BaiaHm* 70 MfMr (•IntcMIHHdiS Htttar FmM DWMWMW IENTRALORGAN|i DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI»■ IN DER 1SCHECHCSI0WAIUSCHEN REPUBLIK RSCHBNT MIT AUSNAHME MS MONTAG TÄGLICH FRÜH. MDAKTION UND VERWALTUNG MAG XII..SOCHOVA*2. WFON S3V7. ADMINISTRATION TELEFON 53074. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURt DR. EMIL STRAUSS, FRAG. 14. Jahrgang Mittwoch, 5. September 1934 Nr. 207 Stenzls Anklage gegen Die deutsche Gewerbepartei Im Kampfe gegen den fasdstlschen Totalitätsanspruch der Helmatfront— Stenzl war als Vermittler gut, als Partner zu schlecht— Also doch Vereinbarungen Spina—Henlein—Zlerhutl Henlein Arbeitslosenziffer um| 0,5 Prozent gestiegen• In den historischen Lindem noch eine geringe Abnahme Prag, 4. September. Das Fürsorgemini-! sierium veröffentlicht heute die provisorische« Ziffer« über die Arbeitslosigkeit Ende August.! Demnach betrug die"Zahl der Arbeitslosen, d. h. derjenige«, die sich bei den öffentlichen Arbrits- »ermittlungsömtern meldeten, jedoch nicht untergebracht werden konnten, nach der vorläufigen Zählung 572.368. Ende Juli 1034 betrug die Zahl der Arbeitslosen nach der definitiven Zählung 560.450. Gegenüber dem August des Vorjahres ist die Zahl der Arbeitslosen diesmal um 83.470, das ist um 8.6 Prozent geringer. Vergleicht man die August- mit den entsprechenden Juli-Ziffern aus den letzten fünf Jahren, so ist festzustellen, daß die Zahl der Arbeitslosen von Juli bis August im Jahre 1930| noch um 10.696 Personen, das ist um 13.8 Prozent, im Jahre 1981 um 4132 Personen, das ist um 2.0 Prozent, im Jahre 1932 um 7658 Personen, das. ist. um 1.7 Prozent, gestiegen ist, während im Jahre 1933 die Zahl der Arbeitslosen, von Juli bis August noch um 14.524 Personen oder um 2.3 Prozent g e.s u n k e n ist. Im AugUst 1934 zeigt sich aber bereits ein Anstieg der Arbeitslosigkeit nm 2916 Personen oder um 0.5 Prozent. Die Ursache dieses Anstieges der Arbeitslosenziffer ist i n d e r Slowakei zu suchen> während in den historischen Ländern sowie auch in Karpathorußland die Zahl der Arbeitslosen sich fast nicht, geändert hat: In den historischen Ländern ist die Zahl der Arbeitslosen sogar noch um etwas geringer als im Juli d. I.-' Erhöhung der Brotration für Arbeitslose Bei der Brotaktion für Arbeitslose wurde die Hienge des verteilten Brotes bei ledigen Personen auf, 1,50 Kilogramm und bei Familienvätern auf drei Kilogramm wöchentlich erhöht. Anspruch auf die Zuteilung haben auch Personen, die Arbeitslosen-Unterstützung genießen, soweit diese Unterstützung nicht höher ist, als diejenige aus der staatlichen Ernährungöattion. Die notwendige Getrcidemenge für die Brotaktion wurde eben den einzelnen Bezirken für weitere fünf Wochen zugewiescn. Schuschniggs Braunbuch Warum wird es nicht überreicht? . i Der österreichische Bundeskanzler Hat mitge- ieilt, daß die Regierung das Braunbuch zwar fertiggestllt Habe, aber es iir Genf nicht überreichen Werde. Nur wenn sie durch das Verhalten Deutschlands dazu, gezwungen würde, mit Beweisen zu .kommen, würde sie die Dokumente über den 25. Juli veröffentlichen oder dem Völkerbund überreichen. Merkwürdig zartfühlend sind diese sonst so robusten österreichischen Staatsmänner an der Bahre Dollfuß' geworden. Sie könnten der Welt beweisen, daß Deutschland den Putsch organisiert hat, qber sie tun es nicht, sondern bedeuten Berlin mit einem Augenzwinkern, daß sie dicht halten würden, solange Berlin... die österreichische Unabhängigkeit achtet? Aber leine Spurl Solang e B e r l i n ü b e r d i e H i n t e r m ä n- ner des Putsch es Schweigen bewahrt, die heute noch zu Wien in Amt und Würden sind. Herr Schuschnigg hat einfach Butter auf dem Kopf. Er weiß genau, daß Goebbels auf Fey vielleicht noch wehr weiß als er selbst und her Polizeipräsident Skubl, Da er aber den Fey so wenig opfern kann wie Hitler den Goerjng, zieht er es bor, sich mit Berlin'gut zu. stellen und niit Goeb- belö?nür ein wenig Gücki-gucki zu machen. ES" bleibt nur die Frage, was Europa zu dem neckischen Spiel, der braven Kinderchen sagt^ Wenn zwei sich streiten, erfährt der Dritte die Wahrheit. Ueber die Verhandlungen und Vereinbarungen zwischen dem Führer der SHF Konrad Henlein und den Vertretern der Gruppen, die den Ständegedanken propagieren— Landstand, Städtebund für Handel und Gewerbe— schwebt ein mystisches Dunkel. Der Schleier über das projektierte Zusammenarbeiten der verschiedenen Ständegruppen wurde etwas gelüftet in einer öffentlichen Versammlung des Ständebundes sür Handel und Gewerbe in A u s f i g, in der Abg. Stenzl das Referat übernommen hatte. Zu der Versammlung hatten sich zahlreich Anhänger der SHF einge- funden. zum größten Teil jüngere Leute, die weder dem Handels- noch dem Gewerbestande angehörten,•, Das Auftreten der Heimatfrontler bewies erneut, daß sie nicht gewillt sind, ihr Ziel mit demokratische« Mitteln zu erkämpfen, daß sie vielmehr nach berühmten Mustern Mittel anwenden wollen, von denen' Wed??' Handel noch Gewerbe profitieren können. Der Wg. Stenzl wurde durch das Auftreten der hakenkreuzlerischen Heimatfrontler, die den B o r s i tz in der Versammlung verlangten, in die Defensive gedrängt, und als ihnen ein Redner in etwas erregten Worten den Spiegel vorhielt und von derParteiderunbekanntenPer- sön lich leiten sprach, verließen die Hen- leinjünger mit„Sieg Heil!"-Rufen den Versammlungsraum. Das Referat Stenzls war ganz auf Abwehr eingestellt. Er sprach viel von der Einigung des sudetendeutschen Volkes, und in dem Bestreben, den Nachweis für den Willen zur Einigung zu erbringen, schilderte er seine Verhandlungen mit Konrad Henlein. Am 5. Oktober 1033, am Tage nach der Einstellung der Nazipartei, hat Herr Stenzl nach seinen eigenen Angaben eine Unterredung mit Konrad Henlein in Eger gehabt und hat ihn die Notwendigkeit einer berufsständischen Gliederung auseinandergeseht. In dieser Unterredung hatStenzl darauf hingewiesen, daßdieMitglrederd er aufgelöst en Part ei en, diekein Obdach hatten, gesammelt und in die drei Berufsstände, den Bauernstand, den Gewerbestand und denArbeiter- stand eingegliedert werden müßte n. Dieser Plan ist einmütig gebilligt worden.' Heulein hat Briefe an den Ministerpräsidenten, den Innenminister. Cerny und den Minister S p i n a gerichtet, die angeblich nicht beantwortet wurden. Das Angebot, für Henlein zu organisieren, habe Stenzl abgelehnt. Auf Bitten Henlein» hat er es unternommen, Paris, 4. September. Der römische Berichterstatter des„Matin" meldet, daß.sich Italien entschlossen habe, Handelsrepresialien gegen.Deutschland zu ergreifen. Deutschland hat nämlich" das Abkommen gekündigt," das die Zahlung! von Handelslieferungen in Lira»»der Francs gestattet, und fordert ausschließlich Z a h- 'l ust g i«-Mmr L.Die italienisch-deutsche Han- ihn mit Spina zusannnenzuführen, angeblich, um zu einer Volksgemeinschaft zu kommen. Zu dem Erlaß einer Kundgebung, daß man sich gefunden habe, wollte Stenzl seine Zustimmung nicht geben, bevor er die Meinung der ReichSpar- teilcitung gehört, habe. Minister Spina wollte Henlein empfangen. Henlein kam aber aus unbekannten Gründen nicht zu Stenzl. Als Stenzl bei Spina war, rief Henlein telephonisch an, daß er den Minister sprechen wolle. Sein FerMeiben entschuldigte Henlein zunächst damit, daß er kein Auto bekommen habe und., später erklärte er, e r w o Ile M i n t st er Spina zum e r st e n Ma le allein sprechen. Noch für denselben Tag vermittelte StenFl eine private Zusamiy.cn- kunft zwischen Spina und Henlein. Die späteren Verhandlungen fanden ohne Stenzl statt. Nach den Angaben Stenzls war Spina Treuhände r.beider Parteien. Der Schlußefsekt war der, daß Henlein in einer offiziellen AuS- sprachr'erklärt-iT's'sei ein M ißv erstän d- njs gewesen, daß drei Gruppenge- sch affen werden sollten, der Ständebund für Handel und Gewerbe könne niemals selbständig bleiben. Dann trennten sich anscheinend die Wege, obwohl Stenzl angcboten wurde, die Organisierung des Handels- und GcwerbestandeS zu übernehmen.. In der erwähnte» offiziellen Aussprache wurde ein Dokument angefertigt, das von Minister und Vizepräsident Zierhut unterfertigt wurde. Das Dokument ist im Besitze Stenzls, er bot Interessenten sogar die Einsichtnahme an. I n dem Dokument ist die mündliche Vereinbarung fest geh alt en, daß Henlein weder be i den Bauern noch bei den Gewerbetreibenden werben darf. Es ist also nach den Angaben Stenzls nach allen Regeln der Kunst gepackelt worden. Der 'Debatteredner-'der SHF,.May, Niedergrund, behauptete sogar, ohne daß ihm widersprochen wurde, daß auch Vereinbarungen über die Verteilung der Mandate getroffen wurden. Stenzl hat diese Enthüllungen zweifellos aus Notwehr gemacht. Denn■ seine kleine kleine Partei soll als erste dem fascistischen Totali- tätsanspruch des Herrn Henlein zum Opfer fallen. Zum Dank dafür, daß Stenzl dem Henlein die ersten politischen Gehversuche ermöglicht hat, wollen jetzt die Mannen von der Heimatfront die Versammlungen der Gewerbcpartei unter Terror sehen.— Wie wir aus guter Quelle erfahren, beabsichtigt die deutsche'Gewerbepartei, die nächste Attacke der Heimatfront mit der P u b l i^k a t i o n des v o l l e n Wortlautes der schriftlichen Vereinbarungen der Ständepolktiker zu beantworten. Wir sind neugierig, ob darin tatsächlich auch schon-von der M a n d a t s v e r t e i Tu n g bei den nächsten Wahlen die Rede ist. delsöikanz,, welche für Deutschland ein Defizit aufwies, sinke jetzt immer mehr. Aist meisten, traf aber Italien der. Umstand, daß seitens der deutsche» Regierung Maßnahmen auch bezüglich der Touristik getroffen, wurden. Die-deutschen'Touristen durften' bisher nach Italien außer 50 Mark.«och. einen Scheck auf 500 Mark mitführen, welch letztere Bewilligung nunmehr aufgehoben wurde. Klarheit tat not! I. Die Sudetendeutschen am Scheidewege Rechnet man die Deutschschweizer mit ihrer uralten Sonderstellung und dos Saarland ab, so sind die Sudetcndeutschen die. einzige Gruppe im geschlossenen Volksblock Mitteleuropas, die noch nicht dem FaseiSmus verfallen ist. Abstufungen etwa zwischen der Diktaturform in Danzig, im Reiche und in Oesterreich, fallen nicht inS Gewicht. Die Welt steht vor dem Phänomen einer Lähmung de» deutschen FrciheitswillenS— der, vereint mit französischer Staatskunst, im Schweizer Staa- tcnbund die volkstümlichste Demokratie des europäischen Festlandes schuf—, einer Trübung de» deutschen KulturbewußtseinS, ja einer Nieder- ringung des Menschlichen im deutschen Volkscharakter dieser Tage. Denn daß sich Hitler die Macht erschleichen konnte und sie mit den ungewählten Mitteln moderner Diktaturausübung zunächst behauptet, ist wohl in der politischen, nicht aber in der geistigen Betrachtung der entscheidende Tatbestand. Da kann man noch immer das UcberrumPelungSmoment in Rechnung stellen, die organisierte Lüge und die wqffcnschwrre Gewalt. WaS in höchstem Maße bedenklich stimmt und keineswegs nur mit der Brutalität de» Be- hauptungswillcnS der kapitalistischen Führungsschichten zu erklären ist, daS ist d a S g e r i n g e Maß moralischen Wider stände», welches die Deutschen außerhalb des Reiche» gegen die faseistische Schändung und Vergewaltigung des deutschen Volke» aufbrin» g e n. Wahrlich, man könnte an den Menschen irre werden angesichts der niederschmetternden Tatsache, daß die Schande der deutschen Konzentrationslager in Holland, in England, in Skandinavien und in Amerika bis tief in bürgerliche Kreise hinein ehrlichen Abscheu weckte, während sich z. B. unter den Sudetendcutschen außerhalb der sozialistischen.Arbeiterschaft und einiger Ein- zclgängcr noch keine Stimme dagegen erhoben hat. Der deutschklerikale Protest, welcher die reichsdeutschen Konzentrationslager ablehnt und die österreichischen Anhaltelagcr verteidigt oder zumindest billigt, vermag moralisch nicht in die Waagschale zu fallen. Abgründe eine» sittlichen Verfalles tun sich auf, wenn man in Gesprächen immer wieder vernimmt, mit welcher Schamlosigkeit sogenannte nationale Kreise den politische» Massenmord an eigenen Volksgenossen verteidigen. Im Kriege standen sich die Nationen auf Tod und Leben verkämpft gegenüber, ab« über die Stacheldrähto spannen sich immer wieder Fäden der Menschlichkeit. Zu Weihnachten haben sich an der Front Deutsche und Russen^ Italiener und Ocstcrreicher gegenseitig beschenkt. Ist dergleichen in einem deutschen Konzentrationslager, möglich? Vermögen die Anhänger Hitlers ihren Gegnern noch einen Funken ritterlicher Achtung zu zollen? Mit diesen Betrachtungen sind wir schon ncitten drin in der sudetendcutschen Politik. Streng genommen gibt es unter den Deutschen dieses Landes nur zwei Politische Lager: Anhänger und G e g n er Hitlers. Man wird cinwenden, Henlein sei da übersehen worden. Keineswegs. Henlein ist für seine Bekenner ein. notwendiges Uebcl, mehr nicht. Kein Diktä- tur-Anwärtcr hat bisher, in so geringem Maße die Phantasie der Massen beschäftigt. Er ist ja nicht mit Skandal und Gepolter, sondern sozusagen auf Filzpantoffeln in. die Politik eingetreten. Vergebens bemühen sich seine Knappen, die versäumte heroische'Geste-irgendwie nachzuholen und als Opfertat.zu preisen,'daß Henlein seinen bürgerlichen Posten als Turnwari aufgegeben hat, um„in die Bresche zu springen". Berufswechsel ist jedoch gerade in der Krise eine so. alltägliche. Sache, daß damit bei aller Pro- jwgandakunst kein Staat zu machen ist/DieS nur Italienische Handelsrepressalien gegen Deutschland «Ute» Mittwoch, 5. SeMemtte 1934 Jb.901 zur Kennzeichnung der Stimmungen. Henlein steht bei dm Gegnern unsere- demokratischen Regierung-systemü nicht im Mittelpunkt der Debatte. Dagegen wird im ganze» deutsche» Randgebiet täglich gestritten, ab Hitler der rechte Man» sei, oder nicht, ob cs»ater seiner Herrschaft i» Dentschland bester geworden, ob Hitler a»ch im übrigen Europa Chance« habe. Natürlich spielen auch Fragen der Innenpolitik in die Gespräche hinein, meist aber im Vergleich mit Deutschland. Auch der Massenmord vom 30. Juni hat keine merkliche Ernüchterung der sudetendeut- schen Hitlerglaubigm.gebracht. In den Rand- schichten wurde man stutzig. Einige Tage gingen auch die braunen Fanatiker mit gesenkten Köpfen herum. Nach der Hitlerrede im Reichstag hatten sie wieder Courage gewonnen. Hitler wird feit- her noch lauter gepriesen, weil er mit den„Lum» Pen" und„Verrätern" aufgeräumt habe. Und der Verrat an den österreichischen Nattonalsozialisten? Sozialdemokraten,, die darauf himveisen, erhalten die Antwort:„Ihr seid die Verräter, hättet ihr mtt den Nazis gekämpft, so gäbe e» heute ein deutsches Oesterreich." Im gleichen Atem bestreiten indes die Braunen, daß die österreichischen Nattonalsozialisten am 12. Feber die Pflicht gehabt hätten, mit dm Schutzbündlern zu gehen. Und der Verrat Mussolinis an Deutsch- land? Wird einfach nicht zur Kenntnis genommen oder mit dem Hinweis auf den neuen pol» nischen Bundesgenossen Deutschlands abgetan. Eine fürchterliche Konfusion in den Köpfen l Gegen einen Messiasglauben streiten auch poli» ttsche Tatsachen vergeben«. Die ehemaligen Mtt» glieder der Jung.Partei schwören noch immer Stein und Bein auf Hitler. Die Autorität Henlein« ist gering. Seine LoyalstätS-Betmerungm können da« nicht ersetzen, was die ausstrahlende Wirkung der deutschen Diktatur täglich bietet: die Illusion, irgendwie innerlich an einem wett» umstürzendm Geschehen beteiligt zu sein. Ein Erzieher der bisherigen deutschen Nattonalsozialisten zu polittschem Realismus kann Henldin schon wegen der Unbestimmtheft und Zwiespältigkeit seiner Auftretens nicht fein. DaS erste offene Wort gegen Hitler wäre sein politischer Tod. Vielleicht wird noch einmal die Probe aufS Exempel gemacht werden. Hat Deutschland eine« Tage« ein Interesse, die bisherige korrekte Hal» tung gegenüber der Tschechoslowakischen Republik aufzugeben, und stellt. eS Herrn Krebs ».la Habicht anS. Mikrophon, dann wird sich erweisen, daß die Leute eben lieber zum Schmied gehen als zum Schmiedl. Nicht die Masse der ehemaligen Nationalsozialisten, wohl aber manche ihrer polittsch weitblickenden Männer und vor allem gewisse bürgerliche Parasiten, die auf di?„nationale Re- volution" spekulierten, sie fühlen eS nun schon sehr wohl, daß HUlerS Stern im Sinken ist und das» sein Trckbant Henlein dabei mft untergehen wird. In diesen Kreisen ist in den letzten Wochen eine gewisse NervosftA zu bemerken. Sie bangm um die polftische Ernte des HitlerrummelS. Der Ton der Schristlefterprefse wird schärfer. Kein Ta- fast, da sie nicht Neuwahlm urgiert. Man möchte die Früchte der nattonalsozialistischen Agitation noch rasch unter Dach und Fach bringen, ehe sich der Herbstreif über die fafcistischen Zukunftsträume smkt. Dieses bornierte Bürgertum und diese gott» verlassene Intelligenz haben auch im Weltkriege bis zur letzten Woche auf da« hinkmde Pferd der Habsburger gesetzt und— verloren. Nicht auf Das Gremium des graphischen Bewerbe- im Bereiche der Egerer Handelskammer gab Formulare von Lehrverträgen au», in welchen in einem besonderen Absatz angeführt wurde, daß den Lehrlingen nach dem Lehrvertrage die Mitgliedschaft bei einer politischen Partei und auch die Zugehörigkeit zur LehrlingSorganisatton de« Buchdruckerverbandes untersagt ist. Die Karlsbader„Grahpia" strich diesen Absatz und legte den so geänderten Lehrvertvag dem Gremium zur Eintragung vor. Daraufhin schiÄe da» Gremium den Bert«»- mit der Bemerkung zurück, daß di« gestrichen« Besttmmung im vertrage bleiben m ü s s e, da sie in da- vertrag«» formular auf Grund eine- Beschluffe» der Generalversammlung de- Gremium- ausgenommen wurde. Die„Graphia" brachte durch Dr. Otto Gommer eine Beschwerde gegen da- Gremium «in, wobei sie von de» Gtundpunkt au-ging, daß der Beschlug der Generalversammlung de» Gremiums in Widerspruch zur Verfassung und zur Gewerbeordnung steht. Sie verwies vor allem auf die Bestimmung de- Paragraphen 118 G. O., wonach durch die Errichtung von Gewerbegenoffen» Gestern vormittag wurde auf dem Prager Phssosophentongreß da» Paradepferd der hitler- deutschen Delegation vorgeritten: während der »Führer" der Gleichgeschalteten. Herr Emge au» Jena(der sich noch vor vier Jahren al» Kulturbolschewist aufspielte, um dann mit einem Wahlaufruf für Hitler eine neue Karriere zu begründen) sich tag» zuvor in. der Verhandlung über „Norm und Realität" versteckt hatte,''tickt Herr Professor WillyHellpach(der 192V bei der Reich-Präsidentenwahl für die Demokratische Partei kandidierte) in der Plenarsitzung al» Redner über den„zentralen Gegenstand der Soziologie" auf, um sich auf diesem, bisher von ihm wenig beachteten Gebiete al» Hofphilosoph de» Dritten Reiche» in Empfehlung zu bringen. Wer den Mut hätte, Karl Marx an satirischer Scharfe überbieten zu wollen, der könnte angesichts einer Erscheinung wie Hellpach von neuem über da-„Elend der Philosophie" schreiben. Denn al» wär« nicht» geschehen— und ohne seinen lässig-feuilletonisti» schen Stü im geringsten zu ändern—, bekannte sich der einstige Demokrat und Mitarbeiter der „Sozialistischen Monat-Hefte" zur Rassen« t h e o r i e und-um^totalitären, in« zweideutige Loyalität-schwüre kommt eS an, so«, der» auf hie eindeutige Abkehr von Hitler und aller Diktatur- schwärmerei. Davon ist im negattvisttschen deutschen Lager noch kein Zeichen zu sehen. Die Entscheidung über die politische Orientierung de» SudctendeutschtumS muß erst auSgekämpst werden. schäften niemand beschrSnkt werden darf, soweit die Beschränkung nicht ausdrücklich in der Gewerbeordnung verankert ist. Di« Bezirksbehörde in Eger gab dieser Beschwerde, in welcher auch angeführt wurde, daß der Beschluß des Gremium» in Widerspruch zu den Paragraphen 99 a, 99 b, 99 e, sowie 14 G. O. ist, statt und fällte folgende wichtige Entscheidung: „Auf Grund der Beschwerde dar„Gra- phia" in Karlsbad»egen de» Beschluß der Generalversammlung de» Gremium»»am 18. März 1932, sowie»eg«» die Zuschrift vom 22. November 1933, durch welche den Lehrlingen de» GremiumS die Mitgliedschaft bei Politischen Parteien und in der Lehrling»- Organisation de» Buchdruckerverbandes verboten wurde, hebt di« BezirkStrhSrde den zitterten Beschluß, sowie die zitterte Zuschrift al» ungesetzlich und im Widerspruch insbesondere zu de« Paragraph«« US und 114 G. v., sowie de« Gesetze« . über da» Verein--»ad versammlung-recht stehend, auf." Gleichzeitig wie- die Bezirksbehörde da» Gremium an, den ihm vorgelegten Lehrvertrag der „Graphia" zur Kenntnis zu nehmen. tolerantenGtaat" wie zu selbstverständlichen Grundsätzen. Mit Deduktionen, die sich auf Aphorismen und Stilblüten gründeten, pirschte er sich„wissenschaftlich" an die Ideologie de» Hitler» fasciSmus heran. Au» eigener Machwollkommen« heit erllärte er zu diesem Zwecke, da» Volk(nicht die Gemeinschaft) sei der„zentrale Gegenstand" der Soziologie, da» Volk, da» eine Raturtcktsach« sei(wobei er- nicht-verfehlte, auf di« Raffe hinzuweisen, wa» er Harmloserwesse mit der» Hinweis auf Jakob Burckhardt und die Schilddrüsenfor» schung rechtfertigte). Und mit einem Sprung au» dem„Geisterreich" in»„Geistesreich", vom Geheimnis de» primitiven Zauberer» zur lieber» Menschlichkeit de» Führer» kam Hellpach prompt zutn gesteckten Ziel: da- naturtatsächliche Volk muh durch bewußte Diven-schöpfung neu geschmiedet werden— und e» schien nur ein« Höflichkeit de» Redners gegenüber dem wissenschaftlichen Ansehen de» Kongresse», daß er seine neu „gewonnene" Erkenntnis nicht mit einem Heilruf auf Hiller, sondern mtt historsschem Geplauder begründet«. Der Berliner Philosoph Ricolaitzart« mann, der dann nachmtttag» über da»„Wert« Vom Prager PhllosophenlcongreB Willy Hellpach oder das Wend der Philosophie Verhinderter Anschlag auf die politische Freiheit der Lehrlinge 42 nun BOSKNfXLD: .«kCbcjutta BN ROMAN IWBCHW TUAUM UND TAO Sie trug da» Kleid eine» Krieger», da» Schwert umgeschnallt» den Bogen über di« Schulter geworfen. „Ich will al« einfacher Krieger in deinem Heer dienen," sagte Katta. „8» ist nicht deine Schuld," sagte Hulagu. „Kein anderer wäre an deiner Stelle tapferer gewesen. Roch sind sie stärker, und ihrer List verfallen selbst di« Klügsten. Aber ich rufe alle Krieger au« dem ganzen Reich zusammen, dann werden wir sie schlage»..." Tage und Tage lag Trauer über Kasan. All« Feste waren verboten, alle Musik, und nur einsam durfte de« Nacht» eine Flöt« ihren Gesang über die Hügel schwingen lassen. „Der Tod bläst sehr Lied," sagten di« Frauen in Kasan. „Denn da» Lied de» Tode» erllingt, dann llingt e» sieben Jahre," sagten die Weisen.'/ „Sieben Jahre werfen die Schafe nicht." „Sieben Jahre tragen die Aecker nicht." „Sieben Jahre ist da» Wasser der Wolga vergiftet, und di« Fische sterben." „Sieben Jahre will ich da» Kleid der Männer tragen," sagte Katta,«da» Kleid der niedrigsten Krieger. Dann erst soll wieder der Schmuck der Frauen mich zieren, dann will ich wieder deine Tochter sein." Schweigen lag über dem Hause Hulagu», über dem Saal mtt den geschnitzten Gäulen und den Fackeln. Draußen sang einsam über Kasan die Flöt«. XU. „Ein Weib, sagst du, führte die Tataren?" Roceu Eddi« kräuselte seinen roten, flämmenden Bart.„Hatte sie heller Haar oder dunkle«?" El Amin, Führer der Affassinen von Akrod und Nachfolger Tula«, zuckte die Achseln. „Sie trug da- Keid der Krieger, wir sahen ihr Schwert, nicht ihr Haar". Roccu Eddin sann nach. Ob sie ausersteht, die Unüberwindliche» di« mtt dem Mond im Bund ist und mtt den Geistern de» Feuer»? Ob sie aufersteht in tausenderlei Gestatt, Axjutta, di« seinen Pater erschlagen? Lesse sprach er vor sich hi«: „Wenn ich nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, wie sie geblendet wurde, wenn ich nicht mtt eigenen Augen gesehen hätte, wie ihr Leib verscharrt wurde..." El Amin verstand nicht. „War sagtest du» Herr?" «Richt-, nicht-", winkt« Ro«u Eddin ab. Dann sprach er: «Rüste«in Heer gegen die Tataren, El Amin. Verfolge sie bi» nach Kasan. Bring mir den Kopf der Frau, die Tula getötet, bring mir den Kopf Hulagu-, ihre» Fürsten". El Amin zögerte. „Die Krieger sind erschöpft, Herr. Sie trauern um Tula. Sie liebten ihn. 8« ist nicht gut, sie wieder in die Schlacht zu senden, in«in ferne», fremde» Land". Da erhob sich Roceu Eddin, den Blick seine» Vater» hatte er jetzt: „Mein Vater nannte dich El Amin, der Getreu«. Hat mein Pater sich in dir geirrt?" „Gönn deinen Kriegern Ruhe", bat El Amin. „Ich WM Blut in die Adern der Affassinen gießen. Ich will ihren Mgt befeuern, El Wnin. In dieser Nacht noch will ich seine Hand Wer sie breiten, und sie werden mir gehorchen!" El Amin wich zurück. Neigte sie zu Boden, küßt« di« Pantoffel Roceu Eddin». El Amin, der Getreue.— Um Mitternacht aber, schwer lag der Schlaf über den Affassinen, geschah e» zu Ulleika, zu Akrod und zu Alumat, daß der Gong zu dröhnen anhub, der den Garten mtt seinem Tosen er» füllte. Die Affassinen wachten auf» sprangen hoch, sahen einander an. In ihr« Augen kam Feuer, groß waren ihr« Augen, und wett sahen sie in di« Ferne. „Der Gong", sagten sie,„der Gong. Wir sind an der Pforte de» Garten»". Auf den Mauern der Burgen standen sie und sahen in- Tal. Mond lag über den Tälern vor Akrod und Alumat. Mond warf den Schatten von Ulleika auf die Hänge de- Libanon. Der Gong rollte, der ewige Gong. „Erinnert Ihr euch", sagten di« Männer, „erinnert ihr euch? Zu den Festen rief der Gong. Zu den Mädchen, zu den Brunnen." „Roceu Eddin hält, wa» Ala Eddin versprach". „Wir werden glücklich sein..." Bi- zum Morgen donnerte der Gong. Am Motgen ritt El Amin in Akrod ein. „Der Gong ruft euch in den Garten. Doch zwischen Akrod und dem Garten liegt da» Land per Tataren! Fällt sie, vernichtet st«, und der Weg ist frei!" Al» di« Sonne im Mtttag stand, rttt El Amin in Alumat ein. In UNeika verkündete e» Roceu Eddin: „Der Gong ruft euch in den Garten! Doch vor dem Garten liegt da« Land der Tataren. Fällt sie, vernichtet sie, und der Weg ist frei". Da verzagten die Männer. Der Gong hatte gerufen, aber nicht zu Tanz und Spiel hatt« er Problem" sprach, bemühte sich im Gegensatz zu Hellpach, seinen wissenschaftlichen Ruf zu wahren. In vorsichtiger Beschränkung auf- Grundsätzliche erörtert« er die Möglichkeit, da-„Sein der Werte" anzuerkennen, wobei er die Ewigkeit der Werte ebenso ausschloß wie ihre Leugnung. Wozwischen diesen beiden Lehrmeinungen liegt, versuchte er in.einer Theorie der zwar existierenden, aber durch geschichtliche Veränderungen jeweils aktuell und nicht attuell werdenden Wert« auf eine Formel zu bringen. Und er warb um da» Verständnis der Zuschauer mit der beispielhaften Bemerkung, daß in der parlamentarsschen Demokratie der blinde Gehorsam, in einem Sklavenstaat aber der„Bürgersinn" al- Wert keine Geltung habe... Um welchen Wert es heute geht, das verkündete in der Diskussion über die Krise der Demokratie der Pariser Barthklkmy, der (umrahmt von den Vorträgen der staat-autoritären Fascisten Delvecchio und Michel»)' über den„W ert der Freiheit" sprach: Die Freiheit und di« verantwortlichkett vor dem Gesetz— und nach Barthkttmtz auch der Individualismus— sind die Atmefphöre, in der die Demokratie allein lebe« kann. Di« Frei, heit ist kein LuxuS, sonder« ein« Notwendigkeit. GW ist allerdings auch nicht, wie man in Frankreich allzu optimistisch annahm,«in Normalzustand, sonder« etwa», da» immer wieder im Kampfe errungen werden must. Barthtttmy bestritt di« Behauptung, daß Ordnung und Freiheit Gegensätze seien. Dem» nicht der ans di« Willkür eine» Herrscher- oder Führer- gegründet« Staat, sonder« nur der ans Freiheit gegründete Staat sei stabil. Deutsche Schule durch Deutsche gellhrdet Roch vor kurzem war auch in den sozusagw demokratischen Blättern zu lese», in welch gewissenloser Weise angeblich die deusschen Regierungsparteien und insbesondere, die Sozialdemokraten die Interessen de» deutschen Schulwesen» bei der Auflassung einiger Mittelschulen im Stiche ge« lassen Haben. Run erfährt man, daß die Mehrheit de» Reichenberger Stadtrates, vor. allem allo die Bacher-Demokraten de» Herrn Kostka, den Weiterbestand der Bezirksflaffen bei der Reichenberger Hilfsschule gefährdet. Die Hilfsschule ist nämlich in einem städtischen Gebäude untergebracht und nun schreibt die Stadt dem Bezirk einen hohen Mietzin» vor. Der Bezirk kann nicht zahlen, weil er überhaupt kein Geld hat. Er kann umso weniger zahlen, al» der Zin» gerade jetzt, knapp vor dem Begin« de- Schuljahres, vorgeschrieben wurde. Bei der Hilfsschule handelt e» sich um«in« Einrichtung, die lebensnotwendig für da» ganze Poll ist. In ihr werden die Minderbegabten zu brauchbaren Gliedern der menschlichen Gesellschaft herangebildet. Zur Erhaltung einer solchen Schule darf Männern, die sich gute Deutsche nennen, kein Opfer zu groß sein. Bisher aber wurde nicht einmal der versuch gemacht, mtt dem Bezirk«in Uebereinkommen zu treff«»; e« wurde lediglich die Sperrung der Klassen in Aussicht gestellt. Werden die Verantwortlichen handeln wie Deutsche? Oder wird sich ihr Bekenntnis zur deutschen Schule auch weiterhin nur durch die Verleumdung der Sozialdemokraten offenbaren? gerufen, sondern wieder zum Kampf. Richt die Mädchen warteten ihrer und nicht die Prunnen mtt Milch, das Schwert und der Speer warteten ihrer, und der Streit nahm kein Ende. «Wie sein Vater ist Roccu Eddin". sagten di« Männer.„Er verheißt und erfüllst nicht. Er lockt und lügt". „Laßt den Gong rufen", schrie einer unter den Männern.„Sein Donnern kündet nur Tod." Und die Affassinen zogen nicht in da» Land der Tataren. Roccu Eddin kräuselte seinen dichten, roten Bart. «Tragen wir den Krieg nicht in ihre Stätte, so tragen sie den Krieg in die unsren, El Amin". „Dir werden uns wehren, Herr. Wir find gerüstet". „Ein Heer von Feiglingen hinterließ mtt mein Vater, verdmnmt dieser Zaubergarten des Zwerg-, der au- Krttgem Träumer macht und au» Männern furchtsame Greise". Al- die Stunde de- Gebete» kam, stand Roccu Eddin auf dem Turm seiner Burg und sah der sinkenden Sonne nach. .Kannst du mir Tula wiedergeben", betete er,„und meinen Männern' wieder ihren Mut? Kannst du deine Blitze in die Häuser von Kasan schleudern und in alle Hütten der Tataren, Allah. Kannst du mein Heer wieder zum Heer der He«« machen, Allah— dann will ich an dich glauben". E» fröstelt« Roceu Eddin, al» er sich erheb von diesem Gebet. Seinen Mantel mchm er, dm weißen Mantel de» Fürsten. Eine groß« Spange au- hellem Gold hielt den Mantel zusammen. Sein Auge haftete an dieser Spange. Hinter de« Libanon stieg der Mond empor, ein matter, faß noch weißer Mond. Da riß Roccu Eddin dtt Spange von seinem Mantel und zertrat st«. Dl verbarg Roceu Eddin sein Antlitz vor dem Mond. (Fortsetzung folgt) *W.?07 Mittwoch, Bi- SeMemirt 1931 V.it« st Krönungsinsignien Nürnberger Parteitag eröffnet um Hitlers Redepult Bn Mmpfer für die deutschen ChrlstHchtozlalen Sie Lüge von der rotgrünen Koalition Der„Bolkswille" fetzt sich an leiten« der Stelle scharf mit dem klerikalen„Eger« land" auseinander, welches Blatt in der Schulfrag« kräftig die nationale Trommel schlägt. Er schreibt: Seih die Schriftleitung de»„Egerland" nicht, dah in der Regierung auher den Sozialdemokraten auch Chrifilichsoziale, sogar sebr einfluhreiche tschechische Christ- lichsoziale sitzen? Oder ist ihr unbekannt, dah Monsignore Schramek durch viele Jahre hindurch Minister war und e» heute noch W? Warum wendet sich da» Blatt nicht an den ihm viel näherstehenden klerikalen Minister Schramek? Warum verlangt e» Hilfe vör allem von den deutschen Sozialdemokraten? Und wenn von der rotgrünen Koalition gesprochen wird, ist e» da nicht bewusste Verschweigung der Wahr-' h e i t, kein Wort davon zu erwähnen, dah die tschechischen Klerikalen in der Regierung ein gewichtige» Wort zu reden haben? Alle diese Fragen sind nicht schwer zu beantworten. Die ChrisÜichsozialen wissen, dah sie in solchen Dingen von ihren tschechischen Partnern keine Hilfe zu erwarten haben und sie reden lieber nicht davon. Anbiederung der SHF an Hitler Henlein meidet bekanntlich eine Stellung« nähme zu Hitler mit groher Acngstlichkeit. Keineswegs deshalb, weil er meint, Hitler gehe'chn und die Sudetendeutschen nichts an, sondern lediglich deshalb, weil er sich innerlich zu ihm bekennt und seine„guten" Beziehungen zu den Tschechen durch da» Eingestehen dieser Tatsache nicht stören möchte. Nun haben einige oppositionelle Mitglieder der Heimatfront in Trautenau aus der Schule geplaudert. Ihnen passt ein gewisser Dr. Sielzham« mcr nicht, dpr sich dort herauSnimmt, im Namen der SHF zu reden und zu schreiben. Sie gaben in echt deutscher Treue unserem Trautenauer Partciblatt aufschlussreiche Einzelheiten über die Vorgänge in der SHF bekannt, um ihrem Unmui Über Dr. Stelzhammer und die Partie, die ihn hält, Luft zu machen. Man erfährt aus einem Schreiben: das diese Oppositionellen dem„Trautenauer Echo" schickten ü. a.„ dass der ertveiterte BollzugSauS« schuss der Trautenauer Henlein-OrtSgruppe in einer vertraulichen Sitzung über eine neue Taktik verhandelt hat, die den Zweck haben soll, das Misstrauen der Tschechen zu ztrstreyfp/..DI.«^Sitzung führte aber zu keinem Ergebnis, denn sie schloss sich den Ausführungen eine» ehemals national« sozialistischen Funktionär» an, der nach dem Schreiben der Trautenauer Henlein-Opp."!«n Wörtlich folgendes sagte: I„Jn Wirklichkeit aber müsse» wir dr» Kontakt mit unseren Brüdern hinter den Grenzpfahle» stäadig aufrechterhalte» und diese nicht durch allzu grosse Sympathie- kundgebnugeu für die Feinde unsere» Lol- ke», für die Tscheche«, nervo» machen. Ma» würde un» jede ilaterstützung versagen, wen« drüben sgemeiut ist natürlich Deutsche land) offensichtlich eine BersöhnuugSpolitik der SHF mit den Tschechen bekannt werden würde." Herr Henlein aber ist weiter„loyal" und seine Mannen marschieren mit grosser Begeisterung hinter der tschechoslowakischen Staatsfahne. Hingegen wird die„Rundschau" auch weiterhül verschweigen, wie Henlein eigentlich zu Hitler steht. Man wird gut daran tun, nicht in die „Rundschau" zu sehen, um das zu erfahren, sondern die Aeuherungen der Henlein-Funktionqre zur Kenntnis zu nehmen, die sie dann tun, wenn sie sich allein glauben. Schönbacher Gemeindevorsteher wieder im Amt. Die Ascher Bezirksbehörde hatte im Mai den sozialdemokratischen Gemeindevorsteher Johann Sturm in Schönbach bei Asch seines Amtes enthoben, da ein S ch u tz g e s e tz« Verfahren gegen ihn anhängig gemacht worden war. In der Verhandlung wurde Sturm f r e i g e f p r o ch e n. Nun erhielt er von der Äscher Bezirksbehürde die Verständigung, dass mit Rücksicht auf diesen Freispruch die Amtsenthebung zurückgezogen und er wieder in sein Amt eingesetzt wird. Bon Sttibrnh zu Malypetr? Wie die Mittwochausgabe deS,„Närodni Osvobozeni" meldet, hat der Leiter der Stkibrnh-Preffe Dr. Ka» h ä n c k seinen Posten gekündigt und ist in die Redaktion des Zentralorgans der republikanischen Partei„Benko v" als Stellvertreter des Chefredakteurs eingetreten. Die Tabakregie hat im August 1934 insgesamt 1öS,8(im Vorjahr 166,35) Millionen KL eingenommen. In den ersten acht Monaten des heurigen Jahre» betrugen die gesamten Einnahmen 1150,06(im Vorjahre 1211,93) Millionen KL. Die Einnahmen sind also gegenüber dem Vorjahr« um 61,87 Millionen KL zurückgegangen. Die Abfuhr an die Staathkaffa betrug im August 1934 129(im Vorjahre 129) Mil- lionen, in den ersten ächt Monaten de» heurigen Jahre».insgesamt 875 Millionen gegenüber 911 Millionen in der gleichen Zeit de» Vorjahre». Nürnberg, 4. September. Heute wurde hier der Reichsparteitag der NSDAP eröffnet. Um 12 Uhr erfolgte ein Empfang der Vertreter der-AuS- langSpreffe durch den Auslandspressechef Hanf« stangl und um 15 Uhr ein Empfang der Vertreter der deutschen Presse durch den Reichspressechef Dietrich. Bon 19.30 bis 20 Uhr erfolgt ein halb« stündiges Einläuten des Parteitages durch die Glocken sämtlicher Kirchen Nürnbergs. Hitler traf nach 5 Uhr nachmittag» im Flugzeug in Nürnberg ein. In seiner Begleitung befanden sich Dr. Goebbels und seine beiden Adjutanten. Auf der Fahrt vom Flugplatz in die Stadt war für entsprechende Begeisterung der spalierbildenden Menge gesorgt. Ueber der sudetendeutschen Heimatfront de» Herrn Henlein waltet entschieden ein Unstern: Trotz allen LoyalüätSbeteuerungen und strengen Weisungen an die Mitglieder fliegt fast jeden Tag irgendeine Affäre auf, durch die eifrige SHF.«Mitglieder der verschiedenen Delikte gegen da» Schutzgeseh überführt erscheinen. Nach den Verhaftungen in Schlesien ist nun Westböhmen an der Reihe. In Chodau wurden Freitag abend mehrere Mitglieder der Henleinsront, und zwar der Beamte Ferdinand H u b l und die Arbeiter Kurt Friedrich und Erich Schielhabl, durch die Gendarmerie verhaftet. Friedrich war bis März 1933 bei der Chemnitzer Strassenbahn beschäftigt, kehrte dann aber nach Chodau zurück, wo er nach einem kurzen Intermezzo bei den Kommunisten der Sudetendeutschen Heimatfront beitrat. Nach den bisherigen Feststellungen hat sich Friedrich in die Dienste de» Chemnitzer Polizeipräsidium» gestellt, wo er bei einer persönlichen Borsprache den Auftrag erhielt, linksstehende Emigranten zu bespitzeln. Die Chodauer Gendarmerie hatte in Erfahrung gebracht, dah Friedrich am vergangenen Freitag mst dem Mittagszug von Chodau nach Johann-Georgenstadt in Sachsen fahren wollte, um dort,..mit, dem Polizeioberkommissär I u st neuerdings zusammenzutreffen.. Daraufhin wurde Friedrich in Neurohlau von der Gendarmerie verhaftet und nach Chodau gebracht. Dort wurde bei einer Leibesvisitation belastendes Material vorgefunden, nebenbei auch eine Legitimation der Sudetendeutschen Heimatfront mit der Unterschrift des Bezirksleiters Gärtner. Daraufhin wurden bei Schweb bleibt halsstarrig Audi der Bundesrat für die Ablehnung Bern, 4. September. Der BundrSrat hat dem Antrag feiner Delegation für auswärtige Angelegenheiten betreffend die Ablehnung de» Aufnahmegesuches der Sowjetunion in de» Völkerbund einmütig zugestimmt. Dies« Entscheidung hat zwar in Genfer Böllerbundkreisen niemanden überrascht, gab aber zu den verschiedensten, für die Schweiz durchweg» ungünstigen Kommentaren Anlass. Die Entscheidung der Berner Bundesregierung wird mit der Behauptung begründet, die Berner Regierung sei gezwungen gewesen, dem Druck einiger konservativer politischer Parteien nachzugeben, die in dem Falle, dass sich die Schweiz dieser Manifestation gegen die Sowjet» begäbe, die Anregung zu einem Referendum darWer geben würden, ob die Schweiz äu» dem Völkerbund au»« treten soll oder nicht. G Die Aufnahme Russlando wird zwar nicht gefährdet, denn neben der Schweiz werden nur ein paar reaktionäre Krähwinkelrepubliken gegen die Aufnahme der USSR stimmen, aber es wird insofern eine peinliche Situation geschaffen, al» doch der Sitz de» Völkerbundes in der Schweiz ist. Gerüchtweise erwägt man bereit» die Verlegung de» Sitze» von Genf nach Wien. Damit käme der Böllerbund freilich in di« gefährliche Situation,«ine» Tage» vielleicht von gewissen hohen Herrn überrumpelt und gefangen gesetzt zu werden, bi« er sich ent« schliesst, die Finanzen dieser Vorkämpfer der europäischen Kultur in Ordnung zu bringen. Die reaktionäre Haltung der Schweiz geht nicht so sehr auf die halbvergessene Affäre zunick, die durch die Ermordung de» Sowjetgesandten und den Freispruch de» Mörders durch die Schweizer Gerichte entstanden war. Die Schweiz ist entgegen dem Vorurteil vieler Europäer, die in ihr immer noch den demokratischen Jdealstaat sehen,«ine sehr konservative Republik und ihre bourgeoisie Oberschicht, die sich im Kriege und in der Nachkriegszeit noch gewaltig bereichert hat, lebt in einer steten Angst vor dem Gespenst der sozialen Revolution. Tatsächlich entspricht» die Leben-Haltung der Schweizer Arbeiter und Im Rathau» erfolgt« eine Begrüssung durch den Oberbürgermeister, auf die Hitler mit kurzen DankeSworten antwortete. An dem Parteitag nahmen zum erstenmal auch Abordnungen der R e ich» w'e h r teil, darunter Reichswehrminister Blomberg, der Chef der Heeresleitung Fritsche und Admiral Raeder. Im Rathaussaal ist hinter dem für Hitler bestimmten Rednerpult die Truhe ausgestellt, die einstmals zur Aufbewahrung der Kleinodien deS Heiligen Römischen Reiches diente. Ein GlaSfchrein enthält die Kopien der Kö- nigSinstgnien» deren Originale sich in der Wiener Schatzkammer befinden. Sogar ein alter KrönungSstuhl mit einem Baldachin ist aufgestellt. einigen Funktionären der Henleinsront in Chodau Haussuchungen vorgenommen. Bei dem Beamten H u b l der der Porzellanfabrik Haas und Czijek wurde Material vorgefunden, aus dem die Verbindung Hubls mit reichsdeutschen Nazistellen hervorgeht. Friedrich fungierte dabei als Verbindungsmann. Im Laufe des Dienstag wurde im Zusammenhang mit dieser Affäre auch der vierundzwanzigjährige Eduard KrauS aus Oberchodau verhaftet, der den Schmuggel verbotener reichsdeutscher Zellschriften über die Grenze nach Böhmen besorgte. Henlein bet Pech Seine Trauerfahne verboten Die Bezirksbehörde in Tetschen hat eine Kundmachung herauSgegeben, in welcher da» Hissen von schwarz-rot-schwarzen Fahnen, die in letzter. Zeit bei Veranstaltungen der Heimatfront verwendet wurden, bei Strafe bis zu 5000 KL und Arrest bis 24 Tage bestraft wird. In der Begründung heisst eS, dass rot-schwarz-rot die Farben deS reichsdeutschcn Sudetendeutschen HeimatbundeS in Berlin, also einer irredentisti- schen Organisation, sind. Auch die übrigen Be- zirkSbehörden in den deutschen Gebieten haben bereitst Weisungen hinsichtlich Hissens der erwähnten Fahnen erhalten.—, Die in der Begründung enthaltene Enthüllung über den Sudctendcutschen Heimatbund in Berlin, dessen Farben sich die Heimatfront aneignete. lvird den Henlein freilich nicht hindern, auch weiterhin seine Loyalität zu beteuern. Die Zahl derer, die ihm glauben, dürfte allerdings mittlerweile noch kleiner geworden sein. Bauern nicht dem Reichtum deS Landes und seit langem gärt eS in der Schweiz. Die Wahlsiege der Sozialdemokratie in den Kantonen Zürich und Waadt, aber auch das Zusammengehen der Dauern und Gewerkschaften bei der Abwehr des reaktionären Republikschutzgesetzes sind Symptome Lieser Gärung. Die Schweizer Bourgeoisie, deren starke Seite niemals di« Weltpolitik war, sucht sich durch ihre Borgangsweise gegen Russland für di« Unzufriedenheit ihrer proletarischen und bäuerlichen Mitbürger zu rächen. Mißwirtschaft In einem Sowjet-RUstungsbetrieb Moskau, 4. September. Der Rat der Volks! kommiffäre der Sowjetunion hat die oberste Staatsanwaltschaft angewiesen, sofort eine Untersuchung gegen die gesamte Leitung de»„Metallurgischen Kombinats", eine» der grössten Werke der sowjetrussischen Rüstungsindustrie, ein« zuleiten. Dort wurde eine grosse Misswirtschaft aufgedeckt. Bei der Ausführung der Bauarbeiten herrschte Planlosigkeit, so dass der Haushalt überschritten wurde, verschiedene schon zur Abnahme fertig« Bauten muhten entweder abgerissen oder umgebaut werden, da ihre Anlagen nicht mit den festgesetzten Entwürfen übereinstimmten. Daverfahren gegen die Schuldigen soll beschleunigt werden. Der Notenkrieg im Femen Osten Pari», 4. September. Nach einer Meldung de»„Petit Parisien" hat der japanische Botschafter in Moskau kürzlich für seine Person dem Vertreter Litwinow» den Vorschlag gemacht, beider« seit» die Truppen von den Grenzen im Fernen Osten abzuberufen und eventuell sämtliche Grenz- besestigungen zu schleifen(?). Dies« Meldung scheint nicht sehr glaubwürdig, zumal di« japanische Regierung dem russischen Botschafter in Tokio erst wieder heute eine Note zugestellt hat, in der sämtliche Märchen über die Beteiligung russischer Angestellter der Ostchinabahn an Anschlägen auf die Bahn und namentlich aus Truppentransporte bi» zum Ueberdruss wiederholt werden. Oer Streik in USA N«wNork,4. September. Der allgemeine Streik der Textilarbeiter hat bisher/ ungefähr 50 Prozent aller Textilfabriken ergriffen. Der zweite Tag de» Arbeitskonflikte» war durch die ungewöhnlich hohe Zahl von Arbeitseinstellungen gekennzeichnet. Die Unternehmer behaupt«» zwar, das) höchsten» 21 Prozent der Arbeiterschaft am Stkeik beteiligt seien, der TeztUarbeiterver- band erklärt jedoch, dass bi»»um Mittwoch mindesten» 90 Prozent der Textilindustrie stilliegen würden. Nach annähernd genauen Schätzungen streiken bi» jetzt in Neu-England 50.000 Arbeiter, während 75.000 arbeiten. In Nord- und Süd- Karolina streiken 80.000 Arbeiter, wogegen die gleiche Zahl die Arbeit fortsetzt. Zwischenfälle werden bisher wenig gemeldtt. In Erwin(Rordkarolina) erzwangen 500 Streikposten die Schliessung von zwei Textilfabriken, an denen bisher»rittrgearbrllrt wurde. „Deutschland wartet auf das Wunder Die Stimme eine» Wirtschafts-Fachmanne» Im„Prager Abendblatt" analysiert ein' reichsdeutscher Wirtschaftsfachmann der sich anlässlich der Mustermesse in Prag aufhielt, Deutschlands katastrophale Wirtschaftslage und kommt dann zu folgendem beachtlichen Schluss: EinMittcl gibt es nicht mehr. ES bleibt nur noch da» Wunder. Aber in Deutschland, dem Lande der superlativistischen Extreme, gibt eS kein allmähliches Nachlassen des Elan». Man wird in Deutschland trotz der Wahlen vom 19. August kein lvachsendeS Misstrauen bemerken können. Es ist eine Fehlspekulation des Auslände». wenn cS meint, eine gleichmässige Entwicklung werde die Dinge klären. Wer am 8. November 1018 nicht fest davon Überzeugt war, dah Deutschland den Krieg gewinnen werde, war ein Hochverräter. Aber am 9. November hiess e» dann nicht mehr,„es geht schlechter", sondern da wqr bereits die r e st l o s e K a t a st r o p h e hereingebrochen, abrupt, ohne jeden Uebergang. Das Wunder, mit dem man bi» in die Abendstunden des 8. November felsenfest gerechnet hatte, war auSgcblicben. Die Situation ist heute unheimlich ähnlich. Das Wunder wird wieder ausblciben. Im Zeichen de»„deutschen Aufstiegs" wird ganz plötzlich, ohne sichtbaren äusseren Anlass, da» Wirtschaftsgebäude zusammenbrechen, schneller al» wir denken. Am Vorabend der zerschmetternden Katastrophe wird aber daö Dritte Reich noch einen be, jubelten S t e g feierni ein Koloss auf tönernen Füssen. Mutige ZusammenstöBe In Mailand? Ein Agramer Blatt berichtet von 60 Toten Das gestrige„BeLernk Ceskö Slovo" zittert eine Meldung de» Agramer Blattes„R o v o st i" aus Mailand, wonach e» dort Ende der pergan- genen Woche zu blutigen Kämpfe n gekommen ist. In den grossen Fabriken in Mailand war angekündigt worden, dah von dieser Woche an, die Löhne bis um zehn Prozent herabgesetzt werden sollen. Unter der Arbeiterschaft wurde diese Ankündigung mit grosser Entrüstung ausgenommen und die Losung anSgegeben, auf dem Hauptplatze der Stadt eine Protestkundgebung zu veranstalten. Die Behörden untersagten die Kundgebung, aber die Arbeiter versammelten sich trotzdem in den Fabriken und wollten einen Demonstrationszug durch die Stadt veranstalten. Die Polizei reichte nicht au», um di« einzelnen Züge auseinander zu treiben, und so näherten sich diese schon dem Zentrum der Stadt. Dort warteten jedoch schon Abteilungen von Ka- rabinieris und fascistischer Miliz. Als die Arbeiter dem Befehl zum AuSeinandergehen nicht nachkamen, begannen die KarabinieriS und die Milizsoldaten zu schiessen. ES kam— alle- dem zitierten Blatt zufolge— zu einem regelrechten Kampf, der einige Stunden dauerte. Nach dem Bericht der „Novosti" gab eS 60 Tote und 200 verwundete. Den italienischen Blättern wurde streng verboten, über diese Vorfälle zu berichten. Auch ein amtliches Kommunique wurde nicht ausgegeben. In Mailand behauptet man, dah es zu Änlichen blutigen Zusammenstössen auch in anderen Industriezentren gekommen sei. Prager Schauspielerin tödlich verunglückt Di« neu engagiert« Schauspielerin d«S Neuen deutschen Theaters, Fräulein Helga Kluge, die in diesen Tagen das erstemal auf der Bühne hätte auftreten sollen, ist in der Nacht auf Dienstag bei der Rückkehr von einem Autoausflug nach Melnik einem Autounfall zum Opfer gefallen. Ihre Begleiterin, eine Engländerin namens G i b o n S. wurde schwer verletzt. Da» Unglück ereignete sich, als der Wagen der beiden Damen dem zweiten grossen Wagen, in dem einige Begleiter mitfuhren, vorfahren wollte. Der kleinere Wagen fuhr dabei in de.» Strassengraben uyd kippte um. Fräulein Kluge geriet dabei unter I den Wagen und blieb tot liegen Vie neueste SHF-Affäre Mehrer« Verhaftungen In Chodau Seite 4 Mittwoch, 8. September 1934 . Rr..207 Bon» Sturm in den Abgrund geschlendert, dem montägigen heftigen Sturm im Nax- fahrendcn Zuges unter die Räder geschlcu- Er war sofort tot. furchtbarer Lad einet Heizers Weiden(Oberpfalz). Zwischen den Stationen Pfreimd und Wcrnbcrg in der Oberpfalz wurde, der Lokomotivheizer D e g e n k o l b, der während der Fahrt außen an der Maschine zu tun hatte, durch den Luftdruck eines in der Gegenrichtung'" dert. Bei gebiet tvurden der 22jährige, Michael Piricha' aus Kalksburg bei Wien und sein Gefährte Johann Weiß von einem Börgsteig in den Abgrund geschleudert. Beide wurden Dienstag morgens am Fuße der Badstubcntvand tot aufgefunden. 200 Häuser niedergevrannt. Das Städtchen Hancelvicze in der polnischen Ostmark wurde von, einem Riesenbrand heimgesucht, der dxxi Viertel des Städtchens gänzlich einäscherte.'Insgesamt sind etwa 200 Wohnhäuser dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Materialschaden ist überaus groß. Wer hat Hindenburgv Mrmoiren geschrieben?'; Im Zusammenhang mit der Frage der Testa-,. mentsfälschung hat das„T a g e b ti ch" auch die Frage aufgeworfen, wer der eigentliche Autor der seinerzeit veröffentlichten Kricgscrinnerungen des Generalfeldmarschalls Hindenburg ist. ES druckt", nun die Zuschrift ab, die ihm„von autoritativer. Seite" zugekommen ist und in der es heißt, daß der General v o n M e r h, Präsident des Reichs» archivs, die Erinnerungen Hindenburgs-gefchrje-.) ben und daß Professor Otto H o e.H s ch in den'' Darstellungen der äußeren Politik nachgeholscn, habe. Da der Sieger von Ncudeck weder seine Er-•; inncrungen, noch sein Testament selbst geschrieben hat, ist- es schwer, aus einem Stilvergleich er-' gründen zu wollen, wo das Testament gefälscht wurde. Es genügt aber wirklich die Ucberzcugung, daß es gefälscht wurde. Zum General der Heilsarmee wurde die üü Jahre alte vierte Tochter des Gründers der Heilsarmee, Angelina Booth, gewählt, die bisher Oberkommandant der Heilsarmee in den Bereinig- ten Staaten war. Maffenbesteigüng des Elbrus. Von 8V Offizieren der Sowjetarmee ist in Moskau ein radioiele- graphifcher Bericht eingcgangen, daß sie den Gipfel des Berges Elbrus im Kaukasus, demnach eine Höhe von 5642 Metern, erreicht haben. Feuer auf dem Bromberger Hauptbahnhof setzte Montag nachts einen Teil der großen Eisenbahnwerk- stätten in Brand. Es brannte das etwa 100 Meter lqpge Gebäude der Modcllierwerkstatt. Von dort drohte das Feuer auf die angrenzenden Gebäude, Schuppen und Kohlenbestände Aberzugreifen. ES gelang aber, eine noch größere Brandkatastrophe zu verhüten. Bei den Rettungsarbeiten haben mehrere Feuerwehrmänner schwere Brandver« le'Hungen erlitten. Geuoffe Ludwig gestorben .. Genosse Ludtvig aus Troppau weilt nicht mehr unter den Lebenden. Mit dem Namen Ludwig verknüpft sich ein Stück Geschichte der Troppauer Arbeiterbewegung. Schon im Jahre 18V0 war er einer"der besten Organisatoren der Partei. Eine Reihe von Massenaktionen und Streiks wurden dank seiner Initiative glücklich zu Ende' geführt. Das Vertrauen der Genossen berief Gen. Ludwig in die höchsten Stellen der Partei. Er war unter anderem Kreisvertr.auens« m a n n. Im übrigen gab es kaum eine Funktion, die Gen. Ludwig nicht'auSgcübt hätte. In fast allen Organisationen war Ludwig ein eifriger Mitarbeiter. Es gehörte in den Neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts kein geringer Mut dazu, als Schuhmachcrmcistcr, d. h. als Gewerbetreibender, in führenden Stellungen der Sozialdemokratie zu arbeiten. Des tapferen Genossen Ludwig, der der Partei bis ans Ende seiner Tage vorbildliche Treue hielt, gedenkt die gesamte sozialistische Bewegung in Ehrfurcht und Dankbarkeit. Steile Stcherhettseinrichtung anf unseren Bahnen Mit dem steigenden Verkehr auf den Bah vervollkommnen sich ständig die Sicherheit» Krebs-Erreger entdeckt? Wieder ei»„hoffnungsvolles" Forschungsergebnis Berlin, 4. September. Forschungsergebnisse, die Dr. W. von Brehmer in der„Medizinischen Welt" veröffentlicht hat, scheinen die Hoffnung zuzulassen, daß eS gelungen ist, den Erreger des Krebses festzustellen. Gleichzeitig scheint sich damit der Weg zu einer Methode zu eröffnen, die cs■ möglich machen wird, die furchtbare Krankheit er-j folgrcich zu bekämpfen. Eö handelt sich um einen Mikroorganismus, der die Eigenschaft j hat, sich so dicht an die roten Blutkörperchen anzu-" schmiegen, daß man ihn bisher mikroskopisch nicht einwandfrei feststellen konnte. Jetzt ist eS gelungen scstzustellen, daß der Krebserreger auf a l k a- l i s ch e n N ä h r b ö d e n weitergezüchtet werden. kann. Mit den Kulturen wurden Mäuse und Ratten infiziert und es zeigte sich, daß sie alle typische Krebsgeschwülste bekamen. Dr. von Brehmer hofft, eine Methode gesunden zu haben, die es möglich macht, den Krebs in einem Stadium be- rcits zu erkeyaea, i» tze» er noch heübac ist. Atz Der Europa-Rundflug Zwei Unfälle— Tschechoslowakische Erfolge Warschau. Bei den technischen Prüfungen im Rahmen des internationalen Europa-Rund« flugeS ereigneten sich am Dienstag vormittag zlvei Unfälle. Während der Prüfung der kurzen Landung verlor der deutsche Flieger B r i n d l i n- g e r die Geschwindigkeit und stürzte mit seinem Apparat ab, dessen Untergestell zertrümmert wurde. Ter Pilot erlitt lediglich einen leichten Nervenchock. Auf dem Flugfeld von Molotow übcrsckstug sich bei der Prüfung des kurzen Starts das Flugzeug des italienischen Piloten F r a n- c o i s. Ter Apparat lvurdc leicht beschädigt, der Flieger kam unversehrt davon. » Die tschechoslowakischen Teilnehmer beim Flugwettbeiverb der Touristenflugzeuge rund um Europa erzielten am Montag einen Erfolg beim Springen über das Seil. An erster Stelle placierte sich Kapitän Z a k e k, der einen Sprung aus einer Entfernung von 60 Metern ausführte und so 141 Punkte gewann. An zweiter Stelle steht der Pole Kapitän B a s a n mit 140 Punkten; den dritten und vierten Platz besetzten wiederum die tschechoslowakischen Rennflieger. Stabskapitän A m b r u§ mit 138 Punkten und Chefpilot Andrle mit 127 Punkten."' nen einrichtungen. Auf allen größeren Bahnhöfen sind die Kanzleien der Vcrkehrsbcamten mit geheimnisvolle»„Küchen" voller wunderlicher Schränke, Hebel und Tasten ausgestattet. Vor, 03 Jahren genügten zur Sicherheit des Verkehrs primitive Vorrichiungen: ein Korb auf dem Mastbaum und Feuer, vor die Stationen verteilt. Damals fuhren die Züge noch nicht mit 100 Kilometer Stundengeschwindigkeit, auf den Strecken flog noch nicht der Blaue Pfeil, auf den Geleisen schnaubten und knarrten„Kaffeemühlen", die beinahe überhaupt keinen Fahrplan brauchten. Später wurde die Bedienung der Weichen verbessert. Im Jahre 1804 ivurdc in Prerau die erste elektrische Signalvorrichtung Europas gebaut.— Am vergangenen Samstag wurde die modernste Tichcrheitsanlage in Betrieb genommen. Es ist dies ein tschechoslowakisches Fabrikat der Elektroiechna. Die Weichen und Semaphore werden von einem Stellwcrksturm aus betätigt, der Turm ist mit der BerkchrSkanzlei verbunden. Dort befinden sich die Maschinerie, mit deren Hilfe der diensthabende Beamte die Weisungen für die Ein- und Ausfahrt der Züge erteilt. Die Ausführung tvird durch eine hervorragende Kontcoll- cinrichtnng genau überwacht. Wenn der Bedienstete am Stellwerk einen Fehler beginge, so wird der Fehler augenblicklich offenbar. Eine schlecht gestellte Einfahrt ist einfach ausgeschlossen. Diese neue TicherungSanlage wird mit Gleichstrom bc- tvicöcii.■ diesem Zweck erhält der Patient eine Einspritzung unter die Haut. Durch besondere Methoden ist dann cinlvandfrei scstzustellen, ob der Patient krcbsfrei ist, ob er zum Krebs veranlagt, aber noch nicht infiziert oder ob er tatsächlich schon erkrankt ist. Durch weitere Injektionen läßt sich wahrscheinlich im letzten Fall der Erreger wieder aus dem Blut entfernen und eine Heilung erzielen. Barthou eröffnet den Kernspeechverkehr Paris—Moskau. Der französische Außenminister(rechts) bei seinem Ferngespräch mit Moskau, mit dem er den direkten Fernsprechverkehr zwischen der französischen und der russischen Hauptstadt einleitete. (Links: Der französische Postminister Mallarmö—s Mitte: Der Vertreter der Pariser rüssi- jchen Botschajt, Eugen Hirschfeld.). Der Schweizer Koch. In der Schweiz Le- chlagnahmt wurde das in Prag im Verlag des „Simplieus" erscheinende Buch„Das III. Reich in der Karikatu r". Warum? Weil der. Gesandte des Dritten Reiches in Bern, der dortige Herr Koch also, Beschwerde gegen die Verbreitung dieses Buches erhoben hatte. Und daraufhin wurde prompt der ganze beim„Knl> tur-Bcrlag" in St. Gallen lagernde Vorrat beschlagnahmt. Das ist nur eine vorläufige Maß. nähme, aber die VundeSanwaltschaft hat dein BundeSratAntrag auf Einziehung des Buches gc. stellt. ES ist zu befürchten, daß diesem Antrag ent sprochen und ein Werk, das in Prag unbeanstän- det die Zensur passiert hat, das in allen Ländern der Welt verbreitet wird, im Lande der ältesten Demokratie Europas, in der Schweiz, konfisziert wird, womit die„freie" Schweiz den Beauftrag ten Hitlers in- den anderen Ländern eine wirk same Handhabe zu neuerlichem Einschreiten böte, beitcrbewcgung ein. Tagcsnculgkcltai Wegen einer Weintraube erschlagen! In den Weinbergen bei der s l o« a k i- f ch e n Gemeinde Hronskt Mals Kes» fand man dieser Tage den Maurermeister Gustav K o- vejdy erschlage» auf. Eine Weintraube, die der Leichnam noch in der Hand hielt, war ihm zum Schicksal geworden, wie es die Lesttzbestie bestimmt hatte. Kovcjdy hatte auf dem Wege zur Arbeit eine Traube„gestohlen". ZweiWein- b e r g h ü t e r, die ihn beobachtet hatten, fielen mit Stöcken über ihn her nnd als er zusammenbrach, jagten sie ihm noch eine K u g e l in den Kopf, damit der Arme nicht mehr sprechen und sie nicht verraten könne. Wegen einer Weintraube mutzte der 4öjäh- rige, auf den daheim fünf Kinder vergebens warteten, sein Leben kaffen... Wenn man liest, wie starrköpfig sich die Schweiz gegen den Eintritt Sowjetrutzlandö in den Äöl- kerbund stemmt, dann wundert man sich über eine solche Zcnsurmaßnahme freilich kaum noch,.— dann erkennt man, daß die Schweizer bürgerliche Demokratie ängstlich nach allen Seiten zu werden scheint, die Demokratie eines sich von der Welt "abschließenden Bürgertums, das seine Ruhe ha- Ben will. Gerade dadurch aber, daß die bürgerliche Demokratie so bereitwillig(nicht nur in der Schweiz) ollen einigermaßen erfiillbaren Wünschen der Diktaturen entspricht, um des lieben nachbarlichen Friedenswillen— der ja doch täglich gestört wird— gegen ihre eigenen Prinzi- picn verstößt, gerade dadurch wird der Ueberinut der Faseisten gestärkt! Dadurch aber wird auch das Ansehen des III. Reiches bei den Verehrern der„Starken Hand" und des großen Maules erhöht— es hat ja einen Erfolg gehabt! Und das nächste Mal können die Kochs in Bern und in Prag noch ganz anderes verlangen als die Ent- fernung von Bildern aus einer Ausstellung oder die Beschlagnahme eines BuchcS! Die Internationale Konferenz für Versicherung nicht völlig gesunder Personen wurde gestern in Prag eröffnet. Bon AiiSlaiidsstaaten sind vertrete»: Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Holland, Italien, Ungarn, Deutschland, Norwegen, Polen, Oesterreich, Rumänien, Spanien, Schweden und die Schweiz. Auf dem Programm stehen verschiedene Fragen betreffend die weitere Vervollkommnung der Lebensversicherung derjenigen Personen, deren gesundheitlicher Zustand irgendeine Störung aufwcist, so daß sie früher bei einer Lebensversichcruiig überhaupt nicht ausgenommen wurde», obgleich gerade bei ihnen die wirtschaftliche Notwendigkeit ciiicr Lebensversicherung weit dringender ist als bei Personen mit normalem Gesundheitszustand. Plattenkohle im Niirschaner Becke»». Die Bergwcrksgescllschaft Dr. Jng. L. Prochäzka und S. Reiß hat soeben, Ivie die„Zukunft" meldet, in Dobranken bei Nürsckian einen neuen Schacht „Prokop" abgeteuft, in welchem in einem 1.2 .Bieter mächtigen Flötz eine Kohlcnspcziälität, die .sogenannte Plattenkohle, in einer Mächtigkeit von 0.25 Meter» vorkommt. Die Plattenkohle kommt in Europa heute nur»nehr an bestimmten stellen in England als„candle-coal", d. i. Kerzenkohle, vor. Es ist dies eine ganz reine Kohle, ohne jede Beimengung, welche leicht Feuer fängt und wegen ihrer besonders hohen Heizkraft sehr gesucht ist. Die Kohle kommt in Platten vor, welche auch gedrechselt und für die Erzeugung verschiedener DetorationSgegenstände verwendet werden könne;». Dieses Rürschaner Vorkommen findet auch in dcir geologischen Kreisen, großes Interesse," nachdem es bis jetzt noch nicht gelungen ist, zu erforschen, auf welche Art und Weise die Natur diese, plattenförmige Kohlenformation gebildet hat».'.". Die Segelslugkonkurrenz bei Laun. Am Montag um 8 Ilhr früh begannen die Scgelflug-Wcttbe- > werbe der Masaryk-Flngliga auf dem Uebungsfelde ain"Berge Rana bei Laun. Es starteten 16 Segels flugzeuge. Die beste' Zeit erzielte Pocäk, der acht Stunden 18 Minuten in der Luft blieb. Ihm folgten Pittcrmann ini 5:32 Stunden, Prurok mit 5:08 Stunden, Primavesi mit 2:36 Stunden und Slibrt mit 2:18 Stunden. Zeitweise befanden sich über dem Abhang des Berges bis zu sechs Segelflugzeugen gleichzeitig in der Luft. Der Tschechoslowakische ArbeiterespMantisten- bund, hält am Sonntag, den 0. September, um 10 Uhr vormittags im Arbeiterheim in Böhmisch- Kamnitz seine HI. Jahresversammlung ab, nnd lädt hiezu alle Esperantofreunde der sozialistischen Ar- Die blutige Tat a« dem Briefträger Wolf Ei» gefährliches Brüderpaar Reichenau«, d. Kn., 4. September. Di« Gendarmerie von Bamberk verhaftete de»» aus Toudlrv» stammenden Wagner Georg Durchänrk, der sich zusammen mit seinem Bereits verynftetrn Bruder Karl an dem Neber fall auf den Briefträger Wolf auf dem Wege von Solnitz beteiligte. Bei dem Nrberfall»vurde der Briefträger Wolf s ch»v e r verletzt und 15.000 liö g e r a u b Georg Durchcknek hat sich z» seiner Mittäterschaft bereits bekannt. Die Brüder Durchs»,ek wurde» in die Haft drö Gerichtes in Reichenau a. d. Kn. «kngclicsert. Vom Rundfunk Smpfahlevvmert««tu dr» Programme», Mittwoch: Prag S e» d e r L.: 6.00 Gymnastik, 10.20: D e u t s ch e R a ch r i ch t e n. 11.08: Konzert der MuZik-Salonqiiartetts. 12.10: Schallplatten. 18.40: Deutscher Arbeitsmarkt. 18.20: Deutsche Sendung. Aktuelle 10 Minuten. 18.80: Deutsche Ar- britersendnngi I. W. Brügel: Sozialpolitische Bilanz deS Bergarbeiters, 18.80: Sozialinformation. 10.25: Blaskapelle. 22.15: Klavierkonzert. Sender T.r 14.00: Schallplatten. 14.25: Deutsche Sendung. Jugendstunde K. Jnhn: Ohne Wörterbuch an den Aequator. Brünn: 15.16: Konzert. 17.45;, Deutsche Sendung: Konzert. Pretzburg: 16.40: tln«- terhaltender Nachmittag, Blasmusik! Kascha»; 15:15: Zigeunermufik, Donnerstag: Prag, Sender L.:, 10.20: Deutsche Nachrichten, 12.08: Opernmusik auf Schallplatten. 18.30: Mittagskonzert. 16.15: Orchesterkonzest, 18.00: Arbeiterscndung: M. Paukova: Die Bergar- beitetfräuen. 18.10: Deuts ch^e Sendung. Mädchcnlieder— Liebeslieder(Brahms-Dvoräk). 20.10: Violinkonzert. 21.45: Populäre Musik auf Schallplatten. 22.16: Konzert des Jazzorchesters. Sender S.: 14.25: DeutscheSendung. Dr. Hanika. Die Gründung der tschechoslowakischen Bug- und Münzstadt Äremnitz und die Herkunft ihrer,ernsten Bewohnsr. 14.46: Leichte Musik. Brünn: 14.00: Deutscher Arbeitsmarkt. 18.05: Chansons. 18.80:, Deutsche Arbeitersendung. Schramrk: Aktuelle Zeit'- fragen. M.-Ostra«: 18.20: Deutsche Sen kung. 10.35; Populäres Konzert. Ein 22jähriger in Wien hingerichtet Wegen des Doppelmordes auf der St. Pöltner Hütt« Wien, 4. September. Beim Wiener Landcs- gericht l»vurde heute die erste Hinrichtung wegen eines gemeinen Verbrechens vollzogen. Ter" Standgerichtssenat verurteilte den 22jährigen Willibald B e n d i u g e r, der gemeinsam mit dem 3Üjäh- rigen Leo Egger auf die St. Pöltcner Touri- stcnbande in den Felber Tauern eine»» Raub- überfall verübt und dabei z>v e i Per- s o n e n g e t ö t c t- hatte, zum Tode. Das Gnadengesuch des Verurteilten wurde abgcwicsen und die-Hinrichtnng nm 17.20 Uhr vollstreckt. Bendinger hatte am 22. August gemeinsam mit Egger die genannte Touristenbaude überfallen und in der Küche den Pächter der Bande und Professor F ü r st aus St. Pölten, der zufällig in der' Küche weilte, erschossen. Egger schoß unterdessen auf die im Gastlokal versammelten Touristen, wobei er drei von ihnen verletzte. Egger»vnrdc zn 0>/ s Jahren schweren Kerkers verurteilt. ■ü. ja w.;o? Mittwoch, 5. geziemter 1934' Die sechs Männer von Tolpuddle Zur Hunderflahrfeier der englischen Gewerkschaften Dorchester, am 81. August. Dorchester und Tollpuddle, die Hauptstadt der englischen Grafschaft Dorsel und ein 7% Meilen davon entfernte» Dorf, stehen seit Wochen im Mittelpunkt.de» Interesse» der britischen Arbeiterbewegung, darüber hinaus aber auch grober Teile der britischen Oeffentlichkcit und der proletarischen Internationale. Die britische Trade Union» Tonfederation hat ihrem am 8. September in dem reizenden Seebad Beymouth beginnenden Kongreß eine großartige Feier zur Erinnerung an die ersten Märtyrer der Gewerkschaftsbewegung an die»sechs Männer von Tolpuddle* vorangehen lassen, die heute in Tolpuddle ihren Hährpunkt fand. Vorher hat hier der Ausschuß des JGB. getagt, in London fanden verschiedene internationale Tagungen statt, so daß durch nahezu drei Wochen ununterbrochen großzügige gewerkschaftliche Aktionen vor sich gehen. Die Ge- werkschaftrfeierlichkeiten find auch mit internationalen sportlichen Veranstaltungen verbunden, zu denen proletarische Sportmannschaften au» Palästina, Belgien, Frankreich, der Schweiz, der Tschechoslowakei usw. erschienen find. Fast die gesamte In« ternationale ist vertreten; wir sichen Fritz Adler, Juliu» Deutsch, W. Schevenel», naturgemäß Eitrine, LanSbury, Henderson und viele andere. Wa» ist da« nun eigentlich mit diesen"Six men of Dorset 7" Bor hundert Jahren hatte sich in Tolpuddle ein« jener Tragödien de» Klaffenkampfes abgespielt, an denen die Geschichte de» proletarischen Befreiungskampfes überreich ist. Di« Landarbeiter hatten hier einen, wie wir heut« sagen würden, ortsüblichen Lohn von 10 Schilling pro Woche. Die reichen Grundherren und mit ihnen der Pfarrer fanden aber, daß 9 Schilling, später sogar 8, und 7 Schilling Lohn ebenfalls genug seien. Die Landarbeiter waren anderer Meinung und traten daher in Verhandlungen ein. Unter einer mächtigen Linde versammelten sie sich jeweils— sie steht heute noch— und besprachen ihre Lag«. Doch die Grundherren fühlten fich fest im Sattel und wie zum Hohn forderten fi« nun«ine weiter« Herabsetzung der Löhne auf 6 Schilling pro Doch«. Die Scharfmacherei schweißte aber die Landarbeiter von Dorset und auch in anderen Grafschaften nur desto fester zusammen, und au» den losen Besprechungen entstand eine feste Bereinigung: di« erste Gewerkschaft der Welt wurde von den Landarbeitern von Tolpuddle Anfang de» Jahre» 1884 begründet. Die Grundherrn erkannten bald di« Gefährlichkeit diese» Beginnen». Einzeln waten ja dir Landarbeiter recht« und machtlo», vereint konnten fi« immerhin ihren Einfluß auf die Gestaltung der Arbeitsbedingungen ausüben. So sann man auf Rache und Abschreckung. Im Feber 1884 erschienen plötzlich in den armseligen Hütten der sech» Landarbeiter —«ine von ihnen steht noch mit