seinem Witz über die Liebe, dem Höhepunkt des Programmes. Der Clown war seither melancholisch und eines Tages fischte man ihn aus dem Fluß. In seiner bunten Bluse war eine Rose eingenäht. Es waren wohl Fieberträume, all diese Geschichten, die ihm in den Sinn kamen. Er hatte in der langen Nacht Sehnsucht nach einer menschlichen Stimme. Er fühlte sich auSgestoßen und als ein lächerlicher Bajazzo einer ganzen großen Stadt. Seine Glieder brannten, als er morgens 2.-9. September Die Gelegenheit zum vorteilhaften Einkauf I 33 Prozent Fahrpreisermäßigung um Auskunft«.und Messeausweise von den Messevertretern oder vom Messeamte in Prag XII., Messepalast aufstand und mit seinem neuen Kollegen durch die Straßen^uhr.^ Das Publikum lachte, uahnt ihre Zettel. Mit heiserer Stimme sang er den letzten Schlager der Saison. Bon Mund zu Mund pflanzte er sich fort. Und die Mahnung: Kaufen Sie Ihre Blusen nur bei unSl Tag für Tag, bis alle seine Witze erschöpft waren und in aller Mund. Dann waren die Blusen verkauft. Seine Stimme war schwach, sein Husten übertönte sie und seine- Wangen bedürften keiner Schminke mehr. Er mußte ins Spital. Er fieberte und sprach im Delirium: Kauft! Kauft! Wenn er erwachte, weinte er. Vielleicht aus Stolz, dem verletzten Stolz eines ganz einfachen, guten Menschen.\ Der Reklamcchcf sagte:„Schade um ihn! Er hat bei den Leuten gezogen. Lebende Reklame bleibt die beste. Hab ich's nicht immer gesagt!" PRAGER ZEITUNG Der Bettler Der Bettler, den ich beobachtete, bettelte nicht. Wenigstens im Augenblick nicht. Bor wenigen Sekunden hat er seinen„Platz" vor dem Eingang einer der großen Passagen am Wcnzclsplab aufgegebcn und sich auf den Weg gemacht. Er geht, ein alter Mann mit weißem Haar und Bart, langsam am Stock. Plötzlich bleibt der Bettler stehen. Man würde i unwillkürlich vermuten: vor einem Dclikatcßwarcn- geschäft mit herrlichen Würsten, riesigen Schinken und allen ebenso verlockenden wie für ihn unerreichbaren Delikatessen. Doch wer dies glaubt, ist. im Irrtum. Der alte Mann starrt wie verzaubert in die Auslage einer Parfümerie. So eines richtigen Luxusladens für die Reichen. Es gibt darin zart geschliffene Flakons in leuchtenden und svicgclndcn Farben, Marmorschalen mit Creme und Puder, Lippenstift in Silberhülsen, hohe Kristallflaschen, gefüllt mit allen Wohlgerüchen dieser Erde. Der Bettler betrachtet dies alles wie etwas, das er nicht zu fassen vermag. Es funkelt, es duftet, es schimmert und glitzert, und rS geht in dem noblen Schaufenster zu wie in einem Märchen aus Tausendundeine Nacht. Ab und zu öffnet sich die Tür des Ladens. HerauSströmt zugleich mit berückendem Barfümhanch eine gut gekleidete Dame. Nkanchmak sind es auch zwei, sie plaudern, sie lachen, sic sprechen von ihren Einkäufen, und daß man jetzt dunkleren Puder kaufen muß. weil man am Strand gar so braun geworden ist. Dcckei gehen sic und achten nicht auf den Alten, der neben ihnen steht und dabei vor Staunen vergißt zu betteln. Immer wieder gleitet sein Blick über die Auslagen des Schaufensters, um schließlich auf sich selbst kritisch haften zu bleiben und Musterung des eigenen Ichs zu halten, von Kopf bis Fuß. Ach, so lieft man das Ergebnis der Selbftvrüfung in diesem Blick, ihn trennt mehr als eine Glasscheibe von den fernen Herrlichkeiten. Seine Welt, die der Arnmt und des Elends, kennt keine Brücke zu jener, in der man solche duftenden und schimmernden Sächelchen verwendet. In des Alten Augen steigt ein drohender, trotziger Ausdruck. Doch die Bewegung, mit der er sich zum Gehen wendet, ist mutlos. Er ist zu alt. um gegen die. die ihn zum Betteln zwingen, zu kämpfen. Es reicht nur noch zum Haß. Katja. Golchtssaal Eine 62jährige als Millionenbetrügerin Els Geschädigte— ein Todesopfer Prag, 22. August. Die 62jährige Gastwirtin Julie K r ej L t k aus Prag, Podolskä tkida, ist von der Staatsanwaltschaft des elsfachen Betruges angeklagt und die Schadensziffer beläuft sich auf mehr als 1,200.000 Ai. Wie es diese alte Frau fertiggebracht hat, erwachsenen und vollsinnigen Menschen unter den plumpcstcn Vorspiegelungen enorme Beträge hcrauszulocken, bleibt ein Rätsel. Nach der Anklage hat der Vertreter B. B u r d a ihr 860.000 Ai auf Nimmerwiedersehen anvertraut, ein Beamter Josef S. lieh ihr 188.000 AL, ein gewisser PeträS 64.000 AL, eine Frau Franziska Hornos 80,000 AL usw. Ein Fall endete tragisch. Der Häusler Wenzel Riegel, den die Angeklagte um 64.000 AL geprellt hatte, beging Selbstmord, weil er vollkommen zugrundegerichtet war. Er erhängte sich ant 27. Jänner d. I. in einem Wald bei V i k ä n L und durch diesen Selbstmord kam die Untersuchung gegen die gefährliche alte Person in Gang. In den Taschen der Leiche des«Riegel fand man verschiedene Wechsel und im weiteren Verlauf der Erhebungen ergab sich, daß Riegel nicht nur sein ganzes Bargeld geopfert, sondern auch verschiedene Verwandte überredet hatte, ihr Geld der alten Schwindlerin anzuvertrauen. Diese arbeitete mit der Vorspiegelung, sie habe für angebliche(natürlich erdichtete) Staatslieferungen etwa z w a n z i g Millionen AL zu erhalten, was ihr ihre verblendeten Opfer prompt glaubten. Sie arbeitete mit gefälschten Dokumenten, deren Fälschungen unglaubliche Zumutungen an die Leichtgläubigkeit der Geprellten stellen.'(Angebliche Zuschriften des Finanzministeriums trugen einen handgeschriebenen Kopf(!) u. dgl.) Als Helfershelfer in dieser tragikomischen Be- trugSaffärc fungiert neben dem 68jährigen Bruder der Angeklagten noch die 83jährige Teresie T u L e k. die beide in verschiedener Art zur Uebertölpelung der auserkorenen Opfer beigetragen hatten. Bon ! diesem Prozeß, der heute nicht zu Ende geführt wurde, weil einige Zeugen sich nicht eingestellt hatten, wird noch zu berichten sein. Der Senat Novotny vertagte- die-heutige Verhandlung zwecks neuer Zeugenladung.auf unbestimmte Zeit.. rb. Nachklänge zu einer illegalen> Protestversammlung Neunmal Anklage wegen„Auslaufe»"., Prag, 22. August. Bor HGR. Dr. Toman als Einzelrichter hatten sich heute in nenn aufeinanderfolgenden Berhandlungen neun Angeklagte wegen des Vergehens des Auflaufes zu ver- ' antworten. Alle diese Anklagen betreffen einen und denselben Sachverhalt. Am 8. April d. I. sollte in der Ortschaft H n L- kovbeiHokowitzeine Protestversammlung gegen die b e a b s i ch t i g e A u f l a ssu ng der E i s en- w e r k e A l t h ü t t e n siattfinden, in der ein Großteil der ortsansässigen Bevölkerung ihr Brot fand. Die BczirkSbehörde in Hokowitz untersagte die Abhaltung der Manifestation, worauf die Kommunisten für illegale Abhaltung der verbotenen Kundgebung Propaganda machten. Die Bezirksbehörde entsandte hierauf am kritischen Tag den Oberkommissär Dr. I a k l mit 16 Gendarmen nach HyS« k o v, um die Versammlung zu verhindern. Die Straßenabsperrung erwies sich als nutzlos und schließlich sahen sich die 16 Gendarmen einer erregten Menge von 600 Demonstranten gegenüber, die im loeitcrcn Verlauf nach den Ausführungen der Anklage auf 2000 bis 8000 Personen anwuchs. Die Aufforderung zum Auseinandergehen stieß auf leidenschaftliche Proteste. ES war eine Situation, die zu unabsehbaren Folgen hätte führen können, vielleicht zu einer Katastrophe a la Freiwaldau und Dux! Zum Glück behielt Obcrkommissär Dr. Jakl den Kopf oben und wußte schließlich auf gütlichem Wege ein Einvernehmen herzustellen. In einzelnen Fällen kam cS zu Auseinandersetzungen zwischen Denionsirantcn und Gendarmen, in deren Verlauf mehrere Personen festgestellt und wegen ..Auflaufes" angcklagt wurden. Neun von diesen— es sind ihrer insgesamt 41— standen heute vor dun hiesigen KreiSgericht. Drei von diesen aufeinanderfolgenden Verhandlungen wurden vertagt, in einem Fall wurde ein Freispruch gefällt: in den restlichen fünf Fällen erkannte das Gericht auf die Mindeststrafe von drei Tagen strengen Arrestes— bedingt auf dr.ei Jahre. tfc. VcrclnsnadirWitcn Turnerinnen, Achtung! Am Do.nnerstag, den 2 8. A u g u st, beginnen wir Punkt halb 8 Uhr bei Klavierbegleitung zu. turnen. Ab*40 Uhr Geräte und Ballspiele. . Kommt daher pünktlich und FRAG zahlreich! Frei Heil! » Spiel• Kiirperpflege „Robuste Deutsche. Magdeburg, der Schauplatz der Europa- Schwinnncistersckaftcn, war auch der Tummelplatz des neuen deutschen Geistes. Nicht nur, daß die Schiedsrichter sich-nicht rühren konnten otzer wollten und lieber, wo cs eben ging, den Deut» f ch e n de n V o r z u g gaben— wider besseres Wissen natürlich—, so war eö auch für die auSländi- fchen Wettkämpfer und Teilnehmer nicht immer„angenehm". Das beweist eine Meldung des Düsseldorfer„Mittag": Bei dem Wasserballspiel Deutschland-Spanien protestierten die Ungarn auf einer Tribüne gegen die Entscheid u n- gen des Schiedsrichters. Ein„robuster Diut- schcr" machte sich daher aus, uni den Ungarn klar zu machen, daß sie ein solches„Benehmen" sein lassen sollen, denn sonst würden sie„mit sanfter Gewalt" von der Tribüne herunter. befördert werden, auf der sie sich sowieso widerrechtlich befänden. Die„höfliche" Aufforderung tat ihre Schuldigkeit. Oder: Bei einem Frau en schwimmen, das die Holländerin Mastcnbroeck gewann, kam die Deutschs Ahrendt laut Richterspruch in einem toten' Remien mit der Holländerin Oversloot auf den zweiten Platz. Die deutschen Berichterstatter und das Deutsche Nachrichten-Büro waren jedoch anderer Meinung und setzten die Ahrendt allein auf den zweiten Platz. Erst der Protest der Holländer brachte die Wahrheit- mit der Bemerkung, daß„e i n F e h l e r" unterlaufen sei. Wie-im Kunstspringen der Männer war es auch bei den F r a u e n. Hier wie im ersten .Fall wurden Deutsche als Sieger erklärt. Rur mit dem Unterschied, daß bei den Frauen die Olhmpiade- Siegerin Sjöquist(Schweden) um vier Punkte schlechter gewertet wurde, obwohl die Deutsche an das Können der Schwedin nicht heranreichte. Es herrschte bei allen Beteiligten in Magde- burg die hcgründetc Ansicht vor, daß diese Meisterschaften kein wahres Bild von dem Können der Vertreter der einzelnen Nationen bieten und unter einem unsichtbaren Terror des Dritten Reiches standen. Abgesehen von den Erfolgen des Franzosen TariS, die einwandfrei und überlegen erzielt wurden, würden die Ergebnisse in den übrigen Konkurrenzen auf neutralem Boden k a u m für die Deutschen so günsti.g ausfallen. Die ausländischen Teilnehmer, an den Magdeburger Europa- Meisterschaften konnten sich'schon jetzt ein Bild davon machens wie die Verhältnisse auf der Olympiade 1086 in Berlinerin werdend Sie werden sich überzeugt haben, daß im Dritten Reich zu gewinnen für einen Nazisportler wohl leicht sei, daS Ausland aber nur die Staffage zu bilden Hecke. DTJ.-Stafettenlanf durch Prag. Am Sonn» tag, den 26. d. M., veranstaltet die DTJ. Prag l und V im Rahmen des Sporttages des Prager DTJ.-Kreises einen Stafettenlauf durch Prag. Die Strecke'führt vom SJA-Haus, wo.der Start erfolgt, durch die Pariser Straße, über den Altslädler Ring, Lange Gasse, Smckenicka, PeterSgasse, Teönov über die Hlavka-Ärücke zum DTJ.»Sportplatz ans der Hetzinsel, wo sich das Ziel befindet. Die Strecke- ist in sechs Wechseln eingeteilt mit je einer Laufstrecke von 400' Metern. Neuer Frauen-Stasfel-Weltrekord. Bei den am Mittwoch in Prag ausgetragenen leichtathletischen Gaumeistevschaften erzielte die Frauenstassel (Pckarova, Krausova, Skalova und Koubkova) Uber 4X75 Meter eine Zeit von 87.4 Sek., welche besser ist als der bestehende Weltrekord. Dieselbe Slaf. fel stellte über 4X100 Meter in 4V.8 Sek. einen neuen tschechoslowakischen Rekord auf.— Die Leistungen der Männer blieben teilweise im Durchschnitt, da einige„Kanonen" nicht mittaten. Rapid Wien trug am Dienstag in Belfast gegen Celtic ein Spiel aus aus gewann 2:0 (1:0). Hochreiter war diesmal Sturmführer und der Erfolg ihm zu verdanken. Austria Wien, welche am Dienstag gegen das Städtetcam von Kopenhagen mit 6:8(2:1) gewann, spielt am Freitag schon wieder in Pilsen gegen die dortige Viktoria.— Die Wiener worden wahrf,Reinlich in nächster Zeit ebenfalls eine England-Tournee unternehmen. Bisher haben sie ein Spiel mit Liverpool abgeschlossen, das sie seinerzeit 4:2 schlug. Zwei Länderspiele. In Buenos Aires schlug Argentinien mit 1:0 Uruguay und in Kowno siegle Litauen über Finnland mit demselben Ergebnis. Noch ein Unzufriedener. Die neue Einteilung im Fußball hat neben Viktoria Zijjkov und Nachod noch einen unzufriedenen Klub, nämlich Slavoj Z i j k o v. auf den Plan gehracht, welcher seine Einteilung in die mittelböhmische Division wünscht und die Erhöhung der Zahl der Vereine auf 18 beantragte.— Wer wird der nächste sein?! DaS Radrennen Prag—Karlsbad—Prag über 262 Kilometer wird am kommenden Sonntag mit internationaler Beteiligung auSgetragen. II. a. werden die Dänen Nielsen und Sörensen sowie die. Rennmannschaft des Wiener„Slovan" starten. Bei den Wienern sind die bekannten ehemaligen Arbeiterradfahrer H a m e d l und Häfner mit von der Partie. O, wie herrlich, ein Profi zu sein! Wieviele werden schon mit neiderfüllten Augen auf den Sportplätzen de» oder jenen Profifußballer betrachtet haben, von dem man weiß, wieviel er„verdient" und für manchen Arbeiterfußballer Anreiz gewesen sein, es ebenso zu macke». Sie gerade haben dann im Wirklichkeitsfalle eine Ernüchterung erlabt, die ihnen die wahren Hintergründe des Profitums klar aufzeigte. Wir wollen heute eine» Fall melden, der, offen gesagt, schon Menschenhandel erster Güte darstellt. Der SK. Kladno hat eine Amerikareise zu absolvieren und da nicht alle seine Spieler solange Urlaub erhielten, mutzte um Ersatz unigesehen werden. Man fand da z. B. in Troniiek vom SK. Libuch einen solchen und bestürmte seinen Verein, ihn doch zu verkaufen. Nach längerem Handeln wurde eine Einigung erzielt und die sieht nun so auS: Troniiek wurde für 1000 AL verkauft; sein Verein erhielt sofort 800 AL in bar und einen Wechsel über 700 Ai, der aber erst nach einem halben Jahr nick da unter Vorbehalt ausbezahlt wird. Während dieser Zeit wird geprüft werden, ob der Spieler in die Mannschaft paßt, wenn nicht, wird er dem Verein zurückgegeven ohne Anspruch auf die 700 Ai. DaS ist doch ein reelles Geschäft, nicht wahr? Bloß der Spicker ist dabei der Leidtragende...— Der Handel mit Spielern blüht aber weiter: Fabera von Viktoria Pilsen wurde für 7000 Ai nach Frankreich„verkauft". Ladman von Cechie VIII ist für 1000 AL an Cechie Karlin abgegeben worden...— Das geht so Woche für Woche, Jahr für Jahr. Die kleinen Spicker erhalten Bagatellen, dmnit die Stars bezahlt werden können, die manchmal kaum einen Bruchteil dessen leisten als ihre schlechter bezahlten Kollegen. 'Utcranr Neuland Albanien von Friedrich Walli s ch. mit 45 Abbildungen, 2 Reg. und 162 Seiten (Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart), zweite Auflage. Der Verfasser beschrankt sich auf die Bereisung der wichtigsten Städte und Ansiedlungen sowie jener Strecken des jungen Staates,-welche am sehenswertesten und bekanntesten sind, deren Eigenart charakteristisch für Albanien, zugleich die ungeahnt rasche, moderne Entwicklung des Landes am besten aufweist. Durch kurze eingefügtc, zusammenfassende Schilderungen der alten und neuen Geschichte, der wichtigsten geographischen und volkskundlichen Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten, neben welchen allerdings die interessanten, wirtschaftlichen Fragen leider etwas zu kurz komnicn, erhält man einen guten Einblick in die aktuellen Verhältnisse. Eigene Reist-Erlebnjsse und eine, wenn auch nicht immer glücklich gewählte, persönliche Stellungnahme beleben das sonst sehr gut abgerundete Bild von?llbanien, als dem unbekanntesten und eigenartigsten Reiseland Europa-. Dr. A. Markovits. „Blumen-ZauLerdung", das Blütenwunder Blumen an allen Fenstern! Welche Freude für den Besitzer wie für den Beschauer! 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