14. Jahrgang Samstag, 25. August 1934 ERSCHEINT MIT AUSNAHME MS MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UNO VWWALTUNO MA» XII., POCHOHIA il. mWON am. AMMMMTIATION MWON SV«. HERAUSGEBER i SIEGFRIED TAU*. CHEFREDAKTEUR i WHHEIM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DU. EMU STRAUSS, MAO. lOlWIer (•liwaMkililchJeHalltrRorta) IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN MR TSCHECHQIIOWAUSCHCN REPUBLIK MEHWeMW Die Kommunisten und Paule Wellisch . Die Kommunistenpresse veröffentlicht einen Bericht aus Wien, mit welchen! der Eindruck erweckt werden soll, daß sich die„Rote Hilfe" um die Befreiung der Genossin PaulaWallisch aus dem Gefängnis und ihre anschließende Ueber- siedlung nach Jugoslawien besondere Verdienste erworben habe. Die Kommunisten wollen diese Erfolge durch„Alarmierung der Ocffcntlichleit" erreicht haben. Demgegenüber müssen wir fcststellen, daß dieser Bericht eine ausgesprochene Flunkerei ist. Wir wollen nicht aufzählen, was von sozialdemokratischer Seite alles unternommen ivurde, um das tragische Los dieser Frau eines proletarischen Märtyrers zu erleichtern. DaS »ar die Erfüllung einer selbstverständliche» Soli» daritätspflicht. Es widerstrebt uns. die Privatbriefe einer schwergeprüften Frau zur Auseinandersetzung mit den Kommunisten zu verwenden. Jedenfalls.wären wir in der Lage, ein aus der jüngsten Zeit stammendes Schreiben der Genossin Wallisch zu zitieren, welches in eindeutiger Weise gegen die kommunistischen K a m p f e s m e t h o d e n Stellung nimmt. Paula Wallisch fühlt sich als BermächtniSträgerin ihres heldenhaften Mannes und wird sich niemals für die kommunistische Agitation mißbrauchen lassen. kiidue lenorveiie in Deutschland Berlin, 84. August.(Jnprest): In gang Berlin sind in Mer Stille von Beamten der Geheimen Staatspolizei Razzien dnrchge- sührt worden. Mehrere hundert Per» s* n e n wurden verhaftet. Die Ramm der Arretierten wurden nicht bekanntgegeben. Auffallend ist, daß die Razzien nicht nur, »je bisher, die Arbeit» rbezirle betrafen, sondern auch die ausgesprochen bürgerliche» Bezirke. Besondere Sck>ärfe»ahmen die Durchsuchungen am K u r f ü r st e n d a m m an. Man spricht davon, daß die neu» Aktion Im Zusammenbang mit dem im„Angriff" veröffentlichten Artikel steht, der«ine L e s e st« b e als ein„Zm- trnm der Hochverräter" denunzierte. Autonomistische Welle in Spanien Verbotene Versammlung in Bilbao ■ Madrid, 24. August. Die autonomistische Baskenbewegung, mit der auch die Katalanier sympathisieren, steht immer noch im Vordergrund tes Interesses der, Presse und der öffentlichen Meinung Spaniens. Man erwartet mit Spannung, ob sich die Basten dem Verbot der Regierung fügen werden, durch welches die für Sonntag nach Bilbao einberufcne Generalversammlung der baskischen Autonomisten und Abgeordnete» untersagt wurde. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Versammlung an einen anderen geheimgehaltenen Ort einberufen oder auf einen späteren Zeitpunkt verlegt" werden wird. Bei einer gestern in Vergär stattgefun- tenen Acheimsitzung der autonomistischcn Bürgermeister und der Mitglieder der Selbstverwal- tüngSkörpcr der drei baskischen Provinzen beschlossen die Bürgermeister, sich künftig solidarisch lsu erklären, Ernennungen neuer Bürgermeister an Stelle der ihrer Funktionen enthobenen Bürgermeister durch die Regierung nicht anzuerkennen und eventuell zum Zeichen des Protestes ihrer Gesamtheit eine Massendemission z» geben. Mutiger Abschluß eines Antikriesskongresses • Rio de Janeiro,. 24..August.' In der Nacht zum Freitag kam es hier" nach Abschluß eines Antikriegskongresses zu. blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizeibeam- ten. Zwei Personen wurden getötet." während tstva 2V verletzt wurden. Siegen 6« Verhaftungen russischer Ostchinabahn-Beamter Moskau, 24. August.. Der sowjetrussische Botschafter in Tokio, Jurenew, sandte am 22. August dem japanischen Außenminister Hirota folgende Note: In der Nacht vom 18. auf den 14. August wurden auf der Oststrccke der Ostchinabahn 19 sowjei russische Angestellte der Ostchinabahn, hauptsächlich leitende Personen, verhaftet. Um diese grundlosen und ungesetzlichen Verhaftungen der Sowjetangestelltcn zu. rechtfertigen, ersinnt man unsinnige Beschus» d i g n n g e n, wonach sie angeblich Uebersälle auf. japanische Militärmissionen, Uebersälle der Ehun- gusen auf Züge organisierten, ZugSzüsammen- stöße herbeiführten, Bahnbedienstete und ihre Familienmitglieder ausplünderten, ermordeten und gefangen wegführten usw. Diese o f f e n s i ch t l ich grundlosen Beschuldigungen werden offiziell vmn japanischen Kriegsministerium und vom Vertreter des Außenministeriums unterstützt. Die japanischmandschurischen Behörden bcschränkcn.sich nicht ans die Verhaftung von Arbeitern der Ostchinabahn und auf unsinnige Beschuldigungen dieser Arbeit» ter. sondern erheben gleiche Anklagen auch gegen offizielle Institutionen und Vertreter der Sowjetunion in der Mandschurei, und zwar gegen das Sowjetkonsulat und gegen den Konsul der Station Pogranitschnaja sowie gegen das Kommando der Roten Fernostgruppe. D« Sowjetregierung betrachtet alle diese Handlungen, die mit dem tatsächlichen Abbruch der Tokioter Verhandlungen über den Verkauf der Ostchüiabahn durch die japanisch-mandschn- rischen Partner zusammenfallen, alS eine Arbeit für die Desorganisternng der Eisenbahn und eine grobe Verletzung der Vrrtragsrechte der Sowjetunion an der Ostchinabahn. Die Sowjetregiernng weist insbesondere darauf hin, daß das japanische Kriegöministerium in einem offiziellen Kommuniquö vom 17. August sich die unerhörte Behauptung leistete, baß die Rote Fernostarmcc Befehle über die Ausführung von Zusammenstößen und Uebersälle» auf Züge erteilt habe. Das KricgSministcrium begleitet diese seine Ausführungen mit Erklärungen aggressiven Charakters an die Adresse der Sowjetunions Die japanische Regierung muß, so heißt r- weiter in der Rote, begreifen, daß ähnliche in der letzten Zeit sich häufende Arusternngen des japanischen KriegSministoriums sowie die oben angeführten Handlungen in der Mandschurei die Verschärfung der „Die Idee eines Krieses schwebt in der Luft" Politische Manöverrede Mussolinis Bologna, 24. August. Heute um 9 Uhr wur- den die große» Manöver der italienischen Armee beendet. Bor den italienischen und ausländischen Offizieren sprach sich Mussolini über die Leistungen.der italienischen Soldaten sehr lobend "aus. Die Möglichkeit eines Krieges in Europa berührend, sagte Mussolini in einer kurzen Erklärung^ „Niemand in Europa wünscht den Krieg, aber die Idee eines Krieges schwebt in der Luft..Ein Krieg kann in diesem oder jenem Augenblick entstehen. Italien muß von heute ab a»f einen Krieg vorbereitet sei» und das italienische Volk muß zu einem Soldatenvolk, ja' sößär zu einem militaristischen und kriegerischen Volk werden. Das politische, wirtschaftliche und geistige Leben des Bolles mutz sich auf" diese militärische Notwendigkeit stützen, denn, der: Krieg ist'der' Berufungsgerichtshof zwischen" dem Nationen und wird trotz des guten Willens, trotz aller Köirfe^ renzen und Protokolle auf Jahrhunderte h i n a U s mit den Schicksalen der Völker verbunden bleiben."■ an Japan aggressiven Absichten ei Niger offizieller japanischer Kreise beweisens Die Sowjewegiermlg, die die mandschurischen Behörde« und die japanische Regierung für die angegebenen Handlungen verantwortlich hält, beauftragte mich, ihren Protest auszudrücken. Die Regierung der Sowjet- nnion ist der Ansicht, daß die japanische Regierung alle entsprechenden Schlußfolgerungen ziehen wird. ^Erregung in Tokio Tokio, 24. August. Die gesamte spanische Presse ist über den Ton der sowjctrussischen Note sehr erregt und erklärt, der Inhalt dieser Note sei ein Beweis für die Versuche, die Verantwortung für die letzten Ereignisse an der chinesischen Ostbahn auf mandschurische uud japanische amtliche Stellen abzuwälzen. Die Beweggründe für die sowjeirussische Note-Würden von den japanischen Stellen eingehend geprüft werden.. Die Bläiter erklären übereinstimmend, daß die japanische Antwortnote.isicht weniger scharf gehalten sein dürste, als die.splvfeiruMchc Note. Paris: Ein Krieg würde sich nicht lohnen.. Paris, 24. August. Die Pariser Presse verfolgt mit Interesse die Zuspitzung der Verhältnisse im Fernen Osten und den letzten Notenwechsel zwischen Rußland und Japan. Das morgige „I o u r n a I" schreibt, daß der Hauptstrcitgcgen- stand zwischen Rußland und Japan, nämlich das Streben Mandschukuoö, die sowjetrussischen Rechte an der Ostchinabahn auzukaufen oder an sich zu reißen, einen Krieg nicht lohne, an den übrigens Japan mit Rücksicht auf die sehr ungünstigen Bedingungen seiner inneren Lage jetzt nicht denken könne, licbrigens lägen, und das könne nicht oft genug lviederholt werden, die Hauptsorgen Japans anderwärts. Der tatsächliche Konflikt bestehe nicht zwischen Japan und Sowjetrußland, sondern zwischen Japan und den Bereinigten Staaten. Ein neuer BelveiS hicfür sei der Umstand, daß Präsident Roosevelt die beschleunigte Abfahrt von 48 großen im Atlantische» Ozcan stationierten Marineeinheiten nach dem Stillen Ozean zur Verstärkung der amerikanischen Pazific-Flotille anordnete. Das tatsächliche Drama liege hier in der Rivalität zwischen der amerikanischen unB japanischen Flotte. Boykott feierlich bestätigt Genf, 24. August. Die jüdische Weltkonferenz die gegenwärtig in Genf tagt, hat folgende Resolution angenommen: Die dritte jüdische Weltlon- ferenz b e st ä t i g t auf das feierlichste'den Boykott des nationalsozialistische» Deutschland, der im Vorjahre auf, der. zweiten jüdischen Weltkonferenz verkündet wurde. Selbst Sie„Times'' : In Deutschland konfisziert ■ Berlin, 24. August. Wie der„Angriff" mitteilt,, wurde die Nummer der„Timest v. 28 ds. in Deutschland konfisziert. Diese Maßnahme wird dqmit begründet, daß das Blatt einen Bericht seines reichsdeutschen Korrespondenten über.dke Konzentrationslager veröffentlichte. Dem.„Angriff" zufolge enthält dieser Artikel eine Reihe neuer ehrepkränkender.Angriffe, die offenbar' aus der «migpäntenpreffe geschöpft'worden seien., Spionej",;M.....' Brüssel, 24. August: In Brüssel wurden' ein! Unteroffizier, ein Soldat-uüd zwei reichsdeutsche Staatsangehörige wegen Spionage verhaftet. I Die Not wächst; Der Sommer geht zur Neige und schon künden sich die schweren Sorgen des kommenden Winters an. Wohl hat die Kronenabwertung eine gewisse wirtschaftliche Erleichterung gebracht, aber die Arbeitslosigkeit bleibt nach wie vor das z en traloProblc nrderJn ne n Politik. Man muß den Tatsachen inst Gesicht schauen. Das ist nicht mehr eine zeitliche Stö- rung des wirtschaftlichen und sozialen Kreis- laufcs, die wir durchleben, sondern eine furcht, bare Pauperisicrung breitester Volksmassen, ein gesellschaftlicher ZcrsetzungSprozeß von einer un- heimlichen Tiefenwirkung. Die Menschen, die so glücklich sind, gesichert? Arbeit und Einkommen zu besitzen und die anderen, die seit Jahr und Tag. unter unsäglichen seelischen und phystschen Qualen dahinvegetieren, leben allgemach in verschiedenen Sphären. Sie sprechen zwar dieselbe Sprache, aber sie verstehen einander nicht mehr. Was dem einen der Eintritts. Preis für eine Kinovorstellung ist, ist dem ande> ren ein unerschwinglicher Betrag, den er für das tägliche Stück Brot, für einen Teller Suppe, für einige ZoraS brauchen würde. Solange die Krise in diesen Ausmaßen andauert, besteht diese fürchterliche Spaltung der Völker in Essende und Verhungernde weiter, besteht die Gefahr einer Zerreißung aller gesell» schaftlichen Baude, eines wilde» Ausbruches der Gewalt in diesen oder jenen Formen. Die Kriseder Diktaturen, die sich ringsum abspielt, darf die Demokratien nicht selbstzufrieden machen. Gewiß, die Verheißungen der Diktatoren brechen zusammen. Sie haben in einer ganzen Reihe von Ländern die Vollsrechte zertrümmert mit dem Versprechen, durch eine zusammengcballte Staatsgewalt das wirtschaft- liche Chaos unserer Zeit zu bannen, den Menschen wieder Brot,.und Arbeit zu geben. Nir- gends hat der Faseismus ein Jota seines national-sozialen Programms eingelöst, nirgends die Krise gebannt, nirgends die Völker glücklicher gemacht. Darin wird der Demokratie eine große Ge- nugtuung geboten, aber auch eine große Auf- gäbe gestellt. Die Demokratie kann nicht von der Kritik des Fascis- mus leben, sic muß jene großen mensch l'ich en Lei st ungen zu setzen bemüht sein, die den dik- tatarischen Rcgierungsformen versagt sind. Und cs gibt keine dringlichere Aufgabe in dieser Zeit, als mit zähester Leidenschaft uni ein Stück Brot, um einen Schlag Arbeit, um einen Funken Hoffnung zu ringen für das Riesenhecr der Krisenopfer aus allen Schichten des werktätigen Volkes. Hier ist auch die entscheidende Kampffront für die tschechoslowakische Demokratie vorgezeichnet. Gewissenlos wäre es, Erwartungen zu wecken, daß dieses kleine Land die Krise inner- halb seiner Grenzen bannen kann, während sich nebenan ein Sechzigmillionenreich in blutigen Zuckungen windet, das kleine Oesterreich, einer der wichtigsten Abnehmer unserer Erzeugnisse: zu einem Bottler und Vasallenstaat herabgesun- ken ist und die sndenropäischen Agrarländer als zahlungsfähige Kunden, kaum mehr in Betracht kommen. Die Weltkrise hat"nicht innerhalb unserer Landcsgrenzen.begonnen,.sie kann hier nicht beendet werden. Dafür wird jeder Halbwegs vernünftig denkende Mensch auch Verständnis haben. Was aber die Millionen von Krisenopfern—' es sind Millionen, wenn man die Familienangehörigen dazurechnet— mit Recht verlangen können, ist, daß auch im Lande selbst die. größten und die letzten Anstrengungen gemacht, werden, ihre Not zu lindern und neue Brücken ineine.bessere Zukunft zu schlagen. " In fünfjähriger Arbeit der heutigen Re- gierung sind große soziale Leistungen vollbracht worden. Wirtschaftlich hat sich das Land— trotz ■W»K_ TämStag! /!5. August 1034 Wirtschaftssituation fast unverändert Au» dem Bericht der NHonalbiik Der Bankrat der Rationalbank hielt am Freitag seine ordentliche Monatssitzung ab. Dem vorgebrachten Geschäftsberichte entnehmen mir folgende-: Die Weltwirtschaftslage hat sich im letzten Monat in ihren Hauptzügen nicht geändert und die beobachteten Verschiebungen wurden meist durch den Stand der Saison bestimmt. In der internationalen Entwicklung macht sich immer noch das Clement der Unsicherheit und wirtschaftlichen Unruhe geltend,, die in der letzten Zeit auch durch einige Ereignisse politischen EharakterS genährt wurden, so daß die Erneuerung de» internationalen Warenaustausches ständig auf bedeutende Hindernisse stößt und die autarkischen Tendenzen der Auslandsmärkte nichts an ihrem Umfange einbüßen; Auch dir Lage in der Tschechoslowakei»ar in den letzten Wochen im Vergleich-nm Barmonate fast unverändert und entsprach im ganzen den SaisonvorauS- setzungen. ES wird eine m ä sti g r Belebung der sonst schwachen B a u r«» e g u n g beobachtet. Die Ernte ist fast überall beendet. Neber die Endergebnisse der Fechsung gibt eS bisher keine verläßlichen Angaben.' Es steht zu erwor- ten, daß die Ernteergebnisse»eit hinter den«arfährigen zurück, bleibe«. Die Jndustriebeschästigung behauptet im Durchschnitt daSselbeNivea» wie im Vormonat, die Aenderungen in den einzelnen Branchen tvurden hauptsächlich durch Saisonmotive verursacht. Die Arbeitslosigkeit ging im Juli noch ein wenig zurück, jedoch weniger als in derselben Zeit des Vorjahres, woran einerseits der bereits erwähnte niedrige Umfang der heurigen Baubelvegung, andererseits der geringere Saisonbedarf an Arbeitskräften in der Landwirtschaft den größten Anteil hat. Die Bäderindustrie meldet in den letzten Monaten bessere Ergebnisse als in derselben Zeit des Vorjahres. Der inländische am Transportverkehr gemessene Güterumlauf behauptet dasselbe Niveau wie im Vormonate. Die Ex Portschwierigkeiten ließen bisher nicht nach, obwohl im Verkehr mit dem Auslande die heurigen GittertranSportdaten höher liegen als im Vorjahre, was auch aus dem Juliresultate des Außenhandels hervorgeht, dessen Umfang gegenüber Juni bedeutend stieg, sowohl in der Einfuhr(hauptsächlich bei Rohstoffen), als auch in der Ausfuhr(hier hauptsächlich bei Fertigwaren). Gegenüber Juli 1933 blieb der Einfuhrwert Heuer im Juli fast, un- v e r ä n d'e r t, während der Ausfuhrwert bedeutend stieg. Sette 2 Vor Wlrtschaftsverhandlunsen mH Ausland.. Wie das Abendblatt des„Eeskt'Slovo"--Mtl- det, spllen. im September die wirtschaftlichem und kaufmännischen Verhandlungen der Tschechossova- kei. mit Rußland eröffnet werden, trotzdem, Rußland alle Lieferungen für das heurige Jechr bereits vergeben hat, erwartet man, daß e» doch zu Bestellungen in der Tschechoslowakei kommt. Eine große Rolle werde dabei auch die Frage spielen, was wir aus Rußland ä.bnehmen nkönne n.' ES'handle sich nicht nur um Rohstoffe für die Eisen- und Textilindustrie, sondern auch um Getreide. Mehr als Kuriosum führt das Blatt an. daß während des Besuches des Königs von Siam Verhandlungen mit tschechoslowakischen Firmen über die Lieferung der kompletten Einrichtung einer Pctroleumrassinerie für Siam cingeleitet wurden. Siam möchte aber den grüßten Teil der Kaufsummc im Tauschwege in Reis bezahlen. mancher Fehler, die geschahen— besser gehalten als manche seiner Nachbarn. Eine feste demokratische Zusammenarbeit hat es vermocht, die Schrecken des Bürgerkrieges und der Barbarei an den Grenzen aufzuhalten. Damit ist unendlich viel erreicht, aber nicht alles getan. Schwc- res, Schwerstes ist noch zu leisten. Die Lebensfragen unserer Ausfuhrindustrien sind noch zu meistern. Die finanziell dahinsicchenden Selbstverwaltungskörper müssen durch eine umfassende SanicrungSaktion ihre kulturelle und sozial-wirtschaftliche LeistungS- sähigkeit wieder hergestellt erhalten. Das Schick- salderzukunftslosen jungen Generation muß über Taswcrsuche und Teilaktionen hinaus im Rahmen großer sozialer Umgestaltung sicher- gestellt werden. Wo halten wir mit der Ar- b e i t s ze i t v e r k ü r z u n g, mit einer Plan- mäßigen Kreditpolitik,>nit einem Plan öffentlicher Invcstitioncn, mit der In- 'n e n k o l o n i s a t i o»? Die Diktaturen können nicht zaubern, auch die Demokratien nicht. Bessere Verhältnisse sind nur zu schaffen durch bescheidene, selbstlose Ar- beit. Auch die skizzierten Ausgaben können nicht über Nacht durch Dekrete gelöst werden. Sie müssen bewältigt werden im Rahmen eines großen Arbeitsplanes und mit einem heroischen Arbeitswillen. Bis dahin müssen aber d i e v o n d c r 5l r i s e a m schlimm- st c n heim gesuchten Menschen daS Leben ertragen können. Die Not wächst!............ — Wer die Verhältnisse aus. nächster, Anschauung kennt, wird mit uns die schwerste Befürchtung habe», daß unsere mcistgctroffencn Krisen- und Notstandsgebiete den kommenden Winter mit den bisherige» Fttrsorgeleistungen des Staates werden kauni überstehen können. Das ganze Problem der Krisenhilfe muß unter neuem Gesichtspunkt erörtert werden: nicht nur unter dem siskalischcn, sondern auch vom Stand- punkte des höchsten staatlichen, nationalen und gesellschaftlichen Interesses. Die für den kommenden Winter zu treffenden KricgSmaßnahmen gegen Hunger und Verzweiflung werden die Regierung schon in naher Zeit ernsthaft beschäf- tigen müssen. Hodia und Malypetr für Ausgleichspolitik Anläßlich der Eröffnung eines akademischen Agrarscminars in L i p t. H r ä d c k(Slowakei), wurde eine Kundgebung des Landwirtfchaftümini- sters H o d z a verlesen, in welcher die E n t w i ck- lung desDorflcbcns in den verschiedenen Staaten skizziert wird und auSgeftthrt wird, daß cs keinemStaat bcschieden sei, dauernd agrarisch zu bleiben. DaS gelte um so mehr für die Tschechoslowakei mit ihrer komplizierte» Wirtschaft. Eine LcbenSthcorie der Landwirtschaft könne nur derjenige AgrariSinuS schaffen, der m i t d e r I n d u it r i e in F ü h l u n.g kommt oder s i ch m i t ihr fiuteinan- versetzt. Auch der AgrarismuS dürfe nicht einseitig sein. Ministerpräsident M alypctr, welcher.der Feier beiwohnte: betonte in:einer Ansprache.eben» falls, r,daß eine Wirtschaft-nur-dann- gesund sein kann, wenn daö gegenseitige Verhältnis aller Produktionsschichten den gehörigen Ausgleich sinket." Hoffentlich werden die Minister der führenden Regierungspartei diesen gewiß vernünftigen Standpunkt beibchalten, wenn in nächster Zeit die Koalitionsberatungen neu beginnen. 1 Freiwaldauer Advokat verhaftet Troppa«, 24. August. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Tröppau wurde der Freiwaldauer Advokat Dr. Hugo Klater wegen Ver- I gehens gegen das Republikschutzgesetz verhaftet. Eine Beschwerde aus Relchenbers Im„Pr. Tagblatt" führt ein Reichcnbergcr Mitarbeiter an leitender Stelle folgende Klage: „Man hat cs z. B. in Reichenberg nicht verstanden^ daß die tschechischen Stellen darauf beharrt habeb, einen Flugangriff auf die Stadt Reichenberg just an dem Abend jenes Tages vorzuführen, an dem die Messe eröffnet worden ist. Dir Forderung, die Stadt müsse-auf eine Stunde völlig verdunkelt werden, wurde unter Hinweis mif die daraus entstehende Gefahr für Diebstähle auf dem Meffegelände, Unannehmlichkeit«» für die Messe- v gäfte von der Siadtgenieinde bekämpft, aber man war rasch mit dem Wörtchen„illoyal" bei der "^Händ'?'.. Der deutsche Ztzunsch, dintfÜr deü Messe» ' soimtag-Nachmltiag angesehten Flngtäg auf einen änderen Sonntag zu verlegen, umdas Publikum vom Besuch der Messe nicht abzuhalten, wurde nicht berücksichtigt, und wieder verlangte eS die Loyalität, daß Reichenbcrg für die Notwendigkeit, daß . der Flngtag mit. dem Messesonntag zusammenfalle, Verständnis zeige." ch Ohne auf die auch im deutschbürgerlichen Lager sehr strittigen Begriffe„Loyalität" und „Illoyalität" näher eingehen zu wollen, halten wir doch dafür, daß sich die Militärbehörden zu dieser Beschwerde näher äußern sollten. .......■ HE" Neue Sittlichkeit Die Südetendcutsche Heimatfront will auch die Arbeiter gewinnen, nachdem sie der Schichten de» Besitzbürgertum» schon gewiß ist. Zu diesem Zwecke hat sie sich folgende ür der Nümmer IS der„Rundschau" unter dem Titel„Neue Sittlichkeit" verkündete Theorie zurechtgelegt. „Der Arbeiter erhebt seinen gerechte» An- sprach auf Lebensunterhalt für sich und seine Familie. Der Unternehmer erhebt seinen ebenso gerechtfertigten Anspruch ans Entgelt für seine Unternehmerlekstung. Einen Punkt muß cs geben, wo sich beide Forderungen treffe» und eben noch befriedig!» lassen." DaS ist also die T h e o r i e. Die P r a- x i s sieht so aus: Bei der Sudetendeutschen Heimatfront war eine gewisse HildeIanku als Kanzleikraft beschäftigt,, und zwar unentgeltlich, oder wie das schöne Wort heißt„ehrenamtlich". Am 16. Mai wurde Hilde Janku bei der Krankenkasse und der Pensionsanstalt angemeldet, lvornus hervorgeht, daß e» sich um ein regelrechtes Ar- beitsverhältnis handelte. Am 1. Juni wurde die Angestellte ohne jede.vorausgegangene Kündigung fristlos entlassen, mit der Begründung, daß bet derSHF. weiblich eAnge- ftellte nicht mehr beschäftigt werden. Man gab der Jcknku 400 ttä und damit war.für die SHF. die Sache erledigt. Nicht aber für Hilde Janku, die zum Arbeitsgericht ging und Herrn Henlein auf Auszahlung von weiteren 800 Kronen für die Monate Juni bis September lvc- gen Nichteinhaltung der Kündi- gungsfrisi klagte: Zur Verhandlung am 20. August erschien als Vertreter Henleins der „Landesleiter" Skomorovsky, der ans U st r o n in Polen stammt, also sicher benifen ist, die sudctendeutschen Belange zu verfechten. Er erklärte» man habe der Janku leine» Gehalt, sondern nur eine— Entschädigung ausgezahlt, auch habe nian sie nicht gekündigt, sondern ihr gesagt, daß sie ihre ehrenamtliche Tätigkeit aufgeben solle. Wie man sieht, führt die Henlein- front auch auf sozialpolitischem Gebiete ganz neue Prinzipien ein, an denen die Unternehmer ihre Freude haben können. Die Verhandlung wurde vertagt, Nlcdrltfe Sdiwelneprelse bringen . starke Erhöhung des Konsums Tschechische Blatter machen auf das Ansteigen der Preise für Schweine aufmerksam. Während noch im Mai davon die Rede war, daß ein Teil'der überzähligen Schweine auf Konserben für die Armee verarbeitet werden sollet um die Preis« nicht«och weiter.unter, den.-Geslehungs- preis sinken zu lassen, und eine gesetzliche Einschränkung der Schweinezucht gefordert wurde, kam cs infolge der niedrigen Preise zu einem starken Anwachsen des Konsums von Schweinefleisch. Schätzungsweise sind seither bei uns in nicht ganz 3 Monaten um rund IS Millionen Kilo Schwci- ncsleisch mehr verbraucht worden als sonst. Infolge dieser vermehrten Nachfrage gingen auch die Preise' von Schweinefleisch wieder in die Höhe; während im Mai für ein Kilo Lebendgewicht 4.80 Kc gezahlt wurden, zahlt nian jetzt schön lvicder über 7 K£, so daß sich die Schweinezucht wieder rentiert. Das ist gleichzeitig auch ein Beweis dafür, daß niedrige Preise tatsächlich am meisten zur Erhöhung des Absatzes beitragen. 83 M FRITZ ROSENFELD: ««A dxjutta EIN ROMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAG Jv senkt den Kopf, schwer liegt das große Buch in seiner Hand. „Werd ich ihn rächen", schreit Axjutta, daß das Kind aufschreckt, sich umhcrwirft. „Still", sagt Jv.„Hör das Märchen zn Ende. Da rüstete der Ritter zu einem Zug in den Wald, dem Drachen entgegen.,." Dem Drachen entgegen, dem Drachen entgegen... Der Mond lvuchö, der Mond schlvand— die Affassinen ritten in die Irre. Ihre Mäntel, waren zerfetzt, einen Teil der Pserde hatten sie verloren, die Pfeile lvaren verschossen. Keine Hand rührte Ala Eddin, um die llngetreuen zu fangen— sie fingen sich selbst. Die Zeit zermürbte sie. Der Hunger machte sie gehorsam. Mochten sie sich noch als Rebellen gebärden— ungefährlicher waren sie als die Katze, die durch Ala Eddins Gemach strich. Die Wälder waren tveit, es gab mehr reißende Tiere, die Männer töteten; als jagdbare» Wild, das die Männer hätten töten können. Mochten die Affassinen mit den Bären kämpfen. Sie übten sich im Ringen. Und starben sie— cs gab für jeden, den ein Bär zerfleischte, hundert andere.. Nach endlosen Tagen lind Tagen sinnloser Wanderschaft standen sie, ihren Blicken trauten sir nicht, in dem Bergkessel, in dem Ala Sddin sie eingeschlossen. Im Kreis waren sie geritten all die Wochen. Qualen hatten sic ertragen ohne Sinn. Nun blieb wieder die Wahl. Im Dal verhungern oder oben m den Höhlend Den Perg, klommen sie hinan, in die Höhlen verkrochen sie sich. Kein Wort fiel zwischen ihnen. An einem Morgen lveckte sic die Trommel. Bom Gipfel des Berges rief Tula mit mächtiger Stimme zu ihnen hinüber: Ob sie bereit seien, ihren Schwur zu erneuern? Gnade gewähre Ala Eddin ihnen, denen der Galgen gebührte. Da kamen sie aus den Höhlen hervor, stiegen auf ihre Pferde, und ritten ins Tal. Mitten aus den Bäumen, wo sic nie eine» Weg geahnt, brach Tula hervor; Lanzenträger brachte er mit, wie Gefangene wurden sie geführt. Nach Alumat ging der Weg, Stolz ragte die Burg, der Assassinen, die grüne Fahne wehte im Wind. Im Hof von Alümat trat Ala Eddin ihnen, entgegen. „Auf die Galgenschiffe sollte ich euch sehen, das Meer sollte euch verschlingen. Gnade ist. es, wenn ihr noch atmet. Allah aber ist großmütig, er verzeiht den Irrenden.' Zieht ihr mit den andre» in das Land, das ich sttafen will, sei euch euer Verbrechen vergeben. Kehrt ihr heim, steht euch der Garten offen, und keine Macht der Erde und des Himmel» darf euch aü» ihm je wieder verreiben." Da schlichen die Männer fort, Schweige» lag über Alumat. Rur in dem Zimmer, in dem der hohe Gast weilte, Ala Eddin, der Herr, tönte Gelächter. Der Kämmerer stand vor Ala Eddin. „Wiederhole eS", sagte Ala Eddin,„ich kann es nicht glauben". „Die Helle hat Jv, dem Zwerg,«in Kind geboren"... Ala Eddin schüttelte sich vor Lachen. Jv, der Zwerg, hatte ein Kindl Da» Kind wuchs und Jv hegt« es wie ein Bat« Axjutta aber sah Pal in den Augen deS Kindes und fühlte PalS Herz schlagen, tvenn sie ihr Ohr an das Herz des Kindes legte. Mit jedem Herzschlag lvuchs ihre Sehnsucht nach Pal, mit jedem Herzschlag ihr Hatz gegen Ala Eddin. 2äis Herz des Kindes schlug, Stunden und Tage und Wochen und Jahre. DaS Kind sprach: cs lernte das Wort Pal. Das Kind erfatzte die Welt, in. der es lebte: was schön war, was e» liebte, nannte eS Pal. Die Blumen waren Pal, die Schmetterlinge, die Sonne, Ivenn sie des abends hinter den Bergen versank. Der Bogel«n Morgen war Pal, .und die Puppe, die Jv aus Holz geschnitzt und mit Seide bekleidet hatte. Wenn das Kind zu Jvs Füßen spielte, mit bunten Steinen, wenn es zu Jv mit seinen großen Fragen kam, wer denn den Mond an jeden Abend entflammte und wer die Stern« verlöschen ließ am Morgen, wenn er als Zeichen scjncr größten Liebe Jv seine Puppe zu halten gab,, dann wußte Jv, warum er den Garten gebaut. Dann fiel ein Schimmer von Segen auf das- verfluchte Werk seiner Hände. Elf Städte lagen in Asche, tausende Menschen verröchelten an den Rändern der Wüste, unabsehbare Kamelkarawanen schleppten Ballen von Seide und Kisten voll Gold nach Ulleika: die Affassinen hatten das Land gestraft, das sich an Ala Eddins Namen und Ehre vergangen. In dem weichen Raum mit den goldenen Fenstern spielte Ada Eddin mit neuen Frauen. Schwarze und Braune, Tartarinnen und Araberinnen. Als aber einmal eine mit. hellen Haären kam, mit grotzen. grauen Augen, da sttetz er sie fort: die Hellen hatten geheimnisvolle Kräfte, e» war nicht gut, in ihren Kreis zu treten, der Mond verdunkelt« sich, wenn man sie faßt«. -.„Er ist ein Mensch mit Augen, wie wir, mit Ohren,, wie wir. niit einem Kösper, wie wir," sagt« der Perser.„Weim man ihn schlägt, spürt er Schmerz, wenn ihn hungert, lrümnrt er sich, wenn ihn friert, kriecht er unter seine Decken. Er ist ein Mensch wir wir: warum sollen wir ihm gehorchen?" „Er ist ein Mensch wie wir," schrie der Syrier,„aber tver wagt ihn zu schlagen, wann hungert er, wann friert er?" „Die Macht hat er, er befiehlt. Darum verdursten wir in den Wüsten, verbluten wir vor den fremden Städten." Da brach aus der Stille eine Stimme auf, zaghaft, leise: „Gab es den Garten je? Träumten wir alle?" Die Affassinen sahen einander an. Gab es den Gong, die Brunnen» die Mädchen? „Ich hab aus dem Brunnen geschöpft—.ich hab den Gong vernommen— die Flöte hörte'ich des Nachts— die bunten Wasser sah ich'zum Himmel springen—" „Schließ die Augen," tief die Stinnne. „Siehst du den Garten?" „Ich sehe ihn." „Hörst du den Gong" „Ich höre ihn I"• „Tanzen die Mädchen?" «Sie tanzen!". „Und jetzt ist der Mond über den Garten— die Flöte singt." „Mond über den Garten-— die Flöte singt." Der Syrier sprang auf; „Seht ihr: das ist euer Garten! Nie hat Ihn euer Fuß betreten, jedes Wort Ala Eddins war Lüge! Mit einem Zaubertrank hat er die Bilder in euch geweckt, die euch beseffen machen! In euer Blut hat er di« Sehnsucht gegoffen wie ein Gift. Wartet ihr immer noch auf die Stunde, da der Gärten sich euch öffnet? Eher bläst Jsrafil die Posaune des jüngsten Gerichts, die Wüste wird eher Meer und das Meer eher Sand— ihr Träumer!" „Er spricht wahr," sagten die Männer. 'iSodsehung fpW.« < Jtr. 198 >— Samstag, 28. August 1934 Seite A „Vas Land voll Tränen Schmerzen“ Was der letzte sozialdemokratische Auslandsjoumallst Deutschlands erzühlt Genosse van Looi, langjähriger Korrespondent der holländischen sozialistischen„A r b e i d e r s p e r bot kurzem aus Deutschland auSge« wiesen, veröffentlicht in seine» Blättern folgende rückblickende Betrachtung: ES war am frühen Morgen, als ich Deutsch» land verließ, das Land der braunen Horden, der geistigen und körperlichen Unterdrückung, das Land voll Tränen und Schmerzen, aber auch daS Land der nicht wankenden Treue zu dem sozialistischen Ideal, daS Land, wo Tausende von Männern und Frauen trotz allem die unbefleckte Fahne des Proletariats bewahren und das heilige Feuer des Sozialismus in sich, brennend erhalten. Die Begrüßung in Holland' war eine rot- wciß-blaue Flagge, die— ich weiß nicht aus welchem Grunde— irgendwo an der Grenze auf einem kleinen Hause flatterte. Die Flagge war nach all den Hakenkreuzlappen, die ich in den letzten achtzehn Monaten in Deutschland anschauen mußte, eine herzliche Erquickung. Sie mahnte mich an die Verbundenheit mit meinem Land und seinen Sitten, um so niehr, da ich als freier Holländer, Bürger eines Landes der traditionellen geistigen Freiheit, bis dahin genötigt gewesen war, in der menschenentehrenden Sphäre des Nationalsozialismus zu leben. Die Geheime Staatspolizei Hitlers und GoeringS hat meinem Bleiben in Deutschland ein Ende gemacht. Für mich ist es eine Ehre, für meine Familie ist es eine Beruhigung, daß der nalsozialiSinuS mich aus seiner Gewaltsphäre entfernt hat— für ihn selbst ist es die beste Charakterisierung: Mit mir verschwindet der letzte sozialdemokratische Korrespondent aus Deutschland— die übrigen waren bereits früher vor den Drohungen und dem Druck der Sturmtruppen aus dem Lande gewichen. Die Nazi-Finsterlinge vertragen die Beleuchtung durch einen sozialistischen Journalisten nicht. Sie wissen warum! Die Arbeit eines Korrespondenten in Hitler- deutschland ist nicht einfach. Rein t e ch n i s ch gesehen ist sie für einen sozialistischen Korrespondenten leichter als für einen Redakteur bürgerlicher Zeitungen. Der sozialistische Redakteur wird von seiner Organisation getragen, wird, gestützt durch seine Zeitung. Er kann, soweit das von seinem Verleger und seiner Chefredaktion abhängt, die Wahrheit schreiben. Der bürgerliche Redakteur muß M seinen Berichten dem Wunsch seiner Redaktion Rechnung tragen, daß er in Berlin bleibt. Er muß lavieren und muß ab und zu versuchen, den Nazis eine Blume an den Hut zu stecken, wo das, ohne ein Gefühl des Abscheus bei seinem Leser zu erwecken, geschehen kanii. Ich brauche das nicht zu tun,— ich hatte das Recht und die Pflicht, die Feinde der Arbeiterklasse so erscheinen zu lasten, wie sie sind: als Feinde der Menschheit. Wo und so oft das möglich war, habe ich mich an diese Pflicht gehalten, doch auch ich hatte nur beschränkte Möglichkeiten. Das stärkste Hindernis war die Unterdrückung der freien Meinungsäußerung in Deutschland, eine Unterdrückung, die/ viel weiter geht als es sich die Einwohner eines freien Staats mit der größter Phantasie denken können. Der Deutsche, der einem ausländischen Journalisten Ansicht gibt in Dinge, die der deutschen Regierung unangenehm sind, riskiert sein Leben. Wer die Wahrheit erzählt, wenn sein Nachbar dabei ist, läuft Gefahr, morgen in ein Konzentrationslager gebracht zu werden oder jahrelang in ein Zuchthaus eingeschloffen zu werden. Die zlveite Beschränkung, die einem ausländischen"Journalisten in Deutschland auferlegt ist, ist die der persönlichen Gefahr. Auch dem ausländisch«» Journalisten droht Gefängnis und Mißhandlung. Drei Tage vor meiner Ausweisung kam mein Kollege Hemberger frei. Bier Tage ist er »abhanden" gewesen. Die Gestapo hatte ihn arretiert, weil er in seinem Blatte, der»Prager Presse", Artikel veröffentlicht hatte, die von einem »besonderen Korrespondenten" kamen. Mit Hilfe des tschechoslowakischen Gesandten konnte man ihn aus den Händen der Gestapo befreien. Es ist mir unbekannt, ob ihm das Los eine- anderen Kollegen erspart geblieben ist, der in dem SS-GefängniS Columbiahaus nackt in einem Gang hin- und hergejagt. worden ist, wobei an den beiden Enden einige SS-Leute standen, die ihn immer wieder in die andere Richtung stießen. Was mit dem türkischen Journalisten geschehen ist, der monatelang in einer Zelle des Polizeipräsidiums gesessen hat, ohne daß jemand sich um ihn kümmerte, weiß ich nicht... - Diese Schwierigkeiten sind e-, die bewirken, daß vieles in der Feder bleibt, was unter normalen Umständen veröffentlicht werden würde. Jeder Journalist weiß z. B. ziemlich genau, mit welcher Energie an der Aufrüstung gearbeitet wird, wie die Fabriken"in drei Schichten«weiten, wie die Flugzeuge in Serien gebaut werden und Flugplätze wie mit einem Pfcfferstreuer über Deutschland geschüttet werden. Sie schreiben nur nicht darüber, können nichts darüber schreiben, wenn es ihnen nicht so ergehen soll wie Pembroke Stephens, besten Frau mit dem Tode bedroht wurde, derrveil er selbst in einem Loch festgehalten wurde. Der wirkliche Zustand in Deutschland hat im Ausland noch nie richtig beschrieben werden können. Auch mit dem größten Mut hält eS ein Journalist meist nicht länger als eine Woche aus. Und wenn er ausharrt, bringt er nicht nur sich selbst leicht ins Zuchthaus, er zieht auch seine deutschen Informatoren mit hinein. Wenn es mir dennoch geglückt ist, über Tun und Treiben in Hitlerdeutschland Bericht zu geben, so danke ich daS in erster Linie den Männern Die Herren der»autoritärei»" Regierung, die ihre„Autorität" außer von Gott und MiklaS vor allem von Mussolini hcrleitcn, fühlen sich anscheinend auch des Bundesheeres und der Polizei, die schon zweimal gegen große Gruppen der eigenen Staatsbürger eingesetzt Ivurde, nicht mehr ganz sicher, und wollen sich deshalb mit einer Avantgarde von Leuten»migcben, die mit dem Regime auf Tod und Leben verbunden sind, weil sie genau wiffen, daß ein Sturz dieses Regimes auch die Vernichtung der eigenen Existenz zur Folge hätte. I Nur kostet der Unterhalt einer solchen große» Prätorianergarde sehr viel Geld, und das können auch die autoritärsten Köpfe nicht hervorzaubern. Daher strecken die Herrschaften schon jetzt die Fühler aus, ob im Herbst in Genf bei den Wien, 24. August. Di« SicherhritSbehördn» untersuchen streng die Beziehungen deS Landbundes zu den Nationalsozialisten. Gestern wurde einer der führenden Abgeordneten deS Landbunde-, Karl Dewath, verhaftet und in Untersuchungshaft behalten. Redakteur P o g r z e» b a e-, ehemaliger Sekretär de- parlamentarischen Klub- des Landbund«-, wurde zu mehrstündigem Verhör zur Polizei vorgeladen. Da rin« Schuld nicht klar erwiesen wurde, mußte er wieder «ntlaffen werden. Rach der Rückkehr in seine Wohnung nahm jedoch Pogrzetarz G i f t rin und Noch eine fasdstische Iren-Armee London, 24. August. Die Hafenbehörden haben viele tausende von Lotterielosen aus dem Irischen Freistaat bei ihrem Eintreffen in den verschiedenen Städten Englands mit Beschlag belegt. Durch die Beträge der Lotterie sollen Geldmittel für die Errichtung einer Armee anfgebracht werden, die ein Gegenstück zu der anderen im Freistaat bestehenden„privaten Armee" der Blauhemden bilden soll. Kraft durch Mord Die nationalsozialistische„Feiertagsorganisation",„Kraft durch Freude", hat sich eine neue „segensreiche" Aufgabe gesetzt.. Sie richtet Kurse ein, in denen Frauen und Mädchen im Gebrauch von Handfeuerwaffen ausgebildet werden sollen. Die Kraft, die aus dieser mörderischen„Freude" kommt, wird von den nationalsozialistischen Machthabern schon lange„kultiviert", soweit man das Wort im Zusammenhang mit diesem Regime überhaupt anwenden kann. Noch nie aber sind die säuselnden Friedensreden des Herrn Hitler so erfrischend und eindeutig durch die Praxis illustriert worden, wie es in diesen Schießkursen der„Kraft durch Freude" geschehen ist. Es ist die Freude an der die Welt vernichtenden„Revanche", die hier ihre Kräfte für Mord und Zerstörung stählt! . und Frauen, die di« Wahrheit und, den Sozwli-mu- höh« stell«, al- ihr Lebet», die in Nacht und Nebel mich zu finden Ivußten, den Mann des„Arbeiderspers", die auch ihre Preffe ist. Daß ich diese Frauen und Männer, diese Deutschen,, die dafür sorgen, daß daS Wort „Deutsche" in der Welt nicht ganz und gar dem Abscheu verfällt, verlassen mußte, ist mir schmerzlich. Ich erkläre von dieser Stelle aus im Namen von Millionen Deutschen, die sich dagegen wehren, mit den Nazis auf eine Stufe gestellt zu werden: „Verachtet die Nazis— aber vergeßt nicht, daß im Dritten Reiche Millionen leben, die das mit noch mehr Recht und Leidenschaft tun als ihr! Deutschland wird aus dieser Raserei den Weg zur Zivilisation zurückfindenl" Mein Werk in Berlin ist unterbrochen. Die Möglicheit von dort zu wirken ist Mir genominen. Was man mir nicht nehmen kann, ist das Wiffen, mitgeholfen zu haben, den Haß gegen den FasciS- muS in die Herzen zu pflanzen. Diesen Haß und dieses Wiffen will ich ungebrochen weiter in den Dienst der Arbeiterbeivegung stellen— ohne daß ich mich fortab täglich durch allerlei Kunststücke freimachen muß von den schleichendcir Gestapobrüdern, die meine Wohnung bespitzelten und die in den CaföS von ncbcnanstehenden Tischen Bruchstücke meiner Gespräche aufzufangen suchten, um ihren Judaslohn zu verdienen. demokratischen Staaten, vor allem bei Frankreich, nicht wieder eine kleine Anleihe zu haben wäre. Daher kommen plötzlich in den letzten Tagen die versöhnlichen Worte deS Herrn Schuschnigg an die Linke und die Bemühungen, mit französischen Staatsmännern in Fühlung zu treten. Muffolini kann eben bei besten» Willen kein Geld hergeben, weil er selbst keins hat. Deshalb rückt man von ihm sogar etivaS ab. Hoffentlich werden die demokratischen Staaten im Herbst in Genf dem Herrn Schuschnigg nachdrücklich die kalte Schulter zeigen und ihm klarmachen, daß sie ihr Geld nicht dazu herzugeben gewillt find, damit sich die autoritären Herrschaften weiter mit Hilfe gemieteter Söldner gegen die überwiegende Mehrheit des Volkes an der Macht halten können! starb heute ftüh im Krankenhaus d« Barmherzigen Brüder. Der Landbundführer, ehemaliger Bizekanz- ler W i n k l e r, ist au- Furcht vor brr Untersuchung geflohen und hält sich angeblich in d« Tschechoslowakei auf. Schuschnigg eilt nach Hause Pari-, 24. August. Blättermeldungen zufolge hat der österreichische Bundeskanzler seinen Aufenthalt in Nizza an der französischen Riviera abgekürzt. Er verläßt heute Nizza. Während des gestrigen Tages hatte Dr. Schuschnigg keinerlei politische Beratungen. Relsmonopol In Japan? Tokio, 24. August. Die japanische Regierung beschloß, eine Kommission zu ernennen, die über die Stabilisierung des ReiSpreiseS verhandeln und prüfen wird, ob es opportun lväre, den Reisverkauf in ein staatliches Monopol zu verwandeln. Arbeitslosenunruhen In Polen Warschau, 24. August. In Dombrowa- Gornica kam eS zu stürmischen Arbeitslosenunruhen. Etwa 2000 Arbeitslose, welche von kommunistischen Agitatoren geführt wurden, belagerten das MagistratSgcbäude und forderten stürmisch die sofortige Auszahlung von Unterstützungsgeldern. Die Polizei ging gegen die Demonstranten, welche eine drohende Haltung gegen sie einnahmen, mit blanker Waffe vor. Zahlreiche Anführer der Unruhen wurden verhaftet. Die internationale parlainentarischr Wirt- fchastSkonfer«»'-'>d in Belgrad vom 16. bis 21. September si-"'n. Bisher haben Delegierte aus mehr als Staaten ihre Teilnahme zugesagt. Es befinden sich unter ihnen zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten aus den wirtschaftlichen und politischen Kreisen Großbritanniens, Frankreichs, der Tschechoslowakei, Japans, Italiens, Spaniens, Polens, Belgiens, Chiles, usw. Insgesamt werden estva 200 Delegierte anwesend" fd«. Deutschland und Polen rüsten für den Krieg Im Zusanunenhange mit der V-richärfung der russisch-japanischen Spannung ist eine Meldung des„Echo de Paris" interessant, nach-welcher eine soeben abgeschloffenc Wirtschaftülonven- tton Deutschland-Polen auch Klauseln für denKriegsfall enthält. Polen würde demnach Nahrungsmittel und Rohstoffe, Deutschland Jndustriematerial liefern. DaS Blatt hebt die Tragweite dieser Konvention hervor, die eine Verletzung des französisch-polnischen Bündnisses und der polnischen Verpflichtungen aus dem Völkerbundpakt bedeute. Sn Dokument der Volksversklavung Die„Volksabstimmung" vom 19. August ist bekanntlich nach den Verlautbarungen ihrer Manager bekanntlich„frei" und„unbeeinflußt" gewesen. Kein Terror, lein Druck, keine Wahlfälschung hat das Resultat dec elenden Komödie ir. gendloie korrigiert. So versichern uns die gleichgefallenen Gazetten und so versichert cs in den höchsten Fisteltönen der Hhsteric das Propaganda, Ministerium. Wer es trotzdem noch nicht glaubt, der gehe in sich, nachdem er den folgenden Armeebefehl der Ortsgruppe Reitzenhain der NSDAP an alle Einwohner von Reihenhain gelesen hat: „Einwohner von Reitzenhain I Heute abends um 8 Uhr spricht über alle Sender der Führer der deutsche»» Arbeitsfront, Vg. Dr. Ley. Jeder Volksgenosse ist verpflichtet^ diese Rede anzuhören. Auf nachstehenden Formu- lare»» hat jeder Volksgenosse(HaushaltungSvor- stand) anzugeben, bei welchen» Rundsunkbesitzer er sich die Rede angehört hat, sofern er nicht selbst Rundfunkbesitzer ist. Dieses Formular wird am Donnerstag wieder abgeholt und muß unterschrieben sein."• Heil Hitler! NSDAP, Ortsgruppe Reitzenhain. Rundfunksendung am 16. August 1984 ange hört bei:....■■ Name der Mietspartei:.... Unterschrift:...." Und da wage noch einer zu behaupten, die 38 Millionen„errechneter" Ja-Stimmen seien nicht enizig und allein der heiße»» Liebe zum „Führer" und der braunen Mörderpartei entsprossen! ein kür alle Mal... Karlsruhe» 24. August.(Jnpreß): Wie die Nazipreffe mitteilt, Ivurde»» aus dem Kouzenträ- tionslagcr 25 Gefangene" entlassen.„Nicht entlassen", heißt es in dein Bericht,„wurden einige Unbelehrbare, die sich seit der Umwälzung th Schutzhaft befinden, darunter zwei kommu- i» i st i s ch c Landtagsabgeordne'te; einer von diesen hatte vor einiger Zeit ein Flugblatt in englischer Sprache verfaßt, das sich in wüsten Beschimpfungen erging und das er." im Lager zu verbreiten suchte." Der Rcgievungsrat Bercknlüller drohte den zur Entlassung komme»»- den Häftlinge»»:„Die nationalsozialistische Be- wcgung... wird jede Wiedereinführung marxistischer Idee»» und Ziele im Kei»»»c ersticke»» und derartige volksfeindliche Elemente im Wiederholungsfall ein für alle Mal»öfter Aussicht stellen." Kisläu Deutsches Weltdumping FranciüWilliam enthüllt im„Daily Herald" die hitlerdeutschcn Drohungen eines Weltdumpings. Die Reichsrcgicrung hat den Produzenten erklärt, daß es ihre nationale Pflicht sei, selbst mit Verlust Ware»» ins Ausland zu verlausen. Für den Weigerungsfall droht der Ausschluß von öffentlichen Lieferungen und von der Arbeitsbeschaffung, sowie noch drastischer« Maßnahmen, wenn der deutsche Export nicht befriedigend gesteigert wird. Der Anlaß zu diesen Maßnahmen ist der Mangel an Rohstoffen und Futtermitteln, die in- solge der Devisennot kaum noch eingeführt werde» können. Vom Rohstoffmangel droht aber die Stillegung ganzer Industrien und eine gefährlich» Vergrößerung der Arbeitslosigkeit. Um nun den Export aufzutreiben, wird du Preisunterbietiing»egenüber dem Auslands bc, fohlen■ Ständige ncimwchr-niltsanncc? ZHm Sdiutz gegen die Mehrheit des Volkes Wien, 24. August. Aus einem ausgesuchten Teil der bisherigen Hilfskorps d« Heimwehren, der Sturmscharen der Ostmark und anderen bewaffneten Verbänden will di« österreichische Regierung eine ständige HilfSarmee errichten. Diese ihre Absicht hat die Regierung bereits in London und in Paris bekannt gegeben. Bisher wurden, wie bekannt, die Mitglieder der HilfskorpS nurimBedarföfalle rinberufn» und nach dem Eintret«» der normalen SichierheitsverhölMiffe wieder abgerüstet. Diese ausgesuchte Abteilung blieb« hingegen im permanenten Di«»ft. In Wie» wird eine Städtische Garde konstituiert, wie sie vor dein Kriege bereits bestanden hat, aber nach dem Krieg aufgelöst wurde. Die Garde ist als Hilfskorps für d«» Wachdienst der Wiener Polizei bestimmt» kau»» aber auch außerhalb Wiens verwendet werden. Weitere LandbundfUhrer in Haft Ex*Vizekanzler Winkler In die Tschechoslowakei gefluchtet? Seite 4 Nr. 198 Samslng, 25. August 199t HtMtt SIMM In MAU des FeuerS behilflich zu sein. Die Löscharbeiten der Feuerwehren sind durch den Wasserman- g e l beeinträchtigt. Das Wasser wird in langen Schlauchleitungen bis anS der Stadt zum Brand- platz geleitet. Rachod. Am Freitag früh halb 5 Uhr brach imSchlosse des Prtnze« Scha»m» burg-LiPpe ein Brand aus. Das Feuer nahm feinen AuSgang vom Kohlen- und lager, wo es fünf Waggons Kots, zwei WäggonS Kohle und einen grossen Holzvorrat erfasste. DaS brennende Material entwickelte derartige Rauchschwaden» dass es unmöglich war, zu dem trennenden Magazin vorzudringen. ES wurde sofort Alarm geläutet und in kurzer Zeit trafen Feuerwehren, die Gendarmerie und die Polizei am Brandplatze ein. Die Decke oberhalb des MagazinS, wo sich daS Archiv befindet, brach durch unddaS Feuer griffauf daS Archiv und den Spanische nSaalüber. Der Feuerwehr und der Bevölkerung gelang es, aus dem Archiv Schriften von grossem historischen Wert zu retten. Bei diesen RettungSarbeiten wurden durch die Rauchschwaden 25 P e r s o n e n o h n m ä ch- t i g und mussten inS hiesige Krankenhaus überführt werde». Fünf Aerzte, die sich auf der Brandstelle eingefunden hatten, leisteten den Ohnniächtigen die erste Hilfe. Die RettungSarbeiten leitete der Regiw rungSrat des Bezirksamtes in Rachod, Kukera, der auS Jaromkk eine 195 Man» zählende Miki- Holz. tärabteilNng anforderte, um bei der Bekämpfung TagcsnciilglKltcn Flugmanöver über Paris Paris, 21. August.„Le Tempo" teilt mit, dass die sranzösiskven Flugmanöver, an denen 12 Geschwader teilnehme» werden, in den Tagen vom 28. bis 31. August im Gebiete von Paris stattfinden werden. Diese Flugmanöver werden leine Hebungen in der passiven Flugabtvehr umfassen. Bei den Manöver» wird zum grasten Teile neues Flugmaterial Verwendung finden. Unwetter in Süddeutschland München. Donnerstag spät abends wütete auf dem Chiemsee ein heftiger Orta». Zahlreiche Boote, die von einen» Fest auf der Herreninsel zurückkehrten. kenterten. Soweit bisher feststeht, sind eine Frau und ein Ehepaar c r t r u n l e», doch befürchtet man. daß sich die Zahl der Opfer noch erhöhen ivird. Baden-Baden, lieber Baden-Baden, dem O o s t a l und dem Murgtal ging Donnerstag nachmittags ein heftiges Gewitter nieder, das stellenweise die ganze Obsternte vernichtete und auch anderweitig grohen Schaden anrichtete. In Lichtenlal schlug der Blitz in eine Hütte ein, in der vier Holzfäller vor dem Unwetter Zuflucht gesucht hatten. Einer von ihnen wurde getötet, ein zweiter gelähmt. Die beiden anderen wurden betäubt und kamen so mit dem blohen Schreck davon. Bern. Bei einem Orkan im Berner Iura wurde in einem-Dorfe ein junger Mann von de» Trümmern eines einstürzenden Daches erschlagen; zwei weitere Personen wurden verletzt. lieber die Sturmnacht auf dem Chiemsee wird iveiter mitgeteilt, dass der Orkan mit ungeheurer Schnelligkeit und Stärke einsehte, als sich etwa 50 Personen auf dem Wasser zwischen der Herreninsel und Stock befanden. Vierzehn Boote, die von der Herreninsel nach Stock fuhren, wur- den durch den Sturm endlich Ivieder nach der Insel zurückgetrieben. Ihre Fahrgäste kamen mit den» Schrecken davon. Die Leichen der drei Ertrunkenen tonnten noch nicht aufgefunden werden, olnoohl auch private Motorboote sich an der Tuche beteiligten. Weitere Personen werden nicht mehr vermistt. i Es hat sich herauSgestellt, dast die auf dem See herrenlos aufgefundenen Boote zum Teil TVdUcher GcheiukvmPf-Weier Flieger Rew Port. Zwei Chinesen, die in das Fliegerchor ihrer Heiinat aufgenommen zu werden wünschten» wollten ihre Flugkünste denk am Freitag mit dem Lloyddampfer„Bremen" eintrrffen» den chinesischeir General Tscheng-Wakwe» vorfüh- ren. Sie probten deshalb in 700 Meter Höhe über Brooklyn einen Scheinkampf, wobei sie sich schliess- lich so nahe kamen, dast e i n F l u g z e u g, v o m P r o p e l l er des anderen durchschnit- t e n, a b st ü r z t e und ein Hausdach durchschlug, während das ztveite mit beschädigtem Motor ein drei Kilometer entferntes Feld zu erreichen vermochte, sich dann aber überschlug. Der erste Flieger st a r b bald»ach deni Absturz, der ztveite erhielt einige Verletzungen. Er wird austerdem noch ein unangenehmes Nachspiel erleben, da Schaukämpfe von Zivilflugzeugen nur ausnahmsweise gestattet werden. Die Fälscherwerkstatt im tSefängni» London. In der Buchdruckerei des Gefängnisses von P o n t o n v i l l e wurde eine Fälscher« Werkstätte ausgedeckt, die sich mit der Herstellung von falsche» Zeugnissen, amtlichen Formularen usto. beschäftigte. Der Polizei waren bereits vor einem Jahre diese Falsifikate, darunter auch Amtszeugnisse, in die Hände gefallen. Die bei dieser Gelegenheit verhafteten Personen wurden abgeurteilt. Die Polizei glaubte, der Sache ein Ende gemacht zu haben. Zu ihren»»ich» geringen Erstaunen tauchten aber iinmer wieder-solche. Fälschungen auf. Schliesslich fand man heraus,.dast ein in solchen Dingen bewanderter Strafgefangener in Pentonville die falschen Formulare druckte und gegen Tabak und andere Vergiyisti- gnngen Wärtern überreichte, die ihrerseits einen schwunghaften Handel damit trieben. Der Strafgefangene wurde sofort in Einzelhaft gesteckt. Zwei Äcfängnisbeamte wurden vorläufig ihrer Poste»» enthoben. 1,761.065 Hinrichtungen gab es, der»Land- post" zufolge, ii» den Jahren 1917 bis 1923 in Sowjetrutzland. Woher die„Landpost" das weist? Sie weist es aus einen» Pariser Tele- grainii», das erzählt, der„Matin" habe diese Statistik des Grauens einen» in Paris erscheinenden Buche des Schriftstellers Essad Bey über die Geschichte der GPU. entnonnnen. Wirklich eirtc Statistik! Bei mancher Berufsgruppe wird bis auf den Kopf genau angegeben, lote vielen seiner Angehörigen er genommen- wurde:„25, Bischöfe, 1215 Geistliche, 6575 Angehörige deS Lehrstandes, 8800 Aerzte, 54.000 Offiziere, 260.000 Soldaten, 10.000 Polizisten, 48.000 Gendarmen, 19.850 Beamte, 344.250 geistige Arbeiter, 815.000 Bauern und 192.000 Arbeiter."— Eine Statistik, die nach übereinstiinmen- der Meinung des„Matin" und der„Landpost" jeden Komme>»tar überflüssig macht. Ueber- flüssig? Nein, besonders notwendig! Denn wenn man auch init einer Beurteilung des Buches Essad Beys tvarten»nutz, bis es vorliegt, so weist nian doch, daß Essad Bey nicht immer„hundertprozentig" sowjetfeindlich war und zum Beispiel in seinem Buch über Stalin den Nachfolger. Lenins keineslvcgs nur mit den Augen des Hasses gesehen hat. Doch auch wer Essad Bey nicht kennt und als biederer„Landpost"-Redakteur nicht nach den Ollellen einer Meldung, son- der» bloss nach ihrem antisozialistischen Gehalt fragt, könnte wissen, dast eine solche Statistik Unsinn und Schwindel sei»» must. Woher hat Essad Bey die genauen Zahlen? Die GPU hat keine solchen Statistikei» veröffentlicht. Woher soll dann ei» AlkSländer solches Wissen haben? Und ist weder Essad Bey, dem rechenkundigen Armenier, noch der„Landpost" der Gedanke aufge- taucht, dast, wie iinmer man über die GPU urteilen niag, und wir waren wahrhastig nie- malS tschekafreundlich und sind stei vor» jeder Voreii»ge>»ommenheit für sie, man doch an der phantastischen Höhe der Zahl— 1,761.065— ihre Erlogenheit erkennen kann? Weist man bei der„Landpost" nicht, dast 1917 das Jahr der Revolutioi» war, der langwierige Kriege mit ausländischen JnterventionStruppon und ein furchtbarer Bürgerkrieg folgten, dast in dieser Zeit wohl viele Zehntausende gefallen sind, auf beiden Seiten, dass aber»nährend dieser Zeit gewiss keine Statistik der Hinrichtungen geführt »vurdc? Während des Bürgerkrieges hat eS Grausamkeiten gegeben, auf beide»» Seiten. Aber »ver die Geschichte der russischen Revoltition und des Bürgerkrieges kennt, weist, dast die Grausamkeiten der Roten blass und unbedeutend waren gegenüber den Schreckenstatei» der „Weissen"— dass jeder Vorstoss und jeder Rück- zug der„Weissen" tiefe blutige Spuren zurück- liess. Sind die vielen Zehntausende, die von den „Weissen" erinordet wurden— das waren nicht die Ballern, die„Weissen" l das waren die Grossgrundbesitzer und ihre Soldtruppen— auch in dieser Statistik mit inbegrisfen? Wenn russische Bauern in jenen Jahren ermordet wurden, so vor allem von den Weissen! Denn die Bauern standen zur Revolution, die ihnen Boden gege- bei» ,hatte, gegen die Weissen, die ihnen das Land wieder nehmen wollten! Aber nicht-wahr, das von Weissen vergossene Bauernblut rührt das „Bauernblatt" nicht? Und warum plötzlich die Veröffentlichung ci»»er so offensichtlich erfundenen „Statistik" des Grauens? Nun, damit die Leser, wenn sie von mehr als anderthalb Millionen in Russland Ermordeter lesen, sich nicht über die lumpigen paar tausend aufregen, die in jüngster Zeit und in nächster Nähe, im geliebten Hitler- Lande, umssevracht wurden. Ein Autobus stürzt ins Morr. Ueber das Autobuöunglück bei St. Eugene in Algier werden jetzt Einzelheiten bekannt. Der Personenautobus war mit einem Privatwagen zusammengestossen, dessen beide Insasse» schwerverletzt wurden. Der Autobus kam durch den Zusammenstost ins Schleudern, durchschlug eine Brustwehr und stürzte aus 15 Meter Höhe ins Meer. Erst nach sechsstün- dichen Bergungsarbeiten konnten neun Fahrgäste als Leichen geborgen werden. Zwei Personen trugen leichtere Verletzungen davon. auch von» Ufer abgetrieben worden waren. Der Geivittersturin hat auch sonst schweren Schaden angerichtet. Leitungsmasten»vnrden umgcrissen, Licht- und Telephonleitungen zerstört und Obstgärten verwüstet. Die Fahrt in Le« Himmel Cosyns hält 30.000 Meter Höhe für erreichbar Raubüberfall auf ei««« BrteftrLser Ein unbekannter Täter überfiel Freitag um 11 llhr vorniittags auf dem Bischofsweg in der Katastralgemeinde Tkuhrov den Briefträger Wolf aus Gross-Aurim, der die Postbeförderung von Solnice in» Adlergebirge nach Aurin» besorgt. Der Räuber verletzte Wolf mit einen» Boxer im Gesicht und gab auf ihn zwei Schüsse ab,»vorauf er 15.000 Kö raubte. Der verletzte Briefträger liegt im Reichenauer Krankenhaus. Es besteht Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. Die Behörden sind dem Täter auf der Spur. ■ Waffereiubruch int Nohlenfchacht Kattmvitz. Auf der Schlesien-Grube ereignete sich an» Donnerstag ein umfangreicher Wassereinbruch. Bon der 200 Meter-Sohle drangen grosse Wassermengen ein und überschwemmten sämtliche Strecken, so dast die Förderung eingestellt werden und die Belegschaft die Arbeitsstellen verlassen musste. DaS Wasser steigt unaufhaltsam weiter. Die Bergleute konnten sich nur Uber die Wetterstrecke in Sicherheit bringen. Es sind alle Massnahmen getroffen worden, um ein Ersaufen der Grube zu verhindtrn. Brüssel.. Cosyns und Ban per El st haben weitere Einzelheiten über den Verlauf ihres Aufstieges in die Stratosphäre mitgeteilt. Den' stärkste»» Eindruck scheint auf sie die grosse Kälte, die sie in der Stratosphäre angetroffen haben, gemacht zu haben. Besonders unangenehm empfanden sie eS auch, dass sie sich während der vierzehnstiindigen Fahrt in der Gondel kann» bewegen konnten. Während der ganzen Zeil stellten sie wissenschaftliche Beobachtungen und Strahlen- »ncffungen an. Die Erde tvar ihren Blicken meist durch dichte Wolken verborgen. War einmal ein Durchblick möglich, so bot sich ihnen die Erde als eine farbenprächtige Landkarte dar, auf der sich alle Bodenunterbrechungen und die geographischen Verschiedenheiten deut, sich und scharf abhoben. Der Ballon flog mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 85 Kilometern,. was aber keinerlei Einfluss auf das physische Befinden der Insassen hatte. Die Gondel hielt ausgezeichnet das Gleichgewicht. Interessant ist auch,"wie sich in 16.000 Meter Höhe der Hi mmel dei» beiden Fliegern darbot. Die Färbung sei so sonderbar gewesen, dass man sie gar nicht genau definieren könne. Am ehesten könne ma»» noch von einem tiefen Biolcttblau sprechen. Die Sonne erschien ihnen als eine ganz Iveitze Scheibe. Als sie in 6000 Meter sich zum Abstieg anschickten, befanden sie sich noch in vollster Helligkeit,, während tief unten die Erde schon in Dunkelheit versank. Die beiden Männer haben während der gan- zen vierzehnstündigen Fahrt kam» Nahrung zu sich nehmen können, so sehr waren sie mit ihren Arbeüen beschäftigt. Unerklärlich ist das nahezu vollständige Versagt» der Funkverbindung. Für die Navigation waren die Flieger ausschliesslich auf die Bussole und die meteorslogischen Erkundigungen angetviesen, die sie vör dem Aufstiege eingezogen hatten. Cosyns erklärte, dass es seiner Ansicht nach möglich sei»», müsse, mit einem Ballon, der mit einem Spezialstoff ausgerüstet sei, Höhen b i S 80.000 Meter zu erreichen. Darüber hinaus werde mgn aber schwer kommen. Cosyns tvill nunmehr in etiva zweimonatlichen Studien die wissenschaftlichen Ergebnis« seines Fluges verarbeiten, Gangstermethoden im Hochgebirge Ei« zweites Todesopfer von der Dt.-Pölte»er Hütte. Die Erhebungen der Behörden wegen des UeberfallS auf die St.-Pöltener Hütte in den Hohe»» Tauern haben ergeben, dass die. beiden Burschen einen Massenmord im Stil der amerikanischen Gangster geplant hatten. Sie schossen nicht nur auf alle Gäste, dere»» sie iin Schutzhaus ansichtig wurden, sondern schossen auch nach den Gästen und den Bediensteten, die aus dem Hause flohen. Die Opfer des grauenvollen UeberfallS wurden bereits zu Tal gebracht. Äusser einigen mehr oder weniger leicht verletzten Personen sind vier als schwerverletzt zu bezeichnen, unter ihnen der Obmann der Sektion St.-Pölten des deutschen und österreichischen Alpenvereines Professor Karl Fürst am schwersten. Er ist inzwischen seinen Verletzungen im Spital in Schwarzach erlegen. Zwei verkohlte Leiche« Freitag nachmittags wurde auf einem ungeschützten Bahnübergang der Strecke Celle-Nienhagen ein von'Hannover kommender Kraftwagen vo»» einem Personenzug überfahren und-ettva 45 Meter weit mitgeschleift. Der Krafttvagei» ist verbrannt. Unter dei» Trüinmern wurden zwei verkohlte Leichen gefunden, deren Personalien bisher noch nicht festgestellt werden konnten. Reiche Pilzernte im Böhmerwald. Im Ossergebiete ist namentlich in der letzten Woche ein sehr reiches Schwämmevorkomnien zu verzeichnen. Einzelne„Pilzjäger" konnten bis 25 Kilogramm heimtragen. Der Preis ist dementsprechend auch gesunken. Das Kilogramm Stein- oder Herrenpilze kostet derzeit 4 KL, ja auch 3 KL. Die Schwämme sind fast durchwegs gesund und stehen an manchem Standplätze bis 50 Stück gedrängt. Fkugpostdieilst Moskau-Rew Bork. Nach Meldungen auö Moskau hat das Volkskommissariat für Verkehrswesen dein amerikanischen Flieger H u t s ch i n s on die Erlaubnis erteilt, einen Flugpostdienst Moskau—New Dort einzurichte». Der Luftposwerkehr auf dieser Strecke soll im September beginnen, so bald der genannte Flieger seine Probefahrten mit seiner neuen Maschine durchgefiihrt hat. Wieder schöneres Wetter. In der Westhälfte des Binnenlandes, wo es sich wesentlich abge- kühlt hat, nimmt die Bewölkung unter dem Einfluss höheren Druckes erneut ab. Die Druckstörung, welche Freitag früh noch über Mitteleuropa lag, zieht gegen die Ostscestaaten ab und übt nahezu keinen Einfluss mehr auf das Wetter in unseren Gegenden aus.— Wahrscheinliches Wetter von heute: In den westlichen und mittleren Teilen des Staates wieder verringerte Betoölkung, mässig»varm, in Böhmen tagsüber wieder etwas Ivärmer, Beruhigung. Im Karpathengebiet kälter. Im äussersten Osten ettvas unbeständig und strichlveisc Regenschauer oder Gewitter.— Wet- terauösichten für Sonntag: Im ganzen schön und wärmer, auch im Osten erneut Besserung. Vom Rundfunk Pwpfthlvwwerte» au» den Programme«, Sonntag: Prag, Sender L.: 6.80 Gymnastik, 9.15 Violinkonzert, 11 Konzert des Orchesters der Prager Sendestation, 18.45 Soziale Informationen, 17.45 Schallplatte», 17.55 Deutsche Sendung: llebertra- gung aus dem Kurtheater in Franzensbad, 19.05 Schallplatten: BrahmS: Ungarische Tänze, 22 Schallplatten. Sender S.: 14.80 Deutsche Sendung: Landwirtschaft, 14.45 Arbeitersendung: Dr. L. Spitzer: Helden des Alltags, 15.80 Frauenfunk. — Brünn: 9.15 Lieder von Schubert, 19.80 Aus dem Landestheater: Rossini: Der Barbier von Sevilla.— Preßburg: 17.55 Balalaika-Konzert.— Kascha«: 18.10 Lustige Musikanten, Reportage. Amy Molliso« wurde Berkehrvstiegeri« Die hervorragende englische Rekordfliegerin Amy Mollison-Johusou, die als erste Frau Maschinen des englischen Luftverkehrs führt. Sie versieht ihren Dienst auf der Strecke London— Paris. Mr. 198 SamStag, 25. August-1-034 Seite» Das deutsche Fallbeil Stettin. Der durch rechtskräftiges Urteil des Schwurgerichtes Stettin vom 13. März 1034 wegen Mordes in zwei Fällen zweimal zum Tode verurteilte Be r n h a r d Rothenburg ist Freitag früh 6 Uhr auf dem Hofe des Gerichtsgefängnisses in Stettin durch Enthauptung h i n g e r i ch t e t worden. Rothenburg hatte seine Mutter und seine Tante umö Leben gebracht. Der Stromboli l« Tätigkeit Rom. Auf der Insel Stromboli wurden zwei heftige Erdstöße verspürt. Der Vulkan ist in mächtige dunkle Rauchwolken gehüllt. Der ZirkuS Gleich hat in Brünn Pech gehabt. Dem Zirkus Gleich der vor ein paar Tagen die Stadt Brünn lvieder verlieh, ist es dort nicht gerade gut gegangen. Dies ist nicht zu verwundern, wenn man bedenkt, dah ein Unternehmen mit so großer Regie in eine Stadt kommt, die so schlver von der Wirtschaftskrise betroffen ist. Die ungenügenden Einnahmen des Zirkus in Brünn hatten zur Fokgc, dah die Zirkusverwaltung nicht einmal ihre Musiker bezahlen konnte und ihnen einen beträchtlichen Betrag schuldig bleiben mußte. Aber auch sonst hatte-der Zirkus Gleich i» Brünn kein Glück. Eines Tages riß sich ein wildes Pferd in einem der Ställe des Zirkus los und lief durch die Menagerie, wobei es eine Frau, die gerade den Tierpark besichtigte, umstieh und beträchtlich verletzte. Der Gatte der Verunglückten übergab die Angelegenheit einem Rechtsanwalt, der fiir seine Klientin eine angemessene Summe forderte. Der Zirkus konnte kein Geld geben und bot als vorläusiges Pfand einen— Elefanten an. Der Advokat wußte wahrscheinlich nicht, was seine Klientin mit einem Elefanten anfangen sollte, und erreichte daher im Exekutionöwege die Beschlagnahme von drei Traktoren. Ta der Zirkus diese aber dringend benötigte, wandte er sich an seine Versicherung in Mn a. Rhein, die sich schließlich bereit erklärte, bei der Nationalbank in Prag einen Betrag von 30.000 KL als Sicherstellung bis zur Erledigung des Prozesses zu erlegen. Dainit wurde der Fall vorläufig liquidiert und der Zirkus konnte die Reise mit dem Elefanten und den Traktoren fortsetzen.'. Reichonberger Mustermesse. Guter Einkäuferund Interessentenbesuch herrschte auch am sechsten Messetag. Im Messegeschäfte selbst zeigt sich Heuer eine fast regelinähige Verteilung auf die einzelnen Messetage. Im allgemeinen läßt sich feststellen» daß die Umsätze jene des Vorjahres übersteigen. Die Käufe sind in Anbetracht der Verhältnisse weniger umfangreich, doch befriedigt im besonderen die Zahl der getätigten Abschlüsse. Der Mcssc'-Erfolg tvird sich nach Nachbearbeitung der vielen Interessenten sicherlich vergrößern. Der Einkäuferbesuch aus dem Auslande hat sich weiter gebessert. Gestern lvaren Engländer, Franzosen, Reichsdeutsche, Amerikaner, sowie Besucher aus Oesterreich, Ungarn, Jugoslawien und Polen auf der Messe anzütreffe». Sehr gut frequentiert Ivar die Sonderausstellung„Der Kaufmann". Es beweist sich eindeutig, daß die Messeleitung durch diese Ausstellung einen ztveiten Erfolg erzielt hat, denn das Interesse aus allen Ge- schäftssreisen für die lehrreichen Details, welche theoretisch und praktisch aufgezeigt tverden, ist ein unvermindert großes. Mit gutem Erfolge wird auch die Ausstellung für„Erfindungen und Neuheiten" geschlossen werden können, welche ein reichhaltiges und vielseitiges Material an Neuanschaffungen aufweist. In den Koffer gesperrt und erstickt! Ein Einwohner deü Dorfes Moutier bei Naneh wollte seinen siebenjährigen Sohn wegen irgendeiner Kleinigkeit dadurch bestrafen, daß er ihn i» einen K offcr sperrte, in dem er die Nacht verbringen mußte. Als der Vater am Morgen den Koffer öffnete, fand er seinen Sohn erstickt vor. Der unmenschliche Vater ist verhaftet worden. Die Gedenktafel Das Geburtshaus Adalbert S t i f t e r s in O b e r p l a n, das vor einigen Wochen bis auf die Grundmauern niedergebrannt war, wird, in seiner ursprünglichen Form wieder ausgebaut. Es. ist schon wieder unter Dach. Man ist nun dabei, es im Innern wieder herzustellen. Bei diesem Anlaß wollen wir unsere Leser mit der unter obigem Titel erschienenen„kurzweiligen Geschichte" bekanntmachen, die neben anderen, ähnlichen in einer Sammlung„Waldler" von R u d o l f Kubitschek in dessen eigenem Verlag in Pilsen herausgegeben wurden. Zwei Leutlein aus den Hinteren Schneehäu- iern, cinWaldbaucrund die Seinige, sind in die Plan heruntergestiegen, wo heute der Margareten- Markt abgohalten wird. Da schlendern sie schon etliche Stunden in dem JahrmarktStrubcl auf dem Platz und in den anschließenden Gäßlein herum: er mit zwei Hüten auf dem Kopfe» den neuen über dem alten» und um den HalS und die-eine AchsÜ eine schtvere Ochsenkette; sie, hinter ihm hatschend» mit einem Euckelkorb, daraus allerhand Martteinkäufe für Haus und Stall hervorlugen. Ein Kumpan Dillingers erschossen. In St. Paul(Minnosotia) wurde ein gewisser Homer Banmetur, ein Mitglied der Dillinger-Bande, von I der Polizei erschossen. Auf die Halt-Rufe der > Polizei antwortete Vanmetur mit zwei Revolverschüssen. Er fiel aber sofort im Feuer der Polizei. Segensreiche Verspätung. In Dudln in England wurde» am Donnerstag 40 in einem Warenhaus angestellte Verkäuferinnen durch einen Zufall vorm Tode oder doch wenigstens vor schweren Verletzungen bewahrt. Die Geschäftsführerin hatte sich verspätet, während die Mädchen vor der verschlossenen Tür warteten. AIS die Mädchen noch vor der Tür standen, stürzte plötzlich daS ganze Gebäude in sich zusammen, und zwar nach der«eite, au der AusschachtungSarbei- teu für den Ausbau des Warenhauses im Gauge waren. Die 80 dort beschäftigten Arbeiter hatten gerade ihre Frühstückspause uud sind dadurch dem Tode entronnen. Infolgedessen wurde niemand verletzt. Die täglichen Banküberfälle. In den Vereinigten Staaten haben sich zwei neue verwegene Raubüberfälle ereignet. In der Stadt Butler im Staate Pennsylvania hielten drei bewaffnete Banditen ein Post-Lastauto an und raubten daraus 50.000 Dollars, worauf sie die Flucht ergriffen. In der Stadt Roma im Staate Georgia hielten zwei bewaffnete Räuber das Auto einer Bank an und raubten daraus 0000 Dollar. Banmveteranen in Bkähren. Mähren besitzt einige besonders alte Bäume. Einer der ältesten Bäume ist die„Knödeleiche" im H o j a w a l d e bei GruSbach. Nock; älter, und zwar derälteste Baum Mährens, sogar deseuropäischen Festlandes, ist eine Linde in einem Gutspark in B i s e n z, an der Strecke Brün»—Vlara- paß. Ein alter Gedenkstein besagt, daß die Bi- senzer Linde laut lirkuudeu im Jahre 1004 bereits älter als 500 Jahre war. Die weit auöra- gendeu Aeste, unter denen ein Kavallerieregiment mit Pferden Platz findet, sind durch Gerüste gestützt. Der Durchmesser des hohlen Stammes, fn dem zehn Personen stehen können, ist ungefähr acht Meter, llnweit dieser Linde steht im Park eine zweite Linde, die sog. kleine Linde, deren Alter auf ungefähr 500 Jahre geschäht wird Diese Linde steht auf einem uralten Weinkeller, ist aber dem Untergänge nahe. Ein erotisches Bolk in Polen. In Lemberg traf eine italienisch-schweizerische wissenschaftliche Expedition ein, die anthropologische und demografische Studien ckn dem interessanten Volke der K a r a i m e r, auch Käraiten genannt, unternehmen will. Es handelt sich um Nachkommen der alten Juden, die sich zwar zur niosaischen Religion bekennen, jedoch in deren ältester Form, ZL noch gröBer. Jeder Osram- frfl-lampe wird die lichtleistung Stromverbrauch in Walt attestiert. Verlangen Sie immer Osram-Q-lampenl Sine wirkliche SMWmpe ist die neue OsranvB-Lampe Diese neue lampenreihe tür allgemeine Beleuchlungszwecke enthält Typen, die bl» 20*/. höher» Llchteuebeute haben oh die bisherigen Osram lampen. Gegenüber schwachbrennenden, minderwertigen Glühlampen ist der Lichtausbeute-Gewinn in Dekolumen—(Mm— und der ohne Talmud und die Rabbiner-Tradition. Die Karaimer sind feit dein Mittelalter in Polen und in der Krim ansässig. Ihre Zahl hat im Laufe der Jahrhunderte inimer mehr abgenonnncu und beträgt heute nur noch etwa 5000 Personen. Als mosaische Sekte tauchten die Karaimer im 8. nachchristlichen Jahrhundert in Babylon auf.— Die Expedition besteht aus dem Direktor des Statistischen Institutes in Rom. Conrad Gili und seinen zwei Mitarbeitern, sowie mW dem Genfer ttnivcrsitätsprofcssor Hefch. Eine Reihe polnischer Anthropologen und Etnbgraphcn der Universität Lodz werden an den Forschungsarbeiten teilnehmen. Fünf Jahre Hopfen-Welternte Die Hopfenernte ist im Gange. Nach den neuesten Schätzungen wird der Ernteertrag der tontinentalcuropäischen Länder 1034 mit etwa 80.000 Zollzentner hinter der Ernte von 1983 znrückbleibcn. Er wird für 1034 auf 320.000 Zollzcntncr geschäht. Im letzten Jahrfünft vor dem Kriege betrug der Iahrcscrtrag einer Welternte etwa 800.000 Zollzcntner, während für die Nachkriegszeit der Durchschnitt der jährlichen Hopfenernte der Welt mit 500.000 bis 700.000 Das Ungeheuer von Loch Retz — ist ein Luftschiff-Wrack! Das Rätsel von Loch Ncß, über das sich seit Monaten die ganze Welt ihre Köpfe zerbricht, hat eine überraschende Lösung gefunden: cü ist kein gigantisches Lebewesen, was da so geheimnisvoll auftaüchtc und lvieder verschwand und lvieder auftauchte— es ist das Wrack eines deutschen Marine-Luftschiffes, das bei einem Angriff auf England entweder avgeschosscn worden oder sonstwie zugrunde gegangen ist. Und ungeheuerlich, unheimlich daran ist nur die Vorstellung, daß dieses über dem Secgrund schwankende Wrack tvahrschcinlich das gespenstische Grabmal für Menschen ist, die mit ihm untergegangcn siudl Vom englischen Marincmnt war schon vor Wochen in aller Stille eine Kmnmission unter i Führung des Majors WhileS auSgesandt worden, I die der geheimnisvollen Erscheinung nachforschcn , sollte. Sie stellte in genauen Beobachtungen fest, daß das„Ungeheuer" inimer nur zwischen ztvei bestimmten Punkten erschien, daß es niemals - gegen den Strom schivamm, daß es alle» Wellcn- ! bewcgungen folgte und nur abends und bei ruhigem Wetter auftauchte. Schließlich wurden englische Marinctauchcr nach Loch Ncß beordert, die Alle Augenblicke fragt sie ihren Alten, neugierig, wie die Weiber schon sind, besonders wenn sie einmal in der Zeit aus dem bretterverschlagenen und fuchsverlorenen Wald herauskommen. Der Mann, der am allerliebsten schon beim Bier hocken tät, gibt ihr immer zur Antwort, was ihm grad in den Sinn konimt. Bor dem Hause am„Anschpan", in dem der größte Planer zur Welt gekommen, bleibt sie stehen. Die dankbaren Marktbürger haben hier nämlich eine weiße Marmortascl anbrinyen lassen, auf der— von grünendem Blattwerk umrankt —- in goldenen Buchstaben zu lesen steht: Adalbert St ist ers Geburtshaus. Die Waldbäuerin möchte nun von dem Ihrigen auch noch gern wissen, was diese schöne Tafel für eine Bedeutung habe: „Alter,— hiazt, was is denn da i den Häusl?" Unser lieber Waldbau»,>mit seinen Gedanken schon ganz beim Grünweber-Wirt, schaut auf die Tafel kaum hin-und brummt seine Nie qn: „Gib dennast scho mt Fried, Wei;— sie wird halt— a Hebammin drin san in Quartier l" dem Geheimnis buchstäblich auf den Grund gingen. Das Ergeb«,US wird nun mit amtlicher Gegenzeichnung st« der Airfarce Gazette of Croydon veröffentlicht: „Ich sah ein langgestrecktes Gebilde, daS sich in der Wellenbewegung des Wassers langsam hin- und herschieben ließ. DaS Gebilde«var ans Stoff. An der eigenartigen Spitze erkannte ich schließlich, daß es sich um die Ucberreste eines Luftschiffs handeln mußte. Jetzt schwamm das Gebilde drei Meter unter dem Wasserspiegel. Anscheinend war noch eine der Gaskammern gefüllt." Der zweite Taucher, der seit 20 Jahren bei der Marine dient, konnte das Modell identifizieren. Es handelt sich um einen Typ I! der Parseval-Brandtl-Luftschiffe, die von der deutschen Marine im Kriege als Marine- Luftschiffe verwandt wurden. „Die Gondel hatte in einem Gestänge gehangen und war abgeglitten. Sie lag jetzt wie ein Anter auf dein Grund. Um diesen„Anker" herum, von dem aus ein Drahtseil zu der Hülle führte, kreiste das Wrack offenbar. Ich habe die Gondel zu durchsuchen mich bemüht— aber das Wasser hatte zu viel zerstört. Ich glaube aber, an einem Teil der Hülle ein Zeichen„MP 3" ermittelt zu haben. Aber es kann auch»MP 5" heißen." Das wäre die Lösung des Rätsels: ei» Wrack aus den Kriegsjahren hat der Welt einen Giganten vorgetäuscht. Und die Welt, wundergläubig wie sie ist, hatte daS„Ungeheuer von Loch Neß" schon fest in ihre BorstellungSwelt übernommen. Sie bildete es nach in Holz und Seife, in Stoff wid Schokolade, als NippcSfigur und Scherzartikel, als Kinderspielzeug und Gummi-Schwimmfigur. Und es gab sogar Professoren, die es ins zoologische System wissenschaftlich cinzuordnen wußten. Es sst ein bißchen ein Syinbol: das„Ungeheuer von Loch Neß" ist nicht das einzige Kriegsüberbleibsel, das der Welt als Gigant erscheint und doch nur hohler Spuk ist, der um einen verborgenen Anker pendelt. Und auch in solch anderem Falle finden sich Professoren, die den Zauber„wissenschaftlich" stützen. Und auch da tut der Wunderglaube das seinige. Ejn wesentlicher Unterschied besteht allerdings: in solch anderem Falle kann ein Spuk wirklich als Ungeheuer tätig werde»! Zollzcntner angegeben wird. In den bedeutendsten Hopfcnländern betrug die Ernte: 1034 1083 > 1932 1931 1930 »..(Schätzung) in tausend Zollze« «tncr Tschechoslowakei.110 124 74 123- 147 Deutschland.. 110 106 4» 77 110 Großbritannien u. Nordirland..? 95 88 129 Frankreich.. 36 33 9 5 26 Jugossawien 7. 22 32 8 15 17 Belgien... 18 16 6 5 13 Zu den Ländern, die noch einen ins Gewicht fallenden Hopfenbau pflegen, gehört außerdem Polen, dessen Ernte im vorigen Jahre 33..>00 Zollzcntncr betrug, und dessen Ertrag für dieses Jahr auf 28.000 Zollzcntncr geschätzt wird. Außerdem sind die Vereinigten Staaten von Nordamerika ein bedeutendes Hopfenbauland, das mit seiner Ernte in den letzten Jahren wiederholt alle europäischen Hopfenländer überholt hat. Ueberstunden im Juli 1934 Nach den vorläufigen Daten des Statistischen Staatsamtcs wurden im Juli 49(im Juli vorigen Jahres 58) Bewilligungen an 48(114) Betriebe mit 14.974(9729) Arbeitnehmern erteilt, von denen sich,3000(2109) an dc^. bewilligten Ucberstundcnarbcit beteiligten. Diese Ueberstundenarbeit wurde für die Zeit von 149 (232) Woche n in der Gesamtdaucr von 113.810(94.338) Stunden, d. s. 14.105 (11.792) Arbeitstage bewilligt. Von der Gesamtzahl der im März bewilligten Stunden wurden im gleichen Monate 55.841 Stunden verwendet, der Rest von 57.475 entfällt auf die folgenden Monate. Von der Gesamtzahl der erteilten Bewilligungen entfallen ans das Geldwesen 55 Prozent, von den übrigen Klassen erreichen die Textilindustrie mit 20 Prozent, die Metallycrar- beitung und die Erzeugung von Maschinen mit je 10 Prozent die meisten Bewilligungen. „Mumen-Zauberdung", das Blütenwrmder Blumen an allen Fenstern! Welche Freude für den Besitzer wie für den Beschaueri Wenn Sie Ihre grünen Lieblinge kräftigen und zu reichem Blühen bringen wollen, verwenden Sie„Blumen-Zauber- dung", ein erprobtes, billiges Düngemittel, ein wahrer Wundertrank für Ihre Blumen. Jetzt müssen Sie mit dem Dunggutz beginnen! Bestellen Sie sofort ein Paket bei der nachstehend angegebenen- Adresse und legen Sie den Betrag von Kt 5;60 in Briefmarken bei. Alle Bestellungen richten Sie an die Verwaltung„Die Unzufriedene", Prag XU., Fochova tr. 62. „Sozialdemokra. SamSta», 25. August 1034. Nr. 198 Stift Ä möglich gemacht. Diese kleine Fabrik wurde in der Schweiz, in Genf, errichtet. Die dort erzielten Be- triebsergebnissc zeigten, daß man nnn auch an die Errichtung einer Grohanlage denken könne. In diesem Augenblick gelang cs BerginS durch die Erfolge seines Verfahrens der Kohlen- verfliissigung auch größere Gelder flüssig zu machen. Er holte die Holzzuckerfabrikation nach Deutschland in- das Werk Mannheim-Rheinau zurück. Am August des Jahres 1932 wurde mit dem Bau einer Großanlage begonnen, die einer Jahresproduktion von sechs- bis achttausend Tonnen geivachsen sein sollte. Diese Anlage, die so gebaut wurde, daß sie ohne Schwierigkeiten erweitert werden kann, ist inzwischen in Betrieb genommen worden. Englische Kxeise scheinen sich neuerdings wieder für diese Art der Zuckerfabrikation zu interessieren.„Sunday Expreß" erzählt, daß der englische Gelehrte Ormandy mit Professor Bergins in Mannheim-Rheinau an der Vervollkommnung des Verfahrens arbeite. Wenn allerdings „Sunday Expreß" von diesen Versuchen wie über eine neue Erfindung spricht und dabei betont, daß sie streng geheim gehalten werden, so ist das Kriegsberichterstattung. Daß die deutsche Regierung diese Fabrikation subventioniert, ist bekannt und bei ihrer Einstellung zur Autarkie selbstverständlich. Verständlich auch ohne die pikante Tatsache» daß man aus Zucker Glycerin, aus Glycerin Nitroglycerin und aus Nitroglycerin Sprenggelatine und andere Dinge herstellt. Deutschland will autark werden, vor allem unabhängig im Treibstoff. Zwanzig Millionen Tonnen Holzabfall gibt es jährlich in Deutschland. Daraus können bei Großproduktion sechs Millionen Tonnen hochwertige Heizbriketts, achthunderttausend■ Tonnen Essigsäure und dreizehn Millionen Tonnen Holzzucker gemacht werden. Hat das nichts mit Treibstoff zu tun? Vielleicht doch..Seit längerer Zeit macht man Versuche, Zucker-als Treibstoff für Explosionsmotor« zu verwenden. Man weiß, daß feiner Zuckerstaub explosiv ist und auch ohne Rückstände verbrennt. Zucker in den Verbrennungsraum zu blasen, sührte aber nicht zu brauchbaren Ergebnissen. Neuerdings ist man dadurch zu Erfolgen gelangt, daß man Zucker in Alkohol löst und die Lösung dann'nitriert. Wenn diese-Mischung dann durch den- Zerstäuber als feiner Nebel in den Motor» «zylinder strömt, erhält man ein explosives brauchbares Gemisch. Kurt Doderer. VftAOER ZEITUNG ? g»ti Schritt vom Film-Wege. ' Wer in diesen Tagen, eingeengt durch hohe Stächeldr'ahtzäune, die Welt des Scheins von Bar- randov umstreicht, sieht den Beginn der Saison und zugleich hinter die Kulissen aller Illusionen. Wie isöiedlich und idyllisch liegt da zum Beispiel ein slo- wäkisches-Bauerndorf, strohbedcckte Hänschen erzählen von' ländlicher. Abgeschiedenheit und Primitivität, sog«'eine kleine Kapelle beginnt sich aufzurichtcn, da dcrMcnsch angeblich auch des geistlichen Zuspruchs hedärf.-.geht man jedoch drei Schritte weiter, so sicht plan, daß alles nur Papier, Wasserfarbe, Kleister Und lose Holzlatte ist. ''Zur.Lücken.steht man ein ganzes Stapcllagcr für alle eventuell vorkommendcn Fälle. Ohne viel Pietät,.doch mit viel.Zweckmäßigkeit aufgcbaut. Neben Requisiten des religiösen Ritus pausbackige Eu- aclchen. aus dem Milieu kleinbürgerlichen Prachtkitschs direkt aus Großnnitterchcns Vitrine, hier steht ein.Kerzenleuchter, echte Imitation aus vergangenen Jahrhunderten, dort liegen die Reste eines mo- derben, prächtigen Lotterbettes aiis den intimen Bezirken der sogenannten»großen Welt"! - Mitten in der Landschaft steht«in Denkmal, ein biblisches Sujet darstellend, jenes berühmte Knäblcin aui- der Bibel, kurz vor der nicht stattgefundenc» Opferung. Aber ach, der Mann mit der grimmig erhobenen Hand'würde auch dann nicht zustcchen, wenn der Engst ihm nicht Halt gebieten würde. Sein Schwert ist- von Pappe und von der rauhen Witterung, bsreit« so angegriffen,. daß es leise im Spät- somMerwind zü schaukeln beginnt. ''' Aber das ist nicht alles I Dkan baut in lustigem Eifer»'.Weekend-Häuschen an der Peripherie, einladend«,^blitzsaubere Häuschen, die sogar richtige Bor- gärtsn besitzen. Wenn du die Tür aufreißt, siehst du auf.«men stattlichen. Mühlhausen und auf zwei Arbeiter,.die. rechts auf einem Stein sitzen und ihr Vesperbrot.verzehren.. ..Die.Welt des Films entsteht. Daß sie dünn ist, sehr dünn, wntzten wir ja schon. Aber sie ist noch dünner»,.'als. eS sich. der Laie gemeiniglich. vorzustellcn pflegt..Genau so dünn-, wie«in Stückchen Pappe. Wewi. man unsasr genug ist, auch einmal auf der Rückseits nachzuschen. Pierre. W'ymmvsaal »Ich beiß' dir die Rase ab!" Ein Dreißigjähriger und seine Fünfzigjährige. - Prag, 21. August. Der 30jährige Zinnner- maler: Bohumil Mans f e l d war vor dem Senat K'xVH-t-u.f-e-k des Verbrechens der gefährlichen Dr.ohung angeklagt. Als Hauptzeugin ttät^die. bOjährige Magda L. auf. die ungeachtet des Astlfrsunterskviedes. durch längere Zeit die Freundin heS Angeklagten gewesen war. Diese Freundschaft Verljef nicht ungetrübt. Magda L. ist eine geschie- pene Frau und bezieht von ihrem früheren Gatten 400 H'Alimtnte moimtlich. Sie weigerte sich des- haw,.mit dicht Angeklagten eine regelrechte Lebens« gemeinschaft einzpgehen, weil sie für diesen Fall den Verlust ihrer Rente befürchtete. .Obwohl die-Fünfzigjährige keine Schönheit ist, sctzte.'ihr der junge Liebhaber aufs hitzigste zu, mit Wn, zusammeuzUlebem Sein Verdienst war aber Älzu. gering,. um zwei Personen zu erhalten und so lehnt«, di«, praktisch denkende Frau standhaft ab. Ihr Freund. machte ihr..die heftigsten Szenen, bedrohte st«; Mündlich und schriftlich mit. allem erdenklichen Wen, so daß sie schließlich keinen ruhigen Tag mehr Hatje uyd nach Vinor flüchtete, wo sie bei ihrem SchMger, einem Gendar meriewachtm eist er, Ouartier nahm. Aber selbst dort wurde sie unaufhörlich durch Drohbriefe und persönliche Besuche der Angeklagten belästigt und geängstigt, der äuf jede Artete Wiederaufnahme der abgebrochenen Beziehungen erzwingen, wollte. Besonders erschreckt wurde die Magda L. durch die mehrfach ausge- stoßene Drohung der Angeklagten, erwerdeihr di« Nase ab beißen, um sie zeitlebens zu e'nistellen. Schließlich erstattete sie die Anzeige und. Bohumil Mansfeld wurde in Haft ge- nommen. Run ist diese Drohung mit dem Abbeißen der Rast kn diesem Fall doch etwas ernster zu nehmen, aft solche Redensarten im allgemeinen genomnien werden. Magda L. trägt auf ihrer Nase eine sehr sichtbare Narbe, die von einem grimmigen Biß herrührt, den ihr der hitzige Liebhaber schon vor einem A«» Holz mache gucker Treibstoff Jahr tatsächlich im Lauf'einer Auseinandersetzung beigebracht hatte. Dazu kommt, daß Mansfeld verschiedene Vorstrafen hat— zum guten Teil wegen Gewalttätigkeitsdelikten. U. a. hat er bereits wegen gefährlicher Drohung vier Monate Kerker verbüßt und eine Arreststrafe tvegen leichter Körperverletzung. Bei der heutigen Verhandlung weinte und sam- inert« der Angeklagte uitd erklärte, seine Drohun gen seien nicht so ernst gemeint gewesen. Es kanr zu temperamentvollen Kontroversen zwischen deut ungleichen Paar, tvobei übrigens der junge Mann die um 20 Jahre ältere Fran konsequent mit „M adel" titulierte. Mit Rücksicht auf die gewalttätige Natur des Angeklagten und seine verschiedenen Vorstrafen legte das Gericht den Drohungen Bedeutung bei und verurteilte Bohumil Mansfeld zn sechs Mona t e n schweren und v« r s ch ä r f t e n K e r k e r S. rb. Kunst und Wissen „Zeitgenossen" nennt FranzBlei eine Artikelserie, die er in der illustrierten Beilage der„Prager Presse" veröffentlicht. Im XVI l. Artikel dieser Serie, in der„Welt am Sonntag" vom 10. August 1034 publiziert, be« handelt Franz Blei den Zeichner Olaf Gul- b r a n s s o n. Am Schluß des Aussatzes heißt es: „Dieser starke und sensible Gulbransson lacht als Karikaturist das Armselige und Verkrüppelte bloß an, mit einem Ileinen Almosen und Mitleid, aber auch mit Ekel vor so viel Erbärmlichkeit und läßt cs lausen. Als belächelten Lauf der Welt, die nicht seine ist." Dies schreibt der Zeitgenosse Franz Blei über den vielfachen Renegaten Olaf Gulbransson. Olaf Gulbransson, der große Künstler, hat sich zweimal angesichts der Weltgeschichte lumpenhaft benommen. Das erste Mal, als er im Jahre 1014 umfiel(mit ihm die gesamte Redaktion des„SiinplicissimuS".) und alldeutscher Annexionshctzer tvnrdc. Das zweite und tvcitaus schwerer wiegende Mal, lvar cs anno Hitler. Beide Male fiel er von einem Tag zum anderen.ins extreme Gegenteil seiner bisherigen.„Gesinnung". Vor dem August 191f einer der glühendsten Verächter alles Wilhelminischen, wurde er in einem Tag zum Alldeutschen comme il saut. In der Weimarer Republik gab es keinen Satiriker des Stifts, der allwöchentlich die Nazis so durch Lächerlichkeit, mit der er sie übergoß, tötete wie Olaf Gulbransson! Kein deutscher Zeichner tvar bei den Hitler. Goebbels und Goering auch nur annähernd so verhaßt wie Olaf Gulbransson, Villen» und Autobcsitzer bei Tegernsee. Doch die„Gcsiunung" saß so fest, wie anno 14. Vier Wochen nach dem Machtantritt der über zehn Jahre verhaßten, verspotteten, dem Gelächter der Welt preis« gcgebcncn Nazis, hat Herr Professor Gulbransson— vom zweiten Reich dazu gemacht— seinen lukrati, vcn Frieden mit ihnen geschlossen. Olaf Gulbransson zeichnet nunmehr gegen alles, was ihm im Weiniarer Reich moralische und reichliche materielle Existenzgrundlage war. Olaf Gulbransson verherrlicht all« lvöchentlich in dem hierzulande mit Recht verbotenen „SimplicissimuS" Adolf Hitler und die ganze Pest seiner Konzentrationölagerkultur. Olaf Gulbransson hat sich vollständig freiwillig gleichgeschaltet; niemand hätte es leichter gehabt als er, in Frankreich, in England, in Amerika Geld zu- verdienen, so viel er nur immer wollte. Er unterlag Icincni Zwang- Außer dem seines verlumpten Charakters. Was zum Ucber« drutz wieder einmal betveist, daß man sehr tvohl ein großer Künstler und Lump in einem sein kann. Aber der Zeitgenosse Franz Blei, der natürlich von alldem keine blasse Ahnung hat, spricht von dem Ekel(!), der den Zeitgenossen Olaf Gulbransson vor allem Erbärmlichen in die Welt packe, ohne daß ihn bei Niederschrift dieses Satzes der Ekel vor so viel Heuchelei packt. „Zeitgenossen" unter sich! Julius Epstein. Mitteilungen aus dem Publikum. Zur Wiederbelebung der von der Arbeit ermatteten Nerven, zur Beseitigung der MuSfelgifte, die den Blutkreislauf hemmen, erweisen sich Einreibungen mit Menthol-Franzbranntwein Alpa als ganz wunderbar. 100 DerGcdanke, aus Holz Zucker zu macheil, hat'feinen hundertsten Geburtstag bereits hinter stA Aber gerade, bei diesem Problem tvar der oft so leichte.Sprung von der Theorie in die Praxis langf nicht auszusühren. Wohl gelang es immer wiepe'r, aus. Holzspänen Zucker zu zaubern, aber M«ner. wirklichen Fabrikation reichte es bei kei- ner, Arbeitsiveisc. Die praktische Zuckerausbeute tyqr^'hei allen den in den letzten Jahrzehnten patentierten.Verfahren, noch nicht ein Drittel der Mvretifch möglichen Wege. Erst' dem Chemiker Dr. Bergins gelang schrittweise die.Lösung des Problems. Während chqst ,vor ihm Mit heißen und verdünnten Säuren arbeitete, verwendete Bergius Salzsäure in einer Konzentration von vierzig Prozent. ' Bereits im Kriegsjahr 1918 waren die Bor- arbeiten- für ein halbtechnisches Verfahren im Berk-Mannhtim-Rheinau beendet. Aber die Er- richtimg eines Kriegsbetriebes scheiterte damals etri Kec kurzsichtigen Sturheit von Amtsstellen. /"-"..Erst nach dem Kriege wurde die Errichtung «Mkrsgroßen Versuchsanlage mit englischem Geld Ans der Partei Sozialistische tunend, Kreis Prag Wir treffen uns niorgen, Sonntag, zur Wan« derung um 8 Uhr, an der Endstelle der 14er in KaLerov. Badesachen nicht vergessen! Verelnsnadulditen Partei-Ordner. Sonntag, den 26. August, Wanderung. Treffpmckt 8 Uhr. Endstation der 17er oder 21er in Hodkoviiky. PRAG lieblicher Badeausflug. Am Sonntag, den 26. August, treffen wir uns wieder um 8 Uhr an der Endstation der Linie 14 in Kakerov. Von dort Wanderung nach Kun« r a t i c e. zu unserem schönen Badcplatz. Kokin, Sedler und Kuttenberg besucht der Allgemeine Angestelltenverband Prag mit Autocar am Sonntag, den 2. September. Fahrpreis 30 XL. Anmeldungen bis Montag, den 27. August, täglich nachmittags in der Gec oder in der Kan.-'lei Narodni tk. 4. 8. Stock. Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 20. August: Um halb 8 Uhr vor dem Bysoianer Bahnhof. Fahrt nach Mk- sic«. Wanderung zur Elbe. Bei warmem Wetter Baden in der Elbe. Wol- leyvau.piel. Bei kühlem Wetter Wanderung Elbe- Kosteletz. Brandeis und Altbunzlau. Fahrpreis zirka 7 Kä. Führer: Schal.— UrlaubSberatr. n- gen, Informationen und Anmeldungen jeden Freitag von 6 bis halb 8 Uhr in der Geschäftsstelle in Prag II., Narodni tk. 4, 2. Stock, Telephon 48869. Sjwrt• Spiel• Kürperpflege 20 Jahre„Gleichheit" Weieiirchliz Einer unserer ältesten Arbeiter-Fußballvereine feiert in diesen Tagen seinen 20jährigen Bestand. „Gleichhe.it" Weiskirchlitz, ein Pionier unserer Sportbewegung, entstand im Jahre 1014; das erste Kreisturnfest in Teplitz-Schönau gab den Anstoß. Auch unsere jungen Arbeiter wollten Fußball spielen und Heinrich Müller war ihr erster Schiedsrichte r. Mit den Regeln stand der „Heiner" zwar auf Kriegsfuß, aber so wie er heute die Geschicke des Ätuö-VerbandeS sicher leitet, gelang eS doch. Außer K r o ch w i tz gab es keine weiteren Arbeitervereine, mit denen Spiele absolviert werden konnten und daher mußten solche auch mit Andersdenkenden ausgctragcn werden. Der Krieg schuf eine unliebsame Unterbrechung, aber schon 1910 ging es wieder vorwärts. Genosse Adalbert Werner, der damalige Gemeindevorsteher von Wciskirchlitz, sorgte fiir eine» Sportplatz und opfertvillige Genossen steuerten 35.000 Kö für seine Herrichtung bei. So entwickelte sich die„Gleichheit", welche auch oft den BundeS- Meistertitel errang. Die WeiSkirchlitzer haben in den 2 0 Jahren 1033 Spiele ausgctragcn, von denen gewannen sie 572, verloren 160 und 85 endeten unentschieden. DaS Torverhältnis ist 8832:1509 für Wciskirchlitz. ES wurde ausgerechnet, daß ein Spieler,64 Tage und 18 ih Stunden„tätig" war. Alle Spieler zusannno» waren in diesen 20 Jahren ein Jahr, 345 Tage und 4% Stunden mit ihrem Fußball beschäftigt. 97 ausländische Städte tvurden' besucht und zu Hause waren 48 Auslandsmannschaften zu Gast. 10.715 Kilometer wurden allein, in Deutschland zurückgelcgt. Viele Pokale, Wimpel und sonstige Erinnerungszeichen legen Zeugnis davon ab. Alles ost heute nur noch Erinnerung, denn in Deutschland wie in Oesterreich hat der Faseismus die Arbeiterbewegung und damit auch den Arbeitersport vernichtet und deren Eigentum geraubt. „Gleichheit" Wciskirchlitz feiert sein Jubiläunr würdig als Arbcitersportvcrein. Eine A u S st e l- l u n g vermittelt ein schönes und lehrreiches Stück Arbeitersportgeschichte und Arbeiterknltur, den Alten zur Freude und den Jungen zum Nutzen. Sportlich bietet„Gleichheit", seinen Anhängern.ein großes Fuhballturnier. Heute spielt der Jubilar gegen den Stak-Vcrbandsmcister.„Star" Präg. VII; morgen Sonntag vormittags argen „Ring" Teplitz und nachmittags findet dann, das Vorrundenspiel um die Bundesmeisterschaft zwischen Zuckmantel und Falkenau statt. Der Dporttag des Prager'DLJ.-KretseS findet morgen Sonntag statt. Vormittags gelangen im Stadion auf der Leina leichtathlt- tische Bewerbe um den Feldek-Memorial und ferner der Stafettenlauf durchPrag (Start: SJA-HauS, Ziel: Hetzinsel) zur Durchführung. Nachmittags werden auf dem Sportplatz der Hetzinsel Wettspiele in Hazena und Wolleyball ausgetragen. Alle Veranstaltungen sind gut beschickt und da di« Vereine nur ihre Besten meldeten, ist auch mit gutem Sport zu rechnen. Bikforia Pilsen gegen Austria Wir» 3:0.(2:0). In Pilsen wurden die Wiener verdient geschlagen. welche einen überspielten Eüwruck machten. Sogar Sindelgr versagte und nmßte ausgetauscht werden. Bei der Viktoria zeigte sich die Mannschaft mit Ausnahme des HalfS in guter Verfassung. Die Tore schoß Bina. Viktoria Zijkov gegen SpBg. Bodenbach 4:0 (1:0). Die Prager, die dieses Freundschaftsspiel am Freitag auf dem Union-Platz auf der Ohrada auStrugen, zeigten sich in. guter Verfassung und siegten verdient. Bei den Bodenbachern fehlten einige Leute und dies machte sich besonders im Angriff bemerkbar. Der Karlsbader FK. hat mit Kreuz— Schwierigkeiten. Der KFK. schuldet der Prager Sparta für de» Spieler Kreuz noch 10.000 KL. Da den Karlsbadern diese Summe doch lieber ist, wollen sie diesen Spieler weiterverschachern; aber cs findet sich niemand, der ihn nehmen will, da dix rechtliche Seite Sparta—KFK. nicht geklärt ist. DaS ist aber ein Pech! Slavoj Zijkov hat auch kein Glück und muß seine„Wünsche", in die mittelböhmischc Division zu konunen, aufgeben. Der Gau-AuSschuß entschied nämlich, daß zwölf Vereine in dieser Gruppe genug sind und vertröstete die Zijskover damit, sich die Aufnahme auf dem grünen Rasen zu erkämpfen. Sport-„Begeifterung" im Dritten Reich: gefälschte Eintrittskarten! Zu dem Boxkampf Neusel— Schmeling müssen die Veranstalter die Eintrittskarten neu drucken lassen, da sich herausstellte, daß gefälschte Karten verlauft wurden. Dadurch werden auch die Einnahmen verringert werden und—' die Börse gleichfalls. 40 Kilometer-Schwimmen im Schwarzen Meer. Nach langen Vorbereitungen haben die sowjetrussi- fchen Schwimmer Malin und Faisulin ein Daurr- schwimmen im Schwarzen Meer durchgeführt. Mali» schtvamm 40.8 Kilometer in 18:53:12 Stunden und Faisulin benötigte für 84 Kilometer 18:18:42 Stunden. Oer Film Der heldenhafte Kapitän Kortora» Dieser neue BlastaBurian.- Filin bietet keinen Anlaß, über Burian Neues zu sagen. Er zeigt wieder seine Gabe, die Zuschauer, mit fahrigen Gesten, blii^elnden Blicken, prahlerischen Reden und schlotternden Verlegenheiten zum Lachen zu bringen. Aber er zeigt auch wieder die gefährliche Neigung, jedes Maß zu verachten und aus einer urwüchsig heiteren Komik ins clownhafte Krasse abzugleiten. Die Figur des vensionSreifeN Moldauschiffers, der als vermeintlicher Korvettenkapttän einen Kurort in Aufruhr bringt, verliert allzuoft den Umriß, wird zum Clown oder gar zum. mätzchenmachenden Liebling des Publikums. Was der Komiker Burian brauchte, wäre ein Regisseur, der ihn: das Matz des Möglichen vor« schreibt, ohne sein Temperament zu behindern. Miroslav Cikan ist diefer Regisseur nicht. Er begnügt sich damit, seine technischen Fortschritte in Festszenen vorzuführen und überläßt"im übrigen dem Hauptdarsteller(den er Monologe sprechen und einen Schlager singen läßt) seinen eigenen Launen und Einfällen. Er macht auch nicht den mindesten Versuch, der üppigen Komik BurianS das schauspielerische Gewicht eines Partners entgegenzusetzen. So datz alle Wirkungen dieses Films persönlich« Angelegenheiten des StarS bleiben. Es sind oft erprobte Wirkungen— und man braucht kein Prophet zu sein, um den Erfolg vorherzusagen. Neber die Handlung des Films darf man schweigen. Wenn es in Prag einen Gesandten des Bades Podibrad gäbe, dann würde er protestierend seststellen, daß es in den dortigen Hotels nicht.so närrisch zugeht, wie hier im Film vorausgesetzt wird.’—eis— Filme In Prager Llditsplelliausera Urania-Kino, Klimentstä 4:„Junge Liebe" (Der Fluß).— Adria:„Dec heldenhafte Kapitän Kortoran".— Alfa:„Eine Frau, die weiß, was sie will".— Avion:„Drei Schritte vom Leibe".— Beranek:„Charleys Tante".— Fenix:„Ein Banker als Hofrat".— Flora:„Donner über Mexiko". — Gaumont:„Hanneles Himmelfahrt",— Holltz- wood:„Drei Schritte vom Leib".— Hvizda: „Sabra".— Julis:„Die schwimmende Welt".— Koruna:„Der Rächer Dick Turpin".— Kotva: „Bella Donna".— Lucrrna:„Bella Donna".— Metra:„Ekstase".— Passage:„Karneval und Liebe".— Praha:„Drei Schritt vom Leib".— Radio:„Charleys Tante".— Skaut:„Die Spionin".— Svttazor:„Der heldenhafte Kapitän Kor- koran".— Alma:„Wochcneiwzaubcr".— Belvedere:„Unbekannte Melotne".— Beseda:„Ariane". — Earlton:„Laurel und Hardy";„Frigo. der FraueeWrfvhrer".— Favorit:„Die Stimme"ohne Gesicht"..— Illusion: ,.Keine Angst vor der Liebe". — Litz»:•„Harold, Schuhe, Wolkenkratzer".— valdrk:„Donner über Mexiko".— Kapitol:„Dritte TschechosiowÄisch^rbeiter-Olympiad^984^^^^ Sanatorium Ziffer; ■ GrWenbere. i OansMhrifl HUftnL 208 Talaphon 4.1 d i n g u n g e n: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KC 48.—, halbjährig Kd 06.—, ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden lau» Taris billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlatz.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- uw . Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 18.800/VII/1980 bewilligt. Druckerei:.„Orbis", Druck-, Verlags- und ZeitüngS-A-G., Prag.