14. Zahrgang Mittwoch, 12. September 1934 Nr. 213 lEHTRAEORSAH DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK BndMM70'lM> («ImchlteNteh>UiMn h*| ERSCHEINT MIT AUSNAHME OBS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Kto AKTION UNO VERWALTUNG PRAG XII.,K>CHOVA42.TEUROMaa?. AOM4MMMANONM0O««-SW4. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. CHEREOAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, HUG. Das Befinden Masaryks Ein amtliches Bulletin (Prag.) Amtlich wird gemeldet: Der Präsident der Republik wurde, wie bekannt, in der Meilen Hälfte des Monates Mai von einer Seh» stdrung betroffen, die— wie es damals schien— durch einen Aderkrampf im äußeren oberen Segment der Retzhaut des linken Auges verursacht Wurde. Im weiteren Berkaus der Krankheit, die sich innerhalb von vier Wochen sehr gebessert hol', morde ermittelt, daß die Ursache derselbe» funk» Üinelle, dem hohen Alter entsprechende Berände- rongen der zarten, in dem erwähnten Felde der Retzhaut endigenden Arterie» sind. Bi» Mitte Juli hatte sich daS Sehvermögen sehr gebessert. Die OrientierungSfühigkeit des Gesichtes hatte erheblich zugenommen, doch begannen sich Anzeichen dmdzulnn, dass ähnliche Veränderungen, wie in der Netzhaut, auch in einigen Endverästelnngen der einen Teil der Hirnrinde der linken Hemisphäre versorganden Arterien vor sich gehen. Pie Symptome steigerten sich, bis sich schließlich »er Prozeß durch beschränkte Bewegung der Finger der rechten Hand bei aufrechtrrhaltener Be- megungSfähigkeit' der Muskulatur des rechten sinne» und des SchultergeflrchtS bemerkbar «achte. ES Ist klar, daß die physiologischen Berände- nmgen der Hirnschlagadern nur einen ganz be» schränkte» Hirnrindenbezirk erfaßt haben, da» ist da» Zetrum sür die Innervation der rechten Hand. Symptome, die für ähnliche Berändrrungen in der Rmgebung diese» begrenzten Bezirke» zeugten, losrvr zwar gegen Mitte August dreimal schwach aofgetrete», verschwanden aber wieder, da st« rffenbar nur sekundäre Symptome waren. LebenSgefährdende Krankheitsveränderungen sind während der ganzen Zeit' der Erkrankung richt aufgetreten, die Fähigkeiten de» Intellekt» haben nicht gelitten, da» gesamte körperliche Befinden und da» Aussehen sind gut. Der Schlaf und »er Appetit sind gut, die täglich einmal oder zweimal erfolgend« Ausfahrt per Wagen in den Wald bringen die erforderliche Erfrischung. Lantz, am 11. September 1934. Dr. Adolf M a i r n e r m. P. Prof. Dr. P e l n ä k m. p. Teuere Diktaturen für das Staatsbudget pro 1988, sodann erstattete»| die einzelnen Referenten Bericht über die Angelegenheiten, die ihnen der Ausschuß vor den Ferien I übertragen hatte. Es wurde über Schul^ra-j gen, über den Handel mit Kohle und Naphtha, über produktive Arbeitslosenfürsorge mit Rücksicht auf die autonomen. Finanzen und über die.staatlichen Bress eunternehmungen verhandelt. Außerdem wurden eine Reihe von ans dem Publikum eingetroffenen Beschwerden erledigt. Der i Ausschutz wird jetzt wiederum ständig tagen.. j ■ Keine Reaktivierung jvirgrrer Eisenbahner. Das Eisenbahnministerium teilt mit Bezug auf die Meldungen einiger Blätter über die angeblich beabsichtigte Berufung jüngerer pensionierter Angestellter der Staatsbahnen in den aktiven Dienst mit, daß es diese Absicht n i ch t hat und datz so-' mit die in einigen Meldungen aus ungenauen Informationen gezogenen Schlüsse den Tatsachen nicht entsprechen. RAttwack 12."rptlMbtr 1984 Weite 8 Ole Jubiläumsfeiern des ATUS im September sind auch Feiern der Partei, der freien Gewerkschaften und aller proletarischen Kulturorganisationen. Traget alle da* Festabzeichen das ATUSI Einladunsstelegramm Mehrtägige Verhandlungen In Sicht (Genf.) Bei Minister Dr. Vene» al» de» Präsidenten des Bölkerbnndrate» kamen mehrer« Staatsmänner und Diplonurten zusammen, nm die Vorbereitungen zum Eintritt Rußland» in den Völkerbund zum Abschluß zu bringen. Außer dem britischen Außenminister Sir John Simon nahmen an der Konferenz auch der Vorsitzende der VölkerbundSversammlung, der schwedische Außenminister' Sandler, der französische Delegierte M a s s i g l i, dar italienische Delegierte V i a n- ch r r i u. a. teil. ES wurden folgende drei Aragen verhandelt t 1. Tert der Einladung an Rußland; 2. Allfällige Antwort der Sowjetregierun»; 3. Prozedur betreffend die russische Frag« in der Bölkerbundversämmlung. Ueber diese drei Fragen kam e» zu einem neuerlichen Meinungsaustausch, wobei«in« w e i- tere Annäherung erfolgte. Schwierigkeiten bestehen jetzt nurmehr in Detail» der Hauptfragen, die im Prinzip bereit» positiv erledigt wurden. Hava» meldet hiezu: ES scheint, daß zur Beseitigung der Einwendungen einige formaleAenderungen genügen werden. Einige Länder, die zwar im Wesen für den Eintritt Rußland» in den Völkerbund sind,«le Australien und Kanada, erheben nämlich Einwendungen. Diese Länder wollten da» Telegrammnichtnnter- schreiben, durch da» Rußland nach Genf eingeladen«erden wird. Die definitive Redigierung dieser Depesche wird«och einige Tage erfordern. Litwinow wartet nur noch auf die Einladung Der Genfer Berichterstatter de»„Jntran- sigeant" erwartet, datz Gowjetrutzland bereit» am noch strittig GamStag, spätesten» am Montag in den Völkerbund ausgenommen sein wird. Litwinow habe bereit» Marienbad verlassen und warte die definitive Entscheidung in dem französischen Bade E v i a n äb. Die Sowjetdelegation sei bereit» zusammengesetzt und warte nur auf da» Zeichen zur Abreise. In Genf seien für sie im Hotel„de la paix" bereits Zimmer reserviert. Der geschäftige Schuschnigg Mittwoch eröffnet die Bölkrrbundsversamm- lung di« allgemein« Debatte und man erwartet mit besonderem Interesse die Erklärung dr» österreichischen Bundeskanzler» Dr. Schuschnigg. In den Couloir» kursierten Gerüchte, daß dies« Kundgebung die Aubsprachr über da» politische und wirtschaftliche Problem Oesterreich» eröffnen könnte. Di« Stunde de» Zusammentritte» der Völ- kcrbundSvcrsammlung ist noch nicht festgesetzt. Die österreichischen Staatsmänner und Diplomaten entwickeln eine eifrige diplomatische Tätigkeit, die auf die Lösung de» österreichischen Problems abzielt. Bundeskanzler Dr. Schuschnigg hält zahlreiche Beratungen mit dem italienischen Delegierten Baron Aloisi ab, der österreichische Finanzminister Dr. Buresch hatte eine Beratung mit dem französischen Finanzminister Germain Martin. Baron Aloisi hatte nach den Beratungen mit Bundeskanzler Dr. Schuschnigg eine Zusammenkunft mü dem französischen Außenminister B a r t h o u, mit dem er über die mit Oesterreich zusammenhängenden Fragen beriet, a Der österrdchische Außenminister Ver- ger-Waldenegg stattet« DirnStag nachmittag Minister Dr. Bene» einen Besuch ab. Die beiden Staatsmänner schritten zum ersten Meinungsaustausch über die di« beiden Staaten interessierenden Fragen. Ha Chrlstllchsozialer droht uns mit dem Galgen l „Die Kirche betet tlgllch um Ihre Vernichtung** Wir erhielten dieser Tage eine in P r a g gestempelte Postkarte, deren Absender wütend ist über die.auch von un» abgedruckten Enthüllungen über die"b. rutsch« EÜ st f t r ü st üngen und seinem christkatholisch-hitlersudetenbeutschen Herzen in folgender Weise Lust macht: „Gottlob sind nur einige jüdische Schreibfüchse hirnverbrannt, denn die Arbeiter glauben ja an diese Dummheiten nicht mehr. Al» stüherer Parteigänger habe ich unter meinen Bekannten durch Anfragen gemerkt, daß fast 98 Prozent nicht mehr Ihre verbrecherischen, deutschfeindlichen Hetzereien mitmachen. Auch an Sie kommt noch einmal die Reihe, aber von Ihren eigenen einstigen Anhängern werden Sie die wohlverdiente Strafe erleben, schonungslos wird Gott, der e w i g Gere ch t e, auch Sie noch finden. Oesterreich hat e» bereits al» 2. Staat erlebt, die Tschechen merken es auch schon. Unser« Kirche b«1«t täglich um Ihre Vernichtung zu« Wohl« der Christenheit. Wir haben in der christlichsoziale» Partei genaue Auf- zeichnnngen über Ihre Lumpen, e» kommt noch die Zeit, wo wir mit Euch abrechnen, aber dann der Galgen. Ausnahmsweise und zum Unterschied von jenen, die auf Postkarten schimpfen und verleumden, ohne ihren Namen zu nennen, hat der Schreiber diese» Pamphlete» nur auf halbeAno« nymität Wert gelegt. Die Rückseite der Postkarte sieht nämlich, was den Text anlangt, so auS: /*k*j£A* , hin. Noch im Jahre 1027 habe die ErwerbSsteuer- ' grundlage für da» gesamte Schuhmachergewerbe nur 1.8 Millionen betragen, im Jahre 1983 jedoch allein bei Baka über 4.6 Millionen. Dabei sei der Steuer» Iertrag der restlichen Schuherzeugung nicht gesunken, ein Zeichen, daß die Entwicklung diese» Gewerbe»"eine gesunde sei. Nicht zuletzt weist endlich die Petition darauf hin, daß am meisten die Bevölkerung darunter leiden müßte, daß die l-chuhreparaturen verteuert würden, und namentlich die sozial schwachen Bevülkerungsschichten^ für, die di« Möglichkeit billiger Reparaturen direkt eine Lebensfrage sei. Die tragische Bevölkerungsbilanz des Sudetendeutschtums im 4. Krisenjahr Zn 1v von 24 deutschen Städten Böhmen» nimmt die Bevölkerung ab! Katastrophale Entwicklung gegenüber dem Vorjahr Die. vom Statistischen Staats» a m t publizierte Bevölkerungsstatistik für das vergangene Jahr 1983 enthält eine Reihe interessanter Details. Zunächst ergibt sich eine sehr bemer» kenSIverte bevölkerungSpolirische Verschiebung in der Richtung, datz der Anteil der städtischen B e v ö l k e r u n g in ständigem starkem Ansteigen begriffen ist. Gegenüber dem Jahre 1928 hat die Gesamteinwohnerschaft der größeren Städte(mit über 10.000 Bewohnern) nm eine halbe Million zugenommen, wogegen die kleinen Gemeinden(unter 10.000) eine Abnahme um 18.678 Seelen verzeichnen. In den 104 größeren Städten unseres Staates lebten im vergangenen Jahr 3,486.009 Menschen, in den kleinen Gemeinden 11,821.025. In dem erwähnten Halbmillionenzutvachs der ersten Gruppe und der Abnahme in der Kategorie der kleinen Gemeinden spiegelt sich die auch anderweitig belegte Erscheinung derzunehmendenLand- flucht mit allen ihren Konsequenzen. Die Zunahme der städtischen Bevölkerung hat auch sehr ernste bevölkerungspolitische Folgeerscheinungen. Ein Blick auf die Bevölkerungsstatistik zeigt, daß der Geburtenüberschuß der größeren Städte für 1983 im gesamtstaatlichen Durchschnitt nur 0.81 auf 1000 Einwohner beträgt, während die Kleingcmeinden I vor allem also das Dorf) einen Ueberschuß von 6.81 per Tausend ausweisen, welche Ziffer allerdings auch schon einen vorher nie erreichten Tiefpunkt bedeutet (1930 betrug diese letztgenannte Durchschnittsziffer 10.16k). Die sudetendeutsche Bevölkerung ist bekanntlich zu einem weit höheren Prozentsatz in größeren Städten ansässig, als die tschechische, woraus allein schon auf ungünstige Zuwachsziffern zu schließen wäre. In dec Wirklichkeit ist aber die Entwicklung der Population in den beut« schenStädten noch weit ärger, als die angeführten Durchschnittsziffern vermuten lassen. Bon den 81 Städten Böhmens, die mehr als 10.000 Einwohner zählen, sind 24 vorwiegend deutsche. Gerade in diesen 24 deutschen größeren Städten hat sich im vierten Krisenjahr die Ge burtenabnahme geradezu katastrophal geltend gemacht. Rur fünf von diesen vierundzwanzig zeige« noch eine geringe Zunahme. In den anderen 18 nimmt die Bevölkerung bereit» ab. Wa» diese Entwicklung bedeutet, wird klar, wenn man bedenkt, daß noch im vorhergehenden Jahr 1982 elf,deutsche Städte Böhmens Bevölkerungszuwachs hatten. Die Ziffern des letzten Jahres übertreffen die schlimmsten Erwartungen. Die ungünstigste Zahl hat Reichenberg, wo oie Bevölkerung um 5.60 per Einwohnertausend abgenommen hat(im Borjahr 4.46); dann folgt Karlsbad mit 5.29 per Tausend(gegenüber 4.9 im Vorjahr); Rumburg mit 4.54 wo die Steigerung der Abnahme besonder kraß ist (2.43»n Vorjahr!). In Saaz stieg das Defizit von 3.18 auf 3.62. Trauten»», da» im Jahre 1932 zwar keinen Geburtenüberschuß, aber auch keine Abnahme aufzuweisen hatte, zeigt ein Minus von 3.321 Die fünf deutschen Städte, die noch einen Geburtenüberschuß haben sind: Bilin, Falkenau, Asch, Weipert und Fischern, doch macht sich auch bei der Mehrzahl dieser noch aktiven Gemeinden eine Abnahme gegen das Borjahr bemerkbar. Nur A s ch und Weipert haben ihren Geburtenüberschuß um ein geringes steigern können(Asch von 2.29 aus 3.16 per Tausend und Weipert von 2.27 auf 2.50). Demgegenüber haben von den 27 größeren tschechischen Städten immer noch 12 einen effektiven ZulvachS, wobei zu bemerken ist. daß die tschechischen Städte mit der ärgsten Bevölkerung»» abnahme gegenüber dem Vorjahr eine erheb« licheBcsserung zeigen.(Pk 1 bram statt 5.02 nur noch 8.44; Pisek statt 5.05 Nur noch 3.91; Lau» statt 4.68 nur noch 2.61.) Die bevölkerungspolitische Kalamität des Sudetendeutschtums zeigt sich in den vorgenannten Ziffern mit erschreckender Deutlichkeit, umsomehr, als die Entwicklungstendenz eher eine weitereBer« fchlechterung erwarten läßt. Umsomehr, als das Sudetendeutschtum über keine Bevölke» rungSrcservoirc verfügt, wie sie dem tschechischen Boll in den Ostländern in reichem Maße zur Ber» fügung stehen. Dr. Bg. lichkeit wird jedem Lehrer die gleiche Schülerzahl zugewiesen; die Lehrer teilen sich gleichmäßig in die eingehenden, naturgemäß nicht allzu Üppigen' Honorare; auch Hauser selbst empfängt kein besondere» Dircktorengchalt. Die neuen Töne im Haus in der Prophe» tenstraße hört man im arabischen Lager. Die Lehrer des Konservatoriums sind sämtlich Juden, lunter den Studierenden sind dreißig Prozent Nichtjuden. Bei einem Schülerkonzert vereinigten sich kürzlich ein arabischer Violinist, eine armenische Pianistin uitd eine jüdische Cellistin im Schubert-Trio... Der Weg der Zusammenarbeit führt weiter. Assistiert vom technischen Leiter de» Erziehung»» Departements der Palästinaregierung, Mr. Ste» wart, hat Hauser in vielen Schulen de» Landes, arabischen und jüdischen, Untersuchungen über die musikalischen Fähigkeiten der Kinder ange». stellt und„bewiesen, daß mit Hilfe von physischen und visuellen Hilfsmitteln selbst das verstockteste Ohr Intervalle wahruehmen kann." Die meisten arabischen Kinder verfügen nur über eine Skala von vier Tönen. Sie lernten hier zum ersten Male die Begriffe hoch und tief kennen. Diese Einführung in eine neu« Welt war für die Kin- i der, nachdem sie die erste Scheu überwunden hatten, von größtem Reiz und nicht nur dem des- primitiven Spasses und der Neugierbefriedigung. Hauser befürtvortet nun mit der Autorität seiner Stellung, datz der Musikunterricht im Lande all- I gemein eingeführt Und ein gewisser Stamm von I Musiklchrern staatlich angcstcllt wird. Auch wenn man nicht so optimistisch wie er über die veredelnde ^Wirkung der Kunst denkt, wird man sein Bestreben untersti'ltzcnSlvert finden. Palästina bekam vom englischen Parlament eine 2- Millionen- Pfund» s Anleihe bewilligt; auch für Schulzwecke ist ein Teil des Geldes bestimmt; so möge unter den vielen Briicken, die zwischen Juden und Arabern noch gebaut werden müssen, auch eine tönende sein. - Die tönenöe^r üde Wirtz BalLfttua et« Land der Musik?— Das KonferyK-ort«» I« Jerusalem— Eine Mufikzeitschrist fttr Kinder «esprSch«it Emil-unser Bon Erich Gottgetveu(Jerusalem) genau der menschlichen Körperhaltung entsprechen, können richtig sein. Man muß stet» dem großen Gesetz der Natur folgen." „Ani lo roza". Ich will nicht. Da Helsen keine Pillen. Und wa» will da- kleine Mädel nicht? Dem High Commiffioner Wauchope, dem mächtigsten Mann von Palästina, auf der Violine das Stück Vorspielen, mit dem es gerade paradieren soll. Der High Lommiffioner bittet nun die Diwa persönlich.' Endlich läßt sie sich erweichen. „Sie sehen also", meint Emil Hauser, der Direktor des vom High Lommiffioner patronisicr- ten, sonst aber vom Staat unabhängigen Jerusalemer Konservatoriums,„— Sie sehen also, eine eigenwillige, fast autoritätsfeindliche Jugend ist zu erziehen, doch eS lohnt! Ungeheure Hürwillig» kett, aber auch erstaunliche musikalische Produktivität ruht im jüdischen Boll, und wenn e» uns gelingt, die verborgenen Kräfte zu wecken, so steht Palästina eine große musikalische Zukunft bevor— nicht allein insofern, als gute Konzerte stattfiichen und besucht werden, sondern auch in dem Sinne, datz da» Volk selbst in seiner Freude über die nationale Wiedergeburt und in seinem Glücks- und Freiheitsgefühl in einem großen Maßstab« musikschaffend wird. Wir warten auf den Lohn de» zweitausend Jähre alten Leides. Noch hat sich jede» Leid gelohnt..." „Und wa» wollen Sie praktssch tun?" «Wir werden die Schüler de» Konservatoriums in einem noch viel umfaffenderen Maße al» bisher in die Kwuzzoth schicken, in denen der kollektive Mensch gezüchtet wird, der vielleicht die Menschheit retten wird. Für den arbeitenden Menschen schaffen wir, für ihn zuerst. * Mit dem von ihm geleiteten Budapester Streichquartett fuhr Emil Hauser vierzehn Jahre lang durch die Welt; e» gibt wenig Musikfreunde, die ihn nicht irgendwo irgendwann hörten; viele besitzen den Ton seiner Geig« auf der Schallplatte bewahrt— und nun bekomme ich da» wundervolle Instrument im Jerusalemer„Direktorzimmer" des erfrischend undirektorialen Künstlers in die Hand; in seiner anschaulichen, impulsiven Att will mir Hauser seine pädagogischen Grundsätze klarmachen:„Bom allgemein gut disponierten Körper ergibt sich da» Gefühl für di« richtige Berwendung de» jeweils arbeitenden Teiles. Nur vollkommen natürliche Bewegungen, di« Nach diesem Gesetz hat Dürer gemalt, Bach komponiert und Goethe geschrieben; aber vergessen wir nicht, nach all dem kam die Zeit eine» industriell verbreiteten verlogenen Kitsches, der auch in einer snnerlich verlogenen Pädagogik seinen Niederschlag fand. Diese Pädagogik hat Generationen für die Kunst verdorben. Nun weist man der Jugend wieder den Weg zur Natürlichkeit. Und da ist es geradezu revolutionär— besonders für den Orient, mit welcher Entschiedenheit Hauser di« Erkenntnis in pädagogische Aktivität umsetzt: ständig überwacht eine Lehrerin für Heil- gymnastik den Unterricht. Der lleinc Joseph hat keinen guten Anschlag? Wieso? Er hält sich so schlecht. Also mehr Ballspielen, mehr Sport, mehr Gymnastik, mein Junge. Erft Ball, dann Beethoven—. ♦• Kinder lernen hier hören und spielen; gesungen wird;' in Zinnner 3 bringt Frau Jacob einer Gruppe die Herstellung von Blockflöten bei und lehrt sie damit gewissermaßen die Schöpfung des Ton»; in Zimmer 2 gibt Herr Sulmann Guitarrestunde, inzwischen ist das Sekretariat, das er sonst fleißig verwaltet, geschloffen. Mer die Wartenden langweilen sich nicht. Sie sitzen auf einer Bank im Borzimmer und sind in ein blaues Heftchen vertieft: die neueste Nummer der„Zli- Ihn"(Klänge), der von Fochebeth Dostrovsky, einer Klavierlehrerin de» Konservatorium», her» ausgegebenen hebräischen Mnsikzeitschrift für Kinder. Die vorläufig noch hektographierten Hefte sind mit großem pädagogischen Können zusammengestellt. Das erste enthält eine sehr hübsch geschriebene Mozart-Biographie, ein Märchen «Die Friedensflöte", eine Art musikalische» Frag-mich-waS und musikalische Rätsel. Dazweite bringt u. a. eine Biographie HaydnS und al» Notenbeilage eine Serenade von ihm. Jede» Heft kostet einen halben Piaster, in Kiicherwäh- rung umgerechnet also eine Portion EiS... 1 Selbstverständlich bekommen auch Erwachsene einzeln und in Gruppen praktischen und theoretischen Unterricht, der hier und da Schüler bis zur Konzertreise bringt— aber man will nicht etwa Star» züchten, sondern musikalisches Können und verstehen ganz allgemein vertiefen. Nach Mög- Sekte« „Sozialdetttokrak" Mitt'-ach, 12. September, 1934. Nr. 213 Krauenabend Genossin Dr. Karla S ch w e l V spricht üter das Thema»Reise nach Sowjet- ru s> l a n d" Freitag, 14. September, 8 Uhr abends, Hotel„Monopol", Wintergarten. ' LLAMWMM MW« eines©aunertrids in GeMU Krisenfeste Industrie Die Enrrgieerzengung in der Tschechoslowakischen Republik. Interessante Angaben über die Entwicklung der Energie-Erzeugung enthält das Statistische Jahrbuch für 11)14 und das lebte Bulletin der tschechoslowakischen Nationalbank. ES gab in» Gcsnintgcbiet unseres Staates im Jahre 1013 4182 Elektrizität erzeugende Betriebe, 1»1v waren cö 5848 und 1828 schon 7840. Davon war allerdings nnr ein kleiner Teil selbständige Elektrizitätswerke; nämlich 1813 248, 1818 272 und 1828 318. Die gesamte Stromerzeugung in der Tschechoslowakei ist von 863.6 Millionen.Kilowattstunden(KW2) im Jahre 1813 auf 2.748.5 Millionen KWS. im Jahre 1828 gestiegen. Während sich demnach die Gesamtzahl der Elektrizität erzeugenden Betriebe von 1913 bis 1928 sich nicht einmal verdoppelt und die Zahl der reinen Elektrizitätswerke nur um nicht ganz 25 Prozent zugcnommen hat, ist die 1928 erzeugte Strommrnge fast auf das Dreifache von 1913 gestiegen! TaS Jahr 1929 hat eine weitere Steigerung der Stromerzeugung auf über 3 Milliarden KWS. gebracht. In den folgenden Jahren hat dann die Wirtschaftskrise einen Rückgang gebracht, der aber doch wesentlich geringer ist, als der Produktionsrückgang in anderen Industrien. Seht man die Stromerzeugung von 1028 gleich 100, so ergibt sich seit 1821 solaender Erzeugunginder: 1821 46.0 1822 44.7 1023 48.4 1024 57.7 1025 64.5 IW 68.1 1027 78.4 1028 80.8 1020 100.0 1830 80.8 1831 84.5 1032 85.5 1033 87.8 1034(erstes Halbjahr) 81.8 Während in den meisten Industrien der Produk- tionSindex von 1933 unter dem des Jahres 1924 liegt, übersteigt der für die Stromerzeugung ihn um rin beträchtliches. Tas liegt sicher darin begründet, daß der elektrische Strom heute in viel gröberem Umfange zu BelcuchtungSzwecken benützt wird und sich auch in der Industrie stärker durchgescht hat, als dies noch vor zehn bis zwölf Jahren der Fall war. Für die G a s e r z e u g u n g sind im Statistischen Jahrbuch nur die Zisfern für die Jahre 1828 bis 1831 wiedergegeben. Im gesamten Staatsgebiet gibt cs demnach 85 GaStverke; davon 51 in Böhmen, 27 in Mähren-Schlesien und 7 in der Slowakei. 17 von den 85 befinden sich in Privatbesitz. Die Zahl der Gasabnchmer ist von 210.644 im Jahre 1028 auf 284.853 im Jahre 1631 gestiegen. Die erzeugte Gasmenge konnte im gleichen Zeiträume von über 108 Millionen Kubikmeter auf über 122 Millionen gesteigert werden. Als» trotz des Ausbruches der Wirtschaftskrise ProduktionSstrigerung. Sie fällt um so mehr ins Gewicht ,alS die Gaswerke in den Krisen- jähren eine steigende Menge inländischer Rohstoffe verarbeitet haben. Der Verbrauch von Steinkohle z. B. ist von 282.000 Tonnen auf 300.000 Tonnen gestiegen. Auch die Nebenprodukte der Gaserzeugung haben eine bedeutende mcngcnmäbige Vermehrung erfahren. Die Koksproduktion stieg von 187.102 auf 223.570 Tonnen. In gröberen Mengen ivurden auch A m m o n i a k w a s s e r und Teer gewonnen; Ammoninksulphat, Benzol und Rctoriengraphit haben als Nebenprodukte vorläufig nur geringe volkswirtschaftliche Bedeutung. Einträglicher Geldwechsel Prag, 11. September. Die Besucher des Verhandlungssaales, in dem der Senat des OG!)l. Dr. Werner amtierte, hatten heute Gelegenheit, einen Gaunertrick vorgeführt zu bekommen, der an Frechheit seinesgleichen sucht und weit erfolgreicher i't als man auf den ersten Blick glauben sollte. Dieser Trick besteht darin, dab der Gauner in einem Geschäft eine Kleinigkeit ersteht, uiit einer groben Banknote zahlt und dann das Wechselgeld mitsamt der groben Banknote einstcckt. Wenn man derartige Notizen im Polizeibericht liest— und sie sind häufig genug—, ist man ae- neigt, eine leichtsinnige Nachlässigkeit des Kassiers oder kassierenden Verkäufers anznnchmen, die eben besser acht geben und die grobe Note rechtzeitig in Sicherheit bringe» sollen. Wer dieser Meinung lein sollte, rechnet aber nicht mit der verblüffenden Fingerfertigkeit solcher Spezialisten. Vor dem Senat Werner waren heute zwei interessante Leute ange- klagt, die.Herren Jagern berg und S ch Warze n s ch i l d aus Wien, die den Fremdcnzustrom in den Tagen der Prager Arbeiterolympiade nach ihrer Art ausgenützt haben. Sie gelangten auf abenteuerliche Art über die Grenze und nach Prag. Jagernbcrg wollte angeblich in der Tschechoslowakei Stosse cinkaufcn und über die Grenze nach Oesterreich schmuggeln, um Geld zu verdienen, das er angeblich wegen Krankheitsfällen in der Familie dringend brauchte._ Er behauptet, zu diesem Zlveck 700 Schillinge mitge« tracht zu haben. Er hat eine Mutter, eine LcbcnS- gcfährtin und zwei Kinder und erklärt durch allerlei SchicksalSschläae zu diesem illegalen Erwerb getrieben worden zu sein. Das tväre in der heutigen schtvcren Zeit ganz glaubhaft. Aber Reser angeblich so schwer Geprüfte erklärt gleichzeitig, das mitgenommene Geld in Brünn auf einem Sitz verspielt zu haben, sicherlich ein sonderbares Beginnen für einen, der angeblich am Rande des Abgrundes steht. In seiner Gesellschaft befand sich noch der zweite Angeklagte und eine bisher nicht fcstgestellte Dame, Kostplätze gesucht. Bei der Deutschen.Hauptstclle für Kinderschuh und Jugendfürsorge, Prag I., Matt »am. 11, laufen oft Anfragen nach Kostplähen für Schulkinder ein. Familien, welche geneigt wären, Kinder gegen ein mästigcs Entgelt in Verpflegung zu übernehmen, mögen sich unter folgender Adresse anmeldcn. Deutsche.Hauptstelle für Kinderschuh und Jugendfürsorge in Prag 1., Matt näm. 11, Telephon 815-14. Mit und Wissen DaS neue Abonnement im-Deutschen Theater gibt Ermäßigung bis zu 65 Prozent. Vormerkungen für Neue!»tretende täglich! Abonnenten, die eine Acnderung ihres bisherigen Abonnements vornehmen licsten, können die Karten ab heute beheben. Donnerstag Werbevorstellung für Schulen „Othello".(Abonn. aufgeh.) Die aubcrordentlich niedrigen Preise sind ausschliestlich nur für Schüler der Prager Lehranstalten(Mittelschulen, Bürgerschulen und höhere Klassen der Volksschulen) bestimmt und den Schülern bereits durch die Lehrpersonen bekanntgegeben worden. Die Direktion weist ausdrücklich nochmals auf diese besonders verbilligte Klassitervorstcllung hin, die den Auftakt zu einem gröberen Zyklus bilden soll. Karten durch Schulen erhältlich. Es findet auch ein öffentlicher Verkauf, dieser aber nur zu normalen Abcndpreisen statt. Wochcnspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Heute, Mittwoch, den 11. September, halb 8 Uhr: „Don Carlos" von Verdi(neuinszeniert, B 2). — Donnerstag, halb 7 Uhr:„Othell o"(Werbevorstellung für Schulen, Abonn. aufgehoben).— Freitag, halb 8 Uhr:„Othell o"(D 1).— Samstag, halb 8 Uhr:„Der Vogelhändler" (Werbevorstellung der Serie C 1). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Mittwoch, 8 Uhr:„Hedda Gabler".— Donnerstag, 8 Uhr:„Trotz und Lobby".— Freitag, 8 Uhr:„Bunbur h".— Samstag, 8 Uhr: „Trotz und Lobby". scheinbar zweifelhafter Art, die sich aber an den weiteren Exkursionen der beiden Kunipane nicht beteiligte. Diese beiden fuhren znnächst ohne einen Heller Geld in der Tasche nach Prag, wobei sie sich von dem Kondukteur im Zuge eine Karte auf Kredit anSstcllen lieben, mit dem Bescheid sich den Fahrpreis später in einem kostspieligen Prager Hotel abzuholen, wo sie sich tatsächlich auch einguar- tierten. Der arme Schaffner glaubte den Vprspie- gclnngen der sckbstbewubt auftretcnden Herren, die angeblich ihr Geld v e r l o r c n hatten, und legte k■» Betrag aus. Er bekam indessen nur 70 K£ zurück und musste 170 XL aus eigener Tasche vraufzahlen. Denn die vornehmen Herren stiegen zwar tatsächlich im Hotel„M a j e st i c" ab, von wo ans sie ibre Unternehmungen begannen, aber um die Bezahlung ihrer Schuld wuhten sie sich meisterlich zu drücken. Wie das alles vor sich gegangen ist, ist vorläufig unbekannt, denn die Verhandlung lvurde vertagt, ohne datz das BclvciSvcrfahren zu Ende geführt worden lvärc. Sicher ist so viel, dqtz die Angeklagten beschuldigt werden, in fünf Fällen ihr einträgliches Taschcnspiclcrstück mit der Wechselbanknote unternommen zu haben. Auf Verlangen des Vorsitzenden demonstrierte nun der teilweise geständige Jagernbcrg, wie er dieses Stückchen anSgeführt hat. Die Banknoten mußten allerdings teilweise durch gewöhnliche Papierstücke ersetzt werden, denn eine 500-AL-Note(mit der er operiert hatte) war im GcrichtSsaal nicht zu beschaffen. Jedenfalls aber lies; dieser talentierte Taschenspieler die Papiere, mit denen er manipulierte, in einer tatsächlich verblüffenden Art ver- schwinden. Der Mitangeklagte ist beschuldigt, ihm die Mauer gemacht und die Änfmerksamkeit deS Verkäufers oder Kassiers im geeigneten Augenblick abgelenkt zu haben. Infolge der Vertagung steht vorläufig noch nicht fest, in welchem Verhältnis die beiden zu einander standen. Ebenso blieben verschiedene andere interessante Details einstweilen ungeklärt. rb. Lus der Partei Bezirksorganisatton Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Am Sonntag, den 16. September 1834 veranstaltet die Lokalorganisation Kladno- Krokehlavy eine ISjührige Bestandsfeier der Lokalorganisation.- Beginn nachmittags um 2% Uhr im Garten „Zur Post" in Krokehlavy. Das Programm wird von der SJ und den Sturmfalken bestritten. Wir ersuchen unsere Nrager Mitglieder, diese Veranstaltung durch zahlreiche Teilnahme zu unterstützen. Bei genügender Teilnahme Fahrt mit Autobus. zirka 12 KC. Abfahrt 1 Uhr, Rückfahrt gegen 8 Uhr. Anmeldungen sofort bei Genossen Schönfelder, Prag II., Fügnerovo näm. 4(Tel. 51351). Genaue Abfahrtszeiten in der Freitag-Nummer des„Sozialdemokrat". Partri-Ordner. Teilnahme an Kladno-Fahrt Pflicht! Wer Film Fra»q«ita Der Regisseur Karel Lamak, der Routinier und angebliche Erfinder eines Farbsilmverfahrens, hätte beim Prager Film, der an Regickönnern nicht gerade reich ist. lohnende Aufgaben. Aber aus unbekannten Gründen zieht er es vor, im Ausland so überflüssige Filme zu drehen, wie diese mit komi- schen Zutaten versehene(in Wien verfilmte) Lehar- Operette, in der die Sängerin Jarmila Novotnä den — mit Verlaub zu sagen— Goethe-Darsteller des Friderike-FilmS, Herrn Bollmann, als Partner ertragen mutz, während HanS Moser angestrengt für Belustigung sorgt.—eis— MSdchen in der Kriseri-Hölle Sin Opfer erzählt Die tschechoslowakische Wochenschrift „Svktozor" veröffentlichte in ihrer letzten Nummer den Brief eines jungen Mädchens, das zu einem kürzlich von derselben Zeitschrift gebrachte» Artikel über die sozialen Nöte der Jugend Stellung nimmt und unter anderem schreibt: „Ich erlaube mir höflichst, eine Bemerkung zu dem von Ihnen angeschnittenen Thema„Prostitution". Ich Ivürdc einmal jemandem wünschen, nur eine Nacht in der Gesellschaft derer zuzubringen, von denen Sic geschrieben haben. Ich schreibe das, weil ich heute selbst eine von ihnen bi», lind weshalb? Mei» Baier war Obermüller in einer große» Mühle; damals Ivar ich zehn Jahre. Ich war das jüngste von acht Kindern, die Mutier kannte ich gar nicht. Sic starb gleich nach der Geburt, kaum das; ich noch eine Woche alt war. Mei» Vater verheiratete sich nicht mehr, trotzdem lies; er»ns nicht ohne Erziehung; er nahm eine alte verlassene Frau für uns zu sich, die sich um uns kümmerte. Gott vergelt es ihr. Die Zeiten aber änderten sich und der Vater wurde kränklich. Ich ging gerade in die Prima, als er starb— Herzschlag. Man gab mich dann zu seiner verheirateten Schwester. Dort besuchte ich vier Klaffen Realschule und dann zwei Klaffen Handelsschule. Die schönsten Augenblicke meines Lebens fallen in jene Schulzeit. Aber das ist schon so lange her, daß alles gar nicht mehr wahr ist. Ich wollte der Schwester meines seligen Vaters nicht fortwährend zur Last fallen, da ich sah, daß ihr Mann arbeitslos war. Ich war damals ein dummes, naives Mädel voller Illusionen und so fuhr ich nach Prag. Die Leute sagten mir, ich könnte zum Film gehen— und ich glaubte eS ihnen. Ich spielte oft die Hauptrolle auf irgendeiner Dilettantenbiihne und nach den Vorstellungen bekam ich manchmal einen Blumenstrauß— wie märchenhaft I Ich war in Prag— zum erstenmal im Leben, nichtsahnend, unschuldig. Ich bin nun zwei Monate in Prag, aber was ich in dieser Zeit alles erfahren habe, kann ich nicht nicderschreiben. Würde man es mir glauben? Ich machte die Bekanntschaft mit anderen Mädchen, ich weiß nicht wie, und die ruinierten mich. Ich bin gerade 19 Jahre. Ich bin nicht mehr so naiv und kindlich. Das erste Geld, das ich mir auf diese Weise„verdiente", habe ich nicht behalten: ich zerriß es und warf eS ihm vor die Füße... Mag man mirs glauben oder nicht. Ich wollte am liebsten sterben, aber ich hatte nicht den Mut dazu. Ich wollte als Dienstmädchen in einen Haushalt gehen, aber alle Hausfrauen fürchten, daß„Beamtinnen" nicht arbeiten können. Alles vergeblich. Was blieb mir anderes übrig? Ich bin angeblich schön, ich gehe also zu Malern und Bildhauern als Modell— meinen Körper verkaufen. Ich habe mir keinen Burschen angeschafft— dieses ersparte Geld lege ich zurück, bis ich genügend beisammen habe» um arbeiten gehen zu können. DaS Leben ist grausam, aber wer glaubt heute noch an Tränen? Zerreißen Sie diesen Brief und spucken Sie darauf, aber ich hebe mir Achren Artikel auf und bis ich arbeiten werde, speie ich das an, was ich einmal war. Mein jetziges Leben ist schlimmer als die Hölle, schlimmer als der Tod. Wenn ich in das Heft schaue, wo ich die Gedichte ausgeschrieben habe, kommen mir Erinnerungen an die Schule und an die Feste, da ich sie im Sonntagskleid vor der ganzen Klaffe vortrug. Ich frage mich, ob das alles noch wahr ist... Spott« Spiel• KHtperpflege 200 Meter in 20.2.Cctnuft««! Bei dem Amerikaner-Meeting in Tokio lief der amerikanische Neger-Sprinter Metcalfe über 200 Meter die fabelhafte Zeit von 20.2 Sek., welche.einen neuen Weltrekord darstellt. Spielergebnisse der Divisionen vom Sonntag In der mittelböhmischen Division hatte Viktoria ZiZkov am Samstag gegen Meteor Vlll kein Glück und spielte unentschieden 2:2(1:0). Sonntag gab es folgende Ergebnisse: Nuselsky SK. gegen SK. Lissa 1:0(1:0), CAFE, gegen Sparta Kosik 1:1(1:0), Rapid Prag gegen Cechoslovan Koöik 5:2(4:2), Cechie Vlll gegen SK. Raudnitz 2:2(2:2). Sparta Kladno gegen SK. Liben 1:1 (8:1). Die Division Böhmen-Land meldet nachfolgende Spielergebniffe: SK. Rachod gegen SK. Pctkin Pilsen 2:0(1:0), CSK. BudweiS gegen SK. Horowitz 3:0(2:0), SK. Rakonitz gegen Jung- bnnzlauer SK. 2:0(1:0), SK. Rokitzan gegen SK. Königgrätz 8:2(1:2), SK. Königinhof gegen SK. Pardubitz 1:0(1:0), SK. Kopisty gegen Olympia Pilsen 8:1(0:0). In der mährisch-schlesischen Division gab cs harte Kämpfe und knappe Ergebnisse: Han Slavia Kromkritz gegen Bata Zkln 1:0(0:0), Schle- sisch-Ostrau gegen Polonia Karwin 2:1(0:0), SK. Prerau gegen Kral. Pole Brünn 4:4(8:8). Von der Division Slowakei-Karpatho- r u b l a n d wären erwähnenswert: CSK. Preßburg gegen PFK. Pistyan 5:2(1:0). Ligetti Preßburg gegen FC. Vrutky 2:1(0:0). Bei dem Sviele KAC. Kascha» gegen MSE. Munkacz, das mir 8:1 vorzeitig beendet werden niutzte, wurde der Schiedsrichter verprügelt. Gleichheit WeiSkirchlitz schloß am Sonntag die Sportwoche offiziell mit dem Spiel gegen P r e d« titz ab. Die Weiskirchlitzer gewannen 2:1(0:1) und sicherer als das Resultat besagt. Krochwitz gegen Klrinaugrzd 1:1. Es war ein Spiel gleichwertiger Gegner und das Unentschieden gerecht. Aussige» Arbeitersutzball. Kleische gegen Pred- litz 2:2, Trnüce gegen Türmitz 0:2, Karbih gegen Glashütte 2:1.* Rapid Wien gegen Slavia 3:2(2:1). Mit dem Dienstag in Prag ausgetragenen Spiele wollte die Slavia wegen der Niederlage im Mitropacup Revanche nehmen. Wie das Resultat beweist, ist sie nicht geglückt. Slavias Tore stammen aus Elfern. Südböhmen gegen Oberösterreich 68:53. Dieser am Sonntag in BudweiS auSgetragene Leichtathletikkampf endete mit dem sicheren Siege der südböhmischen Athleten. Die wichtigsten Ergebnisse: 100 Meter: Blaha(S) 11.5 Sek.; 800 Meter: Vejsicky(S) 2:04 Min.; Kugel: Coufal (O) 12.47 Meter; Weitsprung: Blaha 6.41 Meter; Hochsprung: Plachberger(O) 1.75 Meter; Diskus: Rappelsberg(O) 89.05 Meter; 200 Meter: Waldhauser(S) 23.7 Sek.; 1500 Meter: Nedobity(S) 4:26 Min.; 4X100 Meter; Südböhmen 46 Sek.; 400 Meter: Saukerl(O) 52.8 Sek.; Stabhoch: Peterlciner(O) 8.45 Meter; Speer: HauSner(S) 50.28 Meter; 5000 Meter: Treuscbih(O) 16:56.8 Min.; Olympische Stafette: Südböhmen 8:38.8 Min. Neuer Frauen-Weltrekord. Im beidarmigen Speerwerfen erzielte die Deutsche G e l i u s mit 62.43 Meter eine neue Weltbestleistung. Die tschechoslowakisch« Dreikampf-Mrlsterschaft für Frauen, welche Sonntag in BudweiS im Rahmen des Wettkampfes Südböhmen—Oberösterreich durchgeführt wurde, gewann Pekarovä(Slavia Prag) mit 209 vor Koubkovä(VS. Prag) 191 Punkten. Die Einzelergebniffe: 100 Meter: Koubkovä 12.4, Pekarovä 12.8 Sek.; Hochsprung: Koubkovä 1.48, Pekarovä 1.41 Meter; Speer: Pekarovä 80.65. Koubkovä 20.87 Meter. DaS Werben um Sowjetrutzland. Ende November oder anfangs Dezember soll in Prag ein Länderkampf im Boxen zwischen So- wjetrutzland und der Tschechoslowakei stattfinden. Der bürgerliche internationale Boxverband(Fiba) hat für diese Veranstaltung die Ge- nehniigung erteilt, aber den tschechoslowakischen Verband verpflichtet, mit den Russen über einen Eintritt in die Fiba zu verhandeln. Arbeiter-Radballturnier in Colmar. Die Union Vklociptdique Ouvriere„Solidarite de France" veranstaltete am Sonntag, den 2. September, in Colmar ein Radballturnier, das eine gute Beteiligung sowie gute Leistungen aufwies. In den AuSscheidungS- kämpfen gab es folgende Ergcbniffe: Dreier-Radball: Hüningen gegen Mülhausen 5:2, Colmar gegen Schlettstadt 4:1. Zweier-Radball: Hüningen gegen Mülhausen 4:8, Colmar gegen Schlettstadt 6:0, Die Finalspiele ergaben nachstehende Resultate: Zweier- Radball: Colmar gegen Hüningen 6:8, Mülhausen gegen Schlettstadt 8:0. Dreier-Radball: Hüningen gegen Colmar 4:8, Mülhausen gegen Schlettstadt 7:1. In einem Propagandaspiel im Zweier-Radball schlug Colmar mit 7:8 Mülhausen. DaS Autorennen um dr«„Großen Preis von Italien" wurde Sonntag auf der vier Kilometer langen Bahn von Monza ausgefahren. Die Fahrer mutzten diese Strecke 125mal durchfahren, um die 500 Kilometer zu bewältigen. Biele Rennfahrer waren diesen Strapazen nicht gewachsen und wurden ausgetauscht. DaS Rennen gewannen Carraeiola— Faggioli auf MercedeS-Benz in 4:45:47 vor Stuck— Leiningen(Auto-Union) in 4:47:25.2, 115 Runden, und Toffi(Alfa Romeo) in 4:45:49.2. 114 Runden. Die Sieger fuhren eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 105.175 Kilometern. vcrdnsnadirlditcn Turnerinnen, Achtung! Diejenigen Turnerinnen, die sich cn der Fahrt nach Kladno beteiligen wollen, werden ersucht, sich Donnerstag, Punkt 7 Uhr abends, in der Turnhalle, Prag II., Stöpan- skä ul: 20, einzufintzcn.' PRAG Bezugsbedingungen: Bet Zustellung ins Hautz oder bei Bezug durch die Post monatlich AL 16.—, vierteljährig AL 48.—, halbjährig AL 96.—, ganzjährig AS 192.—.— Inserate werdenlaut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt, nur hei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der vost« und Telegraphendirektion mit Erlab Rr. 13.800/VII/1080 bewilligt. Druckerei:„Orbis". Druck«, Verlags« und ZeitiMgS«A.«G., Prag.