14. Jahrgang Nr. 206 Dienstag, 4. September 1034 IEHTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Einzelpreis 70 HpHir (alMchllaMIch 5 Halter Partei ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAU TÄGLICH FRÜH. MC Aktion UNO Verwaltung mag xii.,»ochova«. ntvoN am. Administration nwoN saVA HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUS. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Die neue Phase des Rooseveltschen Planes Amerikas Textilarbeiter Die größte Kraftprobe der amerikanischen Gewerkschaften im Kampf Die Bereinigten Staaten stehen vor dem größte« organisierte« Kampf Mischen Arbeitern«ad Kapitalisten, de« ihre Geschichte bisher kennt. Die Gewerkschaft der Textilarbeiter hat für Mitternacht die Streikparole ansgegeben nnd die America« Federation of Labonr— der Gewerkschaftsbund also— hat sich mit de« Textilarbeiter« solidarisch erklärt und ihnen jegliche Unterstützung-«gesagt. Die.Zahl der Streikenden wird sehr verschiede« angegeben. Man spricht von einer ganzen Million, andere Schätzungen von VLO.OlX) Arbeitern, nnd zwar 407.000 Baumwollarbeiter, 150.000 Seiden-«nd Kunstseidenarbeiter«ad 103.000 Banmwollarbeiter in 3871 Fabriken. Rund drciviertcl Million kommen für den S t r e i k b e g i» n auf jede» Fall in Betracht. An der Spitze der Streikleitung steht Francis Gorman, der in der Vorbereitung de« Streiks eine große Aktivität entfaltet hat. Gr verstand es, sowohl die öffentliche Meinung z« mobilisieren als auch finanzielle Mittel der gesamten Arbeiterschaft bereitzustellen. Lb diese Mittel, wie er behauptet, jeder Strcikdaner gewachsen sind, wird sich allerdings erst erweisen müssen. Die Gewerkschaftsführer sind in der Mehrheit optimistisch. Sie haben den günstigsten Augenblick für den Streik— den Abschluß-der Baumwollernte— gewählt und hoffen, durch die solidarische Hilfe aller in der A. F. of L. vereinigte« Gewerkschaften die Aktion der Textilarbeiter zum Erfolg führe» zu könne«. Die Ursachen des. Streiks sind nicht so sehr Wie bei den letzten amerikanischen Arbeitskonflikten.in Lohnforderungen, als in den r e.a l t i o- nären soziale« Zuständen der Süd- kt a a t e n gelegen. Diese ehemaligen Sklavenstaaten, die erst nach dem erbitterten Sezessionskrieg(1861—1864) unter dem militärischen Druck der von Abraham Lincoln regierten Nordstaaten die Sklaverei abgeschafft haben, kennen den Typ des modernen Unternehmers ebensowenig wie einen modernen sozialen Staat. Die Unternehmer sind unzivilisierte brutale Ge walttäter, die Verwaltung korrupt und dem Kapital jederzeit zur Verfügung. Infolgedessen werden in den Südstga^en G e setze u n d Ar, beitsverträge gründsätzlichnicht beachtet. Die Arbeiter werden maßlos geschunden und jede Widerspenstigkeit wird von gelben Garden der Unternehmer mit harten Strafen belegt. Auf dem Kongreß der Textilarbeiter zeigten viele Delegierte der Südstaatcn die Narben und Wunden, die von den Knütteln, Peitschen und Waffen der Unternehmersöldlingc verrühren. Die NRA hat sich als zu schwach oder nicht gewillt erwiesen, gegen diese Ucbelstände entsprechend aufzutrcten. Die Arbeiter sehen im Streik die einzige Rettung. Eine Gefahr ist freilich, daß der Streik in den Nordstaatcn durchgeführt wird, aber gerade im Süden, wo die Unternehmer sich anschicken, schon die ersten Schritte der Arbeiter mit Waffengewalt zu unterdrücken, nur lückenhaft gelingt. Die Forderungen, ans die sich die Arbeiterschaft geeinigt hat» sind folgende: 1. Sechsstündiger Arbeitstag und fünftägige Arbeitswoche bei gleicher Bezahlung für alle Bezirke? 2. Keine Verminderung der jetzige» Wochenlöhne? 3. Aufhörr« der Zurücksetzung in der Behandlung organisierter Arbeiter? 4. Anfhören des Brauches, die Zahl der von einem Arbeiter bedienten Webstühle zu vermehren, ohne zugkcich den Lohn zu erhöhen? 5. Anerkennung des Verbandes als Ber- trrter der,Arbeiter bei Verhandlungen; 6. Einsetzung eines Schiedsgerichtes? 7. Stärkere Vertretung des BnndrsaniteS zur Behebung der Wirtschaftskrise in den Arbeitsämtern der einzelnen Bezirke. Von dem Ausgang des gewaltigen Kampfes in Amerika hängt für das Weltprolctariat viel ab und die Arbeiter aller Länder verfolgen ihn daher mit der größten Spannung. tionalfozialiften als unverfönliche Feinde gegen sich. Sic werde sich nicht halten. Eine Befriedung Oesterreichs hält Winkler nur durch die Ausschaltung einseitiger ausländischer Einflüsse nnd durch die Wiederherstellung der Demokratie für möglich. TaS Volk müsse ein Mitbestimmungürccht haben. Es erhebt sich nach diesem Interview von neuem die Frage, wie lange Herr Kurt Schuschnigg, Bundeskanzler und I u st iz m i n i st e r von Oesterreich, noch Herrn Fey in Amt und Würden lassen und wie lange er durch sein Patronat das ordentliche Gericht ab halten wird, über Emil Fey die längst fällige Untersuchungshaft zu verhängen, damit in aller Ruhe ergründet lverden kann, wer am 28. Juli geputscht hat. Herr Schuschnigg wird hoffentlich nicht glauben, daß er auf Krcditsuche gehen kann, solange er den Klein-Goering Fey in seinem Kabinett hat! Und die restlichen 500? Wie«, 3. September. Der Staatssekretär für die Arbeiterbewegung im Ministerium der sozialen Verwaltung Grossauer kündigt die baldige Entlassung von 360 sozialdemokratischen Häftlinge» aus den Gefängnissen und Anhaltelagern an. In den Anhaltelagern sind noch ungefähr 800 Häftlinge. Bon diesen werden laut dieser Ankündigung in den nächsten Tagen 300 freigelassen lverden. Die Führer bleiben aber weiterhin in Haft. DaS Auslandsbüro der österreichische» Sozialdemokratie hat mehrere Berichte erhalten, die beweisen, daß unsere in den österreichischen Ge- fängniffe» sitzende» Genossen noch immer elend behandelt werden. I» einem dieser Fäll« hat ein Genosse, der wegen der Feberkämpf« bereits verurteilt wurde, in feiltet Hast 15 Kilogramm von seinem Körpergewicht verloren. 120 Kommunisten verhaftet Wien, 3. September In Wien wurden am Sonntag im 10., 20. und 21. Bezirk brci geheime kommunistische Versammlungen von der Polizei ausgehoben und insgesamt 120 Personen verhaftet, von denen sich 70 noch in Haft befinden, ^vährcnd.80,Personen iir das Wüslersdorfer Konzentrationslager abgeschoben wurden. Dieser Aussatz gewährt einen näheren Einblick in. die politisch-wirtschaftlichen Hintergründe des Riesenkampfcs der amerikanischen Textilarbeiter. Wir veröffentlichen ihn. ohne d ie optimistischen Schlußfolgerungen des Verfassers zu tei len. Die Red. Nach den WirtschastSzahlen für den Juli ist ein Rückschlag in der konjunkturellen Entwicklung der Vereinigten Staaten cingetreten. Die Produktion von Stahl- und Roheisen ist besonders hart betroffen. Die bisherigen Maßnahmen der Regierung der Vereinigten Staaten zur Durchführung des„New Deal" reichten nicht aus, um die Bewegung aus der Depression zur Konjunktur bis zur Auslösung der Konjunktur vorwärts zu treiben. Niemand sicht die Notwendigkeit der zweiten Phase klarer als der Präsident selbst. Er verkündete, daß im Falle seiner Wiederwahl eine Acndcrnng der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung der Vereinigten Staaten im Sinne der Sicherung des Wohlstandes der Bauern und Arbeiter und der Verplanmäßigung des wirtschaftlichen Lebens stattfindcn wird. Es soll keine Bolschcwisicrung, sondern eine Rückkehr zum Geiste des Befreiungskampfes gegen England im 18. Jahrhundert sein. Im einzelnen beabsichtigt Roosevelt: die totale Elcltrifizicrung deS Landes, die rationelle Verwaltung der Naturschätze, insbesondere der bis vor kurzem im Raubbau auSgcbcutetcn Erdölfelder des ölhaltigen Schiefers und der Erdgase; die Wiederaufforstung zwecks Verbesserung der klimatischen Bedingungen für die Landwirtschaft; die Verlegung der Industrie ans den Weltstädten nach den kleineren Städten nnd aus dem Osten nach K dem Süden und nach dem fernen Westen; die Bestimmung der Anbauflächen in einer Art und Weise, die die Vereinigten Staaten gleichzeitig vor unabsetzbaren Ueberschüssen wie vor Mangel an Reserven an NahruugS- und Gcnußmitteln sichert. Die gewaltigen neuen Elcktrokraftwerke am Kolorado und Mississippi sind schon in Angriff genommen worden. Das erste Glied deS neuen großen Waffcrwcgnetzes, der St. Laurcns- kanal, ist schon vor zwei Jahren vollendet worden. Nach den neuen Wahlen soll mit dem Ban von weiteren Kanälen begonnen werden. Die erste Sorge des Präsidenten gilt den Farmern. Die modernen Rockcfellerschcn„Äc- trcidefabrikcn" in den Vereinigten Staaten und zahlreiche ähnliche Großbetriebe in Kanada sind dank ihrer in bezug auf Maschinen intensivsten, in bezug auf die Arbeitskraft extensivsten Produktionsweise in der Lage, Getreide zu Preisen zu liefern, die unter den durchschnittlichen Produktionskosten des von den Farmern produzierten Getreides bleiben. Ein großer Teil der Farmer der Vereinigten Staaten ist in dem Maße verschuldet, daß die Schuldenlast den gegenwärtigen Preis ihrer Farmen übersteigt. Wenn die Farmer von dem Erlös ihrer Ernten die Amortisationsguoten, die Zinsen der Schulden, sowie die Spesen der Nachschaffung von Produktionsmitteln abzichcn, so bleibt ihnen nicht einmal das Existenzminimum übrig. In der zweiten Phase deS New Deal beabsichtigt Roosevelt, das Brutto-Einkommen der Farmer durch die Erhöhung bfc Preise für landwirtschaftliche Waren uno durch die Senkung der Eisenbahntarifc nnd der Zwischengewinne des Handels zu vergrößern, ihre Produktionskosten durch die Annullierung ihrer Schuldenlast und durch den billigen Kredit zu senken, und auf diese Weise das Nettoeinkommen der Farmer erheblich zu vergrößern. Die Gleichgewichtsstörungen, die in der Wirtschaft der Vereinigten Staaten teils unter den einzelnen Zweigen der Industrie untereinander, teils zwischen der Industrie und der Landwirtschaft bestanden, sind Im Laufe der Depression überwunden worden. Durch die Abschreibung von Kapital und durch die Einführung von neuen besseren Arbeitsmethoden sind die Produktionskosten pro Wareneinheit erheblich gesunken. Neue Kapitalien haben sich angesammclt. Mithin sind wesentliche Voraussetzungen für eine neue Konjunktur geschaffen worden. ES fehlen aber immer noch die Voraussetzungen für die hohe Rentabilität derjenigen lln- ternehmungcn. die als Initiatoren, die neue Kon-, junltur ankurüeln sollen. Diese fehlenden Voraus- das Doppelspiel Feys Winkler enthüllt Aus der Idylle de» Austrofasclsmu» Der ehemalige österreichische Vizekanzler Winkler» der sich im Egerland aufhält, hat einem Redakteur des„Prager Montagsblatt" ein Interview gegeben, in dem er neuerlich auf die Rolle zu'sprechen kommt, die der Generalstaatskommissar für das Sicherheitölvesen, Major Emil F e y, in diesem Sommer gespielt hat. Winkler behauptet, daß der Landbund reine Hände habe und daß die Korruptionsbeschuldi- gungen Lügen seien, deren Verbreitung der Regierung durch die völlige Knebelung der Presse- frciheit ermöglicht werde. Auf Sozialdemokraten und Nationalsozialisten habe man mit Artillerie, Maschinengewehren und Karabinern geschossen, auf de» Landbund schieße man„mit der Munition der Verleumdung". „An der Regierung— sagt Winkler— sitzt mancher Korruptionist"— eine Bemerkung, die vermutlich auf Fey gemünzt ist, von dessen Mechselgeschäften ja vor und nach den Febertage» oft und viel die Rede tvar. Aber auch Star- h e m b e r gi der Söldling des Hirtenberger Pa- tronen-Mandl kann sich bei der Nase nehmen. lieber den 28. Juli sagt Winkler, daß der Putsch eine isolierte Aktion ungeduldiger Elemente gewesen sei, was schon daraus hervorgehe, daß di« Wiener SA gar nicht mobilisiert worden sti. lieber die Rolle, des F e tz befragt,, erklärte Winkler: „Wie ich i« letzter Zeit erhoben habe— und mir war vieles davon schon bekannt— . haben Heimwehrführer und Heimwehrgruppen I i« de« letzte« Dagen vor dein Putsch intensiv . mit den Nationalsozialisten verhandelt. Rach ; der Regierungsumbildung am 11. Juli, bei ■ der Fey vollständig in Ungnade siel und des Sicherheitsrefforts entkleidet wurde, war er nicht nur erbittert, sonder« auch entschlaf- . s e n, milden Gegner« de» Re gimes» besonders mit de«Ra- gemeiqsame Sache»»mache«, um die Regierung«nd vor allem Dr. Dollfuß so rasch als möglich zu stürzen. Dazu kam, daß sich sein schlechtes Verhältnis zu Starhemberg nicht reparieren ließ. Fey hat noch in den letzten Tagen vor dem Putsch durch einen sehr bekannten Heimwehrführer, dessen Namen ich heute noch verschweige, de« ich aber noch nennen werde, mitdenRational- soziali st en verhandelt. Er hat damit die Nationalsozialisten außerordentlich ermuntert, den Kampf gegen Dr. Dollfuß zu verstärken. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß die reichsdeutschen Rational- sozialisten ihre Archive darüber einmal öffnen werdens Damit werden Vermutungen und Behauptungen erhärtet, die in der ausländischen Presse bereits wiederholt aufgetaucht sind. Eine systematische Kampagne gegen Fey haben die„Europäischen Hefte" geführt, die ihn auf Grund vieler Indizien der Mitwisserschaft, wenn nicht der Urheberschaft an dem Putsch bezichtigten. Wir selbst haben wiederholt auf die Verdachtsmomente hingcwiesen, die gegen den Theresienritter vorliegen. Winkler deutete weitere Enthüllungen an. Er sagte: „Innerhalb der Regie- rungSfront aber befinden sich führe n d e Männer, die über andere zu Gericht sitzen und selbst auf da» schwerste belastet sind. Die Welt wird noch staunend erfahren» wieweit die Verbindungen zwischen den Nationalsozialisten und de» höchste» Stellen deS Staates, der Politik, der Bürokratie und des Schutz-Korps gediehe» waren«nd sind." Auf die Frage, ob er den Frieden Oesterreichs für gesichert halte, erklärte Winkler» die jetzige Regierung begehe die gleichen Fehler wie die frühere und habe Sozialdemokraten und Na- Dienstag, 1. September 1934. Wte* fetzungen lauten: Abschaffung der auf der In• d u st ei e lastenden Schulden und zusätzliche Kredite zwecks Ankurbelung der Produktion. Die Aufhebung.der Schuldenlast ist für die Industrie ebenso notwendig wie für die Landwirtschaft. Die bisherige Devalvation des Golddollars auf 6V.6 Prozent hat die Schuldenlast nur vermindert, aber nicht aufgehoben. Die Aufhebung der Schuldenlast bedeutet die Streichung von mindestens drei Vierteln des Gesamtbetrages, ist also nur durch eine Devalvation auf ettvck 2V Prozent durchführbar. Roosevelt wird wahrscheinlich schon in der nächsten Zeit die ihm vom Kongreß übertragene Vollmacht bis aus 60 Prozent zn dcval- vieren, voll ausnützen und nach der Neuwahl die weitere Devalvierung auf 25 Prozent durchführen. Die Farmer— der Westen— haben seit Jahrhunderten einen ununterbrochene» Kampf um Devalvationen, Inflationen und insbesondere um die Doppelmctallwährung, d, h. um die Verwendung von Silber als gesetzliches Währungsmetall, geführt, um ihre Schulden der Kapitalistenklasse— dem Osten— gegenüber zu beseitigen. Die breitesten Massen der Vereinigten Staaten empfinden mit Recht, daß die Bank-, Handels- und Eisenbahn-Oligarchie von New Aork das ganze Land auSbcutct. Der gegenwärtige Kampf um das Silber ist ein Ausdruck dieser Einstellung gegen die New Iorker Finanz. Die eigentliche Ankurbelung der Konjunktur soll durch große öffentliche Aicheiten erfolgen. Der hievon ausgehende Anstoß soll durch zusätzliche Kredite auf gewisse Zweige der Industrie übertragen werden. Staatliche Kreditinstitute sollen durch außerordentlich großzügige Kreditpolitik Geldmittel in die Wirtschaft einpumpen und damit den einzelnen Unternehmungen die Chance zu sehr großen Gewinnen geben und sie auf diese Weise zu einer kühnen JnvestierungSpolitik veranlassen. Der Plan Roosevelts ist nicht doktrinär und paßt sich der Wirklichkeit an. Roosevelt ist bereit, der Zweckmäßigkeit wegen Widersprüche in Kauf zu nehmen. Einerseits sollen die großen Gewinnchancen die Konjunktur ankurbeln, andererseits geht er darauf aus, die übermäßigen Gewinne der Großkapitalistenklasse zugunsten der Allgemeinheit zu beschneiden. ES ist klar, daß die Politik der allmählichen Ucberführung der Wirtschaft vom reinen Privatkapitalismus zum gemischten, teils nach volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten, teils nach der privatwirtschaftlichcn Rentabilität orientierten Trustkapitalismus— der Kombination des Privat» und Staatskapitalismus— durch die Anspornung dec Profitgier auf der einen, durch die Beschneidung der Profite zugunsten der Allgemeinheit auf der anderen Seite verwirklicht werden soll. Ein progressives Steuersystem soll durch hohe Vermögens-, Bermögenszuwachs-, Kapitaleinkommen« und Erbschaftssteuern sowie durch die staatlich festgesetzten Höchstpreise und Hüchsttarife wesentliche Teile des Nationaleinkommen statt wie bisher in die Taschen einiger tausend Multimillionär«, in die staatlichen Kassen zwecks Durchführung der volkswirtschaftlich notwendigen Investierungen und der Berplanmäßigung der BolkS- Wirtschast überleiten. Die Politik der Erhöhung der Kaufkraft der breiten Massen durch hohe Löhne und kurze Arbeitszeit hat keine dauernden Erfolge gezeitigt. Neue Verkürzung der Arbeitszeit, neue Lohnerhöhungen, Verminderung der ArbeitSlosenarmee sind geplant und sollen die Lage des Proletariats bessern. 41 /y. FRITZ ROSENFELD: W*(Lqutta HM BOMAN ZWISCHEN TPAUM UND TAO Katta hörte die Worte, überlegte. Wäre ein leiseS Zittern in dieser Stunde über ihr Antlitz gegangen, das Heer hätte sich ihrer Hand entwunden, hätte die Reste der Hütten geplündert und wäre in alle Winde zerstoben. Aber. Katta reckte di« Hand mit dem Schwert, blickte nur geradeaus, der schweigenden Ebene entgegen, die vor ihnen lag, und deren Grenzen nur grauer, schwerer Dunst war. Unabsehbar dehnte sich diese Ebene. Da ritten die Tataren weiter, die Tochter ihre» Khan» nach,«und ihre Augen spähten nach einem roten oder grünen Mantel, ihre Ohren legten sie auf den Boden, wenn das Heer ruhte^ob sie nicht das Stampfen von Pferden hörten. Die Nacht fiel ein, die Ränder de» Himmels verschwamme» in einem dunklen Grau mit der Erde, nur ein paar Sterne flimmerten über dem uferlosen, dunklen Raum, der da» Heer umfing. Denn die Soldaten einhielten, war nur da» Wiehern ihrer eigenen Pferde in der großen Stille, und wenn sie weiterritten, nur da» Dröhnen ihrer eigenen Waffen. Unheimlich war diese Nacht. Wollen lagen über dem Mond, silbern zackte sein Licht den Rand einer Wolle,«he er hervortrat, für Augenblicke, um für Stunden wieder zu verschwinden. Da sandte Katta di« Tapfersten de» Heere» al» Kundschafter voraus. Langsam ritten sie einen Speerwurf weit vor dem Heer, langsam ritt da» Heer ihnen nach. Mit scharfem Aug suchten die Kundschafter den Boden ab, mit ihren Händen tasteten sie nach Spuren von Pferdehufen. Wer di« Steppe hielt die Spuren nicht lang, der Wind Die Hauptforderung der amerikanischen Gewerkschaften, die Arbeiterschaft am steigenden Wohlstand de» Lande» in immer wachsendem Maße teilnehmen zu lassen, ist von Roosevelt übernommen worden. Im Falle der Neuwahl werden wir da» seltene Schauspiel der Zusammenarbeit der Regierung und der Gewerkschaften eines großen Lande» erleben. Dr. B. R. lichen Besuchers besonders auf sich ziehen. In der Seitenhalle ist eine Gärtnereischau etabliert. Hochgezüchtete Obstsorten und Blumengattungen erfreuen das Auge. Im rechten Flügel der Hckupthalle allerlei Nutzgegenständ«. von der Schreibmaschine bis zum Perserteppich, von Kunstseidenstoffen bis zum Ondulationrapparat. Im linken Flügel der Haupt« Halle stellen die Drogeriefirmen aus. Sier hat auch die Tavakregie einen mächtigen Stand etabliert, wo eine Zigarettenmaschine arbeitet und außerdem acht Tabakarbeiterinnen vor den Augen des.Publikums ihre Arbeit versehen. Vor und um die Halle bjeten allerlei LebenS- mittelfirmen Kostproben an und finden begreiflicherweise mächtigen Zuspruch..Belieben Sie zu versüßen!— die köstliche Suppe aus... Würfeln!" .Bitte, eine Probe unseres unübertrefflichen Kaffees" usw. Eine Firma, die Gefrier- und M> apparate erzeugt, hat ein ausdrucksvolles Aushängeschild: Drei Eisblöcke, in denen ein Spanferkel, einige Blumen und ein Paar Fische tadellos eingefroren sind. Und dann sind wir schon bei den Bratwurst« buden und Biervavillons angelangt, wo sich die ermüdeten Mcssebesucher zu erquicken pflegen. Bg. Vie Legitimation der Einheit** frontler Im„Prävo Lidu" schreibt Jaroslav Koudelta über die Einheitsfront u. a.: Die ernsten Aufgaben der sozialistischen Politik bei uns das kritische Brodeln der internationalen Angelegenheiten in Europa und besonders, im Fernen Osten belehren un» genügend, daß die Zeit kostbar und die Politik kein Spaß ist. Darum wollte sich unsere Partei niemals in irgendwelche gemeinschaftliche Manöver mit den Kommunisten verwickeln. Sie hatten nirgends positiven Wert und die Sozialdemokratie ist nicht für eine Politik der Zwecklosigkeit.— Jetzt wollen sie wieder mit un» die Einheitsfront. Sie wurde einmütig abgelehnt vom ganzen sozialistischen Block. Darum erzeugen sie örtliche Einheitsfrontaffären und versuchen den zu prellen, der sich mit ihnen abgibt. Die Einheitsfront ist aber nicht zu erzwingen. Sie ist eine Sache de» Vertrauens und der Verantwortlichkeit. Wir haben einen sozialistischen Block dreier Parteien und dieser Block entstand und macht sich geltend ohne jedwede Phrase über die Einheitsfront. Wer guten Willen und Verantwortlichkeitsgefühl hat, hat auch sehr viel Gelegenheit zur Einheitsfront. Die Kommunisten können dem sozialistischen Block gleich beitreten, wenn sie positiv parlamentarisch arbeiten und aktive Stützen unserer Demokratie sein wollen. Dazu sind keine Zeremonien notwendig, keine Titel, nichts al» die Erfordernisse der täglichen Praxis. Die Kommunisten trennten sich selbst von der sozialistischen Gesamtheit ab und die Frage der neuen Einheit der Arbeiterschaft ist nicht eine Frage des Willens der sozialdemokratischen Parteien, sondern nur der Kommunisten selbst. Ihre Einheitsfront mit ihrer„kameradschaftlichen Kritik" ist noch nicht der Ausdruck solchen Willens. Die Sozialisten können darum nicht hinter den Kommunisten laufen. Dies um so weniger, als die KPTsch. nicht irgendein genauer Begriff ist. Wann war der letzte Kongreß dieser Partei? Das weiß niemand Wieviel Mitglieder hat diese Partei in Wahrheit? DaS weiß auch niemand. Wann gab es irgend welche Dahlen innerhalb der KPTsch? Und'wie kann man mit jemandem verhandeln, der seine Legitimation nicht in Ordnung hat?— Statt der Einheitsfront verlangen wir von den Kommunisten, daß sie sich aus den Boden der neuen sowjetrussischen Außenpolitik stellen. Verheißungsvolle Eröffnung der den Auirtellungiraum Prager Herbstmesse Die am Sonntag eröffnete Prager Herbstmustermesse steht in bemerkenswerter Weise im Zeichen unserer Exportindustrien. Im zweiten Stockwerk de» MeffepalasteS stellt unsere Glas- und keramische Industrie in bisher nicht dagcwesener Vollständigkeit auS, ebenso hat die Metallindustrie ihr Bestes getan. Auch die Spiclwaren- und Papierindustrie ist sehr gut vertreten und ganz besonders fällt die großzügig organisiert« Ausstellung der LederverarbeitungS- i n d u st r i e ins Auge. Auch die T ex t il i n d u- sr r i e ist gut vertreten. Die Zahl der Aussteller ist gegenüber dem Vorjahr»m 12.3% auf 2.914 gestiegen, was um so bemerkenswerter ist» wenn man den schweren Rückgang.der kurz vorher beendeten Leipziger Messe in Betracht zieht. Auch der Ausstellungsraum ist beträchtlich gewachsen. Bei der außerordentlichen sozialen Bedeutung unsere» Jndustrieexportes, auf den Hunderttausende arbeitender Menschen direkt und indirekt angewiesen sind(vor allem in unseren deutschen Randgebieten), erscheint die Initiative unserer Exportindustrien um so erfreulicher. Als gutes Vorzeichen für die weitere Belebung unserer Industrie kann das starke Interesse ausländischer Einkäufer gewertet werden. Daß die internationale Nachfrage nach tschechoslowakischen Waren steigende Tendenz zeigt, beweist die Tatsache, daß ernste Interessenten au» 29 Staaten in Prag eingetroffen sind. Die meisten Ausländer kamen wieder aus den Nachbarstaaten und vom Balkan. Wichtig ist jedoch der erhöhte Besuch auS den kaufkräftigeren West- und Nordstaaten sowie auS lieber.- see. Interessant ist auch der starke Besuch auS dem Baltikum. Das eingetroffene Ausland zeigt sich an den ausgestellten tschechoslowakischen Waren stark interessiert und vergab auch, soweit es sich bereits über die Leistungsfähigkeit der einzelne^ Aussteller informieren konnte, Aufträge. OptimiSmu» hinsichtlich M JnlandmarktrS. , Der erste Messesonntaq, der sich in üblicher Weise. auA im Prager Straßenleben bemerkbar machte, führte auch eine Menge neugieriger Beschauer in den Messepalast und auf das alt« und das neue AuSstellungSgelände. Es gab auch mehr als genug zu sehen, was den Jnlandsionsumen. t e n und seine Lieferanten interessieren kann, vorausgesetzt, daß die breiten Massen der Verbraucher auch imstande sein werden, die guten und schönen Dinge, die da ausgestellt sind, anzuschaffen. Auf dem„neuen AuSstellunaSae- lände" gegenüber dem Messevalast ist z. B. eine Sonderabteilung für»Sparsame Hauswirtschaf t". Kein Zweifel, daß die wunderhübschen Geräte, die da ausgestellt sind, Zeit und Geld sparen, daß alle diese Sparkocher, StaMauger. Patentküchenherde usw. ein leichte», saubere» und sparsame» Arbeiten in der Hauswirtschaft ermöglichen. Kein Zweifel, daß die ausgestellten Mübeleinrichtungen ebenso schön als zweckmäßig und dauerhaft sind. Man sorge nur dafür, daß die Kaufkraft der konsumierenden Massen entsprechend gestärkt wird und der gewünschte Absatz wird sich sogleich einstellen. Die un« gelvöbnlich hohe Beschickung der Messe durch die Industrien. die sich vor allem auf den Inland»- markt stützen, beweist einen beträchtlichen Optimismus. Der Möbel- und Radiomarkt weist z. B. eine Rekordziffer von Ausstellern auf. Ans de«„altm AuSstellungSgelände" konzentriert sich die Ausstellung von allerlei praktischen Alltagsdingen, die das Interesse des gewöhn- „Marx oder Henlein?“ Natürlich Henlein! Die blasphemistische Fragestellung stammt nicht von uns, sondern von einem Mitarbeiter der „Landpost", welcher in der Rubrik„Spreu und Körner" seinen antimarxistischen Mist ausbreitet. Warum gefällt diesem Herrn Henlein besser als Marx? Weil Henlein den Versuch der Nationalsozialisten fortsetzt, den verruchten Sozialdemokraten die Arbeiter abspenstig zu machen. Er meint: „Bildet die Sndetendeutsche Heimatfront dem deutschfühlenden Arbeiter einen Halt und Hort, so ist sie zu fördern.. Tja, das ist noch die Frage, vorläufig suchen vorwiegend die I u n g b a u e r n bei Henlein Schutz und Hort vor ihrer grünen Partei. Wenn schließlich die Spreu vom Landstand zur Heimatfront geht und die roten Körner bleiben bei den Sozi», dann wird besagter Marxtöter nicht allein auf den Trümmern seiner Hoffnungen wehklagen! Die„Rote Fahne" lügt Da» Blättchen des Herrn Kreibich zehrt tveiter von dem nahrhaften Stoff sozialdemokratischer Leitartikel,. Auf. die letzte Charakterisierung der antisowjetistischen Politik unserer Kommunisten posaunt da» Fähnchen in die-Welt, wir wären„für Waffenlieferungen«» I a p a n." Wie mans nimmt. Wir wären sehr gegen jede Waffenlieferung nach Japan, wenn Sozialdemokraten und Kommunisten zusammen die Macht hätten, die» zu verhindern. Wer will aber der retchsd rutschen und italienischen Rüstungsindustrie verwehren, Waffen nach Japan zu liefern? Wer hindert die amerikanischen Waffenfabriken daran? Diese gewichtigten Einwände werden aber die Kommunisten nicht hindern, weiter so zu tun, al» ob man von der Tschechoslowakei auS eine Weltblockade verhängen könnte. Denn sie sind großzügig, wenn sie revolutionäre Forderungen nicht an sich selbst, sondern an andere stellen. wehte da» Gra» wieder hoch, den Sand der Straße legte er in Falten, wie den Sand der Wüste. „Sie sind in der Nähe," sagten di« alten Krieger.„Die Luft ist erfüllt vom Atem ihrer Pferde, der Klang ihrer Waffen weht in der Lust." Dann hörten sie den Schrei der Kundschafter, dann waren die Kundschafter verschwunden, al» hätte die Ebene, sie verschluckt. Dann standen sie vor einer Mauer von Schreiens vor einer Wolke von Menschenstimmen, die sich ausbreitete und ihnen entgegendrang wie ein schwerer, wallender Nebel, durch den kein Mensch den Weg mehr findet. Und aus der Wolke blitzten die Schwerter, au» der Wolke brach der Tod, von allen Seiten hieb er auf die Tataren ein, vor ihnen war er. an den Flanken griff er mit langem Schwert in das Heer. Schon wollten die Tataren wenden, schon wollten sie diesem dunklen Gegner entrinnen, der sich in die Erde eingewühlt hatte wie ein Maulwurf und nun hervorbrach, um sie in nächtlichem Kampf zu überrumpeln— da hatten sie auch im Rücken ein« Wolke von Stimmen, eine Wolke von Trommeln, und den großen Nebel dumpfen Gesang». Da stand auch hinter ihnen, wie die Stern« am Himmel, da» Leuchten der Schwerter, da stand auch hinter ihnen riesengroß der Tod. Verwirrung kam in die Reihen der Tataren. Um Äarta scharten sie sich. Run war sie nicht mehr an der Spitze de» Heere», nun'standen die kleinen Tatarenpferde in engen und großen Kreisen um sie, wie ein undurchdringlicher Wald ragten die Lanzen ihrer Krieger. Nun warteten die Tataren nicht mehr auf Katta» Befehl, nun schützten sie nicht ihren Feldherrn, die Tochter ihre» Khan» schützten sie, die Erbin de» Reich». Mit ihren Waffen und ihren Leibern schützten sie Katta: eine atmende Festung waren sie, und wie eine Festung wurden sie von den Assassinen bekannt. Tula war alt, tätet Tula war tapfer und klug. Er baute Wed« Nr furchtbaren stählernen Dächer der Schilde, dahinter die Pfeile gezielt, die Lanzen gereckt wurden. Er stieß von vier Seiten mit diesen eisernen kriechenden Riesentieren aus Menschenkörpern, Todesverachtung und Eisen gegen die Tataren vor und der Ring aus Menschen, der sich um Katta schloß, wurde wie die Rinde eine» Baume», schlissig und zerrissen. Die Tataren hatten nur Schilde au» Holz und konnten im Dunkeln nicht zielen. Sie hieben wild auf die Gegner ein, wo sie sich näherten, aber sie waren doch wehrlo» gegen die roten und grünen Teufel mit ihrem schrecklichen Gesang, mit ihren langen, breiten Schwertern, mit ihren langschäftigen Lanzen. Ueberall barst der Menschenring um Katta, und sprang auch die zweite und dritte Reihe der Krieger in die Lücken, die Schar der Tataren wurde kleiner und kleiner. So währte der Kampf fast bi» in den Morgen. Da riß Katta ihr Pferd hoch, da wie» sie mit dem Schwert in der Richtung, au» der sie gekommen waren. Da stieß sie durch den Ring ihrer Kämpfer wieder vor, an die Spitze, hieb sich durch die Assassinen. sprengte mit ihren Kriegern eine» der ehernen Dächer, empfing«inen Schlag auf die Schulter, teilte Tod au» unter den Feinden und bahnte endlich ihrem Heer einen Weg au» der furchtbaren Umklammerung der Feinde. Die hielten ein, als ein Ruf sie erstarren machte: „Tula ist tot." Tula ist tot? Fahl rief es da» Echo über di« Ebene. Tula ist tot! Da sanken alle Schwerter. Da hatten die Tataren freie Bahn. Froh, die Reste ihre« Heere» zu retten, jagten sie im Anbruch des Tage« ihrer Heimat entgegen. Die Assassinen trugen auf einer Bahre aus Speeren ihren toten Führer langsam durch den Morgen, durch den Tag, durch di« Nacht, über die Gebirge, nach Nlleika. Roecu Eddin neigte sich vor dem Toten. Der Mann mit dem dünnen grauen Bart und den grauen Schläfen, der Mann, dessen Augen so hart waren und doch so menschlich, der Mann, der in seinem langen Leben viele tausende Feinde getötet und doch eine Katze liebte mit aller Inbrunst seines Herzens und sich hätte steinigen lassen für das Leben eines Bogels, der Mann war mehr als ein toter Krieger: er war die tote Macht der Assassinen. Dies war der erste Kampf zwsschen den Tataren und dem Fürsten der Berge. Noch war der Fürst der Berge Sieger, wenn auch Tula bleich in bleiernem Schlaf auf der Bahre lag. DaS Tatarenheer ritt heim. Nun achtete e» nicht mehr der Toten und der zerstörten Dörfer am Wegrand, der vom Wind zerflackerten, zerzausten Zelte. Nun trug e» große Trauer in seinen Reihen, nun dachten die Krieger an Brüder und Freunde, und neben jedem ritt stumm der Tod. Bor Kasan sandte Katta einen Boten au», der dem Khan berichten sollte:' Das Heer der Assassinen ist nicht besiegt, aber aufgehalten, sein Führer ist tot. Der eiserne Ring, auf den e» biß, wird eS warnen, Wester vorzudringen. Die Frauen von Kasan musterten die Reihen der einziehenden Krieger. Sie zitterten, ob auch alle wiederkämen, die ausgezogen waren und ob ihre Männer, ihre Söhne den Händen der Würger entronnen. Große Trauer lag über Kasan, wie eine große dunkle Wolke. Geduckt schlichen die Frauen zu den Brunnen, die Kinder hockten in den Winkeln und weinten. Flüche stiegen auf gegen den Khan und gegen Katta. Ein Weib gegen die Assassinen zu senden! Wasser sollte sie von den Brunnen holen, die Fürstentochter, Linnen sollte sie weben, wenn ihr Sinn nach Arbeit stand. Gesenkten Hauptes trat Katta vor den Vater. (Fortsetzung folgt.), D':)tag, 4. SeDtemE^ 1771. Eine neue tschechische SprenselbUrgerschule Aus LandStron wird uns geschrieben: Einige Lage vor Beginn de» neuen Schul» jahres ordnete das Schulministerium die Errichtung einer neuen tschechischen Sprengelüürger- schule in H i l b e t t e n an, einem Ortsteil der Stadt W i l d e n s ch w e r t, der die amtliche Bezeichnung Wildcnschlvert 1 trägt, und erteilte den Direktionen der beiden bereits bestehenden tschechischen Bürgerschulen in Wildenschwert den Auftrag, die Teilung der Schüler so vorzunehmen, das; die neue Sprengelbürgcrschule, die Ivahrscheinlich im Gebäude der deutschen Volksschule in Hilbetten untergebracht werden dürft«, genügend Schüler bekomme. Seit Jahrzehnten bemüht sich die beut« s ch e Bevölkerung des Bezirkes Wildenschwert um eine Sprengelbürgerschule. Alle diese Bemühungen, die weit in die Zeit des alten Oesterreich zurückreichen, waren bisher ergebnislos. Im Bezirk Wildenschwert siedeln in neun Gemeinden, die ein geschlossenes Siedlungsgebiet bilden, fast viereinhalbtausendDeut» s ch e. Die deutschen Volksschulen des Gerichtsbezirkes sind von 543 Kindern besucht, von denen 168 für den Besuch einer Bürgerschule in Frage kämen. Mindestens noch 50 deutsche Kinder, wenn nicht mehr, besuchen eine tschechische Bürgerschule des Bezirkes. ES wären also genügend deutsche Kinder vorhanden, um die Errichftmg einer deutschen Sprengelbürgcrschule im Bezirk Wildenschtvert zu rechtfertigen. Anstatt einer deutschen Sprengelbür» schule, die eine dringende Notwendigkeit darstellt, errichtet man aber eine tschechische, trotzdem in einer Entfernung von 20 M i« nuten zwei gut organisierte tschechische Bürgerschulen vorhanden sind. Man zwingt, neben den deutschen Schülern, die die tschechischen Bürgerschulen in Wildenschwert besuchen und die in di« neue tschechische Sprengelbürgerschule umgeschult werden sollen, auch eine große Anzahl tschechischer Schüler, eine bedeutend schlechter organisierte Schule zu besuchen, als sie bisher besuchen konnten. Welche Triebkräfte hier wieder maßgebend waren, ist nicht schwer zu erraten. Wir sind der Meinung, daß die tschechische Sprengelbürgerschule in Hilbetten nicht notwendig ist, glauben aber, daß«in« deutsche dafür eine unbedingte Notwendigkeit darstellt. Wir sordern daher auch die Errichtung einer deutsche» Sprengelbürgerschule, die in der deutsche» Volksschule in Hilbet» trn untergebracht werden kann. Forderungen der Volkspartei. Sonntag vormittags fand in Orlau ein Kongreß der tschechoslowakischen Volkspartei aus dem Teschener Lande statt. Es wurde eine Resolution angenommen, worin von alle» Minderheiten des Staates absolute^ Loyalität und die Auflösung aller ausgesprochen oppositionellen Parteien gefordert wird. vorwärtSweisenden Vorträgen stand das Auftreten de» hitlerdeutschen Abgesandten Paul F e l d k e I l e r. der(bisher in weitesten Kreisen unbekannt) sich nicht nur über das Verhandlungsthema hinwegsehie, sondern sich mit einem Wust unklarer Thesen als Diktator der Philosophie aufspielen wollt«. Er wetterte gegen die reflektierenden Philosophen lals deren Vertreter er Hegel nannte, aber wahrscheinftch Kant meinte— über den auf diesem internationalen Philosophenkongretz kein Deutscher, sondern ein Pole sprechen wird). Und er begeisterte sich, nachdem er noch schnell Marx und Engels für„entsetzenerregend" erklärt hatte, für die„kämpfenden" Philosophen, die in einer Zeit, da„Kreuz und Krone, Blut und Boden" angezweifelt werden und der„Kältetod b£t Werte" droht, mit ihrer Lehre die Welt umgestalten wollen. Diese„kämpfende" Philosophie sieht so ans, datz sie„Explosivstoff und Radio" für UntergangS- shmptome der Menschheit erklärt, in„germanischem Pessimismus" das naheAuSsterben deS„.tzirnsaurierS" Mensch verkündet, die Diktatur für eine„Stärkung des Charakters" ansieht, sich in vornehme Einsamkeit zurückziehen möchte und nichts anderes mehr erhofft als eine, wenn auch unwahrscheinliche Wiedergeburt der Menschheit. Der„germanische Philosoph" mutzte sich in der DiSkusiion von zwei jungen ausland-deutschen Kollegen sagen lasten, datz seine Ausführungen nichts mit Wistenschaft zu tun hatten— und, was ihm besonders peinlich war, daß sie stellentveise Anlehnnn« gen an die Lehre deS ermordeten Theodor Leffing waren. Worauf der„kämpfende Philosoph" in seinem Schlußwort das meiste voy dem, was er gesagt hatte, abstritt und im übrigen, obne Beweise beizubringen. erklärte, datz er auch in Deutschland als Philosoph „seinen Mann stehe", aber mit Vertretern gegnerischer Weltanschauungen nicht diskutiere! Der Prager Internationale Philosfbhenkongreß Minister Dr. Benei über Philosophie, Politik und Demokratie tat„aristokratischen" Künstlers mit der demokrcüi- seinen Vortrag ungehindert halten konnte, Peiping, 3. September. Nach einer Meldung Tschangtschun ist im Palast der Residenz des aus... mandschurischen Kaisers Puji Feuer auSgebrochen. Die Privatgemächer des mandschurischen Kaisers und seiner Familie sind vom Brande noch verschont geblieben, da das Feuer aber weiter wütet, ist zu befürchten, daß der ganze Palast abbrennt. Freiwillige Helfer und Truppen sind ein« gesetzt, um die Arbeit der Feuerwehr zu unterstützen. Der Justizminister und höhere Beamte der Geheimen Staatspolizei weilen ain Brandherd, um die Ursache des Feuers zu ermitteln. Die Polizei verhaftete 21 Personen, unter denen sich auch drei niedere Hofbeamte befinden. In Tokio hat der Brand deS mandschurischen Kaiserpalastes großes Aussehen verursacht. Die Preste vermutet, daß Brand st if- t u n g vorliegt und verlangt eine sofortige strenge Untersuchung der Brandursache. sche Popularisierung begründen will. Wo eine solche Unvereinbarkeit tatsächlich besteht, da zeugt sie, wie Basch betonte, nicht von einer Krise der Deniokratie, sondern von einer Krise der Kunst. Denn d a S wahre Genie sei immer ein soziales Genie, und je tiefer die Kunst sei, desto tiefer wurzle sie im Volke. Der Ursprung der Künste sei ebenso sozial begründet wie ihre Glanzzeiten. Und in keiner GcmeinschaftSform könne sich ein solcher Reichtum der Kunst entwickeln wie in der Demokratie, in der die Kunst einer kleinen Elite verschwinde, aber die Freiheit des Künstlers sich mit der Freiheit deS Volkes vereine. Aber auch ein glühender Verteidiger der Demokratie wie Basch lvies darauf bin, datz die Demokratie heute vielfach verstünimelt sei. Und der Prager Philosoph Joseph Fischer, der sich in französischer Sprache über die Prinzipien der Philosophie äußerte, führte seine Kritik bis an ienen Punkt, wo die demokratischen Grundsätze als Fiktionen erscheinen,— bis an den Punkt,>vo aus der Unfähigkeit der Demokratie, da» Problem der gerechten Güterverteilung und der wahren Gemeinschaft zu lösen, der Uebergang zum Sozialismus als Notwendigkeit gefolgert werde«» mutz. In peinlichem Kontrast zu diesen ernsthaften und Saar-Abgeordneter von Nazis schwer mißhandelt Paris, 3. September. Havas meldet au» Saarbrücken, daß der kommunistische Abgeordnete des Saargebietes Sommer in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf dem Heimwege vom Bahofe von etwa 20 Nationalsozialisten überfallen und so schlver mißhandelt wurde, daß er halbtot liegen blieb. Die sozialdemokratisch-kommunistische Einheitsfront richtete an den Vorsitzenden der Regierungskommission des Saargebiete», an den Präsidenten der Plebiszitkommission und an den Generalsekretär de» Völkerbundes Protesttelcgramme. Ein Sieg Gerhard Seegers Au« Deutschland kommt die Nachricht, daß da» berüchtigte Konzentrationslager Oranienburg aufgelassen wird. Damit soll vor der Welt« ösfentlichkeit ein verrufener Name auSgelöscht werden, nicht aber das Sy st em, welches de» Verruf nach wie vor verdient. Das Wort „Oranienburg" ist ein Symbol geworden, seitdem e» dem sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten GerhardSeeger gelang, aus dem dortigen Konzentrationslager zu fliehen und feine Erlebnisse zu publizieren. Das Buch Seeger»„Oranienburg", welches zuerst in unserem Verlag G r a p h i a erschien, ist inzwischen in allen Kultursprachen in überz weiMillio- nen Exemplaren verbreitet worden. Eine Gegenschrift des Lagerkommandanten Schäfer konnte die erschütternden Anklage»» Seeger» nicht entkräften. Das braune System mußte sich zu einem RückzugSinanöver entschließen. Oranienburg wird aufgelasien, aber die Häftlinge werden in andere Lager überführt nnd dort weiter gefoltert. Seeger» Buch hat einen bemerkenswerten Teilerfolg errungen. Die Schande der deutschen Konzentrationslager wird erst ganz verschwinden, wenn die brmine Tyrannei nicht nur moralisch geächtet, sondern auch politisch niedergerungen ist. In Prag wurde Sonntag abend» der Vklk. knternationalc Philosophenkongreh eröffnet. Der letzte Kongreß hatte— noch unter ganz anderen europäischen Verhältnisien, im Jahre 1030— in O x f o r d getagt. Es ist für Prag und die Tschechoslowakei ein Ersolg, datz sich auf der Insel der mitteleuropäischen Demokratie die Philosophen aller Länder zusammcnfinden, um ii» dieser aufgewühlten Zeit, da die Welt täglich in neuen Krieg zu verfallen droht, die Probleme unserer Zeit als geistige Frage«» zu forinuliercn. zu stellen und nach bestem Gewissen zu beantworten. Erschienen sind 600 Philosophen aus 21 Staaten. Die stärkste ausländische Gruppe stellen die Franzosen. Sie delegierten unter anderen Josephe Barthelemy und den bekannten Vorkämpfer der Liga für Menschenrechte, Victor Basch. Amerika entsandte neben a«»deren den Professor Montague von der Columbia-Universität in New York, au» Polen ist als Führer der Delegation Tatarkiewicz, aus Jugoslawien sind Pe« tronieviä, Dazal, Dvornikoviä u. a. erschienen. Die Oesterreicher führt Professor Moritz Schlick, unter den Gästen aus Deutschland, denen die zweifelhafte Ehre zusällt, die Weltanschauung deS Herrn Goebbels philosophisch zu verteidigen, sind die bekanntesten Namen Han» Driesch und Willi Hellpa ch. An der Eröffnungsfeier nahmen eine Reihe fremder Diplomaten, der Senatspräsident Dr. Soukup und als Vertreter des Präsidenten Masaryk, der auch das Protektorat über den Kongreß übernommen hat, der Unterrichtsininister Dr. K r ö m ä k teil. Dieser ergriff als erster da« Wort u»»d begrüßte dei» Kongreß im Name«» seines Protektors. Die Grüße des- Präsidenten al- Staatsoberhauptes übevürachtc Minister Dr. Benes, der in seinen weiteren AuSführunge«» in geistvoller Weise zu dem Verhältnis der Politik zur Philosophie und zu dem Problem der Demokratie Stellung nahm. Dr. Bene» bezeichnet« den heutigen Zustand der Welt als«in beispiellose» E h a» s in der Gedankenwelt, im Morallrben und in den wirtschaftlichen und sozialen Verhält» nisten wie auch in brr Politik. Jeder verantnwr- tung»bew«tzte Mensch stnne auf Abhilfe und fei bestrebt, mehr Ordnung, Ruhe und Festigkeit in die Welt z« bringe«. Der Minister sprach dann von seiner Stellung al» Philosoph» Soziologe und praktischer Politiker. Er hab« jede» Problem, da» er praktisch zu lösen hatte, erst wissenschaftlich anal», sieri, da» so gewonnene Ergebnis dann an seinen philosophischen und moralische» Theorien geprüft, um so zu einer Synthese zu gelangen und die Idee in die Tat«mzusehen. Er habe sich immer grundsätzlich gegen jeden ErpertmentliSmn-inder Politik gewandt. Aehnlich scharf wandt« sich Dr. Bene» auch gegen de« Opportunismus. Er forderte, daß jede Politik von einer bestimmten philosophischen und sittliche« Idee geleitet sein müsse. Andererseits müßte aber die Philosophie denMut haben, prakttscheSchlüsse au» ihren Ergebnissen zu ziehen. Endlich kam Dr. Bene» auf da»„Zritpro- blem" z» sprechen, al» welche» er die Krise der Demokratie ansprach. E» sei freilich mehr eine Krise der Demokraten, der Menschen also, die in der Demokratie führen Von ihnen hänge r» ab, ob die Demokratie sich durchsetze. Ihr moralische» und geistige» Niveau sei entscheidend. Dr. Bene» erkennt in der Geschichte der letzten Jahrhunderte«in Ringen zwischen dem Einzelwesen und der Gesamtheit, dem Individuum und dem Kollektivum. Bi» zum Kriege habe alle» nach größter Freiheit dr» Individuum» gedrängt, seither neige man mehr zum Kollektivismus. Aber jede Nebrrtreibung nach der «ine» Sette bedinge rin Ausschlagen dr» Pendel» nach der andere». ES sei Ausgabe der Regierenden,»ach der dauernden Harmonie zwischen Jn» dividnum und Kollektivum(Staat und Volk) zu strebe«.. Es folgte«» die Begrüßungsreden de» Stadt- rates Z i p e k, der DelegationSführer, des Direktors der Universitätsbibliothek und endlich des Professors Emanuel R ä d l, der sich um die Vorbereitung des Kongresses große Verdienste erworben hat. Er bezeichnete es als die Aufgabe des Kongresse», sich zu orientieren, wo wir heute in der Philosophie stehen. ■'• Am gestrigen ersten Berhandlungstage de» Philosophenkongresse» begann nach einer Plenarsitzung über die Grenzen der Naturwissenschaft in allen sechs Gruppen die Reihe der Verhandlungen und. Diskussionen. In der„Gruppe D", in der über die „Krise der Demokratie" gesprochen wird, hielt der Pariser Professor Victor Basch, der alle Vor- kämpfcr der Liga für Menschenrechte,«ine formvollendete Rede über die Kunst und die Demokratie, in der « sich temperamentvoll mit den Argumenten auS- einandersetzte, mit denen man die Unvereinbarkeit der künstlerischen Freiheit mit der Herrschaft der VolkSmehrheit, der artistischen Fühlens und Trän- «en» mit der politischen und sozialen Wirtlichkeit, Julius Deutsch In England Falschmeldung von einem BortragSverbot. Reaktionäre Agenturen und natürlich auch der Nazi-Rundfu«»k haben die Meldung verbreitet, daß ein Lichtbildervort^rg de» Genossen Dr. Julius Deutsch über die Wiener Februar- Kämpfe in London von der Regierung verboten worden sei. Dr. Deutsch hat dem Brünner AuS- landsbüro der österreichischen Partei telegra- I phiert, daß diese Meldung unwahr ist und er Aufstandsversuch griechischer Unteroffiziere Athen, 3. September. Eine Gruppe von Unteroffizieren der Flugabwehrbatterien unternahm in der Nacht zum Montag einen AufstandS- versuch. Nach der Bewaffnung von Mannschaften sollten diese in Panzerkraftwagen untergebracht werden. Die Mannschaften weigerten sich jedoch, an dem Putsch teilzunehmen. Darauf erbrachen die Unteroffiziere hie Kassenschranke im verwaltungSgebä»»de und flüchteten mit dem geraubtenGeld. Die, militärische und polizeiliche Untersuchung ist»och im Gange. Oesterreichs Finanzen vor dem LölkrrbundanSschutz Genf, 3. August. Unter dem Vorsitze, des polnischen Delegierte«» M l y n a r s k i eröffnete heute in Genf der.Finanzausschuß de» Völkerbund» seine 55. Tagung. DaS wichtigste Problem, über das sich der Finanzausschuß zu äußern baben wird, stellen die österreichischen Finanzen dar, deren Zustand die erhöhte Aufmerksamkeit der österreichische» Regierung erfordert. Außer anderen Fragen wird auch über die Konvertierung der österreichischen Anleihe au» dem Jahre 1023 verhandelt werden. An den ÄuS- fchußberatungen wird von tschechoslowakischer Seite der außerordentliche Gesandte Dr. Pospisik teilnehmen Unmenschliche Mißhandlung einer Russin In Charbln Moskau, 3. September. Nach einer amtlichen Meldung protestierte der stellvertretende Bolkskom- missär für AeußereS in einer Unterredung mit dem japanische«» Gesandte«» gegen die Mißhand lung einer sowjetrussischen Beamtin der Ostchina bahn»»amen» G o l o v i n a, die am 22. August von der japanischen Gendarmerie in Charbin ver haftet und beim Verhör in»«»menschlicher Art folgendremaßen mißhandelt worden war: Zwischen di« Finger wurden ihr., kleine Metallstücke geschoben, worauf die Finger mit einer Schnur umwickelt wurden, die so fest zn- gezogen wurde, daß di« Beamtin schließlich da» Bewußtsein verlor. Weiter wurde di« Goto- vina heim Verhör mit den Fäusten in den Kops und in da» Gesicht geschlagen und eS ward«» ihr Haare auSgeriffrn. Auch wurde ihr Wasser in Mund und Nase gegossen. All« diese Miß- - Handlungen wurden von japanischen Angestell ten vollzogen. Am 27. August wurde die Beam tin in sehr bedenklichem Zustande auf die Gasse gebracht und ohne jegliche Hilfe mit der ersten vorbeifahreuden Drofchke nach Haufe geschickt. Bei ihrer Entlassung wurde ihr gesagt, sie werde sofort wieder verhaftet werden, so bald sie sich erholt habe. Zur Zeit befindet sich dir Golovina schwer krank im Eharbiner Spital. Der russische Bolkskommissär wie» darauf hin, daß diese Tatsachen die schlimmsten Presse meldungen über die Methoden der japanischen Be hörden, ihnen genehme„Geständnisse" zu erzwingen, vollauf bestätigen, und verlangte, daß die japanische Regierung nunmehr entschiedene Maßnahmen treffe, damit diese Dinge endlich einmal aufhören. Pujls Kaiserpalast in Flammen Tokio vermutet Branditiftung Schweiz gegen Rußland» Aufnahme Bern, 3. September. Am Montag fand im Bundeshaus eine Konferenz zwischen der Regte rungSdelegatio«» für auswärtige Angelegenheiten, bestehend auS drin Bundespräsidenten Pilet und de» BundeSräten Motta und Schutthetz und den schweizerischen Mitgliedern der Välkerbunddelrga tion über die Fragen statt, welche auf dein Pro gramm der bevorstehenden Hrrbsttagung dr» Völkerbundratrü stehen. Einen großen Raum in der Debatte nah«» die Stellungnahme znr Frage deS Eintrittes Rußlands in den Völkerbund«in. Die Konferenz führte zu dem Ergebnis, dai> die Delegatim» für auswärtige Angelegenheiten den GrfamtbundeSrat für den Fall dr» AnfnahM»- grsuches der Sowjetunion einstimmig die Ah l e h n« n g beantragt. Enzyklika gegen den Nationalsozialismus? Pari», 3. September. Die Havas Agentur «neidet aus der Stadt des Vatikan, daß der Papst beabsichtige, eine Erklärung gegen die deutschen Nationalsozialisten zu veröffentlichen. In Kreisen des Vatikan stimmt mai» dieser Absicht de» Papstes zu, die als feierliche Erklärung gegen die antikatholischen Doktrinei» formuliert tverden soll. Arbeitslosenversicherung In England London, 3. September. Mit dem heutigen Tage tritt das neue Gesetz über Arbeitslosigkeit in Kraft. Diesem Gesetz zufolge beginnt die Ar» beitslosen-Bersicherungöpflicht bereits mit dem Lebensjahre, in welchem die Jugend die Schule verläßt. Jugendliche, die nach Verlasse«» der Schule Arbeit erhalten, werden verpflichtet sein, einen Versicherungsbeitrag zu zahlen, doch werden sie die sich aus der Versicherung ergebenden Vorteile erst mit Erreichung des 16. Lebensjahres in Anspruch nehmen können. Jugendliche, die nach Verlassen der Schule keine Arbeit finden, werden indie Schule zurückkehren und sie während der Zeit der Arbeitslosigkeit, längstens bis zur Erreichung des 18. Lebensjahres, besuchen müssen. Seite 4 Dienstag, 4. September 1834. Ar. 20« Mittags, als wir zurückkamen, hörte« wir in der Baracke der siebenten Kompagnie lautes Schreien und Gepolter. Kameraden sagten uns: »Die Sozialdemokraten Edelmann und Werntaler sind angekommcn. Die Kommunisten haben sich gleich auf sie gestürzt und schlagen auf sie ein." Da ging auch die Tür schon auf und die Meute stürzte heraus. Die Kommunisten trieben ihre beiden Opfer in de» Weiher. Wcrntalcr konnte ans anpere Ufer gelangen. Edelmann wurde von ein paar i'nngen Burschen mit Latten immer wieder unters Wasser gestoßen, bis er am Ertrinken Ivar. Die SS stand dabei und paßte auf. daß niemand den Mißhandelten zu Hilfe kam. Endlich, als Edelmann schon halb bewusstlos war, griff ein SS-Mann ein und lieg ihn ins Revier schaffen, wo er lange Zeit bleiben mußte. Wcrntalcr wurde schon am andern Morgen zur Arbeit abkonunandiert. Sein Gesicht war zerschlagen, er hielt sich mühsam aufrecht. Zu den Anführern gehörte in diesem Fall der knapp zwanzigjährige Kommunist 2 t e i d l c. Er berief sich darauf, dass sein Vater 1810 im Strassenkampf erschossen wurde, als Edelmann in Augsburg Polizeipräsident war. Den ilcberfall auf einen Wehrlosen nannte er„Rache". Aber Steidle war 1918 sechs Jahre alt, er kann also unmöglich ein eignes Urteil über den Vorfall haben. Immerhin— er ist in diesem Rachcgefühl erzogen worden. Aber die and cm alle ergriffen begeistert die Gelegenheit, einem sozialdemokratischen„Bonzen eins auSzuwischcn". Und sic benahmen sich dabei genau so viehisch brutal wie die schwarzen Henker von der SS. MmmWistiscker Verrat.- im Konzentrationslager Unter dem Titel„KonzcntrationS- lager! Ein Appell an das Gewissen der Welt" erscheint demnächst bei der VerlagS- anstalt„Graphia", Karlsbad, ein Buch mit dreizehn atttbentischen Berichten ans dciitschen KonzcittrationSlagcrit. Wir entnehmen den erschütternden Schilderungen solgende Stellen: U c b t K a m eradschaftl Diese Mahnung stand in den meisten Ilntcrkunftöräumen an die Wand geschrieben. Leider blieb sic allzuoft unbeachtet. Trotz» aller Peinigungen und Tcmü-. tigungcn, welche die Gefangenen durch die SS s Kompagnie gltsanlinen, da auch die Sozialdemokraten Hofmann zu Hilfe eilten. Es schien zu einer Rauferei zu kommen. Besonnene Gefangene ans beiden Parteien erkannten den Ernst der Lage. Den Nazis lväre leicht ein willkommener Anlass geliefert worden, die drohende Prügelei unter den Gefangenen als Meuterei auszulcgen und sie als Vorwand für ein Blutbad zu benutzen. Es kant aber noch erbärmlicher. Kommunisten denunzierten Hofmann bei Stcinbrenncr. Er hätte 70.000 Mark Arbeitcrgeldcr unterschlagen. Damit lvolltcn sic erreichen, daß Hofmann in Schutzhaft genommen und nach Dachau eingeliefert worden sind! In meiner eignen Baracke lagen außer mir fast nur Kommunisten, und ich kann ehrlich sagen, daß ich anfangs versucht habe, mit ihnen gute Kameradschaft zu halten. Aber bald genug gab ich dcir AnnähcrnngSbcrsuch auf. Gehässige Feindseligkeit schlug mir entgegen. Und ich war doch wirklich kein„Bonze" gclvesen, sondern ein Arbeiter wie sie. Freilich— wenn ich mich„bekehrt" und mit auf die SPD geschimpft, lvcnn ich alle Taten der KPD gutgehcißcn hätte, dann wäre ich vielleicht ihr Freund geworden. So aber behandelten sie mich lvic eine» Aussätzigen. Ich zog mich ganz von ihnen zurück. Nie während meiner ganzen Lagerzcit habe ich erlebt, daß ein Sozialdemokrat einen Kommunisten bei der SS anzeigtc. Umgekehrt gab es kein grösseres Vergnügen für die Kommunisten, als uns die Schinder auf den Hals zu Hetzen. Die SS zeigte sich dafür erkenntlich. Am 8. Juni kam ein Auto mit neuen Gefangenen an. Ich stand gerade mit anderen vor der Kommandantur und wartete auf die Vernehmung. Wir konnten von weitem nicht erkennen, wer die Reuen waren. Todessturz in Pardubitz Holländischer Fahrer erschlägt sich beim Rennen um den„Goldenen Sturzhelm" Pardubitz. DaS am Sonntag hier statt- gefnndene Flachbahnrrnnen der Motorradfahrer, welches die besten Kämpfer ans zwölf Ländern am Start sah, brachte zwei schwere Unglücksfälle. Nach den beide» ersten Punkten drö Programms traten die Fahrer der Kategorie vis zu 260 Zentimeter an. In der zweiten Kurve havarierte der Oesterreicher Naab und mußte schwer verletzt inS Krankenhaus geschafft werden. Einige Sekunden später stürzte der Tschechoslowake Doltzkha l. Auf seine Maschine fuhr der knapp hinter ihm kommende Holländer Poldertvaarta, der Sieger des vorjährigen Rennens, auf. Pol- dervaartaS Rad wurde zertrümmert, die Lenkstange zerbrach und. zerschmetterte dem Fahrer den Kopf. Der Holländer blieb auf der Stelle toi liegen. Trotz dieser SchreckenSszene wurde daS Rennen nicht unterbrochen hcuk cuciuku uu, mitt auf dem Schoner„Perola" in die Antarktis.' im Weltkriege gebrachten Opfer nutzlos waren für Rymill hat für die Zlvecke feiner Forschungen von eine„Kultur", die zu Konzentrationslagern, Folter verschiedenen Korporationen eine Subvention von i un^ Todesstrafe»urückkehrt. 10.000 Pfund Sterling(das ist ungefähr Kronen„?^e Konzertübertragung au» Mari-nbad machte 1 200 000) erhärtende ObM. 16.000 Kilometer unbekannten Gebiets im Gra-> Plattenfolge gab die musikalische Illustration zu dem hamland, einer Depence der FaltlandSinscln, auf montägigen Vortrage Richard Karpe» über den Schütten zurückzulegen. Die Expedition wird als 1„Strauß der Sträuße". die wichtigste britische Expedition nach der Antark- I Ein Zwiegespräch zwischen einem Lehrer(Fach, ti» seit dem vor fast dreißig Jahren mißlungenen lehrer Berndt) und einer Mutter(Frau Berndt) Versuch Shakletons, die Antarktis zu durchque-“““ ren, angesehen. TagcsncuigKcltcn Gisenbahnkatastrophe in Puris 51 Personen verletzt Uhr hat sich auf dem Pariser Ostbahnhof«in wichtigste: das; neben den Industrie»«« und Ban- Eisenbahnunglück ereignet, bei dem nach den bis-i kicrS, die in guten XL verdienen, und den herigen Angaben 81 Personen verletzt wurden, da- Bauern, die in Xs für ihre Arbeit entlohnt wer- von sechs schwer. Eine Rangierlokomotive fuhr!den, im Staate noch die Arbeiter leben, die auf einen in der Bahnhofhalle stehenden Borort-' so bezahlt werden, daß die Kd, die Koruna WWW““*“““""—‘' dölnlckä sicher nur die Halste der Koruna vvisstä wert ist, und die A r b e i t s l o s e n, die überhauptnichtS haben, die sozusagen von der Koruna nula Kn leben. Denn Hunderttausende erhallen ja kein Bargeld, sondern bloß die ' Lebensmittelkarten und die heute nur von Gna- I den einer Bürokratie, deren Verständnislosigkeit und Engherzigkeit zum Himmel schreit. Solange die Arbeiter in Xä, das heißt mit Hungerlöhnen, und die Arbeitslosen mit Xn, also mit nichts ge- nährt werden, ist den Bauern mit der Kg nicht zu helfen. Wenn sich die Bauern entschließen werden, mit den Arbeitern und Arbeitslosen gegendieKartelle, dieBanken, die bürokratische Mißwirtschaft, die alle guten Gesetze verdirbt, die Wucherer und Volksverderber energisch zu Felde zu ziehen, dann werden wir nicht drei Währungen, sondern eine KL haben, die ihren Mann nähren, jedem arbeitenden Menschen Brot sichern, für die Nutznießer des heutigen ZustandS aber das Ende ihrer herausfordernden Völlerei sein wird! Faule Fische und Schläg' dazu. DaS „Deutsche Nachrichtenbüro" Berlin teilt mit: „Die in Prag erscheinende Zeitung „B o h e m i a" ist wegen ihrer deutschfeindlichen Berichterstattung von der Reichsregierung b i S zum 8 0. November d. I. für das Deutsche Reich verboten worden." Ein schwerer Schlag für das Blatt, das so geschrieben ist, daß eS einen großen Teil seiner Auflage in Deutschland absetzen konnte. Auch der ungläubigste Thoma» wird sich jetzt eine Borstellung von der geistigen Stickluft im Dritten Reich machen können, wenn dort selbst die„Bohemia" nun zeitweise eingestellt wirdl Wird der Chefredakteur WesselSky nun etwa wieder eine kleine Reise planen, um„die Sachen wieder bißchen in Ordnung zu bringe n"?l Flugtag. Am Sonntag fand in Königgrätz unter Teilnahme von 70.000 Menschen ein Flugtag statt. Eröffnet wurde'' der Flugtag durch einen Sternflug aus verschiedenen Garnisonen. Nationalverteidigungsminister B r a d a i erklärte in einer Ansprache, daß sich die Armee auf Höhe der Zeit befinde. Wehrtag in Reichenberg. Vom 28. bis September wird in Reichenberg der„Tag Wehrhaftigkeit" abgehalten. Der Vorsitzende vorbereitenden Arbeitsausschusses ist Bürgerin« ster Kost! a. Markierung der Ansfahrtstraßen aus Prag. Die AuSfahrtstraßen au» Prag wurden farbig BeldeHängene" wnrden"wittert: Straße nach Reichenberg mit der«uf- “(Jungbunzlau) gelb von der Palackystratze in Karolinental ausgehend; M, ,,E. Lipa" blau von der nau mit der Aufschrift„Teplice-Sanov" grün, in aus den Händen der Banditen von Kanonenbooten iwrift„Mlada BottSlav befreit,- die von Marineflugzeugen, die den J H L Schlupfwinkel der Banditen ausgeforscht hatten,: ä rr rx di° notwendigen Weisungen erhielten. Ein Augen- zeuge erzählt, daß Manische Soldaten und Ma-'„ z.„ tr°sen. die die Besatzung der Kanonenboote bil- j beten, die Piraten in ihrem Lager umzingelten, worauf sie sich bis auf Schußweite heranschlichen. Die Räuber, die diese Bewegung bemerkten, scho- öen ihren Gefangenen d i e G ew e h r Mün dungen in den Mund und drohten, sofort zu schießen, falls die Gefangenen die geringste« Bewegung machen. Der Augenzeuge beschloß, die August brachte Straschnih ein Potpourri solcher Aufmerksamkeit der Piraten von den Gefangenen I Unterhaltungsmusik wenigsten» im Original. Mela abzulenken und sprang daher auf uud begann zu(dlarschner-Prei sang diese wehseligen Din« schreien. Die Piraten wandten sich, gegen ihn“ M'""' und gaben eine ganze Salve auf ihn ab, wobei er auch verletzt wurde. Hierauf flohen sie ließen die beiden Gefangenen geseffelt zurück. der offiziellen WähruttgSkrone wert sei. Der agrarische Volk-Wirtschaftler will damit sagen, daß der Preis der landwirffchaflichen Produkte , im Vergleich zu den industriellen Produkten noch immer viel zu niedrig sei, daß der Bauer für seine Arbeit nichts bekomme. Dr. Marekek mag so Unrecht nicht haben. Er vergißt nur, wie die meisten agrarischen Politiker eines und zwar das aus; Beneschau blau mit der Auffchrist„Tabor" vom Museum durch die Gkreta-Gasse und Pa« lackykai-Jirasekbrücke auS; Kuttenberg rot(Auf- chrift„Kutnä Hora") vom Museum au»; Jglau (Jihlava) grün von der Hrabovka-HuSgafse aus; schließlich Podkbrad rot von der Karolinentaler Palackystratze aus. Ein Gedenkstein für Gustav Habrman. In Marienberg, der größten Arbeitervorstadt von Mährisch Ostrau, wurde Sonntag in festlicher Weise ein Gedenkstein für den ersten tschechoslowakischen Unterrichtsminister Gustav Habrman enthüllt. Bor der Schule wurde eine Habrman-Linde gepflanzt. Justtzminister Dr. Ivan Dkrer hielt eine Ansprache, worin er di« Tätigkeit HabrmanS für die Nation und die Arbeiterschaft würdigte. Er erwähnte auch die heutigen politischen Verhältnisse in der Welt und betonte, daß wir die Demokratie mit allen Mitteln verteidigen werden. DaS Denkmal wurde auf Kosten der Lokalorganisation der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei errichtet. Reue Verhaftung in: Mordfall vranskä. Der Handelsreisende Ehrt an, der von der Polizeidirektion in Mährisch Ostrau im Zusammenhang mit der vor einem Jahr erfolgten Ermordung der B r a n f k ä verhaftet und in die Haft des KreiSgerichteS in Mährisch Ostrau eingeliefert worden war, wird Dienstag nach Prag eskortiert werden. Grotzfeuer in Knoden. Sonntag nachmittag entstand in einem Hause der Egersttaße in Kaaden ein Schadenfeuer, da» auf vier andere Häuser Übergriff und diese einäscherte. Ein weitere» Haus wurde schwer beschädigt. Insgesamt waren sechs Feuerwehren und die Feuerbereitschaft der Kaadncr Garnison an der Brandstätte erschienen, denen e» gelang, da» Großfeuer, dar die weitere Umgebung bedrohte, zu lokalisieren. Der Schadtn beträgt schätzungsweise ein« halbe Million K4. Mooney- Mutter gestorben. In San Francisco starb im Alter von 88 Jahren die Mutter des Arbeiterführers Thomas Mooney, der eine lebenSlänglicheGefängnis« stra fe wegen eines Bombenanschlages, den er in San Francisco verübte, zu verbüßen hat. Frau Mooney ist nahezu in der ganzen Welt durch ihre ausdauernden Bestrebungen bekannt geworden, auf internationalem Forum ein Zusammenwirken zum Zwecke der Befreiung ihres Sohnes zu erzielen, deffen Unschuld sie in der Presse und in Flugblättern unermüdliche erklärte. Frau Mooney unternahm auch eine große Tournek durch Europa, um einflußreiche Kreise persönlich von der Unschuld ihres Sohnes zu überzeugen. Bei einem Automodilrennen unweit der Gemeinde Espinho in Portugal stießen zwei Autos zusammen; das eine fuhr in die Zuschauermenge hinein. D.r e i P e rsion e n wurtz«L_hi?bki..g e- tötet und dreizehn verletzt. Bombe« in GeneralSwohnungen. Sonntag nachts explodierten in den HauSgärten der Wohnungen des ehemaligen Kriegsministers General Bakardfchiew und des ehemaligen Generalstabschefs Marinkow in S o f i a zwei Bomben. Schaden wurde nicht angerichtet. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Demonstrationsakt, ohne daß ein Schaden beabsichtigt gewesen wäre. Beide Generale weilen zur Zeit auch nicht in der Hauptstadt. Deutsches Kriegsschiff gehoben. Nach neun Monate währenden angestrengten Borbcreitun- gen wurde am Samstag der deutsche Kreuzer „Bayern" mit einem Raumgehalt von 28.000 Tonnen, eines der deutschen Kriegsschiffe, die, nachdem sich die deutsche Flotte ergeben hatte, bei Scccha Flow versenkt wurden, gehoben. DaS Schiff wurde sodann auf Strand bei Lyneh geschleppt. Sette 5 Blutige Unruhen in Indien Rainital(Indien), 8. September,(Reuter.) In A g r a kam«S zwischen H i ri d u S und M o h a m m e d a n c r n zu heftigen Zusammenstößen, die auf die Ermordung eines Kommis zurückzuführen sind, der am Sonntag in einem Streite von seinem Gegner erschlagen wurde. ES kam zu einer allgemeinen Gärung tmd zu einer ganzen Reihe von Zusammenstößen, bei denen zwei Personen getötet wurden. Starke Polizeistreifen versuchen vergeblich, die Zusammenstöße zu verhindern, zu denen eS in verschiedenen Stadtteilen kommt.’ Nach Agra wurde Militär entsandt. Anch aus anderen Provinzen treffen Nachrichten über Zusammenstöße zwischen Hindus und Mohammedanern ein. So wurden in G h a z i a v a d in den Bereinigten Provinzen bei einem Zusammenstöße 16 Personen schwerverletzt. Bet Zusammenstößen in Madras wurde ein Mohammedaner durch einen Messerstich getötet. Außerdem wurden zehn Mohammedaner und drei Hindus verwundet. Die Polizei mußte Verstärkungen berufen, um eine Ausbreitung der Unruhen zu verhindern. Drakonisch Reval. Wie aus Moskau gemeldet wird, verurteilte das Gericht in Nerschinsk fünf Beamte wegen Plünderung von Lebensmitteln, Sabotage und Veruntreuung zum Tode durch Erschießen. Ein Bein ragt auS den« Boden. Nach den Regcnfällen der letzten Tage wurde am Semmering ein neuerlicher bestialischer Mord entdeckt. Der Arbeiter Dvokakek fand tm sogenannten Mürthengraben am Semmering ein menschliches Bein aus dem Boden ragen. Durch die Regenfälle lvar die Erde, mit der die Leiche zugedeckt lvordcn war, weggespült und ein Teil der Leiche freigclegt worden. Der Arbeiter grub dann die Leiche frei, in der die seit dem 18. August vermißte 17jährige Berkäuferin Martha Dorsstädtcr aus Semmering festgestellt wurde. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß sic einem Lu stmörder zum Opfer fiel. Der Verdacht richtet sich gegen den 26jqhrigen Johann Fleischer, der am Mittwoch wegen Ermordung des Wiener Ingenieurs Jonas und dessen Begleiterin Emilie Wessely, die er in stebbcndem Zustande geschlechtlich mißbrauchte, vor das Standgericht kommen Gll. ES ist wahrscheinlich, daß die BerhandlunL gegen ihn bis zur Beendigung der Untersuchung dieses neuen Falles vertagt werden wird. Katastrophe im Walzwerk. Am Sonntag früh stürzten auf dem Walzwerk der August-Thyssen- Hütte in Hamborn aus noch nicht geklärter Ursache drei Laufkrähne ab. Der untenstehende Obermeister wurde auf der. Stelle getötet. Auch der- Landmefforgebilf« Offowskt, der sich in einem der abgestürzten K'rähne befand, war sofort tot. Mehrere andere Personen wurden schwer verletzt. Blutbad in der Straßenbahn. Auf der Insel Tenerife(Tanarische Inseln) überfielen vier Unbekannte mit gezogenem Revolver eine Straßenbahn. Als die Bah» nicht sofoist hielt, eröffneten sie das Feuer und tötetendreiFahr» g ä st e, während ein vierter schwer verletzt wurde. Die Räuber entkamen mit einer Beute von 600 Peseten und.konnten noch nicht festgenommen werden. Erdstöße in Troppau. Montag zwischen 618 und v Uhr früh wurden in Troppau ein starker und ein schwacher, wenige Sekunden dauernder wellenförmiger Erdstoß verspürt» ohne daß jedoch irgendwelcher Schaden angerichtet worden ist. Die Erdstöße waren von einem dumpfen Rollen begleitet. Es dürfte sich um ein tektonisches Beben handeln, wie solche iy Troppau auch bereit» früher beobachtet worden sind. Wort und Ton gleich schöne„Halbe Stunde für die Frau", zusammengestellt von Liselotte Kirchner. Mit mehr wachsender Teilnahme folgte man abend» dem Bortrage de» Univ.-Prof. Dr. Oskar Kraus„lieber den internationalen Philosophenkongreß in Prag". Im Jahre 1869 tagte ver erste Philosophenkongreß ebenfalls in Prag. Mit Berufung auf die Tragödie 1866 ging von ihm ander Ruf nach Frieden, da» Streben nach Beriöhnung der christlichen Kirchen. Der Rus verscholl ungehiftt; der Krieg von 1870 folgte und die Prollamterung de» Dogma» von der Unfehlbarkeit der Papste verstärkte den Gegensatz zwischen den christlichen Religionen. E» ersteht denn die Frage, ob die Philosophie (der Vortragende begrenzt ihr wissenschaftliche» Gebiet und verweist auf den Streit verschiedener An- schaunngSrichtungen) imstande ist. das Leven der Mensche«« umzugestalten? Zur Beantwortung diente der Hinweis, daß die stärksten sozialen Bewegtmgen von ihr auSgegangen sind.(Voltaire, Rousseau. Diderot usw. bis Marx). Auch Politik ist nur die Anwendung der Ethik auf die Gestaltung der sozialen Leben».(Darum sollten nur die geistig höchststehenden Männer Führer im Volke sein!) Von besonderer Bedeutung ist e». daß alle gegenerischen Richtungen der Philosophie bei diesem Kongreffe diskutiert werden im Lande KomenskyS, in dem Bolzano für da» Wohl der Menschheit gekämpft, dem Masaryk den Kodex der Humanität geschenkt hat. Für den Kongreß wird das Leitwort unseres Staatspräsidenten gelten:„Bincit veritaS!" Dem schönen, überzeugenden Bortrage folgte ein eindrucksvolles, von Adolf Schmidt skizzierte» Bild der aktuellen Ereignisse. Adolf Schmidts plastische, oft sarkastisch betonte Bilder stehen am Ende der Berichtswoche und auch am Ende der sommerlich stillen Zeit. Mit Donner und Regenschauern hat sich der Herbst eingestellt; von ihm erwarten wir eine kul« turelle Neubelebung der Funkprogramme. Ernst Thön er,. Seife 8 »Lo-ialdemokrat" Llcnstag, i. September 103^ Nr. SOS PBAfiEB ticrichlssaal Ein Lebensschicksal illustriert durch eine Strafkarte. Prag, 3. September. Weder die Anklageschrift, noch die Verhandlung gegen die 22jährige Marie R» p r e ch t, die heute uor dem Strafsenat Toman stand, bot irgend cttvas besonders ErtvähnenSivertcS. Ruprecht war angeklagt des mehrfachen Diebstahls, die sie einerseits als Hausgehilfin, anderseits als .Haushälterin an ihren Tienstgcbern begangen. Der Schade» beträgt an 5000 KC. Interesse begann dieser Fall erst bei Verlesung der Strafkarte zu erwecken, mit der die Verhandlung ab» geschlossen wird. Denn in diesen nüchternen Daten spiegelt sich daL Schicksal der jugendlichen Angeklagten wieder. Tie erste Strafe im Jahre 1930: Eine Woche Arrestes wegen Vagabundage und Verbreitung von Geschlechtskrankheiten... Damals war sie achtzehn Jahre alt.— Typus einer verwahrlosten Jugendlichen. Tie zweite Strafe lautete schon auf zwei Monate schlveren Kerkers wegen Diebstahls. Als sie zum dritten Male vor dem Gericht erschien, war es das Schwurgericht und die Anklage lautete auf das Verbrechen des nicht vollendeten Mordes an ihrem Geliebten, den sie schwer angeschossen hatte. Die Geschworenen sprachen sie schuldig und sie wurde zu drei Jahre» schweren Kerkers verurteilt. Und heute stand sie zum vierten Male vor den Richtern unter Anklage des' schweren Diebstahls. Das heutige Urteil lautete auf achtzehn Monate schweren und verschärften Kerkers. Astes das hat sich im Zeitraum von vier Jahren abgespielt, in den vier Jahren zwischen dem achtzehnten und dem zlvciundzwanzigsten Lebensjahr. Welch ein„LebenSsrühling" I rb. Zehn Tage Arrest für eine unvorsichtige Korrespondenzkarte Prag, 3. September. Die 28jährige Köchin Maria Nada ans Pilsen, schrieb ihrem Bruder, der seine Militärzeit beim 28. Infanterieregiment in Prag abdient, auf einer offenen Korrespondenzkarte u. a. folgendes:„ Schreibe mir, wie es dir geht! Wahrscheinlich nicht besonder-, wie ich nach dem schliche, was mir die hiesigen Soldaten erzählen. Hier in Pilsen ist eS ein Elend beim Militär. Um die Soldaten kümmern sie sich hier sehr schlecht. Jeden zweiten Tag haben sie hier statt des Kaffees ein schwarzes Spülicht und ein Stück schimmligen Brotes. Aber vielleicht dauert er nicht mehr lang. Ich rechne mit einer RebeUion..." Diese Karte gelangte natürlich nicht in die Hände des Adressaten, sondern wnrde in der Kom« p'agnickanzlci, di« di« Post für die Soldaten in Empfang nimmt, zurückbehalten und zum Gegenstand einer Strafanzeige gemacht. Heute war Marie R a d a vor den» Senat Toman angeklagt deS Vergehens nach Paragraph 18 deS SchuhgeseheS wegen staatsgefährlicher Aufreizung, begangen durch die Prophezeiung der„Rebellion" und Staatsanwalt Dr. Svoboda vertrat weiters die Ansicht, die Angeklagte habe untvahre Nachrichten verbreitet, die geeignet seien, die„öffentliche Ordnung und Sicherheit" zu gefährden. Marie Rada war znr heutigen Verhandlung nicht erschienen. Wie aus den Protokollen hervorgeht, hat sie sich gegen die Anklage damit verteidigt, daß das alles nicht so gemeint war; sie habe blotz ihren Bruder trösten wollen. Von der schlechten Behandlung der Pilsener Soldaten habe sie durch Bekannte erfahren. Das Gericht verurteilte die Angeklagte in ihrer Abwesenheit zu zehn Tagen strengen Arrestes, und-war unbedingt. rb. Kunst und Wissen Vom Prager Deutschen Theater Das Reue Deutsche Theater eröffnet Donnerstag, den 6. September,mit„F i d elio".— Freitag: Erstaufführung„Der Vogelhändler".— Samstag, neuinszeniert:„Othello" von Shake« spearc. Sonntag„Der V o g elh ä n d l e r". Die Kleine Bühne eröffnet am Mittwoch, den 5. September, mit einer Aufführung von „Hedda Gabler".— Donnerstag«Strast e n m u s i k".— Freitag Uraufführung der Clown-Komödie„Trost und Lobby"(„Das Haus der tausend Nuancen").— Samstag neuinszeniert„B n n b u r y".— Sonntag„Trotz i n d Tobb y". Die erste Prämienvorstellung ist für die Serie D die Neuinszenierung von„Hedda G a b l e r" am 5. September. Karten müssen bis heute 1 Uhr mittags behoben werden. Die Serie A erhält die nächste Aufführung von„Hedda Gabler", die Serie C die Uraufführung von„Trotz und Lobby" am 7. September und die Serie B eine der ersten Wiederholungen von„B u n b u r Y" als Prämienvorstellungen. Die genauen Termine für die Serien A und B werden noch rechtzeitig bekanntgegeben. Die Plätze zu diesen Prämienvorstellungen werden gegen Vorweis• der Abonnementskarte yus- gefolgt. Auf zahlreiche Anfragen teilt die Direktion mit, datz Novitäten an volkstümlichen Montagen nicht mehr gegeben werden. Es kommen überhaupt nur noch wenige volkstümliche Montagsvorstellu n g e n in Frage, in erster Linie, während des Monats September, da ab Oktober die Montage an Organisationen ZEITUNG vergeben werden sollen, und zwar als vollkommen geschlossene Vor st ell ungen. Dagegen sind billige Auffiihrungen, ebenso wie bisher, an Sonntäg-Nachmittagen geplant. Eine Bruckner»Gemeinde in Prag wurde am Vorabend, des 110. Geburtstages Anton Bruckners gegründet. Die Vereinigung! die nicht die erste ihrer Art im Gebiete der Republik ist und ein weiteres Glied der weitverzweigten, über 6000 Mitglieder zählenden Internationalen Bruckner-Gesellschaft darstellt, macht sich zur Hauptaufgabe die Pflege der Werke des grossen Sinfonikers rind die Förderung ihres Verständnisses. Insbesondere soll durch Ein- flutznahme oder eigene Veranstaltungen der allzu enge Kreis der auf den Programmen stets wiederkehrenden Werke getveitet werden. Dem Gedenken an Anton Bruckners 110. Geburtstag am 4. Septeniber sind zwei Veranstaltungen des Prager Rundfunks geividmet. In der deutschen Sendung spricht um 18.30 llbr Dr. Herbert Hiebsch über das Thema „Anton Bruckner und Böhmen", in der Abendsendung dirigiert K. B. Jiräk die siebente Sinfonie des Meisters. Der erste Kongreß der Sowletschristftrller in Mo-ka«, der am 17. August eröffnet worden war und an dem 801 Delegierte von 62 Nationen teilnahmen, wnrde Sonntag geschlossen. Die Haupt- 'Sport ♦ Spiet ♦ Prag gewinnt gegen Pilsen 83,5:74,5 Die Prager Arbeiter-Leichtathleten in der DTJC. führend.— Zwei neue DTJ-Brstleistungün. Der leichtathletische Kreiswettkampf Prag— Pilsen, der am Sonntag in Pilse n stattsand, endete mit dem Siege der Prager Leichtathleten. Die Veranstaltung, welche auf dem Stadion der DTJ Pilsen l vor sich ging, wies einen guten Be- üch auf. Die Teilnehmer wurden zu Beginn der Kämpfe von dem Bürgermeister. Abg. Genossen L. P i k begrützt. Die Organisation klappte und die einzelnen Wettkämpfe gingen flott von statten. Zwei neue DTJ-VerbandSbestlei» stungen geben Kunde von dem Können der aufstrebenden tschechischen Arbeiter-Leichiathletik. lieber 1800 Meter siegte Kolin(DTJ Radotin) in 4:20 Min. und verbcfferte damit die alte Bestleistung. Am Dreisprung kam Goth(DTJ St. Vysokany) auf 18.26 Meter. waS gleichfalls eine neue Marke darstellt. Die Ergrdniffe. Männer: 100 Meter: 1. Pokorny(Pilsen) 11.7, 2. Sandtner(Prag) 11.8, 8. Schuster(Prag) 12 Sek.— 200Meter:l. Brzicky(Prag) 24.6, 2. Sindler sen.(Pilsen) 24.7 Sek.— 4 0 0 M e- ter: 1. Holubee(Pilsen) 88.0, 2. Cerny(Prag) 66, 3. Schuster 86.8 Sek.— 800 Meter: 1. Karafiat(Prag) 2:08.0, 2. Kraft(Pilsen) 2:11.2 Min.— 1600 Meter: 1. Kolin(Prag) 4.20, 2. Kraft 4:23.2 Min.— 5 0 0 0 M e t e r: 1. Ko- tovsky(Pilsen) 17:18.1, 2. Tomasek(Pilsen) 17:32.2, 8. Cernuska(Prag) 18:05 Min.— 4X100 Steter: 1. Prag 46.0, 2. Pilsen 47.8 Sek.— Olympische Staffel: 1. Prag 3:54.8, 2. Pilsen 8:50.2 Min.— Kuge l>: l. Saitz (Prag) 12.17, 2. Schöps(Prag) 12.14,'8. Cigler (Pilsen) 12.08 Meter.— Diskus: 1. Zitek (Prag) 84.48, 2. Bejkek(Pilsen) 88.52 Meter. — Speer: 1. Bruha(Pilsen) 45.87. 2. Cerny 42.07, 8. Schuster 41.80 Meter.— Schlenderball: 1. Jelinek(Pilsen) 40.82, 2, Bezchleba (Prag) 46.28 Meter.— Weitsp rung: 1. Ho- lubec 6.51(4, 2. Sindler sen. 6.41, 8. Brzicky 6.35 Meter.— Hoch sp rung: 1. und 2. Smrcka (Prag) und Suda(Pilsen) 1.66 Meter.— Dreisprung: 1. Goth(Prag) 18.26, 2. Makovee (Pilsen) 12.46 Meter.— Stabh och: 1. Ravratil (Prag) 2.04, 2. und 8. Zajikek Prag) und Rydl (Pilsen) 2.84 Meter. Frauen: 6 0 Steter: 1. Blazkovä(Prag) 8.5, 2. Hrubä(Prag) 8.6. 8. Kubanovä(Pilsen) 8.0 Sek.— DiSkuS: 1. Cadovä H.(Pilsen) 26.07, 2. Kubanovä 24.28 Meter.— Weit- sprung: 1. Maznrova(Pilsen) 4.28, 2. Kubanovä 4.28 Meter.— 4 X 5 0 Meter: 1. Prag 20.1, 2. Pilsen 20.5 Sek.' Hazena der DTJ. Die Bhöehrader Mannschaft schlug, obwohl sie nicht komplett antrat, die DTJ Kosik mit 10:8(8:1).— DTJ Radlih gewann gegen DTJ Weinberge 8:2, die Weinberger Reserve 7:6 und die Frauen trennten sich unentschieden 4:4. Tschechoslowakei—Jugoslawien 3:1(3:0) Den am Sonntag in Prag ausgetragenen Futzballänderkampf gewann die Tschechoslotvakei verdient, deren Mannschaft in den ersten 80 Minuten ein ausgezeichnetes Spiel vorführte, dem die Jugoslawen machtlos gegenüberstanden. Rach diesen 80 Minuten, in denen auch die drei Tore fielen, war aber zu ersehen, datz cs keine Steigerung mehr geben wird und die zweite Hälfte brachte denn auch ein schwaches Spiel der Heimischen. Die Ueber» rumplung der Gäste, die wahrlich kein schlechtes Spiel vorführten, war gelungen und hätten diese nach der Pause eine bessere Zusammenarbeit im Sturm gezeigt, so wäre Wohl das eine oder aridere Tor noch zu erzielen gewesen. Bei den Heimischen war der Sturm zu Anfang ausgezeichnet, erging sich aber später in Einzelaktionen, die zu keinem Resultat führten. In der Halfreihe zeigte Boukek ein schönes Spiel und in der Verteidigung war neben dem alten Zeniöck der(Pretzburger Dauöik eine Ueberraschung. Patzelt im Tor war gegen den einen anerkannten Treffer machtlos, sonst bewies er sein Können. Bei den Jugoflawen waren Schwä- referate erstatteten: Maxim Gorkij über die sowjetrussische Literatur, Radek über die internationale Literatur und Bucharin über die lyrische Poesie. An dem Kongretz nahmen sämtliche bedeutenden Sowjetschriftsteller teil. Ausserdem waren zahlreiche ausländische Literaten als Gäste zugegen. ü«r Film Des» Geheimnis G BOB Eine Detektivgeschichte des verstorbenen Edgar Wallace, die„Der Geist deS John Holling" hieb, erzählte von einem vergifteten und von einem erhängten Kapitän— auf einem Schiffe, das noch dadurch an Reiz gewann, datz es das Geheimnis der elektrischen Fernsteuerung in sich barg, an dem die ausländischen Grotzmächte, die in keiner besseren Kriminalgeschichte fehlen dürfen, ein brennendes Jntereffe hatten. Da das bewutzte Schiff überdies auch noch von verdächtigen Gestalten wimmelte, deren harmloseste natürlich der Mörder und Spion war, kam alles, wie es bei Edgar Wallace kontmen mutzte: der unerfahrene Leser verdächtigte alle, nur den Täter nicht. Datz die amerikanische Filmindustrie dem toten Romanfabrikanten Wallace auch im Grabe keine Ruhe lätzt, kann ihr leider niemand verbieten. Aber datz man die verfilmten Wallaciadcn dann auch noch über den atlantischen Ozean transportiert, um sie hier bei unS aufzuführen, das darf man wohl doch als übertriebenen Eifer bezeichnen. Mötpcrp/fege chen im Sturm, Half uud Verteidigung unverkennbar; nur die Tormänner waren sehr gut, trotzdeni der erste— Jaköic— drei Tore nicht verändern tonnte. Schiedsrichter war der itngar Jvancicz, mit dessen Entscheidungen keine Partei zufrieden war. Ten Jugoslawen versagte er zu Unrecht die Aner- kennnng eines zweiten ToreS nach der Pause. Die Tore der Tschechoslowakei erzielten Rejedly, Sobotka und Junek; für Jugoslawien lvar Sekulic erfolgreich. Eigentümlich wirkt eS, datz der VcrbandSkapi- tän der CsAF. kurz vor Schluss ohne Grund zwei frische Spieler ins Feld gah und ztvar Faczinek und Üambal. Beide zeigten nichts, der erstere nur Fouls. Jin Vorspiel siegte das Jngcnd'team des Mittelböhmischen Gaues über das des Ostgaues mit 2:1(2:0).—en— Kolin gegen Han» 2:0(1:0), Nach dem am Samstag abgesagten Städtespicl Prag—Hana fand an: Sonntag in Kolin die Begegnung Kolin— Hana statt. In der Koliner Mannschaft waren einige Prager(!) Spieler tätig. Kolin gewann verdient. Bei den Mährern war nur die Verteidigring gut. DSB. Saaz gegen Cechie Karlin 2:0(0:0). Verdienter Sieg der Saazer über die hart spielenden Prager, von denen einer wegen Roheit ausgeschlossen wurde. Trpliher FK. gegen Karlsbader FK. 5:4(2:3). Die Tepliher traten ohne Pabelt, Roth und Zosel an und gewannen trotzdem verdient. Bei den Karlsbadern führte die ganze Mannschaft ein schwaches Spiel vor. DFC. Prag gastierte Sonntag in G a b l o n- und erreichte trotz technischer Uebertegenheir und schtvacher Verfassung des BSK. nur ein Unentschieden von 1:1(1:1). Die mittrlböhmische Division absolvierte am Sonntag folgende Spiele: CAFC. gegen Cechosiovan Koöil 4:1(2:0), Cechie VIII gegen«K. Libeü 4:8 (8:2), Meteor VIII gegen SK. Lissa 8:2(2:0), Sparta Koöik gegen SK'. Randnitz 4:2(2:1). Jit der Division Böhmen-Land griff an: Sonntag zun» ersten Pt al der- SK. Nachod ein. Die Ergebnisse sind: SK. Nachod gegen SK. Königgrätz 1:0(l.:0), CSK. Budweis gegen Jungbunzlauer SK. 2:1(1:1), SK. Kopisty gegen SK. Rokitzan 2:1(2:1), SK. Pctkin Pilsen gegen SK. Königinhof 8:2(8:1). SK. Rakonitz gegen SK. Bardubi> 4:0(8:0), SK. Hokowitz gegen Olympia Pilsen 8:1.' Norwegen gegen Finnland 4:2. Dieser am Sonntag in O s l o ausgetragene Länderkämpf endet». überraschend zugunsten der Norweger. Den Kampf leitete der bekannte dänische Tennisspieler lklrich. Sonstige Fnhballergebniffd. Beraun: Cesky Lev gegen Sportbrüder Praa 5:3(4:2).— Pilsen: SK. gegen Viktoria Zijjkov 6:2(8:1), Viktoria gegen SK. Pisek 4:1(1:0).— Brüx: Schwalbe gegen DFK. Komotau 6:2(4:1).— Lobo s i tz: FK. gegen DFK. Aussig 3:1(2:1),— Teplitz: VfB. gegen DSK. Dux 7:1(2:1).— Gablonz: DSK. gegen WarüSdorfer FK. 8:8 (1:1).— B.- Leipa: DSV. gegen SK. Grot- tau 5:1(8:0).— Reichen berg: RFK. gegen SpVg. Bodenbach 8:2(1:0), DSV. gegen DSB. Trautenau 4:4(0:2).— Brünn: Slot. Slavia gegen Hufsowitz 1:0.— Troppau: DSV. gegen Han. Slavia 11:1.— Pretzburg: Wiener Sportklub gegen CSK. 8:1(8:0).— Budapest: 8. Bezirk gegen Somogy 2:2(1:1) Kispest gegen Soroksar 1:0(0:0), Attila gegen Szeged 2:1 (1:1).— Wien: Admira gegen FC. Wien 4:0 (2:0). Rapid gegen Liberias 7:1(8:1), Hakoah gegen FAC. 8:2(1:1), Wacker gegen WAE. 2:2 (1:1).— Berlin: Hamburg gegen Berlin'4:1. Tschechoslowakei—Oesterreich 69:61 . In B.- BudweiS fand am Sonntag der leichtathletische Länderkämpf zwischen Oesterreich und der Tschechoslowakei statt, welcher zwar mit dem Siege der Heimischen endete, aber finanziell einen Mitzerfolg brachte. In'den Rahmenkönkurrenzen erzielte die Sportlerin Pekarovä im Kugelstotzen mit 12.44 Metern einen neuen tschechoslowakischen Rekord. Dieselbe Sportlerin gewann auch die 200 Meter i» 27.0 Sek. und das Diskuswerfen. mit 88.22 Metern. Eine autzerhalb des Länderkampfes gelaufene Olympische Stafette gewann die Tschechoslowakei in 3:34 vor Oesterreich in 8:88 Min. In der österreichischen Mannschaft.waren auch ehemalige Arbeitersportler tätig, und zwar u. a. C o u f a l und Wotapek, die offenbar ihren Frieden mit den österreichischen Henkern geschlossen haben. Die Ergebnisse des Länderkampfes: 800 Meter: 1. Rosicky(Tsch) 2:01, 2. Pugel (Oe) 2:01.8 Min.— Kugel: 1. Douda(Tsch) 15.28. 2. Coufal(Oe) 14.88 Steter.— Stabhoch: 1.—8. Ruber, Proksch(beide Oe), Svoboda(Tsch) je 8.60 Meter.— 400 Meter: 1. Knknicky»(Tsch) 50.6, 2. Hruska(Tsch) 51.2, 8. Leitner(Oe) 51.8 Sek.— Weitsprung: 1. Geisler(Oe) 6.75, 2. Po- lame(Tsch) 6.74 Meter.— 100 Steter: 1. Hejduk (Tsch) 11.2, 2. Berger(Oe) 11.5 Sek.— 110 Steter Hürden: 1. Leitner 15.4, 2. Landmaier(Oe) 15.5. 8. Komanek(Tsch) 16 Sek,— Hochspruna: 1. Kratky(Tsch) 1.85, 2. Schwertberger(Oe) 1.80 Meter.— 1500 Steter: 1. Hosek(Tsch) 4:07.5. 2. Puchberger(Oe) 4:08 Min.— DiskuS: 1. Janausch (Oe) 44.68, 2. Wotapek(Oe) 48,01, 8. Knotek (Tsch) 42.86 Steter.— 5000 Meter: 1. Koskak (Tsch) 15:84.9, 2. Hron(Tsch) 15:37.8, 8. Leitgeb(Oe) 15:48.6 Min.— Speer: 1. Mala(Tsch> 58.62. 2. Bezwoda(Oe) 57.88 Meter.— 4X100 Steter: 1. Tschechoslowakei 44.2, 2. Oesterreich 44.7 Sek. Deutschland in der Leichtathletik geschlagen Sl!t einer Ueberraschnng endete der am Samstag und Sonntag in Stockholni ausgetragene leichtathletische Länderkampf Schweden—Deutschland. Zum ersten Male gelang es. die Deutschen, welche in Europa in dieser Sportart den Ton angeben, wenn auch knapp, zu besiegen. Die Hitleri- sten kamen in ihrer derzeit stärksten Anfstellung, d. h. mit allen Stars— und cs nützte nichts! Die wahre und echte nordische Rasse feierte ihren höchsten Triumph l Die lvichtigsten Ergebnisse: 200 Steter: Borch« mayer(D) 21.8 Sek.—400 Meter: Mctzner(DI 47.9 Set.. 2. Wachenfeld(Schw) 48.2 Sek.— 800 Sieter: Ny(Schw) 1:50.4 Min.— 5000 Meter: Syring(D) 14:54.4 Stin.— 110 Sieter Hürden: Petterson(Schw) 14.9 Sek.— Kugel: Woelke(D) 15.26 Meter.— Hochsprung: Weinholtz(D) 1.91 Meter.— Weitsprung: Leichum(D) 7.65 Steter. — 100 Meter: Borchmayer 10.7 Sek.— 1500 Steter: Ny 3:55.2 Min.— 10.000 Meter.: Syring 81:42.8 Min.— 8000 Meter Hindernislauf: Lar- son(Schw) 9:19.6 Min.— 400 Meter Hürden: Scheele(D) 54.2 Sek.— Diskus: Andersson (Schw) 49.97 Meter.— Speer: Atterwald(Schw) 66.14 Meter.— Hammerwerfen: Janson(§chn>) 51.57 Meter.— Dreisprung: Svenfon(Schwl 14.68 Meter.— Stabhoch: Lundberg(Schw) 3.90 Meter.— 4X400 Meter: Schweden 8:16.8 Min,' «Öltet durch Pras--Gch«immen Sonntag wurde bei kaltem Wetter und ebensolchem Wasser das Schwimmen„Huer durch Prag" ausgetragen, an dem 22 Bewerber teilnahmen, von denen 17 das Ziel erreichten. ES siegte in der Hauptklaffe der Brünner Schön in 41:88.6 Alin, vor dem Prager Koutek in 43:24.— Bei de« Frauen gewann Slezakovä(Sparta Prag) in 55:17.1 Min. Auch in Paris fand Sonntag dieselbe Konkurrenz statt, an der 331 Schwimmer und Schwimmerinnen teilnahmen. Die Strecke war acht Kilometer lang. Erster wurde der Franzose Taris in 1:50.47 Std. vor dem Italiener, Costolli und dem Ungarn Halassy, welche je 1:55.20 benötigten. Motoerndrennen um den »Goldenen Sturzhelm" Ei« Toter und Verletzte. In Pardubitz wurde Sonntag auf der Rennbahn das Motorradrennen um den„Goldene» Sturzhelm" durchgeführt, das erstnials einen TodeS- sturz zu verzeichnen hat. Der holländische Fahrer Poldervaart flog über den gestürzten tschechischen Fahrer Dohybal und konnte nur als Toter geborgen werden. Vormittags brach sich bei einem Sturz der Deutsche Roth ein Bein und kam ins Spital. Das Rennen wurde trotz dem Todesfall fortgesetzt. De» „Goldenen Sturzhelm" gewann diesmal der Holländer Van Dijk, der im Endkampf siegte. Die Ergebnisse: Bis 175 cemr t Winkler- Dentfchland(DKW) 10:38.4, 2, Lucak-Tschechoslo- wakei(DKW) 10:89.4.— Bis 250 ccm: 1. Schörg- Oesterreich(Ardie) 9:58.2, 2. Bertram-Deutschlastd (Dudge) 9:54.1.— Bis 850 ccm: 1. BoSmann- Holland(Velocette) 9:04, 2. Hubmann-Oesterreich (Belocette) 9:06, 8. Juhan-Tschechoslowakei(Ja- Iva) 9:07.2.— Bis 600 ccm: 1. Van Dijk(Eysink) 8:44.2, 2. Hartman-Holland(Excelsior) 8:45.8.—« Finale: 1. Ban Dijk 8:55.8, 2. Gunzenhauser« Deutschland(Rudge). 8. Hartmann-Holland. 4. Bertram-Deutschland. 5. Hubmann-Oesterreich. Der Sieger fuhr eine Stundengeschwindigkeit von 119 Kilometern. I— I■———— Vcrclnsnadirldtfcn Allgemeiner Angestelltmveriaud, Ortsgruppe Prag. Mittwoch, den 5.September, Monatsversammlung mit Vortrag des Koll. Obm. Bergmann: „Ueber das neue PensionSversicherungSgeseh". Anfang 8 Uhr abends. Ort: Odborovh düm, Perstym Amtsstunden jeden Slitttvoch von 6—8 Uhr in dek Kanzlei(Rärodni ttida 28. 8. Stock). An diese« Abend wird jedoch nur bis 7 Uhr amtiert. AtuS Prag. AuSschutzsitzung, Slittwoch, den 5. September, um halb 8 Uhr abends im alter. Lokals Smekka 22. Kommt vollzählig und pünktlich! Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich AL 16.—, vierteljährig Ai 48.—, halbjährig AL 96.—, ganzjährig AL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen PreiSnachhtz.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft« und LeSegraphendixMoumit EchassRr.lfi.800/jVll/lM)chewLigt. Druckerei:„Orbis". Druck«, Verlags-.und ZeitungS-A^G., Prag.