14. Zahrgang Nr. 205 Sonntag, 2. September 1034 IENTRALOEGAN DER DEU1SCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEtTERRNITEI IN DER lSCHECHOSEOWAKISCHEN REPUBLIK UtSCHNNT MIT AUSNAHMI MS MONTAO TÄGLICH RKM. Redaktion umD'W*walwng hmmu<^>H. F. als einen Naziunterschlupf bezeichnet. Den Fall des Freiwaldauer Advokaten Dr. Klapper hinzugenommen, der Propagandaredner der S. H. F. bis jetzt und früher gleichfalls Mitglied der verbotenen D. N. S. A. P. war, so haben wir in den letzten acht Tagen allein drei typische Beweise für unsere Behauptung erbracht: Die S. H. F. ist der Unterschlupf der Nazi«'. tritt Sowjetrußlands in den Völkerbund einverstanden sei. Montag Beginn der Völkerbundarbeiten Prag, 1. September. Die Völkerbundsarbeiten werden in Genf am 3. September d. I. mit der Tagung des Finanzkomitees eröffnet werden. Vertreter der Tschechoslowakei in diesem Komitee ist ebenfalls bevollmächtigter Mini- Terror und Bestechung Ole Hakenkreuzmethoden an dar Saar G e n f, 1. September. Das Bölkerbundssektetariat hat heute mehrere Dokumente veröffentlicht, die bei der polizeilichen Hausdurchsuchung in den Büro« der„Deutschen Front" im ,, Saargeviet und m den Räumlichkeiten des sogenannten„Freiwilligen Arbeitsdienstes" beschlagnahmt. würden. Die Dokumente beweisen, daß selbst Beamte ter Regierungslomnnssion des Saargebietes sich üör rup t: on zuschulden kommen ließen. An dere Dokumente bezeugen, daß die»Deutsche Front" zu verschiedenen reichsdeutschen Behörden Beziehungen unterhalten hat, tvelche die Saar bevölkerung schädigten und die Sicherheit im Saargebiet bedrohten. Andere Dokumente wie der beweisen, daß die Mitglieder und die Haupt führer der»Deutschen Front" Handlungen be gangen haben, die dem Strafgesetz unter liegen. Geradezu sensationell aber ist der Umstand, das? die„Deutsche Front" durch Vermittlung des„Freiwilligen Arbeitsdienstes" und ver schiedener Sonderkuriere beim Deutschen Reich erwirkt hat, daß mehr alS 10.000 junger Saarländer in die reichsdeutschen Arbeitslager geschickt wurden» wo sie einer besonderen Schu- London, 1. September.(Renter.) Die Regierungen von Frankreich, Groß-Britan- nie» und Italien richteten an die Regiernngen anderen Länder die Anfrage, wie sich zu dem Vorschlag der Aufnahme SowjetrnßlandS in den Völkerbund verhalten. In London wurde SamStag inoffiziell niitgeteilt, daß daö Ergebnis dieser Demarchen befriedigend ist. DaS Reuterbüro«fährt, daß die Sowjetunion nunmehr die besten Aussichten habe, in den Völkerbund ■ ausgenommen zu werden,»nd zwar dank dies« Aktion Groß-BritannienS, Frankreichs und Italien«. Bon den kleinen Staaten hat bisher eigent lich nur die Schweiz einen ablehnenden Stand punkt eingenommen. Wie es scheint, tvird sich auch Holland nicht gegen die Aufnahme der Sowjet- ünion aussprechen. Wie die Warschauer Blätter melden, empfing Außenminister Beck den fran zösischen Botschafter Laroche, der ihm die Mit- teilung machte, daß die Sowjetregierung ihren Beitritt zum Völkerbund angemeldet habe. Nach der Behauptung der Blätter soll Minister Beck im Gespräch mit dem Botschafter Laroche erklärt. haben, daß die polnische Regierung mit dem Ein- s ster Dr. Vilc'm PoSpiöil. öffentlich bezichtigt, die Unwahrheit gesagt zu ha- i dänische Mitglieder der nationalsozialistische» Par- ven. Trotzdem rührt sich Herr Skomorovsky als tei. Die Organisation bet dänischen Hakenkreuz- Ehrenmann nicht! Partei wurde von ihrem Begründer«nd Führer Diese Art Leute aber spielen sich als die Lemtcke aufclöst. In Schleswig soll die deutsche Ehrenmänner und Moralprediger der S. H. F. nationalsozialistische Betvegung im Wachsen be- -auf. Ola Banditen von Charbln von NllltSr umzingelt (Martin, 1. September. Die chinesischen Banditen, die den blutigen Ueberfall auf einen Expreßzug bei Hsuangschenpao auf dem Gewiffen haben, konnten von den mandschurischen und japanischen Regierungstruppen eingeholt und umstellt werden. Den Banditen wurde die Forderung übermittelt, alle Gefangenen freizugeben. Um daS Leben der entführten Paffagiere zu schonen, wurde auf Weisung de« Oberkommando« kein Feuer gegen die Banditen eröffnet. Sollten die Banditen die Forderung der Auslieferung ablehnen, so werden sie bi« zur freiwilligen Uetergabe umzingelt gehalten. Die Banditen sind bereit, die Entführten unter der Voraussetzung sreizulaffen» daß man ihnen freien Abzug gewährt. DaS japanische«nd mandschurische Oberkommanda haben jedoch diese Bedingung abgelehnt. Von mandschurischer halbamtlicher Seite wird erklärt, daß gegenwärtig mehrere Personen in Hast seien, die unmittelbar oder mittelbar an dem Ueberfall beteiligt sein sollen, doch liegen noch keine näheren Angaben über die Hintergründe des Anschlages vor. Vorbehalte Polens zum Ostpakt Warschau, 1. September.(Havas.) Polnische politische Kreise geben zu, daß die polnische Antwort in Angelegenheit des Ostpaktes, ohne verneinend zu sein, gewisse Vorbehalte enthalten wird. aus Polen Skomorovsky erklärte in einer öffentlichen Versammlung in Adelsdorf, Bezirk Freiwal- dau, die Führer der Sozialdemokratie seien Jude n k n e ch t e, sie ständen im Sold dienst der Unternehm er. In einer anderen Versammlung in M a r- kersdorf-Grätz behauptete Skomorovsky, in„einem Marx'schen Manifest" sei folgende Stelle zu lesen:„Der Bauer ist das dümmste und rückständigste Individuum und das größte Hindernis für das Weltproletariat, weil er an die Scholle gebunden ist." Für die erste freche Behauptung wird Sko- morovsky Gelegenheit geboten, den Beweis vor Gericht anzutreten. Für den zweiten Fall sollte er bis zum 11. August 1934 öffentlich den Wahrheitsbeweis antreten. Dah hat der Landesleiter der S. H. F. bis heute unterlassen. Unser Parteiorgan für den Wahlkreis Olmütz, die„Volksmacht", hat Skomorovsky daraufhin Herr Skomorovsky Wie die deutschen Nordmlhrer ' aufgenordet werden Aus Nordmähren wird uns geschrieben: Der Landesleiter der S. H. F. für Mähren und Schlesien ist ei» gewisser Herr S k o m o r o v- sk y. Er hat seinen Sitz in Mährisch-Schönberg. Er vertritt also an hervorragender Stelle die Belange der Sudetendeutschen. Seine Wiege aber stand in ll st r o n in P o l e n. Dieser Herr Skomorovsky, noch recht jung an Jahren, riskiert große Töne in der sudentendeut schen Politik. In vielen Versammlungen hat er öffentlich die Treue der S. H. F. zur Republik und Demokratie betont, ganz im Sinne seines großen Führers Henlein. Er hat, wie auch andere ehema lige Nazis, die nun bei der& H. F. gelandet sind, die Sozialdemokratie gemein beschimpft, weil sie immer lvieder betont», daß die S. H. F. ein Unterschlupf der verbotenen Nazis ist. Doch auch bei diesem leitende» Angestellten • der S. H. F, steht e« jetzt einwandfrei fest, daß er vor seiner Mitgliedschaft in der S. H. F. • eifriger Anhänger der verbotenen D. R. S. A. P. in Petkkowttz» feinem seinerzeitigen Wohn sitz war, Da wir nun einmal dabei sind, diesen Lan desleiter als ehemaligen Nazi vorzustellen, wollen wir aus seiner letzten Zeit nur noch folgende Tat sachen, das Bild ergänzend, anführen: Mensch und Maschine Im Zeichen der ständischen„Volksgcmein- schäft" kann man sich darauf verlassen, daß bis auf die sozialistische Presse von allen Seiten totgeschwiegen wird, welches Martyrium der Bc- griff Rationalisierung fiir den ar- beitenden Menschen bedeutet. Eine hoffnungslos fehlgeleitcte Wissenschaft hat nach dem Kriege unter den: Vorwande des technischen Fortschrit- tcs ei n S y stc m t eu f lis ch er M o n sch e n- q u ä l e r e i zur Blüte gebracht. In der bürgcr- lichcn Wissenschaft hat der Gedanke, daß die Technik dazu da sei, dein Menschen zu dienen, sein Leben zu erleichtern und zu verschönern, keinen Raum mehr. Wirtschaftliche Notwendig- leiten kann man gewiß nicht mit humanistischen Plaidoyers aus der Welt schaffen.?lbcr die erste- wirtschaftliche Notlvcndigkcit ist doch schließlich der Mensch selbst. Daß er das Leben lebe und ertrage, dazu ist die Wirtschaft vor allem da. Wir scheinen im Zeitalter des außerordentlichen WirtschaftszweckcS zu leben. Denn die so- genannte Rationalisierung ist in den Händen ge- winngicrigcr Unternehmer— die sich unterem- ander um den Profit raufen, wie ein Rudel hung- riger Wölfe— eine wahre Geißel geworden, ein System der zielbewussten Vernichtung von Existenzen und der Ausrottung der Kauskraft. Die von Krise, Hunger und Spaltung zermürbte Arbeiterschaft war zu schwach, diesem Wahnwitz erfolgreich Paroli zu bieten. Das völlig mangelnde soziale Verständnis breitester Bevölkc- rungsschichten ist mitschuldig daran, daß dem technischen Amoklauf keine gesetzlichen Schranken gezogen wurden, die nicht nur der Schutz der Arbeiterintercsscn, sondern der Selbstschutz der menschlichen Gesellschaft dringend erfordert. Was bei der sogenannten Rationalisierung an unsozialen Gewalten, an Experimcntiersucht, ja oft an blutigem Dilettantismus losgelasscn wurde auf die Betriebe, was dabei an Peinigung der Arbeiterschaft weit über den Zwang der internationalen kapitalistischen Konkurrenz hinaus verbrochen worden ist, das würde viele tausend Blätter einer gigantischen Anklageschrift füllen. Dio Berichte darüber verlieren sich in Gewerkschafts- und Partciprcsse der Arbeiter, oder, soweit sie von den Gewcrbeinspektoren zusammen- fassend publiziert wurden, haben sie ebenfalls an der beschämenden Gleichgültigkeit der öffentlichen Meinung zn den Dinge» nichts ändern können. Ein Teil unserer Intelligenz scheint ja irgend einen geheimen Rütlischwur abgelegt zu haben, keine Zeile über Arbeiterfragen, die schließlich gesellschaftliche und nationale Probleme von höchster Bedeutung berühren, zu lesen oder gar zu schreiben. Um so mehr halten wir fiir unsere Pflicht, auf einen ganz besonders aufreizenden Fall hin- zuwoisen, der sich in letzter Zeit in einer erzgcbir- gischen Industriestadt abgespielt hat. Die Neu- dckerWoll-und Kammgarnspinnerei, einer der grössten Betriebe Deutschböh- mens, war schon unter ihren früheren, inzwischen verkrachten Besitzern, den Herrn L a h u s e n, das Muster eines durchrationalisierten Betriebes. Von allen Ländern, sogar aus Sowjrtrußland, kamen Fachleute, um dieses Beispiel fortgeschrit- tenster menschlicher Ausbeutung kennen zu lernen. Nach de» Pleite der Lahuscn kam der Neu- dcker Betrieb unter die Fuchtel zweier Banken. Die Betriebsleitung rationalisierte aus eigenem Antrieb weiter. Das genügte den Bankherren nicht. Die bestellte?: bei der Prager Filiale eines Berliner Rationalisierungsinstituts eipe Ueber- Prüfungskommission. Ueber das Weitere berichtet nun der„Textilarbeiter": »Die Herren der Ueberprüfungskommis- sion kamen, sahen und— verrechneten sich! Sehr' bald mußten die Herren Ingenieure zur Ueberzcugung komme:: und auch aussprechen, daß aus sämtlichen Produktionsabteilungen aber auch nicht das mindeste mehr herauszul/olen fei. Um aber ihre Daseinöberech- Sette 2 Sonntag, 2. September 1834 Ur. MB Die„Einheitsgewerkschaft“ ein völliger Versager; Trotz allem Terror nur 20 Prozent aller früher Organisierten Sgnng muhzuw eisen und ei« fahr gute» Ge- schift nicht entgleiten zu lassen, erklärten die Herren, dass e» immerhin möglich wäre, in den Werkstätten durch eine entsprechende Arbeit»- weis« einen Betrag non fünf» bi» sechshunderttausend AL im Jahr an Löhnen ersparen zu können. Um diesen Erfolg zu erzielen, sollte an Stelle der bisherigen Entlohnung(die Wcrk- stättcnarbeiter werden nach dem Vertragsstundenlohn entlohnt) das sogenannte Refa-Sy- stem eingeführt werden." Somit waren die Arbeiter den Herrn Ratio- nalisierern wieder als Versuchskaninchen ausge- liefert. Auf bestimmte Leistungen wurden Zeit- vorgaben von 80 Minuten gewährt. Die Ar» beiter brauchten dazu 170 Minuten. Eine unter Beiziehung des BäriebSauSschusses später ein» greifende Nachprüfungskommission stellte fest, baß für die betreffende Hantierung bei iriten» sivster Leistung 180 Minuten notwendig waren. Für eine andere Arbeit gaben die Rationalisie- rer 44 Minnte«, die Arbeiter brauchte» 171 Minuten und die Kommission erkannte schließlich 188 Minute« al« durchschnittlich erreichbares Höchsttempo au. Solche Rechenblüten zeitigt die Wissenschaft im Dienste des Kapitalismus! Während der Ausprobung dieser Schinder- Hannes-Methoden gab cs in der Ncudeker Spinnerei Unterverdien st e und steigende U n- zufriedenheit. Als nach Beendigung dieses sauberen„PriifungSverfahrcns" ein beteilig, ter Ingenieur noch einmal in die Fabrik zurück- kehrte, glaubten die Arbeiter, die Folter gehe von neuem loS. Da lief ihnen die Galle über. Sie verfolgten den Mann wutentbrannt durch Werkstätten und Höfe und prügelten ihn schließlich weidlich durch. Vier Arbeiter, die sich in ihrer Erregung am meisten hinreißen ließen, wurden sofort ent- lassen. Die weiteren Akte der Tragödie erlassen wir unL zu schildern. Die grundsätzliche Bedeutung der Neudeker Arbeiter-Revolte ist diese: Sie zeigt, daß die Nationalisierung heute bereits bi» an die äußerste Grenze der körperlichen und seelischen Tragfähig- kcit de» arbeitenden Menschen vorgetrieben wird. Was notwendig ist, daS ist eine gesetzliche Kontrolle des Rationalisierungswahns, die Schaffung von öffentlichen S p r u ch i n st a n- z e n mit Vertretungsrecht der Arbeiterschaft, die darüber zu befinden haben, ob die betreffende Neuerung im allgemeinen volkswirtschaftlichen Interesse zulässig, oder als im individuellen Profitinteresse des Unternehmers gelegen abzulehnen ist. Wird sich außerhalb der organisierten Arbeiterschaft auch nur ei» Gerechter finden, der für diese tausendfach begründete Forderung eintritt? Oranienburg wird aufgehoben Berlin, 1. September. Zum 1. Dezember 1934 werden weitere 742 Schutzhäftlstige aus der Haft entlassen. ES handelt sich zumeist um ehemalige Angehörige der SPD und der KPD. Die Entlassungen haben die Auflösung des Konzentrationslager» Oranienburg zur Folge. Unter den Entlassenen befindet sich der ehemalige Oberbürgermeister von Magdeburg, Reuter. Dem OND wird au» Wiener Ge» werkschaftskreisen geschrieben: Die entscheidende Niederlage hat der Austro- fasciSmus mit seine» Versuchen auf dem Gebiete des Gewerkschaftswcscns erlitten. Nunmehr lieg'» amtliche Daten über den Mitgliederstand der fascistischen Einheitsgewerkschaft vor. Trotz der verzweifelten Propaganda und trotz dem unverschämten Terror, der gegen Arbeiter und Angestellte geübt wird, zählte die Einheitsgewerkschaft am 1. Juli nicht mehr als 132.860 Mitglieder. Die Freien Gewerkschaften hatten noch 1S32 560.000 Mitglieder, die christlichen Gewcrtschaf- ten wiesen zuletzt 100.000 und die übrigen Gewerkschaften 65.000 Mitglieder aus. Von den 734.000 gewerkschaftlich Organisierten, die im Feber 1034 insgesamt in Oesterreich gezählt wurden, gehören jetzt nicht mehr als 19.4 Prozent der staatlich kontrollierten, fascistischen Ein- hcitsorganisation an! Von den 132.860-Gewerkschaftsmitgliedern sind 73.512 arbeitslos; nur 50.357 stehen in den Betrieben. Der fascistischen Gewerkschaft sind also hauptsächlich Arbeitslose beigetreten, um sich Unterstützungsausprüchc zu sichern, manche auch in der trügerischen Hoffnung, durch den Beitritt zu einem Arbeitsplatz zu kommen. Obwohl gerade die Mitglieder der freien Gewerkschaften in den letzten Jahren von schwerster Arbeitslosigkeit heimgesncht wäre», Ivar der Prozentsatz der im Betrieb stehenden Arbeiter in den freien Gewerkschaften ungleich größer. In Wirklichkeit hat die fascistische Einheitsgewerkschaft in den Betrieben überhaupt nicht Fuß gefaßt. Die Mitglieder der freien Gewerkschaften haben ihren Organisationen in geradezu üewun- Wien, 1. September.(Eigenbericht.) Als im Winter dieses JahrcS die Terrorlvellc der Haken- kreuzler ihren Höhepunkt erreicht hatte, erklärte der Bundeskanzler Dollfuß, daß er dem Völkerbund ein Braunbuch vorlcgen werde, in dem das Anklagcmaterial gegen die Münchner und die Berliner Regierungsstellen zusammengetragen sein werde. Er werde damit den Beweis erbringen, daß die Terroraktion in Oesterreich aus dem Ausland inszeniert.wurde. Auch.in den Gesprächen, welche Tollfuß. vor dem 12. Feber-mit den Gesandten der Großmächte hatte, versicherte er, daß diese Dokumentensammlung bereits in Druck gelegt worden sei. Er lväre entschloßen, nach Genf zu fahren und dort den Lonunentar zu diesem Braunbuch zu geben. In Wirklichkeit ist aus diesem Versprechen nichts gelvorden. Die Absicht des Bundeskanzlers wurde nicht durch den 12. Feber, sondern durch die Berliner Drohung vereitelt, daß Deutschland mit einer Dokumentensammlung antworten würde, aus welcher die Welt erkennen müßte, daß Dollfuß und einzelne Mitglieder seiner Regierung sich bi» in die leiste Zeit bemüht haben, eine Bcrstän- j digung mit Berlin und München zu erreichen, den eigenen Angaben der Einheitsgewerkschaft stammen von ihren Mitgliedern nur 70.000 auS den freien Gewerkschaften. Trotz schärfstem Terror ist etwa e i n A ch t e l der Mitglieder der aufgelösten freien Gewerkschaften der EinheitSge- Iverkschaft beigetreten. Sieben Achtel sind dem fascistischen Schwindel ferngebliebenl Aber selbst ein großer Teil der Mitglieder der antimarxistischcn Gewerkschaften lehnt die fascistischen Organisation ab, weil auch sie von einer staatlich geleiteten»Gewerkschaft" nicht» ivisien wollen. Trotz der Feberniederlage sind die österreichischen Arbeiter und Angestellten dem sozialistischen Gedanken treu geblieben. Sie stehen dem Austrofascismus auch weiter schroff ablehnend gegenüber. Die Versuche, die Arbeiter unter da» Joch des AustrofasciSmu» zu zwingen, sind kläglich gescheitert! Gangster-Methoden In Oesterreich SDcm OND wird aus Wien geschrieben: Dieser Tage wurde ein Funktionär der österreichischen Arbeiterbewegung, der in der von der Regierung aufgelösten und gcbrandschatzten Arbeiterbank eine Spareinlage von einigen hundert Schilling hatte, verständigt, daß von dem Sparguthaben vicrFLnftel„zurDeckung der erhöhten Ko st en der Exekutive" abgeschrieben worden seien. Die Regierung konfisziert also Spareinlagen, um die Kosten der Aufrüstung der Heimwehrfor- mationen zu decken! Spareinlagen werden gestohlen, ohne daß sich die Beraubten gegen da» offizielle Gangstertum zur Wehre setzen könnten. wobei Dollfuß und sein« Leut« sich zu Konzessiv» ne» bereit erklärt haben, die da» autoritäre Regime in Oesterreich durchaus nicht in seinem Glanze gezeigt Hütten. Diese Situation lviederholt sich jetzt. Bor Beginn der heurigen Bülkcrbundtagung erklärt wiederum Herr Schuschnigg, daß er ein Braunbuch vorlegen werde, da» furchtbare Anklagen gegen Deutschland enthalten.und dokumentarisch.die.Schuld der, deutschen Regierung am 25. Juli Nachweisen werde. E» ist nicht daran zu zweiscln, daß die österreichische Regierung imstande wäre, diese Beweise zu liefern, wenn sie es nur wollte. Man hat aber alle Ursache, dieser Absicht solange zu mißtrauen, solange das Braunbuch nicht vorgelegt sein wird. Man weiß, daß die österreichische Regierung unmittelbar nach dem 25. Juli erklärt hat, sie werde der österreichischen Ocffentlichkeit die Ergebnisse der Untersuchung über die Hintergründe und Hintermänner de» Putsche» vorlcgen. Diese» Versprechen hat sie nicht eingehalten. Heute sind Meldungen au» München cingclaufen, wonach die deutsche Regierung die Absicht hat, auf das Braunbuch sofort mit Doku- nienten zu antworten, die in Genf eine sensationelle Wirkung haben würden.®» wird angetan tet, daß die Nationalsozialisten entschlossen sind, nachzuwejsen, daß sowohl Dollfuß al» auch tzeimwehrfiihrer Verhandlungen mit deutschen Kreisen geführt haben, bei denen Dollfuß und sein Berliner Gesandter Tauschitz eine führende Rolle gespielt haben. Sine besondere Vermittlerrolle hatte auch der jetzt in Hast befindliche Rintelen. Die Münchner Meldung hat in Diener Regierungskreisen eine sehr peinliche Wirkung gehabt. Sn»Weltes Mandschukuo In Wiener Kreisen hat ein im gestrigen Abendblatt de»„Bester Lloyd" auS Rom datierter Artikel große Bestürzung hervorgerufen. Der Berfaffer geht von dem Gedanken aus, daß nach den Florentiner Besprechungen die Unterstellung Oesterreich» unter die militärische Garantie Italien» zur Tatsache geworden ist.' Diese Maßnahme benützt der Verfasser de» Artikel» zu einem Vergleiche Österreich» mit Mandschukuo. Die„Reichspost" schreibt über die merkwürdige Haltung de»„Pester Lloyd": Der deutsche Michel, sagt da» Blatt, wird in diesem Aufsätze in der Rolle des armen Prügelknaben aufgeführt, der sich mäuschenstill verhält, während die Kleine Entente nach dem Pulvervorrate schaut, und Pari» sich bedenklich hinter den Ohren kratzt. Für die Entgleisung, sagt die.Reichspost", gibt es nur eine Erklärung, daß in der Datierung der Artikels ein Druckfehler unterlaufen ist, und e» nicht Rom Ende August, sondern Berlin, Ende August heißea sollt«. G Dar Belgrader Blatt„Prawda" befaßt sich im Leitarttkel mit der Lage in Oesterreich und schreibt u. a.: Wir sind Zeugen, wie die Unabhängigkeit Oesterreichs dochinschwindet, dar allmählich alle Merkmale eine» souveränen Staates verliert und mchr ein Verfall de» italienischen JasciSmuS wird. Die Zukunft Oesterreichs ist dunkel und gefährlich. Die österreichische Presse läßt sich in eine Kampagne gegen Jugoslawien ein and folgt so den Spuren der italienischen Presse. Oesterreich verliert seine Unabhängigkeit damit, daß auf seinem Gebiete strategisch« Straßen errichtet werden, daß sein Militär von fascistischen Militärinstruktoren beherrscht zu werden beginnt und daß in Oesterreich di« Waffenlager zunehmen, die voll sind von italienischer Munition. Angesichts dieser Wirklichkeit muß konstaüert werden, doch Oesterreich den militärischen Anschluß an Italien vollzogen habe. Urteile 6er Militärgerichte Graz, 1. September. Da» Grazer Militärgericht fällte heut« in dem zweitägigen Prozeß tue« gen der Kämpfe in St. Rupprecht an der Raab da» Urteil. Außer Jng. Rosenberger waren noch Johann König und der Reservist de» Bunde». Heere» Stefan Ederer de» Hochverrate» angeklagt. Jng. Rosenberger wurde zu lebenslänglichem. König zu 18 Jahren und Ederer zu 10 Jahren schweren Kerker, sämtliche wegen Hochverrate», verurteilt.•••—•• Vor dem Militärgericht in Leoben hatten sich heute zwei Beamte der Alpine-Montangesellfchaft zu verantworten, die den Aufstand in Eisenerz geleitet hatten. Jng. Hawelka hatte nach den Meldungen über den Putsch in Wien die Leitung der Stadt übernommen, den RegierungSkommiffär abgesetzt und eingekerkert und die Besetzung de» Gemeindeamtes, de» Postamte» und de» Bahnhöfe» angeordnet. D« Direktionssekretär der Alpine Montangesellschaft Tarmann lieferte mit einer Abteilung von 80 Mann, die mit Maschinengewehren au»gerüft«t war. da RegierungSabteilungen einen Kampf, wobei dick Personen verletzt und getötet wurden. Da» Gericht erkannte die beiden de» Hochverrate» schuldig und verurteilte Hawelka zu acht Jahren und Tarmann zu sieben Jahren schweren Kerker». dernngswürdigcr Weise die Treue gehalten. Nach Oesterreichische Staatskunst 40 M FRITZ ROSENFELD: ««k Uxjutta BIN BOMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAO „Gib mir ein Heer, Vater, und ich will es führen. Gib mir ein Ziel, Vater, und ich will e» erreichen. Wie dieser Pfeil die Frucht durchbohrte, soll mein Schwert das Herz deiner Feinde durchbohren. Gib mir ein Heer". Da erhob sich Hulagu, stand neben seiner Tochter. Sie war nicht kleiner als er, harte, unerbittliche Züge, tapfre Augen, wie sein Sohn sie gehabt hätte, und die schlanken, sehnigen Beine eine» Läufers. Er sah ihr in die Augen und ihr Blick wankte nicht. Da zog er sie an seine Brust und drückte sie an sich wie einen Sohn. Die Räte rief er zusammen, und teilte ihnen seinen Entschluß mit. An der untren Wolga hausten die Assassinen. Drei Dörfer hatten sie in Brand gesteckt. Zwei Städte lagen in Trümmern. Niemand hatte ihnen entgegenzutreten gewagt, die grüne Fahne fand überall offene Wege. Zu alt war Äulagu, um noch zu Felde- zu ziehen. Katta aber, die Tochter des Khans, von dieser Stunde an Sohn und Erbe dc» Khans, wird da» Heer wider die Assassinen führen, gegen die Würger und Räuber, die Tatarenherden wegschleppten, Tatarenhäpscr plünderten, mit Tatarcnblut die Erde tränkten. Die Räte des Khan» schüttelten die Köpfe, ihre dünnen Bärte zitterten. Die Krieger des Khan» murrten, al» sie hörten, daß ein Weib sie führen sollte. Ehe Katta noch ihr Roß bestiegen, flatterten schon die Spoltliedcr hoch. Aber die Lieder verstummten, al» die Männer Katta sahen, im Schmuck der Waffen und hoch zu Pferd. Ihr Haar war geschnitten wie da» Haar der Männer, die Tracht der Krieger trüg sie, und ihre Stimme klang hart und trotzig Ivie die eines Mannes. Das Schwert hielt sie wie ein Mann und an der Spitze des Heeres flog sie dahin wie ein Mann. Abschied nahm sie von Hulagu, Khan der Tataren, und von den Männern und Frauen von Kasan. Der Khan flehte den Segen Allahs auf ihr Haupt, und legte ein Amulett um ihren Hals, auf dem mit kunstvoll gemalten Schriftzeichen die Worte des Korans standen: Im Namen Allahs, des ErbarmerS, des Barmherzigen: Ich nehme meine Zuflucht zum Herren des Morgengrauens Vor dem Uebcl dessen, was er erschaffen. Und vor dem Uebel der Nacht, wenn sie naht, Und vor dem Uebel der Zauberinnen, Und vor dem Uebel des Neiders, wenn er neidet. Katta neigte sich vor ihrem Vater, stieg auf ihr Roß, und das Tor von Kasan flog auf. Durch die Stadt fegte sie an der Spitze des Heeres, über die Hügel, den Strom entlang, daß sie dem Aug des Vaters,' der von der höchsten Zinne seines Hauses ihr nachsah, bald entschwand. Die Räte aber und die Obersten der Stadt, die neben Hulagu standen, sagten: „Laßt die Trommeln dröhnen, und die Posaunen. Ein Sohn ist in dieser Stunde unserem Khan geboren worden". Biele Tage und Nächte setzte das Heer der Tataren den rasenden Ritt fort. Neben der Wolga ritten sie, die ihxe breiten Wasser träge dahinwälzte. Vögel stelzten auf hohen Beinen am Ufer entlang, Krähen erfüllten die Luft mit häßlichem Gekrächz, der Mond spiegelte sich nachts in den Wellen. Immer häufiger wurden die Zeichen der Räuber an der großen Straße. An den Rändern des Weges hockten die Geier, satt von der Mahlzeit.-Im Licht der Sterne schimmerten die Gebeine der Toten noch bleicher, de» zerhackten Schatten niedergebrannter Hütten warf der Mond auf den Boden, gespenstige Lebewesen» die über die Erde krochen, als wollten sie alle» Leben aus ihr saugen und sich mit ihrem Blut volltrinken, um einmal aufflattern zu können, schwarze große Vögel. Zerfetzte Zelte lagen am Weg, zerbrochene Waffen. Ein Speerschaft zitterte im Stamm eines großen Baume», der schlaffe Leib eines Kindes war mit einem Pfeil an eine Holzwand geheftet, deren Rand verkohlt war. Katta ließ das Heer halten: Die Krieger sollten diese» Bild in sich aufnehmen, ihre Augen sollten sich vollsaugen mit Grauen. Gräber ließ sie schaufeln für die Erschlagenen, die Waffen einsammeln, dann zog sie weiter. Die eine dunkle Wolke über den Himmel jagt in der Stunde de« Sturme», so jagte da» Heer der Tataren den Feinden entgegen. Durch eine Stadt ritten sie, durch die Trümmer einer Stadt. Ueberall die langen, blanken Dolche der Assassinen, Fetzen ihrer roten und grünen Mäntel auf der Erde, oft auch einer au» ihrem Heer, mit offenen Augen, ein Schwert in der Brust, die Hände verkrallt, in einer Lach« von Blut. Wimmern klang au» den Häusern, noch lebten Menschen, die da» Schwert verschont, die der Brand verschont. Eine alte Frau wurde au» einer Hütte geholt, ihr Antlitz war wie Pergament, ihre Augen blickten verstört und angstvoll. »Die Assassinen," schrie sie,„die Assassinen. Rote Mäntel— Schwerter— Blut— viel Blut — unsre Hütte—" Sie wie» auf einen Haufen verkohlter Balken. »Meine Kinder." Sie schlug die Hände vor da» Gesicht. In den Wäldern vor der Stadt fanden sie versprengte Flüchtlinge, versprengte Tote. Auch die noch lebten, waren tot. Ihre Augen sahen nur den Tod, in ihren Ohren gellte nur. Tod. Einer rannte mit dem Kopf gegen einen Stamm, verfluchte diesen Kopf, der nicht zerschellen wollte, verflucht« sein« Hand, die zu feig war, den Dolch in» eigene Herz zu senken, verfluchte die Assassi- nen, die sein Weib.fortgeschleppt, sein« Kinder. »Laßt mich sterben," schrie er.«Allah hat mich geschlagen. Allah ist bei den Räubern." Sie sahen alte Frauen am Wegrand sitzen, die aufgeriffene große Augen hatten und leer vor sich hinstarrten. Sie hatten Gra» in der Hand, hohe», lange» Gra», und legten e» an di« Brust, wie«in Kind, um e» zu säugen. „Schlaf," sangen sie,»schlaf. Der Abend kommt, der Vater kehrt heim." Sie sahen Männer am Wegrand sitzen, die mit geballten Fäusten auf einen gefällten Baumstamm einhieben. Wie Besessen« gebärdeten sie sich und schrien: „Er lebt— er lebt— nach tausend Hieben lebt^ er wie vor dem ersten— laßt ab von ihm— laßt ab— der Teufel beschützt ihn—" Und sie hieben weiter und hämmerten, bi» ihre Fäuste wund waren, und sie zu Boden fielen. Dann gellte nur mehr ihr dumpfe» Geschrei: „Er lebt— er lebt, nach tausend Hieb« lebt er—" Da» war die Straße, die die Assassinen geritten, da» Heer Ro«u Eddin», die Sendboten de» Teufel».— von den Assassinen aber erblickte man keim Spur. Rur ihr« Opfer sah man. in endloser Reihe. Dorf an Dorf, Zelt an Zelt. Da wurden sie irr. Katta sammelte die Anführer um sich, beriet mft ihnen. Sie schüttelten die Köpfe. Ri« zogen die Assassinen sich unbesiegt zurück, und nie waren sie besiegt worden. Hinter einem Hügel lauert« sie wohl, hinter einer Falt« de» Boden», bielleich! hinier einer Wolke, um wie Gewitterhagel auf dst Ccflitet’ loszubrechen. (Fortsetzung folgt.) Nr. 206 Sonntag, 2. September 1834 Saite 8 Sandner will den i Kapitalismus stürzen Die„Rundschau" des Herrn Henlein hat le« kanntlich die deutsche Sozialdemokratie als staatsfeindlich erklärt, weil sie sich er« kühntc, in einem Flugblatt für eine„menschlichere Gesellschaftsordnung" einzutreten. An die Rechen der Staatsfeinde tritt nun auch Henleins Schild« knappe Sandner, der dieser Tage in einer Duxer Versammlung erklärte: „Da- System des Kapitalismus ist Hingst schon reif zum Stur», wir haben nur«och mit« . zuhelfen, daß es stürzt." Mit welchen Mitteln die Heimatfront den Sturz des Kapitalismus betreibt, hat Sandner an einer anderen Stelle seiner Rede verraten. Er plauschte darüber aus: „Ms wir unsere erste Spendenaktion unternahmen, hofften wir, e- werde unter den Zuwendungen ein oder der andere Tausender, oder gar ein Fünftausender von diesem oder jenem Fabrikanten od».r rei- chenBillenbesitzer sein. Ich sage Ihnen, es ist nicht ein einziger Tausender und auch kein Fünftausender gekommen, aber unversiegbar floh der Strom der Einkronen« und Fünfzighellerstücke." Die rührende Geschichte von den Fünfzighellerstücken glaube, wer will. Daß aber die Hei« .matfront den Kapitalismus stürzen will, indem sie Fabrikanten und reiche Villenbesitzer anschnorrt, ist immerhin interessant. Neu ist die Methode nicht. Denn genau das gleiche Rezept haben bereits Hitler und Goebbels angcwendet. Die Sache mit der Schnorrerei ist wahr. Der Kampf gegen den Kapi» talismus war dort und ist hier dasselbe: Schwindel. Abgeordneter Wagner als Hltleragltator Es ist nicht das erstemal, daß Mandatare des Bundes der Landtvirtc im Lande-draußen eine Stellung beziehen, welche das genaue Gegenteil der von Minister Spina betriebenen RcgicrungSpolitik bedeutet. Einer von jenen, die der nationalistischen Opposition nach dem Munde reden, ist Herr Abgeordneter Wagner. Uns liegt ein eingehender Bericht iiber eine Versammlung vor, die Wagner am 26. August in der südmährischen Gemeinde Saitz abgehalten hat. Er rühmte dort zwar das Getreide- m o n o p o l als einen großen Erfolg, vergaß aber zu sagen, daß es ein Produkt der demokra« tischen Zusammenarbeit zwischen Arbeitern und'Bauern ist. Auch Minister BcneS kam bei Herrn Wagner schlecht weg. Wagner meinte: E in Außenminister sage heute mit großer Betonung, wir müssen abrüsten, und mor« gen kaufe er 800 Kanonen ein. Deutschland habe die klein st e Militärmacht Europas mit 100.000 Mann. Unser kleines Land ver» füge dagegen über 180.000 Soldaten.— Nach Auffassung Wagners besitzt die Tschechoslowakei um 40.000 Soldaten zuviel. Deutsch« land sei allein unbewaffnet und kämpfe nach Wagners Meinung nur mit geistigen Waffen. Hätten wir nicht soviel Militär und Gendarmerie, brauchten wir nicht soviel Kanonen kaufen und könnten unsere Grundsteuer gründlich hcrabsetzen.— Soweit der Bericht. Eifriger kann man die Rüstungspolitik des Dritten Reiches wohl kaum mehr in Schuh nehmen. Diese Rede Wagners steht immerhin in Einigem Gegensatz zu dem patriotischen Eifer, welchen Spina und K r e p e k anläßlich des LeitmeritzerWehrtageS entfalteten... Zitate aus der „Deutschen Presse- Im samstägigen Leitartikel der christlichsozialen„Deutschen Presse" finden wir folgende bemerkenswerte Stellen:. „... nach außen hin aber paßt sie sich den raffinierten Methoden der Weltpolitit an. zieht über blutige Hände weiß« Glace-Handschuhe an und bedeckt die Charakterlosigkeit mit einem fun« kelnagelneuen Frack." „... AuStilgung und Zerstörung der Gesetze, die selbst in die Natur der Menschen geschrieben sind." „... daS nicht Tausend und nicht Hnndert« tausende, sondern Millionen von Menschen re» mordet hat und noch weiter mordet, daS jede Hemmung abaeworfen hat und abwirft, wenn«S der Festigung der Macht dieser Verbrecher gUt..." Was sagt Ihr dazu? In so blutigen Far-' ben malt die. fromme christkatholische Presse!' Sollte sie HitlerdeutschlandS nun wirklich gänzlich überdrüssig geworden sein? Geht ihr endlich daS richtige Grausen an ob der Unmenschlichkeit, Unnatürlichkeit, Verwerflichkeit der hakenkreuzlerischen Methoden? Ach, nicht die Spur! Alle die zitierten Stellen und der ganze Leitartikel, dem sie entnommen sind, richten sich gegen-^-Sowjetrußland, vor dessen Ein» trüt in den Völkerbund die gesalbten und ungesalbten Herren der„Deutschen Presse" warnen. An demselben Augenblick also, da die Beziehungen der Tschechoslowakischen Republik zu Sowjetrußland sich immer freundschaftlicher gestalten, zur selben Zeit, da Barthou herzliche Telephongrüße nach Moskau sendet, nennt die „Deutsche Presse" die Sowjetmänner, mit denen schließlich Leute wie Dr. B e n e S an einem Tisch sitzen,„Verbrecher"! Was sagen dazu die ch r i st l i ch s o z i a« len Arbeiter, die bei aller weltanschaulichen Gegnerschaft doch sicher Respekt vor dem neuen Rußland haben? Wir hoffen, daß sie eine ähnliche Antivort finden werden wie wir: daß nämlich in dem Augenblick, da Sowjetruhland den Kreis der friedenstrebenden bürgerlichen Staaten schließen will, der ganze Sozialisten- und Arbeiterhaß auch der bewußt katholischen Mirger mit aller Leidenschaftlichkeit aus« bricht und daß den frommen Vätern ein blutiger Krieg gegen Sowjetrußland tausendmal lieber wäre, als die durch die Einbeziehung Rußlands in den Völkerbund gebesserte WcltauSsicht auf Erhaltung des Friedens!' Das Ist die„Helmatfront” wie sie die Unternehm« wünsche« Wir zitieren zunächst eine Notiz, die in der „Deutschen Leipaer Zeitung" vom Freitag, den 81. August 1084, enthalten war. Die Leipaer Zeitung ist keineswegs ein „marxistisches Hetzblatt", sondern ein gutes bürgerliches, daher also von Haus aus ein antlmarxi» stifcheS Blatt, gelegentlich auch Publikationsorgan der Henleinfront, stets auf Seite der Unternehmer, gegen den Klassenkampf eingestellt und man darf annehmen, daß diese Notiz nur versehentlich in dieses Blatt gelangt ist. Die besagte Notiz lautet: Trinkgelder als Wochmlöhne. In der Kunstblumen» und Schmuckfedernindustrie des Nix» d o r f e r Gebietes, die derzeit gut beschäftigt sein soll, erhalten die bestqualifiziertesten Arbeiterinnen angeblich bei 58- bis SOstündiger Arbeitszeit Wochenlöhne von 45 UL, bei minderqualisizierten Blumenbinderinnen seien Wochenlöhne unter 10 UL keine Seltenheit. Vielfach müssen die Arbeiterinnen mit der Bahn zur Arbeitsstelle fahren. Lohnverträge existieren schon längst keine mehr. Die„Leipaer Zeitung" unterläßt eü vorsichtiger Weise, den von ihr mitgeteilten Tatsachen einen Kamentar anzufügen. So feinfühlig sind wir nun aber nicht. Kurz und bündig deckt die Notiz der„Leipaer Zeitung" die ganze brutale und hemmungslose Profitgier der Unternehmer auf. Sie beleuchtet aber auch blitzlichtartig den Schwindel mit der„VclkSge- meinschaft". Ruhm und Tragik des Roten Stoßtrupps Heldenkampf der berliner Jungsozlallsten Bor einem Jahre noch wetteiferten KaffeehauS-Literaten, Pazifisten, Kommunisten, Rationalisten mit den Kreaturen deS Herrn Goebbels darin, die große sozialdemokratische Bewegung Deutschlands totznsagen. Zur gleichen Zeit standen die besten Männer und Frauen dieser Partei und ihre tapfere Jugend bereits im illegalen Kampf auf Leben und Tod gegen die braune Diktatur. Run läßt sich daS Heldentum dieser Illegalität nicht länger totschweigen. I« zwei sogenannten BolkSabstimmungen haben die alten sozialdemokratischen Hochburgen, voran Hamburg und Leipzig, die größte Zahl an Neinstimmen ausgebracht. Der jüngst abgeführte Prozeß gegen den RotenStoßtrupp von Berlin— es wurden Zuchthaus st rasen b i s zu zehn Jahren verhängt— hat Ruhm und Tragik des sozialistischen FreiheitskampfeS geoffenbart. Unseren jungen und alten Kämpfern soll dieses Heldentum— wir folgen in seiner Schilderung dem Bericht deS„Neuen VorlvärtS"— ein leuchtendes Beispiel sein und eine Mahnung zu höchsten Einsatz. Der erste Widerstand Es war einige Monate nach dem Staatsstreich der Nazis, im Sommer 1038. Die.Sozial- demokratie hatte ihre bitterste Enttäuschung überwunden und begann sich wieder zu rühren. Kurz nach der Nazi-Revolution hatte man sich still verhalten, keinen Versuch der Organisierung unternommen, da man nicht wußte, über welche Machtmittel der Gegner verfügte und man auch noch nicht wußte, wie weit man gehen konnte. Die alten Führer waren oftmals für die illegale Arbeit nicht brauchbar— sie waren auch zu sehr in der Oef- fentlichkeit bekannt— und die jüngeren hatten sich mit dem Gedanken, daß sie nunmehr die Bewegung leiten müßten, noch nicht vertraut gemacht. An vielen Stellen Deutschlands entstanden nun kleine Gruppen aus alten treuen Parteigenossen, mutigen Reichsbannerkameraden, Mitgliedern der SAJ, die versuchten, Kontakt miteinander zu halten und über die Politik des Tages miteinander zu sprechen. Aus ihren Reihen kamen diejungenaktivenFührer hervor, die System in die illegalen Verbindungen brachten. Jugend en der krönt Es waren zumeist junge Leute von ungefähr 20 bis 38 Jahren, die alle schon in der Partei» und Gewerkschaftsbewegung Erfahrung hatten, echte sozialistische Kämpfer, von der Idee besessen, daß sie ihr Teil dazu beitragen müßten, um Deutschland von der Nazi-Pest zu befreien. ES waren einige Leute dabei, die aus der Nazirevolution Abteilungskartotheken gerettet hatten und sie wie einen Schatz verborgen hielten: Adressen waren das kostbarste Material, das die illegalen Arbeiter im Besitz hatten. Adressen, Mut und Sparpfennige— damit wurde nach der Nazirevolution die erste illegale Arbeit durch die Genossen im Inland auf eigene Faust verrichtet, bevor die Propaganda durch Hitler von draußen den Umfang erreichte, den sie jetzt hat. ver„Rote Vorstoß“ AuchinBerlin kamen aus verschiedenen Gegenden der Stadt eine Anzahl findiger junger Menschen zusammen. Unter der Leitung eines besonders energischen Sozialisten, theoretisch ge» ! schult und praktisch geschickt, ging man ans Werk. ! Man bearbeitete anfänglich nur die jüngeren Sozialdemokraten— man weilte erst eine Gruppevon Propagandisten schaffen, bevor man mit dem eigentlichen Werk begann. Man fand in dem unauSschöpflichen Arbeiterreservoir von Berlin eine große Anzahl junger Menschen, die bereit waren, die Gefahren von Gefängnis, Mißhandlung und Konzentrationslager auf sich zu nehmen, um die sozialistischen Gedanken unter die Masse zu bringen. So begann ihr« Arbeit. Die erste Nummer des„RotenVor« st o ß" erschien. Mit Elan wurden die Sünden des ' Nationalsozialismus aufgedeckt, mit Feuer den Menschen nahcgelegt, dem Sozialismus treu zu bleiben. Die Auflage des„Roten Vorstoß" wuchs schnell, und um ihn herum formte sich die Organisation der„Rote Stoßtrupp". Die Organisation wurde nach einem erprobten illegalen System aufgcbaut. Die Organisation hatte aber einen Fehler: cS waren zuviel frühere Mitglieder untereinander bekannt. Im übrigen war der„Rote Stoßtrupp" vorbildlich organisiert. Er wurde die Hoffnung vieler Sozialisten. Ole Gestapo aut der Spur Monatelang hat die G e st a p o gesucht und nichts gefunden als hier und da ein Exemplar vom „Roten Vorstoß". Sie trat hier ganz anders auf als gegen die Kommunisten. Wer mit einer„Roten Fahne" angetroffen wurde, wurde ins Konzentrationslager gebracht. Der„Rote Vorstoß" aber war gefährlicher, darum wollte man nicht die Leser, aber die Führung. Man ließ die Leser laufen—aber sie liefen nicht mehr allein. Ein Spürhund der Gestapo bewachte ihre Gänge, um am Ende den Verteilern der Schriften auf die Spur zu kommen. Durch Zufälle, über die sich die Gestapo noch lange genug den Kopf zerbrach, mißglückte das stets, bis endlich der berüchtigte„Zufall", der in der illegalen Arbeit häufig eine verhängnisvolle Rolle spielt, der Polizei einen Faden in die Hand gab. ein unglücklicher Zufall Bei einer Razzia in einem Arbeiterviertel Berlins befand sich auch einer der Verteiler des „Roten Vorstoß" in einer Straße, die in dem Augenblick, in dem er sich auf das Rad setzen wollte, von Polizei abgeriegelt wurde. Man wollte alle Häuser durchsuchen und visitierte auch die Fußgänger. Bei dem Mann vom„Roten Vorstoß" wurde ein Paket illegale Literatur gefunden. Man arretierte den jungen Mann, hielt ihn einige Tage gefangen, hauösuchte in seiner Wohnung, notierte alles, was er sagte, alles, was man auf Notizbüchern und auf Papierfetzen fand und— ließ ihn frei. Erst nach wochenlangcm Spüren kriegte man endlich heraus, wer einer der Träger der Decknamen war; man brachte einen Spion in die Reihen des„Roten Stoßtrupps", und an einem geeigneten Tag griff man zu. Nit Nllpferdpeltschen geprügelt — und doch kein Verrat I Die Polizei z. b. B. arretierte in einer Nacht 73 Männer und Frauen, darunter eine Anzahl, die nur per Post den„Roten Vorstoß" ins Haus bekommen. Unter den Festgenommenen befand sich auch eine Anzahl junger weiblicher Studenten. Einem Teil der Bedrohten glückte es, zu flüchten. Alle Verhafteten wurden in das berüchtigte Ge- stapogefängnis im Columbiahaus gebracht. Sie bekamen zunächst 48 Stunden nichts zu esse« und zu trinken, darnach wurde» fie mit Nilpferd- peitschen verprügelt und stundenlang verhört. Stückchenweise bekam die Gestapo, die durch ihren Spion über eine Anzahl Dinge halb richtig, halb falsch unterrichtet war, Bekenntnisse heraus. D i e halbtotgeprügelten Männer und F r a u e n, die aus dem halben Wissen der Polizei schließen mußten, daß alles verraten sei» ließen sich Geständnisse erpressen. Es bleibt aber für alle Zeit Trost und Stolz für den„Roten Vorstoß", daß keiner der Mißhandelten seine Kameraden verratenhat. Die Bauem-Emlgration In Prag Vizekanzler Winkler rechtfertigt sich in der„Landpost". Die Tschechoslowakei als einziges demokratisches Land in Mitteleuropa beheäergt nunmehr auch eine ziemlich starke Bauern-Emigra« t i o n. Zu den Anhängern des ermordeten bulgarischen Bauernführers Stambulijski hat sich vor einiger Zeit der ehemalige polnische Ministerpräsident Witos gesellt, der in den Kasematten von Brest-Litowst dieselben Martern erdulden mußte, wie die eingekerkerten Sozialistenführer. Nunmehr hat auch der Führer des österreichischen Landbundes, der gewesene Vizekanzler Winkler, ein gebürtiger Leipaer, bei uns ein Asyl gefunden. Die gestrige„Landpost" bringt eine ausführliche Darstellung Winklers, worin er die von der Wiener Heimwehrregierung gegen die österreichischen Landbundführer erhobenen Korruptions-Beschuldigungen energisch in Abrede stellt. Winkler verdient dabei insofern eine gewisse Glaubwürdigkeit, als er sich während seiner Ministerschaft auch gegenüber der österreichischen Arbeiterbewegung durchaus anständig verhielt und neben K u n« schal bis zuletzt die wahnwitzige FascisierungS- politik des Dollfuß und seiner Heimwehren bekämpfte. Ob auch die anderen Landbund-Führer gleich ihm reine Hände und ein sauberes Gewissen aufweisen können, entzieht sich einstweilen noch einer abschließenden Beurteilung. Jedenfalls taten angesichts dieser Tatbestände die agrarischen Blätter gut daran, ihre'gehässigen Angriffe gegen die Emigranten einzustellen. Daß in der Tschechoslowakei heute die emigrierten Führer der Arbeiter- und Bauernbewegungen dreier Nachbarländer leben, ist der beste Hinweis, daß bei den kommenden europäischen Entscheidungen Arbeiter und Bauern gemeinsame Aufgaben vorfinden werden. Krebs kommt nach Nürnberg und wird im Rundfunk sprechen? Nach einer Meldung deS PTS soll an dem Hakenkreuz-Parteitag in Nürnberg auch der geflüchtete Krebs teilnehmen und sogar eine Rede im Namen der aufgelösten nationalsozialistischen Partei halten. Da der ganze Parteitag durch Rundfunk übertragen werden wird, würde man das zweifelhafte Vergnügen haben, diesen Menschen zu hören, der jenseits der Grenze den Mut gefunden zu haben scheint, welchen er in der Tschechoslowakei nicht bewiesen hat. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, daß sich die Berliner Propaganda anders besinnt, denn mit Herrn Krebs kann nicht einmal das Dritte Reich Staat machen. Selbstmord eines Freundes Rlntelens Wien, 1 September. Der ehemalige christlichsoziale steirische Landtagsabgeordnete A n r o n G.a u g l, Mittelschuldirektor in Friedberg, hat in der Nacht auf Samstag Selbstmord begangen. Die Ursache der Tat ist nicht klar, doch wird angenommen, daß er sie ans politischen Beweggründen beging, weil G a u g l ein Freund Dr. R inte l e n S war. Sine vemlsslon In Washington Washington, 1. September.(Reuter.) Wie die„New Aork Times" erfährt, hat der Budgetminister Louis Douglas nach einem vor kurzer Zeit dem Präsidenten Roosevelt abgestatteten Besuch seine Demission gegeben. Es verlautet, daß DouglaS seit einer gewissen Zeit mit der administrativen Politik des nationalen Wiederaufbaues nicht einverstanden gewesen sei. Die Zeitung „Sun" meldet, daß Präsident Roosevelt daS Rück, trittSgesuch genehmigt habe. Unruhen In Indien Kalkutta, 1. September. I« Ranchi (Bezirk Nagpur) ist eS zu schweren Zusammenstössen zwischen Polizei und einer grossen Menschenmenge gekommen, die einen Bahndamm auf- zureisse« versuchte. Die Beamten sahen sich schliesslich gezwungen, daS Feuer zu eröffnen. Zwei Personen wurden getötet, eine weitere trng schwere Verletzungen davon. Barthou nach Rom Pari», 1. September. Der„Matin" erfährt, dass sich Aussenminister Barthou in der zweiten Hälfte deS Monate- Oktober, gleich nach dem offiziell« Besuch de- jugoslawische« König- Alexander,«ach Rom begeben wird. Parteigenossin! Parteigenosse? Bist Du schon Mitglied der Stinßerfrentiße? wenn nicht, dann tritt bei. „9reutt0fc&aftr nnmmmmnnmmnmmmm Seite 4 Sonntag, 2. September 1934 Nr. 205 Flugzeuge und Gewitter Fünf Tote und ein Held troffen. DaS Gesicht des F l u g> lieber moralische Befugnisse sich die„Bohemia" auch noch so patzig machen, wir sonnen ihr doch nicht den Gefallen tun, in ihrem Dasein und Gehaben mehr zu sehen, als ein Barometer des Niederganges jener Klasse, der sie dient. Verfallserscheinungen müssen gelvisz hie und da registriert werden, aber sie haben keinen Anspruch daraus, im Mittelpunkte der täg- kichen Aufmerksamkeit zu stehen. Dies um so mehr, als uns die Not der deutschen ArbeitSmen- schen tiefer und aufreibender beschäftigt, als ein Schriftleiterbernf, der diese Not nur daun entdeckt, wenn sie seine N o t an Argumenten gegen die Sozialdemokraten zu lindern verspricht. ES hieße Schafmilch von einer Ziege verfangen, an die„Bohemia" etiva das Ansinnen zu stellen, das; sie den deutschen Arbeitsplatz auch dann verteidige, tvenn ein Generaldirektor Doderer ans R o t h a n- R e n b c f die Ilebertragnng von LebcnSmöglickkciteu ins tschcckisckc Gebiet besorgt oder tvenn ein deutschböhmischer Fabrikant scknvere Millionen VolkS- vermögens mit einer italienischen Tänzerin ver- hnrt. Damit ist auch die moralische Zuständigkeit vielmehr Unzuständigkeit des deutschen llnterneh- merblatteS festgelegt, sich in Sachen der Margarine-Politik als Schützerin des deutschen Arbeitsplatzes aufzuspielen. Was die Methode anlangt, die sich die „Bohemia" zurechtgelegt hat, die heiligsten Güter der sudetendeutschen Scharfmacher zu verteidige», als da sind: das Gewohnheitsrecht, p o l i t i s ch e n S e e l e n k a u f zu treiben und die Folgen einer verfehlten Politik ans die Opfer abzutvälzen, bedarf eö keiner besonderen Kennzeichnungen mehr. Das Blatt versteht den Sinn seiner anmaßenden Rede nicht, wenn es nun spaltenlang über„Lüge" zetert ob unserer Konstatierung, eö hätte unseren wohlbegründeten Angriff auf die verfehlte deutsche Industricpolilit als„nationales Verbrechen" hingestellt. Nun, die„Bohemia" begnügte sich in dieser Sache mit der schlichten Ilnterstellung. lvii hätten eine„haarsträubende Frontstellung gegen alles Deutsche" an den Tag gelegt, womit sie nnö wohl nationaleBerdienste nachrühmen wollte. Bleibt es nicht bei dieser harmlosen Auslegung, dann hat sich die„Bohemia" freilich selber der Lüge bezichtigt. Mit Genugtuung sei vermerkt, daß die „Bohemia" auch eine Kennzeichnung der Goebbekspropaganda als Angriff auf ihre Redaktion schrc betrachtet und sich zu der Behauptung versteigt, sie hätte die Morde und Folterungen in Deutschland nie in Ordnung gefunden. Sie will also daran erinnert sein, daß sie den erschütternden Bericht Gcr- hart Seegers über Oranienburg vor einer Prager Pressekonferenz mit einigen schäbigen Zeilen behandelte, desgleichen den durch die ganze Welt gellenden Aufschrei der Fran des zu Tode gefolterten deutschen Schriftstellers Erich Ni ü h s a m! Soll man noch zur völligen Entlarvung solcher Unverfrorenheit den Brief des Herrn Kauders zitieren, der für alle Zeiten e i n D o k u m e n t d e r S ch a n d e der„Bohemia" sein wird und der den historischen Beweis liefert, daß ihr Chefredakteur W e s s e l s k h im Begriffe war, die deutschen Konzentrationslager zu besuchen, Ivobei eö ihm nach Kauders darum ging,„d i e S a ch e n(mit dem drohenden Verbreitungsverbot im Hunnenreich die Red.) wieder bißchen in Ordnung zu bringen"; jenen Brief, der dem politischen Direktor der„Bohemia", dem— mit Respekt z u sagen— deutschdemokratischen Abgeordneten Peters nachrühmte, er möcktc sich„um jeden Preis mit den Nazis a u s s ö.h n e n"? Wie ost soll man dem Blatt.der Wesselsky und Peters dieses moralische Todesurteil noch in Erinnerung bringen? Bleibt noch zu melden, daß die„Vo- hemia" sehr entrüstet int, weil wir es anzupran- gern lvagien, das es sie in der Erörterung der Auswirkungen der Margarine-Regelung nut gegen die deutschen Sozialdemokraten zu Felde zog und kein Wörtlein gegen die agrarischen Urheber der Sacke fand. Hätte das Blatt noch ein Interesse daran, das Stigma der heuchlerischen Spie- gelfeckterei nicht auf seine Stirne eingebrannt zu wissen, damt müßte eS tvenigstens den Nachtveis versuchen. daß. es tatsächlich eine Zeile des Angriffs gegen die Partei des Herrn Spina gerichtet hat! Es sei uns ferne, gerade in diesen Fällen die„Bohemia" der pathologischen Verlogenheit zu bezichtigen, denn das würde die Vermutung zulassen. daß im allgemeineit für das Blatt ttoch irgendwelche Begriffe der Wahrhaftigkeit und Anständigkeit existieren. Schließlich müsse» ja zwischen der Presse der stärksteit deutschen Partei des Landes und dem Sprachrohr des aufgeblasensten, ■ aber bedeutungslosen Grüppchens im deutschen Lager getviffe Schranken der S e l b st a ch t u n g gezogen bleiben. Wie der hoffnungslos Dahinsiechende den Gesunden ins Krankenbett wünscht, so verstehen wir auch menschlich diese Mischung von deutschvölkischem und alttestamentarischem Haß, der uns aus den Spalten der„Bohemia" entgegenschlägt und dessen Ansströmen eben zu den letzten Lebenszeichen einer kasteitstolzen Sippe gehört, die den Weg alles Irdischen von Kafka zu Bacher und von Spiegel zu Peters gegan- Cfwv ist! St. Ioseph. Ein Passagierflugzeug wurde unweit vo» St. Joseph(Staat Missouri) in. der Rächt von einem Gewitter überrascht, stürzte a v u n d ging in F l a m in e tt a» f. Bier Passagiere nndderPilot kamen bei diesem Unglück ums Leven. *•* London. Wie«Daily Mail" meldet, wurde ain Freitag ein Passagierflugzeug auf dem Wege von Paris nach London mitten über dem Aerm elkanal während eines plötzlich auSgebrochenem Gewitters vom Blitz g e- Tagcsncmgkcittn Die Schule fängt wieder an... In diesen Tagen ziehen die Kleinen zum ersten Male(oder neuerdings> und auch die nicht mehr ganz Kleinen in die bedeutungsvollen Häuser, in denen der Jugend das Wissensgut vermittelt iverden soll, das den Grundstock für ihre rei- ’erc Menschwerdung, das geistige Kapital für ihre» Lebenskampf zu bilden hat. Die Nichtträgen unter den Kindern und Jugendlichen, die Klugen unter den Eltern werden von diesem Gesichtspunkt ans den wiederum ersten Schlag der Schulglocke nicht ohne Freuden vernehmen. Leider gibt es nicht nur diesen Gesichtspunkt. Denken wir an die Hunderttansende proletarischer Kinder, die ihre Schul- und Lernzeit unter Entbehrcuigen vollenden, so erscheint uns der Becher der Schulgenüffc oft bis hart zum Rand mit Bitterkeit gefüllt. An unseren Augen ziehen die Scharen von Arbeiterkindern vorüber, deren Augen nicht von Lernfreude und Wissensdurst leuchten können, weil sie erfüllt sind von Bildern häuslicher Not, getrübt von den Schatten der Unterernährung und oft des blanken Hungers. Aus dem warmen Bett in lichter Stube, aus den Armen froher Eltern, die ihre Sorge den Kindern widmen können, nach einem guten Frühstück und mit einem stattlichen Butterbrot im Ranzen geht's sich ja doch leicht zur Schule, wenn auch dort die Forderungen an das Kindergehirn manchmal jugendlichen Mut und Frohsinn unterbrechen mögen. Aber die Kinder unserer Arbeitslosen, die vielen vielen kleinen Menschen, die aus dumpfer und kalter Stube, aus dem Drang des häuslichen Elends, aus der schweren Luft des Brothungers, fröstelnd und hungernd zum Unterricht eilen, für alle diese vielen, die oftmals das Lebensnnglüct kennen, ehe sie noch das Glück ihrer Jugend begreifen kann-, ten, sind die Schulstunden gar oft eine Starter für arme Gehirne, weil der Wille versagen muß, wo das Fleisch nicht vorhanden ist. Kommt dazu die Bedrängnis unseres Schulwesens selbst durch die Not der Gemeinden und durch all die Folgeerscheinungen einer jahrelang lastenden Krise. Nein, es sind wirklich keine reinen Lichtbilder, die wir zu Schulanfang sehen, lveun wir uns unsere sudetendeutschen Industrie- und Dorfgemeinden vor Augen halten. Und es bleibt uns nur der Trost, daß alle die, die es mit der geistigen und leiblichen Volksgesundheit ernstmeinen, nach Kräften bemüht sind, die Steine ans dem Wege zn räumen. Aber auch jener andere Trost, daß die Kinder hierzulande eine nach Maßgabe des bürgerlichen Staates freie Schule besuchen, in der, etlichen Dunkel- und Braunmännern zum Trotz, der Geist des Fortschritts, der Menschlichkeit, der Demokratie immer stärker zu walten beginnt. Diese Frei- hat ist gewiß nicht alles; sie bleibt zum guten Teil Schein, solange diese Wirtschaft mit bleier- nen Flügeln auf ihr lastet. Und dennoch: seien wir glücklich, unsere Jugend in solcher freien Luft herangebildet zu sehen; seien wir glücklich, daß und sofern sie von dem Unheil verschont bleibt, das anderlvo kindliche und jugendliche Gemüter vergiftet, die Schule alp Vorstufe zur Kaserne betrachtet und, statt gute Gedanken aufzubauen, niedrige Instinkte entlvickelt. D e m v k r a t i sch e Schule im demokratischen Gemeinwesen— das ist und bleibt eine der wichtigsten Voraussetzungen zur Erhaltung oder Erfüllung all dessen, was uns teuer ist: des geistigen Fortschritts, der seelischen Höherentwicklung, edlen Gemeinschaftsgeistes, festlvurzelnder Friedensliebe, internationalen Denkens und Fühlens. Möge das neue Schuljahr recht viele wertvolle Bausteine für dieses Werk liefern! Um 1VV.0V0 Touristen mehr! Trotz aller einschränkenden Maßnahmen— so schreibt die„Prager Presse—, welche dem Fremdenverkehr von einigen Nachbarstaaten in den Weg gelegt werden, und trotz der Wirtschaftskrise ist Heuer eine erfreuliche Zunahme des Touristenverkehrs in der Tschechoslowakei festzustellen. Es betrifft dies nicht nur die steigende Frcguenz der heimischen Bäder, welche Heuer 272.000 Kurgäste und Passanten(gegen 222.000 im Vorjahr) aufweisen, also um 53.000 Besucher mehr, aber auch deck Fremden- und Touristenverkehr in den größeren Städten der Tschechoslowakei, die Heuer (in der Zeitspanne Jänner—Juli) bereits von 610.000 Touristen besucht wurden, was nm fast 50.000 Personen mehr ist als im Vorjahr. Insgesamt erreichte bisher die diesjährige Freguenz» zunahine im tschechoslowakischen Fremdenverkehr rund 100.000 Personen, darunter jene von Aus- zeugführers, sein linker Arm und die linke Hülste seiner Kleidung wurden versengt, aber der elektrische Schlag war nicht stark genug, um ihn dienstunfähig zu machen. E r brachte das Flugzeug glücklich bis an seine nBe ft immung-art. Der Funkapparnt des FlugzeygeS wurde zerstört. Die Ursache des merkwürdigen Unfalles wird darin erblickt, daß die Plötzlichkeit deS Gewitters dem Fahrpersonal keine Zeit gelassen hatte, den Regeln entsprechend den Funkausnahmeapparat außer Betrieb zu setzen. laudsiouristen, ein Plus von 23.500 Personen. In summa wurden Heuer die tschechoslowakischen Städte und Bäder von 163.303 Ausländern besucht, was eine Zunahme von mehr als 14 Prozent darstellt. Wir fügen dem hinzu, daß in dieser steigenden Frequenzziffer nicht zuletzt sich die höhere Anziehungskraft ausdrückt, die die Tschechoslowakei als demokratischer Staat auf Fremde auSübt. Arbeiterlebe« Ohne zu suchen, könnte man täglich Hunderte Beispiele dafür bringen, wie alles Elend dieser Wirtschaftsordnung letzte» Endes auf-den Aerm« sten lastet. Wo der Widerstand der Gegner zu brechen war, haben die Arbeiterorganisationen und die Gesetzgebung eingegriffen. Aber die Unternehmer finden immer wieder Lücken des Gesetzes und wo keine sind, versuchen sie eS mit Gesetzwidrigkeit. Die Firma I. Spiro in Krumau nahm 27 Arbeiter auf. Als Bedingung stellte sie, daß die Arbeiter die ganze Sozialversicherung selbst zahlen lverden. Unter dem Druck ihrer Lage gingen diese anfangs auf die Forderung, welche dem Gesetze Hohn spricht, ein, nach Beendigung der Arbeit fordern sie jedoch die Nachzahlung der ihnen widerrechtlich abgezogenen Beträge. Tie Firma Jng. I. Berkovee in Prag stellt bei Vergabe von Straßenarbeiten immer billige Offerte. Ihren Arbeitern zahlt sie nämlich so niedrige Löhne, daß diese sich selbst dagegen ausgesprochen haben, daß die Firma noch öffentliche Arbeiten erhält. Berkovee nimmt grundsätzlich niemanden auf, der älter ist als 30 Jahre. Einem Prager Restaurateur wurde nachge» lviesen, daß er seine beiden Lehrlinge geschlecht- lick mißbraucht und angesteckt hat. Nur in den krassesten Fällen, wenn der Arzt eingreifen oder aus anderen Gründen eine Verheimlichung nicht mehr möglich ist,' erfährt die Oesfentlichkeit von solchen Verbrechen/'•«*.>•• Drei Beispiele, aber charakteristisch für unsere Zeit! Erdbeben und Wolkenbruch in Ungarn Budapest. In der Stadt Zalaegerseg und in ihrer Umgebung wurde in der Nacht zum Samstag ein heftiges Erdbeben verspürt. Tie erste Erderschütterung erfolgte um halb 1 Uhr nachts. Dem ersten Beben folgte eine halbe Stunde später ein zweites etwas schwächeres Beben. Tie Bewohner verließen panikartig ihre Häuser. Die Umgebung der-durch ihren Weinbau berühmten Stadt T a r c a I ist von einem mit Hagelschlag verbundenen und von einem W o l- k e n v r u ch begleiteten scknveren Orkan hetmge» sucht worden. Die gesamte Ernte ist vernichtet. Mehr als 100 Häuser st e h e n unter Wasser. Die Wassermaffen drangen auch in eine Ziegelfabrik ein, die kurz daraus explodierte. Der Sachschaden kann ziffernmäßig noch nicht angegeben werden. Der Hagelschlag war so stark, daß auf den Feldern nach mehreren Stunden noch eine dicke Eisschichte stand. Möge« eiiui Na«b«ordv»rf»che» gesucht Die Gendarmeriestation in K o l e s a teilt mit: Alle Sicherheitsbehörden und Gendarmeriestationen werden ersucht» Nachforschungen nach RudolsFiedler aufzunehmen, welcher verdächtigt wird, in der Nacht zum 29. August 1034 bei der Gemeinde Kolesa, Gerichtsbezirk Clumee n. Cidl. einen Raubmordversuch verübt zu haben. Er ist am 3. August 1900 in Pkilepy, Gerichtsbezirk Rakovnik, geboren, zuständig nach RenLov, Gerichtsbezirk Novä Strasnice, und war zuletzt als landwirtschaftlicher Arbeiter in Priesen bei Komotau beschäftigt. Rudolf Fiedler ist ein ehemaliger Bergarbeiter, Invalide, von untersetzter Gestalt, hat einen schleppenden Gang und hinkt auf einem Fuß. Auf einem Auge hat er eine zeitweise Trübung, oder einen anderen Defekt. Er hat ein rundes, anSrasiertes Gesicht und auf der Nass und am Kinn einen Kupferausschlag. Er hat blaue Augen, lichtes, kastanien» braunes und nach rückwärts gekämmtes Haar. Bekleidet Ivar er mit einem kurzen, dunkelblauen oder dunkelgrünen Rock mit lichten Streifen, dunkler gestreifter langer Hose, gelben Halbschuhen. Aus Kopfbedeckung trug er eine lichte flache Kappe. Er trägt eine ältere Aktentasche. Falls Fiedler ungehalten werden sollte, möge die GendarmeriefahndungSstation in Jitschin und die Gendarmeriestatio» in Kolesa sofort verständigt werden. Da» deutsche Fallbeil Berlin. Am Samstag ist in Frankfurt an der Oder der von dem Schwurgericht in F r a n k« kurt a. d. O. am 24. Feber 1934 wegen Er« mordung seines unehelichen Kindes zum Tode verurteilte Bruno Musial, hingerichtet worden. Abgenordet. Dieser Tage ging durch die Blätter— nicht durch die„Bohemia" und nicht durch die„Reichenbcrgcr Zeitung"— die Mel. düng, daß der D i p l o»> a t e n z u g auf dem bevorstehenden Naziparteitag in Nürnberg ohne sämtliche Vertreter der europäischen Groß, 'taaten stattfinden werde. In der Liste der Staa- ten, die sich die Gelegenheit, den neuen Nürnber. ger Trichter zu sehen, nicht entgehen lassen wol< len, fehlen überhaupt alle größeren europäischen Staaten— mit Ausnahme von Polen. Wenn Herr Hitler auf diese Akquisition stolz sein sollte, wäre das unter sotanen Umständen verständlich: mit Afghanistan und der Dominikanischen Republik und noch etlichen anderen„Exoten" wäre halt nicht viel brauner Staat zu niachen. Alle die aber, die nicht in Nürnberg sein werdest, sehen diesem großen Nassefest— so traurig auch Zeiten und Gestalten sind— nicht ohne jene innere Heiterkeit entgegen, die selbst 1934 noch manchmal wie die liebe Herbstsonne aus den Wol- kcn bricht: bis auf jene reichsdeutschen Ja-Sager, deren Zahl eben nach dem 19. August nicht niehr annähernd bestimmt werden kann, läuft die ganze nordische Rasse dem germanischen Osaf davon. Der Nürnberger Parteitag wird im Zeichen radi- kaler Abordnung od. Aufsüdung stehen; der neu- deutsche Zirkus, dessen Hauptprogrommpunkte ja ohnehin stark ins mittelalterlich.asiatische reichen, wird zwar etliche ergötzen, die mehr in den Tra< ditionen südlicher Sticrkämpsc aufgewachsen sind, aber die unverfälscht Blosiden, die nordischen Riesen, die urgermanischen Lichtgestalten werden — eben mit Ausnahme der Goeringkämpfer,— ausbleiben. Weit gebracht, in anderthalb Iah. ten, nicht?- Geburtenrückgang— Postenkosigkeit der Lehrerschaft. Zu Beginn des neuen SchüljahrcS werden rund 3000 Junglehrer ohne Stellung sei». Wie wird sich dieses Problem in der Zukunft auswirken? Vergleichen wir die Anzahl der iw Jahre 1928 geborenen Kinder, die nun nach den Ferien eintreten, mit der Zahl der Kinder, die in den nachfolgenden Jahren geboren wurden, so sieht man, daß 1929 sich die Zahl der Geburten in Diahren um 2.4 Prozent vermindert hat, 1930 blieb sie gleich, 1931 sank sie um 3.8 Prozent, 1932 um. 2.2 Prozent und 1933 um 7 Prozent. Gegenüber dem Jahre 1928 zeigt sich also tnner- halb fünf Jahren ein Rückgang um-15tS Prozent. DaS bedeutet für uns, daß auch in den folgenden Jahren die Schülerzahl sinken wird, damit auch die Klaffenanzahl und die Zahl der. Lehrerschaft um 16 Prozent. Die Frage der Lehrerbildung hängt mit dieser traurigen Zahlenaufstellung innig zusammen.(Vistnik.) DaS Finanzministerium hat durch Erlaß vom 14. Juli 1934 Nr. 68.624/34/111/8 auf Grund des 8 248 des Gesetzes über die direkten Steuern die Mitglieder und die Ersatzmänner der Berufskommission für Böhnien ernannt, und zwar für die Dauer von drei Jahren, d. i. bis zum 28. Feber 1937. Die Klavitrsabrik Petrof in Königgrätz feierte am Samstag, den 1. September ihren 70jährigcn Bestand. Seit dem GründungSjahre 1864 bis zum heurigen Jahr wurden in der Fabrik 50.000 Flügel und Pianos erzeugt, die sich im In- und Auslande eines guten Rufes erfreuen. Wahrscheinliches Wetter heute Sonntag, den 2.^ September: Nach kurzer Besserung wieder unbeständig, stärkere Bewölkung, namentlich in den südlichen und mittleren Teilen des Staates wieder strichweise Regen. Mäßig kühl.— Wetter, aussichten für Montag, den 8. September: Etwas besseres, aber noch nicht beständiges Wetter. Vom Rundfunk Empfehle»»» rrtea an» de» Programmen» Montag. Prag: Sender L.r 6.00 Gymnastik. 10.20 D e u t s ch e N a ch r i ch t e n. 11.05 Konzert. 18.80 ArbcitSmarkt. 18.20 Deutsche Sendung: FremdenverkehrSorganlsation. 10.25 Symphoniekon- zcrt. 22.15 Tanzmusik auf Schallplatte». 22.45 Deutsche Nachrichten: Dr. Maras: Demokratie und Intellektuelle. Sender St.: 14.00 Konzert. 14.80 Deutsche Sendung.,— Brünn: 17.50 DeutscheSendung: Dr. Bretholz: Oie europäische Staatenwelt in ihrer Vergangenheit mtd Gegenwart. 18.25 Schallplatte». 18.45 Arbeitersendung: Soziale Jugendfürsorge.— M.-Ostrau: 10.00 Schallplatte«. 10.80 Konzert des Blasorchesters. 15.15 Konzert. 18.20 Deutsche Sendune: Arbritersrndung:.Emil Illg: Für eine gerechte gesellschaftlich, Ordnung.— Prrhburg: 12.80 Orche- sterkouzert. Dienstag. Prag: Sender L.r 10.20 Deutsche Nachrichten. 11.05 Konzert. 12.30 Konzert des Zeitung»-A.-G., Prag,>--