14. Jahrgang Samstag, 8. September 1934 Nr. 210 IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Ehnilprelt 70 Heller (elntcMMHIch S HNtor F»n-> ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, mdaktion UNO Verwaltung mag xiuiocnoim«. mmfon am. ammmmmwkn Sttn. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR* DR. EMIL STRAUSS, MAO. Ratstagung eröffnet Zweidrittelmehrheit für Rußland gesichert Regierungspresse und Henlelnfront Merkwürdige Beziehungen In der letzten Zeit wurde das Thema mehrfach erörtert, inwieweit die Schreibweise einer gewissen Schriftleiterpresse zur fascistischen Bergif- wng der deutschen Bevölkerung beiträgt. Dazu ist der Hinweis geboten, daß manche der im Saazer Staatsverlag erscheinenden Wolf- B l ä t t e r an offenen oder versteckten S tz m p a» thienfürdieHenleinfrontdrr deutschvölkischen Presse keineswegs nachstehen. Uns liegt eine solche brieflicheSympathieerklä- r u n g der Schriftleitung eines im StaatSvrrlage erscheinenden TagblatteS in Original vor. W o die betreffenden Herren sitzen, ließe sich an der «Schreibweise der einzelnen Wolfblättrr, insbesondere an ihrer Haltung gegenüber den deutschen Sozialdemokraten leicht feststellen. lieber Im Gefängnis als in Hitlers SA! Massenrückkehr von Nezis aus dem braunen Paradies In Schlesien kehren in der jüngsten Zeit, wie tschechische Blätter melden, scharenweise ehemalige SA»Lcute, die seinerzeit Über die Grenze gegan- gen und in Hitler- Stürmscharen«ingetretrn sind, wieder in die Republik zurück.- Bor allem sind eS junge Leute. Obwohl sie wisse«,- daß ihrer in der Heimat daS Gefängnis darrt, ziehen s i e e s v o r, h i e r g e f a it< gen ü si tz en, als in den braunen Bataillonen «eiterzudienen. DaS Troppauer Gefängnis ist von diesen Hitlermüden schon überfüllt. In den letzten Tagen sind ihrer wieder 14:91 ann ein» geliefert worden. Auf einmal kein Beweismaterial gegen Rintelen? Wien, 7. September. Aus Kreisen, die dem früheren österreichischen Gesandten Dr. Rintelen nahestchen. verlautet, daß der Fall Rintelen nicht zur Anklageerhebung gedeihen wird, da der Staatsanwalt in den bisherigen Verhören die Verteidigung Dr. Rintclens, er habe mit dem Luliputsch nicht das geringste zu tun, n i ch t z u widerlegen vermochte. Dr. Rintelen behauptet, das; er am 25. Juli dienstlich in Wien weilte, tzr wollte zu einer Audienz beim Bundeskanzler erscheinen, was ihm aber den ganzen Tag über nicht gelungen sei. Das klingt wenig glaubwürdig. Biel eher ist onzunehmen, daß Rintelen so viel über die anderen Hintermänner des Putschcs a lä Fey weiß, daß die Regierung zu viel riskierte, wenn sie Rintelen die Möglichkeit böte, diese unangenehmen Dinge im Gerichtssaal auszupacken. Alplne-Dlrektor Im Konzentrationslager Die Alpine-Montangesellschaft hat neuerdings eine größere Zahl von Beamten wegen Beteiligung an der nationalsozialistischen Bewegung entlasten. Insgesamt wurden bisher 860 Angestellte entlassen. Der technische Direktor der Alpine A.-G. Jng. Zahlbruckner befindet sich im Konzentrationslager in Wöllersdorf. Ultimatum an Michailow Sofia, 7. September. Ivan Michailow und weitere neun Führer der mazedonischen revolutionären Organisation wurden aufgefordert, sich Innerhalb zehn Tagen der Polizei zu ergeben. RohstofffSperre gegen Deutschland London, 7'. September. In der Sitzung der Garnexporteure und Spinnereibesitzer in Bradford in England wurde eine Resolution angenommen, wonach vom heutigen Tage an kein Abkommen über direkte oder indirekte Garnlieferungen nach Deutschland abgeschloffen werden wird, solange keine Regelung der Frage der Liquidierung der alten.Schulden erfolgt ist. Paris, 7. September. Die Herbsttagung des BölkerbnndeS wurde heute vormittag durch eine vertrauliche Sitzung des BölkerbundratrS unter Borsitz deS tschechoslowakischen Außenministers Dr. Benes eröffnet. Diese Sitzung galt der ersten Fühlungnahme der Vertreter der RatS- mächtr über das Arbeit-Programm und einigen BerwaltungSfragen. In der anschließenden öffentlichen Sitzung wurden eine Reihe von Berichten besonderer AuSschüstc und Kommistioncn entgegengenommen Die politischen Hauptfragen werden vorläufig nur in inoffiziellen Besprechungen der Staatsmänner beraten. DaS Problem des Eintritts Rußlands in den Völkerbund wird in der Geheimsitznng deS BölkerbundratrS gelöst werden, die wahrscheinlich erst anfangs nächster Woche, frühestens aber am Sonntag ftattfinden wird.' Man.glaubt, die.r u ffi fch e Frage am besten in der Weise erledigen zu können, daß diejenigen Delegationen, die mit dem Eintritt Rußlands in den Völkerbund einverstanden sind, die ruffische Regierung mit einem besonderen, inoffiziellen Akt n a ch G e n f e i n lade n und gleichzeitig die Bölkerbundversammlunq mit der Durchführung der Fraga betrauen, ob Rußland in den Völkerbund ausgenommen werden kann. Damit würde erzielt, daß. die Versammlung lediglich vor die Entscheidung gestellt wird, ob sie Rußland als Mitglied aufnehmen wolle oder nicht. Darüber, daß eine Zweidrittelmehrheit für die Aufnahme Rußlands stimmen wird, bestehen heute schon keineZweifel mehr. Nach der wahrscheinlich am Montag erfolgenden Ankunft deS österreichischen Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg in Genf erwartet man, Bari» 7. September. Ministerpräsident Mussolini sprach gestern vom Balkon deS Präfekturpalais zu einer 300.000 Köpfe starken Menschenmenge. In seiner Rede sagte er u. a.: „Die italienische Nation lieferte im Verlaufe ihrer dreitausendjährigen Entwicklung herrliche Beweise der Organisation auf rechtlichem, politischem und sozialem Gebiete. An den Küsten deS Mittelmeeres entstanden große philosophische Systeme, große Religionen, eine große Poesie und ein Imperium, das unauslöschliche Spuren in der Geschichte aller Völker hinterließ. Dreißig Jahrhunderte unserer Geschichte gestatten uns, mit absoluter Ruh« auf gewisse Doktrinen hinzusehen, die jen- seitSderAlpen von den Nachkommen von Völkern gepflegt werden, denen di« Schrift noch ««bekannt war, so daß sie keine Urkunde« über ihre Existenz zu einer Zeit erbringen vermögen, da Rom bereits einen Cäsar und einen Augu- stuS besaß.". •' G So albern Mussolinis Römerstolz innerhalb einer ernsthaften Auseinandersetzung über Kulturwerte anmuten müßte, so lebhaft ist dem raffestol- zcn Ariogermanentum der Goebbels und Hitler die kalte Dusche zu gönnen, die ihnen ihr angebeteter und in allen Details von ihnen nachgeäffter Freund erteilt. Dem Duce könnte man antworten, daß es zwischen Cäsar und der Gegenwart ein Jahrtausend gegeben hat, iit dem die. germanischen Stämme eine neue abendländische Kultur aufgebaut haben, und daß zwischen den Jahren 1000 und 1400 oder wieder 1600 und 1900 die deutschen Kulturleistungen die italienischen bei weitem überragt haben. Es gibt eben in der Geschichte jeder Nation Epochen des Ausruhens und solche der Produktivität. Man könnte ihm auch sagen» daß die modernen Italiener daß hier Beratungen über die östrretchische Frage stattfinden werdest. In Genf heißt eS, daß der Versuch gemacht werden wird, die Interessen der Nachbarn Oesterreichs und Oesterreichs selbst so zu koordinieren, daß das endgültige Ab- kommen nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die politische Unabhängigkeit Oesterreichs sichern könnte. polen macht Keine Schwierigkeiten Minister B a r k H o u empfing heute den polnischen Minister für auswärtige Angelegenheiten Beck zu einer längeren Beratung, die«iner- feitS der Frage deS Eintrittes RußlendS in den Völkerbund und andererseits dem Ostpakt gewidmet war. ES scheint, daß Polen weder formale noch grundsätzliche Einwände gegen die Aufnahme Rußlands in den Völkerbund und die Errichtung eines ständigen RatSsitzrS• für Rußland machen wird. Kleine Entente berat Heute traf auch der rumänische Außenminister T i t u l e s c u in Genf ein. Kurz nach seiner Ankunft fand eine Sitzung der Diplomaten der Kleinen Entente bei Minister Dr. Bene- stgtt.’*' Die erste offizielle Zusammenkunft der Staatsmänner der Kleinen Entente in Genf wurde auf Anfang nächster Woche festgesetzt. Im Hotel„Beau Rivage" hatte heute Dr. Benes mit dem französischen Außenminister B a r t h o u eine Aussprache über sämtliche Probleme, die auf der gegenwärtigen Seffion der beiden Hauptorgane des Völkerbundes gelöst werden sollen. zum gut Teil Nachkommen jener g e r m anischen Langobarden sind, die noch um' 600 n. Chr. nicht lesen und schreiben konnten, und man könnte einwenden, daß Italien seine heutige zweifelhafte Kultur lieber nicht an der Epoche CäsarS messe» sollte. Mair würde dann nämlich keine Zunahme feststellen. Für Hitler aber ist die Frozzelei, die ihm sein Vorbild und Kollege antut, ein weiteres Signal, daß er sich mit seiner italophilen Außenpolitik und mit dem Kopieren fascistischer Sitten weniger auf antike Lorbeeren, als i n d i e D i st e l n gesetzt hat, die in jener Gegend ja auch gedeihen! „Romanische Entente" noch gar nicht so sicher Paris, 7. September. Außenminister vartho« hat gestern abends erklärt, die Meldung, wornach Italien und Frankreich eine Allianz, bezw. eine Vereinbarung über die Parität zur See, die militärische und polttische Zusammenarbeit sowie die Bildung einer Einheitsfront gegen Deutschland erreicht hätten, sei unzutreffend. Diese auch in Rom bereits dementierte Meldung würde, als sie in L o n d o n eintraf, in den britischen Regierungskreisen mit B e r w u n de- r u n g ausgenommen, obwohl in der letzten Zeit zahlreiche Anzeichen vorhanden waren, die aus eine Zusammenarbeit der französischen und der italienischen Regierung hätten schließen lassen können. Jedenfalls wurde die britische Regierung von keinem neuen spezifischen Abkommen informiert. Die britischen diplomatischen Kreise sind der Ansicht, daß die französische und die italie-, nische Regierung keine Militärallianz abzuschließen beabsichtigen. Klarheit tut not! III. Der Weg zur Klärung Henlein beilagt sich in seiner Presse, daß ihm von tschechischer Seite zu wenig Vertrauen entgegengebracht lvird und daß die Tschechen mit ihm nicht diskutiereil wollen. Damit offenbart er die Zweideutigkeit seiner Politik. Den Tschechen gegenüber beruft er sich auf den Grundsatz„Demokratie i st D i S k u s s i o n" und in der sudctendcutschen Politik tritt er mit den Allüren deS kommenden Diktators auf. Ju den Berfamm- lungrn der Heimatfront gibt eS keine Diskussion-- frriheit. Wenn die sozialdemokratischen Arbeiter z. B. in solchen Versammlungen Aufklärung verlangen wollen über das politische und soziale Programm dieser„ErneucrungSbewegung", scheut sich die Heimatfront nicht, sie mit Gendarmerie- Aufgebot fernzuhalten. Die politischen Behörden dulden leider in der Regel diesen Mißbrauch unseres dcmolratischcn VersammlungSrechtcS und sie stellen sich zumeist auf den Standpunkt, daß die Henleinleute in ihre Versammlung hincinlassen können, wen sie wollen. Nur ein Bezirkshaupt» mann, der von Trauten a u, hat bisher soviel demokratische Einsicht aufgebracht, eine öffentliche Versammlung dec Heimatfront nur unter der Bedingung zu bewilligen, das; sie tatsächlich öffentlich durchgeführt werde, d. h. auch den Vertretern einer anderen politischen Anschauung die Möglichkeit biete, sich durchzusehen.- In diesem Zusammenhänge muß mit aller Deutlichkeit ausgesprochen werden, daß wir von den politischen Behörden keine Gunstbeweise erwarten, sondern eine objektive demokratisch e H a l t u n g. Eine Patronisierung der Heimatfront, über deren fascistischen Tendenzen kein Zlveifel mehr besteht, durch die Behörden eines demokratisch-republikanischen Staatswesens ist allerdings unerträglich und fordert zu schärfster Bekämpfung dieser Einstellung heraus. Daß diese Patronisierung, lvo sie besteht, aufhörc, ist eine der ersten Voraussetzungen einer Klärung! Die zweite Voraussetzung muß innerhalb des deutschen aktivistischen Lagers geschaffen werden. Die Agitation der Heimatfront stützt sich entscheidend auf die Patronisierung durch eine deutsche Regierungspartei. Der Tatbestand ist bekannt. Das Bestehen fester Vereinbarungen zwischen der deutschen Agrarpartei und der Heimatfront kann nach den jüngsten Enthüllungen des Führers der deutschen Gewerbepartei, deS Abgeordneten S t e» z l, nicht länger ztoeifelhaft sein. Der organisatorische Inhalt dieses Paktes ist nur von mäßigem Interesse, um so mehr, als Beweise vorliegen, daß die Henleinleute— trotz anderslautender Zusicherungen— auch der Partei Spinas in den Dörfern deir Boden abgrabcn. Maßgebend ist die p ol i t i s ch e W i r- k u n g dieses Bündnisvcrhältnisscs. Sie besteht nun darin, daß die Unterführer der deutschen Agrarpartei im Lande draußen von der Politik davonlaufen, die sie in Prag machen. Dies« schwächliche und zumeist von MandatSangst diktierte Haltung diSkrctiert die deutsche Regierungsteilnahme vor der Bevölkerung, sie ermutigt die antidemokratischen Strömungen. Die Henlcinprcsse wettert gegen jene, die im AktiviSmuS nur ein„Profitgcschäft" sehen. Die sozialpolitischen Ergebnisse der sozialdemokratischen Rcgicrungsteilnahmc lvird man schwer als„Profit, geschäft" bezeichnen können. Der diffamierende Vorwurf des ProfitgeschäftcS trifft also die deutschen Agrarier. Habe» sic überhaupt noch den Mut, ihre Politik gegen die eigenen. Bundesgenossen zu verteidigen? K k e p c k hat jedenfalls dem Aktivis- mus eine andere Auslegung gegeben. Lassen, sich seine Nachfolger daS opfecvolle Werk einer viel« jährigen deutschen Mitarbeit. in der Regierung widerspruchslos besudeln und verächtlich machen von politischen Dilettanten, die noch keine einzige deutsche Schulklasse gesichert haben, die deutsche Existenzen unauSgectzt in Gefahr bringen, statt sie zu beschützen? Diese schwächliche Haltung wird sich an der Partei. Spinaö noch bitter rächen. Nur das männliche Bekenntnis zum eigenen Tun und Lassen imponiert den Menschen. In Zeiten, da das Bekenntnis zur Demokratie und zur nationalen Zusammenarbeit doppelt und dreifach notwendig ist, kann Schweigen nur als kleinmütiges Zurückweichen, als Anfang der Kapitulation gedeutet „Gewlne Doktrinen von Jenseits der Alpen...” Scharfer Seltenhieb Mussolinis gegen das Dritte Reich Sette 2 SamStag, 8. September 1934 Nr. LIO Rapen fliest zum Parteitag Saarbrücken, 7. September. Der deutsche Gesandte und Bevollmächtigte Minister in Wien, Franz von Pape n, hat am Freitag 10 Uhr Saarbrücken im Sonderflugzeug verlaffen, um sich zum Reichsparteitag der NSDAP nach Nürnberg zu begeben. werden. Der Haren Entscheidung zlvischen Demokratie und FascismuS, zwischen Aktivismus und Rationalismus kann man nicht.durch taktische Manöver austveichen. Herr von P a p e n hat mit seinem schlauen Plan, die wilden Nazis zu zähmen und zum Werkzeug seiner ministeriellen Kombinationen zu machen, verflucht schlechte Erfahrungen gemacht. Soweit der Ungeist des Hitlcrismus über die Grenzen schlägt, gibt es mit dieser Erscheinung kein Kompromiß, sondern nur offenen Kampf, rücksichtslose Verteidigung der demokratischen Lebensinteressen der Sudetendeutschen. Dabei soll auch die zweite Nährquelle der Henleinbewegung nicht übersehen werden: die Unzufriedenheit eines großen Teiles der deutschen Bevölkerung mit ihrem nationalen und sozialen Schicksal. Auch andertvärts tragen die arbeitenden Menschen unter den Krisenfolgen schwer, aber die Sudetendeutschen erleben die Krise unter den Gesichtspunkten ihres nationalen Minderheitsschicksals. Wo dieses Minderheitsschicksal soziale Nachteile bewirkt, die über das allgemeine Maß hinauS- gehen,— siehe Staatslieferungen, Benachteiligung im öffentlichen Dienst— dort werden ununterbrochen gefährliche Stimmungen erzeugt, die sich jeder hergelaufene Demagoge zunutze machen kann. Die einseitigen Einschränkungen im Bk i t t e I s ch u Ilv e s e n und die ungerechte Aufteilung der Margarine-Kontingente haben dem sudetendeutschen Nationalismus Wasser auf die Mühlen getrieben. Auch durchwegs besonnene Leute empfinden diese Maßnahme als ein aufgelegtes Unrecht und sie fragen sich, ob denn die verantivortlichen Menschen im tschechischen Lager für das erreichte Ausmaß an sozialen und psychologischen Spannungen im deutschen Lager blind sind, ob denn den Anhängern der nationalen Zusammenarbeit mit Gewalt der Boden aögegra- ben werden soll. Kann eS der Sinn der tschechischen Politik sein, den Glanben der dentschen Landsleute an die nationale Gerechtigkeit eines demokratischen Regimes durch kurzsichtige Matznahmen zu erschüttern? Nehmen wir das S ch u l w e s e n. Auch wenn die Tudetendeutschen vollste Autonomie und Steuerhoheit hätten, tvürden sie es nicht leicht haben, ihr hochentwickeltes Schulwesen unversehrt durch die Sintflut dieser Krise zurcticn., Es wären auch, dann Abbaumatznahmen notwendig, freilich nicht, nach verschiedenem nationalen Schlüssel. Hätten die Deutschen lvenigsteuS ei» bescheidenes Stück Schulautonomie, wie sie die Dörerschen(Entwürfe in Aussicht stellen, sie lvür- den in tätiger Mitbestimmung und Mitverantwortung an der Anpassung der Schulorganisation an die gegebenen finanz- und wirtschaftspolitischen Tatsachen teilnehmen. Die Tschechen mögen sich nur daran erinnern, lvie schwer sie fremde Eingriffe in ihr Schullvesen getragen haben. Bei dem heutigen Zustande hat eine nationalistische Agitation die Möglichkeit, unvermeidliches üverflüffi- ges Sparen am Schullvesen in den einen Topf der nationalen Unterdrückung zu werfen. Es ist tief bedauerlich, daß seit dem Abgänge D t r e r s aus den: Schulministerinm der Gedanke der bescheidensten Schulautonomie dort begrabe» zu sein scheint. Dsrer hat jede Gelegenheit benützt, auch den deutschen Mitbürgem seine Pläne nnd Handlungen verständlich zu machen. Er war sich besten bewußt, daß die staatliche Kulturvertval« tung der gegebene Baden für nationale Berstän- digungSarbeit ist. Man gewinnt in den letzten Monaten den immer bestimmteren Eindruck, daß der derzeitige Leiter des Schulrefforts die Linie seines Vorgängers verlosten hat... Sehr schmerzlich spüren heute die Sudetendeutschen, daß die Gewaltmethoden des Hitleris- muS bei allen Nachbarvölkern ein tiefes Miß» Das Dritte Reich sucht nach immer neuen Mitteln, das Weltjudentum, und— auch feine jüdischen Staatsbürger— zu vernichten. Die Nachrichten darüber mehren sich, daß die beabsichtigte Vernichtung des Existenzkampfes nichtarischer Unternehmungen fortgesetzt wird trotz aller anderslautenden Beteuerungen. Der Verlag der parteiamtlichen Kasteler„Kurhessischen Lan- deSzeitung" veröffentlicht auf der erste» Sejte seiner Zeitung eine Warnung an jüdische Firmen, lveil zwei jüdische Unternehmungen je ein Inserat in dieser Zeitung veröffentlicht hatten. Nach Feststellung des Tatbestandes sei der Akquisiteur entlassen und die Forderung an die jüdischen Firmen dem Winterhilfswert überwiesen worden. Das„Berliner Aerzte-Journal" ist mit der bisher durchgeführten Verminderung nicht zufrieden; es findet auch jetzt noch die Zahl der jüdischen Aerzte unerträglich hoch und verlangt sehr unmißverständlich weitere„notwendige Konse- quenzen."— Worin diese Konsequenzen bestehen, läßt ein Streuzettel erkennen, der dieser Tage auch in Auffig verbreitet wurde und— doch nicht durch Anhänger der SHF, Herr Henlein?— seinen Weg über die Grenze gefunden hat. Das Pamphlet, das uns im Wortlaut vorliegt, hat folgenden Text: „Der jüdische Weltkongretz in Genf hat den verschärften Boykott deutscher Waren beschlossen. Es ist ein Gebot deutscher Selbstachtung■ Gleiches mit Gleichem zu vergelte»! Keiner spreche darüber, iebet handle im' Stillen. Schlagartig mit 1b. September d. I. seht die Aiwrhrbrwrgung gegen Terror deb Welljuden» tnmS ein und wird nicht früher eingestellt,- bis . dieses den ,Boykott. Deutschlands aufgegeben hat. Ehrlos handelt jede Deutsche, welcher bei Juden einkauft, oder jüdische Aerzte, Rechtsanwälte, Ingenieure usw. verdienen läßt. Deutsche Liga zur Bekämpfung jüdischer Anmaßung. Die Deutschen derTschechoslowa« t e i sollen also den Kmnpf des Dritten Reiches gegen die Juden unterstützen! Verhaftungen In Teplltz Durch schnelles Zugreifen der Auffiger Staatspolizei konnte der offenbare Ausgangspunkt für die Haßpropaganda in der Tschechoslowakei I sehr bald festgestellt werden. traue» gegen die Deutschen schlechthin erzeugt haben. Dieses Mißtrauen erschwert äuch hierzu« lande die nationale Zusammenarbeit. Die Tsche« choflolvakei kann sich indes ihre Nationalpolitik nicht von Hitler vorschreiben laffen. Was wir immer wieder an Rechten und an Rücksichten fordern fitr die deutschen Landesbürger, das fordern wir im Jntereffe des friedlichen Gedeihens der Republik. Nicht zuletzt liegt es bei der Weisheit und Voraussicht der tschechischen Politiker, ob"in dem heißen Ringen um die Seele der Sudetendeutschen die guten oder die bösen Geister die Oberhand bekommen! W. I. Der Verteiler wurde vom Polizeikommissariat Aussig sichergestellt, wobei er zu Protokoll gab, daß er die Aufrufe vom Advokaten Doktor FriedrichEhWatal, Kirchengaffe 2, erhalten habe. Bei einer in der Kanzlei des Rechtsanwaltes vorgenommenen Hausdurchsuchung wurden im Panzerschrank ettva 1500 solcher Flugzettel gefunden. Gegen Abend wurde die Teplitzer Gendarmerie in Kenntnis gesetzt, welche dann sofort in der dortigen Wohnung des Doktor Chwatal eine Hausdurchsuchung vornahm Hiebei wurden in einer Aktentasche 190 Flugzettel des gleichen Inhalts gefunden, ferner ein Brief, gerichtet an Fachlehrer ErnstHellerin Turn, in einem Kleiderschrank ein Paket mit etwa 260 Flugzetteln, die noch am Abend dem Fachlehrer H e l l e r in Turn übermittelt werden sollten. Bei der Oeffnung des Briefes wurde festgestellt, daß darin Heller von:„Liga-Kopf" gebeten wird, durch einige junge Leute diese Flugschriften in der Nacht verteilen und überall ankleben zu lassen. Die vorgenommene Hausdurchsuchung bei H el- l e r in Turn blieb ergebnislos. C h w a t a l und Heller wurden von der hiesigen Gendarmerie verhaftet und dem Teplitzer Bezirksgericht eingeliefert. Sie werden nach den 88 14 und 17 des Schuhgesetzes angeklagt., Der Handelsangestellte E. K. in Teplitz- Schönau erhielt von Chwatal durch einen Dienstmann ebenfalls ein Paket mit 1000 Flugzetteln und einen Brief, der auch daL Verlangen enthielt, wie bei Heller. K. übergab das Paket jedoch der Polizei. Fachlehrer Heller Ist Bezirksleiter des Deutschvülkischen Turnverbandes Teplih-Schönau,! Eh wa t a l Mitglied des DcutschvöUischcnTurn- vereines„Eiche" in Teplih-Schönau und E. K. Vorturner im gleichen Verein. Da Dr. C h w a t a l auch erklärt hatte, er habe gehört, daß Dr. Stradal ebenfalls solche Flugblätter erhalten haben soll, führte die Gendarmerie Donnerstag gegen zehn Uhr abends in der Wohnung des Advokaten Dr. Karl Heinrich Stradal in Teplih-Schönau eine Durchsuchung durch, die jedoch ergebnislos blieb. Die Nachforschungen der Gendarmerie werden fortgesetzt, ebenso neue Erhebungen eingeleitet, so daß zu erwarten ist, daß noch weitere Verhaftungen folgen dürften. Malypetr referiert dem Presidenten Wie die„Prager Preffe" meldet, hat sich Ministerpräsident Malypetr Freitag nachmittags vor Beginn der politische!! Herbstsaison zum Besuch des Präsidenten Masaryk nach Lana begeben. Malypetr wird den Präsidenten über alle politischen und wirtschaftlichen Fragen, mit denen sich die Regierung int Herbst befassen wird, informieren. Bor seiner Abreise nach Genf hat auch Dr. Beneö dem Präsidenten ein ausführliches außenpolitisches Referat erstattet. Wie die halbamtliche Preffe meldet, hat sich der Gesundheitszustand des Präsidenten in dieser Woche wesentlich gebessert. Neben dem Leibarzt Dr. Maixner hat jetzt auch der Internist Dr. P e l n a b die Behandlung des Präsidenten übernommen. t Der Güterverkehr hebt sich Höhere Waggonveistellung im August Die Waggonbeistellung auf den tschechoslowakische» Bahnen(einschließlich der Privatbahnen) betrug im August 1934 383.974 Waggons, was gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres ein Plus von 28.527 Waggons oder 8.0 Prozent bedeutet. Bon diesen Waggons gingen 30.828 ins Ausland(int August 1933 nur 28.645); hier beträgt also die Steigerung 6688 Waggons oder 28.8 Prozent. Wenn auch ein Teil dieser Steigerung auf die Stillegung des Elbeverkehrs zurückzuführen sein dürfte, so zeigt sich in dieser Ziffer doch eine merkliche Belebung des Exportes. Auch die Verladung von Kohle war heuer günstiger als im Vorjahre. Es- Ivurden 90.521 Waggons Kohle verladen, was einer Steigerung um 9.377 Waggons oder 11.5 Prozent gleichkommt. Die Waggonbeistellung ist ein verläßliches Barometer für den Umfang des Güteraustausches und somit für den Stand der Wirtschaft überhaupt. Die Steigerung gegenüber dem Vorjahre hält seit der Kronendevalvation an. Eröffnung des heurigen Schulfunks Gestern vormittags wurde der Rundfunk für die deutschen und die tschechischen Schulen wieder eröffnet. Beide Sendungen wurden durch die Staatshymne eingeleitet,, worauf im tschechischen Schulfunk der Ünterrichtsministcr Dr. K r k- mär, im deutschen der Sektionschef im Schul« Ministerium Dr. M Alle r kurze Ansprachen an die Schuljugend hielten. Auszüge aus der„Verkauften Braut"^nd Rezitationen hxschlosten die tscheDMsM^llrMrepKsM^lv rrvd'nach der Ansprache der Marsch aus„Tannhäuser" übertragen. Eine Schuhmachervorlage? Das Handelsministerium hat dieser Tage nach Abschluß der im Laufe der Ferien gepflogenen Erhebungen eine Vorlage• zum Schutz des SchuhmachergelverbeS ausgearbeitet: Die definitive Redaktion der Vorlage für das interministerielle Verfahren soll schon in den nächsten Tagen erfolgen. Die Vorlage soll auch das Schneidergewerbe einschließen, das in vieler Hinsicht durch die Konkurrenz der Fabriken ebenso betroffen wird wie die Schuhmacher. Eine Stellungnahme wird man sich wohl bis zum Bekanntwerden der Einzelheiten der geplanten I Regelung Vorbehalten müssen. Chwatal rettet das Germanentum Nazipropaganda In Aussig 45 ■ FRITZ ROSENFELD: nach CUjwtta EIN ROMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAIS "''■■■■■— I Denn ich verdurste, wenn ich das Master dieses Gartens nicht wieder trinke, denn ich verbrenne, wenn mich der Hauch dieses Haares nicht wieder kühlt..." Katta senkte den Kopf. Sie trug das Kleid der Krieger: und so war ihre Stimme fest, als sie sagte: „Ich werde alle Menschen fragen, die ich kenne, und werde Reiter in die Berge senden» um Kunde einzuholen von deinem Garten und von der hellen Frau." Dann aber wurde ihre Stimme tonlos, als hätte sie alle Kraft verbraucht in diesen Worten, bitter stieg es in ihre Kehle, und ein Schleier verhaltener Tränen sank über die Landschaft. Sie gab Befehl, flußaufwärts zu rudern. Die Knechte legten sich in die Riemen, das Wasser spritzte auf, silberne Gebäude ließ es für Augenblicke aufwachsen, die gleich wieder versanken. Eintönig sangen die Ruder durch den sinkenden Tag. So schwer lag der Ton der Ruder in den Ohren, wenn die Gedanken kreisten mit der Schnelligkeit eines Raubvogels und das Blut hvchschoß, wie geheh- te- Wild vor den: Jäger dahinjagt. Betäubend war dieser ewige Wellenschlag, man mußte die Augen schließen, um sich Ihm ganz hinzugeben, er war ein gnadloser Herr. Als das Schiff vor Kasan lag, wurde Pal in . sein Gemach getragen. ES war die erste Nachts die er traumlos und ruhig schlief. Katta aber fragte noch am gleichen Abend den Vater,, ob er von dem Garten wüßte und den Brunnen und dem Gong. Der Vater rief alle seine Räte zusammen und sie berichteten, was sie voi. Wanderern und Märchenerzählern seit Generationen über den Garten erfahren hatten. Es sei ein Zaubergarten, sagten die einen, in dem der Fürst der Berge seine Menschenschlächter von Dämonen peitschen ließ, um ihnen den letzten Rest Mitleid auSzutreiben. Es sei der Garten, sagten die anderen, durch den die Straße der Toten führe, jener Weg vom goldenen Tor des Sonnenunterganges zum schwarzen Tor des Sonnenaufganges. Und niemand erblicke den Warten wieder, der in ihm gelebt und ihn verlassen. Die eitlen wußten von dem Gong, der über dem Garten donnerte, zehn Sklaven bewegten den schweren Hammer, der unaufhörlich wider eine Riesenscheibe aus Metall schlug. Die anderen wußten von den Brunnen, aus denen Milch floß, die Milch von tausend Kühen werde täglich in die Rohre dieser Brunnen gegossen. Die dritten wußten von dem Zwerg, der den Garten erbaut, und der ein böses Ende genommen in den Kerkern von Ulleika. Von einem Mädchen aber wußte niemand zu erzählen. Biele Mädchen gab eS in dem Garten, aber'weder der Name der Mädchen noch der Name des Gartens war bekannt. Als in der Mitte der Nacht Katia mli Vater an einem der großen Fenster saß, von denen der Blick weit hinausschweifen konnte über die Mauern der Stadt, über die Steppe und über den silberschinrmernden Fluß, nahm Hulagu das Ge- spräch wieder auf. „Biele erzählen von diesem Garten," sagte er,„aber jeder berichtet etwas anderes. Biele sind vorübergekommen, und viele haben den Gong gehört, viele wollen in den Augen der toten Affas« stnen das Bild des Gartens gesehen haben, denn wer in diesem Garten gelebt und stirbt, trägt das Bild seiner Bäume und Paläste in den Augen. Mit eigenen Augen aber hat ihn niemand gesehen." „Es soll ein Mädchen dort sein, mit. hellen Haaren, Axjutta heißt es, der Fremde ruft den Namen, wenn er fiebert." „ES sind viele Mädchen dort, gekaufte und gefangene. Auch Töchter unferes Landes sind dort, die in die Hände Ala EddinS fielen." Katta schlief nicht in dieser Nacht. Wo mochte der Garten sein, in dem die Frau mit den hellen Haaren lebte? Und wie mochte die Frau sein, die der Fremde im Wachen und im Träumen rief.. Seltsames geschah in dieser Nacht: Zwei Menschen, eine Frau im Kleid des Kriegers und ein müder Mann mit grauen Schläfen, mit fiebrigem Blick, sahen den gleichen Garten vor sich. Der Mann sah ihn, wie Blinde, die einst sehend waren, der Dinge sich erinnern, die ihr Auge trank, die Frau sah ihn, wie Blinde, die nie daS Licht der Augen hatten, sich die Dinge ausmalen, von denen die Sehenden immer erzählen. Und der Garten, den Katta sah, war schöner als der Garten, den Pal sgh, denn in den Augen der Blindgeborenen wachsen alle Dinge weit über ihr Maß hinaus. Aber in diesem Garten fehlte die Frau, die seine Seele war und seine Vollendung. ES fehlte die Frau, nach der Pal immer schrie: sie hatte keinen Platz in KattaS Gedanken und in ihrem Herz. * Bor dem Khan der Tataren und seinem Rat stand Pal: gefesselt, wieder ein Gefangener. „Ich werde dir nicht sagen, wo die Affafltnen hausen, noch wo ihr Fürst haust." „Dann werden wir dich foltern, mit Feuer und mit Eisen. Die glühenden Lanzen werden deine Zunge lösen." „Ich werde nicht sprechen, auch wenn du mir die Augen raubst und das Licht des Tages. Ich toetde nicht sprechen, auch, wenn du meinen Leib zerreißt mit der Kraft von hundert Pferden." In der letzten Reihe der Krieger stand Katta: kein Auge lieh sie von Pal. Run flammte er wieder wei ein Junger, nun brannten Feuer in seinen Blicken und Kraft in seiner hochgereckten Gestalt..... „Ich werde nicht sprechen." sagte er zu Hulagu und seinen Räten.„Aber wenn du mir ein Heer gibst, will ich eS gegen die Affaffinen führen, und sie zerschmettern, wie Ala Eddin die Städte und Reiche zerschmetterte." . Da horchte der Khan auf und seine Räte steckten die Köpfe zusammen. Ein Spion der Affaffinen, der das Tatarenheer in die Irre führen tvill, in die weglose Steppe oder in die Wildnis der Gebirge. Ein Verräter, der sich eingeschlichen unter der Maske der Schwäche, um den letzten Schlag gegen HulaguS Reich zu führen? Lange währte eS, ehe Hulagu eine Antwort zu geben vermochte. Kattas Augen lagen auf ihm, sie baten, sie waren groß und strahlten. Aber Weiberaugen strahlten bald, Weiberaugen strahlten immer, wenn einer aus der Fremde kam, der auf dem Weg nach NirgendSland war. Ein Herrscher des Friedens war Hulagu und auch im Gefecht der Worte war er kein großer Krieger. Aufrichtige, offene Rede liebte er, nicht List und Verschlagenheit, noch jene kunstvoll gefügten Sähe, hinter denen ein doppelter Sinn sich verbarg» Darum erhob er sich von seinem Sih, groß stand er da, Khan der Tataren, mit Macht umkleidet und dem Ruhm eines alten Geschlechts. Aber sein Wort war klein und die Räte lächelten, als sie es vernahmen: „Hat Roeeu Eddin dich gesandt, der Fürst der Berge, daß du Verrat in die Mauern meiner Stadt trägst?"' Da lächelte auch Pal. „Du vertraust mir nicht, Fürst. Ich kam als dein Gefangener, dein Gefangener bin ich. Nie sah mein Aug Roctu Eddin, und in das Aug seines Vaters blickte es nur mit Haß. Ich kämpte im Heer der Affaffinen, aber nicht öfter habe ich mein Schwert erhoben, als Finger an meiner Hand sind, und nur'einmal noch will ich es erheben, um den Sohn dessen zu treffen, der mein.-eben vernichtet hat.., (Fortsetzung folgt.) «r. 210 SamStag, 8. September 1934 Seite 3 "Wenzel Holet schilderte in seinem Buche das proletarische Leben in Nordböhmcn in der Frühzeit der Arbeiterbewegung. Roch macht die Arbeiterklasse erst die ersten tastenden Schritte, treibt sie erst ihre gefühlsmäßige Solidarität, noch nicht Klassenbewusstsein, zu den ersten Organisationsversuchen. Heinrich Hole! wächst schon hinein in die Zeit der erstarkenden Arbeiterorganisationen, des lvcrdenden Selbstbewusstseins des Proletariats. Erfaßte sein Vater den Sozialismus nur mit dem Gefühl, ist er noch nicht frei von nationalistischen Ressentiments(er war ein nach Nordböhmen versprengter Tscheche), so wird für seinen Sohn der Marxismus zum Lebensführer. Wie hart aber muh er sich sein Wissen erarbeiten! Und doch erzählt er in seinem Buche ohne Bitterkeit davon, cs liegt eher ein Glanz schlichter Fröhlichkeit auf dieser einfachen, aber eindringlichen Erzählung. Die Lust zum Erzählen und die Begabung zum Schreiben hat Heinrich Holck von seinem Vater ererbt. Sein Können offenbarte sich am schönsten in den vielen sozialen Skizzen, die er in den Arbeiterblättern veröffentlichte. Eine Anzahl dieser Skizzen erschien gesammelt in dem Bande „Der graue Film".— Kein proletarischer Schriftsteller kann nur Schriftsteller sein, kaum einer will es. Sie sind organisatorisch und agitatorisch tätig, viel von ihrer Zeit und ihrer Kraft wird verschlungen von der Kleinarbeit für Partei und Gewerkschaften. Das ist ja auch die Ursache, warum nur wenige voll auöreifen. Auch Heinrich Holck war für die Arbeiterbewegung tätig, war zuletzt Redakteur eines Wiener GewcrkschaftSblat- tcs. Auch Heinrich Holck vermochte»nS deshalb als Schriftsteller nicht alles zu geben, tvas er seiner Begabung nach uns hätte schenken können. Während des Krieges war Holck Redakteur unseres Aussigcr Parteiblatteö. Sein gar nicht patriotischer Nachruf für Kaiser Franz Josef gab den Vorwand für das Verbot dcü Blattes. Holck muhte Aussig verlassen. Immer aber blieb er seiner Heimat und der Arbeiterbewegung in den Sudctenländern verbunden. Der deutschen und der tschechischen. Seiner Herkunft nach war ja dieser deutsche Schriftsteller ein Tscheche. Und diese enge Verbundenheit mit uns lätzt»ns seinen frühen Tod so schmerzlich empfinden, als den Verlust eines lieben Freundes. Ed war kein Großer. Er tvar und wollte nichts anderes sein als der einfache proletarische Erzähler. Von uns, von unserem Leben, unseren Schicksalen hat er erzählt. Das hat ihn uns lieb nnd wert gemacht. Mancher von uns Ivird, so am schönsten den Freund ehrend, nach einem der beiden schmalen Bände greifen und sinnend darin blättern und die eine oder andere Skizze lesen. Und stille Grütze nach Wien senden. Abschiednch- mend von einem Kameraden, der unser und der österreichischen Arbeiter treuer Genosse war. in in vorurteilslosem und verpflichtendem Erkennen. Die Philosophie könne ihre Erkenntnisse nicht durch Experimente beweisen— sie könne nichts anderes als sich in der Haltung der Philosophen bewähren, die nach ihrer Lehre leben müssen. Denn wie die Kunst sich im grotzen Künstler dokumentiere, so verkörpere sich die Philosophie in den grotzen Philosophcngestalten aller Zeiten. Die Lehren der Philosophen mögen verschieden sein: gemeinsam aber müssen allen wahren Philosophen die Fernhaltung von Eitelkeit, Rechthaberei und Feigheit sein. Und Utitz schloß mit der These, daß der Mnt zur Vernunft die Boraussrhnng aller Philosophie und in der Gegenwart ihre besondere Aufgabe sei. Während Utitz also die Mission der Philosophie darin sicht, datz sie im Philosophen ein Vorbild erkennender und überzcuguugstrencr Menschlichkeit hervorbringt, fragten die Redner in der Debatte zumeist nach der Möglichkeit, von der Philosophie aus die Menschheit und damit das Zeitgeschehen direkt zu bceinslusscn. Bemerkenswert lvar die Aeutzcrung des greisen Leipziger Philosophen Hans Driesch, des bekannten Begründers der vitalistischcn Naturauffassung. Offenbar unter dem Eindruck der deutschen Katastrophe meinte er, datz cs nicht genüge, die Einsichten der Menschen zn beeinflussen; man müsse das Unbcwutzte in ihnen erfassen, wenn man auf R e w B o r k, 7. September. Auf Veranlassung Roosevelts trat der Ausschuß der Schlichtung deS TrxtilarbeitrrstreikS am Freitag zu seiner ersten Sitzung zusammen. Der Ausschuß gab bekannt, daß er baldmöglichst die Beratungen mit den Streikenden und den Arbeitgebern ansnehmen werde. Die ArbeitSsrkretärin PrrkinS drückte in einer Preffenntrrrednng die Hoffnung aus, daß der SchlichtungSauöfchuß eine baldige Beendigung deS Streiks erreichen werde. Der Vorsitzende deS StreikausschuffeS der Textilarbeiter Gor mir n und auch der Vorsitzende der Organisation der Textilfabrikenbesitzer sprachen ihre Zustimmung zu dem Vorschlag« ans, innerhalb der nächste» sechs Stunden mit der vom Präsidenten ernannten dreigliedrigen Bermitt- lungSkommiflion zusammenzutreten. Die Zahl der Streikenden hat am Freitag um etwa 30.000 zugenommen. Auch einige weitere Textilfabriken wurden geschlossen. Andererseits wurden mehrere geschlossene Fabriken unter dem Schutz der Fabrikantrngarden wieder geöffnet. Es liegen Anzeichen vor, daß sich verschiedene verwandte Industrien dem A n s st a.« b a n- schließen werden, darunter etwa 30.000 Kunstseide- und Seidenarbritrr im Staate Rew Jersey. Die Streikbewegung nahm heute einen ruhigen Verlauf. Die Arbeiterführer teilen mit, daß die sechs Textilarbeiter, die bei den gestrigen Zusammenstößen getötet wurden, morgen in j feierlicher Weise beigesetzt werden. Der gestrige letzte Tag des Prager Internationalen Philosophenkongresses vereinte am Vormittag noch einmal die grösste Zahl der Tcilneh- tncr in einer Plenarsitzung, in der— unter dem Vorsitz des Prager deutschen Professors OskarKra ns— über die Ausgabe der Philosophie in der Gegenwart gesprochen wurde. Als erster Redner dieser Sitzung war Benedetta C r o c e vorgesehen, der als die stärkste geistige Potenz des fascistischen Italien gilt, aber seit einiger Zeit bei Mussolini in ilngnade gefallen ist. Zum Bedauern der Zuhörer war Crocc jedoch nicht erschienen— und die fascistischc Erccllcnz O r e- t a n o konnte den Fehlenden mit der vagen Bc- jauptnng, datz die kritische Philosophie das konstruktive Denken hemme und zugunsten eines neuen Realismus überwunden werden müsse, nicht ersetzen. Stärkeren Eindruck machte die Rede des früheren Hallenser Philosophen Emil ll t i tz(der jetzt der Prager deutschen Universität angehört) über die„Selbstverwirklichung der Philosophie". Denn in dieser Rede wurde ein klares Bekenntnis abgelegt: ein Bekenntnis gegen die Verflachung der Philosophie, gegen den Formalismus, gegen die logistische Auflockerung der Logik, aber auch gegen die Unterordnung der Philosophie unter die Mächte und Fragen des aktuellen Lebens. Utitz erkennt der Philosophie— heute wie immer— nur diese eine Aufgabe zu: sich selbst zu vcrivirklichen Starke Sowjetfflotte In Wladiwostok Tokio, 7. September. Den bei der halb» amtlichen japanischen Agentur„Renga" ringe Unttot Informationen zufolge, bauen die So- wjetbehörden in Wladiwostok, wo bereit» 2« so- wjrtrussische Kriegsschiffe konzentriert sind, vier Unterseeboot«. sie wirken wolle— und er bezeichnete cs als eine dringende GcgenwartSaufgabc der Philosophie, die Methode der suggestiven Beeinflussung zu studieren und anznwenden. Die Debatte zeigte im übrigen, datz es innerhalb der Philosophie sehr verschiedene Meinungen darüber gibt, lvas Philosophie überhaupt sei, und datz in dieser Wissenschaft, die von manchen Philosophen als Wissenschaft nicht anerkannt wird und die ihre eigenen Voraussetzungen immer wieder in Frage stellt, heute weniger als je eine Summe der geltenden Erkenntnisse gezogen werden kann. Immerhin kann der Teilnehmer dieses PhilosophenkongresscS feststcllen, datz sich das Festhalten an der kritischen Erkenntnis und an der Vernunft gegenüber den Ansprüchen religiöser und diktatorischer Dogmen behauptet hat. Für den Sozialisten war es interessant zu bemerken, wie die Diskussion über die Krise d c r D e m o k ra t i c sich zu einer Kritik des Liberalismus einerseits nnd der fascistischen Romantik andererseits znspihte. Für den Marxisten war es aufschlußreich, die modernen kritischen Argumente gegen den Materialismus nnd die strenge Naturgcsctzlichkeit von den Vitalisten und den Lo- gisten zu hören. Für den Deutschen war eS lehrreich mitzner- leben, wie der Trupp der h i t l c r i s ch e» Philosophen nichts anderes als seine Gleichschaltung beweisen konnte und sich bald geschlagen ans allen Debatten znrückzog, während das große Erbe der deutschen Philosophie von Franzosen und Polen ausgenommen, von AnSlandsdcntsche» nnd Emigranten verteidigt und wciterentwickrlt wurde. Für de» Anhänger internationaler Zu- sammenarbeit schließlich war dieser internationale Kongreß, der trotz aller Gegensätze in der Atmosphäre sachlicher Auseinandersetzung verlief, in dem die Vertreter vieler Nationen die gemeinsamen Probleme der Menschheit disku- tirrten und in dem Deutsche, Franzosen, Pole» und Tscheche» sich auf de»„regierenden Philosophen" M a f a r y k beriefen, eine Genug, tuung in einer Zeit, in der nationalistischer Wahn die Welt in neues Verderben stürzen will. korrespondenz der Electric Boat Co. festgcstcllt, datz der Generaldirektor und der Generalsekretär des französischen Werftkonzerns„Penhoet" im Jahre 1922 je 60.000 Dollar für einen U-Boqt- Auftrag forderten, und daß der Leiter der Ausländsabteilung dieses Konzerns sowie der Herausgeber des französischen Magazins„Moniteur de la Flotte" je 33.333 Francs Schmiergelder beanspruchten.— Die Verhandlungen am Donnerstag Vormittag ergaben, datz die Rüstungskonzerne Hnnderttauscndc von Dollars für U-Boot-Anf- trägc Argentiniens sowie zur B c st c ch u n g der argentinischen Presse zahlten. Das Ausschussmitglied Senator Ntze stellte den Beweis dafür in Aussicht, daß RüstungSagcn- tcn während der Panamcrika-Konferenz in Montevideo die Friedensbemühungen im Cran Chaco- Konflikt durch riesige Rüstungsaufträge nnd eine ausgedehnte Propaganda hintertrieben hätten. Hier Ueberfall auf Saarbrückener Sozialdemokraten Saarbrücken,?. September. In der Nacht auf Donnerstag wurden fünf sozialistische Bergarbeiter von etwa 30 Personen überfallen. Zwei Bergarbeiter wurdrn mit Gummiknüppeln und Eisenstangen verletzt, so daß sie b e w« tz t- los am Platze liegen blieben. Unter den verletzten Bergarbeitern befindet sich der Führer der sozialdemokratischen Partei in Elversberg, Becker, der schon'im Jänner vorigen Jahre» in ähnlicher Weise überfallen wurde. Damals hatten ihm die Angreifer ein Lein zerschlagen. Vor weiteren Meuchelmorden? Der„Manchester Guardian" nimmt zu der Lage im Saargebiet und den Möglichkeiten der nächsten Entwicklung wie folgt Stellung:„... Aber was geschieht, wenn die feindliche Minderheit eine Mehrheit zu werden droht? Der Verlust der Saar würde für Deutschland eine Katastrophe bedeuten, aber für die Hitlerdiktatur(die bei weitem nicht dasselbe ist wie Deutschland) würde die Tatsache der feindlichen Mehrheit als solche eine grössere Katastrophe bedeuten, als der blosse Verlust des Gebietes. Die Diktatur kann den Verlust des Saargcbietcs ertragen, aber sie kann den Verlust durch eine ablehnende deutsche Abstimmung nicht ertragen, die für sie gleichbedeutend wäre mit einem Verlust, für den Hitler selbst verantwortlich ist. Es ist zweifelhaft, ob selbst die deutsche Oeffentlichkeit dieser Tatsache blind gegenüberstehen würde. Wenn es wahrscheinlich erscheint, datz die Abstimmung über 60 Prozent feindlicher Stimmen aufweisen wird, werden Unruhen als Mittel der Umgehung der Abstimmung vom Standpunkt Hitlers eine politische Notweu- digkeit geworden sein." Der„Manchester Guardian" hält es für durchaus möglich, datz im Verfolg dieser Taktik Meuchelmorde an führenden politischen Persönlichkeiten des Saargcbietcs verübt werden.„Die öffentliche Meinung an der Saar und in Deutschland wird in gleicher Weise gegen Max Braun, den Führer der Saarsoziali- stcn, und gegen Johann Hoffmann, den Redakteur der katholischen„Neuen Saarpost" aufgepntscht, der, selbstverständlich wahrheitswidrig, als„Landesverräter" in der„Saarumschau" vom 11. August angcprangert wurde. Es ist nicht nur diese Zielsetzung einer verhetzenden Propaganda, die droht, datz die Saar ein zweites Oesterreich wird." Die„Kunst der Massen- beherrschung" Zynische Rede Goebbels'. Nürnberg, 7. September,„lieber Propaganda und Aufklärung als Voraussetzung praktischer Arbeit auf zahlreichen Gebieten" sprach gestern Minister Goebbels auf dem nationalsozialistischen Reichsparteitag. Er beschäftigte sich dabei sehr ausführlich mit dem Wesen und den Aufgaben der modernen Propaganda und erklärte» eine gute Propaganda brauche dieWahr- heit nicht zu scheue n, es handle sich nur darum, dem Volke die Wahrheit v er stündlich zu machen. Deutschland habe es in derKunst der Massenbeherrschung sehr weit gebracht, der gegenüber ähnliche Versuche anderen Ländern stümperhaft wirken. SA-Mann Kruse Der letzte Reichstagsbrandstiftrr sagt ans Pari». SA.-Mann Kruse, aus dem Stabe Röhms und dessen persönlicher Diener während mehrerer Jahre, hat vor einiger Zeit in der „Deutschen Freiheit" einen Brief an den Reichspräsidenten Hindenburg veröffentlicht und darin die letzten Geheimnisse der Brandstiftung des RcichstagSgcbäudeS aufgcdeckt. Er hat alle an dem Verbrechen Beteiligten einschliesslich Röhm und Heines mit Namen aufgcführt und nachgcwiesen, datz die Brandstiftung aus dem Palais des Reichspräsidenten Gocring erfolgt ist. Kruse stellt ferner unter Beweis, datz alle an der Brandstiftung Beteiligten„im Zuge der Säuberungsaktion" am 30. Juni als gefährliche Mitwisser ermordet worden sind. Er allein sei entkommen. In seine»! Besitz sollen sich die seit mehreren Jahren geführten Tagebuchblätter Röhms und zahlreiche Gcheimakten befinden, darunter in Original Mordbefehle gegen der NSDAP, miss- liebige Personen. Nun teilt der berühmte amerikanische Anwalt tzahs al» Mitglied der Internationalen Unter- suchungSkommisston über den Reichstagsbrand mit, datz die amerikanischen Mitglieder der Kommission in Kürze den SA.-Mann Kruse in einer öffentlichen Sitzung verhören werden. Die Kommunistenschande von Dachau Die„Rote Fahne" bezeichnet unseren Bericht über das schändliche Verhalten der Kommunisten gegen sozialdemokratische Mithäftlinae im Konzentrationslager Dachau als„Verleumdung". Die Herren sollen den Mund nicht zu voll nehmen. Der Verfasser des von uns zitierten Berichtes ist der Genosse Fritz Elker, zuletzt Parteisekretär in Weiden an der Böhmerwaldgrenze. Genosse Elker, der selbst fürchterliche Spuren der erlittenen Mißhandlungen anfweist, wird den Kommunisten für seinen Tatsachenbericht zu jeder Zeit Rede und Antwort stehen. Nach dem Erscheinen des von uns angekündigten Buches über die deutschen Konzentrationslager werden die Kommunisten Gelegenheit haben, das schändliche Verhalten ihrer Leute gegenüber eingekerkertcn Sozialdemokraten vor der Arbeiteröffentlichkeit zu rechtfertigen. Heinrich Hoüek Zwei Autobiographien kenne ich, die den Titel „Unterwegs" tragen. Die eine schrieb der Abenteurer und spätere Reiseschriftsteller Haye. Sie ist viel gelesen worden, denn sie erzählt von erlebnisreicher Seefahrt und Trampleben im amerikanischen Westen. Die andere schrieb der Arbeiter und spätere sozialdemokratische Redakteur Heinrich Holck, unser Landsmann, dessen unerwarteter Tod uns gestern gemeldet wurde. Diese Autobiographie ist nicht so reizvoll wie die erste. Sie führt nicht in weite Fernen, erzählt nur von einem proletarischen Leben in Böhmen und in Deutschland. Da gibt cs keine Abenteuer, aus denen sich spannende Kurzgeschichten machen lassen,— nur die alltäglichen schmerzlichen Abenteuer deS Hungerns, deS Arbeitens, des Arbeitsuchens und des Lernens. Das aber macht diese Autobiographie zu einer für viele proletarische Schicksale typischen. Aehnliches haben viele tausende Arbeiter erlebt. So wie Heinrich Hole! sind sie auf der Suche nach Arbeit und auf der Suche nach Wissen durch die deutschen Lande und durch ihr Leben gezogen. Das aber macht diese Biographie zu einer für den Kulturforscher interessanten und wichtigen. Besonders in Verbindung mit der Biographie, die Heinrichs Vater Wenzel Holck schrieb, den„Lcbensgang Sines tschechisch-deutschen Handarbeiters". . Korruption— Bestechung — Kriegshetze Washington, 7. September. Die vom SenatS- ausschuß am Donnerstag fortgesetzten Verhöre über die amerikanische RüstungSindnstric ergaben, datz die amerikanische Electric Boat Company,'die gleichsam das nordamerikanischc Monopol für den Bau von U-Booten ist, weitreichende Geschäftsabkommen mit ähnlichen Firmen in Frankreich, Italien, Nutzland, Japan, Belgien, Holland, Norwegen und Spanien besitzt. Ferner wurde festgestellt, datz diese Firma im Jahre 1016 unter Verletzungder nordamcrikani- s ch c n N e u t'r a l i t ä t und entgegen dem Verbot deS Staatsdepartements vier Boote für die italienische Flotte in Kanada bauen ließ. Der Electric Boat Co. gelang cs im Jahre 1928, zwei Vertrauensleute in den wichtigen Geschäftsordnungsausschutz des Repräsentantenhauses hineinzubringcn. Weiters wurde auf Grund der Geschäfts- den Kulissen der Küstungsindustrie Schlichtungsausschuß tagt Weitere Ausdehnung des Streiks Die Aufgabe der Philosophie In der Gegenwart Abschluß des Philosophenkongresses Seite 4 SamStag, 8. September 1934 «k. 210 Mitt WWW M Betruges WülG Beim Kreisgericht in Eger wurde von mehreren Bürgern Marienbads ein Strafantrag gegen den feit Frühjahr dieses Jahres suspendierten Kurdirektor Fritz Schwappacher eingereicht. Dem Strafantrag liegen mehrere Motive zugrunde, die SchwappacherS Amtstätigkeit während der feit 1026 verflossenen Jahre zu suchen sind. Das Hauptmotiv deS Strafantrages bildet die fortgesetztennterschlagung von G e l d e r n, die aus dem Verlag der im Jahre 1932 wegen Unrentabilität aufgelassenen ,,K u r« zcitung" und a>lS dem Verlag eines Goethe-GedenkbucheS«flössen sein sollen. Der Strafantrag weist darauf hin, daß der„KurzeitungS-Skandal" die städtische DiSzi» plinarkommission, den Stadtrat und das Stadt» verordneten-Kollegium schon beinahe drei Jahre beschäftige und nach wiederholten Interventionen interessierter Stadtverordneter erst im heurigen Frühjahr das Stadtverordnetenkollegium dazu veanlaßte, Kurdirektor Schwapps» i cher bis zur Klarstellung seines Falles zu f u s- pendieren. Aus dem weiteren Wortlaut des Strafantrages geht hervor, daß Kurdirektor Schwappacher die im Verlag der Stadtgemeinde Marienbad bis zum Jahre 1982, und zwar alljährlich in der Zeit von Mai bis September, erschienene»Kurzeitung" redigierte und für seine redaktionelle Tätigkeit 2000 KL monatlich aus dem Erlös der„Kurzeitung" für sich zurückbehielt, ivas insofern« widerrechtlich erfolgt wäre, als er hierzu durch keinen Kommunalbeschluß ermächtigt gewesen sei. Erst ein späterer Kommunalbeschluß hätte ein Schriftleitergehalt in der Höhe von 7000 XL für fünf Sommermonate festgesetzt. Der Strafantrag bietet aber auch Beweise dafür an, daß Kurdirektor Schwappacher die an- dem Annoncengeschäft der„Kurzeitung" erflossene» Gelder ganz oder teilweise dem städtischen ReNtamte nicht abgeführt, diesem jedoch die für die Herstellung und die Expedition der„Kurzettung" erhaltenen Rechnungen zur Bezahlung zuge- leitet habe. Außerdem legt der Strafantrag dem Kur» direktor Schtvappacher zur Last, ungewöhnlich hohe Annoncenvermittlungsprovisionen— es werden u. a. 66'/» Prozent genannt— verrechnet und den auf SO.000 XL bis 60.000 XL geschätzten Erlös aus dem Verlag eines Goethe-GedenkbucheS nicht abgeführt zu haben. Tagcsnculglrclfcn Henlein-Hitleristen im„Stampf* gegen einen sozialdemokratischen Vertrauensmann Strafwürdige LauSbüiereie» Unsere„Zukunft" berichtet über folgenden Fall, der sich unmittelbar an der bayrischen Grenze, auf dec sogenannten Schöneben, dem Plateau, von Für st en Hut zugetragen hat: Dort leben darbend die Holzhauer, die kaum 30 volle Tage Waldarbeit jährlich zusam- mcnbringen. Sie bemühen sich in rastloser Arbeit, dem kargen Boden, der nichts als Kartoffeln und etwas Hafer hervorbringt, den bescheidensten Lebensunterhalt abzuringen. Die Pachtgrundeinlö« sung von 1919/1920 brachte den meisten Bewohnern wenigstens eine bescheidene wirtschaftliche Unabhängigkeit, die sie bis zu diesem Zeitpunkt niemals besessen hatten. Die Sozialdemokratie, der das Verdienst der Pachtgrundein» lösung gebührt, hat damit der deutschen Grenzbe- völkcrung den größten Dienst erwiesen. Der vom DrittenReich aus gesäte Haß gegen Andersdenkende trägt nun auch in Fürstenhut seine Früchte, Ivovon unser Vertrauensmann, Genosse Hermann Strunz, so manches erzählen kann. Ihm haben die Henlein- Leute alias Hitler-Anhänger in beispiellos gemeiner Weise mitgespielt, obwohl gerade er sich unablässig bemühte, wirtschaftliche und soziale Unterstützung für Fürstenhut zu erwirken. Den Anfang machten die Feinde des Genossen Strunz damit, daß sie seinen beim Militär dienenden Sohn durch Anzeigen bei den zuständigen Stellen staatsfeindlicher Umtriebe und Aeußcruugen beschuldigten. AlS diese Lumperei infolge ihrer Haltlostgkeit zusammenbrach, steckte» sie eines nachts auf seiner Wiese an zahlreichen Stellen abgebrochene Regenschirmstangen in den Erdboden, damit Genosse Strunz beim Mähen seine Sense unbrauchbar machen oder damit durch ein Stück davon sein Biehzugrundegehen sollte. Allerdings kamen auch diesmal die Razi- Lausbuben nicht anS Ziel, denn Genosse Strunz merkte diese neue Büberei rechtzeitig. Deshalb sannen sie auf weitere Rache und wiederum des RachtS verwüstete man ihm daS halbe Kartoffelfeld, indem man daS Kraut samt der unreifen Frucht herausriß und liegen ließ. Der dem Genossen Strunz dadurch verursachte Schaden beträgt rund Xi 500. Diese Schädigung setzte man fort, als dem Genossen Strunz, natürlich wieder in der Rächt, sein karger Haserzerstampftundher- auSgerissen wurde. Neuerlich ein Schaden von Xi 300! DaS zitierte Blatt knüpft an diesen empörenden Bericht sehr treffliche Bemerkungen über den Charakter der„sudeten deutsch en Volksgemeinschaft", von der die Hcn- lein-Hitleristcn so gerne rede», und mahnt die kompetente» Stelle», gegen die Lausbuben, die einen politischen Gegner durch die Vernichtung seiner Existenz niederringcn wollen, energisch vorzngehen. Krankenhaus-Schande in Preßburg Die beschämende und oft empörende Unzulänglichkeit der KrankenhanS-Pslege gehört bekanntlich zu den traurigsten Kapiteln unseres öffentlichen Lebens. Und man wundert sich eigentlich— wenn man beispielsweise die Zustände in Prag kennt— wenn man über jene im Staatskrankenhaus zu Preßburg folgendes liest(in unserem Parteiblatt dort): Die>n e i st e n P a t i e n 1 e» der chirurgische» Abteilung— natürlich in derdri11e n Berpflegoklasse— müssen wegen Platzmangel ihr Bett mit einem anderen Pati e n t e n t e i l e n. Wenn ein Patient eingeliefert>vird, so iitufi er die erste Nacht in einem Lehnstuhl verbringen, oder mit einer Tragbahre vorlieb nehme». Bei leichteren Operationei« müssen die Patientei« zwei Tage»ach der Operation ihr Bett mit einem gleichfalls vor kurzer Zeit Operierten teilen. Es wird nicht gefragt, ob eS der Gesundheitszustand der Patien- ten zuläßt. Wie qualvoll dieser Zustand ist» kann Man sich vorstellen, wenn man bedankt, daß sich keiner der Patienten im Bett rühre«« darf, um nicht dem«««deren Schmerzen zu bereite».- In Preßburg hört man schon seit Jahr und Tag von der Absicht, ein neues Krankenhaus zu schassen. Die Aussührung diese- Planes scheitert jedoch immer wieder— wie unversichert wird— ait der schlechten finanziellen Lage der Stadtgemeinde. ES wäre die Aufgabe der Stadtgenieinde PreßbnrgS, endlich einmal Mittel und Wege zu finden, damit- diese Schande der Hauptstadt in der Slowakei tesei- tigt wird. Der Meinung sind wir auch. Und wie denkt darüber Herr S p i n a, der Gesundheitsminister? Ein Unglück kommt selten allein! Mit diesem Satz beginnt bezeichnenderweise eine„Zukunft"-Meldung aus Winterberg jiber die Tatsache, daß dort der arbeitslose Taglöhner Johann Äuhlbeck von seiner Frau Mit Drillingen„beschenkt" wurde. Kürzlich las man, daß irgendwo ein Bauer auf dem Feld, wohin man ihm eine ähnliche Nachricht gebracht hatte, vom Schlage gerührt tot umfiel. In solcher Welt leben wir: was Natur als höchstes Glück zu verschenken hat. wird unter dem Druck des Kapitalismus, der Krise und des sozialen Elends zum Unglück. Selbstmord einer Fünfzehnjährigen Pilsen. Freitag in den frühen Morgenstunden verübte die 16jährige ZeitungS-! auSträgerin Barbara Bidrmanovä aus Pilsen-Lobez Selbstmord, indem sie sich auf der Strecke Pilsen-Prag vomZug über» fahren ließ. Aelche» der Leit Obstdiebstahl mit Lastkraftwagen Aus den Landgcbieten, insbesondere aus den innerböhmischcn, mehren sich die Meldungen über Feld» und Obstdiebstähle. Dieser Tage oder besser gesagt in einer der letzten Nachte tvurde dem Bauer Peeina in Drahotie im Jung» bunzlauer Gebiet eine ganze Apfelbaumallee geplündert. Er erleidet einen Schaden von rund 2000 XL. Den Dieben«nüssen etwa sieben Meterzentner Aepfel in die Hände gefallen sein. Das Wegschaffen der Beute kann nur auf einem L a st- automobil erfolgt sein. In der gleichen Gegend tvurde einem audercn Landwirt Obst für 700 XL gestohlen. Die Täter, ein Häusler und eine Arbeiterin, wurden in diesem Falle von der Gendarmerie ergriffen. Man kann nicht alle diese Diebstähle mit dein gleichen Maß messen. Es leben in den Hunger» bezirken heute Tausende Arbeitslose, denen einfach nichts mehr anderes übrig bleibt, als zu stehlen, wenn sie mit ihren Faniilien nicht verhungern wollen. Auf der andern Seite machen sich gelviffenlose Elemente die Zeit zunutze und betrei» ben den Diebstahl als Großgescimft. Leute, die mit Lastautos stehlen» sind keine Hungernden. U: d gerade, daß die vielen Felddiebstähle in dem wirt- icbnftlich besser situierten Jnnerböhmen, nicht ettva in den Elendsbezirken am Rande stattfinden, beweist, daß cs sich in sehr vielen Fällen um gewissenlose Verbrecher handelt. Aber„die Zeit ist aus den Fugen" und es tvird nicht eher anders Iverden, als bis die Existenz aller Menschen sichergestellt sein wird. Der Start zum Suroparuudftug Warschau. Freitag früh Punkt 5 Uhr fand der Start zum Europa»Rundflug statt. Das Wetter war absolut windstill; es regnete mäßig, hoch Ivar die Sicht ziemlich gut. Die Flieger starteten in Gruppen, die durch das Los bestimmt wurden. In einem Intervall von fünf Minuten startete nach der ersten Gruppe, in der sich der Pole Karpinski, die Tschechoslowaken A n d r l e und A m- b r u S sowie die Deutschen Krüger und Franke befinden, die zweite Gruppe, der die Deutschen Stein, Eberhardt, Bayer und der Pole Godgow angehören. Der Engländer Pkacpherson verspätete sich und flog mit der dritten Gruppe ab, die die Deutschen Mor- zik, Junck und die Polen Buezinfli, Florjanowiez und Skrzhpinski umfaßt. In der vierten Gruppe befan» den sich die Polen Bajan, Wlodarkiewicz und Bal- eer sowie der Deutsche tzubrich. Der dieser Grupve angehörende Italiener Colombo mußte eine Motorreparatur vornehmen. In der fünften Gruppe befinden sich die Polen Durzinski und GrzeSzovk, der Deutsche Osterkamp und der Tschechoslowake 8 a t t mit dein Italiener de Angelt. Die sechste Gruppe schließlich umfaßt die Italiener Tessore und Francois, die Deuischen Seidemann und Hirth sowie den Polen Plonczyiifli. In der siebenten Gruppe fliegen der Deutsche Passewald und der Italiener Sanzink Colombo, der sich infolge einer Motorrepara» tue verspätet Hatje, startet« um Ü.4S Uhr. Brüder gegen Brüder Ujhorod. In der Gemeinde Zahor, Bezirk Sobrance in der östlichen Slowakei, lebten schon längere Zeit die beiden Brüder Jikl und Ondkej C e r m ä k mit den Brüdern Jan und Stipan K o r p a in Feindschaft, die gestern ihren Höhepunkt in einer Rauferei erreichte, bei der die beiden Brüder Cermäk mit Messer und Beil verletzt wurden. Als der ältere Cermäk, Georg, sah, daß sein Bruder Ondkej schwer verletzt wurde, lief er zuin Wohnhaus der 5torpaS und zündete es an. Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder. Die Brüder Korpa wurden verhaftet und dem Kreisgericht in Ujhorod eingeliefert, die Brüder Cerniäk wurden ins Ujhoroder Krankenhaus übergeführt. Ei« dritte» MordgestSndni» Wien. In dcrSemmeringerMord» a f f ä r e ist Donnerstag eine Wendung ein» getreten. Es wurde ein Lokalaugenschcin auf dem Semmering vorgenommen, welchem auch der Mörder Johann Fleischer beiwohnte. Er brach am Grabe seiner Opfer zusammen und gestand, daß er auch den dritten Mord an der 17jährigen Verkäuferin Margarethe Dorfstätter verübt hat. Er sei an jenem Tage wildern gegangen und sei unterwegs der Dorfstätter begegnet. Er verspürte in diesem Moment„die z w ingendeNot w e n/ digkeit, zu schieße n", ließ die Dorfstätter Vorbeigehen und feuerte von rückwäris eine» Schutz gegen den Hinterkopf des Mädchens Als die Dorfstätter sich dann noch rührte, gab er ihr einen zweiten Schuß in die Schläfe. Er habe sodann die Leiche vergraben. Seine Geliebte Anna Ackerl sei ganz unschuldig; sie habe keine Ahnung, daß er die Morde verübt habe. DaS gibt es auch«och! Nämlich ernsthafte, hochtrabende Lobhymnen auf de» Segen des Kapitalismus. In einer Zeit, da sich die abgebrüh- testen Söldlinge des Kapitals, wenn sie den Segen der bestehenden Ordnung verteidigen sol. len, in Mauselöcher verkriechen, und noch die Unternehmersekretäre ihre Reden mit auSgeliehenen sozialistischen Lichtern schmücken, weil sie sonst Gelächter fürchten müssen, schreibt im„Prager Börsen-Courier", dem Organ des Finanz» und Monopolkapitals ein HerrRobertLannunter dem Titel„Waruni schwiegendie Philosophen in Prag?" unter ande- rem(und nach Anrufung aller möglichen Kronzeugen von Plato bis zu Professor Engländer) folgendes:' Daß dem kapitalistischen System! nnereordnen de Kräfte innewohnen, die wir nicht erkennen, die aber wirken und immer wieder die Gesundheit des Wirt« schaftskörpers Herstellen, die automatisch wirsen, wie z. B. daS Gesetz von Angebot und Nachfrage, die Zauberkraft des Zinses, die überwältigende Mechanik der Krisen, die die Menschheit zu immer höhere« Ausstieg führen, aN das ist unbestreitbar. Diese dem System innewohnenden natürlich« Kräfte wurden gerade in den letzten Jahr« durch Planwirtschaft gestört. Daher auch die schön« Resultatei Leider hätten aber die Philosophen kein Wort zur Verteidigung deS Kapitalismus, keines über seine „k o S m i s ch e n Kräfte" verloren. Die kapitalistisch« Grundgesetze streb« einer sphärisch« Har««!« zu und die Kapitalisten unserer Zeit wär« de« Kongreß dankbar gewes«, wenn er sich mit hirsrr Materie besaßt hätte, zu- .«eil man tat Kapitalismus täglich auf* Neue totsagt. Es frqgt sich noch, ob die Kapitalisten dankbar gewesen wären. Denn die Philosophen, die ernst, hast über die kosmischen Kräfte deS Kapi- talisinus 7—nicht vielleicht über seine k o ni i- s ch e n—gesprochen hätten, wären mftRecht von Der Stratosphärenballon„USSR", dessen Hülle auf dem Frunsc-Flugfcld bei Moskau bei der Füllung zu einem neuen Stratosphärenfluge durch eine Explosion vernichtet wurde. Die Gondel und die dancbenstehendc Besatzung blieben unversehrt. Der Ballon hatte vor einem Jahre mit einem Flug von 17.000 Metern einen Hühenweltrekord ausgestellt, der später durch einen anderen russischen Ballon überboten lvurde. Prag nach Bohnic eskortiert worden. Dem Herrn Robert Lann aber wäre zu empfehlen, daß er sich einmal zur Auszahlungsstelle der Arbeit-, losenuntcrstützung begibt und dort seine Theo- rien über den harmonischen Kapitalismus vor- trägt. Dort fordere er und cs lvird ihm gegeben werden, ein voll und gerüttelt Maß... Die Arbeitslosenlverden sichernichtschweigen! Kinder spielen mit einer Kreuzotter.... In der Nähe des Pilsner Zentralfriedhofes singen Knaben eine Kreuzotter. Sie zwängten die Otter unterhalb des Kopfes in eine gespaltene Rute. DaS Reptil schien leblos zu sein. Im Scherz rief einer der Knaben seinem Spielkameraden Klinger zu, er möge seinen Finger in den Rachen der Kreuzotter stecken. Klinger kam der Aufforderung nach, doch hatte er kaum den Finger in den Rachen gesteckt, als er mit einem Aufschrei zurückfuhr, denn die Schlange hatte noch so viel Kraft, um den Knaben in den Finger zu beißen. Trotz sofortiger Hilfeleistung schwoll der Arm immer mehr an. Der Knabe mußte sofort in das Krankenhaus gebracht werden. Wegen einer Zigarette angeschoffe«. Donnerstag gegen Mitternacht erschien der 27jährige Arbeiter Wenzel Biesinger aus Prag» Zijjkov auf dem Polizeikommissariate Libeä und gab an. daß er kurz vorher beim Bahnübergang in Libeü von einem unbekaimten Manne größerer Statur mit einem verwilderten Barte um eine Zigarette angegangen worden sei. Als ihm Biesinger diese verweigerte, zog der Unbekannte plötzlich einen Revolver und schoß Biesinger in den linken Fuß. Biesinger gab weiter an, vor Schmerzen das Bewußtsein verloren zu haben und während dieser Zeit noch tim seine Taschenuhr und Kette bestohlen worden zu sein. Das Eisenbahnunglück auf dem GlaSgower Hauptbahnhof am Donnerstag hat weitere Opfer gefordert. Zwei Frauen, ein Lokomotivheizer und ein Verwundeter sind Freitag früh im Krankenhaus ihren Berletzungen erlegen. Damit erhöht sich die Totenzahl auf sechs. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht geklärt. Cs scheint sich um ein Versagen oder Schadhafttverden einer Kreuzungsweiche zu handeln. Vom Rundfunk ■«pfalilanswartaB aas«Ian Programmui Sonntag: Prag, Sender L.: 6.80: Gymnastik, 7: Konzert aus Karlsbad, 10: Klavierkonzert, 12.16: Militärkonzert, 17.80: Schallplatten, 17.86: Deutsche Sendung: Orchesterkonzert aus Brünn, 21: Orchesterkonzert, 22.20 Schallplatte», 22.80: Jazzorchester-Konzert. Sender S.: 14.80: Deutsche Sendung: Landwirtschaft, 14.46: Arbeitersendung: Pr. Emil Franzel: Philosophie und Arbeiterbewegung. 16: Lieder von Schubert, Strauß etc.— Brünn 10: Lieder von Tschaikowski, 17.66: Deutsche Sendung:— Mährisch-Oft«« 16: Orchesterkonzert, 17.68: Deutsche Sendung: Dr. Wechsberg: Aus Reisen durch West-Indien, 20: Klavierkonzert— Preßburg 17.80: Nachmittagskonzert.— Bom Braunauer Ländchen, seiner bewegten Vergangenheit und seiner Eigenart handelt die Sendung im Deutschen Schulfunk Prag än 11. September um 11.06 Uhr. DaS Hör« spiel wurde von Fachlehrer Fritz Stube und Oberlehrer Rudolf Fischer ausgearbeitet, am Mikrophon sprechen und sing« Braunauer. «r. 21t SamStag, 8. September 1834 Sette 5 «f? fR 3SP W Die neue Osram®-.Campe mit dem Spurdraht & jetzt überall in folgenden.Typen erhältlich:'15, 25, 40, 65, 100, 125, 150 Olm= Dekalumen. Auf der(Verpackung und lampe' ist ihre lichlleistung in Dekalumen— Olm— und der Stromverbrauch in Watt,' angegeben. Oie neuen Osram-US-Lampen sind eine. Höchstleistung der Glühlampentechnik. Sie haben je nach.Type bis zu SO'fcthöherp tlcMausbeutg als die bisherigen Osram-lampen. Verlangen Sie stets die ttromsparende Osram- Q-lampe. Matuschka wird ausgeliefert Sylvester Matuschka, der im September 1081 jenes grauenhafte Attentat auf den Schnellzug Wien- Budapest bei der ungarischen Ortschaft Biatorbagy ausführte, soll von Oesterreich, wo er ebenfalls wegen eines Eisenbahnattentates eine Gefängnisstrafe ver» büßt, an Ungarn ausgcliefert werden. Dort dürfte den Verbrecher, der sein bisheriges Gefängnisdasein mit Memoirenschreiben und Filmentwürfen ausgefüllt hat, sein Schicksal ereilen. Fielen doch seinem in Ungarn ausgeführten Attentat 20 Menschenleben zum Opfer. Schweres Autounglück bei Brün« Auf der Olmüher Staatsstraße unweit von Slatina bei Brünn ereignete sich am Freitag um 22 Uhr ein großes Autounglück, wobei zwei Personen getötet und vier weitere Personen verletzt wurden. Es waren auf der Straße ein in voller Fahrt befindliches mit Obst beladenes Lastautomobil mit einem nach Brünn zu fahrenden Personenautomobil, in dem sich fünf Personen befanden, zusammengcstoßen. Die Folgen des Zusammenstoßes wären furchtbar. Das Personenauto wurde vollkommen zertrümmert. Aus den Trümmern wurden der Oberrat der Staatsbahnen Dr. M a n d a und Finanzvat Dr. Böhm mit tödlichen Verletzungen hcrvorgczogcn. Finanzrat Dr. Böhm starb bei der Beförderung ins Krankenhaus. Ferner wurden Dr. Pospiäil und Dr. Vasikck aus Brünn verletzt. Die weiteren Insassen des Personenautomobils, deren Identität vorläufig noch nicht fcstgestellt werden konnte, sind sehr schwer verletzt und mußten nach der Ueberführung ins Krankenhaus operiert werden. Verletzt wurde ferner auch der Chauffeur des Lastautos Kubiöek aus Kostclec. Auf dem Jglauer Stadtbahnhof geriet am Freitag der 41jährige Verschieber Johann Baser beim Rangieren eines Zuges unter einen Wagen, wobei ihm ein Bein in der Hüftengcgend abge- lreunt wurde, so daß ihm die Knochen in die Bauchhöhle cindrangcn. Ter Verunglückte verschied während der Ueberführung ins Krankenhaus. Er hinterläßt eine Witwe und zwei kleine Kinder. Die Ursache des Unglückes wird untersucht. r.. Tödlicher Sturz vom Rod. Am Donnerstag nachts wurde in einem Straßengraben bei Neurohlau der 80jährige, derzeit stellenlose Handlungsgehilfe Adolf Tilp schwer verletzt und bewußtlos aufgefundcn. Tilp war mit dem Rade gestürzt und hatte sich.einen Schädelbasisbruch zugezogcn. Er wurde ins Karlsbader Krankenhaus gebracht, wo er Freitag früh feilten Verletzungen erlag. Im Kampf gegen das Schmugglertum, das in der Krise außerordentlich stark zugeuommcn hat, weil cs oft die einzige, wenn auch gefährliche, Erwcrbsmöglichkeit für viele Bewohner des Grenzgebietes bildet, hat das Finanzministerium in einem Erlasse angeordnet, daß Geschäftsleute und Gasttvirte Verzeichnisse über Kauf und Verkauf von alkoholischen Getränken führen müßen. Der Schmuggel alkoholischer Getränke ist namentlich in der Slowakei sehr verbreitet. Bei Haussuchungen behaupteten die betreffenden Gastwirte einfach, daß sie die Getränke legal ertvorben hätten. Nunmehr werden solche Behauptungen an Hand der zu führenden Verzeichnisse leicht zu überprüfen, sein. Räuber mit Maschinengewehren. In North Bergen im Staate New Jersey überfielen sechs mit Maschinengewehren bewaffnete Banditen die Kanzleien der North Bergen- Trust Company. Die Räuber bemächtigten sich einer Barschaft von ungefähr 25.000 Dollar und entkamen in Automobilen. ' Höchste Nilflut feit 4» Jahre» London.- Wie aus.Kairo gemeldet wird, erlebt Aegypten gegenwärtig die höchste Nilflut seit mehr als 40 Jahre«:-Der Höhepunkt der Flut passiert gegenwärtig Kairo und. der Wasserstand dürfte weitere zehn Tage lang auf der jetzigen Höhe bleiben. Die Behörden haben das Anschwellen der Flut mit Sorge beobachtet. Große Bemühungen sind unternommen worden, um eine Katastrophe zu verhindern. Eine Armee von Arbeitern war während der letzten drei Wochen mit einer Verstärkung der Däinme beschäftigt. Biele Städte und- Dörfer sind teilweise überschwemmt worden. Dies gilt auch von den nördlichen und südlichen Vorstädten Kairos. Im allgemeinen dürfte aber der Schaden nicht allzu hoch sein. Alle Gebäude, bei denen Einsturzgefahr besteht, werden unter Beobachtung gehalten, um die Bewohner im Notfälle sofort in Sicherheit zu bring«. Rach dem letzten Wetterbericht kann für die allernächsten Tage schönes Wetter und untertags fortschreitende Erwärmung erwartet werden. In Frankreich wurden Freitag um 14 Uhr 80 bis 84 Grad Celsius erreicht.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Im ganzen schön, auch in den nordöstlichen Teilen des Landes allmählich Abnahme der Bewölkung, strichweise etwas stärkere nächtliche Abkühlung und in bett Morgenstunden nebelig. Ense Zusammenarbeit der nordischen Bruderpartei«. Während der Sozialisntus in Mitteleuropa die schwersten Kämpfe mit schier übermächtigen Gegnern zu führen hat und in einer Reihe von Ländern in die Illegalität gedrängt wurde, ist die sozialistische Bewegung in den nordischen Ländern in einem ruhigen und sicheren Aufstieg begriffen und ein wichtiger Faktor im Staatölcben. ES ist immerhin bezeichnend, daß gerade diese nordischen Länder das höchste Kulturniveau wohl der ganzen Welt haben... Vertreter der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterorganisationen von Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden traten in Stockholm am 17. und 18. August zu einer Konferenz zusammen, in der Berichte über die politischen und gewerkschaftlichen Berhältniffc und über die Aussichten in den verschiedenen Ländern vorgelcgt wurden. Nach der einstimmigen Meinung der Konferenz geht aus den Berichten hervor, daß die Parteien und Gewerkschaften all dieser Länder völlig gleichartige Richtlinien verfolgen in bezug auf wichtige Fragen der Innenpolitik, wie zum Beispiel in den Methoden im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, in den außerordentlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Landwirtschastskrise und im Bestreben, dermaßen auf die Gesetze und die Lebcnsbedingungen einzuwirkcn, daß sie den arbeitenden Massen größere Sicherheit bieten. Es zeigte sich ferner, daß alle Parteien der gleichen Auffassung über den Kampf für die Erhaltung der Demokratie, der Volksherrschaft und der Bolköfreiheiten sind. Es besteht daher die Voraussetzung für ein gemeinsames Vorgehen aller Arbeiterorganisationen dieser Länder. Da die norwegische Arbeiterpartei und die norwegische Gewerkschaft aber noch nicht der politischen und der gewerkschaftlichen Internationale angcschlossen sind wie die Organisationen der anderen Länder, kann djese Zusammenarbeit nicht in einem gemeinsamen Komitee der Nordländer Genf, Ende August 1084. Weniger als der Völkerbund wurde pon den politischen Krisen der lebten Jahre die Internationale Arbeitsorganisation berührt. Heute steht fest, daß das Internationale Arbeitsamt eine stabile Organisation ist, mit deren Weiterbestand jeder rechnet. Die Bedeutung des Amtes wird in nächster Zukunft noch steigen. Eben sind die Vereinigten Staaten— die bisher nicht Mitglied des Völkerbundes sind— der Internationalen Arbeitsorganisation beigetrctcn, was ein Verdienst des rührigen Direktors des Genfer Arbeitsamtes Harold B u t l c r ist, und auch, Sowjetrutz- l a n d wird in Konsequenz seines Beitrittes zum Völkerbund Mitglied werden, so daß allegro- ßen Staaten mit Ausnahme des Dritten Reiches, das auch hier eine unrühmliche Ausnahme macht, in der Internationalen Arbeitsorganisation vertreten sein werden. Das Hauptangenmerk des Arbeitsamtes ist gegenwärtig der Wirtschaftskrise zugewendct. Nach der neuesten bisher nicht veröffentlichten Statistik, die mir beim Besuch des Internationalen Arbeitsamtes zur Verfügung gestellt wurde, hat die Weltarbeitslosigkeit im März 1082 20,016.000 Personen umfaßt, im März 1038 30,850.000, im März 1034 26,880.000 und beträgt im Sommer 1034 24,435.000. Der Höhepunkt der Weltarbeitslosigkeit ist also 1 033 erreicht tvor- den, seitdem ist die Arbeitslosigkeit etwas zurückgegangen. DaS geht auch aus dem vom Arbeitsamt errechneten intern ationalenJndex der Arbeitslosigkeit hervor, der auf der Basis 1020— 100 errechnet wird. Dieser hat seinen Höhepunkt im Jänner 1033 mit 303 erreicht und ist bis Dezember 1033 auf 247 gesunken. Das Amt tvill nun in der nächsten Zeit seine Beobachtungen der Krise dadurch erweitern, daß es nicht nur einen Index der Arbeitslosigkeit, sondern auch einen Index der Beschäftigung errechnen wird, der ein noch getreueres Abbild der Wirtschaftslage in den einzelnen Ländern ebenso wie im Weltmaßstäbe geben wird. Charakteristisch für die heutigen Zustände ist auch, daß die Studien über die Ein- undAus- wanderungen eingeschränkt werden müssen, weil die Wanderungsbewegung infolge der Einwanderungserschwernisse, die in fast allen Staaten von Jahr zu Jahr verschärft werden, die Wanderungsbewegling ständig zurückgeht. DaS Internationale Arbeitsamt beschäftigt sich gegenwärtig auch intensiv damit, einen Ausdruck finden, sondern muß in der Form der Konferenzen über soziale, wirtschaftliche und politische Fragen fortgesetzt werden. Nach dem Abschluß der gemeinsamen Konferenz mit den norwegischen Genoffen trat das Komitee der Nordländer, in dem die übrigen Nordländer: Dänemark, Island, Finnland und Schweden vertreten sind, zu seiner ordentlichen Jahrestagpng zusammen. ES wurden verschiedene Organisationsfragen besprochen und einstimmig beschlossen, das Sekretariat fiir das nächste Jahr nach Helsinki zu verlegen. Vergleich der Reallöbne in den einzelnen Staaten diirchzuführen, wobei es sich zunächst um eines der schwierigsten Probleme der internationalen So- zialstatistik, nämlich um die Methode handelt, nach der der Vergleich durchgeführt werden soll. Wie.schwer ein solcher Vergleich durchzuführen ist, ermesse man etwa an den ganz verschiedenen sozialen Verhältnissen, die in Japan herrschen, wo beispielsweise die Textilarbeiterinnen in von den Unternehmern erhaltenen Internaten wohnen und einen Teil des Lohnes sozusagen als Mitgift erhalten, wenn sie heiraten. Gerade dem V e r- glcichdc r Löh nein dcrTcrti lind u- strie aller Länder gelten die besonderen Studien der Statistischen Abteilung des Arbeitsamtes, deren Ergebnisse für unsere Textilindustrie von großer Bedeutung sein werden. Ebenso bereitet das Arbeitsamt einen internationalen Vergleich der WohnungSverhältnisse der Arbeiter aller Länder vor, wobei nicht nur auf den Wohn- und Luftraum, sondern auch auf die Einrichtung der Wohnungen Betracht genommen werden wird. Schließlich wird auch an einer statistischen Uebersicht über Streiks und Aussperrungen sowie Abschluß von Kollektivverträgen in der ganzen Welt gearbeitet. Am meisten interessiert die Arbeiterschaft naturgemäß die Verkürzung der Arbeitszeit. Das ist ein Problem, dessen Lösung nur nach Auseinandersetzung der beiden Jntereffentcn, Unternehmern einerseits, Arbeitern und Angestellten andererseits gelöst werden kann. Das Internationale Arbeitsamt selbst tut alles, um das Material für die Lösung der Frage bereitzustellen, die angestellten Studien haben ergeben, daß die Verkürzung der Arbeitszeit möglich und notwendig ist. Wie bald sie erfolgt, hängt von der Macht der Arbeiterklasse und ihrem Einfluß auf die Regierungen ab. So wie wir innerpolitisch die Erfahrung gemacht haben, daß jedes Stück Sozialpolitik erkämpft werden mutz und nur durch die Tätigkeit der Organisationen der Arbeiterklasse den Weg vom Buchstaben des Gesetzes in die Wirklichkeit durchmessen kann, so gilt dasselbe von der internationalen Sozialpolitik. WirSoziali- sten der Tschechoslowakeikönnen fürdie Internationale Arbeitsorga n i s a t i o n d a s m e i st e l e i st e n, i n- dem wir d i e K r ä f t u n s e r e P arte i e n u n d G c w e r t sch a f t o n st ä r k e n. E. St. Mitteilungen aus dem Publikum. Sind Sie geistig oder körperlich ermüdet? Massieren Sie Ihren Körper! Dies geschieht am erfolgreichsten mit unverdünntem Franzbranntwein Alpa. Eine solche Massage verbessert den Blutkreislauf, stärkt die Muskeln und erfrischt die Nerven. Beraten Sie sich mit Ihrem Arzte über die Art der Massage. 100 Heut kommt der Zirkus! Mit großer Spannung hat sein Kommen in den letzten Tagen im besonderen wohl unsere Jugend erwartet, was wir vollkommen verstehen können. Erging es uns vor Jahren doch selbst nicht anders, und auch wir verleben in unserer Jugend die schönsten und unvergeßlichsten Stunden eben gerade im ZirkyS. Heute früh wird die Neugierde unserer Jungen nun gestillt Weden, denn schon in den ersten Morgenstunden werden die drei Sonderzüge mit den vielen ZirkuSwagen in Prag ankommen, von wo sie alsbald ihren Weg zunt ZirkuSplätz, dem Jnvalidenplatz, nehmen werden. Was uns bei solch eincm Unternehmen immer wieder in größtes Erstaunen setzt, ist dir Tatsache, daß so eine riesige Zelt- und Wagenstadt innerhalb weniger Stunden fix und fertig aufgebaut ist. DaS ist natürlich nur dadurch«täglich, weil Organisation bei solch einem Unternehmen alles bedeutet. Aber mit Organisation allein ist eS auch noch nicht getan, wenn die ZirkuSleuie nicht von einer ungeheueren Schaffenskraft erfüllt wären. Man bedenke doch nur, daß gestern abends noch in der letzten Stadt das vollständige Programin gezeigt wurde, im Anschluß daran fand der Abbau uud die Verladung nach Prag statt, und hier steht das Unter- nehnien bereits am Nachinitlage fertig zum festlichen Empfang der heutigen Premierengäste. Wenn wir nach der Ursache dieses fast übermenschlichen Schaffens fragen, so erhalten wir zuerst die Antwort, daß cö ja die eigene Brotstätte ist/ die heute hier, inorgen dort, errichtet werden muß. Und mögen die Umstände noch so widrig sein, ein jeder weiß, am Abend inuß gespielt werden, also gibt ein jeder schon aus diesem Grunde sein Allerbestes her. Schließlich ist das Fleckchen Erde hinter dem ZirkuSzaun für die Mehrzahl der ZirkuSleuie aber auch die eigentliche Heimat, ganz einerlei, ob der Zirkus in irgendeiner europäischen oder überseeischen Stadt gastiert. Die alle sehen ihren ZirkuS als Stätte der Genieinschaft an, und so ist auch dieser Geist mit die Grundlage für ein Schaffen, wie man cs bei diesem ZirkuSvölk- chen im allgemeinen wohl nicht voraussetzen wird. Heute abends 7.15 Uhr beginnt als Auftakt der festlichen Premiere das Konzert, welches eine der beiden schneidigen Zirkuskapellen vor dem ZirkuS geben wird. Bald werden sich die festlich erleuchteten Tore des gewaltigen Märchenbaues öffnen. Prag wird wieder einmal beweisen, daß es wie immer Verständnis hat für gute Zirkuskünste, für eine Kunst, die, so alt sie auch ist, immer die große Sympathie der Völker für sich hatte. Gespannt er« warten wir die heutige Premiere in Präg, die, wie man uns sagt, ein gewaltiges Ereignis der Saison bedeuteit soll. 2685a Künstlicher Kautschuk. Der in Leningrad aufgeführte Bau einer Fabrik zur Erzeugung einer neuen Art von künstlichem Kautfchuk„Sovvrena" ist nunmehr beendet. Die Erfindung der Erzeugung dieses synthetischen Kautschuks ist das Ergebnis von Arbeiten des Sow'ctinstituts für angewendete Chemie. Von allen bisher bekannten Arten von künstlichem Kautschuk nähert sich diese neu erfundene Art von Kautschuk am meisten den natürlichen Eigen, schäft« des Kautschuks. fragen internationaler Sozialpolitik Ein Besuch Im Internationalen Arbeitsamt Teile 6 „Sozialdemokrat" SnmStng, 8. 2\ eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeoeoe— ®® V 8 b* d i ngu.NL en: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96.—, ganzjährig KL 192—— Anserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Emschaltnygen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarkcn.— Die Zeitungssrankatur würde von der Bost« und' Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1030 bewilligt. Druckerei:„Orbis". Druck-, BerlagS- und Zeitungs-A.«G.''Prag.