14. Jahrgang DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRÄHSCHEI, ARBEITERPARTEI IM DER ISCHECHQSOWAItlSCHBN MPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME MS MONTAG TXGUCN FRÜH. m^i—mibti>i wr. mm HERAUSGEBER, SIEGFRIED TA««. CHEWtED AKTEUR, WRMEtM mESSUKIL WlUWWWCRHIfCIIER REWRMEU«, M. EMIL STRAUSS, PRAG. Donnerstag, 6. September 1934 BeneS—Litwinow Zusammenkunft In Marlenbad Montag, den 3. September trafen, wie amtlich gemeldet wird, in Marienbad der russische Volkskommissär für auswärtige Angelegen- tzeiten Maxim Litwinow und Außenminister Dr. Edvard Bene« zusammen. Zweck der Zusammenkunft war der Austausch der Ansichten über die allgemeine politische Situation im Zusammenhang mit dem O st p a 11 und den bevorstehenden Debatten in Genf. Minister Dr. Bene« ist Montag nachmittag »ach Prag zurückgekehrt. Dr. BeneS nach Genf abgereist Am Mittwoch reiste Dr. Benes in Begleitung des LcgationSrateS Dr. Vladimir Kukerna zur Session des Völkerbundes nach Genf. Frankreichs Saarforderungen Barzahlung von 2 Milliarden Francs Paris, 5. September. Gestern abends wurde das Memorandum veröffentlicht, das die französische Regierung bezüglich drS SaargebieteS am 31. August an den Völkerbund gerichtet hat. Frankreich ersucht darin, schon fetzt den genauen Znstand festzustrllen» der entweder durch den Anschluß deS SaargebieteS an Deutschland, brz«. Frankreich oder durch Aufrechterhaltung deS Status quo entstehen wird. Für den Fall, daß die Abstimmung für Deutschland ausfällt, verlangt Frankreich Präzisierung der Bedingungen über den Rückkauf der Saargruben durch Deutschland und Barbezahlung des zwei Mil- liardenFrancöbetragendenGeld- Umlaufes sowie die Sicherung der Rechte und des Eigentums der französische» Staatsangehörigen. Sollte der Status qno aufrecht erhalten bleiben, so verlangt Frankreich, daß iift Saargebiet das demokratische und daS Lerfaffungöregime neu geregelt«erde. Und die wahren Putschisten sind immer noch freil Oesterrelchlsche Justiz Die Militärgerichte in Steiermark und lkömten habe» Mittwoch in fünf Fälle» Kerkerstrafe» von insgesamt 27 Jahren zehn Monaten verhängt. Unter den Verurteilten befindet sich eine Hebamme auS Stainz, die zwei Jahre er- hielt, weil sie die SA.-Leute zur Ermordung grfangrner Geiseln aufgesordert haben sott. In Salzburg fällte zum erstenmal ein Schwurgericht ein Todesurteil wegen Besitzes von Sprengstoffen. Ein gewisser Harlander wurde zum Tode, fein Mitangeklagter zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt, beide legten Berufung ein. Bemerkenswert ist der echt österreichische Anstand, daß eS in einem Land von wenig mehr alS sechs Million«» Einwohnern nun dreierlei Strafgerichte für Staats- und schwere Verbrechen gibt. ES urteile» Standgerichte, Militärgerichte und in den Ländern, wo kehr Ausnahmezustand herrscht, ordentliche Schwurgerichte. Die Strafausmaße werde» zwar nach dm gleichen Gesetzen,, aber unter ganz verschiedene» Bor- auSsetznugen bemrffm, vor allem aber sind dir Rechtsmittel der Angeklagten gegm di« Urteile ganz verschiedene. Gegm SchwurgrrichtSurtrilr kann bernfe» werden, bei den andrem Urteilen gibt es nur die Möglichkeit der Begnadigung. Aber Oesterreich ist ebm ein Rechtsstaat... Prlvatvermögen konfisziert Die Wiener Polizei nahm am Dienstag die Konfiskation des gesamten Vermögens d r e i e r Wiener Geschä ft Sleute vor, die in der n a t i,o n a l so z i a l i st.i s ch e n Bewegung tätig waren und die weegen Mitschuld am Hochverrat gerichtlich verfolgt werden. Es ist dies die erste Konfiskation deS Gcsamtvcrmögens von Personen, in Oesterreich. Der große Streik in USA Klarheit tut not! Wird Roosevelt Ausbreitung derStrelkbewegung Selbsthilfe gegen Streikbrecher Der große Streik der Textilarbeiter Hat anscheinend nicht sogleich mit voller Wucht ein- geseht. Zwar scheint es dort, wo die Parole ausgenommen wurde, wenig Streikbrecher zu geben, dagegen hat der Streik bei lveitem nicht alle Staaten der Federation erfaßt. Nach Ha- vas-Meldnngcn sind insgesamt 200.000 Arbeiter in 15 Staaten(also in ungefähr einem Fünftel der ganzen Union) in den ersten beiden Streiktagen in den Ausstand getretm, doch soll d ie Z a h l der Streikende» dauernd w a ch s c». So ist für morgen der Streikbeginn in der Seidenspinnerei Peterson im Staate New Jersey angekündigt, der weftere 20.000 Arbeiter in dm Kampf führen würde. Gegen die vorgekommenen Falle von Streikbrnch haben sich die Arbeiter insbesondere in dr» Südstaate» durch Selbsthilfe gewehrt, wobei allerdings an einzelne» Stellen die Polizei mit Waffengewalt gegen die Streikmdm vorging. In Nord Carolina haben die Arbrfter i» 100 Fabriken de» Streik erzwungen. I» Fallriver fand eine regelrechte Belagerung von 300 Streikbrechern durch 10.000 Streikende statt. In Kings Mountain sollen die Streikendm in drei Baumwollspinnereien eingedrungen sein nnd 900 Streikbrecher verjagt habe». Einer Rmtermeldung zufolge wird Präsident Roosevelt über Ersuchen des natio- nalen Arbeitsausschusses eine dreigliedrige Kommission einsetze«, die eine« BermittlnngSvorschlag ausarbeiten nnd vorher die Ursachen des Streikuntersuche» soll. Unterdessen will Roosevelt nichts«nternrhmen. Es scheint nach wie vor, daß Roosevelt nnd die RRA unter dem Drnck der Unternehmer stehen, die man für die kom- mende Wahlkampagne nicht reize» will. vermitteln? Papierenes Recht gegen Menschenrecht Die Bürokratie im Kampf gegen die Arbeitslosen Feldzug gegen die wilden Schlichte— Enteignung der Aermsten Lösung der sozialen Frage durch Gendarmerie? Wenn die Menschheit in den Greuel des Krieges und der Nachkriegszeit nicht so phantasielos geworden wäre, dann müßte jedem, der noch satt zu essen hat, täglich und stündlich die Frage qnälen: Wovon leben die Arbeitslosen? Wovon leben die Hundcrttausende, die ausgesteuert und auf die Lebensmittelkarte angewiesen sind? Da und dort gibt es eine Geineinde, die noch die Mittel hat, auszuhelfen, dann und wann kann in schlimmsten Fällen eine soziale Hilfsorganisation einspringen. Aber cs bleiben in jedem Bezirk Tausende Menschen übrig, die nichts haben als die Lebensmittelkarte, um die sie noch dazu immer von neuem kämpfen, um deren Verlust sie ständig bangen müssen, da eine einsichtslose und hartherzige Bürokratie ihre Zeit und das Geld des Staates damit vergeudet, immer neue Schikanen auszusinnen und mit der Berufung auf einen toten Paragraphen hungernden Menschen das Letzte zu nehmen, das sie vor dem Untergang bewahrt. Aber von der Lebensmittelkarte kann zur Not für einen sehr kleinen Haushalt das dringendste, angekauft werden: Kartoffeln, Brot, Malzkaffee, Fett oder Margarine für die Erdäpfel, Zucker in. den Kornkaffee herauszuschlagen, daS ist schon ein Rechenexempel, das kaum eine Frau lösen kann. Nun gibt es aber selbst im Hauswesen eines Bettlers gewisse ununigänglichc Ausgaben, die bestritten werden müssen. Wovon deckt der Arbeitslose sie? Gr versucht eS in der verschiedensten Weise. Persönliche Energie, Gewandtheit, Erfahrung spielen dabei eine große Rolle. Aber eS muß einer schön an Körper nnd Willen recht zäh und stahlhart sein, wenn er jahrelang durchhalten will. Hunderte, im Laufe der Krisenjahre schon Tausende, gehen vor die Hunde. Oer wilde Bergbau Wer durch das nordwesthöhmischc Kohlenrevier. reist, kann unschwer; diesen Existenzkampf der Arbeitslosen beobachten. Er hat in jeder Landschaft seine besonderen Formen angenommen. Im Waldland werden Holz und Pilze oder Beeren gesammelt, hier im Kohlenrevier sammeln die Arbeitslosen eben Kohlen. Zunächst haben sie die Halden» die Verladerampen, wo sie zugänglich waren, die Bahnstrecken abgesucht und ein paar Pfund, wenn cs hochging einen. kleinen Sack Kohlen gesammelt. Aber dieses Sammeln der Abfälle verlohnt die Arbeit nicht und noch weniger die Zeit. Es wird wenig Kohle gefördert, wenig Kohlenzüge rollen über die Bahnstrecken, daher ist auch der Abfall spärlich. Ein paar mutige Burschen fingen an, eS anders zu betreiben. In einem verlassenen Tagbau legten sie verschüttete Strecken bloß, gruben sie kleine Schächte, holten Kohle dort, wo der Kapitalismus sie übrig gelassen, weil die geringe Ergiebigkeit oder die mindere Qualität nicht genug Profit sicherten. Bald fanden die Pioniere Nachahmer. Immer kühner wurden die wilden Bergleute. Sie tauften allerorten zwischen Komotau und Karbitz ihre kleinen Schächte. Sie begannen regelrecht zu fördern, mit Krampen und Schaufeln rangen sie der Erde ab, was sie ungern gibt. Sie fordert ihre O p f e r. Die wilden Bergleute haben nicht das Meßgerät, nicht die technischen Kenntnisse, um mit kunstvollen Berechnungen ihr Werk planvoll an- -ulegen. Sie haben keine Hilfsmittel, sich gegen Einsturz ihrer Stollen und Schächte, gegen den kalten Dunst und andere gefährliche Grubengase zu sichern. Zahlreiche Todesopfer hat der wilde Bergbau im Braunkohlenrevier schon zu beklagen. Aber der Hunger ist st ä r k e r als alle Bedenken, stärker als die Angst um das Leben. Wenn heute zwei verschüttet wurden, morgen einer erstickte, so gingen die anderen, doch wieder,zur Grube. Ihre Kinder wollen Brot, sie selbst wollen nicht betteln und stehlen, -(Fortsetzung auf Seite!!.), N. Minderheitspolitik und TotallUitsanspruch Das Wesen der Demokratie ist Zusammenarbeit. DaS Wesen des FasciSmuS ist das Parteimonopol, die rücksichtslose Ausrottung jeder politischen Konkurrenz. Die Alleinherrschaft einer Partei ist nur aufzurichten mitGewalt, setzt einen Zustand der Rechtlosigkeit voraus. Damit schon ist klargestcllt, daß daS Prinzip der Ausschließlichkeit, wie eS der HitlerismuS über Deutschland aufgerichtct hat, von den deutschen Minderheiten nur kopiert werden kann um den Preis ihrer politischen und wirtschaftlichen Vernichtung. Eine selbständige Politik nationaler Minderheiten ist überhaupt nur in einem demokratischen Staatswesen denkbar, den» im totalen Staat gibt cs weder einen Einfluß, noch einen Schutz der Minderheiten. Neben einer anderSnationalcn Staatsgewalt läßt sich kein Parteimonopol aufrichten. Wer in die Politik einer Minderheit seinen Totalitätsanspruch hineinträgt, muß an einen: gewissen Punkt in Konflikt mit der Staatsgewalt kommen. Die Deutschen in Ungarn, Jugoslawien, Rumänien, im M e m e l l a n d haben schon die Zeche des nationalsozialistischen Wahnwitzes bezahlt. Ihre Organisationen verboten, ihre Positionen vernichtet oder schwcrstcns bedroht, die irregcführtcn Menschen in den Gefängnissen, das ist die Bilanz. Für die Sudetendeutschcn war das liebergreifen des HitlerismuS über die Grenzen eine Existenzbedrohung schlechthin. Hätte sich der braune Ungeist der Führung der sudetendcutschen Politik bemächtigt— das ganze Volk iväre in Konflikt nn't der Staatsgewalt verfallen, von dieser Staatsgewalt zermalmt worden, ohne daß die ncudcutschcn Rundfnnlschwäber zu seiner Hilfe einen Finger gerührt hätten. Gewiß, wir Sozialdemokraten haben den Kampf gegen den Nationalsozialismus aus politischer Ucbcrzeugung leidenschaftlich geführt, als sittliche Abwehr gegen die braune Barbarei. Dieser Kampf War aber zugleich ein Ringen um die politischnationale Existenz des SudetcndeutschtumS. Unser Verdienst ist es in erster Linie, daß der Gegenhiev der Staatsgewalt nicht die ganze deutsche Minderheit getroffen hat, sondern zwei Parteien, die mit ihrer Existenz Hasard gespielt hatten. Ohne diesen grundsätzlichen Widerstand iväre das mühsam aufgebaute Vertrauen zwischen Deutschen und Tschechen völlig zerstört und dem tschechischen Fascismns eine große Chance geboten worden. Dieser Kampf hat daS BolkSschicksal der Sudetendeutschen von der Katastrophcnpolitik deS.Hitleriü- mus gelöst. Dann kam die H e i m a t f r o n t. Angeblich ivurde sic zu dem Zivccke geschaffen, den obdachlosen Anhängern der aufgelösten Parteien ein neues Asyl zu bieten. Gegen die Schaffung einer neuen demokratischen deutschen Partei könnte ein demokratisches Regime nichts cinwenden. Die deutschen Regierungsparteien müßten sich in offenem Wettbewerb mit ihr auscinandersetzcn, wie I etwa mit den deutschen Christlichsozialen und de» sonstige» kleineren Gruppen. Unser Verhältnis zur Heimatfront wird nicht durch Konkurrenzneid bestimmt. Wir bekämpfen sie schonungslos, weil sie de« politischen Totalitätsanspruch deS bankrotten Nationalsozialismus in anderer— vorsichtigerer— Form weiter vertritt. ES ist die alte f a s c i st i s ch e Methode, welche da in die Politik eines Minder- heitsvolkes hincingetragcn wird, wenn ein Flugblatt der Heimatfront sagt: I Wer hetzt Klasse gegen Klasse? ! Wer hetzt Stand gegen Stand? Die Parteibonzenk Wer bereichert sich auf Kosten" des Volkes? Wer föhtt«in LuxuSlrbrn aus Kosten orS Volkes? Die ParieibonzenI Wer stellt Parteiinteressen vor die des Volkes? Wer hat den Nutzen aus diesem Bruderkampf? Die Parteibonzenk Wer bekämpft sie? Konrad Henlein! ES ist echt nationalsozialistische Berken«« düng, die sich auch gegen, die deutsche Agrarpartei richtet, wenn die letzte Rundschau schreibt; „Die politische Aktion derer, die im A k t i« . vismus nur ein Profitgeschäft für Sette 2 Donnerstag, S. September 1934 Nr. 208 ' sich und nicht«ine Lebens- und ArbeitSgrundlage für ein gesamte» Boll sehen, wird in die Lief« stürzen." Echt fascistische Methode ist es, wenn Henlein in seinen Versammlungen jede Diskussion mit politischen Gegnern ablehnt, wenn seine Jünger aber gleichzeitig die Versammlungen der schwachen Gewerbepartei majorisieren wollen, dort nach dem demokratischen Mehrheitsprinzip den Vorsitz und Redefreiheit verlangen. Fascistischer TotalitätSanspruch ist es, wenn die politischen Richtlinien der Heimatfront vom IS. Juli hinsichtlich der deutschen Gewerüepar« tei erklären:„DHF beharrt auf restloser Unterordnung unter da- Gesnmtwohl". Auch von den deutschen Christlichso« z i a l c n fordert dieses Dokument«Unterordnung unter dir gcsamtvölkischen Interessen". DaS.Gesamtwohl" und die»gesamtvölkischen Interessen" werden natürlich von Herrn Henlein repräsentiert. Er will entscheiden, was von den politischen Gruppen de» Sudetendeutschtums Daseinsberechtigung hat. Nachdem die Herren von der Heimatfront weder fachliche Qualitäten, noch ein positives Programm nachweisen können, bleibt ihnen kein anderer Weg zur Durchsetzung dieses Totalitätsanspruches als der politische Kampf mit antidemokratischen Mitteln, die Vergiftung der sudetendeutschcn Politik durch fascistische Schlagworte. Ganz wie Hitler bescheinigen sich die Herren von der Heimatsront heute schon ihre Unentbehrlichkeit für das Volk. Sandncr sagte in Dux: »Wir, die Heimatfront, sind der letzte Einsatz, nach uns kommt niemand mehr, der das Schicksal der Sudetendeutschen «enden soll." Fehlt nur noch di« ständige Drohung Hitler» und Goebbels, dass nach ihrem Scheitern unweigerlich der Bolschewismus kommen werde. Wir fragen: wo besteht da ein grundsätzlicher Unterschied zwischen der Politik der Jung und Krebs und der des Herrn Henlein? Die Heimatfront ist in den äusseren Formen Partei lvie jede andere. Sie hebt Beiträge ein, gibt Zeitungen heraus, gründet Sekretariate, soweit die übernommene Konkursmasse reicht. Sie verschmäht dabei die Hilfe von bekannten Parteipolitikern nicht. Trotzdem setzt sie gleichzeitig mit dem heuchlerischen Kampf gegen die „Parteibonzen" ein, der das Um und Auf der früheren Nazi-Agitation war. Die Heimatfront will sudetendeutsche Monopolpartei werden und daran wird sie scheitern, weil das politische Dasein eines Minderheitsvolkes keinen Totalitätsanspruch verträgt. Die sudctendeutsche Bevölkerung wird, solange sie in einer demokratischen Republik lebt, ihre politische Gruppierung n a ch f r e i e m W i l» len formen. Sehr wahrscheinlich, dass dabei Parteien überflüssig werden.. Ueberflüssig wird zuvörderst alles, was haltlos zwischen Demokratie und FasciSmuS schwantt. Wirkämpfenumdi e grundsätzliche Entscheidung. Getrost sehen wir dabei jeder Kraftprobe entgegen, die erweisen soll, ob für unser Minderheitsvolk Demokratie und Sozialismus oder FasciSmuS überflüssig sind. ein Gendarm eine Frau anhäll. Während er noch gegen sie amtshandclt, kommt ein zweite» Wägelchen daher. Er wendet sich ihm zu. Unterdess entleert die zuerst gestellte Frau die Kohlensäck« auf da» Pflaster und flieht im Laufschritt. Vielleicht kann sie so doch den Wagen retten. ES ist für die weltfremde und vor allerp jeder Menschlichkeit bare Denkart unserer Bürokratie bezeichnend, dass sich dies« Dinge abspielen, dass die Herren Beamten heute nichts Besseres zu tun haben, als aus ihren verstaubten, papierenenParagraphen Argumente gegendaS lebendigeRecht der Menschen auf Arbett und Brot zusammenzutragen. vle geschädigten Konsumenten der Arbeitslosenkohle sind der in zweiter Linie Betroffenen. Wicviele Familien, wieviel« alte Leute, Rentner und Pfründner, leben nicht in den Elendsbezirken RordböhmenS, die dank der billigen Arbeitslosenkohle die Möglichkeit hatten, manchmal im harten Winter ihre Stube zu Heizen! Sie waren die Hauptabnehmer der Arbeitslosen. Die Kohlenhändler werden bei dem Geschäft wenig gewinnen. Die armen Teufel, die von den Arbeitslosen billige Kohlen kauften, werden bei den Händlern keine la HalbgaSkohle in ganzen Fuhren bestellen. Sie werden eben frieren und zu knapper Kost auch noch eine kalte Stube haben! Ein Leidtragender, den man nicht übersehen darf, ist aber auch der d e m o k r a« tischeStaat. Ihm wachsen keine guten Bürger, keine treuen Kämpfer zu, wenn in seinem Namen missbräuchlich gegen die Aermsten der Armen vorgegangen wird. Der Republik erweisen die Herren Bürokraten einen Bärendienst, wenn sie ihre GesetzeükenntniS und ihre Energie an denen erproben, die einer sozialen Demokratie gern mit ihrem Leben dienen würden, aber durch die Plackereien der Bürokraten zu Gegnern der Demokratie werden. Nicht nur, dass die verkappten Hakenkreuzfascisten uns das Dach über dem Kopf anstecken, während die Gendarmerie auf Arbeitslose jagt, werden, diese Arbeitslosen durch den Unverstand der staatlichen Organe den Staatsfeinden in die Arme getrieben. *» ♦ Die Bürokratie und die Brotteuerung Die Bezirkshauptmannschaft Braunau kennt keine Gewerkschaften. In unserem Trautenauer Bruderblatt wird mit Recht Beschwerde geführt, dass bei einer Enquete, welche am 27. August, in Braunau über die Frage der BrotpreiSregclung stattfand, die Gewerkschaften nicht beigezogen worden sind. Dabei ist in einet vorangegangcnen Beratung' der Herr BezitkShauptmanN Dr. Trykar von einem Vertreter der Konsumgenossenschaften aufmerksam gemacht worden, dass in dieser lebenswichtigen Frage auch die Gewerkschaften zu hören sind. Dessenungeachtet ist in der Beratung vom 27. August der Brotpreis um 14 Prozent ohne Beisein der wichtigsten Konsumentengruppe hinaufgesetzt worden. Und dabei wird in der amtlichen Verlautbarung noch gesagt, die Erhöhung sei im Einvernehmen mit den Produzenten und Konsumenten erfolgt. Hoffentlich wird der Bezirksbehörde in Braunau von zuständiger Stelle bedeutet, dass auch dort die Existenz der freien Geiverkschaften zur Kenntnis genommen werden muh. Deutsche Christlichsoziale für Hitler „Das Boll", das schlesische Organ unserer Ehristli'chsozialen, nimmt in seiner Ausgabe vom 4. September im Leitartikel gegen den Eintritt Russlands in den Völkerbund Stellung und schreibt unter anderem: „Durch die Aufnahme Sowjetrusslands in den Völkerbund wird die Politik des Bolschewismus sozusagen rehabilitiert: Sowjetrussland im Frack.. Der Riesenmuschik als Gendarm de» Osten» reicht dem vollgerüsteten Soldaten des Westens die Hand zum Bündnis. Ueber Deutschland, dem wehrlos.en Nichtmitglied de» Völkerbünde». Zur„Garantie de» Frieden»". Zur Sicherung des europäischen„Gleichgewichte»" und wie die schönen Redensarten alle heissen." „Das wehrlose Deutschland" ist bekanntlich im vorigen Jahre au» dem Völkerbund ausgetreten, um freie Hand für die seither fieberhaft betriebene Aufrüstung zu haben. Es kann, wie man steht, nicht nur mit der Sympathie gewisser land« bündlerischer Abgeordneter, sondern auch mit der Zuneigung der sudetendeutschen Ehristlichsozialen rechnen. Hakenkreuzzentrale In Mähren aufgedeckt In Rippau bei Mürau in Mähren entdeckte die Gendarmerie ein Zentrum der geheimen Hakenkreuz-Propaganda. Bei einem Beamten wurde ein Lager illegaler Flugblätter gefunden und e» besteht Grund zu der Annahme, dass von dott aus auch die Hakenkreuzmalerei, welche in der letzten Zeit in dem Gebiet zwischen Mürau und Miglitz beobachtet werden konnte, organisiert wurde. DaS Material wurde beschlagnahmt und nach Rippau eine Kommission des Olmüher Kreis- gerichts gesandt. 551 Millionen böhmisches Landesbudget Der Landesausschuh für Böhmen hat in seiner gestrigen Sitzung daS Budget des Landes Böhmen für das Jahr 1988 behandelt und beschlossen, dieses Budget durch die Landesbudgetkommission der Herbstsession der Landesvertretung in. der folgenden Fassung vorzulegen: Die laufenden Einnahmen betragen 681,482.009.— Kö, die laufenden Ausgaben KL 681,448.000.—, so dah sich also ein Ueberschuh von KL 4000.— ergibt. Die JnvestitionSauSgaben in der Höhe von 72,880.000.— KL werden durch Anleihe-Erträgnisse gedeckt werden... Aussöhnung-wischen Hlinka«nd der tschechischen Bolkspartei? Der Vorsitzende der slowaki« schen Bolkspartei Hlinka wurde nach Meldungen tschechischer Blätter fiir nächsten Sonntag nach Leitvmischl zu einer Kreistagung der tschechischen Klerikalen cingeladen. Zwei Tage später soll er auch in Pilsen über daS Verhältnis zwischen Tschechen und Slowaken sprechen. Bei dieser Gelegenheit wird er auch mit Führern der Tschechischklerikalen Zusammentreffen. ES scheint somit wieder— zum so und sovieltenmale— eine BersöhnungSaktion zwischen den beiden feindlichen Bruderparteien im Gange zu sein, die, falls sie diesmal gelingen sollte, ihre Konsequenzen wchl auch hinsichtlich der Aufnahme der Hlinkapartei in die Regierungsmehrheit nach sich ziehen müsste. vle Bürokratie gegen die Arbeitslosen (Fortsetzung von Seite 1.) Die Behörden schritten nach jedem Unglücksfall ein, aber sie taten es zunächst in einer milden Form, im Bewusstsein der Tragikomik, dass sie den Menschen daS Leben retten, damit sie in Sicherheit verhungern können. Sie warnten, stellten einen Posten aus, liehen den Dingen dann doch ihren Lauf. In der jüngsten Zeit hat sich das geändert, vor allem imTeplitzerRevier. Die Ursache scheint weniger die Sorgen um das Leben der Arbeitslosen, als die F ü r s o r g e für die reichenKohlenhändlerzu sein. Den Kohlenhändlern war es schon lange nicht genehm, dah die Arbeitslosen ihnen Konkurrenz machten. Es verlautet, dass die Herren Kohlenhändler beim Tcplitzer Bezirkshauptmann auf Abstellung des wilden Bergbaues gedrängt haben. Wie immer dem sei, der Bezirkshauptmann von Teplitz begann mit einer grossen Amtshandlung. Er kann den Arbeitslosen zwar keine Arbett, er kann ihnen nicht einmal ein paar Lebensmittelkarten mehr geben, aber er kann ihnen, jetzt an der Schwelle eines harten Winters die Arbeit vieler Monate zerstören, die letzte Hoffnung und diesen Aermsten der Armen ihren bescheidenen Besitz nehmen. Gendarmerie gegen die Krise I Gendarmerie fahndet in allen Strassen von Turn und Teplitz nach den Wägelchen der Arbeitslosen, lauert ihnen auf den BezirkSstrahen auf, sucht sie in den Stollen und Schächten. Diese wurden fast überall einfach verschüttet. Dabei ging man so verständnislos und roh vor, dah man auch die Werkzeuge der Arbeitslosen, ihre Seile, Winden, Rollen ebenfalls verschüttete. Als ob in dieser schrecklichen Zeit nicht schon genug Güter verwüstet und zerstört würden! Richt genug damit, hat man den Arbeitslosen ihre Wägelchen genommen. Man hat ihrer eine stattliche Zahl konfisziert und sie stehen nun im Hofe des Gemeindeamtes in Turn. Wenn der Arbeitslose keine Kohlen mit ihnen fahren darf, so könnte er sie benützen, um Holz zu fahren, um vielleicht gelegentlich durch eine kleine Transportarbeit ein paar Kronen zu verdienen. ES ist auch vom borniert bürokratischen Standpunkt au» eine ganz überflüssige Härte, die Wagen zu konfiszieren, den Menschen, die gar nichts mehr haben, nicht einmal mehr die Hoffnung auf bessere Zeiten, dieses letzte Produktionsmittel zu nehmen, mit dem sie soviel erwar- ben, dass sie'nicht zum Strick grossen""mutzten. Dem Bürgermeister von Turn hat der Bezirkshauptmann untersagt, auch nur einen der Wagen herauSzugeben. Er machte ihn persönlich haftbar für jedes der armseligen Gefährte. Es entstand daS Gerücht, die Wagen sollten verbranntwerden und der Bevölkerung bemächtigte sich b e r e ch t i g t e Empörung über so sinnlose ZerstörungS- und Rachctendenzen. Auf den Strassen spielen sich empörende, traurige Szenen ab. Ein Arbeiter, dem der Gendarm den Wagen nehmen will, springt, halb wahnsinnig vor Wut und Verzweiflung, mit beiden Füssen auf das wacklige kleine Gefährt und tritt es zusammen:„Nehmen Sie sich das", sagt er dann resigniert. Mitten in Teplitz kann man beobachten, wie 43 ■ FRITZ ROSENFELD: «ach üaejutta EIN BOMAN ZWISCHEN TRAUM UNO TAO Denn die Farbe des Hellen Goldes hatte sein Reich gefällt, das Reich aller Reiche, hatte seine Macht zerbrochen, die wie keine Macht auf Erden gewesen seit den Königen von Aegypten und Babylon. Diese lockende, betörende, vernichtende Farbe des Hellen Goldes.. Als er die Treppe de» Turm» niederstieg, hörte er einen Soldaten singen, der Wache hielt. Roccu Eddin horchte. Er sang in endlosem, einförmigen Rhythmus ein Wort: Axjutta. Da rief Roecu Eddin, der Soldat wurde gefesselt und weggeschlcpvt. Drei Monde bei faulem Wasser und harten: Brot sann er im Kerker von Ulleika darüber nach, warum Roecu Eddin ihm zürnte. Und Ivenn sein Hirn müde war von den fruchtlosen Gedanken, dann sang er wieder leise vor sich hin, in endlosem, einförmigem Rhythmus: Axjutta! Axjutta! Axjutta! sang die Peitsche in der Luft, die Pal über den Rücken seine» Pferdes sausen liess. Der Schlitte» glitt über die ewige Fläche von Schnee, die Hütten flogen vorüber, die Frauen traten vor die Tür und wiesen mit Fingern auf den Mann, der dort auf den rasenden Kufen stand, ein weisses Pferd mit jagender Peitsche antrieb, und nur still hielt in seiner tollen Fahrt, um ein Wort in den Wald zu rufen, über die Schneefläche, über den Hang der Hügel: Axjutta! Am Abend ritz er vor einem Haus oder einem Zelt die Züael feine» Pferde» zurück und sprang von den Kufen. Um ein Lager bat er und um einen warmen Trunk, Die Hirten kannten ihn, sie gaben ihm, was er forderte, aber sie sprachen nicht mit ihm. Mit Männern seiner Art zu sprechen, brachte Unheil.. Sie rückten unter dem Zelt so weit von ihm ab, al» sie konnten. Und sie taten kein Auge zu in den Nächten, die er bei ihnen weilt«. Einen schweren Schlaf schlief der Fremde. Er wälzte sich von einer Seite auf die andere, seine rechte Hand hiett auch de» Nachts ein Amulett umklammert, da» an einer dünnen Kette an seinem Halse hing. E» konnte geschehen, datz er mitten in der Nacht erwachte, sich auffetzte, wie irr vor sich hinstarrte, in» Leere griff mit seinen dünnen Händen, und da» Wort rief, da» ihn verfolgte wie ein böser Geist sein Leben lang: „Axjutta." Da wagten die Männer und Frauen im Zelt nicht zu atmen. Erst äl» der Fremde sich wieder gelegt, al» seine Augen wieder zugefallen und seine linke Hand wieder schlaff auf dem Boden lag, sahen sie einander an. Am Morgen und an den langen Abenden, die sie allein waren in chren Zelten, sprechen sie von dem Fremden. So jagen die Männer um die Welt, deren Leben eine Frau zerstört hat. Sie suchen diese Frau, um sich an ihr zu rächen. So jagen die Männer um die Welt, deren Seele eine heilige Liebe erfüllt, und eine übergrosse Sehnsucht. So jagen die Männer um die Welt, die den Frieden suchen, den Frieden mit den Menschen und mit sich selbst. So jagen die Männer um die Welt, die eine Heimat suchen. Denn aller Menschen Heimat ist der geliebte Mensch. • An einem Wintertag, die Erde war weih, grauer Nebel verhängte die Felder, quoll an den Hügeln empor, ballte Wolken über dem Haupt der Hügel, bat Pal in einer Hütte um Obdach. Es wurde ihm gewährt; aber in dieser Nacht wachten die Bewohner der Hütte nicht über seinen Schlaf, sie holten Soldaten, und al» Pal erwachte, war er gefesselt. Er trug ein Assassinenschwert, er trug das Schwert, das Ala Eddin ihm gegeben in der Stunde des Schwur». Zwei Tartaren standen neben seinem Lager, als er die Augen ausschlug. Er ritz sich hoch, die gefesselten Arme stemmte er gegen die Brust der Tartaren, mit den Knien stiess er gegen die Tartaren. Da zog einer sein Schwert und hieb Pal über den Kopf. Er brach zusammen, sein Haar war bluwerklebt, rot färbte sich diese» graue, schüttere Haar. So schleppte man ihn vor den Khan. In zerrissenem Kleid, mit blutiger Schläfe. Äe Knechte des Khans traten ihn in den Rücken; wie ein Fatz, da» einen Stotz erhiett, kollerte er zu Halugas Füssen. „Er ist einer von den Würgern", sagten die Tartaren.„Wir haben ihn in einer Hütt« gefasst. Er hat sich wohl mtt Blut vollgesoffen und schlief nun den roten Rausch aus. Er hat um Obdach gebettelt und wollte wohl de» Nacht» die Hütte plündern." Pal. öffnet« die Augen, sah mtt einem brennenden Schmerz in den Augen zu den Knechten auf, dass sie verstummten. Der hatte sich nicht mit Blut vollgesoffen, wenn er auch ein Affassinen« schwert trug. Der war nicht trunken de» roten Rausche», und in seinen Augen stand nicht» zu lesen von Mordgier und Hass. Die Augen Pals gingen zu Hulagu. Der Khan stieg die Stufen nieder, schon wollte sein Fuss Pal berühren, ihn aufrollen wie ein scheussliches Tier, vor dem die Hand zurvckschreckt— da sah er Pals Augen, und sein Blut stockte. Das war kein Krieger, das war ein Toter, der voü drüben heimgekehrt ist zu den Lebenden, für eine Weile. Er trug da» Zeichen de» schwar zen Engels deutlich auf der fahlen, gefattetcn Stirn., Der Khan winkte, die Krieger traten beiseite. Ganz tief beugte der Khan sich über Pal: „Wer bsst du?" Die Augen Pals sahen Haluga an, ober er brachte keinen Ton hervor. Seine Kehle war erstarrt, vereist im Frost, und brannte doch wie glühendes Feuer. Seine Zunge war wie abgebrochen, sie gehorchte ihm nicht mchr. Seine Stimme war eingerostet in Sand und Hitze und Blut und Sehnsucht. „Wer bsst du?" fragte der Khan nochmal». Da fielen Pals Augen zu, sein Kopf sank herab, müde und schlaff fiel er in sich zusammen wie ein ausgeronnener Sack. Di« Krieger wollten ihn packen und forsschleppen, zu den Toten werfen, die man vor der Stadt einscharrte, zu den vielen unbekannten Toten, die auf den Strassen dahergebracht wurden und von der Wolga an» Land gespült, die in den Kriegen fielen und die in den Nächten die Dämonen auf den Flügeln der Winde herbeitrugen. Namenlose, die unbekannten Schicksals und unbekannten Todes hinübergingen in das Reich ohne Ende. Der Khan ckber gebot Einhalt, er rief Katta und befahl ihr, den Fremden zu pflegen. Behutsam hab man ihn auf, trug ihn in ein stilles Gemach, bettete ihn und wusch seine Wunde. Der Khan sagte zu seinen Räten: „Er kann uns von Nutzen sein. Er wird uns das Rüssel der Würgerheere verraten, und wenn wir ihn über offener Flamme verbrennen und mit glühenden Speeren zu Tode kitzeln mühten. Er wird uns von Nutzen fein." ♦ Katta sah an Pals Lager, als er wieder erwachte. „Axjutta", rief er,«Axjutta" ,(Forssetzung folgt.) Jfe. 2VS SonneHtag, 6. September 193s Getto 3 Ministerpräsident Malypetr kehrte gestern vom Urlaub nach Prag zurück und übernahm von seinem Stellvertreter, dem Eisenbahnminister Genossen Bechyni, die Leitung der Regierung-» geschafte. er» eine I schleunig! durchführen zu lasten, Schickelgruber und die Jahrtausende: Pari-, 8. September.»Petit Parisien" meldet au- dem Haag, daß zufolge der gestern au»- gegebenen amtlichen Verlautbarung, Holland nicht für die Aufnahme SowjetrußlandS in den Völkerbund stimmen werde. Bisher sei jedoch noch nicht entschieden, ob eS dagegen stimmen oder sich der Stimme enthalten werde. Der belgische Ministerrat hat dem Außenminister Jasper die Vollmacht gegeben, in Genf seine Stimme in dem Sinne abzugeben, wie esdenJnteressenBelgienSambe- stenentsvricht, und seine Ansicht erst nach den Kundgebungen der übrigen Delegierten, hauptsächlich der Delegation Hollands zu äußern. Es ist wahrscheinlich, daß der belgische Außenminister sich der Stimme enthalten wird. Die Schweiz bleibt nicht adeln Es ist eine immerhin auffällige Erscheinung, daß die Lautsprecher des Dritten Reiches, die Hitler, Goering und Goebbels, sich in den letzten Wochen ruhiger Verhalten haben, während der zum Wirtschaftsdiktator emporgehobene ReichSbank- präsident Dr. S ch a ch t um so eifriger dem Ausland die Schuld an den wirtschaftlichen Schlvierig- keiten der Welt im allgemeinen und an der schweren Krise in Deutschland im besonderen in die Ohren schreit. Seitdem die komplette Unfähigkeit des nationalsozialistischen Regimes, dem Wüten der Krise des kapitalistischen Wirtschaftssystems Einhalt zu geben, offenkundig geworden ist, seitdem sozusagen selbst der Blinde mit den Händen greift, daß Deutschland am Abgrund dahintaumelt, wachsen die Anstrengungen der verantwortlichen Fascisten, Sündenböcke für die Entwicklung ausfindig zu machen, die sich so gar nicht nach ihren Prophezeiungen richten will. Die Marxisten und Juden können es nicht sein— gegen sie haben die Nationalsozialisten ja, einen Vernichtungskrieg«e- führt. Die Üntauglichkeit des fascistischen Rezepts einzugestehen, hieße, die schon nicht mehr so festen Fundamente des Diktaturregimes erschüttern. Also bleibt nur das Ausland. Der brave Dr. Schacht hat sich in seinen letzten Reden vor ausländischen Journalisten, auf der Leipziger Meffe und auf dem agravwiffenschaft» lichem Kongreß in Bad Eilsen wirklich kein Blatt vor den Mund genommen. Frisch von der Leber weg hat er besonders gegen jene, die die Gläubigerländer Deutschlands find, die schwersten Anklagen erhoben. Sie tragen die Schuld daran, erstens, daß Deutschland eine hohe AuslandS- fchuldenlast herumschleppt; zweiten-, daß Deutschland- Einfuhr und Au-, fuhr so start zusammengeschrumpft ist; dritten-, daß e- die Rohstofsknapphrft immer schärfer zu spüren bekommt; vierten-, daß die Weltwirtschaftskrise noch nicht vorüber ist. Immer die Gläubigerländeri Die fascistische Regierung Deutschlands ist völlig unschuldig, wenn sie nun durch ihren Dr. Schacht erklären muß, daß sie ihnen nichts mehr zahlen wird, daß es aber Pflicht des Auslandes ist, von jetzt ab mehr deutsche Waren abzunehmen und die rechtmäßigen Schuldenforderungen stark herabzusetzen. Nichts anderes ist der Sinn der Rede des Dr. Schacht: Die Länder, die Deutschland und seinen Industriellen große Kapitalien geliehen haben, sollen"zunächst auf eine Reihe von Jahr« aus jedwede Zins«- und Tchuldenrückzahlung verzichten. Sie sollen darüber-inan- einen erheblich« Teil ihrer nach D«tschland auS» geliehenen Kapitalim überhaupt gänzlich abstreich«. Dann aber soll« sie mehr Waren von Deutschland kauf«, ohne Rücksicht aus ihre eigen« Industrien, und außerdem verlangt Deutschland, daß ihm die Gläubigerliürder, die eben schamlos geprellt werden, n«e Kredite be ne e r m e h r aus den Händen zu' geben", was man ihnen ausnahmsweise ja aufs Wort glauben wird. Das„nervöseJeit- alter des 19. Jahrhunderts" habe in Deutschland seinen Abschluß gefunden(denn man Hai anscheinend die auf die Nervosität folgende nächste Stufe geistiger Zerrüttung erreicht). „In den nächsten tausend Jahren findet in Deutschland keine Revolution mehr statt." Sicher keine solche, wie die national- sozialisttsche! ES folgt die neuerliche Versicherung der Friedfertigkeit. Deutschland wird als das Land hingestellt, das die Welt zum Frieden erziehen will und tief betrübt ist, daß die Welt bisher widerspenstig war. Dann wird die„Säuberung der Partei von pflicht- und ehrvergessenen Elementen" gestreift, unter den Errungenschaften die„Unab- hängigmachung Deutschlands von den Rohstofflieferungen, um dem Weltboykott zu begegnen" und al» besonderer Witz die„Versuche zur Versöhnung der Konfessionen im neuen Staate" erwähnt. Hoffentlich zweifelt nun niemand mehr, daß Deutschland ein nationalsozialisttsche» Jahrtausend vor sich hat! der wird man sich diesen tiefen Fall einer großen Nation erklären können! Die Partei sei entschlossen, die Macht zu halten: Die deutsche Lebensform sei für da- nächste Jahrtaus«d endgültig bestimmt. Die vier Millionen Neinsager werden als eine„Fronde destruktiver Elemente oder einfältiger Toren" bezeichnet, welcher „R e st nichtnationalsozialistischer Weltanschauung und Staatsgesinnung im nächsten Angriff zersprengt werden" soll. Merkwürdig nur, daß dieser„R e st" in weniger als einem Jahr, um 100 Prozent gewachsen ist! Nochmals wird betont, daß man die Aufgabe habe, die Macht zu erweitern und„n i m- Oie Deriöhnuna der laleinffdienSdimelleni Hitler hat den Idimarzen Peter gezogen Nach den Meldungen der römischen und der Pariser Presse, vor allem auch nach deir Kommentaren. die offiziöse Blätter der Frankreich befreundeten Staaten dem Besuch Barthous in Rom geben, muß es als sicher erscheinen, daß die französisch-italienische Verständigung nicht nur die aktuellsten Konflikte beseitigt hat, sondern zu einer regelrechten Enten te gediehen ist. Der Besuch des französischen Außenminister» soll von großen Festlichkeiten begleitet sein, in denen die alte Freundschaft der beiden lateinischen Schwestern auü dem Weltkrieg erneuert werden soll. Die Voraussetzung ist natürlich die Bereinigung der Hauptstreitfragen zwischen Italien und Frankreich. Tatsächlich scheinen in der Seerüstungsfrage weitgehende Beschlüsse vorzuliegen. Vermutlich hat sich aber Frankreich auch mit der italienischen Vorherrschaft im Donaubecken abgefunden, während andererseits Italien in den letzten Tagen sichtbar von den ungarische nRevisionS« forderungen abgerückt ist. Vielleicht ist auch über die HabSburger- frage eine Einigung erzielt worden, die zwar die Gefühle der Kleinen Entente schont, aber Mussolini freie Hand läßt. Denn im selben Augenblick, wo Darthou sich anschickt, den nun 18 Jahre alten Konflikt mit Italien zu begraben, hat er einem Journalisten erklärt, daß für Oesterreich der Anschluß n i ch t, die Monarchie „wenigstens jetzt noch nicht" in Frage komme. Außerdem taucht eben jetzt wieder das Gerücht von der Verlobung Otto Habsburgs mit Maria von Savoyen, der Tochter des italienischen König», auf. Ob Italien als Gegenleistung für die französischen Zugeständnisse eine gewisse Sicherheit für Jugoslawien schafft, bleibt abzuwarten. König Alexander ist für Oktober zu offiziellem Besuch gemeldet. Seine Regierung hat in jüngster Zeit mit Berlin kokettiert, weil ihr die italienische Ueber- mächt unheimlich wurde und Frankreichs Politik anscheinend keine Sicherheiten für Jugoslawien zu bieten hatte. König Alexander wird also nach Barthous Reise in Paris selbst die Antwort auf die bange Frage holen, ob Jugoslawien der „lateinischen Schlvester" geopfert wird. Der Geprellte in dem Spiel ist ohne Zweifel Hitler, der mit seiner Außenpolitik an entscheidender Stelle Schiffbruch leidet. War doch Italien nicht ein zufälliger Kumpan wie Polen, sondern ein„n a t ü r l i ch e r Bundesgenosse D e u t s ch l a n d S". So hat Hitler eS schon in„M e i n K a m p f" apostrophiert. Auf der deutsch-italienischen Freundschaft baute Hitlers ganze Kontinentalpolitik auf. Italien aber hat nur wie seit nunmehr fast 90 Jahren die Politik des Saero egoismo auf Kosten anderer betrieben. Italien ist durch fremde Mächte, durch die Opfer anderer Nationen ein Staat, eine Großmacht, ein Imperium geworden. Es hat mit Mussolini an der Spitze im Grunde nur die Politik Cavours, CrispiS, TittoniS und Sonninos fortgesetzt. Es hat Deutschland als Popanz benützt, um die Franzosen zu schrecken. ES hat die deutsche Aufrüstung gedeckt und zu gleicher Zeit Oesterreich in seine Einflußsphäre gezwungen. Es hat mit der Bölkerbundreform gedroht, nicht nm Hitler zu helfen, sondern um Frankreich in der SeerüstungSfrage und in anderen Punkten kirre zu machen. Es hat Ungarns Hoffnungen genährt, solange es Btidapest brauchte. Es verwirft heute die magyarische Revisionspolitik, um gegen diese Kompensation Zugeständnisse Frankreichs einzustecken. Hitler ist um seinen Siegespreiü geprellt. Seine Außenpolitik bestätigt jedenfalls nicht, Ivas er eben jetzt, in Nürnberg tvieder behauptet hat, daß fein Derk für Jahrtausende begründet sei. Die italienische Freundschaft hielt keine zwei Jahre vor. ErMMrte Arbeitslosigkeit auch In Frankreich Paris, 8. September. Laut der amtlichen willig«, damit es aus der schwer« Rohstoffnot herauskommtk Dafür verspricht Deutschland, daß auf diese Weise die Weltwirtschaftskrise überwunden werden wird! Weigern sich aber die Gläubigerländer auf die deutschen Forderungen einzugehen, nun so läßt ihnen die Regierung des Dritten Reiches erklären, daß dann der Bolschewismus in ihren Grenzen sich weiter ausbreiten wird. Soweit vorläufig zu sehen ist, sind die Regierungen aller Länder wenigerüberdiean» geblichen Fortschritte des Bolschewismus er staunt, dafür aber vielmehr über den Zynismus, mit dem diedeutfcheRegierungvorgeht! Es ist erst ein Vierteljahr her, daß die Verhandlungen über ein begrenztes Moratorium geführt worden sind. Dieser Zahlungsaufschub ist am 1. Juli in Kraft getreten. ES ist kein Wunder, daß Schachts Vorstoß in den führmdm Blättem der kapitalistischen Welt mit Gangster-Method« verglich« wird uitb die schärfste Zurückweisung "-«fährt.......- Den Fascisten, denen bei dem mühelosen Raub des viele Hunderte Millionen Mark betragenden Eigentums der deutschen Arbciterbetvegung der Appetit gekommen ist, wird der beabsichtigte Raub an den ausländischen Geldgebern, mit deffm Ertrag sie ihre KriegSri'istnngen finanzieren wollen, kaum so leicht gelingen. Auf die Gläubigerländer wirken die stupiden fascistischen„Argumente" nicht. Die Welt glaubt nicht, daß die Ausländsanleihen nur zum Bezahlen der Reparationen verwendet worden find. Sic weiß, daß Deutschland noch einmal so viel an Anleihen«haft« hat und sie weiß femer, daß In den Jahr« 1924 bis 1929, in den« die Anleih« geftoss« find,«nd 38 Million« Mark als Ncuanlag« allein in der deutsch« Industrie investiert worden sind. Mit Hilfe des Auslandskapitals ist der industrielle ProduftionSapparat Deutschlands zu dem am höchsten entwickelten des Kontinents ausgebaut worden. Al» Dank für diese Hilfe sollen die Anleihegeber jetzt geprellt werden I Unsere Sorge gilt nicht der Rettung der amerikanischen, englischen, holländischen und .schweizerischen Milliarden. Aber die von den deutschen Fascisten angewendeten Methoden, die für die bei ihnen herrschende kapitalistische Moral bezeichnend sind, führen n i ch t zur dem vorgegaukelten Ziel der Krisenüberwindung. Sie werd« viel eher zu ein« n«« Verschärfung der Krise führ«. Es wird damit die Er- k«ntnis bestätigt, daß d« Fascismus die Zer- ftörung d« Weltwirtschaft einschließlich drs Welthandels weitertreibt. Und darum ist auch die Arbeiterschaft und die gesamte werktätige Bevölkerung daran interessiert, daß sie sich n i ch t durchsetzen und, soweit der sozialistische Einfluß reicht, wird er sich dahin geltend machen, sie zum Scheitern zu bringen und die Herrschaft de» fascistischen Regimes abzukürzen. Dr. Schacht gegen die Welt! Das Ausland Ist schuld 1 Es soll die deutschen Schulden streichen, deutsche Waren kaufen und Kredite herseben I Die Genossenschafts- Internationale tagt Am Dienstag vormittags wurde in L o n* don der Kongreß des Internationalen Genossen« schaftSverbandeS eröffnet, welcher von 35 Lände« beschickt ist. Dieser Verband schließt in sich mehr als 100 Millionen Mitglieder ein, die in Statistik ist in Frankreich, namentlich in den Pro-1 der ganzen Welt verbreitet sind. Einer der Haupt- ' gegenstände der Debatten auf dem Kongreß wird • der FaseiSmuS sein. Die Kooperaiibuntetnehmun- Japans Proletariat rührt sich In Tokio streiken 11.000 Straßenbahn« Tokio, 8. September. Heute traten 11.000 Angestellte der Straßenbahn und der Autobusse in Tokio in den Generalstreik, durch welchen sie gegen die von der Gemeindevertretung beschlossene„Reorganisation" protestieren wollen, die vornehmlich auf einen großen Lohnabbau hinausläuft. Lediglich 18 Angestellte lehnten die Teilnahme am Streik ab. In den Straßen verkehren nur einige von„Freiwilligen" gelenkte Autobusse und Tramway». vinzen, die Zahl der Arbeitslosen bedeutend ge stiegen. Im ganz« werd« 326.434 Arbeitslose■ sind^Van'zen unterstützt. Arbeitsminister Marquet erwartet für, den aber in den Ländern," in welchen Diktaturen den Winter ein weiteres Steigen der Zahl der herrschen, hauptsächlich in Deutschland unterdrückt. Arbeitslosen und ersuchte deshalb in einem Schrei-!Der Kongreß wird über das Vorgehen und den «. Mm,«--»«»-.,-»' SSÄSÄ' ffSE Mitglieder, in ihren Ressort» alle Arbeiten be- sondere in den fascistischen Ländern entwickelt, zu >.^beraten haben. Die hlümderger Proklamation eine Revolutionstheorie nach Thyssens Diktat Nachdem Adolf Hitler— recte Adolf Schik» der" nennen. Allerdings, nur durch ein Wun- kelgruber aus Braunau am Inn— der Führer*“'“*■ 1""~' des deutschen Volkes und Kanzler des Deutschen Reiches, den Nürnberger Parteitag im Schatten des Kronbaldachins des Heiligen römischen Rei ches-deutscher Nation und angesichts einer— allerdings imitierten Kaiserkrone(die echte liegt in Wien und ist wiederum dem Zugriff der Herren Starhemberg und Fey ausgesetzt, denen schon zuzutrauen ist, daß sie sie eines Tages einer amerikanischen Filmgesellschaft verkaufen), den Parteitag der NSDAP, eröffnet hat, ist eine Proklamation des Führers gangen, in der die Theorie der nationalen Re volution genau umschrieben wird. Es ist „Revolution" nach dem Herzen der Thyssen, Krupp und Schröder, der Stauß. Kirdorfs und Bögeler. Das letzte Jahr, heißt es in der Pro klamation, habe die endgültige Regelung der na tionalsozialistischen Macht in Deutschland gebracht und außerdem sei es ein Jahr konstruktiver und produktiver Arbeit gewesen. DaS wird nicht wei ter begründet oder belegt. Dagegen heißt eS weiter: Daran- ergebe sich die notwendig« Feststellung, daß die nationalsozialisti sche Revolution als revolutionär« machtmäßiger Vorgang abgeschlossen sei. Keine Revolution sei eine Danererschei- nüng, denn dir- würde zu vollkommener Zer- rüttung deS völkischen, staatlichen und wjrt- lichen Lebens führ«. Eine Revolution an sich könne niemals ein Pro gramm verwirklichen» sie könne nur dm Kräften freie Bahn geben, die sich einem bestimmt« Programm verschrieben oder fedre Verwirklichung zugesichert haben. Revo lutionen beseitigen nur Machtzustände, die Evolution allein verändert Sachzustände. Die Revolution habe daher nur sekundären Eha» r a k t e r, die primäre Bedeutung liege in der Idee und dem programmatisch niederlrgten Wollen. Indem die Zielsetzung ursprünglich niemals auS der Gesamtheit einer revolutio nären Masse, sondern stet» auS der intuitiv« Erkenntnis und Einsicht eine» Einzelnen oder einzelner Weniger stammt, können auch nur dies« durch"die Revolution den geschicht lichen Auftrag für die Er- füllung ihre» Programms erhalten Haven. Die Kämpfer der Er hebung wollen nichts anderes» als durch ihr Opfer jene WillenStrSg«, die mit ihrer«Jdre auch ihn« den Glauben und Befehl zum Han deln gaben, die Möglichkeit der Berwirklichung ihrer Ideen enthalten. Die Führnng deS Botte- Habe in Deutschland heut« die Macht zu allem. Ob da-,«aS heut« in Deutschland die nationalsozialistische Macht s L h r u n gS m S ß i g reprä sentiere» dem einen oder anderen passe, sei nebensäch. l i ch, und ob«S diesen oder jenen Fehler besitz«, belanglos. Es folgt ein Ausfall auf die Besserwisser und Kritiker. Die Masse habe zwar, indem sie den Nationalsozialismus zur Macht gehoben habe, sich als g l ä u b i g— man könnte Wohl eher sagen: leicht gläubig— unverdorben und u n- verbildet erwiesen, aber die letzte Verwirklichung deS nationalsozialistischen Staates sei leider abhängig von d« Durch führung der nationalsozialistischen Erziehung des deutschen Balkes. ES gebe nichts Große» auf der Welt, da» I a h r t a u s e n d« b e- herrschte und in Jahrzehnt««tstand« wäre. Die ganze Stelle ist sehr dunkel gehalten, soll aber wohl den Sinn haben, den wachsenden Anspruch der Masse und der Parteimitglieder auf Mitbestimmung zurückzuweisen. Was der Natio nalsozialismus in 16 Jahren geleistet habe, werde man später einmal„das deutscheWun- Seite 4 Donnerstag, 6.. Sevicmher 1034 . Nr. 208 kntküllunsen über Deutschlands Luftrüstung Geheime Flugplätze, 60.000 Piloten, Massenerzeugung von Bombenwerfern Im englische» Blatt„Sundal) Referee" bringt PhlloiophenkonsreB: Zwischen Jesuiten und Logisten >\n der lU'ittiiu'it Pleuarjitztuig des Philosophen- kongresseo ftnnb-ao Thema„Religion und Philö- sophic" aut Verhaupluug, von dein man ännehnicn müßte, das; es keil 51 a n i erledigt sei— und da« es seitdem allcumüe noch ein Rcbcneinauderleben, aber lein Zusainnientvirlcn von Philosophie und Religion mehr geben könne. Ter gelehrte Münchener Jesuiten- pater P rz y lv a r a jedoch zog gegen diese Annahme in einer Rede zu Felde, die man für eine Predigt hätte halten könncir, wenn sie nicht in der Art iniltcl- alterlichcr Scholastik in Teile und Unterteile zerlegt gewesen tvärc. Er vermied es allerdings, sich nut Kant anscinanderznsehcn, und er knüpfte an die Philosophie nur dort an, wo sic metavhhsischc, übersinnliche Wendungen anfwcist: an Spinoza und .Hegel. Solche Philosophen, die nach dem lebten Grunde aller Dinge fragen, dringen, wie Przhtvara meinte, nicht bis zum wirklich Lebte» vor: bis zum persönlichen Wcltschöpfer, bis zu Gott, der nicht begriffen werden könne und von dem alles Tatsächliche nur ein„Schattenriß" sei. Ta Gott aber nicht im „Weltznsammcnhang", sondern nnr in seinem Willen zu erkennen sei, forderte der Redner die„llebcrgabe" an Gott— und er meinte, das; eine Philosophie, die beim„Geschöpf" stehen bleibe, ohne an den„Schöpfer" zu glauben, zur Verzweiflung verurteilt sei. Gleichzeitig freilich gab er zn, das; die Religion sich heute ebenfalls in einer schwierigen Lage befinde— aber gerade ans dieser„Gottfinstcrnio" der heutigen Zeit folgerte er das'Recht, an eine neue Blüte der Religion zu glauben. Der nächste Redner, der französische Philosoph Leon B r u n s ch w i c g. verkündete demgegenüber den Glauben an eine neue Blüte des Geistes. Im Gcgensab zn Przmvara berief er sich auf ii a n t und deutete unter Ablehnung aller Dogmen und Reli« gionssnsiemc Gott als die reine göttliche Einsicht, als den G e i st, der sich um so mehr cntsaliete, je mehr die Welt erforscht tverde und je mehr der Mensch lerne, über sein Fch hinausznblicken. Wenn cs eine universelle Religion geben solle, dann müsse eS eine vergeistigte Religion sein, eine Ethik, wie sic Spinoza meinte, als er von Christus als dem größten Philosophen sprach. Mit einem sittlichen Optimismus, der trotz allen an die friedliche Höherentwicklung der Menschheit glaubt, verkündete Brunsch- lvicg seine Uebcrzengung, das; Tenkenlernen Liebenlernen sei. In den NachmittagSvcrhandlungen beanspruchte der Vortrag dcS aus Tcutichland emigrierte»(und jetzt in Istanbul lehrende») Projcssors Hans Reichenbach Interesse, der die Lehrmeinung der modernsten philosophischen„Schule", der„Logisten", zum Ausdruck brachte. Tas Ziel dieser Schule ist, die Logik durch die Wahrscheinlichkeit zu ersetzen und die Erkenntnistheorie(wenn nicht die Philosophie überhaupt) mathematisch zu gestalten. Die alte„klassi- sche" Logik, die streng zwischen wahr und unwahr unterscheidet, ist nach Reichenbach nnr ein„spezieller Fall" der neuen Logik, die nur Grade der Wahrscheinlichkeit anerkennt und auch die Naturgesetze nur als„Regeln mit Wahrscheinlichkeitscharaktcr" ansieht, die mis einer Vielzahl von Einzclfällen gefolgert sind. Tie Phnsik habe keinen Platz für ein Kau- salitätSgesch im Sinne KantS, weil eS keine Möglichkeit gebe, von einem Gesetz auf einen Einzelfall zu schlichen. Gegen diese Lehre lvandte sich in seinem Vortrage über„Besonderheit und Ausgabe der deutschen Philosophie in Böhmen" der Prager Philosoph Oskar Kraus, der darauf hinwies, daß die mathematische Gesetzlichkeit keine höhere Geltung habe als jede andere, das; aber die Erkenntnis ettvas „unmittelbar Einleuchtendes" sei und Begriff vor- aussetzc. Auch gegen die tagS zuvor vorgetragene Wertphilosophic des Berliners Nicolai H a r t m a n n ahin M raus Stellung und bekannte sich zu der durch Bolzano und Brentano geschaffenen Tradition der dcntsch-böhmischen Philosophie, die an der ivisscnschaftlichen Methode, an der Pshchologie und an der Vernunft sesthalte und die gerade heute ihre Sonderstellung unter dem Schutze des Philosophen Masarpt behaupten müsse. Vom Rundfunk Empsrhleuowerteo au» den Programm»«« Freitag; Prag, Sender L.r 10.05: Deutsche Nachrichten. 10.15: Eröffnung des Schulfunks. 12.30: Jazzorchefierkonzert. 13.30: ArbeitSmarkt. 18.20: Deutsche S e n d u u g. U.-Prof. Dr. Schwarz: Was uns die Ortsnamen der Heimat erzählen. 18.45: Arbeiterfrndnng: Aktuelle 10 Minuten. 21.00: Konzert des Vereines blinder Intellektueller. 22.15: Tanzlieder. Sender S.: 14.00: Violinkonzert. 14.25: D c n t s ch e S e n d n n g. Bunte Stunde für die Frau. Brünn: 18.30: Arbeitsniarkt und Sozialinformation. 15.15: Orchesterkonzert. 18.20: D e u t s ch e S e» d u n g. Aktuelles aus dem Sportleben. 21.00: Blasmusik des Inf.» Reg. 43. Mährisch-Ostran. 11.05: Konzert des Sendeorchcslcrs. 18.20:DeutscheSendung. Mastige Abnahme der Funkhörerzahl in der Tschechoslowakei. Zum 1. Juli 1034 wurden in der Tschechoslowake! 621.124 amtlich eingetragene Rundfunkhörcr gezählt, von denen 3050 von den monatlichen Rundfunkgebühren befreit sind. Ain 1. August verzeichnet die amtliche Statistik nur 610.824 Teilnehmer des tschechoslowakischen Rundfunks; hievon sind 3006 Hörer von den Rundfunkgebühren befreit. Auf die einzelnen Postdirektionen entfallen: Prag 335.682; Pardubitz 61.223; Brünn 103.100; Troppau 47.169; Prcsjbnrg 40.434; Kaschan 17.146; Karpatho- rußland 6061 Hörer. Tic allgemeine Entwicklung des tschcchoslowatischen Rundfunks kann daher als dauernd günstig bezeichnet lverden. Die alljährlich sich einstellcnde Abnahme in den Sommermonaten ist bedeutend geringer als in anderen Staaten. In den Herbst- und insbesondere in den Wintermonaten ist mit einer weiteren Entfaltung der tschechoslowakischen Radiophonie zu rechnen.(PR) Veron M c Ken r i c sensationelle Enthüllungen über die dein scheu Vorbereitungen für den nächsten Luftkrieg. In den letzten achtzehn Monaten hat, nach dec Ansicht des englischen Jouriialistelr, Deutschland Meilenschritte zur Sicherung seines Erfolges im nächsten Krieg untcrnoinmcii. Nach drei Stunden können die deutschen Flugzeuge 800 Tonnen Bomben werfen, also gerade eine solche Menge, die nach vier Jahren Weltkrieg die ganze britische Luftflotte gclvorfen hatte. Dazu find neue ExplosionSstoffe vorhanden, die viermal so wirkungsvoll sind wie im letzten Krieg. Am 1. April 1034 hatte Deutschland 174 schwere Bombenflugzeuge mit einer Tragfähigkeit von 500 Tonnen zur Verfügung. Seit 1. April erzeugt eine deutsche Firma „In 52" 1.8 Flugzeuge täglich, also in fünf Tagen neun ganze, ausgerüstete Flugzeuge. Tie Maschinen dieser Tl)pe„Ju 52" fliegen in drei Stunden über Amsterdam mit fünfzehn Reisenden, drei Piloten und mit der" Postbclastung nach London. Bon den 174 Bombenflugzeugen, die bis 1. April erzeugt ivurdcn, sind 10 Militär- Junkers mit drei Motoren und einer Tragfähigkeit von 3.5 Tonnen Bomben, 36 Militärflugzeuge Tagcsncuigkcttcn Eine Arbeitsstunde— 80 Heller Daö Elend der Glasarbeiter. Die Heigiarbeiter in der Glasindustrie waren nie auf Rosen gebettet. Seit der Krise ist ihre Lage aber mehr und mehr zu einer trostlosen und verztveifclten gelvorden. In tvenigen Jahren ist in einzelnen Fabrikationszwcigen der Lohn um 70 und mehr Prozent gesunken und die Maschine hat seit dem Einsetzen der wahnsinnigen Nationalisierung die Menschen zn Hunderte» brotlos ge- macht. Hin,.Artikel nach dein.,anderen lvird.dem Arbeiter entzogen und der.Maschine auSgeljefert, und dein Gewinn einer dünnen Schicht von Unternehmern und Zwischenuntcrnchmern tvird die Existenz ganzer Gebiete geopfert. Der Stundenlohn beträgt im allgemeinen, wenn man von besonders qualifizierten Arbeiten absirht, 0.80 bis 1 XL. Unlautere Konkurrenz von Faktoren, die oft nicht einmal die Gewerbeberechtigung haben und sich allen gesetzlichen Verpflichtungen entziehen, verschärft noch die Lage. Gegen diese Mißstände tvurde nunmehr eingeschritten, es wird aber unerläßlich sein, zu entscheidenden Maßnahmen zu greifen, um den vollständigen Ruin des Glasarbeitergebietes zu verhindern. Der Ueberfall auf den Charbin-Expreß von Japan bestellt? Moskau, 5. September. Als Antivort aus die japanischen Beschuldigungen, daß die russischen Beamten der Ostchinabahn selbst die räuberischen Ueberfälle auf diese Bahn inszenieren, veröffentlicht das amtliche russische Pressebüro„T a ß" eine Meldung auü Charbin, wonach vielmehr im Zusammenhang mit dem letzten Ueberfall auf den Charbin-Expreß die Japaner ähnlicher Dinge beschuldigt lverden. ES heißt in dieser Meldung: Die Auslandskreise in Charbin verfolgen niit Aufmerksamkeit die verdächtige Schnelligkeit,. mit lvelcher die Banditen aufgedeckt und die gcfangengcnommcnen Passagiere, in ihrer Mehrheit Japaner, befreit wurden, lvährend sich gewöhnlich die japanischmandschurischen Behörden gegenüber Banditen als machtlos erwiesen haben. Diese Tatsachen sowie die gleichzeitige Kampagne der Charbiner Presse zugunsten einer Besetzung der Ostchinesischen Bahn durch japanische Truppen erweckt in AuSlandökreiscn CharbinS die Vermutung, daß der ganze Ueberfall auf den Zug Nr. 11 nichts anderesals eine Provokation war. Britische Zivilluftschiffahrt plant regelmäßige» transatlantischen Flugdienst London. Die Direktion für die Zivilluftschiffahrt beiin britische». Ministerium für Flug- lvescn hat einen Bericht über die Tätigkeit der britischen Flugstrecken im Jahre 1933 erscheinen lassen. Stach diesem Berichte wurde die Verbindung mit Indien bis nach Coloinbo, Rangoon und Singapoore aufrecht erhalten, also auf einer Strecke, die 8500 Meilen mißt. Die Berkvaltung der zivilen Luftschiffahrt ist bestrebt,' diese Flugstrecke bis nach Australien auszudehnen, also um ungefähr 3000 Meilen, was bisher nicht möglich war. Die Flugstrecke, die London mit. ihnen kommen 110 JunkerSfZivil»(Handels-) Flugzeuge und 50 Flugzeuge„Jü 52", welche in kürzester Zeit in Bombenwerfer ümgcbaut werden können. Außer ihnen kommen in Betracht„He 70",„G 81«,„G 38",„Ju 60" und„35" mit einer Bombentragfähigkeit von 1 bis 2 Tonnen. Die Maschinen dieser Flugzeuge sind durchgängig so berechnet und konstruiert, daß sie ohne Mühe und ohne Zwischenlandung die Strecke Hamburg— London und zurück befliegen können. AlS sich Hitler der Regierung bemächtigte, waren im Flugministrrium etwa 60 Personen beschäftigt. Heute, unter der Amtiernng Goe» rings, sind hier, nach den letzten Daten vom Juli dieses JahreS, etwa 1000 Personen beschäftigt. Im Mai waren in Deutschland 7000 qualifizierte Piloten. BiS zum Oktober 1934 werden ihrer 60.000 zur Prüfung gehe». In ganz Deutschland sind Flugplätze und Hangars. Etliche unter ihnen sind geheim. Entlang der französischen, polnischen und italienischen Grenze ist ei» ganzes Netz geheimer Hangars, ebenso-entlang der tschechoslowakisch-bayerischen und-tschechoslowakisch-sächsischen Grenze. Diese geheimen Flugplätze und Deckungen für Flugzeuge sind ständig unter Gcndarmerieaussicht und unter Bewachung anderer SicherhcitSorgane. Der Zutritt zu ihnen ist selbstverständlich unmöglich und verboten. Biele von ihnen sind unter der Erde.* Kapstadt in zehn Tagen verbindet, beträgt 8000 Meilen. Sie wird regelmäßig wöchentlich mit befriedigenden Ergebnissen bestritten. Die zuständigen Behörden studieren eingehend die Möglichkeit eines regelmäßigen transatlantischen Flugdienstes und verhandeln gerade intensiv mit Neufundland und der kanadischen Regierung. Auf dem Gebiete des Vereinigten Königreiches bestanden im Jahre 1933 ungefähr 60 Fliegertlubs. Ehrenbeleidigung— im Aether Ein Rundfunkkrieg ist in Frankreich zwischen zwei Radioamateuren ausgebrochen. Monsieur Henri Claudel, Besitzer einer private» Sendestation,. fühlte.sich. durch die Aeußerungen desDoktor.',Pierre.' G i b er! getroffen. G i b e r t hatte auf seinem Sender eine Auseinandersetzung mit Claudel gehabt und dabei vergessen, daß Diskussionen im Aether Zeugen zu haben pflegen. Daö kostete ihn eine Buße von 25 Franken und weitere 1000 Franken Kosten. Ob er auch zu einer Berichtigung durch den Rundfunk verurteilt wurde, wird nicht gemeldet. «nffisch-r Flieger rettet Gchistbrllchige MoSka«, 5. September.(AR.) Der Pilot G o l o v i n nahm drei Schiffbrüchige an Bord seines Flugzeuges, di« auf einer Insel überwintert hatten. In den letzten beiden Monaten waren diese Schiffbrüchigen ohne jede Radioverbindung und von der übrigen Welt abgeschnitten. Ihre Lebensmittelvorrätc waren na h e- zu erschöpft. Kein Schiff konnte zu ihnen gelangen, da sie von undurchdringlichen Eisbergen umgeben waren. Der Flieger Golovin unternahm seinen Flug unter außerordentlich schwierigen Verhältnissen. Ui« feine« Paar Böhm.-Budweis. Mittwoch nachts wurden in einem hiesigen Gasthaus der 20jährige Rupert R o b l aus Passau und seine jugendliche Geliebte, die Männerklcider trüg, festgenommen. Es wurde festgestellt, daß beide vor zwei Tagen in Depoldowitz bei Neuern einen frechen Raub verübten. Sie drangen nämlich in die Wohnung der 63jährigen Schnlleiterswitwe Anna Neumayer rin und zwangen sie uüter Drohungen, ihnen ihre Ersparnisse von ungefähr 1000 XL auszufolgen. Sie nahmen außerdem in zwei großen Koffern die Kleider und die Wäsche auö der Wohnung mit. Sie wurden in die Haft des KreiSgerichtcS Böhm.- BuVweis eingeliefert. Die Deutsche Peftalozzigesellschaft veranstaltete mit den Hörern der Pädagogischen Akademie iin Jahrgang 1934-35 in Großmeierhöfen bei Pfraumberg ein außerordentlich gut gelungenes Ferienlager. . Nachahmung erwägenswert. Der englische BerkehrSminister Höre Belisha beschloß, einen st ä n d i g e» Ausschuß für die Sicher- heit auf den Straßen zu konstituieren, der jede Woche zusammentreten soll. 24 Schiff, gehoben. Eine besondere russische! Expedition, die sich mit der Hebung versunkener Schiffe befaßt, hat soeben das Schiff„Ussurijskaja" gehoben, das am 30. Juli in der Tatar-Meeresenge im Fernen Osten gesunken war. Diese Expedition| hat seit Anfang d. I. bereits 24 Schiffe gehoben.> Dornier„Do y" mit drei Motoren- und einer Boinbcnbelastung von 3 bis-1 Tonnen, 10 Mi» liiärflugzcugc McsscrschMidt, Marke„M 34", drcinioiorig für 2 bis 2.5 Tonnen Bomben. Zu Sozialismus der Tat Man schreibt uns aus G r a s l i tz: Die„Arbeitcrfürsorge" und die Lokalorgacki» sation Aussig der Partei hatten eine Ferienaktion „Kind zu Gast" organisiert, in deren Verlauf 60 erholungsbedürftige Kinder ans arnicn und meist kinderreichen G r a s l i tz e r Familien durch je vier Wochen bei Parteigenossen und-Genossinnen in Aussig untergcbracht waren. Dieser Aufenthalt bot den Kindern ungemein viel. Sie lernten Aussig und seine Umgebung mit all ihren Schönheiten kennen; ein beliebter Tummelplatz ivar das schöne Bad in Kleischc. Was aber daö Wertvollste war: Frei von aller Not, sind die Kleinen wie eigene Kinder gehalten und mit einer rührenden Fürsorglichkeit umgeben Ivorden, die den Kindcni unvergeßlich bleiben wird. Reich ausgestattct mit Wäsche und Kleidung traten die Schützlinge der Aussiger Genossen am 31. August die Heimreise an. Mit Begeisterung erzählen die Kinder von ihren Aussiger Ferien. Die Aktion hat bewiesen, daß in der Arbeiterklasse der Geist praktischer Solidarität lebt und die Arbeiterschaft von Graslitz — wohl im ärmsten Rotstandöbezirk dieses Staates lebend— weiß diese Solidarität zu schätzen. Wir danken allen Beteiligten für ihre Hilfe. Besonderer Dank gebührt den gastgebcnden Familien für ihre so herzliche Gastfreundschaft, dann allen Funktionären der„Arbeiterfürsorge" Anssig, die sich um daö Zustandekommen der Aktion verdient gemacht haben. Ein Wort des Dankes auch der „Arbeitcrfürsorge" Graslitz, welche zur Durchführung der Altion einen namhaften Betrag bei» steuerte. Lod in der Hochspnnnnngslettnng Aus Bensen wird uns ein entsetzlicher Unglücksfall berichtet, dem ein 13jährigcr Junge zum Opfer gefallen ist: Am verflossenen Sonntag in den Nachmit- tagsstunden spielten in B o i t S d o r f bei Bensen einige Knaben im Freien. Der 13 Jahre alte Schüler Herbert Weigel erkletterte die Hock'- spannungöleitung der N. E. W., deren Spannung 10.000 Bolt beträgt. An der Sitze des Mastes angelangt, rief er seinen Spielkameraden zu, zu ihm heraufzukommen. Im nächsten Augenblick war er in Flammen gehüllt. Er war mit der Leitung in Berührung gekommen und wurde aus der Stelle getötet. Der Leichnam konnte erst geborgen werden, nachdem Wernstadt mittels Boten verständigt und der Strom ausgeschaltet worden war. Der unglückliche Junge hatte schreckliche Verbrennungen erlitten. Das linke Auge und die linke Gesichtshälfte waren verkohlt und zum Teü ausgefallen. Ebenso der linke Fuß bis zur Hälfte des Oberschenkels. Auch an dem Oberkörper wurden Verbrennungen allerschwersten Grades festgestellt. Der grauenhafte Vorfall macht es den Eltern und den Schulleitungen zur strengsten Pflicht, die Kinder inuner und iinmer wieder aus die Gefahren der elektrischen Leitungen zu verweisen. De» llodenden Satten die Kehle durchschnitten Wittenberg. Eine grausige Bluttat ereignete sich Dienstag in der Wohnung des I u st i z« obcrwachmcisterS CalbuS. Calbus lebte mit seiner Frau in Unfrieden. Im Verlaufe eines Streits geriet die Frau in sinnlose Wut. Sie ergriff ein Messer und schnitt ihrem in der Badewanne sitzenden Manne die Kehle durch. Den Leichnam zerstückelte sie. Witwen- und WaisenfondS de« vesterreichisch« HilfSvereinrs, Prag, Achtung! In der ersten Hälfte des Monates November 1934 gelangen an Witwen und Waisen nach österreichischen Staatsangehörigen, die nachtvcislich wenigstens fünf Jahre vor deren Ableben im Gebiete der Tschechoflowakischen Republik seßhaft waren, die Zinsen des Witwen- und Waisenfonds deS Oesterreichischen Hilfsvereines in Prag zur Verteilung. Die Bewerber müssen außer ihrer Bedürftigkeit den Nachweis erbringen, daß sie in der Tschechoslowakei wohnhaft sind und sich nicht bereits int Genüsse einer anderen Unterstützung befinden. In erster Linie kommen Bewerber in Betracht, die im Prager Konsularbezirke wohnen und erst, wenn aus diesem Bereiche keine Reklamationen wären, können auch Anwärter aus dem übrigen Bereich der Tschechoslowakischen Republik in Betracht kommen. Gesuche bis 15. Oktober 1934 an den Ocsterreichi« scheu Hilfsverein in Prag H., Väclavskt näm 60/V. Ein frecher Raubüberfall wurde gestern um %8 Uhr früh an der Wiener Stadtgrcnze verübt. Zwei bisher noch nicht ausgeforschte junge Männer hielten ein aus der Tschechoslowakei kommendes rumänisches Privatauto an, bedrohten dessen Insassen mit Revolvern und raubten sie auS. Mit dem Wagen fuhren sie sodann davon. Die Beraubten sind der rumänische Fabrikant Trojan TomSeo, dessen Gattin und Schwiegermutter, und der Bukarester Bezirksrichter Nikolai Anastasiade. DaS Auto wurde spater in Floridsdorf leer aufgefunden. Rach den Räubern, die ungefähr 25 Jahre alt sind, wird gefahndet. Bisher konnte nur ein Taxichäuffeur ermittelt werden, der die beiden von Floridsdorf in die Stadt geführt hatte. Den Räubern sind insgesamt 300 Schilling, 2000 Lei und sämtliche Ausweispapiere der Autoinsassen in die Hände gefallen. Ä. 208 Donnerstag, 8. September 1V34 Sette 5 Vpinmvestte« Ket» Aork. Ms der französische Dampfer »Thamplain" anfangs August in New gor! eintraf, warteten vier Opiumschmuggler in einem Kraftwagen auf zwei Päckchen Rauschgift. Nachdem sie von einem Mitglied der Schiffsbesatzung die Nachricht erhalten hatten, daß die Päckchen von einem Matrosen namens Rozen beim Reinigen des Schiffes aus ihrem Versteck entfernt worden waren, lockten sie Rozen durch eine falsche Nachricht in ihren Kraftwagen, fesselten ihn und hielten ihn seitdem zeitweise in New Dort und zeitweise in Philadelphia gefangen. Als Rozen ihnen erklärte, er habe geglaubt, die Päckchen enthielten Bomben und habe sie deshalb ins Meer geworfen, folterten sie ihn. Die Verbrecher hielten brennende Zigaretten an seine Augenlider und drohten, ihn zu blenden. Um tveiteren Qualen zu entgehen, erzählte Rozen schließlich, er habe die Päckchen für 45 Dollar verkauft. Hierauf versuchten die Schmuggler, von der in Frankreich lebenden Frau RozenS 40.000 Franken zu erpressen. Frau Rozen' benachrichtigte jedoch die Polizei, auf deren Ersuchen die amerikanische Bundespolizei am Dienstag einen Mann namens Mancuso und dessen Frau verhaftete. Der BundcSanwalt erklärte, daß er auf Grund des sogenannten Men« schenraubgeseheS die Todes st rafe gegen die Verhafteten beantragen werde. Ne«» Art, elektrische Energie zu erzeugen Paris. Dienstag verließ der Dampfer„La Tu- nifie" den Hafen von Dunkerque, um an der südamerikanischen Küste unweit von Rio de Janeiro vor Anker zu gehen, wo der Plan deS französischen Gelehrten Georges Claude verwirklicht werden soll, auf eine neue Art elektrische Energie zu erzeugen. Prof. Claude hat an Bord deS Dampfers verschiedene Vorrichtungen angebracht, mittels deren er den Temperaturunterschied zwischen der warmen Meeresoberfläche und der kalten Tiefsee zur Gewinnung von Elektrizität auSnützen will. Es handelt sich um das Ergebnis von Versuchen,, die Claude in seinem Pariser Laboratorium und im Jahre 1080 auch unweit von Havanna angestellt hat. Die gewonnene Elektrizität will Prof. Claude zur Herstellung einer großen Menge K u n st e i S für die Stadt Rio de Janeiro verwenden. Max Wladimir Freiherr von Beck begeht heute in Wien seinen 80. Geburtstag. Wer noch den Kampf um das allgemeine Wahlrecht mitgemacht hat, wird bei Nennung des Namens des nun 80- jährigcn Staatsmannes viele Erinnerungen auf« steigen sehen. Beck war einer der wenigen österreichischen Bürokraten, die einen weiten staatsmännischen Blick, dabei Geschick im Verhandeln und Energie besaßen.!'AlS die Missionen deS Baron Gautsch und des Brinzen Hohenlohe gescheitert waren, die' Krone aber, teils aus Abneigung gegen den-bürgerlichen NattonaliSmuS, vor allem aber unter dem Druck der Straße auf die Wahlrechtsreform nicht mehr verzichten wollte, wurde Beck mit der Kabinettsbildung betraut und ihm gelang cs, das Herrenhaus zu bändigen. Er brachte dann auch die erste md letzte wirkliche parlamentarische Koalition zwischen Deutschen und Tschechen in Oesterreich zusammen. Sein Ministerium stützte sich vor allem auf die Christlichsozialen und auf agrarische Kreise. Lunder konnte auch er nicht wirken. MS er bei der Behandlung der AnnexionSfrage den Thronfolger Franz Ferdinand verstimmte, stürzt« dieser ihn mit Hilfe der Christlichsozialen. Franz Ferdinand soll Beck auch gezürnt haben, daß er sich ,^u früh verbreche", der Thronfolger wollt« alle Talente für seine Regierung konservieren.' Ueber den Rat seines Kabinettsdirektors Polzer wollte Kaiser Karl im Jahre 1017 Beck, der inzwischen Präsident deS Rechnungshofes geworden war, mit der Bildung der Regierung betrauen, die das-ganze österreichische VerfaffungSproblem lösen sollte. Damals war aber Beck, der die sechzig überschritten hatte, doch schon zu „verbraucht". Er sprach in der langen Audienz von nichts als von der Notwendigkeit, den Gouverneur der Bodenkreditanstalt. Sieghart, den er schon gegen den Willen Franz Ferdinands sehr protegiert hatte und der nachmals der Republik Oesterreich teuer zu stehen kam, zum Finanzminister zu machen. So verlief die Audienz ergebnislos und Freiherr von Beck hatte keine Gelegenheit, an einem zweiten Wendepunkt der österreichischen Geschichte seinen staatsmännischen Blick und seine geschickte Hand zu erproben. . Selbstmord auf ungewöhnliche Art beging der 42jährige Fachlehrer Anton Kappel im 18. Wiener Bezirk. Er durchschlug mit einer Axt das Rohr der Gasleitung und zündete dann in dem vergasten Keller ein Zündholz an. Durch die entstandene Explosion wurde die Mauer durchschlagen, die Kappel und dessen Frau verschüttete. Die Explosion rief in dem stillen Viertel eine Panik hervor. Auf Anordnung der Feuerwehr wurden die umliegenden Häuser aus Furcht vor weiteren Ervlosionen geräumt. Schließlich gelang es der Feuerwehr, die Äaszuleitung zu sperren und die verletzten Eheleute aus den Trümmern zu be« freien. Kappel, der die Tat offenbar in einem Wahnsinnsanfall verübte, wurde auf die Psychiatrische Klinik und seine Frau in das Krankenhaus überführt. Demission aller baskischen Stadtvertreter. Der ExekutivauSschuh der baskischen Gemeindevertretungen trat Dienstag ohne Wissen der Behörden zusammen. Nach Beendigung der Sitzung gab er eine Erklärung ab, in der eS heißt, daß der Vollzugsausschuß die gemeinsame Demission Äler baskischen Mitglieder der Stadtvertretungen beschlossen habe. Eine Bombe in Havanna. Bei der Einweihung einer neuen Feuerwehrwache in einer Vorstadt von Havanna wurde eine Bombe in die Wenge geworfen. Ein Schulmädchen und ein Feuerwehrmann wurden getötet und viele Perso ne n verletzt. Die Gefahr, der Hollywood entrann. Nicht nur der unbewegliche Besitz, sondern auch das Leben Mary Pickford» und anderer Filmsterne waren durch vier Monate von gestohlenem Dynamit bedroht, da» in einer Menge von über neun Tonnen etwa 350 Meter von der Billa der Frau Pickford„Pickfair" entfernt verborgen war. Diese neun Tonnen Dynamit hätten genügt, um sämtliche Gebäude im Umkreis« von einer Seit langer Zeit wird im Publikum über den hohen Preis der Mineralwässer lebhaft und berechtigt Klage geführt. Der Nicht-Biertrinker, der im Restaurant eine Erfrischung zu sich nehmen will, hat oftmals das Gefühl, ein Gast zweiten oder sogar dritten Ranges zu sein und teuer und nachlässig bedient zu werden. ES haben sich insbesondere beim Mineralwafferhandel allerdings Mißstände cingenistet, denen nachzugehcn im dringenden Interesse der breiten Massen der Konsumenten liegt. ES ist ein vierfacher Weg, der die Wasser zum Konsumenten.führt. Bon der Q u e l l e über den Großhändler zum Detaillisten an den Verbraucher. Die einzelnen Quellen sind meist im Besitz von Mtiengesellschaften, nur zum kleineren Teil werden sie von einzelnen Privaten auSgebeutet. Die Quellenbesitzer schließen mit den Großhändlern als Versorgern der Detaillisten ab. Die Ouellen selbst sind gar nicht sehr lukra- tiv. Sie kommen knapp heraus oder sind sogar passiv. Die Preissätze de» Großhändler» sind ebenfalls durchaus erträglich, vor allem, wenn nian die relativ hohen Frachtsätze, die etwa 30 bis 40 Heller für die Halbliterflasche auSmachen, in Betracht zieht. Der Gerechtigkeit halber muß auch festgestellt werden, daß die dreimalige Umsatzsteuer(Quelle, Großhändler, Detaillist), sowie die Mineralwassersteuer den PreiSsatz Ebenfalls mit insgesamt 14 Prozent belastet. Die Frachtsätze sind zum Teil für den Großhändler so unrationell, daß er die Warentransporte oft mit dem Auto durchführt, um die Frachten zu sparen. Die einschlägigen Stellen haben errechnet, daß im Jahre 1928 auf de» Transport einer Sinhalt-Literflasche von Karlsbad«ach Kascha« eine Krone Zoll kam. Dieser Frachtsatz gilt wohl auch noch heute. ' Schließlich muß auch eine kleine Berieüerüng der Mineralwasserpreise' in Prag(gegen die Sätze in der Provinz) abgezogen werden, die durch die Gemeindesteuer von 5 Heller pro Liter bedingt ist. Es bleibt dann allerdings noch folgender Tatbestand: Die Großhändlerpreise für die Detaillisten, für die Restaurateure, CafetierS usw. belaufen sich bei anderthalb Liter ohne Flasche auf ca. 8.40 XL für die teuerste und auf 1.70 Xi für die billigste Sorte. Für eine Einhalb« Literflasche hingegen zahlt der Detaillist 2.40 XL. Im Restaurant verlangt man für die gleiche Flasche vom Konsumenten 3.80 bis 4.— XL. Das ist immerhin beinahe da» Doppelte und wird kaum mit den gewiß vielerlei Regiekosten einwandfrei zu begründen sein. Immerhin läßt sich über diese Verdoppelung de» Preise» zur Not noch diskutieren. Sehr peinlich wird die Sache erst bei der Erörterung der Preissätze für das nichtflaschengefüllte Wasser, dar vom Großhändler zu den zitierten Sätzen von 1.70 bi» 3.40 Xi für anderthalb Liter abgegeben wird. Da» ist Meile zu vernichten. Da» Dynamit war au» den, Kellerräumen der Sprengstoff-Fabrik Ne« Hall I gestohlen worden. Der Diebstichl wurde bereits am 11. Mai verübt und erst am gestrigen Dienstag hat di« Polizei nach langen Nachforschungen da» Dynamit entdeckt. Sie fand auch di« Spur der Räuberbande, die den Sprengstoff gestohlen hatte, doch sind die Täter anscheinend rechtzeitig gewarnt worden und geflohen. E» konnten nur vier Personen unter dem verdachte de« Sprengstoffdiebstahle» festgenommen werden. Unter diesen befindet sich eine Frau. jenes Wasser, da» in den Lokalen glasweise ausgegeben und für 1.— Xi bi» 1.60 XL abgegeben wird. Denn man bedenkt, daß au» diesen anderthalb Litern mindestens acht Gläser, wahrscheinlich noch mehr, 4 1.— bis 1.30 XL sabriziert werden, so ergibt sich, auch wenn man den Ausschank de» teuersten Wassers annimmt, die Abgabe eines für 3.40 XL eingekauften Wassers für 8.— bi» 12.80 XL! Das, scheint uns ein Berdienstsatz zu sein, der in keiner Weise gerechtfertigt ist und zu schärfstem Widerspruch herausfordert. Aber es ist nicht die» allein, wa» zu entschiedenem Protest herauSfordcrt. Da» Publikum wird auch regelrecht irregeführt. Wir konnten nämlich feststellen, daß die billigen und billigsten Mineralwaffersorten einen viel stärkeren Großhändler-Absatz finden als die teueren und teuersten. ES ist aber zu betonen, daß die Restaurateure und Cafetiers nicht den mindesten Preisunterschied zwischen dem Wasser, das sie für 1.70 Xi, und dem Wasser, daS sie für 8.40 Xi eingekauft haben, machen. DaS ist eine PreiSanar» chic auf Kosten deS Konsumenten, die man al» geradezu unverantwortlich bezeichnen muß! Das Publikum hat»ft keine Ahnung davon» daß man ihm eine billige Quelle vorsetzt und nimmt sicherlich an, daß es mit Gießhübler oder Kron- dorfer bedient wird. ES scheint uns dringend notwendig, daß hier nach dem Rechten gesehen wird. Diese Bereinheit- lichungSmethode, die zu Lasten de» Konsumenten geht, scheint un» mehr als inkorrekt. Wobei übrigens festzustellen ist, daß der Konsument an dieser Irreführung insofern nicht ganz unschuldig ist, al» er, in seiner Ahnungslosigkeit, stet» einfach ein „Mineralwasser" verlangt. Würde er ein Gla» Gießhübler fordern, so wäre der Restaurateur auf jeden Fall gezwungen, Farbe zu bekennen. Gegebenenfalls könnte man ihn auch, wenn er mit dem billigeren Getränk aufwartet, belangen. ES wird überhaupt mit etlvas seltsamen Methoden gearbeitet. So dürfte eS interessieren, daß aus einer Flasche Whisky, die für 75 bi» 78 XL vom Großhändler abgegeben wird, etwa drei« undztvanzig Drinks L 15 XL gemixt werden. Dasind 345 XL au» 75 XLI Eine Bcrdienstspanne, die sich wirklich sehen lassen kann! Nun hat man hier weniger Grund zur Aufregung. Wer in LuxusbarS geht, muh damit rechnen, geneppt zu werden. Mit ihm braucht man nicht sonderlich Mitleid zu haben. Anders ist eS mit den Mineralwassern, die auf jeden Fall in den Kreis jener Getränke einzubeziehen sind, die dem Bedarf der breiten Massen dienen. ES scheint uns dringend notwendig, daß sich diejenigen, gegen die unsere wohlbelegten Borwürfnisse gerichtet sind, umgehend vor aller Oeffentlichkeit zu rechtfertigen suchen. Uebrigens handelt e» sich hier um eine Angelegenheit, für die sich auch da» Gesundheitsministerium des Herrn Spina interessieren sollte—I Parteimitglied» jeder freie |> Gewerkschafter ■ trägt Im September das Jubiläumsabzeichen des M HWWW W MS, MaZ ,'MW Der Weltkries In Zahlen Zu Beginn des Kriege» standen 120 Millionen der Zentralmächte 278 Millionen Menschen der Entente gegenüber. 1918 befaiiden sich 25 Staaten mit 1844 Millionen Menschen gegen Deutschland im Kriegszustände. Zum Kriegsdienst ausgehoben waren in Deutschland 13,25 Millionen Soldaten. In Österreich 9 Millionen, in Frankreich 7.9 Millionen, in Großbritannien 8,3 Millionen, in Italien 5,2 Millionen, in Rumänien 1 Million, in Belgien 0,4 Millionen, in Rußland rund 10 Millionen, in der Türkei und Bulgarien zusammen 2,5 Mil« lionen, in den kleinen Staaten der Entente zusammen 1 Million. Die Stärke des deutschen Heeres betrug am 1. August 1914 3.9 Millionen, am 6. September 1916 8,2 Millionen, am 11. November 1918 8 Millionen Mann. Für Deutschland waren die verlustreichste Zeit die ersten Wochen des Weltkrieges und die Früh- jahrSoffensive 1918. Diese kostete in der Zeit März— Juni rund 114,251 an Toten, 37.470 an Vermißten und Gefangenen, 500.000 an Verwundeten. Die Franzosen hatten ihre schwersten Verluste ebenfalls in den ersten KriegSmonaten, dann in der Verdun-Schlacht vom Februar bi» Juni 1916, wo ihre Verluste bald Siher waren, als die der Deutschen, und schließlich bei der Frühjahrsoffcn« sive März—Juni 1918, bei der sie 167.000 Tote, sowie 266.000 Verwundete«inbühten. Für die Engländer war die Sommeschlacht am verlustreichsten. Sie verloren dabei 150.000 Tote, sowie 318.000 Verwundet«. Die Gesamtverluste des Krieges betrugen für Deutschland 1,808.545 Tote und 4,247.143 Verwundete, dazu treten 14.000 farbige Kolonialsoldaten. Mir England betrugen die Gesamtver- lufte an Toten 869.000, für Frankreich 1,354.000 für Italien 600.000, für Rumänien 159.000, für Belgien 115.000. Im Laufe des Kriege» wurden von den Deutschen 200 verschiedene Gcschoßarten hergestellt. Darunter 170 Neukonstruktionen. Die Geschoßan» fertigung betrug gegen Ende de» Krieges monatlich 11 Millionen. An Gewehren waren nach den Mobilma« chungsverträgen täglich 1200 Stück an die Heeresverwaltung abzuliefern. Dieser Vorrat war schon nach den ersten Schlachten verbraucht. Später konnten monatlich 250.000 Gewehr« hergestellt werden. Die Neuanfertigung von Maschinengewehren begann mit 200 Stück im Monat. Im Frühjahr 1917 wurde bereits eine monatliche Lieferung von 7000 Maschinengewehren erreicht. 1918 betrug die monatliche Lieferung 18.000. Die monatliche Neuanfertigung leichter Artillerie betrug 1917 8000 Geschütze. Die schwere Artillerie stand gegen Kriegsende mit 19.000 Geschützen an der Front. Die monatliche Neuanfertigung von Minenwerfern betrug 1917 448 Stück, die der Wurfminen 1% Millionen. Die größte Monatslieferung an Handgranaten fand im Winter 1916/17 statt. Sie betrug i rund 9 Millionen. Insgesamt wurden 300 Millionen Handgranaten an unsere Front geliefert. Die Anfertigung von Infanterie-Munition betrug 1917 2340 Millionen Patronen. Bon Nah- ! kampf-Munition 110 Millionen Stück, von Pulver mehr als 100 Millionen, von Sprengswsfen mehr als 325 Millionen Kilogramm. Annäherung der amerikanischen Gewerkschaften an den I.G.B. In der Sitzung des Ausschusses des Internationalen Gewerkschaftsbundes in Weymouth 1 sprach der Vorsitzende W. M. Citrine die Hoffnung au», daß schon in absehbarer Zeit«ine enger« Verbindung der amerikanischen Gewerkschaften mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund erfolgen werde. Auf den Vorschlag eines holländischen Delegierten, daß eine kleine Delegation de» Internationalen Gewerkschaftsbundes den nächsten Kongreß des amerikanischen Gewerkschaftsbundes besuchen sollte, teilte Citrine mit, daß er von William Green, dem Präsidenten de» amerikanischen Gewerkschaftsbundes, eine telegrafische Einladung zu diesem am 1. Oktober in San Francisco beginnenden Kongreß erhalten habe. Er erblicke darin ein wichtige» Merkmal der freundschaftlichen Haltung, welche der amerikanisch« Gewerkschaftsbund zu den Problemen fit anderen Ländern«innimmt. In der Sitzung teilte Citrine noch mit, dich' der internationale Gewerkschaftsbund seit Mirz ; l. I. 6000 bi» 8000 österreichische Familien unterstützt habe. Siiesenfener im Parisee Barackerrviertel Ein Bild au» dem Barackenviertel der französischen Hauptstadt, in dem in der Nacht zum 4. September ein Brand ausbrach. In kurzer Zeit waren 30 Baracken ein Raub der Flammen geworden. 200 Menschen find durch das Feuer um ihre Wohnung und um ihr Hab und Gut »ekomwen. Mineralwasser-Skandal! Verdienste bis zu 800 Prozent!— Die Oeffentlichkeit verlangt Aufklärung Seite 6 Sozialdemokrat" Donnerstag, 6. September 1934. Nr. LV8 PBAOIt ZBiTBWa Die Kluge ist tot— es lebe die Schneek r Die„Prager Abcndzeiiu n g" hat gestern einen Exzeß geliefert, der selbst dem stumpfesten ihrer Freunde und dem abgehärtcstcn Beobachter journalistischer„Fixigkeit" zu viel sein dürfte. Die arme junge Schauspielerin Kluge, die auf so tragische Weise ums Heben kam, ist nicht nur noch nicht bestattet, sondern gestern nachmittags, als die„Prager Abendzeitung" erschien- hatten vielleicht noch nicht einmal alle engsten Angehörigen der Verunglückten Gelegenheit gehabt, letzten Abschied zu nehmen— und schon verzeichnete der Mittagssproß des„Prager Tagblatt" nicht nur die künstlerische Nachfolgerin der Helga Kluge am Prager Deutschen Theater, sondern veröffentlichte innerhalb der Spalten, die nochmals über das Unglück berichteten, das lachende Bildnis dieser Nachfolgerinl Es zeigt sich an diesem Beispiel, daß mit einer gewissen Bürgerpresse nicht nur über den Geschmack sich nicht streiten läßt» auch die Regeln dcö Takts, das ringe» schricbenc Gesetz der Pietät, das Mindestmaß an Feingefühl und Rücksicht sind Fremde in den Bezirken einer Presse, der die Fixigkeit und Sensation alles, Respekt vor Tod und Leid nichts ist. Registrierung der Trinkwasserbrunnen. Die Nachrickuen über die Wassernot in vielen ausländischen Städten während der diesjährigen Trockenperiode haben das städtische Wasseramt veranlaßt, seine Aufmerksamkeit wieder den seit Jahrzehnten vernachlässigten zahlreichen Brunnen zuzutvcnden. Wenn auch in diesem Sommer die Wasserversorgung klaglos funktioniert hat, so glaubt man mit Recht, für alle Fälle Vorsorge treffen zu müssen. Vorderhand wird eine Registrierung der im öffentlichen nnd privaten Besitz befindlichen Trinkwasscr- brunncn durchgeführt. Messerstecher. Vorgestern gegen 17 Uhr erstattete auf der Polizeiwache in Prag V. der 87jährige Arbeiter Bohumil V l a 8 aus Prag II., Klimentskä 8, die Anzeige, daß er kurz vorher bei der Martinskirche in Prag I von dem 21jährigen Installateur Joses V l a ch mit einem Messer in die linke Hüfte gestochen wurde. Blas wurde nach kurzer Behandlung durch den Polizeiarzt in das Allgemeine Krankenhaus überwiesen. Vlach wurde nm Mitternacht in Haft genommen. Lebensmüde. Dienstag nachmittags versuchte in ihrer Wohnung Na Santosce 8 in Smichov die 84jährige Josefa I. in der Weise Selbstmord, daß sie sich die Adern an der Hand und dem Halse aufschnitt. Sic wurde noch rechtzeitig von ihrem Sohne aufge- fundcn und.durch die Rettungsabteilung auf di« Klinik Jiräsek gebracht.— Am gleichen Tage wurde die. 85jährige Julie P. von ihrem Gatten bewußtlos aufgefunden. In der Küche selbst war der GaShaupthahn aufgedreht und neben der Bewußtlosen wurde noch ein Fläschchen Gift aufgefuiwen. Die P. starb aus dem Transporte ins Krankenhaus. Auch in diesem Falle war langwierige Krankheit die Ursache der Verzweiflungstat. Kunst und Wissen Auftakt in der Kleinen Bühne Hedda Gabler. Die neue Spielzeit des Deutschen Theaters wurde gestern in der Kleinen Bühne mit einer„Neu- bearbeitung" des Jbsen'schcn Schauspiels„Hedda Gabler" durch Regisseur G e l l n e r eröffnet. Solcher Arbeitsanfang ist jedenfalls erfreulich, sofern er die Absicht der Thcaterlcitung widerspiegeln soll, den Spielplan auf einer Brücke von der Klassik zur Moderne zu führen. Was aber gerade diesen Ibsen anlangt, so bestätigte sich an der„Hedda Gabler" das, was sich schon im Vorjahr an den „Stützen der Gesellschaft" offenbart hatte: die Distanz, des Weltbildes 1984 von dem der Jahrhundertwende steht in einem unnatürlichen Verhältnis zum Abstand der Zeit; die Welt Ibsens nnd sein Theater, zumindest das dieser Gesellschaftsstücke, ist uns stark entrückt; und die Anerkennung dieses lkinstandcs durch die Wahl„historischer Kostüme" unicrstreichl noch diese Tatsache so sehr, daß wir die Wohnung Jürgen Tcsnianns fast lvie ein Museum betreten. Man kann nicht sagen, daß diese Menschen Ibsens inzwischen auLgestorben sind; aber einerseits komnit ihnen heute kaum Bedeutung zu, andererseits zieht uns das Ewig-Menschliche, das Zeitlose, daS da iioch aufznspürcn ist, doch zu tvenig an. Mit der Drohiic, dem gclaugiveiltcn Bürgertveibchen, daS Unheil in seine, llnigebnng bringt, nur weil cs nicht weiß, was es eigentlich niit seinem Leben anfangen soll, sind tvir ebenso längst fertig, wie mit dcni ahnungslosen Fachniaun und dem wirren BohLmien. Beinahe liegt cö nur mehr an den Schauspielern, stärkeres Interesse für das Geschehen und die Menschen hervorzurufen, die sein Objekt sind. Da ist nun Gelingen fcstzustellcn durch eine beispielhaft glatte Ensemble-Leistung, die, sicherlich vor allem dank dem Regisseur, Ivie geölt ablief. Sämtlichen Darstellern ist für Ambition das beste Zeugnis aiiSzustcllcn. Bor allem Frau Gerda Mell e r, der für die Titelrolle doch eiliche Voraussetzungen voller Wirkung.nicht natürlich gegeben sind, kani nach.manchem Kampf im Aufbau, in der Gestik nnd in der Sprache schließlich doch zu einer beachtlichen Lösung dieser heute mehr denn je schwierigen Aufgabe, indem sie beim Entschluß zur SelbstauS- löschuug durch Größe überzeugte. In H. Klippel als Lövborg hatte sie eine» männlich-starken Gegenspieler, der freilich— sei» Max Piccolomini schimmerte durch— etwas vor-ibscnsche Luft mitbrachte, die wiederum Herr Götz als Gatte durch einen mehr an 1934 hcrangerückten Konversationston auszugleichen suchte. Als durchaus wertvoll und vielleicht vielversprechend darf man die neue Bekanntschaft mit Frau Lotte Stein buchen, die das alte Tantchen sicher, einfach, menschlich-warm zeichnete und die übrigens auch eine vorbildliche Sprecherin Prag, 6. September. Vor den: hiesigen Schöffengericht wurde heute unter Vorsitz des GR. Ber« n ä S e k der Prozeß über eine interessante Klage eröffnet, die von der Witwe des Gründers der Bakawerke und den« gegenwärtigen Chef dieses Riesenunternehniens, Johann Baka, gegen Autor und Verleger eines literarischen Werkes angestrengt wurde. Im Vorjahr erschien der Roman„B o t o« st r o j". Das Wort„S t r o j" entstammt bekanntlich der sowjetrussischen Terminologie rind bedeutet im landläufigen Sprachgebrauch die gigantischen Prodnttionsstätten die die Sowjetrepublik geschaffen hat, wie zum Beispiel der berühmte„D n j e p r o- st r o j" u. a. Dem tschechischen Leser bedeutet der Titel„Botostroj"(Bota— derS ti efel) also eine riesige Schuhfabrik, besser gesagt, einen ungeheueren JndustriemechaniSmns zur Erzeugung von Schuhwerk. Autor des Buches, der sich zunächst unter dem Pseudonym T. Svatopluk verbarg, war der 84jährige Zeichner Svatopluk T u r e k, der von 1926 bis 1938 in der Reklamcabteilung der Bakawerke beschäftigt gewesen war. Verleger war der Inhaber des„Sfinx"- Verlages Bohumil I e n d a. Autor und Verleger wurden sogleich nach Erscheinen des Romans, der beträchtliches Aufsehen erregte, von der Witwe und dem Bruder des Gründers Thomas Baka, als derzeitigen Inhabern des Unternehmens geklagt. Und mehr als das: Die erschienene Anflage des Romane»„Botv- stroj" wurde anf Antrag der Kläger konfisziert. Die Klage behauptet nämlich, daß das Buch ein durchsichtiges Pamphlet gegen die Bakawerke sei, die zwar niemals beim Namen genannt, aber angeblich eindeutig bezeichnet worden sei. Das Buch sei zu sein scheint. AehnlicheS gilt von der Frau Elvsted Marion W ü n s ch c S, die durch Zartheit und Gebrechlichkeit äußeren Wesens mit den noch starkem Herzen fesselte und rührte. Herr V a l k beherrscht als Gerichtsrat durch Eindringlichkeit und durch eine» starken Schuß Dämonie die Szene, in Frau Emmy Frank lernte man eine trefflich charakterisierende Episodistin kennen. DaS Erfreulichste: ein volles Haus. Hoffen wir, daß ihm recht viele folgen, wenn die Direktion weiter entschlossen bleibt, gutes Theater nach der literarischen Seite wie durch das AnfführungS- nivcan zu geben. Beides war gestern, trotz der nun leider fällige» Einwände gegen„Hedda Gabler" und gegen die eine oder andere Darstellungs-Unzulänglichkeit, festzustellen. L. G. Bom Prager Deutschen Theater DaS Neue Deutsche Theater eröffnet heute Donnerstag, 6. Sept, mit„F i d e l i o".— Freitag: Erstaufführung„Der Vogelhäirdler".— Samstag, neuinszeniert:„Othell o" von Shakespeare. Sonntag„Der Vogel händle r". Kleine Bühne. Heute, Donnerstag:„Stra- ßenmusik".— Freitag Uraufführung der Clown-Komödie„T r o ß u n d T o b b y"(„Das Haus der tausend Nuancen").— Sgmstag neuinszeniert„B u n b u r y".— Sonntag„Troß und Lobby". Sport» Spiel» Körperpllege Das erste Endspiel im Mitropacup fand Mittwoch in Wien statt. A d m i r a gewann gegen FC. Bologna knapp mit 8:2(9:2). Das Spiel wurde von einem englischen Schiedsrichter geleitet. Das Schlußspiel findet Sonntag statt und dürfte die Italiener als Sieger sehen. Wiener Boykott gegen einen tschechische« Schiedsrichter. Die Wiener erstklassigen Fußballvereine faßten in einer Konferenz den Beschluß,, in Prager Spielen unter der Leitung des Schiedsrichters Vogl nicht mehr anzutretcn. Grund zu dieser Maßnahme soll die unobjektive Leitung dieses tschechischen Schiedsrichters bilden, unter der einige Wiener Vereine zu leiden hatten. destruktiv, so behauptet die Klage des Herrn Johann Baka, denn sein Zweck sei offensichtlich die„Aufreizung der Baka-Angestellten gegen die Dienstgeberfirma." Wohingegen die Bakawerke„auf dem gemeinsamen Interesse aller Angestellten" aufgebaut seien— wenigstens behauptet das die Klage. Und endlich behauptet sie, dieser Roman sei geeignet, durch Schilderung drastischer Details,„zum Untergang des Unternehmens und der Existenz der Kläger zu führen". Ob nun der Roman wirklich geeignet war, zur „Vernichtung der Existenz" der Familie Baka zu führen, wissen wir nicht, da der hurtige Zugriff der Konfiskationsinstanz die Lektüre dieses„destruktiven" Buches vereitelt hat. Sicher ist soviel, daß sich drei bekannte Literaturkritiker über das Werk sehr anerkennend ausgesprochen haben.(Der Verteidiger der zwei Angeklagten, Dr. K o st k i k a, beantragte übrigens die Delegierung einer eigenen Schiedskommission unter Patronanz des Schulmini» sterinms zur Begutachtung der angeblichen Schädlichkeit des Romans). Gegenüber den Ausführungen der Klage betonte der Verteidiger weiter, die rein literarische Tendenz d«S BuchrS richte sich im allgemeinen gegen die überspannte Rationalisierung mit alle« ihren verderblichen Folge«. Das Buch sei kein Pamphlet gegen die Firma Baka, sondern der Autor verarbeite in dem beanständeten Werk nur Anregungen und Eindrücke, die er durch sieben Jahre in dem Milieu der klägerischen Firma empfangen hat. Das Schöffengericht beschloß schließlich die Vertagung der Verhandlung, um den geklagten Autor und Verleger, die heute nicht persönlich erschienen waren, zur Einvernahme vorzuladen. rb. Baka klagt eine« Romanantor Ein intereffanter Prozeß vor dem Prager Schöffengericht Der zweite Frühling Me Wetterregeln stehen Heuer auf dem Kops. Im Frühjahr begann es, der Sommer brachte nach ungewöhnlicher Hitze und Trockenheit Sturm- und Hagelkatastrophen, wie sie selten erlebt werden und der Herbst schien schon im Sommer beginnen zu wollen. Aber wieder kaitz das Unerwartete. Nach den letzten Regentagen ließen sich auch di« Bäume täuschen und begannen zum zweitenmal zü blühen. Diese Kastanienalle in Nitra zeigt sie im Schmuck neuer Blüten, zwischen Ivelchen die reifen Kastanien leuchten. Solche Erscheinungen gibt es auch anderswo, wenn auch nicht in so eindrucksvoller Form wie fie dieses Bild zeigt. Aus der Partei Ausweis für den Monat August 1984 Die erste Zahl bedeutet Parteifonds, di« ringe« klammerte Wahlfonds. Bodenbach Kt 8.200(800), Brünn KS 2.000 (500), Karlsbad Ke 6.060(1.740), KrSmart Ke 54(10), LandSkron Ke 400(100), Pilfen-Budweil Ke 880(220), Prestburg Ke 64(16), Reichenters Ke 1410(300), Teplitz-Saaz Ke 2800(700), Trautena« Ke 80(20), Troppa« Ke 2360(590). BezirkSorganifatio» Prag, der Deutschen sozial- demokratische» Arbeiterpartei.(Bezirksver« t r e t u n g): Sitzung am Montag, den 10. September, um 8 Uhr abends im Parteiheim.— Wichtige Tagesordnung.(Bezirksexekutive): Sitzung am Montag, den 10. September 1984 um 7 Uhr abends im Parteiheim. Sektion der sozialde«t»kratischm Bankbeamte». Dienstag, den 11. September, um halb 19 Uhr im Parteiheim, Prag II, Närodni tr. 6, eine wichtige Sitzung, zu der das Erscheinen aller Mitglieder erbeten wird. FrauenbezirkSkomitre. Donnerstag, den S. dS., findet im Parteiheim, Narodnt 4, um 7 Uhr abends eine AiiSschußfitzniig statt. Fliichtlingsfürsorge. S>PD-Emigrant«n Donnerstag um 7 Uhr Versammlung im Monopol. Verclnsnadirldifcn PRAG AtuS- Turnerinken! Well wir sehr viele neue aktive Turn« genofsiunen gewonnen haben, er« suchen wir Euch alten Turnerinnen die Turnstunden regelmäßig zu besuchen, daniit wir mit Euerer Hilfe unseren neuen Mitgliedern etwas bieten. Frei Heil! (Montag und Donnerstag von 7 bis 9 Uhr abends, Turnhalle, Prag II., Stkpanflä ul. 20.) find schon wieder da!" Eine wahre Geschichte aus Wien von Franz Richard. (Schluß.) „Und doch ist dies das erlösende Wort für den Wachmann. „Auseinandergehen! WeitergehenI" ruft er. mechanisch und eilt schnell zum nächsten Telephon. Inzwischen wird die Menschenansammlung immer größer. Jetzt tauchen auch weitere Wach- niänner auf und bemühen sich, den Verkehr in seine gewohnten Bahnen zu lenken. Doch das hält schlver. Immer neue Straßenpassanten kommen und starren auf das Wunder der.roten Fahne. Man sieht plötzlich keine mißmutigen Mienen mehr. Männer und Frauen zwinkern sich aus den Augcutvinkeln an: Wir sind noch da! Wir, das rote Wien! Wir, die verlästerten MarxistenI Und dann jagt die Feuerwehr heran. Eine Drehleiter wird in Stellung gebracht. Ein Feuerwehrmann erklettert die Leiter und entfernt die rote Fahne. Viel Wachmänner und noch mehr Publikum sehen zu. Und es fallen viele mehr oder minder geistreiche Bemerkungen. Und dann ist alles vorbei. Der schöne sonnenhelle Vormittag in dem Wiener Außenbezirk geht weiter. Die Feuerwehr biegt unten um eine Ecke und der Wachmann steht wieder mitten auf dem Fahrdamm und grübelt an einer Theorie, wie die Fahne dort an den hohen Draht gelangt sein kann(er hat, wie bereits erwähnt, einen stillen Hang zur Kriminalistik!) Und wie er so steht und sinnt, da knattert wieder ein Motorrad an ihm vorbei. Eine schwere Maschine. Der Mann darauf trägt eine Schutzbrille vor den Augen, eine breite Schutzbrille, die sein Gesicht wie eine Maske verdeckt... In dem Wachmann wird eine Erinnerung lebendig. Den Motorradfahrer hat er doch heute schon einmal... Man sollte sich die Nummer des Fahrzeuges merken. Solche Kleinigkeiten muß man als vernünftiger Kriminaler... Verdammt, die Nummer des Motorrades ist völlig unleserlich. Vollkommen verdreckt und verschmiert. „Aha," denkt der Wachmann,„der Kerl hat vor Antritt der Fahrt daS Nummernschild mit Schmieröl eingerieben. Alter Berbrechertrick! Der Straßenstaub setzt sich dann bei der Fahrt auf dem Schild fest und macht die Nummer unleserlich..." Ja, aber— der Wachmann zuckt zusammen — Schutzbrille und unleserliche Hummer! Und zweimal rast der hier vorbei?! Da muß doch etwas dahinter stecken!. DaS Geheimnis der roten Fahne droht zu versinken, um dem Rätsel mit dem geheimnisvol- lcn Motorradfahrer Platz zu machen. Ein Wiener Wachmann, der zur Geheimpolizei möchte, hat es nicht leicht. Die Sache muß man in Ruhe überdenken.— Ob man bei einem Viertel Heurigen...? l Der Wachmann schwankt. Eine Gefährdung von Ruhe und Ordnung ist heute wohl nicht mehr zu erwarten. Die rote Fahne von vorhin hat die Gegend zwar mächtig aufgepulvert, aber am Hellen Tage sind wohl weitere Demonstrationen nicht zu erwarten. Ein Viertel Heurigen hat man ehrlich verdient. Der Wachmann entscheidet sich für eine kleine Dienstpause und macht auf dem Absatz kehrt, aber im selben Augenblick steht er wie vom Donner gerührt.' „Meiner Söll!... Kruzifixsakrament l" keucht er und seine Augen drohen aus dem Kopf zu quellen. Genau an der gleichen Stelle wie vorhin ballen sich Menschen zusammen und bilden einen großen Kreis. Und genau an der gleichen Stelle hebt sich über den Köpfen der Ansammlung etwas Großes, Dunkles vom blauen Himmel ab. Bis ins Kleinste da» gleiche Straßenbild, wie vor wenigen Minuten. Die Menschenmenge, vorhin erstaunt, freudig bewegt, aber im großen ganzen ruhig und das Ereignis sachlich und gefaßt ausnehmend, ist jetzt tulmultarisch erregt. Man scheint begeistert, jubelt, brüllt und einzelne fangen an zu singen. Und immer wieder braust ein befreiende» Gelächter durch die Straße. Dem Wachmann wird unheimlich. Als alter christlichsozialer Parteigänger bekreuzigt er sich verstohlen und erst dann geht er, um wieder Ruhe und Ordnung herzustellen.. Und wieder steht er im Kreis der improvisierten Arena und blickt zur roten Fahne empor. Und diesmal kämpfen in ihm, wenn auch widerwillig, so etwas wie Hochachtung und Bewunderung mit einem Gefühl ohnmächtiger Angst, als er auf dem roten Fahnentuch unter den weißen drei Pfeilen die Inschrift liest: „Wirsindschonwiederd al" Fern hört man noch die wegbahnende Glpcke der Feuerwehr, als der Wachmann zum Telephon eilt, um die Männer mit der langen Drahtleiter erneut zu alarmieren. Und während„däS Mädchen für alles" zum zweitenmal an der gleichen Stelle eine Marxistenfahne entfernen muß, und die Männer trotz der doppelten Mühe ganz vergnügt dreinschauen, schiebt irgendwo ein Mann sein Motorrad in eine Garage. ES ist eine schwere Maschine und der Mann trägt eine Schlitzbrille vor den Augen. Freunde umringen ihn. „Hat's geklappt?" „Fabelhaft geklappt," antwortet der mit der Schutzbrille. „Wie du das bloß fertig bringst!" fragt jemand betvundernd. Der Motorradfahrer lächelt unter seiner Brille. „Wenn du wie ich im Zirkus jahrelang als Jongleur gcarbeitetct hättest!", meint er,„dann wäre es für dich auch eine Kleinigkeit, eine zusam« mengerollte Fahne mit einem Karabinerhaken zwanzig Meter weit genau so zu schleudern, daß der Haken den Draht, erfaßt." B e zu g s b e d in g u n g e n: Bei Zustellung ins Haus oder.bei Bezug durch die Post monatlich KC 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 06.— aanziäbria KL 192—— Inserate werden' laut Tarif billigst berechnet. Bet' öfteren Einschaftungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitnngsfrankatur würde von der Bott, und - Telegrapheüdirektion mit Erlaß Nr. 1S.800/VH/1980 bewilligt. 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