.«» 14. Jahrgang Donnerstag, 3V. August 1934 n i u 1. lniaKa aKademi'i r a h a II. lENTRAlORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHE« ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHCSIOWAKISCHEN REPUBLIK IRSCHIINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH MUH. REDAKTION und Verwaltung frag xii., fochowlä mo»w. ammmmrnnonumron HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUS. CHEFREDAKTEUR< WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, MAO. kvi aL Hundert Jahre Gewerkschaften Die groBe Feier In England Heute beginnen in der englischen Stadt Dorchesterdie Feierlichkeiten zur Erinnerung an die erste Gründung einer Arbeitcrgcwcrkschaft, die vor hundert Jahren in dem kleinen Ort T o I p u d d l e bei Dorchester unternommen wurde und mit der Verurteilung dcö Landarbeiters George Lcveletz und fünf seiner Genossen zu langjähriger Deportation endete, weil sie die Forderung erhoben hatten, daß ihr Lohn(der 9 Schillinge wöchentlich betrüg) erhöht wurde. Im Rahmen der Festlichkeiten zum Gedächtnis der „Märtyrer von Tolpuddle" werden S o m m e r- schulen für angehende GcwerkschaftSfunktio- tiäre, Massenversammlungen und zahlreiche Konferenzen stättfinden. Am kommenden Montag Ivird— unter dem Vorsitz des englischen Gewerkschaftsführers C i t r i n e— der Internationale Gewerkschaftskongreß eröffnet werden. * Zu den Festlichkeiten in Dorchester ist dieser Tage äüs'Pilsen eine zehngliedrige Gruppe von Turnerinnen der DTF abgefahren, die u. a. den dem' Vizevorsihcnden der DTJ, Genossen istipänek und dem Klubsekretär Genossen Dr. Sv lr'äk begleitet'werden. Die tschechischen Ge- nossinnen werden in Dorchester rhythmische Uebun- gen von der Olympiade, Hebungen mit Keulen und Nationaltänze Vorsichten. Internationales Arbeitsamt vermittelt Im amerikanischen Arbeitskonflikt Washington, 29. August. Das nationale Arbeitsamt, ist mit allen Kräften bemüht, den Streik der Tertilarbkiterschaft zu verhindern, dessen Ausbruch für den 9. September droht und der etwa.eine Million Arbeiter umfassen würde. Zum ersten Male unternimmt in diesem Falle auch das Jwteniationale Arbeitsamt den Versuch, vormittelnd einzugreison, ohne »aß bisher der Streik verkündet worden wnrr. Reuter meldet auS New Nork, es scheine, daß ein Tertilarbeiterstreik im ganzen Gebiet der Bereinigten Staaten unvermeidlich ist. Der Versitzende des Tertilarbritcrstreikausschusses ist bereit, die Weisung zur Einstellung der Arbeit unverzüglich zu verschicken.> Inerkennung Mandschukuos durch England? Englische Handelsdelegation unterwegs London, 29. August. Heute tritt eine Abordnung des Verbandes britischer Industrieller eine Reise nach dem Fernen Osten an. Ihr offizielles Ziel ist erstens» die Lage in Mandschukuo zu studieren und festzustellen, ob die britische Industrie bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes helfen kann; zweitens Aapan zu besuchen und dort mit wichtigen Industrien und Handelsorganisationen in freundschaftliche Fühlung zu treten. „Financial News" spricht die Vermutung auS, daß noch ein'drittes Ziel vorhanden sei. Es heiße, daß die Abordnung im Einvernehmen mit der britischen Regierung reise, und daß es sich um einen„typischen englischen Schritt" auf dem Wege zur Realität, d. h. zur A n arte nnung von Mandschukuo, handle und daß dir Anerkennung vielleicht zu ähnlichen engen/Beziehungen zwischen Japan und Großbritannien' führen lverde, wie sie vor 1921 bestanden haben./. Japanisch-chinesische Raufereien Depeschen aus Schanghai zufolge, die am Dienstag eintrafen, sind drei japanische Kriegsschiffe nach Weihaiwei abgegangen, um die japanischen Staatsangehörigen zu schützen. In Weihaiwei sollen zwischen Chinesen und Japanern stampfe ausgebrochen sein, wobei drei Japanergetötet wurden. WunrlsWsrent Abgestrafte bei der Helmwehr I Krach zwischen Fey und dem neuen SIcherheHsmlnlsler Das„schwane Bundesheer der Verbrecher Wien, 29. August.(Eigenbericht.) Im Zuge der Lorbrrritunge» für die Umstellung der privaten Schutzkorps(Heimwehr, Ostmärtische Sturmscharen, Freiheitsbund usw.) hat der neue SicherheitSminister Hammerstein- Equord ein« verhängnisvolle Entdeckung gemacht, die bereits zu schweren Konflikteir zwischen ihm und Fey geführt hat, deren weitere politische Folgen aber noch gar nicht abzusehen sind. Hammerstein'Equord ließ nämlich eine Sichtung der Strafkarten der SchutzkorpSleute durchführen und begann mit dieser Aktion in O b e r ö st e r- reich.-Obwohl„harmlose" Delikte wie WirtS- hauSraufereien, TrunkrnheitSexzesse und leichte Körperverletzungen vorsichtSweise von vornherein n i ch t in Betracht gezogen wurden,«ar das Ergebnis dieser Sichtung katastrophal: es zeigte sich, daß in den oberösterreichifchen SchutzknrpS 90 Prozent aller Mitglieder, vorbesirafte v erbreche« sind. Hammerstein-Equord machte gestern in eine« M l n i st e r b e s p r e ch.u n g von diesem niederschmetternden Ergebnis der Strafkartenfich- tung Mitteilung. ES kam daraushin zu heftl- gen Auseinandersetzungen» da Fey katekorisch forderte, daß diese Straskarten- sichtungen. sofort eingestellt werden sollten. Darüber hinaus verlangte aber Fey noch, daß dem Sicherheit-Minister, der diese unangenehmen Enthüllungen gemacht hatte, die direkte Einflußnahme auf die Umstellung der SchutzkorpSforma- tionen zu einer staatliche» Truppe entzogen werde und daß ein eigener Staatssekretär für SchutzkorpSformationen eingesetzt«erde, lleber diese Forderung soll in nächster Zeit ein ordentlicher Ministerrat entscheiden. Da aber unter de» christlichsozialen Minister» gegen die Wünsche FeyS schwere Bedenken herrschen, wird eS voraussichtlich demnächst wieder zu einer Kraftprobe-wischen den beiden P a r t e i e n in der Regierung kommen. Für- erste wurde bloß beschlossen, die Fortsetzung der Strafkartenprüfung provisorisch ein zu stellen, da— wie ein christlichsozialer Minister in der Beratung bemerkt haben soll — die schwebenden Verhandlungen mit dem Ausland wegen der Verstaatlichung der SchutzkorpS- formationen ernstlich in Frage gestellt würden, «en» rS bekannt würde, daß hier ein„schwarzes Bundesheer der Verbrecher" angestellt«erden würde. ES ist auch tatsächlich zu erwarten, daß die ausländischen Faktoren, die sich mit dieser Frage zu befassen Haven, daS Ergebnis dieser Strastartenprvfung zusammen mit den Ereignis» sen der letzten Tage ernstlich erwägen werden. Erst gestern kam«S— wie schon berichtet wurde — zu einer mehr alS einstündige« Schießerei zwischen Polizei und Heimwehrleuteu, die alS Nazi entlarvt worden waren und auS der Flo- ridSdorfer Heimwehrkaserne heraus verhaftet werden sollten. Da die übrige Besatzung der Heimwehrkaserne sich mit den deklarierten NaziS solidarisch erklärte, konnte die Kaserne erst«ach Einsetzung von zwei Polizei-PanzerautoS genommen«erden. Ob also eine neue staatliche Truppe, die zu 90 Prozent auS Verbrechern besteht, von denen überdies ein gutes Drittel sich insgeheim oder offen zu den Nazi bekennt, geeignet ist, die lange vermißte Ruhe und Ordnung in Oesterreich zu garantieren, dürfte den ausländischen Regierungen, die diese Frage zu entscheiden haben, .immerhin fraglich tdsßs einen. Ein Feber-Klmpfer zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Wien, 29. August. Mit einem Ereignis der sozialdemokratischen Feber-Revolte befaßte sich gestern und heute das Wiener Schwurgericht. Der 31jährige Goldarbeiter Richard Groß war des zweifachen Mordes und der aktiven Teilnahme an der Revolte angeklagt. Groß hatte in den Strahenkämpfen im Feber zwei Tage und zwei Nächte ein Maschinengewehr bedient. Als seine Stellung gegenüber der Kanonade unhaltbar wurde, zog er sich unter Mitnahme des Maschinengewehres zurück, das er dann auf dem Judenfriedhof verbergen wollte. Hiebei beobachteten ihn die Eheleute Menzler, die ihm als christlichsoziäl bekannt waren, aus dem Fenster ihrer Wohnung. Die Anklage behauptet, da er befürchtete, daß sie ihn verraten würden, habe er beide erschossen und dann später selbst einen Selbstmordversuch begangen, der ihn an den Rand des Grabes bracküc, ihn aber vor dem Galgen rettete. Nach seiner Genesung wurde er nunmehr Var das Schwurgericht gestellt, das ihn nach zweitägiger Verhandlung zu lebenslänglichem schweren Kerker verurteilte. IHe Bürokratie und die Arbeitslosennot Um die Emihrungsaktlon Höchste Zeit, daß die von der Regierung vorgesehene erweiterte Brotaktion für Ar- beitSlose endlich in Gang kommt! Die Brotteuerung, welche im Gefolge der Mißernte nun allenthalben auftritt, macht viel böses Blut. In sogenannten normalen Zeiten würde eine derartige Erhöhung des BrotpreiscS keine so große Rolle spielen. Die Konsumenten haben in den Jahren vor der Krise Brot Und Mehl erheblich teuerer gezahlt, und sie lebten bedeutend besser als heute. Immer wieder muß aber der ganzen Oeffcntlichkcit und besonders den agrarischen Gruppen eindringlichst in Erinnerung gebracht werden, daß die Verelendung der Arbeitslosen und Kurzarbeiter mit der fünfjäh. rigcn Dauer der Krise bereits k a t a st r o p h al e Ausmaße erreicht hat. Es konunt in Zehntausenden von Familien heute schon buchstäblich auf jedes Fünfhcllcrstück an. Schon für daS billigere Brot vor der Ernte haben vielfach die Mit- tcl nicht mehr gereicht. Jetzt reichen sie noch weniger. Bei, der Einfiihrung des G e t r c i d e- Monopols wurde eine gewisse Vorsorge für die wirtschaftlich schwächsten Schichten der Be- völkerung getroffen. Aus den Vorratsbcständen an sogenanntem Stiitzungsgctreide sollen die Arbeitslosen— vor allem die Bezieher von Ernährungskarten, aber auch die nach den niedrigeren Sätzen des Genter Systems Unterstützten— regelmäßige Brotzubußcn bekommen. Jeder Le- digc in diesen Kategorien hätte Aussicht aus einen Laib Brot pro Woche zu 1.80 Kilogramm, jeder Familienerhalter auf das doppelte Quantum. In dieser Form würde die Brotaktion ein Stück zusätzlicher Arbeitslosenfiirsorgc bedeuten. Wird sie— wie vorgesehen— dergestalt überall in der ersten Scptcmberhälftc cingcführt, so könnte daL gerade für die ärmsten Schichten eine zwar unzureichende, aber doch willkommene Er- leichterung ihrer schweren Nahrungssorgen bedeuten. Um diese Hoffnungen nicht zu enttäuschen» ist aber eines vonnöten: Es muß Vorsorge getroffen werden, daß die guten Absichten der Regierung nicht wiederum durch bürokratische Engher- zigkctt zunichte gemacht werden. Konkret gcspro- chen: Bleibt die derzeitige Praxis bei der Ernäh- rungsaktion aufrecht, dann wird auch die Brot- aktion nur eine halbe Maßnahme sein. In der Ernährungsaktion hat sich ein Teil der Bürokratie— leider der entscheidende— eine unhaltbare Methode zurechtgelegt. In den Be- zirken draußen wird gesiebt und nochmals gesiebt, um den Kreis der Bedürftigen möglichst scharf zu umgrenzen. Boi dem Stande der Staatsfinanzen steckt in diesem Vorgang leider ein Stück bitterer Notwendigkeit. Die Bezirksbe- Hörden stellen sodann auf Grund ihrer schon zehnmal überprüften Liste» die entsprechenden Ansprüche für die jeweilige Periode. Den Lan- deSbehörden ist wohlbekannt, daß diese Ansprüche unter Zugrundelegung ministerieller Richtlinien erhoben werden. Sie streichen aber die Vorschläge regelmäßig und zwar ganz empfindlich zusam- men. Dio böhmische Landesbehörde tut sich dabei besonders hervor. Für den Monat August wollte sie eine ganze Reihe von angeblich landwirtschast- lichen Bezirken ganz ausschälten, ohne Rücksicht darauf, daß auch dort Betriebsstillegungen die Menschen schon vor Jahren dauernd arbeitslos gemacht haben. Anderen Agrarbezirken wurden die Zuweisungen empfindlich gekürzt, unter der Voraussetzung, daß die Arbeitslosen bei der Ernte vorübergehend beschäfttgt werden können. Diesen Optimismus legte die böhmische Landes- behörde auch gegenüber ausgesprochenen Miß- ernte-Bezirken an den Tag, wo es wenig oder Oer Krieg... Wann wird ar ausbrechen? Sette& Donnerstag, 30. August 193t Nr. 202 Der XIII. KcmgreJ) des Internationalen Metallarbeiterbundes Parteigenossin! Parteigenoffe! Bist Du schon Mitglied der Ktnderfrennde? wenn nicht, dann tM bei. dfraft r Daß die Landesbehörden vorwiegend unter agrarischem Einfluß stehen, ist ein wohl unbestrittenes Faktum. Die Agrarparteien waren es, über deren Druck die Landesbehörden in die Durchführung der Ernährungsaktion eingeschal- tet worden sind. Soweit also bei den geschilderten Drosselungen der Landesbehörden der agrarische Parteieneinfluß zur Geltung kommt, liegt ihnen eine doppelt« Notstandsmoralzu. gründe. Gerade die Agrarier sind es, die immer wieder auf den landwirtschaftlichen Notstand in- ' folge der diesjährigen Trockenheit Hinweisen. In der Tat sind fast im ganzen Lande mindere Ernteerträge zu verzeichnen, in manchen Gegen- den ist der Ernteausfall katastrophal. Nun weiß jeder Halbwegs Kundige, daß bei Minderernten und Mißernten auch weniger Erntearbeit zu lei-, sten ist. Im allgemeinen gehen die Landwirte dazu über, möglichst wenig sremde Arbeitskräfte zu nehmen. In diesem Jahre rechneten sie um so mehr mit jeder Krone. Die Verwendung von Saisonkräften bei der Fechsung war noch nie so gering. Es gibt ganze Bezirke, wo nicht einmal um die Kost bei einem Baaern eia Schlag Arbeit zu bekomme» ist. Könnten von diesem Tatbestand nicht auch die Landesbehörden Kenntnis nehmen? Eine liberalere Durchführung der Ernäh- rungsaktion ist unerläßlich schon mit Rücksicht aus die Brotteuerung und die gegen sie eingesetzte Brotaktion. Soll der Brotbedarf der Bedürftigsten Halbwegs gedeckt sein, dann muß auch die ErnährungSkarten-Zuweisung den begründeten Anforderungen der Bezirke entsprechen. Vorläu- fig kommt es oft genug vor, daß ledige ArbeitS- lose für drei Wochen nur eine Karte bekommen, ja daß Verheiratete kaum eine Karte pro Woche erhallen. Soll eS auch bei der Brotaktion so werden? Wir stellten schon fest, daß ein Teil der Bürokratie bei der Arbeitslosenfürsorge unhaü- bare Methoden anwendet. Der andere Teil, der in den Bezirken draußen täglich die verzweifeüen Vorsteher, Vertrauensmänner und Arbeitslosen vor sich hat, ist ohnmächtig. Immer wieder hören wir bei Interventionen die Klage:„Ja, wenn die Herren" in Prag doch unsere Anforderungen anerkennen würden. Wir müssen doch wissen, wie eS in unseren Bezirken aussieht!" Der heutige Zustand ist ein regelrechtes Ballspiel mit der Ver- antwortung. Die Herren Landeshauptleute soll, ten sich in nächster Zeit einmal die Bezirksbeamten zusammenrufen. Und die Herren Bezirks- Hauptleute solüen bei dieser Gelegenhell unge- schminkt erzählen, wie eS in den Notstandsgebieten draußen aussieht. Hier geht eS um keine Parteifrage mehr, sondern um ein bitterernstes Staatsproblem. De« Kampf gegen de« Huuger ist i» kommende» Winter die wichtigste Aufgabe der Gesamtregierung. Der Kongreß wurde Sonntag, den 26. Aug. im Konferenzsaal des Hauses der britischen Eisen« und Stahlarbeiter in London eröffnet. 60 Delegierte vertraten 28 Verbände aus 18 Ländern u. zw. Großbritannien, Frankreich, Schweden, Dänemark, Norwegen, Belgien,' Holland, Luxemburg, Spanien, Schweiz, Tschechoslo- w a l c i, Ungarn und Rumänien. In da» Präsidium wurden die Genoffen L i t t l c- Großbritannien, Reutet« Belgien und Hampl« Tschechoslowakei berufen. Für das Internationale Arbeitsamt begrüßte den Kongreß Genoffe S t a a l, der u. a. die Hoffnung an»- sprach, daß der B e i t r i t t der USA. zum LAD diese der Berwirllichung der Arbeitszeitverkürzung näherbringe. Für den JGB verwies Genoffe I o u h a u x darauf, daß die schwere Wirtschaftskrise nun auch eine tiefgehende politische Krise ausgelöst hat, die in einzelnen Ländern zum FasciSMu» führte und eine schwere Kriegsgefahr über die Welt gebracht hat. Unsere GeneralveräNtworllichkeit besteht darin, dieEinheiteinerinternatio- nalenAktiondes Proletariates v o r z u b e r e i t e n, um so der drohenden Gefahr des FasciSmus und eines neuen Weltkrieges zu steuern. Genoffe I l g ergänzte den vorliegenden schriftlichen Bericht und besprach dann die man« nigfachcn internationalen Hilfsaktionen, die vom Internationalen Metallarbeiterbund unternommen wurden, besonders auch zugunsten der auS den fascistischen Ländern geflüchteten Kameraden und erklärte, daß der JMD immer alles getan habe, um di« internationale Solidarität zu stärken. Zur Frage der Arbeitslosigkeit und Arbeitszeitverkürzung referierte ebenfalls Genoffe Ilg. Er erinnerte daran, daß auch heute noch das Washingtoner Abkommen über den Achtstundentag von vielen Industriestaaten nicht ratifiziert sei. Nach dem Kriege haben wir die Verkürzung der Arbeitszeit aus sozialen Gründen gefordert, um dem Arbeiter mehr freie Zeit zu schaffen. Heute erheben wir die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung aus wirtschaftlichen Gründen, damit die Millionen Arbeitsloser wieder in den Produktionsprozeß eingegliedert werden können. Rechnen wir zur Zahl der Arbeitslosen die Zahl der Kurz- und Turnusarbeiter hinzu, so ergibt sich daß die Arbeitszeit auf mindestens 80 Stunden verkürzt werden müßte, um nur einigermaßen die Arbeitslosigkeit zu mildern. Gleichwohl bekämpfen die. meisten Unternehmerorganisationen' aller Länder.in kurzsichtigster Weise'eine Verkürzung der Arbeitszeit, wobei sie besonder» darauf verweisen, daß damit die Produktionskosten bedeutend gesteigert würden. Die durchgeführten Lohnerhebungen ergaben, daß der durchschnittliche Lohnanteil in der Maschinenindustrie 20 bi» 25 Prozent, in der Eisenindustrie 10 bi» 12 Prozent beträgt, so daß also der Lohn in den Produktionskosten keineswegs eine so überragende Rolle spielt, wie man das gerne darstellt. Unsere Aufgabe besteht darin, überall unsere Organisationen auszubauen, damit wir nicht nur eine Verkürzung der Arbeitszeit, sondern auch eine Erhöhung der Löhne erzwingen können. In der anschließenden Diskussion sprachen die Genoffen Tennisson(England), Danz (Holland), H a m p l(Tschechoslowakei)»Thomas(Spanien), P r e t s ch(Tschechoslowakei), Chevalme(Frankreich), Esapo(Ungarn), Gailll)(Belgien) undBklina(Tschechoslowakei), weiche zu den aufgeworfenen Fragen vom Standpunkt ihrer BerhältNiffe und ihrer Organisationen Stellung nahmen. Als Ergebnis seiner Beratungen nahm der Kongreß zwei Kundgebungenan, von denen die erste im Sinne der Ausführungende» Genoffen Jlg die V i e r z i g»G t u n d e n w o ch e fordert, wobei ein Lohnausgleich für 48 Stunden angestrebt werden müffe. Der Kongreß fordert alle der Internationale angeschlossenen Organisationen auf, einen kräftigen und beharrlichen Propagandafeldzug zu unternehmen, um in der öffentlichen Meinung aller Länder eine Strömung zu erzeugen, die Kleinmieter geschädigt durch kommunistische Gemeinde-,.Politik“ Die Gemeindevertretung in Aussig hatte am v. Juli über den durch den Stadtrat vorgelegten und durch die Gemeindefinanztommiffion befürworteten Antrag auf Einführung einer Abgabe von benützten Räumen, bei gleichzeitiger Aufhebung der bisherigen MietzinSabgabe und der Kanalbenützungsgebühr zu verhandeln. Nach der vorgelegten Einhebungsvorschrift sind Einzimmerwohnungen frei, für eine Wohnung, bestehend au» Zimmer und Küche, sollte jährlich ein Betrag von 24 XL, für zwei Zimmer und Küche 74 XL bezahlt werden und bei mehr al» sechs versteuerbaren Räumen ist eine Staffelung'von 76 bi» 800 XL jährlich pro Raum und Jahr bei 15 und mehrräumigen Wohnungen vorgesehen. ES w ä r e dann für eine Zimmer« und Küche- Wohnung zu 1000 XL jährlichen Mietzins in einem alten Hause 48 XL, anstattbisher 100 XL, bei einem jährlichen Mietzins von 2000 XL in einem neuen Haufe ebenfalls 48 XL, anstatt bisher 140 XL und in den Zwei- und Dreizimmerwohnungen beiläufig die Hälfteder bisherigen Abgabe zu bezahlen gewesen. Wohnungen mit vier und mehr Zimmern sollten nach gestaffelten Sätzen bester herangezogen«erden und alle jene Hauseigentümer, die aus Grund ihrer Steuerein- bekenntniffe eine lächerlich geringe Abgabe bezahlen,. hätten entsprechend mehr zu zahlen. Gegen diesen Antrag sind nun die Vertreter der Hausbesitzer, Großkaufleut« und Unternehmer aufgetreten und trachteten, den Antrag durch Demo»« strationSanträge, die eine Verwässerung bezweckten, zu Fall zu bringen. Da» ist ihnen mit Hilfe der sechs Kommunisten in der Gemeindevertretung tatsächlich gelungen. Daher werden die Kleinwoh« nungSmieter in Auffig weiterhin da» D öppe lte und die Hau»« und Villenbesitzer die verhältnismäßig geringe Abgabensumme bezahlen. Anstatt, daß sich die kommunisttschen Vertreter nun ihrer Handlung schämen, di« doch nur au» vollkoinmener Uninformiertheit oder au» Dema- 87 A, FRITZ ROSENFELD: M*«,»(tajuita EIN BOMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAO Am Abend des achten Tags stand Axjutta vor der Burg Ala Eddins. Zum Brunnen ging sie, hob einen Krug. Mit den Wasserträgerinnen gelangte sie durch das Tor. Mit den Sklavinnen, die Ala Eddins Lager bereiteten, gelangte sie in sein Schlafgemach. Lange war sie hinter den Kiffen verborgen, denn Ala Eddi» blieb heute viele Stunden bei den Frauen. Müde kam er, legte seinen Gürtel ab, seinen Mantel, sein Kleid. Die kostbaren Pantoffeln zog eine Sklavin von seinen Füßen. Mürrisch war er, mit dem Fuß stieß er die Sklavin beiseite. Sie erhob sich, verneigte sich, drückte sich scheu hinaus. Zum Fenster ging Ala Eddin, die Arme reckte er Der Mond schien. Malte den Schatten Ala Eddins auf den Boden. Seltsam war dieser Mond heute. Ein Schleier verhängte ihn/Seit die Helle im Lande war, war der Mond verändert. Er mußte Auftrag geben, daß Jv die Helle fortsandte, in ein andres Land. Morgen wollte er Jv die Botschaft senden, morgen. Er streckte sich aus, schwer waren seine Glieder, nah schwebte der Schlaf über seiner Stirn. Die Augen wollten zufallen. Da überging er nochmals den Tag. Omsk sollte mit dem Heer nach China. Ein Reisender aus Venedig ist vor kurzem diesen Weg gezogen und hat Schätze mitgebracht und viel Worte der Weisheit von den gelben Männern. Omak sollte den Weg de» Venezianer» reiten, morgen wollte er Auftrag geben, morgen. Die Griechin, mit der er heute geschlafen, hatte er satt. Lange war sie schon in seinem Frauenhaus. Sie wähnte seiner Gunst sicher zu sein. Sie zierte sich, wenn er kam. Bitten sollte er sie. Weil er ein alter Mann wurde? Tula sollte die Griechin haben, ihm gefielen die dunklen. Langsam kroch der Mond durch da» Zimmer. Bald hatte er Ala Eddin» Lager erreicht., Dann schien er dein Fürsten hell in» Gesicht. Auf diese Stunde wartete Axjutta. Ala Eddin schlief. Sie kroch au» dem Winkel hervor, der Dolch zitterte in ihrer Hand. Sie ging zum Fenster. Hoch stand der Mond, mild« schimmerte seine gelbe Scheibe auf dem blaudunklen Hintergrund des Himmels.* Nun leckte das Mondlicht schon bis zu Ala Eddins Bart. Jetzt kroch e» den Bart hinauf, fein Kinn erreicht es bereits. Jetzt lag eS auf dem Mund. Bis eS di« Augen erreichte. „Pal ist tot, Pal ist tot," sagte Axjutta leise vor sich hin.„Pal ist tot, Pal ist tot". ES war wie der Gong im Garten:«S betäubt« und gab Kraft. Als der Mond die Stirn berührte, sprang,sie zu Ala Eddins Lager. „Sieh auf", rief sie.«Ala Eddin". Des Alte hyb sich, rieb die Augen. Träumte er? Die Hell«, Jv» Helle, stand wieder im Zimmer? „Was willst du", sagte er mtt fahler Stimme. Und dachte: wo ist der Gong, wie wecke ich die Lanzenträger? „Pal ist tot", sagte Axjutta. „Pal?" „Du hast ihn erschlagen", sagte Axjutta. Da sah er in die Äugen de» Mädchen». Haß sah er in diesen Augen, ein Meer von Haß. Er rief alle seine Kraft in seine Blick«, seine Blicke konnten Menschen an die Mauer nageln und das Schwert au» der Faust der Krieger reißen. Wer heute waren seine Blick« schwach. Der Wein, dachte er, der Mond. Da hob Axjutta den Dolch. Seine Schneide blinkte im gelben Licht de» Monde». Da stach Axjutta zu: dreimal: Pal— ist— tot— Der Alte bäumte sich auf, das Gesicht verzerrt, die Hände verkrampft. Im Herzen saß der Dolch. Axjutta lachte. Seit den Stunden im Garten mit Pal lachte sie zum ersten Male. Das Auge de» Alten brach. Noch einmal sah er die Helle. Sie hatte ihn überwunden, die Feindin von damals. Sie war die stärkere geblieben. Die einzige Frau, die seine ArMe nicht aufgebrochen wie eine reife Frucht, die er nicht genossen bi» zum Kern., Axjutta flöh. Die Lanzenknechte schliefen. Einen Krug nahm sie am Tor, die Wächter ließen sie au» der Burg: „Omak ist krank", sagte sie.«Frische» Wasser, feine Stirn zu kühlen." Da» Tor stand offen. Die Wächter warteten. Die Sklavin mit dem Krug kam nicht zurück. Am Morgen fanden sie Ala Eddin, Dcheich el Dschebel, den Fürsten der Berge, erdolcht auf seinem Bett. „Jv» Dolch", sagt« Omak.„Der Zwerg hat ihn ermordet." Die Mauern von Akrod ragten hoch, der Turm ragte gegen den Himmel. Jv kehrte heim. Leer fand er da» Hau». Axjutta und da» Kind waren verschwunden. Am Morgen aber kam Omak, einen Dolch in der Hand. „Ist da» Dein Dolch, Jv?" „Er ist mein Dolch." «Er stak in der Brust Ala Eddin»". Der Zwerg fuhr zusammen. Pal ist tot, ich werde ihn rächen, Lang e» in seinem Ohr. Er wurde gefesselt, zwischen den Pferden nach Ulleika geschleppt. Sein Kleid war zerschlissen, als er anlangte. Beine Lugen verklebt von Staub. nötig ist, um die 40-Stundenwoche zum Sieg zu führen und um«ine entsprechende Aktion der die Arbeiterforderungen unterstützende politischen Kräfte herbeizuführen. In der zweiten Kundgebung fordert der Kongreß den Völkerbund auf, den sich zur Zett in Händen drS Vorsitzenden der Abrüstung«, kommisston Henderson befindlichen Entwurf des internationalen Abkommen» über die Einführung einer allgemeinen Kontrolle der Her- st«klung und der Ausfuhr von KriegSwaffen so schnell wie möglich zu behandeln. In der Beitragsfrage wurde beschlos, sen, den bisherigen Zustand zu belaffen. Als Sitz de» Bundes wurde Bern und als internationaler Sekretär Genoffe I l g bestätigt. In den internationalen Vollzugsausschuß wurden die Genossen M c Kenna« Großbritannien, Chevalme. Frankreich, K j ä r b ö l-Dänemark und H a m p l- Tschechoslowakei gewählt. Am 27. August wurde der Kongreß nach Schlußreden der Genoffen Hampl, Jlg und Little unter dem Gesang der Internationale geschloffen. gogie, was noch schlimmer wäre, entstanden ist, wollen sie ihren Anhängern, die das schändliche Spiel durchschauen, weiSmachen, daß di« Sozialdemokraten eine Schlappe erlitten haben. Tie „Rote Fahne", deren Redakteure ja„große" Politik machen und sich mit den Gemeindefragen nicht weiter beschäftigen, brachte in ihrer Num- mer vom 28. August l. I. eine Notiz, in der wider besseres Wissen behauptet wird, die neue Ab, gchbe hätte die Taschen der Werttätigen— womit sie hoffentlich vor allem die Arbeiterschaft meinen — belastet. Gerade das Gegenteil ist richtig, und die Grotzfirmen Petschek, Weinmann» Schicht,Wolf- rum, Hübel, Meyer, Maresch usw. müßten den Kommunisten in Auffig Dankschreiben für ihre vor, zügliche Einstellung senden, wenn sie nicht wüßten, daß die Kommunisten derartige„Leistungen" aus lauter Haß gegen die Sozialdemokraten und „Liebe" zu dem Arbeitern gratis und ftanko liefern. Kordab Erinnerungen Der Betrüger Ehmelik verhaftet Bor einigen Tagen wurde in der Redaktion der Stbibrnh-Blätter ein Manuskript beschlagnahmt» welche» die Memoiren des verstorbenen Prager Erzbischofs Dr. K o r d a L enthaften soll. Die Preffe StttbrnhS hatte die Veröffentlichung der Erinnerungen in der üblichen sensattonellen Form angekündigt. Dadurch Wachte sie den Prager Sprachenlxhrer..Dr M Ü n d'i n g aufmerksam,-der bei--der Polizei die Anzeige erstattete, daß ihm da» Manuskript herausgelockt worden und widerrechtlich in den Besitz de» Berlages „Tempo" gekommen war. Der Mann, den Dr. M u n d i n g das Manuskript ausgefolgt hatte, nannte sich Dr. S v i r ä k. Die Polizei stellte bald fest, daß der angebliche Dr. Sviräk, der auch eine falsche Adreffe angegeben hatte, in Wirklichkeit der vorbestrafte Betrüger Josef C h m e« lkl aus Prag Xll., ist, gegen den sofort ein Steckbrief erlassen wurde. Gestern mittags erkannte in der Nähe des Landesamtes in Smichov ein Wachmann den Betrüger, welcher nach anfänglichem Leugnen seine Identität zugab. Ehmelik blieb in Haft. Man warf ihn in den Kerker, bi» Roccu Eddin kam, der Sohn des Scheichs, der künftige Herrscher der Affassinen. AuS Alumat eilte Roccu Eddin herbei. Drei Pferde ritt er zu Tode. Das Kleid seines Vaters legte er an. Das Schwert seine» Vater» gürtete er um. Tief neigten sich Tula und Omak vor ihm. „Als Wgesandter Allahs stehe ich hier, zu richten und zu herrschen." Acht Tage wurde der Tod Ala Eddins betrauert, flammten Feuer auf aller Bergen, lagerten die Affassinen im Freien um Ulleika. Dann wurde er zu Grabe getragen, wie e» einem Fürsten geziemt. Ach achten Tage aber hielt Roccu Eddin Gericht über Jv. „Du hast meinen Vater getötet, Jv." Jv schwieg. „Gibt es eine Strafe, die zu hart wäre für dein Verbrechen?" Jv schwieg. „Du bist alt, Jv. Du hast die Jahre der Weisen. Weise greifen nicht mehr zum Dolch". Lange sah Roceu Eddin den Zwerg an. Dann sprach er: „Ich könnte dich tüten. Doch die» wäre keine Sühne für deine Tat. Da» Schwert ASrael» ist über dir— ich will die Tage, die du noch lebst, in eine Marter verwandeln, daß du jede Stunde, jeden Augenblick um den Tod betteln sollst!" Roccu Eddin rief Tula zu sich. «Blendet ihn, hängt ihn im tiefsten Kerker der Burg an den Händen auf. Bindet ihn lo», einmal in drei Tagen, um ihn zu speisen". Tula nickte. Am Abend des achten Tage» brannte ein große» Feuer in der Mitte des Lager». Die Affassinen fragten: ob Stiere gebraten werden sollten über diesem Feuer? (Fortsetzung folgt? 9t. 202 ftmutite» 80. Mugnfl 108» Sette 8 Todesurteil In Leoben Graz, 29. August. Da- Militärgericht in Luten beendete heute den Prozeß gegen die 19 Teilnehmer der nationalsozialistischen Revolte in St- Gallen im steierischen EnnStal«nd verurteilte Kran» Ebner, einen ArztenSsohn, wegen Hochverrates und Ermordung des Gendarmeriewacht- «eisterS Knkefch, der durch ein Dnm-Dum- Stschoß in den Kopf getötet wurde, zum Tode durch den Strang, die zwei Angeklagten Robert Klorianschitz«nd Franz Berger zu lebenSläng. lichcm schweren Kerker» zwei Angeklagte zu je 20 Jahren, neun Angeklagte zu je 10 Jahren, eine» zu zwei Jahren und«inen z« einem Jahr« schwere« KerkerS. DaS Todesurteil an Franz Ebner ist nm . 23 Uhr vollstreckt worden. Ehe Milliarde Kronen Henkersprämie? Die Helmwehrchristen brauchen QeM Die bluttriefenden Schlachter der öfterreichi» schen Demokratie präsentieren die Rechnung. DaS Heimwehrregime braucht dringend eine Anleihe. ES hat die Unverfrorenheit, durch seine Preffe verkünden zu lassen, daß eS den„p rattischen Dan k" Europas in klingender Münze einheimsen will. Dieser wirklich»praktische" Dank wird gefordert, nicht nur für die Nieder- schlagung deS jüngsten Nazi-PutscheS, sonder«» auch für die blutig« Unterdrückung deS Feber- Aufstande- der österreichischen Arbeiter. Die Kulturwelt soll auf einmal vergessen, datz dieser Feber-Aufstand zumSchuhederver« fassun g und zur Verteidigung der österreichischen Demokratie entbrannt ist. Die sozialdemokratischen Schutzbündler haben für die Unabhän» gigkeit Oesterreichs gekämpft, die Heimwehrchristen haben diese Unabhängigkeit an Mussolini verschachert. So ist denn die Anleihe-Fordennig der Austrofascisten nichts anderes als eine Zumutung an das westliche Ausland, es möge di« Zeche für ihre von Mussolini angestifteten Abenteuer bezahlen. Wie eS heißt, wollen die Wiener Verfassungsbrecher nicht weniger als 200 Millionen Shilling gepumpt haben. DaS wäre eine ganz nette Henkersprämie für den Galgenbetrieb der schwarzgelben Usurpatoren. Soweit die demokratischen Parteien ans die Geldgeschäftte der westeuropäischen Finanz Einfluß besitzen, werden sie gegen diese unerhörte Zu- amtung schärfsten- zu Felde ziehen müffenl Greuelmeldungen,. der„Reichspost“ Die österreichische Regierung-Presse bemüht sich seit Tagen, eine gewiße Alarmstimmung zu erzeugen und die Sache so darzustellen, als ob dem Tturze der gegenwärtigen„autoritären" Regierung notwendigerweise nicht nur ein Chao- in Oesterreich, sondern direkt ein zweiter Weltkrieg folgen müßte. Damit soll die Notwendigkeit erwiesen werden, daß Europa daS Regime der Herren Schuschnigg und Starhemberg bedingungslos nicht nur gegen eventuelle weitere Aufruhrversuche, sondern auch vor der drohenden finanziellen Pleite schütze. Ueberdie- hat unlängst auch unsere »Deutsche Preffe" dasselbe Lied angestimmt. Nun veröffentlicht die„R e i ch S p o st" Meldungen über neue Putschpläne der Nationalsozialisten, die angeblich vonJugosla« Wien aus, wo sich österreichische Legionäre unter reichsdeutschem Kommando sammeln, demnächst wieder gegen Kärnten losschlagen wollen. Es bedarf gar nicht erst deS scharfen Dementis de- jugoslawischen PreffebüroS, um zu erkennen, daß diese Greuelmeldungen der„Reichspost" wieder nur dem Zwecke dienen sollen, in Genf den Boden für die angekündigte Anleihebettelei vorzubereiten. Feys Gefängniswärter erhalten IS Jahre Kerker vor dem Wiener Militärgericht hatten sich heute zwei Teilnehmer d«S UeberfalleS auf das Bundeskanzleramt, u. zw. der 21jährige Othmar Wölfl und der 24jährige Armin K r a u- patz zu verantworten, welche di« Abteilung befehligten, di« am 25. Juli im Bundeskanzleramt die gefangenen Minister und Beamten außer Dr. Dollfuß, der unterdeffen einem Mordanschlag zum Opfer fiel, bewacht«. Die beiden Angeklagten bekannten sich schuldig. Der Prozeß begegnete auherordentlchem Interesse, weil Minister Fey und Staatssekretär Karwinsky als Zeugen ein- bernommen wurden. Ihre Aussagen hielten sich ckber rein im Rahmen des konkreten Falles der Urberführung der beiden Angeklagten, die dann ihre Schuld vorbehaltlos eingestanden und zu je 18 Jahren schweren Kerkers verurteilt wurden. Sie haben sich nur— um die Schlafplätze gerauft I Wien, 29. August. Wie nach einer Meldung de» DNB die Heimwehrführung mitteilt, liegen dem Zwischenfall in der FloridSdorfer Heimwehrkaserne nicht politische Differenzen zugrunde, sondern lediglich ein Streit um diebes-seren Schlafplätze, der schließlich in Tätlichkeiten au-geartet war. Die Polizei hab« nicht ein» zugreifen brauchen, da der Führer dec Polizeiabteilung zusammen mit einem Vertreter des Wiener Heimwehrkommando- den Zwist auf güt» Baltischer Pakt unterzeichnet Riga, 29. August. Ans der am Mittwoch vormittag- hier eröffneten Konferenz von Vertreter« der Außenministerien Lettland-, Estland- und Litauen- wurde ei« Abkomme«»wischen de« drei baltischen Staaten paraphiert, da- aü Vorstufe z« einem valtischeaStaate«» b u n d angesehen wird. Da- Abkommen sieht eine enge außenpolitische Zusammenarbeit der drei baltischen Staaten vor. Periodische Zusammenkünfte der drei Außenminister sind vorgesehen. Die drei baltischen Staaten finb ferner gehalten, sich laufend über ihre mit dritten Staaten geführten Verhandlungen und abgeschlossenen Verträge zu unterrichten. Der Vertrag bezieht sich allerdings nur auf solche Fragen, die ave drei baltischen Staaten gleichzeitig berühren. Diese Einschränkung dürfte in erster Linie im Hinblick auf die nur Litauen berührenden Wilna» und Memelfragen aufgenommen worden sein. Goerlng doch Vizekanzler? Vari-, 29. August. Di« Agence Hava- meldet au» Berlin, daß nach Jnformattonen au- po- littschen Kreisen auf dem Nürnberger national- fozialMchan Parteitag die leitenden Funktionen geregelt werden sollen. Rudolf Hetz, der ständiger Vertreter in der Leitung der Partei war, wird diese Funktton beibehalten, doch soll zum Stellvertreter Hitler» al» Reichsführer und Kanzler G o e r i ng ernannt werden, der auf dies« Weise eine Art Vizekanzler werden soll, sein« Befugnisse würden allerdings ausgedehnter sein, al» die Befugnisse Papcns waren. Getrübte Freundschaft Hitler» Biographie in Polen verboten Die dicke deutsch-polnische Freundschaft wird durch ein Urteil deS Schnellgerichtes in Thorn (Polen) etwa» getrübt. Auf Grund eines Paragraphen über die„öffentliche Verbreitung falscher Nachrichten, die öffentliche Beunruhigung Hervorrufen könnten", hat da» Gericht«ine Reihe reich-deutscher Bücher beschlagnahmt und verbieten lassen, darunter die Hitlerbiographie„Mit Hitler in die Macht" von dem Reich-Pressechef Dietrich der NSDAP. Selbst Hitler-„Mein Kampf" steht schon seit einiger Zeit in ganz Polen auf der Verbotsliste k Da- offizielle deutsche Nachrichtenbüro (DNB) fügt denn auch die Bemerkung hinzu, daß diese- Urteil in Deutschland einige- Kopfschütteln Hervorrufen werde; e» müsse festgestellt werden, datz umgekehrt in Deutschland teil' Buch über Marschall Pilsudksi verboten sei. Ausländerverhaftunsen in Berlin Wegen angeblicher kommunistischer Propaganda Berlin, 29. August. Sam-tag wurden in der Nähr Berlin- neun Ausländer beim Baden verhaftet,«. zw. vier Engländer, zwei Franzosen«nd drei Spanier, die angeblich dem internationalen verband der antifascistischvn Jugend angehören und nach dem Antikrieg»-«nd anti- fasristischen Kongretz» der in Spanien stattfand, nach Deutschland gekommen waren. Hiezu meldete das D. N. B. von unterrichteter Seite, daß es sich um ausländische Kommunisten handle, die einstweilen in Polizeigewahrsam gebracht wurden. Sie seien angeblich nach Berlin gekommen, um Thälmann zu besuchen und hätten in ihrem Gepäck Werbeplakate und kommunistische Schriften mitgebracht und die Ge- legenheit beim Baden benutzt, eine Anzahl dieser Plakate an Baumen im Grünewald hängen. Ein Teil dieser Plakate trug da» Bild von Thälmann. Diplomatische Intervention erwirkt Enthaftung Arber Einschreiten der spanischen und der französischen Botschaft sowie de» grotzbriwnnischen Konsulat»»nrden die verhafteten wieder in Freiheit gesetzt. Die französischen Delegierten reisten heut« abends nach Paris. Sämtliche Delegierten protestieren gegen die im heutigen„Angriff" al» Sensationsmeldung aufgemachte Behauptung, daß sie im Grünewald antthitleriftische Propaganda- aufzu-1 flugzettel an einem Baum befestigt hätten. Dis Helmatfront wirbt mit der Hungerpeitsche Die Arbeitsvermittlung des D. d. D. und die SHF und der 7. Oktober Au» GraSlitz wird uns geschrieben: Der Bund der Deutschen und die Henlein« front haben hier eine unentgeltliche Stellenvermittlung und Arbeitsberatung errichtet. Eine höchst notwendige Sache. Denn lausende Arbeiter und Arbeiterinnen sind von den Volksgenossen Unternehmern aufs Pflaster geworfen worden. Meist als Folge der Wirtschaftskrise; oft aber waren die Entlassungen sehr willlürlicher Natur. Der Bund der Deutschen und die Henlein- front. machen nun eine Arbeitsvermittlung auf, zeh« Schritt« von der Vezirk-arbeit-verwttt- lang--Anstalt entfernt, wodurch diese völlig überflüssig wird. Es wirft sehr komisch: An dem einen Tage veröffentlichen die bürgerlichen Blätter eine Mitteilung der Be» zirksarbeitsvermittlung, alle freigowvrdenen Stellen bei ihr zu melden, einige Tage später bringen dieselben Blätter einen Aufruf der fascistischenArbeitSvermitt- lung, alle freien Stellen, auch Gelegenheit»» arbeiten, usw. nur bei ihr zu melden, denn .Deutschen könne angeblich.nur durch Deutsch« geholfen werden".. Da» ist offene Sabotage der öffentlichen Bezirk-anstalt für Arbeit-Vermittlung» riecht aber auch sehr.nach Gefinnunz-terror. Dafür spricht nach folgend«»: Am 7. Oktober findet in Karl-bad ein großer»Tag der voll»gemeinschaft", auf deutsch Heerschau de» Fasei.-mu-, statt. Nachdem die Unternehmer nicht gewillt sind, dem Arbeiter Kraft durch höhere Löhne zu geben, so soll er Kraft durch Freude erhalten, frei nach Goebbels. Die GraSlitzer Henleinleute agitieren daher auch für eine starke Beteiligung an diesem Faseistentag. Sie haben eine eigen« Auskunftei geschaffen, in der nähere Auskünfte bezüglich des 7. Oktober erteitt werden. Nun ist bei der ganzen Sache folgende- interessant: Beide Einrichtungen, die Stellenvermittln«- de- Bunde- der Deutschen und der Henlein» front und die Au-Iunft-stelle für de« Fasci» steuaufmarsch am 7. Oktober Befinde« sich im Gasthau-„Ewige- Licht", Schachzimmer und find täglich von 14—16 Uhr nachmittag- geöffnet. Die Zusammenhänge sind klar. Di« Not und, die Entbehrungen überlanger Arbeitslosigkeit treiben den Arbetter zur Stellenvermittlung der Henleinfront und von dieser zur Werbestelle de» Fasci-mu» ist im wahrsten Sinne de» Worte» nur ein Schritt! Ein Sprichwort sagt: Bogel friß otzer stirb. Wenn der Arbeitslose bereit ist, au- der Hand de» völkischen Unternehmer» da» saure Brot der Unterwerfung und Gesin» nung-losigkett zu essen, dann findet er wieder Gnade vor den Augen der Herren; andernfalls soll er verrecken. Do sieht die Abschaffung des Klassenkampfe» und die faseistische Volksgemeinschaft au». SHF-Loyalltät erwiesen Cs war nur ein Dolch... Die Pressestelle der SHF setzt in letzter Zeit ihren ganzen Ehrgeiz darein, jeden verhafteten SHF-Anhänger, der in irgendeine Schutzgesetz- affäre verwickelt ist, rücksichtslos zu verleugnen. Dabei passieren chr aber ergötzliche Dinge. So druckt da» Abendblatt der„När. Lifty" «ine in einem..elenden Tschechisch abgefatzte „Presseberikbtigung" eine» Vertreters de» Herrn Henlein ab, jn der kühn behauptet wird, daß ein gewisser Hermann Greipel, der in Schlesien verhaftet wurde, niemals Kurierdienste zwischen den Troppauer Anhängern der SHF und der Führung der schlesischen Jrredenta im Reich geleistet habe. Wieso das Herr Henkein so besttmmt wissen kann, ist einfach unbegreiflich. Nur schade, daß man nickst auch dem Untersuchungsrichter, der sich mit dem Fall Greipel zu befassen hat, einfach eine solche Henleinberichtigung schicken und damit die ganze Geschichte au» der Welt schaffen kann! Possierlich ist aber vor allem der Schlußsatz der Berichtigung: wüMMlr ist, daß Bei ihm mehrere Morddolch«(vrajedmk dhkh) gefunden wurden. Wahr ist vielmehr, datz bei ihm n« r« i» ei«»t«er Dolch gesunden wurde." Ei« Dolchmesser pro SHF-Anhänger tut chsso der allbekannten Loyalität der SHF. gegen unseren Staat beileibe keinen Abbruch. Gefährlich würde die Sache erst bei mehreren Dolchmessern, aber mehrere solcher Dinger auf einmal in den Taschen zu tragen, hat Henlein seinen Anhängern offenbar streng verboten. Wodurch ja wieder einmal Henlein» Loyalität zum Staate tlipp und ftar bewiesen ist! SPD-Kämpfer vor das Volksserlcht Schwere Zuchthausstrafen für den Berlin« „Roten Stotztrupp".— Die Anftager„Ein höchst gefährliche» Unternehmen" Politische Prozesse, die in einem zivilisierten Lande Wochen« und monatelang die Oeffentlichkeit im Banne halten würden, werden im braunen Deutschland sozusagen am laufenden Band abgewickelt. Unter der Anklage der Vorbereitung zum Hochverrat hatten sich Dienstag vor dem Volksgerichtshof in Berlin sieben Angeklagte zu verantworten, die eine illegale Zellenzeitung„D e r Rote-Stotztrupp" verbreitet hatten. Sie sollen ferner geheime Beziehungen zu der SPD-Leitung unterhalten und von dort rund 1000 RM. zur Finanzierung ihrer Pläne bekommen haben. Der Hauptangeklagte Küstermeyer wurde zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt» die übrigen sechs Angeklagten erhielten Zuchthausstrafen bis zu sieben Jahren. Küstermeyer hatte die jüngeren akttven Elemente der Sozialdemokratie zu einer neuen revolutionär-sozialistischen Partei zusammenfassen wollen. Der„Rote Stoßtrupp" wurde über ein System von Bezirks- und Untervertretern verteilt, und soll nach den Feststellungen der Polizei in einer Gesamtauflage von 4 0.0 0 0 S t ü ck verbreitet worden sein. Jn der Anklagerede hieß es, datz eS sich um ein„Höch st gefährliche» Unternehmen" handle, da- der Bildung einer neuen Umsturzpartei nahekomme. Dieser Standpunkt der Anklage steht in schroffstem Gegensatz zur täglichen Goebbels- Propaganda, welche die illegale sozialdemokratische Arbeit in Deutschland systematisch totschweigt und die SPD immer wieder als mausetot erklärt. Nun hören wir auf einmal, daß das Gangster-Regime die Arbeit einer einzigen illegalen Gruppe als höchst gefährliches Unternehmen betrachtet. Die illegale revolutionäre Arbeit in Deutschland wird auch nach diesen Schandurteilen nicht aufhören, sondern den braunen Machthabern noch viel gefährlicher werden. Wir grützen die todesmutigen Kämpfer vom „Roten Stoßtrupp"! Romrelse Barthous Datum noch nicht festgesetzt Pari», 28. August. Das morgige„Journal" teilt mit, daß sich der Ministerrat u. a. mit der bevorstehenden Romrei.se des Außen- m i n i st ers Barthou und mit dem sogenannten Nordosteuropäischen Pakt befassen wird. Nach den Informationen deS„Journal" wird Polen seine, wenn auch bedingte Zu« st i m m u n g, zu dem Palte geben. WaS die Romreise des Ministers Barthou betrifft, wurde bisher ihr Datum noch nicht festgesetzt. ES wird dies die erste Reise des französischen Außenministers nach Nom seit dem Bestände deS fascistischen Regimes sein. Schieberei In Sofia Sofia, 29. August. An der Sofioter Peripherie kam es heute zu einer Schießerei zwischen Polizei und einem Kommunisten, der verhaftet werden sollte, weil er vor zwei Tagen einen Wachmann angeschosscn hatte, und der sich in einem Hause verbarrikadiert hatte. Es wurden an l OOSchüsse gewechselt, die eine große Panik hervorriefen. Als sich der Kommunist schließlich ergab, fand die Polizei im Keller des crlvähnten Hause» eine geheime Druckerei, in der kommunistische Flugblätter hergestellt wurden. Ungünstiges amerikanisches Urteil über Deutschland New Bork» 29. August. Präsident Roosevelt empfing den ehemaligen Gesandte»: Pearson, der soeben von seiner Europareise zurückgekehrt ist. Pearson schilderte dem Präsidenten die allgemeine Wirtschaftslage in Europa. Er fügte hinzu, daß sich der allgeineine Wirtschaftsstand etwas gebessert habe, doch sei die Lage der Industrie in Deutschland sehr gefährlich und lverde sich nach den» Saarlandplebiszit auf einem kritischen Punkt befinden. Heber Frankreich äußerte sich Pearson dahin, daß die französische Republik in aller Stille einer wirtschaftlichen Besserung entgegen- schreite. Vom Rundfunk Empfehleumoert« au» de» Programme«, Freitag Prag, Sender L.: 10: Schallplatten. 10.20: Deutsche Nachrichten. 11.06: Konzert. 18.30: Arbeitsmarkt. 17.40 Schallplatte». 18.20 bis 18.66: Deutsche Sendung: Univ.-Prof. Dr. Kraus: Ueber- den internationalen Philosophenkongreß in Prag. 18.45: Arbeitersendung: Aktuelle 10 Minu ten. 20.20: Schallplatten. 21: Niederländische Musik.— Sender S.: 14.26 bis 15: Deutsche Sendung: Liselotte Kirschner: Eine halbe Stunde für die Frau.— Brunn: 18: Chansons auf Parlaphon« platten. 18.20: Deutsche Sendung: Björnsterne Björnson:„Zwischen den Schlachten".— Mähr.» Oftran: 10.80; Blasmusik. 18.20: Deutsche Sendung: Lieder und Arien, Seite 4 30. ffuftuft 11)34 Äe. 202 Auf dem Wege zmn optischen Rundfunk Zur Eröffnung der„Ersten Fernsehausstellung der äSR" Vas dIumvngv8vIimUoKtv 6rad Kvlomsn>V»Ui8oIi's in Leoben fagcsioSghdttn Prager Mefferelief Tic Veranstaltung der diesjährigen Prager Herbstmesse fällt i» einen Zcitabsämill der Wirt- sckiaftscniivicklung, ivctchcr der Messe desandere Aufgaben stellt. Während sich ihr Ergebnis in sci'ärsstcr Krisenlage dach nur in einem verhältniS- mäßig engen Raume ausivirkcu lanntc, steht ihr int Herbst 1034 bereits ein breiteres Geschäfts- scld assen. Das Ausland geigt sich an der tschecho- slawatischen Prvduktivn iviedcr stärlcr interessiert Auch int Jnlande ist ein der Messe günstigeres Moment festzustellen. Tic Messe verstand cS denn auch, durch großzügige Vorbereitungen beiden Gegebenheiten Rechnung zu tragen: Als Berührungspunkt zum Welt- inarll einmal exportverteidigend zu tvirkcu, so in Ländern, wo noch leine lvescntlichc Besserung zu verzeichnen ist, andererseits aber ausgesprochen crporiauStveitcnde Ziele zu verfolgen. Gerade die Länder, wo sich eine WirtschaftSbcsserung durchsetzte, sind im vollen Maße dem Wettbewerb ausgesetzt und cs war daher ein Hauptziel für die Messe, in diesen von der intern,rtionalen Kpn- lurrenz umstrittenen Gebieten der Messcwcrbüng. Erfolg zu verschaffe». Auch die Industrie verstand cs, aus der gegebenen Lage den richtigen Schluß zu ziehen. An der bereits diesen Sonntag beginnenden Prager Herbstmesse nehmen über 3000 Aussteller teil, welche tausende von Mustern und zum Kauf anregende Neuheiten vorführen. Die Messe gliedert sich wieder in drei Teile, den Mcssepalast, das neue und das alte Ausstellungsgelände mit warcnmäßig festgesetztem Nahmen. Den Hauptteil der Mustermesse bildet die Allgemeine Messe, in welcher auf heimischen und internationalen Geschmack abgcsrimmte Waren vorgcführt werden. Eine der interessantesten Abteilungen wird hier die Gruppe der G l a s- und Porzellanindustriefirmen sein, die auch Gablonzer Waren, Bijouterie und Christbaumschmuck umfaßt. In der reichhaltigen Spielwarcngruppe und in der Abteilung der Leder-und Lederwaren- i n d u st r i e dürfte das Weihnachtsgeschäft eine große Nolle spielen. Besser beschickt ist diesmal auch die Gruppe der T c x t i l i e n, vor allem in Strick- und Wirkwaren solvic Wäsche. Großen Raum beansprucht wieder die Maschinenindustrie, eine der wichtigsten Messegruppen in Prag; sic umfaßt alle Maschincnthpcn und technischen Erzeugnisse. Ebenso reichhaltig ist die Beschickung der M e t a l l i n d u st r i e und der elektrotechnischen Branche, weitere gutbcsctzte Gruppen der allgemeinen Messe sind: Papier und Papierwaren, Galanterie, HauS- und Küchengeräte, Kanzleibedarf, Optik und Feinmechanik und Baumaterialien. Ein großer Teil der Aussteller muß wieder als Restgrupp« ausgewiesen werden. Der allgemeinen Messe stehen eine Reihe von Sondcrvcranstaltungen zur Seite, von welchen einige zum dauernden Bestandteile der Prager Messe gehören. Bor allem zählt hier die Radiomesse, die von maßgeblichen ausländischen Experten als führende europäische Veranstaltung anerkannt lvurde. Als größte Spezialmesse rangiert die Möbel- und Pianomesse an erster Stelle. Auf dem neuen AusstellungS- gclände nimmt ferner die Gruppe„Zeit- gemäßeWirtschaftsführung im Haushalte großen Raum ein. Auf dem alten AuSstcllungögelände beherrschen die drei Gruppen„II. F a ch m e s s e d e r D r o g i« st en und ihrer Lieferant« n", „W a s die Frau interessiert" und die„G a r t e n b a u m e s s e" das Feld. Der Mitteltrakt des Jndustriepalastes ist den ausländischen Expositionen Vorbehalten. Man kann der diesjährigen Prager Herbstmesse sicher mit Spannung entgegensehen. Auf ihr wird eS sich zeigen, ob unsere Industrie wieder Nachdem im Rundfunk, der sich im Laufe weniger Jahre zu ungeahnter Bolikommenheit entwickelt hat, ein alter Wunschtraum des Menschengeschlechts erfüllt wurde, steht das Problem des F c r n s c h e n S im Vordergrund des technischen Interesses der Zeitgenosse». Der Laie weiß heilte»och wenig über die Möglichkeiten, die diese technische Errungenschaft für die Zukunft bietet. Vom 2. bis 0. September d. I. findet im Rahmen der Prager Herbstmesse im Messepalast die„E r st c F e r n s c h a u s st c l l u n g der Tschechoslowakei" statt, die dem interessierten Laien, wie auch dem technischen Fachmann viel Interessantes bieten dürfte. Bei einem gestern im Repräsentationshans veranstalteten Empfang der Pressevertreter gab Oberrat H a- s c k als Vorsitzender der„T e l e v i s c- Genossenschaft" und der»Technischen T e l e v i s c- K o m m i s s.i o n". interessante Aufschlüsse über den derzeitigen Stand des Fcrn- schproblcms in unserer Republik und über die seiner Entwicklung und AuSgestalkung gewidmeten Bcstreblmgen. Der Vortragende betonte zunächst den Vorsprung, den andere Länder(vor allem England, Anlcrika und Deutschlands auf dem Gebiete des Fernsehens vor unserem Staate haben und wies gleichzeitig auf die Notwendigkeit hin, daß auch bei uns dem Problem des optischen Rundfunks das nötige Interesse geschenkt werde. Es dürfe nicht vergössen werden, daß der optische Rundfunk keine r ein e Unter ha ltungSangelege n h c i t ist, sondern auch auf dem Gebiet der W i r t s ch a f t, der Na tionalverteidi- g u n g usw. hohe Bedeutung erlangen wird. Zur praktischen Bearbeitung dieses Problems wurde vor-einiger Zeit von der Zeitschrift„T c l e v i s e" eine„Technische T c l e v i s e- Ä o m m i s- s i o n" ins Leben gerufen, an der u. a. auch Ver einen Schritt vorwärts kommt, zum Weltmarkt neue Brücken zu schlagen vermag, ob aber auch der Inlandsmarkt wieder kauffreudiger geworden ist, optimistischer die Lage beurteilt. Brudermord K l a d n o. Jn der Gemeinde Bakov gerieten in der Nacht auf Mittwoch die Brüder Anton und Alois P o s p i l i l, dir seit langem in Unfrieden miteinander leben, wieder einmal in Streit. Nach kurzem Wortwechsel stieß Alois seinem Bruder ein langes Küchrnmrsser in dir Brust. Anion änk lanslos zu Boden und verschied nach wenigen Minuten. Der Mörder floh in die Wälder, wo er von der Gendarmerie gesucht wird.. Bom Strom getötet Pardubitz, Der 21jährige Ladislav Lorenz aus Hlinsko kam bei der Abtragung einer Schießbude so unglücklich mit der elektrischen Leitung in Berührung, daß er auf der Stelle vom Strom getötet wurde. Im selben Augenblick montierte die Tollster des Unternehmers die Schalttafel ab und nur einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, daß sie dabei nicht auch mit dem elektrischen Strom in Berührung kam. Beide arbeiteten an der elektrischen Leitung in der Meinung, daß der Strom ausgeschaltet sei. Budapest. In dem siebenbürgischen Bergwerksort Pctrozseni ließ ein 13jährigcr Zunge einen Drachen, steigen, der an einer Drahtschnur befestigt war. Der Draht berührte eine Hochspannungsleitung. Der Junge und zwei Spielkameraden, die den Draht in den Händen hielten, wurden vom Strom getötet. Erdbeben iw Bengalen Muzaffarpur(Bengalen). Die Umgebung von Muzafsarpur wurde am Mittwoch von einem heftigen, einige Sekunden andauernden Erdbeben heimgesucht. Die Bevölkerung verließ panikartig ihre Wohnungen, da sie befürchtete, daß sich das katastrophale Erdbeben, von welchem diese Gegend im Jänner d. I. betroffen wurde, wiederhole. Bisher werden keine Verluste an Menschenleben gemeldet. Ja«nd Rein. Den Machthabern des Dritten Reiches geben trotz allen Jubclfanfaren die Millionen der N c i n st i m m e n doch allerlei zu denken. Und man ist sichtlich bemüht, ihre oppositionelle Bedeutung zu schmälern und sie wenig- stens zum guten Teil als belanglose Kundgebungen momentan Verärgerter abzutun. Das ver- sucht jetzt z. B. Goebbels'„Angriff", indcni er Briefe von Neinsagern abdruckt— was»lögen das für Neinsager sein, die ihre Ab- lehnung Hitlers in Briefen an den„Angriff" begründen! Ein solcher Brief aber ist wirklich interessant— er ist er, wenn eS echt ist, und er wäre eS auch, wenn er erfunden fein sollte, weil cs auch dann, noch reizvoll ist zu erraten, wem Goebbels' Blatt mit der Veröffentlichung gerade eines solchen Briefes auf die Hühneraugen treten will. Da schreibt nämlich— angeblich oder wirk- lich; gleichviel— die Frau eines SA- Mannes: „Mein Mann hat zuviel Dienst. Jede Rächt kommt er zwischen 1 und 2 Uhr nach Hause. kreier zuständiger öffentlicher Faktoren(Radiojournal, Postministerium u. a.) teilnehmen. Zur Behandlung der wirtschaftlichen Seite des Fcrn- schgebietcS wurde die„T c l e v i s c- Genossenschaft" gegründet. An der Spitze dieser beiden genannten Organisationen steht, tvic erwähnt, Obcrrat Hasel, der die vorliegenden Jnsornlationen erstattete. In Gründung befindet sich ferner eine„Freie F e r n s c h v e r c i n i- g u n g", die eine große Organisation der Bastler und Fernsehfreunde werden soll. Die offiziellen Stellen fördern nach Kräften diese Gründung in der richtigen Erkenntnis, daß cs gerade die Amateure sind, denen ost die wertvollsten Pläne und Anregungen zu verdanken sind. Alle diese Institutionen sollen unter dem Namen einer „F e r n s c h z c n t r a l e" zusammengefaht werden. Um nun möglichst weite Kreise mit den Hauptproblemen deü optischen Rundfunks vertrant zu machen, wird anläßlich der heurigen Herbstmesse die„E r st e F e r n s c h a u s st e l l u n g der Tschechoslowakei" stattfinden, deren Veranstaltung allerdings, wie der Vortragende betonte, erst nach Uebcrwindung großer Schwierigkeiten möglich war, besonders, da in der Tschechoslowakei yerhältnismäßig wenig Material vorhanden war/Mit desto größerer Freude begrüßt Oberrat Hasel das außerordentliche Interesse, das diese Veranstaltung in allen Bevölkerungskreisen hervorruft. Anschließend an die von Oberrat HaZek erteilten Informationen sprach Chefredakteur Leopold Lehman n, der Herausgeber der Zeitschrift„Telcvise", der u. a. zur Kenntnis brachte, daß zur Zeit der Frühjahrsmesse 1035 in Prag ein internationaler„F c r n s c h w c l t k o n- g r e tz" stattfinden soll, fiir den bereits alle Vorbereitungen getroffen werden. Männern? Der Juli, der für die Familie sein soll, da waren unsere Männer mit„Kraft durch Freude" fort. ZweimalderWoche sternhagel betrunken. Runden wurden geschmissen. Wovon? Bon unserem Wirtschaft»««! d." Mag der Brief nun echt oder erfunden sein— erbauen wird die SA-Männer dieses Bekenntnis einer SA-Frau keinesfalls. Daß er außer der etwa beabsichtigten Nebenwirkung, irgendwen zu ärgern, nun gar die Umwelt von der Harmlosig- keit der Neinsager überzeugen werde, glaubt aber wohl.im Ernst selbst-hex„Angriff" nichts Die Umwelt jedoch interessiert sich ebensosehr wie fiir die Neinsager und deren wirkliche Gründe auch fiir gewisse Gruppen der I a- S a g e r. Zum Beispiel fiir die Jastimmen der Häftlinge im KonzentrationSlagerDachau! Nach dem Berliner„Montag" vom 20. August hatte dort die Abstimmung folgendes Ergebnis: Mannschaften Ja 618, Nein 0, Ungültige 2, Gefangene Ja 1551, Nein 8, Ungültige 10. 1572 Gefangene geben ihre Stinime ab—1554 sagen Ja! Ja zu diesem Regime, dessen Opfer sie sind! Man braucht nicht mehr als dieses eine Ergebnis zu wissen, um über die Abstimmung vom 19. August voll im Bilde zu sein! Ber-ewaltilgt und ermordet. Auf der Berg» kviese Äosovsth Plaj. die holli über der Bezirksstadt Rachov(Karpathorußland) gelegen ist, wurde am Sonntag abends die 20jährige Miki- jukovä, Mutter zweier unversorgter Kinder, durch einen Schuß aus einem Militärkarabincr ermordet. Der Schuß wurde aus nächster Nähe in ihre linke Brustseitc abgegeben. Durch die Untersuchung wurde festgestcllt, daß sie kurz vor ihrem Tode vergewaltigt worden Ivar. In der Nähe der einsamen Stelle des Mordes auf den Feldern arbeitende Frauen erblickten drei unbekannte Männer, die mit Karabinern bewaffnet waren und vermutlich den Mord begangen haben. Die Gendarmerie vermutet, daß es sich um eine Räuber band c handelt, die sich in der dortigen Gegend aufhält. RaubvberfaL auf«in Kloster. In Sos in der spanischen Provinz Saragossa drangen jjeücn vermummt,« Männer in der Nacht in das dortige Augustinerkloster ein, weckten di« Mönche einzeln auf und plünderten sie vollkommen ans. Sodann raubten sie den Inhalt der Kirchenkasse in der Höhe von 4000 Peseten, sperrten die Mönche mit vorgehaltenen Revolvern in ihre Zellen ein und ergriffen die Flucht. Erst vier Stunden später gelang es den Mönchen, die Polizei zn benachrichtigen, die zwei verdächtige Personen verhaftete. Sträfltua« wollen ihr Gefängnis in Brand stecken. Bei einer Meuterei in der Strafanstalt von Grateford,. bei Philadelphia, am letzten Samstag ist ein Sachschaden von rund einer Million Xi angerichtet worden. In der Rächt»um Dienstag kam es zu neuen Ausschreitungen van Gefangenen. Diesmal versuchten etwa 1100 Gefangene Feuer a n- z u l e g e n. Sie konnten jedoch von den Wärtern mit dem Gummiknüppel und Tränengas daran gehindert werden. Bis zur Wiederaufnahme der Arbeit.sollen- ihnen die Nahrung und alle sonstige» Vergünstigungen entzogen werden. Die Rädelsführer wurden einige Zeit in Zellen mit Brech- gas und später.in Einzelhaft gesperrt. Mord und Selbstmord in Brünn. Mittwoch nachmittags ereignete sich' in Brünn eine blutige Tragödie. In der Wohnung der Privaten Spä- kilovä wurden um 10 lihr die Leichen eines Mannes.und einer Frau mit Schußverlchungen in der rechten Schläfe gefunden. Die Polizei stellte fest, daß cS sich um die 41jährige Margaretha Späkilovä und den 35jährigen Franz Blasäk handelt, der mit der Späkilovä ein Liebesverhältnis unterhielt. Die Späkilovä Ivar geschieden, wollte aber zu ihrem Manne zurückkehren, und deshalb beschloß Blasäk wahrscheinlich, sie zu erschießen. Mittags begab er sich zu ihr in die Wohnung, wo er die Tat ansführte und sich dann selbst erschoß. Die Leichen wurden in das Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Die Angelegenheit wird von der Polizei untersucht. Doppclniüvder vom Scmcring verhaftet. Die Gendarmerie von Semmering Hal den Top- pclraubmord, der am 10. August am Semmering verübt wurde, aufgeklärt. Bei diesem Verbrechen wurde der Wiener Ingenieur JonaS und Emilie Wessely aus Wien ermordet. Der Gendarmerie gelang es, den 20jährigen Hilfsarbeiter Johann Fleischer aus Semmering als den Täter auszu- forschc» und zu verhaften; er hat die Tat eingestanden. Fleischer hatte die Tat vorbereitet und dem Paar durch längere Zeit aufgclaucrt. Er streckte die beiden durch zivci Schüsse nieder. Nach der Tat hat Fleischer die ermordete F r a u a u ch g c s ch l c ch t l i ch m.i ß b r a u ch f. Die den beiden Ermordeten abgenommcnc Beute hatte Fleischer im Walde vergraben, wo sic am Mittwoch aufgcfunden wurde. PostanwrisungSverkrhr von Oesterreich nach der Tschechoslowakei. Die österreichische Postverwaltung bewilligte ab 10. August 1034 wieder die Annahme von telegraphischen Postanweisungen nach der Tschechoslowakei. ES gelten dafür nachstehende Einschränkungen: 1. Ohne Bewilligung der Oesterrxichi- schen Nationalbank können höchstens 20 Schilling im gegenseitigen Wert gesandt weiden. Der Absender muß aber seine Identität nachweisen. 2. Ein gegenseitiger Wert von»her 20 bis zu 100 Schilling kann nur mit Bewilligung der Zentrale der Oesterreichi- schcn Nationalbank oder einer ihrer Zweigstellen gesandt werden. 3. Beträge von über 100 Schilling des gegenseitigen Wertes können mir mit Genehmigung der Zentrale der Ocsterreichischen Nationalbank gesandt werden. 4. Der höchstzulässtge Betrag, der mit einer Postanweisung gesandt werden kann, ist mit 4500 XL festgesetzt. Bogrlschuhgebiete in Turknienistan. In der Umgebung von Hassan-Kuli in Turkinenista» wurde ein Bogelschutzgebict errichtet, auf dessen Territorium der Fluß Atrck viele wasserarme Nebenarme bildet, die dicht mit Schilf bestanden und fischreich sind. Alljährlich im Herbst machen hier Millionen Zugvögel aus den Sowjctpolargebieten und aus Sibi- rien auf.ihrem Fluge stach bejn.Siibtij eiße. Rast von. 20 bis 30 Tagen, um Futter zu suchen und auszuruhen- Dasselbe wiederholt sich alljährlich im Frühjahr. Ein breiter Strom kühler ozeanischer Luft, welcher von Westen her mit eineni Ausläufer des Jslandtiefs vordringt, ist in Begleitung von Regenfällen bis zu den Grenzen der Republik gelangt. Nach dem Vorbeiziehen der Störung dürfte das Wetter bei vorwiegenden» Westwind veränderlich-» Charakter annehmen.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Westlicher und mittlerer Teil der Republik: veränderlich, vorübergehend wieder Neigung zu Schauern, Wiiiddrehnng gegen Westen und etwas kühler. Im Karpathcngcbiet: halbheiter, etwas wärmer, später wieder Verschlechterung.— Wetteraussichten für Freitag: Veränderlich, Westwind. (Hw neue Sicherheitaauarüftuns für Bergarbeiter wurde in den Gruben von Devonfhire ein* geführt. Zu dieser Ausrüstung gehört ein Helm, der mit einer Leuchtvorrichtung versehen ist, eine Schutzbrille, Handschuhe mit Asbestfutter, und K n iel ch ü.tz e r. Was haben wir noch von unseren 9t. 208 DonnerStag, 30. August 1034 (Bette 5 Hutes Ergebnis in Reichenberg Die Meffe war ein Erfolg Ueber das Ergebnis der diesjährigen Reichen« berger Meffe bringt die„Gewerkschaftliche Rundschau" in ihrer Nummer von 26. August, einen Bericht, dem wir folgende Ausführungen entnehmen: In der Zeit der groben Konjunktur war ein Reffefieber auSgebrochen. Nicht nur versuchte jedes Land, mit großen Kosten verbundene Messen und iluistellungen zu veranstalten, jeder gröbere Jndu« striebezirk begab sich auf diesen Weg. Die vernichtende Krise hat hier ernüchternd gewirkt. So war eS sicher ein Wagnis, die Reichenberger Messe auch Heuer im alten Umfange durchzuführen. Erfreulicherweise waren die Messehallen in Reichenberg der bedeutungsvollen Jndustriemetropole NordböhmenS, bereit- nach kurzer Zeit der Ausschreibung bis- auf den letzten Platz ausverkauft. Hier zeigt sich ein energischer Wille zur Selbstbehauptung. Darin zeigt sich vor allem eine starke Eigeninitiative unserer heimischen Industrie, die wir an dieser Stelle gern anerkennen wollen. ES kommt hinzu, daß die Reichenberger Messe sich selbst helfen muß, also auf keine geldliche Unterstützung seitens des Staates oder der -Stadt rechnen kann. Das Wagnis kann als gelungen gelten, allgemein wird über den BestevungSein- gang günstig berichtet, die Fabriken können ihre Lager verringern und neue Ordereingänge in gröberer Zahl in Arbeit nehmen. Die Arbeitslosigkeit kann durch solche gelungene Veranstaltungen wirksam bekämpft werden. Nach anerkennenden Worten Über die Leistungen der heimischen Industrie und ihrer Arbeiterschaft fährt der Bericht fort: Wer die Messen in Reichenberg seit 16 Jahren besucht, der hat einen lebendigen Anschauungsunterricht genossen, wie sich trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Zahl der Firmen, die ausstellen, auf ansehnlicher Höhe hält, Zahl und Art der ausgestellten Erzeugnisse immer reichhaltiger werden und die Güte der Waren immer besser und besser wird. Man hat hier eine Entwicklung vor sich, die uns die Ueberzeugung vermittelt, das; die Industrie unserer Heimat nicht untergehen wird, sondern in immer neueren Formen den Willen kund gibt, sich zu behaupten, und ihren Platz im Räderwerk der Industrie unserer Lande- und schließlich im Rahmen der großen Weltwirtschaft zu behaupten. DaS schreiben wir mit einer gewissen Genugtuung nieder. Nach einem längeren Ueberblick über Art, Menge und Qualität der in Reichenberg ausgestellt gewesenen Erzeugnisse schließt die„Gewerkschaftliche Rundschau" ihren Bericht mit folgender Betrachtung: Es war eine reichhaltige Schau Lester Qualitätsarbeit, die sich in Reichenberg den in- und ausländischen Besuchern präsentierte. Alle werden sie im Gedächtnis behalten. Doch nicht auf die Ströme der „Sehleute" kommt«s, an, sondern auf die Einkäufer, die schließlich hier, konzentriert.Gelegenheit erhalten sollten, die Waren zu sehen und ihre.Bestellungen aufzugeben-. Und wir glauben, daß die Reichenberger Messe in dieser Beziehung ein Erfolg war und manchen braven Arbeiter seinen Arbeitsplatz erhält und neuen Arbeitskräften Raum schafft. Nur ein bitterer Tropfen fiel dem aufmerksamen Beschauer in den Freudenbecher: Warum hat nicht jeder Bedürftige der breiten Masse das Geld, um all diese schönen Sachen zu erwerben, die hier in so vorzüglicher Ausstattung und so reichlicher Fülle dargeboten wurden? Dieses Problem zu lösen ist daS große Werk der allernächsten Zukunft, und wir hoffen, daß die Gewerkschaften hier di« nötige Hilfe erhalten. Der Brand von Lampana Buenos Aires. Der durch die Explosion zweier Petroleümbehälter hervorgerufene Brand der Stadt Campana hat sich weiterau»- gedehnt. Infolge einer Winddrehung sprang das Feuer auf weitere Oelbehälter Mer. Unter ungeheuerem Getöse flogen 14 OeltankS Bom Taler zum Dollar Die Art auS Tirol— der Name tut* Böhmen. Bekanntlich hat der Taler seinen Namen nach der alten Silbermünzstätte in JoachimSthal im böhmischen Erzgebirge erhalten. Zuerst geprägt worden aber sind SilLermünzen dieser Art in Tirol. Wer hätte das noch vor ein paar Jahren dem braven Dollar angesehen, daß er, bisher Sinnbild der Beständigkeit» auf die schiefe Bahn der Wertverminderung käme und seinen Besitzern Sorge zu bereiten verMnde? Ein beträchtliches Stück ist, wie man weiß, der Dollar-schon hinabgerutscht, und in den letzten Tagen wird von einer neuerlichen Dollarentwertung gesprochen: Dollar— Tiroler Erftdung? Wissen Sie Mrigens, daß der Dollar sozusagen als eine Tiroler Erfindung gewertet werden könnte? Bor allem müssen Sie wissen, daß der Borläufer des Dollars, der— wie schon die Aehnlich- ieit der Namen aufweist— der Taler ist. Und daß die ersten Taler eben in Tirol geprägt worden sink Allerdings hörten die ersten Tiroler Taler noch nicht auf den schönen Namen Taler, sondern nannten sich bescheiden„Guldengroschen" oder -großer Pfennig"., Herzogliche Geldschwulitäten und was daraus ent. entstand. In der zweiten Hälfte de» fünfzehnten Jahrhunderts regierte in Tirol der Herzog Sigmund don Oesterreich, ein Herr, der sich andauernd in in die Luft. Da» Feuer hat einen Teil der Stadt vollkommen zerstört.' Die Stadt Eampana zählt 16.000 Einwohner. Der Großteil von ihnen ist Lei der ersten Ex« plosion in Panischem Schrecken aus der Stadt geflohen. Außer drei Todesopfern werden bereits jetzt etwa 60 Schwerverletzte gezählt. Stalin will die Türkei besuchen. Eine Pri- vatagentur meldet au» Jnstanbul, daß, Stalin Ende September der Türkei einen. Besuch abstatten wird, um an den Feiern des zehnjährigen De- I standes der türkischen Republik teilzunehmen. ES l wird dies die erste Auslandsreise Stalin» sein. Rapides Ginko« des Bierkonsums Abnahme gegenüber 1929: mehr als ein Drittel— Vernichteter Bierexport Die Wirtschaftskrise erweist sich, wie au» den„Mitteilungen b/d Etat. Staatsamtes" hervorgeht, al» Schrittmacher der Alkoholbekämpfung — wenigstens auf dem Gebiet des B i e r k o n« sums. Gegenüber dem Jahre 1020 wurde im Borjahr in den inländischen Brauereien insgesamt um 3,660.163 Hektoliter Bier weniger au-gestoßen— ein sehr beträchtliche» Quantum, wenn man in Betracht zieht, daß der GesamtauSswß im Jähre 1033 an a ch t Milli o n e n beträgt(genau: 7,061.614 Hektoliter). Gegenüber dem Jahre 1020 sank 1030 der Bierausstoß um 1.7 Prozent; im Jahre 1031 um 10.6 Prozent; im Jahre 1032 um 17.7 Prozent und 1033«Hlich um volle 31.6 Prozent. Im vergangenen Jahr ist die Bierproduk- tion also gegenüber 1020 um fast em Drittel zurückgegangen, wie der Begleittext ausdrücklich bemerkt, äl»„Folge der sinkenden Kaufkraft der Bevölkerung." Wie betechtigt diese Schlußfolgerung ist, ergibt sich bei Prüfung der Kolonne, die über die tatsächlich konsumiert-e Menge der einzelnen Biersorten Auskunft gibt. Der Konsum der teueren„Spezialbiere" ist im letzten Jahrzehnt(seit 1024) auf ei» Böertel zurückge gange», (von 103.418 Hekwliter auf 61.107). Der Konsum de»„2 a g e r b i e r e S" erleidet seit 1020 eine Einbuße von mehr al» einem Drittel(von 2,810.186 auf 1,701.022 Hektoliter). Da»-S ch a n k b i e r", die billigste Biersorte, weist gegenüber 1020 einen Minder- konsum von mehr al» einem viertel auf(6,124.401 Hektoliter gegenüber 8,370.665). Die Zahl der Brauhäuser im Staatsgebiet ist seit 1024 um 160 gesunken, teils infolge Zusammenlegung, teils infolge Auflassung unrentabler Kleinbetriebe. Gegewärtig existieren 421 Brauereien, von denen der Großteil auf Böhmen entfällt(886). In Mähren-Schl e- s i e n sind 60 Betriebe, in der S l o w a k e i 16, in Karpathorußland eineinziger. Da» größte BräuhauS der Republik ist die S m i- chower Aktienbrauerei mit einem Ausstoß von 620.884 Hektoliter im Jahre 1088. Weitere neun Bräuhäuser stoßen mehr als 100.000 Hektoliter im Jahre aus. Das Hauptkontingent stellen mittlereBetriebe, die k l e i n st e Brauerei weist einen AuSswß von nur 40 Hektolitern für 1088 au». DeS weiteren ist seit 1020 ein katastrophaler Rückgang des Exportgeschäfte» festzustellen, der gleichfalls vom Anbruch der Weltkrise an datiert. Gegenüber dem Jahre 1020 vollzieht sich dieser Rückgang in stet» gesteigertem Fortschreiten. Bereit» im Jahre 1030 betrug der Ausfall des Exportquantums 13.3 Prozent ge- genMer 1020; im Jahre 1031 bereits 44.7 Prozent; im Jahre 1032 nicht weniger al» 62.5 Prozent und für 1033 schließlich 72.5 Prozent. Man kann also nahezu von einer Vernichtung unseres Bierexporte» sprechen, deren, Ursachen nach den Worten de» Begleittexte» vor allem in den Autärkiebestrebungen der Ausfuhrländer zu suchen sind. ES zeigt sich u. a. auch, daß die Aufhebung der amerikanischen Prohibition, die verschiedentlich al» bedeutungsvoller Faktor der„Ankurbelung" unsere» Braugewerbe» hingestellt wurde, völlig unwirksam geblieben ist. 111 Pflaumenknödel— et» Hungertod Wir genießen in unserem demokratischen Staat« in vollen Zügen die Pressefreiheit. Bunt und vielfältig, mit allen Licht- und Schattenseiten, mit allem Für und Wider spiegelt sich da» öffentliche Leben in den Spalten der vielen und verschiedensten Zeitungen unsererRepublik, soweit sie es mit ihrer journalistischen Pflicht ernst nehmen. Welche Vorzüge wir damit erfahren. daS demonstrieren uns täglich die Zeitungsberichte über die Verfälschungen, die Tatsachen und Ereignisse au» der ganzen Welt in der aleichgeschalte» ten Maulkorbpreffe unseres großen Nachbarlandes erfahren. Während der deutsche ZeitungSlcser heut« selbst bei der größten Uebung, zwischen den Zeilen di« Wahrheit zu finden, nur ein sehr mangelhaftes Westbild erhält, gelingt uns bei gutem Studium der verschiedensten Tatsachenmeldungen und unserer Arbeiterpresse eine umfassende Information auf allen Gebieten gesellschaftlichen Lebens. Wir dürfen nicht nur unseren Wissensdurst befriedigen, unseren Gesichtskreis erweitern, unsere Bildung vertiefen, sondern wir haben auch die Möglichkeit, mit Hilfe unserer täglich neu erworbenen KennMisse neue Waffen zu schmieden zur Verteidigung dieser Demokratie, zur Verbesserung der sozialen Lage unserer Klasse, zur Vorbereitung einer besseren Zukunft. Dieses Bewußtsein unseres Vorzugs soll un» nicht nur leichter atmen, ruhiger schlafen, fröhlicher arbeiten lassen, als cS unseren Brüdern und Schwestern in den Diktaturen vergönnt ist. es soll un» auch doppelt und dreifach verpflichten. Verpflichten zu stündlichem, täglichem Kampf für einen anderen wirtschaftlichen Unterbau dieses unseres Staates. Wie sehr notwendig eine Vervielfachung unserer Anstrengung für eine soziale Demokratie sind, beweisen uns die Schlußfolgerungen, die un» die Pressefreiheit ziehen läßt. Auf einer einzigen Nachrichtenscite einer Tageszeitung boten sich dem Leser dieser Tage ungefähr folgende zwei Meldungen: In Neubidschow beginnen Studenten ihr all« jährliche» Fest mit einem Pflaumenknödel- Wettessen. Für 80 Teilnehmer wurden 8000 Knödel zubereitet. Die meisten brachten e» aber nur auf die Hälfte ihre» Anteil», auf 50 Stück. Der S i e g e r. ein Abiturient, verschlang 111 Stück Er wurde zum König der Pflaumenknödclcsser gekrönt. In einer Scheune in der Nähe von Mährisch Schönberg fand man den 24jährigen Arbeitslosen K. R. bewußtlos auf. Im Krankenhaus wurde festgestellt, daßR. durch Hunger ganz entkräftet war. SeinBefindenift hoffnungslos. R. konnte in letzter Zeit keineArbeit finden: seine Versuche, bei Landwirten ein Stück Brot zu erbetteln, scheiterten meist. Er hat drei Kinder. ... rr:»n>• c i-»-£ wtrru'X gehüllt vor. Gs^hätte mit Zündhölzern gespielt N Monnte M- eine LMNerllM X: M Lerechter MisMch, Prag, 20. August. Da» Leben eiirer Laädarbci'- terin, die ihre Arbeitskraft bald hier, bald dort zu Markte tragen muß. bald' zur Getreideernte auf einem mittelböhmischen Grundstück arbeitet, bald zum Drusch in Mähren, dann wieder zur Rübenernte in eine andere Gegend verschlagen wird usw., ist an sich schwer genug. Doppelt schwer, wenn eine solche Arbeiterin ein Kind hat, da» Pflege und Wartung braucht. Vor zwei Jahren, im Jahre 1982, diente die 82jährig« Marie H a v l i i e k auf einem Einödhof bei Rieder-Sandau im Egerland. Die tschechische Landarbeiterin hatte ihr fünfjähriges Töchterchen Libuscha bei sich. Da»Kind erkrankte an einem schweren Katarrh und konnte nun von der Muster nicht mehr mitgenommen werden^ wenn diese zur Arbeit ging. Die Kleine mußte in der Kammer zurückbleiben, wenn die Mutter frühmorgens ihr schwere» Tagewerk begann. Eines Morgen» hatte die Havliiek zeitig ihre Stube verlassen und da» kranke Kind blieb ohne Aussicht zurück. Um acht Uhr früh wurde da» Gehöft durch umrkerschütternde» Schreien au» der Dienstbotenkammer alarmiert. Man sprengte die verschlossene Tür auf und fand da» Kind in Flammen und seine Kleider hatten Feuer gefangen. Auf dem Wege in» Spital erlag da» arme kleine Mädel seinen schweren Brandwunden. Gegen die Mutter wurde die Anklage wegen fahrlässigerTötung durch„Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge" erhoben. Zur Verhandlung kam e» freilich nicht sobald. Denn die' angeklagte Mütter muß ihren Lebensunterhalt verdienen— bald hier, bald dort, je nach der Saison. Erst vor kurzem hat sie eine längerdauernde Beschäfttgung auf einem Gut unweit'Prags gefunden.-Und da man ihr doch nicht zumuten wollte, sich wegen dieser Verhandlung zum zuständigen Kreisgericht in Eger zu begeben(der Fahrpreis fiir Hin- und Rückfahrt bedeutet für sie einen Monats- verdienstl), ordnete da» Obergericht in Würdigung ihrer Notlage die Delegierung des Prager Kreisgerichtes an. Heute stand Marie Havliiek— sie ist übrigens Analphabetin— vor dem Strafsenat M a r e i e k. Der Gerichtshof prüfte den Sachverhalt, erwog die Lage der angeklagten Mutter und fällte einenFretspruch. rb. Wa» sollen diese Kinder einst von einer Gesellschaftsordnung halten, die ihnen den Vater so früh raubte? Wie werden seine vielen tausend ArbeitSbrü- der Mer solche Zustände empfinden, die einem ähnlichen Schicksal stündlich in die Augen schauen? Die eß« und rekordsüchtigen Studenten müsse» nicht unbedingt alle Söhne der besitzenden Klasse sein. Junge-Menschen essen gern viel, und ihre älteren Vorbilder und die kapitalistische„Kultur" haben sie für den Rekordfimmel empfänglich gemacht. Interesse für unsinnige Wettkämpfe aller Art lenkt ab vom Studium der sozialen Verhältnisse, vom Mitgefiihl für die Notleidenden und Unterdrückten, vom vernunftgemäßen Erfassen der Wirklichkeit. Alle unsere Kinder gehen an dieser Gefahr öffentlicher Verdummungseinrichtungen vorüber. Auch der arbeitslose Vater war noch sehr jung. Die Jugend des Arbeiters ist heute grau und freu- delos. Aber in der Demokratie, die uns die politische Freiheit gibt, sind wir alle einzeln verantwortlich für' den Widersinn dieser Gesellschaftsordnung. Dies« Verantwortung heißt uns arbeiten an ihrer Beseitigung. Daß eS in Zukunft an der Wachsamkeit aller Streiter für politische und soziale Demokratte scheitere, daß hier junge Menschen sinnlos viele Knödel in ihren Magen zwingen, um einen Pflaumenkönig zu krönen, während d o r t der junge Arbeitslose nicht drei Knödel zur Verfügung hat. um den Verfall seiner Kräfte aufzuhalten, daß aus dem Hunger nicht der Hungertod werde— dies sei für uns erneuertes Gelübde im Angesicht solcher Zeitungsmeldungen. A. W. Geldkalamitäten befand und dem eine spätere Geschichtsschreibung— Ironie der Geschichte!— den Münzreichen benamste. Sigmund lernte e» Zeit seine» Leben» nicht, sparsam zu sein und haushälterisch mit dem Gelde, da» er au» den Tirolern herauSzog, umzugehen. Seine Hofhaltung und seine noblen Passionen, vor allem die Lust an Prachtbauten, verschlangen ungeheure Summen, und trotz der großen Einnahmen(die Tiroler waren in jener»guten, alten Zeit" schwer mit Steuern und Abgaben belastet) waren in der Regel die Staatskassen und wa» damals da» gleiche bedeutete, die herzoglichen Kaffen, leer. Da verfiel nun der Herzog, um au» der Schlamastih herau»- zukommen, auf den Gedanken, S i l b e r g e l d zu prägen, an Stelle der damals Mlichen Goldmünzen, die al» Goldgulden, Dukaten oder güldener Pfennig in Umlauf waren. Die Goldwährung wurde damals abgelöst durch die Silberivährung, al» im Jahre 1484, also vor genau 450.Jahren, von Tirol au» die ersten großen Silberstücke in die Welt gingen, die dem Wert der bisherigen Goldgulden gleichkamen. I» Schwa» gefördert, in Hall geprägt. In den großen Silbergruben bei Schwaz wurde da» Metall gefördert, da» dann in der Münze in Hall, An deren Tätigkeit noch heute der Haller Münzturm erinnert, zu Silbergulden geschlagen oder geprägt wurde. Der Taler hatte damit von Tirol au» seinen SiegeSzug in die Welt getan, Urahne einer langen MUnzenreihe, an deren Ende eben der Dollar steht. Zum Taler wurden die neuen Silberstücke aber erst etwa ein Vierteljahrhundert später, al» d i e b ö h m i s ch e n Grafen Schlick dem Beispiel de» Tiroler Herzogs folgten und ebenfalls aus ihren Silbergruben in Westböhmen Silber in Massen fördern ließen, um Silbermünzen auf den Geldmarkt zu werfen. Die Silbergulden der Schlick befanden sich, wie die Münzwerkstätten auch, in JoachimS- t a l. Wundern Sie sich, daß man die neuen Münzen die I o a ch i m s t a l e r nannte, den Namen bald ablürzte, da»„Joachims" wegließ und sich damit begnügte, mit«T a l e r n" in den Taschen zu-klimpern?...- Ueber Schwaz«nb Joachim»tal in die ganz« Welt! Da» Silbergeld erfreute sich bald einer zunehmenden Beliebtheit, die Taler wurden fast Mer- all nachgemacht. In S p a n i e n begann man bald Silbermünzen zu schlagen, die den Silberwert des Täler» hatten, den P e s o. In gewaltigen Maffen kam die neue spanische Silbermünze in die überseeischen Besitzungen der Spanier, nach Ame- r i k a, wo der spanische Taler bald zur allgemein gangbaren größeren Münze Ivurde. In Frankreich prägte man lange Zeit den Frankentaler, der als Fünffrankenstück, in der Schweiz als Fünfliber, bis in die allerjüngste Vergangenheit hinein Geltung hatte. Italien kannte den Tal» lero al» Vorläufer de» Fünflirestückes, und in Deutschland war seit Jahrhunderten der Taler zweifelsohne die volkstümlichste Münze, verewigt ist- Sprichwörtern und im Volkslied. Offiziell ist auch in Deutschland der Taler schon lange verschwunden. Im Bolksmunde aber lebt er als Bezeichnung für das Dreimarkstück, das jetzt auch eingezogen wird, immer noch iveiter. In Oesterreich werden heute noch Taler geprägt. In der Hauptmi'mzanstalt in Wien werden heute noch, wie. erstmals im Jahre 1735, Taler geprägt. Allerdings nicht Silber-, sondern Goldtaler: Maria-Thercsien-Taler, die heute noch, zwar nicht in Oesterreich, wohl aber in Arabien, Abessinien und in anderen Teilen Afrikas als allgemein gebräuchliche Handelsmünze im Verkehr stehen. Heute bat der österreichische Taler in diesen Ländern allerdinas, angesichts der italienischen Währungökonkurren», nicht mehr ganz die Bedeutung wie noch vor wenigen Jahren, wo Jahr um Jahr in der Wiener Münze Millionen Stück Dka- ria-Theresien-Taler geprägt worden waren. So prägte man in Wien im Jahre 1925 noch 15 Millionen solcher Taler Bom Taler»um Dollar. Eine grandiose Wiedergeburt erlebte der Taler aber, als im Jahre 1785 die Vereiniaten Staaten von Amerika den bisher spanischen Taler oder Daler, wie er richtig hieß, zum Dollar umtauften und ihn für das ganze Gebiet der Bereiniqten Staaten zur allein gültigen Währung erhoben. Die Dollarwährung wurde, besonder» nach vem Weltkrieg, zur uneinnehmbar und unbesiegoar scheinenden Währungsfestung, inmitten der zusammenbrechenden Währungen anderer Länder, und eS gab in Europa viele, die mit ihren Motteten in den Dollar flüchteten, in der Meinung, nu» könne ihnen und ihrem Mammon nichts mehr Pa,- fieren. Diese Hoffnung hat sich als Trugschluß erwiesen. Auch der Dollar ist bereits schon gerutscht, und wenn sich die Meldungen aus London untz Neu-Dork betvahrheiten, steht noch eine weitere Senkung des Dollars bevor, des letzten Gliedes i» der Ahnenreihe der Taler, die im Haller Münzturm zuerst das Licht der Welt erblickten.—kg— Seite 6 „Sozialdemokrat" '.A0!lN7k8ta.2/ 30. Tlü^üst 1034. Nr. 202 PBAftglt ZeiTBMCi 3um Direktor der Nikolander-Realschule wurde vom Präsidenten der Republik Prof. Dr. Hugo Pcrutz ernannt. ' Der Sondrrzug zum Besuche der Lausitzer Serben nach Bautzen und Ratibor am 2. September ist gesichert. Anmeldungen für einige noch freie Plätze nimmt der Basar neben dem Wilsonbahnhof bis Freitag, den 81. August, entgegen. Tel. 168-85. Gcriclitssaol Wann ist ein Lehrer „Amtsperson"? Zwei Monate Kerker für einen geschwollenen kleinen Finger. Prag, 28. August. DeS VerbrechenSder schweren Körperbeschädigung und der Uebcrtretung einer AmtSehrenbeleidi« g u n g an dem Lehrer seines SprößlingS war heute der 40jährige Johann L ä b l aus dem Dorf Chrastany angellagt. Die„schwere Körperverletzung" besteht allerdings nur in ■ einem geschwollenen und geröteten kleinen Finger, aber der Besitzer dieses kleinen Fingers war eben im Augenblick der Tat eine Amtsperson und die leichteste Verletzung einer solchen wird im Sinne des Strafgesetzes als schwere Beschädigung betrachtet und was sonst eine leichte Uebertre« t» n g wäre, tvird zum Verbrechen, das mit schwerem Kerker zu strafen ist. Der Anlaß dieser Anklage ist mehr als geringfügig. Am 20. Jänner d. I. erschien der Angeklagte in der Schule des Dorfes, die sein Söhnchen besuchte, und führte beim Klassenlehrer Mär- tinek Klage darüber, daß irgendein unbekannter LauSbub einen Gummischuh seines Sohnes währeird des Unterrichtes zerschnitten habe. Der Lehrer Martinek suchte gemeinsam mit dem Oberlehrer dem ergrimmten Vater begreiflich zu machen, daß es sich vermutlich um keinen Schnitt handle, sondern um einen Riß, wie die ausgefransten und unregelmäßig verlaufenden Ränder der Beschädigung bewiesen.(Vielleicht hat das Söhnchen den Schuh beim Spielen zerrissen und sich dann durch Vorschiebung eines erfundenen Bösewichts vor dem Vater rechtfertigen wollen.) Der Vater ließ sich jedenfalls durch die Reden der beiden Pädagogen nicht überzeugen, sondern geriet in gesteigerten Zorn. Er schrie den Lehrer Martinek an. er sei„ein schöner Dreck von einem Schuster", wenn er so etwas behaupte und hieb ihn gleichzeitig mit dem zusammen« geknäulten Gummischuh über die Hand, so daß dem Lehrer der kleine Finger anschwoll und nachher noch zwei Tage wehtat. Das spielte sich bereits nach der Unterrichtszeit ab. so daß eigentlich der Lehrer bereits aufgehört hatte,„Amtsperson" zu sein, welche Eigenschaft ihm nur bei Erteilung des Unterrichtes zusteht. Der Angeklagte hätte also die Chance gehabt, für seine— sicher verurteilenswerte— Hitzigkeit nur wegen Uebertretung der leichten Körperverletzung und Ehrenbeleidigung zur Rechenschaft gezogen zu werden. Aber Löbl hatte Pech. Denn obwohl schon Freizeit war, war doch der angefallene Lehrer an diesem Tage zufällig damit beschäftigt gewesen, mit seinen Schülern eine Probe für eine geplante Schüleraufführung abzuhalten, als ihn der Angeklagte auf den Korridor herausrufen ließ. Nach der Unterrichtsordnung sind aher solche Obliegenheiten dem regelrechten Unterricht gleichzustellen, io daß der Lehrer Martinek schließlich und endlich doch als„A m t s p e r s o n" zu betrachten ist und Löbl sich daher des Verbrechens der schweren Körperbeschädigung schuldig gemacht hat. Er wurde denn auch dieses Verbrechens schul« dig erkannt und zu zwei Monaten Kerker verurteilt, allerdings bedingt auf drei Jahre. rb. Kunst hm Wissen Schlonsaken und Slowaken Jnr Hultschiner Ländchen, im Ostrauer Kohlengebiet. in Schlesien und in einigen Teilen Nordmährens wird ein eigenartiger Dialekt gesprochen: tschechisch mit polnischer Betonung auf der vorletzten Silbe. Diese Volkssprache nennt man„laäsky". Sonst kennt man diese Volksteile unter dem Namen Schlonsaken, Mährer, Wasserpolacken. Die einzelnen Mundarten unterscheiden sich voneinander je nach der Gegend. Bereits vor drei Jahrzehnten hat das Volk unter den Beskiden einen Dichter gefunden: Petr Bez« r u c. Dieser schrieb aber seine krafwollen Gedichte in der tschechischen Schriftsprache, nur hie und da ver- niengt mit schlesischen DialekiauSdrücken. Im schlesischen Dialekt verfaßten einige Gedichte zwei als Dichter gleichfalls bekannte schon verstorbene sozialdemokratische Journalisten: Cenik O st r a v i e k h(Pseu- dontzm für Anton Hüttler) und Arnoöt C h a m r ä d. Heuer erschien im Verlage der„Drujstevnt präee" in Prag ein Gedichtband, welcher ganz in der schlesischen Mundart geschrieben ist:„Spiwasuco piasc"(»Die singende Faust") von Ondra Lysohorsky. Lnsohorsku ist das Pseudonym eines stellenlosen Mittelschullehrers in Mährisch Ostrau, welcher seine Person ähnlich wie früher Petr Bezruö in Dunkel hüllt. Er ist Sozialist und bekennt sich offen zum Marxismus." Seine Gedichte, darunter zahlreiche Balladen. sind durchwegs sozialer Natur. Keine soziale Sentimentalität, welche nm Mitleid fleht, sondern Auflehnung gegen das kapitalistische Wirtschaft?» systeni. Den Bergarbeitern des Ostrau-Karwitier Kohlenreviers ist sein Buch gewidmet.»Zu Eise» werden die Schwielen der Hand, der Qualen Kelch schäumt über den Rand, die Ernte naht, die Früchte reifen, bald wird der Blitz das Dunkel streifen I" ruft er in der„Ballade vor Mitternacht". Die„Ballade von der Rationalisation" singt von vierzig Schächten unter den Beskiden, in denen hunderttausend Hände gruben. Um eine Milliarde wurden Maschinen gekauft und die Hälfte der Arbeiterschaft hinauSgeworfen. Wann wird das Elend ein Ende finden? Erst dann, bis der Arbeiter selbst zum Herrn der Maschinen wird. Wenn auch die Lage des schlesischen Volkes«ine traurige ist. wenn es auch von Werkdirektoren und Aufsehern, gewisienlosen Unternehmern aus Prag. Sten« erexelutoren u. dgl. verfolgt wird, der Sozialismus ist es, der ihm eine bessere Zukunft verheißt.(»Der große Tag naht schon zu uns.") In den„Vorbereitungen für das Plebiszit" und der»Ballade vom Plebiszit" beschreibt er die von den Polen bei der Volksabstimmung im Feber, 1920 begangenen Gräueltaten.»Ballade von den Ostrauer Halden".»Bal«, lade über 10 Pfund Margarin".»Der Planet an die Bourgeoisie"...Bor LeninS Bilde".„Der Marsch der Millionen",„Auf den Barrikaden" sind einige Titel seiner Gedichte. a»S welchen man schon auf die Art seiner Poesie schließen kann. Interessant ist seine Orthographie: halb tschechisch, halb polnisch. DaS tschechische„v" schreibt er„w". versieht Mitlaute mit einem Strich(i, i. s). andererseits verwendet er das tschechische ö. ä. ö, k. Neuere slowakische Lyrik finden wir in der gleichfalls von der„DruZstevni präee" herausgegebenen Anthologie„Tväk mladtho Slovenska"(„Das Antlitz der jungen Slowakei"), zusammengestellt vom Kulturreferenten der sozialdemokratischen„Robotniekc Noviny" in Bratislava Josef D v o k ä k. In dieser Sammlung sind auch zahlreiche soziale Gedichte sio- wakischer Autoren abgedruckt. Proletarisch« Dichtung pflegt insbesondere Jän Rob P o n i t a n. welcher auf dem Boden des Klaffenkampses steht. Seiner sozialen Dichtung steht nahe Dano Okäli. Er schreibt Gedichte über Arbeitslose, Balladen von schwangeren Frauen, sozial gefärbte Lieder, wie das schöne„Lied von der Geliebien und dem Klee". Proletarischer Dichter ist gleichfalls Laeo Nvomesky. A. Brezäny schreibt ein Lied von der Setzmaschine, hört Telephondrähte weine», besingt Drahtbinder, Zuckerfabriksarbeiter. Erlverbslose. Auch aus der feinen Lyrik Fräsio K r ä l s klingt das Soziale hervor. Eine Auswahl slowakischer sozialer Dichtung gab vor zlvei Jahren die slowakische Arbeiterakademie hetans. („Phkriky". zusammengestellt von Fr. M. Som« zala), an welcher auch Josef Dvokäk mitgearbei- iet hat._____ x. t Kinderstücke im Deutschen Theater. Um einem von allen Seiten geäußerten Wunsche zu entsprechen, wird das Deutsche Theater im Laufe dieser Spielzeit sechs Kinderstücke zur Aufführung bringen, deren erstes„Admiral Bobby" bereits Ende September In Szene geht. Diese Anffiih» rungen werden vor allem den Abonnenten und ihren Kindern zugänglich gemacht werden. Ausstattung und Regie hat Hans Burger.— Im Dezember geht„PeterchenS Mondfahrt" als Weihnachtsstück in Szene. Spart• Spiel• Körperpflege Stellet Fra«r«-Weltrekord Sder 100 Meter Die Polin Walasiewiez stellte in Warschau bei einem Meeting über 100 Meier mit 11.7 Sek. einen neuen Weltrekord auf. Ihr alter Rekord war 11.8 Sek. •s nimmt kein Ende! Die Leitung im Wild-Westgau hat bekanntlich einen Ukas erlassen, welcher sich gegen die Wildwestmethoden wendet und strengste Bestrafung in Aussicht stellte. Das war vor einigen Wochen! Ist eS bester geworden?, Das werden wohl auch die „Führer" dieses GaueS nicht sagen können. Es gab wieder Spiele mit dem schon bekannten üblichen Klamauk. Diesmal wurde beim Spiel Chodau— Bummel durch Rio de Janeiro Von Nikolaus Klei» (Schluß.) Es ist unerträglich heiß. Die Kaffeehäuser mit ihren offenen Türen sind mit stehenden und sitzenden Menschen vollgestopft. Sie trinken heißen schwarzen Kaffee, um sich ein lvenig Abkühlung zu verschaffen. Das Kaffeehaus in Brasilien— speziell in Rio de Janeiro und in Sao Paulo— ist eine ganz andere Einrichtung als bei uns. Um «in lvenig zu illustrieren, was das Kaffeehaus in Rio ist, ist mein Erlebnis am ersten Tage meines Rioer Aufenthaltes bezeichnend. Ich setzte mich in ein Casö auf der Avenida Rio Branco, verlangte Briefpapier, Tinte und Feder. Abgesehen von den sprachlichen Schwierigkeiten, die ich mit dem Kellner hatte, konnte ich nur mit schwerer Mühe ein Blatt Papier— und zwar das Geschäftspapier des CafötierS— bekommen. Keine Tinte und Feder aber. Ich schrieb einen Brief, in lvelchem ich meine ersten Eindrücke schilderte, und es verging eine gute Stunde, bis ich mit dem Schreiben fertig wurde. Dann kam der Cafötier auf meinen Tisch zu. Er sprach ein wenig französisch und mit Zuhilfenahme seiner Taschenuhr erklärte, er mir— keineswegs böse, sondern lvohllvollend belehrend—, daß< es in Brasilien nicht Sitte sei, im Kaffeehaus so lange Zeit zu verbringen und gar die Korrespondenz dort zu erledigen-. Es ist wahrhaftig nicht üblich, aber auch nicht möglich. Das brasilianische Kaffeehaus ist schon äußerlich von Unserem verschieden. Es stehen in einem grüße« ren oder kleineren Lokgl kleine, runde Tische, mit unbequemen Holzstühlen. Auf jedem Tisch steht ein rundes Tablett mit zehn bis zwölf Mokka« lassen und ein Behälter mit Staubzucker. Nun kommt man ins Kaffeehaus hinein, stellt sich zu einem der Tische, nimmt ein« Taffe, gibt Zucker hinein und lvartet, bis der Kellner kommt. Er trägt in seinen beiden Händen je eine Kanne. Di« eine ist mit heißem Kaffee» die andere mit heißer Milch gefüllt. Dann gießt er in die Taffe pure» Kaffee oder Kapuziner. Man trinkt aus, wirst 200 Reis(zirka 25 tschechoslowakische Heller) auf den Tisch, wenn man wechseln muß, ruft man den Zählkellner(der eher als Kassier bezeichnet werden kann), indem man mit einem Hartgeldstück auf die Marmorplatte klopft, der gibt aus und der Gast geht weiter, um auf dieselbe Weise»och fünf- bis sechsmal, sogar auch zehnmal am Tag« heißen Kaffee zu trinken. Die meisten Gäste setzen sich in: Kaffeehaus nur dann, wenn sie ihre» Nachmittagskaffee mit Buttersemmeln einnehme». Oft aber auch dann nicht. ES gibt in ganz Brasilien keine» anderen Preis für Kaffee als 200 Reis für Mokka, 400 den Jausenkaffee. Nur die ganz kleinen Lokale bilden eine Ausnahme: dort lostet der Kaffee 100 bzw. 200 Reis. Nicht nur der Kaffee ist so billig. Ein« Straßenbahnfahrt tostet ebenfalls 200 Reis, und dieselbe Strecke kann man in einen Wagen„para OperarioS"(„fi'ir Arbeiter") um 100 Reis zurücklegen. Die Straßenbahn ist besonders auffallend für den Neuangekommenen. Sie hat lange, auf beiden Seiten offene Wagen, in denen sich die Bänke quer, in der ganzen Brette der Wagen, hintereinander reihen. In«ine Bankreihe sind ftinf, in dem ganzen Wagen. 65 Sitzplätze vorhanden. An der Längsseite der Wagen laust ein schmales Trittbrett entlang. In den verkehrsreichen Stunden stehen auf diesem kaum 20 Zentimeter breiten Trittbrett, sich an den Bänken anhaltend, die Passagiere. Oft in zwei, sogar in drei Reihen, so daß der in der dritten Reihe Hängende sich nicht mehr an den Banken, sondern an den vor ihm Stehenden anklammert. Und über diese Menschenkette klettert während der rasend schnellen Fahrt der Schaffner hin«nd zurück, um das Fahrgeld zu kassieren. Fahrscheine gibt es keine auf der Straßenbahn. Es ist auf der Vorderseite der Wagen ein Zählerwerk angebracht, das mit einer durch den ganzen Wagen laufenden Leine verbunden ist. Für jeden Fahrgast muß der Schaffner, nachdem er das Geld erhalten hat, an der Leine ziehen, wobei das Zählerwerk ein Glockensignal gibt. Wer de» Betri^ mifmerksam beobachtet, wird bald merken, daß es keineswegs das schlechteste Geschäft ist, inRio Stratzenbahnschastner zu sein. Trotz des sehr ausgebanten Kontrollorsystems ist es möglich, eine ganz ansehnliche Stimme nebenbei zu verdienen. Allerdings sind die Gehälter auch danach kalkuliert. Der Schaffner arbeitet täglich zehn bis zwölf, manchmal auch 14 Stunden in tropischer Hitze für den Stundenlohn von kaum drei Kronen. Nachts ist die Innere Stadt wie anSgestor- ben. Auf der Avenida Rio Braneo gehe« noch vereinzelt Passanten, aber die Nebenstraßen find vollständig menschenleer. Aus den Wänden strömt Hitze heraus, man könnte sagen,'sie schwitzen die Sonnenglut vom ganzen Tag nach Sonnenuntergang heraus. Die Menschen eilen zum Meerufer, um sich ein bißchen Abkühlung zu verschaffen. Oder in die Bars und Vergnügungslokale, um sich bei dem Maschitsch— dem brasilianischen Rationaltanz— weiter zu erhitze». Vielseitige Mörder Im neuen deutschen Strafrecht.oll, neben dem Enthaupten und Erschieß««, auch die Hinrichtung mittels des Giftbechers„gepflegt" werden. Ein neues Strafrecht wird den« Volk gegeben— Wer fo wie ihr durch Blut und Not marschiert, Liebt eS, daß man den Angriff auf das Leben, Gleichsam belebt— und das heisst nuanciert! Soll inan nur imnier Köpfe rollen lassen? Auch daS Erschießen wird Euch schon zuviel— DaS Hänge» würde ja gewiss schon paffen, Indessen ist daS schon Hern« Schuschnigg- Stil—! Im Mittelalter liebte man daS Rüdem» Doch ist das nichts für Massenproduktion, Und die Methode ist auch viel zu ledern—, Was bietet sie de» Hern« Sadisten schon?! Wie immer meistert Goebbels die Affäre, Er weiss, vom alte«« Sokrates belehrt, Wi« man, aufs Beil verzichtend mid auf die Gewehre, Die Untertanm sanft durch Gift bekehrt! So komn«en sie auf immer«reue Sachen Sie sind, wer kann eü leugnen, ganz genial, Rur emü bedenk' jch— und das macht mich lachen, Wie mden diese Edle«« selbst einmal?! Pierre. Neusattl in Chodau der Schiedsrichter Fender! (Zwodau) durch einen Tritt ins Knie verletzt und ko««nte nicht mehr zu Ende leiten. Kein Zufall, denn der ausgeschlossene Neusattler Spieler Leicht revanchierte sich a«if diese„sportliche" Art. Den Abschluß dieses bürgerlichen Volkssportspiele? bildete«« dann noch Zusammenstöße zwischen den Zuschauern der beiden Parteien. Einzelerscheinung? Rein, ihr Herren ans diesem Gau, nur der mar« k a n t e st e Fall der letzten Wochen! Der Fußball-Länderkampf Tschechoslowakei— Jugoslawien findet am kommenden Sonntag auf dem Prager Slaviaplatze statt. Die EsAF. hat sol- gcnde Mannschaft ausgestellt: Patzelt(Teplitz); Zeni« sek(Slavia), Daukik(l!SK. Preßburg); Kostalek, Boncck(beide Sparta), Krkil(Slavia); Junek (Slavia), Zajikek(Sparta), Sobotka(Slavia), Ae- jedl«)(Sparta), Pnk(Slavia).— Jugoslawien stellte dieselbe Elf, die gegen Polen gewann und zwar: Jaksic(Bast.); BeloSevie(Concordia), Ma- toöie(Hajduk); Arsenjevic(BSK.). Gayer(Hark), Lechner(Slavia Osijek); Tirnanic(BSK.), Mar« janovic(BSK.), Hekulie(Jugoslavia), Peirak (Haik). Glisovic(BSK.). Das Spiel leitet der ungarische Schiedsrichter Jvaneic. Bohemians gewannen gegen SK. Russe mit 5:1(1:1). Tas Ergebnis entspricht, nicht ganz dem Verlauf, da die Äusser den Siegern im Felde ein ebenbürtiger Gegner waren. Sparta Koöik trug auf seiner Deutschlandreise in Bielefeld ein Spiel gegen den FC. aus, daunentschieden 4:4(8:8) endete. Rapid Wien in London. Die Wiener besieg« len am Dienstag die Clapton Orient, welche der dritte«« Ligadivision angehören, nur knapp mit 8:2, nachdem bis zur Pause die Londoner mit 2:0 geführt hatten. Die finanziellen Differenzen beseitigt— und der von Oesterreich abgesagte Leichtathletik-Länder- kampf gegen die Tschechoslowakei findet am kam« menden Sonntag in B.-BudweiS doch statt. Daß eS zwischen Amateursportverbänden„finanzielle Tif« ferenzen" geben kann, ist wohl noch nicht dagewesen. Ob diese Mehrausgabe aber den sportlichen Erfolg, der ja wahrscheinlich ist, entspricht, ist eine andere Frage. Ungarns Wasserballer in England. Dieser Tage fand in Brighkon ein Wasscball-Länderkampf England—Ungarn statt, welcher mit 6:2(2:1) für die Ungarn endete. Im Rahmenprogramm siegte Esik über 110 Aards in 1:01 Min., ebenso gewannen die Ungarn die 4 X 200-Mctcr-Staffel in 0:42 Min. - Der Reingewinn-Anteil der Tschechoslowakei an der Fnhball-Weltmeisterschaft. Die CsAF. erhielt dieser Tage die lang erwartete Verständigung, daß ihr Anteil ai« den« Reinertrag der diesjährigen Fußball« Weltmeisterschaft in Italien 00.850 Lire beträgt. Dieser Betrag bleibt allerdings zum Teil aus dem P a p i e r, da die tschechoslowakische Expedition zur Bestreitung der Aufenthaltskosten für 22 Tage bereits einen größere«« Vorschuß ausgenommen hat. Außerdem ist in Betracht zi« ziehen, daß das Organisationskomitee nach dem Weltmeister» schaftsreglement verpflichtet«st, Aufenthaltskosten nur für 18 Spieler zu ersetzen, wogegen die ischccho« slowakische Expedition 18 Persone«« umfaßte. (Oesterreich erhält dank der Oiekordzuschauermenge des Mailänder Spieles um ungefähr 18.000 Lire mehr.)' Vcrcinsnadirlditeii «PO. Emigranten. Die für Donnerstag angefetzte Versammlung findet um 10 Uhr nicht im Parieiheim, sondern im Hotel„M o n o p o l" statt. 2.-9. September Die Gelegenheit zum vorteilhaften Einkauffl 38 Prozent I'a’ irprelsermäßigung Auskünfte und Messeausweise von den Messevortrotern oder vom Messeamte in Prag XII., Messepalast ? e»«" a u na en: Bei ZustKlung ins Haus oder bei Bezugdurch die Postmonatlich ttä 18.—, bierteljährigirL 48.—. halbjährig Ki 06.—, ganzjährig Kü 102.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet, Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZcitnngSfrankatur lourde von der Bokt« und . SÄegwÄrntzkcktüm»tt Erlaß Sir. ILSÜÜÜMttAV bewilligt, Druckerei: ,-Vrbtzi". Druck«. Verlags« undZeitungs-A.-G., Prag,