1ENTR ALOE GAN DER DEUTSCHEN 5021 ALDEMOKRATBCff EN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHKNOSIOWMNfCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHMI.MtMONTAO TMMCN4MMM. rsmzwch mmc ws^mmoji^wi ,y cnoMMt. 1—OMW. WMumTirwM—wwmw. HRAUSORE*: SIEGRIED UM. CHEFREDAKTEUR.WILHeÄWIESSWEt/vEMtNlWCMHIOmi RttMnEURt DR. EMIL STRAUSS, MAO. DwnlprDlt 70*IMIir 14. Jahrgang Sonntag, 9. September 1934 Nr. 211 flosKau In den Fußstapfcn der SowjetruBland tritt dem„Bund von CAjlilldFIIIAkrAflF Räubern und Vdkswürgem“ bei' JVUUlUvlIlvlll UUV Die AußcnpoiHlk der II. Internationale als Vorbild der Bolschewiken Was sage» die kommunistischen Arbeiter dar»? „Bereinigt Euch zum Kampfe gegen den Völkerbund. An die Arbeiter und Werktätigen Europas und der Welt." So war ein Aufruf der HI. Internationale überschrieben, erschienen im Rcichcnbergcr„Vorwärts" vom 10. April 1028. Dieser Aufruf war eine flammende Kampfansage gegen den Völkerbund schlechthin. Er begann: „Die pazifistische Legende, der Völkerbund könne und werde de« Weltfrieden auf kapitalistischer Grundlage sichern, ist zerstört.- Damit knüpfte der Aufruf an eine Zufallsabstimmung ap, welche am 17..März 1925 den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund um ein Jahr verzögerte. Die kommunistische Internationale übte aber keine Dctailkritik, sie verdammte den Völkerbund überhaupt. Sie berief sich dabei auf die höchste Autorität im kommunistischen Läger, auf L e n i n, wie folgt: „Die Warnungen der Kommunistischen Unternationale werden durch die Wirklichkeit, durch das Lebe» bestätigt. Bereits im Frühjahr 1010 sah Leni« diesen Gang der Ereignisse voraus, er nannte den Völkerbund bereit- im Moment seiner Gründung«ine» Bund von Räuber« und BolkSwürgern. Arbeiter aller Länder, Werktätige Europas und der ganzen Welt. Wehrt euch, vereinigt euch, rüstet zum Kampf gegen diesen Bund von Räubern und Volks- würgern." Der Aufruf bringt auch sonst einige inter- effantc Parolen, z. B.: „Bruch mit dem Völkerbund I Kampf gegen den Völkerbund I Nieder mit dem Völkerbund l M Gleichzeitig mit dem Kampfe gegen'den Völkerbund, wurde heftig der Kampf gegen die So- .xialdcmokrätie gepredigt. Dermämliche Aufruf des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale schleuderte der Sozialdemokratie eine fürchterliche Anklage entgegen: „Okne Rücksicht auf die Interessen der werktätigen Massen, unbekümmert um die Forderungen des revolutionären Proletariats, haben die sozialdemokratischen Führer nicht nur jeden Vor- • schlag zum'gemeinsamen Kampf gegen den Völkerbund abgelehnt, sondern , direkt aktiv an dem Völkerbund und in : ähnlichen Organen des Imperialismus mitgewirkt.“ So würde den kommunistischen Arbeitern der Klassenverrat' der Sozialdemokraten plastisch vor Augen geführt, so wurde die kommunistische Spaltungsarbeit begründet. Es wäre nun an der Zeit, daß.die Führer der HI. Internationale an Fritz Adler undBandervelde ein Dank-, s c l e g rä in m schicken, dafür, dah die Arbeiter- Internationale nicht so hirnverbrannt war» den Moskauer Parolen zu folgen. Hätten sich damals die Sozialdemokraten dem Kampf der Kommunisten gegen den Völkerbund angeschlossen, dann könyte heute der Außenminister der Sowjetunion nicht die„pazifistische Legende" verbreiten, daß der Völkerbund zur Sicherung des Weltfriedens bcizutragen vermöge, dann könnte Rußland den ersehnten Genfer Ratssitz im Kreise von„Räubern und Volkswürgern" nicht erlangen. Es erübrigt sich festznstellen» daß Moskau nunmehr die Außenpolitik der Parteien der H. Internationale übernimmt und nachträglich das ganze bolschewistische Geschrei znr Lüge stempelt, welches gegen diese Außenpolitik erhoben wurde. WaS die Sozialdemokraten schon vor zehn Jahren als richtig erkannt und befolgt haben, daS ist jetzt für die rufflfchen Bolschewiken eine funkelnagelneue Entdeckung: daß die sozialistische Außenpolitik die weltpolitischen Gegensätze geschickt auSnützen müsse, daß sie die frie- denSfreundlichen gegen die kriegslüsternen Mächte zu unterstütze« habe. WaS de» Sozial- demokraten im Jahre 1026 noch als schweres Berbrechen an der Sowjetunion und am Welt, proletariät angekreidet wurde, die aktive Mitarbeit am Völkerbund, daß dient heute de« Schutz der Sowjetunion! Werden die kommunistischen Arbeiter endlich begreifen, welch erbärmliches Gaukelspiel mit liljncn getrieben wird? Im Jahre 1026 wurden sie laufgerufen zur B e r n i ch t u n g des Völkerbundes, jetzt sotten sie sich wieder für die Stär- k u n g des Völkerbundes begeistern! Die III. Internationale hat mit diesem Aufruf das Wcltproletariat zu einer Politik gegen die Sowjetunion mißbrauchen wollen. Die Realpolitik der Sowjetrcgicrnng liquidiert das Geschwätz der Komintern, ste wird auch das Scheindasein der lkk. Internationale liquidieren. Sowjetruhland treibt nunmehr Koalitionspolitik in größten Ausmaßen. Es setzt sich zwar mit bürgerlichen Staatsmännern an einen Verhandlungstisch, die Lenin als„Räuber und Volköwürgcr" bezeichnet hat, aber die kommunistischen Arbeiter sollen weiter die sozialdemokratische Politik bekämpfen und in der Sozialdemokratie ihre Todfeindin sehen. Kommunistische A r b e i.t c r, wir fragen euch: Hat euch die III. Internationale mit dem Aufruf vom Jahre 1926 belogen, oder belügt sie euch, jetzt?. Könnt ihr nach.dieser Pe- loeisführung bestreite», daß die H. Internationale die klügere, die weitblickendere Außenpolitik gemacht hat im Interesse der Sowjetunion? Ist mit diesem einzige» Dokument nicht der ganze Brnderkampf als sinnloses Treiben von Hasardeure» entlarvt, die jede» Augenblick mit entgegengesetzte» Parole» hausieren? Kommunistische Arbeiter, fordert vo» euren Führern Rechenschaft über dieses Doppelspiel! Generalstreik In Madrid .Gegen die Agrarreaktion— Drei Tote und sieben Schwerverletzte Madrid, 8. September. Heute um 6 Uhr früh wurde zum Zeichen des Protestes gegen das Vorgehen der reaktionären katalanischen Großgrundbesitzer vo« den Gewerkschaften der a l l g e- meine Streik proklamiert. Der Streikaufruf ist in der Hauptstadt überall befolgt worden. Auch die Angestellten der Straßen- und Untergrundbahn habm die Arbeit «ingestellt. Der Streik hat daS normale Leven in Madrid vollkommen lahmgrlegt. Sämtliche Ler- kehrSmittel ruhen, die Restaurant- und EaftS sind geschlossen. Die Browrrsorguug wird durch Feldbäckereien aufrecht erhalten. Die Regierung hat noch in der Rächt große Vorkehrungen getroffen. Sie sucht eine technische Rothilfe, wenigstens die Ström- und GaSbeliefe- rung zu sichern. Durch die Stadt patrouillieren schwerbewaffnete Wachposten» die Ansammlungen untersagen. Die Protestversammlung der katalanischen Latifundienbesitzer konnte unter starkem Polizeiaufgebot durchgeführt werden, nach der Versammlung kam rS jedoch zu blutigen Zu summe n st ö ß e n, bei denen drei Personen getötet und sieben schwer verletzt wurden. Auch NN anderen- Stellen Madrids kam eS zu Zusammenstößen, wobei zahlreiche Personen verletzt wurden. Rom—Paris England fördert die Annäherung London, 8. September. Mit einmütiger Befriedigung wurde an politischen Stellen Englands die Nachricht aufgrnommrn, daß der französische Außenminister Barthou sich nach Rom begeben werde. I« London wird festgestellt, daß England bereit- seit langem danach strebt, eine Basis für eine Annäherung zwischen Frankreich und Italien zu finden, ohneeineneueBrr- antwortnng fürsichzuüberneh- m e An politischen Stellen herrscht die Ueber- zeugung, daß die Differenzen in den Marineangelegenheiten, die zwischen Frankreich und Italien bestehen, vor der im Jahre 1035 stattfindenden Marinekonsrrenz beseitigt werden müssen. Man ist in London auch der Ansicht, daß die.Unabhängigkeit Oesterreichs nicht ohne die Mitwirkung Frankreich» und Italiens garantiert werden könne. ES wird die.Hoffnung ausgesprochen, daß der ita» lienisch-österreichisch-ungarische WirtschaftSblock, welcher auf die Kleine Entente erweitert wird, ein wesentlicher Faktor der Stabilität sein wird. Geheimsitzunsen in Genf Genf, 3. September. Der Völkerbundsrat schritt heute zur Lösung der ersten wichtigeren politischen Frage, nämlich des SaarProblems. Baron Aloisi(Italien) gab ein detailliertes Exposö über die zur Vorbereitung des Plebiszits getroffenen Maßnahmen. Der französische Anßenminister Barthou betont« aber, daß sich im Saarlandc immer noch u na ng en e h.m c Vorkommnisse ereignen, welche sich nicht wiederholen sollten. Rach her öffentlichen Sitzung trat der Rat zu einer geheimen Sitzung zusammen, in welcher das Problem des Eintrittes Rußland s in den Völkerbund erörtert-wurde. Von den Ratsmitglie- dern wird Argentinien nicht gegen die Aufnahme Rußlands stimmen;"auch von Portugal erwartet man, daß es sich zumindest der Abstimmung enthalten wird. Lediglich die polnische Delegation hat ihren endgültigest Standpunkt noch nicht bekanntgegeben und cs wird diesbezüglich neuerdings am Montag in einer geheimen Sitzung verhandelt lverden. Hinter denKullsscndcs Nürnberger Theaters Kaiserkrone und Katzcnlammer Der Parteitag der Nationalsozialisten verläuft trotz größtem Rcgic-Austvand in einer offenkundige» Isolierung des Unternehmens von dem allgemeinen Interesse Deutschlands selbst und der Außenwelt. Während der vorjährige Auftrieb noch sein Echo in großen Kommentaren der Weltpresse fand, während damals Deutschland gespannt nach Nürnberg horchte, wo das Evan- gclium des neuen Jahrtausends verkündet werden sotttc, kümmert sich diesmal da und dort niemand mehr um die Reden, Proklamationen, Auszüge und Maskeraden des Parteitages. Die Welt ist überzeugt, daß man in offiziellen Kundgebungen des Nationalsozialismus nichts über seine wahren Absichten und Beweggründe, nichts über seine Pläne, Arbeiten und Experimente erfährt, sonder» daß man bis zum Ekel mit Phrasen und Lügen abgesüttcrt wird. In Deutschland selbst aber hat man daS Gefühl, daß es völlig einer- l e i ist, was inNLrnberg vorgeht. Die Stimmung, in der sich Deutschland befindet, ist in jeder Hinsicht, diedcsgrauen Elends, des Katzenjammers, ob er nun au» Enttäuschung über das Geschehene, ob er aus der dumpfen Angst vor dem Kommenden crfließt. So mutet das Theater von Nürnberg, das komödienhafte Herumfchleifen der Würdenträger mit allen Attributen einer verschlissenen Macht nnd eines versunkenen Kaiserglanzes wie ein Gespenstertanz an. ES ist Aschermittwoch und die Kostüme wirken deplaziert. Hat G o e r i n g selbst, der zunächst ferngehalten wurde(wie alle Flieger, für die 20 Kilometer linder Runde die Zufahrt gesperrt war) hat der allmächtige Tyrann des Tyrannen instinktiv gemerkt, daß Fasching vorüber und die Fastenzeit angebrochen ist, als er sich entschloß, znr allgemeinen Ucbcrraschung im Braunhemd ohne Orden zn erscheinen? Vielleicht ahnt er deutlicher als Hitler, der anscheinend vom Wahn der„Jahrtausende" besessen ist, daß die Zeit der großen Reden vorüber ist und die harten Entscheidungen heranreifcn. Blickt man hinter die Kulissen dieses von Leni Ricfcnstahl inszenierten Theater» mit Talmikrone und amerikanisiertem Mittelalter, so ergibt sich— wir stützen uns auf sehr umfangreiche und lveit« Gebiete umfassende Berichte— daß der Nationalsozialismus die Zeit de» Aufstiegs, der Eroberung und der Auswertung eines gewaltigen Kredits an Vertrauen, den ihm die öffentliche Meinung gewährte, endgültig hinter sich hat. DaS kam freilich ganz offen in der Abstimmung vom 19. August zum Ausdruck. Aber interessanter als die Wahlergebnisse nnd die zahllosen Berichte und Beweise über die Fälle von Wahlfälschung und raffiniertem Terror, sind die Stimmungsberichte über die Zeit n a ch d e m 10. A u g u st. Der Bann beginnt sich zu lösen, Kritik erwacht, in den Gebieten, in denen es zu w e n i g N e i n- S t i m m e n gegeben hat, herrscht, Wie ein Bericht treffend sagt: W e l t u n t e r g a n g S st i m m u n g. Die vielen, die aus Angst mit Ja gestimmt haben, ärgern sich jetzt, heißt cs in einem anderen Bericht, daß sie nicht auch den Mut zum Nein hatten. Man beginnt sicherer zu werden, man fürchtet nicht mehr die allgegenwärtige Gestapo, obschön die Spitzele! und der Terror faktisch eher gesteigert toerden. Die am stärksten oppositionellen Provinzen zeigen die Bevölkerung noch am ehesten in froher Stimmung, die hitlertreuen Gaue brüten dumpfe Verzweiflung. Für das Wiedererwachcn kritischen Geistes ist nicht so sehr kennzeichnend, daß geschimpft und kritisiert wird, als daß sich die Krit i l wieder den» r c a l c n 5|J c o 61 c m b c ä 2 c 6 c41 ä 3 u» wendet, daß man nicht mehr der Phrase erliegt, sondern sich sachlich fragt, was besser oder schlechter geworden ist. Die Teuerung, die schlechten Löhne, der Raub der sozialen Rechte werden diskutiert, man sinnt auf Abhilfe, wehrt sich wie man kann. Es kommt zu offenen Demonstrationen und Keilereien. Die Frauen greifen— wie ein regelrechter Kampf auf dem Schlesischen Bahnhof in Berlin bewies— wieder ein. Wis im Krieg rühren sie sich und das signalisiert Sturm. Andererseits darf nicht verkannt werden! daß gewisse Illusionen verflogen sind. Man hofft nicht mehr auf die Reichswehr, auf Sette 2 «r. 211 Schuß gegen Starhemberss Fenster Berlin, S. September. Das Deutsche Nach» richtenbüro meldet aus Wien: Gegen das Haus Bieberstrabe 6 im ersten Wiener Bezirk, in dem Vizekanzler Starhembcrg wohnt, wurde Samstag abends von einem noch Unbekannten einSchutz ab gefeuert. Wahrscheinlich galt der Schutz dem Heimatschuhposten vor dem Hause. Uni 2l Uhr hat'die Polizei die umliegenden Strahenzüge abgesperrt und nimmt Haussuchungen vor. Einige Tatzeugcn des Vorfalles wollen auch mehrere Schütze festgestellt haben. Infolge diese- Vorfalles verbreitete sich am Abend in Wien das Gerücht von einem Attentat auf Star- hemberg. Sonntag, v. September 1834 Große aiflliasclsflsdic Kundgebung in Brünn Mächte von rechts. Man Weitz, datz die Diktatur sich stabilisiert. Manch einen lähmt dieses Be- wutztsein noch. Andere denken weiter. Sie sehen den Weg der Diktatur in Maffenclcnd und Krieg münden. Sie machen ruhig ihre Rechnung. Der Winter, in den Hitler geht, wird seine wirtschaftspolitischen Schwierigkeiten häufen. Das System baut vor, indem es durch eine große Propaganda-Aktion die Umstellung auf Ersahsloffc, die durch die Krise der Mark geboten ist, als nationale Pflicht und Antwort auf den Weltboykott hinstellt. Ohne Zweifel wird cs gelingen, die hochentwickelte Chemie und Technik Deutschlands zur Erzeugung vieler brauchbarer Ersatzstoffe fähig zu machen. Ohne Zweifel wird man den Schlvcbezustand der Währung und der gesamten Wirtschaft noch eine Zeit aufrechterhalten können. Aber man ist gezwungen, dem Volk riesigeOpfer aufzuerlegen, um den Wirtschaftskrieg durchzuhalten. Und die»Fd e e", für die das Volk die Opfer ertragen würde, hat ihre Zugkraft verloren. Die Hoffnung auf die»zweite Revolution" war mehr wert als die Ersatz-Kaiserkrone von Nürnberg, der naive Glauben der Matzen an Hitlers Ehrlichkeit und seinen»Sozialismus" ließen sie Lohnabbau und Teuerung hinnehmen, die Theorie von der Evolution des nächsten Jahrtausend wird keinen Hund locken. Nun hat man freilich noch einen Pfeil im Köcher. Man wird den Nationalismus nochmals aufputschen, man wird von der neuen Einkreisung Deutschlands reden und dem Hatz und Neid der Welt, die den Deutschen den Platz an der Sonne nicht gönnen. Man wird dem Volk einreden, datz es für Deutschlands Ehre und Recht zu hungern gilt. Aber man wird es schwer haben, weil dieser Kampagne so grotze Versprechungen, so grotze Enttäuschungen, weil ihr der 30. Juni, und der IS. August vvtangegangen sind. Und noch eine Gefahr bringt die ideelle KriegSrüstung mit sich: man spitzt den Mund und wird einmal pfeifen mützen. Eben hat man die Nation anderthalb Jahre auf Pazifismus Hitler- scher Prägung, auf autzenpolitische Verzichte ge- drillt. Nun wird man sie wieder aufputschen, ihr dauernd sagen, man müsse hungern, weil der Erbfeind droht. Man malt den Teufel an die Wand. Eines Tages wird man Ernst machen, um so mehr wenn man erkennen wird, datz eS der einzige Ausweg auS der sonst heillos verfahrenen Situation ist. Ein Ausweg fürHitler— aber derWegderKatastrophefürdaS deutsche Volk und Europa, daS in den Abgrund mitgeritzen werden soll. Aus dem DTF.Stadion in Brün« sand gestern abendS eine grotze antifascistischr Kund- grvung, verbunden mit einer künstlerischen Akademie, statt, die von der Jugend der beiden sozial- demokratischrn Parteien veranstaltet wurde. Dir Kundgebung wieS einen starken Besuch aus»nd nahm einen autzerordrntlich schönen»nd würdigen Verlauf. Zu den VersanlMelten sprach der tschechische Genosse Abgeordneter Jng. R e i a S, der in seiner Rede auf das BernichtungSwerk hinwieS, daS der FafeiSniuS in Deutschland und Oesterreich vollbracht hat. Doch ist die Zeit nicht mehr fern, wo der FafriSmnö zusammenbrrchen und dem So- Haltlose Gerüchte über daS Therestenstädter Arbeitslager Ein tschechisches Blatt und nach ihm andere tschechische und deutsche Zeitungen brachten die Meldung, datz cS in der Arbeitsgemeinschaft der Jugend in Theresienstadt zu einem Streik kommen könne, da die Bauleitung die Arbeitszeit verlängert und eine erhöhte Leistung verlangt habe. Die Vertreter dcS deutschen und des tschechischen Jugendverbandes, welche gestern, wie bereits einigemal vorher, die Arbeitsgemeinschaft besuchten, erfuhren von den dort arbeitenden Jugendlichen, datz alle Gerüchte über eine Streikabsicht oder ähnliches sinnlos sind und das Lager seine normale Ordnung hat. DaS Lager wird, statt wie vorgesehen, am IS. September, erst am 22. September beendet werden, und zwar auf Wunsch der Arbeitsgemeinschaft selbst, die infolge dieser Verschiebung einen grötzeren Verdienst haben wird. Aus demselben Grunde stimmte sie auch die Verlängerung der Arbeitszeit von 35 auf 3b Wochenstunden ab. Bon einer Aenderung der Arbeitsteilung, welche im Zusammenhang damit von der Bauführung verlangt wurde, wurde auf Verlangen der Arbeitsgemeinschaft sofort Abstand genommen. Der Gang des Lagers, welches seit dem Mai klaglos arbeitet, hat nicht die geringste Unterbrechung erlitten und seine Mitglieder wünschen selbst diese Richtigstellung. Landwirt und Arbeiter In bemerkenswerter Weise nimmt das Zcntralocgan der tschechischen Agrarier Stellung zum Verhältnis des Landwirts zum Konsumenten. ES heißt im gestrigen Leitartikel der»Venkov": Geien wir aber aufrichtig such ens selbst gegenüber. Auch'in manchen agrarischen'Schichten und Orte» konnten die Bänkokräte'n'und"Plutokraten der Einsicht Eingang verschaffen, datz niedrige Löhne der Jndustriearbeiterschaft und niedrige Gehälter der Angestellten das ersehnte Ziel der agrarischen Politik sind. DirsrS Gift wurde jedoch durch bittere Erfahrungen paralysiert. Wo immer und wanm immer die Löhne«nd Gehälter der Konfutnenten landwirtschaftlicher Produkte herabgsdrückt wurden, trug es immer zuerst der Bauer davon. Die Konsumenten sparen in solchen Fällen zuerst immer bei den Lebens- mitkeln. ES scheint un», datz die Atmosphäre, welche durch die Plutokraten vergiftet wurde, sich reinigt, datz auf beiden Seiten, bei unS und bei den Arbeiterschichten, die Sonne der Wahrheit siegt, datz wir und sie für die allgemeine Er- zialtSmuS Platz mache« wird. Unter stürmische« Beifall der Versammelten kündigte Genoss« Ne- kaS, der seine Red« in tschechischer und deutscher Sprache hielt, dem FasriSmus de« schärfste« Kampf an. Di» Kundgebung gipfelte in einem von Genossen HarrenS geleiteten und von der Jugend durchgesührten symbolischen Fackelspiel, daS die Befreiung der Arbeiterklasse vom Faftismuö und den Endsieg deS Sozialismus versinnbildlichte. Mit einem Feuerwerk und dem Absingen der Internationale fand di« imposant« Kundgrbung ihren Abschluss. Höhung der Einkünfte sorgen müssen: DeS Landwirtes und des Arbeiters I Gemeinsam haben wir die ersten grossen Schritte gemacht. Die Dtlva« vation und daS Getreidemonopol. Rundfunkschutzgesetz In ächt In der letzten Folge der funktechnischen Monatsschrift„Pkehled Rozhlasu" spricht sich Ministerialrat Dr. Otto K u i e r a über die Frage des Kampfes gegen die Rundfunkstörungen wie folgt aus:»Das Postministerium unterzog den Stand des gesetzlichen Rundfunkschutzproblems in den Einzelnen europäischen Staaten, sowie die Texte der betreffenden ausländischen Gesetze und Verordnungen einem eingehenden Stud.ium und arbeitet einen GesctzeStcxt aus. Heber dieses Gesetz soll nach den Ferien mit den daran interessierten Körperschaften— der E. S. C.(Tschechoslowakischer Elektrotechnischer Verband) und das Radiojournal werden dabei eine bedeutende Rolle spielen— und den dabei meistbetroffenen Ministerien(für öffentliche Arbeiten, Gesundheitsministerium, Handelsministerium usw.) unterhandelt werden. Nach endgültiger Regelung wird dieses Gesetz Gegenstand von Verhandlungen zwischen den einzelnen Ministerien bilden. Es ist dies ein Rahmengesetz ohne einzelne Bestimmungen, denn diese sollen in die bezüglichen Durchführungsverordnungen einbezogen werden, wobei die mehrjährigen Borbereitungsarbeiten des E. S.<£., des Postministeriums usw. ein wertvoller Beitrag zur Stilisierung ihres Textes bilden sollen. Die vom Postministerium ausgearbeitete Gesetzesnovelle berücksichtigt bereits bestehende Starkstromeinrichtungen, sowie Einrichtungen, bei denen die Schutz- mahnahmen einen außergewöhnlichhohen Aufwand erfordern würden. 510.000 Streikende In USA New Bork, 8. September. Die Gesamtzahl der Streikenden hat am heutigen Tage 510.000 erreicht. 146.000 Strumpfarbeiter denken an einen Syinpathiestreik und haben bereits eine Aushilfe von 100.000 Dollar für die streitenden Textilarbeiter bestimmt. Für den 1. Oktober wurde ein Streik von 500,000 Arbeitern und Angestellten der Baumwoll-Kleidererzeugnug verkündet, der jedoch mit dem Textilarbeiterstreik in keinem Zusammenhänge steht. bleck den politischen Ferien Am morgigen Montag beginnt di« politische Herbstsession mit dem ersten Ministerrat nach den Ferien. Wiewohl die Regierung schon im Hinblick auf die bereits wieder ansteigenden Arbeitslosenziffern vor sehr ernsten innerpolitischen Problemen steht, konzentriert sich augenblicklich das Hauptinteresse doch auf Genf, wo di« Auswirkungen des Eintrittes Sowjetrutz- l a n d s in die internationale Politik und die Bemühungen Italiens, den Anschluss an die neue europäische Konstellation zu finden, den Gegenstand ernster Verhandlungen bilden. Durch den Eintritt Rußlands in den Böllerbund wird nicht nur eine grundlegende Wendung in der europäischen Politik eintreten, sondern es wird wohl oder übel zu einer gewissen Einkehr in der inneren Politik der kommunistischen Parteien der einzelnen Länder kommen müssen. Unzweifelhaft werden die verschiedenen KP-Führungen den erforderlichen„theoretischen" Unterbau für diese unerwartete Wendung auS etlichen Lenin-Zitaten zusammenzukleistern verstehen, aber die wirklich proletarische Anhängerschaft wird auS dem Kopfschütteln und Nachdenken über die Richtigkeit und Zweckmäßig, keit der bisherigen kommimistischen Parolen doch wohl nicht so bald herauSkommen. Nach Rußland bleibt Oe st erreich nach wie vor der Mittelpunkt der internationalen Politik. Die Konvertierung der österreichischen Böllerbundanleihe, die im wesentlichen auf eine Zinsfuß. Herabsetzung hinauSläust, ist so gut wie perfekt; den völligen finanziellen Zusammenbruch Oesterreich, will doch keine Großmacht ernstlich riskieren. Bezüglich der weiteren Forderung Oesterreichs, daß es das erhöhte Wehrkontingent, baß ihm vor einiger Zeil bewilligt worden war, weiterhin beibehalten dürfe, ist die Entscheidung noch nicht gefallen. Die Großmächte berufen sich darauf, daß sie bereits durch ihre erste Zustimmung gewissermaßen gebunden seien Allerdings ist diese erste KontingentSerhöhung bereits vor den Feberereigniffen und unter ganz anderen Umständen— zur Abwehr der Gleichschaltungsbestrebungen deS HitlerreicheS— bewilligt worden, während heute das erhöhte Kontingent nur dazu dienen soll, die Terrorherrschast einer verschwindenden Minderheit über Oesterreich mit Hilfe der Heimwehr widernatürlich zu verlängern. Die sozialistischen Parteien werden selbstverständlich an den zuständigen außenpolitischen Stellen ihren Standpunkt gerade zu dieser Frage mit aller Deutlichkeit präzisieren. Gänzlich daneben gegangen ist aber den heutigen österreichischen Machthabern die Geschichte mit der neuen Anleihe. Schon nach den ersten schüchterne» Fühlern in''Gtnf hak>Ä sie eS trotz ihrer Finanznot für angezeigt gehalten, die Sache fällen zu lassen: sie haben sich offenbar überzeugt» daß da absolut nichts zu machen ist. So haben sie lieber heroisch verzichtet, zumal bei einer Diskussion über die An» leihe auch die Aufrollung der gesamten innerpoliti» schen Probleme Oesterreichs unvermeidlich gewesen wäre. Was die Innenpolitik betrifft, so hat sich im Laufe der Ferien an dem gegenseitigen Verhältnis der Koalitionsparteien und an ihrem festen Willen zur weiteren Zusammenarbeit nichts geändert; die autzenpolitische» Ereignisse lassen eine weitere Zusammenarbeit auf der bisherigen Basis nur noch rätlicher erscheinen. Vorzeitige Wahlen im Herbst kommen nicht in Frage. Durch eine Wahlgesetznovelle dürften die Termine für di« fälligen Landes- und Kommunalwahlen mit dem 4« I A, FRITZ ROSENFELD: .«fc Cbcjutta BIN ROMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAO Doch weise bist du, Hulagu, datz du mir nicht traust. Ich könnte das Kleid der Verräter tragen, die sich als Bettler und Kranke in das Haus des Mannes schleichen, den sic' verraten wollen. Doch prüfe mich, Hulagu. Meine Seele liegt offen vor dir." „Ich will dich prüfen," sagte der Khan. „Ich will dich prüfen bis auf den Grund deiner Seele. Wenn Verrat in deinem Herzen ist. latz ich deinen Kopf an das Tor von Kasan heften. Ist dein Herz aber rein, so sammle ich mein Heer, und du führst es gegen die Assassinen." „Ich bin dein Sklave," sagte Pal und neigte sich tief. Da steckten die Räte des Khans die Köpf« zusammen und berieten. „Er soll über glühende Steine laufen, mit einem glühenden Schwert inder Hand." „Er soll, mit sieben Steinen beladen, ins Wasser der Wolga geworfen werden. Sinkt er, so wollte er uns verraten. Hält das Wasser ihn hoch, ist' sein Herz rein." „Tu einen weihe» Würfel und sieben rote Würfel in einen Helm. Im Dunkeln soll er ziehen: zieht er den weissen Würfel, so ist er frei von Verrat. Zieht er einen der roten, so soll sein rotes Blut fliehen." Hulagu sann nach. -«Es gibt Männer im Süden," sagte er, »deren Hände und Ftttze gegen Feuer gefeit sind. Sie tanzen auf glühenden Steinen, wie wir au - dem gestampften Boden des Festplatzes. Es gibt Männer am Ufer des Meeres, die schwimmen mit grotze» Lasten stundenweit durch die Wellen. Aber es gibt keine Männer, deren Augen im Dunkeln sehen. Der Rat mit den Würfeln ist der beste. Lasst uns, wenn der Abend sinkt, den Fremden prüfen vor dem ganzen Volk." Die Räte staunten über die Weisheit ihres Fürsten. Wie leicht war es, den Schmerz zu verbeißen, wenn man ein glühendes Schwert über glühende Steine trug, wie leicht war es, den Fluß zu betrügen und sich an der Oberfläche zu halten. Aber im Dunkeln aus acht Steinen einen auswählen, einen einzigen, das konnte nur einem Mann gelingen, der frei war von jeglichem Uebel des Herzens und rein in seiner Seele. Hulagu ließ acht Würfel aus Tierknochen chnitzen, nahm sieben von ihnen und tauchte ie in einen Becher mit Schafblut. Rot lagen die sieben Würfel in der Sonne, einsam lag der iveitze neben ihnen. So liegt das Schicksal vor mir, dachte Hulagu. Ich mische die Würfel, und die Seele des Fremden ist mir ein offenS Buch. Als Hulagu sich aber zur Ruhe begab— in den Tagen des Friedens schlief er nach der grohen Mahlzeit— da schlich Katta in sein Zimmer, nahm den weißen Würfel, kerbte ihn ein ivenig ein. Ein schmaler Schlitz war es, den sie in den Knochen ritzte, mit dem Auge sah man ihn nicht, nur die feine Haut der Finger konnte ihn fühlen..• „Ich kann dir nicht danken," sagte Pal, als Katta ihm das Geheimnis des weihen Würfels verriet.„Denn ich kehre-nicht wieder. Die Assassinen zu schlagen, ist nicht meines Lebens letztes Ziel. Und die- Tage in Ulleika werden nur Rast auf meinem Wege fein." »Wenn du die Frau mit den hellen Haaren nicht findest, Pal, kehrst du dann wieder nach Kasan zurück?" »Ich würde dir ein totes Herz in einem abgekämpften Körper bringen, Katta." „Wenn ich den toten Tranm mit dir hegen könnte, Pal." »Du trägst daS Kleid der Krieger, Katta, und willst einen Traum hegen, der in einem langen, langen Menschenleben starb?" Da senkte Katta die Augen und schämte sich des Kleides, das sie trug. Pal aber sah sie an, sah ihre großen dunklen Augen, aus denen alle Härte gewichen war, sah ihr Haar, daS glänzte wie ein dunkler Edelstein. Da preßte eS ihm die Kehle zusammen, da würgte er daS Wort hinunter, das er hätte hinausschreien mögen auch in diesem Augenblick. Und mit leiser Stimme, wie man einsam vor einem Gott ein Gelübde spricht, sagte er: »Wenn ich die helle Frau nicht sinde, Katta, kehre ich heim nach Kasan." G Auf dem Platz der Feste tvar HulaguS Thronsitz aufgestellt. Die Räte standen im Kreise um den Khan. Fackeln brannten, Krieger hielten mit ihren Speeren die Männer und Frauen von Kasan zurück, die in den flammendhellen Kreis drängten. Entschied doch der Griff des Fremden Uber Krieg und Frieden, über das Sterben von tausend Brüdern und Vätern, oder über den ewig währenden Schrecken der Assassinen. .Auf einen Wink HulaguS wurden die Fesseln Pals gelöst. Der Helm mit den Würfeln ging von Hand zu Hand. Alle Räte prüften ihn, die Nettesten der Stämme traten vor und betrachteten die Würfel. Sie nickten: sieben rote lagen da, rot >vie Blut, und ein Weitzer, Weitz wie der Schnee auf den Feldern des Winters. Da holte man ein Tuch und verband Pal- Augen. Da hiess man ihn sich wenden, mit dem Kopf gegen die grptze Dunkelheit, die auf dem Platz anhob und sich dehnte bis an den Rand des Himmels. Da erlöschen die Fackeln auf einen Wink des Fürsten, und Hulagu selbst, der Khan der Tataren, schritt im Dunkeln auf de» Fremden zu. »In diesem Helm", sprach er mit erhobener Stimme,»liegen acht Würfel aus den Kno chen des Bären. Sieben tragen die Farbe des Blutes, einer ist Iveih wie der Schaum auf den Kronen des Meeres. Senke deine Hand in diesen Helm und wähle unter den Würfeln. Greift deine Hand den weihen, so ist dein Herz Weitz, und du führst das Heer der Tataren gegen Ulleika. Greift deine Hand einen roten Würfel, so ist Verrat in deiner Seele, und dein Blut wird vergossen noch in dieser'Stunde." Weithin klang HulaguS Stimme im Dun- kel. Die Männer hörten sie, und nickten: em weiser Fürst herrscht über uns. Die Frauen hörten sic und zagten: ob die Götter dem Fremden gnädig sind? Pal aber'streckte die Hand aus, die nicht zitterte, griff in den Helm, nahm einen Würfel nach dem andren, betastete ihn und suchte den feinen, dünnen Schlitz. Mit dem Nagel seines Daumens fuhr er in diese knöcherne Rille, um sich zu überzeugen, dass er sich nicht täusche. An dieser Kerbe, die winziger war, als datz ein Auge sie hätte wahrnehmen können, hing sein Schicksal und das Schicksal von Tausenden. »Hast du gewählt?", fragte Hulagu. »Ich habe gewählt.". Man brachte Feuer, die Fackeln glommen auf. Fest schloss Pal seine Hand um den Würfel. So hielt er sein Schicksal in der Faust. Nie hatte sie das Schwert so eisern umwunden. »Oeffne die Hand", sagte der Khan. PalS Hand lag offen. Auf dem weihen Teller dieser Hand lag Weitz ein Würfel aus Knochen.' Das Bolt jubelte. Hoch hielt Pal seine Hand, datz alle den Ivcihen Würfel sehen konnten. „Allah hat ihn gesandt, er ist kein Verräter." „Allah hat ihn gesandt", wiederholte Hulagu die Worte seines Volkes. Da gingen di? Männer und Frauen von Kasan in ihre Häuser, und sprachen nur von dem Fremden und von seiner Sendung, (Fortsetzung folgt.) Wr. M» Sonntag, 9. September 1934 Sennin der Parlamentswahlen in Uebereinstim- mung gebracht werden. Große innerpolitische Beunruhigung haben in den Ferien gewisse Verfügungen de« Schulministe- rium« über Schulreduzierungen, bzw. Abberufung der staatlichen Lehrkräfte von kommunalen Mittelschulen— vorwiegend im deutschen Gebiet— verursacht. Direkte Verhandlungen der benachteiligten Städte mit dem Ministerium hinsichtlich der Ueber- aahme wenigsten« eine« Teile« de» Schulaufwandes sind bereit» eingcleitet; leider hat in allen diesen Dingen da« Finanzministerium da« letzte Wort zu sprechen. Wirtschaftlich wird die Koalition vor außerordentliche Schtvicrigkeiten gestellt sein. Sowohl die öffentliche Arbeitsbeschaffung wie auch die Privatwirtschaft warten sehnsüchtig auf die Zufuhr neuer finanzieller Mittel, ohne die eine Belebung der Wirtschaft und vor allem eine Senkung der ArbeiiS- losenziffcr nicht möglich sein wird. Daß Heuer bereits der August ein wenn auch unwesentliche« Absteigen der Arbeitslosenziffer mit sich brachte, gibt Anlaß zu ernsten Erwägungen, denen sich die Regierung schon in ihren ersten Beratungen nicht wird verschließen können, zumal die in den ersten Monaten de» heurigen Jahres sichtbare Besserungstendenz auch im internationalen Maßstab bereits zum Stillstand gekommen ist. Dadurch wird die Frage möglichst weitreichender sozialer Hilfsmaßnahmen wiederindenBordergrundgerückt. Gerade in den Industriebetrieben wird eine ausgiebig« Dotierung der außerordentlichen Arbeitsfürsorge verlangt und vor allem auch darnach gerufen, daß gewisse administrative RegistringierungSmaßnah- men, die sich in den Krisenbezirken außerordentlich empfindlich auswirken, wieder rückgängig gemacht werden. Dazu kommt für die Regierung die Gorge um das nächstjährige Budget, das bisher nur als Entwurf des Finanzministeriums vorliegt und nunmehr die Regierung beschäftigen wird. Auch der parlamentarische SparauSschuß ist bereits für Dienstag einberufen worden. Regierung und Regierungsparteien haben also im letzten Herbst vor den normalen Wählen große und schwere Aufgaben vor sich. Mit all diesen Dingen haben sich bereits in der vergangenen Woche die Vorstände der beiden sozialdemokratischen Parteien beschäftigt und sie haben auch bereit« eine ganze Reihe von Maßnahmen beschlossen, mit deren Durchführung die leitenden Parteifunktionäre betraut worden sind. Vie Fölsen der Margarine- Kontingentierung Zum Protest der Gemeindevertretung- Schreckenstein... Die am Donnerstag abgehaltene Sitzung der Gemeindevertretung Schreckenstein hat einstimmig gegen die ungerechte Aufteilung des Margarine- Acntingents Protest erhoben. Es wurde daraus dingewicsen, daß die Kürzung der Erzeugungsquote für die Firma Schicht nicht nur einen Ent- gang an Arbeitsmöglichkeiten bedeutet, sondern durch die Verringerung der Umlage n die Finanzen der Gemeinde weiter verschlechtert. Dieser Protest, der mit den Stimmen der deutschen Sozialdemokraten beschlossen wurde, soll den maßgebenden Faktoren auf tschechischer Selle eine Mahnung sein. Jede derartig« Ungerechtigkeit wird Henle dop- pelt und dreifach hart empfunden. Eie trifft eine in fünf Krisenjahren schwer verelendete Bevölkerung, sie verkürzt Gemeinwesen, die mit allen Kräften gegen die doppelte Gefahr des wachsenden Hungers und des drohenden Bankrotts zu ringen haben. Mit Recht haben die sozialdemokratischen Sprecher im Schreckcnsteiner Gemeindeparlament die Hetze zurückgewiesen» welche aus diesem Anlaß von allen Seiten gegen die deutschen Sozialdemokraten betrieben wird. Werden sich nun endlich die deutschbürgerlichen und kommunistischen Kritiker mit den agrarischen Urhebern der Margarinepolitik auseinandersetzen? Tschechische Unke und Henlein In der„Rovä Svoboda" lesen wir einen Artikel B. Guttvirths über Henlein, in welchem e« heißt: Die tschechische Linke wertet hie und da die Bedeutung der Mion Konrad Henlein» nicht richtig. Sie sieht in ihm manchmal den Mann, in wel» chem diejenigen«inen Helfer finden werden, die eine ehrliche nationale Zusammenarbeit in der Republik anstreben. Darin werden sie durch einzelne Kundgebungen Henlein« bestärkt. In Wirklichkeit beginnt Henlein dort, wo die Hakenkreuzler und Deutschnationalen aufgchört haben, al« ihre Parteien aufgelöst wurden. Al« Jung und Krebs da« Ende ihrer Polittk sichen, begannen sie chre Staat»- Iceuc, Loyalität, ihre Haltung zum Staat, ihren Willen zur nationalen Zusammenarbeit zu beteuern. Er spricht davon, daß er Demokrat sei. Er sagt, daß seine Organisationen Menschen au« den Schützengräben und junge Arbeiter füllen. Andere bchaupten jedoch, daß in die Organisationen Henleins die Angehörigen der aufgelösten deutschen Parteien übergegangen sind. Wer die Zeitschrift Henleins aufmerksam liest, erkennt, daß Henlein nicht» Reue« geschaffen hat. Er kam mit nicht« mderem, al« womit Hitler gekommen ist. Henlein ist freilich belehrt durch da« schlimme Schicksal der zwei deutschen Parteien, deren Angehörige er übernimmt. Deshalb spricht er so vorsichtig. Geist der sozialistischen Publizisfik. Da« Vertrauen der Partei berief ihn an di« Stelle, an der einst Wilhelm Liebknecht gewirkt hatte: Stampfer wurde Chefredakteur des„Vorwärts". Er hatte unter schwierigen Verhältnissen, in heißbewegter Zeit zu wirken und die politischen Anschauungen, die er als Wortführer der Mehrheit vertrat, stießen oft auch auf Widerspruch. Nie aber konnte jemand die Lauterkeit der Gesinnung, die Reinheit des Wollens und die Entschlossenheit zum Einsatz der ganzen Person bei Friedrich Stampfer bezweifeln. Gerade als der Sturm der Konterrevolution über Deutschland hereinbrach, bewies Stampfer bis in die letzten schweren Tage, daß er mit dem scharfen politischen Blick die Ruhe des veranttoor» tungsbewußten Mannes verband. Er trat stärker hervor, als er in entscheidender Stunde den Kommunisten das ehrlicheAnbotzuBurgfrie« den und gemeinsamem Kamps, machte. Er galt damals als der Exponent des Einheits- und Kampfwillens der deutschen Arbeiterklasse. Die KPD hat auch dieses Angebot verlacht und au«- gcschlagcn. Stampfer hielt auf seinem Posten aus, obwohl bekannt war, daß gerade gegen ihn alle Bluthunde des FasciSmuS losgelassen waren. Er tauchte in der Illegalität unter. Man suchte ihn in seiner Wohnung und bei Bekannten. Hätte man ihn damals gefunden, er hätte das Schicksal Siel» lings geteilt. Er ging ins Ausland, informierte die Bruderparteien über die deutschen Zustände und kehrte nochmals nach Deutschland zurück. Erst als nicht nur sein Leben bedroht, sondern auch jede weitere Arbeit für ihn unmöglich geworden war, kam er dauernd nach Prag, wo er die Lei« tung der Presse der emigrierten SPD übernahm. StUrmi gegen die SHF Eine bewegte Sandner-Versammlung In Heide— Abrechnung mit dem Renegaten— Die Versammlung aufgelöst Am Freitag suchte der Goebbels de« Herrn Henlein, der bekannte Herr Sandner die Glasstadt Haida heim. Die Versammlung fand in der Turnhalle statt und war massenhaft be« acht. Nicht nur die Anhänger Henleins waren gekommen, sondern auch viele hunderte Arbeiter, vor allem Sozialdemokraten. Diese Zusammen- rtzung der Versammlung nahm dann Sandner zum Anlaß, die Diskussionsbereitschaft der SHF. zu belveisin. Die SHF. sei immer willens, sich mit den Andersdenkenden sachlich auseinander« zusehen. Zunächst sind zu dieser heuchlerischen „Feststellung" Sandners einige Bemerkungen zu machen. Diskussionsbereitschaft mit Gummiknüppeln Die Arbeiter Haidas, deren Sinn schon lange nach einer Aussprache mit Sandner steht, mußten sich den Eingang in den Versammlungsraum erzwingen. Die Henleinordner hatten schon um halb ß Uhr nachmittag« die Saaleingänge besetzt und unternahmen später im Schutze der Dunkelheit Angriffe mit Steinen und Gummiknüppeln gegen unsere vordrängenden Genossen. Die Mehrheit unserer Genossen konnte erst in den Saal, al« die Arbeiter die Zugänge zur Turnhalle auch für die Henleinleute, abzuriegeln begonnen hatten. AIS kurz nach 2l> Uhr der sozialdemokratische Redner, Genosse Karl Kern, in Begleitung de« Bezirkssekretärs Genossen K a h a b k a und anderer Freunde durch den Seiteneingang in den Saal zu kommen versuchten, führten die auSsprachehungri- gen Raufbolde Sandner« ein wüste« Stückchen auf. Al« e« dem Genossen Kern, den man offenbar verkannt hatte, schon gelungen war, in den Saal zu kommen, wurde der Eingang von Henleinordnern, die sofort nach Hilfe pfiffen; blockiert und die übrigen Genossen wurden zurückgedrängt. Datei wurde der Jngrndzrnoffe Herbert Werner am Halse gewürgt und tu dir Tür gezwüugt, so daß er kurze Zeit da« Bewußtsein verlor. Die Glastür ging dabei vollständig zu Bruch. Erst al« unsere Genossen im Saal alarmiert worden waren, ließen die Ordner Kahabka und seine Begleiter ein. So hatten also die Arbeiter einen Vorgeschmack von dem„Di-kussionSwillen" der Henleinleute und sie versäumten nicht, die heuchlerischen Beteuerungen Sandner« sofort in leidenschaftlichen Zwischenrufen richtigzustellen. Die Henleinleute diskutieren nur, wenn man sie dazu zwingt. Raufbolde von auswärts Es muß aber auch die VersammlungSmethodik der Henleinfascisten beachtet werden. Die Zahl der Henleinbegeisterten auS Haida und Umgebung war nicht allzugroß und jedenfall« viel geringer al« die Zahl der marxistischen Versammlungsteilnehmer. Aber Sandner hatte zu seinem Schuhe„S ch l ä» ger"au« den entferntesten Gegenden— alle Mitglieder be« Deutschen Turnverbands— in Autobussen kommen lassen. Die .Ordner" waren fast durchweg« von auswärts, damit man sie nicht erkenne, wenn zur Betätigung mit den noch vom„Volkssport" übernommenen Gummiknüppeln und Stahlruten Gelegenheit sein sollte. Diese„Ordner" waren bi« aus Bad K u n» nerSdorf, Warnsdorf, R u m b u r g, Kummer, Böhmisch-Leipa, Nieder- gründ und anderen Orten gekommen I Neben dem„PersammlungSschuh" hatten sie die Aufgabe, dem Sandner Beifall zu klatschen. Außer ihnen beteiligten sich durchaus nicht viel Versammlungsteilnehmer an dem BegeisterungSradau. noch nicht auSgeträumi und daß ihn Sandner für schön hält, ist aufschlußreicher als alle Loyalitätsbeteuerungen seines Chef«.— Dann verkündete der Renegat die Legende von den„edlen" Kräften in der jungen sudetendeutschen Generation, die es angeblich schon vor Jahren vor dem üblen Parteigezänk ekelte und die darum schon lange den Grundstein zu einer Erneuerungsbewegung legten. Sandner hatte den Mut, sich dabei auf einen Artikel zu berufen, den er vor Jahren in die„Tribüne" ge- schriehen hat und der gewissermaßen sein heutiges politisches Bekenntnis vorwegnehme. Er beklagte sich, daß die Gegner nicht ihre schützende Hand über die junge Bewegung der SHF gehalten haben, gab zu, daß den Burschen um Henlein noch manche Erfahrung fehlt, verlangte aber trotzdem, daß sich alle Sudetendeutschen unter ihre Führung begeben. Die Gründung der SHF. sei gerade im richtigen Zeitpunkt erfolgt.(AI« es sich nämlich al« notwendig erwie«, das Werk der Herren Jung und Kreb« auf neuer organisatorischer Grundlage fortzusehen.)— Dann lobte Sandner die Pro« grammlofigkeit seiner Bewegung, der da« Streben ! nach der Volksgemeinschaft Programm genug sei ! und besprach den Kampf um den deutschen Arbeitsplatz. Schließlich behauptete er, daß nur 2% Prozent von der Arbeitsanleihe in da» sudetendeutsche Gebiet gekommen seien, obwohl die Sudetendeutschen 25 Prozent gezeichnet hätten. Er, der R e n e g a t, meinte, die SHF. sei die Bewegung der Anständigen,- der Leute mit den reinen Händen, die nicht wie die„Systempolitiker"' die Interessen des Volke« mit den Interessen ihrer Geldtasche verwechselten. Dann legte er wieder ein Bekenntnis zur Demokratie ab— da« tat Hitler bekanntlich i» Nürnberg auch, der sich sogar für den besten Demokraten hält— behauptete, der Arbeiter werde in der SHF wahre Solidarität erleben und meinte, es sei doch schade und zwecklos, daß wir einander die Schädel einschlügen.„Mit dem Gesindel, da« zwischen den Nationen stehend, die Meinung der Tschechen über die SHF macht und Schmutz und Unrat nach Deutschland wirft, werden wir abrechnen" rief Sandner„begeistert" aus. Dio Abrechnung Diese Begeisterung verflog al« sich der Sprecher unserer Partei— man hatte ihm und dem kommunistischen Redner je eine halbe Stunde Redezeit zugebilligt— zu Worte meldete. Gen. Kern rechnete zunächst mit dem Renegaten Sandner ab und zerstörte die Legende von den„aufbauwilligen" Kräften in der jungen sudetendeutschen Generation, die noch vor Jahresfrist alle„auibauend" und„nach Neuem ringend" bei den Jung.und Krebs des Hitler ständen. Sollte e» aber, junge Leute gegeben haben; die es vor fünf oder sechs Jahren— diesen Zeitpunkt nannte Sandner— vor der Parteipolitik ekelte, so war Sandner bestimmt nicht dabei: Denn der Artikel, den er 1980 in die„Tribüne"'geschrieben hat— Genosse Kern hatte ihn mit in der Versammlung— war antibürgerlich und gut sozialdemokratisch. Jetzt wirft der Mann mit den„reinen Händen" Kot auf feine früheren Genosse». Ein erbärmlicheres Renegatentum ist wohl kaum noch zu finden. Dann geißelte Genosse Kern, immer wieder von dem Wutgeheul der Henleinfascisten unterbrochen, die, von Sandner als„Mobilisiernng aller Anständigen" bezeichnete organisatorische Bemühung der SHF um die Nazis von gestern, die noch vor Jahresfrist Hitler offen gelobt und dann ihren Führern Jung und Krebs zugunsten einer tschechoslowakischen Staatsgesinnung feige die Treue gebrochen haben. Aber sie sind heute noch Hitler- freunde; der Kampf im sudetendeutschen Lager vollzieht sich unter der Parole„Für oder gegen Hitler", auch wenn die SHF in ihren Versammlungen die Erörterung reichsdeutscher Fragen meidet. Um so Sandners„neuer Ton* Sandner» Rede war ein Sammelsurium von Phrasen und Bauschalverdächtigungen gegen die Sozialdemokraten. Man sieht, wie dieser Mann, der einmal bessere Tage gesehen hat, sich dem Henlein-Milieu anpaßt und von Versammlung zu Versammlung ausgiebiger und frecher verleumdet. Der„neue Ton", den er und die Seinen— al« die nach„Wahrhaftigkeit" und„Sachlichkeit strebende junge Generation— in die Polittk bringen wollten, ist ein übler Kaschemmenton und die„sachlichen" Argumente, die der Sandner gegen die So« zialdemokraten vorzubringen hat, machen der ha« kenkreuzlerischen Banditenmoral alle „Ehre": e« sind Beschimpfungen niedrigster Art. Und dieser Sandner spielt den Entrüsteten, wenn die Sozialdemokraten nicht zurück flöten, sondern kräftig zurückschlagen— allerdings ohne den Gauherdenton der sudetendeutschen Volkserneuerer nachzuahmen. Ein Renegat entlarvt sich selbst Mit der Selbstsicherheit de« Renegaten Sandner ist e« au«, wenn er sich seinen ehemaligen Genossen gegenübersteht. Offenbar was da«, auch die Ursache für die unvorsichtigen Eingeständnisse, die er eingang« seiner Rede h»nsichtlich der Auflösung der DNSÄP machte: Mit Patho« rief er in den Saal: „Da» Jahr 1988 hat nn« Sudetendeutsche« viel genommen!" Wen denn, was denn! Nun, man weiß: E« nahm den Sudetendeutschen die DNSAP und den Kreb». Und weiter schmetterte er in den Saal: »Mag es(da» Jahr 1983) aach manchen schönen Traum zerstört haben: eine« konnte man nn« nicht nehmen, den Willen," Sudetendeutsche zu sein und zu bleiben." Und e« war doch der schöne Traum der heutigen Henleinleute, nicht Sudetendeutsche zu bleiben, sondern Hitlardeutschezu werden! Der Traum ist Friedrich Stampfer — sechzig Jahrei Friedrich Stampfer, der Chefredakteur des„Neuen Vorwärts" ist gestern 60 Jahre alt geworden. Die Arbeiter der Tschechoslowakei werden mit uns eines Sinnes sein, wenn wir den Genossen Stampfer zu seinem 60. Geburtstag vonHerzenbeglück wünschen und wenn wir ihm vor allem anderen wünschen, daß der Kampf für ein besseres Deutschland, den er seit Jahr und Tag in unserer Mitte führt, recht bald von Erfolg und Sieg gekrönt sein möge. Friedrich Stampfer ist aus unseren Reihen hervorgegangen. Deutsch-Mährer von Geburt, ist er in Brünn aufgewachsen, von wo so viele Bertrauensmänner und Führer der österreichischen Arbeiterbewegung ausgegangen sind, das die Wiege der sozialistischen Presse Oesterreichs und der Sudetenländer war. Als junger Student kam Stampfer, der wie so viele Intellektuelle der Zeit vor Hainfeld und bald nach Hainfeld erkannt hatte, daß die freiheitlichen Ideale, denen er nachstrebte, nur durch den Sozialismus erfüllt werden können, in die Arbeiterbewegung. Das Miterleben großer sozialer Kämpfe, deren Zeuge er auf dem heißumstrittenen Boden der Industriestadt Brünn wurde, trug das seine dazu bei, ans dem jungen, tief menschlich empfindenden Mann einen Klaffenkämpfer zu machen. Fast zwei Jahrzehnte war Stampfer in der österreichischen Arbeiterbewegung tätig, Dann ging er nach Deutschland, wie um jene Zeit viele, die das mächtige geistige Leben der großen deutschen Bewegung lockte. Bald war Stampfer einer der führenden Jonrnalisten der deutschen Partei. Als Leiter der Pressekorrespon- denz gewann er bestimmenden Einfluß aus den mehr müssen wir bemüht sein, den Dreck und Anrat, in dem sich die Hitlerbegeisterten Henlein« so wohl fühlen, um der Kultur und Würde de« deutschen Volker und um seiner Freiheit willen von unferer Heimat fernzuhalten. Den Kampf nm den deutschen Arbeitsplan führe« die deutsche« Unternehmer, die in Auto« begeistert zn Henlein« Kundgebungen fahren, so, daß sie ihre Unternehmunzen in» tschechische Gebiet verlese«; ihre Solidarität mit dem deutschen Arbeiter in der„Volksgemeinschaft" wird dadurch bewiesen, daß sie die marxistische« Arbeiter um ihrer Gestmmng willen auf« Pflaster werfen oder überhaupt nicht aufnehmen. „Volksgemeinschaft" ist auch, wenn man niederträchtige hetzerische Aufrufe gegen die„Parteibon. zen" erläßt und sie ohne Beweis bezichtigt, eine Politik der persönlichen Bereicherung zu treiben. Da« Mißtrauen der Tschechen erfließt aus der fasci- stischen Gesinnung der Henleinleute, die Henle tu sagen und Hiller meinen. Di« Forderung Sandner». einander nicht die Schädel einzuschlagen, muß mai. richtig verstehen: e« ist die Fordemng en die sozialistischen Arbeiter, ihre Gesinnung zu verrate« und sich Henlein zu unterstellen. Dann wären sie belieb:, dann würden ihnen die Köpfe gestreichelt. Die Henleinfascisten werden aber alt und grau werden in der Hoffnung, daß sich dieser fromme Wunsch erfüllt. Schließlich wie- Genosse Kern nach, daß jene Gesinnungsakrobaten nicht das Recht haben, von unserer Partei Leistungen zu verlangen, die deren Erfüllung durch den unentwegten Kamps gegen die Sozialdemokratie selbst verhinderten(politische Fragen sind eben Machtsragen) und daß die Volksgemeinschaft nicht mit glatten Phrasen, sondern nur durch den Kampf gegen Unterdrückung und Ausbeutung, durch die Beseitigung der Klassengegensätze, die gleichbedeutend ist mit der Abschaffung der Armut, mit dem Sozialismus. Schluß Im Sturm Nachdem sich der stürmische Beifall der Arbeiter gelegt hatte, versuchte Herr Sandner, den die Hiebe Kerns offenbar sehr schmerzten, s o f o r t zu antworten. Er hätte solange geredet, daß e« dem kommunistischen Redner nicht möglich gewesen wäre, in der von Kern besorgten Entlarvung der Hen« leinbewegung und ihrer sauberen Anwälte fortzufahren. Die Arbeiter zwangen den Gekränften, sich wieder zu sehen und dem kommunistischen Abgeordneten H a d e k das Wort zu lassen, der die Verlogenheit und geistige Abhängigkeit der Heinlein- front von der Hillerpartei aufzeigte und nachwie», daß die Henleinleute dort ratlos und unfähig sind, wo es auf praktische Arbeit ankommt. Sandner begann fein Schlußwort mtt frechen Ausfällen gegen, die Sozialdemokratie und versuchte, den Vorwurf des Renegatentum« abzuschwächen. Dann beschimpfte er unter steigender Erregung und Empörung der Arbeiter Rußland, um über Deutschland nicht reden zu müssen und schließlich beschimpfte er die Arbeiter selbst. Seine Worte gingen bald in den Entrüstungsrufen der Arbeiter unter; mitten im Trubel löste der Regierungsvertreter dieVer- fammlung auf. Unter dem brausenden Gesang der„Internationale" verließen die Arbeiter den Saal. Auf der Straße standen noch immer Genossen, die nicht in den Saal hatten kommen können. So hat Sandner auch in Haida erfahren, daß die Bäume der SHF. nicht in den Himmel wachsen» daß Renegaten nach Verdienst behandelt werden und daß die Sozialdemokratie ein Gegner ist, dem dos Totsagen durch die Henkein- fascisten sehr gut bekommt. Uns dünkt» Herr Sandner wird noch oft schlechte Tage habe«. Stile 4 Lanning, n. September 1934 Str. 211 Rücktritt de» spanische« Ministerpräsidenten? L'cinisterpräsidcnt Samper, der wegen der außerordentlichen Spannung der innerpolitischen Lage sich-entschlossen haben soll, noch vor dein Zusammentritt der Corics zu demissionieren. ger Pause in erhöhtem Mähe die U. S. A. vertreten. Der Besuch aus der Schweiz, Holland und Polen hat diesmal eher etwas abgenommen. Nach Feststellung des Rachfragedienstes Ivar der Auslandsbesuch sehr qualitativ, ein Umstand, der sich vielleicht nicht einmal so deutlich auf der Miesse, als in dem zu erwartenden starken Nachgeschäft auswirken wird. Fast in allen Branchen wurden von ausländischen Einkäufern Bemusterungen vorgenommen und wertvolle Verbindungen angeknüpft. Auch das Effektivgeschäft für die Ausfuhr war gut. In billigeren Sorten wurden oft sehr grohe Posten abgenommen, In besserer Ware disponiert das Ausland vorsichtiger. Trotzdem rechnen aber die Aussteller, daß gerade in Qualitätsware grohe Nachbestellungen nach der Messe einlaufen werden. Die Uebersee- einkäufer schlossen schon während der Messewoche belangreiche Geschäfte in Waren bester Qualität ab.— Von groher Bedeutung für das Exportgeschäft erwies sich die Anwesenheit groher ausländischer Warenhäuser, die auf der Messe eigene Räumlichkeiten zur Verfügung hatten. Die europäischen Ein- kausszentralen amerikanischer Konzerne waren komplett vertreten. Wenn es unserer Industrie hier gelingt, ins Geschäft zu kommen— auf der Messe wurde» selbst sehr grohe Orders hereingenommen— kann dies für eine Reihe von Branchen viel bedeuten. — Auf der Messe kauften ferner Schweizer, holländische und französische Warenhäuser. Andererseits war die Kauftätigkeit bei den einzelnen Firmen nicht gleich. Unterschiedlicher Geschäftsgang war im allgemeinen, also auch für das Jnlandsgeschäft, auf der Herbstmesse zu beobachten. Das Jnlandsgeschäft war in einigen Exportbranchen zum Teil schwächer, in den übrigen Gruppen war es mittel bis gut. Sehr gut war die Messe wieder aus den deutschen Gegenden besucht. Für den Jn- landmart führt die Radiomesse, die einen Umsatz von 50 bis 60 Millionen Ui erzielte. Nach Angaben von Fachleuten geht rund ein Drittel des Gesamijähtesuntsätzes der Branche über die Prager Radiomesse. auf,__ WW bestehend aus drei Segelflugzeugen, die von einem Motorflugzeug geschleppt werden, eingetroffen. Der Zug hat eine Entfernung von 27.85 Kilo- m e t e r ni n n er h a l b 20 S t u n d en zurückgelegt» was für diese Art von Flug einenneuen Weltrekord bedeutet. Verbrechen aus Verzweiflung Ein Häusler verwundet eine» Exekutor. Bei dem Häusler Fr. Fiser in der Gemeinde Zrnmburk bei Kaplitz in Siidböhjnen erschien Freitag eine gerichtliche Exekntionskom- mission, die das HauS amtlich zu räumen hatte. Der Häusler Fiser schoß in großer Erregung dreimal aus einem Revolver auf die Mitglieder der Kommission, worauf er. mit einem Gewehr in den Wald flüchtete. Einer der Schüße traf den Polizeimann O p p e e l a, der schwer verletzt wurde und im Krankenhaus in Bühmisch- Krumäu einer Operation unterzogen werden mußte. Fiser tonnte bisher nicht sestgenommen werden. ASvnry Park(Staat New Jersey), 8. September.(Reuter.) Der amerikanische Dampfer„Morroeastle", 11.520 Tonnen, sandte S O S- R u f e, al» er sich etwa 20 Meile» südlich de» Sentia.Leuchtschiffe» befand. Der amerikanische Rational-Radiodienst fing die SOS-Rufe auf, die besagten, das; der Dampfer brenne. Weitere Verbindung war mit dem Dampfer nicht herzustellen. An Bord deS Schiffes befinde» sich 240 Mann Besatzung und 318 P a ff agiere. Der Dampfer sollte Henle um 8 Uhr früh im New Aorker Hafen nach einwöchiger Fahrt in dm kubanischen Gemässem eintreffen. Sämtliche Küstmwachschisfe eilen dem Tonipfer zu Hilfe. Auch fünf andere Schiffe, darunter der englische Dampfer„Monarch os Bermnida" sind auf dem Wege zu dem brennenden Schiffe. Die„Morroeastle" ist jetzt in der Nähe von Sandyhoik und der genannte britische Dampfer ist gegenwärtig 15 Meilen von ihm entfernt. Der Brand auf dem Schiffe dauert an. Dem Dampfer„Lmkenbach" gelang e», sich dem brennenden Schiffe zu nähern und einige Passagiere zu retten. Auch einige andere Schiffe befinden sich bereits in der Nähe der Unfallstelle. 14 Gerettete wurde» bereit» in Springlake bei Asbury Park an Land gebracht. In Springlale ist eine Fähre mit einem Schiffbrüchigen von dem brennenden Dampfer„Morroeastle" an Land gespült worden. Nach Erzählungen von Personen, die die Katastrophe überlebt haben, hat der Blitz an Bord des Dampfers cingescblagcn, als dieser 14 Kilometer von den Ufern des Staates New Jersey entfernt war. Als Alarm verkündet wurde, stand die Mitte des Schiffes bereits in Flammen. Da es nicht möglich war, durch die Gänge zu gelangen, um die Passagiere von der Gefahr zu verständigen, brachen die Matrosen von außen her die Ka b i n e n f e n st e r ein, um diePassagiere zu wecken. Die ersten Schiffbrüchigen, welche gerettet wurden, waren so erschöpft, daß sie keine klaren Mitteilungen' über das Unglück machen konnten. Der Kapitän des unglücklichen Dampfers, Wilmot, wurde, wie nachträglich mitgeteilt wird, gestern von einer He r z s ch w ä ch e befallen und starb noch, bevor der Blitz das Schiff traf. Einer der Schiffbrüchigen erzählte, daß das Schiff, als er infolge der Alarmglocke geweckt wurde und an Bord kmn, bereits in Flammen stand und gegen das entfeffelte Element nicht' gekämpft werden konnte. Wir versuchten zwar, die Flammen zu löschen, doch war die» vergeblich. Ich erinnere mich nicht, sagte der Schifsbnichige weiter,,> an Boid PassamH'e gesehen hghen^, wnrtzc/stxr Befehl gegeben, an der rechten Seite des Schiffes Rettungsboote herabzulasien. Ich glaube nicht, Dampfer bremrt auf hoher See Ein Blitzschlag— Hunderte Passagiere und Matrosen an Bord 'Die Weltrekorde Ro-ka«, 8. September.(Taß.) In Koktebel der Insel Krim ist ein„Flug-Zug", Exporterfolg der Prager Messe Jnlandsgeschäft: mittel bi» gut. Heute schließen sich die Tore der 20. Prager Herbstmesse. Den besten Eindruck erhielt man diesmal auf der Messe durch den guten Auslandsbesuch, der sogar besser als im Frühjahr war/ Während der sieben Besuchstage wurden Ausländer aus 43 Ländern(88 im Herbst 1083) gezählt. Zugenommen hat der Besuch vor allem aus Frankreich, den Nordstaaten, den baltischen. Staaten, Spanien und Italien. Erstmals trat in Prag auch Uebersee als Käufer auf. Es war Südafrika, eine ganze Reihe südamerikanischer Staaten, Australien, Indien, sehr stärk Aegypten,. Palästina, und seit lan- daß auf der anderen Seite sich irgendjemand gerettet habe, da der Wind die Flmnmen auf diese Seite trieb. Einiger Augenblicke suchten wir das Meer ab, doch war weit und breit kein Schiff zu sehen. Da» Schiff glich einer Frueresie und fchleu- derte Flammen nach allen Richtungen. Da» Schiffspersonal ist der Ansicht, daß die vielen Paflagirre deshalb um» Leben kamen» weil sie es ablehnten, die Rettungsboote zu besteigen. Die Passagiere, Männer und Frauen, widersetzten sich hartnäckig den Bemühungen der Motrosen, sie in die Boote zu bekommen. Den Reisenden schien der Gedanke furchtbar, daß sie, bevor sie in die Rettungsboot« gelangten, erst durch rin Flammenmeer dringen sollten. Die Besatzung hatte die höchste Zeit, die Rettungsboote auf Wasser zu lassen, weil in kurzer Zeit- alle verbrannt wären. 60 Tote und 73 Vermißte Rach den letzten Feststellungen kamen bei der Katastrophe 60 Personen ums Leben, 73 werden noch vermißt; 425 Personen haben das Unglück überlebt. Verschiedene Schiffe brachten insgesamt 40 Leichen in den Hafen, 20 Tote wurden vom Meer an da» Ufer geschwemmt. Einige Rettungsboote des Dampfers„Mor- rorastle" wurden durch Feuer vernichtet, bevor sie noch aufs Wasser gelassen wurden, und die Schiffbrüchigen stürzten in die aufgewühlte See oder sprangen selbst hinein. Der Hafendamm» an dem" die Landung der Schisfr, die de» durch Feuer zerstörten Dampfer im Schlepptau haben» erwartet wird, bildet den Schauplatz tragischer Szenen. Männer, Frauen und Kinder, deren Verwandte sich unter den Passagieren des Unglücksdampfers befanden, erwarten mit starrem GesichtSauSdruck bei ununterbrochenem Regen Nachrichten über ihre Lieben. ** ♦ Schiff mit 500 Mensche« gekentert Rochester(New Dort), 8. September.(Reuter.) Auf dem Geneß-Fluß kenterte ein Boot mit 500 Personen an Bord. Der Steuermann machte eine so heftige Wendung, daß die Mchrzehl der Passagiere von den Sitzen hcrausgeschleudert wurde. 50 Personen wurden verletzt. Das Unglück ereignete sich 12 Meilen vom Hafen entfernt, wohin RettungSkorps und Aerzte entsandt wurden, um die Ankunft der Verwundeten zu er- warten. Der Kapitän änderte knapp vor dem Hasendie Fahrtrichtung. deshalb,.-der. heftiger IWind wehte und das Schiff geriet'Lei Her Wendung. stark ins Schwanken. Nur zwei Reisende wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Die Rüstungs-Internationale Washington, 8. September.(Reuter.) I» der gestrigen Sitzung des Scnatsausschusies zur Untersuchung der. Lieferungen von Kriegsmaterial wurde ein Brief verlese», in welchem behauptet wird, daß ein britisches Rüstungs- n n t c r n e h m e n sich seinerzeit der Dienste von Frauen zweifelhaften Rufes bediente, um W a f f e n4 i c f t r u n n s auf» träge in der Türkei zu erhalten. Es handelt sich um einen Brief, den der amerikanischen Rii- ftungögefellschast„Driggs ordonance and enge- nccring company", Driggs, an seinen Agenten in der Türkei. Allen, richtete.„Das hat sich jedoch geändert, seitdem Kemal Pascha zur Regierung gelangt ist," erklärte Driggs in seiner Aussage. „Kemal Pascha hat dem allen ein Ende bereitet." Driggs crllärte weiter, das amerikanische KricgS- departement habe seiner Gesellschaft G e heimst län e für den Bau bestimmter Flicgcrab- w e h r g e s ch ü tz e zukommen lassen, um der Gesellschaft die Erlangung p ol n i s ch c r Aufträge zu ermöglichen, um die sich gleichzeitig auch eine englische Konkurrenzfirma, bewarb. Bisher habe jedoch weder die englische noch die amerikanische Firma einen polnischen Auftrag erhalten. TriggS fügte hinzu:„Unfere Gesellschaft unterhält hauptsächlich Handelsbeziehungen zu Polen, der Türkei, Griechenland und Dänemark. Rach der Türkei wurde im Jahre 1929 ein amerikanisches Kriegsschiff entsandt, welches den Behörden die Geschütze der Firma Driggs vorsüh- rcn sollte. Whrigc Finanzkonziprst Dr. Anton D v o k ä k ist in der Brünner Landeskrankenanstalt bald nach seiner Einlieferung seinen schweren Verletzungen erlegen. Schwer, verletzt wurden außerdem der 28jährige Finanzkommissär Dr. Franz Pospi- s i l, die 28jährige Franziska L ä t al und der 23jährige Karl P i i k r y l, leicht verletzt sind der 48jährige Kaufmann Jarosl. K n b i i e I, der 27jährige Finanzkommissär D. O Vasi- t c l und der Chauffeur Cern y.. Verursacht wurde daü Unglück durch zu spätes Abblenden der Reflektoren. Das Personenauto und der Lastwagen fuhren so start gegeneinander, daß beide Fahrzeuge vollkommen zertrümmert wurden. Die Arbeitsgemeinschaft für Natur und BolkS- kunde hielt am 2. September in R o I l e n d o r f ihre diesjährige Tagung ab. Die Berichte wiesen eine reiche Arbeitstätigkeit auf und zeigen, daß der Wissensdrang in der Arbeiterschaft in immer weitere Kreise dringt. Anton John, Wschechlab wurde neuerlich zum ersten Vorsitzenden gewählt. Die Administrative übernahmen Luprich und Klingohr, Aussig. Die auf die Tagung folgende Exkursion unter Leitung Lipsers, Türmitz, befriedigte alle Teilnehmer. Am Vorabend feierte die Sektion für Natur und Volkskunde der Ortsgruppe Aussig ihre zehnjährige Bestandsfeier. Der Ban brr Hydrozentrale an dar Waag. Wir haben utts in unserer Nummer vom 22. August- mit einer Zeitungsnotiz beschäftigt, die den Weg über die ganze Schriftleiterpresse der deutschen Provinz genommen hat und in der dem Ministerium für öffentliche Arbeiten vorgeworfen wurde, daß es den Bau der Hydrozenkrale an der Waag bei Ladca nicht der billigst offerierenden Finna, sondern einer um vieles teuereren Firma vergeben habe. Auf Grund der Erhebungen, die zu diesem Gegenstände durchgeführt wurden, teilen wir nun mit, daß die Firma, über deren Uebergchung Beschwerde geführt wird,'für die Vergebung der Lieferung dcstvegen nicht in Betracht kam, weil sie die Bedingung- der Offertausschreibung nicht erfüllte und insbesondere die in dem Offerte die für die Vollendung des Baues vorgcschriebene Frist nicht einhielt und ihre Kalkulation überdies auf Grund von Arbeitcrlöhnen machte, die niedri- g e r a l s die ortsüblichen Löhne sind. Doch ganz abgesehen davon-, tonnte die Vergabe der Lieferung an diese Firma nicht ersolgen, da die Firma, die mit der Durchführung der Lieferung betraut wurde, dem Staate Zahlungsmodalitäten einräumte, die ihr Angebot gegen- Da» schwere Autounglück»ei Briinn hat be-1über den Offerenten der anderen Firmen um reits ein drittes Todesopfer gefordert. Der 30-jrund 300:000 k ö günstiger gestalteten. TagcsnculgKcltcn Lohnabbau verderblich! Der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes in Genf, Harold Butler, kündigte auf dem britischen Gewerkschaftskongreß in Weymouth an, daß er auf der Tagung des Vcrwaltnngsrates seines Amtes Ende September die Vierzig- stundenforderung zur Sprache bringen werde. Zugleich betonte er, daß Lohnabbau kein Weg zur Lösung der Wirtschaftskrise sei und daß rechtzeitige Vorbereitung öffentlicher Arbeiten einen großen Einfluß darauf geübt hätte, die Krise nicht in so furchtbarem Maße austvachsen zu lassen. Der britische Gewerkschaftskongreß hat den Generalrat beauftragt, auf die Einführung der Vierzigstundenwoche in der Industrie ohne Lohnvcrringerung zu dringen. Die g es amte Arbeiterbewegung schätzt die wert* volle Arbeit des ATUS, Sichtbar soll das dadurch zum Ausdruck kommen, daß jedes Parteimitglied, jeder freie Gewerk schafter, jeder Sympathisierende im September das Jubiläumsabzeichen des Atus trägt. Acht Tote. Der Heizer des zweiten Zuges, der bei dem Zusammenstoß bei G t a s g o w zertrümmert wurde, ist heute gestorben. Tie Gesamtzahl der Toten beträgt daher acht. Auf der Spur eines langgrsmhten Mörder». Vor einem Jahr, am 21. September, wurde in seinem Theaterbüro in dem großen Varietc!-Un- ternehmen„Pallace" in Paris der Direktor des „Casino de Paris" und einiger großen Theaterunternehmungen und Pariser Stadtrat OScär Dufrene von einen: jungen Mann in Matro- scnkleidung ermordet. Der Mord und dessen Untersuchung versetzten damals die französische Oeffcntlichkcit durch Monate in Aufregung und erst jetzt gelang cs der Polizei, die Identität des Mörders festzustcllcn. Dem„Malin" zufolge ist der Mörder der 23jährige Abenteurer Paul Laboric, der bereits einigemal wegen Diebstahls und Sittlichkeitsdcliktcn vorbestraft ist. Der Mörder selbst wurde bisher nicht fejtgcnommen, aber man ist ihm auf der Spur. Ein Autobus in Köln stieß am Donnerstag abend mit der sogenannten Gürtelbahn, einer städtischen G ü t e r k l e i n b a h n. zusammen. Dabei wurden zahlreiche Personen verletzt. Sechs Personen mußten ins Krankenhaus gebracht werden; acht Personen konnten nach Anlegung von Verbänden in ihre Wohnungen entlassen werden. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Motorrad und Auto. In, dem Torf Docrenhaqen bei Paderborn stieß ein Motorrad in voller Fahrt mit einem Kleinkrafttvagen zusammen. Der Lenker des Motorrades war auf der Stelle tot, sein.Begleiter wurde schwer verlebt. Die Lenkerin des Kraftwagens erlitt bei dem Zusammenstoß einen schweren Schädelbruch, eine zweite Insassin kam mit leichten Verletzungen davon. Die beiden Schwerverletzten wurden in Paderborner Krankenhäuser überführt. wo sie in bedenklichem Zustande darniederliegen.- V«R»iiiiMlik Ueber die»Europastunde" mit der wir uns schon beschäftigen mußten, schreibt die„Prager Presse"; „Die bekannte Frage, ob Rekchenberg in der Tschechoslowakei liegt, wird wieder eininal aktuell, wenn man die Funkzeitschrift„Europastunde" zur Hand nimmt, die im Verlage Gebrüder Stiepel erscheint, der auch die sattsam bekannte„Reichenberger Zeitung" herausgibt. In dieser Funkzeitschrift, die sich als: Offizielles deutsches Organ des tschechoslowakischen Rundfunks(Radiojournal) bezeichnet und betont, daß„der tfchecho- flowakische Teil von der PragcrUrania (Direktor Dr. OskarFranll) geleitet wird", ist nämlich den tschechoslowakischen Sendern ein Raum von etwa 6 Seiten eingeräumt, während den reichsdeutschcn Sendern mehr als dreißig Seiten gewidmet werden, fein säuberlich nach Stunden geordnet, dainit der sudetendcutsche Hörer keine übcrflüffige Arbeit beim Suchen hat. Um der„Funkstunde" nicht unrecht zu tun: nach den reichsdeutschcn Sendern erscheinen auch— in je zwei Zeilen abgetan— die tschechoslowakischen Sender. So wird der sudetendeutsche Hörer zum Hören der— tschechoslowakischen Sender erzogen." Empfehlenswertes aus den Programmen: Montag: Prag, Sender L. 10.05: Deutsche Nachrichten, 17.50: Schallplatten, 18.20: Deutsche Sendung: Prof. Dr. Fürth: Ueber sogenannte Todesstrahlen, 18.52: Deutsche Presse, 20.55; Chansons aus Tonfilmen, 22.45: Deutsche Nachrichten. Junge deutsche Komponisten aus der Tschechoslowakischen Republik. Sender S.: 14: Konzert des Salonquartetts, 14.80: Deutsche Sendung: Bnnte Schallplattenfolge.— Brünn 17.50: Prof. Gajdezka: Rätsel des Süd-, poles, 20.55: Flötenvorträge.— Mährisch.Ostrau 15.15: Orchesterkonzert. 18.20: Deutsche Sendung: Arbeiters«»!: Kemler: Soziale Frage, 22.45: Tanz« musik.— Preßburg 12.80: Orchesterkonzert, 10,10: Unterhaltungsmusik, 21: Gesangskonzert.— Dienstag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 12,10: Schallplatte«, 15.15: Orchesterkonzert, 17.40: Schallplatte«. 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Weil: Wirtschaftliches Relief, 18.80: Oskar Baum: Halbe Stunde Hausmusik. Sender S.r 14.10: Italienische Chansons, 14.25: Deutsche Sendung: Dr. Rühle-Gerstel: Nervöse Schlaflosigkeit». 14.40: Operngesang.— Brünn 12.80: Orchesterkonzert, 18: Solo für chromatische Harntonika, 18.20: Sozialinformationen, 18.25: Deutsche Arbeitersendung: Fritsch: Kosmopolitismus.— Mähr.» Ostrau 22.45: Tanzmusik..— Kascha» 15.15: Lr«. chejtcrkoiizcrt. 18.80: Hygienesendung. Seite o’’ «r. 211 Sonntag, v. September 1034 PRAGER ZEITUNG Aus der Partei Vcrclnsnadiriditcn PRAG 3 Uh. Giftgas gegen feine Verfolger nörgeln, wie es irgendein obskurer Roman geschildert haben soll. Wir 1 sehen den unschuldigen Sträfling entfliehen, wir er» entlassen," in ihrem Wochen- bil» be. Selchwaren der Fa.HEGNER a Cie., PILSEN SIND DIE ALLERDESTEN I Verlernen Sie In Inder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER A Cie.. PILSEN Weecnlchmsesen, Magendruck, Verstopfung, regelwidrige GärungSvorgänge im Dickdarm, galliger Vundgeschmack, schlechte Verdauung, Kopfweh, Zungenbelag, blasse Gesichtsfarbe werden durch das natürliche„Franz-Josef"-Bitterwasser— ein Glas voll früh nüchtern— rasch behoben. Aerztl. empfohl. Rokambol Dieser französische Schauerfilm erzählt die Geschichte eines düsteren Schurken, der um einer Erbschaft willen ein Mädchen entführt, Schmuckstücke raubt. Unschuldige ins Gefängnis bringt und mit Besuchstage im Postmuseum. Das im ehemaligen St. Gabriel-Kloster in Smichov, Holeäkova, untergebrachte Postmuseum ist an Sonntagen von 14 bis 18 und an Wochentagen, mit Ausnahme Samstag, von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Ä tlLlllHCll IUIU, 1 Montag und 2 k bis 0 Uhr ak ©er Film Carioca Eine amerikanische, höchst amerikanische Film- Revue ist daS: mit einem wildgewordenen Tango namens Carioca, den hier sämtliche Exoten von Hollywood nicht Schulter an Schulter, sondern Stirn an Stirn in tollem Rhythmus und mit phantastischen Verrenkungen tanzen; mit einer in die Lust verlegten Galavorstellung, bei der Tanzgirls und Akrobaten auf den Tragflächen von Flugzeugen hoch über Rio de Janeiro agieren; mit einem Schlager„Wir fliegen nach Rio", den eine entfesselte Jazzband mehr, als einmal zum Besten gibt. Ein Trubel mit Ausstattung und tropischen Kulissen,— aber ein Trubel, der in Tempo und Technik stellenweise behexend ist.\ Der Regisseur Thornton Freeland hat hier einen der sichersten Reister inszeniert, den wir in letzter Zeit im Film zu sehen bekamen— und nicht einmal die unsäglich dumme Handlung, die einen Jazzmusiker nach einem brasilianischen Mädchen jagen und es dank der Grohmut ihres Bräutigams auch erobern lästt, hat ihn in seinem wohlüerechneten Elan nicht hindern können. Das brasilianische Mädche», das mit dem Jazzkapellmeister nach Rio de Janeiro fliegt(nicht ohne auf einer Insel notzulanden), wird von Dolores del Rio dargestellt, die schön wie immer ist und sich mit ihrer pointenlosen Rolle ebenso heiter wie mit. ihren; faden Partner abfindet. Noch heiterer freilich ist der Komiker Fred A st d i r t, ein körperlich und mimisch hinreistend beweglicher Komiker. BezirkSsrganisation Prag, der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei.(Bezirksvertretung): Sitzung am Montag, den 10. September, um 8 Uhr abends im Parteiheim.— Wichtige Tagesordnung.(Bezirksexekutive): Sitzung am Montag, den 10. September 1034 um 7 Uhr abends im Parteiheim. Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Wochenprogramm. Dienstag: %7 Uhr sich Parteiheim Besprechung der Kreis- und Gruppcnkasfiere.— S. I. Holle sch owitz: Fahrtenberichte und Diskussion.— S. I. Smichow: Heimabend.— S. I. Weinberge: Bericht vom Internationalen Jugendtreffen» in Lüttich.— 2. I. Zentrum: Lassalle-Feier.— Freitag: 7 Uhr im Ligahcim Zusammenkunft aller Zchncrgruppcn. Probe sür Kladno und für den Lagcrabend.— Samstag und Sonntag: Fahrt nach Kladno. Turnerinnen? Wer mit Gymnastik, Geräteturnen und Ballspiele seine freie Zeit verbringen will, der kommt jeden Donnerstag von 7 Uhr abends in unsere Turnhalle Prag II., Stöpan» ska 20. Neue Genossinnen sind immer willkommen. Frei Heil! Mitteilungen der„Urania 1" „Auf der Suche nach Atlantis." Groher Reise- Kulturfilm. Eine Reise zu den AntiNen und eine interessante Fahrt durch den Panama-Kanal. Einzige Vorführung: Montag, halb ü Uhr. Rindemachmittag. Der Märchenonkel spielt mit |euch Kindern eine lustige Szene:„Die vcr- kehrte Welt" oder:„W enn Eltern in die ^Schule gehen",„Tischlein deck dich" und andere lustige Kinderfistne. Mittwoch halb Uranio-Kino. „Marie aus moralischen Gründen ID e u t s ch e Premiere. Annabella . grössten Film. Als Beiprogramm: tschau und der Kurzfilm„Franz L i s z t".— Vorführungen heute, Sonntag halb 8. halb 5, halb 7, halb 0 Uhr. Klimen ska 4, Fernsprecher 61628.— („Ser Weg nach Rio". Künstlerischer Film. Maria Solveg, Oskar Marioni. Falkenstein. Ein» (zige Vorführung heule halb 1 l Uhr. Halbe Preise. Genossinnen, Genossen I Beugt bat durch die Berufsarbeit ratstehenden Schäden vor! Schafft Eure« Kindern, dir täglich stmtdenlang in der- Schulbank sitzen müssen, den nötigen Ausgleich durch systematisches Tunten. Kommt zu unS, schickt Euere Kinder zu uns in de« Art»eiter-Turn- und Sportverein Prag FEUER*. EINBRUCH*. STURZ*. SPRENG- UND SCHNELZSICHERE „AJAX“* PANZERKASSEN EritklMain«ad bewahrt« KonatrukUon- Priorn Zeugnisse ater erfolgtoee Elnbruohsvereuohe Feuer« und. diebessichere Bücherschränke, geheime Neuerschrlnkchen, Geldkassetten usw. PANZERKASSEN- UND KASSETTEN.FABRIK 3oh. Otto Großer, Bodenbach a. E. j GEGRÜNDET 1907- PRIMA REFERENZEN- MEHRFACH PRÄMIIERT Mdmnsfb AluldouL«. Leitender Arzt Br. A.(taute W-S« Phys, diätet. Heilanstalt für alle inneren«. Stoffwechselkrankheiten, rheumatische Erkrankungen, Ischias, Nervenkrankheiten Prospekte 8 u. Auskünfte durch dl« Verwaltung. Telefan 32 ? E»« gsbed 1« au« gen: Bei Zustellung inS HauS oder bet Bezug durch die Post monatlich ftä 16.—, vierteljährig Xö 48.—, halbjährig ftö 06.— ganzjährig Kd 102.—.— Inserate werden tat Tarif billigst berechnet. Bei. öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendiina der Retourmarkeu.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post, und Telegraphendirektion mit Erlast Nr. 18.800/VH/19Ü0 bewilligt. Druckerei:„Orbis". Druck- Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag. Wochenspiclplan des Neuen Deutschen Theaters. Sonntag halb 8 Uhr:„Der Vogelhändler". (A 2).— Montag, 8 Uhr: Werbekonzert. (Abonn. aufgehoben).— Dienstag, halb 8 Uhr: „Othello"(A 1).— Mittwoch, halb 8 Uhr: „Don Carlos" von Verdi(neuinszeniert, B 2). — Donnerstag, halb 7 Uhr:„O t h e l l o"(Werbe vorstellung für Schulen, Abonn. aufgehoben).— Freitag, halb 8 Uhr:„Othello"(D 1).— Samstag, halb 8 Uhr:„Der Bogclhändler" (Werbcvorstellung der Serie C 1). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag, 8 Uhr:„Trost und Lobby".— Montag ge schlossen.— Dienstag, 8 Uhr:„Bunbury".—irr"--- Mittwoch, 8 Uhr:„Hedda Gable r".— Don- leben die Untaten des BosetvtchtS und die Rache sei- nerStag, 8 Uhr:„Trost und Lobby".— Frei-» c8 Opfers, wir nehmen das schreckliche Entzx des tag, 8 Uhr:„Bunbury".— SamStag, 8 Uhr: B-rbrech-rS zur Kennt,ns und die Entdeck»«« der Trob und Lobbv" Erbschaft, die er nicht in seinen Besitz bringen konnte. 0" Und wir müssen dabei endlose Dialoge hören, unbe- ' holfene Schauspieler agieren sehen und unS über durcheinander gerate Bilder den Kopf zerbrechen. Es ist nicht einmal— wie sonst bei Schauerfilmen-— zum Lachen. iMWll-stM mit besonderer Triebkraft und höchster Halt* Parkett, garantiert reines Maismehl und feinsten rekt, als auch donat. Spiritus liefert Bejilaer Zucker-, Spiritus- und FreOhefe-Fabrik vormals Brüder A. t H. May A.-G. Olmüta-Hojtla. 1835 Sport• Spiel• Körperpflege PropagandaStafettenlanf der Prager DT2 AtuS Prag am Start Heute, Sonntag, findet, veranstaltet von der DTJ Prag. I und V, ein Stafcttenlauf durch Prag statt. Der Start erfolgt um 8 U h r nachmittags beim S i a- H a u s und das Ziel ist der Sportplatz auf der H e tz i n s e l. Dieser Mannschaftlauf(sechs Läufer) wird in zwei Kategorien durchgcführt. Folgende DTJ-Vereine iverden am Start sein: Zijkov, Prag I und V, Weinverge, Prag VII. Libcn, Tlustovousy. Außerdem wird auch der Prager AtuS vertreten sein, dessen Mannschaft gewiß einen guten Platz erringen wird. Die leichtathletischen Enropa- Meisterschaften in Turin brachten int Finale der Speerwerfer einen neuen Weltrekord mit 76.66 Mieter, den der bekannte Finne Matti Järvinen aufstellte.. Die Finnen waren auch die erfolgreichste Nation des ersten TagcS; sie erzielten in fünf Endkämpsen drei erste, zwei zweite und zwei dritte sowie einen sechsten Platz. Die 1800 Meter(Finale) gewann 8er Italiener Bcccali in 8:54.6 vor Szabo(Ungarn) 8:55.2 Min. Der Pole Knsocinski kam mit 8:50.4 auf den fünften Platz.— Im Hochspr u n g besetzte KotkaS(Finnland) mit 2 Meter den ersten Platz. Ihm folgte Halvorsen(Norwegen) mit 1.07 Meter.— Das Stabhochspringen gewann Wegner(Deutschland) mit 4 Meter vor Ljundberg' (Schweden), dertbepfallö.4 Meter erreichte.— Int. Speerwerfen gab cs für"den Finnen Jär-. vinen keine ernsthafte Konkurrenz, er erzielte 76.66 Meter(neuer Weltrekord). Den zweiten Platz besetzte der Finne Sitpilä mit 60.07 Meter.— Den Lauf über 1 0.0 0 0 Meter geloann der Finne Salmincn in 81:02.6 vor seinem Landsmann ASkola 31:08.2 Min. Der Weltrekordlcr Nielsen(Däne- mark) besetzte mit 81:27.4 Min. den dritten Platz. Hron(Tschechoslowakei) kant auf den achten Platz. Deutsche Syring gab auf, als er sah, daß nichts zu holen sei.— In den Vorläufen über 400 Meter erzielte Knknicky(Tschechoslowakei) mit 40.2 Sel. zwqr einen neuen tschechoslowakischen Rekord, kommt aber als Dritter nicht ins Finale. Konst und Wissen Neue Ausstellungen Die Saison hat nun auch im Bereich der denen Künste— mit zwei Ausstellungen— gönnen. r Die eine im Manes beherbergt Belgrader Künstler, die sich unter dem Namen„Oblik" zusammenfassen. Die hier versanuneltcn Künstler zeigen in ihren Werken immer noch die Nachwchen des Weltkrieges, diese expressionistisch und genial hingehauten Erinnerungen einer überstandenen SchrcckenSzeit und dies ungläubige Hinsehen auf die Möglichkeit einer besseren Zukunft. In einigen Farben— schwarz, braun und rosa— enthüllen sich so leidcn- schaftlichc Talente und bringen einem Namen nahe, oie man bis heute nicht kannte; so die eines Hüter, Strala, Koujovik, Popovik, Scrban und Bijclii. Die beiden Plastiker: Pallavicini und Stijovic sind bereits über die Grenzen ihrer Heimat bekannt und man freut sich, etwas von diesen beiden wahrhaft begabten Künstlern auch in dieser Ausstellung vor- i zufinden. Im„Kunstverein für Böhmen" tut sich, eine MonstreauSstellung auf, veranstaltet von der Bereinigung bildender Künstler Schlesiens und dem Kunstring Ostrau. Schade, daß man unter dem Zu-' viel des Ausgestellten fast den Blick für das'Gute verliert. 28 Künstler beurteilen zu müssen, wäre ein Wagnis und der Eindruck verwischt sich ja auch so schon genüg, wenn- man sich nur auf Einiges, Hervorspringendes, beschränkt. Die Bildbauer, einigermaßen gut vertreten durch den Architekten Witte! aus Jägerndorf, Fritz Schiller und Mallener, sind nicht besonders erwähnenswert. Dagegen erfreut man sich an einigen wirtlichen Talentansähen unter den Malern. Hcrvorgehöben sei Josef Hruby, ein Aquarellist, Dr. Otto Mlkoch, dessen Prädikat „Außenseiter der Malergilde" heißt, der aber gerade deswegen eine ungemein fesselnde und anziehende Maltechnik und ein ungemein lebendiges und sensibles Empfinden in seinem Werk offenbart.. Otto Barans Stilleben erfreut, desgleichen Leo F i tz und Gröger. Paul Gebauer, ein Zeichner von Ruf, wartet auch mit einigen Zeichnungen auf; von der jüngeren Generation entzückt Harrer, frappiert Zihlarz und beruhigt Otto Gebauer. Jeder dieser Zeichner ein Temperament, so daß es erscheint, als ob unsere heimischen Künstler gerade in der Zeichnung ihr ureigenstes Betätigungsfeld gefunden haben. Aller in allem genommen, wäre vielleicht weniger mehr gewesen. Aber es läßt sich, auch aus dieser Ülnzäht vom Werken doch noch irgendein länger haftender' Eindruck herauSkrkstallisieren.'' R. F. „Bunbury(Ernst sein ist alles)". Oscar Wildes ein wenig verstaubte, aber wie das Exem- pel bewies, doch noch immer bühnenfähige Komödie kam als dritte Novität der Kleinen Bühne heraus. Herr Götz hat in dankenswerter Weise die sozialkritische Seite, die Ironie und die satirischen Seitenhiebe, die auf die englische Society zielen, scharf her- auSgearbcitet und das rein Schwankniäßige zurückgedrängt. So gewinnt die Geschichte— deren Stoff allerdings als Thema einer ironischen Komödie so dankbar ist, daß noch Georg Kaiser in„Kolportage" noch vielfach von ihm profitieren konnte— einen Beigeschmack von Aktualität. Der witzige Dialog ist selbstverständlich unvergleichlich besser als tn sämtlichen zeitgenössischen Stücken dieser Art und noch die simpelsten Späße und die gewollt übertriebenen Geistreicheleien verraten doch das Genie, das zu der Zeit, da„Bunbury" entstand, noch so glücklich war, daß es glaubte, mit den Hyänen der englischen Gesellschaft spielen zu können. Sie haben ihm nicht verziehen, dast er«S Wagte, ihnen das Fell gegen den Strich zu streicheln, und haben sich für dies und anderes furchtbar gerächt.— Gespielt wurde leicht und liebenswürdig, also wirtlich stilecht und mit der nöttgen Knappheit. Herr Götz spielte in seinem Element. sozusagen„seine" Rolle, die zugleich typischeste Wilde-Figur des Stückes, den Mr. Moncrieff, der so geistreich spricht, daß er es selbst nur versteht, wenn er gut zuhört. Sein Partner Egon von Jordan ist ein eleganter und zweifelsohne versierter Bonvivant, der nur am Anfang ein wenig befangen und darum zu unruhig in der Mimik schien, von den neu engagierten Damen stellten sich vor: Dolores Moneasi mit intelligentem, sicher pointiertem Spiel, vielleicht ein wenig zu mondän nicht für die Rolle der Gtvendolyn, aber für manche andere, die sie wird sicher spielen müssen, und Valerie Schneck, sympathischer Jungmädetiyp, über die mehr auszusagen verfrüht wäre. Ausgezeichnet Lotte Stein als Lady Bracknell, eine scharf um« riffene Karikatur der Gouvernante Frl. Warnholtz. Die Herren Dudek, Stadler und Bauer bewährten ihre beim Publikum und der Kritik akkreditterte Kunst, auch kleinen Rollen Farbe und Leben zu verschaffen.. e. f. Ne Prager Rundiunh * Das Verlangen nach Volkstümlichem beherrscht das Leben der Gegenwart.^Der Väter Hausrat kommt zu neuen Ehren; man hat die Ehrwürdigkeit der Sitten und des Brauchtums von ehedem entdeckt — wohl im ganz richtigen Gefühl dafür, daß’mll Heutigem nicht viel Staat zu machen ist. Altes Lolksliedcrgut wird ausgegraben; man hebt die naiv heiteren und primitiv fröhlichen Gsangeln mit all den Würzlein, trägt sie ins Gärtchen am HauS und läßt sie nun so fortblühen zur Erbauung und Belehrung. In solche gutmütige Pflanzerbeschaulichkeit gehört die samstägige Hörfolge aus dem Eger- land, die— von A. Zuber zusammengestellt— den Lautensänger Hans Lohberger, den mundartlichen Spaßmacher Karl Bachmann und den Loltsliederchor T h a m m des Sängerbundes Fran- zensbad mehr ausgiebig als künstlerisch bedeutungsvoll beschäftigte. Sie stehen zu wahrer Heimatkunst etwa im gleichen Verhältnis wie die Familienforscher zur Kulturgeschichte, tun aber im Grunde niemandem weh und manch einem was Liebes. Am Sonntag hörte man über Liblitz einen Kundfunkquerschnitt aus der Bauerntragödie„Der Huchenhof" von W i I d n e r. Ja, dieser Bauernhof liegt schon recht abseits von der besinnlichen Heimatfriedlichteit: sein Platz ist dort, wo der Weg aus blümeligen Wiesen hineinführt, in die trotzige Einsamkeit schicksalhafter Menschen, deren Wollen und Müssen mit dramatischer Leidenschaft gcgen- einandersteht, einen Kampf um Leben und Tod auS- zutragen. Hier wurzelt die Volkstümlichkeit echt und wetterhart in heimatlicher Erde; die ins Ewige geschriebenen Gesetze stehen über ihr, unabänderlich de- stimmcnd! Aus gleichem Boden wächst— soweit man nach dem Bruchstücke in der Piontagssendung urteilen darf— Bruno Hans Wittels Roman„Die Heimkehr des Andreas Loschner". Pom selben Dichter hörte man noch Proben einer ttef empfundenen wortschönen Poesie. Der Rundfunk hat bestimmt viele Hörer veranlaßt, sich mit beiden heimischen Lichtern durch die Lektüre vertraut zu machen. Sehr wertvolle und beachtenswerte Anregungen gab Schriftleiter Max Horner zum Probleme der stremdenverkehrsorganisation.— Eine wahre Er- bauungS-Halbftunde brachte Liblitz am Dienstag mit der Uebertragung des dem 110. Geburtstage des KeisterS gewidmeten Vortrage„Bruckner und Böhmen" von Dr. H i e b s ch und der anschließenden Aufführung deS langsamen Satzes aus dem Quintett in F-Dur durch das Ondriiek-Quartett,- das mit weihevoller Inbrunst musizierte. Am Mittwoch berichtete in den aktuellen zehn Minuten Dr. Hermann Grab über den Prager In« temationälen Philosophenkongreß, der am Moittag durch einen ungemein festlichen Akt eröffnet wurde, wobei auch Unterrichtsminisier Dr. Ä r t n\a r und llustemnintsS^'Dr. B e n e-i BegrüßungSarisprachen an die Kongreßteilnehmer hielten. Am Montag stand im Mittelpunkt der Diskussion daS Problem der »Grenzen naturwissenschaftlicher ErtenntniS". Der Mite Tag brachte eine außergewöhnlich stark poli« tische Debatte, zu der die Grundlagen der heutigen Verhältnisse in Deutschland daS Motiv lieferten und hei der die Fragen der Demokratie und der autoritären Staatsform in heftigen Reden und Gegenreden diskutiert wurden. Der Mittwoch gehörte dem Thema„Religion und Philosophie". In der Arbeitersendung sprach Genosse Dr. tzrügel über die„Sozialpolitische Bilanz des Bergarbeiters", die alle jene Errungenschaften verzeichnet, die dem Wirken des Genossen Dr. Ezech im Ministerium für öffentliche Arbeiten zu danken sind. Ausgehend von der Katastrophe im Nelsonschachte und hinweisend auf die erschreckende Statistik, die im Jahre 5000 bis 7000 Todesopfer bei Grubenunglücken zählt, betonte Genosse Brügel die Wichtigkeit der von Czech durchgeführten Neuorganisation des GrubeninspektionsdiensteS, der bisher nur den Bergbehörden Vorbehalten war, die diesem Dienst wegen Ueberlastung nicht gewachsen waren. Nunmehr wurden eigene Jnspektionsabteilungen bei allen Revierämtern und eine Reihe Zentralberginspektorate errichtet, die in jedem Jahre einen ausführlichen Besicht an die Nationalversammlung zu geben haben Lehr bedeutsam ist die Einstellung von Inspektoren aus der Arbeiterschaft, die vom Staate ernannt und honoriert werden. Die Kontrollrechte der Betriebsräte wurden erweitert, SicherheitSkommis- fianen wurden geschaffen; der Wirkungsbereich der Schiedsgerichte wurde auf alle. Arbeiterkategorien ausgedehnt, die UnfallschiedSgerichtSbarkeit wurde vorteilhaft reformiert, die Kollektivverträge erfuhren sine wesentliche Sicherstellung. Man darf sagen, saß in sechs Monaten mit angestrengtester Kraft daS Möglichste geschehen ist, um daS Leben der in der tzrube schaffenden Menschen zu sichern und ihrem Haseln wesentliche Erleichterungen zu bringe«. Die Sozialinformationen gaben Eduard kchramm die Gelegenheit, über staatliche Bauförderung zu sprechen und dabei auf Steuerbefreiung, siaatliche Baulose, Steuererleichterungen bei Reparaturen, Bürgschaft für Bauhypotheken und ein- bis vierprozentige Baubeiträge hinzüweisen. Die staatliche Bauförderung hat eS ermöglicht, daß eine große Zahl Einfamilienhäuser und städtischer WohnhauS- tauten die Wohnungsnot lindern konnten. Die Donnerstagsendung brachte einen auserlesenen Genuß: Hilde Konetzni vom Deutschen Theater in Prag sang mit seltener Stimmkultur und restloser Ausschöpfung deS musikalisch-poetischen Gehaltes„Mädchen- und Liebeslieder" von Brahms und Dvökak. Kapellmeister Schick war ihr mitfühlender Begleiter. Eine Störung schaltete unseren„Goethe- plan" leider von derFreitag-Sendung aus und nahm nn» damit auch die Arbeitersendung weg. Am Vormittag hörten wir in der Schule die Eröffnung des »irrjährigen SchulftmkS... leider sehr verkürzt in tat vorhergesagten Programm. Die auS Vorbesprechungen geschöpften Erwartungen wurdest sehr ent- täuscht.- Ernst Thön er. «ctte B|.„Sozialdemokrat*'«»mttaz, 0- Septemder 1034. M. 211 Unseren MßDen! Unsere Konkurrenten betreiben von neuem die Ausgabe eines Gesetzes zur Auflassung der Reparaturwerkstätten. Es Ist dies ein Versuch zur Verteuerung der Schuhe und Reparaturen. Das Ist ein Angriff auf Euch und Euere Lebensbedingungen. Wehret Euch! Wir Oberreichen der Regierung eine Protest-Petition. In allen unseren Verkaufsstellen haben wir Listen zur Unterschrift auffliegen. PROTESTIERET mit Euerer Unterschrift gegen die Auflassung der Reparaturwerkstätten, gegen die Verteuerung der Reparaturen!-