14. Jahrgang, Freitag, 24. August 1934 Nr. 197 Wer schirmt die HelmatfrontT Abg. Köhler antwortet der Landpost Das merkwürdige Verhältnis zwischen Landstand und Heimatfront muß im Interesse einer Klärung im sudctendeutschen Lager restlos aufgehcllt werden. Man muß einmal wissen, wo die politische Front der deutschen Regierungsparteien aufhort und wo die Oppositionsfront der ständisch getarnten Fascistci» Henlein und Kon- jarten beginnt. Der Zustand, daß der Bund der Landwirte mit der deutschen Sozialdemokratie in Prag gcnieinsame Politik macht, mit ihr geniein- samc Verantwortung trägt und im Lande drau- ßen Arm in Arm niit den Anhängern der auf- gelösten deutschvölkische» Parteien gegen die deutsche Sozialdemokratie zu Felde zieht, ist auf die Dauer uucrträglich. Wir wollen eine reinliche Scheidung der Geister, nichts niehr! Als Beitrag zu dieser notwendigen Klarstellung haboit wir por einigen Tagen einen Aus- zug aus dem lohten Rundschreiben der Heimat- srmst veröffentlicht. Die Echtheit dieses Doku- »icnts ist inzwischen durch die„Rundschau" des Herrn,Henlein selbst zugegeben worden. In dem van uns veröffentlichten Auszug wurde über das Verhältnis zwischen Landstand und Heimatfront ausdrücklich gesagt: „Da in der letzten Zeit in einzelnen Millen über die Abgrenzung der Tätigkeitsbereiche zwischen SHF und Landstand Unklarheiten zu herrschen scheinen, erteilt die Hauptleitung der LHF im Interesse der bisherigen freundschaftlichen Zusammenarbeit mit- dem Landstande und im Jntrtesse einer weiteren Festigung nachstehende Weisung?.'.." Dann folgten die bekannten Anleitungen, wornach die Agitatoren der Heimatfront dem Bund der Landwirte möglichst wenig inS Kraut steigen sollen. Nachdem in dieser Weisung uriuin- wunden von einer freundschaftlichen Zusammenarbeit Spiua-Hcnlein gesprochen und das Inter» esse an einer weitere» Vertiefung betont wurde, verwiesen wir in dem anschließenden Kommentar daraus, daß zwischen dem Landbund», der Hei- inatfront bestimmte Abmachttngen bestehen. Der Tatbestand ist stir jeden politisch urteilsfähigen Menschen vollkommen klar. Henlein hat seinen Politischen Totalitätsanspruch nie verheimlicht. Seine Bewegung bekämpft oppositionelle Par- tcien, wie die deutschen Christlichsozialen und auch djc Gcwerbcpartei ohne Schonung. Womit hat sich also der Landbund, eine Regierungspartei, solche liebevolle Rücksichtnahme verdient? Macht Henlein um der schönen Auge» der Landbund, führcr willen vor ihren Organisationen halt? Solche handgreifliche Tatbestände zu bestreiten, ist einfach. lächerlich. Dio„Landpost" scheint den Fluch der Lächerlichkeit nicht zu fürchten. Sie-streitet das Bestehen von Pereinbarungen Spina-Henlein heftig ab Und würzt diese Ableugmmg mit beleidigenden Angriffen auf die sozialdemokratische: Presset die unbesehen von der Schreibweise der Hcnlcinschcn„Rundschau" übet- iionnnen sind. Diese Methode allein würde es schon rechtfertigen, daß wir jede Rücksicht fallen lassend, die Jnternas des Koalitionsbetriebes auspacken und einen Brief zitieren, der seinerzeit dem Herrn Abgeordneten Ho dina zur Ab- schriftnahine übergeben wurde. Nun enthebt uns aber^ ein Mitarbeiter dieser Notwendigkeit, indem er uns den-Wortlaut einer Rede zur Verfügung stellt, die der landbündlerische Abgeordnete und Direktor des Bundes der Deutschen, Toni Kithier," am 8i Juni in Brüx gehal- tcn hat. Sie läßt an Deütlichkeit nichts niehr zu wünschen übrig. Köhler erklärte nach dem Berichte der"„Brüter Zeitung"-: „Der Bund der„Landwirte begrüße die KlärstÄlung-er Verhältnisse im sndctendcuk , schon Lehensraum. Seine Partei sei nicht Selbstzweck, sondern fühle sich als ständisches Aus Ocstcrrcldis Gefängnissen E» wird taglMi geprttäeM Wir erhalten aus zuverlässiger Quelle folgende Darstellung der Verhältnisse in den österreichischen Gefängnissen: Die Zustände bei den Wiener BezIrks-PolizelkommlsMrlaten - Die Zellen sind fast überall klein, kalt, schmutzig, schlecht lüftbar; eine große, schmutz- und ungezieferstarrende Pritscht. Keine Separierung der wegen politischer Delikte Verhafteten; oft kommen Betrunkene in die Zellen, welche die ganze Nacht randalieren. Bei Eintritt der Dunkelheit wird eine Deckenlampe eingeschaltet, die bis zum Morgen ununterbrochen brennt. Man erhält keine Decken, kann daher die Kleider auch nachte nicht ablegen. In den Febertagen wiesen die Zellen oft drei bis vierfachen Belag auf, so daß der größte Teil der Leute nachts anf dem Steinboden sitzen, oft, da auch dazu zu wenig Platz wär, Tag und Nacht stehen mußte. Aber auch später, wenn aus irgendeinem Anlaß(1. Mail eine größere Anzahl verhaftet wurde, herrschte oft arge »eberfüllung. Das Essest ist meist.leidlich, mw u n zurr i ch e n d. Einmal täglich und zwar mittags etwa ein Viertelliter Suppe, 1 Viertelliter Gemüse und.ein kleines Stück Brot. Meist darf man sich das Essen auch auf eigene Rechnung aus einem Gasthaus bringen lassen; meist dürfen die Angehörigen früh und abends kaltes Essen abgeben. Oft will man aber auf den Verhafteten einen Druck ausüben und es werden ihm diese Begünstigungen vertoeigert. Ist man zur Zeit, da der Posten durch Abzählen der Häftlinge, die Anzahl der zu fassende» Mahlzeiten seststellt, noch nicht in Haft oder gerade bei einem Verhör, kann cs einem passieren, daß man diesen Tag nichts zu essen bekommt.(So erging cs mir, ich hatte dadurch üb er 4.0 Stunden nichts gegessen.) Das Klosett— mit Wasserspülung— ist außerhalb der Zelle und meist sehr schmutzig. Fast, nirgends ist in den Zellen ein Spucknapf, man verwendet Papier oder, da dies rar ist, muß man in eine Ecke spucken. Daü Taschentuch wird abge- nommen. Wehe, wenn m a n i n f o l g e der K ä l i c S ch n u p f e n bekommt! Trink- wasser ist ans dem Gang oder in dem Vorraum, tvo an einer Wasserleitung ein nie gclvaschenes Blechgeschirr hängt, das von allen gemeinsam benützt wivd. Waschgelegenheit ist keine vorhanden; die Posten schimpfen schön, wenn man sich bloß Glied'des Voltsganzen. Daraus ergehe sich auch die Haltung des Bundes der Landwirt« zur Sudetendeutschen Heimatfront, die sich unter dem Schutz« des Minister- Dr. Spina entwickeln konnte. Der Redner verurteilteschärf- stcns die fortgesetzten, auf Denunziationen auf- gebäüten Angriffe der deutschen Marxisten gegen die Heimatfront. Abg. Köhler hot hervor, daß Spina«nd Henlein das gleiche wolle«, nämlich die Zusammenfassung de- Sudeten, drutschtums auf ständischer Grundlage, woraus stch auch das Bestreb«« ergehe, mit allen Hlrup» . pen der gleichen Einstellung für dir kommenden Wahlen rsne gemeinsame Liste aufzustellrn. Der Redner betonte, daß sich dieser theoretischen Erwägung L.ei. der Umsetzung in-die Praxis, noch Schwierigkeiten entgegenstellen würden,..die: in der Organisation liegen; um sie, zu.beseitigen, müsse u.a. verlangt w'erd'en, daß SHF-Orts- gruppen nur dort geschaffen werden, wo nicht der LandstandSorganisätidn.die Erfassung der Bevölkerung schon zufällt/,wie z. B. in den-rei- nen- Landgemeinden. Ditsbezüglich würden Minister Dr. Spina und Hestlein noch Aus- sprach« Pflegen."--?!*-t’i- Das, was hier Herr'Köhler mit undiploma- tischer Offenheit ausgeplauscht bat, dürftywohl dest^ Wissensdurst der i,Laüö^öst" vollauf befried Wasser über die Hände fließen läßt. Zahnpflege unmöglich» Rasieren ebenso. Rauchverbot. Die Behandlung ist in den meisten Fällen sehr brutal. Daß in den Febertagen viel und ausgiebig geprügelt wurde, ist bekannt. In meiner Haft traf ich mit hunderten politischen Häftlingen zusammen; mindestens 70 Prozent davon waren mehr oder minder arg verprügelt worden. Ich selbst wurde noch am 18; Feber, andere noch später geprügelt; selbst aus den allerletzten Tagen sind mir solche Fälle bekannt. Hier«in paar der krassesten, und zwar führe ich nur solche an, wo ich mit den Betroffenen selbst sprach und sie als ernste Menschen kennen lernte: Im Landesgericht, erzählte.mir ein Mann, er fei im Kommissariat XVII im Laufe deS Verhörs vom Kommissär Dr. Mottl wiederholt auf die Schienbeine gestoßen und nachher von Kriminalbeamten und Polizisten g e o h r f e i g t worden. Auf demselben Kommissariat wurde ein anderer Ende Feber derart verprügelt, daß er eine Nieren- quetechung erlitt, ins Spital gebracht wertzen muhte, dort, eine Zeit rechtsseitiggekähint Wär und auch heute stoch(!) die Fingckr der rechten Hand nicht vollständig strecken und abbiegen kann. ■' Auf dem Kommissariat Ottakring (XVI. Wiener Bezirk) wurde anfangs März ein früherer Kommunist, in dem ein Heimwehr- Schutzkorpsmann einen Maschincngewehrschühen vom 13. Feber zu erkennen glaubte, erst gefesselt und dann derart geschlagen und getreten, daß ich selbst poch Mitte April die Narben von d e n F e s.s e l n« n d die blutunterlaufenen Stellen im Gesicht sah. Als der Anzeiger ihm beim Untersuchungsrichter gegenübergestellt wurde, konnte.cv ihn nicht erkennen, so daß das Verfahrest eingestellt wurde. Bei einem Floridsdorfer Feuerwehrmann sah ich am Hinterkopf e i n e N a r b e, in die genau ein Gewehrkolben h i n e i n p a ß t e. Er hatte nach der Gefangennahme am 13. Feber Kolbenschläge erhalten und klagte noch im Mai über Schmerzen, Gehörstörungen usw. Auf dem Kommissariat Prater sagte man einer Frau, die ihrem Mann Essen bringen wollte: „Aber gehn'#, der is schon gestern nach* mittags anfgehängt worden!“ Einer anderen Frau sagte man auf dem Kommissariat XXI dasselbe und als sie beim Weggehen auf dem Gange zusammenbrach, beschimpfte sie ein Heimwehr-Schutzkorpsmann in nicht wiederzugebender Weife. Die Folge der Berprügelungcn war, daß die Leute bei der Polizei alles zugaben, beim Untersuchungsrichter aber die Polizeiprotokolle umstießen, ihre„Geständnisse" sowie die belastenden Aussagen gegen Dritte zurückzogen. Aus diesem Grunde wurden Hunderte von Strafverfahren eingestellt, Hunderte Menschen freigesprochen. Einen Fall weiß ich, wo sich der Verprügelte beim Kommissär beschwerte. Als er in den Arrest zurückgebracht wurde, erhielt er von mehreren Polizisten unter den Rufen:„Mir werden dir schon beschweren geb»!" neuerlich eine schwere Anzahl Prügel. Wenn schon nicht verprügelt, angebrüllt, beschimpft und eingeschüchtert wurde jeder Einzelne. Die Folgen solcher Behandlung sind oft ungeheure seelische Depressionen. Im Landesgericht sah ich einen jungen Menschen, der sich in einem Kommissariat die Pulsadern aufzüschnei- den versuchte. Vielen glückte der Selbstmord, so jenem, der sich in das SticgenhauS des Notarrestes in der Porzellangasse hinunterstürzte. vas Polizei-Gefansenenhaus auf der Elisabeth-Promenade S e l b st m o r d. Es gab Leute, die im Landes- Zur Einleitung möchte ich sagen» daß bei den politischen Häftlingen, und zwar Sozialdemokraten, Kommunisten sowie Nazi nichts so gefürchtet nnd gehaßt ist,>vie das Polizei-GefangenenhauS auf der Elisabeth-Pronicnade(die„Liesl"oder noch bezeichnender„Maria. Elend" genannt). Ich traf Mit einem Raziführer zusammen, der feit August 1033 zuerst auf der Polizei, dann im Anhaltelager, und zuletzt, im Landesgericht in Haft war und der mir erklärte, w en n er nochmals auf die„L i e s l" käme, b eg in g e er digcii. Köhler betont offen nnd hält es- seiner Partei sogar zugute, daß sich die Henleinfront unter dein Schutze des Herrn Spina entwickeln konnte. Er verspricht,- daß wegen der organisatorischen AbgrenzungSfragen zwischen Spina nnd Henlein noch Aussprachen stattfinden werden. Es- fandtn' also—alles nach Köhler— schon früher solche Aussprachen statt. Köhler stellt so- gar-stir die kommenden Wahlen eiste gemeinsame Liste in Aussicht." Wir überlassen eS der landbündlerische» Presse,..sich mit dieser Blamage ihrer Tlblcug- nungStaktik so' gut'es gehen»nag, abzufindcn. Wird sie nun auch ihren Abgeordneten. Toni Köh- ler' einen.„Deyunziästtcn"-und.„Brunnenvergifter" schelten?,Bleibt,die„Landpost" dabei, daß keine Abmachungen zwischen Spina und. Henlein vorliegen, dann Möge sie her Oesfentlichkeit gefälligst niittcilcn, welch c. Motive Herrn. Spina bewohn, haben,, als Schutzherr der.Hei- matfront qlifzütreten und ob sich die Aussprachen Spina-Hcnltzin etwa um die Salzpreise, oder um die. Bekämpfung, der. Maul-.und Klauenseuche -gedreht habest? Oder wagt sie zn behaupten, daß die politifch-orgäni'satorische« Beratungen.der beiden„Führer" ergebnislos geblieben sind? gericht bleiben»vollten, als ihnen mitgeteilt wurde, das gegen sie laufende Verfahren sei eingestellt und sie würden jetzt der Polizei überstellt. Die Zellen sind größer und Heller, im großen und ganzen auch reiner als in den Bezirks-Kommissariate»«,»vicwvhl auch hier an Ungeziefer kein Mangel ist. Eine Separierung der„Politischen" erfolgt auch hier nicht. Auch hier brennt die ganze Nacht das Licht. Geschlafen wird auf staubigen Strohsäcken ohne Leintuch, abends faßt man zwei Decken und einen Kopspolster, beides nicht minder staubig. Das Essen besteht aus einem schwarzen Kaffee früh, ein-kleines Stück Brot vormittags, einem Schöpflöffel Maggi-Suppe und entweder Milchspeise oder Gemüse mittags, einem kleinen Stück Brot-und einem Schöpflöffel Suppe abends. Bom dritten bis zum achten Tag erhält-man vormittags ztvei kleine Stücke Brot, nach dem achten Tag auch nachmittags ztvei Stücke Brot, abends Suppe und Gemüse»nid Sonntags Fleisch. Das Esse»» ist nicht gerade viel und nicht besonders gut, anfangs bekomnicn die meisten Durchfall darauf. Jin April tvic im Mai gab es wegen des Essens einen ziemlich ausgedehnten Hungerstreik, worauf cs etwas besser»vurde. Man kann sich auch das Essen aus dem Gasthaus bringen lassen, doch stellt es sich ziemlich teuer, so daß es die wenigsten tun kö»men. Rach-dem dritten Tag der Haft können" meist Vie Angehörigen zweimal wöchentlich kaltes Essen bringen, auch kann man täglich für einen Schilling- Milch, Brot, Butter, Käse oder Wurst kaufen. Das Klosett— mit Wasserspülung— ist in der Zelle", und-zivar bei den" Einzelzellen offen, bei den Gemeinschaftszellen in einem Verschlag. Trinkwaffer erhält man in einem"schmutzigen Blechkrng, aus dem alle gemeinsam trinken. Täglich»vird man um fünf Uhr früh geweckt und kann sich dann in einem Waschrämn zu zweit Sette 2 Srtttag, 24. Wufiuft 1834 Nr. 187 Btec zu drrtt« einem Auslauf waschen und an einem gemeinsamen, furchtbar schmutzigen Hand- tiich avtrocknen. Zahnpflege gibt«S nicht, Lesen und Rauchen ist gleichfalls verboten. Zum Rasierenlassen braucht man eine separat« Bewilligung. Am ersten Tage der Haft wird man oberflächlich ärztlich untersucht, sonst kommt täglich der Gehilfe des Arztes und fragt zur Türe herein, ob jemand krank ist. Der Gehilfe entscheidet auf Grund der „Angaben", ob man dem Arzt vorgeführt wird. IN den meisten Fällen bringt er nach einiger Zeit die Medikamente— meist Pulver— in die Zelle. AIS sich eines Tages bei vielen Magen- Veschwerden einstellten und sich etwa zehn Mann zum Arzt meldete«, Uetz der Gehilfe nur »inen Teil vor und schlug vor den anderen mit den Worten„Ra, alle geht net!" die Türe zu. Zweimal wöchentlich darf man eine Karte schreiben. Spaziergang und Duschbad nach dem achten Tage einmal wöchentlich. Auch frische Wäsche darf einem dann gebracht werde::; auch darf man dann vor Zeugen mit den Angehörigen etliche Minuten sprechen. Einmal täglich wird die Zelle von den Hausarbeitern ausgekehrt. Die Behandlung ist ganz verschieden; ein» zelne Organe sind ganz nett, die meisten aber grobe BiÜtel, die in der einen Hand den Schlüs- selvund, in der anderen den Gummiknüttel tragen. Auch hier wird geprügelt. Ich sah, wie ein„Politischer" mit einem Gnmmiknüttel geschlagen wurde, weil er beim Waschen nicht schnell genug war. Täglich hört man, wie irgendwo geprügelt wird. Wehe dem, aus dem man etwas herausbringen will! Ein Bekannter saß drei Wochen auf Einzel» hast, durfte sich nichts zubessern, nicht rauchen, lesen oder rasieren. Fast täglich wurde er verhört und dabei vom Polizeirat Dr. Dornauer(er wurde vor einiger Zeit dekoriert), in der wüstesten Art beschimpft:„Du roter Gauner! Du roter Mörder! Du roter Verbrecher! Ich werde dir schon geben! Wenn du nicht gestehst, kommst du auS diesem Haus nicht lebend heraus!" Nach drei Wochen trat er in den Hungerstreik und wurde darauf dem Landesgericht überstellt. Auf der.Liesl" darf man nicht mit seinem Rechtsanwalt sprechen, man kann nirgends fragen. warum man eigentlich hier sei, was mit einem geschieht; man kann sich bei niemand beschweren, man ist völlig rechtlos. Ich traf Leute, die vom Posten seit einer Woche die Vorführung zum zuständigen Referenten verlangten, um endlich zu erfahren, weshalb sie festgehalten wurden.(Einer verlor deshalb seinen Posten im Städtischen Elektrizitätswerk„wegen eigenmächtigen Fernbleibens vom Dienst!") Vom Landesgericht So absurd es klingt, das Landesgericht wurde von allen„Politischen" dem Polizei-Gefangen» haus vorgezogen! Und doch waren auch hier die Zustände durchaus nicht rosig. Bor allem auch hier die beschämende Tatsache, mit schon Abgestraften, Kinderschändern, Betrügern, Hochstaplern etc. in einer Zelle sein zu müssen. Dabei waren unter den Politischen 18jäh- rige Burschen, die hier mit solchen Menschen wochenlang zusammen waren. Auch hatten wir ihnen gegenüber nicht die geringste Bevorzugung. Wir waren in schrecklich überfüllten Zellen zusammengepfercht. In Zellen mit normalem Faffungsraum für 18 Mann waren 28 bis 80, in »2 /L. FRITZ ROSENFELD: W*«ck Obqutta EIN ROMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAS Die Stimme klang wieder: »Was ihr auch tut: wißt, die Hand Ma Eddins ist über euch!" »Die Hand Ma Eddins ist über uns," schrien die Männer. Es Ivar, als jagten über einen Gipfel auf rasenden Pferden drei Reiter in großen roten Mänteln. Der eine hielt die Fahne in der Hand. „Gefangen," sagten die Männer. „Wir wollen würfeln: wer hier verdurstet, und wer in den Höhlen." „Wir wollen um die Wette reiten: wer hier verhungert, und wer in den Höhlen." „Wir wollen dem Heer einen neuen Namen geben: Die Betrogenen!" „Die Betrogenen! Die Betrogenen!" „Die Betrogenen nennen sie sich," sagte Tula. „Niemand betrügt sie, sie selbst betrügen sich," sagte Ala. Eddin.„Drei Tage noch ohne Wasser in den Höhlen, und sie bitten, mit dem Heer ziehen zu dürfen." Drei Tage ohne Wasser in den Höhlen! „Weißt hu, was das schönste auf Erden ist?" »Das nackte Weib, auf dem goldenen Wagen." »Narr." «Ein Berg, aus dem eine Feuersäule steigt, wie ein Gott." „Narr." „Ein Tisch voll Diamanten, und eine Truhe voll Gold." solchen für 13 Mann 18 bis 20. In E i n z e l» zellen saßen n e u n Häftlinge. Die gellen waren wegen-der ganz engmaschigen Gitter sehr schlecht zu lüfttn. Dazu stand in einemWrsMÜg der.Lübel". der täglich zweimal von uns esttleert werden mußte und der, da meist-zu wenig oder Zur weiteren Charakterisierung der„Bohemia“.- Es ist für unsere Arbeiteröffentlichkeit nicht ohne Interesse, wieder einmal plastisch vorgeführt zu erhalten, von welchem intellektuelles und moralischen Tiefstand auS unser kapitalistisches Unternehmertum Politik macht. Um es vorauszuschicken: wir haben in den Augen des Prager Ka- pitalistenblattes„Bohemia" sozusagen eine Gotteslästerung begangen, weil wir uns die Feststellung erlaubten, daß jenes Unternehmertum, welches Krokodilstränen weint, daß deutsche Arbeiter bei der Regelung der Margarine-Erzeugung zu Schaden gekommen sind, gleichzeitig seine wirt- schaftlichc Macht in die Waagschale wirft, um den Einfluß der deutschen Arbeiterschaft in der Regierung zu schwächen. Die Konstatierung, daß im ganzen Lande bei der Vergabe von Arbeitsplätze« die Anhänger der Henleinfront gegenüber sozialdemokratischen Arbeitslosen bevorzugt werden, wird von diesem Unternehmerblatt als nationales Verbrechen hingestellt. Die Meinung dieses deutschnational-jüdisch-demokratischen Blattes ist uns völlig Wurst. An die Adresse der Hintermänner und Geld- gever fei ater gesagt, datz wir in dieser Frage mit unS nicht fpaffen lasse«. Seit Monaten ist auf den Konferenzen und Beratungen unserer Arbeiterbewegung die Klage auf der Tagesordnung, daß gegen sozialdemokratischfreigewerkschaftliche Arbeiter bei der Vergabe von Arbeitsplätzen ein regelrechter Aushungerungskrieg geführt wird. Hundert- und tausendmal wurden unsere treuesten Menschen vor die furchtbare Gewissensqual gestellt» entweder ihr« sozialistisch-republikanische Ueberzeugung zu verleugnen, oder ihre Familien verhungern zu lassen. Dafür rufen wir die Zeugenschaft von 200.000 freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter« zwischen Reubistritz, Asch und Jägerndorf auf. Natürlich gibt eS auch unter den Unternehmern Ausnahmen, aber die Tendenz ist sonnenklar. Wenn den Verantwortlichen die Anprangerung dieser Methoden nicht paßt, dann können wir ja ins Detail gehen. Dann wird es unseren Berichterstattern ein leichteS sein. Tag um Tag unumstößliche Belege zu liefern, wie die Henleinbe« wegung durch schändliche wirtschaftliche Erpressung gefördert wird! Die beteiligten UnterüelKmer werden dann' das Vergnüge« haben, sich' der Oeffent- lichkeit vorzustellen. Bedanken können sie sich für die Folgen bei ihrem Leibblatt„Bohemia", dq» in feiner Präpotenz diese öffentliche Austragung heraufbeschworen hat. Diese Verteidigung der Arbeiterinteressen lassen wir uns durch kein aufgeblasenes Geschrei verbieten. Die„Bohemia" möchte wahrscheinlich — getreu ihrer Schriftleitermoral, die durch den Fall Wesselsky- Kauders illustriert wurde— diese Angelegenheit init den Methoden der Goebbels-Propaganda behandeln. Diese Methode findet ja die Morde und Folterungen in Deutschland als völlig in Ordnung, aber die sogenannte Greuel-Propaganda als verwerflich. gar kein Lysol vorhanden war, einen bestiali- schenGestank in der. ganzen 3«1.1« verbreitete. Im heißen April litten, wir furchtbar unter der Hche. Die Zellenwaren ziemlich schmutzig und starrten vor Ungeziefer, von dem man nacht- ost au» dem Schlaf gebissenwurde. So blöd find die deutsche» Arbeiter, an die di« »Bohemia"«u« appelliert, den« doch nicht» datz sie sich ausschwatzen lasse«, die Bekämpfung de» HungerterrorS in de« Betriebe» sei ein^mtio- naleS Verbreche». Das nationale Verbrechen besteht vielmehr in der systematischen Aushungerung deutscher BolkSge- nossen wegen ihrer. politischen Gesinnung. Dies auSzüsprechen werden wir nicht' aufhören und wenn die Unternehmerpresse darob zerspringt; In der Erörterung der Margarine-Frage möge sich die„Bohemia" schriftleiterische Daschen- spielerkünste ersparen. Die kann sie sich für ihre reichsdeutschen Leser aufheben. Kein Wort hat dieses mit einigen Wirtschaftsredakteuren gesegnete Blatt bisher über die Tatsache verschwendet, daß die Margarine-Kontingentierung auf die Initiative der agrarischen Parteien zurückgeht. Kein Wort findet sie in diesem Zusammenhang« gegen den»und der Landwirte» gegen den in erster Linie die Angriste zu richte» wäre«. Und eine solche journalistische Eskamotage will ernst genonunen werden? Dagegen stürzt sich das Blatt auf den Umstand, daß daS Margarine-Kontingent der tschechischen Großeinkaufsgesellschaft erhöht worden ist. Hätte«S irgend jemand ohne öffentliche Regelung dieser GrotzeinkaufSgesellschast verbieten können, ihren Bedarf an Margarine durch Eigenproduktion zu decken? Daß aber Unternehmungen, die bisher Keramik erzeugten, wie di« Rakoniher, Margarinekontingente zugewiesen erhielten, ist nicht in Ordnung und wird von uns bekämpft. Hier kehre« wir zur unserer Beweisführung zurück, welche die „Bohemia" wohlweislich unterschlagen hat, und stellen nochmals fest: Die deuffche Sozialdemokratie hat sich auch in diesem Falle mit äusserstem Kraftaufwand für die Erhaltung deS deuffche« Arbeitsplätze» eingesetzt. Versagt haben diejenigen, die nun über den Verlust von«00.000 Arbeitsstunde« schreie». Wo blieb der Einfluss der deutschen Industrie im gemeinsamen Unternehmerverband? Warum hat e» di« deutsch« Industrie bisher nicht verstanden, sich«ine ernstzunehmende politische Vertretung zu schaffen? Wo steht die deuffche Industrie polittfch, da sie immer wieder über den geringe« Einfluss der Deutsche« in der Regierung klagt? WaS hat st« getan, diesen Einfluss z« stärken? Diejenigen, die e» angeht, werden mit den polemischen Künsten ihrer journalistischen Klopffechter nicht um die Beantwortung dieser unangenehmen Fragen herumkommen. Auch die Gefahr einer Mißdeutung, wie sie Unser ursprünglicher Aufsatz durch die Kommentierung des„Eestt Slovo" erfuhr, kann un» nicht hindern, denen, die uns angreifen, mit gleicher Münze zu zahlen. Die tschechoslowakische Presse sollte allerdings darauf verzichten, solche Auseinandersetzungen Im deutschen Lager zur Begründung von Maßnahmen heranzuziehen, die auch von uns als Unrecht empfunden werden. Die Kritik, zu der wir heraub- gefordert wurden, führen wir««»schliesslich i« Interesse unserer Arbeiterschaft, und dieses An- tereffe verlangt e» immer wieder, mit einer doppelzüngige« Unternehmerpolitik verdientermassen abzurechnen!- Das Trautenauer Steinkohlenrevier von 1921 bis 1933 eine Interessante Statistik Der Revierrat in Trautenau hat einen Jahresbericht herauSgegeben, der außerordentlich instruktiv ist. Wir entnehmen diesem Bericht die nachfolgende Statistik, die schlagend ist und für sich selbst spricht: »ade Duranswstt. Seleafdtafi«. stand «er. tateene «lasten LeUtnna veo Habt u. Ladekosten vea 1 MU. Gesamt, vroduktlon MU. 1821 8.275 678.773 4.20 Mtz. KC 14.01 4,018.816 . ,1832 1.885 518.084 S.12 Mtz. Kä 4.23 4,204.408 .1833 1.828. 506.164 S.46 Mtz: AL 4.01 4;282.653 ««zentuelle» mm Nabre Setiiuni*. 1821 —82i/ 3% —25%% + 101%% —71%% + 6%% 1882 — 8.31% — 2.8% + 4.18% — 8.2% + 1.86% Diese Zusammenstellung zeigt in wenigen Ziffern die Ergebnisse der in den letzten Jahre« auf allen Werken betriebenen Rationalisierung, und zwar: Verminderung der Belegschaft um 6214%, der verfahrenen Schichten um 25*4% und der Lohnkosten um 71)4As Verdoppelung der Kopfleistung und Steigerung der Gesamtproduktion um 6^4%. Bei objektiver Beurteilung dieser trockenen Zahlen und der Taffache, daß«S in den übrigen Industriezweigen nicht anders aussieht, konunt man zu dem einzig möglichen Schluffe, daß ein« Beseitigung der Krise und ein wirtschaftlicher Wiederaufstieg nur durch radikaleHer« absetzung der Arbeitszeit und Hebung der Kaufkraft der breiten Massen möglich ist. Die deutsche Industrie, ihre presse und dlWWeiter „Narr." „Ich weiß nichts schöneres." „Ein Beutel au» Ziegenfell mit Wasser.". So träumten die Assassinen. „Wer kennt den Weg zu dem Garten?" „Ich"—„Ich"—„Ich". „Dann sichre uns!" Schweigen. Jeder hatte den Weg vor sich, wber keiner konnte ihn zeigen. So träumen die Affaffinen. Die Sonne geht gnadlos über chre Höhlen hin und läßt Stell:« glühen wie brennende Ballen und macht die Luft zu fließendem Feuer. „Wasser," schrien die Assassinen.„Einen Tropfen Wasser." So träumten die Assassinen. „Ich werde zu Ma Eddin gehen, das Schwert in der Hand", sagt der Perser.„Ich werde sprechen: Der Trotz von tausend Kriegern steht in mir. Wir sind nicht Spielzeug in deiner Hand. Air sind nicht Räuber, die Beute in deine Schlösser schleppen. Wir sind Soldaten Allahs, das war unser Schwur. Zu Brandstiftern machtest du un», zu Frauenschändern, zu Wegelagerern. Run laß uns ziehen, und gib un» den versprochenen Lohn: den Garten." »Du wirst nicht bis. zum Tore Ala Eddins gelangen." „Ich werde mein Schwert an sei« Lager tragen, des nachts, und keiner wird mich hindem." »Im Fieber klingen die Worte groß", rief man dem Perser zu. Da glänzte das Schwert de» Persers, und ein Kopf rollte zu Boden. Die Assassinen stürzten auf den Perser, tvarfen ihn zu Boden, entwanden ihm das Schwert. Die Augen des Toten starrten groß und leer. „Trag doch den Kopf zu Ala Eddin," schrie Pal dem Perser zu,„Sag ihm: das sind wir." Einer sprang auf:.. „Wollt ihr mich zu eurem Führer? Ich habe in Syrien ein Heer geführt, Städte lagen zu meinen Füßen und bettelten um Gnade. Es muß einen Weg aus diesem Kessel geben.'Kein Berg ist unbezwinglich. Es muß eine Macht über Ma Eddin geben, kein Mensch auf Erden ist unbezwinglich. Mit dem Schwert stehen wir vor Ul« leika, und rufen ihn heraus: Sprich mit un», Mann zu Mann. Oder kämpfe mit un», Mann gegen Mann. Dann wird er uns den Weg in den Garten weisen." »Wir sind tausend... er hat tausend mal tausend.". „Unser Schwert wiegt tausend Knechte auf. Ist es besser, als Feiglinge hier zu verdursten, oder al» Männer mit Ala Eddin abzurechnen?" Da brachen sie auf. Berghäng« ritten sie hinan, endlos ritten sie über versengtes Gras, keine Quelle war in der Nähe. Die Sonne brannte auf die Assassinen nieder, um Regen beteten sie, aber keine Wolke kam. Selten trafen sie ein Tier, mager war ihre Nahrung, von Wurzeln nährten sie sich. Endlos waren die Tage, kurz die Nächte. Böse Blicke trafen den Führer: wenn er un» faßt, Ala Eddin, der seine Hand über uns hält» treiben wir auf.schwimmenden Galgen dem Meer zu... Pal ritt hinter ihnen. Er nahm nicht test an ihrem Streit und ihrer Angst. Er hielt den lleinen Gott umfaßt, in ihm schrie e» mit tausend Stimmen: Axjutta. Er mußte den Garten erreichen, er mußte sie sehen, an dem Brunnen, a» dem sie gestanden hatte, als er ihr begegnete. Es kann nicht sein, daß Stunden für immer ausgelöscht sind und Wirkliches verschwindet ohne Spur. Es kann nicht sein,., daß in den Traum hinübergeht, wa» Tag war, und. daß nur eine Ahnung bleibt von dem, das die Außen gesehen und die Hände gehalten haben. Im Flimmern der heißen. Luft war Axjutta, der heiße Sand formte den Umriß ihre» Körper», die Sterne zeichneten nacht» ihre Gestatt. Axjutta, Axjutta! Im Hause JvS, an der Wiege ihre» Kinde», saß Axjutta. AuS'einem großen Buch la» der Zwerg vor. Ein Märchen von großer Liebe, die über Ungeheuer siegte, die von den Dschinn bedrängt ward und von den Drachen, und die immer wieder heil auS den großen Gefahren hervorging. Ueber Jvs Kopf hinweg gingen Axjutta» Blicke in die Ferne. Dort war Pal: dort kämpfte Pal, für Ala Eddin. Dort war Pal Sklave, Sklave des Schwertes, um Ma Eddins Schätze zu mehren. Sie gab Jv ein Zeichen, daß er aufhören sollte, zu lesen. „Die Straße der Toten nanntest du den Weg von Tor zu Tor. Und keiner kehrt zurück, der den Garten verlassen?" „Jeder kchrt zurück, in der Stunde seine» Todes." „Pal darf nicht sterben, hörst du, Jv", schrie Axjutta.„Pal darf üicht sterben." „Sein Schwert ist sein Schicksal", sagte Jv. »Führt er e» hart, besiegt er die Feinde, so lebt er und tvird einst ein Führer der Affifftnen. Ist es schwach, trifft ihn der Schlag der Feinde. Allen ging e» so: Mitleid und Milde sind bet den Assassinen die Boten des Todes..." "»Pal kann nicht töten." „Er wird es lernen." »Ich würde dieses Kind töten, wenn ich wüßte, daß er das Schwert erhebt. Wie könnte ich daS Kind eines Mörders lieben." Stille. Das Kind schläft. Es hat Axjutta» helles Haar und AxjuttaS helle Augen. „Und wenn er fällt?", sagt Axjutta langsam. (Fortsetzung folgt: 9t. 197 Freitag. 24.»«««st 1934 Seite 8 StHbrnys„Rehabilitierung“ mehr als fragwürdig Amtlicher Bericht spricht von begründetem Verdacht Wie die Kommunisten lügen I Im kommunistischen Schwindelblatt„Klassenkampf", das sich die Aufgabe gestellt hat, Verwirrung in die Reihen der sozialdemokratischen Arbeiter zu tragen,— welche Aufgabe sie übrigens in einer sehr ungeschickten Weise erfüllt—, erscheinen wiederholt Notizen, in denen man nachzuweisen versucht, dass die sozialistischen Arbeiter keine andere Sehnsucht haben, als den kommunistischen Parolen Folge zu leisten. Dabei schreckt man in gewohnter Weise nicht davor zurück, die Tatsachen in> das Gegenteil zu verfälschen. In der letzten Nummer des.^klassenkampf" wurde z. B. berichtet, dah in ,tz a i d(Bezirk Tachau)„die sozialdemokratischen und roten Organisationen" eine öffentliche Kundgebung abgehalten haben, in welcher die Ablehnung des Einheitsfrontangebotes der kommunistischen Partei durch den Parteivorstand der sozialdemokratischen Partei einmütig verurteilt wurde. Wir haben in der Sache Informationen eingeholt und festgestellt, datz an diesen Nehauptnngen nicht ein Wort wahr ist. Die Mitglieder unserer Partei in tzaid erklärten, datz sie mit den Kommunisten nichts zu tun haben wollen und von der famosen öffentlichen Kundgebung überhaupt nichts wissen. Bei dieser Kundgebung bandelte es sich vielmehr um eine kommunistische Gewerkschaftsversammlung, zu der auch einige Indifferente geladen und erschienen waren, die. man prompt in Sozialdemokraten umfälschte. Und eine Partei, die mit solchen Lügen arbeitet, ist naiv genug, zu glauben, datz jemand ihre Einheitsfrontangebote ernst nehmen könnte. Schuschnigg„glaubt“ in Rückgabe der Habsburger Güter Varis, 28. August. Bundeskanzler Schuschnigg.hat Pressevertretern gegenüber erklärt, er sei nach Nizza gekommen, um sich zu erholen. Er werde nur zwei Tage bleiben und mit keinem einzigen französischen Staatsmann Zusammentreffen Er sei aus ausgesprochen privaten Gründen nach Frankreich gekommen und sei nur von seinem Pri- vatsekretär begleitet. Auf die Frage über die Rückkehr der Habsburger bestätigte der Bundeskanzler, datz diese Angelegenheit in keiner Weise aktuell sei und er darüber mit Mussolini überhaupt nicht verhandelt habe. „In der Habsburger-Frage müssen wir zwei Dinge auseinanderhalten", sagte Schuschnigg, »die politische Seite und die Angelegenheit des Privateigentums. Was die letztere Frage betrifft, so hat das österreichische Revolutionsgesetz nach dem Kriege das Privateigentum des ehemaligen Herrscherhauses beschlagnahmt. Das ist eiqHMchauS privake und keineSwesiS/P»- litische Angelegenheit. Ich glaube, dah die^ Frage der Rückgabe deS Privateigentums der Habsburger gelöst werden wird, kann aber bisher nichts Bestimmtes sagen." ein Dementi Rom, 28. August.(CPB) Wie wir von gut informierten Stellen erfahren, sind die Nachrichten ausländischer Blätter, wonach Ministerpräsident Mussolini eine Zusammenkunft mit Otto Habsburg hatte, völlig aus der Luft gegriffen. Mllltiirgerlclitsurteile Wien, 28. August. Drei Nationalsozialisten, die am 28. Juli die Brücke bei Henndorf an der Stratze von Salzburg nach Linz in die Lust gesprengt hatten, wurden zu lebenslänglichem schweren Kerker verurteilt. Die Angeklagten waren durchwegs Mitglieder der sogenannten Sprengkolonne. Bier Angeklagte«hielte« je acht Jahre schweren Kerkers. Das Militärgericht von Leoben verurteilte heute Karl M a r ch l e r, der am 25. Juli in Obdach in Steiermark eine Abteilung von 50 Nationalsozialisten zum Angriff auf die Wachstube angeführt und die Besatzung entwaffnet hatte, zu zehn Jahren schweren Kerkers. Neu« Bombenfunde reichsdeutschen Ursprungs Am Pfenningberg bei Linz wurden auf einem eingesäumten Baugrund, der Nationalsozialisten gehört, Sprengstoffe und Waffenbestände aufgesunden, und zwar sieben Büchsen Ekrasit zu 1.5 Kilogramm, 99 Ammonitpatronen, 48 neue Handgranaten reichsdeutscher Herkunst und 18 fabriksneue Walterpistolen, noch fwbritsmähig verpackt, zwei Blechschachteln Sprengkapseln zu 100 Stück, vier Flaschen Sprengpulver noch unbekannter Zusammensetzung, 12 Bünde Zündschnüre, Pistolen, Verbandsmaterial und reichsdeutsche Zeitungen. Das ganze Lager ist zweifellos vor dem 25. Juli errichtet worden. Nach dem 25. Juil wurden zur Maskierung Erdarbeiten vorgenommen. In der Angelegenheit wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Im Achensee wurde vorgestern eine Bombe im Gewichte von 28 Kilogramm auf der Seeoberfläche treibend, aufgefunden. Nach Meinung der Behörden war die Bombe für ein Attentat auf die Röhrenanlage de» Achensee-ElektrizitätZwerkes bestimmt. Die Bombe wurde an einer abgelegenen Stelle des WeitzbachtaleS fachmännisch zerlegt und dabei sestgestellt, datz sie retchSdeut- schen Ursprünge» war. Im Innern der Bombe befanden sich neun Sprengkörper," die ausgereicht hätten, die Wasserkraftzentrale. durch Demolierung der Rohranlage äusser Betrieb zu sttzen. Prag, 23. August. Dieser Tage hatte die Stttbrnh-Presse ein große» Geschrei«hoben, weil ihr H«r und Meister die gerichtliche Verständigung «hiev, daß die Boruntersuchung gegen ihn wegen verdachte» de»»erbrechen» nach 8 101(Mißbrauch der Amtsgewalt während fein« Tätigkeit al» Eisenbahnminist« in Lieferungsaffären) eingestellt worden sei, und daran» eine völlige Rehabilitierung Stttbrnh» und eine»«- urteilung de» seinerzeitigen parlamentarischen Untersuchungsausschusses konstruiert. Jetzt wird amtlich die B e grün dnn g be- kannlgegebm, die der StaatSanwalt seinem Antrag auf Einstellung d« Voruntersuchung beigegeben hat. Sie ist alle» andere denn eine Ehrenrettung de» Herr« Stttbrnh, den« e» heißt darin unter and«em: In Würdigung der Ergebnisse der Voruntersuchung sowohl in den einzelnen inkriminierten Fällen als auch in der Gesamtheit der ganzen Strafsache findet die Staatsanwaltschaft, datz gegen den Beschuldigten eine Reihe auffallender und verdächtiger Umstände verbleibt. Insbesondere der Umstand, daß der Beschuldigte Fvantitek Dttibrnh gerade zu edler Zeit, al« sein Bruder, d« Beschuldigte Jiki Stttbrnh Eise», bahnminist««ar, zusammen mit dem veschuldig- te» Fr. Stejskol in seine« Händen eine« entscheidende» Einfluß und einen öber- wiegenden Anteil an de« Kohlenlieferungen für die StaatSbahne« lonzentrierte, obwohl« selbst zugibt, datz er sich bi» zum Jahre 1923 mit dem'Kohlenhandel überhaupt nicht befaßt habe. Die Provisionsgewinne de« Beschuldigte« Fr. Stttbrnh erreichten hiebei eine enormeHöhe (mindestens 22 Million« KO, die er zusammen mit bet» Beschuldigt« Stejskal bei Kehlrnliefe- nmgen für die Staatsiahn« gewann. Der Beschuldigte Fr. Stttbrnh legte die so. erzielten Provisionsgewinne in der damaligen„Druj- stovnt banka" an, und zwar auch auf das Konto „Belkoborflh Bhbornh". Die über diese Konten ver« fiigeilden Besitzer waren sowohl der beschuldigte Fr. Stttbrnh al» auch der Beschuldigte Jiki Stttbrnh. Der Beschuldigt« Jiki Stttbrnh gibt zu, seit dem Jahre 1926 von seinem Bruder etwa 8,5 Millionen Kd erhalten zu Haben. Aus den Aufzeichnung««, de» Verstorbenes Sektionsvorstandes, Jng. Errnh ist', das Interesse des' Beschuldigten Jiti Stttbrnh an den Kohlenlieferungen ersichtlich, welche die EinkaüfSstelle Kuhhandel mit der Alpine Generaldirektor Apokl bleibt Wie«, 23. August. Die Berhandlungen mit bet Alplne-Montangesellschaft stehe» vor dem Abschluß. Zwifchm d« Regierung wtd der Gesellschaft soll auf d« Bast» Friede geschloffen werden, daß der Generaldirektor A p o l d auf seinem Posten bleib« wird, dagegen d« erste Betrteb»- direktor Zahlbrunnvr, d« ein Schwiegersohn Apold» ist, au» seiner Stellung scheid« und durch d« gegenwärtig« Regi«ung»kommiffär Jng. vbeueggm ersetzt tverd« wird. Die Vermögens- konflSkation beim Gen«aldirektor Apold soll.jedoch aufrecht erhalten bleib«. Steldle wird Gesandter In Rom? Wie auS gutinformierter Quelle verlautet, ist e» der Heimwehr gelungen, ihre Forderung nach Besetzung des römischen Gesandtenposten durch den gegenwärtigen Generalkonsul in Triest, den Heimwehrführer Dr. Richard Sie idle, durchzusetzen. Klerikale Angestellten- fürsorge Personalvertretung der Gemeinde Wien aufgehoben «len, 28. August. Zu der Verschärfung der Dienftpragmatik der Angestellten der Wiener Gemeinde teilt da».Ncuigkcitswcltblatt" mit: Die durchgreifendst« Massnahmen werden in den Pensionsvorschriften erfolgen. Witwen aus sogenannten Sever-Ehen, das sind DiSpenSehen geschiedener Katholiken, verlieren den An- spruch auf Pension. Die Personal« vertrstungwirdaufgehoben. empfindliche Geldbußen Der Sicherheitsdirektor für das Land Steiermark hat in Mottsetzung der Aktion zur Hereinbringung de"durch die nationalsozialistische Aufstandsbewegung verursachten besonderen Sicherheitsmassnahmen und entstandenen Schäden mehr als 39 Personen zum Schaden-, bezw. Kostenersatz herangezogen, u. a. den Fabrikanten Emmerich Ahmann in Leibnitz mit einem Betrage von 526.000 Schilling, den Zentraldirektor der Alpine Montangesellschaft Jng. Dr. Zahlbruckner mit einem Betrage von 104.000 Schilling und den Rittmeister a. D. und Gutsbesitzer Robert Knapp in Retzhof bei Leibnitz mit einem Betrage von 32.000 Schilling. bei d« damaligen Drujstovnt banka erhalt« sollte, bezw. erhielt, bei Wilcher gerade der Beschuldigte Fr. Stikbrnh der entscheidende Faktor war. Der Betrag von 3 Millionen Ki, den Dr. O. Petschek ursprünglich in die Drujstevni banka hinterlegte, war zweifellos eine politisch« Bestechung und sollte einer Einflußnahme auf die politische Presse dienen. Rach den Aussagen einiger Zeugen gab der beschuldigte Jiki Stkibrny persönlich die entscheidende Zustimmung zur Annahme dieses Betrage». Dieser Betrag wurde später au» der DruZstevni banka in da» Privateigentum de» beschuldigten Franz Stttbrnh übertragen» nachdem dieser vorher Dr. Becker al» den Vertrauensmann Dr. O. Petschek» ersucht hatte, dass ihm diese bedeutende Einlage zur persönlichen Verfügung gestellt werde. Schliesslich wurde auch diese bedeutende Bestechungssumme ebenfalls zum Teil auf da» K o n t o »Belkoborsky" übertragen, über welche« der Beschuldigte Jiki Stkibrny al« Mitbesitzer disponierte. Alle diese Umstände find in moralischer Hinficht zweifellos mit Recht sehr ungünstig zu wer- ten und in strafrechtlicher Hinficht wird durch diese Umstände der verdacht gerechtfertigt, daß da» staatlich« und dienstliche Interesse in sträflicher Weise den Interesse» de» persönliche» Eigennütze» unterstellt wurde. Damit aber eine allfällige Anklageerhebung durchdringe, genügt dieser Verdacht allein nicht, sondern e» bedarf auch der Beweise, datz Jiki Stkibrny al» Minister in diesem seinem Amte die ihm anvertraute Macht bewutzt dazu mitzbraucht habe, dem Staate Schaden zuzufügen, und datz die übrigen Beschuldigten dabei mitschuldig waren. Rach dieser Seite sicht dem erwähnten Verdachte der Umstand gegenüber, datz die Beschuldigten jede Schuld in Abrede stellen. Hiebei ist jedoch darauf Mcksicht zu nehmen, datz die Mehrzahl der Zeugen, welche über die inkriminierten Vorkommnisse wesentliche und gewichtige Umstände anführen könnten, bereits gestorben sind. Weiter, datz die Angaben des Beschuldigten Fr. Stejskal infolge seiner verminderten Zurechnungsfähigkeit unzuverlässig sind und datz auch die Glaubwürdigkeit einiger anderer Zeugen erschüttert ist, sowie schlietzlich datz da» schriftliche Beweismaterial nicht vollständig und be- tveiskräftig genug ist. . Aus dem Angeführten geht hervor,.,, dass trotz aller Begründetheit de» verdachte» der Erfolg einer Anklage zweifelhaft wäre. Zwölf MIIHMrputschlsten auf Havanna erschossen In Havanna wurden die an einer neu aufgedeckten Militärverschwörung Beteiligten durch das Militärgericht abgeurtcilt. Wie eS heisst, wurden zwölf Angehörige der Armee erschossen, darunter ein Oberstleutnant. Es geht um die Wurst Sie rüsten zu Krieg und Hunger Die„Schleswig-Holsteinische Tageszeitung" enthält in ihrer Rr. 172. folgende Meldung: Auf Veranlassung des Vorsitzenden des Deutschen Fleischerverbandcs hat im Reichsnährstand eine Besprechung stattgefunden, in der die Verwendungsmöglichkeiten von Kunstdärmen besprochen wurden. Den Anlass bildete die Tatsache, dass Deutschland etwa 60 Prozent der gebrauchten Naturdärme au» dem Auslande einführt und infolge der Devifenkage in den beteiligten Kreisen eine gewisse Beunruhigung eingetreten war. Zu deser Beunruhigung besteht, wie die Fleischervcr- bandS-Zeitung betont, keine Veranlassung. Eine Verknappung auf dem Markt der Naturdärme ist nicht eingetreten. Immerhin wurde bei der Besprechung Einverständnis darüber erzielt, dass für den Fall wirklicher Einfuhrbeschränkung der grösste Teil der Naturdärme durch Kunstdänne ersetzt werden kann. Selbst bei der Brühwürstchenherstellung sind Versuche mit Kunstdärmen* mit gutem Erfolge gemacht worden. DaS Dritte Reich fördert eben die Kunst auf allen Gebieten! Hindenburg wußte nichts vom 30.3unl? lieber die Rolle, welche die Umgebung Hindenburg» in den Tagen nach dem 30. Juni bi» zu einem Tode spielte, berichtet die letzte Nummer der„Deutschen Revolution" Strassers. Danach war Hindenburg so von aller Umwelt abgeschlossen, dah nicht einmal seine engsten Freunde mehr Zutritt zu ihm hatten. Am 1. Juli versuchte Papen, den Reichspri« identen von der Ermordung seiner Mitarbeiter zu verständigen. Der Kurier, welcher die Botschaft nach Neudeck zu bringen hatte, wurde aber verhaftet. Papen versuchte eS nun auf dem Umweg über Oldenburg-Januschau, den alten Freund Hindenburgs. Zweimal versuchte Oldenburg-Januschau, PapenS dringende Bitte zu erfüllen, zweimal weigerte sich Hindenburgs persönlicher Adjutant Graf Schulenburg, den Besuch zu erlauben. Auch die Nachricht weiterzuleiten lehnte er ab, da er vom Staatssekretär Meissner strikten Befehl hätte, keine direkte Informierung Hindenburgs ohne Wissen Meissners zuzulassen. Erst als Oldenburg-Januschau nicht nachgab, rief Graf Schulenburg Meissner in Berlin an. Er bekam die klare Antwort: „Wenn Sie den Januschaner vortaffen, werden Sie erschossen." Nun wurde Mackensen mobilisiert, der sich sofort bereit erklärte,„den Alten aufzuklären". Auf die telefonische Anfrage, wann er Hindenburg sprechen könne, erhielt er jedoch den Bescheid, dass das Befinden des Reichspräsidenten keine Besuche erlaube. Damit war der letzte Versuch, zu Hindenburg vorzudringen, gescheitert. Nach dieser Darstellung scheint es sehr zweifelhaft zu sein, ob Hindenburg alle Vorgänge des 30. Juni kannte und ob er eine Ahnung davon hatte, wofür er Hitler und Goering Danktelegramme schickte. Um die Ostchinabahn Neue Massenverhaftungen russischer bahnbeamter Chardin, 23. August. Die Zahl der Zug»- anschläge auf den Strecken der Ostchinabahn, die von den Japanern als Vorwand zu immer ärgeren Verfolgungen der noch verbliebenen Sowjetangc- stellten der Bahn benützt werden, während die Russen behaupten» dass die Japaner diese Anschläge entweder selbst inszenieren oder zumiitdest den nötigen Schutz der Bahn gröblich vernachlässigen, ist durch einen Anschlag auf einen japanischenTruppentranSport- z u g vermehrt worden. Die Lokomotive und vier Waggons wurden zum Entgleisen gebracht und stürzten ab. Die Zahl der Opfer dieses Anschlages ist noch unbekannt, sie soll jedoch sehr gross sein. Inzwischen wurden von der mandschurischen Polizei, die natürlich ein willenloses Werkzeug der Japaner ist, weitere 62 sowjetrussische Beamte und Angestellte der Ostchinabahn wegen angeblicher Sabotage verhaftet. Nach zuverlässigen Informationen des Reuterkorrespondenten in Chardin werden die Verhafteten m i h Hande l t, um ihnen unwahre Geständnisse abzupressen. Der russische Vertreter in Chardin Raivid. der provisorisch das Amt eines sowjetrussischen Generalkonsuls innehat, richtete an das mandschurische Auhenministerium eine Protestnote, in der er sich gegen das Vorgehen der mandschurischen Polizei auf das entschiedendste verwahrt, weiter Aufklärung darüber verlangt, lvarum eine grosse Zahl von Sowjetbürgern verhaftet wurden, und schliesslich den Wunsch ausspricht, dah Massnahmen zur Befreiung der Verhafteten getroffen werden. Luch die Irischen Fasdsten raufen sich untereinander Dublin, 23. August.„News CHroniele" berichtet ans Dublin, zwischen dem vormaligen irischen Präsidenten Cosgrave und dem Befehlshaber der Blauhemden General O'D u f f y bestehe eine Meinungsverschiedenheit, die eine Entzweiung herbeizuführen drohe. O'Dussy wolle einen irischen Freistaat nach italienischem faseisti- schen Muster und CoSgrave sei dagegen. Dieser Zwist sei auf dem vor mehreren Tagen abgehal- tenen Kongress der Blauhemden offen zutage- getreten, wenn auch eine offene Spaltung noch verhindert werden konnte. Schuschnigg distanziert sich von Mussolini — well er von Frankreich Geld braucht Sa t iS, 23. August. Die Pariser Blätter veröffentlichen verschiedene Mutmaßungen über geplante Unterredungen de» österreichischen Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg an der Riviera mit dem Vertreter der Kleinen Entente, dem rumänischen Außenminister T i t u l e» r«, mit Barthon, bezw. dem stellvertretenden britischen Ministerpräsidenten Baldwin oder Vertretern der Habsburger. Da» Tschechoslowakische Preßbüro hält diese Meldungen nicht für glaubwürdig, erhärt aber, e» scheine sicher zu sein, datz Dr. Schuschnigg einer ausschließlich italophilen politische« Orientierung weniger geneigt ist, al» sein Vorgänger Dr. Dollfuß, und daß er bestrebt ist, von der französischen Regier» ugim Herbste eine wirtschaft- licheundfinauzielleUnterstütz» ng für Oesterreich zu erhalten. Seite 4 ft'rrhfl«,’ 24. Ängnst I i»»4'. Ät. 107 Grnben-Unglück in Karwin Fünf Bergarbeiter schwer verletzt R i ü r.» C ft r a 23. August. Auf der Larisch-Grube Hodenegger in Karwin stieß gestern nachmittag, beim Einfahren der Förderkord, in dem fich 15 Bergleute befanden, gegen die Holzverschalung. Durch den deftigen Anprall wurden sämtliche Arbeiter zu Boden geworfen, wobei fünf Arbeiter so schwere Brr- letzungen erlitten, daß sie i»S Krankenhaus überführt werden mußten. Einige von ihnen erlitten Muokelprellungen, andere schwereGehirn» erschütterungen. Die übrigeifzehn Bergleute konnten in häuoliche Pflege übergeben werden. Sämtliche Verlebte sind verheiratet Tagcsncolfikcttcn lleberschwemmung im Iglauer Gebiet Tödlicher Blitz. Jglau. lieber Jglau und der Umgebung ging Mittwoch nachmittags ein deftiges Gewitter nieder. das vor allem in den Gemeinden Inka nab Jihkavou, Kozlov und Biifokä Studniee Schaden anrichtete. In Inka stieg der regulierte Bach derart an, daß in den Wohnräumen der Häuser das Wasser bis eine» Meter hoch stand. Auch der Fluh Jihlavka ist aus den Ufern getreten. In Bnsolä Studniee flüchtete der Landwirt Musil mit seinem Sohne und einem Berwandten, dem 50jährigen Arbeiter Johann Smejkal, vor dem Regenguß; in demselben Augenblick, als sie sich unter den Leitungsdrähten der elektrischen Leitung befanden, wurde S tu e j k a l, der in der Hand ein Metallkännchen trug, vom Blitze getroffen und an Ort und Stelle getötet. Der Landwirt Musil und sein Sohn erlitten einen Re rvenschock und tonnten sich erst nach einiger Zeit erholen. 36 Arbeiter von Banditen erschlagen Charbin. I« den Provinzen Kirin und Faniujhoka überfielen 300 bis auf die Zähne bewaffnete Banditen auf dem Felde arbeitende koreanische Arbeiter und erschlugen,.38 von ihnen. Rach der Tat ergriffen die Banditen die Flucht. Granate zerreißt sieben Kinder Im Dorfe K r p a n i bei Sebenico(Jugoslawien) ereignete fich ein schwere» Unglück. Ein dreijährige» Kind hatte in einem Schotterhaufen eine noch aus dem Weltkriege stammende nicht explodierte Granate gefunden und zu einer Gruppe spielender Kinder gebracht. Als ein 15jäh- riger Knabe die Granate auf Beton warf, explodierte ste. Drei Kinder blieben auf der Stelle tot, vier andere erlitten schwere Verletzungen, so daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Sine blutige Tragödie in»000 Meter Höhe spielte sich Mittwoch in der St. Pöltener Hütte am Felber(Tauern) ab. Zwei Raufbolde töteten den Hüttenwirt Franz Steinberger und das Mitglied des Sektionsvorstandes Pirtl. Die Mörder haben auch die in der Hütte anlvesenden Gäste mitPistolen beschossen.und einige schwer verletzt. Unter de» Verletzten befindet sich auch, ein Holländer. Erst fünf Stunden nach der Tat wurden die Mörder verhaftet. Es sind dies der Hilfsarbeiter Willibald Bendinger und Leopold Egger. Beide sind der Tat geständig und wollen im Rauschzustande gehandelt haben. Sie wurden dem Bezirksgericht Nittersill eingeliefert. Die Standgerichtsanzeige wurde erstattet. Gnche nach kn VranfkL-MSrder Mähr.-Ostrau. Unter den Niännern, die unter dem Verdachte stehen, an dem Vranskä-Morde beteiligt gewesen zu sein, befand sich auch der 31- jährige Handelsreisende Paul Chrtaü. nach dem die Polizei bereits seit Juni fahndet. Da er in. Mähr.-Ostrau eine Geliebte hatte, hinterließ die Polizei bei dieser für Chrtaü die Aufforderung, sich nach der Rückkehr sofort auf der Polizei einzufinden. Chrtaü m e l d e t e sich heute früh um 7 Uhr bei der Polizeidirektion und wurde dort verhört. ErstelltcjedeBeteiligungan dem Morde der Vranskä in Abrede und erklärt, sie überhaupt nicht gekannt zu haben. In der Zeit, als die Vranskä ermordet wurde, hielt er sich eine Zeit lang in Prag ans und verkehrte hier mit einem Mädchen, das noch heute, in Prag lebt. Chrtaü wußte nicht, daß er im Zusammenhänge mit dem Vranskä-Morde gesucht wurde und gab seine Prager Wohnungsadresse an, wo nun Hausdurchsuchungen stattfinden werden. Chrtaü wird noch heute nach dem Verhör in die Haft des Kreisgerichtes in Mähr.-Ostrau über- fühict werden, von seiner Verhaftung wurden die Polizeidirektion in Prag und die Gendarmerie in Brüx verständigt. und Familienväi e r. Der Unfall wird von einer Kommission de» Bergrevieramtes untersucht. Tod zweier Hochwald-Bergarbeiter Trier. In den Schiefergruben bei Thomm (Hochwald) ereignete sich am'Mittwoch nachmittag ein schweres Unglück, dem zwei Grubenarbeiter zum Opfer fielen. Am Mittwoch abend'wurden bei der Ausfahrt der Tagschicht aus dem Stollen der Kcffelstadtschcn Gruben zwei Arbeitskameraden vermißt, die zusammen in einem Ncbenstollcn ar- beiieien. Die gesamte Belegschaft lvurde, zürückge» rufen. Als man den Stollen absuchte, fänden die Grubenarbeiter eine Strecke vor, die z u B r u ch g e 0 a n g e it war. Die beiden Vermißten konnten nur noch als Leichen geborgen werdet» Bo« Ang getötet Mähr.-Ostrau. Donnerstag früh wollte die 62jährige Marie D u d k o v ä, die Fran e i n e s B e rg a rb e i t e rs, aus Mährisch- Ostrau nach Kunkicc nad Ostravics, wo sie wohnhaft ist, zurückkehren. Die Dudkovä wollte auf die Straße kommen und kroch u» t e r d e n h e r a b- gelassenen Bahnschranken durch. In dem Augenblick brauste ein Zug heran und erfaßte und tötetesieaufderStell e. Der Leichnam der Verunglückten wurde in die Totenhalle geschasst. Der Unfall wird von der Gendarmerie untersucht. Mit dem Heidlnftballon in 1500 Meter-Höhe Eberswalde(Brandenburg). Auf dem Flugplatz der Evcrswaldcr Fliegerortsgruppe startete Mittwoch um 19 Uhr zum zweitenmal der Heißluftballon. Unter Führung des Erfinders R u d o l f B r u n n c r erreichte der Ballon, der später in der Nähe von Lichterfelde landete, eine Höhe, von 1500 Meter. Die Versuche, die von zahlreichen Zuschauern beobachtet wurden, lösten bei der Bevölkerung, als sie der leuchtenden Kugel am Abendhimmel ansichtig lvurde»,.große Begeisterung aus. Der Südwind trieb den Ballon in der Richtung Lichterfelde. Um sich nicht allzuweit von dem Startplatz zu entfernen, entschloß sich Brunner nach einer Flugdauer von n e u n- ze h n M i n u t e n zur Landung ans einem Acker. Sanft setzte der Ballon auf. Er wurde von den herbeigeeilten Eberswalder Fliegersturm-Leuten geborgen. Nach der Landung erklärte Brunner, daß es ihm ein Leichtes gewesen wäre,, eine Höhe von 2000 Metern zu erreichen., Acht Todesopfer des Schwarzen Meere» Tallinn. Wie aus Moskau gemeldet wird, herrschten auf dem Schwarzen Meer schwere G e w i t t e r st ü r m e. Die Schiffahrtsverbindungen zwischen den sowjetrnssischen und den türkischen Häfen sind unterbrochen. Nach den bisherigen Mitteilungen sollen acht Personen ums Leben gekommen sein. Al Topone hinter Schloß nnd — Trönengo» Atlantik(Georgia). Der bekannte Führer der Chicagoer Unterwelt Al Capöne wurde Mittwoch in das hiesige Gefängnis auf der Insel Alcatraz im Meerbusen von San Francisko unter so strengen Ueberivachungsinaßnahmen überführt, daß ein Entlveichen unmöglich war. Die Wände dieses Gefängnisses sind hohl und mit Tränengas gefüllt, so daß eine Flucht durch ein Durchbrechen der Mauern aussichtslos erscheint. Drr semitische Minnesang. Ein Schweizer I Gelehrter hat, 1 wie die„Neue Züricher Zeitung" I berichtet, soeben ein Buch veröffentlicht, in dem er den Nachweis führt, daß die mittelalterliche Poesie der deutschen Minnesänger ihr Vorbild in der arabischen Liebeödichtmig der nach Spanien vorgedrungeiien Mauren, hatte. Schon vor Jahren' hatte der(durch seine Forschungen über Jo- Hannes von Saaz Und seinen„Ackermann aus Böhmen" bekannte) Berliner Germanist Konrad Burdach die Vermutung geäußert, die. jetzt durch, eingehende Vergleiche von. dem Schweizer Forscher bestätigt wird: die Vermutung, daß der deutsche Minnesang nicht nur von den.südfranzösischen Troubadours beeinflußt' war, sondern gleich ihnen tniter dem Einfluß der arabischen Dichtung stand. Die Blüte deutscher Dichtung im Mittelalter>var also von semitischen Vorbildern abhängig.. Wer weiß, wie sehr die Geschichte der europäischen Kultur eine Geschichte der Wechselwirkung zwischen Nationen und Rässen ist und wie insbesondere die deutsche Kultur zu allen Zeiten von fremden Anregungen und Vorbildern befruchtet worden ist, der wird in dieser neuent- deckten Herkunft des deutschen Minnesanges nichts Unfaßbares sehen. Wie aber muß' denen werden, die sich das Deutschtum nur als Haß gegen alles Undcutsche und insbesondere alles Frcmdrassigc vorstcllen können und die sich in ihren blutig-kitschigen Phantasien mit romantischer Vorliebe aus das Mittelalter berufen l?. Es bleibt ihnen, wenn sie alles Undcutsche aus der deutschen Kultur ausmerzen wollen, wirklich kein anderer Weg als auf die Kultur überhaupt zu verzichten. Und wenn man das Treiben der „Völkischen" innerhalb und außerhalb des Dritten Reiches betrachtet, kann man-nicht leugnen, daß sic die Konsequenz bereits gezogen haben. Auf dem Relsonschacht wurde Donnerstag vormittags unter der Leitung des Betriebsleiters Jng. Hauser ein. neuer Bruchabschnitt gewältigt. Der erzielte'Streckengewinn beträgt insgesamt 440 Meter. In der Seilbahnstrecke stieß man auf eine Leiche, welche aber durch das Wasser stark aufgelöst war. Sie wurde geborgen und. auf dem Ofseker Friedhof gebracht. Eine Identifizierung ist noch nicht erfolgt, doch wird angenommen, daß es sich um den 31jährigen Förderer Josef Fritsch aus Herrlich handelt. Fritsch war verheiratet und Vater eines Kindes. In der Strecke des neuen Grubenteiles wurden ExplösionSzerstörunaen festgestellt. Die Gerichtskommission wird ihm demnächst in Augenschein nehmen. Dir Ueberfüllung des Händlerberufes. Eine der interessantesten Erscheinungen der heutigen Krise, so.schreibt„Bücernik Ccsket- union gehören ferner B l a g i n und Gr o ch o w« skij. Letzterer baute binnen kurzer Zeit eine ganz« Serie verschiedenartiger Fallschirme für den Abwurf von Postsäcken und Frachten und für den Absprung von Menschen. Er erbaute auch einen speziellen Turm für das Training angehender Fallschirmpiloten. In den Jahren 1032/34 haben sowjetrussische Fallschirmpiloten mehrere Weltrekorde aufgestellt. Am 17. Juli d. I. sprang der Fallschirmpilot Jewdokimow aus einer Höhe von 8100 Meter av und öffnete den Fallschirm erst in 200 Meter über dem Erdboden, 7000 Meter legte er somit in freiem Fall in 142 Sekunden zurück. Am 0. August d. I. stellte die sowjetrussische Fallschirmvilotin Buschujewa im Fallschirmabsprung mit späterem Oeffnen de» Fallschirmes einen Weltrekords Ur Frauen auf- Sie sprang aus 2000 Meter Höhe ab und öffnete den Fallschirm erst 400 Meter Über dem Erdboden. Am 10. August sprang Buschuiewa abermals, und zwar diesmal aus einer Höhe von 2800 Metern ab und öffnete den Fallschirm erst in 800 Meter Höhe über dem Erdboden. Der Fallschirmpilot K a j t a n o w hat bereits 100 Fallschirm- absvr iing« ausgeführt, und zwar unter den verschiedensten Witterungsverhältnissen. Mehrere AbZettungen im Kaffeehaus Als Zeitungsmann, den das»Erwachen des österreichischen Menschen" aus seinem Wirkungskreise und aus seinem Heim Vertrieb, kam ich nach Prag. WaS tut der Wiener auch in Prag? Er verbringt die unfreiwilligen Mußestunden im Kaffeehaus. Zeitunglesen in einem Prager Kaffeehaus in diesem Gommer des Mißvergnügens ist für den österreichischen Sozialisten ein Erlebnis von allcr- größtem Eindruck. Besonders dann, wesin seit deny letzten Tag üü"„Cafö Senträl" nürwenige Wochen vergangen sind.' Wollte man vor dem etwas gewaltsamen »Erwachen Oesterreichs" ein ungefähres Bild des politischen Geschehens erhalten, dann mußte man schon so ziemlich alle großen Wiener Blätter durchgehen. Wir vom Bau bekamen ja die„Arbeiter- Zeitung" noch druckfeucht in aller Frühe. Zum Frühstück kamen also in der Reihenfolge rosa— schwarz—braun. Zunächst der„Tag", dann das „Extrablatt",„Tagblatt",„Presse", dann die „Reichspost" dran. Nach diesem„Tageblatt für das christliche Volk" war einem so schwarz zumute geworden, daß man unwillkürlich zu den braunen„Nachrichten" und der„Döh" greifen muhte— und dann wieder aufatmend nach der „Arbeiter-Zeitung" langte. Man hatte ja über die gesamte Wiener Presse seine eigenen Ansichten, mußte aber zugeben, daß sie im großen und ganzen„gut gemacht" war, und wenn man sie durchgelesen hatte, wußte man so ziemlich, wie die Untertanen Dollfuß' dachten und fühlten. sprünge führte Kajtanow in Gasmaske, im feuersicheren Anzug und bei verschiedenen Stellungen de« Flugzeuge« in der Luft aus. Auch Fallschirm ab sprüngein» Wasser haben fowjetrussische Fallschirmpiloten Wiederholt mit Erfolg ausgeführt. Ruffische« Segelflugwesen In der Sowjetunion gibt es über 28.000 Segelflieger. Das fowjetrussische Segelflugwesen wird von der Osoaviachim geleitet, die m Koktebel und Moskau Hochschulen für Segelflug errichtet hat. In diesem Jahre stellten die sowjctrussischen Segelflieger mehrere neue Rekorde auf. Verbreitet ist in Sowjetrußland da« Segelfliegen im Schlepptau eine« Motorflugzeuges. So vollführte das Flugzeug „P—5" mit drei Segelflugzeugen im Schlepptau den berühmten Flug Moskau—Koktebel; die 1270 Kilo- meter lange Strecke wurde in acht Stun- den 40 Minuten zurückaeleat. Die Besatzung dieses„fliegenden Zuges" stellte damit einen neuen Weltrekord für den Gruppenflug auf. Zum erstenmal in der Welt ist e» dem Aeroklub in Samara gelungen. mit einem fliegenden Motorflugzeug mittel« eine« Schlepptaues ein S ege l f l u g« zeug von der Erde aufzunebmen. In diesem Sommer stellten sowjetrussische Segelflieger auch einige Rekorde im Dauerflug auf. So hielt sich der junge sowietrussische Segelflieger Simanow 85 Stunden 11 Minuten in der Lust. Unter den sowjetrussischen Segelflugzeug-Konstrukteuren zeichnet sich besonder- Gribowskij au-. Alljährlich findet in Koktebel(Krim)«in Unionstreffen der Segelflieger statt. Auf dem vorjährigen Treffen wurden sieben neue Weltrekorde und fiinf Unionsrekorde aufgestellt. Das diesjährige Unionstreffen findet am 1. September statt. Es sind hiezu zehn neue Rekord- Segelfiugzeuge aus Moskau und acht neuartige Segelflugzeuge, darunter zwei„schwanzlose", aus der Ukraine angemeldet. Der Zentralrat der Osoaviachim bat zu dem Treffen 15 Seaelfiugzeuge verschiedenster Konstruktion heranSgebracht. darunter ein Schwin- aensegelflugzeug Tscheranowstija. da« für Experimen- talzweckc bestimmt ist. DaS war so bis zum vorjährigen März. Dollfuß ließ der Ruhm seiner fascistischen Nachbarn keine Ruhe. Einen dritten, den„Austro- fasciSmnS", mußte Starhemberg erst zurechtleimen. So weit war man 1933 noch nicht. Was war naheliegender, als die hehren Vorbilder einstweilen treulich zu kopieren? Wir erinnern uns ja noch so gut der vier« bis fünfmaligen Konfiskation in der Woche, wir haben das Kolportage- Berbot und die„verschärfte Borlagepflicht" noch nicht vergessen— und werden sie nicht vergessen. Immerhin, auch nach dem Verbote der Nazi wagte man sich an die„Arbeiter-Zeitung," noch nicht so recht heran? Ermuntert vom Hvchklerüs, der seine Zeit schon vorausfühlte, wollte man un» durch solche Schikanen umbringen. Unsere Auflageziffer bewies den Gegnern, wie sehr sie auf dem Holzwege waren. So unbezwinglich unsere Genossen waren, wenn e- galt, Opfer an Geld, Zeit und Arbeitskraft zu bringen— den Haubitzen Feys, den Maschinengewehren der Starhemberg-Trabanten mußten wir— für jetzt— weichen. Vierzig Jahre Aufbau unserer Zeitung sanken— für jetzt— in Trümmer. WaS Hitler immerhin Monate an Zeit und ein bißchen geistige Anstrengung gekostet, war in Wien ein Werk von zwei Tagen. Noch donnerten in Ottakring und Floridsdorf die Kanonen, noch waren die Wunden der Kämpfer nicht verbunden, als auch schon die„Linkspresse" auf dem Boden lag. Wir mußten ins Landesgericht, die„Rosaroten" kapitulierten. Will man wissen, wie eS heute um die gleichgeschalteten Wiener Zeitungen steht, dann mache man ein kleines Experiment: Man höre am Abend am Radioapparat die Tiraden des Wiener Göbbels IGEtENKET btl aflan Anlässen der Arbeiter! tlrsorgel und lese dann am nächsten Tage das, was sich einst, vor wenigen Monaten noch, die„freiest« Presse Europas" nannte... Zeitungslesen in Pragl Wie unbeschwert fliegen die Gedanken von hier in hie Welt-. Ich erfahre nun wirklich, was in der Welt- vorgeht. — Wie erkennt man hier schaudernd, welchen geistigen Bleikammern man in Lundenburg den Rücken kehrte! In meiner Freude über die Demokratie und die Gedankenfreiheit in diesem letzten Bollwerk der Demokratie in Mitteleuropa drängt es mich, den hiesigen Genossen zuzurufen, sich dieses kostbaren Besitzes ganz bewußt zu werden und ,ihn zu nützen auch für unsl Vergeßt nicht, daß ihr es seid, die unseren eingekerkertcn und verfolgten Genossen im Reiche der Schuschnigg-Fey-Starhemberg den Glauben an die Zukunft erhalten müssen! Denkt daran, welche Kraft dort notlvendig ist, unsere- Ueberzeu« gung rein zu bewahren. Wisset, daß in Oesterreich heute eine geschmuggelte Nummer Eurer Presse als kostbare Reliquie nur ganz Treuen und Zuverlässigen anvertraut werden kann. Denkt daran, daß diese au« jedem Worte, den alten Kampfgeist neu kräftigen, und werdet nicht müde, so viel und so oft wie nur möglich unseren Genossen zu sagen, daß nach der Zeit des Galgens und des Kerkers unsere Zeit kommen wird, kommen muß. St. F.’ Bautätigkeit im ersten Halbjahr 1934 Nach den dem Statistischen Staatsamte aus 87 größeren Städten zugegangenen Berichten wurden während des ersten Halbjahres 1934 in diesen Städten 776 Umänderungsbanken beendet, d. i. um 186 Bauten weniger als in der gleichen Zeit des Vorjahres, und 932 Neubauten kollau- diert. Gegenüber dem ersten Halbjahr 1933,' in dem 1479 Neubauten beendet wurden, bedeutet dies einen Rückgang um 37 Prozent. Der Zugang an Wohnungen infolge dieser Bauten ist sogar um die Hälfte geringer als im Vorjahre(im Vorjahre 6626, heuer 2749 Wohnungen). Abtragungsbewilligungen wurden für die gleich« Zahl von Gebäuden(68) wie im Vorjahre erteilt. Die im ersten Halbjahre 1934 beendeten Baaten'ckenNzeichnep eher das Ende der vergangenen, als den Anfang der neüän^Säison. Jedoch nicht einmal in den Angaben über die Zahl der Baubewilligungen, die im ersten Halbjahr' 1984 erteilt wurden, zeigen sich günstigere Aussichten der Bautätigkeit als im Vorjahre. Die Zahl der Neubauten, die in der zweiten Hälfte des Vorjahres bewilligt und größtenteils heuer durch« geführt wurde», war um 28 Prozent kleiner als im Jahre 1932 und auch die Zahl der Baubewilligungen für Neubauten aus dem ersten Halbjahr 1984 ist noch um etwas niedriger als im Vorjahre(im Vorjahre 2091, heuer 1941). Ein Lichtpunkt in dieser Bilanz bleibt einerseits eine gewisse Zunahme im Ausmaße der projektierten Neubauten(in 86 Städten mit Ausnahme von Prag, im Vorjahre 1413.4, heuer 1687.6 Tau« send Quadratmeter verbaute Fläche, die eine Aussicht auf einen größeren Verbrauch von Baumaterialien gibt und andererseits die Zahl dpr Baubewilligungen für Um-, Zu« und Aufbauten, die offensichtlich unter dem Einfluß der zu erwär« tenden Steuernachlässe um 16 Prozent gestiegen ist(von 1681 für das erste Halbjahr 1933 aus 1837 im Jahre 1934). Polnisches Gefängnis Es war alles in allem ein schönes, modernes Gefängnis, in das uns der polnische Polizist an einem regnerischen Julitage einlieferte. Wir hatten uns nun fast zwei Monate wandernd in Polen aufgehalten und knapp vor der Grenze hatte man uns nun doch erwischt. Im Protokoll hatte der Polizeibeamte eingefügt: „Illegaler Aufenthalt und wahrscheinlich illegale politische Betätigung." Ich spreche genug politisch, um das lesen zu können. Und-der Herr Richter verdonnerte uns zu zwei Wochen Arrest.„Wenn Ihnen das nicht gefallen sollte, können Sie appellieren!" Ich beteuerte, daß es mir sehr gefällt, denn ich kenne die„Schnelligkeit" de» Berufungssenates in politischen Angelegenheiten zur Genüge von Oesterreich her. Der Richter, der die Ironie aus meinen Worten nicht herauShürte, ließ uns abführen. An der Gefängnispforte stand ein ebenso arroganter, wie dicker Portier,, mit einer riesigen Medaille an der wattierten Heldenbrust., Fast alle Portiere an diesen und ähnlichen Anstalten sind dick und arrogant und haben wahrscheinlich auch deswegen die großen, glänzenden Medaillen. Ich grüßte „Dzien dobrh" und mein Freund, der polnisch überhaupt nicht und deutsch nur in seinem Heimatdialekt sprach, murmelte etwas wie„Habe die Ehre."—„Können Sie nicht grüßen" brüllte ihn der Portier an. Run wagte mein Freund noch zu sagen, er könne nicht polnisch, worauf der freundlich« Torwart um ein Register stärker loSbrüllte: „Dann grüßen Sie deutsch. Sie Idiot, ich kann zehn Sprachen und Sie glauben Nrit-Jhrem blöden Dialekt hier frech sein zu können!" Run wär der Dialekt gewiß nicht„blöder" als irgendein polnischer Dialekt und«mein Freund nicht frecher als ein Waisenknabe.- Aber wer könnte eS wagen, einem dicken- Gefängnisportier-zu widersprechen? Er warf uns noch einen wütenden Blick zu und wir würden in die gelle geführt. Man hatte unS alles weggenommen bis auf ein-paar Zigaretten und- ein Fünf-Zlotystück, welches ich im Schuh verborgen hatte, weil ich-wußte, daß man für Geld in allen Gefängnissen alles haben kann. UnserGastspiel in der Zelle aber hätten wir uns doch anders vorgestellt. Ein Krimineller, ein-internationaler Taschendieb, der noch-drei Jahre abzusitzen hat, führt« da» Kommando in der Zelle, in welcher sonst" noch ein Grenzläufer und Keine Schmuggler einquartiert sind. Jeder Neuankommende hat Zigaretten ; oder mitgebrachten Proviant sofort an den Zellenkommandanten abzugeben, der es. halbiert und die ^Hälfte davon eventuell— dem Neuling zurückgibt. Wer die» nicht tut, dessen Strafzeit wird zu'einer Hölle. Keine« der polnischen Justizbeamten kümmert,sich.um die interne» Angelegenheiten der Zelle. Unumschränkter Herr ist dieser Kriminelle, der alle» haßt, was nur vierzehn Tage oder drei Wochen zu sitzen braucht, mit der sadistisch verbogenen Grausamkeit eines schon lange Jahre der Freiheit Beraubten. Er beansprucht eine volle Hälfte der Zelle für sich und in die andere Hälfte müssen sich die vierzehn, manchmal auch achtzehn (anderen Häftlinge teilen. Obwohl diese Zimmergrenze, unsichtbar ist, nur gedacht, wagt eS keiner von den„Bauern", wie sw der Zimmerkoman- der nennt, sie zu übertreten. Er fliegt unfehlbar auf die„Plebejer-Seite", wenn er es wagt, an d«n Tisch oder die Brotstellen heranzutreten. Nur einer-war dort, ein„Fachkollege" des Koman» der», der es sich leisten konnte, sich während de» Tage»' hinzulegen oder zu lesen. Ein armer vol« nischer Tippler,.der auch wegen Grenzübtrtritt saß, nahm in Unkenntnis der Sachlage ein Buch vöm, Brotstellen herunter, in der. Meinung, die Bücheii seien, für alle Gefangenen da. Eine fürchterliche Ohrfeige vom Komander-beförderte den armen Teufel wieder zu uns herüber, wo ex auf -eine Bank taumelte.„Ich will dich lehren, ohne Exlaubnis ein Buch zu nehmen!" grinste der Komander.„Kommst du und sagst du: prosim, Pan KoMmander, ein Buch möcht' ich haben, dann bekommst du ein Buch. Vielleicht bekommst du eS dann oder vielleicht auch nicht."— Dann kam er auf mich zu. Ich sagte ihm, ich könne nicht polnisch. „Na, wird Sie.halten Ordnung auf Zelle, dann Sie habt e» gut, sonst"— er sah nach dem geschlagenen Burschen hin.— Mein„Dienst" bestand darin, zweimal des Tages den Klösettkübel auszuleeren, während mein Freund den Spück- napf zu reinigen hatte. Ich dachte: 28mal den Kübel raus, den Kübel rein, dann bin ich frei! Sin anderer hatte den Fußboden zu fegen. Das war Strafarbeit, harte Strafarbeit. Nur immer einen Zentimeter weit durfte der Kehricht geschoben werden, und aus jeder Bodenfuge mußte der Staub mit einer alten Zahnbürste geholt werden. Wehe dem, der di« Sache zu leicht nahm! Er kam den ganzen Tag nicht von den Knien hoch. War er nach seiner Meinung fertig, dann zündete der Komander" einen Fetzen Papier an und zer streute die Asche auf dem Boden, find der arme Teufel, der die„Bodentour" hatte, mußte von vorne beginnen. Ilm sich an intelligenteren Leuten sein Mütchen zu kühlen, wurde das bekannte „Schinkenschlagen" gespielt. Man steckt den Kops in den Schoß eines sitzenden Häftlings, meisten» des„Fachgenossen" des KomanderS, und die anderen müssen zuschlagen. Bis der Geschlagene den Schläger errät. Ist ein Neuer gekommen, dann schlägt nur der„Komander". Und wie! Schwer saust seine riesige Hand auf den armen Hinterteil des Gebückten. Ich habe starke Männer unter seinem Hiebe zusamnicnsinken sehen. Den ganzen Tag ist man in Angst vor irgendeinem Perversen Einfall des Zellendespoten. Den einen läßt er unter den Tisch kriechen, wo er dann zehn Minuten wie ein Hund bellen muß. Den anderen läßt er mit dem Klosettkübel in der Zelle herumlaufen und er muß dabei fortwährend „Lody" rufen. Es ist häßlich und erniedrigend, alte Männer so tyrannisiert zu sehen von diesem Menschen, der längst reif für eine Irrenanstalt wär«... Wir hatten es doch einigermaßen besser. Denn„Ausländer und meine Kollegen Taschendieb hat gut bei mir, nur dies verfluchte„Bauer"— damit meinte er alle die kleinen Schmuggler und 'Grenzläufer,„die mußt robot"., Aber auch diese vierzehn Tage gingen vorüber und mit einem unendiich wohligen Gefühl überschritten wir die Brücke, die' zugleich die tschechoslowakisch-polnische Grenze' bildet. Ganz leise sprach ich das Wort„Freiheit" vor mich hin, und ich glaube, daß ich kaum je vorher seinen Sinn > so zu würdigen wußte. „Sozialdemokrat"| ,..tJr-'cif«ft- Anziisl 1034._ Nr. IV^,. i! i! PRAGER i!- i! (0:0). Die eine Anzahl 50X100X einen neuen Ar. Kofiistficr. Ein daß e S, i! i! i! i! liebe“ i! ji „Frankfurter VolkSblatt". Ein Dementi, das allerhand bestätigt l »Dir»emei«schast*verpfiicht»«s" .„Die Arbeitszeitverkürzung in der Textil, industrie, die am 28. Juli in Kraft getreten ist, zieht infolge des Zusammenhanges des gesamten Produktionsapparates auch eine entsprechende Arbeitszeitverkürzung für die in der Nebenproduktion beschäftigten Arbeiter und für einen grasten Teil der Arbeiterschaft in den vor» oder nachgelagerten Industriezweigen nach sich. Das bedeutet für sie einen erheblichen Verdien st ausfall, der um so mehr inS Gewicht fällt, als die Berdlenste in der Textilindustrie nicht übermäßig hoch genannt werden können.... Das Opfer, das die Textilarbeiterschaft damit den Arbeitskameraden und der Allgemeiicheit bringt, ist ein sichtbarer Ausdruck nationalsozialistischer Gemein- s ch a f t s v e rpf lichtung im besten Sinne des Wortes..."■• Aus dem„Informationsdienst der Deutschen Arbeitsfront". Sport• Spiel• Küiperpflege Der Krauensport In L o n d o n hat ein bekannter englischer Arzt vom Frauensportverband die Erlaubnis er- ballen, alle Teilnehmerinnen bei den Frauen- Wcltspiclen, die cs gestatten würden, körperlich zu untersuchen. DaS gesammelte Material soll in einem Buch vom ghnäkologischen Gesichtspunkt aus behandelt werden. Dieser Arzt erzählt, dast er sechzig Athletinnen untersucht und häufig starken männlichen Einschlag konstatiert habe. Interessant ist jedenfalls, dast die Sportlerinnen Koubkovä, Kraus(Deutschland), Schuurman(Holland), Wa- lasiewicz(Polen) und Lunn(England) eine ärztliche Untersuchung nicht gestattet haben sollen. Der Arzt nieint', dast zweifellos in einem oder dem anderen Fall der männliche. Einschlag überwiege, auch sind bei manchen Athletinnen typisch weibliche Körperfunktionen nicht vorhanden, was allein wohl schon einen unstatthaften Vorteil bei der Sportausübung darstelle.■ Bezeichnend ist auch, dast sich einige. von - 4 ’ M AMl Premier« der deutschen Kalfuna. An Wien und Berlin vreiSaekrSnl. Der belle und schönste beimischc Film.— Filmwoche: Ein Meister zaubert Biwer von einer berauschendrn bildmähiaen Plastik auf die Lei», wand.— Taz«:„Tie Trauerfeier in Tannenberg.?. Uranla-KIno, Kllmenbhä 4. ftreitaa: steiner- Schichtbad veranstalteten Meeting, an dm auch die ungarischen Swimmer teilnahmen, gab es einige gute Ergebnisse. Im 100 Meter Bnlstschwim- men erzielte die Teplitzerin Würfel mit i:82.2 Min. einen neuen tschechoslowakischen Rekord. Erwähnenswert ist, dast das ungarische Wasserballftam den TB. Schreckenstein mit 17:0 niederkanterte. Beschämend für den. deutschbürgerlichen Schwimmsport war der Besuch: wohlgezählte 80 Personen! 22 neue Schwimm-Weltrekorde genehmigte der Berliner Kongress der Fina, welche in den Jahren 1088 und 1981 erzielt wurden. Bei den Männern ist kein einziger Europäer zu staden. Die Zeiten, welche in Magdeburg' qxreicht wurden, sind jedoch ein hübsches Stück von denen der Weltrekorde entfernt. Die neuen Weltrekorde sind: Männer: 100 Meter Freistil: Fick(Amerika) 56.8 Sek.; 800 Meter Freistil: Gilhula (Amerika) 8:84.4 Min.; 400 Meter Freistil: Makino(Japan) 4:46.4; 440 AardS Freistil: Gilhula 4:48.6; 400 Meter Freistil: Medica(Amerika) 4:40.6; 500 Meter Freistil: Medica 5:57.8; 889 NardS Freistil: Medica 10:15.4; 1000 Meter Freistil: Kitamura(Japan) 12:42.6; 1 englische Meile: Medica 20:57.8; 100 Meter Rücken: van den Wcghe (Amerika) 1:07.4; 4X200 Meter Freistilstaffel: Nale Universith(Amerika) 8:58.8 Min.— Be.i den Frauen hält die Holländerin Willie.den O u d e n fünf neue Weltrekorde im Freistil: 100 shardS: 58.8, 100 Meter: 1:04.8, 220 AardS: 2:27.6, 800 Meter: 8:58.4, 400 Meter: 5:16. Ferner: 800 Meter Freistil:, Knight(Amerika), 11:44.8 Min.; 100 Meter Brust: Dennis(Australien) 1:24.6; 200 Hards Brust: Jacobsen(Dänemark) 2:40.5; 200 Meter Brust: Maehata(Japan) 8:00; 400 Meter Brust: Maehata 6:24.8; 4X100 Meter. Freistil: Holland 4:88.6. Nessel' boxt mit Schmeling am Sonntag in Hamburg über zwölf Runden. Dem Kampf'ging ein Intermezzo der beiden Boxer bzw. ihrer Manager voraus, wieviel Runden der Kampf haben soll Schmeling wollte 15, Neusel bot nur zehn, dann einigte man sich auf zwölf, um dann das neckische Spiel von neuem zu beginnen. Doch wozu hat man denn jetzt im Dritten Reich Sportführer? Und richtig. der„Führer der Faustkämpfer" hat seine„Entscheidung" getrosten: Ter Kampf geht über zwölf Runden— und damit Pasta!— Schmeling hofft auf Sieg; um vielleicht dann wieder'in Amerika sein „Geschäft" machen zu können, cwwohl man drüben von ihm nichts mehr wissen will, da er sich durch seine.oft betonte„Freundschaft" mit Hitler mehr geschadet als genützt hat. Wenn man ihm daher im Dritten Reich einen Kämpf— mehr jedoch eine volle Börse— bietet, so ist dies eher als eine Abschlagszahlung für seine durch die Nazi-Politik erlittenen Verluste zu werten, um ihn dann in der Versenkung verschwinden zu lassen. Daß die Arbeiter opfern und die Unternehmer mehr verdienen, ist wirklich„nationalsozialistische- Gemeiitschaftoverpflichfting im besten Sinne des Wortes!" Die„Bestandsaufnahme." .„Der Reichsminister der Innern hat in einem Rundschreiben an die Landesregierungen die ersten vorbereitenden und umfassenden Sammlungen für eine erbbiologische Bestands- a u f n a h m. e getrosten.". Reichsdeutsche Zeitungsnotiz. Erbbiologie mit Bestandsaufnahme wie beim Unterhofen-Saisonausverkauf! DaS Deutsch dieser Notiz kommt mit in die„Bestandsaufnahme" der erbbiologischen. Konkursmasse!■ MAG Malin, Sedler und Kutten berg besucht der All- gemeine A n g e st e l l t e n v e r b a n d Prag mit Autocar am Sonntag, den 2. September. Fahrpreis 30 KL. Anmeldungen bis Montag, den 27. August, täglich nachmittags in der Gec oder in der Kanuci Narodni tr. 4, 3. Stock. Ortsgruppe Prag. S o n n t a g, den •! Mitropa,ksNtz» Zwischen Atzmira.unhiBylygn» werhsn eng ls l-cheSchi^ß» richter leiten. Diese Entscheidung traf da» Mitropa- Cüp-Komitee über Protest der Wiener. Die Spiele Werden anfang» September au-getragen werden. Neuer tschechoslowakischer Frauenrrkord im Schwimmen.. Bei einem am Mittwoch im Schrecken- hinsichtlich seinerzeit mit eingeklagten Einbrüche,.. derer Reruda bereits im Jahre 1080 ein volles Geständnis abgelegt hat. Die Verhandlung wickelte sich angesichts des Geständnisses des Angeklagten schnell und glatt ab und das StrafcrkcnntniS deS Gerichtshofes lautete auf zweieinhalb Jahre s ch w e r e n und verschärften Kerkers. Da Reruda bereits über drei Jabre eiurcchenbare Haft auf Grund des seinerzcilizen Schwurgerichtsurteiles angesessen hat, hat er die hente verhängte Strafe nicht nur völlig verbükt sondern auch noch fast ein halbes Jahr darüber. Trotzdem wurde Nenida nicht mif freien Fuss gesetzt, da mit Rücksicht auf seine vielen Vorstrafen seinerzeit die U eb erwe isu nfl in die Zwangsarbeitsanstalt nach verbüsstcr Strafe ausgesprochen worden war. Reruda wurde daher nicht in die Freiheit entlassen, sondern der Prager Polizcidirektion überstellt, die da» weitere besorgen wird. rb. seinerzeit mit eingeklagten Einbrüche, hinsichtlich derer Reruda bereits im Jahre 1080 ein volles Geständnis abgelegt hat. Mütter