Bergarbeiter la Strelkbereitechaft 2 0 n k• n, 25. August.neen die siegreiche Revolution marschiert. Die klassenbewutzte Arbeiterschaft auch dieses Landemuß in den nächsten Wochen. auf der Wacht stehen! Die„Prager Presse" schließt ihren Leitartikel also:. „Rein, so geht e< nicht weiter. Die tschechoslowakische Oeffentlichkeit sieht mit w a ch s e n d e m Erstaunen auf die Haftung eine» Großteils der deutschbürgerlichen Presse, die sich getarnt vielfach zum Verteidiger und Propagator fremdstaatlicher Interessen und Anschauungen macht. Sie weist auf die Grenzen hin, die solchen Versuchen auch in einer freien Demokratie gesetzt sind und gesetzt sein müssen, und bedauert e» insbesondere, da»„Präge r Tag blatt" in dieser Gesellschaft zu sehen." SS-Mann In Bodenbach verhaftet Der jugendliche Sohn des Bodenbacher Grotzkaufmann» R a t s ch k e, der am Leipziger Konservatorium studiert, ist am 24. August in Bodenbach, wo er zu den Ferien daheim weilte, auf Grund des Republikschutzgesetzes verhaftet worden. Durch Unachtsamkeit wurde ein Brief der Leipziger SS-Standarte an den hitlerbegeister» ten tschechoslowakischen Nazi von Leipzig nach Bodenbach weitergeschickt. Da auf dem Briefe der Absender erkenntlich gemacht war, fiel der Brief den Bodenbacher Behörden natürlich sofort auf. Derselbe wurde in Gegenwart de» Adressaten geöffnet und enthielt eine au-gefüllte Mitgliedskarte und das Abzeichen der SS»Standarte Leipzig. Der Beweis einer strafrechtlich verbotenen Handlung war damit glatt erbracht. Der junge Musikstudent wurde sofort von der Gendarmerie verhaftet und bereit» an das Leitmeriher Kreisgericht eingeliefert. Er wird seine antistaatliche Einstellung r entsprechend, zu-sühnen haben. Sein Vater ist^eM- reicher Kaufmann, dem cs in der vom Sohne gehaßten Republik oftensichtlich recht gut geht. Bekanntlich ist die SS-Truppe die au»„besseren" Elementen bestehende Leibgarde Hitlers, die von der mehr proletarischen SA-Truppe, mit Rücksicht auf ihre Uniform und ihre Brutalität haßerfüllt al»„Schwarze Schweine" bezeichnet werden. Verboten Berlin, 25. August.(Havat.) Da» bekannte englische Wochenblatt„Observer" wurde in Deutschland bis zum 15. OUober verboten. Herrn Goebbels wird graulich zu Mute... Berlin, 25, August.(DNB). Reichspropagandaminister Dr. Goebbels sprach seit langem wieder zum erstenmal vor der Berliner SA. Er kam zunächst auf die Ereignisse de» 30. Juni zu sprechen. Die Menschen hätten in Deutschland geglaubt, daß mit dem verräterischen Treiben einzelner Männer die DA insgesamt identifiziert werden nrüßtc. Demgegenüber bezeichnete Goebbels die SA als die aktivste und politische Garde des Führers, von der sich der Führer niemals trennen könnte. ES sei auch- nicht richtig, daß die DA überflüssig geworden ist, weil sie keine Aufgabe mehr hat.»Ich weiß", sagte Goebbels,„daß e» In den 18 Monaten, da wir die Macht besitzen, noch nicht gelungen ist, alle Fragen zu lösen. Wir sind, seitdem wir die Macht besitzen, nicht fett und dick (siehe Goering, die Red.), wohl aber grau geworden. Wir haben die Nächte zum Tage gemacht, wir haben un» abgemüht mit den Sorgen der Ration, die wir zu unseren Sorgen machen. Im Kampfe sind wir geworden und kämpfen werden wir müssen bis znm lehten Atemzug. Und vielleicht wird eine Reihe von Aufgaben, die uns gestellt sind, überhaupt nicht mehr von dieser Generation gelöst werden können." Bayrischs Landessynode gegen Reichsbischof München, 24. August. Die hier tagende LandeSsynode der evangelisch-lutherischen Landeskirche in' Bayern gab nach einer Aussprache, die sich bis in die gestrigen Nachtstunden erstreckte, als Ergebnis derselben folgende» Kommunique aus: „Die bayrische LandeSsynode seht sich sür eine starke und in sich einige deutsche evangelische Kirche ein. Sie bedauert aber, daß die Haltung der derzeitigen ReichSkirchenregierung es unmöglich mache, die Eingliederung unter den gegenwärtigen Umständen zu vollzieh«." Unter dem Beifall der Versammlung sprach die Synode dem LandeSbischof einstimmig das Vertrauen aus. In tiefer Bewegung wurde sodann das Lied„Nun danket alle Gott" angestimmt. Vas ein französischer Reporter nicht sehen darf Pari», 25. August. Der saarländische Korrespondent des„Echo de Paris" meldet, datz die deutsche Regierung an der Saargrenze 136 S ander z ü g e bereitgestellt hat, von denen jeder rund bä üs e'N d P e r so Hin aus dein Svargebiet zu den morgigen nationalsozialistischen Feiern in Koblenz wird befördern können. Man glaubt, datz an diesen Feiern allein 130.000 Personen aus dem Saargebiet teilnehmen werden. Etwa 60.000 Sozialdemokraten nnd Kommun i st e n werd« in Sulzmach(Saargebiet) gleichzeitig Gegenmanifestationen veranstalten, während 200.000 Katholiken es vorziehen, zu Hause zu bleiben. Hitler werde angeblich morgen den saarländischen Katholiken, die bekanntlich 75 Prozent der Stimmen des bevorstehenden Plebiszits bilden, Zusicherungen geben. Berliner Regierung die Erteilung eine» Visum» nach Deutschland einem Redakteur, diese» Bllftte», der sich als Reporter zu den morgige« großen nationälsozialtstischen Manifestationen in Koblenz begeben wollte, verweigert hat. In den Konzentrationslagern wird Immer noch geprügelt! Ein Genosse, der erst vor kurzem aus dem Lager Sachsenburg entlassen wurde und daraufhin dem Dritten Reiche schleunigst den Rücken kehrte, weil er keine Lust hat, der S. A. noch einmal in die Hqnde zu geraten, berichtet uns, daß die Behandlung in diesem Lager sich zwar im allgemeinen ein wenig gebessert hat, daß aber immer noch die Gefangenen geprügelt werden. Besonder- schlimm erging es noch vor wenigen Monaten einer Gruppe von Arbeitern, die in Deutschland wohnen, aber tschechoslowakische Staatsbürger sind. Nicht nur, datz diese Menschen unaufhörlich auf da» ordinärste beschimpft wurden, waren sie auch häufigen Mißhandlungen ausgesetzt. Einige dieser Leute wandten sich wiederholt an da» tschechoslowakische Konsulat in Dresden um Intervention, aber die Lagerleitung ihre Beschwerdebriefe einfach nicht weiter. Nun wurde ein solcher Bries mit Hilfe eines Besuchers au» dem Lager hin» ausgeschmuggelt, aber dieser Brief wurde von der mehr oder minder geheimen Zensur geöffnet und an den Lagerkommandanten zurückgegeben. Da daS Schreien von den. Beschwerdeführern unterfertigt war, wurden die Betreffend« von dem Tage an in der unerhörtesten Weise sekkiert, damit ihnen, wie gesagt wurde, das„Meckern" vergehe. Insbesondere auf zwei Leute hatten eS die braunen Sadisten abgesehen, auf die Arbeiter Josef Peiler und StaniSlauS F e i g l. Die beiden wurden derartig geprügelt, daß sie loochenlang weder stehen noch gehen konnten. Später gelang es den Mißhandelten aber doch, mit dem Konsulat in Verbindung zu kommen, und so kamen sie schließlich frei. Die Nazi-Truppführer Aurich und Weber waren die Anführer der„Schlägerkolonne", die von den Insassen des Lagers mit Recht gefürchtet war, denn die Burschen schreckten vor nichts zurück. Was lag ihnen schon an dem Leben und an der Gesundheit eines Marxisten! Eines Tages wird mit diesen Schurken abgerechnet werden, das hat so mancher, der das Opfer ihrer sadistischen Gelüste wurde, sich geschworen. kln polnisches Dementi Warschau, 25. August.(Tsch. P, B.) Da» „Echo de Paris" brachte eine.Meldung seines Berliner Korrespondenten, in welcher behauptet wurde, daß die angeblich in der lehten Zeit geführten polnisch-deutschen Wirtschaftsverhandlungen weit fortgeschritten sind und datz der polnisch-deutsche Handelsvertrag eine geheime Klausel enthalten werde, welche für den Fall der Verwicklung Deutschlands in einen bewaffneten Konflikt die Neutralität Polens sichere und die Verpflichtung Polens enthalte, in einem solchen Falle Deutschland mit Lebensmitteln zu versorgen. E ch o d e P a r i s" meldet, datz die Die amtliche Polnische Telegraphenagentur u)uvc^aci8 mEioci, ran uic wurde zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Ge- deutsche Botschaft in Paris nach Rückfrage bei der' rächte absurd sind. 34 /y- FRITZ ROSENFELD: 'W„a Cbqutta EIN BOMAN ZWISCHEN TRAUM UNO TAO „Oft wuchsen Zweifel in mir, ich habe sie zertreten." „Lang ahnte ich eS— ich wagte eS nicht zu sagen.", Der Perser schrie: „Wenn der Garten nicht ist: warum dienen wir dann Ala Eddin?" Der Syrier schrie: „Weil er das Schlvert hat, weil er der Fürst ist! Weil er das Wort hat, mit dem er uns fängt, weil die Städte und Burgen sein sind, die Quelle» und die Herden." „Narren," schrie der Perser.„Schwert ist Wie Schwert, und Wort ist wie Wort. Habt ihr nicht Worte, ihm Kampf anzusagen, Schwerter, ihn zu bekämpfen?" „Wir wollen nicht hungern, wir wollen nicht den Tieren zur Beute durch die Wälder irren," „Wir sind Soldaten Allahs. Kämpfen wollen wir." „Narren, Narren," schrie der Perser.„Für wen kämpft ihr?" „Für uns." Da schwiegen die Männer. Die Tage ihrer Kindheit kamen herauf, da sie mit Räubern durch die Gebirge gejagt hatten; die Jahre kamen herauf, in denen sie das Schwert getragen. . Und der Räuber wurde wieder Räuber, und der. Sohn des Wegelagerers dachte an nichts al» an. den Wanderer, den sein Pfeil au» dem Hin- terhalt fällen konnte. Niemand mußte ihnen mehr befehlen: Ihr Schwert befahl, da» nach Blut verlangte; ihr Blut befahl, das nach Blut verlangte. Und Mensch und Herde und Stadt und Hans und Werk der Hände und Segen de» Himmels, sie waren nicht» mehr al» Beute. Der Schatten Ala Eddin» lag noch über ihnen. Aber enger al» der Schatten Ala Eddins «inte sie ein heiliger Haß. Ala Eddin haßten sie, und alles Lebende haßten sie. Denn alles Lebende hatte seinen Traum, sie aber hatten keinen Traum mehr. Der Inhalt der Tage war die Zahl der Gemordeten, die Zahl der erbeuteten Tiere und Waren. DaS waren die Affassinen. Ala Eddins unüberwindliches Heer! Ala Eddin strich mit der Hand durch den Bart und lächelte. Gut war, was hier geschah. Die nichts zu verlieren hatten und nicht» zu hof- ftn, waren die besten Kämpfer. Die Verzweiflung senkte Mut in die Herzen, und der sinnlose Haß gab den Schwertern den tödlichen Schwung. Nun durste Ala Eddin seine Gedanken in Länder senden, von denen er früher kaum geträumt hatte. Lag dort nicht, im Sonnenaufgang, das Land der. gelben Männer, die auf kleinen Pferden ritten, geschlitzte Augen hatten und nachtdunkles Haar? Lag dort nicht, jenseits der großen Gebirge, gegen Süden zu, das Land der stillen Menschen, die ihrem Gott gleich mit untergeschlagenen Beinen saßen und wunschlos sich in eine bessere Welt hinüber träumten? Sie alle sollten ihm dienen, sie alle sollt« sein Heer ihm unterwerfen. Nach Blut gelüstete es den Assas- sinen, ihre Pferde scharrten ungeduldig im Sand, die Massen schlissen sie, ihre Augen glühten! Zogen dort nicht, gen Sonnenuntergang, die versprengten Männer au» dem Abendland ihrer Heimat zu, Jahre und Jahre? Kostbare Waffen trugen sie. Panzer um den Leib und einem frem- den Gott waren sie untertan. Auf ihren Mänteln trugen sie da» Zeichen de» Schwertes; da» Schwert der Affassinen sollte sie von den Pferden reihen, ihre Panzer sollten in die Rüstkammer Ala Eddins wandern! So jagte Ala Eddin die Affassinen auf die letzten Kreuzritter, die müde und geschlagen heimwärts zogen. Wie Lawinen sausten sie von den Bergen auf die Ahnungslosen nieder und zermalmten sie. Blind hieben sie auf die Ritter ein; die wehrten sich, aber der Uebermacht waren sie nicht gelvachsen. So jagte Ala Eddi» seine Scharen nach China und Indien. In den Wüsten und im Schnee der hohen Gebirge starben die Affassinen zu Tausenden. Der Bote, der die Nachricht vom' Tob eine» Heeres brachte, rief da» nächste Heer auf den Weg der Toten. Wie eine Insel in einem Meer von Blut war Ulleika, die Burg an den Hängen de» Libanon. In den sternlosen Nächten war es, al» schäumte die rote Flut an den Mauern empor und stieg höher al» die höchsten Bäume. In den sternlosen Nächten war e», als füllten die Schreie der Toten die Täler um den Libanon und riefen Ala Eddin heraus zum Gericht. Der aber lag in den Kiffen und schlief. Und wenn er träumte, so träumte er von den Tempeln Indiens und den Schätzen Chinas. Wenn er träumte, so träumte er von den Frauen in den Harems der RadjaS und von den Mädchen am gelben Fluß. Von den Erschlagenen und von der roten Flut träumte er nicht. Die Affassinen hatten nun andere Gesänge. Nicht mehr vom Garten sangen sie und vom Gong. Niemals kehren wir zurück, sangen sie, und die Straße, die wir reiten, ist die Straße der Toten. Niemals lacht uns das Glück, sangen sie, was wir Glück nannten, war ein Traum. Glück, sang« sie, ist auf Ulleika, in den goldnen Gemächern. Dort» sangen sie, trauern die Mädchen von Persien, die Mädchen von Syrien und von Aegypten. Griechinnen trauern, dort und Inderinnen. Schwarze und Braune, Dunkle und Helle. Kein« von ihnen lacht uns, sangen sie. Fe« ist Ulleika, und nah ist die Stunde des Tode». Tula hörte den Gesang, er schwieg. Sein Haar wurde grau, und der Fittich AsraelS senkte sich leise über ihn. So zogen die Affassinen durchs Land: der Schrecken der Mensche», der Schrecken der Tiere, wehende Mäntel des Todes im Wind. Tausend Schwerter verheerten in einer Stunde ein Tal; eine Stadt, die blühte, sank in Staub, lohte in Feuer, ehe die Sonne sich einmal geneigt. Sie ruhten nicht mehr, sie saßen Tage und Nächte im Sattel. Sie sprachen nicht mehr, sie sahen einander nicht an. Nur wenn die Sterne in langen Nächten über ihren Köpfen flimmemde Lieder sangen, da sangen auch die Assaffinen. Die Assaffi- nen sind wir, die Engel des Todes, Betrogene und Verfluchte, Mordbrenner und Räuber, unser Schwert ist unser Gott und unser Traum ist unser Feind. Der Syrier starb vor Edeffa, ein Pfeil durchbohrte sein Auge. Der Perser starb vor Damaskus, ein Speer drang ihm tief in die Brust. Amur fiel an den Ufern der Kaspis, aus dem Unrat der Kamele schichteten die Hirten einen Scheiterhaufen, den verhaßten Feind zu verbrennen. Aber das Heer der Assaffinen wuchs: wer ohne Heimat war und ohne Traum, wer ein Schwert halten konnte und im Sattel sitzen Wochen und Wochen, stieß zu den Assaffinen. Die grüne Fahne wehte vor dem Heer, mit der goldenen Sichel, die Fahne des Propheten. Ueber dem Heer aber flog, groß und unsichtbar, mit weit gebreiteten Schwingen, der Engel, dem alle» verfiel, das lebte und atmete, der Engel, der die Heimat aller Menschen und das Glück aller Glücklosen war: Asrael, der Engel de» Todes. (Fortsetzung folgt.) Sette' 3 *.9M» SomttLL, 23. Sttß** 1S3ß Landbundführer von München Wm die„Relchepo*!" Ober«He Untersuchun* feien BacMnger za berichten weM bezahlt? Wie«, SS. August. Di,„Reichspost" meldet ein« politische Kottuptionsaffä« aw Ergebnis der Untersuchung gegen dm oberSsterrerchischen Lmddimdführrr Buchinger und dm ebe- omligen Borsitzenden des Klubs der landbünd» lenschcn Abgeordneten Karl D e w a t y.. Dem Blatt« zufolge habe Ne Untersuchung ergeben, daß die dm» Landbunde«gehörenden Abgeordneten ihre Stimm« in der Sitzung des Kationalnrtes— in der sie gogm die Dollfustsche Berfaffungsresorm stimmt«— am 30. April 1934 umbaresGeldundieNational- soziakiste« verkauft hab«. Sie soll« dafür au» Münch« ein« sechsstellig« Betrag in Schilling« erhalten hab«. Wie aus dm» tts- b« gefunden« Material hervargehe, fall« di« Abgeordneten Ang. Winkler, Buchinger und Lewattz in dies« Korruptionsasftr« aus das schwerste belastet sein. Ang. Winkl« hab« sich fein« Festnahme durch die Flucht ins Ausland«tzog«. Auch d« ehemalige Kassier des Landtuntes, Dr. Sei» chenaner, der noch in bet letzten Zeit ans Dmtfchland Geld beschafft hat, ist ins Ausland geflüchtet und hält sich in München uns. Mock drei Verhaftungen! Wien, 26. August. Im Zusammenhang mit der Landbundaffäre wurde der ParteisekretLr N e p o l a und der kassier Hahn verhaftet. Auch der großdeutsche Abgeordnete Emst Hampel, Mittelschulprofessor in Wien, wurde heute mittag Ktr Polizeidtrektioii vorgeladen und nach mehr« stündigem Verhör, wobei sich seine Beteiligung an der hakmkreuzlerischen Bewegung und an den Vorbereitungen zu dem Putsch de« 26. Juli ergab, in Polizeihast genommen. Reichsdeutscher Sprengstoff Linz, 26. August. Nach dem Sprengstosfund inPfenningberg wurden bei einer Reihe von Personen, die der Zugehörigkeit zur national« sozialistischen Partei verdächtig sind, Haus« durchsuchungen vorgenommen. Bei den Brüdern Kaufmann wurde in einer Blech« schachtel ein Verzeichnis aller hakenkreuzlerischen Sprengstofflager in Linz und Umgebung ausge« funden. Die Polizei hat nunmehr diese Lager ausgehoben. Al» erste» Ergebnis wird der Fund von zwei Maschin engewehren mit Zu« behör, 70 Kilogramm E k r a s i t und 200 Sprengkapseln in der reich»« deutschen Originalpackung zu je 20 Stück gemeldet. Außerdem wurde eine H ö l« lenmaschine sowie ein Bund Zündschnüre bei einer Speditionsfirma in Urfahr gesund«. Aushebung von Geiseln durch Helmwehrführer angeordnet Wien, SS. August. Der Londesfübrer des niederösterrrichischen Heiinatschutzes, Landeshaapt- »anustellvrrtret« Major Baar, hat in eine« Befehle die Aushebung von nationalsozialisttsch« Geiseln angeordnet. Ans jedem Bezirk« soll« zehn prominente Nationalsozialist« in hervor« ragend« gesellschaftlich« and wirtschaftlichen Stellung« sichergestellt werden, die sofort als Beiseln auszuhebm sind, wenn einem Heimat- schützler auch nur ein Haar gekrümmt toird. Al» Grund für diese Maßnahme wird ft» dem Befehle angeführt, daß laut Konfident«- Nachrichten de» Heimatschutzes Ne Kampfart d« Terrorist««ach dem Mißlingen de» Butsches dem 25. Juli darauf eingestellt wurde, Ne»her- strn Führ« des Heimatschutzes und die Mitglied« der Regierung meuchlerisch zu beseitig«. Urb« diesen Plan soll in Heimwehrkreism«ine maßlos« lkrbttterttng herrsch«, dir dem Landeshauptmann- Stellvertreter zur Ausgabe diese» Befehle» ter» ««laßt hat. Immer Wieder Verhaftungen von Wachleuten Wft der OND erführt, steht sich di« Regierung gezwung«, immer neue Verhaftungen von Wachleut« vorzunehmen,«veil sich immer Wied« herauSstrflt, daß«eite Kreise d« antimarxisti- schen Wiener Wachleute in di« nationalsoziali- stische Verschwörung verwickelt«ar«. Sam»tag, dm 18. August, um 17 Uhr fuhr bei der Wachstube Waldgasse im Arbeitrrbezirk Favorite« ein Ueberfallsauto d« Polizei vor. Nach kurzer Zeit wurde beinahe dir ganze Besatzung der Wachstube oh»»« Wasfm in da» Ueberfallsauto gebracht und weggrführt. Erkundigungen ergab«, daß mau in Favorit« «ine List« von SS-Leut« aufgesunden hatte, ft» der nicht weniger alvzwölfWachleuted« Polizeiwachstube Waldgaff« verzeichnet war«. Nota ein wollzelgrtsMeni verhalte! Der Chef der Innsbrucker Polizei, Polizeirat F r a n z e l i n, ist unter der Beschuldigung, mit den putschenden Nazi im Einverständnis g«, wesen zu sein, verhaftet worden. Steinhäusl, G o h m a n n, die ganze Salzburger Polizeidirektion und nun auch noch Innsbruck — so sieht es in der Bundespolizei aus!, Vor neuen Hinrichtungen Graz, 26. August. In dem Prozeß gegen Ne IS Putschisten au». St. Gallen vor dem Militärgerichtshof in L e o b e n trat durch die Erklärung ihres Führers E b n e r, der b e k a n n t e, daß er er war, der den tödlichen Schuß auf den Gendarmeriekommandanten Titz abgab,«in« dramatische Wendung«in. Im Hintergrund« de» Prozesses ist damit wieder das Schattenbild de» Galgen» ausgetaucht. Auch der Angeklagte Bernst c i n c r g e st a n b, auf Ne Gendarmen geschossen zu haben. Erst als die Gendarmerie Verstärkung erhielt, hätten Ne Putschisten gesehen, daß ste g e t ä u s ch t wurden und daß es sich nicht um ein« Unterstützung der neuen Regierung, sonde« um die Eroberung der Macht für Rintelen handle. Aehnlich sagen auch die übrigen Angeklagten au», die durchweg» behaupten, daß sie nach dieser Feststellung die Waffen niedergelegt hätten. Der Prozeß wurde hierauf unterbrochen. Das Urteil wird wahrscheinlich am Montag gefällt werden. Lebenslänglich Linz, 26. August. Das Militärgericht in Linz «endete nach zweitägig« Verhandlung tat Prozeß gegen die Putschist« au« Laakirchen. Alle sechs Angeflagten wurden de» Hochverrate» schuldig erkannt. Leopold Mitterhauer und Josef L i s ch l e r wurden zu lebenslänglichem Kerker, die übrigen vier Angeklagten zu schwerem Kerker von 12 bi» 18 Jahren, insgesamt zu67JahrenschwerenKerk«rs verurteilt. Die Schuld an der Ermordung des Gendarmeriewachtmeister» Lukesch konnte keinem der Angeklagten klar nachgewiefen werd«, weshalb ketnTodesurteil gefällt wurde. Er hat nur einen„MtisHairlcet" einberufen... Graz» 25. August. Da» Militärgericht kn Graz verurteilte den 22jährig« Lehramtskandidaten Erich Hochwald a»»s Wolfsberg wegen Beteiligung an dem Juli-Putsch zu fünf Jahr« schweren Kerker» und den ISjährig« Landiwirt»- sohn Johann Großmann, ebenfalls au» WolfSberg zu zwei Jahren schweren Kerker«. Hochwald verteidigte sich dahin, daß er nut einen Musikzirkel einberuf« hwbe, um ihn zu eitler musikalischen Huldigung für die»wtional« Regierung Rintelen» vorzubereit«. Hochwald und Großmann unternahmen dann auf eig«e Faust den Versuch, die Gendarmerie ft»-WolfSberg zu entwaffn«»». Irredenta Im Burgenland Wien, 26. August. Im österreichisch« Burgenlande hat eine ungarische Irredenta eingesetzt. In den letzten Tagen Miete da» Bürgenland mit Flugblättern iwerflutet, welche Ne Rückgabe Westungarn»„an die ungarischen Brüderverlangen. Die Flugblätter sind von einem Per« ein der ungamfreundlichen Oesterreicher unterfertigt, ttagen Ster keine Angabe Ster Ne Herstellung derselben. Die Irredenta muß jedenfalls mit sehr großen Geldmittel« arbeiten. Di«„Reichspost" verdächtigt DeutfchftMtz, daß e» das Verhältnis zwischen Oesterreich und Ungarn dadurch stören wolle. Es ist aber sehr wahrscheinlich, daß die Bewegung auS Ungarn selbst kommt, da N« Nationalisten Ungarns bereit» ein Ansuchen um Rückgabe des Burgenlandes angekündigt und an Mustolini ein Gesuch gerichtet hat, Italien solle Fiume an Un- ga« zurvckgeben. UM ein Hdmwehrmerd AuS Innsbruck wird uns geschrieben: Der Hutfabrikant Honomichl in Innsbruck ist am LV. Juli verhaftet und in die Heimweh» las««« geschleppt worden. Honomichl, der früher selbst fanatischer Anhänger ter Heimwehr war, später aber zu den Nazi überging, wurde von den Heimwehrleut« furchtbar mißhandelt. Als er sich > zur Wehr setzte und einem Heintwehnnann«inen Schlag versetzte, schoß ihm ein Heitnwehrmann, ein gewisser Duma» le, in den Mund. Honomichl War nach wenigen' Minuten tot. Habsburg kommt nicht In Frage! Pari», 26. August. In ter heutigen»Ere Rouvelle" antwortete Albert Mouffet auf die verschiedenen Propagandastinimen, di« in der letzten Zeit in der ftanzöstschen Tage»- und Revuepresse laut wurden und die bestrebt sind,|m Gegensatz zu ter Politik der Regierung Frankreichs und der Kleinen Entente die Sympathien der breiten französischen Oeffentlichkeit für die Restaurierung der Habsburger zu gewinnen. Albert Mouffet erinnert-n den bekannten Standpunkt des Minister» Dr. Bene» und legt die Gründe ter Moral und des Verstandes dar, derentwegen sich nicht nur Ne Tschechoslowakei, sowtern«ichJugoslawien und Rumänien einer Rückkehr ter Habsburger entschied«» widersetz«. Auch Griechenland und die Türkei seien einer Restaurierung ter Habsburger abgeneigt. Bei den Staaten der Kleinen Entente gche die Opposttion gegenüber den Habsbürge« nicht von ihrem ditllomatischen Standpunkte, auch nicht von der Befürchtung, um ihre staatlich« Sicherhest au», wie zahlreiche Politiker noch mtt Unrecht vermeinen, sondern von der h i ft o r^i s ch e n Ethik und von dem tatsächlichen Jnteresse ganz Europa». Mögen wir uns, schließt Mouffet, an welche Stelle in Osteuropa immer wenden, wir werten nirgends' politische oder psychologische Anzeichen sehen, die sich für eine Wiederherstellung der Habsburgermonarchi« aussprechen würden. Dieser Teil Europa« bleibt bei d« bekannten Worten Gladstone«:»Zeigt mir nur ein geringfügige» Stück Erde, wo Ne Habsburger jemals etwa» Gute» gekeifte» hab«". Wer nicht muh führt nicht auf ter Bundesbahn. Wim, 25. August. Die Einnahm« der österreichischen Bundesbahnen weisen im Juni d. I. gegenüber dem Juni de« Vorjahre» im Personenverkehr einen Rückgang um 17,35b au». Die Gesamteinnahmen im P e r« sonen- und Frachtverkehr sind bei einer Höhe von 33,727.000 Schilling um 2.0%, bei Einrechnung de» Transit- und sonsttgen Verkehre« um 2,4% zurückgegangen. Der Abgang hat sich von 2,988.000 Schilling im Juni 1988 auf 8,178.000 Schilling im J»mi 1984 erhöht. USA und USSR Washington, 25. August. Der Abbruch der Verhandlungen mit der Sowjetunion und besonder» die scharfe Tonart Hüll», mit der er jeden Optimismus bezüglich«ine» Abkommen» zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zurücklveist, führen in der hiesigen Preffe zu verschiedenen Vermutungen. So wird von amtlich« Blättern behauptet, Sowjetrußland habe sich geweigert, privat« amerikanisch« Bürger und Finnen für Verluste zu entschädigen, die sie nach Beginn der Sowjetherrschast durch Beschlagnahme in Sowjetrußland erlitten haben. Von wohlunterrichteter Seite verlautet hingegen, daß weder die Kerenski-Schulden noch die oben erwähnten Forderungen ein unüberwindliche» Hindernis für die Erzielung«ine» Abkommens darstellten, sondern das Bestehen Sowjetrußland» auf weitgehenden und mintesten» 10jährigen Kredi- ten, die teilweise zur Bezahlung ter obgenannten Forderungen, zum anderen Teil zum Einkauf von amerikanischen Waren benützt werten sollen. Französisches Memento an Polen Pari», 25. August. Der..Temp«" befaß» sich in seinem Leitartikel mit dem Verhältnis Frankreich» zu Polen und konstatiert, daß sich diese» Verhältnis in der letzten Zett sehr wenig befriedigend gestaltet habe. Daß e» getrübt wurde, ist, wie ter«Temp»" erklärt, nicht Frankreichs Schuld. Da« Blatt wirst ter polnischen Press e vor, daß sie sich in der letzten Zeit auffallend günstig zu allem einstelle, was nach ihrer Meinung einer polnisch-deutschen Annäherung dienen kann, während sie die verschieden« vielfach nur scheinbar« Meinungsverschiedenheiten bezüglich aktueller Fragen in der Außenpolitik zwischen Frankreich und Polen aufbauscht, statt sie zu miwern. Der.Temps" ver- urteilt Nese anttfranzösische Kampagne der polnischen Presse und weist nach, daß Frankreich während der Zeit von ten Verhandlung« über den viermächtepakt bi» zu den Verhandlungen über ten Ostpakt stet» eine aufrichttge und tertrauen»- volle Politik gegenüber Polen betrieben hab«. Eine Bündnispolitik— sagt ter.Temps"— muß auf gegenseitigem vertrau« beruhen. Wenn es Meinungsverschiedenheiten zwischen Frankreich und Pole« gibt, so möge man sie off« liquidieren. Wenn aber noch etwa» anderes vorliegt, dann darf n»an keine Vorwände suchen, um der Wett di« Wandlung ter französischen Gefühle gegenüber Pol« in schiefem Licht darzustellen. Aufmarsch gegen die Basken Madrid, 25. August. Die Regierung hat in all« drei von Basken bewohnten Provinzen umfangreiche außerordentliche Maßnahmen ergriffen, um die für morgen nach Bilbao einberufene Versammlung der varlamentarischen Führer und ter Bürgermeister aller basfischen Provinzen zu verhindern. Samstag ab nds nimmt man an, daß die Veranstalter die Sitzung an^inem anderen geheimgehaltenen Ort einberufen haben. Einigen Meldung« zufolge soll die Versammlung in das Städtchen G u e r n i e a einberufen worden sein. In San Sebastian sind mehrere hundert Polizisten und Jnfanteriegardisten, sowie Gardisten zu Pferde und auf Motorrädem«ingetroffen. Außerdem werten morgen mehrere Einheiten der Fl at täte Bild« eintreffen. filelndanern°no ärdefler Bas ErvadKi des tsdiediisdien Dorfes In der Zeitschrift„T i n"(„Die Tat") veröffentlicht L. S t e h l l k einen bemerkenswerten Artikel, der dem zeitgenössischen Leben de» tschechischen Dorfe» geividmet ist und in kurzen Skizzen die sozialen und ideologischen Wandlungen de» tschechischen Dörfler- in den letzten Jahren darzustellen sucht. „Mm ten» hier nicht nach tem Lineal" bemerkt der Autor, wenn er von den politischen Interessen de» tschechischen Kleinbauern spricht. So skizziert er zunächst die Gestalt de» alten Kleinbauern Blajek, der„das ganze Jahr nicht von der Feldarbeit ausruht, aber doch täglich seine Zeitungen liest." Ein alter Grübler, dessen Urteil di« „au-geschliffene Weisheit alter Bauernsprüch«, der für alle», wa- in der Welt geschieht, sein Sprüchlein hat". Er hört im Radio die Reportage von Svehla» Begräbnis und schluchzt:„Ja. ja— unser Vater ist tot 1" Di« gleichen Bauern ft enden schweigend ans tem Derfplatz beisammen, in fieberhafter Erre- «ng, als die Zettungen die Nachricht«»en Berg- «erksketaftrephen und ten Wiener Stürm« bracht«: „Wenn die Arbeiter nur gewinn« wür- d«.—k" Recht so, daß sie sich nicht ergeb« hat«— daß sie es sich nicht hab« gefall« las- s«." In den schwersten Augenblicken zeigt sich Ne Verbundenheit der arbeitenden Menschen"in Stadl und Land— die Schicksalsgemeinschaft der Arbeitenden. Denn da» arme GebirgSdorf ist„verschuldet, daß die Dachbalken krachen". Mit Müh' und Not treibt man Steuern und Zuschläge auf. Die Not ist hier zu Hause und au» den Hütten trägt man statt bar« Gelder Eier in Ne Trafik, denn da» Rauchen billigsten Tabvar bereits vor sieben Jahren bekannt, docki gelang eö jetzt Herrn R. Oliva, der die Höhle systematisch untersuchte, den Eingang zu treuen verzweigten Gängen zu entdecken. Da in Böhmen bekmrntlich Tropfsteinhöhlen sehr selten sind, hot der Stadtrat mit dem Bürgermeister Cech Schritte unternommen, damit die Höhle fachmännisch untersucht und der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werde. Dreß Bergleute»erschüttet Kattowitz. Auf der Solvay-Grube im Dom- brovaer Revier gingen hei einem Gebirgsschlag große Kohle»massen zu Bruch, wobei drei Bergleute verschüttet wurde». Den Rettungsmannschaften äst es bisher nicht gelungen, an die Verschütteten heranzukommen. Eö wird befürchtet, daß die drei Bergleute nicht mehr lebend gcborge n werden können. •inet der RLuder*•« Skuhrov »erheftet Wie aus Reichenau berichtet wird, nahm die GendanneriefahndungSstation in Äöniggrätz sofort die Verfolgung der Räuber auf, die den gestern gemeldeten Raubüberfäll auf den Briefträger Wolf aus Groß-Aurim verübten und 15.000 Kö raubten. Noch in derselben Nacht wurde einer der beiden, ein gewisser D u r ch ä» n e t ans Nimeekä Rybnci, ein Bruder des berüchtigten Räubers, der vor einigen Jahren einen Gendarmen angeschossen hatte, verhaftet. Beugelifche Provinz««ter Woffer Bihar. Dieb en gälisch eProvinz B iha r. in der im Frühjahr dieses Jahres 2500 Menschen bei dem großen Erdbeben umS Leben gekommen tparen, ist jetzt von einer riesigen Uebrrschwemmung h e i m gesucht worden. Die großen Eisenbahnlinien find außer Betrieb gesetzt. Lei der LS Kilometer 200 Sträflinge meutern RewAork, 25. August. Wie auS Colle geville(Pennsyloanien) gemeldet wird, kam eS in der Strafanstalt von Graterford zu einer Pleüteeei von etwa 800 Sträflinge«. Die Sträflinge legten an verschiedenen Stellen des Gebäudes Fe«er an, durch das sehr erheblicher Schade» angerichtet wurde. ES handelt stch nm ei« riesiges Strafanstaltsgebäude, das mit einem Kostenaufwand von 30 Millionen Mark erbaut worden war. Nachdem Polizei aus den Nachbarorten herangezogen worden war, gelang eS schließlich» die Sträflinge wieder in ihre Zellen einznschließen. von Pataa entfernten Stadt Blaita stehen annähernd 50 Dörfer unter Wasser. Zwei Dampfer der indischen Regierung sowie' viele kleinere Schiffe leisten den bedrohten Einwohnern Hilfe. Blutiger Kampf mit Fafeiften Rio de Janeiro. Zwischen brasilianischen Fascisten und Antifascisten kam es»ach einer faseistisckicn Versammlung zu einem blutigen Zusammenstöße, bei tvelchem drei Personen getötet und 80 verletzt wurden. Stnrz eines„DiktätorS". Durch die sr'änzö- fischen Blätter geht eilte fast rührende Nachricht: „Der international bekannte Pariser Modekünstler Paul Poiret hat schon seit Monaten keine Einkünfte mehr, da er"und seine Ateliers vollkonnnen ohne Beschäftigung sind. Er nimmt seine Mahlzeiten schon in der Volksküche ein, die für verarmte geistige Arbeiter eröffnet wurde. Vom Arbeitsamt erhält er eine ganz geringe Unterstützung." WaS ist da passiert?! Ust der Pariser Modeköuig, der in jener Welt, in der>nan sich nur über sich selbst langweilt, so jäh in Ungnade gefallen? Poiret>var doch ein Begriff. Ein Begriff dafür, wieviel Geld ein gerissener Äonjunkturist aus den snobistischen Komplexen reicher Danien der ogenannten„Gesellschaft" ziehen kann'. Jedes Jahr kreierte Poiret eine andere Sinnlosigkeit als letzten Modeschrei und mit jener Hartnäckigkeit, die den echten Terroristen mlszeichnet, zwang er den Sklavinnen seiner Launen seine extravaganten Modeschöpfungen auf. Wie schnell aber kam das Ende—! Nichts ist ihm von seiner Diktatur der Launen geblieben als eine Wassersuppe n der Volksküche und die Brosamen der Ar- beitslosen-Uilterstützung. So enden sic oft, die Schmarotzer an einer launischen, dekadenten Bourgeoisie. In der Gesellschaft, wie hier, aber auch in der Politik, wie bald wo anders>. Hindenburgs jüdische Verwandtschaft. Anläßlich des Todes des Reichspräsidenten von Hindenburg veröffentlichte die deutsche Zeitung seiner Geburtsstadt Posen, das„P o s e n e r Tageblatt", bisher unbekanntes Material zur Familiengeschichte des Verstorbenen. Danach wählte der Vater des Generalfeldmarschalls beim Eintritt in das preußische Heer gerade ein Posener Regiment, weil in dieser Stadt zwei seiner S ch w e-1 st e r n lebten, die beide nacheinander mit dem| dortigen Medizinalrat Eduard Cohen verheiratet waren, der in London geboren war.und sich später nach einem früheren holländischen Wohnort seiner Vorfahren Cohan van Baren nannte. Mütterlicherseits stammte Hindenburg u. a. von der Posener halbjüdischen Kaufmannsfamilie Berger. Die von Angehörigen dieser Familie Berger errichteten zahlreichen wohltätigen Stiftungen bestehen heute noch und sind dadurch allgemein bekannt, daß ihre Nutzung ausdrücklich Angehörigen jeder Nationalität und Konfession zugute kommen soll. Der letzte männliche Vertreter der Familie Berger war um die Mitte des vorigen Jahrhunderts zusammen mit den Posener Stadtverordneten Jaffe und Katz Führer der Liberalen Partei in seiner Provinz und langjähriger Landtagsabgeordneter. Reichenberger Mustermesse. Mit besonderer Befriedigung konnte die 15. Messe beendet werden. Sie hat wieder gezeigt, daß sie für Industrie, Handel und Gewerbe von gleich hoher Bedeutung ist und sie hat nicht nur einen moralischen Erfolg errungen, sondern der erzielte Erfolg kam zum guten Teile den Ausstellern zu, welche mit ihren Messegeschäften durchwegs zufrieden find und von den vielen hier angebahnten Verbindungen ei» 'gutes Messenachgeschäft sicher erhoffen. Besonders anerkannt wurde, daß die große Werbetätigkeit auch im Auslande von Erfolg begleitet war, denn trotz der ungünstigen Exportverhältnisse haben sich viele AuSlandSeinkäuser.auf der Messe einge- sunden. Wider alle Erwartungen waren auch die, noch am letzten Mefietag entgegengenommenen Bestellungen zufriedenstellend., Lebhaft bedauert wurde es, daß die SonderauSstellung„Der Kaufmann" den vielen'Interessenten nicht noch einige Tage hindurch zugänglich gemacht tverden konnte. EiSschrankeS anscheinend nicht in Ordnung, fo daß die Ammoniakdämpfe ungehindert ausströmen konnten. Beim AnSschalten der Anlage dürfte wohl ein überspringender Funke die Dämpfe znr Explosion gebracht haben. Belgien läßt deutsche Flüchtlinge nicht mehr ein. Der Chef des Ausländer-Departements beim belgischen Justizministerium erklärte dem JTA- Bertreter, Belgien sei nicht mehr in der Lage, weitere Flüchtlinge aus Deutschland aufzunehmen. Flüchtlinge, die in Belgien einer Beschäftigung nachgehen, werden sofort des Landes verwiesen, es sei denn, daß sie neue Industriezweige in Belgien begründen. Gegenwärtig leben in Belgien etwa 1000 bis 1200 Flüchtlinge aus Deutschland. Bergsteiger-Tod. Aus Zermatt wird gemeldet: Beim Besteigen des Weißhorns stürzten d r e i T o u r i st e n aus einer Höhe von 1000 Meter ab und kamen ums Leben. Einstellung arbeitsloser Reserveoffiziere. Die Militärverlvaltung hat dieser Tage auf Grund der Apirantenverordnung eine Reihe von Reserveoffizieren, die arbeitslos sind, auf Grund ihres Ansuchens für den 1. September zum weiteren freiwilligen Aktivdienst einberufen. Sie sollen vor- wiegend als Instruktoren verwendet werden, und zwar— analog wie bei den Beamten-Aspiranten — möglichst im oder in der Nähe des Wohnortes ihrer Eltern, um ihnen so angesichts der geringen Bezüge doch noch einen gewissen materiellen Rückhalt im Elternhaus zu sichern. Attentäter gefährden einen Expreßzug. Durch einen Sabotageakt regierungsfeindlicher Elemente wäre eö am Freitag abend in Südirland beinahe zu einem schweren Eisenbahnunglück gekommen. Kurz bevor ein mit englischen AuSflüg- lern vollbesetzter Expreßzug die Kreuzungsstelle Corrols Croß bei Waterford erreichte, wurde entdeckt, daß ein Stück des Schienenweges ausgerifien war. Es gelang, den Zug noch in letzter Minute zum Stehen zu bringen. Die Täter hatten die Telegraphendrähte durchschnitten und die Telegraphenstangen abgesägt. Sie haben anscheinend die Beförderung Pon beschlagnahmten Gütern verhindern wollen. Erst nach zweieinhalb Stunden tvaren die Geleise soweit hergestellt, daß der Zug seine Fghrt fortsehen konnte. Ungeheure Zunahme der BerkehrSunfälle in U. S. A. Aus allen Großstädten wird gemeldet, daß seit Aufhebung des Alkoholverbotes die Unfälle durch betrunkene Kraftwagenführer um 100 bis 300 Prozent gestiegen sind. In Chicago wurden im ersten Halbjahr 1034 14 tödliche Unfälle und 350 schwere Verletzungen durch Alkoholgenuß der Fahrer veranlaßt. Prof. Mikes für Experi- mental-Psychologie von der Vale-Universität New Vork schreibt 7 bis 10 Prozent aller Unfälle dem Alkohol zur Last, der schon in kleinen Mengen, wie sie in einem Glas Bier, Wein oder Schnaps enthalten sind, genügt, um die Entschlußfähigkeit und Sicherheit des Fahrers herabzusetzen. Eine ganze Brücke gestohlen! Das Opfer eines nicht alltäglichen Diebstahles wurde die italienische Gemeinde Treviso, wo in dem Dörf- cken Canizzona zur Nachtzeit von unbekannt gebliebene» Tätern die Brücke über den Silo-Fluß vollständig gestohlen wurde. Es handelt sich dabei um eine unmittelbar nach der Kriegszeit aus amerikanischem Lcrchenholz konstruierte 25 Meter lange Brücke, die auf drei Holzpfeilern ruhte. Da- Opfer sein«? Unachtsamkeit wurde in Wien der Großkaufmann und Holzexporteur Adolf DawidoviL. Er vergaß in seiner Wohnung die GaShähne zu schließen, ivurde durch das enttveichende Gas betäubt und ertrank beim Baden in der Wanne. DavidoviL war 50 Jahre alt und stammt au- der Tschechoslowakei. Das Unglück kam dadurch zutage, daß das Master die ganze Wohnung überschwemmte und auf den Gang hinausfloß. Wa- einem Proleten nicht passiere« kann.. Ein Passagier, der in Rom den Expreßzug verließ, vergaß im Waggon eine Brusttasche mit 8 6 0.0 0 0 Lire. Das Geld wurde in Civita Becchia von einem Mitglied der Eisenbahnmiliz gefunden, der eö sogleich dem Eigentümer übergab, der überzeugt war, daß er bereits um das Geld gekonnnen sei. D« Mann, dar den Mund nicht halten kann. Ein medizinisches Rätsel ist der 82jährige Kutscher Donald C a mpb elI, der seit Tagen ununterbrochen redet, Gespräche hält, Beschreibungen und Erzählungen weitergibt, ohne sich kaum eine Minute Ruhe zu gönnen. Seit mehreren Tagen hat er nur fünf Stunden geschlafen. Nach Ansicht der' behandelnden Aerzie hat der bedauernswerte Dauerredner eine Entzündung im unteren Gehirnteil, durch die die Rede- Krankheit hervorgerufen wird. Gewinnung von Waldgras aus staatlichen Forsten Das Landwirtschastsministerium hat die Landeskulturräte verständigt, daß mit dem Erlöste ! vom 10. Juli 1034, Z. 70.001/34, die Zentral- ! direktiou der staatlichen Forste und Güter alle» untergeordneten Aemtern Weisungen darüber erteilt hat, wie bei dem Verlauf von Waldstreu und Waldgras an die durch die heurige» Elementarkatastrophen geschädigten Landwirte vorzugehen ist. Die Landwirte^ und ihre Bereinigungen werden daher darauf aufmerksam gemacht, daß sie sich immer unmittelbar an die nächste staatliche Forst Verwaltung zu wenden haben, die im Rahmen der geltenden Gesetze und nach Möglichkeit das Erforderliche veranlassen werden. Es ist zweckmäßig, daß sich die Jnterestenten unmittelbar an die nächste Verwaltung der staatlichen Forste wenden, damit sie die möglichst rasche Erledigung ihr« Gesuche erreichen. ES sind dccher in Zukunft keine Gesuche mehr an das Landwirtschastsministerium zu richten. BSseAslge« ei«er rrottelel. Berlin, 25. August.'(DNB.) Bei dem heute Nachmittag auf dem Gelände des Teraffengartens stattgefundenen Kinderfest deS Deutschlandsenders wurde ein Bündel von etwa 10bis 1 2 Kinde r b a l Ions durch eine brennende Z i« g a r re in Brand gesteckt, die, wie das DNB meldet, ein Herr,„wenn vielleicht auch nicht in bös- tvilliger, so doch jedenfalls in sehr leichtfertiger Weise", den Ballons genähert hatte, um sie platzen zu lasten. Bei dem Platzen der Ballons entwickelte sich eine beträchtliche Stichflamme» von der die in der Nähe befindlichen Kinder erfaßt wurden und Brandwunden im Gesicht und an den Händen erlitten. Im ganzen wurden 1 4 Kinde r v e r l e tz t. Die kriminalpolizeiliche Untersuchung ist sofort eingeleitet worde«. Fllegertod Warschau, 25. August. In Wilna stürzte heute auf der Straße ein Kleinflugzeug dcS Wil- naer Aeroklubs aus einer Höhe von 200 Metern ab und wurde zertrümmert. Der Pilot, der Hochschüler Wasilewski, fand den Tod. Nur dank dem Umstande, daß sich bei dem Absturz keine Passanten auf der Straße befanden, nahm das Unglück keinen größeren Umfang an. Erneuer««» des Nachnahme- und Poftauftrog- Dienftrs mit Deutschland. Nach einer Mitteilung der deutschen Postverwaltung werden Nachnahmesendungen und Postaufträge aus der Tschechoflowakei nach Deutschland wieder gestattet, falls der eingehobene Betrag zugunsten des Absenders auf das deutsche Postscheckkonto gutgeschrieben werden soll und d« Inhaber dieses Kontos die erforderliche Ermächtigung von irgendeinem deutschen Devisenamt nach Kap. Hl, 5—8, Vorschrift für die Devisenbewirtschastung erhält. Ein Kühlschrank explodiert. In Berlin- Dahlen explodierte SainStag mittags in der Küche einer Villa ein elektrischer Kühlschrank in dem Augenblick, in dem er abgestellt wurde. Die Wucht der Entladung war so stark, daß der Kühlschrank vollkommen in Trümmer ging und kaum ein Gegenstand in der Küche ganz blieb. Die S2jährige Besitzerin der Villa und ihre Hausangestellte wurden votr den umherfliegenden Splittern getroffen. Sie sind schwer verletzt. Auch die Einrichtungen der Nebenräume haben unter der Wirkung der Explosion stark gelitten. Einzelne Wände wurden eingedrückt. An der Front des Hauses ist kaum ein Fenster ganz geblieben. Nach einer vorläufigen Feststellung war die Anlage des v km-GGwirnrnrekorb Gibraltar, 25. August.(Reuter.) Eine außerordentliche sportliche Leistung vollbrachte der englische Marine-Unteroffizier William Brews. Ec durchschivamm die neun Kilometer lange Strecke von Gibraltar nach Algeciras in 204 Minuten. Viele Schwimmer haben bereits versucht, die Strecke zu bezwingen, doch ist infolge der in der Straße von Gibraltar herrschenden starken Brandung dies bisher noch niemanden gelungen.' Eine Frau auf 8000»«Höhe Lahore» 25. August.(Reuter.) Die Frau des Führers der internationalen Himalasaexpedition Professor Dy h r e n f u r t h hat den Frauenweltrekord im Bergsteigen errungen, indem sie gemeinsam mit ihrem Gatten und dem Alpinisten Ertl und Hecht die Westspihe des Berges. Queen Mary im Karakorum-Gebirge bestieg und eine Höhe von 24.005 Fuß(ungefähr 8000 Meter) erreichte«. Jfr. ISS Sonntag, 26. August 1934 Seite 5 10 Jahre industrieller Produktion Die Produktion einzelner Industrien in dpr TfifhPfhAClAlwalfPfe liest 1933 unter dem Stand von 1924||| UM I SUKUIUMvWOnCI Heft 7 des Bulletins der Tschechoslowakischen Nationalbank ist für die wichtigsten Industriezweige unseres Landes der monatliche Index ihrer Produktion seit dem Jahre 1921 wiederge- geben. Wir haben aus diesen, Material den Durch- schnitt-JahreSindex für die letzten zehn Jahre errechnet. Dieser Produktionsindex ergibt ein recht bemerkenswertes Bild von der Entwicklung unserer industriellen Erzeugung. Setzt man die Produktion der einzelnen Industriezweige und unserer gesamten Industrie im Jahre 1929 gleich 100, so läßt sich durch einen vergleich der Jndieie der für die einzelnen Industrien durchaus ungleiche Aufschwung in den Jah ren vor dem Beginn der Weltkrise der kapitalistischen Wirtschaft genau verfolgen; desgleichen der Abstieg, den die industrielle Produktion in den Jahren der Krise zu verzeichnen gehabt hak. Am stärksten ist die Erzeugung von 1924 bis 1929 angestiegcn: in den Elektrizitätswerken von S7.0 auf 100, inderMetallindu- st r i e von 89.8 auf 100, in der st e i n v e r arbeitende nundTonwarenindu st rie von 62.6 auf 100 und in der P a p i e r i nd u- st r i e von 63.1 auf 100. Dagegen fällt eS auf, daß in der Nahrungsmittelindustrie die Erzeugung im Jahre 1924 um mehr als 6 Prozent höher lag, als 1929, dem besten Konjunkturjahre. Sie hat in den folgenden Jahren diesen hohen Produktionsstand nie wieder er reicht; dafür war aber auch der Rückgang viel geringer als in anderen Industriezweigen. Der Einbruch der Krise in die verschiedenen Industrien erfolgte nicht gleichzeitig. Während der Produktionsrückgang nach dem Jahresindex in den meisten Industriezweigen erst mit dem Jahre 1980 einsetzt, beginnt er in der st e i n v e r arbeitende nundTonwareninduft^rie und in der H o l z i n d u st r i e schon 1929 und in der Textilindustrie sogar bereits 19281 Mit einem Index von 105.9(100 im Jahre 1029) erreichte die Textilproduktion im Jahre 1927 den höchsten Stand. Seither ist er andauernd gesunken. Erst im Jahre 1934 kommt es wieder zu einem Aufschwung, der für die einzelnen Branchen recht unterschiedlich ist. Der Durchschnltts-Jahreslndex der Industriellen Produktion («UI« fünf Bmb. f«SJ Monate) X J» c ?. L S 1924 86.8 89.3 84.9 1928 78.7 66.3 83.7 1926 84.8 61.4 81.8 1927 87.2 76.7 84.0 1928 90.8 94.4 91.7 1929 100.0 100.0 100.0 1930 88.9 85.4 83.4 1931 78.8 72.0 75.1 1932 66.8 40.0 54.4 1933 64.4 41.1 48.6 1934 61.3 47.0 49.5 a S Eje. s= E« • Z 86.1 62.6 71.9 93.2 89.2 69.6 72.4 92.0 86.2 77.5 72.5 77.6 91.9 86.4 78.5 88.5 98.1 107.7 86.7 112.8 100.0 100.0 100.0 100.0 83.4 91.4 91.8 84.5 64.4 79.6 89.9 66.8 45.9 69.8 80.9 49.7 41.4 83.0 85.9 48.5 40.2 33.7 86.7 48.3 S' 1° Z K 4 al 63.1 81.4 75.4 70.5 .— 88.9 81.0 80.9 80.7 78.5 91J 105.9 84*7 92.2 88.1 101.1 87.7 100.0 100.0 100.0 100.0 96.6 96.8 90.9 84.2 92.9 93.9 82.5 79.3 80.5 91.6 67.9 68.1 74.4 90.3 63.4 70.3 78.9 89.7 79.9 89.1 Z i Zs- ß- 73.9 106.3 57.0 76.0 78.9 96.0 64.8 79.0 82.8 04.8 69.1 76.7 90.1 91.9 78.4 88.9 96.1 98.7 90.3 95.9 100.0 100.0 100.0 100.0 93.4 96.1 99.3 89.2 89.1 95.8 94.5 80.6 79.4 99.4 85.5 63.4 71.6 88.4 87.8 60.2 75.9 99.3 91.9 65.5 Danach ist die Produktion weitaus am stärksten in der steinverarbeitenden und konwarenindustrie zusammengeschrumpft. Sie beträgt nach dem Stand vom ersten Halbjahr 1984 nur wenig mehr als die Hälfte der Produktion von 1924 und nur ein Drittel der des Jahres 1929 k Nicht wesentlich günstiger liegt die Porzellancrzeugung, die schon 1933 nicht einmal die Hälfte der von 1924 erreichte, aber im Vergleich mit 1929 nicht ganz fo tief gesunken ist. Die Holzindustrie erreichte 1928 mit 112.8 den höchsten Produktionsindex, um in den. ersten fiinf Monaten 1934 auf 48.8 zurückzugehen. Von allen Jndustrjen erreichte die Metallindustrie im Jahre 1932 den bisher tiefsten Stqiih. der Produktion. Innerhalb, von drei Jahren war dek'Jndex von 100 auf 40.0 zlirück- gegangen. Im folgenden Jahre ist dann der Index wieder ein wenig gestiegen und in den ersten Monaten 1934 hat sich diese günstige Entwicklung I betrug 60.21 1924 76, jedoch nur die verheerenden in rascherem Tempo fortgesetzt. Den geringsten Produktionsrückgang gegenüber 1929 haben die Nahrung s' elindu st r i e, die polst« g r a p h i se Industrie und die Elek- t r i z i t ä> v w e r k e zu verzeichnen. Im Vergleich zum Jahre 1924 lag 1983 der Produktionsindex h ö h e r: bei den Elektrizitätswerken, wo die Steigerung ganz außerordentlich auffällt; außerdem in der Papierindustrie, der Chemischen Industrie, der Leder-, Kleider- und Polygraphischen Industrie. Noch hinterdem Umfang v o n 1 9 2 4 ist auf Grund unserer Jndexberech» nung die Erzeugung im Jahre 1933 zurückgeblieben im Bergbau, der Metall-, Glas-, Porzellan», steinverarbeitende und Tonwaren», Holz-unh^extilindustrie» Dis gleiche Feststellung ist für die gesamte industrielle Produktion unseres Staates zu machen. Der Gcsamtindex 1933 Diese Ziffern illustrieren Wirkungen der Krise ans die Produktion und die gesamte Wirtschaft aufs schwärzeste l Für die er- stenfünfüezw. sechs Monate des laufendenJahreS zeigt der Produktionsindex für den Bergbau, der Porzellan», der steinverarbeitenden und der Polygraphischen Industrie gegenüber 1933 einen weiterenRückgang. In den anderen Industrien ist er gestiegen; z. T. sogar recht beträchtlich, so in der Lederindustrie um beinahe 19 Prozent und in der Textilindustrie um über 16 Prozent. Der Gesamt- i n d e x unserer industriellen Produktion für die gleiche Zeit liegt mit 68.8 über den Gesa m t i n d e x des Jahres 1932, der 63.4 betrug! .. Wenn die günstige Entwicklung unserer indu- strjsllefl'Pxodnktjön weiter geht, dann ist zrych ein stärkeres Sinken der ArbcitSlosenziffern zu erhoffen. Deutsch«„Kultur"verband... Auf dem Umweg über die»Prager Presse" erreicht uns folgende Meldung des„Mährischen Grenzboten <ÜS Jglauer Sprachinfelbotcn": „Das Gaufest des D e u t s ch e n K u l- turverbandes findet Sonntag, den 16. September statt. Es ist ein außerordentlich reiches Programm vorgesehen, das für alle Frohsinn und Freude bringen wird. Im Mittelpunkt stehl die Eröffnungsvorstellung des Z i r- ku S T i chY l e s k u, der mit seinen gezähmten Tieren, Indianern, Feuerfres- fern u. dgl. alles bisher Gesehene übertreffen wird. Biel« deutsche Vereine JglauS haben schon ihre Mitarbeit zugesagt, so daß das Sprachinselfest tatsächlich werden wird." Sollte eS wirklich innerhalb des deutschen Kulturverbandes nicht doch ein paar Leute geben, die sich eines solchen Kultur-Zirkus ernstlich schämen? Abenteuer eines Forschers. Der ungarische Lrnitholog Eugen Nagy, Professor an der Universität in Debrcczin, hatte dieser Tage in Nor- wtgen ein gefährliches Abenteuer zu bestehen. Der Gelehrte hatte sich an dem Ornithologenkongreß in Oslo bctc'ligt und begab sich daun auf eine Studienreise in Gesellschaft eines Führers wochenlang in die Berge und Fjorde. Zuletzt suchte er die mit gewaltigen Felsen und Bereisungen bedeckte Halbinsel Waranger aus. In der menschenlosen Gegend, die ein wahres Paradies der Vögel ist, sammelte der Professor lvertvolleS Material. Bor einer Loche jedoch verlor er seinen Führer aus deni Gesichtskreis. Nachdem er stundenlang vergeblich auf ihn gewartet hatte, beschloß er, allein die Eisfelder zu überqueren, um sein an der Küste harrendes Schiff zu erreichen. Drei Tage wanderte er ohne Speise und Trank durch die Glctscherwelt, bis er schließlich völlig erschöpft und vor Hunger halb bewußtlos die Küste erblickte. Er lvurde an Bord der Dampfers gebracht, und sogleich in das Spital von Syetefjord eingcliefcrt, wo er derzeit gepflegt wird. Die Schweiz verwehrt Sowjet-Sportlern die Einreise. Wie aus Moskau gemeldet ivird, hat die Schweizerische Regierung die Einreise der sowjet- kussischen Fußballmannschaft in die Schweiz ohne ilngabe von Gründen verboten. ' Kinderarbeit in Bergwerken gibt cs noch immer in'E n g I a n d. Der Bergwertsminister dec„nationalen Regierung" Ernest Brown schreibt in der Zeitschrift„Liberal National Liew", daß'28.000 I u n g e n unter 16 Jahren unter Tage angelernt werden und daß sie zunächst der Gefahren und ihrer Bor beugung unkundig seien, so daß die Zahl der Unfälle dieser Grubenkinder denn auch beträchtlich h ö h e r ist als in den älteren Jahresklassen. Die Aenderung des PensionSverfichenmgS» and des allgemeinen Angeftellten-Rechte» stellt jetzt Angestellte immer wieder vor die Frage: Wie ist die Rechtslage? Eine zutreffende Antwort auf sie findet man in jedem Falle in den beiden vom Einheitsverband der Privatangestellten in Prag H., Jung- maiinova 29 herausgegebenen Broschüren:„Kommentar zum neuen Gesetz über die Pensionsversicherung der Privatangestellten" und„Rechte und Pflichten der Privatangestellten nach dem neuen Gesetz"(Verfasser Adolf Brumlik.) Preis jeder der beiden Broschüren K£ 8.—. In einem ebenfalls vom Einheitsverband herausgegebene» Sammelband des Pen- sionSversicherungS-Rechte» sind die drei Pension-« Versicherungs-Gesetze von>929—1981 und 1984 vereinigt. Der Band(Preis Xi 86.—) enthält unter anderem den Kommentar des Direktors der Allgem. PensionSanstalt Dr. Gallas. Wahrscheinliche-.Wett« heute: Wechselnd belvölkt, nur iin Novdosten des Staates in höheren Lagen einzelne Regenschauer, sonst meist trok- ke», mäßig tvarm, verringerte Temperatnrgegen- sätzc zwischen dem Westen und dem Osten der Republik. Neberwiegend Nordostwind. Luftbriefpost für Südam«ika. Die Abfertigung der Luftpost aus der Tschechoslowakei für Südamerika findet regelmäßig einmal wöchentlich statt. Letzter Aufgabetermin in Prag jeden Freitag um 10 Uhs 80 Minuten bei dem Postamte Prag 7 in Prag H., Hybcrnskä. Bei allen übrigen Postämtern in der. Tschechoslowakei so, damit das Aufgabepostamt die Luftbriefpost dem Postamte Prag 7 bis zu. dieser Stunde abfertigen kann. Die Beförderung beansprucht nach Rio de Janeiro etwa zehn, nach Buenos Aires 11, nach Santiago de Chile 12 Tage. Die außer den gewöhnlichen Gebühren zu erhebende Luftpostzu- fchläge sind für Brasilien' XL 11.— und für die übrigen Staaten Südamerikas XL 13.— für je 8 Gramm. Spezielle Briefumschläge und Briefpapiere, deren Gesamtgewicht 8 Gramm nicht übersteigt, sind bei der Prager Filiale der Air Fra nee, Prag H.» Närodnt 6., sowie bei den anderen Luftverkehrsgesellschaften erhältlich. Dilling«- Nachfolger. Am Freitag wurden in den Bereinigten Staaten wieder zivei große Raubüberfälle von bewaffneten Banditen ausgeführt, denen Werte im Betrage von über 2.8 Millionen XL in die Hände fielen. In beiden Fällen konnten die Täter entkommen. In Rome(Georgia) zwangen mehrere mit Maschinengewehren bewaffnete Banditen zwei Bankangestellte zur Herausgabe von 9000 Dollar. In Clevelanb 1 (Ohio) hatte» vier Räuber den Führer eines Kraftwagens gefangen und rasten mit dem Wagen, der Waren im Werte von 8000 Dollar enthielt, davon. Die Londoner Kriminalpolizei unternimmt in letzter Zeit Versuche mit einem Autogiro-Flugzeug über London. Die Ergebnisse dieser Probeflüge sind absolut befriedigend, so daß diese Art von Flugzeugen in Hinkunft zur Verfolgung von Verbrechern Verwendung finden wird, die der Polizei auf Motorrädern zu entkommen versuchen. Die AutogiroS werden mit drahtlosen Enipfängern ausgerüstet sein, so daß eS möglich sein wird, aus diesen Apparaten den verfolgenden Polizisten Weisungen zu erteilen. Bon der Auffiger Handelsakademie. Einschreibungen in die vierklassige Handelsakademie und in die zweiklassigen Handelsschulen für Knaben und Mädchen können noch bis 1. September erfolgen. Die Aufnahmsprüfungen finden am 8. September um halb 9 Uhr früh für die Handelsakademie und um halb 10 Uhr für die Handelsschulen statt. Anmeldungen für den Abiturientenkurs werden, soweit noch Plätze frei sind, bis 1. September entgegengenommen. Auch schriftliche Anmeldungen sind zulässig. Prospekte und Auskünfte durch die Direktion der Anstalt.— Die Wiederholungsprüfungen finden am 8. September um 8 Uhr früh fiatt. Von Prager Rundfunk Das Programm wahrt seine sonmierliche Dürftigkeit. Der SamStag brachte einen Bericht von der Eröffnung der Reichenberger Messe, deren Bedeutung für den GLtermarkt schon am Montag vorher Direktor Otto M a r e s ch gewürdigt hatte. Nachher gab er Volkslieder mit Gitarren- und Zitherbegleitung. ES war kein sehr glückliches Beieinandersein. Fritzi P o l i f k a- T ch ä f e r singt gewiß sehr wohllautend, sauber in der Aussprache, gewinnend in der Tonbehandlung; sie findet auch den schlichten Ausdruck für das Volkslied. Aber die Begleitung will nicht dazu paffen. Gitarre und Zither vertragen sich ohnehin nicht gut, die metallisch harten Töne zerschneiden die weiche Besinnlichkeit der Guitarre. Auch scheint der Satz nicht glücklich gewählt zu sein. Bor allem aber muß sich der Sänger auf der Laute selbst begleiten, wenn der Ausdruck für das Empfundene einheitlich bleiben soll. Bei dieser Dreiteilung kam eS zu leicht und zu oft vor, daß schleppende und drängende Tempi auf'getrennten Wegen zueinander suchten.— Unbegreifbar ist mir, warum man im Sommer gerade das wertvollste Programm auf den Sonntag ansetzt, der doch wohl die meisten Hörer auf Erholungsausflüge entläßt! Das Konzert mit Werken sudetendeutscher Komponisten hätte in der Woche Zeinen dankbareren Platz gefunden; ebenso die Opernarien und Hofbauer- Vortrag über Jaurss. I Warum beschenkt man nicht den Sonntag mit den I jetzt, so beliebten Schallplatten-Uebertragungen? Ich weiß ab« auch, wie viele and«e Hör««nstlich Klage Helden Dörfer, die zu 80 Prozent gegen Hitler stimmten! Millionen, die gegen Hitler standen, wurden durch unsäglichen Terror abgeschreckt, ihre wahre Gesinnutig in die Wagschale zu Wersen. Daß trotzdem fast sieben Millionen Helden den braunen Mördern die Stirne boten, ist höchst bemerkenswert. Bewunderungswürdig aber ist, lvas man von einzelnen kleinen Gemeinden erfährt, in denen ein geradezu erschütternder Heldenmut den diktierenden Catilinas die wahre Meinung des Volles anfzcigte. Wie die„Neue Zürcher Zeitung" initteilt, haben in einem Orte bei Lörrach in Baden 80 Prozent der Bevölkerung gegen das Regime gestimmt. Im Bezirk der Bürgermeisterei Hermeskeil wurden zum Teil ebenfalls erstaunliche Resultate erzielt. Die Nazipresse teilt diese Siege der Gesinnung über den schamlosen Terror der Gewalt, wutschäumend und mit Drohungen nicht sparend, mit, die Nachrichten werden also authentisch sein. In Rascheid lvurden 160 Ja-, 98 Nein-, und 84 ungültige Stimmen abgegeben. Das bedeutet alsch daß 48 Pro.zent der Wähler gegen Hitler gestimmt haben. In G r i Niki u r g wurden 134 Ja-, 62 Rein-, und 22 ungültige Stimmen abgegeben. Tas sind insgesamt 40 Prozent Oppositionsstinnnen. Wer weiß, wie fürchterlich der Druck der skrupellosen Terroristen gerade auf dem flachen Lande lastet, der versteht erst den Heldenmut recht zu würdigen, der aus derartigen Abstim- mungsdcmonstrationen spricht. führen über eine so widersinnige Art der Programmgestaltung.— Prompt am Montag kam über Strasch-. nitz ein Singsang-Mischmasch von Schlagerliedern auf Schallplatte». Dr. Robert Kirchner stopfte die Zwischenräume mit einer Consörenee in Versen zu. Die Liblitzer Sendung am gleichen Tag« brachte eine pädagogische Plauderei über„Feinde der Kin- derfeele". A n n i P r u ch-R ö l z ging mit der Behauptung, kindlicher Egoismus fei immer die Schuld der Großen, von einem sehr wesentlichen Jrrtume cuiS. Die These aufstellen, geschwisterliche Liebe sei etwas Natürliches und Egoismus ettvaS den« kindliche» Wese» Fremdes, heißt denn wohl, die pmchow- gifchen Phänomene in den kindlichen Entnncklungs- stufe» sehr verkennen oder— nicht kennen. Ta heißt eS bei Wundt, Lay, Binet, Stern usw. nachlesen. Die Urteile der modernen experimentellen Kinderpsychologie lauten anders als der etwas sentimentale Wunschtraum eines übrigens sehr liebenswerten mütterlichen Gefühls, das eben aus Zärtlichkeit in die Irre geht. RückhaltSlo» zustimmen kann man der Vortragenden dort, wo sie Torheiten der Erwachsenen verantwortlich macht für Zerstörungen im kindlichen Charakter...— Ich möchte nicht unterlassen, bei dieser Gelegenheit darauf, hinzuweise», daß der Rund« funk. de», modernen Erkenntnisse» d« Kinderpsychologie»nd ErziehnngSfragen im allgemeinen ein viel lebendigeres Interesse zuwenden sollte; die meisten Eltern entbehren der grundlegenden Kenntnisse aus dem Gehiete der Erziehung des Kindes bis zum sechsten Lebensalter, das ja doch die wesentlichen Voraussetzungen für die spätere Charakterentwicklung schon abschließen soll!— Der von diesem Gesichtspunkte besonders zu begrüßende Vortrag des Dr. Jelinek über„Vorbeugenden Gesundheitsdienst am Kinde" ging uns leider durch unangenehme Störungen verloren. Ebenso die Dienstag-Sendung.— Der kühne Ausstieg der belgischen Gelehrten in die Stratosphäre gab Dr. Oskar D u tz den Anlaß, über die wissenschaftliche Bedeutung, über die Schwierig- keiten und die früheren Versuche einer Erforschung der atmosphärischen Höhengebiete in den aktuellen zehn Mnuten sehr anregend zu plaudern.— Sehr lehrreich in den mannigfaltigen Beziehungen zur Gegenwart waren die in der Arbeitersendung am Mitt- woch von Hellmut K r o m m e r verlesenen und zeitgeschichtlich besegten Texte„Aus unverösfentlichten Briefen des 48-er Revolutionärs Hans Kudlich." Die gut gewählten Stellen markieren den Weg des glühenden Freiheitskämpfers von den Barrikaden Wiens zurück in die schlesische Heinmt, auf der Flucht in die Schweiz, nach Änierika. Sie preisen die yingebende 'Treue des wahren Revolutionärs, der kein Zurück kennt vor den lockenden Anerbietungen des Gegners und der dafür im Alter alleine steht, verlassen von allen einstigen Mitkämpfern, die sich von der llleaklion auf gesicherten Lebensstellungen versorgen ließen. Freitag verband uns Straschnitz mit dem Sommer» frischen-Idyll strickender Frauen; man erfuhr, ohne darauf übermäßig neugierig gewesen zu sein, allerlei technische Gcheimniffe weiblicher Handarbeiten; Schallplatten machten dazu musikalische Begleitung. Liblitz brachte am Abend ein„Streitgespräch über Anstandöregeln". Dr. Arthur Rosen legte zwei Brüdern einen Dialog über„Konvention oder Sachlichkeit im täglichen Verkehr" in den Mund. Es besteht wenig Anlaß, die Für und Wider in der Diskussion vor dem Abendessen auf ihre Wertigkeit zu prüfen; in diesen Dingen muß wohl jeder seinen weltanschaulichen Haushalt nach eigenem Ernicssen bestellen.— Zu den Tagesereignissen sprach Genosse Redakteur Goldschmidt In der Arbeiterscndnng. Es betonte, daß die auch für vorsichtige Beurteiler fühlbare Entspannung keineswegs die in der europäischen Politik lauernden latenten Gefahren beseitigt habe. Die Abstimmung in Deutschland habe nach dem Urteile aller Prefsestimmen einen Mißerfolg des Systems ausgesprochen; man könne mit Gewißheit annehmen, daß Hitlers Stern in der wachsenden wirtschaftlichen Bedrängnis zu verblassen beginne. Oesterreichs Versuch einer politischen Neuorientierung, die Enirevue von Florenz, die sich daraus ergebenden neuen Wege für die Politik Mussolinis sind die auffallendsten politischen Ereignisse der Woche. Goldschmidt bezog sich auf das Urteil des AußennlinisterS Dr. Benes mit dem Hinweise darauf, daß in der augenblicklichen Politik tveder ein Anschluß Oesterreichs an Deutschland, noch eine Restaurierung der Habsburger diskutabel sei: daß die friedliche Entwicklung der europäischen Bölter gebunden bleibe an die Unabhängigkeit der Donaustaaten. Ernst T h ö n e r. PRAGER ZEITUNG •ta tedemMches Gympto» Ein Leser schreibt unS: ?l(S ich nm 23. August über den WcnzclSplatz ging, gegen hall, 8 Ilhr nbends, wurde ich plötzlich im Gespräch mit einer Bekannten durch den halblauten Zuruf,„Ncmluv iiömccky, ti Zide" (»sprich nicht deutsch, du Jud'I") gestört. Als ich mich nach dem Rufer ninivnnhtc, erhielt ich einen Fan st s ä> l a g ins Gesicht, so daß mir daS Blut aus der N a s e s ch o ß. In dem entstehenden Tumult entkam der Rowdy, ein Main» ii» schwarzem Anzug und braunem tönt, runden» Gesicht und kräftiger Gestalt, ii» einem Autotaxi. Die Polizei, die trotz lauter.Hilferufe und der bedeutenden Mensckicnansannnlung erst nach fünf Minuten kam,— kam zu spät. Es handelt sich hier— hoffentlich— um einen Einzelsall. Die moralische Schuld daran trägt zweifellos eine gewisse Prager Boulcvard- pressc., die die Lorbeeren.Hitlers nicht schlafet» lassen. Mai» lvird den Herren auf die Finger und Fäuste sehen müssenl Kunst und Wissen Das Ensemble des Deutsche« Theaters Schauspiel Es-wurden neuengagiert: Tie Damen:-Helga Kluge, iugcndliche Charakterrollen— Dolores M o n c a e l, jugendliche Salondame vom Deutschen Bolksthcater in Wien— Valerie Schneck, Muntere und Naive— Lotte Stein, Charakterspielcrin und komische Alte vom Deutschen Theater Berlin— Marion Wünsche, sentimentale Liebhaberin. Die.Herren: Egon von Jordan, jugendlicher Bonvivant von» JosefSstÄter Theater in Wien — Fritz Klippel,.Held, vom Staatstheater Berlin— Rainer Litten, jugendlicher Liebhaber vom Deutschen Theater Berlin— Arnold Marli, Charakterspieler und Regisseur vom Schauspielhaus in.Hamburg— Friedrich Richter, Väterspieler und Charakterrollen— Leo Siedler, Charakter« liebhabcr— Wilhelm Tauchen, Naturbursche — Willi Volker, Eharatterkomiker. Reengagiert wurden: Die Dmnen: Emmy Carpentier, Gerda Meller, ElSbeth Warnholtz, Paula Sommer. Die.Herren: Willi Bauer, Paul Demel, Leopold Dudek, Hans Götz, Karl Padlesak, Anton Schmerzenreich, Rudolf Stadler, Walter Taub, Fritz Palt. Lßsik Reuengagiert wurden: Die Damen: Rose Book, Koloratursängerin von der Ttaatsoper in Hanlburg— Vera Maal' i n g e r, jugendliche dramatische Sängerin von der Staatsoper Berlin— Herta R a y n, Soubrette vom Siadttbcater Zürich— Fine Reich« Dörich, a. G., Hochdramatische vom Staatsthea« ter in Karlsruhe— Elisabeth W a n k a, Spielalti« skin. Die Herren: Fritz Göllnitz, Tenorbuffo, Julius G>» t t m a>» n, Baßbusfo von der Staats« oper in Hamburg, Kurt Reinhold Popovic z, Bariton. Reengagiert wurden: Die Damen: Irene Eisinger, a. G., Lydia Kinderniann, Hilde Konctzni, Lotte Medak, Rose Paulv, Käthe Walter. Tie Herren: Magnus Andersen, Adolf Fischer, Adolf FuchS, Josef-Hagen, HanS E. Hey, Jaro Libal, Josef Riawcz, Theodor Schcidl. Operette Neuengagiert wurden: Anny Kunze, Soubrette vom Stadttheater in Breslau und Kurt Erich Preger, Operettentenor von dei» Städtischen Bühnen in Brünn. Reengagiert wurden: Käthe Walter, Erich Dör»»cr, Leopold Dudek, Rudolf Stadler. «egiffeure für Schauspiel, Oper und Operette Dir. Mar Licbl, Julins Gellner, Renato Mordo, HanS Götz, Arnold Marlö, Walter Taub. Neben Prof. Szell, ivnrde Fritz Zweig, Staatsoper Berlin, als erster Kapellmeister verpflichtet. Bühueubilbper Prof. Eniil Pirchan, Frank Schulte-, Leopold Kotulan(Maschinerie-Direktor).. Ballettmeisterin: Martha Anbrechtova. Spart• Spiel• Körperpflege Rekord des echten Sportgeistes Neben den Besilcistungei» in» 100-Mcter-Lauf, im Kugelstoßen und den sonstigen Kategorie»» gibt cs eine ganze Menge Rekorde, die ztvar nicht im Sport selbst, aber durch das Drum und Dran des bürgerlichen Sportbetriebes erzielt werden. So»verden Rekordziffern ai» Zuschauerniasse»» und damit a»» Rctordcinnahmen, an Roheiten u. ä. erreicht; der erstrebenswerteste unter den Kategorien»in» den Sport aber ist jedenfalls der P o p u l a r i t ä t s- rekord. Diesen hielt bis vor kurzem unbestreitbar der Slaviatorniann Plänikka. Er Ivar Mittelpunkt der Ovatioueu, die den tschechoslotvakischen Spielern an? läßlich ihrer Rückkehr von der FußballweltnDster» schäft bereitet wurden. Seine Bilder hingen in den Schaufenstern der Stadt so zahlreich Ivie jene der weiland kaiserlichei» Majestät in» Betstuhl, und so mancher Sportbegeisterter der Provinz lieb sichs eine Menge sauer verdienter Kronen kosten, um nach Prag zu fahren und den Wnndcrtormam» mit eigenen Augen bewundern zu können. Pläniika und die ganze Elf waren damals das Tagesgespräch, sie wurden ii» Prag empfangen mit einem Rekord ai» Begeisterung, die alles in den Schatten stellte, was in jenen Tagen geschah. Tausende von Arbeitern und kleinen Angestellten umlagerten die Straßen»in» den Wilsonbahn- hof,»im nur einen Blick auf ihre Lieblinge werfen zu können, die sie weit höher stellten als beispielsweise jene Verhandlungen, die in denselben Tagen um die Einführung der Vierzigstundenwoche in Genf geführt wurden. Tausende von Arbeitern-hielten es für ihre Pflicht, den Vertretern der Tschechoslowakei auf einer Fußballmeisterschaft die Reverenz zu erweisen, abet keiner von ihnen war da, um eine Woche später den Vertretern der tschechoslowakischen Industrie, die in Genf gegen die Vierzigstnndenkonvention und damit gegen die Interessen der Arbeiter und Angestellten gestimmt hatten, ebenfalls den gebührenden „Empfang" z»l bereiten. Auch das ist ein Rekord. Ein Rekord der Indolenz, der zwar nichts mit Sport, dafür aber viel mit Ablenkung und Vcrdnmmnng durch den Sport und seine Begleiterscheinungen zu tun hat Rekorde werden aufgestellt, um überboten zu werden. Auch Planikkas Popularitäisrekord ist infolge der leichtathletischen Sommersaison ii» Gefahr geraten. Wohl weniger durch den freßtiichtigen Oktavaner, der mit 111 Stück den Sieg beim Pflaumenknödelessen in Neu-Bydschov davontrug mit der Versicherung, sich aufs Nachtmahl zu freuen. Schon eher durch die Vertreter der Tschechoslowakei bei den Meisterschaften in Magdeburg und bei den Kanoe-Wett- bcwerben in Kopenhagen, wo sie trotz den» rekordmäßigen Mangel an Fairneß der hitlerdeutschen Teil- Bummel durch Rio de Saneiro Von Nikolaus Klein Die Nacht wollte keine Ende haben. U>n 7 Uhr waren schon alle Passagiere am Dc^ obwohl unsere Ankunft erst für 10 Uhr angescht war. ES wäre verlorene Mühe, die Schönheiten der Bucht zu schildern zu versuchen. In blendendem Sonnenschein, farbig, mit ihren Bergen und dem „Zuckcrhut" steht vor uns die schönste Stadt der Welt: Rio de Janeiro. Ein Motorboot nähert sich unserem Dampfer. Am Heck flattert die grüne brasilianische Fahne, darunter ein Wimpel mit der Aufschrift„Polieia". Knapp hinterher ein zweites, mit dem Lotsen, der unseren Dampfer in den Hafen steuern wird. Aus dem Motorboot der Polizei steigen außer den uniformierten Beamten zwei Herren in eleganten Zi- vilanzügcn aus. Der eine ist Neger.' . Dann beginnen die Formalitäten. Die Pässe, Sitten- und Jmpfzeugnisse werden verlangt, die Passagiere treten mit ihren Dokumenten der Reihe nach zur ärztlichen Untersuchung an. Der elegante Neger, ein junger Mann, ist der Arzt. Ist eö Zufall, daß ein schwarzer Arzt den ärztlichen Dienst hiev lnnehat, oder ist das mit Absicht so eingeteilt, um dem Europäer sofort bei seiner Ankunft kund- zümachen, daß in Brasilien der Reger dem Weißen in jeder Hinsicht gleichgestellt ist? Offiziell zn mindest. Rasch»>nd reibungslos gehen die Ausschif- fungsformalitäten vor sich, trotzdem ist eS schon 2 Uhr mittags, als wir den Dampfer verlaßen können. Vor dem Hafenamtsgebäude stehe» in buntem Durcheinander die Taxameter, Träger, Hotelmlgestclltcn mid Obswerkäufer. Ich gehe vom Hasen in die Stadt hinein, lieber den Avenida Rio Branco führt mein Weg. Eine Straße, dreimal so breit Ivie der WenzclS- platz, an beiden Seiten mit neue» 8, 10, 12, 16 Stockwerk hohen Häusern, bis sic sich zn einem Platz verbreitert. Hier stehen die Wolkenkratzer der Filmgesellschaften Parainount, M. G. M., Ufa, Gaumont. Bei einer Straßenkreuzung bog ich ein. Sie heißt Rua Carioca. Schuhgeschäft neben Schuhgeschäft. Hunderte Paare Schuhe sind vor den Geschäften aufgestapelt. Die Verkäufer— alle in Hcmdärmeln— rufen den Passanten zu und der Re»igierige, der vor einem Schaufenster stehen bleibt, läuft Gefahr, in allerkürzester Zeit ins Geschäft hineingedrängt zu werden, und wenn er Geld hat, kommt er gewiß nicht ohne neue Schuhe heraus. Ab und zu wird die Rgihe der Schuhgeschäfte von einem Herrenkonfektionsladen unterbrochen. Hier sieht man nur halbfertige Anzüge in den Auslagen. Alles ist ausgearbeitet, die Kanten sind sauber vernäht, Knopflöcher eingeschnitten, nur die Seitennähte sind zusaminengeheftet. Es schaut ungefähr so aus, wie bei uns ein Anzug bei der ztvesten Anprobe. In zwei bis drei Stunden entsteht fiir jeden sein Matzanzug. Am meisten entsprachen meiner Erwartung, etwas Exotisches zu sehen, die Geschäfte, in denen große, mit Häuten überzogene und mit Ziernägeln ansgeschla- gene Koffer ausgestellt waren. In diesen Geschäften verkauft man auch Revolver, Messer, Dolche, Sattel und riesige Sporen. nehmer sich ihre Preise sicherten. Die Siegespalme und unsere Reverenz gebührt' in dieser Sommersaison vielmehr jenen Mädeln, die an den Frauen- Wettspielen in London teilnahmen und sich hiezu die Kronen für Ueberfahrt und Aufenthalt vom Munde absparten. Um ihre Erfolge wird nicht viel Tamtam gemacht, trotzdem sie einen Weltrekord mit heim- vrächten und einen anderen unbewußt aufstellten: den Rekord des rechten und ge- sundenSportgeisteS, der uns wertvoller erscheint als alles andere, was uns das heurige Iah» im bürgerlichen Sport bisher beschert hat. H. Slavla spielt in München unentschieden. Das erste Spiel der Slavia gegen FC. Bayern auf der Deutschlandreise endete trotz Ucberlegenheit unentschieden 8:8(2:1), Das Eckenverhältnis lautet 12:8 zugunsten Slavias. Die Tore Slavias schossen Bradaö, Soborka und Junek; Fiala verschuldete ein Eigentor. Prager Fußball. Rapid Weinberge schlug CAFE. 4:3(2:2), Hvizda Kosir gegen SK. Live»'» 8:1(0:1). Die belgische Arbeiter-Fußballmannschaft„Ave- nir" Jette absolvierte in der Schweiz einige Freundschaftsspiele. In Ber>» verloren die Belgier 6:8(8:8), dagegen endeten die beiden Spiele in B a s e l— gegen Ost Rielen 4:8 und gegen Fortuna und Neu Lektion kombiniert 3:1— siegreich. Internationale Tagung in Amsterdam. Die Arbeitsgemeinschaft der G r u p p e W e st der SASJ hält Anfang September in Amsterdam eine Sitzung ab. Die Sitzung wird sich n»it der augenblicklichen Situation beschäftige»» und das Jahrespro- g r a m m 1 9 8 5 beschließen. U. a. werden auch die vom technischen Leiter der SASJ für das Iah» 1086 vorgeschlagenen internationalen Massenübungen geprüft. Die Arbeits- gemeinschast der Gruppe West umfaßt die Lände» Belgien, Frankreich, England, Holland, Schweiz und Saargebiet. Auch diese Sitzung wird sich mit der 8. Arbeiter-Olympiade 198? in Antwerpen beschäftigen. Das ungarische Meister-Wasserball-Team war nicht in Schreckc n ste in, denn eine englische Meldung besagt, daß das ungarische Wasserballteam in C l a c t o n o n S c a gegen ein AuSwahltcain von Essex 6:3(2:2) siegte. Den Ilngarn, die in jt ä rk st e r Aufstellung antraten, behagte das See« wasser nicht.— Damit erscheint die zweistellige Niederlage in Schreckcnstein für die deutschbiirgerlichen Wasserballer noch blamabler., Spartakiade des russischen Osten-. In Sowjetrußland werde»» umfangreiche Vorbereitungen für die Spartakiade der ostrussischen Jiationen getroffen, die am 6. September in T a s ch k e»»t eröffnet wird. An der Eröffnungsfeier werden über 80.000 Sportler aus den ostrussischen Sowjetrepubliken teilnehmen. Neuer Diskus-Weltrekord. Bei dem am Samstag in Oslo begonnenen Leichtathletit-Läi»derkamvf Schweden— Norwegen erzielte Anderson (Schweden) im Diskuswerfen mit der ausgezeichneten Wurfweite von 52.44 Metern einen neuen Weltrekord. Die Nazi-Olympiade 1938«flektiert aus Asrikakt Aus Johannisburg kommt folgende Meldung: Die Südafrikanische Union wird sich an de»» Olympischen Spielen im Jahre 1986 in Berlin beteiligen- Der Ausschuß des südafrikanischen olympi« scheu und WeltreichssporWerbandeS hat soebenbe- fchlossen, die amtliche Einladung auS' Deutsch la nd auf Entsendung einer Mannschaft anzunehmen. Vcrcinsnadirkhtcn A Turnerinnen, welche Heuer bereits aktiv sind, wissen, wie schön unsere Turnstunden sind; Ihr Anderen kommt und überzeugt Euch. Wir haben jeden Montag und Donnerstag von 7 _bis 9 Uhr abends in der Tlirn- PRAG halle, Prag II., Stipanskä ul. Nr. 20, Turnen mit Klavierbegleitung, weiters Geräteturnen und Ballspiele. Ich gehe die Rua Carioca langsam zurück, komme wieder auf die Avenida Rio Branco. Welcher Unterschied! Hier sehen die Geschäfte genau so aus wie am Graben oder Unter den Linden, in der Kärntnerstraße oder in der Rue de Paix. Hier sieht man in den Auslagen genau dieselben Schönheitsmittel, Stoffe, Luxusartikel wie in Prag, Wien oder in Paris. Die nächste Querstraße, die Rua Ouvidor, gehört zu den elegantesten Straßen Rios. Sie ist überaus eng und Autos dürfen hier nicht hineinfahrcn. Juwelierläde» stellen ihre Schätze in den Auslagen aus. Steine von unwahrscheinlicher Größe und Schönheit. Alles in Platin oder in 18-karätigem Gold gefaßt. Schmuck ist überhaupt die schwache Seite des Brasilianers. Er trägt überall Gold, wo wir uns mit ganz gewöhnlichem Metall begnügen. An de»» Hoscnriemc»» trägt man goldene Schnallen. Goldene Kragenknöpfe und Krawattenschnallen sind für den Mann mit gesicherter Existenz fast obligatorisch. Sogar an den diskreten KleidungSuten- silien, auf den Hosenträgern und Stnimpfhälteru werden goldene Schieber mit Vorliebe getragen. In allen Hauptstraßei» Rios, insbesondere aber in der Rua Ouvidor, gellen fast unaufhörlich die elektrischen Glocken der Lotteriegcschäfte. Man kann kaym einen Schritt machen, ohne von einem Losverkäufer angesprochen zu werden. Und der wäre kein richtiger brasilianischer Schuhputzer, der, nachdem man die Füße auf seine Putzkiste aufgestellt hat, nicht, ohne ein Wort dabei zu sagen, ein Los in den Schoß des Kunden legen würde. Auch in den meisten Friseurläden werden auf dieselbe Weise Lose verkauft. (Schluß folgt.) Var WIDM Die Arbeiter-Olympiade im Film Der große Prager Aufmarsch der Arbeitersportler ist voi» dem Regisseur H o r k y und dem Kameramann B u l a n e k in tönenden Bildern festgehalten worden— als Erinnerung für alle, die das große Fest miterlebt haben, und als Anschauung für die anderen, die nicht an ihm teilnehmen konnten. Wenn irgendein Ereignis der letzten Zeit würdig war, in seinem Gesamtablauf und in seiner tvuchtigen Wirkung auf den Filmstreifen gebannt zi» werden, dann Ivar es diese lebensfrohe Kundgebung der organisierten Arbeiterschaft in einem von, FascismuS umbrandeten Staate,— und wenn irgendwo für die Filmreportage eine lohnende Ausgabe war, dann war es hier. Man könnte sich die technische Bewältigung der Massenaufnahmen oben im Stadion stellenweise gelungener denken,»»nd man sieht auch nicht alle Möglichkeiten der Regie erschöpft, die ihre Aus- mertsanikeit auf die Vorbereitung und die Hintergründe des großen Festes hätte lenken können: ads die AnknnftSszenen, die Herbergen, die buntbe- tvegten Straßenbilder und die festlich bestrahlten Bauten. Aber das Wesentliche ist flar und eindrucksvoll wiedergegeben: die bejubelten Einmärsche und Vorführungen der Massen im überfüllten Stadion, die Teilnahme unserer Atus-Genossen»u»d Roten Falken, die Mitwirkung der ausländischen' Gäste-r und die gewaltige Bewegung des FestzugeS. die dem Film denselben begeisternden Abschluß gibt, den sie der Olynipiade in Wirklichkeit gab:' —eir— Junge Siete Der tschechische Film„Reka", der anläßlich seiner Premiere vor einem Jahr hier besprochen wurde, wird in der deutschen Fassung, über deren Berliner Erfolg wir seinerzeit kritisch berichteten, im Nränia- Kino gezeigt. ES handelt sich un» eine technisch gelungene Synchronisierung, die daS Original bildlich unverändert läßt und ihm nichts von- feine» Mängel,»(der Langatmigkeit und der Rührseligkeit), aber auch nichts von seinen Vorzügen nimmt, die vor allem in den schönen Naturaufnahmen bestehe». Man hat Bilder dieser Art seither im tschechische» Filin nicht mehr gesehen. Warum eigentlich nicht? Die Barrandov-Ateliers sind gewiß sehr schön. Aber die Landschaft zwischen Sudeten und Karpathen ist noch viel schöner. Drei Schritt eo« Lette Ein tschechischer Film, in dem es sich um-eine Erbschaft handelt, die ein Brautpaar beanspruch», daS sich, um eine Handlung zn provozieren, maskiert, und daS sich, um den Komponisten nicht im Stich z>» lassen, durchs Telephon ansingt. Und ganz am Ende tritt auch noch eine Spielbank in Aktion und ein entflohener Sträfling, der dtN Bräutigam für eine Weile ins Gefängnis bringt. Für Liebhaber altertümlicher Scherze ist also reichlich gesorgt. Die Regie Svatopluk I n n e m a n n s hat ebenfalls nicht den Ehrgeiz, mit neuartigen Einfällen zu überraschen. Sie hält sich an Vorbilder, die Karl Lamaö in seinen Filmen im Laufe der Jahre geliefert hat,— und Lamaä hat da- Vergnügen, als Hauptdarsteller bei dieser Kopie seiner selbst mitzuwirken. Die Freude, die er auSstrahlt, ist»»icht überschwenglich,— und Trude Groblicht (die endlich einmal eine sinnvollere Aufgabe be« kommen sollte) wirkt heiterer al- er..—eis— filme In Prager LldilsptelMneni Urania-Kino, Klimentskä 4:„Junge Liebe" (Der Fluß).— Adria:„Der heldenhafte Kapitän Korkora»»".— Alfa:„Eine Frau, die weiß, was sie will".— Avion:„Drei Schritte vom Leibe".— Beranek:„CharleyS Tante".— Ftnix:„Ein flau- kee als Hofrat".— Flora:„Donner über Mexiko". — Gaumont:„HanneleS Himmelfahrt".— Holl»! wood:„Drei Schritte vom Leib".— Hvizd»; „Sabra".— Julis:„Die schwimmende Belt".— Koruna:„Der Rächer Dick Turpin".—- Kowa: „Bella Donna".— Lucerna:„Bella Donna".—< Metro:„Ekstase".— Passage:„Karneval m* Liebe".— Praha:„Drei Schritt vom Leib".— Radio:„Charleys Tante".— Skant:„Die Spionin".— Svkwzor:„Der heldenhafte Kapitän Kor« koran".—, Alma:„Wochenendzauber".— Belvedere:„Unbekannte Melodie".— Brseda:„Ariane", — Carlton:„Lanrel und Hardy";„Frigo. der- Frauenverführer".— Favorit:„Die Stimme oh« Gesicht".— Illusion:„Keine Angst vor der Liebe". — Lido:„Harold, Schuhe, Wolkenkratzer".— Salbei:„Donner über Mexiko".— Kapitol:„Dritte Tschechoslowakische Arbeiter-Olympiade 1984",, ? e A u?.?-V? J"Zunge n: Bei Zustellung in- HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich KC 16.—, vierteljährig KC 48.—, halbjährig Kd 96.— ganzjährig XL 192—— Inserate werde» laut Tar»f billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitunaSfrankatur wurde von der Voü« unb Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.80Ü/VH/1V8V bewilligt. Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und Zeitungs^A.-G., Prag.